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	<title>NachDenkSeiten - Die kritische Website &#187; NachDenkSeiten</title>
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	<description>Im Audiopodcast der NachDenkSeiten werden regelmäßig die wichtigsten Artikel des Blogs NachDenkSeiten.de zum Nachhören angeboten.</description>
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		<title>NachDenkSeiten - Die kritische Website &#187; NachDenkSeiten</title>
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	<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>An die Wand gefahren – Warum wir eine konstruktive Euro-Exit-Debatte brauchen</title>
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		<pubDate>Wed, 15 May 2013 06:39:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Euro war eine gro&#223;e Chance f&#252;r Europa. Deutschland hat diese Chance jedoch nie begriffen. Ideologische Scheuklappen haben die Gemeinschaftsw&#228;hrung in eine tiefe Krise man&#246;vriert. Ohne eine 180°-Wende wird das Unternehmen „Eurorettung“ scheitern. Leider muss man sich jedoch auch eingestehen, dass es momentan keine Anzeichen f&#252;r eine solche Wende gibt. Nun k&#246;nnte nur noch eine [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Euro war eine gro&#223;e Chance f&#252;r Europa. Deutschland hat diese Chance jedoch nie begriffen. Ideologische Scheuklappen haben die Gemeinschaftsw&#228;hrung in eine tiefe Krise man&#246;vriert. Ohne eine 180°-Wende wird das Unternehmen „Eurorettung“ scheitern. Leider muss man sich jedoch auch eingestehen, dass es momentan keine Anzeichen f&#252;r eine solche Wende gibt. Nun k&#246;nnte nur noch eine europ&#228;ische Palastrevolution den Euro retten. Vielleicht ist es jedoch daf&#252;r jedoch zu sp&#228;t. Realistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro die n&#228;chsten Jahre &#252;berlebt, nicht sonderlich gro&#223;. Da der politische und volkswirtschaftliche Schaden eines Euro-Zusammenbruchs epochal sein wird, brauchen wir nun eine konstruktive Debatte, wie ein Exit-Szenario aussehen k&#246;nnte. Wer sich dieser Debatte verweigert, treibt die Menschen – gewollt oder ungewollt – in die Arme von neoliberalen Populisten, wie der Alternative f&#252;r Deutschland. Von <strong>Jens Berger</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-17262"></span><br />
</p>
<p>Die deutsche Politik hat sich leider als vernunftresistent erwiesen. Sie hat nie verstanden, dass die einseitige Exportfixierung Deutschlands in Kombination mit der vorangetriebenen Schw&#228;chung der Binnennachfrage durch Lohnk&#252;rzungen in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum zu desastr&#246;sen Ungleichgewichten f&#252;hren muss. Sie hat auch nie verstanden, wie wichtig es ist, diese Ungleichgewichte abzubauen. Selbst als der Eurozone in der Krise die Pistole an den Kopf gesetzt wurde, weigerte sich Deutschland eine „innere Aufwertung“ umzusetzen, bei der Deutschland durch eine St&#228;rkung der Binnennachfrage seinen Au&#223;enhandels&#252;berschuss abbauen kann. Im Gegenteil: Im letzten Jahr erzielte die deutsche Volkswirtschaft den zweith&#246;chsten Au&#223;enhandels&#252;berschuss der Geschichte – nur im Vorkrisenjahr 2007 lag der Wert noch h&#246;her. Dass Deutschland damit im n&#228;chsten Jahr zum dritten Mal in Folge gegen die Kriterien des europ&#228;ischen Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakts <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=11748">verst&#246;&#223;t</a>, wird hierzulande noch nicht einmal wahrgenommen.</p>
<p>Parallel dazu befinden sich die Volkswirtschaften der „Krisenl&#228;nder“ im freien Fall, w&#228;hrend die realwirtschaftliche Krise l&#228;ngst den Kern der Eurozone erreicht hat. Nach den Sch&#228;tzungen der <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-396_de.htm?locale=en">Fr&#252;hjahrsprognose der EU-Kommission</a> wird Deutschland neben dem kleinen Bankenstadtstaat Luxemburg in diesem Jahr das einzige Gr&#252;ndungsmitglied der EU sein, das &#252;berhaupt noch ein – wenn auch mageres – Wirtschaftswachstum erzielen kann. Die Eurokrise ist l&#228;ngst nicht mehr eine Krise der Europeripherie, auch wenn sie dort am verheerendsten w&#252;tet. </p>
<p><strong>Mit Volldampf auf die Klippe zu</strong></p>
<p><strong>Doch anstatt der Krise entgegenzuwirken, gie&#223;t die Bundesregierung durch ihr Spardiktat weiteres &#214;l ins Feuer.</strong> Getreu dem Motto der Hunnenrede „Pardon wird nicht gegeben!“ ignoriert man dabei sogar, dass mit der <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=15789">Korrektur des Fiskalmultiplikators</a> und der <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16916">Widerlegung von Reinhart/Rogoff</a> auch die letzten (pseudo)wissenschaftlichen Fundamente der deutschen „Sparpolitik“ weggefallen sind.<br />
Anstatt das eigene Versagen einzugestehen, geht man lieber in die Vorw&#228;rtsverteidigung und macht den Mangel an Argumenten auf internationalen Konferenzen durch steigende Lautst&#228;rke (<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16972">„Br&#252;llorgie“</a>) wett. Es w&#252;rde wohl auch niemanden gro&#223;artig &#252;berraschen, wenn Wolfgang Sch&#228;uble im Bundestag den Satz „Den Monetarismus in seinem Lauf, h&#228;lt weder Ochs´ noch Esel auf“ vor sich hinnuscheln w&#252;rde. Die Regierungsparteien nehmen die Realit&#228;ten nur sehr selektiv wahr und es ist auszuschlie&#223;en, dass sie ohne Druck von au&#223;en von ihrem sturen Kurs abweichen.</p>
<p><strong>Nicht irgendwelche populistischen Splitterparteien, sondern CDU/CSU und FDP sind die eigentlichen „Eurogegner“</strong>, da sie alles in ihrer Macht stehende tun, um den Euro scheitern zu lassen. Und da auch die Oppositionsparteien SPD und Gr&#252;ne sich beim Thema „Eurorettung“ nicht gro&#223;artig von den Regierungsparteien unterscheiden, ist absehbar, dass es in n&#228;herer Zukunft keine innere Aufwertung in Deutschland geben wird. Bestenfalls wird Berlin sich z&#228;hneknirschend dazu durchringen k&#246;nnen, kleinere Kurskorrekturen vorzunehmen. <strong>Der Tanker l&#228;uft jedoch mit voller Fahrt in Richtung Klippen</strong>, kleinere Kurskorrekturen reichen da nicht mehr aus.</p>
<p><strong>Letzte Hoffnung: Palastrevolution</strong></p>
<p>Die letzte Hoffnung f&#252;r den Euro liegt somit nicht mehr in Berlin, sondern in den Hauptst&#228;dten der anderen Eurol&#228;nder. Auch wenn die &#246;ffentliche Wahrnehmung etwas anderes suggeriert, ist Europa (noch) kein Protektorat Deutschlands. Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Spanien sind souver&#228;ne Staaten und k&#246;nnen gemeinsam die deutsche Vormacht beim Unternehmen „Eurorettung“ kippen. Es ist ja auch nicht so, dass Deutschland auch nur im Ansatz f&#252;r die Mehrheit der Eurol&#228;nder spricht. Streng genommen verf&#252;gt Deutschland mit Finnland und (mit deutlichen Abstrichen) &#214;sterreich nur noch &#252;ber zwei echte Verb&#252;ndete. Es gibt somit kein europ&#228;isches Gremium, in dem der deutsche Kurs eine ausreichende Mehrheit haben m&#252;sste. Gegner des deutschen Kurses h&#228;tten zudem die volle Unterst&#252;tzung der G7 – auch in dieser Gruppe ist Deutschland mittlerweile isoliert und vor allem aus den USA und Japan gibt es immer massivere Kritik am deutschen Kurs.</p>
<p>Sp&#228;testens 2014 werden sich die Machtverh&#228;ltnisse in Europa ohnehin massiv verschieben. Nach den Europawahlen wird sich ein neues Europaparlament konstituieren. Schon heute hat die „Sparpolitik“ Berlins in Br&#252;ssel und Stra&#223;burg keine Mehrheit. 2014 wird auch eine neue EU-Kommission „gew&#228;hlt“ und nach dem Abtritt von EU-Kommissionspr&#228;sident Barroso und W&#228;hrungskommissar Rehn werden die Karten neu gemischt. Ob es dann noch siebzehn Eurostaaten geben wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Es ist jedoch auch keinesfalls ausgemacht, dass eine europ&#228;ische „Palastrevolution“ Deutschland wirklich von seinem zerst&#246;rerischen Kurs abbringen kann. Um den Euro wirklich zu retten, m&#252;ssten beispielsweise das EZB-Statut &#252;berarbeitet werden und verschiedene bereits verabschiedete Gesetze, wie z.B. der Fiskalpakt, r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden. Da es sich hierbei um multilaterale Vertr&#228;ge handelt, ist jedoch eine deutsche Zustimmung zwingend notwendig. Und momentan fehlt selbst Optimisten die Phantasie, eine deutsche Zustimmung auch nur als halbwegs realistisch zu betrachten.</p>
<p><strong>Das Scheitern des Euro darf kein Denkverbot sein</strong></p>
<p>Albrecht M&#252;ller schrieb dazu <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=17164">vor zwei Wochen</a>: <strong>„Wenn Deutschland sich nicht bewegt, dann soll es um Gott’s Namen seine aufgewertete DM wiederhaben“</strong>. Recht hat er. <strong>Wenn die Vernunft derart epochal aussetzt, wird die Unvernunft siegen.</strong> Auch wenn niemand dies wirklich wollen kann: <strong>Die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro &#252;berlebt, ist nicht sonderlich gro&#223;.</strong> Doch wenn der Euro scheitert, muss es auch durchdachte Szenarien geben, wie der Zusammenbruch der Gemeinschaftsw&#228;hrung zu managen ist. Die Diskussion dar&#252;ber ist nicht damit zu verwechseln, dass man sich einen Zusammenbruch w&#252;nschen w&#252;rde. Im Gegenteil. Man muss auch &#252;ber D&#228;mme diskutieren k&#246;nnen, ohne damit in den Verdacht zu kommen, man w&#252;nsche sich Hochwasser.</p>
<p>In Deutschland ist diese Diskussion dank Oskar Lafontaine endlich innerhalb der politischen Linken angekommen. Man muss Lafontaines <a href="http://www.oskar-lafontaine.de/links-wirkt/details/f/1/t/wir-brauchen-wieder-ein-europaeisches-waehrungssystem/">Thesen</a> dabei keinesfalls kritiklos zustimmen – einige seiner Aussage laden f&#246;rmlich zur Kritik ein. Dennoch ist es ihm zu verdanken, diese wichtige Diskussion erneut angesto&#223;en zu haben. Bereits im September letzten Jahres er&#246;ffnete Heiner Flassbeck auf den NachDenkSeiten die <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=14227">Diskussion</a> zum Thema. Amerikanische &#214;konomen wie Paul Krugman, Joseph Stiglitz oder Nouriel Roubini haben den Euro schon l&#228;ngst aufgegeben und fragen sich, wie man ein Exit-Szenario und eine Post-Euro-Epoche sinnvoll gestalten k&#246;nnte. Nur in Deutschland ist dieses Thema immer noch ein Tabu. Merkels Satz „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ bestimmt hierzulande die Diskussion. Dem m&#246;chte man entgegenhalten: <strong>Europa ist wichtiger als der Euro.</strong> Und wenn Deutschland den Euro partout vor die Wand fahren will, muss man sich nun einmal Gedanken dar&#252;ber machen, wie man dieses Szenario ohne epochale Sch&#228;den &#252;berleben kann.</p>
<p>Heiner Flassbeck schrieb im September: „Auf Deutschland rollt bei diesem Szenario ein wirtschaftlicher Tsunami der h&#246;chsten Kategorie zu“ und auch ich entwarf damals ein d&#252;steres <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=14247">Szenario</a> f&#252;r den Fall eines Zusammenbruchs der Eurozone. Daran hat sich freilich bis heute nichts ge&#228;ndert. Doch es macht nat&#252;rlich einen gro&#223;en Unterschied, ob der Euro eine harte Bruchlandung hinlegt und die ehemaligen Eurostaaten unkoordiniert zu ihren nationalen W&#228;hrungen zur&#252;ckkehren, oder ob man das Ende des Euros in einem sorgsam abgestimmten Exit-Prozess in einem System politisch bestimmter Wechselkurse vollzieht, wie es beispielsweise Oskar Lafontaine vorschl&#228;gt. </p>
<p>Ob wir es wollen oder nicht: Diese Diskussion muss gef&#252;hrt werden und sie wird auch auf den NachDenkSeiten gef&#252;hrt werden. Davor die Augen zu verschlie&#223;en, hie&#223;e auch, sich aus einer notwendigen konstruktiven Debatte zur&#252;ckzuziehen und neoliberalen Populisten wie der Alternative f&#252;r Deutschland das Spielfeld kampflos zu &#252;berlassen. Das kann aber keiner ernsthaft wollen. Gerne w&#252;rden auch wir daran glauben, dass es in Europa eine Palastrevolution geben wird und die Vernunft letztlich doch obsiegen und in die K&#246;pfe von Angela Merkel und Wolfgang Sch&#228;uble einziehen wird. <strong>Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber sie stirbt – Tag f&#252;r Tag ein St&#252;ckchen mehr.</strong><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/cd2e4782baea4f12b01e292df9b0f0a6" width="1" height="1" alt="" /></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=17262&amp;md5=32476a8e658bd8a21d377af00fe56c61" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Der Euro war eine gro&#223;e Chance f&#252;r Europa. Deutschland hat diese Chance jedoch nie begriffen. Ideologische Scheuklappen haben die Gemeinschaftsw&#228;hrung in eine tiefe Krise man&#246;vriert. Ohne eine 180°-Wende wird das Unternehmen „Eurorettung“ scheitern. Leider muss man sich jedoch auch eingestehen, dass es momentan keine Anzeichen f&#252;r eine solche Wende gibt. Nun k&#246;nnte nur noch eine europ&#228;ische Palastrevolution den Euro retten. Vielleicht ist es jedoch daf&#252;r jedoch zu sp&#228;t. Realistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro die n&#228;chsten Jahre &#252;berlebt, nicht sonderlich gro&#223;. Da der politische und volkswirtschaftliche Schaden eines Euro-Zusammenbruchs epochal sein wird, brauchen wir nun eine konstruktive Debatte, wie ein Exit-Szenario aussehen k&#246;nnte. Wer sich dieser Debatte verweigert, treibt die Menschen – gewollt oder ungewollt – in die Arme von neoliberalen Populisten, wie der Alternative f&#252;r Deutschland. Von Jens Berger
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Die deutsche Politik hat sich leider als vernunftresistent erwiesen. Sie hat nie verstanden, dass die einseitige Exportfixierung Deutschlands in Kombination mit der vorangetriebenen Schw&#228;chung der Binnennachfrage durch Lohnk&#252;rzungen in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum zu desastr&#246;sen Ungleichgewichten f&#252;hren muss. Sie hat auch nie verstanden, wie wichtig es ist, diese Ungleichgewichte abzubauen. Selbst als der Eurozone in der Krise die Pistole an den Kopf gesetzt wurde, weigerte sich Deutschland eine „innere Aufwertung“ umzusetzen, bei der Deutschland durch eine St&#228;rkung der Binnennachfrage seinen Au&#223;enhandels&#252;berschuss abbauen kann. Im Gegenteil: Im letzten Jahr erzielte die deutsche Volkswirtschaft den zweith&#246;chsten Au&#223;enhandels&#252;berschuss der Geschichte – nur im Vorkrisenjahr 2007 lag der Wert noch h&#246;her. Dass Deutschland damit im n&#228;chsten Jahr zum dritten Mal in Folge gegen die Kriterien des europ&#228;ischen Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakts verst&#246;&#223;t, wird hierzulande noch nicht einmal wahrgenommen.
Parallel dazu befinden sich die Volkswirtschaften der „Krisenl&#228;nder“ im freien Fall, w&#228;hrend die realwirtschaftliche Krise l&#228;ngst den Kern der Eurozone erreicht hat. Nach den Sch&#228;tzungen der Fr&#252;hjahrsprognose der EU-Kommission wird Deutschland neben dem kleinen Bankenstadtstaat Luxemburg in diesem Jahr das einzige Gr&#252;ndungsmitglied der EU sein, das &#252;berhaupt noch ein – wenn auch mageres – Wirtschaftswachstum erzielen kann. Die Eurokrise ist l&#228;ngst nicht mehr eine Krise der Europeripherie, auch wenn sie dort am verheerendsten w&#252;tet. 
Mit Volldampf auf die Klippe zu
Doch anstatt der Krise entgegenzuwirken, gie&#223;t die Bundesregierung durch ihr Spardiktat weiteres &#214;l ins Feuer. Getreu dem Motto der Hunnenrede „Pardon wird nicht gegeben!“ ignoriert man dabei sogar, dass mit der Korrektur des Fiskalmultiplikators und der Widerlegung von Reinhart/Rogoff auch die letzten (pseudo)wissenschaftlichen Fundamente der deutschen „Sparpolitik“ weggefallen sind.
Anstatt das eigene Versagen einzugestehen, geht man lieber in die Vorw&#228;rtsverteidigung und macht den Mangel an Argumenten auf internationalen Konferenzen durch steigende Lautst&#228;rke („Br&#252;llorgie“) wett. Es w&#252;rde wohl auch niemanden gro&#223;artig &#252;berraschen, wenn Wolfgang Sch&#228;uble im Bundestag den Satz „Den Monetarismus in seinem Lauf, h&#228;lt weder Ochs´ noch Esel auf“ vor sich hinnuscheln w&#252;rde. Die Regierungsparteien nehmen die Realit&#228;ten nur sehr selektiv wahr und es ist auszuschlie&#223;en, dass sie ohne Druck von au&#223;en von ihrem sturen Kurs abweichen.
Nicht irgendwelche populistischen Splitterparteien, sondern CDU/CSU und FDP sind die eigentlichen „Eurogegner“, da sie alles in ihrer Macht stehende tun, um den Euro scheitern zu lassen. Und da auc[...]</itunes:summary>
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		<title>Der SPIEGEL und die Altersvorsorge – eine publizistische Bankrotterkl&#228;rung</title>
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		<pubDate>Mon, 06 May 2013 11:54:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation des Monats]]></category>
		<category><![CDATA[SPIEGEL / SPIEGEL Online]]></category>

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		<description><![CDATA[In seiner aktuellen Titelgeschichte besch&#228;ftigt sich der SPIEGEL ausf&#252;hrlich mit dem Thema „Altersvorsorge“. Wunderbar, so k&#246;nnte man meinen &#8211; nach apolitischen und unsinnigen Titelgeschichten wie beispielsweise „Hitlers Uhr“ endlich mal ein Thema, das nicht nur wichtig, sondern auch brisant ist. Wer vom SPIEGEL hier jedoch Aufkl&#228;rung erwartet, hofft vergebens. Wahrscheinlich ohne es zu wissen, listen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner aktuellen <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/">Titelgeschichte</a> besch&#228;ftigt sich der SPIEGEL ausf&#252;hrlich mit dem Thema „Altersvorsorge“. Wunderbar, so k&#246;nnte man meinen &#8211; nach apolitischen und unsinnigen Titelgeschichten wie beispielsweise <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2013-5.html">„Hitlers Uhr“</a> endlich mal ein Thema, das nicht nur wichtig, sondern auch brisant ist. Wer vom SPIEGEL hier jedoch Aufkl&#228;rung erwartet, hofft vergebens. Wahrscheinlich ohne es zu wissen, listen die Autoren nahezu s&#228;mtliche Argumente die gegen eine kapitalgedeckte Altersvorsorge sprechen, auf, um dann zu dem abstrusen Schluss zu kommen, dass eine Erh&#246;hung des Anlagerisikos die beste Alternative zur „kalten Enteignung“ durch niedrige Zinsen sei. Vor allem aus volkswirtschaftlicher Sicht dilettieren die Autoren dabei munter vor sich hin. Von <strong>Jens Berger</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-17158"></span><br />
</p>
<p>F&#252;r den SPIEGEL ist der Hauptverantwortliche f&#252;r die niedrige Verzinsung auf Ersparnisse und Lebensversicherungen schnell gefunden. Mario Draghi und seine Zinspolitik seien eine „Katastrophe f&#252;r alle Sparer“. Was hat der EZB-Chef denn gemacht? Hat der die Banken pleite gehen lassen und damit die Sparer indirekt enteignet? Nein, Draghis Politik ist eigentlich vielmehr darauf ausgerichtet, selbst klinisch tote Banken durch k&#252;nstliche Beatmung am Leben zu halten. Hat er dann etwa daf&#252;r gesorgt, dass Staatsanleihen der Eurostaaten nicht zur&#252;ckgezahlt werden und von den Lebensversicherern abgeschrieben werden m&#252;ssen? Nein, durch zahlreiche – von Berlin und der Bundesbank scharf kritisierte – Programme hat die EZB vielmehr ihren Teil dazu beigetragen, dass angeschlagene Staaten wie Spanien oder Irland bislang jeden Cent der hoch verzinsten Papiere bedient haben – zur Freude der Versicherer und Versicherten, zum &#196;rger der Steuerzahler der betroffenen Staaten.</p>
<p><strong>Es gibt einen Unterschied zwischen Zinssenkung und sinkenden Zinsen</strong></p>
<p>Doch darum geht es dem SPIEGEL nicht. Das „Vergehen“, das Draghi angelastet wird, besteht vielmehr darin, den volkswirtschaftlichen Absturz der Eurozone durch niedrige Leitzinsen abwenden zu wollen. Die sinkenden Leitzinsen, so der SPIEGEL zwischen den Zeilen, seien direkt f&#252;r die niedrigen Zinsen auf dem Sparbuch und die sinkenden &#220;berschussbeteiligungen der Lebensversicherer verantwortlich. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Offenbar scheint man in Hamburg vergessen zu haben, dass wir uns mitten in einer der tiefsten Wirtschaftskrisen der j&#252;ngeren Geschichte befinden. Nach den Vorstellungen der sogenannten Monetaristen, also der geldpolitischen Schule des Neoliberalismus, ist der Leitzins so etwas wie Gottes &#246;konomischer Arm – er steuert die Konjunktur, Angebot und Nachfrage, die Arbeitslosigkeit und sogar die Verzinsung von Lebensversicherungen. </p>
<p>Sicher, der Leitzins hat indirekte Auswirkungen auf diese Gr&#246;&#223;en. In Krisenzeiten ist die Leitwirkung des Leitzinses jedoch sehr begrenzt. W&#228;re es anders, w&#252;rde die Weltwirtschaft sich heute nach jahrelanger Niedrigzinspolitik bereits wieder auf dem Wachstumspfad befinden, die Arbeitslosigkeit w&#252;rde zur&#252;ckgehen und die Zinsen w&#252;rden steigen. Dem ist aber bekanntlich nicht so. Warum?</p>
<p><strong>Keine Zinsen auf dem Sparbuch</strong></p>
<p>Krisenzeiten sind immer auch Perioden, in denen es ein hohes Kreditausfallrisiko gibt. Gleichzeitig ist in Krisenzeiten die Kreditnachfrage r&#252;ckl&#228;ufig, da die Produktionskapazit&#228;ten nicht voll ausgelastet sind und die Nachfrageseite wegbricht. <a href="http://www.weitwinkelsubjektiv.com/2013/04/26/die-dreiste-hobbyokonomin/">So befindet sich</a> im angeblich soliden Deutschland die Auslastung des verarbeitenden Gewerbes auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren, w&#228;hrend sie in der Europeripherie auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen liegt. </p>
<p>Diese beiden Effekte f&#252;hren in Kombination zu dem – auf den ersten Blick – verwirrenden Szenario, das wir momentan beobachten: Die Zinsen f&#252;r Kredite steigen, gleichzeitig sinken jedoch die Zinsen f&#252;r Spareinlagen. Wer in den Krisenl&#228;ndern &#252;berhaupt noch einen Kredit nachfragt, wird automatisch aufgrund der konjunkturellen Rahmenlage und der bankinternen Vorgaben, das Risiko der vergebenen Kredite herunterzufahren, in der Risikobewertung hochgestuft und kriegt – wenn &#252;berhaupt – nur einen Kredit zu einem recht hohen Zinssatz. Gleichzeitig schrumpfen die Einlagen der Banken jedoch nur marginal. Vereinfach gesagt, sinkt die Nachfrage nach Geld, w&#228;hrend das Angebot konstant bleibt. Dies f&#252;hrt freilich dazu, dass die Banken nicht eben scharf darauf sind, neue Spareinlagen zu bekommen und daher die Zinsen f&#252;r diese Einlagen munter senken k&#246;nnen. Mit dem Leitzins hat dieses Ph&#228;nomen jedoch relativ wenig zu tun.</p>
<p><strong>Keinen Zinsen f&#252;r die Lebensversicherung</strong></p>
<p>Etwas komplizierter stellt sich die schlechte Lage f&#252;r Kunden von Lebensversicherungen dar. Lebensversicherungen sind gezwungen, die Gelder ihrer Kunden zum gr&#246;&#223;ten Teil in festverzinsliche Papiere mit niedrigem Risiko im gleichen W&#228;hrungsraum anzulegen. Neben Staatsanleihen kommen hier allenfalls noch bestimmte Schatzbriefe und Unternehmensanleihen in Frage. Doch nicht nur Lebensversicherungen buhlen um sichere, festverzinste Papiere aus dem Euroraum – auch Banken lieben derartige Papiere. Auch hier sorgen Angebot und Nachfrage daf&#252;r, dass der Preis, also der Zins, f&#252;r diese Papiere steil nach unten geht. Wenn die Phase, in der zehnj&#228;hrige Bundesanleihen nur noch 1,3% Zins bringen, l&#228;nger anh&#228;lt, werden die Lebensversicherer ihren Kunden langfristig kaum mehr als einen Inflationsausgleich anbieten k&#246;nnen. Und was f&#252;r Lebensversicherungen gilt, gilt auch analog f&#252;r alle anderen Altersvorsorgeprodukte, die es mit dem Anspruch, eine halbwegs sichere Verrentung anzubieten, ernst nehmen. </p>
<p>Wor&#252;ber sich nun viele Sparer und Kunden kapitalgedeckter Altersvorsorgeprodukte – angstachelt von SPIEGEL, WELT, Handelsblatt, Focus und Co. – aufregen, ist die vermeintliche „kalte Enteignung“ ihrer Ersparnisse. Auch wenn sich das f&#252;r Betroffenen hart anh&#246;rt: Es gibt kein Recht auf Zinsgewinne, auch wenn die politische und mediale Diskussion der letzten zwei Jahrzehnte etwas anderes suggeriert haben. In anderen Eurostaaten bezahlen die Menschen die Austerit&#228;tspolitik aus Berlin und Br&#252;ssel mit ihrer Existenz, w&#228;hrend Deutschland &#252;ber nicht erzielte Zinsgewinne lamentiert. Haben „wir“ wirklich gedacht, dass „wir“ ganz Europa eine neoliberale Schrumpfkur verpassen k&#246;nnen, ohne zumindest einen kleinen Preis daf&#252;r zu zahlen? </p>
<p>In Krisenzeiten erweist sich jede Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge als anf&#228;llig. Als die Diskussion rund um die Teilprivatisierung des Rentensystems vor wenigen Jahren noch die Schlagzeilen bestimmte, lautete die Verteidigung der Privatisierungsbef&#252;rworter stets, man solle den engen deutschen Horizont einmal beiseitelassen – irgendwo auf der Welt g&#228;be es immer ordentliches Wachstum, mit dem die versprochenen Renditen erwirtschaftet werden k&#246;nnen. Und wenn Deutschland personell und konjunkturell &#252;beraltert sei, werden halt unsere Ersparnisse f&#252;r uns arbeiten. Leicht zugespitzt lie&#223;e sich das so formulieren: Wir geben dem Chinesen Kredit und er schickt uns daf&#252;r sch&#246;ne Konsumartikel, die wir mit den Zinsen bezahlen. Dass diese Rechnung nicht aufgehen konnte, war eigentlich klar. Warum nur wurde sie solange geglaubt?</p>
<p><strong>Blind auf der Nachfrageseite</strong></p>
<p>F&#252;r den Einen oder Anderen d&#252;rfte das Erwachen aus diesem rosaroten Tagtraum hart sein. Die zahlreichen Fallbeispiele der SPIEGEL-Titelstory sind isoliert betrachtet Einzelf&#228;lle, die jedoch zusammengenommen f&#252;r die Krise der kapitalgedeckten Altersvorsorge stehen. Wer die Gr&#252;nde f&#252;r diese Krise erahnt, k&#246;nnte auch konstruktive Auswege aus der Krise benennen. Der SPIEGEL sieht jedoch den Wald vor lauter B&#228;umen nicht. Analytisch setzt er sich dabei die angebotstheoretischen Scheuklappen auf, mit denen die meinungsstarken SPIEGEL-Schreiberlinge uns ja auch bereits zielsicher in die Krise hinein man&#246;vriert haben. Diese Betrachtungsweise hilft jedoch nicht weiter.</p>
<p>Grob skizziert ist die momentane Krise sowohl durch ein &#220;berangebot an liquiden Geldmitteln als auch durch einen Nachfragemangel auf der realwirtschaftlichen Seite gekennzeichnet. Anstatt die Nachfrageseite zu betrachten, fokussieren sich SPIEGEL und Co. jedoch ausschlie&#223;lich auf die Angebotsseite. Soll der Leitzins doch steigen! Dies hat die Kanzlerin ja k&#252;rzlich auch – bar jeder Sachkenntnis – gesagt. Dann ist der deutsche Privatrentner gerettet. Ist dem so? Nein.</p>
<p><strong>K&#252;hlschr&#228;nke f&#252;r den Eskimo</strong></p>
<p>Leitzinsdebatten mitten in einer tiefen Wirtschaftskrise sind ungef&#228;hr so, als f&#252;hre man Debatten dar&#252;ber, wie teuer der K&#252;hlschrank sein darf, den man dem Eskimo verkaufen will. Obwohl der Leitzins nun schon seit Beginn der Finanzkrise – mit einem kurzen Ausrutscher – bei oder unter 1,0% liegt, werden von der Wirtschaft immer weniger Kredite nachgefragt. Im letzten Quartal <a href="https://www.ecb.europa.eu/stats/pdf/blssurvey_201301.pdf?a98efba0d9804fdadb7c62a4cb9bf15b">sank [PDF - 600 KB]</a> die Kreditnachfrage europ&#228;ischer Unternehmen um 26% gegen&#252;ber dem Vorjahr. Auch Immobilienkredite (-25%) und Verbraucherdarlehen (-14%) sind stark r&#252;ckl&#228;ufig. Selbst im vermeintlich soliden Deutschland <a href="https://www.kfw.de/KfW-Konzern/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Details_39572.html">sank</a> die Kreditnachfrage der Unternehmen und Selbstst&#228;ndigen im letzten Quartal um sechs Prozent. Oder um beim K&#252;hlschrank f&#252;r den Eskimo zu bleiben: Wenn keine Nachfrage besteht, ist die Diskussion um den Preis vergebene Liebesm&#252;h. Und wenn die Kreditnachfrage weiter zur&#252;ckgeht, werden die Banken auch weiterhin keine Spareinlagen ben&#246;tigen, die Zinsen f&#252;r Spareinlagen werden demnach auch weiterhin vor sich hind&#252;mpeln und auch weiterhin werden die Sparer in sichere Papiere fl&#252;chten, was den Zins f&#252;r diese Papiere gen Null gehen l&#228;sst. Schlechte Zeiten f&#252;r Sparer, schlechte Zeichen f&#252;r Kunden einer privaten Altersvorsorge.</p>
<p><strong>Antworten und L&#246;sungen? Beim SPIEGEL Fehlanzeige</strong></p>
<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte man die Krise der kapitalgedeckten Altersvorsorge mittel- bis langfristig zumindest abschw&#228;chen. Man m&#252;sste „nur“ die hier genannten Gr&#252;nde aus der Welt schaffen. Sobald die Nachfrage  &#8211; z.B. durch aktive Konjunkturpolitik – wieder anzieht, steigt auch wieder die Nachfrage nach Krediten, w&#228;hrend gleichzeitig das Kreditausfallrisiko sinkt. Mit einer Austerit&#228;tspoitik erreicht man jedoch das genaue Gegenteil. Die gleichen L&#246;sungen, die stets von „linker“ Seite zur Bek&#228;mpfung der Krise genannt werden, sind „paradoxerweise“ auch die L&#246;sungen, mit denen die Krise der kapitalgedeckten Altersvorsorge entsch&#228;rft werden kann. Doch der SPIEGEL stochert lieber im Nebel und macht sich die Welt – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hey,_Pippi_Langstrumpf">widewide</a> – wie sie ihm gef&#228;llt.</p>
<p>Da passt es dann auch ins Bild, dass es dem SPIEGEL keine Zeile wert ist, zu erw&#228;hnen, dass das umlagefinanzierte Rentensystem im Kern wesentlich krisenfester ist als es jede kapitalgedeckte Altersvorsorge je sein kann. Stattdessen zeichnet man anhand einer Zeitachse auf, wie sehr das Rentenniveau im Verh&#228;ltnis zum Durchschnittseinkommen gesunken ist. Dabei werden weder die Gr&#252;nde f&#252;r die sinkenden Renten beim Namen genannt, noch wird darauf hingewiesen, dass nicht die Relation von L&#246;hnen und Renten f&#252;r das Altersarmutsrisiko verantwortlich ist, sondern die absolute H&#246;he der L&#246;hne und der Renten. Ansonsten k&#246;nnten die Leser ja auch auf die Idee kommen, dass die neoliberale Agenda gezielt darauf ausgerichtet war, die Menschen in die kapitalgedeckte Altersvorsorge zu treiben. Aufkl&#228;rung ist vom SPIEGEL nicht zu erwarten. Dann soll das ehemalige Nachrichtenmagazin sich doch lieber mit Themen besch&#228;ftigen, von denen es Ahnung hat. Was ist eigentlich aus Hitlers Schuhanzieher geworden?<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/8d0c8bd7698c404fa64865b12cd5940f" width="1" height="1" alt="" /></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=17158&amp;md5=443a3272c2bed941f975863afec3f35d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>In seiner aktuellen Titelgeschichte besch&#228;ftigt sich der SPIEGEL ausf&#252;hrlich mit dem Thema „Altersvorsorge“. Wunderbar, so k&#246;nnte man meinen &#8211; nach apolitischen und unsinnigen Titelgeschichten wie beispielsweise „Hitlers Uhr“ endlich mal ein Thema, das nicht nur wichtig, sondern auch brisant ist. Wer vom SPIEGEL hier jedoch Aufkl&#228;rung erwartet, hofft vergebens. Wahrscheinlich ohne es zu wissen, listen die Autoren nahezu s&#228;mtliche Argumente die gegen eine kapitalgedeckte Altersvorsorge sprechen, auf, um dann zu dem abstrusen Schluss zu kommen, dass eine Erh&#246;hung des Anlagerisikos die beste Alternative zur „kalten Enteignung“ durch niedrige Zinsen sei. Vor allem aus volkswirtschaftlicher Sicht dilettieren die Autoren dabei munter vor sich hin. Von Jens Berger
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


F&#252;r den SPIEGEL ist der Hauptverantwortliche f&#252;r die niedrige Verzinsung auf Ersparnisse und Lebensversicherungen schnell gefunden. Mario Draghi und seine Zinspolitik seien eine „Katastrophe f&#252;r alle Sparer“. Was hat der EZB-Chef denn gemacht? Hat der die Banken pleite gehen lassen und damit die Sparer indirekt enteignet? Nein, Draghis Politik ist eigentlich vielmehr darauf ausgerichtet, selbst klinisch tote Banken durch k&#252;nstliche Beatmung am Leben zu halten. Hat er dann etwa daf&#252;r gesorgt, dass Staatsanleihen der Eurostaaten nicht zur&#252;ckgezahlt werden und von den Lebensversicherern abgeschrieben werden m&#252;ssen? Nein, durch zahlreiche – von Berlin und der Bundesbank scharf kritisierte – Programme hat die EZB vielmehr ihren Teil dazu beigetragen, dass angeschlagene Staaten wie Spanien oder Irland bislang jeden Cent der hoch verzinsten Papiere bedient haben – zur Freude der Versicherer und Versicherten, zum &#196;rger der Steuerzahler der betroffenen Staaten.
Es gibt einen Unterschied zwischen Zinssenkung und sinkenden Zinsen
Doch darum geht es dem SPIEGEL nicht. Das „Vergehen“, das Draghi angelastet wird, besteht vielmehr darin, den volkswirtschaftlichen Absturz der Eurozone durch niedrige Leitzinsen abwenden zu wollen. Die sinkenden Leitzinsen, so der SPIEGEL zwischen den Zeilen, seien direkt f&#252;r die niedrigen Zinsen auf dem Sparbuch und die sinkenden &#220;berschussbeteiligungen der Lebensversicherer verantwortlich. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Offenbar scheint man in Hamburg vergessen zu haben, dass wir uns mitten in einer der tiefsten Wirtschaftskrisen der j&#252;ngeren Geschichte befinden. Nach den Vorstellungen der sogenannten Monetaristen, also der geldpolitischen Schule des Neoliberalismus, ist der Leitzins so etwas wie Gottes &#246;konomischer Arm – er steuert die Konjunktur, Angebot und Nachfrage, die Arbeitslosigkeit und sogar die Verzinsung von Lebensversicherungen. 
Sicher, der Leitzins hat indirekte Auswirkungen auf diese Gr&#246;&#223;en. In Krisenzeiten ist die Leitwirkung des Leitzinses jedoch sehr begrenzt. W&#228;re es anders, w&#252;rde die Weltwirtschaft sich heute nach jahrelanger Niedrigzinspolitik bereits wieder auf dem Wachstumspfad befinden, die Arbeitslosigkeit w&#252;rde zur&#252;ckgehen und die Zinsen w&#252;rden steigen. Dem ist aber bekanntlich nicht so. Warum?
Keine Zinsen auf dem Sparbuch
Krisenzeiten sind immer auch Perioden, in denen es ein hohes Kreditausfallrisiko gibt. Gleichzeitig ist in Krisenzeiten die Kreditnachfrage r&#252;ckl&#228;ufig, da die Produktionskapazit&#228;ten nicht voll ausgelastet sind und die Nachfrageseite wegbricht. So befindet sich im angeblich soliden Deutschland die Auslastung des verarbeitenden Gewerbes auf dem niedrigsten Stand seit 10 Jahren, w&#228;hrend sie in der Europeripherie auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen liegt. 
Diese beiden Effekte f&#252;hren in Kombination zu dem – auf den ersten Blick – verwirrenden Szenario, das wir momentan beobachten: Die Zinsen f&#252;r Kredite steigen, gleichzeitig sinken jedoch die Zinsen f&#252;r[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Das hohe Ansehen von Merkel und ihrer Regierung gr&#252;nden vor allem auf semantischen Tricks</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=17111</link>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 16:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation des Monats]]></category>

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		<description><![CDATA[Das k&#246;nnte uns egal sein, wenn die hohe Zustimmung f&#252;r Angela Merkel als Bundeskanzlerin sie nicht zugleich daran hindern w&#252;rde, zur Einsicht zu kommen. Merkel und ihr Kabinett f&#252;hren Europa ins Ungl&#252;ck. Siehe dazu auch den heutigen Beitrag „Die Austerit&#228;tspolitik gef&#228;hrdet den europ&#228;ischen Zusammenhalt und die Demokratie“. Auf die dem Ansehen Merkels zu Grunde liegenden [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das k&#246;nnte uns egal sein, wenn die hohe Zustimmung f&#252;r Angela Merkel als Bundeskanzlerin sie nicht zugleich daran hindern w&#252;rde, zur Einsicht zu kommen. Merkel und ihr Kabinett f&#252;hren Europa ins Ungl&#252;ck. Siehe dazu auch den heutigen Beitrag <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=17107">„Die Austerit&#228;tspolitik gef&#228;hrdet den europ&#228;ischen Zusammenhalt und die Demokratie“</a>. Auf die dem Ansehen Merkels zu Grunde liegenden Manipulationen wies ich zuletzt am 25. April 2013 hin: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=17032">„Fortsetzung des Blicks auf die uns umstellenden Manipulationen &#8230;“</a>. Weil die semantischen Tricks, also die Nutzung der Sprache zur Manipulation, so glatt funktionieren und wir quasi st&#252;ndlich darauf hereinfallen, sei noch einmal darauf hingewiesen – auch wenn einige NachDenkSeiten-Leser diesen penetranten Aufkl&#228;rungsversuch nicht goutieren. Von <strong>Albrecht M&#252;ller</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-17111"></span><br />
</p>
<p>Ich weise auf vier semantische Tricks hin:</p>
<ol>
<li>
<p>Auf den verf&#228;lschenden Gebrauch des Wortes <strong>„Reformen“</strong></p>
<p>Der Begriff Reform hat in Deutschland schon aus preu&#223;ischer Zeit einen guten Klang. Auch in Zeiten der sozialliberalen Koalition wie auch der davor liegenden gro&#223;en Koalition, also von 1966 bis 1982, wurden mit diesem Begriff in der Regel Ver&#228;nderungen zu Gunsten der Mehrheit und der Schw&#228;cheren in unserer Gesellschaft bezeichnet. Dieser Bedeutungsgehalt wird jetzt in Deutschland seit den Regierungen Kohl, Schr&#246;der und Merkel auf Ver&#228;nderungen angewandt, die vor allem zulasten der Mehrheit der Bev&#246;lkerung und der Schw&#228;cheren gehen. Und die so genannten Reformen werden jetzt, versehen mit dem guten Klang aus alter Zeit, anderen L&#228;ndern empfohlen und mit politischer Gewalt durchgesetzt.</li>
<li>
<p>Noch einmal verweise ich auf die Kennzeichnung der Austerit&#228;tspolitik, also der Politik zur Vermehrung der Arbeitslosigkeit und Krisenversch&#228;rfung als <strong>„Sparpolitik“</strong>.</p>
<p>Am 25. April konnten Sie bei uns lesen: „Bitte halten Sie mich nicht f&#252;r penetrant. Aber wenn wir wie im konkreten Fall mit der Sprache so schlampig umgehen, dann k&#246;nnen Sch&#228;uble und Merkel ihre folgenschwere Politik der Manipulation und der Krisenversch&#228;rfung zulasten von Millionen Menschen weiter durchhalten. Wahrscheinlich glaubt die Mehrheit der Deutschen immer noch, die Politik der deutschen Bundesregierung erziele Sparerfolge in den s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern.“</p>
<p>Merkel und Sch&#228;uble werden von einflussreichen Medien in der Nutzung dieses semantischen Tricks immer wieder unterst&#252;tzt. Besonders markant war das zu beobachten, als sich vor kurzem der Regierungssprecher Seibert und der heute-journal-Moderator Kleber im Wechselspiel &#252;ber die Kritik der franz&#246;sischen Sozialisten an der deutschen so genannten Sparpolitik her machten. Anderen unserer Leser werden &#228;hnliche Medienereignisse zum gleichen Thema aufgefallen sein.</p>
<p>Im konkreten Fall ist das Ganze besonders absurd, weil in den Texten der sozialistischen Partei auf Franz&#246;sisch mit Sicherheit nicht von „Sparpolitik“, sondern von Austerit&#228;tspolitik die Rede ist. Der Sprachgebrauch in anderen L&#228;ndern trifft den Sachverhalt genauer, auch zum Beispiel, wenn von H&#228;rte oder von Rigidit&#228;t die Rede ist.</p>
<p><strong>Umso wichtiger w&#228;re es, dass unsere Partner in Europa endlich den Vorgang der semantischen Tricks zum Thema machen – in ihren eigenen L&#228;ndern, in Br&#252;ssel und in ihrer Presse- und &#214;ffentlichkeitsarbeit in Deutschland. Das ist nicht leicht. Aber wenn die Betroffenen mit dieser Aufkl&#228;rungsarbeit nicht beginnen und sie nicht unterst&#252;tzen, wer denn sonst. Wir in den NDS vielleicht. Das reicht aber nicht.</strong></li>
<li>
<p>Auf die Umdeutung der Finanzkrise in eine <strong>„Staatsschuldenkrisen“</strong></p>
<p>Wie perfekt und komplett diese Umdeutung gelungen ist, haben wir schon oft beschrieben. Es ist faszinierend, dass nahezu alle Medien diese F&#228;lschung mitmachen, ohne rot zu werden.</li>
<li>
<p>Auf den zu Unrecht positiv aufgeladenen Begriff <strong>„Export&#252;berschuss“ bzw. „Leistungsbilanz&#252;berschuss“</strong>.</p>
<p>Daf&#252;r, dass diese Begriffe schon sprachlich positiv aufgeladen sind, kann Angela Merkel und Wolfgang Sch&#228;uble nichts. Sie gebrauchen diesen vorliegenden Begriff. Sie missbrauchen ihn.</p>
<p>Ob Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse positiv zu bewerten sind, h&#228;ngt von der Situation ab. Wenn ein Land l&#228;ngere Zeit Leistungsbilanzdefizite hatte, dann kann man in einer Serie von Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;ssen etwas Positives sehen. Ansonsten sind Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse eher negativ zu beurteilen. Das sind verschenkte Ressourcen. Das erkennt man leicht, wenn man sich die g&#252;terwirtschaftliche Betrachtung volkswirtschaftlicher Vorg&#228;nge zu eigen macht &#8211; die Betrachtung in real terms, wie wir &#214;konomen sagen.</p>
<p>In Deutschland waren wir beim Gebrauch dieser Begriffe und ihre Bedeutung schon viel weiter: 1969 gab es eine unterbewertete D-Mark und hohe Export&#252;bersch&#252;sse. Damals schickte sich die SPD an, eine ganzseitige Anzeige in der Bild-Zeitung zu schalten mit der &#220;berschrift: „Wir verschenken jeden 13. VW“. Das waren noch Zeiten; seit dem sind die Wissenschaft von der &#214;konomie und die &#246;ffentliche Debatte zum Thema auf dem Weg zur&#252;ck. Die Regression der Volkswirtschaftslehre. </p>
<p>F&#252;r Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse wie auch f&#252;r Leistungsbilanzdefizite m&#252;sste es einen neutralen nicht mit einer Wertung wie „&#220;berschuss“ und „Defizit“ aufgeladenen Begriff geben.</li>
<p><strong>Das Fazit: wir sollten, auch wenn es penetrant erscheint, im Umgang mit anderen Menschen immer wieder auf die Semantik und die semantischen Tricks zu sprechen kommen.</strong> </p>
<p><strong>Nachtrag vom 3.5.:</strong> Roger Strassburg, unser produktiver Amerikaner aus Oberbayern hat einen guten Vorschlag zu dem Wunsch:</p>
<blockquote><p>&#8220;F&#252;r Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse wie auch f&#252;r Leistungsbilanzdefizite m&#252;sste es einen neutralen nicht mit einer Wertung wie „&#220;berschuss“ und „Defizit“ aufgeladenen Begriff geben.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wie w&#228;re es mit &#8220;&#220;berhang&#8221;? Dann h&#228;tten wir &#8220;Export&#252;berhang&#8221; und &#8220;Import&#252;berhang&#8221;.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=17111&amp;md5=f87dc2aec16d2381faac2a9144b16d1d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Ich weise auf vier semantische Tricks hin:


Auf den verf&#228;lschenden Gebrauch des Wortes „Reformen“
Der Begriff Reform hat in Deutschland schon aus preu&#223;ischer Zeit einen guten Klang. Auch in Zeiten der sozialliberalen Koalition wie auch der davor liegenden gro&#223;en Koalition, also von 1966 bis 1982, wurden mit diesem Begriff in der Regel Ver&#228;nderungen zu Gunsten der Mehrheit und der Schw&#228;cheren in unserer Gesellschaft bezeichnet. Dieser Bedeutungsgehalt wird jetzt in Deutschland seit den Regierungen Kohl, Schr&#246;der und Merkel auf Ver&#228;nderungen angewandt, die vor allem zulasten der Mehrheit der Bev&#246;lkerung und der Schw&#228;cheren gehen. Und die so genannten Reformen werden jetzt, versehen mit dem guten Klang aus alter Zeit, anderen L&#228;ndern empfohlen und mit politischer Gewalt durchgesetzt.

