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	<title>NachDenkSeiten - Die kritische Website</title>
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		<title>Neuwahlen in Griechenland – Bestrafung kontra Vernunft?</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 14:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[In Griechenland wird es Neuwahlen geben, und zwar am 17. Juni. Die Griechen m&#252;ssen damit zum zweiten Mal innerhalb von f&#252;nf Wochen eine ebenso schwierige wie folgenreiche Entscheidung treffen. Die Neuwahlen sind der einzige verfassungsgem&#228;&#223;e Ausweg, nachdem gestern Staatspr&#228;sident Karolos Papoulias f&#252;r seine Idee einer „Regierung von Pers&#246;nlichkeiten“ von begrenzter Dauer (bis 2014) nicht die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Griechenland wird es Neuwahlen geben, und zwar am 17. Juni. Die Griechen m&#252;ssen damit zum zweiten Mal innerhalb von f&#252;nf Wochen eine ebenso schwierige wie folgenreiche Entscheidung treffen.  Die Neuwahlen sind der einzige verfassungsgem&#228;&#223;e Ausweg, nachdem gestern Staatspr&#228;sident Karolos Papoulias f&#252;r seine Idee einer „Regierung von Pers&#246;nlichkeiten“ von begrenzter Dauer (bis 2014) nicht die n&#246;tige Unterst&#252;tzung der im Parlament vertretenen Parteien finden konnte. Bis zu den Neuwahlen wird der Staatspr&#228;sident eine rein „gesch&#228;ftsf&#252;hrende“ Regierung unter dem Vorsitzenden des Obersten Verwaltungsgerichts, Panayotis Pikrammenos bilden (dessen Name rein zuf&#228;llig „der Verbitterte“ bedeutet). Von <strong>Niels Kadritzke</strong>.<br />
<span id="more-13265"></span><br />
Nach einer Umfrage (Kapa Research), die nach der Wahl vom 6. Mai gemacht wurde, wird die Idee eines zweiten Urnengangs nur von knapp 23 Prozent der Bev&#246;lkerung gutgehei&#223;en; 72 Prozent sprachen sich demgegen&#252;ber f&#252;r eine Regierungskoalition aus, bei deren Bildung alle Parteien Kompromisse machen sollten. </p>
<p>Die Idee von Papoulias (inspiriert und unterst&#252;tzt von Fotis Kouvelis, dem Parteichef der linkssozialdemokratischen DIMAR) war eine Totgeburt, weil sie voraussetzte, dass die Regierung „integerer“ (nicht von einer Partei abh&#228;ngiger) Personen von einer breiten parlamentarischen Koalition getragen oder mindestens geduldet wird. Daf&#252;r aber waren weder die linkssozialistische Syriza noch die rechtspopulistische Partei der Unabh&#228;ngigen Griechen zu gewinnen. Beide wollten sich nicht durch eine Zusammenarbeit mit den Parteien kontaminieren, die sie im Wahlkampf als „Memorandums-Parteien“ bek&#228;mpft hatten. Mit dieser Strategie waren beide Parteien erfolgreich (siehe den <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13227">ersten Teil meiner Analyse vom 14. Mai</a>); und beide erhoffen sich in einer zweiten Wahl weitere Zugewinne auf Kosten der Pasok bzw. der ND. </p>
<p>Das gilt insbesondere f&#252;r die Syriza und ihren Vorsitzenden Alexis Tsipras. Fast alle Kommentare in den griechischen Medien unterstellen, dass Tsipras in den acht-t&#228;gigen Verhandlungen &#252;ber eine Regierungsbildung von Anfang an nur ein „Vorwahlspiel“ betrieben hat. Zumal die ersten Umfragen nach dem 6. Mai der Syriza weiter steigende W&#228;hlerzahlen in Aussicht stellen. Das war auch der Tenor der Tsipras-Schelte seitens der anderen Parteien – als w&#252;rde nicht alle Parteien ihre Entscheidungen im Hinblick auf potentielle Wahlerfolge treffen. Mit derselben Berechtigung kann man speziell der Pasok und der DIMAR einen „Opportunismus der Wahlvermeidung“ vorwerfen, weil beide bef&#252;rchten, bei der zweiten Wahl weitere Stimmen an die Syriza zu verlieren.</p>
<p>F&#252;r ein Urteil &#252;ber die Strategie der Syriza sind zwei andere Fragen wichtig: </p>
<ol>
<li>Mit welchem konkreten Programm tritt die Partei ein zweites Mal vor die griechischen W&#228;hler?</li>
<li>Wie wahrscheinlich ist es, dass die Wahlen vom 10. Juni ein Resultat erbringen, das eine Regierungsbildung nach Vorstellung der Syriza erm&#246;glicht.</li>
</ol>
<p>Ehe man auf diese Fragen eingehen kann, sollte man sich klarmachen, was f&#252;r eine Partei die Syriza ist und wie es um ihre B&#252;ndnis- und damit ihre politische Handlungsf&#228;higkeit bestellt ist. Die „Koalition der radikalen Linken“ (Synaspismos tis Rizospastikis Aristeras) ist ein B&#252;ndnis von Gruppen, die eher einem Konglomerat als einem organisch gewachsenen Zusammenschluss gleicht. Diese Koalition hat sich erstmals zu den Wahlen von 2004 zusammengefunden. Initiator und Kern des Wahlverbundes war die Linkspartei Synaspismos (abgek&#252;rzt Syn, eigentlich: „Koalition der Linken, der Bewegungen und der &#214;kologie“), die 1992 von Aktivisten der sogenannten Inlands-Kommunisten gegr&#252;ndet wurde (diese KKE Esoterikou wiederum versammelte die reformerischen oder euro-kommunistischen Kr&#228;fte, die sich schon in den 1970er-Jahren von der orthodoxen KKE getrennt hatten).</p>
<p>Der Synaspismos, der seit 1996 im Parlament repr&#228;sentiert war, erweiterte sich zur Syriza, indem weitere linke Gruppen und Sekten der Wahlkoalition beitragen, darunter Trotzkisten, Ex-Maoisten, linke &#214;kologen, Dissidenten der KKE und eine linksnationalistische Abspaltung der Pasok namens DIKKI um den ehemaligen Pasok-Minister Tsovolas (Eine Liste der derzeit zw&#246;lf „Segmente“ der Koalition kann man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/SYRIZA">unter „Syriza“ bei Wikipedia finden</a>). Das Besondere an der Syriza ist aber nicht nur diese organisatorische Cluster-Struktur. Es kommt hinzu, dass sich dieses Konglomorat nie zu einer normalen Partei verdichtet hat. Es hat also nicht jener Prozess stattgefunden, der zum Beispiel in Deutschland aus einer Ansammlung von Ex-Maoisten, &#214;kofreaks ausgen&#252;chterten Stra&#223;enk&#228;mpfern und entt&#228;uschten Sozialdemokraten die Partei der Gr&#252;nen gemacht hat. Und an dessen Ende die &#252;bersichtliche und – mehr oder weniger – fruchtbare Strukturierung in Fundis und Realos stand. Bezeichnend f&#252;r den organisatorischen Aggregatzustand der Syriza ist die Tatsache, dass alle Einzelgruppen sich immer noch autonom artikulieren und – mehr noch &#8211; bei Wahlen als Gruppen um die Listenpl&#228;tze konkurrieren. Das geht so weit, dass sie ihre Mitglieder dazu aufrufen, auf der Syriza-Wahlliste bevorzugt den „eigenen“ Kandidaten anzukreuzen, was nach griechischem Wahlrecht (noch) m&#246;glich ist.</p>
<p>Eine so komplexe Koalition – die deutlich heterogener ist als etwa die von der Linkspartei absorbierten westdeutschen Splittergruppen &#8211;  ist ein labiles Gebilde. Das hat in der Vergangenheit bewirkt, dass die Syriza programmatisch oft nur den kleinsten gemeinsamen Nenner ihrer Bestandteil ausdr&#252;ckte, und dass ihre Parlamentsfraktion nicht immer handlungsf&#228;hig war. Das lag h&#228;ufig an pers&#246;nlichen Rivalit&#228;ten, vor allem aber an dem Prinzip, dass die einzelnen Gruppen stets auf angemessene Repr&#228;sentation achteten, die sich etwa auch in der Fraktion widerspiegelte. Deshalb war die Syriza auch nie in der Lage, die Frage einer „Machtbeteiligung“ rational zu diskutieren. Wenn die Fraktion jemals die Beteiligung an einer Koalition ins Auge gefasst h&#228;tte, w&#228;re sie – wie die Partei – in ihre Bestandteile zerfallen. </p>
<p>Einen folgenreichen Konflikt zwischen „radikaler“ Partei und „moderater“ Fraktion hat die Syriza ohnehin schon hinter sich: Im Juni 2010 trat der Fraktionsvorsitzende Fotis Kouvelis (der ebenfalls aus der Inlands-KP stammte) mit drei anderen Abgeordneten aus der Syriza aus und gr&#252;ndete die Dimar („Demokratische Linke“), eine linkssozialdemokratische Partei, die jetzt bei den Wahlen mit 6,1 Prozent Stimmen 19 Parlamentssitze erobert hat. Zwei Jahre davor war der „Reformer“ Kouvelis bei der Wahl zum Parteivorsitzenden Alexis Tsipras unterlegen, was teilweise die anhaltende pers&#246;nliche Animosit&#228;t zwischen den beiden Parteif&#252;hrern erkl&#228;rt.</p>
<p>Eine solche Koalition aus sehr eigenwilligen und zum Teil dogmatischen Fraktionen kann gegen&#252;ber den W&#228;hlern nur dann &#252;berzeugend auftreten, wenn sie die inneren Differenzen und Widerspr&#252;che durch eine zentrale Parole &#252;berdeckt, die den kleinsten gemeinsamen Nenner ausdr&#252;ckt. Diese integrierende Parole war im Syriza-Wahlkampf die Botschaft: K&#252;ndigen wir das Memorandum, bestrafen wir die Parteien, die zu Handlangern der Troika geworden sind. Eine Parole dieses Typs hat den Nachteil, dass sie zu einfach ist, als dass sie als Arbeitsbasis f&#252;r realpolitische Entscheidungen – und erst recht f&#252;r Koalitionen – geeignet w&#228;re. Nun kann man sagen: Mit simplifizierenden oder bewusst t&#228;uschenden Parolen operieren nun mal alle Parteien in einem auf Wahlen beruhenden parlamentarischen System. Aber im Fall der Syriza kommt erschwerend hinzu, dass dieses Parteiengebilde unter dem Druck realpolitischer Entscheidungszw&#228;nge auseinanderbrechen k&#246;nnte. </p>
<p>Mit Sicherheit hat diese Gefahr bei der Entscheidung der Syriza-F&#252;hrung, auf jeden Fall Neuwahlen anzustreben, eine Rolle gespielt – neben der Erwartung eines noch besseren Abschneidens am 17. Juni. Aber damit ist das Problem nur aufgeschoben. Und es wird sich, wenn die Linkssozialisten wie erhofft st&#228;rkste Partei, sogar versch&#228;rft stellen. Denn dann ist das schicksalhafte Rendezvous mit der Realit&#228;t nicht mehr zu vermeiden. Damit komme ich auf die eingangs formulierten Fragen zur&#252;ck:</p>
<ol>
<li>Mit welchem konkreten Programm tritt die Syriza ein zweites Mal vor die griechischen W&#228;hler?</li>
<li>Wie wahrscheinlich ist es, dass die Wahlen vom 10. Juni ein Resultat erbringen, das eine Regierungsbildung nach Vorstellung der Syriza erm&#246;glicht?</li>
</ol>
<p>Zun&#228;chst ganz n&#252;chtern: Mit ihrer Strategie f&#252;r die Wahlen vom 6. Mai hat die Syriza – trotz der Verdreifachung ihres Stimmenanteils – 16 Prozent der W&#228;hler und knapp unter 10 Prozent der Wahlb&#252;rger &#252;berzeugt (wenn man die Wahlabstinenz und die ung&#252;ltigen Stimmen ber&#252;cksichtigt). Das Hauptmerkmal dieser Wahl war die Erosion der Systemparteien und die Fragmentierung der parlamentarischen Landschaft. Die Syriza ist also keineswegs schon zu dem neuen Machtpol geworden, um den sich eine „neue Mehrheit“ gruppieren k&#246;nnte. Zu diesem Machtpol k&#246;nnte sie sich aber entwickeln, wenn sie am 17. Juni zur st&#228;rksten Partei wird (und damit auch die 50 Bonus-Sitze kassiert, die am 6. Mai der ND zugefallen sind). Die letzten Umfragen deuten darauf hin, das sie das schaffen kann. Fragt sich nur, mit welchem Programm.</p>
<p>Hier nun kommt die Frage aller Fragen ins Bild: Euro oder Drachme? Wie inzwischen ganz Europa wei&#223;, wollen vier von f&#252;nf Griechen unbedingt in der Eurozone bleiben. Dieser Befund muss in zwei Punkten pr&#228;zisiert werden: Erstens lautete die Frage genauer: Soll die Regierung, „alles Notwendige tun, um im Euro zu bleiben“? Diese Frage bejahten 78,1 Prozent, mit Nein weniger als 13 Prozent (noch weniger als vor den Wahlen). Zweitens haben von den Syriza-W&#228;hlern auch rund 80 Prozent mit Ja geantwortet; bei den Umfragen Anfang des Jahres waren es noch zwischen 55 und 60 Prozent. Das zeigt: Die neu gewonnenen Syriza-W&#228;hler sind ganz &#252;berwiegend entschiedene Gegner der R&#252;ckkehr zur Drachme. </p>
<p>Es ist dies ein „W&#228;hlerauftrag“, den die Syriza nicht missachten kann. Will sie im n&#228;chsten Wahlkampf noch mehr Stimmen gewinnen, wird sie um zwei Dinge nicht herumkommen. Sie wird erstens noch eindeutiger f&#252;r den Euro optieren und diese Option auch innerparteilich durchsetzen m&#252;ssen. Nach wie vor gibt es in der Syriza laute Stimmen f&#252;r eine R&#252;ckkehr zur Drachme, und eine ihrer gr&#246;&#223;eren Segmente, die linksnationalistische DIKKI, tritt f&#252;r dieses Ziel ganz offen ein. Im Gegensatz dazu sind fast alle Fach&#246;konomen der Syriza ganz entschiedene Euro-Anh&#228;nger, die den R&#252;ckmarsch zur Drachme als direkten Weg in die Katastrophe ansehen.</p>
<p>Zum zweiten aber wird sie ernsthaft dar&#252;ber nachdenken m&#252;ssen, was es hei&#223;t, „alles Notwendige“ zu tun, um in der Eurozone zu bleiben. Um diese Frage hat sich die Syriza im letzten Wahlkampf schlicht gedr&#252;ckt, indem sie die Drohung mit dem Euro-Ausschluss als reinen „Bluff“ der Br&#252;sseler Kommission und der EU-Gro&#223;m&#228;chte, vorweg Deutschland, darstellte. Die Argumentation lautete: Wenn wir uns den Sparpl&#228;nen verweigern, werden die in Br&#252;ssel und Berlin uns dennoch nicht Bankrott gehen lassen, weil sie sonst das Auseinanderbrechen der gesamten Eurozone riskieren w&#252;rden. Im Grunde sitzen wir am l&#228;ngeren Hebel. Man muss nur den Mut haben, ihn zu bet&#228;tigen.</p>
<p>Das scheint mir ein tollk&#252;hnes Kalk&#252;l zu sein. Wie <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13245">Jens Berger dargestellt hat</a>, gibt es zwar nach wie vor wichtige – und rein rational sogar durchschlagende &#8211; Gr&#252;nde, einen Ausschluss Griechenlands nicht zu riskieren. Andererseits ist nicht zu &#252;bersehen, dass sich die Einsch&#228;tzung wichtiger politischer Kr&#228;fte seit einiger Zeit deutlich verschoben hat. Und dass die „Firewall“, die seit Herbst letzten Jahres so emsig hochgezogen wurde, vor allem Spanien und Italien vor den Auswirkungen eines griechischen Staatsbankrotts sch&#252;tzen soll. Man kann sehr wohl der Meinung sein, dass diese Firewall letzten Endes zumindest Spanien nicht voll gegen einen Griechenland-fallout abschotten kann. Aber man kann und darf sich auf keinen Fall sicher sein, zumindest nicht als griechischer B&#252;rger.</p>
<p>Bei diesem Dilemma gilt meines Erachtens nach wie vor, was ich im Februar geschrieben habe: „Der Bluff hat es an sich, dass sich erst nach dem Ausspielen der Optionen zeigt, ob er einer war oder nicht. Aber bei diesem Spiel gibt es ein klares Ungleichgewicht: Die Griechen k&#246;nnen es sich nicht leisten, auf einen Bluff zu spekulieren, weil f&#252;r sie zu viel auf dem Spiel steht – im Extremfall die R&#252;ckkehr zur Drachme mit allen katastrophalen Folgen.“ Deshalb sollte keine verantwortliche Kraft in Griechenland darauf wetten, dass man gegen&#252;ber denen, die man als „Erpresser-Fraktion“ der Eurozone bezeichnen k&#246;nnte, am l&#228;ngeren Hebel sitzt. Der Kommentator Nick Malkoutzis (Kathimerini vom 9. Mai) hat es so ausgedr&#252;ckt: „Die Syriza behauptet, dass die Zur&#252;ckweisung der Bedingungen (des Memorandums) und der einseitige Zahlungsstopp nicht zum Austritt Griechenlands aus der Eurozone f&#252;hrt, weil das f&#252;r die anderen Mitgliedsstaaten zu teuer kommen w&#252;rde. Das ist so, als w&#252;rde man mit einem Schrottauto in eine Einbahnstra&#223;e einbiegen, ohne sich darum zu scheren, dass man mit einem entgegenkommenden Humwee zusammenknallen k&#246;nnte, weil es f&#252;r dessen Besitzer kostspieliger w&#228;re, sein Fahrzeug zu reparieren.“</p>
<p>In der prek&#228;ren Situation, in der sich Griechenland befindet, ist es mehr als berechtigt, auf eine Ver&#228;nderung der Bailout-Konditionen dringen, die dem Land inzwischen f&#252;nf Jahre &#246;konomischer Rezession beschert haben. Das gilt zumal angesichts der allerneusten Zahlen: Im ersten Quartal 2012 ist die griechische Wirtschaft um 6,2 Prozent gegen&#252;ber dem Vorjahr geschrumpft, was die Bef&#252;rchtung verst&#228;rkt, dass das BIP des Jahres 2012 noch st&#228;rker im Minus sein wird als die prognostizierten 5 Prozent. Aber man wird eine Neuverhandlung &#252;ber diese Frage nicht mit einem erpresserischen Kalk&#252;l erzwingen k&#246;nnen, wie es der Strategie von Tsipras zugrunde liegt. Auff&#228;llig ist allerdings, das die Syriza ihre „Drohungen“ gegen&#252;ber den griechischen W&#228;hlern weitaus auftrumpfender formuliert hat als in ihren Erkl&#228;rungen gegen&#252;ber den internationalen Medien. Und Athener Beobachter weisen darauf hin, dass der Begriff „Aufk&#252;ndigung“ in dem Brief, den Tsipras nach den Wahlen an Baroso und andere EU-Instanzen geschrieben hat, nicht mehr auftaucht. </p>
<p>Wenn die Syriza noch mehr W&#228;hler gewinnen will, wird sie die vollmundige Ank&#252;ndigung revidieren m&#252;ssen, wonach eine von ihr dominierte Regierung das Memorandum und das Schuldenschnitt-Programm einfach zerrei&#223;en und einseitig beschlie&#223;en werde, die griechischen Schulden f&#252;r mindestens drei Jahre nicht zu bedienen. Eine substantielle Ver&#228;nderung oder auch nur Milderung des erstickenden Sparprogramms ist nur in Verhandlungen zu erreichen. Die Voraussetzungen daf&#252;r kann man nur optimieren, wenn man an die Solidarit&#228;t der europ&#228;ischen Partner appelliert und in diesem Sinne auch die europ&#228;ische &#214;ffentlichkeit zu beeinflussen versucht. </p>
<p>Aber Solidarit&#228;t l&#228;sst sich nicht erpressen, und gro&#223;e Spr&#252;che im Stil des letzten Wahlkampfs helfen ganz bestimmt nicht weiter. Das haben die &#246;konomischen Experten der Syriza l&#228;ngst verstanden, die schon vor dem 6. Mai in allen Interviews Begriffe wie „Aufk&#252;ndigung“ und „einseitiges Schuldenmoratorium“ zur&#252;ckgewiesen und stattdessen „Neuverhandlungen“ mit der Troika und der EU verlangt haben. Nach dem 6. Mai haben sie diese „Korrektur“ der Tsipras-Slogans noch deutlicher ausgedr&#252;ckt (insb. die Wirtschaftsprofessoren Giorgos Stathakis und Iannis Dragasakis). </p>
<p>Die &#214;konomen der Partei wissen im &#252;brigen auch, dass die W&#228;hler sich fragen werden, wo das Geld f&#252;r die laufenden Staatsausgaben (und die Rentenkassen) herkommen soll, wenn die n&#228;chsten Tranchen aus den Kassen des ESFS und des IWF ausbleiben. Auf diese Frage bekamen die W&#228;hler seit dem 6. Mai aus den Reihen der Syriza eine Anzahl verst&#246;render Antworten zu h&#246;ren. Ein Syriza-Abgeordneter verwies darauf, dass ja die griechischen Banken noch &#252;ber 165 Milliarden Euro an privaten Einlagen verf&#252;gen. Was erstens falsch ist, weil diese Gelder nur virtuell existieren, aber von den – gegen&#252;ber EZB und anderen Gl&#228;ubigern &#8211; verschuldeten Banken nicht ausgezahlt werden k&#246;nnten. Und was zweitens dazu beigetragen hat, dass immer mehr Griechen ihre Euros von der Bank holen und unter der Matratze verstauen. Und der alte Held der Linken, Manolis Glezos (der auf der Syriza-Liste ins Parlament gelangte) regte zur Auff&#252;llung der Staatskasse einen „freiwilligen“ Monatsbeitrag von 100 Euro an, den alle Bezieher von Jahreseinkommen &#252;ber 20 000 Euro abf&#252;hren sollten. </p>
<p>Das sind dilettantische Konzepte, die auf die eine oder andere Weise nur den Fehler nach&#228;ffen, den die Pasok im Wahlkampf von 2009 gemacht hat, als sie verk&#252;ndete: „Das Geld ist da“. Der griechische Staat ist n&#228;mlich l&#228;ngst bankrott, und jeder Politiker hat dies als Realit&#228;t zur Kenntnis zu nehmen. Und wenn er Regierungsverantwortung &#252;bernehmen will, muss er sagen, mit welcher Strategie er diese Realit&#228;t kurzfristig bew&#228;ltigen und langfristig ver&#228;ndern will.</p>
<p>Eine Anpassung der Wahlparolen an die Realit&#228;t w&#252;rde die Glaubw&#252;rdigkeit der Syriza auch im Hinblick auf die zweite Frage erh&#246;hen: wie die angestrebte linke Regierung – unter Ausschluss der Memorandum-Parteien – zustande kommen k&#246;nnte. Denn auch wenn die Syriza st&#228;rkste Partei w&#252;rde – sagen wir mit 25 Prozent der Stimmen – k&#246;nnte sie mit den 50-Bonus-Sitzen nicht allein regieren. Da die KKE als Koalitionspartner nicht in Frage kommt (die von mir vor den Wahlen dargestellten Gr&#252;nde gelten noch uneingeschr&#228;nkt), bleibt als linker Partner nur die DIMAR. Die aber dringt auf Neu-Verhandlungen &#252;ber das Moratorium und lehnt einseitige „K&#252;ndigungen“ ab. </p>
<p>Allerdings ist kaum damit zu rechnen, dass Syriza und DIMAR zusammen eine Mehrheit der Parlamentssitze erobern k&#246;nnen, zumal die Umfragen zeigen, dass die Syriza in der kommenden Wahl vor allem auf Kosten der DIMAR (und der Pasok) zulegen k&#246;nnte. Als dritter Koalitionspartner w&#252;rde theoretisch die rechtspopulistische Partei der „Unabh&#228;ngigen Griechen“ (AE) zur Verf&#252;gung stehen, der Tsipras schon vor dem 6. Mai – zum Entsetzen vieler Syriza-Mitglieder – deutliche Avancen gemacht hat. Aber eine solche Koalition kann man getrost ausschlie&#223;en. Sie wird von der DIMAR entschieden abgelehnt und k&#246;nnte nicht einmal den eigenen Anh&#228;nger als „linke Koalition“ verkauft werden, weil die AE ein extrem neoliberales Wirtschaftsprogramm vertritt und in der Au&#223;enpolitik wie in der Migranten-Frage nachgerade rechtsextreme Positionen vertritt.</p>
<p>Bei alledem ist noch l&#228;ngst nicht ausgemacht, dass die Syriza in vier Wochen st&#228;rkste Partei wird. Voraussetzung daf&#252;r ist erst einmal, dass sie die Wechselw&#228;hler halten kann, die ihr am 6. Mai von der Pasok und von der ND zugestr&#246;mt sind (Wahlforscher beziffern deren Anteil auf 50 Prozent der neuen Syriza-W&#228;hler). Die aber sind mit Sicherheit entschiedene Euro-Bef&#252;rworter und werden vor der n&#228;chsten Wahl wissen wollen, mit welcher Strategie Tsipras und seine Genossen dieses Ziel erreichen wollen. Die Antwort darauf ist der junge Parteichef bei den letzten Wahlen schuldig geblieben. Das ist sogar verst&#228;ndlich, weil man in einer Wahl, in der die Konkurrenten sich auf gut populistische Manier um bittere Wahrheiten gedr&#252;ckt haben, nicht als einziger auf das Gef&#228;ngnis der Realit&#228;t verweisen kann, aus dem auch die anderen keinen bequemen Ausweg wissen. Aber in der n&#228;chsten Wahl wird das nicht ausreichen. </p>
<p>Viele griechische Kommentatoren setzen jetzt auf die Erwartung: Nachdem die B&#252;rger am 6. Mai ihre Wut in einer „Bestrafungswahl“ abgelassen haben, werden sie am 17. Juni eine „Vernunftwahl“ treffen und sich „konstruktive“ Gedanken um die Zukunft machen. Auch wenn an diesem schlichten Argument einiges (aber keineswegs alles) richtig ist, beantwortet es noch nicht die Frage, welche Partei der zukunftsbesorgte griechische B&#252;rger w&#228;hlen soll. Aber f&#252;r die Syriza gilt auf jeden Fall: eine ma&#223;gebliche Rolle wird sie nach dem 17. Juni nur spielen – ob als erster oder als zweiter Wahlsieger – wenn sie sich als die politische Kraft darstellt, die in neuen Verhandlungen &#252;ber das unhaltbare griechische Sparprogramm, die ver&#228;nderten Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse auf europ&#228;ischer Ebene am geschicktesten und &#252;berzeugendsten auszunutzen wei&#223;. Aber das wird sie  nur k&#246;nnen, wenn sie Vertrauen der Griechen wie der Europ&#228;er zu erwerben wei&#223;. Beides aber kann sie nicht mit dem falschen Selbstbewusstein, das sie in den ersten Wahlen demonstriert hat, als weder Tsipras noch sonst jemand glaubte, dass ihre Partei jemals die st&#228;rkste Kraft in Griechenland werden k&#246;nnte. Sondern nur mit glaubw&#252;rdigen Forderungen, die an die Solidarit&#228;t der Europ&#228;er appelliert, ohne von der Realit&#228;t zu abstrahieren. </p>