Noch einmal verweise ich auf die Kennzeichnung der Austerit&#228;tspolitik, also der Politik zur Vermehrung der Arbeitslosigkeit und Krisenversch&#228;rfung als „Sparpolitik“.
Am 25. April konnten Sie bei uns lesen: „Bitte halten Sie mich nicht f&#252;r penetrant. Aber wenn wir wie im konkreten Fall mit der Sprache so schlampig umgehen, dann k&#246;nnen Sch&#228;uble und Merkel ihre folgenschwere Politik der Manipulation und der Krisenversch&#228;rfung zulasten von Millionen Menschen weiter durchhalten. Wahrscheinlich glaubt die Mehrheit der Deutschen immer noch, die Politik der deutschen Bundesregierung erziele Sparerfolge in den s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern.“
Merkel und Sch&#228;uble werden von einflussreichen Medien in der Nutzung dieses semantischen Tricks immer wieder unterst&#252;tzt. Besonders markant war das zu beobachten, als sich vor kurzem der Regierungssprecher Seibert und der heute-journal-Moderator Kleber im Wechselspiel &#252;ber die Kritik der franz&#246;sischen Sozialisten an der deutschen so genannten Sparpolitik her machten. Anderen unserer Leser werden &#228;hnliche Medienereignisse zum gleichen Thema aufgefallen sein.
Im konkreten Fall ist das Ganze besonders absurd, weil in den Texten der sozialistischen Partei auf Franz&#246;sisch mit Sicherheit nicht von „Sparpolitik“, sondern von Austerit&#228;tspolitik die Rede ist. Der Sprachgebrauch in anderen L&#228;ndern trifft den Sachverhalt genauer, auch zum Beispiel, wenn von H&#228;rte oder von Rigidit&#228;t die Rede ist.
Umso wichtiger w&#228;re es, dass unsere Partner in Europa endlich den Vorgang der semantischen Tricks zum Thema machen – in ihren eigenen L&#228;ndern, in Br&#252;ssel und in ihrer Presse- und &#214;ffentlichkeitsarbeit in Deutschland. Das ist nicht leicht. Aber wenn die Betroffenen mit dieser Aufkl&#228;rungsarbeit nicht beginnen und sie nicht unterst&#252;tzen, wer denn sonst. Wir in den NDS vielleicht. Das reicht aber nicht.

Auf die Umdeutung der Finanzkrise in eine „Staatsschuldenkrisen“
Wie perfekt und komplett diese Umdeutung gelungen ist, haben wir schon oft beschrieben. Es ist faszinierend, dass nahezu alle Medien diese F&#228;lschung mitmachen, ohne rot zu werden.

Auf den zu Unrecht positiv [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>&#8220;SPD &#8211; wohin? Regierungsprogramm und Wahlstrategie 2013&#8243;</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Apr 2013 07:08:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Veröffentlichungen der Herausgeber]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen, Koalitionen & Parteien]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf Einladung des NachDenkSeiten-Gespr&#228;chskreises in Bonn hielt ich am 23. April ein Referat zu dem mir gestellten o.g. Thema. An dem Gespr&#228;chskreis beteiligen sich viele Kollegen, die ich noch aus meiner fr&#252;heren beruflichen T&#228;tigkeit in der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes kenne. Es sind &#252;berwiegend Sozialdemokraten, die seit der Agenda-Politik von Gerhard Schr&#246;der eine kritische Haltung zur [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auf Einladung des NachDenkSeiten-Gespr&#228;chskreises in Bonn hielt ich am 23. April ein Referat zu dem mir gestellten o.g. Thema. An dem Gespr&#228;chskreis beteiligen sich viele Kollegen, die ich noch aus meiner fr&#252;heren beruflichen T&#228;tigkeit in der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes kenne. Es sind &#252;berwiegend Sozialdemokraten, die seit der Agenda-Politik von Gerhard Schr&#246;der eine kritische Haltung zur SPD eingenommen haben. Zum Teil sind sie dennoch in dieser Partei aktiv. Vor allem sie wollte ich mit meinem Referat ansprechen. Ich wurde gebeten, mein Referat ins Netz zu stellen, was ich hiermit gerne tue. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-17007"></span><br />
</p>
<p><strong>I. Zur Stimmungslage</strong></p>
<p>Die Aussichten auf einen Wahlerfolg von Rot-Gr&#252;n sind nach gegenw&#228;rtiger Sicht gering.</p>
<p>Die SPD d&#252;mpelt nach j&#252;ngsten Umfragen (allerdings alle noch vor dem a.o. Parteitag in Augsburg) zwischen 22% (Forsa) und 28 % (Allensbach) (Emnid: 26%; Forschungsgruppe Wahlen: 27%; GMS: 24%; Infratest dimap: 27%)<br />
In BILD am 23.4. 2013 eine INSA-Umfrage mit 26 % f&#252;r die SPD.</p>
<p>Die Umfragewerte f&#252;r die Gr&#252;nen pendeln zwischen 13 und 15%. </p>
<p>Nebenbei bemerkt: Mich wundert, dass so selten thematisiert wird, dass der Anstieg der Gr&#252;nen gegen&#252;ber der Wahl 2009 etwas mit den zur&#252;ckgehenden Umfragewerten der SPD und deren Kanzlerkandidaten zu tun haben k&#246;nnte.</p>
<p>Selbst wenn man die Maximalwerte addiert k&#228;men SPD und Gr&#252;ne zusammen auf 43 %.<br />
CDU/CSU allein schwanken um 41/42 %. (BILD v. 23.4.2013: 38 %)</p>
<p>Nun kann man wie die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlchancen-der-spd-worauf-peer-steinbrueck-hoffen-muss-1.1648954">S&#252;ddeutsche Zeitung vom 15. April</a> alle m&#246;gliche Koalitionsarithmetik anwenden: </p>
<p>Man kann annehmen, dass die FDP scheitert oder die sog. „sonstigen“ Parteien &#8211; also diesmal u.a. vielleicht auch noch die „Alternative f&#252;r Deutschland“ (BILD v. 23.4.2013: 5 %) &#8211; auf vielleicht insgesamt 7 bis 9 % kommen k&#246;nnten, dann k&#246;nnten Rot-Gr&#252;n wegen der 5%-Klausel vielleicht schon 45 % reichen, um eine Parlamentsmehrheit zu schaffen.<br />
Die SPD m&#252;sste in diesem Fall aber dennoch einige Prozentpunkte gutmachen.</p>
<p>Man k&#246;nnte auch dar&#252;ber spekulieren, dass es &#228;hnlich wie in Niedersachsen wieder „Leihstimmen“ aus dem CDU-Lager f&#252;r die FDP geben k&#246;nnte und das tats&#228;chliche Wahlergebnis der Union gegen&#252;ber ihren derzeitigen Umfragewerten zur&#252;ckgehen k&#246;nnte. </p>
<p>Darauf setzt die SPD-F&#252;hrung wohl ihre Hoffnung, wenn sie von den schlechten Umfragewerten ablenken und auf die erfolgreichen Regierungsbildungen in Baden-W&#252;rttemberg, Hamburg, NRW oder Niedersachsen hinweist. Das setzte allerdings deutliche Verluste der CDU voraus. In Hamburg, B-W. oder auch NRW hatten die Verluste der Union klare Gr&#252;nde – Ole von Beust, Stefan Mappus und J&#252;rgen R&#252;ttgers hatten abgewirtschaftet oder waren in Skandale verwickelt.<br />
Aber nur in NRW und HH hat sich die SPD geringf&#252;gig aus ihrem Tief befreien k&#246;nnen.</p>
<p>Niedersachsen k&#246;nnte aber insofern ein Hoffnungsschimmer f&#252;r die SPD sein, weil dort ein popul&#228;rer Amtsinhaber gegen einen als blass und wenig bekannt geltenden Herausforderer verloren hat. Der Abstand bei den Popularit&#228;tswerten zwischen Merkel (63 %) Steinbr&#252;ck (27%) ist allerdings gr&#246;&#223;er als der zwischen David McAllister und Stephan Weil war. Merkels Vorsprung gegen&#252;ber Steinbr&#252;ck ist allerdings gr&#246;&#223;er als er 2009 gegen&#252;ber Steinmeier war.</p>
<p>Die Chance, dass die FDP scheitert halte ich f&#252;r gering. Es wird immer gen&#252;gend wohlhabende Wahlkampfsponsoren und eine mediale Dynamik geben, die der FDP im Endspurt noch die wenigen n&#246;tigen Stimmen verschaffen wird &#8211; schon aus taktischem Wahlverhalten um Schwarz-Gelb zu retten.</p>
<p>In der SPD-Parteif&#252;hrung machen sich wohl viele die Hoffnung, man k&#246;nne die Linkspartei durch Verschweigen und durch programmatische Anleihen aus dem Parlament dr&#228;ngen. Dieses Kalk&#252;l d&#252;rfte aber wohl nicht aufgehen, dazu bleibt die LINKE in allen Umfragen zu stabil bei &#252;ber 6 %. </p>
<p>Was passiert eigentlich, wenn die LINKE &#8211; wie das nicht nur Lothar Bisky (z.B. im Februar in einem <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/empfehlung-fuer-bundestagswahl-bisky-linke-sollte-steinbrueck-zum-kanzler-waehlen/7811086.html">Zeit-Interview</a> sondern auch andere Politiker der Linkspartei angedeutet haben – f&#252;r Steinbr&#252;ck als Kanzler stimmen sollte? Lehnt Steinbr&#252;ck dann eine m&#246;gliche Wahl zum Kanzler ab? </p>
<p>Dass eine Aufholjagd m&#246;glich ist, zeigt die Wahl 2005, wo Schr&#246;der vor der Wahl auch nicht gut dastand. Aber selbst damals reichte es f&#252;r die SPD nur noch zur Gro&#223;en Koalition. </p>
<p>Das Grunddilemma dieses Wahlkampfes f&#252;r die SPD ist, dass sie – jedenfalls derzeit – keine glaubw&#252;rdige und damit w&#228;hlermobilisierende Machtoption anbieten kann. Indem Steinbr&#252;ck, aber auch Parteichef Sigmar Gabriel, die Linke f&#252;r nicht koalitionsf&#228;hig erkl&#228;rt haben, verstellt sich die SPD nicht nur die einzig klare Perspektive auf eine Kanzlermehrheit, sondern die Partei verbannt damit auch die einzige Konstellation, mit der ein grundlegender Politikwechsel m&#246;glich w&#228;re, ins Wolkenkuckucksheim.</p>
<p>Anders als Hannelore Kraft in NRW hat die SPD-F&#252;hrung  auf Bundesebene und zumal Steinbr&#252;ck – aus Angst vor einer „Rote-Socken-Kampagne“ &#8211; von vorneherein jede wie auch immer geartete Kooperation mit der Linkspartei ausgeschlossen. (Manchmal werde ich den Verdacht nicht los, dass einige in der F&#252;hrungsriege der Partei bef&#252;rchten, in dieser Konstellation das beschlossene Parteiprogramm umsetzen zu m&#252;ssen.)</p>
<p>Damit bleibt f&#252;r die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler das Gef&#252;hl der Unsicherheit oder gar der Gleichg&#252;ltigkeit, denn eine fehlende Machtoption hinterl&#228;sst die entmutigende Stimmung, die man so beschreiben k&#246;nnte: Egal wie die Wahl ausgeht, die gr&#246;&#223;te Wahrscheinlichkeit ist, dass Merkel mit welcher Koalition auch immer dran bleibt. </p>
<p>(Das w&#252;nscht sich laut Umfragen &#252;brigens auch die Mehrheit der W&#228;hlerinnen und W&#228;hler.) </p>
<p>Weil nach durchg&#228;ngiger Erfahrung die bestehende Regierung, zumal durch den „Kanzlerbonus“, wenn nicht noch etwas Gravierendes passiert – und darauf setzt Merkel erkennbar ihre Hoffnung &#8211;  bei den unentschiedenen W&#228;hlerinnen und W&#228;hlern immer einen leichten (Stimmen-)Vorteil genie&#223;t und die SPD eben – wegen einer fehlenden realistischen Machtoption &#8211; nicht auf einen plausiblen Mitl&#228;ufereffekt (Bandwagon- oder Go-With-the-Winner-Effekt)  setzen kann, darf man sich von den Last-Minute-W&#228;hlern – und das werden immer mehr – nicht allzu viel versprechen.  </p>
<p>So wie es derzeit aussieht k&#246;nnte es sogar f&#252;r Schwarz-Gelb noch einmal reichen. Das ergibt sich allerdings aus einer Forsa Umfrage. Und man wei&#223;, dass Schr&#246;der-Freund und Forsa-Chef G&#252;llner seit er kaum noch Auftr&#228;ge von der Parteizentrale bekommt, die SPD nicht nur st&#228;ndig wegen ihres angeblichen Linksschwenks kritisiert, sondern die Partei bei seinem Umfrageinstitut im Vergleich zu anderen auch immer besonders schlecht abschneidet.</p>
<p>Wahrscheinlicher ist eine Gro&#223;e Koalition. Aber wenn sich der Kretschmann-Fl&#252;gel bei den Gr&#252;nen durchsetzt, w&#228;re auch ein Schwarz-Gr&#252;nes B&#252;ndnis denkbar. M&#246;glicherweise m&#252;sste dann die SPD sogar bei CDU/CSU um eine Gro&#223;e Koalition buhlen. Und das w&#252;rde auch noch die Verhandlungsposition der SPD bei denkbaren Koalitionsverhandlungen schw&#228;chen. Die negativen Folgen f&#252;r die Partei kann man sich ausmalen.</p>
<p>Wenn man an das Z&#252;ndeln mit einem Zusammengehen mit der FDP in Steinbr&#252;cks Zeit als NRW-Ministerpr&#228;sident zur&#252;ckdenkt, w&#228;re – wenn es f&#252;r Schwarz-Gelb nicht reichen sollte – sogar eine Ampel nicht ausgeschlossen. </p>
<p><strong>II. „Soziale Gerechtigkeit“ w&#228;re ein Gewinnerthema</strong></p>
<p>Es gibt – zumindest wenn man auf die ver&#246;ffentlichte Meinung schaut – kein Wechselklima. </p>
<p>Obwohl nach Meinungsumfragen in der Bev&#246;lkerung geradezu eine Bewusstseinsspaltung herrscht:<br />
Der Kabarettist Volker Pispers hat das auf den Punkt gebracht: Die Leute finden die Politik Schei&#223;e, aber Merkel finden sie gut.</p>
<p>Oder abstrakter ausgedr&#252;ckt:<br />
Laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend meinen 75 Prozent der Deutschen (plus 5 gegen&#252;ber Januar), dass der “schlimmste Teil der Euro- und Schuldenkrise” noch bevorsteht. Aber gleichzeitig urteilen 65 Prozent (plus sechs Prozent gegen&#252;ber M&#228;rz), dass Merkel “in der Eurokrise richtig und entschlossen gehandelt” habe.</p>
<p>Sozialdemokratische Themen &#8211; vor allem das Thema „soziale Gerechtigkeit“ &#8211;  sto&#223;en bei der Bev&#246;lkerung durchaus auf gro&#223;e Aufnahmebereitschaft. </p>
<p>Sp&#228;t am Wahlabend der Niedersachsenwahl hat J&#246;rg Sch&#246;nenborn in der ARD eine interessante, empirisch gest&#252;tzte Interpretation f&#252;r die Niederlage von Schwarz-Gelb in Niedersachsen geboten. Das Thema „soziale Gerechtigkeit“ habe offenbar eine viel gr&#246;&#223;ere Wichtigkeit f&#252;r die Menschen, als das &#252;blicherweise &#246;ffentlich thematisiert werde.<br />
Da mag sich die Bundeskanzlerin noch so sehr r&#252;hmen, die „beste Regierung seit der Wiedervereinigung“ zu stellen, da m&#246;gen die Statistiken noch so sch&#246;n gef&#228;rbt werden, 60% der befragten Bev&#246;lkerung sagen, dass sie von dem st&#228;ndig behaupteten gro&#223;artigen Wirtschaftswachstum nicht profitierten. Mehrheitlich f&#252;hlen die Menschen, dass es in diesem Land ungerecht zugeht und dass die Ungerechtigkeit zugenommen habe. 42% legen mehr Wert auf sozialen Ausgleich als auf wirtschaftliches Wachstum (32 %) (von dem sie nicht profitieren). Die Gerechtigkeitsfrage k&#246;nnte also bei den Bundestagswahlen durchaus wahlentscheidend sein, wenn glaubw&#252;rdige Antworten k&#228;men. </p>
<p>Die „Zeit f&#252;r eine neue Sozialdemokratie“ w&#228;re also durchaus gekommen (so Wolfgang M&#252;nchau, im Spiegel), nicht nur weil die Politik der Konservativen in Europa verheerende Folgen anrichtet, sondern weil – trotz aller Lobhudeleien und Sch&#246;nf&#228;rbereien – auch in Deutschland die Leute merken, dass es immer ungerechter zugeht und dass sie von den angeblichen wirtschaftlichen Erfolgen nichts abbekommen.</p>
<p>(Nach einer j&#252;ngsten Umfrage des konservativ ausgerichteten Allensbach Instituts empfinden 70 Prozent der Deutschen eine Gerechtigkeitsl&#252;cke bei uns im Lande und fast genauso viele Menschen meinen, dass Einkommen und Verm&#246;gen nicht gerecht verteilt sind und dass die Ungerechtigkeit im Lande in den letzten Jahren zugenommen hat.)</p>
<p>Es g&#228;be eine Stimmungslage f&#252;r eine sozialdemokratische Politik, die von einer Mehrheit der Bev&#246;lkerung getragen w&#252;rde, wenn man in der SPD – &#228;hnlich wie Obama &#8211; bereit w&#228;re auf die Hoffnungen der Menschen zu setzen und sich nicht an den herrschenden Mainstream anpassen w&#252;rde, wie das Schr&#246;der damals getan hat. </p>
<p><strong>III. Verk&#246;rpert Steinbr&#252;ck das Thema „Soziale Gerechtigkeit“?</strong></p>
<p>Laut Umfragen wird der SPD zwar eine deutlich abgeschmolzene, aber immerhin noch leicht h&#246;here „soziale Kompetenz“ zuerkannt als der CDU. Aber anders sieht es beim Vergleich Merkel /Steinbr&#252;ck aus. Da hat Merkel laut dem letzten Politbarometer mit 26 % zwar nur einen geringen Kompetenzwert, aber sie liegt damit immer noch knapp vor Steinbr&#252;ck. </p>
<p>Nun ist es unverkennbar, dass die Medien Merkel nicht nur unkritisch behandeln, sondern sie teilweise geradezu hochjubeln. Und zwar nicht nur die Springer Bl&#228;tter Bild und Welt oder auch die im Politikteil konservative FAZ, sondern auch angeblich links-liberale Bl&#228;tter wie die S&#252;ddeutsche Zeitung: „Frau Alpha-Eins“ &#252;berschrieb SZ-Autorin Evelyn Roll ihre Seite-3-Geschichte in der Oster-Ausgabe. Den Leuten wird vorgegaukelt Merkel habe die CDU sozialdemokratisiert. Merkel wird als glaubw&#252;rdig, bescheiden, kompetent und als Politikerin ohne All&#252;ren und ohne die &#252;bliche M&#228;nner-Attit&#252;de inszeniert.</p>
<p>Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau) schreibt in seinem neuen Buch „Mutter Blamage“: „In mehr als zwei Jahrzehnten Politikbeobachtung habe ich niemals einen derart eklatanten Widerspruch erlebt zwischen dem Image einer politischen Pers&#246;nlichkeit und ihrer tats&#228;chlichen Politik. Nie ist es einem Politiker in Deutschland gelungen, derart konsequent auf Kosten der Mehrheit zu handeln und zugleich die Sympathie dieser Mehrheit zu gewinnen“.</p>
<p>Steinbr&#252;ck ist zwar medienverliebt, aber wie so h&#228;ufig, wenn man sich allzu sehr auf die Medien verl&#228;sst, dann ist man halt auch bald wieder verlassen. Die Medien treiben mit ihm eben ihr Gesch&#228;ft, n&#228;mlich das h&#228;ufig zu beobachtende Selbstbesch&#228;ftigungsprogramm: Erst hochschreiben und dann niedermachen – Hauptsache man schafft Schlagzeilen. Nat&#252;rlich hat Steinbr&#252;ck zu der Hetzjagd auf ihn Anl&#228;sse geboten und wenn die Meute erst einmal Blut geleckt hat, dann wird auch noch der letzte Blutstropfen ausgesaugt und jeder noch so kleine Patzer wird zum Skandal erhoben. Medial passierte Steinbr&#252;ck das Gleiche, was die Medien mit Wulff machten.</p>
<p>F&#252;r mich ist &#252;brigens nicht nur der Zeitpunkt der Ausrufung, sondern auch die Ermittlung des Spitzenkandidaten, ein typisches Beispiel, wie stark die  SPD nicht nur bei ihren personalpolitischen Entscheidungen von au&#223;en, von den Medien bestimmt ist. </p>
<p>Steinbr&#252;ck ist das Produkt eines Medienhypes. Jede/r von Euch erinnert sich an Spiegel-Titelbilder, an Aufmacher in der Zeit, an den „Ritterschlag“ durch Helmut Schmidt etc. Nach 2009 hatte er sich doch schon auf die Hinterb&#228;nke zur&#252;ckgezogen und sich, statt sich um sein Mandat zu k&#252;mmern, mit lukrativeren T&#228;tigkeiten besch&#228;ftigt. Wenn er fr&#252;her geahnt oder gar geplant h&#228;tte, dass er jemals Kanzlerkandidat werden w&#252;rde, w&#228;re er bei den Einladungen wie auch bei den Honoraren sicher etwas sensibler vorgegangen. </p>
<p>Wer gewinnen will, der muss zuerst die Menschen gewinnen wollen und ihnen das Gef&#252;hl geben, dass es auf sie ankommt und eben nicht so sehr auf den Kandidaten. Aber das Wir-Gef&#252;hl anzusprechen ist Steinbr&#252;ck schon als Ministerpr&#228;sident in NRW nicht gelungen.<br />
Es passt einfach nicht zusammen, wenn jemand nur st&#228;ndig ich, ich, ich sagt und dann an das „Wir“ appelliert. </p>
<p>Schon von seinem Alter her ist Steinbr&#252;ck ein inzwischen aus der Zeit gefallener Politiker, der in die alte Garde Schr&#246;der, Clement oder M&#252;ntefering eingereiht wird. Einen neuen Aufbruch signalisierte seine Nominierung sicher nicht. </p>
<p>„Mit Peer wird`s schwer“ reimte „der Freitag“. Wenn &#252;berhaupt das Thema „soziale Gerechtigkeit“ transportiert werden soll, dann m&#252;ssten also eher die Partei und ihr Programm als der Kandidat im Vordergrund des Wahlkampfes stehen. </p>
<p>Daf&#252;r spr&#228;che auch, dass laut Politbarometer f&#252;r 58 % der Gesamtheit der Befragten und gar f&#252;r 74% der SPD-Anh&#228;nger die k&#252;nftige Koalition wichtiger ist, als der Kanzlerkandidat, den nur 31 % und sogar nur 21% der SPD-Sympathisanten f&#252;r wichtiger halten.</p>
<p>Steinbr&#252;ck wurde von den Medien, aber auch von der SPD als Politiker mit angeblichem finanz- und wirtschaftspolitischem Sachverstand aufgebaut, aber kaum jemand hat ihm jemals innerhalb noch au&#223;erhalb der Partei eine besondere sozialpolitische Kompetenz zuerkannt. Er verk&#246;rpert schon mit seiner K&#246;rpersprache und mit seiner schnoddrig-arroganten Tonlage – und zwar nicht erst seit seinen Tritten ins Fettn&#228;pfchen mit den hohen Honoraren, den Preisen f&#252;r Pinot Grigio oder dem zu niedrigen Kanzlergehalt &#8211; nicht jemand, der die Br&#252;cke zu einem W&#228;hlerpotential schlagen k&#246;nnte, das die SPD brauchte, um  &#8211; wie es Gabriel sagte – die verlorengegangenen Nichtw&#228;hler wieder zum Gang an die Urne zu bringen. </p>
<p>Wie wichtig  gerade das Erreichen der Nichtw&#228;hler w&#228;re, hat eine aktuelle Untersuchung des Max-Planck-Instituts f&#252;r Gesellschaftsforschung K&#246;ln nachgewiesen. Die Studie zeigt eindeutig auf, wie die sinkende Wahlbeteiligung vor allem der SPD geschadet hat und dass gerade die benachteiligten Schichten und Menschen mit niedrigen Einkommen der Wahlurne <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16779">fern geblieben sind</a> – eindeutig zu Lasten der SPD. </p>
<p>Stattdessen schielt der Kanzlerkandidat auf eine imagin&#228;re Mitte, statt, wie einstmals Willy Brandt zu versuchen, das politische Spektrum zur linken Mitte hin zu verschieben.</p>
<p>Die zwei Parteitagsreden – die zu seiner Nominierung als Spitzenkandidat und jetzt zur Verabschiedung des „Regierungsprogramms“  &#8211; sollten nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass Steinbr&#252;ck mit der Partei eher fremdelt  und diese ihn umgekehrt bestenfalls diszipliniert unterst&#252;tzt. Steinbr&#252;ck ist biografisch ein Karrierebeamter und ein Mann des Regierungsapparats. Er wollte regieren, die Partei war f&#252;r ihn dazu bestenfalls ein notwendiges Vehikel dazu. Von einem Wir-Gef&#252;hl sp&#252;rten die Parteimitglieder bei ihm bisher nur wenig. </p>
<p>Seine Reden und die Interviews – und das ist hinsichtlich der Wahlchancen schlimmer – bezeugen aber auch, dass bei ihm eine wirkliche Empathie f&#252;r die der Partei verloren gegangenen W&#228;hlerinnen und W&#228;hler nicht zu sp&#252;ren ist.  </p>
<p>Um das an einem f&#252;r mich uns&#228;glichen Zitat deutlich zu machen:<br />
„Soziale Gerechtigkeit muss k&#252;nftig hei&#223;en, eine Politik f&#252;r jene zu machen, die etwas f&#252;r die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitspl&#228;tze schaffen, kurzum, die Leistung f&#252;r sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die – und nur um sie – muss sich Politik k&#252;mmern.“, hat er 2003 in einem <a href="http://www.zeit.de/2003/47/Steinbr_9fck">Interview in der „Zeit“</a> gesagt. In einem aktuellen Interview, vom 31. Januar dieses Jahres hat ihm die „Zeit“ dieses Zitat vorgehalten, erkennbar mit der Absicht, dass er diese Aussage vielleicht korrigieren k&#246;nnte. Und Steinbr&#252;ck <a href="http://www.spd.de/aktuelles/88038/20130131_zeit_interview_steinbrueck.html;jsessionid=1F3105CBF417E4E2377715988346DCDF">antwortet darauf</a>: „Nein. Ich bin unver&#228;ndert der Meinung, dass die SPD dringend jene ansprechen muss, die die Lastesel des Sozialstaates sind. Diese Menschen d&#252;rfen wir nicht &#252;berfrachten, weil sie sonst den Solidarvertrag aufk&#252;ndigen.“</p>
<p>Dass er damit die Angeh&#246;rigen der Mittelschicht auf Kosten der Solidarit&#228;t gegen&#252;ber den Angeh&#246;rigen der Unterschicht ausspielt, das merkt Steinbr&#252;ck gar nicht. Er tut gerade so als sei der Sozialstaat nicht konstitutiv.</p>
<p>Man kann sich darauf verlassen &#8211; Seehofer hat damit schon angefangen &#8211; dass in der hei&#223;en Wahlkampfphase Steinbr&#252;ck st&#228;ndig Zitate vorgehalten werden, die das Gegenteil von dem besagen, was er heute – zumindest auf Parteitagen &#8211;  sagt. Den Verdacht, dass er heute genauso denkt wie fr&#252;her, wird er nicht los. Bestenfalls wird ihm Opportunismus vorgehalten, n&#228;mlich dass er sich nun eben der Partei angepasst habe und nicht sein wahres Gesicht zeige. </p>
<p>Kurzum: Steinbr&#252;ck verk&#246;rpert das Thema „soziale Gerechtigkeit“ nicht glaubw&#252;rdig; oder aber seine Glaubw&#252;rdigkeit kann nicht ohne Grund bestritten werden. </p>
<p>Was im Hinblick auf das Wahlergebnis aber vielleicht sogar noch problematischer ist: Steinbr&#252;ck kommt bei Frauen und vor allem bei den j&#252;ngeren <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/peer-steinbruecks-problem-mit-waehlerinnen-a-864031.html">nicht an</a>.<br />
Selbst in Zeiten seines Umfragehochs lag er bei dieser W&#228;hlergruppe am deutlichsten hinter Merkl. Warum hat man ihn eigentlich letzte Woche nicht bei der Debatte um die Frauenquote im Parlament reden lassen?</p>
<p>&#220;ber die Zusammensetzung seines Wahlkampfteams und &#252;ber dessen (Fehl-)Leistungen will ich mir Details ersparen. </p>
<p><strong>IV. Die Fehler wurden in der Opposition gemacht</strong></p>
<p>Das Umfragetief der SPD liegt aber sicherlich nicht nur an ihrem Spitzenkandidaten.</p>
<p>Die katastrophale Wahlniederlage im Jahr 2009 wurde nie kritisch aufgearbeitet. Es gab keine gr&#252;ndliche Analyse f&#252;r den Verlust der Stimmen. Kaum war das schockierende 23 %-Ergebnis bekannt, ernannte sich der Wahlverlierer Steinmeier in einem &#220;berraschungscoup zum neuen Fraktionsvorsitzenden, ohne dass sich vorher ein einziges Parteigremium mit der weiteren Zukunft der SPD befassen konnte. Der Fraktionsvorsitz sollte sogar – so war das mit dem damaligen Parteivorsitzenden M&#252;ntefering wohl gedacht &#8211; das Sprungbrett zum Parteivorsitz sein. </p>
<p>Schon ein paar Tage nach seiner Niederlage <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4267">war f&#252;r Steinmeier klar</a>:<br />
„Wir haben in alle Richtungen verloren, aber eindeutig mehr zur Union und FDP als nach links. Darum finde ich es nicht plausibel, dass eine &#214;ffnung nach Links mit Hurra die SPD jetzt aus der Krise f&#252;hren w&#252;rde.“</p>
<p>Zwar sind – bei aller Vorsicht gegen&#252;ber der Erfassung der sog. W&#228;hlerwanderungen – vielleicht 1,4 Millionen W&#228;hler von der SPD zur CDU und FDP abgewandert, was Steinmeier aber verdr&#228;ngte, das ist, dass die SPD &#252;ber 2 Millionen an die Nichtw&#228;hler und dar&#252;ber hinaus noch &#252;ber 1 Million an die Linkspartei verloren hatte.</p>
<p>Mit Steinmeier an der Spitze der Fraktion, dem &#8211; wie er es nannte &#8211; „Kraftzentrum“ der Partei,  war dem im November 2009 neu gew&#228;hlten Parteivorsitzenden Gabriel, die von ihm angestrebte kritische Debatte &#252;ber die vergangenen elf Regierungsjahre der SPD und eine „Neuorientierung“ der Partei verbaut. </p>
<p>Steinmeier verstand und bet&#228;tigte sich als Gralsh&#252;ter seines vorausgegangenen politischen Tuns als Consigliere Gerhard Schr&#246;ders – bis heute.</p>
<p>Der Leitantrag f&#252;r den <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4326">Dresdener Parteitag vom November 2009</a>  ist dementsprechend weitgehend ein Nachgesang auf die „erfolgreiche Regierungsverantwortung“ (so w&#246;rtlich) als eine „offene und ehrliche“ Bilanz.</p>
<p>Da mochte Gabriel und die Partei im zur&#252;ckliegenden Jahr das eine oder andere Papier mit neuen Impulsen vorlegen, etwa beim Mindestlohn, bei der Rente mit 67, bei bezahlbaren Mieten oder bei Steuererh&#246;hungen f&#252;r Spitzenverdiener, die Tagespolitik und damit die Medienpr&#228;senz bestimmte die Fraktion und an ihrer Spitze Steinmeier. </p>
<p>Wie will man eine Wechselstimmung erzeugen oder gar einen „Lagerwahlkampf“ f&#252;hren, wenn man vier Jahre vorher in der Opposition vor allem bei einem Thema, das die Medien am meisten besch&#228;ftigt und die Leute am st&#228;rksten beunruhigt, st&#228;ndig nur eine – wie die <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-04/SPD-Zypern-Euro-Bundestag">Zeit treffend formulierte</a> – eine „Ja-Aber“- Position einnahm. Man n&#246;rgelte und meckerte &#252;ber die Regierung, stimmte aber stets mit ihr und rettete Merkel sogar noch die Kanzlermehrheit.<br />
Wie sollen die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler Merkel das Vertrauen entziehen, wenn die SPD-Fraktion die Kanzlerin vor der Vertrauensfrage rettete?</p>
<p>Kein Wunder also, dass 46 Prozent, wenn es um die L&#246;sung der Euro-Krise geht der Amtsinhaberin mehr zutrauen als dem SPD-Kanzlerkandidaten, dem das nur 10 Prozent attestieren. Wo hat eigentlich Steinbr&#252;ck in der Zypern-Debatte seinen finanzpolitischen Sachverstand aufblitzen lassen? </p>
<p>Ich will das wichtige Thema der Euro-Krise jedoch keineswegs von der Ebene der staats- und europapolitischen Verantwortung auf das populistische Niveau einer Wahlstrategie absenken.<br />
Tatsache ist aber, dass die SPD kein wirklich alternatives Konzept zum deutschen Austerit&#228;tskurs f&#252;r Europa anzubieten hat. </p>
<p>Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich letzte Woche mal wieder f&#252;r die SPD gesch&#228;mt habe, als Steinmeier bei der Zyperndebatte im Bundestag diesen <a href="http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2013/04/19/zitat-des-tages-frank-walter-steinmeier-spd-an-die-adresse-zyperns/">chauvinistischen Zungenschlag</a> in die Debatte brachte:</p>
<p>„Sich ein paar Jahre ein leichtes Leben machen und dann die Solidarit&#228;t von Steuerzahlern aus der Nachbarschaft einfordern – das geht eben nicht, das kann nicht funktionieren.“ </p>
<p>Ich kann ja gerade noch nachvollziehen, dass man nun wo man den Karren mit in den Dreck gefahren hat, wo eben auch die SPD nach der Finanzkrise geduldet hat, dass das Platzen des Finanzkasinos in eine „Staatsschuldenkrise“ umgedeutet werden konnte, und wo die Sozialdemokraten selbst mit ihrer Agenda-Politik dazu beigetragen hat, dass die Deutschen unter ihren Verh&#228;ltnissen leben mussten,  dass man so wie die Stimmungslage nun einmal ist, Angst davor hat, gegen das selbst miterzeugte und deshalb auch weit verbreitete Vorurteil in der Bev&#246;lkerung anzuk&#228;mpfen, n&#228;mlich dass die deutschen Steuerzahler f&#252;r das angebliche „Lotterleben“ der anderen gerade stehen m&#252;ssten.</p>
<p>Aber diese Bemerkung von Steinmeier war f&#252;r mich mal wieder ein Schlag in die Magengrube, weil sie zeigt, dass jedenfalls der SPD-Fraktionsvorsitzende das Merkelsche Denken, wonach an Deutschland Europa genesen m&#252;sse, nicht nur teilt, sondern dass er die weit verbreitete Bewusstseinsspaltung der Deutschen <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16747">zwischen Gr&#246;&#223;enwahn und Verfolgungswahn</a> sogar noch sch&#252;rt. </p>
<p>Ich will die vielen, f&#252;r mich jedenfalls positiven Elemente des „Regierungsprogramms“ gewiss nicht klein schreiben – etwa zur Re-Regulierung der Finanzm&#228;rkte, zum Mindestlohn, zur Bek&#228;mpfung von prek&#228;rer Arbeit oder zur geb&#252;hrenfreien Bildung von der Kita bis zur Hochschule…<br />
Aber in den vergangenen vier Jahren blieb die Regierung bis auf wenige Einzelfragen ohne wirkliche Alternative. </p>
<p>Europas Drama besteht nicht etwa darin, dass Konservative und Neoliberale eine konservative und neoliberale Politik betreiben. Zur Trag&#246;die wird es, dass das weitgehend oppositionslos passiert (Robert Misik)</p>
<p>Warum sollten die Menschen die Pferde wechseln, wenn die neuen Pferde den Karren in die gleiche Richtung ziehen?</p>
<p><strong>V. „Besser“ ist nicht „anders“</strong></p>
<p>Kann das am 24. April in Augsburg verabschiedete „Regierungsprogramm“ einen Stimmungsumschwung bewirken?</p>
<p>In dem Programm  finden sich viele Positionen, die einen Wahlkampf mit dem Thema „soziale Gerechtigkeit“ tragen k&#246;nnten. B&#252;rstet man das Programm jedoch gegen den Kamm, dann kommen viele kahle Stellen zum Vorschein und es zeigt sich, dass – zwar mit einigen sozialen Wendeman&#246;vern und verbalen Leuchtraketen – die SPD aber weiter unersch&#252;tterlich dem Schr&#246;derschen Agenda-Kurs folgt. </p>
<p>Man meint die Agenda 2010 nach wie vor als Erfolg feiern zu m&#252;ssen, obwohl das – wie selbst die FAS am letzten Sonntag berichtet, nicht einmal die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung glaubt.</p>
<p>Auch &#252;ber die Agenda als zentrales Politikprogramm seit 10 Jahren wurde in der SPD nie eine ehrliche Debatte gef&#252;hrt. Die Agenda wurde geradezu zum Tabu erkl&#228;rt und damit war die SPD nicht mehr der politische Ort, an dem die notwendigen gesellschaftlichen Debatten ausgetragen werden konnten. Die Partei ist dadurch intellektuell geradezu erstarrt und intellektuelle K&#246;pfe haben sich abgewandt. Die J&#252;ngeren Mandatstr&#228;ger gelten nur noch als ein Haufen von angepassten Parteikarrieristen. Wo sind die K&#246;pfe, die eine Debatte &#252;ber die grundlegenden Fragen der Zukunft ansto&#223;en k&#246;nnten? </p>
<p>Wenn &#252;berhaupt wurden Fehler der Agenda nur ganz verhohlen einger&#228;umt und Korrekturen eher verstohlen vorgenommen. Deshalb bleiben Nachbesserungen aber entweder nicht erkennbar oder aber sie gelten &#8211; gerade weil sie nur verstohlen gemacht werden &#8211;  als unglaubw&#252;rdig. </p>
<p>Man hat den Agenda-Kurs bestenfalls ein wenig nachjustiert, aber damit bietet man keine wirkliche Alternative zur Politik der Gro&#223;en Koalition und deren Fortsetzung durch Schwarz-Gelb an. Ein Regierungsprogramm, das in Anspruch nimmt, eine „Alternative zu Merkels ‘Alternativlosigkeit’“ aufzeigen soll &#8211; wie es im Programm hei&#223;t (S. 102) &#8211; m&#252;sste jedenfalls anders aussehen.</p>
<p>Der fehlende Mut, der Regierung Merkel tats&#228;chlich ein alternatives Konzept entgegen zu stellen, ist dem Regierungsprogramm sozusagen schon auf die Stirn geschrieben: „Deutschland besser und gerechter regieren“, lautet die &#220;berschrift zum Regierungsprogramm. </p>
<p>„Besser“ ist die Steigerung von gut. Man bescheinigt also der derzeitigen Regierung – offenbar ohne es zu merken -, dass sie gut regiert hat. „Besser“ bedeutet auch, dass man Deutschland nicht „anders“ regieren, sondern sich allenfalls durch besseres handwerkliches Regierungshandeln von der derzeitigen Regierung abheben will.</p>
<p>Das ist schon deshalb unsinnig, weil  Merkel gerade beim Regierungshandeln die h&#246;chsten Zustimmungswerte erzielt (68 %, beim Kanzlerkandidaten der SPD sind es <a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/crbilderstrecke454~_mtb-1_pos-3.html#colsStructure">gerade 32%</a>).  </p>
<p>Viele von Ihnen werden sich noch daran erinnern, dass „besser“ oder „anders“ regieren schon einmal in einem Wahlkampf eine Rolle gespielt haben. N&#228;mlich 1998. Damals war die Parole Lafontaines „Wir wollen nicht nur eine andere Regierung, sondern auch eine andere Politik“. Schr&#246;ders Formel war: „Wir wollen nicht alles anders machen, aber vieles besser“. Das Ergebnis ist bekannt.</p>
<p>Zwar findet man nahezu t&#228;glich ein Interview von Peer Steinbr&#252;ck oder eines anderen Mitglieds der F&#252;hrungsmannschaft der SPD in den Medien, doch &#252;ber das „Regierungsprogramm“ wird dabei recht selten geredet. Der SPD-Kanzlerkandidat Steinbr&#252;ck h&#228;tte manches „Fettn&#228;pfchen“ vermeiden k&#246;nnen, wenn er lieber aus dem Programmentwurf zitiert h&#228;tte, statt schneller zu reden als nachzudenken. Man hat manchmal den Eindruck als h&#228;tte die F&#252;hrungsmannschaft das viel zu lange Programm &#252;berhaupt nicht gelesen, jedenfalls scheint es da Ber&#252;hrungs&#228;ngste zu geben. </p>
<p>Stattdessen wurden auf den Jubil&#228;umsfeiern zum zehnten Jahrestag der Verk&#252;ndung der Agenda 2010 umso mehr der damalige Bundeskanzler Schr&#246;der und die angeblichen Erfolge seiner „Reformen“ gefeiert. Wie sollten damit die neuen Akzente, die der Entwurf tats&#228;chlich enth&#228;lt, ins &#246;ffentliche Bewusstsein dringen?</p>
<p>Man findet im Text des Regierungsprogramms viel soziales und „linkes“ Pathos: So verspricht man eine „neues Miteinander“, ein „neues soziales Gleichgewicht“ und, dass man das „Gemeinwohl“ zur Leitlinie des politischen Handelns machen wolle. Doch hinter den leidenschaftlichen Obert&#246;nen, klingt als Grundton die Verteidigung der Agenda-Politik und des vorausgegangenen Tuns der derzeitigen F&#252;hrungsmannschaft der SPD un&#252;berh&#246;rbar durch.</p>
<p>Um nur ein Zitat zu nehmen:<br />
„Die Voraussetzungen f&#252;r den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes sind von der SPD- Bundesregierung mit Gerhard Schr&#246;der gelegt worden.“ </p>
<p>Ich frage mich, ob die Verfasser des Entwurfs wussten, was sie da taten.</p>
<p>Sie best&#228;tigen in diesem Satz &#8211; wohl ohne es zu merken &#8211; Merkels dreiste Behauptung, dass „diese Bundesregierung die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung“. Und im gleichen Atemzug werden die Agenda-Reformen gelobt. Ich will hier nicht auf die Agenda in der Sache eingehen, aber die Autoren des Regierungsprogramms m&#252;ssten doch eigentlich wissen, dass die Mehrheit der Bundesb&#252;rger (56 %) der Meinung sind, dass gerade die Agenda 2010 der entscheidende Grund daf&#252;r ist, dass viele nicht mehr SPD w&#228;hlen. Und gleichfalls eine Mehrheit (55%) <a href="http://www.infratest-dimap.de/de/umfragen-analysen/bundesweit/ard-deutschlandtrend/2013/maerz/">meint</a>, dass durch die Agenda die Reichen reicher und die Armen &#228;rmer geworden seien. </p>
<p>Kurz:  Eine Partei, die sich lange f&#252;r die Ich-AG stark gemacht hat und heute das »Wir« zum Leitmotiv erheben will, m&#252;sste, um glaubw&#252;rdig zu sein, ein wenig mehr Selbstkritisches &#252;ber ihren Beitrag zur Zerst&#246;rung des Rheinischen Kapitalismus sagen.<br />
Dar&#252;ber m&#252;sste man ein gesondertes Referat halten.</p>
<p>Ich will das Regierungsprogramm nicht weiter auf die Widerspr&#252;chlichkeiten zwischen den darin enthaltenen Lockerungen und dem Festhalten an der Agenda-Politik hin analysieren. (<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16840">Siehe dazu hier</a>) </p>
<p>Weil das Regierungsprogramm diesen Widerspruch nicht aufl&#246;st, braucht man sich im &#220;brigen nicht zu wundern, dass die konservativen Medien in dieser Wunde herumbohren, ohne dass sich die SPD dagegen wehren k&#246;nnte. Weil sie einerseits am Agenda-Kurs als Erfolgsmodell stur festh&#228;lt, kann sie die Korrekturen etwa in der Renten-, Steuer- oder Finanzmarktpolitik nur versch&#228;mt und eben nicht offensiv vertreten.</p>
<p>Dazu nur ein Beispiel:</p>
<p>Da bringt die saarl&#228;ndische CDU-Ministerpr&#228;sidentin Kramp-Karrenbauer einen Spitzensteuersatz von 53 % ins Gespr&#228;ch und die SPD-Generalsekret&#228;rin Nahles – statt die geplante Steuerpolitik der Sozialdemokraten offensiv nach vorne zu tragen – hat nichts Kl&#252;geres zu tun, als diesen Vorschlag mit der Bemerkung zur&#252;ckzuweisen, man solle doch „das Kind nicht mit dem Bade aussch&#252;tten. Zur&#252;ck zu den Steuers&#228;tzen der Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) wolle die SPD nicht.</p>
<p>Wenn sich die SPD an einer Stelle etwas von Merkel abschauen k&#246;nnte, dann das, wie schnell sich die Kanzlerin nach dem unerwartet schlechten Abschneiden ihrer Partei bei der Wahl 2005 sang- und klanglos vom marktradikalen Tenor des „Leipziger Programms“ verabschiedet hat. (Ich f&#252;ge allerdings hinzu, in der politischen Praxis allerdings nicht.)</p>
<p>Stattdessen hat die SPD aus der katastrophalen Niederlage nur wenig dazu gelernt und h&#228;lt geradezu in einer Art Nibelungentreue an der ihr von Gerhard Schr&#246;der – sprichw&#246;rtlich  &#8211; aufgezwungenen Basta-Politik fest. </p>
<p>Wenn man wenigstens sagen k&#246;nnte, die SPD verstehe es &#8211; wie die CDU &#8211;  ganz unterschiedliche Str&#246;mungen zu repr&#228;sentieren. So versucht sich doch von der Leyen f&#252;r das soziale Image zu pr&#228;sentieren und der Wirtschaftsrat der Partei steht f&#252;r den kalten Neoliberalismus &#8211; und Merkel thront pr&#228;sidial dar&#252;ber. </p>
<p>Der gro&#223;e Erfolg der SPD 1972 war auch ein St&#252;ck weit der politisch so unterschiedlichen Troika Brandt, Wehner und Schmidt zu verdanken und beim Wahlsieg 1998 waren Lafontaine und Schr&#246;der die Projektionsfiguren der unterschiedlichen Erwartungen der W&#228;hlerinnen und W&#228;hler aus verschiedenen gesellschaftlichen Milieus und Gruppen. </p>
<p>Die SPD repr&#228;sentierte sich auf ihrem H&#246;hepunkt als Volkspartei, die traditionellen und sich modernisierenden, partizipatorisch eingestellten Arbeitnehmer wie auch einem Teil der Bildungs- und Dienstleistungselite bis hin zum wertkonservativ eingestellten B&#252;rgertum etwas zu bieten hatte. </p>
<p>Die heutige Troika Steinbr&#252;ck, Steinmeier und Gabriel steht eindimensional f&#252;r die vorausgegangene Agenda-Politik, die zu dramatischen Mitglieder- und W&#228;hlerverlusten f&#252;hrte. Darin spiegelt sich der Verlust an vielf&#228;ltiger Integrations- und Repr&#228;sentationsf&#228;higkeit. Mit der absoluten &#246;ffentlichen Dominanz der „Netzwerker“, der „Seeheimer“ und des „Niedersachsen-Blocks“ hat sich die SPD von der Perspektive einer breit aufgestellten Volkspartei weitgehend verabschiedet.  </p>
<p><strong>VI. Unser Land brauchte eine Alternative</strong></p>
<p>Es ist doch richtig, wenn im Programm steht, dass die „soziale und kulturelle Spaltung Deutschlands“ gr&#246;&#223;er geworden ist. Es stimmt doch, wenn da geschrieben steht „&#220;ber viele Jahre hat in unserem Land ein Lohnsenkungswettlauf stattgefunden.“ Und es trifft doch zu, dass nie in Deutschland wenige Menschen wohlhabender waren und diese Wenigen dennoch noch nie geringere Beitr&#228;ge zum Gemeinwohl beigetragen haben.<br />
Gabriel hat doch Recht, wenn er auf dem Parteitag sagte, dass dem <a href="http://www.spd.de/partei/parteitag/96456/20130414_rede_gabriel.html">„Zeitalter des egoistischen Neoliberalismus“</a> ein Ende gesetzt werden muss.</p>
<p>Die  B&#252;rgerinnen und B&#252;rger brauchten tats&#228;chlich aus sachlichen Gr&#252;nden und die SPD braucht aus Wahlkampfgr&#252;nden dringend eine wirkliche Alternative zur herrschenden Politik.<br />
Unser Land brauchte eine andere Wertorientierung. Das verbindet im &#220;brigen sozial und fortschrittlich denkende Menschen mit vielen Wertkonservativen. </p>
<p>Eine erfolgreiche Wahlstrategie m&#252;sste doch daran ansetzen, dass den allermeisten Menschen die derzeitige Krise Angst oder zumindest gro&#223;e Sorgen macht. Sie m&#252;sste das widerspr&#252;chliche Bewusstsein in der Bev&#246;lkerung nutzen, dass einerseits die meisten Menschen glauben, Merkel habe in der Euro-Krise richtig und in deutschem Interesse gehandelt, aber andererseits drei Viertel bef&#252;rchten, dass der schlimmste Teil der Krise noch bevorstehe.</p>
<p>Eine SPD, die den Kanzler stellen will, m&#252;sste alternative konzeptionelle L&#246;sungswege aus der Krise und gegen den verheerenden und Europa auseinandertreibenden Austerit&#228;tskurs von Merkel und Sch&#228;uble aufzeigen. Die Alternativen werden doch au&#223;erhalb Deutschlands bis hin zum IWF oder zur OECD oder gerade jetzt wieder auf dem G 20-Gipfel angeboten. Deutschland isoliert sich doch wirtschafts- und finanzpolitisch immer mehr und die SPD gleich mit. Warum greift man nicht einmal diese zunehmende Kritik auf?</p>
<p>Die SPD m&#252;sste wenigstens in den Grundfragen der Sozial-, Wirtschafts- oder auch der Sicherheitspolitik Gegenpositionen mutig und offensiv herausstellen, um nicht nur als ein Fl&#252;gel in einem Parteiensystem wahrgenommen zu werden, in dem sich die Parteien nur noch bei einzelnen Themen graduell unterscheiden. </p>
<p>Kein Wunder, dass selbst die FAZ von einem „unechten Lagerwahlkampf“ spricht. </p>
<p>Man nehme  die Schuldenbremse oder den Fiskalpakt, man nehme den Afghanistan-Milit&#228;reinsatz, selbst auf dem Feld der sozialen Gerechtigkeit oder in kaum einem wichtigen Politikfeld sind die Unterschiede f&#252;r die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler noch erkennbar. Glaubt man wirklich, dass die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger den Unterschied zwischen der sozialdemokratischen „Solidarrente“ und von der Leyens „Lebensleistungsente“, oder zwischen dem Mindestlohn und der „Lohnuntergrenze“ herunterbuchstabieren k&#246;nnten? </p>
<p>Zu einem „gro&#223;en Wurf“ fehlt offensichtlich der Mut. Steinmeier und Steinbr&#252;ck haben wohl die (berechtigte) Sorge, dass sie durch ihr fr&#252;heres Abstimmungsverhalten von Schwarz-Gelb ausgekontert w&#252;rden. Einen Wahlkampf, in dem man das grundlegende Versagen der Regierung  anprangert und in dem man das permanente Betrugsman&#246;ver der „Mutter Blamage“ entlarvt, bekommt die SPD so nicht hin. Ihr Klammern an ihrem vorausgegangenen praktischen politischen Handeln nimmt ihnen die Schlagkraft. </p>
<p>Hoffnung und Vertrauen auf eine bessere Zukunft, die ja f&#252;r eine Wahlentscheidung ausschlaggebend sind, k&#246;nnen so nicht wachsen. F&#252;r die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler ist das jetzt beschlossene „Regierungsprogramm“ eben nur Papier das bekanntlich geduldig ist. </p>
<p>Aber vielleicht bringt ja die Hoene&#223;-Steueraff&#228;re noch eine Wende &#8230;</p>
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		<itunes:subtitle>Auf Einladung des NachDenkSeiten-Gespr&#228;chskreises in Bonn hielt ich am 23. April ein Referat zu dem mir gestellten o.g. Thema. An dem Gespr&#228;chskreis beteiligen sich viele Kollegen, die ich noch aus meiner fr&#252;heren beruflichen T&#228;t[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Auf Einladung des NachDenkSeiten-Gespr&#228;chskreises in Bonn hielt ich am 23. April ein Referat zu dem mir gestellten o.g. Thema. An dem Gespr&#228;chskreis beteiligen sich viele Kollegen, die ich noch aus meiner fr&#252;heren beruflichen T&#228;tigkeit in der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes kenne. Es sind &#252;berwiegend Sozialdemokraten, die seit der Agenda-Politik von Gerhard Schr&#246;der eine kritische Haltung zur SPD eingenommen haben. Zum Teil sind sie dennoch in dieser Partei aktiv. Vor allem sie wollte ich mit meinem Referat ansprechen. Ich wurde gebeten, mein Referat ins Netz zu stellen, was ich hiermit gerne tue. Von Wolfgang Lieb
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


I. Zur Stimmungslage
Die Aussichten auf einen Wahlerfolg von Rot-Gr&#252;n sind nach gegenw&#228;rtiger Sicht gering.
Die SPD d&#252;mpelt nach j&#252;ngsten Umfragen (allerdings alle noch vor dem a.o. Parteitag in Augsburg) zwischen 22% (Forsa) und 28 % (Allensbach) (Emnid: 26%; Forschungsgruppe Wahlen: 27%; GMS: 24%; Infratest dimap: 27%)
In BILD am 23.4. 2013 eine INSA-Umfrage mit 26 % f&#252;r die SPD.
Die Umfragewerte f&#252;r die Gr&#252;nen pendeln zwischen 13 und 15%. 
Nebenbei bemerkt: Mich wundert, dass so selten thematisiert wird, dass der Anstieg der Gr&#252;nen gegen&#252;ber der Wahl 2009 etwas mit den zur&#252;ckgehenden Umfragewerten der SPD und deren Kanzlerkandidaten zu tun haben k&#246;nnte.
Selbst wenn man die Maximalwerte addiert k&#228;men SPD und Gr&#252;ne zusammen auf 43 %.
CDU/CSU allein schwanken um 41/42 %. (BILD v. 23.4.2013: 38 %)
Nun kann man wie die S&#252;ddeutsche Zeitung vom 15. April alle m&#246;gliche Koalitionsarithmetik anwenden: 
Man kann annehmen, dass die FDP scheitert oder die sog. „sonstigen“ Parteien &#8211; also diesmal u.a. vielleicht auch noch die „Alternative f&#252;r Deutschland“ (BILD v. 23.4.2013: 5 %) &#8211; auf vielleicht insgesamt 7 bis 9 % kommen k&#246;nnten, dann k&#246;nnten Rot-Gr&#252;n wegen der 5%-Klausel vielleicht schon 45 % reichen, um eine Parlamentsmehrheit zu schaffen.
Die SPD m&#252;sste in diesem Fall aber dennoch einige Prozentpunkte gutmachen.
Man k&#246;nnte auch dar&#252;ber spekulieren, dass es &#228;hnlich wie in Niedersachsen wieder „Leihstimmen“ aus dem CDU-Lager f&#252;r die FDP geben k&#246;nnte und das tats&#228;chliche Wahlergebnis der Union gegen&#252;ber ihren derzeitigen Umfragewerten zur&#252;ckgehen k&#246;nnte. 
Darauf setzt die SPD-F&#252;hrung wohl ihre Hoffnung, wenn sie von den schlechten Umfragewerten ablenken und auf die erfolgreichen Regierungsbildungen in Baden-W&#252;rttemberg, Hamburg, NRW oder Niedersachsen hinweist. Das setzte allerdings deutliche Verluste der CDU voraus. In Hamburg, B-W. oder auch NRW hatten die Verluste der Union klare Gr&#252;nde – Ole von Beust, Stefan Mappus und J&#252;rgen R&#252;ttgers hatten abgewirtschaftet oder waren in Skandale verwickelt.
Aber nur in NRW und HH hat sich die SPD geringf&#252;gig aus ihrem Tief befreien k&#246;nnen.
Niedersachsen k&#246;nnte aber insofern ein Hoffnungsschimmer f&#252;r die SPD sein, weil dort ein popul&#228;rer Amtsinhaber gegen einen als blass und wenig bekannt geltenden Herausforderer verloren hat. Der Abstand bei den Popularit&#228;tswerten zwischen Merkel (63 %) Steinbr&#252;ck (27%) ist allerdings gr&#246;&#223;er als der zwischen David McAllister und Stephan Weil war. Merkels Vorsprung gegen&#252;ber Steinbr&#252;ck ist allerdings gr&#246;&#223;er als er 2009 gegen&#252;ber Steinmeier war.
Die Chance, dass die FDP scheitert halte ich f&#252;r gering. Es wird immer gen&#252;gend wohlhabende Wahlkampfsponsoren und eine mediale Dynamik geben, die der FDP im Endspurt noch die wenigen n&#246;tigen Stimmen verschaffen wird &#8211; schon aus taktischem Wahlverhalten um Schwarz-Gelb zu retten.
In der SPD-Parteif&#252;hrung machen sich wohl viele die Hoffnung, man k&#246;nne die Linkspartei durch Verschweigen und durch programmatische Anleihen aus dem Parla[...]</itunes:summary>
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		<title>Uli Hoene&#223; – der tiefe Fall des „Vater Teresa vom Tegernsee“</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16976</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2013 11:03:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern / Steuerreform]]></category>

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		<description><![CDATA[Uli Hoene&#223; gab sich stets redlich M&#252;he, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkr&#228;ftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. Sp&#228;testens seit den Steuerhinterziehungsvorw&#252;rfen von diesem Wochenende ist jedoch klar, dass der FC-Bayern-Boss und Wurstoligarch Hoene&#223; h&#246;chstens als Vorbild f&#252;r konservative Doppelmoral taugt. Ob Hoene&#223; [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Uli Hoene&#223; gab sich stets redlich M&#252;he, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkr&#228;ftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. Sp&#228;testens seit den Steuerhinterziehungsvorw&#252;rfen von diesem Wochenende ist jedoch klar, dass der FC-Bayern-Boss und Wurstoligarch Hoene&#223; h&#246;chstens als Vorbild f&#252;r konservative Doppelmoral taugt. Ob Hoene&#223; die Spiele des FC Bayern k&#252;nftig hinter schwedischen Gardinen verfolgen muss, ist derzeit noch offen. Eine – vielleicht entscheidende – Frage wird von den Medien bislang noch nicht gestellt: Warum erhielt Hoene&#223; „um das Jahr 2000 herum“ ein Darlehen des damaligen Adidas-Chefs? 2002 beteiligte sich Adidas mit 10% am FC Bayern M&#252;nchen. Es ist nicht auszuschlie&#223;en, dass sich Hoene&#223; durch Annahme des Darlehens auch der Untreue schuldig gemacht hat. Von <strong>Jens Berger</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
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</p>
<p>Siehe dazu auch: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16959">Albrecht M&#252;ller &#8211; Fall Hoene&#223;: Die Einschl&#228;ge im Milieu der Regierungsparteien werden heftiger</a></p>
<p><strong>Der Saubermann als Spekulant</strong></p>
<p>Vor gerade einmal zwei Monaten verriet Uli Hoene&#223; einem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lLsE4yDthI0&#038;list=UUMpW4tdyZUid2Ka9_FuDDhQ&#038;index=51">Videoblog des Handelsblatts</a> seine pers&#246;nliche Anlagestrategie: „Ich bin da sehr aufgeschlossen f&#252;r Aktienk&#228;ufe und auch mal f&#252;r eine Devisenspekulation“. Nat&#252;rlich wei&#223; ein Finanzprofi wie Hoene&#223;, dass Spekulationsgewinne steuerpflichtig sind. Und da er offenbar bereits seit mehr als zehn Jahren von seinem Schweizer Depot aus an den Finanzm&#228;rkten spekuliert und damit offenbar Millionengewinne realisiert hat, muss man ihm durchaus unterstellen, dass er sich mit Vorsatz der schweren Steuerhinterziehung strafbar gemacht hat. Seine Verteidigung, er h&#228;tte das von Schwarz-Gelb geplante Steuerabkommen mit der Schweiz abwarten wollen, klingt da wie ein schlechter Witz. Wie viele Amnestieangebote f&#252;r reuige Steuerhinterzieher hat es seitens der Finanzministerien in den letzten Jahren gegeben?</p>
<p>H&#228;tte Hoene&#223; auch nur einen Hauch Unrechtsbewusstsein, h&#228;tte er ohne Probleme auf diese Angebote eingehen k&#246;nnen. Als positiver Nebeneffekt der Aff&#228;re Hoene&#223; ist jedoch zu verbuchen, dass nun auch einen breiten &#214;ffentlichkeit der eigentliche Zweck dieses Steuerabkommens klar wird – das Steuerabkommen w&#228;re, wenn es den Bundesrat passiert h&#228;tte, eine „Lex Hoene&#223;“, ein Generalamnestie f&#252;r s&#228;mtliche Gro&#223;kopferten, um der Strafverfolgung zu entgehen.</p>
<p><strong>Kredit vom Freund? Das h&#246;rt sich sehr merkw&#252;rdig an</strong></p>
<p>Wenn sich die Meldungen der s&#252;ddeutschen Zeitungen, die sich mit der Sache intensiv besch&#228;ftigen, best&#228;tigen, hat Uli Hoene&#223; von seinem Schweizer Konto aus mit vermeintlich „sauberem“ und „versteuertem“ Geld Spekulationsgewinne erzielt, die er bei seiner Steuererkl&#228;rung nicht angegeben hat. Je nach Quelle handelt es sich dabei um einen niedrigen zweistelligen bis zu einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dank seiner offenbar gerade noch rechtzeitig gestellten Selbstanzeige d&#252;rfte Hoene&#223; dabei – wenn nicht noch mehr herauskommt – straffrei aus der Sache gehen. Ein entscheidendes Detail wird dabei jedoch vergessen. Nach Informationen der SZ stammt der Grundstock von Hoene&#223; Spekulationskasse aus einem „Darlehen“ in der Gr&#246;&#223;enordnung „von 10 bis 15 Millionen Euro“, das Hoene&#223; „um das Jahr 2000“ herum vom damaligen Adidas-Chef und –Gro&#223;aktion&#228;r und Hoene&#223;-Freund Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll. </p>
<p>Das ist bemerkenswert, schlie&#223;lich wurde der mittlerweile verstorbene Robert Louis-Dreyfus Jahre sp&#228;ter wegen Steuerhinterziehung im Umfeld des zum Dreyfus-Imperiums geh&#246;renden Fu&#223;ballclubs Olympique de Marseille in den Jahren 1997 bis 1999 zu einer dreij&#228;hrigen Haftstrafe <a href="http://www.independent.co.uk/news/obituaries/robert-louisdreyfus-businessman-who-helped-resurrect-olympique-marseille-football-club-1749706.html">verurteilt</a>. 2001 stieg der, ebenfalls zum Dreyfus-Imperium z&#228;hlende, Adidas-Konzern mit 10% beim FC Bayern M&#252;nchen ein und zahlte daf&#252;r 150 Millionen D-Mark. Verhandlungsf&#252;hrer des FC Bayern M&#252;nchen war zu jener Zeit Uli Hoene&#223;. </p>
<p>Ob es sich bei dem ungew&#246;hnlichen „Darlehen“ an Hoene&#223; um eine „selbstlose“ Tat des Milliard&#228;rs Robert Louis-Dreyfus handelte, oder ob Dreyfus nicht ganz so selbstlos war und f&#252;r das „Darlehen“ eine wie auch immer geartete Gegenleistung von seinem Freund und Gesch&#228;ftspartner Hoene&#223; erhalten hat, werden sicher die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufdecken. Sollte Hoene&#223; eine Gegenleistung erbracht haben, h&#228;tte er sich auch der Untreue gegen&#252;ber dem FC Bayern M&#252;nchen schuldig gemacht. Und dann w&#252;rde sein Denkmal endg&#252;ltig vom Sockel fallen.</p>
<p><strong>Demontage einer lebenden Legende</strong></p>
<p>Uli Hoene&#223; ist eine lebende Legende. 1974 erschien er – als einer der ganz wenigen lebenden Menschen – auf einer Briefmarke der Bundespost. Nach seiner Karriere als Profi-Fu&#223;baller verhalf er nicht nur seiner eigenen Wurstfabrik, sondern auch dem FC Bayern M&#252;nchen als Manager und Vereinsvorsitzender zu durchschlagendem Erfolg. Doch Uli Hoene&#223; vermochte es stets, in der &#214;ffentlichkeit nicht als kalter Kapitalist, sondern als Mann mit gro&#223;em Herz dargestellt zu werden. &#8220;Ich bin der sozialste Mensch, den ich kenne&#8221;, sagte Hoene&#223; einst g&#228;nzlich unbescheiden in einem Interview des Tagesspiegels. Sein soziales Engagement in seinem unmittelbaren Umfeld ist unbestritten. F&#252;r aktuelle und ehemalige Profis des FC Bayerns zeigte Hoene&#223; stets ein gro&#223;es Herz und sp&#228;testens seit seinem Engagement f&#252;r den vom Konkurs bedrohten Klub FC St. Pauli galt Hoene&#223; auch bei Fu&#223;ballfans mit einer anderen Weltanschauung als Kapitalist mit dem Herzen am rechten Fleck. Wie man sich doch t&#228;uschen kann.</p>
<p>Noch 2005 sagte Hoene&#223;: „Ich wei&#223;, dass es doof ist. Aber ich zahle volle Steuern“. Drei Jahre zuvor begl&#252;ckte er das Land mit der Weisheit, es k&#246;nne „doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gef&#228;ngnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen“. „Es ist doch unklug, so was zu machen. Es kommt doch immer alles raus“. Wie recht Hoene&#223; mit diesen S&#228;tzen doch hatte. Im Nachhinein klingen solche S&#228;tze schizophren. Der Mann, der einst Oskar Lafontaine seine soziale Kompetenz aufgrund dessen – vergleichsweise bescheidenen – Verm&#246;gen <a href="http://www.express.de/politik-wirtschaft/nach-kritik-an-lafontaine-herr-hoeness--ist-das-eine-sozialwohnung-,2184,19131604.html">absprach</a>, hat offenbar selbst jahrelang Wasser gepredigt und Wein gesoffen. </p>
<p><strong>B&#252;rgerliche Doppelmoral</strong></p>
<p>Hoene&#223; ist dabei geradezu ein Musterbeispiel konservativer Doppelmoral. Diejenigen, die von der Kanzel Treue und famili&#228;re Werte predigen, sind nicht selten auch diejenigen, die sich heimlich eine Geliebte halten. Diejenigen, die Homosexualit&#228;t als eine Gei&#223;el Gottes bezeichnen, sind nicht selten auch diejenigen, die sich nach getaner Arbeit einen „Puppenjungen“ in ihre Limousine einladen. Da &#252;berrascht es nicht, dass auch diejenigen, die sich in Sonntagsreden ihrer sozialer Ader r&#252;hmen, insgeheim in der Schweiz Millionen gebunkert haben, die sie dem Fiskus entziehen.</p>
<p>Dabei stellt Steuerhinterziehung in der b&#252;rgerlichen Doppelmoral offenbar immer noch eine Art „Selbstverteidigung gegen den Staat“ dar. Es ist unwahrscheinlich, dass es Personen wie Uli Hoene&#223; dabei „nur“ um das Geld an sich geht. Gier ist hier offenbar nicht der entscheidende Triebfaktor. Die Hoene&#223; dieser Welt sind vielmehr &#252;berzeugt davon, dass der Staat mit „ihrem Geld“ keine sinnvollen Dinge anstellt und sie lieber selbst zu entscheiden sollten, f&#252;r welche Wohltaten „ihr Geld“ verwendet wird. F&#252;r Menschen, die stets in Selbstzufriedenheit baden, ist es offenbar schwer hinzunehmen, dass ein b&#252;rokratischer Beamtenapparat ihnen derart „elementare“ Entscheidungen abnimmt. Und mit der positiven PR, die jede &#246;ffentliche zelebrierte Gro&#223;spende mit sich bringt, kann der Steuerbescheid auch nicht mithalten. Wer meint, Gesetze nach dem eigenen Gusto umzubiegen und das Strafgesetzbuch f&#252;r sich selbst als unverbindliche Empfehlung zu interpretieren, hat jedoch auch jedes Recht verspielt, in der &#214;ffentlichkeit als Moralapostel aufzutreten.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e0789dda81ca454e86a659a86ef43e11" width="1" height="1" alt="" /></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16976&amp;md5=5e4ac1f335285e1d5e43406196593d06" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Uli Hoene&#223; gab sich stets redlich M&#252;he, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkr&#228;ftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. Sp&#228;testens seit den Steuerhinterziehungsvorw&#252;rfen von diesem Wochenende ist jedoch klar, dass der FC-Bayern-Boss und Wurstoligarch Hoene&#223; h&#246;chstens als Vorbild f&#252;r konservative Doppelmoral taugt. Ob Hoene&#223; die Spiele des FC Bayern k&#252;nftig hinter schwedischen Gardinen verfolgen muss, ist derzeit noch offen. Eine – vielleicht entscheidende – Frage wird von den Medien bislang noch nicht gestellt: Warum erhielt Hoene&#223; „um das Jahr 2000 herum“ ein Darlehen des damaligen Adidas-Chefs? 2002 beteiligte sich Adidas mit 10% am FC Bayern M&#252;nchen. Es ist nicht auszuschlie&#223;en, dass sich Hoene&#223; durch Annahme des Darlehens auch der Untreue schuldig gemacht hat. Von Jens Berger
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Siehe dazu auch: Albrecht M&#252;ller &#8211; Fall Hoene&#223;: Die Einschl&#228;ge im Milieu der Regierungsparteien werden heftiger
Der Saubermann als Spekulant
Vor gerade einmal zwei Monaten verriet Uli Hoene&#223; einem Videoblog des Handelsblatts seine pers&#246;nliche Anlagestrategie: „Ich bin da sehr aufgeschlossen f&#252;r Aktienk&#228;ufe und auch mal f&#252;r eine Devisenspekulation“. Nat&#252;rlich wei&#223; ein Finanzprofi wie Hoene&#223;, dass Spekulationsgewinne steuerpflichtig sind. Und da er offenbar bereits seit mehr als zehn Jahren von seinem Schweizer Depot aus an den Finanzm&#228;rkten spekuliert und damit offenbar Millionengewinne realisiert hat, muss man ihm durchaus unterstellen, dass er sich mit Vorsatz der schweren Steuerhinterziehung strafbar gemacht hat. Seine Verteidigung, er h&#228;tte das von Schwarz-Gelb geplante Steuerabkommen mit der Schweiz abwarten wollen, klingt da wie ein schlechter Witz. Wie viele Amnestieangebote f&#252;r reuige Steuerhinterzieher hat es seitens der Finanzministerien in den letzten Jahren gegeben?
H&#228;tte Hoene&#223; auch nur einen Hauch Unrechtsbewusstsein, h&#228;tte er ohne Probleme auf diese Angebote eingehen k&#246;nnen. Als positiver Nebeneffekt der Aff&#228;re Hoene&#223; ist jedoch zu verbuchen, dass nun auch einen breiten &#214;ffentlichkeit der eigentliche Zweck dieses Steuerabkommens klar wird – das Steuerabkommen w&#228;re, wenn es den Bundesrat passiert h&#228;tte, eine „Lex Hoene&#223;“, ein Generalamnestie f&#252;r s&#228;mtliche Gro&#223;kopferten, um der Strafverfolgung zu entgehen.
Kredit vom Freund? Das h&#246;rt sich sehr merkw&#252;rdig an
Wenn sich die Meldungen der s&#252;ddeutschen Zeitungen, die sich mit der Sache intensiv besch&#228;ftigen, best&#228;tigen, hat Uli Hoene&#223; von seinem Schweizer Konto aus mit vermeintlich „sauberem“ und „versteuertem“ Geld Spekulationsgewinne erzielt, die er bei seiner Steuererkl&#228;rung nicht angegeben hat. Je nach Quelle handelt es sich dabei um einen niedrigen zweistelligen bis zu einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dank seiner offenbar gerade noch rechtzeitig gestellten Selbstanzeige d&#252;rfte Hoene&#223; dabei – wenn nicht noch mehr herauskommt – straffrei aus der Sache gehen. Ein entscheidendes Detail wird dabei jedoch vergessen. Nach Informationen der SZ stammt der Grundstock von Hoene&#223; Spekulationskasse aus einem „Darlehen“ in der Gr&#246;&#223;enordnung „von 10 bis 15 Millionen Euro“, das Hoene&#223; „um das Jahr 2000“ herum vom damaligen Adidas-Chef und –Gro&#223;aktion&#228;r und Hoene&#223;-Freund Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll. 
Das ist bemerkenswert, schlie&#223;lich wurde der mittlerweile verstorbene Robert Louis-Dreyfus Jahre sp&#228;ter wegen Steuerhinterziehung im Umfeld des zum Dreyfus-Imperiums geh&#246;renden Fu&#223;ballclubs Olympique de Marseille in den Jahren 1997 bis 1999 zu einer dreij&#228;hrigen Haftstrafe verurteilt. 2001 stieg der, ebenfalls zum Dreyfus-[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Konjunkturprognose: Die Welt wird von den F&#252;&#223;en auf den Kopf gestellt</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16938</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Apr 2013 06:17:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz des &#228;u&#223;erst schwachen Wachstums von erwarteten 0,8 % in diesem Jahr scheint f&#252;r die acht Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen. Eigentlich brauchte man deren „Gemeinschaftsdiagnosen“ keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Sie liegen meist daneben und loben vor allem ihren Auftraggeber. Im Wahljahr geben die „Wissenschaftler“ sogar eine eindeutige Wahlempfehlung f&#252;r die auftraggebende Regierung [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz des &#228;u&#223;erst schwachen Wachstums von erwarteten 0,8 % in diesem Jahr scheint f&#252;r die acht Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen. Eigentlich brauchte man deren „Gemeinschaftsdiagnosen“ keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Sie liegen meist daneben und loben vor allem ihren Auftraggeber. Im Wahljahr geben die „Wissenschaftler“ sogar eine eindeutige Wahlempfehlung f&#252;r die auftraggebende Regierung ab.<br />
Das Fr&#252;hjahrsgutachten ist wieder einmal ein Beispiel, wie dogmatisch bornierte &#214;konomen, die Welt von den F&#252;&#223;en auf den Kopf stellen. Der Zusammenhang zwischen der rigiden „Sparpolitik“ und rezessiver Wirtschaftsentwicklung wird stur geleugnet. Ein Nachlassen bei den offensichtlich katastrophalen Probleml&#246;sungskonzepten zur Ursache der Probleme erkl&#228;rt. In ihrer Fixierung auf staatliche Ausgabenk&#252;rzungen und den Abbau von Sozialleistungen bemerken die ideologisch bornierten Think-Tanks nicht einmal die Widerspr&#252;che, in die sie sich selbst verwickeln. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16938"></span><br />
</p>
<p>Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose der (einschlie&#223;lich der Kooperationspartner insgesamt) acht Wirtschaftsinstitute haben einen „Dienstleistungsauftrag“ des Bundesministers f&#252;r Wirtschaft und Technologie und diese Dienstleistung erf&#252;llen sie auch in aller Regel. Das hei&#223;t, sie sind ihrem jeweiligen Auftraggeber zu Diensten und bieten einen f&#252;r die Regierung positiven Ausblick (Siehe <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=15932">Flassbeck/Spiecker</a>). Selbst wenn es mit der Wirtschaft zum aktuellen Zeitpunkt nicht so gut l&#228;uft, so wird der Ausblick in die fernere Zukunft meist in rosigen Farben gezeichnet. Das gilt nat&#252;rlich besonders in einem Wahljahr. Besonders dreist ist diesmal die ungeschminkte Wahlempfehlung der Institute f&#252;r die derzeitige Regierung: „Diese (positive (WL)) Prognose ist insbesondere mit der Unsicherheit behaftet, dass im September 2013 die Wahlen zum Bundestag anstehen. &#196;nderungen im finanzpolitischen Kurs sind f&#252;r die Zeit danach nicht auszuschlie&#223;en“, hei&#223;t es in dem „wissenschaftlichen“ Gutachten und das gleich zweimal (S. 32 und S. 33).</p>
<p>Die Dienstbeflissenheit gegen&#252;ber dem Auftraggeber erweist sich einmal mehr in der gestern vorgestellten <a href="http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Forecasts/Gemeinschaftsdiagnose/Archiv/GD-20130418.html">„Gemeinschaftsdiagnose Fr&#252;hjahr 2013“</a>. </p>
<p>Unter der &#220;berschrift „Deutsche Konjunktur erholt sich“ erwarten die Institute in diesem Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandproduktes um 0,8 % und im kommenden Jahr um 1,9 %.</p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130419_Konjunkturprognose.gif" alt="Reales BIP in Deutschland" title="Reales BIP in Deutschland" /></p>
<p>Trotz des &#228;u&#223;erst schwachen Wachstums in diesem Jahr scheint f&#252;r die Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen: Die Zinsen seien niedrig, die Wettbewerbsf&#228;higkeit der deutschen Unternehmen gut, die Auslandsnachfrage w&#252;rde sich dementsprechend beschleunigen, der Arbeitsmarkt sei robust, die privaten Konsumausgaben w&#252;rden steigen, der Preisauftrieb sei gering und – das Wichtigste – der Staatshaushalt sei ausgeglichen. </p>
<p>Eigentlich m&#252;sste die  Konjunktur geradezu explodieren. Warum aber dann nur ein Wachstum von 0,8 %? </p>
<p>Nun sind die Abweichungen der „Gemeinschaftsprognosen“ vom tats&#228;chlichen Wachstum vor allem bei den Fr&#252;hjahrsprognosen teilweise dramatisch. Selbst f&#252;r ihre Prognosen im zur&#252;ckliegenden Jahr m&#252;ssen die Institute einr&#228;umen, dass beim Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung das „Gegenteil“ eingetreten ist, was sie erwartet hatten. Die konjunkturellen Triebkr&#228;fte seien im Fr&#252;hjahrsgutachten „nicht richtig vorausgesehen“  worden, tut man die eigene Fehleinsch&#228;tzung lapidar ab. </p>
<p>Schaut man auf die Prognosen im Zeitverlauf, so ist Folgendes zu beobachten: Wenn es mit der Konjunktur schlecht l&#228;uft liegen die Prognosen in der Regel zu hoch, wenn es gut l&#228;uft <a href="http://pdwb.de/nd08.htm">zu niedrig</a>. Letzteres erkl&#228;rt sich meist damit, dass man nachlassendem „Reformwillen“ entgegenwirken will. Denn eine Konstante gibt es bei allen dieser Gutachten, n&#228;mlich das zugrunde liegende angebotsorientierte Wirtschaftsdogma. </p>
<p>Wie in jedem zur&#252;ckliegenden Gutachten – egal wie die wirtschaftliche Lage eingesch&#228;tzt wurde – wird gefordert, dass die Staatsausgaben zur&#252;ckgefahren und die L&#246;hne niedrig gehalten werden. </p>
<p>In Deutschland sollten „Vorkehrungen getroffen werden, damit es nicht zu &#228;hnlichen Fehlentwicklungen kommt wie in einigen Krisenl&#228;ndern“, wird gewarnt. Die „&#220;bererf&#252;llung“ der Schuldenbremse beim Bund beruhe nicht auf nachhaltigen Faktoren (niedrige Zinsen und „kalte Progression“) und deshalb m&#252;ssen die „Konsolidierungsbem&#252;hungen trotz des strukturell ausgeglichenen Haushalts fortgesetzt<br />
werden. (S. 66) Und nat&#252;rlich darf wieder einmal die Warnung vor den finanzpolitischen Herausforderungen durch die „Alterung der Bev&#246;lkerung“ nicht fehlen.  Um die L&#246;hne niedrig zu halten, darf es nach Meinung der Institute nicht zu einem fl&#228;chendeckenden Mindestlohn kommen. Die Empfehlungen folgen der seit Jahren st&#228;ndig wiederholten Litanei. </p>
<p>Der Zusammenhang zwischen der rigiden „Sparpolitik“ und rezessiver Wirtschaftsentwicklung wird stur geleugnet: <em>„Die R&#252;ckf&#252;hrung der Haushaltsdefizite kommt angesichts einer meist schwachen, zum Teil sogar stark rezessiven Wirtschaftsentwicklung nur m&#252;hsam voran.“</em> Die Logik, dass Sparen am einfachsten gelingt, wenn die Wirtschaft brummt, wird einfach negiert. Ja, noch mehr, es wird die Lockerung der „Sparpolitik“ in einigen L&#228;ndern beklagt.</p>
<p>Man immunisiert sich also gegen das Scheitern der „Reformbem&#252;hungen“, indem man Ursache und Wirkung umkehrt: Sollte es zu weiteren schweren Belastungen der Konjunktur kommen, dann k&#246;nne das nur daran liegen, dass die „strukturellen Anpassungsprozesse“ (sprich im Wesentlichen der Sozialabbau) verlangsamt oder gar scheitern w&#252;rden.</p>
<p>Auch was die Lage in der Europ&#228;ischen Union anbetrifft findet man die Ignoranz der Glaubenslehre gegen&#252;ber der Wirklichkeit und damit gleichzeitig die Best&#228;tigung des Kurses der Bundesregierung. Da werden die Konsolidierungsbem&#252;hungen der L&#228;nder im Euroraum gelobt, aber man wundert sich, dass „die ung&#252;nstige Konjunktur…dem Defizitabbau entgegen“ wirkte.  Wie sollte in Europa auch „gespart“ werden k&#246;nnen, wenn sich der Euroraum insgesamt in einer Rezession (das BIP schrumpfte um 0,6 %) befindet? </p>
<p>Die der Krise im Euroraum „zugrundeliegenden Probleme“ seien noch nicht gel&#246;st, weil sich einige Regierungen „erheblichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Reformen gegen&#252;ber“ s&#228;hen. F&#252;r die Institute ist also nicht die Finanzkrise die Ursache der Krise im Euroraum, sondern  „ein Nachlassen bei der Politik der Konsolidierung und der Strukturreformen“; also kurz, dass der eingeschlagene Austerit&#228;tskurs nicht konsequent genug durchgehalten werde. Die Gedankenwelt dieser &#214;konomen ist so verschroben, dass sie ein Nachlassen bei den offensichtlich katastrophalen Probleml&#246;sungskonzepten zur Ursache der Probleme machen. Diese Umkehrung von Ursache und Wirkung ist ganz typisch f&#252;r die neoliberalen Ideologen: Wenn ihre Rezepte scheitern, dann kann es nur daran liegen, dass diese nicht konsequent genug umgesetzt wurden und deshalb eine Erh&#246;hung der Dosis erforderlich ist. Die Idee, dass die vorgeschlagenen Rezepte falsch sind, unterliegt einem Denktabu. </p>
<p>Ihre optimistischen Erwartungen f&#252;r das laufende und vor allem f&#252;r das kommende Jahr st&#252;tzt die Gemeinschaftsprognose vor allem auf die privaten Konsumausgaben. Man ist zwar erstaunt &#252;ber die Stagnation des privaten Konsums im letzten Halbjahr 2012, setzt jedoch auf den Strohhalm deren (angeblichen) Anstiegs im ersten Quartal dieses Jahres.</p>
<p>Dabei kommt man an dem – f&#252;r der angebotsorientierten Lehre verpflichteten &#214;konomen erstaunlichen – Eingest&#228;ndnis  nicht herum, dass steigende L&#246;hne und damit steigende Binnennachfrage ein Wachstumsantrieb sein k&#246;nnten. Gleichzeitig wird aber vor der Einf&#252;hrung eines fl&#228;chendeckenden Mindestlohns gewarnt, dessen Fehlen doch eine der Hauptursache f&#252;r Dumpingl&#246;hne und f&#252;r das Stagnieren der effektiven Durchschnittsl&#246;hne darstellt.</p>
<p>Zur Begr&#252;ndung f&#252;r die „erheblichen negativen Besch&#228;ftigungseffekte“ eines Mindestlohns von 8,50 Euro r&#252;hrt man ausschlie&#223;lich in der eigenen Suppe, denn es werden selbstverst&#228;ndlich &#252;berwiegend nur Studien der beteiligten Institute als Beleg angef&#252;hrt (S. 53 Fu&#223;note 37). Die Befunde einer Vielzahl von Studien, die zu ganz anderen Ergebnissen f&#252;hren, werden unterschlagen oder einfach nicht zur Kenntnis genommen (Vgl. z.B. WISO Diskurs: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=15375#h05">Wirkungen der Mindestlohnregelungen in acht Branchen</a>). Ein weiterer Beleg daf&#252;r, wie sich die beteiligten Institute in ihre eigene Ideologie eingegraben haben.  </p>
<p>Interessant ist eine Angabe, die ansonsten immer gerne verschwiegen wird: Der Bund habe sein „strukturelles Defizit“ auch auf Kosten der Sozialversicherungen abgebaut: </p>
<blockquote><p>„Er reduziert zum einen seine Zusch&#252;sse an den Gesundheitsfonds um 2,5 Mrd. Euro in diesem Jahr und um 3,5 Mrd. Euro im n&#228;chsten. Zum anderen k&#252;rzt er seine Zusch&#252;sse an<br />
die gesetzliche Rentenversicherung um 1 Mrd. Euro im Jahr 2013 und um 1,25 Mrd. Euro im Jahr 2014. Zudem wird die Bundesbeteiligung an den Kosten der Arbeitsf&#246;rderung bei gleichzeitigem Wegfall des von der Bundesagentur f&#252;r Arbeit an den Bund zu leistenden Eingliederungsbeitrags gestrichen, was den Bundeshaushalt per saldo um rund 2 Mrd. Euro entlastet. Dies f&#252;hrt zusammen mit den zu Beginn dieses Jahres deutlich gesenkten Sozialabgaben dazu, dass die hohen &#220;bersch&#252;sse der Sozialversicherung merklich schrumpfen.“</p></blockquote>
<p>Einen solchen Hinweis, dass die sog. Konsolidierungspolitik vor allem durch K&#252;rzungen bei den Sozialleistungen erfolgt, findet man in der &#246;ffentlichen Darstellung der Regierungspolitik h&#246;chst selten. Auch dass „weitgehende Einigkeit besteht, dass die derzeitigen Bundeszusch&#252;sse (an die Sozialversicherungen (WL)) die versicherungsfremden Leistungen nicht abdecken“  (S. 65) wird st&#228;ndig unterschlagen. </p>
<p>In ihrer Fixierung auf staatliche Ausgabenk&#252;rzungen und dem Abbau von Sozialleistungen bemerken die ideologisch bornierten Think-Tanks nicht einmal die Widerspr&#252;che, in die sie sich selbst verwickeln. Da wird auf der einen Seite auf die ansteigende Nettozuwanderung ausl&#228;ndischer Arbeitskr&#228;fte hingewiesen, die die immer als argumentativer Hebel eingesetzte Bev&#246;lkerungsvorausberechnung erheblich &#252;bertreffe  (S. 48, Kasten 4.1). Im Schlussteil wird aber dann die gleiche (&#252;berholte) Vorausberechnung als Beleg f&#252;r den R&#252;ckgang der Erwerbsbev&#246;lkerung herangezogen, um daraus wiederum abzuleiten, dass das Leistungsniveau in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung nicht beibehalten werden k&#246;nne und deshalb zumindest das Renteneintrittsalter weiter erh&#246;ht werden m&#252;sse. (S. 54) Dar&#252;ber ob die &#196;lteren &#252;berhaupt Besch&#228;ftigung finden, machen sich die von den von den Zuwendungen der Bundesregierung lebenden Gutachter keinerlei Gedanken. </p>
<p>Obwohl die prognostizierte Wachstumsrate f&#252;r Deutschland nur leicht &#252;ber einer wirtschaftlichen Stagnation liegt und europaweit weiterhin eher eine rezessive Tendenz vorhergesagt  wird, lehnen unsere Marktgl&#228;ubigen politische Ma&#223;nahmen zur Konjunkturstabilisierung ab. (vor allem S. 54 Fu&#223;note 42) Eine konjunktur- und besch&#228;ftigungsf&#246;rdernde Finanzpolitik w&#252;rde nur zu weiteren Sparma&#223;nahmen f&#252;hren (S. 55). </p>
<p>Das ist typisch f&#252;r das vorherrschende Denkmuster, man k&#246;nne sich gesundsparen.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16938&amp;md5=c69a9e9a350bfc63295cf662abe84848" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Trotz des &#228;u&#223;erst schwachen Wachstums von erwarteten 0,8 % in diesem Jahr scheint f&#252;r die acht Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen. Eigentlich brauchte man deren „Gemeinschaftsdiagnosen“ keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Sie liegen meist daneben und loben vor allem ihren Auftraggeber. Im Wahljahr geben die „Wissenschaftler“ sogar eine eindeutige Wahlempfehlung f&#252;r die auftraggebende Regierung ab.
Das Fr&#252;hjahrsgutachten ist wieder einmal ein Beispiel, wie dogmatisch bornierte &#214;konomen, die Welt von den F&#252;&#223;en auf den Kopf stellen. Der Zusammenhang zwischen der rigiden „Sparpolitik“ und rezessiver Wirtschaftsentwicklung wird stur geleugnet. Ein Nachlassen bei den offensichtlich katastrophalen Probleml&#246;sungskonzepten zur Ursache der Probleme erkl&#228;rt. In ihrer Fixierung auf staatliche Ausgabenk&#252;rzungen und den Abbau von Sozialleistungen bemerken die ideologisch bornierten Think-Tanks nicht einmal die Widerspr&#252;che, in die sie sich selbst verwickeln. Von Wolfgang Lieb
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Die Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose der (einschlie&#223;lich der Kooperationspartner insgesamt) acht Wirtschaftsinstitute haben einen „Dienstleistungsauftrag“ des Bundesministers f&#252;r Wirtschaft und Technologie und diese Dienstleistung erf&#252;llen sie auch in aller Regel. Das hei&#223;t, sie sind ihrem jeweiligen Auftraggeber zu Diensten und bieten einen f&#252;r die Regierung positiven Ausblick (Siehe Flassbeck/Spiecker). Selbst wenn es mit der Wirtschaft zum aktuellen Zeitpunkt nicht so gut l&#228;uft, so wird der Ausblick in die fernere Zukunft meist in rosigen Farben gezeichnet. Das gilt nat&#252;rlich besonders in einem Wahljahr. Besonders dreist ist diesmal die ungeschminkte Wahlempfehlung der Institute f&#252;r die derzeitige Regierung: „Diese (positive (WL)) Prognose ist insbesondere mit der Unsicherheit behaftet, dass im September 2013 die Wahlen zum Bundestag anstehen. &#196;nderungen im finanzpolitischen Kurs sind f&#252;r die Zeit danach nicht auszuschlie&#223;en“, hei&#223;t es in dem „wissenschaftlichen“ Gutachten und das gleich zweimal (S. 32 und S. 33).
Die Dienstbeflissenheit gegen&#252;ber dem Auftraggeber erweist sich einmal mehr in der gestern vorgestellten „Gemeinschaftsdiagnose Fr&#252;hjahr 2013“. 
Unter der &#220;berschrift „Deutsche Konjunktur erholt sich“ erwarten die Institute in diesem Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandproduktes um 0,8 % und im kommenden Jahr um 1,9 %.