<p>Die Mainstream-Medien haben Tsipras vorgeworfen, dass er sich nach den ersten Wahlen nicht in „die Verantwortung“ einbinden lie&#223;, die er selbst als „Komplizenschaft“ empfand. Damit hat man ihm die ungew&#246;hnliche Haltung vorgeworfen, dass er sich an die Zusagen gehalten hat, die er vor den Wahlen gegeben hatte. Diese Haltung ist so sympathisch wie demokratisch. Aber die zweiten Wahlen geben ihm und seiner Partei die Chance, den griechischen W&#228;hlern endlich ein konkretes, realit&#228;tsbezogenes Konzept vorzutragen. Und ihnen zugleich klarzumachen, dass sich dieses Programm wom&#246;glich nur in Form von Kompromissen – mit anderen politischen Kr&#228;ften in Griechenland wie im Bereich der EU -, also unvollst&#228;ndig durchsetzen l&#228;sst.</p>
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		<title>Die Wachhunde der Machtelite: Noam Chomskys Kritik der Intellektuellen</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 14:37:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r Noam Chomsky haben die Intellektuellen die Verantwortung, die Wahrheit zu sagen und L&#252;gen aufzudecken. Diese Verantwortung der Intellektuellen leitet sich aus der politischen Freiheit, dem Zugang zu Informationen und der Redefreiheit her. Aber nach Chomsky zeigt die historische Erfahrung, dass Intellektuelle diesen privilegierten Status nicht f&#252;r das Sagen der Wahrheit nutzen, sondern vielmehr ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r Noam Chomsky haben die Intellektuellen die Verantwortung, die Wahrheit zu sagen und L&#252;gen aufzudecken.  Diese Verantwortung der Intellektuellen leitet sich aus der politischen Freiheit, dem Zugang zu Informationen und der Redefreiheit her. Aber nach Chomsky zeigt die historische Erfahrung, dass Intellektuelle diesen privilegierten Status nicht f&#252;r das Sagen der Wahrheit nutzen, sondern vielmehr ihre F&#228;higkeiten in den Dienst f&#252;r die Interessen und Privilegien der Machtelite stellen. Diese Machtelite entscheidet dar&#252;ber, was in der Gesellschaft passiert, weil sie &#252;ber den daf&#252;r notwendigen Reichtum besitzt.<br />
Intellektuelle bilden f&#252;r Chomsky eine „Art s&#228;kulare Priesterschaft“ f&#252;r die Machtelite, weil sie Ideen, Pl&#228;ne, Strategien, Werte, Theorien, Rechtfertigungen und Doktrinen f&#252;r die &#246;konomischen und politischen Entscheidungstr&#228;ger des Herrschaftssystems entwickeln und dem Rest der Bev&#246;lkerung „verk&#252;nden, was sie glauben sollen“. <strong>Christian Girschner</strong> zeichnet Chomskys Kritik der Intellektuellen nach.<br />
<span id="more-13260"></span></p>
<blockquote><p><em>„Einer der gro&#223;en Vorteile, die Macht und Reichtum mit sich bringen, besteht darin, sich niemals f&#252;r etwas entschuldigen zu m&#252;ssen.“</em></p></blockquote>
<p>Noam Chomsky[<a href="#foot_1" name="note_1">1</a>]</p>
<p><strong>Die Wahrheit sagen</strong><br />
F&#252;r Noam Chomsky haben die Intellektuellen die „Verantwortung“, „die Wahrheit zu sagen und L&#252;gen aufzudecken.“[<a href="#foot_2" name="note_2">2</a>] Diese Verantwortung der Intellektuellen leitet „sich aus der politischen Freiheit, dem Zugang zu Informationen und der Redefreiheit her. F&#252;r eine privilegierte Minderheit h&#228;lt die westliche Demokratie die Mu&#223;e, die Einrichtungen und die Ausbildung bereit, die es ihr erlauben, die Wahrheit zu suchen, die sich hinter dem Schleier von Verzerrung und Verdrehung, Ideologie und Klasseninteresse verbirgt, unter dem die gegenw&#228;rtigen geschichtlichen Ereignisse sich uns darstellen.“[<a href="#foot_3" name="note_3">3</a>] Insofern sollte die privilegierte Position der Intellektuellen sie zu herrschaftskritischen und aufkl&#228;rerischen Akteuren in der Gesellschaft machen. Die Verantwortung der Intellektuellen, die Wahrheit zu sagen, r&#252;hrt also nicht aus deren angeblich &#252;berragenden F&#228;higkeiten des Denkens und Urteilens, sondern vielmehr aus dem Umstand, dass sie im Vergleich zur ´lohnarbeitenden Normalbev&#246;lkerung` die entsprechende Zeit und M&#246;glichkeit besitzen, &#252;ber gesellschaftliche Ereignisse und Zusammenh&#228;nge nachzudenken, Tatsachen und Meinungen zu &#252;berpr&#252;fen und daf&#252;r Informationen einzuholen.[<a href="#foot_4" name="note_4">4</a>]</p>
<p>„Doch nichts da; f&#252;r den modernen Intellektuellen ist das keineswegs ausgemacht.“[<a href="#foot_5" name="note_5">5</a>] Denn die historische Erfahrung zeigt, dass Intellektuelle diesen privilegierten Status nicht f&#252;r das Sagen der Wahrheit nutzen, sondern vielmehr ihre F&#228;higkeiten in den Dienst f&#252;r die Interessen und Privilegien der Machtelite stellen. Diese Machtelite entscheidet dar&#252;ber, was in der Gesellschaft passiert, weil sie &#252;ber den daf&#252;r notwendigen Reichtum besitzt. F&#252;r Chomsky stellt die Machtelite eine Welt des konzentrierten Reichtums und der Macht dar. Die Machtelite besteht aus einem umfassenden Netzwerk, das sich aus den gro&#223;en Konzernen und Unternehmen, Banken bzw. dem Finanzkapital, den Superreichen, Medienkonzernen und Spitzen der Staatsministerien und Politik zusammensetzt. Dieses Netzwerk hat eine au&#223;erordentliche Macht und Gewalt &#252;ber die Gesellschaft, weil es &#252;ber Investitionen, Produktion, Distribution entscheidet, und sowohl Meinungen als auch politische Einstellungen durch PR-Kampagnen und Medien produzieren l&#228;sst. Es sind vor allem die riesigen, tyrannisch agierenden Konzerne, die die Wirtschaft und das soziale Leben beherrschen. Folglich kontrolliert die Machtelite die wichtigsten sozio-&#246;konomischen wie ideologischen Ressourcen der Gesellschaft und kann deshalb &#252;berall ihre Interessen weitgehend ungehindert durchsetzen.[<a href="#foot_6" name="note_6">6</a>]</p>
<p>Dementsprechend unterliegt das politische und ideologische Denken und Handeln sch&#228;rfsten Restriktionen und h&#228;lt gegen&#252;ber intellektuellen Dissidenten und Abweichlern entsprechende Sanktionen bereit: Sie werden durch institutionelle Filter fr&#252;hzeitig aussortiert und dadurch marginalisiert.[<a href="#foot_7" name="note_7">7</a>] Angesichts dieser omnipotenten Herrschaftsstruktur ist es nicht verwunderlich, wenn Intellektuelle nicht ihrer moralischen Verantwortung nachkommen, die Wahrheit zu sagen, sondern sich lieber und vorauseilend in den Dienst dieser M&#228;chtigen und Reichen stellen, wenn sie Karriere machen und von ihrer Arbeit leben wollen. Intellektuelle bilden daher eine „Art s&#228;kulare Priesterschaft“ f&#252;r die Machtelite, weil sie Ideen, Pl&#228;ne, Strategien, Werte, Theorien, Rechtfertigungen und Doktrinen f&#252;r die &#246;konomischen und politischen Entscheidungstr&#228;ger des Herrschaftssystems entwickeln und dem Rest der Bev&#246;lkerung „verk&#252;nden, was sie glauben sollen“.[<a href="#foot_8" name="note_8">8</a>]</p>
<p>„Die intellektuelle Tradition ist“ daher f&#252;r Chomsky nicht eine der Kritik und Aufkl&#228;rung, sondern „eine Tradition der Dienstbarkeit gegen&#252;ber der Macht“.[<a href="#foot_9" name="note_9">9</a>] Diese Dienstbarkeit gegen&#252;ber der Macht versuchen die Intellektuellen aus Gr&#252;nden der eigenen Glaubw&#252;rdigkeit zu verheimlichen, deshalb gibt es f&#252;r Chomsky zwei universelle Wahrheiten &#252;ber Intellektuelle: „Erstens haben sie den starken Drang, sich der Macht zu unterwerfen, und zweitens stellen sie lautstark ihre Gegnerschaft zur Macht und ihre Unabh&#228;ngigkeit von der Macht zur Schau. (..) Ein Teil dieser Unterwerfung unter die Macht besteht darin, sich selbst in der Gegnerschaft zu inszenieren, wodurch man frei und unabh&#228;ngig und kritisch wirkt. Damit ist auch zugleich der Grenzwert f&#252;r zul&#228;ssige Kritik festgelegt.“[<a href="#foot_10" name="note_10">10</a>] Entsprechend werden uns die Intellektuellen in der zeitgen&#246;ssischen wie historischen Darstellung nicht als Wachhunde der M&#228;chtigen, sondern „als Verteidiger von Recht und Gerechtigkeit pr&#228;sentiert (…), die sich f&#252;r die h&#246;chsten Werte einsetzen und den M&#228;chtigen und B&#246;sen mit bewundernswertem Mut und unersch&#252;tterlicher Integrit&#228;t die Stirn bieten.“[<a href="#foot_11" name="note_11">11</a>] Verwunderlich ist diese Verlogenheit wiederum nicht, denn die „Geschichte der Intellektuellen wird von Intellektuellen geschrieben.“[<a href="#foot_12" name="note_12">12</a>] </p>
<p><strong>Irrationale Kulte</strong><br />
Obwohl zahlreiche politische B&#252;cher, Interviews und Aufs&#228;tze von Chomsky &#252;bersetzt wurden, nimmt man auch hierzulande in gesellschaftskritischen Kreisen kaum Notiz von seinen Thesen &#252;ber die herrschaftssichernde Rolle der Intellektuellen f&#252;r die Machtelite: „Was ich sage und schreibe“, so res&#252;mierte Chomsky &#252;ber dieses Ph&#228;nomen, „ist in diesen Kreisen durchaus nicht willkommener als in irgendwelchen Fakult&#228;tsklubs oder Aufsichtsr&#228;ten – wobei es auch hier Ausnahmen gibt. Aber da meine Ansichten von dieser Sorte von Linken praktisch nicht zur Kenntnis genommen werden, stellt sich die Frage, ob man sich &#252;ber sie wundert, eigentlich kaum, jedenfalls so wenig, dass sie schwer zu beantworten ist.“[<a href="#foot_13" name="note_13">13</a>]</p>
<p>Vermutlich beruht dieses Desinteresse darauf, dass Chomsky auf der einen Seite sowohl die herrschaftssichernde Funktion der Intellektuellen als auch ihren unerm&#252;dlichen Machtanspruch aufzeigt und kritisiert. Auf der anderen Seite kn&#252;pft er bei seiner Analyse der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und Politik fast nie an soziologische und philosophische Theorien an, die nicht nur in der bundesdeutschen Intellektuellenszene zum zentralen und unverzichtbaren Fundus und Kanon der gehobenen Gesellschaftskritik geh&#246;ren (zum Beispiel Gramsci, Foucault, Adorno, Bourdieu, Marx etc.). </p>
<p>Chomsky h&#228;lt n&#228;mlich sehr wenig von diesen theoretischen Konzeptionen, Dogmen und Erkl&#228;rungen, weil sie f&#252;r ihn einfache gesellschaftliche Tatsachen und Zusammenh&#228;nge unn&#246;tig kompliziert erscheinen lassen. Intellektuelle bringen n&#228;mlich aus Gr&#252;nden der eigenen Selbstbeweihr&#228;ucherung gern einen akademischen Kult oder eine Orthodoxie um eine „Theorie“ bzw. einen Autor hervor, dem dann nur noch eingeweihte Geisteswissenschaftler oder J&#252;nger folgen k&#246;nnen. Dementsprechend sind zum Beispiel Marxismus und Freudianismus f&#252;r Chomsky nichts anderes als „irrationale Kulte“ oder „Theologie“. Denn es ist schon ein Fehler, „wenn man so etwas wie ´Marxismus` &#252;berhaupt <strong>diskutiert</strong>. In der Physik diskutieren wir ja auch nicht den ´Planckianismus`, weil es einfach unsinnig w&#228;re.“[<a href="#foot_14" name="note_14">14</a>] Die Sozialwissenschaften unterscheiden sich in dieser Hinsicht bedeutsam von den Naturwissenschaften. In der Gesellschaftswissenschaft k&#246;nnen sich n&#228;mlich fehlerhafte Annahmen, Kulte, Dogmen und Theorien verselbstst&#228;ndigen und verewigen, da eine objektive &#220;berpr&#252;fung kaum oder nur schwer m&#246;glich ist. Dies liegt daran, dass es in den Geisteswissenschaften leichter ist, Dinge oder Tatsachen zu ignorieren, wenn man sie nicht h&#246;ren will, weil sie nicht ins eigene theoretische Schema passen. Kritische Analysen k&#246;nnen beispielsweise einfach missachtet werden, wenn ihre Resultate oder Botschaften den Intellektuellen nicht passen.[<a href="#foot_15" name="note_15">15</a>]</p>
<p>Aus diesem Grund pl&#228;diert Chomsky daf&#252;r, dass die Sozialwissenschaften „in Zusammenhang mit den Naturwissenschaften studiert werden (sollten), damit der Student die Grenzen ihres rationalen Gehalts deutlich erkennt.“[<a href="#foot_16" name="note_16">16</a>] Sowieso sollte man sich vor Augen halten, dass Wissenschaft – einschlie&#223;lich der Naturwissenschaften &#8211; nur sehr einfache Fragen beantworten kann. Denn je komplizierter die Zusammenh&#228;nge sind, desto zweifelhafter werden die Erkenntnisse und umso gr&#246;&#223;er fallen die Irrt&#252;mer bzw. Trugschl&#252;sse aus. Dies trifft beispielsweise auch auf die Psychologie und kapitalistische &#214;konomie zu. Angesichts der hier anzutreffenden Komplexit&#228;t gibt es &#8211; wie in vielen anderen Bereichen des menschlichen und gesellschaftlichen Lebens &#8211; nicht nur keine ernst zu nehmenden Theorien, die diese Komplexit&#228;t erfassen und erkl&#228;ren k&#246;nnten, sondern nur noch ein unendliches „R&#228;tzelraten“.[<a href="#foot_17" name="note_17">17</a>]</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Natur- und Sozialwissenschaft liegt f&#252;r Chomsky darin, dass die Herrschaftsinteressen der Machtelite den Gesellschaftswissenschaften einen engen ideologischen Interpretationsrahmen f&#252;r Tatsachen und Zusammenh&#228;nge vorgeben, der deshalb auch nur von institutionell legitimierten Experten vertreten werden darf: „Vergleichen Sie Mathematik und politische Wissenschaft – es ist ziemlich auffallend. In der Mathematik, in der Physik besch&#228;ftigen sich die Leute mit dem, was man sagt, nicht mit den Beglaubigungen, die man hat. Aber um &#252;ber gesellschaftliche Realit&#228;t zu sprechen, muss man die richtigen Zertifikate haben, insbesondere wenn man vom herrschenden Denksystem abweicht. Ganz allgemein gesprochen scheint es gerechtfertigt zu sein, wenn man sagt, je reicher die intellektuelle Substanz eines Gebietes ist, desto weniger besteht ein Interesse an Qualifikationsnachweisen und desto gr&#246;&#223;er ist das Interesse am Inhalt. Man k&#246;nnte sogar behaupten, dass der Umgang mit wesentlichen Fragen in den ideologischen Disziplinen eine gef&#228;hrliche Sache sein kann, weil sich diese Disziplinen nicht einfach mit der Aufdeckung und Erkl&#228;rung der Tatsachen, so wie sie sind, besch&#228;ftigen; sie haben eher die Tendenz, diese Tatsachen in einer Weise darzustellen und zu interpretieren, die mit gewissen ideologischen Forderungen &#252;bereinstimmt, und f&#252;r etablierte Interessen gef&#228;hrlich werden, wenn sie es nicht tun.“[<a href="#foot_18" name="note_18">18</a>]</p>
<p><strong>Waffe im Klassenkrieg</strong><br />
So ist beispielsweise die Aufgabe der von Intellektuellen ausgearbeiteten &#246;konomischen Theorie stets gewesen, herrschaftssichernde Antworten auf praktische Probleme der kapitalistischen &#214;konomie f&#252;r die Machtelite zu entwickeln, um deren materiellen Interessen und Privilegien durchzusetzen und diese gegen&#252;ber den (m&#246;glicherweise revoltierenden) Herrschaftsunterworfenen zu legitimieren und zu verteidigen: Die „von den Herrschenden gepredigten Wirtschaftslehren (sind) Machtinstrumente (…), mit deren Hilfe andere wirksamer ausgeraubt und ausgebeutet werden k&#246;nnen.“[<a href="#foot_19" name="note_19">19</a>]  Dementsprechend ist die Wirtschaftswissenschaft „als Politische &#214;konomie sehr flexibel und l&#228;sst sich allen m&#246;glichen Zwecken anpassen“:[<a href="#foot_20" name="note_20">20</a>] „Wie in den Tagen von Smith und sp&#228;ter Ricardo werden die bew&#228;hrten Lehren aus Macht- und Profitgr&#252;nden sorgf&#228;ltig ausgearbeitet und angewandt.“[<a href="#foot_21" name="note_21">21</a>] Und deswegen bieten die „neoliberalen Programme, Trickle-down-Theorien und andere Doktrinen, die den Interessen der Privilegierten und M&#228;chtigen dienen, (…) nicht viel Neues.“[<a href="#foot_22" name="note_22">22</a>]</p>
<p>Soweit werden unter dem Namen des Neoliberalismus wieder die „bew&#228;hrten Lehren“ des freien Marktes den „Armen und Wehrlosen“ indoktriniert, w&#228;hrend die Konzerne und Reichen weiterhin den Schutz und eine allseitige Unterst&#252;tzung des Staates erhalten: „Die Lehre der freien Marktwirtschaft erscheint in zwei Gestalten. Die erste ist die offizielle Lehre, die von den gebildeten Schichten gelehrt und den Wehrlosen aufgezwungen wird. Die zweite k&#246;nnen wir die ´real existierende Lehre der freien Marktwirtschaft` nennen: f&#252;r dich, aber nicht f&#252;r mich, au&#223;er zugunsten eines augenblicklichen Vorteils. Ich brauche den Schutz des f&#252;rsorglichen Staates, aber du musst ohne solchen Schutz Verantwortung lernen.“[<a href="#foot_23" name="note_23">23</a>] Die Wirtschaftswissenschaft ist f&#252;r Chomsky schon immer ein „Instrument des Klassenkrieges“ gewesen, die sich nicht nur mit den wechselnden &#246;konomischen Problemen und Anforderungen, sondern insbesondere mit der Ver&#228;nderung des politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses zwischen den Klassen und Schichten wandelt. Aber nicht nur die Wirtschaftswissenschaft erweist sich als extrem „anpassungsf&#228;hig“,[<a href="#foot_24" name="note_24">24</a>] sondern auch die Geschichts- und Rechtswissenschaft, weil hier die Intellektuellen ebenfalls die Sichtweise, Wahrnehmung und Interessen der Machtelite &#252;bernehmen, verteidigen und rechtfertigen[<a href="#foot_25" name="note_25">25</a>]. Der von den Intellektuellen hervorgebrachte Inhalt dieser Wissenschaften h&#228;ngt trotz anderslautender Beteuerungen in erster Linie von den Interessen und Zielsetzungen der M&#228;chtigen und Privilegierten ab.</p>
<p><strong>Hart erarbeitete Unverst&#228;ndlichkeit</strong><br />
Komplizierte und unverst&#228;ndliche Theorien &#252;ber die Gesellschaft und Politik haben f&#252;r Chomsky nicht die Aufgabe, die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse besser zu erkl&#228;ren. Vielmehr dienen sie den Intellektuellen dazu, sich einen Namen als Experten zu machen, damit sie sich im Wissenschaftsbetrieb eine berufliche Stellung erobern und sichern k&#246;nnen, die Prestige, Privilegien, Zugang zu Macht, Einfluss und ein hohes Einkommen erm&#246;glicht.[<a href="#foot_26" name="note_26">26</a>] F&#252;r diesen Zweck muss man sich als Intellektueller „seine Unverst&#228;ndlichkeit hart erarbeiten“.[<a href="#foot_27" name="note_27">27</a>]</p>
<p>Diese hart erarbeitete akademische ´Unverst&#228;ndlichkeit` der Intellektuellen kritisiert Chomsky, weil kaum „substanzielle Aussagen &#252;ber das menschliche Leben und die Gesellschaft“ existieren, „die nicht simpel w&#228;ren, sobald man die Absurdit&#228;ten und das gro&#223;sprecherische Getue, mit denen sie h&#228;ufig verbunden sind, einmal beiseite l&#228;sst.“[<a href="#foot_28" name="note_28">28</a>] Die philosophisch tiefgr&#252;ndigen und komplexen Ausf&#252;hrungen &#252;ber gesellschaftliche und politische Zusammenh&#228;nge entpuppen sich f&#252;r ihn entweder als Binsenweisheiten oder akademische Spielereien bzw. Betr&#252;gereien. So ist es f&#252;r ihn auch nicht &#252;berraschend, wenn sich die Intellektuellen gerne voreinander mithilfe spektakul&#228;rer wie schwer verst&#228;ndlicher Aussagen reproduzieren, um so ihr Prestige zu steigern und ihre karrieref&#246;rmige Eitelkeit zu befriedigen, damit sie ins Fernsehen oder auf die Titelseiten von Zeitschriften kommen.[<a href="#foot_29" name="note_29">29</a>]</p>
<p>Das Prestige der Wissenschaft wird hierbei von den Intellektuellen gerne in Anspruch genommen, um letztendlich zu verschleiern, dass sie mit ihren medial verbreiteten Deutungen und Forderungen in erster Linie f&#252;r die besonderen Interessen der M&#228;chtigen arbeiten: „Nicht nur, dass die Intellektuellen stark versucht sind, in einer Gesellschaft, die ihnen zu Ansehen und Wohlstand verhilft, eine ´pragmatische Einstellung` zu vertreten, (…), das hei&#223;t eine Einstellung, die verlangt, dass man die bestehende Verteilung der Macht, auf nationaler und internationaler Ebene, und die sich daraus ergebenden politischen Realit&#228;ten ´akzeptiert`, nicht kritisch analysiert oder zu &#228;ndern trachtet, und dass man nur auf ´langsame Verbesserungsma&#223;nahmen` hinarbeitet, in kleinen technologischen legitimierten Schritten. Das bedeutet nicht nur, dass man, (…), stark versucht ist, sie mit einer allgemeinen ideologischen Rechtfertigung zu versehen. Vielmehr m&#252;ssen wir auch damit rechnen, dass die politischen Eliten die Terminologie der Sozial- und Verhaltenswissenschaften anwenden werden, um ihr Tun und Lassen gegen kritische Analysen abzusichern (…). Und f&#252;r jede beliebige Handlung wird man in den Universit&#228;ten sicherlich Experten finden, die ihre Zweckm&#228;&#223;igkeit und Realit&#228;tsgerechtigkeit feierlich beschw&#246;ren.“[<a href="#foot_30" name="note_30">30</a>]</p>
<p>Insofern verkaufen Intellektuelle eigentlich nicht ihr Wissen und ihre angeblich besonderen intellektuellen F&#228;higkeiten als Waren auf dem Markt und verdienen damit ihr Geld, sondern sie werden haupts&#228;chlich f&#252;r ihren herrschaftssichernden Dienst entsprechend gut bezahlt, den sie f&#252;r die M&#228;chtigen und Reichen leisten, denn letztere wissen diese besondere Art von ´Arbeit` entsprechend zu w&#252;rdigen.[<a href="#foot_31" name="note_31">31</a>] </p>
<p>Demgegen&#252;ber besitzen gesellschaftskritische Intellektuelle die Neigung, sich vor allem mit esoterischen Themen zu besch&#228;ftigen, die ein Au&#223;enstehender nicht mehr verstehen und nachvollziehen kann.[<a href="#foot_32" name="note_32">32</a>] Dieser Hang der kritischen Intellektuellen kommt vermutlicherweise daher, weil sie im Wissenschaftsbetrieb marginalisiert sind und meistens dank ihrer argumentativen Exklusivit&#228;t auch keinen Bezug mehr zu politischen Bewegungen haben und pflegen. Au&#223;erdem werden die kritischen Au&#223;enseiter unter Druck gesetzt, da liegt die Besch&#228;ftigung mit einer randst&#228;ndigen, politisch harmlosen wie unverst&#228;ndlichen Thematik nahe.[<a href="#foot_33" name="note_33">33</a>] Denn man sagt dem Ab­weichler vom Mainstream: Er „muss aufh&#246;ren, unsere Werte infrage zu stellen und unsere Privilegien zu bedrohen. Er m&#246;ge sich mit technischen Modifikationen der bestehenden Gesellschaft besch&#228;ftigen, Modifikationen, die ihre Wirksamkeit steigern und ihre Ungleichheit verschleiern, aber er darf nicht eine radikal andere Alternative entwerfen und sich selbst f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen engagieren wollen.“[<a href="#foot_34" name="note_34">34</a>] Allerdings verhelfen die wenigen kritischen Intellektuellen, die durch das institutionelle Filtersystem des Bildungssystems gerutscht sind und nun gro&#223;z&#252;gig als Au&#223;enseiter geduldet werden, unfreiwillig die Glaubw&#252;rdigkeit des von der Machtelite dominierten Wissenschaftssystems zu st&#228;rken, weil sie als der lebende Beweis hingestellt werden, dass die Wissenschaft v&#246;llig frei, tolerant, plural und unabh&#228;ngig arbeitet.</p>