Trotz des &#228;u&#223;erst schwachen Wachstums in diesem Jahr scheint f&#252;r die Wirtschaftsinstitute alles zum Besten zu stehen: Die Zinsen seien niedrig, die Wettbewerbsf&#228;higkeit der deutschen Unternehmen gut, die Auslandsnachfrage w&#252;rde sich dementsprechend beschleunigen, der Arbeitsmarkt sei robust, die privaten Konsumausgaben w&#252;rden steigen, der Preisauftrieb sei gering und – das Wichtigste – der Staatshaushalt sei ausgeglichen. 
Eigentlich m&#252;sste die  Konjunktur geradezu explodieren. Warum aber dann nur ein Wachstum von 0,8 %? 
Nun sind die Abweichungen der „Gemeinschaftsprognosen“ vom tats&#228;chlichen Wachstum vor allem bei den Fr&#252;hjahrsprognosen teilweise dramatisch. Selbst f&#252;r ihre Prognosen im zur&#252;ckliegenden Jahr m&#252;ssen die Institute einr&#228;umen, dass beim Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung das „Gegenteil“ eingetreten ist, was sie erwartet hatten. Die konjunkturellen Triebkr&#228;fte seien im Fr&#252;hjahrsgutachten „nicht richtig vorausgesehen“  worden, tut man die eigene Fehleinsch&#228;tzung lapidar ab. 
Schaut man auf die Prognosen im Zeitverlauf, so ist Folgendes zu beobachten: Wenn es mit der Konjunktur schlecht l&#228;uft liegen die Prognosen in der Regel zu hoch, wenn es gut l&#228;uft zu niedrig. Letzteres erkl&#228;rt sich meist damit, dass man nachlassendem „Reformwillen“ entgegenwirken will. Denn eine Konstante gibt es bei allen dieser Gutachten, n[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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	</item>
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		<title>Wenn die Klapperst&#246;rche vor dem 1. April die Grenze zwischen Elsass und S&#252;dpfalz &#252;berfliegen, dann steigt die Geburtenrate in der S&#252;dpfalz im Januar des folgenden Jahres um 10 %.</title>
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		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16916#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Apr 2013 07:18:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Schulden]]></category>
		<category><![CDATA[Strategien der Meinungsmache]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt ist diese f&#252;r die Gestaltung des demographischen Wandels wichtige Erkenntnis der neoliberalen Theoretiker von Wissenschaftlern widerlegt worden. Sie haben nachgewiesen, dass die Theorie auf einem peinlichen Excel-Fehler aufbaute. Der erkennbare Unsinn der These wie auch der erkennbare Unsinn der Korrektur ist direkt auf eine gestern ausgebrochene Debatte anzuwenden. Ich zitiere SpiegelOnline: „Schulden-Theorie: Excel-Panne stellt Europas [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist diese f&#252;r die Gestaltung des demographischen Wandels wichtige Erkenntnis der neoliberalen Theoretiker von Wissenschaftlern widerlegt worden. Sie haben nachgewiesen, dass die Theorie auf einem peinlichen Excel-Fehler aufbaute. Der erkennbare Unsinn der These wie auch der erkennbare Unsinn der Korrektur ist direkt auf eine gestern ausgebrochene Debatte anzuwenden. Ich zitiere <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,894893,00.html">SpiegelOnline</a>: „Schulden-Theorie: Excel-Panne stellt Europas Sparpolitik in Frage. &#8211; Die US-Forscher Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart lieferten den wissenschaftlichen &#220;berbau f&#252;r die weltweite Sparpolitik: Bei Staatschuldenquoten von mehr als 90 Prozent leide das Wachstum.“ Jetzt h&#228;tten drei Forscher  von der Universit&#228;t Massachusetts die wissenschaftliche Grundlage des politischen Spardogmas ins Wanken gebracht.  Sie seien zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Dar&#252;ber wird nun in den Medien und zwischen den Wissenschaftlern feurig diskutiert. Eine absolute Unsinnsdebatte. Die Theorie war grotesk. Deshalb ist auch ihre Widerlegung grotesk. Zeitverschwendung. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16916"></span><br />
</p>
<p>Die H&#246;he der Staatsschuldenquote soll etwas sagen &#252;ber die Wachstumschancen. Abstrus. Die Staatsschuldenquote besteht aus zwei Komponenten: dem Schuldenstand eines Staates und dem Bruttoinlandsprodukt. An einem solchen Quotienten die Chancen einer Entwicklung und einer m&#246;glichen Wirtschaftpolitik festzumachen, ist schon per se komisch. Und dann auch noch festzustellen, dass bei einer bestimmten Zahl (=90 %) der Bruch stattfinde, auch das ist grotesk. Warum nicht 95% oder 60 oder 160%. Hier haben zwei als Wissenschaftler getarnte Ideologen eine Regel erfunden, die ihrem Wunsch entsprach.<br />
Hinzu kommt, dass der Schuldenstand nicht die ma&#223;gebliche Gr&#246;&#223;e zur Beurteilung der M&#246;glichkeiten einer besch&#228;ftigungsorientierten Wirtschaftspolitik ist. Daf&#252;r sprechen auch empirische Daten. Belgien und Italien lagen schon in den ganzen neunziger Jahren &#252;ber 90 %, Japan ab 1996. Ich f&#252;ge als Anhang die Tabelle A3 aus meinem Buch „Reforml&#252;ge“ an. Sie zeigt, wie grotesk insgesamt die Theorie des Herrn Rogoff ist. Zum Beispiel gab es in den neunziger Jahren in einigen L&#228;ndern hohe Wachstumsraten und gleichzeitig einen Anstieg der Staatsschuldenquote. Zum Beispiel in Schweden. Meist ist die Korrelation von BIP-Wachstum und Staatsschuldenquote nicht signifikant.<br />
So unsinnig wie die Theorie war, so unsinnig ist auch die Widerlegung. Wenn ich den angeblichen Experten Rogoff und Reinhart Rechenfehler nachweise, dann akzeptiere ich das Prinzip ihrer seltsamen Herstellung von Relationen. </p>
<p>Nicht sonderlich erstaunlich ist das gro&#223;e Medienecho. (Ein Beispiel noch: die S&#252;ddeutsche Zeitung meldete: „<a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-ueber-sparpolitik-forscher-attackieren-goldene-schuldenregel-1.1650859">Forscher attackieren goldene Schuldenregel</a>“) Wer den neoliberalen Theorien glaubt, der muss sich auch &#246;ffentlich dar&#252;ber wundern, wenn sie durch Nachweis von Rechenfehlern ersch&#252;ttert werden. Und wenn der zust&#228;ndige Kommissar in Br&#252;ssel, Herr Rehn, den Theorien geglaubt hat, dann muss man ihn wohl auch auf Rechenfehler in der Basis seines seltsamen Gedankengeb&#228;udes aufmerksam machen. So grotesk das ist.<br />
Der Vorgang ist ein guter Beleg daf&#252;r,</p>
<ul>
<li>dass die &#246;konomische Wissenschaft unter Dogmatismus und dogmatisch orientierten schlechten &#214;konomen leidet, und</li>
<li>dass die Medien ihrer Funktion als kritische Begleiter nicht gerecht werden. Mit gro&#223;en Kinderaugen begleiten sie deshalb einen Vorgang wie die gestrige Offenbarung von Rechenfehlern.</li>
</ul>
<p>Die wirklich schlimme Seite der gesamten Debatte ist die Tatsache, dass das Schicksal von Menschen in Europa von solchen Typen von Wissenschaftlern und der entsprechenden Ausrichtung von Kommissaren, Bundeskanzlern und Bundesfinanzministern abh&#228;ngt. Und dass sie unter diesen Dogmatikern ganz konkret leiden.</p>
<p><strong>Anlage: Auszug aus Albrecht M&#252;ller: Reforml&#252;ge (2004), Seite 408</strong></p>
<p><em>Tabelle A3: Staatsschuldenstand im Verh&#228;ltnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in vergleichbaren L&#228;ndern</em></p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130418_tabelle_01.png" title="" alt="" /></p>
<p><em>Quelle: OECD (Hrsg.): Economic Outlook 2003, Paris 2003, S. 227</em></p>
<p><strong>P.S.:</strong> Jens Berger schreibt mir als Anmerkung zu dem obigen Artikel:</p>
<blockquote><p>Ich stimme Deinem Artikel voll und ganz zu. Nur ein Satz st&#246;rt mich ein wenig:<br />
&#8220;Meist ist die Korrelation von BIP-Wachstum und Staatsschuldenquote nicht signifikant.&#8221;<br />
Ich wei&#223; ja, wie Du das meinst, aber das k&#246;nnte auch in der Form missverstanden werden, dass es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Werten gibt. Das BIP-Wachstum hat freilich eine gro&#223;e Bedeutung f&#252;r die Staatsschuldenquote, schlie&#223;lich steht es ja im Nenner. Umgekehrt hat die Staatsschuldenquote jedoch keinen signifikanten Einfluss auf das BIP-Wachstum. So h&#228;tte man das m.E. auch schreiben sollen. Einige Leser, die den Begriff &#8220;Korrelation&#8221; nicht genau definieren k&#246;nnen, k&#246;nnten hier zu einem falschen Urteil kommen.</p></blockquote>
<p><strong>AM:</strong> Jens Berger hat recht. Deshalb diese Erg&#228;nzung.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16916&amp;md5=8754c6f92c9b2de26951232c14803011" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Jetzt ist diese f&#252;r die Gestaltung des demographischen Wandels wichtige Erkenntnis der neoliberalen Theoretiker von Wissenschaftlern widerlegt worden. Sie haben nachgewiesen, dass die Theorie auf einem peinlichen Excel-Fehler aufbaute. Der erkennbare Unsinn der These wie auch der erkennbare Unsinn der Korrektur ist direkt auf eine gestern ausgebrochene Debatte anzuwenden. Ich zitiere SpiegelOnline: „Schulden-Theorie: Excel-Panne stellt Europas Sparpolitik in Frage. &#8211; Die US-Forscher Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart lieferten den wissenschaftlichen &#220;berbau f&#252;r die weltweite Sparpolitik: Bei Staatschuldenquoten von mehr als 90 Prozent leide das Wachstum.“ Jetzt h&#228;tten drei Forscher  von der Universit&#228;t Massachusetts die wissenschaftliche Grundlage des politischen Spardogmas ins Wanken gebracht.  Sie seien zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Dar&#252;ber wird nun in den Medien und zwischen den Wissenschaftlern feurig diskutiert. Eine absolute Unsinnsdebatte. Die Theorie war grotesk. Deshalb ist auch ihre Widerlegung grotesk. Zeitverschwendung. Albrecht M&#252;ller.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Die H&#246;he der Staatsschuldenquote soll etwas sagen &#252;ber die Wachstumschancen. Abstrus. Die Staatsschuldenquote besteht aus zwei Komponenten: dem Schuldenstand eines Staates und dem Bruttoinlandsprodukt. An einem solchen Quotienten die Chancen einer Entwicklung und einer m&#246;glichen Wirtschaftpolitik festzumachen, ist schon per se komisch. Und dann auch noch festzustellen, dass bei einer bestimmten Zahl (=90 %) der Bruch stattfinde, auch das ist grotesk. Warum nicht 95% oder 60 oder 160%. Hier haben zwei als Wissenschaftler getarnte Ideologen eine Regel erfunden, die ihrem Wunsch entsprach.
Hinzu kommt, dass der Schuldenstand nicht die ma&#223;gebliche Gr&#246;&#223;e zur Beurteilung der M&#246;glichkeiten einer besch&#228;ftigungsorientierten Wirtschaftspolitik ist. Daf&#252;r sprechen auch empirische Daten. Belgien und Italien lagen schon in den ganzen neunziger Jahren &#252;ber 90 %, Japan ab 1996. Ich f&#252;ge als Anhang die Tabelle A3 aus meinem Buch „Reforml&#252;ge“ an. Sie zeigt, wie grotesk insgesamt die Theorie des Herrn Rogoff ist. Zum Beispiel gab es in den neunziger Jahren in einigen L&#228;ndern hohe Wachstumsraten und gleichzeitig einen Anstieg der Staatsschuldenquote. Zum Beispiel in Schweden. Meist ist die Korrelation von BIP-Wachstum und Staatsschuldenquote nicht signifikant.
So unsinnig wie die Theorie war, so unsinnig ist auch die Widerlegung. Wenn ich den angeblichen Experten Rogoff und Reinhart Rechenfehler nachweise, dann akzeptiere ich das Prinzip ihrer seltsamen Herstellung von Relationen. 
Nicht sonderlich erstaunlich ist das gro&#223;e Medienecho. (Ein Beispiel noch: die S&#252;ddeutsche Zeitung meldete: „Forscher attackieren goldene Schuldenregel“) Wer den neoliberalen Theorien glaubt, der muss sich auch &#246;ffentlich dar&#252;ber wundern, wenn sie durch Nachweis von Rechenfehlern ersch&#252;ttert werden. Und wenn der zust&#228;ndige Kommissar in Br&#252;ssel, Herr Rehn, den Theorien geglaubt hat, dann muss man ihn wohl auch auf Rechenfehler in der Basis seines seltsamen Gedankengeb&#228;udes aufmerksam machen. So grotesk das ist.
Der Vorgang ist ein guter Beleg daf&#252;r,

dass die &#246;konomische Wissenschaft unter Dogmatismus und dogmatisch orientierten schlechten &#214;konomen leidet, und
dass die Medien ihrer Funktion als kritische Begleiter nicht gerecht werden. Mit gro&#223;en Kinderaugen begleiten sie deshalb einen Vorgang wie die gestrige Offenbarung von Rechenfehlern.

Die wirklich schlimme Seite der gesamten Debatte ist die Tatsache, dass das Schicksal von Menschen in Europa von solchen Typen von Wissenschaftlern und der entsprechenden Ausrichtung von Kommissaren, Bundeskanzlern und Bundesfinanzministern abh&#228;ngt. Und dass sie unter diesen Dogmatikern ganz konkret leiden.
Anlage: Auszug aus Albrecht M&#252;ller: [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Arme Deutsche? Wie eine Statistik zur Meinungsmache verbogen wird</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16819</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Apr 2013 11:38:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation des Monats]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus Statistiken kann man viele Schl&#252;sse ziehen – richtige wie falsche. Man kann beispielsweise statistisch „belegen“, dass Babys in Wirklichkeit doch vom Storch gebracht werden [PDF - 180 KB]. Und man kann auch statistisch belegen, dass die Deutschen die „&#196;rmsten in Euroraum“ sind. Doch nicht alles, was statistisch belegbar ist, ist auch logisch nachvollziehbar. Die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Aus Statistiken kann man viele Schl&#252;sse ziehen – richtige wie falsche. Man kann beispielsweise statistisch „belegen“, dass Babys in Wirklichkeit doch <a href="http://www.math.uni-paderborn.de/~agbiehler/sis/sisonline/struktur/jahrgang21-2001/heft2/Langfassungen/2001-2_Matth.pdf">vom Storch gebracht werden [PDF - 180 KB]</a>. Und man kann auch statistisch belegen, dass die Deutschen die <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ezb-umfrage-deutsche-sind-die-aermsten-im-euroraum-12142944.html">„&#196;rmsten in Euroraum“</a> sind. Doch nicht alles, was statistisch belegbar ist, ist auch logisch nachvollziehbar. Die Ergebnisse der j&#252;ngst ver&#246;ffentlichten Notenbank-Statistik, die von einigen Meinungsmachern als <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kommentar-arme-deutsche-12143183.html">„unglaubliche Fakten“</a> f&#252;r die Armut Deutschlands interpretiert werden, lassen beispielsweise sehr viele hoch interessante Schl&#252;sse zu. Nur einen Schluss l&#228;sst die Statistik nicht zu: Dass die Deutschen die „&#196;rmsten im Euroraum“ sind. Von <strong>Jens Berger</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16819"></span><br />
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<p>Ist der durchschnittliche Grieche wirklich doppelt so reich wie der durchschnittliche Deutsche? Wenn man die aktuelle <a href="http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Kurzmeldungen/Fokusthemen/2013_03_21_phf.html">PHF-Studie</a> der Notenbanken der Eurol&#228;nder nicht korrekt liest, k&#246;nnte man zu diesem Ergebnis kommen. Tats&#228;chlich hat der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Median">Median</a> der griechischen Haushalte ein Verm&#246;gen von 102.000 Euro, w&#228;hrend der Median der deutschen Haushalte nur &#252;ber ein Verm&#246;gen von 51.000 Euro verf&#252;gt. Beim Durchschnitt, bei dem einige wenige extreme Ausrei&#223;er den Wert verzerren, sieht es jedoch g&#228;nzlich anders aus: Der deutsche Durchschnittshaushalt verf&#252;gt laut PHF-Studie &#252;ber eine Verm&#246;gen von 195.000 Euro, w&#228;hrend der griechische Durchschnittshaushalt nur &#252;ber 148.000 Euro verf&#252;gt. Der Teich war im Schnitt einen Meter tief und trotzdem ersoff die Kuh, sagt ein russisches Sprichwort. Da die PHF-Studie auf einer interviewgest&#252;tzten Umfrage unter rund 3.000 Haushalten pro Land basiert, an der die Befragten freiwillig teilnehmen konnten und ihre Angaben auch nicht weiter &#252;berpr&#252;ft wurden, sollte man sich tunlichst davor h&#252;ten, diese Ergebnisse all zu ernst zu nehmen. Welcher reiche Grieche w&#252;rde einem Interviewer im Auftrag der Notenbank schon freiwillig von seinen schwarzen Konten in der Schweiz berichten? Welcher reiche Deutsche erz&#228;hlt den Interviewern freiwillig von seiner Liechtensteiner Stiftung oder seinem Trust auf den Caymans? </p>
<p><strong>Ohne die Anspr&#252;che aus dem Rentensystem einzurechnen, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar</strong></p>
<p>Die mangelnde Transparenz &#252;ber die Richtigkeit und Vollst&#228;ndigkeit der Antworten erkl&#228;rt vor allem den vielfach zu geringen Unterschied zwischen dem Median und dem Durchschnitt. F&#252;r die teilweise unerkl&#228;rlich gro&#223;en nationalen Unterschiede der Medianwerte ist er jedoch keine Erkl&#228;rung. Doch auch hier gibt es zahlreiche Gr&#252;nde, warum die erhobenen Werte nicht seri&#246;s vergleichbar sind.</p>
<p>Der wohl wichtigste Grund ist der, dass bei der Erhebung zwar die private Altersvorsorge als Verm&#246;genswert angerechnet wurde, die Anspr&#252;che aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente jedoch elegant ignoriert wurden. Dabei stellen die Anspr&#252;che an die gesetzliche Rente und das &#246;ffentliche Pensionssystem gerade in der deutschen Unter- und Mittelschicht den gr&#246;&#223;ten „Verm&#246;gensbestandteil“ dar, wenn man denn &#252;berhaupt Anspr&#252;che aus einer Altersvorsorge zu den Verm&#246;genswerten z&#228;hlen will. Der ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte Eckrentner hat beispielswiese einen Anspruch auf eine Nettomonatsrente in H&#246;he von 1.236 Euro. Bei einem Zweipersonenhaushalt und einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 13 Jahren entspricht dies [<a href="#foot_1" name="note_1">1</a>] einem Altersvorsorgeanspruch in H&#246;he von 358.632 Euro. Selbst wenn man nicht den Eckrentnerhaushalt, sondern den Durchschnittsrentner nimmt, bezieht ein Zweipersonenhaushalt mit Mann und Frau im Schnitt 1.435 Euro im Monat, was sich in 13 Jahren auf 223.860 Euro summiert. Randnotiz: Ein durchschnittlicher Zweipersonen-Beamtenhaushalt k&#228;me nach dieser Rechnung auf Pensionsanspr&#252;che in H&#246;he von 801.840 Euro.</p>
<p>Nat&#252;rlich haben auch Griechen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, nur dass der durchschnittliche griechische Rentner (nach Vorkrisenzahlen) gerade einmal die H&#228;lfte an Rente bezieht wie sein deutsches Pendant. Bezogen auf den Durchschnitt m&#252;sste das derart „gemessene“ Verm&#246;gen der Deutschen somit um fast 120.000 Euro h&#246;her sein als das der Griechen und die „sch&#246;ne“ Statistik, nach der „der Grieche“ doppelt so reich wie der „der Deutsche“ ist, w&#228;re schon mal f&#252;r die Katz. Und da „der Grieche“ von seiner niedrigen Rente nicht leben kann, muss er privat vorsorgen. Die Anspr&#252;che aus dieser privaten Altersvorsorge z&#228;hlen jedoch laut PHF zu den Verm&#246;genswerten und bl&#228;hen daher den griechischen Wert &#252;berdies auch noch auf. Bezieht man diese Effekte mit ein, d&#252;rfte das „Verm&#246;gen“ der Deutschen im Median rund doppelt so hoch wie das der Griechen sein, womit die Eingangsthese in ihr exaktes Gegenteil umgewandelt w&#228;re.</p>
<p>Das Einbeziehen von Forderungen aus der Altersvorsorge ist jedoch f&#252;r eine Verm&#246;gensstatistik generell problematisch, da B&#252;rger von L&#228;ndern mit einem gr&#246;&#223;tenteils privatisierten Altersvorsorgesystem dadurch stets „verm&#246;gender“ dargestellt werden. W&#252;rde man beispielsweise von heute auf morgen das deutsche umlagefinanzierte System abschaffen und die B&#252;rger zwingen, privat vorzusorgen, w&#252;rde im Laufe der Zeit das „Verm&#246;gen“ unweigerlich stark steigen. Wenn ein Arbeitnehmer beispielsweise gezwungen w&#228;re, jeden Monat 300 Euro in ein privates Altersvorsorgemodell einzuzahlen, h&#228;tte er [<a href="#foot_2" name="note_2">2</a>] nach zehn Jahren 36.000 Euro Anspr&#252;che angesammelt, die in der PHF-Studie ausgewiesen w&#252;rden. Dennoch h&#228;tte er – systembedingt – geringere Rentenanspr&#252;che als im Umlagesystem. Er w&#228;re also in Wirklichkeit &#228;rmer als vorher, w&#252;rde jedoch von der Statistik als verm&#246;gender gef&#252;hrt. </p>
<p>Die Nichteinbeziehung von Rentenanspr&#252;chen ist somit der gewichtigste Faktor, warum die Ergebnisse der einzelnen L&#228;nder nicht seri&#246;s vergleichbar sind. So ist es beispielsweise gar kein Wunder, dass ein Land wie die Niederlande mit seinem hohen privaten Altersvorsorgeanteil bei der PHF-Studie im Median ein doppelt so hohes Verm&#246;gen wie Deutschland erzielt. Man kann eben &#196;pfel nicht mit Birnen vergleichen. </p>
<p><strong>Mein Haus, mein Auto, mein Boot</strong></p>
<p>Ein weiterer gewichtiger Grund, warum die Ergebnisse nicht vergleichbar sind, ist die Bemessung der einzelnen Verm&#246;gensbestandteile. Hier verlassen sich die Statistiker voll und ganz auf die freiwilligen Angaben der Befragten. Nun mag ein spanisches Haus vor dem Platzen der Immobilienblase [<a href="#foot_3" name="note_3">3</a>] auf dem Papier einen gigantischen Wert gehabt haben – den Wert f&#252;r Immobilien auf dieser Basis zu kalkulieren, ist jedoch hoch unseri&#246;s. So werden aus Bauruinen und Bruchbuden Luftschl&#246;sser gemacht. </p>
<p>Die Daten aus L&#228;ndern mit einem sehr hohen Hausbesitzeranteil und unrealistisch hohen „Marktpreisen“ f&#252;r Immobilien sind daher bei seri&#246;ser Betrachtung ohnehin nicht mit den deutschen Daten vergleichbar. Damit fallen die hohen Werte aus Zypern, Malta, Spanien und Portugal bereits aus der Vergleichbarkeit heraus. Ein &#228;hnliches Problem gibt es bei der Bewertung von Aktien und anderen Verm&#246;gensgegenst&#228;nden, die hohen Preisschwankungen ausgesetzt sind. Hier wurde bei der PHF-Studie auf Basis des Marktwertes bilanziert. Dies ist ein eklatanter Versto&#223; gegen die Grunds&#228;tze ordnungsgem&#228;&#223;er Buchf&#252;hrung, bei der stets nur die Anschaffungs- und Herstellungskosten aber nicht der Marktwert bilanziert werden darf. F&#252;r die Auftraggeber der Studie, also die Zentralbanken, ist der Marktwert der Verm&#246;gensgegenst&#228;nde freilich sehr interessant. Das schlie&#223;t jedoch eine Vergleichbarkeit der Wert &#252;ber die Grenzen hinweg aus.</p>
<p><strong>Armutsrisiko Singlehaushalt?</strong></p>
<p>Unverst&#228;ndlicherweise arbeitet die PHF-Studie auf Basis von Haushalten und nicht auf Basis von Einzelpersonen. Dies f&#252;hrt zwangsl&#228;ufig dazu, dass L&#228;nder mit h&#246;heren Haushaltsgr&#246;&#223;en als „verm&#246;gender“ gelten als L&#228;nder mit niedrigen Haushaltsgr&#246;&#223;en. Deutschland weist einen doppelt so hohen Anteil an Singlehaushalten im Vergleich zu den s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern auf, was auch ein Grund f&#252;r die vermeintlich schlechten Ergebnisse ist. Es ist freilich eine Binse, dass eine Gro&#223;familie, bei der mehrere Generationen unter einem Dach leben, „verm&#246;gender“ als ein Einpersonenhaushalt sein muss. Aber welchen geistigen Mehrwert bringt diese Erkenntnis?</p>
<p>Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in S&#252;deuropa f&#252;hrt so paradoxerweise dazu, dass die Haushalte dieser L&#228;nder auf dem Papier „verm&#246;gender“ werden. Schlie&#223;lich k&#246;nnen sich die arbeitslosen jungen Menschen schlicht keinen eigenen Haushalt leisten und sind gezwungen, weiterhin im Elternhaushalt zu leben. Statistisch wird so aus zwei potentiellen Haushalten einer. Das – nicht vorhandene – Verm&#246;gen des jungen Arbeitslosen f&#228;llt dadurch statistisch unter den Tisch.</p>
<p>Auch in Deutschland wei&#223; man eigentlich, dass es kein Zeichen von „Armut“ ist, wenn man seinen Kindern erm&#246;glicht, trotz mangelnden Einkommens einen eigenen Haushalt zu f&#252;hren. Was eigentlich ein Luxus ist, wird durch die fragw&#252;rdige Berechnungsgrundlage zu einem Armutsrisiko. Der Singlehaushalt ist eher ein Anzeichen von gesellschaftlichem Wohlstand. In der PHF-Studie f&#252;hrt er jedoch dazu, dass statistisch eine Armut produziert wird, die so &#252;berhaupt nicht vorhanden ist. Fast jeder zweite Haushalt, der von der deutschen Sektion der PHF-Studie befragt wurde, ist ein Einpersonenhaushalt. </p>
<p><strong>&#214;ffentliche G&#252;ter fallen ebenfalls unter den Tisch</strong></p>
<p>Auch der hierzulande vergleichsweise gut funktionierende Markt f&#252;r gemieteten Wohnraum dr&#252;ckt die deutschen Ergebnisse in einer Art und Weise, dass man sie schlecht mit den Ergebnissen anderer L&#228;nder vergleichen kann. So tauchen beispielsweise die zahlreichen Wohnungen in &#246;ffentlichem Besitz in der PHF-Studie nicht auf. W&#252;rde die &#246;ffentliche Hand sich von diesen Wohnungen trennen, h&#228;tte dies paradoxerweise einen positiven Effekt auf die Verm&#246;gensbilanz, die ja nur das Verm&#246;gen der Privathaushalte beinhaltet.</p>
<p>Ganz &#228;hnlich verh&#228;lt es sich mit immateriellen G&#252;tern und &#246;ffentlichen Dienstleistungen. Wenn beispielsweise die Eltern und Gro&#223;eltern f&#252;r die Studienkosten ihrer Kinder sparen m&#252;ssen, so hat dies einen positiven Effekt auf die Verm&#246;gensstatistik. Zahlt der Staat das Studium, bleibt dieser Effekt aus. Gleiches bei der Pflegeversicherung – wer f&#252;r die zu erwartenden Pflegekosten privat spart, ist – auf dem Papier – verm&#246;gender. Wird die Pflege &#252;ber die Sozialsysteme gezahlt, hat dies – ebenfalls auf dem Papier – einen negativen Effekt auf das Verm&#246;gen. Das ist paradox.</p>
<p><strong>Wie werden wir reicher?</strong></p>
<p>W&#252;rde man die Krokodiltr&#228;nen der FAZ ernst nehmen, so k&#246;nnte man einen klaren Ma&#223;nahmenkatalog entwerfen, wie „die Deutschen“ reicher werden: Zun&#228;chst m&#252;sste man daf&#252;r sorgen, dass das Rentensystem komplett privatisiert wird, auch wenn dies negative Auswirkungen auf die zu erwartenden Eink&#252;nfte im Alter h&#228;tte. Dann m&#252;sste man noch daf&#252;r sorgen, dass die Menschen sich seltener scheiden lassen und die Kinder l&#228;nger bei ihren Eltern leben, um die statistische Haushaltsgr&#246;&#223;e zu erh&#246;hen. Bei einer h&#246;heren Jugendarbeitslosigkeit und weniger Studienpl&#228;tzen w&#228;re dies der Fall. Als N&#228;chstes m&#252;sste man dann das Sozialsystem privatisieren und Leistungen auf ein Minimum herunterfahren. Denn wenn der Deutsche, angefangen bei der Schulausbildung seiner Kinder, unerwarteten Krankheitskosten bis zum Platz im Altenheim, f&#252;r alles und jedes R&#252;cklagen bilden muss, wird er – auf dem Papier – auch verm&#246;gender. </p>
<p>Die entscheidende Frage ist jedoch: W&#252;rden wir durch diese Ma&#223;nahmen &#228;rmer oder reicher? Dies ist nat&#252;rlich eine rhetorische Frage. Aber was nutzt eine Verm&#246;gensstatistik, die Ergebnisse liefert, die nicht international vergleichbar sind? Einiges, dazu werden die NachDenkSeiten in der n&#228;chsten Woche noch zur&#252;ckkommen. Die PHF-Studie liefert n&#228;mlich durchaus interessante Ergebnisse. Als Vergleichsstudie f&#252;r die Verm&#246;gen in den Eurol&#228;ndern war diese Studie jedoch nie gedacht. Warum picken sich dann aber die Journalisten von FAZ und Co. ausgerechnet den Punkt aus der PHF-Studie heraus, der &#252;berhaupt nicht daf&#252;r geeignet ist, seri&#246;s aufgegriffen zu werden? K&#246;nnte es sein, dass die Argumentation, nach der die „armen Deutschen“ nicht l&#228;nger die „reichen S&#252;deurop&#228;er“ retten sollten – so falsch sie auch ist – FAZ und Co. sehr gut ins Konzept passt? K&#246;nnte es ferner sein, dass die Journalisten von FAZ und Co. mit den hier genannten absurden Ma&#223;nahmen zur „Steigerung des Verm&#246;gens“ sympathisieren? Beides d&#252;rfte zutreffen. Aber wer wei&#223;? Vielleicht werden die Babys ja doch vom Storch gebracht.</p>
<div class="hr_wrap">
<hr /></div>
<div class="footnote">
<p>[<a href="#note_1" name="foot_1">«1</a>] vereinfachte Rechnung ohne Sonderkosten, Verzinsung u.&#228;.</p>
<p>[<a href="#note_2" name="foot_2">«2</a>] ebenso: vereinfachte Rechnung ohne Sonderkosten, Verzinsung u.&#228;.</p>
<p>[<a href="#note_3" name="foot_3">«3</a>] in Spanien wurde – anders als im Rest der L&#228;nder – die Befragung im Jahre 2008 durchgef&#252;hrt, w&#228;hrend alle L&#228;nder die Befragung 2010/2011 durchf&#252;hrten.</p>
</div>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/ffa764c8dc254ce689cc54b8b11aa14c" width="1" height="1" alt="" /></p>
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		<itunes:summary>Aus Statistiken kann man viele Schl&#252;sse ziehen – richtige wie falsche. Man kann beispielsweise statistisch „belegen“, dass Babys in Wirklichkeit doch vom Storch gebracht werden [PDF - 180 KB]. Und man kann auch statistisch belegen, dass die Deutschen die „&#196;rmsten in Euroraum“ sind. Doch nicht alles, was statistisch belegbar ist, ist auch logisch nachvollziehbar. Die Ergebnisse der j&#252;ngst ver&#246;ffentlichten Notenbank-Statistik, die von einigen Meinungsmachern als „unglaubliche Fakten“ f&#252;r die Armut Deutschlands interpretiert werden, lassen beispielsweise sehr viele hoch interessante Schl&#252;sse zu. Nur einen Schluss l&#228;sst die Statistik nicht zu: Dass die Deutschen die „&#196;rmsten im Euroraum“ sind. Von Jens Berger
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Ist der durchschnittliche Grieche wirklich doppelt so reich wie der durchschnittliche Deutsche? Wenn man die aktuelle PHF-Studie der Notenbanken der Eurol&#228;nder nicht korrekt liest, k&#246;nnte man zu diesem Ergebnis kommen. Tats&#228;chlich hat der Median der griechischen Haushalte ein Verm&#246;gen von 102.000 Euro, w&#228;hrend der Median der deutschen Haushalte nur &#252;ber ein Verm&#246;gen von 51.000 Euro verf&#252;gt. Beim Durchschnitt, bei dem einige wenige extreme Ausrei&#223;er den Wert verzerren, sieht es jedoch g&#228;nzlich anders aus: Der deutsche Durchschnittshaushalt verf&#252;gt laut PHF-Studie &#252;ber eine Verm&#246;gen von 195.000 Euro, w&#228;hrend der griechische Durchschnittshaushalt nur &#252;ber 148.000 Euro verf&#252;gt. Der Teich war im Schnitt einen Meter tief und trotzdem ersoff die Kuh, sagt ein russisches Sprichwort. Da die PHF-Studie auf einer interviewgest&#252;tzten Umfrage unter rund 3.000 Haushalten pro Land basiert, an der die Befragten freiwillig teilnehmen konnten und ihre Angaben auch nicht weiter &#252;berpr&#252;ft wurden, sollte man sich tunlichst davor h&#252;ten, diese Ergebnisse all zu ernst zu nehmen. Welcher reiche Grieche w&#252;rde einem Interviewer im Auftrag der Notenbank schon freiwillig von seinen schwarzen Konten in der Schweiz berichten? Welcher reiche Deutsche erz&#228;hlt den Interviewern freiwillig von seiner Liechtensteiner Stiftung oder seinem Trust auf den Caymans? 
Ohne die Anspr&#252;che aus dem Rentensystem einzurechnen, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar
Die mangelnde Transparenz &#252;ber die Richtigkeit und Vollst&#228;ndigkeit der Antworten erkl&#228;rt vor allem den vielfach zu geringen Unterschied zwischen dem Median und dem Durchschnitt. F&#252;r die teilweise unerkl&#228;rlich gro&#223;en nationalen Unterschiede der Medianwerte ist er jedoch keine Erkl&#228;rung. Doch auch hier gibt es zahlreiche Gr&#252;nde, warum die erhobenen Werte nicht seri&#246;s vergleichbar sind.
Der wohl wichtigste Grund ist der, dass bei der Erhebung zwar die private Altersvorsorge als Verm&#246;genswert angerechnet wurde, die Anspr&#252;che aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente jedoch elegant ignoriert wurden. Dabei stellen die Anspr&#252;che an die gesetzliche Rente und das &#246;ffentliche Pensionssystem gerade in der deutschen Unter- und Mittelschicht den gr&#246;&#223;ten „Verm&#246;gensbestandteil“ dar, wenn man denn &#252;berhaupt Anspr&#252;che aus einer Altersvorsorge zu den Verm&#246;genswerten z&#228;hlen will. Der ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte Eckrentner hat beispielswiese einen Anspruch auf eine Nettomonatsrente in H&#246;he von 1.236 Euro. Bei einem Zweipersonenhaushalt und einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 13 Jahren entspricht dies [1] einem Altersvorsorgeanspruch in H&#246;he von 358.632 Euro. Selbst wenn man nicht den Eckrentnerhaushalt, sondern den Durchschnittsrentner nimmt, bezieht ein Zweipersonenhaushalt mit Mann und Frau im Schnitt 1.435 Euro im Monat, was sich in 13 Jahren auf 223.860 Euro summiert. Randnotiz: Ein durchschnittlicher Zweipersonen-Beamtenhaushalt k&#228;me nach dieser Rechnung auf Pensionsanspr&#252;che in[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Der Kabarettist HG. Butzko: „Die beste Quelle, die es im Internet gibt, sind die NachDenkSeiten“</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 11:20:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Stimmen zu den NachDenkSeiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Butzko: „Die NachDenkSeiten sind eine Wohltat im Internet, insofern als dass sie seri&#246;se, zug&#228;ngliche Quellen b&#252;ndeln und die Informationen dann kommentieren. Und durch die Kommentierung bekommt man wiederum Metainformationen und aus denen heraus kann man sich ziemlich einfach und pr&#228;zise t&#228;glich… richtig auf den aktuellen Stand bringen, was politisch bei uns los ist &#8230; Das [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Butzko: „Die NachDenkSeiten sind eine Wohltat im Internet, insofern als  dass sie seri&#246;se,  zug&#228;ngliche Quellen b&#252;ndeln und die Informationen dann kommentieren. Und durch die Kommentierung bekommt man wiederum Metainformationen und aus denen heraus kann man sich ziemlich einfach und pr&#228;zise t&#228;glich… richtig auf den aktuellen Stand bringen, was politisch bei uns los ist &#8230; Das ist meiner Ansicht nach die seri&#246;seste Quelle f&#252;r kritische Informationen.“</p>
<p></p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/A_Verjubelt_new.jpg" alt="Kabarettist HG. Butzko" title="Kabarettist HG. Butzko" /></p>
<p>HG.Butzko ist derzeit mit seinem neuen Programm „Herrschaftszeiten“ und auch noch mit seinem Programm „Verjubelt“ <a href="http://www.hgbutzko.de/aktuelles/">auf Tournee</a>.</p>
<p>Siehe auch Butzkos <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&#038;v=G7va0n85Bcc">„J&#246;rg Asmussen M&#228;rchen“</a> in Dieter Hildebrandts <a href="http://www.stoersender.tv/">stoersender.tv</a>.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16755&amp;md5=0b6cdcc8bc1673fafba64e368721477d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Butzko: „Die NachDenkSeiten sind eine Wohltat im Internet, insofern als  dass sie seri&#246;se,  zug&#228;ngliche Quellen b&#252;ndeln und die Informationen dann kommentieren. Und durch die Kommentierung bekommt man wiederum Metainformationen und aus denen heraus kann man sich ziemlich einfach und pr&#228;zise t&#228;glich… richtig auf den aktuellen Stand bringen, was politisch bei uns los ist &#8230; Das ist meiner Ansicht nach die seri&#246;seste Quelle f&#252;r kritische Informationen.“