<p><strong>Tatsachen und unverst&#228;ndliche Theorien</strong><br />
Entgegen den intellektuellen Unverst&#228;ndlichkeiten und ideologischen Spitzfindigkeiten bzw. Moden ist f&#252;r Chomsky eine politische bzw. gesellschaftliche Analyse im Bereich des f&#252;r jeden zug&#228;nglichen Offensichtlichen angesiedelt.[<a href="#foot_35" name="note_35">35</a>] Aus diesem Grund ben&#246;tigt man f&#252;r eine solche Analyse kein besonderes Spezialwissen &#252;ber Methoden und Theorien, vielmehr gen&#252;gt es, „den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und bereit zu sein, eine rationale Argumentationslinie zu verfolgen.“[<a href="#foot_36" name="note_36">36</a>] Dagegen versuchen die Intellektuellen, „die Sache schwierig erscheinen zu lassen (…). Aber jenseits der harten Wissenschaften und der Mathematik gibt es wirklich nicht viel, das au&#223;erhalb der Reichweite von Leuten auch ohne spezielle Ausbildung liegt“.[<a href="#foot_37" name="note_37">37</a>] Eine Analyse politischer bzw. gesellschaftlicher Entwicklungen und Zusammenh&#228;nge besteht vor allem aus harter wie zeitaufwendiger B&#252;roarbeit, die jedoch jeder zustande bringen k&#246;nnte.[<a href="#foot_38" name="note_38">38</a>]</p>
<p>Au&#223;erdem werden f&#252;r Chomsky die Gesellschaftstheorien der Intellektuellen dem hohen und selbst gesetzten Anspruch einer Theorie nicht gerecht. Denn der Anspruch einer Theorie &#252;ber die Gesellschaft oder Politik beinhaltet notwendigerweise die Existenz einer sozialen Struktur, „deren Prinzipien auf den ersten Blick keineswegs augenf&#228;llig sind, aus denen sich jedoch &#252;berraschende Folgen ableiten lassen, die ihrerseits die Prinzipien best&#228;tigen.“ Aber in der „sozialen Welt“ gibt es f&#252;r Chomsky „so etwas nicht.“[<a href="#foot_39" name="note_39">39</a>] Insoweit kann es f&#252;r ihn keine Theorie weder &#252;ber die Gesellschaft noch &#252;ber die internationale Politik oder kapitalistische &#214;konomie geben, die diesen Anspruch einl&#246;sen kann. Dementsprechend respektlos geht Chomsky mit den vielfach angehimmelten intellektuellen Autorit&#228;ten der Gesellschaftswissenschaften um, in dem er sie in der Regel ignoriert, weil sie letztendlich nicht mehr als Binsenweisheiten vorzuweisen haben: „Sicher haben manche dieser ´Supertheoretiker` interessante Dinge zu sagen, doch lie&#223;e sich das alles auch auf dem Niveau von Erstsemestern formulieren.“[<a href="#foot_40" name="note_40">40</a>] Schlie&#223;lich kann man die wenigen grundlegenden Strukturen f&#252;r eine Analyse der Politik und Gesellschaft nach Chomsky auf die R&#252;ckseite einer Briefmarke schreiben,[<a href="#foot_41" name="note_41">41</a>] weil es sich um Binsenweisheiten &#252;ber die kapitalistischen Macht- und Klassenverh&#228;ltnisse handelt, die schon Adam Smith ganz unaufgeregt und selbstverst&#228;ndlich aussprach.</p>
<p><strong>Machtverh&#228;ltnisse und intellektuelle Vormundschaft</strong><br />
Adam Smith fasste die grundlegende Wahrheit &#252;ber das Machtverh&#228;ltnis in der b&#252;rgerlichen Klassengesellschaft mit den folgenden Worten zusammen: Zu „allen Zeiten“ lautete „die elende Devise der Herrschenden“: „Alles f&#252;r uns und nichts f&#252;r andere“.[<a href="#foot_42" name="note_42">42</a>] Die Architekten der Politik und des Staates sind deshalb f&#252;r Smith die Kapitalisten, die Kaufleute und Fabrikanten. Dementsprechend ist der herrschaftliche Zweck des Staates die Sicherung des Eigentums und Reichtums sowie der Schutz der Reichen vor den Armen.[<a href="#foot_43" name="note_43">43</a>] Schlie&#223;lich spiegeln Regierungsinstitutionen die Machtverteilung in der Gesellschaft wider; sie sind „keine unabh&#228;ngigen Handlungstr&#228;ger“.[<a href="#foot_44" name="note_44">44</a>] Heutzutage sind es die riesigen Konzerne, Banken, Finanzinvestoren und die Superreichen, die die Architektur der Politik und das Handeln des Staates bestimmen. Schlie&#223;lich will die Machtelite ihre Macht &#252;ber die Politik und den Staat genauso steigern und sichern wie ihre Profite und Marktanteile auf dem nationalen und internationalen Markt. Denn nur mit staatlicher Unterst&#252;tzung k&#246;nnen sie ihren Reichtum erhalten und weiter vergr&#246;&#223;ern. Dementsprechend m&#228;chtig muss der Staat f&#252;r die Wohlhabenden sein, damit er ihre Interessen durchzusetzen kann. Andererseits darf der Staat aus Sicht der Machtelite nicht zu m&#228;chtig und zu selbstst&#228;ndig sein, weil sonst die Gefahr besteht, dass er ihre Privilegien und ihren Reichtum antasten k&#246;nnte.[<a href="#foot_45" name="note_45">45</a>]</p>
<p>F&#252;r die internationalen Beziehungen ergeben sich aus diesem Macht- und Klassenverh&#228;ltnis zwei zentrale Prinzipien, die f&#252;r Chomsky zahlreiche Entwicklungen und Ereignisse hinreichend erkl&#228;ren:</p>
<ol>
<li>Es sind vor allem die Interessen der Konzerne, Unternehmen und Banken, die in der Au&#223;enpolitik des Staates gesichert und durchgesetzt werden, wie auch immer ihre f&#252;rchterlichen Konsequenzen f&#252;r andere sind, wie schon Adam Smith hervorhob.</li>
<li>Gro&#223;e bzw. m&#228;chtige Staaten setzen durch, was sie sich w&#252;nschen oder wollen, w&#228;hrend die kleineren bzw. schw&#228;cheren Staaten zu akzeptieren haben, was sie tun m&#252;ssen.[<a href="#foot_46" name="note_46">46</a>]</li>
</ol>
<p>Hieraus ergeben sich einige wichtige Aufgaben des Staates f&#252;r die Machtelite: </p>
<ol>
<li>Die heimischen Konzerne und Unternehmen m&#252;ssen subventioniert und ihre Marktmacht muss gesch&#252;tzt werden, indem man sie z. B. vor negativen Resultaten des Marktmechanismus sch&#252;tzt.</li>
<li>Der ausbeuterische Zugriff der nationalen Konzerne und Unternehmen auf die Ressourcen anderer L&#228;nder und die Transportwege m&#252;ssen weltweit gesichert werden. Zudem m&#252;ssen fremde M&#228;rkte und Staaten f&#252;r die Profitmaximierung der nationalen Konzerne und Banken ge&#246;ffnet bzw. unterworfen werden.[<a href="#foot_47" name="note_47">47</a>]</li>
<li>Die einheimische Arbeiterschaft muss in Schach gehalten werden, in dem man ihnen Gehorsam einschleift. F&#252;r die Ein&#252;bung des Gehorsams „gibt es ideologische Institutionen, die von Kulturmanagern verwaltet und geleitet werden.“[<a href="#foot_48" name="note_48">48</a>]</li>
</ol>
<p>F&#252;r Chomsky ver&#228;ndert sich daher der „strategische Grundrahmen politischen Handelns (…) im wesentlichen kaum, solange die Macht- und Herrschaftsinstitutionen stabil bleiben und die M&#246;glichkeit bieten, Herausforderungen zu begegnen und rivalisierende Kr&#228;fte miteinander in Einklang zu bringen oder gegeneinander auszuspielen.“[<a href="#foot_49" name="note_49">49</a>]</p>
<p>Aber dies alles sind f&#252;r Chomsky auf der Hand liegende Banalit&#228;ten &#252;ber die Macht- und Klassenverh&#228;ltnisse in einem kapitalistischen Land und zwischen den Staaten. Dementsprechend unsinnig ist der von den Intellektuellen verbreitete Glaube, dass man, um die Gesellschaft oder die Politik zu verstehen, auf komplizierte Theorien zur&#252;ckgreifen m&#252;sste: F&#252;r „jeden, der sich in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften (oder den ´politischen Wissenschaften`) auch nur ein wenig auskennt, ist die Behauptung, gewisse Erw&#228;gungen und Prinzipien seien zu diffizil, als dass der Au&#223;enstehende sie verstehen k&#246;nnte, schlichtweg eine Absurdit&#228;t und jeglichen Kommentars unw&#252;rdig.“[<a href="#foot_50" name="note_50">50</a>] </p>
<p>Mit ihren theoretischen Unverst&#228;ndlichkeiten beanspruchen Intellektuelle vor allem eines, n&#228;mlich die Vormundschaft &#252;ber die Bev&#246;lkerung auszu&#252;ben. Diese Vormundschaft zielt darauf ab, die Menschen vom unabh&#228;ngigen Denken und Urteilen &#252;ber die Welt abzuhalten, um sie so politisch zu marginalisieren: „Entsprechend ist es f&#252;r die Fachleute au&#223;erordentlich wichtig, jedem den Glauben an das Vorhandensein eines intellektuellen Bezugsrahmens einzufl&#246;&#223;en, den sie allein besitzen, sodass also allein sie das Recht haben oder dazu imstande sind, diese Angelegenheiten zu kommentieren. Dies ist eine der Weisen, auf die die Berufsintelligentsia eine n&#252;tzliche und wirkungsvolle Funktion innerhalb des gesellschaftlichen Kontrollapparates erf&#252;llt.“[<a href="#foot_51" name="note_51">51</a>] Zu diesem Zweck berufen sich Intellektuelle gerne auf „die Autorit&#228;t der Wissenschaft“ und nutzen das von ihnen selbst geschaffene Image von Wissenschaft in der &#214;ffentlichkeit daf&#252;r aus.[<a href="#foot_52" name="note_52">52</a>]</p>
<p>Auf diese Art und Weise wird f&#252;r Chomsky ein hoher Grad an ideologischer Konformit&#228;t in der Gesellschaft hergestellt, die die Bildungsinstitutionen, Medien und die gebildeten Schichten beherrscht und bestimmt.[<a href="#foot_53" name="note_53">53</a>] So betont Chomsky weiter, „dass der Kult, der mit den Experten getrieben wird, ganz offensichtlich sowohl profitabel ist (f&#252;r jene, die ihn propagieren) als auch betr&#252;gerisch. (…) Sollte es wirklich einen Vorrat an genau gepr&#252;ften und best&#228;tigten Theorien geben, die f&#252;r die Behandlung au&#223;enpolitischer Probleme oder die L&#246;sung innerer oder internationaler Konflikte geeignet sind, dann ist ihre Existenz ein gut beh&#252;tetes Geheimnis geblieben.“[<a href="#foot_54" name="note_54">54</a>] Aus diesem Grund sollten die Gesellschaftswissenschaften ernsthaft studiert werden, weil dann jedem bewusst wird, „wie wenig sie tats&#228;chlich &#252;ber die Probleme von Mensch und Gesellschaft, die wirklich z&#228;hlen, zu sagen haben.“[<a href="#foot_55" name="note_55">55</a>]</p>
<p><strong>Leit- und Massenmedien der Konzerne</strong><br />
Der ´gebildete` Teil der Bev&#246;lkerung, der sich aus Kulturmanagern, Schriftstellern, Journalisten, Lehrern, Politikern, Rechtsanw&#228;lten, F&#252;hrungspersonal bzw. Manager des Staates und der Unternehmen etc. zusammensetzt, ihr Anteil wird von Chomsky auf rund 20 Prozent gesch&#228;tzt, wird am st&#228;rksten ideologisch indoktriniert, da er die entscheidenden herrschaftssichernden Aufgaben und Funktionen f&#252;r die Machtelite aus&#252;bt, denn:[<a href="#foot_56" name="note_56">56</a>] Die Wirkungen der Indoktrination „sind umso gr&#246;&#223;er, je mehr sie von den gebildeten Schichten unterst&#252;tzt und keine Kritik daran zugelassen wird. Diese Lektion haben Hitler und viele andere gelernt, bis auf den heutigen Tag.“[<a href="#foot_57" name="note_57">57</a>] Deshalb sind die gebildeten Schichten der herrschaftssichernden Propaganda der Intellektuellen best&#228;ndig ausgesetzt. Zudem k&#246;nnen sich die gebildeten Schichten in gehobener Form ausdr&#252;cken, sie haben die weitgehend gleiche soziale und politische Wahrnehmung, Werte- und Verhaltenseinstellung wie die Machtelite und &#252;ben deshalb in bestimmten Umfang einen entsprechenden Einfluss auf die politischen, &#246;konomischen, sozialen und kulturellen Entscheidungen und Entwicklungen eines Landes aus. Sie identifizieren sich mit den Interessen der M&#228;chtigen und halten diese f&#252;r ihre eigenen. F&#252;r ihren Dienst und f&#252;r ihre Verinnerlichung und Verteidigung des Wertekanons und der Interessen der Machtelite erhalten sie einen gewissen Anteil an der Macht, des Reichtums, der Privilegien und des Prestiges. Damit bilden sie nicht nur einen zentralen Pfeiler des ideologischen Indoktrinationssystems, sondern sie sind vielmehr entscheidende Akteure des staatskapitalistischen Propagandasystems f&#252;r die Herrschaftssicherung der Machtelite, weil sie die breite, weniger gebildete Bev&#246;lkerungsgruppe (rund 80 Prozent) ideologisch zum Gehorsam, zur Passivit&#228;t, Konformit&#228;t, Habsucht und Unterwerfung erziehen, in dem sie diese in ihrem sozialen, kulturellen Verhalten, Wissen und Denken bzw. in ihrer Wahrnehmung entsprechend formen, disziplinieren und kontrollieren. Dieses grundlegende soziale Verh&#228;ltnis spiegelt sich auch in einer Zweiteilung der Medien wider, die entweder reine Medienkonzerne sind oder Konzernkonglomeraten angeh&#246;ren.[<a href="#foot_58" name="note_58">58</a>]</p>
<p>Das Gesch&#228;ft dieser konzerngesteuerten Medien ist es nicht, ihre Leserschaft und Zuschauer mit Informationen und Zusammenh&#228;ngen des Zeitgeschehens zu beliefern. Vielmehr verkaufen die Medienkonzerne ihre Leserschaft und Zuschauer an ihre Anzeigenkunden, also den gro&#223;en Unternehmen und Konzernen, denn nur damit macht man als Medienunternehmen Gewinne. Die Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sendungen der Konzerne vermitteln deshalb ein Bild von der Gesellschaft, die den politischen Bed&#252;rfnissen, Interessen und Perspektiven der Anzeigenkunden und den Medienkonzernen Rechnung tragen.[<a href="#foot_59" name="note_59">59</a>] F&#252;r die extrem indoktrinierten und gebildeten Schichten existieren intellektuell ´anspruchsvolle` Elite- und Leitmedien, die politische und &#246;konomische Gegebenheiten und Entwicklungen innerhalb des vorgegebenen ideologischen Indoktrinierungsrahmens der Machtelite darlegen und kommentieren. All dies dient auch dazu, den &#252;brigen 80 Prozent der Bev&#246;lkerung die notwendigen Illusionen bzw. L&#252;gen als Wahrheit zu verkaufen, hinter denen sich die handfesten Interessen der Machtelite verbergen. Denn diese Leitmedien liefern nicht nur die passenden Themen, Bilder und Informationen, sondern setzen vor allem den zu befolgenden ideologischen Rahmen zul&#228;ssiger Meinungen und Ansichten &#252;ber die Welt f&#252;r alle weiteren Massenmedien.[<a href="#foot_60" name="note_60">60</a>]</p>
<p>Dennoch m&#252;ssen die Elitemedien wahre Tatsachen nennen (dies passiert vor allem in den Wirtschaftszeitungen), weil die &#246;konomischen und politischen Entscheidungen der M&#228;chtigen als auch der gebildeten Schichten auf Fakten beruhen m&#252;ssen. Die Notwendigkeit der Erzeugung von Illusionen &#252;ber die politik&#246;konomischen Zusammenh&#228;nge und Ereignisse und die Notwendigkeit wahre Tatsachen zu benennen konstituiert jedoch einen un&#252;berwindbaren Widerspruch dieser Leitmedien. Innerhalb dieses ideologisch indoktrinierten und widerspr&#252;chlichen Rahmens der Leitmedien werden daher heftige Kontroversen ausgetragen, die nicht nur die unterschiedlichen Interessen innerhalb der Machtelite und ihren Unterst&#252;tzern aus den gebildeten Schichten und Intellektuellen widerspiegeln, sondern auch den Anschein einer freien, demokratischen und pluralen Diskussion erwecken, was wiederum eine wichtige Legitimationsquelle f&#252;r das Netzwerk der Machtelite darstellt. Zudem k&#246;nnen sich die Zeitungen, Zeitschriften und TV-Sender durch ihre Berichterstattung &#252;ber diese Konflikte und Kontroversen, einschlie&#223;lich ihrer willk&#252;rlichen Parteinahme f&#252;r die eine oder andere der Konfliktparteien, gerne als unabh&#228;ngige, ausgewogene und kritische Instanz gegen&#252;ber Politik und Wirtschaft inszenieren, w&#228;hrend sie tats&#228;chlich den von der Machtelite restriktiv gesetzten, politischen und ideologischen Indoktrinierungsrahmen nie verlassen haben.</p>
<p>F&#252;r den &#252;brigen Teil der Bev&#246;lkerung, also die ´weniger gebildete` und zum Gehorsam erzogene Mehrheit, gibt es die anspruchslosen Massenmedien, die vor allem daf&#252;r zust&#228;ndig sind, die Menschen zu unterhalten, zu am&#252;sieren, abzulenken (Sport, Seifenopern, Boulevard, Comedy, Krimis etc.), und sie mithilfe bedeutungsloser (nationalistischer, chauvinistischer) Slogans und des Fernsehens zu apathischen, autorit&#228;tsgl&#228;ubigen, kaufs&#252;chtigen wie desinteressierten Konsumidioten zu formieren. So wird die Bev&#246;lkerung sozial atomisiert, fragmentiert und dadurch politisch marginalisiert. Dies wird durch eine falsche, l&#252;genhafte oder irref&#252;hrende Darstellung politischer, sozialer, &#246;konomischer Tatsachen, Erkl&#228;rungen und Zusammenh&#228;nge begleitet, die von Regierungen und Konzernen mithilfe der PR-Industrie sowie intellektuellen Experten als notwendige Illusionen produziert und verbreitet werden. Die breite Bev&#246;lkerung soll eben nicht &#252;ber die Welt selbstst&#228;ndig nachdenken, sie soll sich noch viel weniger politisch einmischen, vielmehr soll sie sich darauf beschr&#228;nken, die in der Werbung angepriesenen Waren zu konsumieren, um einen fremdgesteuerten Lebensstil zu imitieren und nachzueifern. Aus diesem Grund ist es in den Augen der PR-Manager notwendig, unter der Bev&#246;lkerung eine „´Philosophie der Vergeblichkeit` und des fehlenden Lebenssinns“ zu verbreiten, „um die Aufmerksamkeit auf ´die eher &#252;berfl&#252;ssigen Dinge` zu lenken, die ´Ausdruck modebewusster Konsumtion sind`“.[<a href="#foot_61" name="note_61">61</a>]</p>
<p>Die Menschen sollen sich, um in einen apathischen Zustand versetzt zu werden, auf ihren Individualismus zur&#252;ckziehen und nur noch ihrem pers&#246;nlichen Gewinn verpflichtet f&#252;hlen: „Vom Kleinkinderalter auf von Propaganda &#252;berflutet, k&#246;nnen die Menschen ihr sinnloses und untergeordnetes Leben akzeptieren und vergessen so l&#228;cherliche Ideen, wie ihre Angelegenheiten selbst bestimmen zu k&#246;nnen. Sie lassen die Bestimmung ihres Schicksals bei den Zauberern zur&#252;ck, und im politischen Bereich bei der ´intelligenten Minderheit`, wie jene sich selbst beschreiben, welche der Macht dienen und sie verwalten.“[<a href="#foot_62" name="note_62">62</a>] Insoweit ist es aus der Herrschaftssicht der Machtelite nicht ganz so wichtig, was dieser Teil der Bev&#246;lkerung wirklich denkt, solange diese Menschen gehorchen und ihrer Pflicht als Lohnarbeiter und Konsumenten nachkommen: „Gute Propaganda erfindet einen Slogan, dem alle zustimmen k&#246;nnen, ohne wissen zu m&#252;ssen, was er bedeutet, weil er n&#228;mlich nichts bedeutet. Sein Wert besteht gerade darin, von der wirklich bedeutungsvollen Frage abzulenken (…). Das in den drei&#223;iger Jahren erdachte Konzept funktioniert bis heute, und die PR-Industrie setzt weiterhin auf eine Demokratie, in der die Spezialisten im Dienst der Wirtschaft stehen, w&#228;hrend die &#252;brige Bev&#246;lkerung aller M&#246;glichkeiten, sich zu organisieren, beraubt ist, weil der Kampf um Rechte nur &#196;rger verursacht. Die Leute sollen vor dem Fernseher sitzen und sich die Botschaft einh&#228;mmern lassen, es sei am wichtigsten, dieses oder jenes Produkt zu kaufen und das Leben der reichen Mittelschichtfamilie zu f&#252;hren, die einem auf dem Bildschirm vorgef&#252;hrt wird“.[<a href="#foot_63" name="note_63">63</a>]</p>
<p><strong>Machtinstinkt der Intellektuellen</strong><br />
Das von Chomsky scharf kritisierte „gro&#223;sprecherische Getue“ der Intellektuellen beruht insbesondere darauf, dass sie sich damit gegen&#252;ber politischen Bewegungen distanzieren und abschotten. Intellektuelle nehmen aufgrund ihrer Klassenposition gegen&#252;ber politischen Bewegungen und Aktivit&#228;ten fast immer eine herablassende, belehrende und kontrollierende, also elit&#228;re Position und Geisteshaltung ein: Man kann daher plausibel annehmen, „dass die Intellektuellen bei der Interpretation der Geschichte oder bei der Formulierung der Politik dazu neigen werden, eine elit&#228;re Position zu beziehen: Sie werden Volksbewegungen und Massenbeteiligungen bei politischen Entscheidungen verurteilen und daf&#252;r die Notwendigkeit hervorheben, dass diejenigen die Oberaufsicht &#252;bernehmen, die das (wie sie glauben) f&#252;r die F&#252;hrung der Gesellschaft und die Kontrolle des sozialen Wandels notwendige Wissen und K&#246;nnen haben.“[<a href="#foot_64" name="note_64">64</a>] Intellektuelle ersetzen hier ihre Verantwortung, n&#228;mlich die Wahrheit zu sagen, durch das Ziel, ihre eigene privilegierte Position in der Gesellschaft gegen&#252;ber der breiten, unwissenden Masse zu sichern und zu legitimieren. So kommt es, das sie entweder die Interessen und Ziele der jeweiligen kapitalistischen Machtelite unterst&#252;tzen, formen und rechtfertigen oder als links-intellektuelle bzw. leninistische Avantgarde die Macht erobern und diese anschlie&#223;end gegen&#252;ber der ´ungebildeten Masse` aus&#252;ben wollen. Und in beiden F&#228;llen geben sich die Intellektuellen gerne als die wahren Repr&#228;sentanten des Volkes aus, das sie helfen zu unterdr&#252;cken und auszubeuten. Auf diesen Machtanspruch der Intellektuellen hatten, wie Chomsky betont, schon Bakunin, Luxemburg und Pannekoek aufmerksam gemacht.[<a href="#foot_65" name="note_65">65</a>] Vermutlich f&#228;llt es dank dieses Machtinstinkts den Intellektuellen eher leicht, „von einer Position zur anderen hin&#252;berzuwechseln, ohne ihre Grund&#252;berzeugungen &#228;ndern zu m&#252;ssen. Es geht nur darum, sich der jeweiligen Machtposition anzuschlie&#223;en. Wenn es eine Revolution gibt, kommen wir an die Macht; wenn nicht, arbeiten wir f&#252;r die Leute, die die wirkliche Macht in den H&#228;nden halten, d. h. f&#252;r die Gesch&#228;ftsleute. Aber die Sache bleibt sich gleich: Wir treiben die dumpfen Massen einer Welt entgegen, die zu begreifen sie selbst unf&#228;hig sind.“[<a href="#foot_66" name="note_66">66</a>]</p>
<p><strong>Klassenkrieg gegen den inneren Feind</strong><br />
Ohnehin gilt die weniger gebildete Bev&#246;lkerung in den Augen der M&#228;chtigen, Intellektuellen und Gebildeten seit der Ausweitung demokratischer Rechte als prinzipiell unberechenbar und damit als potenziell gef&#228;hrlich, deshalb lautet die herrschaftssichernde Devise: „Wenn die Freiheit w&#228;chst, w&#228;chst die Notwendigkeit, die Meinungen zu kanalisieren und zu kontrollieren ebenfalls, sofern man die gro&#223;e Bestie davon abhalten will, mit ihrer Freiheit etwas Sinnvolles anzufangen.“[<a href="#foot_67" name="note_67">67</a>] Aus diesem Grund geh&#246;rt die Kontrolle der einheimischen Bev&#246;lkerung auch zu den vorrangigen Aufgaben des Staates.[<a href="#foot_68" name="note_68">68</a>] Denn diese „ungez&#228;hmte Meute“[<a href="#foot_69" name="note_69">69</a>] wird von den Konzernlenkern und Staatsmanagern als innerer Feind angesehen[<a href="#foot_70" name="note_70">70</a>]: „Der Abschaum muss den Wert der Unterordnung sch&#228;tzen lernen und, mit Scheuklappen versehen, auf die Suche nach pers&#246;nlichem materiellen Gewinn geschickt werden.“[<a href="#foot_71" name="note_71">71</a>] Darum ist es „auch nutzbringend, die Bev&#246;lkerung auf einem niedrigen kulturellen Niveau zu halten, wie es in den USA recht erfolgreich gelungen ist“.[<a href="#foot_72" name="note_72">72</a>] Solange dieser Bev&#246;lkerungsteil sich unterordnet, damit seiner ihm auferlegten Pflicht des Arbeitens und Gehorsams nachkommt, muss man ihm &#8211; aus der Sicht der Machtelite &#8211; keine Beachtung schenken, da man uneingeschr&#228;nkte Handlungsfreiheit zur Verfolgung seiner Interessen besitzt, also die Entscheidungen in der politischen Arena unter seines gleichen trifft. Schlie&#223;lich darf in den westlichen Demokratien die Demokratie nichts anderes als ein Machtspiel der ´aufgekl&#228;rten und weisen` Eliten sein. </p>
<p>Mischt sich die breite Bev&#246;lkerung dennoch unerwartet in diese Angelegenheit der Elite ein, indem sie sich pl&#246;tzlich organisiert, um sich f&#252;r eigene Rechte und Interessen einzusetzen, damit unerlaubterweise die politische Arena betritt, obwohl sie doch nur als Zuschauer zugelassen ist, dann rufen die Intellektuellen die „Krise der Demokratie“ aus. </p>
<p>Im selben Augenblick geht dann die Machtelite zum Gegenangriff &#252;ber, da sie ihre politische Vorherrschaft und Souver&#228;nit&#228;t infrage gestellt sieht. Dieser von der Machtelite dann eingeleitete und gef&#252;hrte „<strong>Klassenkrieg</strong>“[<a href="#foot_73" name="note_73">73</a>] gegen den <strong>inneren Feind</strong> kann je nach Stand des politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses unterschiedliche – von den Intellektuellen initiierte und ausgearbeitete &#8211; Strategien annehmen, um den „P&#246;bel“ wieder „auf Linie zu bringen“.[<a href="#foot_74" name="note_74">74</a>] Chomsky z&#228;hlt daf&#252;r einige Beispiele aus der j&#252;ngeren kapitalistischen Geschichte der westlichen Industriestaaten auf:</p>
<ol type="a">
<li>Die Konzernpropaganda &#252;ber die Wohlt&#228;tigkeit des freien Unternehmertums und des Marktes wird erheblich intensiviert („wir sitzen alle in einem Boot“, „Wir sind eine Familie und haben die gleichen Interessen, deshalb m&#252;ssen wir gut zusammenarbeiten“ usw.) und rechte Denkfabriken werden weiter ausgebaut.[<a href="#foot_75" name="note_75">75</a>] Gleichzeitig werden die Gewerkschaften bek&#228;mpft und Kritiker des Konzernkapitalismus diffamiert. Dies wird begleitet mit Drohungen und Sanktionen gegen&#252;ber Dissidenten, Anf&#252;hrern und Anh&#228;ngern der oppositionellen Gruppen und Parteien.[<a href="#foot_76" name="note_76">76</a>]</li>
<li>Es werden soziale, politische Rechte der Lohnabh&#228;ngigen beschnitten oder zerst&#246;rt und die Gewerkschaftsmacht einged&#228;mmt. Einst erk&#228;mpfte sozialstaatliche Leistungen und Sicherungen werden zerschlagen. Mit dieser  ´Erneuerung` der angeblich verloren gegangenen Marktdisziplin soll der alte Gehorsam gegen&#252;ber den M&#228;chtigen und Reichen wieder hergestellt werden: „Die einzigen den Menschen zustehenden Rechte sollen die Rechte sein, die man auf dem Arbeitsmarkt gewinnt. (…) Es besteht die Wahl zwischen dem Armengef&#228;ngnis und dem Arbeitsmarkt – dem, was man sich dort ergattern kann.“[<a href="#foot_77" name="note_77">77</a>]</li>
<li>Es werden ideologische, rechtliche und materielle bzw. soziale Konzessionen durch die scheinbar einsichtsvolle Machtelite zugelassen, wenn die „ungez&#228;hmte Meute“ zu m&#228;chtig geworden ist und andere disziplinierende Methoden unwirksam waren bzw. zu sp&#228;t ergriffen wurden. Damit wird erreicht, dass man bei den politisch organisierten und handelnden Menschen ihre alte Passivit&#228;t wieder herstellt, indem man u.a. oppositionelle Anf&#252;hrer und die Gewerkschaftsspitzen einbindet. So gewinnt die Machtelite ihr verloren gegangenes Vorrecht auf politische Steuerung und Initiative wieder zur&#252;ck, bekanntlich k&#246;nnen in ihren Augen die rechtlichen und sozialen Zugest&#228;ndnisse unter politisch g&#252;nstigeren Bedingungen wieder von ihnen zur&#252;ckgenommen werden.[<a href="#foot_78" name="note_78">78</a>]</li>
<li>Verbreitung von Angst, Hass, Furcht und Schrecken durch Schaffung von neuen inneren und &#228;u&#223;eren Feinden oder S&#252;ndenb&#246;cken, die nicht nur d&#228;monisiert und pathologisiert, sondern oftmals nur mithilfe eines Krieges nach innen und au&#223;en besiegt werden k&#246;nnen, um so von den Problemen und Interessen der Menschen abzulenken, damit sie sich wieder in unterw&#252;rfige, ver&#228;ngstigte und daher apathische B&#252;rger verwandeln. Die Erzeugung von nationaler Hysterie, Chauvinismus und Hass erm&#246;glicht au&#223;erdem den leichteren Abbau und die Einschr&#228;nkung von B&#252;rgerrechten, Sozialleistungen sowie den Ausbau von neuen staatlichen Instrumenten zur Unterwerfung und Kontrolle der Bev&#246;lkerung.[<a href="#foot_79" name="note_79">79</a>]</li>
<li>Der Staat geht angesichts der unerwarteten oder untersch&#228;tzten St&#228;rke bzw. Gefahr und Gegenmacht der oppositionellen Gruppen und Bewegungen selbst in den Untergrund. Der Staat organisiert und finanziert dann geheime und illegale Aktivit&#228;ten gegen Dissidenten und politische Gruppen oder Parteien, um sie einzusch&#252;chtern, zu &#252;berwachen, zu schw&#228;chen, zu delegitimieren und letztendlich zu zerschlagen, notfalls werden auch oppositionelle Aktivisten und Anf&#252;hrer ermordet.[<a href="#foot_80" name="note_80">80</a>]</li>
</ol>
<p>Aus der Kritik an den Intellektuellen, einschlie&#223;lich der gebildeten Schichten, sollte man nach Chomsky allerdings nicht die ´romantische` Schlussfolgerung ziehen, dass die breite Masse der Herrschaftsunterworfenen die vern&#252;nftigeren, moralisch besseren Menschen w&#228;ren, die vielleicht sogar von einem versteckt gebliebenen revolution&#228;ren Geist bzw. fortschrittlichen Impuls beseelt sind. Dies ist ein Trugschluss. Vielmehr ist alles m&#246;glich, auch die Entstehung einer faschistischen Massenbewegung von unten gegen die bestehende Machtelite.[<a href="#foot_81" name="note_81">81</a>] Bereits Bertrand Russell kritisierte den Glauben an die h&#246;here Tugend der Unterdr&#252;ckten als eine „hartn&#228;ckige Wahnidee“, die f&#252;r ihn vor allem ein Produkt der Herrschaft selbst ist, die aber erst dann einsetzt, „wenn sich das schlechte Gewissen der Unterdr&#252;cker regt, und das r&#252;hrt sich erst, wenn ihre Macht nicht mehr gesichert ist. (…) Ist schlie&#223;lich die Macht gleichm&#228;&#223;ig verteilt, so wird jeder einsehen, dass alles Gerede von der h&#246;heren Tugend Unsinn und zur Begr&#252;ndung des Anspruchs auf Gleichheit ganz unn&#246;tig war.“[<a href="#foot_82" name="note_82">82</a>]</p>
<div class="hr_wrap">
<hr /></div>
<div class="footnote">
<p>[<a href="#note_1" name="foot_1">«1</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg, S. 68</p>
<p>[<a href="#note_2" name="foot_2">«2</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M., S. 126</p>
<p>[<a href="#note_3" name="foot_3">«3</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M., S. 125f.</p>
<p>[<a href="#note_4" name="foot_4">«4</a>]  Chomsky 2001: Propaganda and the public mind. Conversations with Noam Chomsky, S. 145f.</p>
<p>[<a href="#note_5" name="foot_5">«5</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M., S. 125f.; „Die Verantwortung des Schriftstellers als moralisch Handelnden besteht darin, einem potenziell handlungsf&#228;higen Publikum die Wahrheit &#252;ber wesentliche Dinge im Leben zug&#228;nglich zu machen.“ (in: „absolute Noam Chomsky“; Hg.: M. Schiffmann, 2004, Freiburg, S. 122f.)</p>
<p>[<a href="#note_6" name="foot_6">«6</a>]  Vgl. Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 139f.</p>
<p>[<a href="#note_7" name="foot_7">«7</a>]  Chomsky1987: Vom politischen Gebrauch der Waffen; Wien, S.243ff.</p>
<p>[<a href="#note_8" name="foot_8">«8</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 132</p>
<p>[<a href="#note_9" name="foot_9">«9</a>]  Chomsky zitiert nach John Pilger 2000: Noam Chomsky, in: Chomsky: Sprache und Politik, Berlin, S. 12</p>
<p>[<a href="#note_10" name="foot_10">«10</a>]   „Absolute Noam Chomsky“; Hg.: M. Schiffmann, 2004, Freiburg, S. 24</p>
<p>[<a href="#note_11" name="foot_11">«11</a>]  Chomsky 2008: die gro&#223;e Seele der Macht; in: <a href="http://www.edition-nautilus.de/xbilder/xmedia/Chomsky_Extra.pdf">http://www.edition-nautilus.de/xbilder/xmedia/Chomsky_Extra.pdf [PDF - 270 KB]</a>, S. 11. f&#252;nf Texte zu dem Buch „Interventionen“ von N. Chomsky, Hamburg</p>
<p>[<a href="#note_12" name="foot_12">«12</a>]  Chomsky 2008: die gro&#223;e Seele der Macht; in: <a href="http://www.edition-nautilus.de/xbilder/xmedia/Chomsky_Extra.pdf">http://www.edition-nautilus.de/xbilder/xmedia/Chomsky_Extra.pdf [PDF - 270 KB]</a>, S. 11. f&#252;nf Texte zu dem Buch „Interventionen“ von N. Chomsky, Hamburg</p>
<p>[<a href="#note_13" name="foot_13">«13</a>]  Chomsky 2001: Die politische &#214;konomie der Menschenrechte, Grafenau, S. 175/p></p>
<p>[<a href="#note_14" name="foot_14">«14</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 285, Herv. im Original </p>
<p>[<a href="#note_15" name="foot_15">«15</a>]  Chomsky 1994: Keeping the rabble in line: interviews with David Barsamian, S. 150f.</p>
<p>[<a href="#note_16" name="foot_16">«16</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M., S. 123</p>
<p>[<a href="#note_17" name="foot_17">«17</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 270f.; vgl. Chomsky 2001: Propaganda and the public mind. Conversations with Noam Chomsky, S. 26ff.</p>
<p>[<a href="#note_18" name="foot_18">«18</a>]  Chomsky 1981: Sprache und Verantwortung; Berlin, S. 34f.</p>
<p>[<a href="#note_19" name="foot_19">«19</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg, S. 160</p>
<p>[<a href="#note_20" name="foot_20">«20</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 312f.; vgl. C. Girschner 2012: Wirtschaftswissenschaft als herrschaftssichernde Ideologie, in: <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0312/t170312.html">www.trend.infopartisan.net/trd0312/t170312.html</a></p>
<p>[<a href="#note_21" name="foot_21">«21</a>]  Chomsky 1997: Alter Wein in neuen Schl&#228;uchen: ein bitterer Nachgeschmack; in: PROKLA Nr. 108, S. 483</p>
<p>[<a href="#note_22" name="foot_22">«22</a>]  Chomsky 2004: Neue Weltordnungen. Vom Kolonialismus bis zum Big Mac; Hamburg, 223f.</p>
<p>[<a href="#note_23" name="foot_23">«23</a>]  Chomsky 1997: Alter Wein in neuen Schl&#228;uchen: ein bitterer Nachgeschmack; in: PROKLA Nr. 108, S. 477</p>
<p>[<a href="#note_24" name="foot_24">«24</a>]  Chomsky 2000: Haben und Nichthaben; Berlin/Wien, S. 149</p>
<p>[<a href="#note_25" name="foot_25">«25</a>]  Chomsky 2008: Wie man Geschichte umschreibt; in: Chomsky: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen. Zentrale Schriften zur Politik; M&#252;nchen, S. 169ff.; Chomsky 2005: Imperial ambitions: interviews with David Barsamian, London, S. 75ff.; Chomsky 2003: Hybris, Hamburg, S.26ff.; Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 16ff.</p>
<p>[<a href="#note_26" name="foot_26">«26</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 8</p>
<p>[<a href="#note_27" name="foot_27">«27</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 286</p>
<p>[<a href="#note_28" name="foot_28">«28</a>]  Chomsky 2001: Die politische &#214;konomie der Menschenrechte, Grafenau, S. 175</p>
<p>[<a href="#note_29" name="foot_29">«29</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 132</p>
<p>[<a href="#note_30" name="foot_30">«30</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 122</p>
<p>[<a href="#note_31" name="foot_31">«31</a>]  Chomsky 1994: Keeping the rabble in line: interviews with David Barsamian, S. 155f.</p>
<p>[<a href="#note_32" name="foot_32">«32</a>]  Vgl. Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 394</p>
<p>[<a href="#note_33" name="foot_33">«33</a>]  Chomsky 1994: Keeping the rabble in line: interviews with David Barsamian, S. 163ff.</p>
<p>[<a href="#note_34" name="foot_34">«34</a>]  Chomsky 1974: Aus Staatsraison; Frankfurt/M. S. 27</p>
<p>[<a href="#note_35" name="foot_35">«35</a>]  dazu Chomsky in: Robert F. Barsky 1999: Noam Chomsky. Libert&#228;rer Querdenker; Z&#252;rich, S. 201</p>
<p>[<a href="#note_36" name="foot_36">«36</a>]  Chomsky 1981: Sprache und Verantwortung; Berlin, S. 32f.</p>
<p>[<a href="#note_37" name="foot_37">«37</a>]  Chomsky zitiert nach: Robert F. Barsky 1999: Noam Chomsky. Libert&#228;rer Querdenker; Z&#252;rich, S. 201</p>
<p>[<a href="#note_38" name="foot_38">«38</a>]  Wer selbst Forschung betreiben will, sollte nach Auffassung von Chomsky dies beachten: „Verlass dich nicht einfach auf die herk&#246;mmlichen Geschichtsdarstellungen und politwissenschaftlichen Schulb&#252;cher – greif zur&#252;ck auf Monografien von Spezialisten und auf die originalen Quellen: Memoranden zur Nationalen Sicherheit und &#228;hnliche Dokumente.“ (Chomsky 1993: Was Onkel Sam wirklich will; Z&#252;rich, S. 142)</p>
<p>[<a href="#note_39" name="foot_39">«39</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 287; Chomsky 2001: Propaganda and the public mind. Conversations with Noam Chomsky, S.20f.</p>
<p>[<a href="#note_40" name="foot_40">«40</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht; Hamburg, S. 287</p>
<p>[<a href="#note_41" name="foot_41">«41</a>]  nach Michael Schiffmann 2004: Um der Freiheit willen; in: Junge Welt 24.5., S. 10f.</p>
<p>[<a href="#note_42" name="foot_42">«42</a>]  Adam Smith 1978: Der Wohlstand der Nationen; 6. Aufl.; M&#252;nchen, S. 338; vgl. Chomsky 2000: Haben und Nichthaben; Berlin/Wien, S.20ff.</p>
<p>[<a href="#note_43" name="foot_43">«43</a>]  Chomsky 2006: Der gescheiterte Staat; M&#252;nchen, S.269</p>
<p>[<a href="#note_44" name="foot_44">«44</a>]  Chomsky 2000: Profit over people . Neoliberalismus und globale Weltordnung; Hamburg, S.22</p>
<p>[<a href="#note_45" name="foot_45">«45</a>]  Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 147</p>
<p>[<a href="#note_46" name="foot_46">«46</a>]  Chomsky 2007: What wie say goes. Interviews with David Barsamian, London, S. 41f.;</p>
<p>[<a href="#note_47" name="foot_47">«47</a>]  All dies bezeichnet Chomsky auch als die >f&#252;nfte Freiheit< des Staates, die Freiheit zu Raub und Ausbeutung vor allem der sogenannten Dritten Welt, die anderen vier Freiheiten sind: Redefreiheit, Glaubensfreiheit, Freiheit von Mangel, Freiheit von Furcht. Dazu: Chomsky 1987: Vom politischen Gebrauch der Waffen, Wien, S. 233f.; Chomsky 1988: Die 5. Freiheit. &#220;ber Macht und Ideologie, Berlin; Chomsky 1993: Die Herren der Welt, Berlin; Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt, L&#252;neburg; Chomsky 2004: Neue Weltordnungen, Hamburg</p>
<p>[<a href="#note_48" name="foot_48">«48</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg, S. 391</p>
<p>[<a href="#note_49" name="foot_49">«49</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg, S. 94</p>
<p>[<a href="#note_50" name="foot_50">«50</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 145</p>
<p>[<a href="#note_51" name="foot_51">«51</a>]  Chomsky 1981: Sprache und Verantwortung; Berlin, S. 33f.</p>
<p>[<a href="#note_52" name="foot_52">«52</a>]  Vgl.; Chomsky 1974: Aus Staatsraison; Frankfurt/M., S. 26f.; Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 122</p>
<p>[<a href="#note_53" name="foot_53">«53</a>]  Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren; Hamburg, S.30ff.; vgl. Edward S. Herman/ N. Chomsky 1994: Manufacturing consent. The political economy of the mass media</p>
<p>[<a href="#note_54" name="foot_54">«54</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 144</p>
<p>[<a href="#note_55" name="foot_55">«55</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 123</p>
<p>[<a href="#note_56" name="foot_56">«56</a>]  Chomsky 1993: Was Onkel Sam wirklich will, Z&#252;rich, S.135f.; Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 146ff.</p>
<p>[<a href="#note_57" name="foot_57">«57</a>]  Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren; Hamburg, S. 30</p>
<p>[<a href="#note_58" name="foot_58">«58</a>]  Vgl. Chiomsky 2001: Profit over people. Neoliberalismus und globale Weltordnung, Hamburg, 54ff.; Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren, Hamburg</p>
<p>[<a href="#note_59" name="foot_59">«59</a>]  Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren; Hamburg, S. 26</p>
<p>[<a href="#note_60" name="foot_60">«60</a>]  Chomsky 2001: Die politische &#214;konomie der Menschenrechte, Grafenau, S.127</p>
<p>[<a href="#note_61" name="foot_61">«61</a>]  Chomsky 2001: War against people. Menschenrechte und Schurkenstaaten; Hamburg, S. 135</p>
<p>[<a href="#note_62" name="foot_62">«62</a>]  Chomsky 2002: Eine Welt ohne Krieg. Weltsozialforum in Porte Allegre; in: <a href="http://www.chomskyarchiv.de/vortrage/eine-welt-ohne-krieg">http://www.chomskyarchiv.de/vortrage/eine-welt-ohne-krieg</a></p>
<p>[<a href="#note_63" name="foot_63">«63</a>]  Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren; Hamburg, S. 35</p>
<p>[<a href="#note_64" name="foot_64">«64</a>]  Chomsky 1971: Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen; Frankfurt/M, S. 60</p>
<p>[<a href="#note_65" name="foot_65">«65</a>]  Pannekoek schrieb &#252;ber die Intellektuellen und ihr Verh&#228;ltnis zur Macht: „Die landbesitzende Aristokratie verteidigte in der franz&#246;sischen Revolution ihre bevorrechtigte Stellung damit, dass sie sich ihrer Herkunft aus einer edleren Rasse von Eroberern r&#252;hmte, die sich die gew&#246;hnlichere Rasse des gemeinen Volkes unterworfen hatte. Gro&#223;kapitalisten erkl&#228;ren ihre beherrschende Stellung durch die Behauptung, sie bes&#228;&#223;en Verstand und andere Leute keinen. In &#228;hnlicher Weise pochen nun namentlich die Intellektuellen, die sich selbst als die berufene herrschende Klasse von morgen ansehen, auf ihre geistige &#220;berlegenheit. Sie bilden die rasch anwachsende Klasse der als Staats- oder Betriebsbeamte oder in freien Berufen t&#228;tigen Akademiker, die sich auf die Kopfarbeit, das Studium von B&#252;chern und Wissenschaften spezialisiert haben und sich als die ausschlie&#223;liche Gruppe der geistig begabten Menschen betrachten. Deshalb seien sie allein f&#228;hig und dazu bestimmt, die Leitung der Gesellschaft in ihre H&#228;nde zu nehmen, w&#228;hrend die geistig unbegabte Masse die geistlose Handarbeit durchf&#252;hren soll. (…). Dies um so mehr, als die Gesellschaft jetzt eine so komplizierte, auf abstrakten und schwierigen Wissenschaften beruhende Struktur besitzt, dass &#252;berhaupt nur der gr&#246;&#223;te geistige Scharfsinn das alles zu erfassen, zu begreifen und zu meistern f&#228;hig ist. Sollten die Arbeitermassen aus Mangel an Einsicht sich weigern, diese Notwendigkeit der &#252;berlegenen intellektuellen F&#252;hrung anzuerkennen, sollten sie in ihrer Dummheit versuchen, die F&#252;hrung in die eigenen H&#228;nde zu nehmen, dann w&#252;rden Chaos und Zusammenbruch die notwendige Folge sein. Nun ist zu bemerken, dass das Wort Intellektueller hier nicht einfach f&#252;r einen Menschen steht, der Verstand oder Intellekt besitzt. Die Bezeichnung Intellektuelle meint eine Klasse mit besonderen Funktionen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, deren Aus&#252;bung meistens Universit&#228;tsstudium erfordert. Intellekt, guter Verstand, findet sich bei Personen aller Klassen, bei Kapitalisten und Handwerkern, bei Bauern und Arbeitern. Was die >Intellektuellen< kennzeichnet, ist nicht hervorragende Intelligenz, sondern eine besondere F&#228;higkeit in der Handhabung wissenschaftlicher Abstraktionen und Formeln, oft allerdings nur im Auswendiglernen, wobei diese F&#228;higkeit gew&#246;hnlich mit einem beschr&#228;nkten Sinn f&#252;r andere Bereiche des Lebens verbunden ist. In ihrer Selbst&#252;berhebung kommt ein engherziger Intellektualismus zum Ausdruck, dem die vielen anderen Qualit&#228;ten, welche in aller menschlichen T&#228;tigkeit eine bedeutende Rolle spielen, fremd sind.“ (Anton Pannekoek 2008: Arbeiterr&#228;te. Texte zur sozialen Revolution; Fernwald, S. 57)<br />
Und dazu passend hei&#223;t es sp&#228;ter: „Es gibt Gruppen und Parteien, die behaupten, im ausschlie&#223;lichen Besitz der Wahrheit zu sein, und die die Arbeiter, unter Ausschluss jeder anderen Meinung, durch ihre Propaganda zu gewinnen suchen. Durch moralischen und, wenn sie die Macht haben, auch materiellen Druck, versuchen sie, den Massen ihre Ansichten aufzuzwingen. Es sollte klar sein, dass das einseitige Lehren eines bestimmten Systems von Doktrinen nur dazu dienen kann, und tats&#228;chlich auch dienen soll, gehorsame Anh&#228;nger zu erziehen, um damit eine alte Herrschaft aufrecht zu erhalten oder eine neue vorzubereiten.“ (ebd., 113)</p>
<p>[<a href="#note_66" name="foot_66">«66</a>]  Chomsky 2002: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren; Hamburg, S. 50</p>
<p>[<a href="#note_67" name="foot_67">«67</a>]  Chomsky 2000: Haben und Nichthaben; Berlin/Wien, S. 31</p>
<p>[<a href="#note_68" name="foot_68">«68</a>]  Chomsky 2004: Neue Weltordnungen. Vom Kolonialismus bis zum Big Mac; Hamburg, S. 9</p>
<p>[<a href="#note_69" name="foot_69">«69</a>]  Chomsky 2000: Sprache und Politik, Berlin, S. 238</p>
<p>[<a href="#note_70" name="foot_70">«70</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht, Hamburg, S. 59f; Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 103ff.</p>
<p>[<a href="#note_71" name="foot_71">«71</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg; S. 47</p>
<p>[<a href="#note_72" name="foot_72">«72</a>]  Chomsky 1987: Vom politischen Gebrauch der Waffen; Wien, S. 253</p>
<p>[<a href="#note_73" name="foot_73">«73</a>]  Chomsky 2000: Haben und Nichthaben; Berlin/Wien, S. 53</p>
<p>[<a href="#note_74" name="foot_74">«74</a>]  Chomsky 1994: Keeping the rabble in line: interviews with David Barsamian</p>