HG.Butzko ist derzeit mit seinem neuen Programm „Herrschaftszeiten“ und auch noch mit seinem Programm „Verjubelt“ auf Tournee.
Siehe auch Butzkos „J&#246;rg Asmussen M&#228;rchen“ in Dieter Hildebrandts stoersender.tv.
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Chinesische Pflegekr&#228;fte – das b&#246;se Spiel mit dem „Fachkr&#228;ftemangel“</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 10:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Da hierzulande rund 30.000 Fachkr&#228;fte im Pflegebereich fehlen und potentielle Bewerber aus der EU einen weiten Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland machen, will die Bundesagentur f&#252;r Arbeit nun im gro&#223;en Stil Pflegekr&#228;fte aus China und den Philippinen anwerben. Doch was sich hinter dem vermeintlichen „Fachkr&#228;ftemangel“ versteckt, ist eigentlich vielmehr die logische Folge der Privatisierung des [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Da hierzulande rund 30.000 Fachkr&#228;fte im Pflegebereich fehlen und potentielle Bewerber aus der EU einen weiten Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland machen, <a href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/mangel-an-fachpersonal-chinesische-pflegekraefte-fuer-deutschland-12134648.html">will</a> die Bundesagentur f&#252;r Arbeit nun im gro&#223;en Stil Pflegekr&#228;fte aus China und den Philippinen anwerben. Doch was sich hinter dem vermeintlichen „Fachkr&#228;ftemangel“ versteckt, ist eigentlich vielmehr die logische Folge der Privatisierung des Gesundheitssystems. Der drohende Pflegenotstand wurde mutwillig herbeigef&#252;hrt und ist politisch durchaus gewollt. Von <strong>Jens Berger</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
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<p>Nach den Zahlen der Bundesagentur f&#252;r Arbeit sind aktuell 18.000 offene Stellen in der Kranken- und Altenpflege nicht besetzt. Der Arbeitgeberverband Pflege geht sogar von aktuell 30.000 fehlenden Fachkr&#228;ften aus. Wenn man bedenkt, dass seit dem Beginn der gro&#223;en Privatisierungswelle im Jahre 1995 alleine in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=8797">abgebaut wurden</a> und die anfallende Arbeit nicht weniger, sondern mehr wurde, kann der jetzige „Fachkr&#228;ftemangel“ kaum verwundern. Vor allem die privaten Krankenhausbetreiber haben diesen Mangel mit aller Macht herbeigef&#252;hrt. Um die gesteckten Renditeziele zu erreichen, mussten die Kosten heruntergefahren werden und im Gesundheitssektor sind die Personalkosten nun einmal der einzige Kostenblock, bei dem nennenswertes Sparpotential vorhanden ist.</p>
<p><strong>Verzeihung, ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester verschluckt</strong></p>
<p>20 Prozent aller vollzeitbesch&#228;ftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1.500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Zu den besser verdienenden Krankenpflegern z&#228;hlen dabei meist &#228;ltere Arbeitskr&#228;fte, die noch alte Arbeitsvertr&#228;ge nach dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tarifvertrag_f%C3%BCr_den_%C3%B6ffentlichen_Dienst">TV&#214;D</a> haben, die im Rahmen der Privatisierung &#252;bernommen werden mussten. <strong>Auch wenn dies kein Klinikbetreiber je offen zugeben w&#252;rde: Das gr&#246;&#223;te Einsparpotential bei den Lohnkosten l&#228;sst sich dadurch erreichen, &#228;ltere Mitarbeiter freizusetzen und durch neue, j&#252;ngere Mitarbeiter zu ersetzen, die nach den wesentlich schlechter dotierten Haustarifen bezahlt werden</strong>. Und wer nicht freiwillig seinen Beruf an den Nagel h&#228;ngt, wird durch Arbeitsverdichtung m&#252;rbe gemacht.</p>
<p>Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25% mehr F&#228;lle als vor 15 Jahren. Eine gro&#223; angelegte Befragung des Pflegepersonals durch das <a href="http://www.dip.de/">Deutsche Institut f&#252;r angewandte Pflegeforschung</a> ergab, dass 60 Prozent der Befragten angaben, dass nicht in jeder Schicht ausreichend examiniertes Personal zur Verf&#252;gung stehen w&#252;rde, um die Versorgung fachlich abzusichern. 40 Prozent der Besch&#228;ftigten gaben an, ein „arbeitsgef&#228;hrdendes &#220;berstundenkontingent“ angeh&#228;uft zu haben. Die jeden Monat geleisteten &#220;berstunden entsprechen dabei einem &#196;quivalent von 15.000 Vollzeitstellen. Als letzter Ausweg bleibt den &#252;berforderten Pflegekr&#228;ften oft nur eine &#220;berlastungsanzeige. Das Herrschaftsprinzip divide et impera (teile und herrsche) funktioniert jedoch vor allem in den privatisierten H&#228;usern, in denen der Betriebsrat oft systematisch behindert und das Personal unter Druck gesetzt wird. Das systemische Versagen wird auf die Angestellten abgew&#228;lzt, der Druck auf die Mitarbeiter bis zum Ma&#223; der Unertr&#228;glichkeit gesteigert. Nicht wenige Mitarbeiter zerbrechen an diesem Druck und k&#252;ndigen ihren Job.</p>
<p><strong>Wir basteln uns einen Fachkr&#228;ftemangel</strong></p>
<p>F&#252;r j&#252;ngere Menschen ist ein Job, bei dem eine hohe physische und psychische Belastung mit einem niedrigen Gehalt einhergeht, jedoch auch nicht sonderlich attraktiv. Vor allem im S&#252;den der Republik f&#228;llt es den Krankenhausbetreibern immer schwerer, &#252;berhaupt noch geeignete Kr&#228;fte zu diesen Konditionen finden. Die eigentliche Bombe tickt jedoch bereits bundesweit. <strong>In keinem anderen Berufszweig ist der Altersdurchschnitt so hoch wie in der Krankenpflege</strong>. Da sich aber nur jeder zweite Besch&#228;ftigte vorstellen kann, diesen physisch wie psychisch anspruchsvollen Job bis zum Eintritt ins Rentenalter auszu&#252;ben, wird die Branche schon bald ein Nachwuchsproblem bekommen. Da die Zahl der Ausbildungspl&#228;tze bundesweit stark r&#252;ckl&#228;ufig ist, d&#252;rften die Konzerne schon bald Schwierigkeiten haben, die vorhandenen Stellen &#252;berhaupt noch besetzen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Die Hoffnung, schlecht bezahlte Stellen in H&#228;usern mit einem miserablen Arbeitsumfeld mit ausl&#228;ndischen Fachkr&#228;ften ausgleichen zu k&#246;nnen, ist der feuchte Traum einiger Controller in den Krankenhauskonzernen. Doch bei den momentanen Rahmenbedingungen wird sich dieser Traum nicht erf&#252;llen und auch das ist nicht sonderlich &#252;berraschend. Schon am Beispiel der polnischen Pflegekr&#228;fte <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=9229">hat sich gezeigt</a>, dass sie lieber einen besser bezahlten Job in der Schweiz, in Schweden oder in Gro&#223;britannien annehmen als ins „Niedriglohnparadies“ Deutschland zu emigrieren. In Polen herrscht derweil aufgrund der Abwanderung der Fachkr&#228;fte selbst ein akuter Mangel, der mit geringer qualifizierten Kr&#228;ften aus der Ukraine ausgeglichen wird.</p>
<p><strong>Einen Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland</strong></p>
<p>Wie der Arbeitgeberverband Pflege eingesteht, ist Polen da kein Einzelfall. Auch aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn konnten deutsche Arbeitgeber nur „wenige Pflegefachkr&#228;fte“ anwerben. Und auch die erhoffte Zuwanderung von Pflegekr&#228;ften aus Bulgarien, Rum&#228;nien und den jugoslawischen Nachfolgestaaten will nicht so recht in Gang kommen. Doch wen mag das ernsthaft wundern? So funktioniert nun einmal Marktwirtschaft. <strong>Solange deutsche Arbeitgeber keinen ordentlichen L&#246;hne zahlen und f&#252;r gute Arbeitsbedingungen sorgen, werden – mehr oder minder – freiz&#252;gige europ&#228;ische Arbeitnehmer auch weiterhin einen Bogen um Deutschland machen und unsere Politiker und Leitartikler einen „Fachkr&#228;ftemangel“ beklagen</strong>. </p>
<p><strong>Und wenn selbst Bulgaren und Rum&#228;nen die L&#246;hne in Deutschland zu gering sind, muss man seine „Billigarbeitskr&#228;fte“ halt in den echten Niedriglohnl&#228;ndern vor Ort requirieren</strong>. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur f&#252;r Arbeit startet nun Pilotprojekte in China und auf den Philippinen, um „ausgebildete“ Pflegerinnen f&#252;r deutsche Krankenh&#228;user und Pflegeheime <a href="http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/mangel-an-fachpersonal-chinesische-pflegekraefte-fuer-deutschland-12134648.html">zu finden</a>. Das erinnert frappierend an das Ph&#228;nomen der chinesischen „<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=15098">Gast&#228;rzte</a>“, mit dem sich die NachDenkSeiten im Herbst letzten Jahres schon besch&#228;ftigt hatten.</p>
<p>Ist es wirklich so schwer, die eigentlichen Gr&#252;nde f&#252;r den Personalnotstand im Pflegebereich zu erkennen? Begreifen die Verantwortlichen denn &#252;berhaupt auch nur die Grundlagen des Arbeitsmarktes? <strong>W&#252;rde man die Besch&#228;ftigten im Pflegebereich auch nur ein wenig besser bezahlen und vor allem besser behandeln, g&#228;be es auch keinen Fachkr&#228;ftemangel. Der Berufsstand, der so sehr wie kaum ein anderer f&#252;r unser Wohlbefinden verantwortlich ist, geh&#246;rt zu den schlechtestbezahlten Berufen unseres Landes – das ist eine Schande</strong>. Doch anstatt sich zu emp&#246;ren und gegenzusteuern will unsere Gesellschaft nun die Perversion auf die Spitze treiben und Billigarbeitskr&#228;fte aus Fernost importieren. Noch vor wenigen Jahren h&#228;tte man dies noch zurecht f&#252;r ein Schauerm&#228;rchen gehalten. Wo sind wir gelandet? Wie konnte es so weit kommen? Warum tut niemand etwas dagegen? Ist unsere Gesellschaft<br />
wirklich schon so weit vor die Hunde gegangen?<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/dd1a87ad63f64db9a818aa64f71c473c" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16751&amp;md5=96ae3fa1a389d88f920e7cadb0bdd57d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Da hierzulande rund 30.000 Fachkr&#228;fte im Pflegebereich fehlen und potentielle Bewerber aus der EU einen weiten Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland machen, will die Bundesagentur f&#252;r Arbeit nun im gro&#223;en Stil Pflegekr&#228;fte aus China und den Philippinen anwerben. Doch was sich hinter dem vermeintlichen „Fachkr&#228;ftemangel“ versteckt, ist eigentlich vielmehr die logische Folge der Privatisierung des Gesundheitssystems. Der drohende Pflegenotstand wurde mutwillig herbeigef&#252;hrt und ist politisch durchaus gewollt. Von Jens Berger.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Nach den Zahlen der Bundesagentur f&#252;r Arbeit sind aktuell 18.000 offene Stellen in der Kranken- und Altenpflege nicht besetzt. Der Arbeitgeberverband Pflege geht sogar von aktuell 30.000 fehlenden Fachkr&#228;ften aus. Wenn man bedenkt, dass seit dem Beginn der gro&#223;en Privatisierungswelle im Jahre 1995 alleine in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen abgebaut wurden und die anfallende Arbeit nicht weniger, sondern mehr wurde, kann der jetzige „Fachkr&#228;ftemangel“ kaum verwundern. Vor allem die privaten Krankenhausbetreiber haben diesen Mangel mit aller Macht herbeigef&#252;hrt. Um die gesteckten Renditeziele zu erreichen, mussten die Kosten heruntergefahren werden und im Gesundheitssektor sind die Personalkosten nun einmal der einzige Kostenblock, bei dem nennenswertes Sparpotential vorhanden ist.
Verzeihung, ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester verschluckt
20 Prozent aller vollzeitbesch&#228;ftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1.500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Zu den besser verdienenden Krankenpflegern z&#228;hlen dabei meist &#228;ltere Arbeitskr&#228;fte, die noch alte Arbeitsvertr&#228;ge nach dem TV&#214;D haben, die im Rahmen der Privatisierung &#252;bernommen werden mussten. Auch wenn dies kein Klinikbetreiber je offen zugeben w&#252;rde: Das gr&#246;&#223;te Einsparpotential bei den Lohnkosten l&#228;sst sich dadurch erreichen, &#228;ltere Mitarbeiter freizusetzen und durch neue, j&#252;ngere Mitarbeiter zu ersetzen, die nach den wesentlich schlechter dotierten Haustarifen bezahlt werden. Und wer nicht freiwillig seinen Beruf an den Nagel h&#228;ngt, wird durch Arbeitsverdichtung m&#252;rbe gemacht.
Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25% mehr F&#228;lle als vor 15 Jahren. Eine gro&#223; angelegte Befragung des Pflegepersonals durch das Deutsche Institut f&#252;r angewandte Pflegeforschung ergab, dass 60 Prozent der Befragten angaben, dass nicht in jeder Schicht ausreichend examiniertes Personal zur Verf&#252;gung stehen w&#252;rde, um die Versorgung fachlich abzusichern. 40 Prozent der Besch&#228;ftigten gaben an, ein „arbeitsgef&#228;hrdendes &#220;berstundenkontingent“ angeh&#228;uft zu haben. Die jeden Monat geleisteten &#220;berstunden entsprechen dabei einem &#196;quivalent von 15.000 Vollzeitstellen. Als letzter Ausweg bleibt den &#252;berforderten Pflegekr&#228;ften oft nur eine &#220;berlastungsanzeige. Das Herrschaftsprinzip divide et impera (teile und herrsche) funktioniert jedoch vor allem in den privatisierten H&#228;usern, in denen der Betriebsrat oft systematisch behindert und das Personal unter Druck gesetzt wird. Das systemische Versagen wird auf die Angestellten abgew&#228;lzt, der Druck auf die Mitarbeiter bis zum Ma&#223; der Unertr&#228;glichkeit gesteigert. Nicht wenige Mitarbeiter zerbrechen an diesem Druck und k&#252;ndigen ihren Job.
Wir basteln uns einen Fachkr&#228;ftemangel
F&#252;r j&#252;ngere Menschen ist ein Job, bei dem eine hohe physische und psychische Belastung mit einem niedrigen Gehalt einhergeht, jedoch auch nicht sonderlich attraktiv. Vor allem im S&#252;den der Republik f&#228;llt es den Krankenhausbetreibern immer schwerer, &#252;berhaupt noch geeignete Kr&#228;fte zu diesen Konditionen finden. Die eigentlic[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Die Deutschen zwischen Verfolgungs- und Gr&#246;&#223;enwahn</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16747</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Apr 2013 07:34:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man dieser Tage die Verlautbarungen der Politiker und die Kommentare in den Medien verfolgt, dann kann einem nur noch Angst und Bange werden. Es herrscht eine Stimmung, wie man sie in der Literatur oder in der kritischen Geschichtsschreibung vor exakt einhundert Jahren, n&#228;mlich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschrieben findet. Wir Deutschen sind [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man dieser Tage die Verlautbarungen der Politiker und die Kommentare in den Medien verfolgt, dann kann einem nur noch Angst und Bange werden. Es herrscht eine Stimmung, wie man sie in der Literatur oder in der kritischen Geschichtsschreibung vor exakt einhundert Jahren, n&#228;mlich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschrieben findet.<br />
Wir Deutschen sind die Erfolgreichsten, wir sind diejenigen die wirtschaftlich am besten dastehen, wir haben die die richtigen wirtschaftspolitischen Konzepte,  wir b&#252;rgen und zahlen f&#252;r die anderen, wir sind die Retter Europas, am deutschen Modell soll Europa genesen. So h&#246;rt und liest man allenthalben. Dieses Selbstlob, ja diese Selbst&#252;bersch&#228;tzung tr&#228;gt Z&#252;ge von Gr&#246;&#223;enwahn.<br />
Auf der anderen Seite beklagt man die Kritik unserer Nachbarn an der ma&#223;geblich von der deutschen Regierung gepr&#228;gten Austerit&#228;tspolitik mit einer Weinerlichkeit, die man nur noch als Verfolgungswahn bezeichnen kann. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
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</p>
<p>Von Portugal, &#252;ber Spanien, Italien, Griechenland und jetzt auch in Zypern gehen die Menschen auf die Stra&#223;e und lassen ihre Wut gegen die Kanzlerin, gegen die Deutschen aus. Nazi-Symbole werden uns Deutschen entgegengehalten und Angela Merkel mit Hitler-B&#228;rtchen auf Plakate gemalt. Auch das sieht man fast jeden Abend in der Tagesschau.</p>
<p>Unter der &#220;berschrift „<em>Auf sie mit Gebr&#252;ll</em>“ beklagt sich der Leiter des Br&#252;sseler B&#252;ros der <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kritik-an-deutschland-in-der-eu-auf-sie-mit-gebruell-1.1637440">S&#252;ddeutschen Zeitung</a>, der doch eigentlich ansonsten sehr ausgewogen berichtende Martin Winter &#252;ber die „<em>feindselige Stimmung</em>“ und „<em>die Wut in den Krisenl&#228;ndern gegen die Deutschen</em>“. Auch in vielen anderen Medien finden sich solche Beitr&#228;ge voller Selbstmitleid. Diese in Deutschland um sich greifende Weinerlichkeit wiederum tr&#228;gt  Z&#252;ge von Verfolgungswahn. Wie so h&#228;ufig treffen Gr&#246;&#223;en- und Verfolgungswahn  zusammen. </p>
<p>An Martin Winters Kommentar habe ich mich besonders gesto&#223;en, weil ja „die S&#252;ddeutsche“ nicht nur die gr&#246;&#223;te deutsche Tageszeitung im Lande ist, sondern weil sie entgegen ihrem Regionalbezug im Namen, eher als europafreundlich, liberal und tolerant gilt. Von Springers Welt oder Bild erwartet man ja ohnehin nur offen oder versteckt nationalistische oder gar chauvinistische T&#246;ne.   </p>
<p>Der Kommentar in der SZ ist also ein Warnzeichen daf&#252;r, wie weit die Weinerlichkeit nach innen bei gleichzeitiger Feindseligkeit nach au&#223;en schon ins b&#252;rgerliche Bewusstsein vorgedrungen ist.  </p>
<p>Die Selbstbezogenheit in diesem Artikel beginnt schon in der Anmoderation: „<em>Die st&#228;ndig gesch&#252;rten Vorurteile gef&#228;hrden das Fundament der EU.</em>“ Die Vorurteile sind also nur bei den „<em>vielen Nachbarl&#228;ndern</em>“ zu finden, bei uns Deutschen nat&#252;rlich nicht. </p>
<p>Dass w&#228;hrend der gesamten Euro-Krise in Deutschland Stimmung gegen die faulen und korrupten Griechen, gegen die lahmen und fu&#223;kranken Portugiesen, gegen die mafiosen und testosteron&#252;bersch&#252;ssigen Italiener, gegen die gesamten PIGS-Staaten (pigs= englisch Schweine) gemacht wurde, hat Martin Winter offenbar verdr&#228;ngt. Nach seiner Meinung weht ausschlie&#223;lich „<em>den Deutschen &#8230;in Europa ein rauer Wind um die Ohren</em>“.  Dass es vor allem der Einfluss der deutschen Politik in Br&#252;ssel war, der f&#252;r Millionen Europ&#228;er nicht nur „rauen Wind“ wehen lie&#223;, sondern handfeste Not brachte, wird kritiklos f&#252;r richtig und gut gehalten. </p>
<p>„<em>Die eine oder andere Regierung eines Krisenlandes</em>“ schiebe Berlin „<em>die Schuld an den schmerzhaften Folgen des Krisenmanagements</em>“ zu, „<em>um vom eigenen Versagen abzulenken</em>“.  Es sind nur die anderen, die „<em>versagt</em>“ haben und deswegen muss das „<em>Krisenmanagement</em>“ nat&#252;rlich „<em>schmerzhafte Folgen</em>“ haben, denn dieses &#252;ber der Demokratie stehende Management ist ja nach Winters Meinung offenbar alternativlos und „<em>schuld</em>“ sind sowieso immer nur die anderen.  Als „<em>gr&#246;&#223;tes, wirtschaftlich erfolgreichstes und in der Krisenbew&#228;ltigung m&#228;chtigstes Land</em>“ kann Deutschland ja gar keine „<em>Schuld</em>“ haben. Denn der Erfolg heiligt schlie&#223;lich alle Mittel. Auch die Mittel in einer W&#228;hrungsunion seine Nachbarn mit Lohn-, Sozial- und Unternehmensteuer-Dumping nieder zu konkurrieren oder seine wirtschaftlichen Erfolge nahezu ausschlie&#223;lich &#252;ber Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse aufzubauen und andere auf Dauer zwingend in die Verschuldung zu treiben. </p>
<p>F&#252;r Martin Winter ist es geradezu Majest&#228;tsbeleidigung, dass sich etwa die Belgier erdreisten, Deutschland bei der EU-Kommission anzuzeigen, „<em>weil sich das Land mit niedrigen L&#246;hnen angeblich unfaire Wettbewerbsvorteile in der EU verschafft</em>“. Diese Anzeige durch Belgiens Regierung „<em>zeugt von schlechtem europ&#228;ischen Geist</em>“. Guter europ&#228;ischer Geist ist also f&#252;r den Kommentator im Umkehrschluss, dass Deutschland durch Lohnstagnation sowie aus einer notorisch schwachen Binnennachfrage resultierende niedrigere Inflationsrate die kleineren Nachbarn &#246;konomisch an die Wand gedr&#252;ckt hat.</p>
<p>F&#252;r die S&#252;ddeutsche Zeitung ist es hingegen nur eine „<em>im S&#252;den der Europ&#228;ischen Union beliebte These</em>“, dass „<em>die Deutschen .. ihre europ&#228;ischen Partner mit Dumpingl&#246;hnen nieder</em>“ halten.</p>
<p>Diese f&#252;r den Kommentator dieser Zeitung nat&#252;rlich grundfalsche These, verleihe ihr „<em>eine zerst&#246;rerische Wucht</em>“.  Zerst&#246;rerisch ist nicht etwa die offenkundige Tatsache, dass Deutschland seine „Erfolge“ auf Kosten der Nachbarstaaten in einer W&#228;hrungsunion erzielen konnte und nach dem Motto vorgingen: Der Euro ist unsere W&#228;hrung, aber euer Problem. </p>
<p>Keine deutsche Regierung k&#246;nne „<em>eine Umkehr der Verantwortung f&#252;r wirtschaftliches Versagen akzeptieren. Berlin hat weder die Griechen, noch Italiener oder Franzosen gezwungen, ihre L&#228;nder nicht zu reformieren</em>“.  F&#252;r Martin Winter ist also v&#246;llig klar, dass die deutschen „<em>Reformen</em>“ nicht nur richtig waren, sondern dass die anderen L&#228;nder genau diese „<em>Reformen</em>“ durchsetzen m&#252;ssen, und wenn es sein muss, eben gegen die Bev&#246;lkerung der jeweiligen L&#228;nder mit Hilfe des europ&#228;ischen „<em>Krisenmanagements</em>“.  </p>
<p>„<em>Es war die zyprische Regierung, die ein Gesch&#228;ftsmodell f&#252;r ihre Banken erm&#246;glichte, das zum Debakel f&#252;hrte</em>“, schreibt Winter. Hat aber nicht etwa die deutsche Regierung solche Gesch&#228;ftsmodelle nicht nur geduldet, sondern hat sogar den Banken mit der Deregulierung des Finanzsektors auch in Deutschland nicht gerade solchen „<em>Gesch&#228;ftsmodellen</em>“ T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet? </p>
<p>Wenn der luxemburgische „<em>Obereuro&#228;er</em>“ Jean-Claude Juncker das abrupte Verlassen der bisherigen europ&#228;ischen Linie der Rettung „<em>systemrelevanter</em>“ Banken beklagt, dass Berlin den kleinen L&#228;ndern vorschreiben wolle, wie sie ihre Wirtschaft betreiben sollten und dem Rest Europas sein Modell aufzwingen wolle, so sei das „<em>der Weg zur gezielten Wiederbelebung von Vorurteilen zum Zweck der Einsch&#252;chterung</em>“ , schreibt Winter. Nat&#252;rlich ist die Zerschlagung der beiden gr&#246;&#223;ten zypriotischen Banken auch ein Schlag gegen das Gesch&#228;ftsmodell Luxemburgs, aber wo hat die deutsche Politik bisher etwas gegen Schwarzgeld- und Steuerhinterziehungsoasen in Liechtenstein, den Kanalinseln, der Londoner City oder sonstwo unternommen. Hat nicht vor kurzem noch Finanzminister Sch&#228;uble mit seinem gescheiterten Steuerabkommen mit der Schweiz solchen „<em>Gesch&#228;ftsmodellen</em>“ noch die Absolution erteilen wollen? </p>
<p>Und weil f&#252;r Martin Winter der Feinde Deutschlands noch nicht genug sind, muss nun auch noch der franz&#246;sische Pr&#228;sident als Feindbild herhalten. Francois Hollande habe die Kooperation mit Berlin „<em>auf Eis gelegt</em>“. F&#252;r den Kommentator hat nat&#252;rlich nur der Franzose Schuld, dass nun „<em>die Bundesregierung ohne gewichtigen Partner</em>“ dasteht und „<em>angreifbar</em>“ ist. Hat Merkel Hollande, wenn schon keine Br&#252;cke, so doch wenigstens einen kleinen Steg gebaut?</p>
<p>„<em>Wer die Deutschen isoliert, der r&#252;ttelt an den Grundfesten der europ&#228;ischen Konstruktion</em>“, schreibt Winter. Auf die Idee, dass sich umgekehrt die Deutschen von den Portugiesen, den Spaniern, den Italienern, den Griechen, den Zyprioten, den Belgiern oder den Franzosen isoliert haben k&#246;nnten und damit die Europ&#228;ische Union zerst&#246;ren k&#246;nnten, kommt er gar nicht. Im Gegenteil, die Deutschen m&#252;ssen sich nach seiner Meinung „<em>unverstanden f&#252;hlen</em>“. </p>
<p>Das ist die typisch Mischung aus deutschem Gr&#246;&#223;en- und Verfolgungswahn, der im letzten Jahrhundert Europa zweimal in die Katastrophe gef&#252;hrt hat. Die zweite deutsche Demokratie ist auf dem Weg zur ersten.</p>
<p>Die deutsche Gro&#223;spurigkeit, dass der deutsche Agenda-Kurs alternativlos sei und alle anderen diesem Kurs folgen m&#252;ssten, koste es was es wolle, ist meilenweit von der Haltung entfernt, mit der Deutschland nicht nur seine Einheit wiedergewonnen hat, sondern zu einem angesehenen und erfolgreichen Glied der europ&#228;ischen und auch der Weltgemeinschaft geworden ist. </p>
<p>„Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn werden im Innern und nach au&#223;en“, sagte Willy Brandt in seiner Regierungserkl&#228;rung im Jahre 1969. Gute Nachbarn sind nur, die sich dem deutschen Modell unterordnen, hei&#223;t es heute. </p>
<p>Merkel und Sch&#228;uble haben offenbar aus der der deutschen Geschichte nichts gelernt.</p>
<p>Es ist katastrophal, dass die deutschen Medien den Deutschen wieder einmal die teutonische Gro&#223;mannssucht anstacheln und sich dabei gleichzeitig als Opfer hinzustellen versuchen.  Geschichte wiederholt sich als Trag&#246;die oder als Farce. Man kann nur hoffen, dass es bei der Posse bleibt.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16747&amp;md5=5a513c12b7ea974b3e0a47df3bb7454e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Wenn man dieser Tage die Verlautbarungen der Politiker und die Kommentare in den Medien verfolgt, dann kann einem nur noch Angst und Bange werden. Es herrscht eine Stimmung, wie man sie in der Literatur oder in der kritischen Geschichtsschreibung vor exakt einhundert Jahren, n&#228;mlich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschrieben findet.
Wir Deutschen sind die Erfolgreichsten, wir sind diejenigen die wirtschaftlich am besten dastehen, wir haben die die richtigen wirtschaftspolitischen Konzepte,  wir b&#252;rgen und zahlen f&#252;r die anderen, wir sind die Retter Europas, am deutschen Modell soll Europa genesen. So h&#246;rt und liest man allenthalben. Dieses Selbstlob, ja diese Selbst&#252;bersch&#228;tzung tr&#228;gt Z&#252;ge von Gr&#246;&#223;enwahn.
Auf der anderen Seite beklagt man die Kritik unserer Nachbarn an der ma&#223;geblich von der deutschen Regierung gepr&#228;gten Austerit&#228;tspolitik mit einer Weinerlichkeit, die man nur noch als Verfolgungswahn bezeichnen kann. Von Wolfgang Lieb.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Von Portugal, &#252;ber Spanien, Italien, Griechenland und jetzt auch in Zypern gehen die Menschen auf die Stra&#223;e und lassen ihre Wut gegen die Kanzlerin, gegen die Deutschen aus. Nazi-Symbole werden uns Deutschen entgegengehalten und Angela Merkel mit Hitler-B&#228;rtchen auf Plakate gemalt. Auch das sieht man fast jeden Abend in der Tagesschau.
Unter der &#220;berschrift „Auf sie mit Gebr&#252;ll“ beklagt sich der Leiter des Br&#252;sseler B&#252;ros der S&#252;ddeutschen Zeitung, der doch eigentlich ansonsten sehr ausgewogen berichtende Martin Winter &#252;ber die „feindselige Stimmung“ und „die Wut in den Krisenl&#228;ndern gegen die Deutschen“. Auch in vielen anderen Medien finden sich solche Beitr&#228;ge voller Selbstmitleid. Diese in Deutschland um sich greifende Weinerlichkeit wiederum tr&#228;gt  Z&#252;ge von Verfolgungswahn. Wie so h&#228;ufig treffen Gr&#246;&#223;en- und Verfolgungswahn  zusammen. 
An Martin Winters Kommentar habe ich mich besonders gesto&#223;en, weil ja „die S&#252;ddeutsche“ nicht nur die gr&#246;&#223;te deutsche Tageszeitung im Lande ist, sondern weil sie entgegen ihrem Regionalbezug im Namen, eher als europafreundlich, liberal und tolerant gilt. Von Springers Welt oder Bild erwartet man ja ohnehin nur offen oder versteckt nationalistische oder gar chauvinistische T&#246;ne.   
Der Kommentar in der SZ ist also ein Warnzeichen daf&#252;r, wie weit die Weinerlichkeit nach innen bei gleichzeitiger Feindseligkeit nach au&#223;en schon ins b&#252;rgerliche Bewusstsein vorgedrungen ist.  
Die Selbstbezogenheit in diesem Artikel beginnt schon in der Anmoderation: „Die st&#228;ndig gesch&#252;rten Vorurteile gef&#228;hrden das Fundament der EU.“ Die Vorurteile sind also nur bei den „vielen Nachbarl&#228;ndern“ zu finden, bei uns Deutschen nat&#252;rlich nicht. 
Dass w&#228;hrend der gesamten Euro-Krise in Deutschland Stimmung gegen die faulen und korrupten Griechen, gegen die lahmen und fu&#223;kranken Portugiesen, gegen die mafiosen und testosteron&#252;bersch&#252;ssigen Italiener, gegen die gesamten PIGS-Staaten (pigs= englisch Schweine) gemacht wurde, hat Martin Winter offenbar verdr&#228;ngt. Nach seiner Meinung weht ausschlie&#223;lich „den Deutschen &#8230;in Europa ein rauer Wind um die Ohren“.  Dass es vor allem der Einfluss der deutschen Politik in Br&#252;ssel war, der f&#252;r Millionen Europ&#228;er nicht nur „rauen Wind“ wehen lie&#223;, sondern handfeste Not brachte, wird kritiklos f&#252;r richtig und gut gehalten. 
„Die eine oder andere Regierung eines Krisenlandes“ schiebe Berlin „die Schuld an den schmerzhaften Folgen des Krisenmanagements“ zu, „um vom eigenen Versagen abzulenken“.  Es sind nur die anderen, die „versagt“ haben und deswegen muss das „Krisenmanagement“ nat&#252;rlich „schmerzhafte Folgen“ haben, denn dieses &#252;ber der Demokratie stehende Management ist ja nach Winters Meinung offenbar alte[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<item>
		<title>Was ist der korrekte Ma&#223;stab f&#252;r erfolgreiche Wirtschaftspolitik? Deutschlands Arbeitslosenquote oder die im Euroraum? Ein Orientierungsversuch.</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Apr 2013 12:52:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Strategien der Meinungsmache]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir leben seit 13 Jahren in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum mit 16 anderen L&#228;ndern. Wegen der engen Verflechtung spricht alles daf&#252;r, das Wohlergehen bzw. die Probleme in der Eurozone insgesamt zum Ma&#223;stab daf&#252;r zu nehmen, ob die eigene Politik als erfolgreich zu betrachten ist oder nicht. In Deutschland tun die Politik wie auch die Medien und [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben seit 13 Jahren in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum mit 16 anderen L&#228;ndern. Wegen der engen Verflechtung spricht alles daf&#252;r, das Wohlergehen bzw. die Probleme in der Eurozone insgesamt zum Ma&#223;stab daf&#252;r zu nehmen, ob die eigene Politik als erfolgreich zu betrachten ist oder nicht. In Deutschland tun die Politik wie auch die Medien und die Multiplikatoren und als Reflex darauf auch die &#214;ffentlichkeit so, als sei die aktuelle Lage in Deutschland der entscheidende Ma&#223;stab. Anders kann man die gro&#223;e Zustimmung der Mehrheit zu Angela Merkel, zu Sch&#228;uble und ihrer Politik nicht werten. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16724"></span><br />
</p>
<p>Dass die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum mit 12 % einen neuen Rekord (<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitslosigkeit-in-der-euro-zone-erreicht-rekord-von-zwoelf-prozent-a-892016.html">Siehe Meldung in der Anlage</a>) erklommen hat, dass gut 19 Millionen Menschen ohne Arbeit sind, dass in Spanien und Griechenland mehr als 55 % der Jugendlichen unter 25 Jahren arbeitslos sind, in Italien und Portugal &#252;ber 37 %, das wird der deutschen Politik nicht angelastet &#8211; obwohl die von Deutschland durchgesetzte Austerit&#228;tspolitik daf&#252;r ma&#223;geblich verantwortlich ist, obwohl Deutschland mit seiner Weigerung zur Abstimmung der Lohnpolitik nachweisbar Arbeitslosigkeit „exportiert“ hat, und obwohl die um uns herum verursachten Sch&#228;den k&#252;nftig auch uns massiv belastet werden. Die Ma&#223;st&#228;be sind also nicht nur engstirnig national orientiert, sondern auch von Kurzsichtigkeit gepr&#228;gt.</p>
<p>An den beif&#228;lligen Reaktionen der Mehrheit der deutschen Medien f&#252;r die Entscheidungen zu Zypern wie auch am (zustimmenden oder bestenfalls desorientierten) Schweigen der b&#252;rgerlichen Multiplikatoren dazu kann man ablesen, dass die ma&#223;geblichen Macher der &#246;ffentlichen Meinung in Deutschland nach wie vor an nationalen Ma&#223;st&#228;ben messen, obwohl die Entscheidung f&#252;r einen gemeinsamen W&#228;hrungsraum die Umstellung auf gemeinsame Ma&#223;st&#228;be verlangen w&#252;rde. Das ist wahrlich ein Indiz f&#252;r eine beachtlich weit verbreitete Ignoranz. Sie kennzeichnet nicht nur die politische Elite, sondern eben auch die Medien und die Intellektuellen und was es sonst noch an – verblichener &#8211; kritischer Intelligenz geben m&#252;sste.</p>
<p>Wir NachDenkSeiten-Macher wie auch z.B. Heiner Flassbeck mit seinem St&#252;ck von heute „<a href="http://www.flassbeck-economics.de/der-fall-zypern-oder-die-folgen-der-kollektiven-ignoranz/">Der Fall Zypern oder die Folgen der kollektiven Ignoranz</a>“ erscheinen so als vaterlandslose Gesellen. Das st&#246;rt uns nicht weiter, weil wir fest davon &#252;berzeugt sind, dass die Ma&#223;st&#228;be der Herrschenden wie auch der herrschenden &#246;ffentlichen Meinung &#252;berholt sind. Schade und schlimm, dass so viele Menschen unter dieser Ignoranz leiden m&#252;ssen.</p>
<blockquote><p>02. April 2013, 12:01 Uhr</p>
<p><em>Quote bei zw&#246;lf Prozent</em></p>
<p><strong>Arbeitslosigkeit im Euro-Raum erklimmt neuen Rekord</strong></p>
<p>Es ist ein trauriger Rekord f&#252;r die Euro-Zone: Erstmals seit Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung hat die Arbeitslosigkeit zw&#246;lf Prozent erreicht. Die Unterschiede zwischen Nord- und S&#252;deuropa sind inzwischen aber gewaltig, Deutschland, &#214;sterreich und Luxemburg stehen am besten da.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitslosigkeit-in-der-euro-zone-erreicht-rekord-von-zwoelf-prozent-a-892016.html">Spiegel-Online</a></p></blockquote>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16724&amp;md5=3a2a6029daaac421215d6fd5e50db879" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Wir leben seit 13 Jahren in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum mit 16 anderen L&#228;ndern. Wegen der engen Verflechtung spricht alles daf&#252;r, das Wohlergehen bzw. die Probleme in der Eurozone insgesamt zum Ma&#223;stab daf&#252;r zu nehmen, ob die eigene Politik als erfolgreich zu betrachten ist oder nicht. In Deutschland tun die Politik wie auch die Medien und die Multiplikatoren und als Reflex darauf auch die &#214;ffentlichkeit so, als sei die aktuelle Lage in Deutschland der entscheidende Ma&#223;stab. Anders kann man die gro&#223;e Zustimmung der Mehrheit zu Angela Merkel, zu Sch&#228;uble und ihrer Politik nicht werten. Albrecht M&#252;ller.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Dass die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum mit 12 % einen neuen Rekord (Siehe Meldung in der Anlage) erklommen hat, dass gut 19 Millionen Menschen ohne Arbeit sind, dass in Spanien und Griechenland mehr als 55 % der Jugendlichen unter 25 Jahren arbeitslos sind, in Italien und Portugal &#252;ber 37 %, das wird der deutschen Politik nicht angelastet &#8211; obwohl die von Deutschland durchgesetzte Austerit&#228;tspolitik daf&#252;r ma&#223;geblich verantwortlich ist, obwohl Deutschland mit seiner Weigerung zur Abstimmung der Lohnpolitik nachweisbar Arbeitslosigkeit „exportiert“ hat, und obwohl die um uns herum verursachten Sch&#228;den k&#252;nftig auch uns massiv belastet werden. Die Ma&#223;st&#228;be sind also nicht nur engstirnig national orientiert, sondern auch von Kurzsichtigkeit gepr&#228;gt.
An den beif&#228;lligen Reaktionen der Mehrheit der deutschen Medien f&#252;r die Entscheidungen zu Zypern wie auch am (zustimmenden oder bestenfalls desorientierten) Schweigen der b&#252;rgerlichen Multiplikatoren dazu kann man ablesen, dass die ma&#223;geblichen Macher der &#246;ffentlichen Meinung in Deutschland nach wie vor an nationalen Ma&#223;st&#228;ben messen, obwohl die Entscheidung f&#252;r einen gemeinsamen W&#228;hrungsraum die Umstellung auf gemeinsame Ma&#223;st&#228;be verlangen w&#252;rde. Das ist wahrlich ein Indiz f&#252;r eine beachtlich weit verbreitete Ignoranz. Sie kennzeichnet nicht nur die politische Elite, sondern eben auch die Medien und die Intellektuellen und was es sonst noch an – verblichener &#8211; kritischer Intelligenz geben m&#252;sste.
Wir NachDenkSeiten-Macher wie auch z.B. Heiner Flassbeck mit seinem St&#252;ck von heute „Der Fall Zypern oder die Folgen der kollektiven Ignoranz“ erscheinen so als vaterlandslose Gesellen. Das st&#246;rt uns nicht weiter, weil wir fest davon &#252;berzeugt sind, dass die Ma&#223;st&#228;be der Herrschenden wie auch der herrschenden &#246;ffentlichen Meinung &#252;berholt sind. Schade und schlimm, dass so viele Menschen unter dieser Ignoranz leiden m&#252;ssen.
02. April 2013, 12:01 Uhr
Quote bei zw&#246;lf Prozent
Arbeitslosigkeit im Euro-Raum erklimmt neuen Rekord
Es ist ein trauriger Rekord f&#252;r die Euro-Zone: Erstmals seit Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung hat die Arbeitslosigkeit zw&#246;lf Prozent erreicht. Die Unterschiede zwischen Nord- und S&#252;deuropa sind inzwischen aber gewaltig, Deutschland, &#214;sterreich und Luxemburg stehen am besten da.
Quelle: Spiegel-Online
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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	</item>
		<item>
		<title>Sachverst&#228;ndigenrat senkt Konjunkturprognose – Mieses Wachstum, doch die Politik t&#246;nt: „Deutschland geht es gut“</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16695</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16695#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Mar 2013 09:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl der Sachverst&#228;ndigenrat seine Konjunkturprognose vom Herbst um 0,5 Prozentpunkte auf eine jahresdurchschnittliche Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts f&#252;r 2013 auf magere 0,3 Prozent senkt [PDF - 294 KB], gibt er keinerlei Alarmzeichen. Seine Devise scheint: Deutschland geht es gut, solange der Staat nichts daf&#252;r tut. Ob es den Deutschen damit auch gut geht, ist f&#252;r die [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl der Sachverst&#228;ndigenrat seine Konjunkturprognose vom Herbst um 0,5 Prozentpunkte auf eine jahresdurchschnittliche Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts f&#252;r 2013 auf <a href="http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/pressemitteilungen/prognose_2013.pdf">magere 0,3 Prozent senkt [PDF - 294 KB]</a>, gibt er keinerlei Alarmzeichen. Seine Devise scheint: Deutschland geht es gut, solange der Staat nichts daf&#252;r tut. Ob es den Deutschen damit auch gut geht, ist f&#252;r die „Wirtschaftsweisen“ offenbar nicht wichtig. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16695"></span><br />
</p>
<p>Blickt man auf die Ver&#228;nderungen des BIP in den letzten zwanzig Jahren, so w&#228;re h&#246;chste Alarmstufe angezeigt, die wirtschaftspolitisches Handeln verlangt, <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/schrumpfendes-bip-europa-faellt-tiefer-in-die-rezession-12080590.html">um nicht in den Sog der europ&#228;ischen Rezession</a> zu geraten:</p>
<p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_1.jpg"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_1_small.jpg" alt="" title="" /></a></p>
<p>Quelle: <a href="http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2112/umfrage/veraenderung-des-bruttoinlandprodukts-im-vergleich-zum-vorjahr/">Statista</a> </p>
<p>(Damit kein Missverst&#228;ndnis aufkommt: Ich bin kein Wachstumsfetischist, aber solange keine alternative Messgr&#246;&#223;e zur Verf&#252;gung steht und solange die Wirtschaft so ausgerichtet ist, wie sie ist, ist die BIP-Wachstumsstatistik – bei allen Unzul&#228;nglichkeiten &#8211; eine zentrale &#246;konomische Ziffer f&#252;r den Zustand der Volkswirtschaft.)</p>
<p>Der SVR muss konstatieren, dass der R&#252;ckgang des BIP vor allem auf die r&#252;ckl&#228;ufige Investitionst&#228;tigkeit im Bereich der Ausr&#252;stungsinvestitionen sowie „einen Einbruch der Exporte“ zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Die Zur&#252;ckhaltung der Investoren spiegle die nach wie vor sehr gro&#223;e Unsicherheit &#252;ber den weiteren Fortgang der Krise im Euro-Raum wider. Auch die Hoffnungen, den Export-R&#252;ckgang in den Euro-Raum durch Exportsteigerungen in Drittl&#228;nder ausgleichen zu k&#246;nnen, sind ged&#228;mpft, weil die Prognosen &#252;ber Entwicklung der Weltwirtschaft  zur&#252;ckhaltender ausfielen und die Wachstumsdynamik in den BRIC-L&#228;ndern nicht so ausgepr&#228;gt sei, wie fr&#252;her prognostiziert. Der Wachstumsbeitrag des Au&#223;enhandels f&#252;r das Jahr 2013 falle deshalb wohl negativ aus. </p>
<p>Der SVR tut so, als habe die um sich greifende Rezession in Europa mit einem Schrumpfen des BIP der EU-17 L&#228;nder gegen Ende 2012 um 0,6 Prozent nichts mit der vor allem von der Bundesregierung und der Troika oktroyierten Austerit&#228;tspolitik zu tun.</p>
<p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_2.jpg"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_2_small.jpg" alt="" title="" /></a></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/schrumpfendes-bip-europa-faellt-tiefer-in-die-rezession-12080590.html">FAZ.Net</a> </p>
<p>Ganz im Sinne seines Auftraggebers Bundesregierung h&#228;lt der SVR den derzeitigen Kurs f&#252;r richtig und spricht nur davon, dass sich die „erwartete Stabilisierung im Euro-Raum hinausz&#246;gern wird“. Dass der Austerit&#228;tskurs zu einer „Stabilisierung“ f&#252;hrt, ist f&#252;r den SVR offenbar selbstverst&#228;ndlich. Auch das Niveau einer „Stabilisierung“ spielt f&#252;r ihn nebens&#228;chlich.</p>
<p>(Nebenbemerkung: Interessant ist, dass der SVR die sog. „weichen Vorlaufindikatoren“, also die ifo-Gesch&#228;ftserwartungen und die ifo-Gesch&#228;ftslage abwatscht. Sie h&#228;tten &#252;ber mehrere Monate ein wesentlich g&#252;nstigeres Bild &#252;ber den weiteren Verlauf der konjunkturellen Entwicklung vermittelt, die sich dann aber nicht in verbesserten realwirtschaftlichen Daten widerspiegelte.)</p>
<p>Wie schon &#246;fters in den letzten Jahren setzt der SVR seine Wachstumshoffnungen auf den privaten Konsum. Bemerkenswert daran ist immerhin, dass die mehrheitlich der angebotstheoretischen Richtung anh&#228;ngenden „Wirtschaftsweisen“, f&#252;r die ja ansonsten vor allem die Investitionen der Unternehmen zum Wachstum beitragen, &#252;berhaupt den privaten Konsum als Wachstumsfaktor zur Kenntnis nehmen. </p>
<p>Der SVR schreibt:</p>
<blockquote><p>
<em>„Die stabile Arbeitsmarkt- und Preisentwicklung sowie der deutliche Anstieg der Nettol&#246;hne und -geh&#228;lter (unter anderem infolge der Senkung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung) d&#252;rften im Prognosezeitraum hingegen zu einer sp&#252;rbaren Ausweitung der Privaten Konsumausgaben f&#252;hren.“</em>
</p></blockquote>
<p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_3.jpg"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_3_small.jpg" alt="" title="" /></a></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/download/pressemitteilungen/prognose_2013.pdf">SVR Schaubild 2 [PDF - 294 KB]</a> </p>
<p>Prognostiziert wird eine Steigerung des privaten Konsums um  0,7 Prozent. Das ist nun keineswegs umwerfend, aber dennoch erkl&#228;rungsbed&#252;rftig.</p>
<p><strong>Wo soll die Steigerung des privaten Konsums herkommen?</strong></p>
<p>Laut WSI-Tarifarchiv haben (wohlgemerkt) die Tarifl&#246;hne- und -geh&#228;lter 2012 gerade mal ein <a href="http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/41914_42001.htm">Plus von real 0,7 Prozent erzielt</a>. </p>
<p>Die Tarifbindung der Besch&#228;ftigten ist jedoch in den letzten Jahren deutlich abgesunken. </p>
<p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/120605_tarifbindung.png"><img alt="" src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/120605_tarifbindung_small.png"></a></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13429#h05">IAB</a> </p>
<p>Die L&#246;hne der nicht nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer blieben in den letzten Jahren jedoch stets hinter den Tarifeinkommen zur&#252;ck,  so dass die durchschnittlichen Lohn- und Gehaltssteigerungen der Arbeitnehmer auch aufgrund der Ausweitung des Niedriglohnsektors deutlich unter 0,7 Prozent liegen d&#252;rften.</p>
<p>Die vom SVR erw&#228;hnte (und von der CDU/CSU-Fraktion angestrebte) Senkung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ist im &#220;brigen keineswegs eine beschlossene Sache. Wieder einmal zeigt sich aber, dass der SVR nicht etwa auf Lohnerh&#246;hungen sondern wie bisher auf die Senkung der sog. „Lohnnebenkosten“ setzt.<br />
Allenfalls die Senkung der Praxisgeb&#252;hr l&#228;sst den Arbeitnehmern und Rentnern ein paar Euro mehr in der Tasche.  </p>
<p>Auch bei der Binnennachfrage betet der SVR die Bundeskanzlerin nach, die unl&#228;ngst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos behauptet hat: „Im Augenblick wird unser deutsches Wachstum vor allem von der Binnennachfrage getrieben. Wir haben alles getan, <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2013/01/2013-01-24-merkel-davos.html">um den Binnenkonsum zu erh&#246;hen</a>“. Die Frage, was ihre Regierung daf&#252;r getan hat, lie&#223; Frau Merkel allerdings offen.</p>
<p>Die Einzelhandelsums&#228;tze als einer der wichtigsten Indikatoren f&#252;r die private Konsumnachfrage. Auch wenn der Einzelhandelsumsatz nach einem regelrechten Einbruch im Dezember 2012 (- 4,7% im Vergleich zum Vorjahresmonat) im Januar 2013 gemessen am Vorjahresmonat <a href="https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2013/03/PD13_077_45212pdf.pdf?__blob=publicationFile">real um 2,4 Prozent gestiegen ist [PDF - 104 KB]</a>, so zeigt der Verlauf insgesamt eine langanhaltende Konsumschw&#228;che.</p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/130327_kon_5.jpg" alt="" title="" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16055#h03">Quersch&#252;sse</a></p>
<p>Der SVR bl&#228;st ein weiteres Mal ins Horn der Bundesregierung und feiert die quantitative Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. &#220;ber die Entwicklung der Qualit&#228;t der Arbeitspl&#228;tze verliert er wieder einmal kein Wort. Dass jeder f&#252;nfte Besch&#228;ftigte (<a href="https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/09/PD12_308_62.html;jsessionid=58223F34505E484A029E8FA6CF81A8D0.cae2">20,6 %</a>) f&#252;r einen Niedriglohn arbeiten muss und damit alles andere als zur Steigerung des privaten Konsums beitragen kann, dass &#252;ber vier Millionen prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse in Form von Teilzeitarbeit und geringf&#252;giger Besch&#228;ftigung in Gestalt von Mini-Jobs und Leiharbeit entstanden sind, die alles andere als die Binnenkonjunktur ansto&#223;en k&#246;nnen, ist dem SVR – wie &#252;blich – keine Erw&#228;hnung wert. </p>
<p>Wie in all seinen Gutachten der letzten Jahre bleibt f&#252;r den SVR die Konsolidierung der Haushalte das oberste Ziel, trotz oder gerade wegen der hohen Haftungsrisiken f&#252;r St&#252;tzungsma&#223;nahmen und f&#252;r die Kreditvergabe f&#252;r L&#228;nder des Euro-Raums m&#252;sse die Schuldenstandsquote (von 80,6% des BIP) „z&#252;gig“ zur&#252;ckgef&#252;hrt werden. Von einer Verbesserung der Einnahmeseite ist nat&#252;rlich nicht die Rede, also bleiben nur die K&#252;rzung von Sozialleistungen und eine weitere Einschr&#228;nkung des wirtschaftspolitischen Engagements des Staates. So nimmt es der SVR auch in Kauf, dass die Verringerung des gesamtstaatlichen Defizits nur mit „sehr geringen Bruttoinvestitionen“ des Staates (2012 = minus 7,5%) erreicht worden ist.</p>
<p>Statt also angesichts der miesen Wachstumsaussichten mehr staatliche Investitionen zur Ankurbelung der Konjunktur vorzuschlagen, wird implizit die Zur&#252;ckdr&#228;ngung von staatlichen Interventionen empfohlen. </p>
<p>Damit das Bild, das der SVR zeichnet, nicht allzu sehr eingetr&#252;bt wird und die politische Sch&#246;nrednerei der Lage nicht weiter gest&#246;rt wird, muss nat&#252;rlich Hoffnung gemacht werden. N&#228;mlich dass es im Jahresverlauf „zu einer st&#228;rkeren Dynamik kommen k&#246;nnte“. </p>
<p>Nun k&#246;nnte man sich getrost zur&#252;cklehnen, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Prognosen des Sachverst&#228;ndigenrates weitab von der <a href="http://www.google.de/imgres?imgurl=http://pdwb.de/grafiken/wiwade08.gif&#038;imgrefurl=http://pdwb.de/nd08.htm&#038;h=473&#038;w=600&#038;sz=37&#038;tbnid=C6p6OYeTBCTzJM:&#038;tbnh=93&#038;tbnw=118&#038;zoom=1&#038;usg=__iULD8-92T5zZfYqD-rX3KTLfXm4=&#038;docid=o657JwHHEq7K4M&#038;sa=X&#038;ei=c9tSUYWnEMahtAbPooGoDw&#038;ved=0CDwQ9QEwAg&#038;dur=125">tats&#228;chlich eingetretenen Entwicklung lagen</a>. Aber gerade weil das so ist, k&#246;nnte man dieses von der Regierung <a href="http://www.annotazioni.de/post/1014">eingesetzte Beratungsgremium</a> auch gleich ganz abschaffen.</p>
<p>Man k&#246;nnte also die Empfehlungen des SVR der aktualisierten Konjunkturprognose mit folgendem Slogan zusammenfassen:</p>
<p>Deutschland geht es (wirtschaftlich) gut, solange der Staat nichts daf&#252;r tut. </p>
<p>Ob es den Deutschen damit gut geht, ist f&#252;r die „Wirtschaftsweisen“ uninteressant.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16695&amp;md5=f8dcac3a9b161f7f579d5ee23d0bedf6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:subtitle>Obwohl der Sachverst&#228;ndigenrat seine Konjunkturprognose vom Herbst um 0,5 Prozentpunkte auf eine jahresdurchschnittliche Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts f&#252;r 2013 auf magere 0,3 Prozent senkt [PDF - 294 KB], gibt er keinerlei Alarmzei[...]</itunes:subtitle>
		<itunes:summary>Obwohl der Sachverst&#228;ndigenrat seine Konjunkturprognose vom Herbst um 0,5 Prozentpunkte auf eine jahresdurchschnittliche Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts f&#252;r 2013 auf magere 0,3 Prozent senkt [PDF - 294 KB], gibt er keinerlei Alarmzeichen. Seine Devise scheint: Deutschland geht es gut, solange der Staat nichts daf&#252;r tut. Ob es den Deutschen damit auch gut geht, ist f&#252;r die „Wirtschaftsweisen“ offenbar nicht wichtig. Von Wolfgang Lieb.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Blickt man auf die Ver&#228;nderungen des BIP in den letzten zwanzig Jahren, so w&#228;re h&#246;chste Alarmstufe angezeigt, die wirtschaftspolitisches Handeln verlangt, um nicht in den Sog der europ&#228;ischen Rezession zu geraten:

Quelle: Statista 
(Damit kein Missverst&#228;ndnis aufkommt: Ich bin kein Wachstumsfetischist, aber solange keine alternative Messgr&#246;&#223;e zur Verf&#252;gung steht und solange die Wirtschaft so ausgerichtet ist, wie sie ist, ist die BIP-Wachstumsstatistik – bei allen Unzul&#228;nglichkeiten &#8211; eine zentrale &#246;konomische Ziffer f&#252;r den Zustand der Volkswirtschaft.)
Der SVR muss konstatieren, dass der R&#252;ckgang des BIP vor allem auf die r&#252;ckl&#228;ufige Investitionst&#228;tigkeit im Bereich der Ausr&#252;stungsinvestitionen sowie „einen Einbruch der Exporte“ zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Die Zur&#252;ckhaltung der Investoren spiegle die nach wie vor sehr gro&#223;e Unsicherheit &#252;ber den weiteren Fortgang der Krise im Euro-Raum wider. Auch die Hoffnungen, den Export-R&#252;ckgang in den Euro-Raum durch Exportsteigerungen in Drittl&#228;nder ausgleichen zu k&#246;nnen, sind ged&#228;mpft, weil die Prognosen &#252;ber Entwicklung der Weltwirtschaft  zur&#252;ckhaltender ausfielen und die Wachstumsdynamik in den BRIC-L&#228;ndern nicht so ausgepr&#228;gt sei, wie fr&#252;her prognostiziert. Der Wachstumsbeitrag des Au&#223;enhandels f&#252;r das Jahr 2013 falle deshalb wohl negativ aus. 
Der SVR tut so, als habe die um sich greifende Rezession in Europa mit einem Schrumpfen des BIP der EU-17 L&#228;nder gegen Ende 2012 um 0,6 Prozent nichts mit der vor allem von der Bundesregierung und der Troika oktroyierten Austerit&#228;tspolitik zu tun.

Quelle: FAZ.Net 
Ganz im Sinne seines Auftraggebers Bundesregierung h&#228;lt der SVR den derzeitigen Kurs f&#252;r richtig und spricht nur davon, dass sich die „erwartete Stabilisierung im Euro-Raum hinausz&#246;gern wird“. Dass der Austerit&#228;tskurs zu einer „Stabilisierung“ f&#252;hrt, ist f&#252;r den SVR offenbar selbstverst&#228;ndlich. Auch das Niveau einer „Stabilisierung“ spielt f&#252;r ihn nebens&#228;chlich.
(Nebenbemerkung: Interessant ist, dass der SVR die sog. „weichen Vorlaufindikatoren“, also die ifo-Gesch&#228;ftserwartungen und die ifo-Gesch&#228;ftslage abwatscht. Sie h&#228;tten &#252;ber mehrere Monate ein wesentlich g&#252;nstigeres Bild &#252;ber den weiteren Verlauf der konjunkturellen Entwicklung vermittelt, die sich dann aber nicht in verbesserten realwirtschaftlichen Daten widerspiegelte.)
Wie schon &#246;fters in den letzten Jahren setzt der SVR seine Wachstumshoffnungen auf den privaten Konsum. Bemerkenswert daran ist immerhin, dass die mehrheitlich der angebotstheoretischen Richtung anh&#228;ngenden „Wirtschaftsweisen“, f&#252;r die ja ansonsten vor allem die Investitionen der Unternehmen zum Wachstum beitragen, &#252;berhaupt den privaten Konsum als Wachstumsfaktor zur Kenntnis nehmen. 
Der SVR schreibt:

„Die stabile Arbeitsmarkt- und Preisentwicklung sowie der deutliche Anstieg der Nettol&#246;hne und -geh&#228;lter (unter anderem infolge der Senkung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung) d&#252;rften im Prognosezeitraum hingegen zu einer sp&#252;rbaren Ausweitung der Privaten Konsumausgaben f&#252;hren.“


Quelle: SVR Schaubild 2 [PDF - 294 KB] 
Prognostiziert wird eine Steigerung des privaten Konsums um  0,7 Prozent. Das ist nun keineswegs umwerfend, aber [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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	</item>
		<item>
		<title>Na, Ihr Pseudochristen in der CDU/CSU – vergesst ja nicht, an Ostern Bu&#223;e zu tun f&#252;r die Menschenleben, die Ihr Eurer Austerit&#228;tsideologie opfert</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16677</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16677#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 08:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik, Konjunktur, etc.]]></category>

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		<description><![CDATA[Was jetzt in einer Studie der Fachzeitschrift „Lancet“ berichtet wird, konnte man alles wissen: in Folge der sinnlosen weil erfolglosen Sparversuche mit der Krise wird bei der Gesundheitsversorgung gespart, Menschen verzweifeln wegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, die Selbstmordrate unter R&#252;ckgriff auf Drogen steigt. SpiegelOnline berichtet unter der &#220;berschrift „Euro-Krise kostet Menschenleben“ &#252;ber die Ergebnisse der Studie. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was jetzt in einer Studie der Fachzeitschrift „Lancet“ berichtet wird, konnte man alles wissen: in Folge der sinnlosen weil erfolglosen Sparversuche mit der Krise wird bei der Gesundheitsversorgung gespart, Menschen verzweifeln wegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, die Selbstmordrate unter R&#252;ckgriff auf Drogen steigt. SpiegelOnline berichtet unter der &#220;berschrift „Euro-Krise kostet Menschenleben“ &#252;ber <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lancet-euro-krise-hat-fatale-wirkung-auf-gesundheit-der-europaeer-a-891149-druck.html">die Ergebnisse der Studie</a>. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16677"></span><br />
</p>
<p>Die Studie best&#228;tigt, was auch die Verantwortlichen in Berlin und in Br&#252;ssel wissen konnten. Zitate aus Spiegel online: </p>
<blockquote><p>Wegen rigider Sparpolitik haben viele B&#252;rger in EU-Krisenl&#228;ndern keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Einer Studie der Fachzeitschrift &#8220;Lancet&#8221; zufolge breiten sich Infektionskrankheiten in bislang unbekanntem Ausma&#223; aus, die Zahl der Selbstt&#246;tungen steigt rapide. &#8230;</p>
<p>In Europa brechen demnach zum ersten Mal Epidemien wie Malaria aus, auch bei Selbstt&#246;tungen sei ein gro&#223;er Anstieg zu verzeichnen. &#8230;</p>
<p>Am schlimmsten seien die Gesundheitssysteme jener L&#228;nder betroffen, die am st&#228;rksten bei den &#246;ffentlichen Ausgaben gespart h&#228;tten &#8211; konkret nennt die Studie Griechenland, Spanien und Portugal. &#8230;</p>
<p>Als Folge davon habe sich seit 2007 &#8211; dem letzten Jahr vor Ausbruch der Weltfinanzkrise &#8211; etwa der langfristige R&#252;ckgang bei Selbstmorden umgekehrt. In Griechenland etwa sind Regierungsangaben zufolge die Selbstt&#246;tungen allein im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen.</p>
<p>Besonders in Griechenland m&#252;ssten Krankenh&#228;user darum k&#228;mpfen, die medizinischen Mindeststandards zu halten. &#8230;</p>
<p><strong>In der Studie wird das Vorgehen Islands als Alternative bezeichnet.</strong> Dort h&#228;tten die B&#252;rger in einem Referendum harte Einschnitte abgelehnt und weiter in staatliche Dienste investiert. Entsprechend h&#228;tten in der Studie keine negativen Folgen der Krise f&#252;r die Gesundheit nachgewiesen werden k&#246;nnen.</p></blockquote>
<p>Wie hier nachgewiesen wird, ist die Behauptung, wir h&#228;tten keine Alternative zur eingeschlagenen Linie, eine glatte L&#252;ge.</p>
<p>Ob Merkel, Sch&#228;uble und die anderen aus der Christenunion das nicht wissen oder einfach Zyniker sind, die nur darauf achten, dass sie mit ihrer Menschen verachtenden Linie den Applaus im rechtskonservativen Milieus ernten, wei&#223; ich nicht. Ich wei&#223; auch nicht, ob sie bei dieser Konstellation mit Ablass bei der &#246;sterlichen Messe oder beim Abendmahl rechnen k&#246;nnen. Verdient h&#228;tten sie dies nicht.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16677&amp;md5=3461ea6300c510113b9457fe24a16cab" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Was jetzt in einer Studie der Fachzeitschrift „Lancet“ berichtet wird, konnte man alles wissen: in Folge der sinnlosen weil erfolglosen Sparversuche mit der Krise wird bei der Gesundheitsversorgung gespart, Menschen verzweifeln wegen Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, die Selbstmordrate unter R&#252;ckgriff auf Drogen steigt. SpiegelOnline berichtet unter der &#220;berschrift „Euro-Krise kostet Menschenleben“ &#252;ber die Ergebnisse der Studie. Albrecht M&#252;ller.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Die Studie best&#228;tigt, was auch die Verantwortlichen in Berlin und in Br&#252;ssel wissen konnten. Zitate aus Spiegel online: 
Wegen rigider Sparpolitik haben viele B&#252;rger in EU-Krisenl&#228;ndern keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Einer Studie der Fachzeitschrift &#8220;Lancet&#8221; zufolge breiten sich Infektionskrankheiten in bislang unbekanntem Ausma&#223; aus, die Zahl der Selbstt&#246;tungen steigt rapide. &#8230;
In Europa brechen demnach zum ersten Mal Epidemien wie Malaria aus, auch bei Selbstt&#246;tungen sei ein gro&#223;er Anstieg zu verzeichnen. &#8230;
Am schlimmsten seien die Gesundheitssysteme jener L&#228;nder betroffen, die am st&#228;rksten bei den &#246;ffentlichen Ausgaben gespart h&#228;tten &#8211; konkret nennt die Studie Griechenland, Spanien und Portugal. &#8230;
Als Folge davon habe sich seit 2007 &#8211; dem letzten Jahr vor Ausbruch der Weltfinanzkrise &#8211; etwa der langfristige R&#252;ckgang bei Selbstmorden umgekehrt. In Griechenland etwa sind Regierungsangaben zufolge die Selbstt&#246;tungen allein im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen.
Besonders in Griechenland m&#252;ssten Krankenh&#228;user darum k&#228;mpfen, die medizinischen Mindeststandards zu halten. &#8230;
In der Studie wird das Vorgehen Islands als Alternative bezeichnet. Dort h&#228;tten die B&#252;rger in einem Referendum harte Einschnitte abgelehnt und weiter in staatliche Dienste investiert. Entsprechend h&#228;tten in der Studie keine negativen Folgen der Krise f&#252;r die Gesundheit nachgewiesen werden k&#246;nnen.
Wie hier nachgewiesen wird, ist die Behauptung, wir h&#228;tten keine Alternative zur eingeschlagenen Linie, eine glatte L&#252;ge.
Ob Merkel, Sch&#228;uble und die anderen aus der Christenunion das nicht wissen oder einfach Zyniker sind, die nur darauf achten, dass sie mit ihrer Menschen verachtenden Linie den Applaus im rechtskonservativen Milieus ernten, wei&#223; ich nicht. Ich wei&#223; auch nicht, ob sie bei dieser Konstellation mit Ablass bei der &#246;sterlichen Messe oder beim Abendmahl rechnen k&#246;nnen. Verdient h&#228;tten sie dies nicht.
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		<itunes:keywords>Audio-Podcast, Finanzkrise</itunes:keywords>
		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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	</item>
		<item>
		<title>Emp&#246;rung &#252;ber das „Gesch&#228;ftsmodell Zypern“ – warum erst jetzt und warum nur bei Zypern?</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16616</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16616#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 16:09:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundesfinanzminister Sch&#228;uble hat sich am 19. M&#228;rz abends und der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeyer am 20. M&#228;rz im Morgenmagazin kritisch zum so genannten Modell Zypern ge&#228;u&#223;ert. In der Tagesthemensendung gebrauchte Sch&#228;uble den Begriff Modell Zypern zur Charakterisierung der Politik eines Landes, das sein Geld zu einem beachtlichen Teil mit Finanzgesch&#228;ften verdient und zu diesem Zweck mit niedrigen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Bundesfinanzminister Sch&#228;uble hat sich am 19. M&#228;rz abends und der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeyer am 20. M&#228;rz im Morgenmagazin kritisch zum so genannten Modell Zypern ge&#228;u&#223;ert. In der <a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt4582.html">Tagesthemensendung</a> gebrauchte Sch&#228;uble den Begriff Modell Zypern zur Charakterisierung der Politik eines Landes, das sein Geld zu einem beachtlichen Teil mit Finanzgesch&#228;ften verdient und zu diesem Zweck mit niedrigen Steuern und angenehmen rechtlichen Bedingungen um die &#8211; oft ausl&#228;ndischen &#8211; Anleger wirbt. Das „Modell“ Zypern gab und gibt es in Irland, in Luxemburg, in London, in der Schweiz, in den Steueroasen Gro&#223;britanniens und der USA – und das Modell war von deutschen Politikern von Merkel bis Steinbr&#252;ck unter dem Begriff „Ausbau des Finanzplatzes Deutschland“ noch im letzten Jahrzehnt hei&#223; ersehnt. Von der gro&#223;en Koalition aus CDU/CSU und SPD &#8211; wie jetzt von beiden kritisiert. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16616"></span><br />
</p>
<p><strong>Bewunderung f&#252;r London, Luxemburg, Irland usw.</strong></p>
<p>Mit gl&#228;nzenden Augen haben die jetzt als Zuchtmeister Zyperns auftretenden Herrschaften nach London geschaut. In den Hochzeiten des britischen Casinobetriebs in der City von London sind 10 % des britischen Inlandsprodukts auf den Finanzm&#228;rkten angefallen – „verdient und geschaffen“ worden, haben die Bewunderer dieses Modells damals gesagt.<br />
Luxemburg hat &#252;ber Jahrzehnte sein Geld mit dem verdient, was Zypern betrieben hat und betreibt.<br />
Irland hat mit niedrigen Steuers&#228;tzen geworben und dies sogar nach der Rettung durch Europas Bankenrettung noch getan. Vom irischen Tiger war die Rede, obwohl dieser Tiger seine vermeintliche St&#228;rke auch nur durch Anlocken von fremdem Kapital mittels niedriger Steuers&#228;tze und Deregulierung erreicht hat. Wenn man die angeblich hohen Wachstumsraten von den Verdiensten in den Finanzcasinos befreite, dann fiel die St&#228;rke Irlands schon im letzten Jahrzehnt wie ein Kartenhaus zusammen. Konkret: die irische Bev&#246;lkerung hatte wenig von dem irischen Modell. (Das habe ich in meinem Buch „Die Reforml&#252;ge“ schon 2004 beschrieben) Aber bei uns, bei den neoliberalen Ideologen und den Freunden von Herrn Sch&#228;uble, Frau Merkel und Herrn Steinmeier wurde dieses Modell bewundert.</p>
<p><strong>Warum haben die Verantwortlichen nicht fr&#252;her das „Modell Zypern, Irland, Luxemburg, London usw.“ kritisiert? Warum sind sie nicht fr&#252;her dagegen eingeschritten?</strong></p>
<p>Das sind sehr berechtigte und wichtige Fragen. Ich habe keine fertigen Antworten. Aber es gibt ein paar Hinweise und Indizien:</p>
<ul>
<li>An diesen Modellen haben die eigenen Banken und sonstige Spezies verdient. In Irland zum Beispiel war die M&#252;nchner HRE t&#228;tig. In deren Aufsichtsrat sa&#223; der im neoliberalen Speck angesiedelte Hans Tietmeyer. Die HRE war insgesamt nicht sehr viel mehr als eine Bad-Bank mit Casinobetrieb.</li>
<li>Luxemburg lie&#223; man gew&#228;hren, weil dort ideologische und politische Freunde sa&#223;en. Mit Ministerpr&#228;sident Juncker sogar ein ziemlich f&#228;higer Mann. Aber der Respekt vor seinen F&#228;higkeiten sollte nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass er offenbar die v&#246;llig falsche Person f&#252;r die Leitung der Eurogruppe war. Denn von ihm h&#228;tten Initiativen ausgehen m&#252;ssen, um Modelle wie das zyprische Modell &#252;berhaupt nicht entstehen zu lassen. Dagegen konnte Euro&#8211;Gruppenchef Juncker aber nicht vorgehen, weil er dann gegen das eigene luxemburgische Gesch&#228;ftsmodell h&#228;tte einschreiten m&#252;ssen.</li>
<li>Dass man jetzt im Falle Zypern t&#228;tig wird, hat vermutlich viel damit zu tun, dass man jetzt die untergr&#252;ndig vorhandene Aggression gegen die „Russen“ nutzen kann. Das ist emotional betrachtet zumindest was Deutschland betrifft ein R&#252;ckgriff auf den in den f&#252;nfziger Jahren des letzten Jahrhunderts betriebenen Antikommunismus. Man sp&#252;rt diese unterschwellige Aggression in vielen Kommentaren deutscher Medien. Mit der Sache selbst hat dies heute &#252;berhaupt nichts zu tun. Aber es ist eben popul&#228;r, das russische Kapital mit einer Sonderabgabe zu belegen.</li>
<li>Damit wird zumindest in Bezug auf Deutschland noch eine parteipolitische Seite des Vorgehens offensichtlich. In Deutschland ist es popul&#228;r, endlich die angeblichen S&#252;nder, im konkreten Fall die Zyprioten und Russen, zu bestrafen. Man muss sich in dem oben verlinkten Beitrag der Tagesthemen vom 19. M&#228;rz dazu nur die H&#228;me im Gesicht von Tom Buhrow und die abf&#228;llige Argumentation im Kommentar von Rolf Dietrich Krause anschauen und anh&#246;ren.</li>
<li>Auf deutscher Seite spielt vermutlich auch eine Rolle, dass man mit der gespielten Verachtung und Aggression gegen Zypern zugleich verdecken kann, wie kritisch die Lage hierzulande ist: bei uns ist der Bankensektor und der Sektor der Finanzwirtschaft insgesamt auch &#252;berdimensioniert. Auch bei uns gab es einen beachtlich ausgeweiteten Casinobetrieb. Wir haben ein Konversionsproblem. Darauf habe ich in einem etwas grunds&#228;tzlichen Beitrag zur Finanzkrise am 7. Januar 2009 hingewiesen. Siehe hier „<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=3689">Den Kapitalmarkt effizienter gestalten. Konversion ist angesagt</a>“.</li>
<li>In jenem Beitrag ist auch die Finanzcasinot&#228;tigkeit beschrieben, die de facto durch die hohen Aktienkursschwankungen indiziert werden. Wenn die Kurse innerhalb weniger Jahre um das vierfache steigen und wieder abst&#252;rzen, dann ist das auch ein deutliches Anzeichen f&#252;r einen Casinobetrieb. Auch wir betreiben heute eine Art zyprisches Modell. Und jeden Abend berichtet die ARD unter Freuden von den Ergebnissen der Spekulation. Dieser Ableger des zyprischen Gesch&#228;ftsmodells wird hierzulande selbstverst&#228;ndlich nicht kritisiert, weil die Banken, die B&#246;rsen, die Investmentbanker und andere Freunde der agierenden Politiker davon profitieren.	</li>
</ul>
<p><strong>Das Totalversagen der Europ&#228;ischen Kommission und anderer internationaler Einrichtungen</strong></p>
<p>Wenn man der Frage nachgeht, warum die Gesch&#228;ftsmodelle von Zypern, Luxemburg, Irland, London und anderer mehr nicht rechtzeitig untersagt und bek&#228;mpft worden sind, dann landet man unwillk&#252;rlich in Br&#252;ssel. Br&#252;ssel, die europ&#228;ische Kommission und speziell die Verantwortlichen f&#252;r den Euroraum h&#228;tten schon vor langem, also vor zehn und vor 20 Jahren gegen Gesch&#228;ftsmodelle wie dem zyprischen einschreiten m&#252;ssen. Wo sind sie geblieben?</p>
<p>Br&#252;ssel h&#228;tte auch schon lange gegen die Basis der jetzigen Krise, das Auseinanderdriften der Wettbewerbsf&#228;higkeit der L&#228;nder der Eurozone intervenieren m&#252;ssen. Die Verantwortlichen haben es nicht getan. Das ist Ausdruck ihrer Unf&#228;higkeit und ihrer mangelnden Aufmerksamkeit. Dass diese Leute heute innerhalb der Troika als Ratgeber und Kontrolleure auftreten, ist ausgesprochen grotesk. Die Verantwortlichen in Br&#252;ssel sind zusammen mit jenen aus Berlin die Hauptverantwortlichen f&#252;r die Konzeptionslosigkeit, mit der Europa von Krise zu Krise stolpert.</p>
<p><strong>Wir brauchen in Europa dringend eine politische Einheit, die zur umsichtigen, langfristigen konzeptionellen Planung f&#228;hig ist</strong></p>
<p>Wenn man wie ich in mehreren Funktionen, unter anderem als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt, mit erlebt hat, wie zum Beispiel die Ostpolitik strategisch geplant und umgesetzt worden ist, dann steht man mit Staunen vor der jetzigen Planlosigkeit. Einen Egon Bahr, der damals an der Seite von Willy Brandt die Entspannungspolitik und damit das Ende der Konfrontation zwischen Ost und West ausgedacht hat, gibt es heute nicht.</p>
<p>Es gibt auch jene nicht, die zusammen mit dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller die W&#228;hrungspolitik des Jahres 1969 und die damalige Aufwertung der D-Mark bedacht und geplant haben.</p>
<p>Es gibt nicht einmal jene, die noch ein Bewusstsein daf&#252;r haben, dass man den Ruf unseres Landes und seiner B&#252;rgerinnen und B&#252;rger nicht leichtfertig verspielen darf, wie das heute mit jeder zweiten &#196;u&#223;erung von Bundeskanzlerin Merkel oder Finanzminister Sch&#228;uble geschieht.</p>
<p>Dass es keine konzeptionelle Kraft mehr gibt, liegt nicht in der Natur der Sache. Es ist das Ergebnis einer Entwicklung, die Politikerinnen und Politiker f&#246;rdert, die nur danach schauen, was popul&#228;r ist und ihre Wiederwahl sichert. </p>
<p>Diese Entwicklung ist fatal. Es ist h&#246;chste Zeit, dagegen anzugehen.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16616&amp;md5=eeb964367c11b9f2e12e0f3e8085dbc4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Bundesfinanzminister Sch&#228;uble hat sich am 19. M&#228;rz abends und der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeyer am 20. M&#228;rz im Morgenmagazin kritisch zum so genannten Modell Zypern ge&#228;u&#223;ert. In der Tagesthemensendung gebrauchte Sch&#228;uble den Begriff Modell Zypern zur Charakterisierung der Politik eines Landes, das sein Geld zu einem beachtlichen Teil mit Finanzgesch&#228;ften verdient und zu diesem Zweck mit niedrigen Steuern und angenehmen rechtlichen Bedingungen um die &#8211; oft ausl&#228;ndischen &#8211; Anleger wirbt. Das „Modell“ Zypern gab und gibt es in Irland, in Luxemburg, in London, in der Schweiz, in den Steueroasen Gro&#223;britanniens und der USA – und das Modell war von deutschen Politikern von Merkel bis Steinbr&#252;ck unter dem Begriff „Ausbau des Finanzplatzes Deutschland“ noch im letzten Jahrzehnt hei&#223; ersehnt. Von der gro&#223;en Koalition aus CDU/CSU und SPD &#8211; wie jetzt von beiden kritisiert. Albrecht M&#252;ller.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Bewunderung f&#252;r London, Luxemburg, Irland usw.
Mit gl&#228;nzenden Augen haben die jetzt als Zuchtmeister Zyperns auftretenden Herrschaften nach London geschaut. In den Hochzeiten des britischen Casinobetriebs in der City von London sind 10 % des britischen Inlandsprodukts auf den Finanzm&#228;rkten angefallen – „verdient und geschaffen“ worden, haben die Bewunderer dieses Modells damals gesagt.
Luxemburg hat &#252;ber Jahrzehnte sein Geld mit dem verdient, was Zypern betrieben hat und betreibt.
Irland hat mit niedrigen Steuers&#228;tzen geworben und dies sogar nach der Rettung durch Europas Bankenrettung noch getan. Vom irischen Tiger war die Rede, obwohl dieser Tiger seine vermeintliche St&#228;rke auch nur durch Anlocken von fremdem Kapital mittels niedriger Steuers&#228;tze und Deregulierung erreicht hat. Wenn man die angeblich hohen Wachstumsraten von den Verdiensten in den Finanzcasinos befreite, dann fiel die St&#228;rke Irlands schon im letzten Jahrzehnt wie ein Kartenhaus zusammen. Konkret: die irische Bev&#246;lkerung hatte wenig von dem irischen Modell. (Das habe ich in meinem Buch „Die Reforml&#252;ge“ schon 2004 beschrieben) Aber bei uns, bei den neoliberalen Ideologen und den Freunden von Herrn Sch&#228;uble, Frau Merkel und Herrn Steinmeier wurde dieses Modell bewundert.
Warum haben die Verantwortlichen nicht fr&#252;her das „Modell Zypern, Irland, Luxemburg, London usw.“ kritisiert? Warum sind sie nicht fr&#252;her dagegen eingeschritten?
Das sind sehr berechtigte und wichtige Fragen. Ich habe keine fertigen Antworten. Aber es gibt ein paar Hinweise und Indizien:

An diesen Modellen haben die eigenen Banken und sonstige Spezies verdient. In Irland zum Beispiel war die M&#252;nchner HRE t&#228;tig. In deren Aufsichtsrat sa&#223; der im neoliberalen Speck angesiedelte Hans Tietmeyer. Die HRE war insgesamt nicht sehr viel mehr als eine Bad-Bank mit Casinobetrieb.
Luxemburg lie&#223; man gew&#228;hren, weil dort ideologische und politische Freunde sa&#223;en. Mit Ministerpr&#228;sident Juncker sogar ein ziemlich f&#228;higer Mann. Aber der Respekt vor seinen F&#228;higkeiten sollte nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass er offenbar die v&#246;llig falsche Person f&#252;r die Leitung der Eurogruppe war. Denn von ihm h&#228;tten Initiativen ausgehen m&#252;ssen, um Modelle wie das zyprische Modell &#252;berhaupt nicht entstehen zu lassen. Dagegen konnte Euro&#8211;Gruppenchef Juncker aber nicht vorgehen, weil er dann gegen das eigene luxemburgische Gesch&#228;ftsmodell h&#228;tte einschreiten m&#252;ssen.
Dass man jetzt im Falle Zypern t&#228;tig wird, hat vermutlich viel damit zu tun, dass man jetzt die untergr&#252;ndig vorhandene Aggression gegen die „Russen“ nutzen kann. Das ist emotional betrachtet zumindest was Deutschland betrifft ein R&#252;ckgriff auf den in den f&#252;nfziger Jahren des letzten Jahrhunderts betriebenen Antikommunismus. Man sp&#252;rt diese unterschwellig[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Russische Oligarchen, zypriotische Geldw&#228;sche und deutsche Sauberm&#228;nner</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Mar 2013 13:30:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Methoden deutsche Politiker und Journalisten greifen, wenn es darum geht, sich auf Kosten Russlands zu profilieren. Die Diskussion rund um das ESM-Paket f&#252;r Zypern ist daf&#252;r wieder einmal ein gutes Beispiel. Russische Spareinlagen auf zypriotischen Banken stammen – so lesen wir – grunds&#228;tzlich von „Oligarchen“. Und Gelder von [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Methoden deutsche Politiker und Journalisten greifen, wenn es darum geht, sich auf Kosten Russlands zu profilieren. Die Diskussion rund um das <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16567">ESM-Paket f&#252;r Zypern</a>  ist daf&#252;r wieder einmal ein gutes Beispiel. Russische Spareinlagen auf  zypriotischen Banken stammen – so lesen wir – grunds&#228;tzlich von „Oligarchen“. Und Gelder von „Oligarchen“ sind – so h&#246;ren wir – grunds&#228;tzlich illegal und dienen lediglich der Geldw&#228;sche und Steuerhinterziehung. Daher ist es – so ahnen wir &#8211;  auch nur rechtens, wenn man den Besitz russischer Staatsangeh&#246;riger im EU-Land Zypern beschlagnahmt. Die Russen sind schuldig – vollkommen ohne Prozess, ohne Richter, ohne Verteidigung, ja gar ohne Anklage und auch ohne jegliche Beweismittel. In Russland gibt es zweifelsohne rechtsstaatliche Defizite. Indem wir Russland demonstrieren, wie wenig wir selbst von Rechtsstaatlichkeit halten, gehen wir jedoch mit dem denkbar schlechtesten Beispiel voran. Von <strong>Jens Berger</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16578"></span><br />
</p>
<p>Was ist eigentlich ein „Oligarch“? Das Oxford Dictionary definiert den Begriff folgenderma&#223;en: Ein sehr reicher Gesch&#228;ftsmann mit gro&#223;em politischen Einfluss. Nun, nach dieser Definition w&#228;ren auch die Damen Springer, Mohn (Bertelsmann) und Klatten (BMW) Oligarchinnen. Macht nun etwa auch die Deutsche Bank AG, bei der die Axel Springer AG ihre Konten f&#252;hrt, Gesch&#228;fte mit Oligarchen? W&#228;re es legitim, der Deutschen Bank AG vorzuschreiben, von heute auf morgen &#8211; ohne Gesetz, ohne Prozess und ohne Verhandlung &#8211; zehn Prozent der Einlagen von Frau Springer zu konfiszieren? Schlie&#223;lich handelt es sich doch um „Oligarchengelder“. </p>
<p>Was w&#228;re die Reaktion der deutschen Regierung, wenn ein Staat, nennen wir ihn Liechtenstein, mit dieser Begr&#252;ndung deutsche Staatsgeh&#246;rige teilenteignen w&#252;rde? Steinbr&#252;cks „Kavallerie“ k&#246;nnte dann wohl Realit&#228;t werden. Nun ist Liechtenstein aber kein Staat, der etwas gegen Oligarchengelder, egal aus welchem Land, h&#228;tte. So was machen ja bekanntlich nur linke Populisten wie Hugo Chavez oder Evo Molarez &#8230; und europ&#228;ische Finanzminister, jedoch nur dann, wenn die „Opfer“ nicht aus ihren eigenen L&#228;ndern, sondern aus Russland kommen.</p>
<p>25 Mrd. Euro – so h&#246;rt man – sollen russische Oligarchen auf der Mittelmeerinsel Zypern „bunkern“. Ja, Russen „bunkern“, wenn Deutsche, Briten oder Amerikaner Gelder verschieben, dann „investieren“ sie – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Es ist richtig, zahlreiche russische Gesch&#228;ftsm&#228;nner, die man als Oligarchen bezeichnen k&#246;nnte, kontrollieren &#252;ber zypriotische Holdinggesellschaften ihre russischen Konzerne. Dazu geh&#246;ren mit Novolipetsk Steel und Severstal zwei der weltgr&#246;&#223;ten Stahlkonzerne, mit Norilsk Nickel eines der weltgr&#246;&#223;ten Bergbauunternehmen und mit Gazprom und Lukoil zwei der weltgr&#246;&#223;ten Energieunternehmen. Alles nur Geldw&#228;sche? Im Vergleich zur Deutschen Bank wirken diese Unternehmen geradezu wie ein Musterbeispiel f&#252;r Unternehmen, die mit realer Wertsch&#246;pfung reale Einnahmen erzielen. Aber egal, russische Unternehmen sind ja per se verd&#228;chtig, krumme Gesch&#228;fte zu machen.</p>
<p>Warum haben diese Unternehmen eine Dachgesellschaft auf Zypern? Sind es die niedrigen K&#246;rperschaftssteuers&#228;tze? Zum Teil, durch diese Praxis entgeht jedoch dem russischen Fiskus Geld und es ist nicht aktenkundig, dass sich deutsche Politiker bislang je Sorgen &#252;ber die russischen Steuereinnahmen gemacht h&#228;tten. Eine Holding in einem EU-Land wird jedoch auch gerne gegr&#252;ndet, um von der Rechtssicherheit der Europ&#228;ischen Union zu profitieren. Rechtssicherheit? Dieses Argument sollte sp&#228;testens seit dem letzten Wochenende gestrichen werden. Wenn der russische Premier Dmitri Medwedew <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/38/38779/1.html">sagt</a>, Russland bem&#252;he sich, „ein normales Unternehmerklima zu schaffen“, w&#228;hrend ihn die verabschiedete zypriotische Bankenabgabe an die Sowjetzeit erinnere, als man beim Geldtausch „nur einen Teil“ zur&#252;ckbekam, kann man ihm wohl schwerlich widersprechen. Frau Merkel sollte sich k&#252;nftig sehr gut &#252;berlegen, ob sie Russland ermahnen sollte, die Rechtstaatlichkeit und vor allem die Rechtssicherheit f&#252;r Investoren zu verbessern. Dies k&#246;nnte in Moskau als schlechter Witz verstanden werden.</p>
<p>Und bevor wir nun den Russen Vorw&#252;rfe wegen „ihrer“ Holdinggesellschaften auf Zypern machen: Wie sieht es denn bei der Speerspitze der deutschen Unternehmen aus? Es gibt wohl kein Dax-Unternehmen, das keine Niederlassung in einer der Steueroasen der westlichen Hemisph&#228;re <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16451#h02">h&#228;tte</a>. Keine gr&#246;&#223;ere deutsche Bank kommt ohne Niederlassung in fragw&#252;rdigen Inselstaaten aus. Oder meinen Sie, die Deutsche Bank sei wegen des maritimen Klimas auf Guernsey, Jersey, Mauritius und den Cayman Islands <a href="http://www.dboffshore.com/page.php?title=ab_office_addresses">vertreten</a>? Was bei deutschen Unternehmen die kreative Nutzung des internationalen Steuerwettbewerbs ist, ist bei russischen Unternehmen Schattenwirtschaft, Geldw&#228;sche und Steuerhinterziehung. So einfach kann man es sich nat&#252;rlich auch machen. Sicher, man kann und muss den russischen Unternehmen, die mit Steuertricks den russischen Fiskus sch&#228;digen, Vorw&#252;rfe machen. Wenn diese Vorw&#252;rfe von deutschen Politikern kommen, sollte jedoch die Frage gestattet sein, was eben diese Politiker gegen die Steuertricks deutscher Unternehmen machen, die den deutschen Fiskus sch&#228;digen. Laut Bibel fragte schon Jesus: „Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken im eigenen Auge aber nimmst du nicht wahr?“</p>
<p>Weil Zypern ein Magnet f&#252;r russische Investitionen (im Journalistendeutsch: „Geldw&#228;sche“) ist, weigern sich nun die deutschen Regierungsparteien im Einklang mit der SPD, der Republik Zypern Mittel aus dem Rettungsschirm ESM zur Verf&#252;gung zu stellen. W&#252;rden unsere „brutalstm&#246;glichen Aufkl&#228;rer“ in Berlin auch ESM-Gelder verweigern, wenn es um die Gelder der Damen Springer, Mohn und Klatten ginge? Wohl kaum. Die deutsche Regierung wagte es ja noch nicht einmal, die kleine Mittelstandsbank IKB pleitegehen zu lassen, weil die Gl&#228;ubiger zum who is who des deutschen Finanzadels geh&#246;rten. Und wie Harald Schumann j&#252;ngst <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16308#h01">herausfand</a>, ist es das Schema der gesamten „Eurorettung“, Gl&#228;ubiger vor Verlusten zu sch&#252;tzen. Sch&#246;n und gut, dann kann man bei Zypern ja anfangen, dieses Schema zu &#228;ndern? Nein, denn im Falle Zypern geht es ja eben nicht um die Gl&#228;ubiger, sondern um die Kunden der Banken. Von einer Teilenteignung der Bankkunden war weder bei der IKB, der HRE oder jeder anderen abgewickelten Bank der Eurozone je die Rede – und die zypriotischen Banken, um die es geht, sind noch nicht einmal in Abwicklung. Sie haben offenbar nur das „Pech“, dass ihre Kunden die „falsche“ Herkunft haben. </p>
<p>Klar, da wird mit zweierlei Ma&#223; gemessen. Aber die Zyprioten sollen sich doch bitte nicht beschweren, schlie&#223;lich sind sie es ja, die nichts dagegen getan haben, die „falschen“ Kunden anzuziehen. Ist das so? Nein, auf dem <a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/PDF2Info_Steuergerechtigkeit_Der-Schattenfinanzindex_2011.pdf">Schattenfinanzindex der NGO „Tax Justice Network“ [PDF - 373 KB]</a> rangiert Zypern auf Platz 20 im Mittelfeld, w&#228;hrend Deutschland auf Platz 9 zur Top Ten der Schattenfinanzpl&#228;tze z&#228;hlt. Es ist kein Zufall, dass ein gro&#223;er Teil der „Gaddafi-Milliarden“ ausgerechnet in Deutschland <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/diktatoren-milliarden-deutschland-sperrt-gaddafis-konten-a-750058.html">gefunden wurde</a>. Zypern kann zudem darauf verweisen, dass es die Anti-Geldw&#228;sche-Vorgaben der OECD <a href="http://www.ft.com/intl/cms/s/0/d4024b44-60c8-11e2-b85b-00144feab49a.html#axzz2IWLBcdrf">offenbar</a> komplett umgesetzt hat. Deutschland hat von den 49 Punkten bislang nur f&#252;nf umgesetzt. Aber wen interessieren schon Fakten? Wir wissen ja schlie&#223;lich alle: Der Russe ist ein b&#246;ser Oligarch, der Zypriot ein Geldw&#228;scher und wir sind die Musterknaben in allen denkbaren Disziplinen. Die Welt muss uns lieben.<img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/573812ec08764fd0bb0ae4c628a11278" width="1" height="1" alt=""></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16578&amp;md5=da30273c548bd5cff18a5068a1c65764" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Was ist eigentlich ein „Oligarch“? Das Oxford Dictionary definiert den Begriff folgenderma&#223;en: Ein sehr reicher Gesch&#228;ftsmann mit gro&#223;em politischen Einfluss. Nun, nach dieser Definition w&#228;ren auch die Damen Springer, Mohn (Bertelsmann) und Klatten (BMW) Oligarchinnen. Macht nun etwa auch die Deutsche Bank AG, bei der die Axel Springer AG ihre Konten f&#252;hrt, Gesch&#228;fte mit Oligarchen? W&#228;re es legitim, der Deutschen Bank AG vorzuschreiben, von heute auf morgen &#8211; ohne Gesetz, ohne Prozess und ohne Verhandlung &#8211; zehn Prozent der Einlagen von Frau Springer zu konfiszieren? Schlie&#223;lich handelt es sich doch um „Oligarchengelder“. 
Was w&#228;re die Reaktion der deutschen Regierung, wenn ein Staat, nennen wir ihn Liechtenstein, mit dieser Begr&#252;ndung deutsche Staatsgeh&#246;rige teilenteignen w&#252;rde? Steinbr&#252;cks „Kavallerie“ k&#246;nnte dann wohl Realit&#228;t werden. Nun ist Liechtenstein aber kein Staat, der etwas gegen Oligarchengelder, egal aus welchem Land, h&#228;tte. So was machen ja bekanntlich nur linke Populisten wie Hugo Chavez oder Evo Molarez &#8230; und europ&#228;ische Finanzminister, jedoch nur dann, wenn die „Opfer“ nicht aus ihren eigenen L&#228;ndern, sondern aus Russland kommen.
25 Mrd. Euro – so h&#246;rt man – sollen russische Oligarchen auf der Mittelmeerinsel Zypern „bunkern“. Ja, Russen „bunkern“, wenn Deutsche, Briten oder Amerikaner Gelder verschieben, dann „investieren“ sie – ein kleiner, aber feiner Unterschied. Es ist richtig, zahlreiche russische Gesch&#228;ftsm&#228;nner, die man als Oligarchen bezeichnen k&#246;nnte, kontrollieren &#252;ber zypriotische Holdinggesellschaften ihre russischen Konzerne. Dazu geh&#246;ren mit Novolipetsk Steel und Severstal zwei der weltgr&#246;&#223;ten Stahlkonzerne, mit Norilsk Nickel eines der weltgr&#246;&#223;ten Bergbauunternehmen und mit Gazprom und Lukoil zwei der weltgr&#246;&#223;ten Energieunternehmen. Alles nur Geldw&#228;sche? Im Vergleich zur Deutschen Bank wirken diese Unternehmen geradezu wie ein Musterbeispiel f&#252;r Unternehmen, die mit realer Wertsch&#246;pfung reale Einnahmen erzielen. Aber egal, russische Unternehmen sind ja per se verd&#228;chtig, krumme Gesch&#228;fte zu machen.
Warum haben diese Unternehmen eine Dachgesellschaft auf Zypern? Sind es die niedrigen K&#246;rperschaftssteuers&#228;tze? Zum Teil, durch diese Praxis entgeht jedoch dem russischen Fiskus Geld und es ist nicht aktenkundig, dass sich deutsche Politiker bislang je Sorgen &#252;ber die russischen Steuereinnahmen gemacht h&#228;tten. Eine Holding in einem EU-Land wird jedoch auch gerne gegr&#252;ndet, um von der Rechtssicherheit der Europ&#228;ischen Union zu profitieren. Rechtssicherheit? Dieses Argument sollte sp&#228;testens seit dem letzten Wochenende gestrichen werden. Wenn der russische Premier Dmitri Medwedew sagt, Russland bem[...]</itunes:summary>
		<itunes:keywords>Audio-Podcast, Finanzkrise</itunes:keywords>
		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Neoliberale Meinungsmache – die alten, b&#246;sen Lieder wollen nicht verstummen</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Mar 2013 10:31:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Strategien der Meinungsmache]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer geglaubt hat, die Zunft der neoliberalen Meinungsmacher h&#228;tte auch nur klitzekleine Lehren aus der fortw&#228;hrenden Eurokrise gezogen, musste sich in den letzten Tagen wohl von der d&#252;steren Realit&#228;t eines Besseren belehren lassen. In einem sorgsam choreographierten Tremolo prasselte am Wochenende ein ganzer Gewitterregen mit neoliberalen Forderungen auf uns ein: Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters, Kombil&#246;hne, Lockerung [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Wer geglaubt hat, die Zunft der neoliberalen Meinungsmacher h&#228;tte auch nur klitzekleine Lehren aus der fortw&#228;hrenden Eurokrise gezogen, musste sich in den letzten Tagen wohl von der d&#252;steren Realit&#228;t eines Besseren belehren lassen. In einem sorgsam choreographierten Tremolo prasselte am Wochenende ein ganzer Gewitterregen mit neoliberalen Forderungen auf uns ein: Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters, Kombil&#246;hne, Lockerung des K&#252;ndigungsschutzes, Aush&#246;hlung der Renten- und Krankenversicherung und die St&#228;rkung des Niedriglohnsektors. Die alten, b&#246;sen Lieder wurden nicht zu Grabe getragen, sondern erfreuen sich p&#252;nktlich zu Beginn des Wahlkampfs gr&#246;&#223;ter Vitalit&#228;t. Und ihre Interpreten sind die altbekannten: Sowohl die Bertelsmann-Stiftung, das Institut zur Zukunft der Arbeit, das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut und die Initiative Neue Soziale Markwirtschaft stehen bereits mit frischen „Studien“ in den Startl&#246;chern. Von <strong>Jens Berger</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
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<p><em>Eine vollst&#228;ndige Liste mit allen vertonten Beitr&#228;gen der NachDenkSeiten finden Sie in unserem <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?cat=107">Podcastverzeichnis</a>. Der Audiopodcast ist auch mit geeigneter Software als <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?feed=audiopodcast">RSS-Feed</a> verf&#252;gbar und kann auch kostenlos &#252;ber den iTunes-Store <a href="https://itunes.apple.com/de/podcast/nachdenkseiten-die-kritische/id605750505?l=de">abonniert</a> werden.</em></p>
<p><strong>Das Lied vom zu niedrigen Renteneintrittsalter</strong></p>
<p>Es ist, als bef&#228;nde man sich in einer Zeitschleife. Die Bertelsmann-Stiftung prophezeit in einer aktuellen Studie die <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/alarmierende-studie-rentensystem-vor-der-kernschmelze/7908096.html">„Kernschmelze“ des Rentensystems</a> und empfiehlt der Politik, das Renteneintrittsalter auf mindestens 69 Jahre zu erh&#246;hen. Ins gleiche Horn blies am Wochenende Bernd Zimmermann vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), der die Rente mit 70 f&#252;r „unabdingbar“ <a href="http://www.wallstreet-online.de/nachricht/5110590-agenda-2020-top-oekonomen-warnen-gefaehrlicher-reformmuedigkeit">h&#228;lt</a>. Man f&#252;hlt sich, als sei man in einer Zeitschleife gefangen, in der mit immer den gleichen, falschen Argumenten immer absurdere „Reformen“ gefordert werden.</p>
<p>War gestern die Rente mit 67 „unabdingbar“, ist es heute die Rente mit 70. Die immer gleichen, falschen Argumente wurden schon von Albrecht M&#252;ller in seinem 2004 erschienenen Buch <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?page_id=15671">„Die Reforml&#252;ge“</a> widerlegt und die dazugeh&#246;rige <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?cat=39">Rubrik auf den NachDenkSeiten</a> enth&#228;lt mittlerweile dutzende Beitr&#228;ge zum Thema. Das hat die Protagonisten f&#252;r eine Rentenk&#252;rzung, die mit dem Begriff „Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters“ kaschiert wird, jedoch nicht beeindruckt. Schon in wenigen Jahren werden Bertelsmann, IZA und Co. sicher die Rente mit 75 mit exakt der gleichen Begr&#252;ndung f&#252;r „unabdingbar“ halten und zur Agenda 2030 blasen. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass die Rentenkassen momentan derart prall gef&#252;llt sind, dass die schwarz-gelbe Koalition im kommenden Jahr die Rentenbeitr&#228;ge <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16481#h11">senken will</a>. Diejenigen, die stets die alten, b&#246;sen Lieder singen, waren schon immer jedem besseren Argument gegen&#252;ber verschlossen.</p>
<p><strong>Das Lied vom sch&#228;dlichen Mindestlohn</strong></p>
<p>Die Rolle des Tenors im aktuellen Agenden-Chor <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/christoph-schmidt-chef-der-wirtschaftsweisen-gegen-mindestloehne-12106266.html">nimmt</a> heute der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt ein. Neben einer Senkung der Renten pl&#228;diert der neoliberale &#214;konom auch f&#252;r eine weitere „Lockerung“ des K&#252;ndigungsschutzes und eine Senkung des Arbeitsgeberbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung. Das sagt Schmidt nat&#252;rlich nicht direkt, er spricht diplomatischer von einer „prozentualen Beteiligung der Patienten an den Kosten“, was schlussendlich jedoch auf ein und dasselbe hinausl&#228;uft. </p>
<p>Besonders angetan hat es Schmidt die Diskussion um den Mindestlohn, den er f&#252;r eine „gro&#223;e Gefahr“ h&#228;lt. Die alten, b&#246;sen Lieder, die immer gleiche alte Leier. Schon vor vier Jahren <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4113#h02">kommentierte</a> einer unserer Leser in den Hinweisen des Tages einen Gastartikel von Schmidt zum selben Thema mit dem Satz: „Deutsche Neoliberale haben nichts Neues zu melden. Im besagten Artikel kann man wieder die ganze verstaubte Litanei der Immergestrigen lesen“. Dem ist wenig hinzuzuf&#252;gen, au&#223;er das SPIEGEL Online diese verstaubte Litanei auch heute noch heute noch willig verbreitet und den Vorbeter dieser Litanei <a href="http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,887907,00.html">mit dem Pr&#228;dikat „Top-&#214;konom“ ausschm&#252;ckt</a>. Vor vier Jahren fragte sich Albrecht M&#252;ller – auch am Fallbeispiel Christoph Schmidt &#8211; <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=3751">auf den NachDenkSeiten</a>, ob wir denn „ohne eine Art Kulturrevolution die Plage der herrschenden &#214;konomen nicht loswerden“. Diese Frage muss man sich auch heute noch stellen und wahrscheinlich werden wir uns diese Frage auch noch in einigen Jahren stellen. Schmidt hat sich erwartungsgem&#228;&#223; als fakten- und lernresistent erwiesen und die „Journalisten“, die ihm stetig eine B&#252;hne f&#252;r seine Litaneien bieten, scheinen ebenfalls eine hartn&#228;ckige Plage zu sein. Auch wenn es heutzutage <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=16360#h07">dutzende Studien aus der gesamten Welt gibt</a>, die Schmidts Thesen zum Mindestlohn ad absurdum f&#252;hren, besitzen solch neoliberale Meinungsmacher immer noch die Lufthoheit &#252;ber den Stammtischen der selbsternannten Qualit&#228;tsmedien. </p>
<p><strong>Das Lied von Subventionen f&#252;r den Niedriglohnsektor</strong></p>
<p>Und wenn der Chor einmal wieder die alten, b&#246;sen Lieder intoniert, d&#252;rfen nat&#252;rlich auch nicht die wackeren S&#228;ngerknaben vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) fehlen. Die stimmten unisono am Wochenende wieder einmal ihr altbekanntes Klagelied an, nach dem Hartz-IV-Empf&#228;nger „kaum finanzielle Anreize“ h&#228;tten, die Erwerbslosigkeit zu verlassen. Von einem angemessenen Mindestlohn, der dieses vermeintliche Problem mit einem einzigen Handschlag aus der Welt schaffen w&#252;rde, wollen die Totengr&#228;ber der sozialen Marktwirtschaft freilich nichts wissen. Stattdessen <a href="http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323826704578352010314327662.html">schlagen sie</a> – wie schon zig Male zuvor – Kombil&#246;hne und Lohnsubventionen vor. </p>
<p>Der Steuerzahler soll also Arbeitgeber, die es nicht f&#252;r n&#246;tig halten, ihren Mitarbeitern einen menschenw&#252;rdigen Lohn zu zahlen, auch noch bezuschussen? Diese Idee, die eigentlich jedem halbwegs Vernunftbegabten nur ein Kopfsch&#252;tteln abringen sollte, hat Albrecht M&#252;ller auf den NachDenkSeiten <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=1417">bereits vor sieben Jahren</a> entsprechend kommentiert. In der neoliberalen Meinungsmache scheint jedoch die Regel zu gelten: Je d&#252;mmer eine Idee ist, desto begeisterter wird sie von den Medien aufgenommen. Um die Flamme der &#246;konomischen Unvernunft nicht erl&#246;schen zu lassen, haben HWWI und INSM nun <a href="http://insm.de/insm/Presse/Pressemeldungen/Pressemitteilung-Agenda-2010.html">eine weitere „Studie“ zu diesem Thema</a> ver&#246;ffentlicht. Muss man da gespannt sein? Nein, es wird der gleiche alte Wein in neuen Schl&#228;uchen sein. Die alten, b&#246;sen Lieder werden hierzulande wohl nie zu Grabe getragen werden.</p>
<blockquote><p><em>Die alten, b&#246;sen Lieder,<br />
Die Tr&#228;ume schlimm und arg,<br />
Die la&#223;t uns jetzt begraben,<br />
Holt einen gro&#223;en Sarg.</em><br />
Heinrich Heine</p></blockquote>
<p>Links aus der Lobbypedia zu den im Artikel genannten Personen und Institutionen:</p>
<ul>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Christoph_M._Schmidt">Christoph M. Schmidt</a></li>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Klaus_F._Zimmermann">Klaus F. Zimmermann</a></li>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Bertelsmann_Stiftung">Bertelsmann Stiftung</a></li>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Hamburgisches_WeltWirtschaftsInstitut">Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut</a></li>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft">Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft</a></li>
<li><a href="https://lobbypedia.de/wiki/Forschungsinstitut_zur_Zukunft_der_Arbeit">Institut zur Zukunft der Arbeit</a></li>
</ul>
<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e3c200fd503b47a3abf89f3acfd5b13e" width="1" height="1" alt="" /></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16501&amp;md5=ff44b221b0b5b7e7e25f17155bf1b661" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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Das Lied vom zu niedrigen Renteneintrittsalter
Es ist, als bef&#228;nde man sich in einer Zeitschleife. Die Bertelsmann-Stiftung prophezeit in einer aktuellen Studie die „Kernschmelze“ des Rentensystems und empfiehlt der Politik, das Renteneintrittsalter auf mindestens 69 Jahre zu erh&#246;hen. Ins gleiche Horn blies am Wochenende Bernd Zimmermann vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), der die Rente mit 70 f&#252;r „unabdingbar“ h&#228;lt. Man f&#252;hlt sich, als sei man in einer Zeitschleife gefangen, in der mit immer den gleichen, falschen Argumenten immer absurdere „Reformen“ gefordert werden.
War gestern die Rente mit 67 „unabdingbar“, ist es heute die Rente mit 70. Die immer gleichen, falschen Argumente wurden schon von Albrecht M&#252;ller in seinem 2004 erschienenen Buch „Die Reforml&#252;ge“ widerlegt und die dazugeh&#246;rige Rubrik auf den NachDenkSeiten enth&#228;lt mittlerweile dutzende Beitr&#228;ge zum Thema. Das hat die Protagonisten f&#252;r eine Rentenk&#252;rzung, die mit dem Begriff „Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters“ kaschiert wird, jedoch nicht beeindruckt. Schon in wenigen Jahren werden Bertelsmann, IZA und Co. sicher die Rente mit 75 mit exakt der gleichen Begr&#252;ndung f&#252;r „unabdingbar“ halten und zur Agenda 2030 blasen. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass die Rentenkassen momentan derart prall gef&#252;llt sind, dass die schwarz-gelbe Koalition im kommenden Jahr die Rentenbeitr&#228;ge senken will. Diejenigen, die stets die alten, b&#246;sen Lieder singen, waren schon immer jedem besseren Argument gegen&#252;ber verschlossen.
Das Lied vom sch&#228;dlichen Mindestlohn
Die Rolle des Tenors im aktuellen Agenden-Chor nimmt heute der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt ein. Neben einer Senkung der Renten pl&#228;diert der neoliberale &#214;konom auch f&#252;r eine weitere „Lockerung“ des K&#252;ndigungsschutzes und eine Senkung des Arbeitsgeberbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung. Das sagt Schmidt nat&#252;rlich nicht direkt, er spricht diplomatischer von einer „prozentualen Beteiligung der Patienten an den Kosten“, was schlussendlich jedoch auf ein und dasselbe hinausl&#228;uft. 
Besonders angetan hat es Schmidt die Diskussion um den Mindestlohn, den er f&#252;r eine „gro&#223;e Gefahr“ h&#228;lt. Die alten, b&#246;sen Lieder, die immer gleiche alte Leier. Schon vor vier Jahren kommentierte einer unserer Leser in den Hinweisen des Tages einen Gastartikel von Schmidt zum selben Thema mit dem Satz: „Deutsche Neoliberale haben nichts Neues zu melden. Im besagten Artikel kann man wieder die ganze verstaubte Litanei der Immergestrigen lesen“. Dem ist[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Br&#252;derle: &#8220;Wir &#252;berlassen unser Land nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen&#8221;</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16471</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16471#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 Mar 2013 07:58:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Was der Parteivorsitzende und vor allem der Spitzenkandidat in ihren Reden boten, war nicht einmal kabarett- sondern &#8211; im schlechten Sinne &#8211; comedy-reif. Dem Zuschauer, der nun nicht gerade der „Ultra-Szene“ der FDP angeh&#246;rt, m&#252;ssen die Ansammlung von Kalauern den Angstschwei&#223; &#252;ber das Niveau der politischen Auseinandersetzung im bevorstehenden Wahlkampf auf die Stirn getrieben haben. [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Was der Parteivorsitzende und vor allem der Spitzenkandidat in ihren Reden boten, war nicht einmal kabarett- sondern &#8211; im schlechten Sinne &#8211; comedy-reif. Dem Zuschauer, der nun nicht gerade der „Ultra-Szene“ der FDP angeh&#246;rt, m&#252;ssen die Ansammlung von Kalauern den Angstschwei&#223; &#252;ber das Niveau der politischen Auseinandersetzung im bevorstehenden Wahlkampf auf die Stirn getrieben haben. Die Reden &#228;hnelten eher Aufputschritualen einer ver&#228;ngstigten Horde von Fu&#223;ballfans, deren Verein im Abstiegskampf steht und die sich mit Hassges&#228;ngen auf den politischen Gegner Mut einzubl&#228;uen versuchte.<br />
Das ganze Armutszeugnis der FDP zeigt sich darin, dass R&#246;sler, der auf diesem Parteitag eigentlich abges&#228;gt werden sollte, mangels Alternative, wieder zum Hoffnungstr&#228;ger hochgejubelt und dass der Meuchelm&#246;rder Br&#252;derle, ein wegen seiner Zoten wochenlang untergetauchter Eigentorsch&#252;tze, zur „Sturmspitze“ umetikettiert wurde. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong>.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
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</p>
<p>Ich habe mir das tats&#228;chlich angetan und den vorgezogenen Parteitag der FDP in der K&#228;seglocke Berlin auf Phoenix angeschaut. Ich habe mir vorgestellt, wie das Kasperletheater, das R&#246;sler und Br&#252;derle vor einer Ansammlung von Claqueuren auff&#252;hrten, auf einen normalen Menschen wirken muss. Mir ist dabei eine Kritik des fr&#252;heren Bundespr&#228;sidenten Richard von Weizs&#228;cker durch den Kopf gegangen, n&#228;mlich dass die Parteien „machtversessen“ auf einen Wahlerfolg und „machtvergessen“ im Hinblick auf die Inhalte von Politik seien. Das scheint mir in besonderem Ma&#223;e auf die FDP zuzutreffen. Soviel Umarmungen mit dem Dolch im Gewande gab es selten auf einem Parteitag. Statt inhaltlichem Programm billige Kalauer &#252;ber die politischen Gegner:     </p>
<p>Die Gr&#252;nen wollten den „Obrigkeitsstaat nicht mit der Pickelhaube sondern auf Birkenstock-Sandalen“. Die SPD plane eine „Steuererh&#246;hungsorgie“ und damit einen „Anschlag auf die Mitte unserer Gesellschaft“. Die CDU sei beim „Kampf gegen Mehrbelastungen schon l&#228;ngst umgefallen“. Solche Phrasen drosch R&#246;sler. St&#228;ndig reklamierte er f&#252;r sich und seine Partei, dass sie sich als einzige der „Lebenswirklichkeit“ stelle, dabei merkten er und der auf Applaus programmierte Saal nicht einmal mehr, dass sie sich von dieser Wirklichkeit Lichtjahre entfernt haben. Offenbar fiel gar nicht mehr auf, wenn einfache logische Widerspr&#252;che in eine politische Aussage gepackt wurden. So etwa wenn R&#246;sler auf die „Lebenswirklichkeit“ hinwies, dass es in bestimmten Regionen und Branchen gar keine Tarifpartner mehr zum Aushandeln von Tarifvertr&#228;gen &#252;ber L&#246;hne mehr gebe. Und dennoch will er das Aushandeln von L&#246;hnen diesen nicht mehr vorhandenen Tarifpartnern &#252;berlassen. Leistung m&#252;sse sich eben wieder lohnen, wiederholte er zum hunderttausendsten Mal. Wir w&#252;rden den Kindern etwas nehmen, wenn man das Sitzenbleiben in der Schule abschaffte, n&#228;mlich Niederlagen durch Flei&#223; in einen Sieg zu verwandeln. R&#246;sler war sogar stolz darauf, dass die Kanzlerin die FDP als „eine Pr&#252;fung Gottes“ karikiert hat. „Daf&#252;r sind wir da“, sagte er und fand sich dabei sichtlich witzig. „Frei zu denken und frei zu handeln“, das sei seine und der Partei &#220;berzeugung. Offenbar selbst dann, wenn das Denken und Handeln absolut sinnfrei ist: „Deutschland geht es gut, den Menschen geht es gut“. Vielleicht deshalb, weil eine solche Rede offenbar auch von der versammelten Berichterstattung nicht mit Hohngel&#228;chter aufgenommen wird, kann R&#246;sler das Gef&#252;hl haben, dass „Deutschland das coolste Land“ ist. Die Zeit verleiht ihm daf&#252;r sogar <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-03/roesler-fdp-parteitag">das Lob eines „witzigen Rhetorikers“</a>. Um bei den Jugendlichen besser anzukommen, sollte er sich vielleicht noch steigern und beim n&#228;chsten Mal vom „geilsten“ Land reden. </p>
<p>Wenn man denkt, das Niveau kann nicht mehr weiter sinken, dann kommt Zoten-Br&#252;derle:</p>
<p>Die FDP sei „das Kompetenzzentrum der Bundesregierung“, „wir haben das gemacht!“. „Ohne Eurokrise h&#228;tten wir Vollbesch&#228;ftigung“, wir brauchten keinen Mindestlohn, die FDP sei schlie&#223;lich f&#252;r das „B&#252;rgergeld“, die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften vereinnahmte er zu „b&#252;rgerlichen Paaren im besten Sinne des Wortes“, das „Streben nach Gl&#252;ck“ &#228;ndere sich nicht mit dem 65. oder 67. Lebensjahr, deshalb soll jeder Deutsche so lange arbeiten d&#252;rfen, wie er m&#246;chte. Die „Generation Silberlocke mit iPad“ tr&#228;ume nicht vom Ruhestand. Die Gr&#252;nen seien eine sp&#228;te Vereinigung von „Marx und Morgenthau“, sie seien „Bionade-Biedermeier“. Die Schweizer mit ihrer Abzocker-Initiative, das sei „FDP pur“. Rot-Rot-Gr&#252;n wolle die „Lufthoheit &#252;ber die Kinderbetten“,  „einmal DDR war genug“. Steinbr&#252;ck sei ein „Sprachroboter“ der Linken in der SPD, der von der „Verelendung“ Deutschlands rede. Steinbr&#252;ck sei dar&#252;ber hinaus eine „Fettn&#228;pfchensuchmaschine Wer gegen deutsche Export&#252;bersch&#252;sse sei, wolle den Mangel umverteilen. Die Opposition hole „die Wohlstandsvernichtungswaffen“ raus, Trittin wolle einen „Mao-Zuschlag“  polemisierte er gegen die Wiedereinf&#252;hrung einer Verm&#246;genssteuer. (An wessen Wohlstand er dabei nur dachte?) </p>
<p>Br&#252;derle hatte wohl Comedy-Gag-Schreiber f&#252;r seine Rede engagiert und dazu noch schlechte. Es sagt alles &#252;ber das Niveau dieses Parteitags, dass die Delegierten krampfhaft nach nahezu jedem Satz begeistert geklatscht haben. Br&#252;derle ist eine selbsternannte „Sturmspitze“, die ein Eigentor nach dem anderen schie&#223;t und seine Fans &#252;berschlagen sich dennoch in minutenlangem Beifall.</p>
<p>Der stern bescheinigte Br&#252;derle, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/fdp-parteitag-roeslers-starker-bruder-heisst-bruederle-1982083.html">dass er Wahlkampf exzellent k&#246;nne</a>.  Wenn das, was er geboten hat, exzellenter Wahlkampf sein soll, dann kann einem bis zum 22. September nur noch grauen. „Da brennt der Baum“ wie Br&#252;derle meinte, also machen wir das kommende halbe Jahr auf „Ballermann“.</p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16471&amp;md5=e8cbfcb8918bc552d9cf7ad774f1cecc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Was der Parteivorsitzende und vor allem der Spitzenkandidat in ihren Reden boten, war nicht einmal kabarett- sondern &#8211; im schlechten Sinne &#8211; comedy-reif. Dem Zuschauer, der nun nicht gerade der „Ultra-Szene“ der FDP angeh&#246;rt, m&#252;ssen die Ansammlung von Kalauern den Angstschwei&#223; &#252;ber das Niveau der politischen Auseinandersetzung im bevorstehenden Wahlkampf auf die Stirn getrieben haben. Die Reden &#228;hnelten eher Aufputschritualen einer ver&#228;ngstigten Horde von Fu&#223;ballfans, deren Verein im Abstiegskampf steht und die sich mit Hassges&#228;ngen auf den politischen Gegner Mut einzubl&#228;uen versuchte.
Das ganze Armutszeugnis der FDP zeigt sich darin, dass R&#246;sler, der auf diesem Parteitag eigentlich abges&#228;gt werden sollte, mangels Alternative, wieder zum Hoffnungstr&#228;ger hochgejubelt und dass der Meuchelm&#246;rder Br&#252;derle, ein wegen seiner Zoten wochenlang untergetauchter Eigentorsch&#252;tze, zur „Sturmspitze“ umetikettiert wurde. Von Wolfgang Lieb.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Ich habe mir das tats&#228;chlich angetan und den vorgezogenen Parteitag der FDP in der K&#228;seglocke Berlin auf Phoenix angeschaut. Ich habe mir vorgestellt, wie das Kasperletheater, das R&#246;sler und Br&#252;derle vor einer Ansammlung von Claqueuren auff&#252;hrten, auf einen normalen Menschen wirken muss. Mir ist dabei eine Kritik des fr&#252;heren Bundespr&#228;sidenten Richard von Weizs&#228;cker durch den Kopf gegangen, n&#228;mlich dass die Parteien „machtversessen“ auf einen Wahlerfolg und „machtvergessen“ im Hinblick auf die Inhalte von Politik seien. Das scheint mir in besonderem Ma&#223;e auf die FDP zuzutreffen. Soviel Umarmungen mit dem Dolch im Gewande gab es selten auf einem Parteitag. Statt inhaltlichem Programm billige Kalauer &#252;ber die politischen Gegner:     
Die Gr&#252;nen wollten den „Obrigkeitsstaat nicht mit der Pickelhaube sondern auf Birkenstock-Sandalen“. Die SPD plane eine „Steuererh&#246;hungsorgie“ und damit einen „Anschlag auf die Mitte unserer Gesellschaft“. Die CDU sei beim „Kampf gegen Mehrbelastungen schon l&#228;ngst umgefallen“. Solche Phrasen drosch R&#246;sler. St&#228;ndig reklamierte er f&#252;r sich und seine Partei, dass sie sich als einzige der „Lebenswirklichkeit“ stelle, dabei merkten er und der auf Applaus programmierte Saal nicht einmal mehr, dass sie sich von dieser Wirklichkeit Lichtjahre entfernt haben. Offenbar fiel gar nicht mehr auf, wenn einfache logische Widerspr&#252;che in eine politische Aussage gepackt wurden. So etwa wenn R&#246;sler auf die „Lebenswirklichkeit“ hinwies, dass es in bestimmten Regionen und Branchen gar keine Tarifpartner mehr zum Aushandeln von Tarifvertr&#228;gen &#252;ber L&#246;hne mehr gebe. Und dennoch will er das Aushandeln von L&#246;hnen diesen nicht mehr vorhandenen Tarifpartnern &#252;berlassen. Leistung m&#252;sse sich eben wieder lohnen, wiederholte er zum hunderttausendsten Mal. Wir w&#252;rden den Kindern etwas nehmen, wenn man das Sitzenbleiben in der Schule abschaffte, n&#228;mlich Niederlagen durch Flei&#223; in einen Sieg zu verwandeln. R&#246;sler war sogar stolz darauf, dass die Kanzlerin die FDP als „eine Pr&#252;fung Gottes“ karikiert hat. „Daf&#252;r sind wir da“, sagte er und fand sich dabei sichtlich witzig. „Frei zu denken und frei zu handeln“, das sei seine und der Partei &#220;berzeugung. Offenbar selbst dann, wenn das Denken und Handeln absolut sinnfrei ist: „Deutschland geht es gut, den Menschen geht es gut“. Vielleicht deshalb, weil eine solche Rede offenbar auch von der versammelten Berichterstattung nicht mit Hohngel&#228;chter aufgenommen wird, kann R&#246;sler das Gef&#252;hl haben, dass „Deutschland das coolste Land“ ist. Die Zeit verleiht ihm daf&#252;r sogar das Lob eines „witzigen Rhetorikers“. Um bei den Jugendlichen besser anzukommen, sollte er sich vielleicht noch steigern und beim n&#228;chsten Mal vom „geilsten“ Land reden. 
Wenn [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Dringend gesucht: Ein/e Stifter/in f&#252;r eine gemeinn&#252;tzige Stiftung zur Recherche von F&#228;llen politischer Korruption</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=16447</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Mar 2013 16:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Aufbau Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Korruption]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 5.3. ist vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG entschieden worden, am Bau von Stuttgart 21 festzuhalten. Gegen alle Vernunft: die Kosten sind schon enorm gestiegen, sie werden weiter steigen; der Bahnhof wird weniger leistungsf&#228;hig als bisher behauptet; das Projekt rentiert sich f&#252;r die Bahn nicht, verkehrspolitisch insgesamt sowieso nicht. Die wahren Gr&#252;nde f&#252;r den [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Am 5.3. ist vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG entschieden worden, am Bau von Stuttgart 21 festzuhalten. Gegen alle Vernunft: die Kosten sind schon enorm gestiegen, sie werden weiter steigen; der Bahnhof wird weniger leistungsf&#228;hig als bisher behauptet; das Projekt rentiert sich f&#252;r die Bahn nicht, verkehrspolitisch insgesamt sowieso nicht. Die wahren Gr&#252;nde f&#252;r den Weiterbau kennen wir nicht. Nach meiner Einsch&#228;tzung ist wie bei der Umstellung auf die private Altersvorsorge und bei der Kommerzialisierung des Fernsehens und bei vielen Privatisierungs- und &#214;PP-Projekten politische Korruption im Spiel. Die Rechercheure in den F&#228;llen Schavan und Guttenberg wie auch die Macher von Wikileaks haben bewiesen, dass mit konsequenter Recherche Licht ins Dunkel gebracht werden kann. Von <strong>Albrecht M&#252;ller</strong></p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16447"></span><br />
</p>
<p>Im konkreten Fall von Stuttgart 21 w&#252;rde es darum gehen zu recherchieren, welche Beziehungen die Bef&#252;rworter wider alle Vernunft, also zum Beispiel die Aufsichtsr&#228;te oder die hartn&#228;ckigen Bef&#252;rworter an der Spitze der SPD in Baden-W&#252;rttemberg, zu den Profiteuren des Projektes haben &#8211; etwa zur Bauwirtschaft, zu den Immobilienverwertern, usw. Es w&#228;re zu recherchieren, wie die Parteienfinanzierung in Baden-W&#252;rttemberg aussieht, konkret, wer bekommt von wem wie viel Geld. Das betr&#228;fe auch die CDU, die Gr&#252;nen, die FDP – nicht nur die SPD.<br />
Es w&#228;re zu recherchieren, in welchem Beziehungs- und Interessengeflecht die Aufsichtsr&#228;te der Deutschen Bahn stecken, die am 5.3.2013 dem Projekt Stuttgart 21 erneut ihren Segen erteilt haben. Es w&#228;re dabei auch zu untersuchen, wie die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu ihrem Ja zu einem inzwischen sichtbar unrentablen Projekt der Bahn gekommen sind. Wenn die Deutsche Bahn AG dieses Fass ohne Boden immer wieder f&#252;llen will, dann wird n&#228;mlich in anderen Bereichen der Bahn das Geld fehlen. Das ist verkehrspolitisch problematisch, es ist aber auch tarifpolitisch belastend. Wie kommen die Kolleginnen und Kollegen der Bahngewerkschaft und die sonstigen Vertreter der Arbeitnehmer zum positiven Votum vom 5. M&#228;rz? Wie sehen ihre Kolleginnen und Kollegen au&#223;erhalb Stuttgarts diese einseitige Konzentration von Mitteln ihres Unternehmens auf ein fragw&#252;rdiges Projekt? Wie erkl&#228;ren sie die Zustimmung ihrer Vertreter im Aufsichtsrat? Usw. </p>
<p>Dieser eine Fall Stuttgart 21 zeigt schon, wie gro&#223; der Untersuchungsbedarf bei solchen politischen Entscheidungen ist. Von einzelnen Journalisten oder oppositionellen Abgeordnete ist kaum zu erwarten, dass sie diese Recherchearbeit leisten. Deshalb die Idee zur Gr&#252;ndung einer Stiftung. Sie k&#246;nnte einen gro&#223;en Beitrag zum Kampf gegen die politische Korruption und damit zur Verbesserung der Qualit&#228;t politischer Entscheidungen leisten.</p>
<p>Stuttgart 21 ist nur ein Fall von Dutzenden, wo zur Aufdeckung politischer Korruption eine gr&#252;ndliche und umfassende Recherche notwendig w&#228;re: </p>
<ol type="A">
<li><strong>Beispiele f&#252;r F&#228;lle politischer Korruption in der Vergangenheit und Gegenwart und Projekte f&#252;r die Recherchen:</strong>
<ol>
<li><strong>Die bewusst betriebene Verringerung der Leistungsf&#228;higkeit der gesetzlichen Rente und die F&#246;rderung der Privatvorsorge &#252;ber Riester-Rente, R&#252;rup-Rente und Entgeltumwandlung zur F&#246;rderung der betrieblichen Altersvorsorge.</strong>
<p>Wenn es schon Ende der neunziger Jahre den Willen und die Mittel zur Untersuchung von F&#228;llen politischer Korruption gegeben h&#228;tte, dann h&#228;tte man schon damals aufmerksam beobachten k&#246;nnen, welches die Motive des Chefs des Finanzdienstleisters AWD Maschmeyer zur Unterst&#252;tzung Gerhard Schr&#246;ders bei der Landtagswahl in Niedersachsen waren, wie es dann zur Entscheidung f&#252;r die Riester-Rente kam, was Riester davon profitiert hat. Man h&#228;tte untersuchen m&#252;ssen, welches die Motive und Schachz&#252;ge der Professoren R&#252;rup und Raffelh&#252;schen in der R&#252;rup-Kommission waren. Man h&#228;tte verfolgen m&#252;ssen, welche Rolle Biedenkopf und Miegel bei der Vorbereitung zur Privatisierung der Altersvorsorge spielten usw.<br />
Dann h&#228;tte man bei vielen Unternehmen pr&#252;fen k&#246;nnen, wer und wie von der betrieblichen Altersvorsorge profitiert, wie zum Beispiel die vielen Vertr&#228;ge der Allianz AG mit Unternehmen zu Stande kamen. Schlie&#223;lich gab es schon sehr fr&#252;h einen Fingerzeig auf die praktische Korruption, als ruchbar wurde, dass der Betriebsratsvorsitzende von Iveco vom Abschluss eines Vertrages zur betrieblichen Altersvorsorge profitiert hat.<br />
Schon alleine dieses eine Thema zeigt, wie gro&#223; das Feld ist, das zur Untersuchung von Korruptionsvorg&#228;ngen beackert werden m&#252;sste.</li>
<li><strong>Die Kommerzialisierung des Fernsehens und des H&#246;rfunks durch die Regierung Kohl nach der Wende von 1982</strong>
<p>Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte sich bis zum Ende seiner Regierungszeit im September 1982 geweigert, &#246;ffentliche Mittel f&#252;r die Vermehrung der Fernsehprogramme und ihre Kommerzialisierung bereitzustellen. Mit der Wende zu Bundeskanzler Helmut Kohl und seinem damaligen Fernmelde- und Postminister Schwarz-Schilling wurden alle Schleusen ge&#246;ffnet und &#246;ffentliches Geld in die Kommerzialisierung der elektronischen Medien gesteckt. Das waren &#246;ffentliche Investitionen vor allem zu Gunsten der beiden Betreiber des Kommerzfernsehens: Bertelsmann mit der RTL Gruppe und Leo Kirch mit Sat 1/ProSieben. Jahre sp&#228;ter, im Jahr 1997, wurde ruchbar, dass Helmut Kohl, Schwarz-Schilling, sein Nachfolger B&#246;tsch und eine Reihe anderer Politiker Beratungsvertr&#228;ge mit Leo Kirch &#252;ber mehrmals 800.000 bzw. 300.000 DM hatten.<br />
Das war ein herausragender Akt politischer Korruption. Die politische Entscheidung zur massiven F&#246;rderung privater Interessen und zu einer sehr fragw&#252;rdigen Ver&#228;nderung unseres Landes hin zu immer mehr Kommerz, wurde den verantwortlichen Politikern nachtr&#228;glich entgolten. Es ist ein typischer Fall von Dreht&#252;reffekt: Im Amt werden politische Entscheidungen zu Gunsten von Privaten getroffen. Diese werden anschlie&#223;end – im konkreten Fall mit gro&#223;em zeitlichen Abstand – entgolten.<br />
Dieser Vorgang h&#228;tte dringend der Untersuchung und der Ver&#246;ffentlichung bedurft. Eine Stiftung zur Untersuchung und zum Kampf gegen die politische Korruption h&#228;tte beides massiv tun m&#252;ssen: die Recherche und die Herstellung von &#214;ffentlichkeit dieses Vorgangs.</p>
<p>Auch eine konkrete Sp&#228;twirkung bed&#252;rfte der Untersuchung: Wie kommt es zum Engagement von Edmund Stoiber f&#252;r SAT 1/ProSieben und insbesondere zu seinem Vorschlag, Stefan Raab in die Kanzlerkandidatenrunde des Fernsehens f&#252;r die Bundestagswahl 2013 einzuschleusen?</li>
<li><strong>Senkung der Steuern f&#252;r Unternehmen und Spitzenverdiener in der Regierungszeit von Helmut Kohl, Gerhard Schr&#246;der und Angela Merkel</strong>
<p>In den neunziger Jahren zu Kanzler Kohls Zeiten und dann nach 1998 bei Gerhard Schr&#246;der und Angela Merkel wurden die Steuern f&#252;r Unternehmen massiv gesenkt bzw. gestrichen: Wegfall der Gewerbekapitalsteuer, Streichung der Verm&#246;gensteuer, Senkung der K&#246;rperschaftsteuer, Senkung des Spitzensteuersatzes. Was haben die Verantwortlichen f&#252;r diese massive und aus meiner Sicht unverantwortliche Steuersenkung bekommen?</li>
<li><strong>Aufl&#246;sung der Deutschland AG, einschlie&#223;lich der steuerlichen F&#246;rderung dieses Schr&#246;der-Projektes.</strong>
<p>Bundeskanzler Schr&#246;der hat die Aufl&#246;sung der Deutschland AG propagiert, so nannte er die massive steuerliche Erleichterung f&#252;r den Verkauf von Beteiligungen einzelner Unternehmen und Banken an anderen Unternehmen bzw. Finanzgruppen. Infolgedessen sind mehrere 1000 deutsche Unternehmen und Kapitalbeteiligungen verkauft worden – meist mit unmittelbaren und mittelbaren Folgen f&#252;r die Besch&#228;ftigten dieser Unternehmen. Typische Beispiele sind M&#228;rklin, Beiersdorf, Boss. Wer von den involvierten Politikerinnen und Politikern hat wie von diesen Entscheidungen profitiert?<br />
Die Steuerbefreiung beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen gibt es immer noch – eine unverst&#228;ndliche Zur&#252;ckhaltung der Politik in einer Zeit, wo alle Welt von Sparen und Konsolidierung der &#246;ffentlichen Haushalte redet. Warum gibt es diese Steuerbefreiung immer noch?</li>
<li><strong>Erleichterung von Leiharbeit und Minijobs</strong>
<p>Im letzten Jahrzehnt sind die rechtlichen Voraussetzungen daf&#252;r geschaffen worden, dass in Deutschland die Leiharbeit und der Niedriglohnsektor messbar ausgebaut wurden. Wie sind diese Entscheidungen zu Stande gekommen? Wer war daf&#252;r verantwortlich und wer hat davon profitiert? Wir wissen, dass der Superminister f&#252;r Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement an den Entscheidungen beteiligt war und dass er nach seiner Amtszeit f&#252;r eine der gr&#246;&#223;ten Leiharbeitsfirmen t&#228;tig ist. Aber wir w&#252;rden gerne zu seinem Wirken und zum Wirken anderer Personen mehr wissen.</li>
<li><strong>Die Entstehungsgeschichte von Agenda 2010, Hartz IV usw.</strong>
<p>Sie liegt auch 10 Jahre sp&#228;ter noch ziemlich im Dunkeln.</li>
<li><strong>Wie kam es zur &#252;berraschenden Mehrwertsteuererh&#246;hung um 3 % nach der Wahl von 2005, als die SPD im Wahlkampf gegen die so genannte Merkel-Steuer Stimmung machte, also gar keine Mehrwertsteuererh&#246;hungen wollte, und die CDU/CSU eigentlich nur um 2 % erh&#246;hen wollte?</strong>
<p>Welche Rolle spielte der damalige Bundesfinanzminister und heutige Spitzenkandidat der SPD Peer Steinbr&#252;ck?</li>
<li><strong>Einfluss der Finanzwirtschaft auf die Politik</strong>
<ul>
<li>Warum wurden bei uns alle Banken als systemrelevant betrachtet?</li>
<li>Rettung der IKB und Rettung der HRE. Wie kam es zur &#246;ffentlichen Rettung von Spekulanten und zulasten der Steuerzahler?</li>
<li>Wie ist das Zusammenspiel von Finanzwirtschaft und Medien zu erkl&#228;ren? Warum die B&#246;rsensendung zur besten Sendezeit bei ARD?</li>
<li>Einfluss von Goldman Sachs? Wie konnte ein Goldman Sachs-Berater Vorsitzender der Kommission werden, die die Regeln zur Kontrolle der Finanzm&#228;rkte erarbeiten sollte?</li>
<li>Wie kam es zur Finanzkasino-freundlichen Koalitionsabrede von 2005?</li>
<li>Der Bankenrettungsfonds hat nach neuen Meldungen 100 Millionen f&#252;r Berater bezahlt. Ein unglaublicher Vorgang, der der Untersuchung und der Publizit&#228;t bed&#252;rfte.</li>
</ul>
</li>
<li><strong>Die F&#246;rderung von &#214;PP/PPP-Projekten</strong>
<p>Im Zuge der Tendenz, &#246;ffentliche Einrichtungen zu privatisieren kam man zur &#220;berwindung erkennbaren Widerstandes gegen Privatisierung auf die Idee, die Privatisierung zun&#228;chst in &#246;ffentlich-privaten Partnerschaften zu propagieren und zu betreiben. Dazu wurde eine eigene Stelle im Bundesministerium f&#252;r Verkehr und Bau eingerichtet. Wer war daf&#252;r verantwortlich? Wer hat zu diesem Zweck kooperiert und geschmiert?<br />
Wie kam es zur beschleunigten Durchsetzung des so genannten &#214;PP-Beschleunigungsgesetz noch kurz vor dem Wahltermin im Jahr 2005?</li>
<li><strong>Die Privatisierung von Kliniken</strong>
<p>Nur ein kleines Detail aber ein Fingerzeig vermutlich auch f&#252;r andere F&#228;lle: Unternehmensberater Roland Berger ist nicht nur Unternehmensberater, sondern auch Profiteur der Privatisierung von Kliniken. Siehe <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=10989">hier</a>.</li>
<li><strong>Die Privatisierung von Stadtwerken, Wasserwerken, Wohnungsbest&#228;nden und anderen &#246;ffentlichen Eigentums</strong>
<p>Hier w&#228;ren konkrete F&#228;lle zu untersuchen gewesen oder noch zu untersuchen: die Teilprivatisierung der Wasserversorgung in Berlin zum Beispiel, die Privatisierung der Eisenbahnerwohnungen zum Beispiel, die Privatisierung der Wohnungen der Stadt Dresden, die Privatisierung von EnBW und die Wieder&#252;bernahme in &#246;ffentliche Regie, die Absicht, die Deutsche Bahn AG zu privatisieren.<br />
Die Privatisierung der Wasserversorgung in Berlin ist ein besonderes Beispiel f&#252;r die Notwendigkeit, Kapazit&#228;t zur Untersuchung und zur Herstellung einer breiteren &#214;ffentlichkeit von solchen Vorg&#228;ngen m&#246;glich zu machen. Die Privatisierung war damals n&#228;mlich der &#246;ffentlichen Beurteilung entzogen durch den geschickten Schachzug, die Vertr&#228;ge zur Geheimsache zu erkl&#228;ren.<br />
Eine interessante Einzelheit in diesem Zusammenhang: wer sind die gro&#223;en Privatisierungsinteressenten? Welche Rolle spielt die franz&#246;sische Gesellschaft Violia, die sowohl bei der Privatisierung der Wasserversorgung als auch bei der Privatisierung von Schienenverkehr im Spiel ist? Hat dieses Unternehmen Einfluss auf die Partei der Gr&#252;nen? Welchen? Wer sind die PR-Berater dieses Unternehmens und wie sind sie mit wichtigen Medien vernetzt?</li>
<li><strong>Wieso ist die Privatisierung Teil des Forderungskatalogs von EU, IMF und EZB gegen&#252;ber den in Wirtschaftskrisen befindlichen Staaten Europas?</strong>
<p>Wer sind die Profiteure? Wer ist f&#252;r die politischen Entscheidungen verantwortlich und vermutlich Profiteur der Entscheidungen?</li>
<li><strong>Der Einfluss der Pharmaindustrie auf politische Entscheidungen</strong></li>
<li><strong>Welche Rolle spielt die R&#252;stungsindustrie in der &#246;ffentlichen Debatte mit dem Ziel, milit&#228;rische Interventionen zur Normalit&#228;t zu erkl&#228;ren?</strong>
<p>Inwieweit steckt die R&#252;stungsindustrie und/oder die NATO hinter Out of area Eins&#228;tzen der Bundeswehr?<br />
Was und wer steckt hinter der j&#228;hrlich stattfindenden M&#252;nchner Sicherheitskonferenz? Wer hat &#252;ber die &#246;ffentliche F&#246;rderung dieser privaten Konferenz entschieden?</li>
<li><strong>Als Basisarbeit  zur Erhellung von Vorg&#228;ngen politischer Korruption k&#246;nnte man folgendes betrachten:</strong>
<p>Information und &#220;berblick &#252;ber gro&#223;e und einflussreiche politische Public-Relations-Agenturen. Welche fr&#252;her aktiven Politiker sind dort mit integriert und verdienen Geld an der Nutzung ihrer fr&#252;heren Kontakte und T&#228;tigkeit? Der so genannte Dreht&#252;reffekt.<br />
Einfluss der Public Relations-Berater auf Talkshows und ihre Besetzung</li>
</ol>
</li>
<li><strong>Ein breites Arbeitsfeld f&#252;r eine Stiftung – Die Arbeit sollte nicht weiter dem Zufall &#252;berlassen bleiben</strong>
<p>Das waren jetzt 15 Beispiele f&#252;r die Notwendigkeit der Recherche und der Publizit&#228;t von vermuteten bzw. belegten Vorg&#228;ngen politischer Korruption. Der Katalog lie&#223;e sich ohne Schwierigkeiten um eine gro&#223;e Zahl weiterer Beispiele erweitern. </p>
<p>Wir sollten die Untersuchung, die Analyse und die Herstellung von &#214;ffentlichkeit &#252;ber solche Vorg&#228;nge nicht weiter dem Zufall &#252;berlassen. Eine Stiftung k&#246;nnte mit einem kleinen Stab von fest angestellten Koordinatoren und mithilfe von ehrenamtlichen oder zum Teil bezahlten Rechercheuren eine gro&#223;e Wirkung entfalten. Die Recherchen im Fall Schavan und Guttenberg haben gezeigt, welche gro&#223;artigen Leistungen m&#246;glich sind.</p>
<p>Stiftungen werden heute in der Regel f&#252;r harmlosere Belange gegr&#252;ndet, das ist klar. Aber vielleicht finden sich unter reichen Deutschen doch noch Menschen, deren gesellschaftspolitisches Engagement nicht abgestorben ist. Jedenfalls w&#228;re die skizzierte Offenlegung von politischer Korruption eine Aufgabe mit hoher Brisanz. Es ist eine Aufgabe f&#252;r mutige Stifter.</p>
<p>Vielleicht kennen Sie solche Menschen. Dann geben Sie den Tipp bitte weiter. Wir NachDenkSeiten-Macher w&#252;rden mit Ideen und Hinweisen helfen.</li>
</ol>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16447&amp;md5=d8d353baa8cd23ec896926276f78a3d9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Am 5.3. ist vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG entschieden worden, am Bau von Stuttgart 21 festzuhalten. Gegen alle Vernunft: die Kosten sind schon enorm gestiegen, sie werden weiter steigen; der Bahnhof wird weniger leistungsf&#228;hig als bisher behauptet; das Projekt rentiert sich f&#252;r die Bahn nicht, verkehrspolitisch insgesamt sowieso nicht. Die wahren Gr&#252;nde f&#252;r den Weiterbau kennen wir nicht. Nach meiner Einsch&#228;tzung ist wie bei der Umstellung auf die private Altersvorsorge und bei der Kommerzialisierung des Fernsehens und bei vielen Privatisierungs- und &#214;PP-Projekten politische Korruption im Spiel. Die Rechercheure in den F&#228;llen Schavan und Guttenberg wie auch die Macher von Wikileaks haben bewiesen, dass mit konsequenter Recherche Licht ins Dunkel gebracht werden kann. Von Albrecht M&#252;ller
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.