<p>[<a href="#note_75" name="foot_75">«75</a>]  Chomsky 1993: Wirtschaft und Gewalt. Vom Kolonialismus zur neuen Weltordnung; L&#252;neburg, S. 98</p>
<p>[<a href="#note_76" name="foot_76">«76</a>]  Vgl. Chomsky 2001: Die politische &#214;konomie der Menschenrechte, Grafenau, S. 101; Chomsky 2002: The common good. Interviewed by David Barsamian, S.28</p>
<p>[<a href="#note_77" name="foot_77">«77</a>]  Chomsky 2000: Haben und Nichthaben, Berlin/Wien, S. 8 u. 17; Chomsky 1987: Vom politischen Gebrauch der Waffen,Wien, S. 248, 259ff.</p>
<p>[<a href="#note_78" name="foot_78">«78</a>]  Chomsky 2001: Die politische &#214;konomie der Menschenrechte, Grafenau, S. 100f.</p>
<p>[<a href="#note_79" name="foot_79">«79</a>]  Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht, Hamburg, S. 23f.; Chomsky 1994: Keeping the rabble in line: interviews with David Barsamian, S. 127ff.</p>
<p>[<a href="#note_80" name="foot_80">«80</a>]  Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, S. 106ff.; Chomsky 2004: Eine Anatomie der Macht, Hamburg, 159f.</p>
<p>[<a href="#note_81" name="foot_81">«81</a>]  Chomsky 1992: Chronicle of dissent: interviews with David Barsamian, 146ff.</p>
<p>[<a href="#note_82" name="foot_82">«82</a>]  Bertrand Russell 2005: Unpopul&#228;re Betrachtungen; Z&#252;rich, S. 70</p>
</div>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 06:39:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (KR/JB) Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert: Die Linke Blockupy will das Herz der Stadt Neun-mal Nein zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (KR/JB)<br />
<span id="more-13257"></span><br />
Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h01">Die Linke</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h02">Blockupy will das Herz der Stadt</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h03">Neun-mal Nein zum Fiskalpakt</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h04">Griechenland</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h05">Horst Seehofer im &#8220;Heute-Journal&#8221; &#8211; &#8220;Sie k&#246;nnen das alles senden&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h06">German voters must break the Merkel mindset that got them into this</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h07">Briten stimmen sch&#228;rferen Bankenregeln zu</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h08">Paris braucht den Euro und eine Agenda 2020</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h09">M&#228;rchen aus der Deutschen Bank, Teil 1: Wachstum durch Umverteilung von unten nach oben</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h10">Wildwest bei Marseille-Kliniken?</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h11">Von der Leyen holt McKinsey</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h12">Panzergraben, Grenzzaun, Wachroboter und mehr deutsche Polizei</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257#h13">Neues Mitglied f&#252;r Nannen-Jury gesucht</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13257&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin.</a></em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Die Linke</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Wagenknecht beklagt Kampagne</strong><br />
Eine familiengef&#252;hrte Linkspartei wird es nach den Worten Wagenknechts nicht geben. Die zuletzt kursierende Meldung, ihr Lebensgef&#228;hrte Lafontaine fordere den Fraktionsvorsitz f&#252;r Wagenknecht, sei falsch. Es handele sich um ein mutwillig gestreutes Ger&#252;cht, um dem Saar-Chef in der innerparteilichen Personaldiskussion zu schaden. [...]<br />
Derweil heizte sie den F&#252;hrungsstreit in ihrer Partei noch einmal an. Sie warf den innerparteilichen Gegnern von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, der seine Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur erkl&#228;rt hatte, vor, diesem mit Falschdarstellungen schaden zu wollen. &#8220;Es spricht auch nicht gerade f&#252;r den Stil der innerparteilichen Konkurrenten, dass hier wirklich richtig Falschmeldungen lanciert werden&#8221;, sagte sie.<br />
&#8220;Das ist schlicht, um ihn zu besch&#228;digen&#8221;, hielt Wagenknecht den Gegnern vor. Man wolle Lafontaine offenbar diskreditieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.n-tv.de/politik/Wagenknecht-beklagt-Kampagne-article6264121.html ">n-tv</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Besonders boshaft <a href="http://www.taz.de/!93423/">griff gestern die taz die Falschdarstellung auf</a>  &#8211; und dies zu einem Zeitpunkt, an dem Wagenknechts Dementi schon vor vielen Stunden &#252;ber die Ticker kam. Man kann zur Personaldiskussion bei der Linkspartei stehen, wie man will &#8211; gegen besseres Wissen Falschmeldungen zu verbreiten ist einfach sch&#228;big und einer „linken“ Zeitung, die sich gerne als Alternative zum Mainstream sieht, nicht w&#252;rdig.</em></p>
<p><strong>passend dazu: Ernst und die pinkelnden Genossen</strong><br />
Wie ist die Situation der Linkspartei nach der Schlappe in NRW und wer ist schuld? Parteichef Klaus Ernst hat im Vorstand eine Analyse abgeliefert, die trotz vereinbarter Vertraulichkeit eifrig kolportiert wird. In Anspielung auf die ewigen Personalquerelen und Streitereien sagte Ernst: Zur ungesch&#246;nten Erkenntnis der Lage m&#252;sse man sich ein Schwimmbad vorstellen, in das so lange reingepinkelt werde, bis es stinkt. Und die Pinkler st&#252;nden auf dem Dreimeterbrett, damit alle zusehen k&#246;nnten. Und nicht nur das, fuhr Ernst fort, die Pinkler h&#228;tten obendrein die Presse dazu eingeladen, ihre urin&#246;se Selbstbesch&#228;ftigung zu Lasten der Partei publik zu machen.<br />
Quelle: <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/berlin-vertraulich-ernst-und-die-pinkelnden-genossen-1827770.html#utm_source=standard&#038;utm_medium=rssfeed&#038;utm_campaign=politik">Stern</a> </p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Ein am&#252;santer und leider &#228;u&#223;erst treffender Vergleich.</em></li>
<li><strong>Notwendige Re-Politisierung</strong><br />
Position. &#220;ber Linke in Europa, die selbstverschuldete Krise der Partei Die Linke, die Suche nach Vorsitzenden und &#252;ber vernunftbasierte Politik in Zeiten der neoliberalen Gegenaufkl&#228;rung<br />
Von Wolfgang Gehrcke, Diether Dehm, Kurt Neumann, Christiane Reymann, Harald Werner<br />
Die j&#252;ngsten Wahlergebnisse der Linken: 2,5 Prozent in Nordrhein-Westfalen, 2,2 in Schleswig-Holstein, 3,0 in Rheinland-Pfalz und 2,8 in Baden-W&#252;rttemberg sind f&#252;r die Zukunft der Partei eine hohe Belastung. Der Westen bricht weg, das suggerieren zahlreiche Medien mit Blick auf Die Linke von fr&#252;h bis sp&#228;t. Aber auch die Wahlergebnisse im Osten, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, in Berlin mit seinem Ost-West-Mix, weisen keinen &#252;berzeugenden Aufw&#228;rts­trend auf. In Berlin ist die ganze katastrophale W&#228;hlerentwicklung der Linken nach wie vor auf den Punkt gebracht.<br />
Die mediale Vereinfachung: »linksradikale Fundamentalisten« im Westen verlieren und »Reformer Ost« gewinnen, ist ebenso falsch wie das gegenteilige Bild. Nach dem Ausscheiden von Oskar Lafontaine aus der Bundesspitze der Partei ist in Ost wie West verloren worden. Die schon fast verzweifelte Suche nach den Ursachen der Wahlniederlagen reduziert sich nun auf einen Personenstreit. Personen geh&#246;ren dazu, allein sind sie jedoch weder Ursache noch Ausdruck der Krise der deutschen Linken. Ungewollt analytisch brachte das ein von Hartz-IV Betroffener auf den Satz: »F&#252;r mich habt ihr nichts rausgeholt, und den Oskar habt ihr auch vergrault.« Die W&#228;hlerklientel der Linken geht nicht mehr zur Wahl; nicht prim&#228;r die Piraten, sondern das Abgleiten in die Nichtw&#228;hlerschaft, die gesellschaftliche Resignation sind die Probleme der Linken. Der Partei fehlt ein mit ihr in Verbindung stehendes Zukunftsthema und die Entschlossenheit, es politisch gemeinsam zu verfechten. Verteilung und Umverteilung ist ein solches Zukunftsthema. Es geh&#246;rt ins Zentrum der Politik der linken Partei und eines demokratischen, transparenten und solidarischen Politikverst&#228;ndnisses. Personenentscheidungen allein bringen Die Linke nicht auf Erfolgskurs – das gilt f&#252;r den Osten und den Westen gleicherma&#223;en.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2012/05-15/018.php">Junge Welt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung AM:</strong> &#8220;Selbstverschuldet&#8221; ist zu deffensiv. Ist die offensichtliche Fremdbestimmung  einiger Kreise der Linken und die mediale Kampagne gegen sie selbstverschuldet?</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Blockupy will das Herz der Stadt</strong><br />
Von Heiligendamm in die Metropole: Die „Blockupy“-Inszenierung ist mehr als ein Protestmoment. Die Stadt Frankfurt &#252;bersieht das und sorgt so f&#252;r Konfliktpotential.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/!93450/">taz</a></p>
<p><strong>dazu: Grundrechte im Zeitalter der Krise</strong><br />
Die Beh&#246;rden fahren eine harte Linie gegen Occupy, weil sie die Interessen der Gesch&#228;ftswelt bedroht sehen. Die konservative Presse gibt dem Vorschub<br />
Die Frankfurter Innenstadt d&#252;rfte in den n&#228;chsten Tagen zu einem hei&#223;en Pflaster werden. Kapitalismuskritiker aus ganz Europa wollen im Rahmen der Blockupy-Tage ab dem 16. Mai gegen die Politik von Banken, Konzernen und Regierungen protestierten. Seit Monaten hat ein B&#252;ndnis, das von Attac &#252;ber Linkspartei bis zur Interventionistischen Linken reicht, ein umfangreiches Protestprogramm vorbereitet.<br />
Doch in den letzten Tagen sind die Aktivisten vor allem mit der Repression besch&#228;ftigt, mit der die Beh&#246;rden auf die Proteste reagieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.freitag.de/politik/1219-grundrechte-im-zeitalter-der-krise">Der Freitag</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Neun-mal Nein zum Fiskalpakt</strong><br />
Seit dem Ausbruch der Eurokrise mit der drohenden Zahlungsunf&#228;higkeit Griechenlands sind nun mehr als zwei Jahre vergangen. Seit dem ist das durch Deutschland dominierte Krisenmanagement durch z&#246;gern, halbherzige Bekenntnisse zum Euro und der Europ&#228;ischen Union, immer neue Krisengipfel und neue Rettungspakete gepr&#228;gt. Dadurch wurde die Krise aber nicht &#252;berwunden, sondern nur das Zusammenbrechen des Euros hinausgez&#246;gert. Es wurde nur Zeit gekauft, um den Euro und seinen Wirtschaftsraum auf stabilere F&#252;&#223;e stellen zu k&#246;nnen. Aber, anstatt dabei Fortschritte zu erreichen, sind nur immer mehr L&#228;nder in den Strudel der Eurokrise geraten und mit den geforderten Sparma&#223;nahmen sind die betroffenen L&#228;nder nur noch weiter in die Krise geraten, da keine Wachstumsperspektive in Sicht ist, sondern ben&#246;tigtes Wachstum weggespart wird.<br />
Quelle: <a href="http://blog.jusos.de/2012/05/neun-mal-nein-zum-fiskalpakt/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+jusosblog+%28Blog+der+Jusos+in+der+SPD%29&#038;utm_content=FaceBook">Juso Blog</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Analytisch und programmatisch scheinen die Jusos beim Thema Fiskalpakt ihrer Mutterpartei meilenweit voraus zu sein. Vielleicht sollten die Sozialdemokraten bei diesem Thema besser auf ihren Nachwuchs h&#246;ren.</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Griechenland</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Konstantin Wecker zu Hollande, Griechenland, Neoliberalismus</strong><br />
[...] Das gegenw&#228;rtige neoliberale Modell kann auf empirisch belastbare Grundlagen nicht verweisen. Es war immer schon eine Glaubenssache, ein Mythos, und sp&#228;ter eine knallharte Ideologie eben, die uns als gottgegeben verkauft wurde. [...]<br />
Wer bitte wagt es, die Opfer der neoliberalen Ideologien, dieser Diktatur der anonymen Herren, die den “Markt” vorschieben, um als Person nicht ins Fadenkreuz der Gegner zu geraten, wer also wagt es hierzulande, diese unz&#228;hligen Opfer aufzulisten?<br />
Ich bin sehr froh, dass Hollande gew&#228;hlt wurde und hoffe, dass er nicht dieselben Fehler macht wie die SPD seit Schr&#246;der. Und wenn er wie so viele andere vor Markt und Merkel einknicken wird und seine Versprechungen nicht einh&#228;lt – was zu bef&#252;rchten ist – dann freu ich mich wenigstens, dass heute morgen, auf Grund der Wahl in Frankreich, der DAX mit einem Minus von zwei Prozent startet. Das spricht schon mal eindeutig f&#252;r Hollande! [...]<br />
Alexis Tsipras, der Syriza-Chef ist der gro&#223;e Sieger dieser Wahl. Er hat die Pasok vom zweiten Platz verdr&#228;ngt und liegt damit mit seinem Linken-B&#252;ndnis zwischen den beiden gro&#223;en Parteien. Und auch wenn es uns bestimmte Kreise immer wieder einzuh&#228;mmern versuchen – auch in den Berichten &#252;ber meinen Auftritt in Athen am 1. Mai musste ich es immer wieder mit Erstaunen lesen – die vereinigte Linke ist keine “Splitterpartei” und ihre W&#228;hler sind keine “Linksradikalen”. Sie sind die zweitst&#228;rkste Partei mittlerweile und ich frage mich , weshalb keiner die um die 4 Prozent d&#252;mpelnde FDP jemals als “Splitterpartei” bezeichnet hat.<br />
Aus den meisten Berichten lese ich leider wieder heraus, dass man die griechischen W&#228;hlerInnen einfach nicht ernst nimmt, so wie man halt dieses Land schon lange behandelt: hochm&#252;tig, arrogant, besserwisserisch.<br />
Quelle: <a href="http://hinter-den-schlagzeilen.de/2012/05/15/konstantin-wecker-zu-hollande-griechenland-neoliberalismus/">Hinter den Schlagzeilen</a></li>
<li><strong>Athen zahlt Spekulanten aus</strong><br />
Anleihen im Wert von &#252;ber sechs Milliarden sind in den H&#228;nden von Anlegern, die sich nicht zum Hair­cut dr&#228;ngen lie&#223;en. F&#252;r sie ist Zahltag<br />
Griechenland wird Staatsmedien zufolge 435 Mio. Euro an internationale Gl&#228;ubiger auszahlen. Am Dienstag wurde eine griechische Staatsanleihe f&#228;llig, die vor zehn Jahren unter britischem Recht aufgelegt wurde und deshalb nicht dem Schuldenschnitt unterliegt. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur ANA zufolge wird Athen die Schulden begleichen. Allerdings stelle die Auszahlung keine Sicherheit f&#252;r Gl&#228;ubiger der restlichen Anleihen unter internationalem Recht dar, an ihr Geld zu kommen, hie&#223; es.<br />
Insgesamt geht es um Staatspapiere im Volumen von mehr als sechs Milliarden Euro. In der vergangenen Woche waren bereits f&#228;llige Zinsen an die Halter eines 20 Milliarden Yen (192 Mio. Euro) schweren griechischen Staatspapiers geflossen.<br />
Quelle: <a href="http://text.derstandard.at/1336696913205/Hedgefonds-Athen-zahlt-Spekulanten-aus">Der Standard</a></li>
<li><strong>Griechen sollen langsamer sparen</strong><br />
Im Regierungschaos in Griechenland droht das Sparen unterzugehen &#8211; am Ende droht der Euro-Austritt. Aber jetzt h&#228;ufen sich die Stimmen, die Griechenland stattdessen mehr Zeit einr&#228;umen wollen. Selbst ein wichtiger deutscher Wirtschaftsvertreter ist dabei.<br />
Der Pr&#228;sident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, erw&#228;gt, Griechenland mehr Zeit bei seinen Sparbem&#252;hungen einzur&#228;umen. Man m&#252;sse damit rechnen, dass man beim Konsolidierungsprozess R&#252;ckschl&#228;ge erleben werde, sagte Driftmann dem „Hamburger Abendblatt“. „Zur Not w&#228;re dann eine begrenzte Erweiterung der Fristen vorstellbar“, betonte Driftmann. Was man den Griechen abverlange, sei schon eine „Tortur“. Er forderte zugleich, an den Vertr&#228;gen nicht mehr zu r&#252;tteln.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-griechen-sollen-langsamer-sparen-11752000.html">FAZ</a></li>
<li><strong>PPC to cut property tax from bills</strong><br />
[...] Judging by the fact that unpaid bills in the first quarter of the year totaled some 1 billion euros, PPC believes it has become clear that households cannot afford to pay electricity bills that are burdened further by the extraordinary property tax in the current recession conditions.<br />
Quelle: <a href="http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite2_1_14/05/2012_442122">Ekathimerini</a></p>
<p><em><strong>Zusammenfassung JB:</strong> Die Idee der griechischen Regierung, die Sondersteuer f&#252;r Grundbesitz vom staatlichen Energieversorger PPC zusammen mit der Stromrechnung eintreiben zu lassen, ist gescheitert. Da die Menschen, das Geld f&#252;r die Sondersteuer nicht haben, bezahlen sie auch gleich den Strom nicht mit. Die Ausf&#228;lle beziffern sich laut PPC im ersten Quartal auf &#252;ber eine Milliarde Euro.</em></li>
<li><strong>Ulrike Herrmann &#8211; Vern&#252;nftiger Linksruck</strong><br />
Die Wetten laufen, dass Griechenland schon bald den Euro verlassen k&#246;nnte. Denn jetzt steht das Land ohne Regierung da, Neuwahlen sind bereits angesetzt. Zudem d&#252;rfte der n&#228;chste Wahlsieger Alexis Tsipras von den radikalen Linken sein, der ein „Schuldenmoratorium“ fordert und sich nicht an die Sparvertr&#228;ge mit EU und IWF halten will. Das sieht wie Chaos aus, wie irrationale Renitenz.<br />
Doch tats&#228;chlich k&#246;nnte es eine gro&#223;e Chance sein, wenn Tsipras eine Mehrheit in Griechenland erringt. [...]<br />
Dabei ist kein Hindernis, dass Tsipras jetzt im Wahlkampf Unm&#246;gliches verspricht und den Griechen vermittelt, dass sie alles gleichzeitig haben k&#246;nnten: den Euro, neue Transferzahlungen und ihren alten Klientelstaat. [...]<br />
Zudem artikulieren die W&#228;hler von Tsipras eine Erkenntnis, die auch in der restlichen EU um sich greift: Sparen allein reicht nicht. Nach f&#252;nf Jahren Dauerrezession ben&#246;tigen die Griechen eine Perspektive.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/!93470/">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Fragt sich nur, wie die gesch&#228;tzte Ulrike Herrmann auf die Idee kommt, Tsipras h&#228;tte im Wahlkampf „versprochen“, „ihren alten Klientelstaat“ behalten zu k&#246;nnen. Tipras und seine Syriza geh&#246;ren <a href="http://www.redglobe.de/europa/griechenland/5171-erklaerung-des-syriza-fraktionsvorsitzenden-alexis-tsipras-syriza-am-8-mai-2012">vielmehr zu den sch&#228;rfsten Kritikern</a> des Klientelstaates.</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h05"></a><strong>Horst Seehofer im &#8220;Heute-Journal&#8221; &#8211; &#8220;Sie k&#246;nnen das alles senden&#8221;</strong><br />
Wenn Politikerfrust und Journalistenneugier aufeinandertreffen, kann etwas ganz Besonderes passieren. So geschehen am Montagabend im &#8220;Heute-Journal&#8221;. Claus Kleber und Horst Seehofer plaudern nach dem offiziellen Interview weiter. Der CSU-Mann l&#228;sst Dampf ab. &#8220;Sie k&#246;nnen das alles senden&#8221; &#8211; was das ZDF auch tut.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:horst-seehofer-im-heute-journal-sie-koennen-das-alles-senden/70037072.html">FTD</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Besonderer Augenmerk sei auf diesen Satz gelegt: „Wir werden mit Schuldenabbau nicht auf Wachstumskurs kommen in Europa“. Da kann man nur hoffen, das sich diese simple Botschaft innerhalb der Koalition durchsetzt.</em></p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzung AM:</strong> Der entscheidende Satz in diesem Interview kam von Kleber, ZDF, ab Sekunde 13. Er macht sich die Denke von Unionsstrategen zu eigen: „Gottlob nur eine Landtagswahl. National und international steht die Kanzlerin gro&#223;artig da.“ Das ist die entscheidende Dauerbotschaft der konservativen und neoliberalen Kreise in Deutschland. Darauf bauen sie ihre Kampagne f&#252;r die Bundestagswahl auf. Alles andere in dem Interview mit Seehofer ist – gemessen an dieser zentralen Botschaft – kicki.</em></li>
<li><a name="h06"></a><strong>German voters must break the Merkel mindset that got them into this</strong><br />
Greece&#8217;s euro membership was as much the German elite&#8217;s fault as anyone&#8217;s. Can it find the leadership to resolve the crisis? [...]<br />
What accounts for this? I would argue that the heart of the problem lies in the political culture of Germany and the mindset of its political and economic elites, which have never been willing to admit to their own voters the sacrifices that must be undertaken in order to be the leader of Europe. Instead, they have led Germans to believe that they can have it both ways: enjoying the fruits of the eurozone while times were good, and lobbing the burden of adjustment onto others when times got bad. [...]<br />
Perhaps, just perhaps, German voters are waking up. And therein lies the possibility that the euro can be saved.<br />
But it&#8217;s a race against time at this point. Precious time, credibility and resources have been lost. Lives have been up-ended and shattered, voters are angry and restive, markets are in a hostile and unforgiving mood. It is said that leaders are born of great crises. It is now or never for Germany.<br />
Quelle: <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2012/may/14/german-voters-break-merkel-mindset">The Guardian</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Briten stimmen sch&#228;rferen Bankenregeln zu</strong><br />
Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Die rund 8300 europ&#228;ischen Banken m&#252;ssen sich strengeren Regeln unterwerfen und mehr Eigenkapital vorhalten. Bisher war eine Einigung an Gro&#223;britannien gescheitert &#8211; nun hat die Regierung in London ihren Widerstand aufgegeben. [...]<br />
&#8220;Wir k&#246;nnen der Grundsatzeinigung zustimmen&#8221;, sagte der britische Schatzkanzler George Osborne. Seine Regierung will den Finanzinstituten zus&#228;tzliche Puffer verordnen, um sie noch stabiler zu machen.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/basel-iii-briten-stimmen-schaerferen-bankenregeln-zu-a-833295.html">SPIEGEL Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Und <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13099#h03">wieder einmal</a> erwecken die Medien (SPON ist hier kein Einzelfall) den Eindruck, als habe Gro&#223;britannien Widerstand gegen „sch&#228;rfere Bankenregeln“ ausge&#252;bt. Das Gegenteil ist der Fall. Gro&#223;britannien gingen die vom Rest der EU vorgeschlagenen Eigenkapitalregeln nicht weit genug. Aber solche Details passen offenbar nicht ins Weltbild der Redakteure.</em></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Paris braucht den Euro und eine Agenda 2020</strong><br />