Im konkreten Fall von Stuttgart 21 w&#252;rde es darum gehen zu recherchieren, welche Beziehungen die Bef&#252;rworter wider alle Vernunft, also zum Beispiel die Aufsichtsr&#228;te oder die hartn&#228;ckigen Bef&#252;rworter an der Spitze der SPD in Baden-W&#252;rttemberg, zu den Profiteuren des Projektes haben &#8211; etwa zur Bauwirtschaft, zu den Immobilienverwertern, usw. Es w&#228;re zu recherchieren, wie die Parteienfinanzierung in Baden-W&#252;rttemberg aussieht, konkret, wer bekommt von wem wie viel Geld. Das betr&#228;fe auch die CDU, die Gr&#252;nen, die FDP – nicht nur die SPD.
Es w&#228;re zu recherchieren, in welchem Beziehungs- und Interessengeflecht die Aufsichtsr&#228;te der Deutschen Bahn stecken, die am 5.3.2013 dem Projekt Stuttgart 21 erneut ihren Segen erteilt haben. Es w&#228;re dabei auch zu untersuchen, wie die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu ihrem Ja zu einem inzwischen sichtbar unrentablen Projekt der Bahn gekommen sind. Wenn die Deutsche Bahn AG dieses Fass ohne Boden immer wieder f&#252;llen will, dann wird n&#228;mlich in anderen Bereichen der Bahn das Geld fehlen. Das ist verkehrspolitisch problematisch, es ist aber auch tarifpolitisch belastend. Wie kommen die Kolleginnen und Kollegen der Bahngewerkschaft und die sonstigen Vertreter der Arbeitnehmer zum positiven Votum vom 5. M&#228;rz? Wie sehen ihre Kolleginnen und Kollegen au&#223;erhalb Stuttgarts diese einseitige Konzentration von Mitteln ihres Unternehmens auf ein fragw&#252;rdiges Projekt? Wie erkl&#228;ren sie die Zustimmung ihrer Vertreter im Aufsichtsrat? Usw. 
Dieser eine Fall Stuttgart 21 zeigt schon, wie gro&#223; der Untersuchungsbedarf bei solchen politischen Entscheidungen ist. Von einzelnen Journalisten oder oppositionellen Abgeordnete ist kaum zu erwarten, dass sie diese Recherchearbeit leisten. Deshalb die Idee zur Gr&#252;ndung einer Stiftung. Sie k&#246;nnte einen gro&#223;en Beitrag zum Kampf gegen die politische Korruption und damit zur Verbesserung der Qualit&#228;t politischer Entscheidungen leisten.
Stuttgart 21 ist nur ein Fall von Dutzenden, wo zur Aufdeckung politischer Korruption eine gr&#252;ndliche und umfassende Recherche notwendig w&#228;re: 

Beispiele f&#252;r F&#228;lle politischer Korruption in der Vergangenheit und Gegenwart und Projekte f&#252;r die Recherchen:

Die bewusst betriebene Verringerung der Leistungsf&#228;higkeit der gesetzlichen Rente und die F&#246;rderung der Privatvorsorge &#252;ber Riester-Rente, R&#252;rup-Rente und Entgeltumwandlung zur F&#246;rderung der betrieblichen Altersvorsorge.
Wenn es schon Ende der neunziger Jahre den Willen und die Mittel zur Untersuchung von F&#228;llen politischer Korruption gegeben h&#228;tte, dann h&#228;tte man schon damals aufmerksam beobachten k&#246;nnen, welches die Motive des Chefs des Finanzdienstleisters AWD Maschmeyer zur Unterst&#252;tzung Gerhard Schr&#246;ders bei der Landtagswahl in Niedersachsen waren, wie es dann zur Entscheidung f&#252;r die Riester-Rente kam, was Riester davon profitiert hat. Man h&#228;tte untersuchen m&#252;ssen, welche[...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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		<title>Thesen zum 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung &#8211; Wer vom Reichtum nicht reden will, sollte auch von der Armut schweigen</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 12:33:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Audio-Podcast]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Bundeskabinett hat heute – ein Jahr versp&#228;tet – den innerhalb der Regierung heftig umstrittenen 4. Armuts- und Reichtumsbericht gebilligt. Die Bundesregierung bewertet dessen Befunde „&#252;berwiegend positiv“: der Arbeitsmarkt habe sich gut entwickelt, es gebe eine Trendwende in der Einkommensentwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich habe sich nicht weiter ge&#246;ffnet, das Armutsrisiko sei nicht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das Bundeskabinett hat heute – ein Jahr versp&#228;tet – den innerhalb der Regierung heftig umstrittenen 4. Armuts- und Reichtumsbericht gebilligt. Die Bundesregierung bewertet dessen Befunde „<a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2013/03/2013-03-05-armuts-u-reichtumsbericht-4.html">&#252;berwiegend positiv</a>“: der Arbeitsmarkt habe sich gut entwickelt, es gebe eine Trendwende in der Einkommensentwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich habe sich nicht weiter ge&#246;ffnet, das Armutsrisiko sei nicht gestiegen, die Einkommens- und Verm&#246;genssituation &#196;lterer sei &#252;berdurchschnittlich gut. Deutschland gehe es so gut wie nie, <a href="http://www.welt.de/newsticker/news1/article114162037/Bundeskabinett-billigt-Armutsbericht.html">meint FDP-Chef Philipp R&#246;sler</a>.<br />
Der Armutsforscher <strong>Christoph Butterwegge</strong> schaut auf die Wirklichkeit hinter der politischen Sch&#246;nf&#228;rberei durch die Regierung.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.</em><br />
<span id="more-16407"></span><br />
</p>
<ol>
<li>Nach am 27. Januar 2000 und am 19. Oktober 2001 gefassten Parlamentsbeschl&#252;ssen soll die Bundesregierung regelm&#228;&#223;ig einen Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) vorlegen, und zwar, wie es dort hei&#223;t, jeweils zur Mitte einer Legislaturperiode. Unterschiedlich zusammengesetzte Regierungskoalitionen haben dies seit der Jahrtausendwende – wenngleich nicht immer termingerecht – drei Mal getan. Sehr viel Zeit lie&#223;en sich CDU, CSU und FDP in der laufenden Legislaturperiode. Erst knapp ein Jahr nach dem vorgegebenen Ver&#246;ffentlichungstermin, am 18. September 2012, wurde der Entwurf zum 4. ARB durch eine Indiskretion bekannt.</li>
<li>W&#228;hrend die &#214;ffentlichkeit mit einem kurzen Aufschrei der Emp&#246;rung &#252;ber die darin immerhin dokumentierte Auseinanderentwicklung von Arm und Reich reagierte, stie&#223; sich die FDP an einigen Bewertungen des CDU-gef&#252;hrten Arbeits- und Sozialministeriums, das f&#252;r die Datensammlung verantwortlich zeichnet: Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp R&#246;sler kritisierte besonders Feststellungen, wonach die Privatverm&#246;gen hierzulande „sehr ungleich verteilt“ sind, die Einkommensspreizung zugenommen hat, &#252;ber 4 Mio. Menschen f&#252;r einen Bruttostundenlohn von unter 7 Euro arbeiten und Niedrigl&#246;hne das Armutsrisiko versch&#228;rfen und den sozialen Zusammenhalt schw&#228;chen. Daraufhin wurden Passagen, die den ausufernden Niedriglohnsektor, die zunehmende Lohnspreizung und die extreme Verteilungsschieflage betrafen, im Rahmen der Ressortabstimmung gestrichen bzw. abgeschw&#228;cht, was der Regierungskoalition nach Bekanntwerden der ge&#228;nderten Fassung den Vorwurf eintrug, Zensur ausge&#252;bt und das Dokument &#252;ber die Lebenslagen in Deutschland gesch&#246;nt zu haben.</li>
<li>Zum ersten Mal wurde Berichtskosmetik dieser Art nicht hinter den ministeriellen Kulissen, vielmehr vor aller Augen betrieben und weiten Teilen der &#214;ffentlichkeit klar, dass Armut und Reichtum politisch-normative Begriffe sind und selbst innerhalb des „b&#252;rgerlichen Lagers“ unterschiedliche Bewertungsma&#223;st&#228;be existieren. Deshalb w&#228;re es auch falsch, den ARB k&#252;nftig von „unabh&#228;ngigen“ Wissenschaftlern erstellen zu lassen und die Bundesregierung damit ein St&#252;ck weit von der Pflicht zu entbinden, selbst Position hinsichtlich der Einkommens- und Verm&#246;gensverteilung bzw. der Verteilungs(un)gerechtigkeit zu beziehen.</li>
<li>Aufgrund der Divergenzen im Regierungslager wurde die Beschlussfassung &#252;ber den 4. ARB wiederholt verschoben. Erst knapp sechs Monate nach dessen Fertigstellung besch&#228;ftigte sich das Bundeskabinett abschlie&#223;end damit. Dass die CDU/CSU/FDP-Koalition den ihr per Bundestagsbeschluss vorgegebenen Termin um anderthalb Jahre &#252;berzog, stellte eine demonstrative Missachtung des Parlaments, der &#214;ffentlichkeit und der Betroffenen dar. Man sp&#252;rte f&#246;rmlich, wie unangenehm den Regierungsparteien das Thema der zunehmenden sozialen Spaltung und der Verteilungsschieflage ist, weil sie eine Mitschuld an dieser Entwicklung tragen.</li>
<li>Methodisch hat im 4. ARB ein Paradigmawechsel stattgefunden: Die bisher im Mittelpunkt stehenden Kernindikatoren (17 Armuts-, 5 Reichtums- und 8 Querschnittsindikatoren) werden zwar fortgeschrieben, in den Vordergrund sind durch die Entscheidung f&#252;r das Lebensphasenmodell aber die biografischen &#220;berg&#228;nge zwischen Kindheit, Jugend sowie fr&#252;hem, mittlerem, hohem und h&#246;chstem Erwachsenenalter ger&#252;ckt. Der neue Schl&#252;sselbegriff hei&#223;t „soziale Mobilit&#228;t“, f&#252;hrt jedoch in die Irre, weil er das Problem der Armut individualisiert, ein schichtunabh&#228;ngiges Gleichgewicht zwischen Aufstiegschancen und Abstiegsrisiken unterstellt sowie Exklusionsprozesse, soziale Ausgrenzungsmechanismen und Diskriminierungserfahrungen einzelner Bev&#246;lkerungsgruppen relativiert. Zwar werden an bestimmten Stationen im Lebensverlauf vieler Menschen entscheidende Weichen f&#252;r ihren sp&#228;teren Bildungsstand sowie ihre k&#252;nftige Einkommens- und Verm&#246;genssituation gestellt, die biografische Entwicklung gibt aber h&#246;chstens Aufschluss &#252;ber einen Teil der Armutsrisiken. Dass die Armut – ebenso wie der Reichtum – strukturell bedingt und ein gesellschaftliches Problem ist, entgeht der Analyse, wenn man diese auf einzelne Lebensphasen konzentriert. Weil der 4. ARB &#252;berwiegend auf – f&#252;r andere Zwecke erhobenen – Querschnittsdaten basiert, bleibt au&#223;erdem die erforderliche L&#228;ngsschnittbetrachtung auf der Strecke.</li>
<li>Hier liegt ein gravierender Mangel aller bisherigen Regierungsberichte: Nach den &#246;konomischen, politischen und sozialen <em>Ursachen</em> der kaum mehr zu leugnenden Einkommens- und Verm&#246;gensspreizung wird &#252;berhaupt nicht gefragt. H&#246;chstens die <em>Ausl&#246;ser</em> pers&#246;nlicher Notlagen wie Arbeitslosigkeit, Trennung bzw. Scheidung vom (Ehe-)Partner oder (Fr&#252;h-)Invalidit&#228;t sind Gegenstand der Betrachtung. Herrschafts-, Eigentums- und Machtverh&#228;ltnisse bleiben hingegen im Dunkeln. Auf diese Weise leistet man pers&#246;nlichen Schuldzuweisungen und Ressentiments gegen&#252;ber Minderheiten unn&#246;tig Vorschub.</li>
<li>Wer vom Reichtum nicht reden will, sollte auch von der Armut schweigen. Trotz gegenteiliger Absichtsbekundungen der Bundesregierung ist Reichtum im 4. ARB das Stiefkind der statistischen Datenerfassung und -analyse geblieben. Trotz aller seinen Wert mindernden Besch&#246;nigungs-, Beschwichtigungs- und Entschuldigungsversuche dokumentiert dieser eine doppelte Spaltung: Erstens wachsen Armut und Reichtum gleicherma&#223;en, sind also zwei Seiten derselben Medaille. Dies zeigt sich besonders deutlich beim Verm&#246;gen, das sich zunehmend bei wenigen Superreichen konzentriert, die &#252;ber riesiges Kapitaleigentum verf&#252;gen und meistens auch gro&#223;e Erbschaften machen. W&#228;hrend die reichsten 10 Prozent der Bev&#246;lkerung laut 4. ARB mehr als 53 Prozent des Nettogesamtverm&#246;gens besitzen, kommt die &#228;rmere H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung gerade mal auf 1 Prozent. &#220;ber 40 Mio. Menschen leben also von der Hand in den Mund. Zweitens geht der wachsende private Reichtum mit &#246;ffentlicher Verarmung einher, worunter die Armen wiederum am meisten leiden. W&#228;hrend sich das private Nettoverm&#246;gen allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Bio. Euro erh&#246;ht hat, ist das Nettoverm&#246;gen des Staates laut 4. ARB in den letzten beiden Jahrzehnten um mehr als 800 Mrd. Euro gesunken. Folglich bedeuten im Grundgesetz, in den Landesverfassungen und im europ&#228;ischen Fiskalvertrag festgeschriebene „Schuldenbremsen“, dass der Sozialstaat, wie man ihn bisher kannte, weiter ausblutet. Nur die Reichen k&#246;nnen sich einen armen Staat leisten. Denn sie schicken ihre Kinder auf Privatschulen und ausl&#228;ndische Eliteuniversit&#228;ten, kaufen alles, was ihr Leben versch&#246;nert, selbst und sind auf &#246;ffentliche Schwimmb&#228;der, Bibliotheken oder sonstige kommunale Einrichtungen – im Unterschied zu den Armen – nicht angewiesen.</li>
<li>Vernachl&#228;ssigt werden im 4. ARB die krassen regionalen Disparit&#228;ten, unter denen das Ost-West- und das Nord-S&#252;d-Wohlstandsgef&#228;lle besonders hervorstechen. Wenn der Sozialabbau und die Regierungspolitik nach dem Matth&#228;us-Prinzip (im Evangelium des Matth&#228;us hei&#223;t es sinngem&#228;&#223;: „Wer hat, dem wird gegeben, und wer wenig hat, dem wird auch das Wenige noch genommen“) fortgesetzt werden, d&#252;rften die St&#228;dte der Bundesrepublik noch mehr zerfallen: in Luxusquartiere, wo sich die (Super-) Reichen hinter hohen Mauern verschanzen und von privaten Sicherheitsdiensten bewachen lassen, einerseits sowie in Elendsquartiere, wo sich die Armen versammeln, andererseits.</li>
<li>W&#228;hrend das Stichwort „Kinderarmut“ nur in den Fu&#223;noten bzw. den dort aufgef&#252;hrten Titeln zitierter Fachliteratur auftaucht, wird Bed&#252;rftigkeit im Alter als „kein Problem“ bezeichnet. Undifferenzierter geht es kaum: „Die Einkommens- und Verm&#246;genssituation der &#196;lteren von heute ist &#252;berdurchschnittlich gut“, hei&#223;t es im 4. ARB. Es wird darauf hingewiesen, dass am 31. Dezember 2011 „nur“ 436.210 Personen &#252;ber 64 Jahren die Grundsicherung im Alter bezogen, was einem Anteilswert von rund 2,6 Prozent der Bev&#246;lkerung in dieser Altersgruppe entsprach, wohingegen der Anteil von Empf&#228;nger(inne)n von Mindestsicherungsleistungen aller Altersgruppen an der Gesamtbev&#246;lkerung bei 8,9 Prozent lag. Abgesehen davon, dass eine geschlechterspezifische Datenauswertung ergibt, dass die Armutsbetroffenheit alleinlebender Frauen im hohen Alter &#252;ber dem Bev&#246;lkerungsdurchnitt liegt, ist die Dunkelziffer, d.h. der Anteil jener Menschen, die – ihnen zustehende – Sozialleistungen nicht beantragen, weil sie zu stolz sind, weil sie sich sch&#228;men oder weil sie den b&#252;rokratischen Aufwand scheuen, unter Senior(inn)en bekannterma&#223;en extrem hoch. Deshalb ist von weit mehr als einer Million Ruhest&#228;ndler(inne)n ausgehen, die auf oder unter dem Hartz-IV-Niveau (durchschnittlich 707 Euro pro Monat) leben. Mehr als 760.000 haben einen Minijob; fast 120.000 davon sind 75 Jahre oder &#228;lter.</li>
<li>(Alters-)Armut ist kein blo&#223;es Zukunftsproblem, sondern l&#228;ngst eine bedr&#252;ckende Zeiterscheinung. Vielerorts geh&#246;ren Menschen, die in M&#252;llcontainern nach Pfandflaschen suchen, heute zum „normalen“ Stadtbild. Wer ohne ideologische Scheuklappen durchs Land geht und genau hinschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis als der Regierungsbericht: Momentan verfestigt sich die Armut und breitet sich in die Mitte der Gesellschaft hinein aus. In manchen Ballungsgebieten und Boomtowns der Bundesrepublik drastisch steigende Mieten und Energiepreise gef&#228;hrden sogar den Lebensstandard von Normalverdienern und verst&#228;rken die Angst vieler Mittelschichtangeh&#246;riger vor dem sozialen Abstieg. Die soziale Ungleichheit w&#228;chst in erschreckendem Ma&#223;e, ohne von den politischen Entscheidungstr&#228;gern als Kardinalproblem der Gesellschaftsentwicklung wahrgenommen zu werden.</li>
<li>Um pers&#246;nlichen Schuldzuweisungen zu begegnen, Vorurteile zu widerlegen und wirksame Gegenma&#223;nahmen ergreifen zu k&#246;nnen, m&#252;sste man an die Wurzeln der Spaltung in Arm und Reich herangehen. Armuts- und Reichtumsberichte k&#246;nnten eine gute Basis f&#252;r die Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik der Bundesregierung sein, wenn sie die „Lebenslagen in Deutschland“ n&#252;chtern analysieren, die Ursachen f&#252;r wachsende Ungleichheit ergr&#252;nden und entsprechende Handlungsempfehlungen geben w&#252;rden. Solange die Bundesregierung solche Berichte indes missbraucht, um ihre Politik dem Wahlvolk als Erfolgsgeschichte zu „verkaufen“, bringen sie nur einen geringen Erkenntnisgewinn.</li>
<li>Reichtumsf&#246;rderung, wie die Bundesregierung sie betreibt – erinnert sei nur an die Senkung der Mehrwertsteuer f&#252;r Hoteliers – ist keine Armutsbek&#228;mpfung, sondern das Gegenteil. Wer den Reichtum nicht antasten will, kann die Armut &#252;berhaupt nicht verringern. Die kontroversen Diskussionen &#252;ber den 4. ARB waren ein Lehrst&#252;ck der politischen Bildung, das zeigt: Eine liberal-konservative Regierung, die den Interessen der reichen Besitzstandswahrer verpflichtet ist, will den Wohlhabenden nicht wehtun und vermeidet alles, was diese st&#228;rker belasten w&#252;rde. Daher werden auch keinerlei Konsequenzen im Sinne einer Kurskorrektur, etwa auf steuerpolitischem Gebiet, aus dem 4. ARB gezogen. Sollte die Bundesregierung laut dem urspr&#252;nglichen Entwurf wenigstens pr&#252;fen, ob und wie privater Reichtum &#252;ber die Progression in der Einkommensteuer hinaus f&#252;r die nachhaltige Finanzierung &#246;ffentlicher Aufgaben herangezogen werden k&#246;nne, will sie nach dem Kabinettsbeschluss vom 6. M&#228;rz 2013 blo&#223; noch pr&#252;fen, wie weiteres pers&#246;nliches und finanzielles freiwilliges Engagement Verm&#246;gender f&#252;r das Gemeinwohl eingeworben werden kann. Die neue, total verquaste Formulierung kann nicht &#252;berdecken, dass man es Reichen und Superreichen selbst &#252;berl&#228;sst, ob und wie sie sich f&#252;r das Gemeinwohl engagieren. Auf diese Weise sind die wachsenden sozialen Probleme der Bundesrepublik gewiss nicht zu l&#246;sen. N&#246;tig w&#228;ren vielmehr eine im obersten Bereich erheblich progressivere Einkommensteuer, die R&#252;cknahme der steuerlichen Priviligierung von Kapitalertr&#228;gen durch die Abgeltungssteuer in H&#246;he von 25 Prozent, die Wiedererhebung der 1997 ausgesetzten Verm&#246;gensteuer und eine Erbschaftsteuer, die auch gro&#223;e Betriebsverm&#246;gen erfasst. Schlie&#223;lich ist es keine Leistung, der Sohn oder die Tochter eines Familienunternehmers zu sein.</li>
<li>Im beginnenden Bundestagswahlkampf spielt die Kardinalfrage der sozialen Gerechtigkeit vermutlich eine Schl&#252;sselrolle. Vor allem die <strong>Altersarmut</strong>, der die amtierende Bundesregierung trotz wohlklingender Versprechungen im Koalitionsvertrag aufgrund ihrer Uneinigkeit in zentralen Punkten nicht einmal durch einen k&#228;rglichen Rentenzuschuss („Zuschuss-“ bzw. „Lebensleistungsrente“) f&#252;r Geringverdiener/innen entgegentrat, d&#252;rfte also ein wichtiges Thema werden. &#220;berzeugende sozialpolitische Konzepte und wirksame Ma&#223;nahmen gegen Armut im Alter sind ein Kriterium, nach dem B&#252;rgerinnen und B&#252;rger ihre Wahlentscheidung treffen. CDU, CSU und FDP haben sowohl im Hinblick auf die Armuts- und Reichtumsberichterstattung wie auch im Hinblick auf die Armutsbek&#228;mpfung kl&#228;glich versagt.</li>
</ol>
<p>Lebenslagen in Deutschland, Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung.</p>
<p><a href="http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen-DinA4/a334-4-armuts-reichtumsbericht-2013.pdf?__blob=publicationFile">Der vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung [PDF - 4.1 MB]</a></p>
<p><em>Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&#228;t zu K&#246;ln. Zuletzt sind seine B&#252;cher „Armut in einem reichen Land“ und „Armut im Alter“ (beide im Campus Verlag) erschienen.</em></p>
 <p><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?flattrss_redirect&amp;id=16407&amp;md5=3c817a4793214cc8c9c15e88c9918174" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.nachdenkseiten.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<itunes:summary>Das Bundeskabinett hat heute – ein Jahr versp&#228;tet – den innerhalb der Regierung heftig umstrittenen 4. Armuts- und Reichtumsbericht gebilligt. Die Bundesregierung bewertet dessen Befunde „&#252;berwiegend positiv“: der Arbeitsmarkt habe sich gut entwickelt, es gebe eine Trendwende in der Einkommensentwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich habe sich nicht weiter ge&#246;ffnet, das Armutsrisiko sei nicht gestiegen, die Einkommens- und Verm&#246;genssituation &#196;lterer sei &#252;berdurchschnittlich gut. Deutschland gehe es so gut wie nie, meint FDP-Chef Philipp R&#246;sler.
Der Armutsforscher Christoph Butterwegge schaut auf die Wirklichkeit hinter der politischen Sch&#246;nf&#228;rberei durch die Regierung.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&#252;gbar.



Nach am 27. Januar 2000 und am 19. Oktober 2001 gefassten Parlamentsbeschl&#252;ssen soll die Bundesregierung regelm&#228;&#223;ig einen Armuts- und Reichtumsbericht (ARB) vorlegen, und zwar, wie es dort hei&#223;t, jeweils zur Mitte einer Legislaturperiode. Unterschiedlich zusammengesetzte Regierungskoalitionen haben dies seit der Jahrtausendwende – wenngleich nicht immer termingerecht – drei Mal getan. Sehr viel Zeit lie&#223;en sich CDU, CSU und FDP in der laufenden Legislaturperiode. Erst knapp ein Jahr nach dem vorgegebenen Ver&#246;ffentlichungstermin, am 18. September 2012, wurde der Entwurf zum 4. ARB durch eine Indiskretion bekannt.
W&#228;hrend die &#214;ffentlichkeit mit einem kurzen Aufschrei der Emp&#246;rung &#252;ber die darin immerhin dokumentierte Auseinanderentwicklung von Arm und Reich reagierte, stie&#223; sich die FDP an einigen Bewertungen des CDU-gef&#252;hrten Arbeits- und Sozialministeriums, das f&#252;r die Datensammlung verantwortlich zeichnet: Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp R&#246;sler kritisierte besonders Feststellungen, wonach die Privatverm&#246;gen hierzulande „sehr ungleich verteilt“ sind, die Einkommensspreizung zugenommen hat, &#252;ber 4 Mio. Menschen f&#252;r einen Bruttostundenlohn von unter 7 Euro arbeiten und Niedrigl&#246;hne das Armutsrisiko versch&#228;rfen und den sozialen Zusammenhalt schw&#228;chen. Daraufhin wurden Passagen, die den ausufernden Niedriglohnsektor, die zunehmende Lohnspreizung und die extreme Verteilungsschieflage betrafen, im Rahmen der Ressortabstimmung gestrichen bzw. abgeschw&#228;cht, was der Regierungskoalition nach Bekanntwerden der ge&#228;nderten Fassung den Vorwurf eintrug, Zensur ausge&#252;bt und das Dokument &#252;ber die Lebenslagen in Deutschland gesch&#246;nt zu haben.
Zum ersten Mal wurde Berichtskosmetik dieser Art nicht hinter den ministeriellen Kulissen, vielmehr vor aller Augen betrieben und weiten Teilen der &#214;ffentlichkeit klar, dass Armut und Reichtum politisch-normative Begriffe sind und selbst innerhalb des „b&#252;rgerlichen Lagers“ unterschiedliche Bewertungsma&#223;st&#228;be existieren. Deshalb w&#228;re es auch falsch, den ARB k&#252;nftig von „unabh&#228;ngigen“ Wissenschaftlern erstellen zu lassen und die Bundesregierung damit ein St&#252;ck weit von der Pflicht zu entbinden, selbst Position hinsichtlich der Einkommens- und Verm&#246;gensverteilung bzw. der Verteilungs(un)gerechtigkeit zu beziehen.
Aufgrund der Divergenzen im Regierungslager wurde die Beschlussfassung &#252;ber den 4. ARB wiederholt verschoben. Erst knapp sechs Monate nach dessen Fertigstellung besch&#228;ftigte sich das Bundeskabinett abschlie&#223;end damit. Dass die CDU/CSU/FDP-Koalition den ihr per Bundestagsbeschluss vorgegebenen Termin um anderthalb Jahre &#252;berzog, stellte eine demonstrative Missachtung des Parlaments, der &#214;ffentlichkeit und der Betroffenen dar. Man sp&#252;rte f&#246;rmlich, wie unangenehm den Regierungsparteien das Thema der zunehmenden sozialen Spaltung und der Verteilungsschieflage ist, weil sie eine Mitschuld an dieser Entwicklung tragen.
Methodisch hat im 4. ARB ein Paradigmawechsel stattgefunden: Die bisher im Mittelpunkt stehenden [...]</itunes:summary>
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		<itunes:author>Redaktion NachDenkSeiten</itunes:author>
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