François Holland muss Frankreich wieder wettbewerbsf&#228;hig machen. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro w&#228;re ebenfalls gut f&#252;r Europa und weit weniger katastrophal als die Investmentbanker behaupten. [...]<br />
Er wollte, dass die EZB nicht nur Geld an Banken, sondern auch an Staaten verleiht. Mit anderen Worten: Er wollte die EZB als Gelddruckmaschine benutzen, um die Finanzl&#246;cher der verschuldeten Euro-L&#228;nder zu stopfen. [...]<br />
Die M&#228;rkte, heute noch m&#228;chtiger als damals, werden Hollande kein Experiment erlauben. Die Rating-Agentur Moody&#8217;s droht schon mit einer weiteren Bonit&#228;ts-Herabstufung der franz&#246;sischen Staatsanleihen. Frankreich muss aufpassen, dass es nicht in die gleiche prek&#228;re Lage ger&#228;t wie Italien und Spanien und aus der &#8220;Grande Nation&#8221; eine &#8220;Petite Nation&#8221; wird.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106311267/Paris-braucht-den-Euro-und-eine-Agenda-2020.html">WELT</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Wer sich &#252;ber den neoliberalen Unfug, der sich wie ein rotes Band durch diesen Artikel zieht, und der selbst f&#252;r WELT-Verh&#228;ltnisse haneb&#252;chen ist (was ja schon was hei&#223;t), wundert, sollte einen Blick auf die kleine Unterzeile werfen: Der Autor ist Senior Partner der Fiduka. Nun muss man wissen, dass „Fiduka“ ein Verm&#246;gensverwalter ist, der im Auftrag seiner Kunden pr&#228;chtige Gesch&#228;fte mit Staatsanleihen macht. Da ist es verst&#228;ndlich, dass er er gegen <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=9857">Hollandes vern&#252;nftige Idee</a>, die EZB zur Staatsfinanzierung heranzuziehen, Sturm l&#228;uft. Sein Ton hat jedoch wenig mit einer sachlichen Kritik zu tun &#8211; es &#228;hnelt vielmehr einer Erpressung. Ist die WELT schon so tief gesunken, dass sie es n&#246;tig hat, solche Gastartikel zu ver&#246;ffentlichen?</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>M&#228;rchen aus der Deutschen Bank, Teil 1: Wachstum durch Umverteilung von unten nach oben</strong><br />
Deutsche Bank Research hat sich in j&#252;ngster Zeit mit zwei Ver&#246;ffentlichungen wenig &#252;berraschend auf die Seite der Angebotspolitik gestellt. Anliegen der Texte ist es, in der Eurokrise Wege zu mehr Wachstum aufzuweisen. Die hierf&#252;r vorgeschlagenen Instrumente aber sind genau jene, die schon in der Vergangenheit zu Krise und Verelendung gef&#252;hrt haben.<br />
Quelle: <a href="http://www.annotazioni.de/post/542">annotazioni.de</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Wildwest bei Marseille-Kliniken?</strong><br />
Eine omin&#246;se K&#252;ndigungswelle bei den Marseille-Kliniken hat die Gewerkschaften alarmiert. Hintergrund ist offenbar, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gr&#252;nden wollten.<br />
Quelle: <a href="http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/813296/wildwest-marseille-kliniken.html">&#196;rztezeitung</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Von der Leyen holt McKinsey</strong><br />
Sicherheit durch Zwang: M&#246;glichst schnell will Arbeitsministerin von der Leyen die Vorsorgepflicht f&#252;r Selbst&#228;ndige einf&#252;hren. Dazu engagiert sie jetzt die Unternehmensberater von McKinsey &#8211; f&#252;r eine Million Euro. Das sorgt f&#252;r &#196;rger. [...]<br />
Elke Ferner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, sagte dagegen, es sei nicht nachvollziehbar, warum von der Leyen nicht gleich die Deutsche Rentenversicherung (DRV) mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt habe, die bereits Beitr&#228;ge von Selbst&#228;ndigen einziehe. Au&#223;erdem pr&#252;fe die Bundesregierung bereits bei dem Projekt &#8220;Optimiertes Meldeverfahren in der sozialen Sicherung&#8221;, wie Unternehmen sowie Kranken- und Rentenversicherung besser zusammenarbeiten k&#246;nnen &#8211; und das ohne den Rat von McKinsey zu ben&#246;tigen.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/machbarkeitsstudie-fuer-das-arbeitsministerium-von-der-leyen-holt-mckinsey-1.1357413">S&#252;ddeutsche Zeitung</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Panzergraben, Grenzzaun, Wachroboter und mehr deutsche Polizei</strong><br />
Griechenland wird auch in der Neubestimmung der EU-Migrationspolitik zum Testfall<br />
Die Bundesregierung will weitere Bundespolizisten nach Griechenland schicken. Dies geht aus einem Dokument hervor, das k&#252;rzlich auf der Plattform Quintessenz ver&#246;ffentlicht wurde. Die Beamten der Bundespolizei sollen demnach die Migrationsabwehr aufstocken, die von der EU-Grenzschutzagentur Frontex seit vier Jahren an der Grenze zur T&#252;rkei installiert wird. Griechische und t&#252;rkische Grenztruppen sind mit Frontex als &#8220;Endnutzer&#8221; an einem EU-Forschungsprojekt zur Entwicklung von &#220;berwachungsrobotern beteiligt<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36920/1.html">Telepolis</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Neues Mitglied f&#252;r Nannen-Jury gesucht</strong><br />
&#8220;Geo&#8221;-Chefredakteur Peter-Matthias Gaede will nicht mehr Mitglied der Nannen-Preis-Jury sein. Jetzt soll ein neuer Juror gefunden werden &#8211; an &#8220;Bild&#8221;-Chefredakteur Kai Diekmann hat das Gremium dabei allerdings noch nicht gedacht. [...]<br />
Gaede erkl&#228;rte seinen Austritt nach der Jury-Entscheidung, die „Bild“-Zeitung und die „S&#252;ddeutsche Zeitung“ (SZ) mit dem „Henri“ in der Kategorie „beste investigative Leistung“ auszuzeichnen.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/nach-dem-eklat-neues-mitglied-fuer-nannen-jury-gesucht/6631334.html">Tagesspiegel</a></li>
</ol>
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		</item>
		<item>
		<title>„F&#252;r einen Pakt aller Demokraten gegen Finanz-Zyniker und Spekulanten“ –Text der Dresdner Rede</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=13253</link>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 15:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufbau Gegenöffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichungen der Herausgeber]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 5. Mai 12 habe ich zum Dresdner Fr&#252;hjahrsgespr&#228;ch eingef&#252;hrt. Hier folgt der schriftliche Entwurf der Rede. Teile der Rede und die Diskussion waren zeitweise nachzuh&#246;ren und zu sehen. Leider nicht in guter technischer Qualit&#228;t. Informationen bietet und Links bietet die Internetseite zu den Dresdner Fr&#252;hjahrsgespr&#228;chen. Hier also der Text der Rede, der nat&#252;rlich vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 5. Mai 12 habe ich zum Dresdner Fr&#252;hjahrsgespr&#228;ch eingef&#252;hrt. Hier folgt der schriftliche Entwurf der Rede. Teile der Rede und die Diskussion waren zeitweise nachzuh&#246;ren und zu sehen. Leider nicht in guter technischer Qualit&#228;t. Informationen bietet und Links bietet die Internetseite zu den <a href="http://www.dresdner-fr&#252;hjahrsgespr&#228;ch2012.de/">Dresdner Fr&#252;hjahrsgespr&#228;chen</a>. Hier also der Text der Rede, der nat&#252;rlich vom gesprochenen Wort abweicht. Von <strong>Albrecht M&#252;ller</strong><br />
<span id="more-13253"></span><br />
<strong>Albrecht M&#252;ller </strong><br />
5. Mai 2012 in Dresden 11 Uhr<br />
Einf&#252;hrungsvortrag beim zweiten Fr&#252;hjahrsgespr&#228;ch des Dresdner NachDenkSeiten-Kreises</p>
<p><strong>Thema: „F&#252;r einen Pakt aller Demokraten gegen Finanz-Zyniker und Spekulanten“</strong></p>
<p>Liebe Freundinnen und Freunde der NachDenkSeiten, verehrte G&#228;ste,</p>
<p>der Dresdner NachDenkSeiten Kreis hat zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem DGB dieses Treffen in dieser wundersch&#246;nen Umgebung arrangiert. Daf&#252;r danke ich, sicher auch in Ihrem Namen, dem Vorsitzenden des Dresdner NachDenkSeiten-Kreises, Herrn Axel Schwarz, Herrn Wielepp von der Friedrich-Ebert-Stiftung Dresden, dem DGB und wahrlich nicht zuletzt Herrn Klaus Kempe f&#252;r die investierte Arbeitskraft und Fantasie bei der Planung unseres Treffens. Dann habe ich noch das Vergn&#252;gen, dass ein Freund, Axel Schmidt-G&#246;delitz unsere Veranstaltung moderiert. Vor zwei Jahren wollten wir uns bei ihm zum Ost-West-Forum auf Gut G&#246;delitz treffen, was leider scheiterte.</p>
<p>Unser Thema „F&#252;r einen Pakt aller Demokraten gegen Finanzzyniker und Spekulanten“ hat – wie mir die Veranstalter berichten – eine kleine Diskussion ausgel&#246;st. Im erl&#228;uternden Einleitungstext hei&#223;t es: „Ein Pakt aller Werte schaffenden und an Werten orientierten B&#252;rgerinnen und B&#252;rger ist vonn&#246;ten. Er reicht von Wertkonservativen bis zur demokratischen Linken.“<br />
Manch Konservativer fragt da ziemlich emp&#246;rt: Was soll ich mit Linken? Was soll ich mit den roten Socken? So ist die Welt heute. Gepr&#228;gt von aggressiven Schlagworten und Kampagnen. &#8211; Linke fragen: Was wollen wir mit Konservativen anfangen? Ihnen verdanken wir doch die unsoziale Entwicklung in unserem Land.</p>
<p>Die Ber&#252;hrungs&#228;ngste sind verst&#228;ndlich. Aber die Auffassungsunterschiede zwischen anst&#228;ndigen Wertkonservativen und demokratischen Linken sind angesichts der gegenw&#228;rtigen Bedrohung gering. Wir kommen mit der jetzigen politischen Konstellation nicht weiter. Wenn sich im konservativen Lager kein Widerstand gegen die dort inzwischen meinungsf&#252;hrenden neoliberalen Kr&#228;fte regt, dann geht das Elend so weiter. Wenn man dort nicht erkennt, dass die vom Neoliberalismus und der Finanzwirtschaft gepr&#228;gte politische Entwicklung mit konservativen Werten nicht mehr viel gemein hat, dann wird die Lage immer prek&#228;rer.</p>
<p>Im folgenden werde ich zun&#228;chst die bedrohliche Entwicklung skizzieren und dann zw&#246;lf m&#246;gliche Elemente eines gemeinsamen Programms von Wertkonservativen und Linken beschreiben. Vorweg zum Einstieg erz&#228;hle ich zwei kleine einschl&#228;gige Geschichten:<br />
Die erste Geschichte: 1978 – damals war ich Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt &#8211; begehrte die damalige CDU/CSU-Opposition &#252;ber ihre Ministerpr&#228;sidenten vom SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt einige 100 Millionen DM f&#252;r die Verkabelung von elf St&#228;dten mit Fernsehverteilnetzen. Damit sollte zum einen die Ausstrahlung von vielen Fernsehprogrammen und zugleich der Einstieg in die Kommerzialisierung des Fernsehens und des H&#246;rfunks m&#246;glich gemacht werden. Wir haben damals dem Bundeskanzler Helmut Schmidt geraten, sich auf die Forderungen der CDU/CSU nicht einzulassen. Ein Blick in die USA reichte, um zu wissen, was die &#220;berflutung mit der Droge Fernsehen und noch dazu die totale Kommerzialisierung f&#252;r die Entwicklung unserer Gesellschaft, f&#252;r die Familien, f&#252;r die Kinder, das Bildungsniveau und die Gewaltbereitschaft bedeuten w&#252;rde. Daf&#252;r dann auch noch &#246;ffentliche Mittel einzusetzen, das w&#228;re, als w&#252;rde man den Anbau von Drogen &#246;ffentlich subventionieren.</p>
<p>Helmut Schmidt hat damals in einem Essay f&#252;r „Die Zeit“ mit dem Titel „Pl&#228;doyer f&#252;r einen fernsehfreien Tag“ die Gefahren f&#252;r unsere Gesellschaft auf eindrucksvolle Weise beschrieben und sich bis zum Ende seiner Regierungszeit geweigert, &#246;ffentliches Geld f&#252;r die Befriedigung der kommerziellen Interessen von potentiellen Fernsehveranstaltern, konkret von Bertelsmann und Kirch, auszugeben.<br />
Daf&#252;r wurde er und die Planungsabteilung &#252;bel beschimpft – als Technikfeinde, als Investitionshindernis, als konservative Blockierer neuer Arbeitspl&#228;tze. Es wurde uns unterstellt, wir w&#252;rden die Vermehrung der Fernsehprogramme und ihre Kommerzialisierung verweigern, weil wir den „Rotfunk“, wie die Union den angeblichen Einfluss der SPD auf das &#246;ffentlich-rechtliche Fernsehen nannte, erhalten wollten. Alles Unsinn!<br />
Auf unserer Seite k&#228;mpften einige sachkundige Leute, die Posthmans „Wir am&#252;sieren uns zu Tode“ gelesen hatten oder einfach nur mit wachen Augen durch die Welt gingen; mit dabei waren auch einige Konservative, gro&#223;e Teile der Kirchen, Familienverb&#228;nde und einige prominente CDU-Mitglieder, an vorderer Front der Intendant des S&#252;ddeutschen Rundfunks, Hans Bausch. </p>
<p>Die dann von Kohl, seinem Postminister Schwarz Schilling und anderen seit 1982 betriebene Programmvermehrung und die Kommerzialisierung haben unser Land umgekrempelt und nach meiner Einsch&#228;tzung sogar um vieles mehr ver&#228;ndert als der von Kohl betriebene Sozialabbau. Zum Schlimmeren: Verflachung, mehr Einfalt, mehr Gewalt, noch weniger personale Kommunikation und Mitarbeit in Verb&#228;nden und Parteien.</p>
<p>Zehn Jahre nach Beginn dieser gravierenden Umw&#228;lzung hatte ich eine einschl&#228;gige Begegnung. Ich war damals, 1993, Bundestagsabgeordneter und fuhr eines Freitagnachmittags wie &#252;blich mit einem Wagen der Fahrbereitschaft des Bundestags zum Bonner Hauptbahnhof. Unterwegs nahmen wir noch einen CDU-Bundestagsabgeordneten mit, einen der konservativsten aus dem Oberschw&#228;bischen, bekannt wegen seiner Gegnerschaft zur Reform des Abtreibungsparagraphen 218. Er begr&#252;&#223;te mich &#252;berraschend freundlich mit der Anmerkung, er habe immer schon „Abbitte bei mir leisten“ wollen. Als ich als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt gegen die Programmvermehrung und Kommerzialisierung des Fernsehens gewesen sei, habe auch er geglaubt, dahinter stecke ein politisches Machtspielchen. Jetzt, 1993, habe er zehn Jahre kommerzielles Fernsehen mit all dem Mist hinter sich und verstehe Helmut Schmidts Bedenken und auch mich nachtr&#228;glich. Seine Partei habe ihre eigenen konservativen Werte verraten.<br />
Damit hatte er Recht. Die Kommerzialisierung der elektronischen Medien zeigt anschaulich, dass bei den Christdemokraten im Zweifel blanke Kommerzinteressen &#252;ber christliche Werte siegen.</p>
<p>Das war die eine Geschichte. Sie verstehen, warum diese Geschichte von Bedeutung f&#252;r unser Thema ist: der Kampf gegen die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche, vom Fernsehen &#252;ber den Sport und die Krankenh&#228;user bis zu den Schulen ist ein gemeinsames Anliegen von Linken und Konservativen.</p>
<p>Die zweite Geschichte handelt vom Versagen b&#252;rgerlicher protestantischer Kreise in der Weimarer Republik und in der Nazizeit und von ermutigenden Konsequenzen nach 1945. Einige Protestanten, die das Versagen sahen, haben 1948 in Villigst an der Ruhr das Evangelische Studienwerk gegr&#252;ndet. Damals und immer wiederkehrend alle halbe Jahre hat man dort 40 bis 50 Studentinnen und Studenten zu einem Werksemester zusammengeholt, erst zum Aufr&#228;umen der Tr&#252;mmer in Dortmund, dann zur Maloche in Stahlwerken, Metall verarbeitenden Betrieben, Pflegeheimen und Krankenh&#228;usern. Man hatte erkannt, dass das konservativ gepr&#228;gte christliche B&#252;rgertum und das Bildungsb&#252;rgertum keine Ahnung von der Arbeitswelt und den sozialen Problemen der Arbeiterschaft hatten. Deshalb wollte man junge Menschen aus diesem Milieu mit der anderen Welt der Industrie und der sozialen Probleme zusammenbringen und ihnen die Gelegenheit verschaffen, gemeinsam &#252;ber die sozialen Bedingungen von Demokratie nachzudenken.<br />
Dieser Ansatz war richtig und wichtig. Und er w&#228;re heute wieder wichtig und richtig. Denn auch heute erleben wir einen &#228;hnlichen Niedergang wie in Weimar – nat&#252;rlich keine Wiederholung, aber mit mehr &#196;hnlichkeiten als viele denken. Hohe Arbeitslosigkeit, Angriffe auf die demokratische Lebensweise, die Zerst&#246;rung der beruflichen und sozialen Sicherheit vieler Menschen, Feindseligkeiten gegen&#252;ber anderen V&#246;lkern und Religionen, massive Manipulation und Verf&#252;hrung, anders als bei Goebbels und doch schrecklich &#228;hnlich. Und wieder versagen das konservative B&#252;rgertum und viele der besonders gut Ausgebildeten. </p>
<p><strong>Anders als uns die allgemeine Stimmungsmache zu vermitteln versucht, sind wir in mehrerer Hinsicht in einer sehr problematischen Lage:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Geld regiert die Welt.</strong> Von demokratischer Meinungs- und Willensbildung kann nicht die Rede sein. Die politischen Entscheidungen werden in weitem Ma&#223;e von der Finanzwirtschaft bestimmt. Ihre Gewinne, die sie durch ma&#223;lose Spekulation und durch krumme bis kriminelle Gesch&#228;fte erzielt, werden selbstverst&#228;ndlich privatisiert. Milliarden, nicht nur Millionen, werden an Verg&#252;tungen und Boni ausgezahlt. F&#252;r welche Leistung eigentlich? Die dann regelm&#228;&#223;ig eintretenden Verluste, die Wettschulden sozusagen, werden dem Steuerzahler aufgeb&#252;rdet. Das ist die westliche Form des Kommunismus. 480 Milliarden Rettungsschirm f&#252;r die Banken; allein 18,2 Milliarden f&#252;r die Commerzbank, die von der Allianz AG die marode Dresdner Bank &#252;bernommen hat. Tauschgesch&#228;fte zulasten der Steuerzahler! Schon &#252;ber 100 Milliarden f&#252;r eine einzige unma&#223;gebliche Bank, die M&#252;nchner HRE. Und jetzt lesen wir, dass einer der Hauptverursacher der hohen Verluste der HRE, der ehemalige Depfa-Chef mit gut 100 Millionen, die er beim Verkauf der Depfa an die HRE „verdient“ hatte, untergetaucht ist. Rechtm&#228;&#223;ig und unbelangt. Gerhard Bruckermann hei&#223;t er. Und es geht so weiter. Die Politik entscheidet nach Gusto der Finanzwirtschaft: Keine wirksame Regulierung der internationalen Finanzm&#228;rkte. Keine Transaktionssteuer. Keine Absch&#246;pfung der Spekulationsgewinne. Die zum 1.1.2002 eingef&#252;hrte Steuerbefreiung der Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen gilt weiter. Weiter tummeln sich Hedgefonds in Deutschland. Die Vertreter der US-Investmentbank Goldman Sachs beraten die Bundeskanzlerin und werden auf wichtige Posten geschoben. Rundum ein Goldman-Sachs-Panorama: Der Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Zentralbank, der griechische Ministerpr&#228;sident, der italienische Ministerpr&#228;sident – alle aus dem gleichen Stall der US-Investmentbank, die auch in den USA ihre Finger in der Politik hat. Was hat das noch mit Demokratie zu tun? Nichts. Angela Merkel spricht ja auch von „marktgerechter Demokratie“. Wo bleibt der Aufschrei des konservativ gepr&#228;gten Bildungsb&#252;rgertums? Verschlafen wie zu Weimars Zeiten!</li>
<li><strong>Im Interesse der Finanzwirtschaft sind wichtige gesellschaftliche Einrichtungen zerst&#246;rt worden bzw. werden noch zerst&#246;rt:</strong>
<p>&#214;ffentliche Unternehmen und &#246;ffentliche Einrichtungen werden privatisiert; Wasserwerke, Kliniken, kommunale Wohnungen, Eisenbahnen, immer mehr auch Schulen und Universit&#228;ten – &#252;ber all l&#228;sst man Aktion&#228;re mit verdienen. Zulasten der Allgemeinheit, zulasten der Kommunen, der Mieter und zulasten der Arbeitnehmerschaft. </p>
<p>Die &#246;ffentlich organisierte Altersvorsorge wird st&#252;ckweise durch private Vorsorge erg&#228;nzt und entwertet &#8211; weil die Versicherungswirtschaft und die Banken das so wollen, nicht aus sachlichen Gr&#252;nden. Der Ruf der Gesetzlichen Rente wurde absichtlich ruiniert, um den Verk&#228;ufern der Privatvorsorge das Feld zu bereiten. Zudem werden die privaten Versicherungsprodukte, die Riester-Rente und die R&#252;rup-Rente auch noch mit Steuergeldern subventioniert. &#8211; Ja wo leben wir denn? Wo sind denn die konservativen Wirtschaftsfachleute geblieben, die sonst immer gegen Subventionen protestieren und von Freiheit schwadronieren? Wenn es in die eigene Tasche geht, dann ist der Bruch der sonst hochgehaltenen Wirtschaftsmoral schnell vergessen.</p>
<p>Mit der Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen ist die Arbeitslosenversicherung zerst&#246;rt worden. Hartz IV zielte nicht zu aller erst auf die Schw&#228;chung der Empf&#228;nger von Harz IV. Das ist eher ein Kollateralschaden. Mit dieser so genannten Reform sollte den Arbeitnehmern und Gewerkschaften der Schneid abgekauft werden. Das hat gro&#223;enteils funktioniert; ich klage niemanden an, der seinem Chef vorsichtig gegen&#252;ber tritt und keine Lippe riskiert, weil er damit rechnen muss, bei einer Entlassung nach einem Jahr in Harz IV zu landen. Die damit verbundene Zerst&#246;rung der sozialen Sicherheit ist ein wirkliches Verbrechen an Sozialstaat und Demokratie.</li>
<li><strong>Die durch Spekulation immer wieder angeheizte Krise der Finanzwirtschaft wirft lange Schatten auf die real produzierende Wirtschaft, auf Industrie und Einzelhandel, auf Handwerk und Gewerbe – und auf die dort arbeitenden Menschen.</strong> Sie alle sind darauf angewiesen, auf der Basis von einigerma&#223;en festen &#246;konomischen Daten und Entwicklungen kalkulieren zu k&#246;nnen. Sie werden aber auf den Kapital- und Devisenm&#228;rkten st&#228;ndig den Auswirkungen der Spekulation ausgesetzt. Typisch daf&#252;r sind die Schwankungen des Dollar-Kurses. Typisch daf&#252;r ist der Verlauf der Aktienkursentwicklung. Drei Mal seit 1997 haben sich die Kurse der DAX-Werte nahezu vervierfacht und sind dann wieder entsprechend eingebrochen. Das macht es der Industrie, gerade dann, wenn man Shareholder Value zum Ma&#223;stab macht, ausgesprochen schwierig, zu disponieren. Spekulation m&#252;sste einem ordentlichen Konservativen ein Dorn im Auge sein. </li>
<li><strong>Wir leben in einer gespaltenen Gesellschaft.</strong> Wenige Gruppen werden immer reicher und verdienen immer mehr. Die Einkommen der Vorst&#228;nde der DAX-Konzerne zum Beispiel wurden in den letzten zehn Jahren um 100 % erh&#246;ht. Die realen L&#246;hne, also nach Abzug der Preissteigerungen, stagnieren seit 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ist, anders als behauptet wird, immer noch sehr hoch. Sie ist versteckt. Der Niedriglohnsektor ist zulasten normaler Verdienste ausgeweitet worden. Leiharbeit ist Mode geworden. &#220;ber 800.000 Menschen sind in diesen unw&#252;rdigen Arbeitsverh&#228;ltnissen t&#228;tig. Millionen von Menschen k&#246;nnen sich und ihre Familie nicht mit dem unterhalten, was sie verdienen. Sie m&#252;ssen aufstocken, d.h. sie sind auf Geld der Allgemeinheit angewiesen. Junge Menschen finden keine Arbeit und keine berufliche Perspektive. Das sind im Kern Verfassungsbr&#252;che.
<p>In Griechenland und in Spanien ist die H&#228;lfte aller Jugendlichen arbeitslos. Ist konservativen Kreisen eigentlich klar, was dies bedeutet? Ich f&#252;rchte nein. Das ist weit weg. Und die Umsicht und Einsicht auch gebildeter Schichten ist inzwischen so schwach, dass man dort den Zusammenhang zwischen der von deutscher Seite verordneten angeblichen Sparpolitik und dem Elend der Jugend in diesen V&#246;lkern wie auch in Teilen unseres Landes gar nicht mehr sieht.</li>
<li><strong>Viele Menschen k&#246;nnen heute ihr Leben nicht einmal andeutungsweise planen.</strong> Begreifen wir, was dies f&#252;r das Menschsein bedeutet? Millionen Menschen kommen in das Erwachsenenalter und k&#246;nnen gar keinen Sinn darin sehen, dar&#252;ber nachzudenken, was sie beruflich tun wollen, wie sie eine Familie planen, wo sie Heimat finden und wohnen und arbeiten k&#246;nnen. Millionen Menschen ist die Planbarkeit ihres Lebens, ihrer Partnerschaft und  ihres Berufs weit gehend zerst&#246;rt worden. Das ist ein gravierender Unterschied zu fr&#252;her. Meine Generation konnte noch planen, die heutige junge Generation nur noch unter erschwerten Bedingungen. Das ist die eigentliche Generationenungerechtigkeit – wenn man dieses Schlagwort schon benutzen will, dann so.</li>
<li><strong>Wohlstand f&#252;r alle!</strong> Das war keine linke Verhei&#223;ung, jedenfalls ist sie nicht von einem Repr&#228;sentanten der Linken formuliert worden. Sie stammt vom konservativ-liberalen fr&#252;heren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Daf&#252;r zu sorgen, dass dieses Versprechen wieder einen ehrlichen Klang und auch ein St&#252;ck G&#252;ltigkeit bekommt, m&#252;sste doch eine reizvolle Aufgabe f&#252;r Konservative sein.</li>
</ul>
<p><strong>Dass es Wohlstand f&#252;r alle nicht mehr gibt, dass die soziale Sicherheit vielen genommen ist und die demokratische Willensbildung verk&#252;mmert, diese Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen, sie ist nicht Gott gegeben, sondern politisch gewollt und so nach dem Muster der neoliberalen Theorie gestaltet worden.</strong></p>
<p>Diese Ideologie und ihre Rezepte sind von nahezu allen politischen Kr&#228;ften &#252;bernommen worden. Das ist erstaunlich. Ein so schwachsinniges Konzept hat die Agenda 2010 gepr&#228;gt und vorher schon die Politik von Helmut Kohl und Graf Lambsdorff. Die Konzepte waren in Chile schon im Jahr 1973 ausprobiert worden. Das war lange vor der deutschen Vereinigung. Ich weise darauf hin, weil in manchen Kreisen krampfhaft an der Vorstellung festgehalten wird, die unsoziale Politik von Merkel, Schr&#246;der und Kohl sei nur m&#246;glich geworden, weil die Drohung mit dem Sozialismus der DDR und der anderen osteurop&#228;ischen Staaten weggefallen sei. Das ist Humbug, tut mir leid, dies so hart formulieren zu m&#252;ssen. Die neoliberale Ideologie wurde zuerst mit Hilfe und unter dem Schutz des Diktators Pinochet angewandt – mit allem, was heute auch dazu geh&#246;rt: Privatisierung, Deregulierung, Verkauf &#246;ffentlichen Eigentums, Kommerzialisierung der Altersvorsorge, Entlassung &#246;ffentlicher Bediensteter.</p>
<p>Mit dem Lambsdorff Papier von 1982 sind die Weichen in Westdeutschland in die jetzt herrschende Richtung gestellt worden. Schr&#246;der hat sich dann sp&#228;ter des Ausbaus des Niedriglohnsektors ger&#252;hmt. Der ehemalige Bundesbankpr&#228;sident Tietmeyer (CDU) hat bewundernd davon gesprochen, dass die Politik unter der Beobachtung der Finanzm&#228;rkte steht. Ein britischer Notenbanker, Sir Alan Budd, spricht offen davon, dass die Entstehung einer Reservearmee von Arbeitslosen mit dem Ziel der Erh&#246;hung der Profite und der Senkung der Lohneinkommen von Thatchers Entourage geplant war. Diese Planung und das Bekenntnis dazu straft &#252;brigens auch alle jene auf der linken Seite der L&#252;ge, die behaupten, mit Beginn der siebziger Jahre sei die staatliche, aktive Besch&#228;ftigungspolitik nach Keynesschem Vorbild gescheitert. Sie ist nicht gescheitert, sie ist bewusst nicht mehr konsequent betrieben worden.</p>
<p><strong>Auch die politische Konstellation ist bedr&#252;ckend. Wir haben keine Alternative.</strong></p>
<ul>
<li>There is no alternative. TINA &#8211; das war die Propagandaformel der britischen Konservativen mit Thatcher. Bei uns wurde die politische Konstellation in die &#228;hnliche Richtung getrieben. Angela Merkel und Wolfgang Sch&#228;uble suggerieren, dass es zu ihrer Art von Wirtschafts-, Finanz- und Europapolitik keine Alternative g&#228;be. Die Wahl von Bundespr&#228;sident Gauck ist das sichtbare personelle Zeichen dieser fantasielosen Alternativlosigkeit. Und der Fiskalpakt ist eine Art Sargnagel f&#252;r den Gestaltungswillen von Demokraten in Deutschland und Europa. Wir k&#246;nnen dann n&#228;mlich w&#228;hlen, wen und was wir wollen, die so genannten Sparprogramme werden ganz woanders entschieden, nicht von den gew&#228;hlten Parlamenten, nicht von uns. Eine perfide Entwicklung.</li>
<li>Die F&#252;hrungen von SPD und Gr&#252;nen haben sich dem neoliberal gepr&#228;gten Trend gebeugt. Sie weigern sich, ein dagegen stehendes alternatives B&#252;ndnis &#252;berhaupt in den Blick zu nehmen. Das ist nicht nur unter parteipolitischen Gesichtspunkten eine dramatische Situation. Denn wir sind alle daran interessiert, dass die Regierenden damit rechnen m&#252;ssen, abgel&#246;st zu werden. Angela Merkel muss damit in der jetzigen Konstellation nicht rechnen. Macht und Einfluss der Neoliberalen und der Finanzwirtschaft wird uns unter diesen Umst&#228;nden auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Die ganz normale demokratische Sanktion, die Belohnung oder Abstrafung, funktioniert nicht mehr. Deshalb m&#252;ssen wir uns nach neuen gesellschaftlichen B&#252;ndnissen umsehen. Das ist nicht einfach. Aber was ist unsere Alternative? Ich sehe keine.</li>
</ul>
<p><strong>Suchen wir also nach gesellschaftlichen, politischen und geistigen B&#252;ndnissen. Wo zeichnen sich solche ab? Das folgende sind Anhaltspunkte, keine fertigen Rezepte:</strong></p>
<ul>
<li>Die wertsch&#246;pfende Industrie hat ein Interesse an stabilen Entwicklungen, die nicht st&#228;ndig von Spekulationen und finanzpolitisch bedingten Zusammenbr&#252;chen gest&#246;rt werden. Wir alle haben ein Interesse an der Beendigung des Finanzkasinobetriebs. In diesem Sinne haben sich Manager wichtiger Unternehmen schon im Herbst 2011 zu Wort gemeldet. Der damalige Chef von Bosch Franz Fehrenbach hat schon im vergangenen September dagegen protestiert, dass die Arbeit in der realen Wirtschaft von den st&#228;ndigen Spr&#252;ngen der Spekulation gest&#246;rt wird.</li>
<li>Auch Konservative beklagen die Spaltung unserer Gesellschaft: &#8220;Oben werden sie immer reicher, unten herrscht im g&#252;nstigsten Fall Stagnation. Ich glaube fest an das Solidarprinzip unserer Gesellschaft. Dazu m&#252;ssen auch die Besserverdiener ihren Beitrag leisten.&#8221; Dieses Zitat stammt nicht von einem Linken sondern vom Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens und Thyssen Krupp, Gerhard Cromme. Selbst in dieser schwierigen verteilungspolitischen Frage k&#246;nnen sich mitdenkende Wertkonservative und Linke offensichtlich n&#228;her kommen. Die Auffassungsunterschiede sind angesichts der greifbaren Bedrohung gering.</li>
</ul>
<p><strong>Zw&#246;lf Elemente eines Gemeinsamen Programms von wertkonservativen und progressiven Kr&#228;ften sind nicht schwierig zu beschreiben:</strong></p>
<ol>
<li><strong>Erstens: Nutzung m&#246;glichst aller Ressourcen</strong>, also massiver und intelligenter Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und f&#252;r die Besch&#228;ftigung aller Menschen, die arbeiten wollen und k&#246;nnen. So etwas wie die Strategie zur Schaffung einer Reservearmee von Arbeitslosen, wie sie der britische Notenbanker Sir Alan Budd als gegeben und geplant geschildert hat, darf es nicht mehr geben. Das ist einer zivilisierten Gesellschaft unw&#252;rdig und es m&#252;sste leicht sein, konservativ gepr&#228;gte und progressiv gepr&#228;gte Menschen bei dieser Einsicht zu vereinen.</li>
<li><strong>Zweitens Sachverstand statt Ideologie.</strong> Heute gibt es in der Wirtschafts-, W&#228;hrungs- und Finanzpolitik fast keinen Sachverstand mehr. Statt Sachverstand nur noch Linientreue und Ideologie. Sparen sei gut, wird verk&#252;ndet, und alle laufen dem nach, obwohl diese Linie in der Praxis nicht funktioniert. Was betriebswirtschaftlich logisch erscheint, funktioniert volkswirtschaftlich nicht. Weil die Sparabsicht nicht reicht. Weil die Sparabsicht in einer Krisensituation die Defizite versch&#228;rft. &#8211; Genauso ohne Sachverstand ist das Pochen auf dem Export&#252;berschuss. St&#228;ndige Export&#252;bersch&#252;sse sind real betrachtet Unsinn, eine Vergeudung von Ressourcen. Es werden n&#228;mlich damit nur Forderungen gegen jene aufgebaut, denen man mehr exportiert als man importiert.
<p>Der Mangel an Sachverstand und die Fixierung auf die Ideologie wird vor allem sichtbar in der schon penetranten Ablehnung des wirtschaftspolitischen Instrumentariums, das mit dem Namen Keynes verbunden ist. Sich auf die Nutzung aller m&#246;glichen Instrumente der Wirtschaftspolitik, also sowohl auf angebotstheoretische als auch auf Instrumente aus der Instrumentenkiste von Keynes, zu verst&#228;ndigen darf doch nicht schwierig sein. Dazu geh&#246;rt auch, gemeinsam an unseren Universit&#228;ten aufzur&#228;umen, die T&#252;ren aufzumachen, frische Luft und Pluralit&#228;t einziehen zu lassen.</li>
<li><strong>Drittens sollte Spekulation ge&#228;chtet und verbannt werden.</strong>
<p>In konservativen Kreisen m&#252;sste eigentlich weit verbreitet sein, dass man sein Geld ehrlich und anst&#228;ndig verdient. Dazu geh&#246;rt dann auch, dass die Finanzierung von Staaten und deren Aufgaben, wenn sie Kredit daf&#252;r brauchen, nicht dem Spekulationskarussell anheim gegeben wird. Man muss sich doch darauf verst&#228;ndigen k&#246;nnen, dass man die H&#246;he der Zinsen f&#252;r die Staatsfinanzierung nicht den von Interessen geleiteten Ratingagenturen und Spekulanten &#252;berl&#228;sst. </p>
<p>Auch dass Spekulationsgewinne zumindest so besteuert werden m&#252;ssen wie die ehrlich verdienten Gewinne ist kein ausnehmend linkes Programm. D.h. zum Beispiel: Streichung des Steuervorteils f&#252;r Gewinne, die beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen anfallen; Hedgefonds und all die neuen Finanzprodukte, die nur der Spekulation dienen, haben bei uns nichts zu suchen. Ratingagenturen und die ewigen B&#246;rsenberichte im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk auch nicht. Wir m&#252;ssen die Spekulationsmentalit&#228;t brechen und die Wertsch&#246;pfungsmentalit&#228;t f&#246;rdern.</li>
<li><strong>Viertens Bewahrung und Pflege des guten Rufs unseres Landes.</strong> Ich habe vier Bundeskanzler unmittelbar erlebt und f&#252;r zwei gearbeitet. Kiesinger, Brandt, Schmidt und Kohl. Unabh&#228;ngig von der Parteizugeh&#246;rigkeit achteten alle darauf, dass der Ruf unseres Landes und unseres Volkes nicht besch&#228;digt wird. Willy Brandt brachte das auf die Formel: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“. Und heute? Die Polemik der Medien und einzelner politischen Gruppierungen gegen andere V&#246;lker, gegen die S&#252;dl&#228;nder, gegen die Griechen, wird von oben gest&#252;tzt und gef&#246;rdert. „Die Griechen m&#252;ssen nachsitzen“, die „Pleitegriechen“ usw. Wenn man wie ich als junger Mensch in Griechenland erlebt hat, wie gro&#223;z&#252;gig die Meisten dort mit uns umgingen, obwohl sie unter der Herrschaft der Nazis gelitten haben, dann kann man sich heute nur sch&#228;men. Und diese heute g&#228;ngige Arroganz gegen andere V&#246;lker ist auch dumm. Sie wird sich r&#228;chen.</li>
<li><strong>F&#252;nftens der sorgsame Umgang mit den nat&#252;rlichen Ressourcen</strong>, mit der Sch&#246;pfung wie manche Konservative sagen, – ein altes bew&#228;hrtes gemeinsames Anliegen von Konservativen und Linken.</li>
<li><strong>Sechstens: Stopp der unsinnigen Privatisierungsprojekte und in sachlich begr&#252;ndeten F&#228;llen neue &#220;bernahme in &#246;ffentliche Regie, also zum Beispiel Re-Kommunalisierung.</strong>
<p>Ob ein Produkt oder eine Dienstleistung &#246;ffentlich oder privat produziert wird, ist eine Frage sachlicher Abw&#228;gung und nicht eine ideologisch zu beantwortende Frage. Dabei gibt es ein paar hilfreiche Kriterien: Welche Art der Produktion ist effizienter? Ist Wettbewerb bei Privatisierung wirklich m&#246;glich? Es macht ja keinen Sinn, ein &#246;ffentliches Oligopol oder Monopol durch ein privates zu ersetzen. Das geschieht aber am laufenden Band. Diese Tendenz m&#252;sste auch an der Sache orientierten Konservativen die Haare zu Berge stehen lassen. &#8211; Es gibt starke Argumente f&#252;r den Betrieb des Schienenverkehrs in &#246;ffentlicher Regie. Es machte keinen Sinn, die Berliner Wasserwerke oder die Stadtwerke in Leipzig zu privatisieren. Und es macht keinen Sinn, Kliniken zu privatisieren. Ich habe pers&#246;nlich bittere Erfahrungen mit einer privatisierten Klinik in der weiteren Nachbarschaft von Dresden gemacht. Was macht es f&#252;r einen Sinn, die Vogtland Klinik in Plauen oder die Uniklinik in Gie&#223;en-Marburg privat zu betreiben? Mit allen Konsequenzen – mit dem Anspruch auf 15 % Rendite f&#252;r die Aktion&#228;re, mit dem daraus folgenden Zwang zu Rationalisierung und zum Outsourcing. Ich kann nur mit Zorn verfolgen, dass dieser Wahnsinn nun sogar noch forciert werden soll und der Sektor Krankenh&#228;user immer st&#228;rker privatisiert &#8211; und d.h. zugleich angesichts der regionalen Verteilung &#8211; monopolisiert wird. Damit m&#228;chtige Konzerne und ihre Aktion&#228;re an der Schinderei des Pflegepersonals und der &#196;rzte und am Gesundheitsrisiko von Menschen eine goldene Nase verdienen.</p>
<p>Dass die Entscheidung privat oder &#246;ffentlich sachlich &#252;berlegt werden muss und nicht ideologisch, muss auch konservativ gepr&#228;gten Menschen einleuchten. Gerade ihnen, wenn sie etwas von Wettbewerb halten und deshalb auch wissen, dass dann, wenn keiner m&#246;glich ist, nur die &#246;ffentliche Regie richtig sein kann.</li>
<li><strong>Siebtens</strong>, direkt im Anschluss an die letzte Bemerkung zur Privatisierung und Wettbewerb: <strong>Es ist eine klare Erkenntnis der konservativen Marktwirtschaftler wie auch der eher linken</strong> aus der sozialdemokratischen Schule von Schiller und Deist, <strong>dass Wettbewerb gesch&#252;tzt werden muss</strong>. Deshalb haben wir ein Gesetz gegen Wettbewerbsbeschr&#228;nkungen, deshalb sind wir gegen Kartelle und Monopole. Wirtschaftssubjekte haben die Tendenz, ein Monopol zu erreichen oder sich mit Konkurrenten abzusprechen. Es m&#252;sste leicht sein, hier ein gemeinsames Arbeitsfeld f&#252;r Linke und Konservative zu finden. Das w&#228;re dringend n&#246;tig. Denn heutzutage werden Zusammenschl&#252;sse und Monopole gefeiert. Die meinungsf&#252;hrenden Investmentbanker verdienen n&#228;mlich an den Transaktionen, die bei Zusammenschl&#252;ssen und &#220;bernahmen f&#228;llig werden. Sie verdienen auch daran, wenn solche Konglomerate wieder aufgel&#246;st werden.</li>
<li><strong>Achtens: Wiederaufbau der sozialen Sicherheit; das bedeutet auch: klares Bekenntnis zu den Versprechen des Grundgesetzes: zu Freiheit und Sozialstaatlichkeit, zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit.</strong>
<p>Das verlangt eine Steuerpolitik, die die Ungerechtigkeiten der letzten 30 Jahre zu korrigieren versucht; es verlangt die Anhebung des Spitzensteuersatzes und die entsprechende Anpassung der Steuertabelle und die Wiedereinf&#252;hrung der Verm&#246;gensteuer und einer wirksamen Erbschaftssteuer. Es muss doch auch konservativen Menschen einleuchten, dass z.B. ein Spitzensteuersatz von 53%, also so hoch wie zu Kohls Zeiten, kein sozialistisches Teufelswerk ist. </p>
<p>Soziale Sicherheit herzustellen hei&#223;t: die Agenda 2010 kann keine Basis f&#252;r die Zukunft sein, und es verlangt, dass wieder eine wirksame Arbeitslosenversicherung installiert wird.<br />
Kluge Konservative wissen &#252;brigens, dass soziale Sicherheit und Gerechtigkeit wichtige St&#252;tzen friedlicher Verh&#228;ltnisse sind und damit auch zur inneren Sicherheit beitragen. Nur konservative Dummk&#246;pfe haben das nicht verstanden, obwohl sie schon seit Jahrzehnten in amerikanischen St&#228;dten studieren k&#246;nnen, ein welch hohes Gut an Lebensqualit&#228;t wir in Deutschland haben, wenn wir uns eine einigerma&#223;en friedliche Gesellschaft erhalten k&#246;nnen. </p>
<p>Ich pl&#228;diere f&#252;r ein B&#252;ndnis der Verfassungsfreunde gegen die heute herrschenden Feinde unseres Grundgesetzes. Wer Art. 20 mit seinem Sozialstaatsversprechen nicht ernst nimmt, ist ein Verfassungsfeind. Wer die Leiharbeit eingef&#252;hrt hat und f&#246;rdert, verst&#246;&#223;t gegen Art. 1 des Grundgesetzes. Dort wird gesagt, die W&#252;rde des Menschen sei unantastbar. Die meisten Menschen, die in Leiharbeitsvertr&#228;gen stecken, sind aber ihrer W&#252;rde beraubt. Wir sollten diejenigen, die das angestellt haben, auch entsprechend benennen. Sie stehen nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Verfassungsfeinde!</li>
<li><strong>Neuntens:</strong> zwischen konservativen und progressiven mit denkenden Menschen m&#252;sste sofort eine gemeinsame Basis m&#246;glich sein, von der <strong>aus man gegen die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche antritt</strong>.
<p>Lassen Sie uns bei den Schulen anfangen und dort die Kommerzialisierung zur&#252;ckdr&#228;ngen. Es geht nicht an, dass McKinsey und die Allianz AG die Unterrichtsinhalte in unseren Schulen pr&#228;gen. Es geht nicht an, dass in unseren Schulen B&#246;rsenspiele ge&#252;bt werden.</li>
<li><strong>Zehntens: Ein klares Nein zur politischen Korruption sollte ohne Schwierigkeiten die gemeinsame Basis sein.</strong>
<p>Das w&#228;re eine sehr breite Basis. Denn heute ist in unserer „BananenRepublikDeutschland“ politische Korruption &#252;ber all pr&#228;sent: Helmut Kohl und seine Mannen sind von Leo Kirch, einem der Profiteure der Kommerzialisierung des Fernsehens, mit Beratungsvertr&#228;gen versehen worden. Jahre sp&#228;ter. Solange m&#252;ssen manche auf die segensreiche Wirkung des so genannten Dreht&#252;reffekts warten. &#8211; Wolfgang Clement hat als Wirtschafts- und Arbeitsminister die Leiharbeit in Deutschland gef&#246;rdert und arbeitet heute f&#252;r das „wissenschaftliche“ Institut eines der gr&#246;&#223;ten Leiharbeitsanbieter der Welt. &#8211; Geld von Hoteliers f&#252;r die FDP und Steuergeschenke f&#252;r Hotels. Eine dreiste politische Korruption! </p>
<p>Politische Korruption ist &#252;berparteilich: Gerhard Schr&#246;der, Walter Riester und Bert R&#252;rup haben alles M&#246;gliche getan, um der Privatvorsorge f&#252;rs Alter den Weg zu bereiten und ihn mit &#246;ffentlichem Geld zu pflastern. Heute verdienen sie an diesem gemeinsamen Werk zusammen mit dem armen, verkannten Maschmeyer. Dieser gibt immerhin ehrlich zu, dass ihn seine Freunde in Politik und Wissenschaft auf eine „sprudelnde“ &#214;lquelle gesetzt haben  </p>
<p>Wenn der Kampf gegen politische Korruption kein gemeinsames Aktionsfeld ist f&#252;r anst&#228;ndige Konservative und Linke, was dann?!</li>
<li><strong>Elftens: Einsichtige Konservative wissen, dass Planungssicherheit zum menschlichen Leben geh&#246;rt.</strong> Sie sind deshalb beispielsweise f&#252;r sichere Arbeitsvertr&#228;ge. Sie vertrauen darauf, dass Menschen nicht nur auf Druck etwas leisten, sondern auch aus Verantwortung. Klar, es gibt auch solche, die anders denken, solche, die Menschen in Unsicherheit versetzt haben wollen, weil sie die daraus folgende F&#252;gsamkeit und Flexibilit&#228;t sch&#228;tzen. Hier muss sich im konservativen Lager der Weizen von der Spreu trennen.</li>
<li>Zum Schluss: <strong>Wohlstand f&#252;r alle.</strong> Ja! Nicht nur f&#252;r wenige. Also kein Niedriglohnsektor, kein Auseinanderdriften der Einkommens- und Verm&#246;gensverteilung. Wohlsstand f&#252;r alle k&#246;nnte auch die geeignete Parole f&#252;r den gemeinsamen Auftritt von Linken und anst&#228;ndigen Konservativen sein.</li>
</ol>
<p>Das waren zw&#246;lf gemeinsame Aktionsfelder von Wertkonservativen und demokratischer Linken. Es g&#228;be noch eine Reihe weiterer, derentwegen sich Zusammenarbeit lohnen w&#252;rde. ((Der folgende kursiv gesetzte Text stand im Redeentwurf, wurde aber nicht vorgetragen: <em>Ein Thema will ich noch nennen:</em></p>
<p><em><strong>Kriege und milit&#228;rische Interventionen sind in der Regel nicht die L&#246;sung politischer Probleme.</strong> Sie sind nur das aller-aller-allerletzte Mittel. Von unserem Land muss Frieden ausgehen, milit&#228;rische Aktionen und Interventionen d&#252;rfen nicht zur Regel werden. Gewaltverzicht war einmal die Parole und Vorstellung, die von der deutschen Politik in die Ost-West-Auseinandersetzung eingebracht worden ist.</em></p>
<p><em>Unmittelbar nach 1945 konnte man sich in Deutschland auch mit Konservativen darauf verst&#228;ndigen: Nie wieder Krieg. Es gibt keinen Grund, von dieser Einsicht abzugehen.</em>))</p>
<p><strong>Vielleicht ist die Vorstellung, es g&#228;be die skizzierten Br&#252;cken und Gemeinsamkeiten zwischen progressiven und konservativen Kr&#228;ften, zu optimistisch. Vielleicht gibt es die vermuteten wertkonservativen Kr&#228;fte gar nicht mehr.</strong></p>
<p>Mir scheint der Niedergang jedoch die Folge eines gemachten Zeitgeistes zu sein. Die m&#246;gliche Gegenbewegung muss sich daran angelehnt ebenfalls um Orientierung k&#252;mmern und den Zeitgeist zu pr&#228;gen versuchen &#8211; in den Worten von Helmut Kohl: Wir brauchen eine geistig moralische Erneuerung. Leider hat er diese nur gefordert und nicht verwirklicht. Im Gegenteil. Ihm verdanken wir viele soziale Einschnitte und die skizzierte die Kommerzialisierung im zentralen Feld der elektronischen Medien.</p>
<p>Diejenigen im konservativen Lager, die die Orientierung an Wertvorstellungen noch nicht verloren haben, m&#252;ssen sich lauter zu Wort melden, sie d&#252;rfen sich von den neoliberal gepr&#228;gten Wortf&#252;hrern nicht einsch&#252;chtern und vereinnahmen lassen. Im konservativen Lager ist eine Auseinandersetzung f&#228;llig. Man k&#246;nnte auch sagen, eine Revolte gegen die herrschenden Kreise sei dringend notwendig.</p>
<p>Im Bundesverband der Deutschen Industrie zum Beispiel haben die neoliberalen Kr&#228;fte und die F&#246;rderer der Finanzwirtschaft das Sagen. Die zuvor zitierten Kritiker des Casinobetriebs aus der Industrie kommen dort kaum zu Wort, jedenfalls bestimmen sie nicht die &#246;ffentlichen Verlautbarungen.</p>
<p>Auch beim Zentralverband des Deutschen Handwerks oder bei den Einzelh&#228;ndlerverb&#228;nden herrscht der gleiche Geist. </p>
<p>Die Wertkonservativen haben sich zur&#252;ckgezogen. Deshalb der Appell an die Anst&#228;ndigen im konservativen Lager, endlich aufzuwachen und zu revoltieren.</p>
<p><strong>Ein gro&#223;es Problem ist der Zustand der Meinungsbildung in Deutschland und insbesondere die Macht der PR.</strong></p>
<p>Sie ist gepr&#228;gt von Meinungsmache und von gro&#223;en Interessen, die diese Meinungsmache bestimmen. Unser Land ist &#252;berzogen mit Kampagnen der Meinungsmache und mit der daf&#252;r notwendigen Public-Relations-Struktur. Die Finanzwirtschaft ist offensichtlich ausgesprochen aktiv im PR Gesch&#228;ft. Das liegt auch nahe. Je schw&#228;cher die Argumente, umso mehr Geld muss man f&#252;r Public Relations ausgeben.</p>
<p>Geld ist &#252;ppig vorhanden. Der zuvor erw&#228;hnte ehemalige Manager der Depfa, der diese marode Bank aus seiner und anderer Aktion&#228;re Sicht noch rechtzeitig an die M&#252;nchner HRE verkauft hat, k&#246;nnte mit seinem vermuteten pers&#246;nlichen Gewinn von ca. 100 Millionen Euro den Wahlkampf beider gro&#223;en Parteien bezahlen – gemessen an den Kosten des Wahlkampfes f&#252;r die Wahl im Jahre 2005. </p>
<p>Noch ein Vergleich: Mit ihren Bez&#252;gen von 11,4 Mrd.US-$ in 2008 h&#228;tten z.B. die Manager von Goldman Sachs den Wahlkampf einer der beiden Parteien CDU/CSU und SPD 180 mal finanzieren k&#246;nnen. Nur die Manager, die Firma Goldman Sachs selbst XXL mal mehr.</p>
<p>Diese Vergleiche liegen nicht neben der Sache. Tats&#228;chlich ist die Public Relations Arbeit der Finanzwirtschaft undurchdringlich und un&#252;berwindbar. Und wenn wir die Neigung zur Kapitulation h&#228;tten, dann k&#246;nnten wir ihr angesichts dieser Zahlenverh&#228;ltnisse begr&#252;ndet nachgeben.</p>
<p>Ob wir mit der Public Relations Arbeit des gro&#223;en Stroms der neoliberalen Meinungsf&#252;hrer fertig werden, wei&#223; ich nicht. Vor 40 Jahren ist das noch gelungen. Damals hat die SPD unter der F&#252;hrung Willy Brandts die Menschen gegen das gro&#223;e Geld mobilisiert. Hunderttausende von Menschen sind damals auf die Stra&#223;e gegangen, haben sich Buttons angesteckt oder Aufkleber aufs Auto geheftet und unentwegt Gespr&#228;che gef&#252;hrt. </p>
<p>Leider hat sich seitdem einiges ge&#228;ndert. Sowohl die Medien als auch die SPD. Aber der Ansatz, eine Gegen&#246;ffentlichkeit aufzubauen, bleibt uns nach wie vor als eine wenn auch schwierige M&#246;glichkeit. Welche M&#246;glichkeit haben wir sonst? Den R&#252;ckzug aus der politischen Beteiligung? Wenn Sie das wollten, w&#228;ren Sie nicht hier. Wenn Sie das wollten, w&#252;rden Sie nicht im Dresdner und anderen NachDenkSeiten-Kreisen mitmachen. Ich hoffe, Sie mit meiner schonungslosen Analyse nicht deprimiert zu haben. Ich wollte einigerma&#223;en ehrlich sein. Und zw&#246;lf konstruktive Elemente von Br&#252;cken f&#252;r die Zusammenarbeit mit anders denkenden anst&#228;ndigen Menschen sind ja kein Pappenstil. Reden Sie mit diesen anders Denkenden. Das anst&#228;ndige Deutschland muss sich zusammenfinden.</p>
<p><strong>Download-PDF:</strong> <a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120505_Albrecht_Mueller_Dresdner_Rede.pdf">„F&#252;r einen Pakt aller Demokraten gegen Finanz-Zyniker und Spekulanten“ –Text der Dresdner Rede [PDF - 160 KB]</a> </p>
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		<title>So einfach ist die Manipulation: Mit Sprache, mit &#220;bertreibungen ohne Bezug zu den Fakten</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 12:22:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Manipulation des Monats]]></category>
		<category><![CDATA[SPIEGEL / SPIEGEL Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute fr&#252;h um 8:26 Uhr erschien eine dieser typischen Spiegel-Online-Meldungen „Starkes Wachstum. Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft“, die erkennbar Teil der Kampagne sind, wonach es uns unglaublich gut geht, dies das erfolgreiche Ergebnis der neoliberal gepr&#228;gten Reformen ist und der hervorragenden Arbeit der Regierenden ist. Das sind die offenen unterschwelligen Botschaften. Diese Botschaften werden vermutlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute fr&#252;h um 8:26 Uhr erschien eine dieser typischen Spiegel-Online-Meldungen <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/plus-beim-bip-deutsche-wirtschaft-waechst-im-ersten-quartal-a-833178.html">„Starkes Wachstum. Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft“</a>, die erkennbar Teil der Kampagne sind, wonach es uns unglaublich gut geht, dies das erfolgreiche Ergebnis der neoliberal gepr&#228;gten Reformen ist und der hervorragenden Arbeit der Regierenden ist. Das sind die offenen unterschwelligen Botschaften. Diese Botschaften werden vermutlich geglaubt, auch von Menschen, die eigentlich die intellektuelle Kraft haben sollten, diese Art primitiver Manipulation zu durchschauen. Von <strong>Albrecht M&#252;ller</strong><br />
<span id="more-13250"></span><br />
<strong>Ein paar Hinweise auf die Manipulationen im Einzelnen auf der Basis des Textes von Spiegel Online.</strong></p>
<p><strong>Dort hei&#223;t es zum Einstieg:</strong></p>
<blockquote><p>„<strong>Starkes Wachstum</strong></p>
<p><strong>Deutsche Wirtschaft strotzt vor Kraft</strong></p>
<p>Halb Europa kriselt, doch in Deutschland ist von Rezession keine Spur. Nach einem D&#228;mpfer Ende vergangenen Jahres ist die heimische Wirtschaft Anfang 2012 &#252;berraschend kr&#228;ftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,5 Prozent.</p>
<p>Berlin &#8211; Die deutsche Wirtschaft hat durch ein starkes Wachstum im ersten Quartal einer Rezession getrotzt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis M&#228;rz um 0,5 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem deutlich geringeren Wachstum gerechnet, einige hatten sogar ein weiteres Schrumpfen vorhergesagt. </p>
<p>Ende 2011 war die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zur&#252;ckgegangen &#8211; zum ersten Mal seit fast drei Jahren. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen &#214;konomen von einer Rezession.“</p></blockquote>
<p><strong>Kommentar AM:</strong></p>
<ul>
<li>„Von Rezession keine Spur“ ??? &#8211; Im April lag die offizielle Arbeitslosigkeit bei 2,963 Millionen. Das sind immerhin knapp 3 Millionen &#8211; noch statistisch erfasste &#8211; Menschen ohne Arbeit. Dazu kommen vermutlich rund 4 Millionen, die von der Statistik nicht mehr erfasst werden oder in „Unterbesch&#228;ftigung“ sind. Rund 1,3 Millionen Menschen verdienen so wenig, dass sie aufstocken m&#252;ssen. &#220;ber 800.000 sind als Leiharbeiter t&#228;tig. Von Rezession keine Spur?</li>
<li>0,5% Wachstum sind – grob aufs Jahr hochgerechnet – 2% per annum. Das ist auch nicht ann&#228;herungsweise ein „starkes“ Wachstum. Dieses sieht, wenn eine Volkwirtschaft aus einer Rezession kommt, anders aus. Rund 4% f&#252;r mehrere Jahre w&#228;ren ein „starkes Wachstum“.  – Um die 0,5% dennoch als bedeutsam erscheinen zu lassen, werden sie mit den minus 0,2% des Vorquartals verglichen. Diese Werte – plus 0,5 und minus 0,2% &#8211; sind so gering, dass sie schon nahe im Bereich statistischer Fehler liegen k&#246;nnten.</li>
<li>Der oft angewandte, billige Trick: Man verweist auf „Experten“, die die Entwicklung d&#252;sterer erwartet hatten. SPON:  „Experten hatten mit einem deutlich geringeren Wachstum gerechnet, einige hatten sogar ein weiteres Schrumpfen vorhergesagt.“</li>
</ul>
<p><strong>SPON schreibt:</strong></p>
<blockquote><p>„Ihr schnelles Comeback verdankt Europas gr&#246;&#223;te Volkswirtschaft vor allem den gut laufenden Exporten und der Kauflaune der Verbraucher. &#8220;Nach vorl&#228;ufigen Berechnungen sind die Exporte &#8211; anders als die Importe &#8211; zum Jahresbeginn gestiegen&#8221;, schrieben die Statistiker. &#8220;Au&#223;erdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal.&#8221; Das habe die sinkenden Investitionen teilweise kompensieren k&#246;nnen. Details wollen die Statistiker erst am 24. Mai nennen.“</p></blockquote>
<p><strong>Kommentar AM:</strong></p>
<p>Immerhin wird zugegeben, dass das (bisschen) Wachstum vor allem von den Exporten kommt. Nat&#252;rlich wird zugleich darauf verzichtet zu erw&#228;hnen, dass dies zugleich Symptom und Ursache der gro&#223;en Risiken und Gefahren f&#252;r die Euro-Zone darstellt – der Auseinanderentwicklung der Wettbewerbsf&#228;higkeit der Euro-Staaten. Deutschland exportiert Arbeitslosigkeit. Ein toller Erfolg.</p>
<p>Die „Kauflaune der Verbraucher“ wird wie &#252;blich &#252;bertrieben. Es wird mit dem Vorquartal verglichen und verschwiegen, dass der Konsum seit einem Jahrzehnt stagniert.</p>
<p><strong>SPON schreibt:</strong></p>
<blockquote><p>„Verglichen mit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sogar um 1,7 Prozent zu &#8211; mehr als doppelt so stark wie erwartet. Experten gehen davon aus, dass die Prognosen f&#252;r 2012 nun angehoben werden. &#8220;Dieses starke erste Quartal wird zu einer drastischen Aufw&#228;rtsrevision der Prognosen f&#252;r 2012 f&#252;hren&#8221;, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. &#8220;Man muss mit einer Korrektur um rund einen halben Prozentpunkt rechnen.&#8221; Bisher erwartet die Bundesregierung f&#252;r das Gesamtjahr ein Wachstum von 0,7 Prozent, 2013 sollen es 1,6 Prozent werden.“</p></blockquote>
<p><strong>Kommentar AM:</strong></p>
<p>Das sind rundum l&#228;cherlich geringe Werte und Verschiebungen, die meist sprachlich aufgemotzt werden. Z.B. „<strong>sogar</strong> um 1,7%“. Was sind 1,7% im Jahr? L&#228;cherlich. Aber das „sogar“ bringt die W&#252;rze. Oder z.B.: die Korrektur um einen halben Prozentpunkt f&#252;r 2012 und die Korrektur von 0,7% auf 1,6% f&#252;r 2013 wird zur „drastischen Aufw&#228;rtsrevision“ umgedeutet. </p>
<p>Und klar, zur Umdeutung st&#252;tzt sich SPON auf den Volkswirt einer Bank. Das ist inzwischen &#252;blich geworden. Als Experten f&#252;r volkswirtschaftliche Angelegenheiten werden die Mitarbeiter privater Interessenten zitiert.</p>
<p><strong>Es reicht. Der Rest des Textes von SPON ist &#228;hnlich manipulativ. Die Wertungen gr&#252;nden immer wieder auf „Experten“ aus der Finanzwirtschaft. Reiner Kampagnenjournalismus.<br />
Schade, dass wir nicht wissen, ob SPON oder die Nachrichtenagenturen, deren Meldungen oft Basis solcher Texte sind, daf&#252;r von PR-Agenturen und/oder dem Bundespresseamt bezahlt werden.</strong></p>
<p><strong>&#220;ber die Wirkung dieser Daueragitation sollte man sich keine Illusionen machen. Sie erreicht inzwischen auch das Bildungsb&#252;rgertum. Ein markantes Beispiel aus den letzten Tagen:</strong></p>
<blockquote><p>Frau Bruhns, heute, alt und uneitel – welche T&#252;r w&#252;rden Sie gern noch aufknacken als Journalistin?<br />
Merkel. Sie macht einen hervorragenden Job. &#8230;<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/!93106/">taz</a></p></blockquote>
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		<title>Europa spielt mit dem Feuer</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 12:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Fronten zwischen Griechenland und seinen „Rettern“ verh&#228;rten sich von Tag zu Tag mehr. Der Ausschluss Griechenlands aus EU und Eurozone galt zum Jahresbeginn noch als wenig wahrscheinliches und vor allem auch bedrohliches Schreckensszenario. Glaubt man deutschen und &#246;sterreichischen Regierungsvertretern ist aus diesem Szenario mittlerweile eine Option geworden, die ernsthaft in Betracht gezogen wird. F&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Fronten zwischen Griechenland und seinen „Rettern“ verh&#228;rten sich von Tag zu Tag mehr. Der Ausschluss Griechenlands aus EU und Eurozone galt zum Jahresbeginn noch als wenig wahrscheinliches und vor allem auch bedrohliches Schreckensszenario. Glaubt man deutschen und &#246;sterreichischen Regierungsvertretern ist aus diesem Szenario mittlerweile eine Option geworden, die ernsthaft in Betracht gezogen wird. F&#252;r Alexis Tsipras, den neuen starken Mann in Athen, ist diese Option jedoch lediglich ein Bluff. Sollte Europa nicht schon bald das Ruder herumrei&#223;en, k&#246;nnte es zu einem Showdown an der &#196;g&#228;is kommen, der nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa in einer &#246;konomischen und politischen Katastrophe enden k&#246;nnte. Von <strong>Jens Berger</strong><br />
<span id="more-13245"></span><br />
„Wir wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, aber ob Griechenland in der Eurozone bleibt, das liegt in den H&#228;nden der Griechenlands und das ist eine Entscheidung, die in Griechenland gef&#228;llt wird“. Diese Worte, die Vito Corleone aus Mario Puzos Paten alle Ehre machen w&#252;rden, stammen vom deutschen Au&#223;enminister Guido Westerwelle. Griechenlands W&#228;hler haben sich nicht gegen das Verbleiben in der Eurozone <a href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/05/11.mondeText.artikel,a0053.idx,15">entschieden</a> und werden dies auch in den f&#252;r Juni anberaumten Neuwahlen aller Voraussicht nach nicht tun. Das Votum des griechischen Volkes war vielmehr ein Votum gegen die Klientelparteien ND und Pasok und gegen das zerst&#246;rerische Austerit&#228;tsprogramm (Memorandum), das dem Land von der Troika (EU, EZB und IWF) aufgezwungen wurde.</p>
<p>Die politischen Ziele der aufstrebenden Parteien links der sozialdemokratischen PASOK sind nicht der Austritt aus der Eurozone, sondern seine Stundung sowie ein Teilerlass der Schulden und eine Abkehr vom alles abw&#252;rgenden Sparkurs. Doch selbst wenn Alexis Tsipras und sein linkssozialistisches B&#252;ndnis Syriza bei einer Wiederholung der Wahlen eine absolute Mehrheit bekommen sollten, haben sie nicht die Mittel, ihre Forderungen auch durchzusetzen.</p>
<p>&#220;ber das Schicksal Griechenlands wird l&#228;ngst nicht mehr in Athen entschieden. Wie die griechische Trag&#246;die enden wird, liegt in der Hand der Troika. Griechenland h&#228;ngt am finanziellen Tropf seiner Geldgeber und nicht das griechische Volk oder die Politik, sondern sie entscheiden &#252;ber die Zukunft des Landes. </p>
<p>Ginge es nach Alexis Tsipras, w&#252;rde Athen aus &#246;konomischer Notwehr heraus, die von der Troika oktroyierte Sparpolitik beenden und seine Kreditverpflichtungen einstweilen nicht mehr bedienen. Tsipras ist davon &#252;berzeugt, dass die Geldgeber sich aus Sorge vor dem kompletten Ausfall ihrer Forderungen und aus Angst, dass auch andere Euro-Sorgenkinder in den Abgrund gerissen werden k&#246;nnten, sich mit einer neuen griechischen Regierung zu Nachverhandlungen bereiterkl&#228;ren w&#252;rden.</p>
<p>Alexis Tsipras hat jedoch das Problem, dass die Entscheider unter den Gl&#228;ubigern nicht rational denken, sondern – wie die bisherige Politik  zur Bek&#228;mpfung der Euro-Krise beweist &#8211; Getriebene ihrer eigenen Ideologie sind. Wenn Griechenland der Troika die Bedingungen diktieren k&#246;nnte, w&#252;rde der – vor allem von Deutschland propagierten –„Shock and Awe“-Strategie („Schrecken und Ehrfurcht“) der Boden unter den F&#252;&#223;en weggezogen. Warum sollten Portugal, Irland, Spanien und Italien sich dann noch von der Troika knallharte Bedingungen diktieren lassen, mit denen die &#246;konomische Basis dieser L&#228;nder erodiert und die Bev&#246;lkerung in Armut getrieben wird? Auch Portugal hat eine Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50% und leidet erb&#228;rmlich unter Merkels Austerit&#228;tsknute. Die Macht des Paten Vito Corleone gr&#252;ndete darauf, dass jedermann wusste, wie er mit Menschen umging, die sich seinem Willen widersetzten und keine Kompromisse einging. Es ist keinesfalls auszuschlie&#223;en, dass die EU nicht blufft und ihren Worten auch Taten folgen l&#228;sst und Griechenland aus der Eurozone zwingt.</p>
<p>Um sich die Folgen des Machtpokers in Athen und Br&#252;ssel auszumalen, lohnt es sich, einen Blick auf die im Raume stehenden Optionen zu werfen, mit denen die europ&#228;ische Politik auf die Entwicklungen in Griechenland reagieren kann:</p>
<p><strong>Option 1: Fortsetzung der Memorandum-Politik</strong></p>
<p>Ginge es nach den Willen der deutschen Regierung und der EU-Kommission w&#252;rde Griechenland den eingeschlagenen Weg fortf&#252;hren, die Staatsausgaben noch weiter zur&#252;ckfahren und die neoliberalen Strukturreformen fortf&#252;hren. Dadurch w&#252;rde sich die nun bereits f&#252;nf Jahre andauernde Rezession sich noch weiter vertiefen und da mit der Wirtschaftskraft auch die Staatseinnahmen in den Keller gehen, ist auch keine Sanierung des Staatshaushalts in Sicht. Ob und auf welchem Niveau der Teufelskreis aus Einsparungen, Lohnsenkungen, Deregulierung des Arbeitsmarkts, Arbeitslosigkeit und der zwingend damit verbundenen weiteren Verschlechterung des Staatshaushalts zu stoppen ist, k&#246;nnen noch nicht einmal die Bef&#252;rworter der Sparpolitik sagen. Sie setzen ihre Hoffnung ausschlie&#223;lich darauf, dass das in ferner Zukunft zum Erfolg f&#252;hren k&#246;nnte.</p>
<p>Griechenland steht immer noch vor einem gigantischen Schuldenberg, der immer noch weiter w&#228;chst. Sollte kein &#246;konomisches Wunder geschehen, wird das Land seine Verpflichtungen auch mittel- bis langfristig nicht alleine stemmen k&#246;nnen. Andere Optionen (Schuldenerlass/Euro-Austritt) werden durch die Memorandum-Politik lediglich hinausgeschoben. Eine Fortsetzung der Memorandum-Politik stelle somit keine L&#246;sung der Probleme dar, sie ist &#246;konomisch unsinnig und – wie es immer so sch&#246;n hei&#223;t – politisch (d.h. gegen die Menschen) nicht umsetzbar. Die massenhafte Verarmung, die fortw&#228;hrenden Dem&#252;tigungen und vor allem die schiere Hoffnungslosigkeit haben dazu beigetragen, dass sich das griechische Volk aus seiner Duldungsstarre befreit und zu mehr als zwei Dritteln eine Politik <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13227">gew&#228;hlt hat</a>, die sich gegen eine Fortsetzung der &#246;konomischen Strangulierung des Landes richtet. Eine weitere Suspendierung der Demokratie h&#228;tte somit nicht nur &#246;konomische, sondern auch politisch unabsehbare Folgen, siehe z.B. das Aufkommen der Neonazis. </p>
<p><strong>Option 2: Stundung und/oder Teilerlass der Schulden</strong></p>
<p>Griechenland ist nach der Umschuldung der Forderungen privater Gl&#228;ubiger und dem daraus resultierenden <a href="http://www.forbes.com/sites/afontevecchia/2012/03/09/on-greece-defaults-and-the-future-of-derivatives/">technischen Staatsbankrott im M&#228;rz dieses Jahres</a> mittlerweile fast ausschlie&#223;lich bei der Troika verschuldet. Eine Sonderrolle nimmt hier der „Rettungsschirm“ EFSF ein, bei dem Athen momentan mit 103 Milliarden Euro <a href="http://www.efsf.europa.eu/about/operations/index.htm">verschuldet ist</a> &#8211; hier garantieren die Eurostaaten die R&#252;ckzahlung der Kredite an – meist – private Investoren. Technisch gesehen, vertritt die Troika somit inzwischen nahezu die gesamte Gl&#228;ubigerseite. Bei entsprechendem politischem Willen, k&#246;nnte die Troika ohne weiteres ein Moratorium &#252;ber die griechischen Schulden verh&#228;ngen. Dazu gibt es durchaus historische Parallelen. US-Pr&#228;sident Hoover verh&#228;ngte beispielsweise 1931 im Zuge der Weltwirtschaftskrise ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hoover-Moratorium">Moratorium</a> f&#252;r die europ&#228;ischen Schuldner der USA. W&#252;rde man Griechenland ein paar Jahre Luft zum Atmen geben und warten, bis die griechische Konjunktur wieder Fu&#223; fasst, k&#246;nnte man immer noch &#252;ber die R&#252;ckzahlungsmodalit&#228;ten der Kredite verhandeln. Jeder Gl&#228;ubiger wei&#223;, dass es manchmal durchaus von Vorteil sein kann, seinen Schuldner am Leben zu lassen.</p>
<p>Sollte die Troika zu keinen Konzessionen bereit sein, droht ohnehin ein Ausfall der vergebenen Kredite. Im Falle eines Euro-Austritts Griechenlands ist sogar ein Totalausfall der Kredite der anderen Eurol&#228;nder und der EZB wahrscheinlich. Durch einen Erlass oder eine weit gestreckte Stundung der Forderungen k&#246;nnten die Kreditgeber wenigstens einen Teil ihrer Kredite zur&#252;ckbekommen. Noch wichtiger ist jedoch, dass eine solche L&#246;sung einen Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft und des griechischen Bankensystems verhindern w&#252;rde und so die Ansteckungsgefahr f&#252;r den Rest der Eurozone minimieren w&#252;rde. Eine solche L&#246;sung l&#228;ge jedenfalls in beidseitigem Interesse.</p>
<p><strong>Option 3: Staatsbankrott und Ausschluss aus EU und Eurozone</strong></p>
<p>Die Euro-Vertr&#228;ge sehen zwar weder einen freiwilligen noch einen erzwungenen Austritt eines Eurolandes aus der Gemeinschaftsw&#228;hrung vor. Doch Papier ist geduldig, zumal ein Stopp der Hilfszahlungen derart desastr&#246;se Auswirkungen h&#228;tte, das Griechenland gar keine Wahl h&#228;tte, als die Gemeinschaftsw&#228;hrung zu verlassen. Da Griechenland ein Prim&#228;rdefizit hat, die Einnahmen des Staates also die Ausgaben nicht decken, k&#246;nnte der Staat bereits wenige Wochen nach dem Stopp der EU-Zahlungen seine Rechnungen und damit auch die L&#246;hne der Staatsbediensteten nicht mehr bezahlen. Aber dies w&#228;re sogar noch das harmloserer Problem im Vergleich zur &#246;komischen Lawine, die das Land niederwalzen w&#252;rde.  Der gesamte griechische Bankensektor h&#228;ngt am Tropf der EZB, ohne den Zugang zur europ&#228;ischen Zentralbank k&#246;nnen sich die griechischen Banken nicht refinanzieren und w&#228;ren von einem Tag auf den anderen pleite, zumal der griechische Staat und &#246;ffentliche Betriebe, f&#252;r die der Staat haftet (<a href="http://www.zerohedge.com/news/greek-%E2%82%AC107-billion-contingent-liability-gorilla-exposed">zusammen sind dies 107 Mrd. Euro</a>), nicht nur als potentieller Retter, sondern nun auch als Schuldner ausfallen w&#252;rde. Ein Zusammenbruch des griechischen Bankensystems w&#252;rde zum einen zu einer panikartigen Kapitalflucht f&#252;hren und andererseits der griechische Wirtschaft den Todessto&#223; verpassen. Wohl dem Betrieb, der &#252;ber Auslandskonten verf&#252;gt!</p>
<p>In einem solchen Szenario w&#252;rde die EU Griechenland am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Der gesamte griechische Staat w&#228;re vom Geldverkehr abgeschnitten und gezwungen, aus dem Euro auszutreten und eine – wie auch immer geartete &#8211; eigene W&#228;hrung einzuf&#252;hren. Selbstverst&#228;ndlich w&#228;ren damit die bestehenden Zahlungsverpflichtungen nicht weg. Eine „neue Drachme“ w&#252;rde gegen&#252;ber dem Euro zwischen 30 und 50 Prozent abwerten. Die Altschulden aller Sektoren (Privathaushalte/Unternehmen/Staat) sind aber in Euro notiert und es ist wahrscheinlich, dass ein gro&#223;er Teil dieser Altschulden nicht bedient werden kann. Griechenland w&#228;re fortan ein Paria auf den internationalen Finanzm&#228;rkten. Es k&#228;me zu einem harten Schuldenschnitt, bei dem wohl nur der IWF seine Gelder zur&#252;ckbekommt. Kredite des IWF gelten vor allem bei Staaten, die von den Finanzm&#228;rkten abgeschnitten sind, als einzige M&#246;glichkeit, &#252;berhaupt noch an Devisen zu kommen. Die einzigen Staaten, die noch nicht einmal ihre Schulden beim IWF bedienen k&#246;nnen, sind <a href="http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&#038;sid=apw6IW7NfhGk">Somalia, Sudan und Zimbabwe</a>. </p>
<p>Es ist sehr spekulativ, die konkreten Folgen eines Euroaustritts Griechenland zu benennen. Fest steht jedoch, dass Griechenland zum Armenhaus Europas w&#252;rd. Es gab bislang noch keinen Staat, der einen Staatsbankrott hinlegen musste und gleichzeitig aus einer W&#228;hrungsunion ausgeschlossen wurde. </p>
<p>Die Schockwellen einer solchen &#246;komischen und politischen Katastrophe lie&#223;en sich mit Sicherheit nicht auf Griechenland begrenzen. Sollte Europa Griechenland fallen lassen, w&#252;rde eine massive Kapitalflucht auch aus den angeschlagenen Eurol&#228;ndern (Portugal, Irland, Spanien, Italien) in das Zentrum der Eurozone stattfinden. Gleichzeitig w&#252;rden die Banken keine Kredite mehr in die Peripherie vergeben, m&#252;ssten sie doch nach dem Pr&#228;zedenzfall Griechenland gleichfalls mit einem Ausfall rechnen, wenn auch andere Staaten aus der Eurozone herausfallen w&#252;rden. Ein Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone h&#228;tte eine epidemische Wirkung und w&#252;rde die Eurokrise binnen k&#252;rzester Zeit auf die n&#228;chste Eskalationsstufe heben. Dieses Szenario w&#228;re der worst case und wahrscheinlich der Beginn des Endes der Gemeinschaftsw&#228;hrung &#252;berhaupt. </p>
<p><strong>Was will Europa?</strong></p>
<p>Nach rationalen Abw&#228;gungen gibt es nur eine Option, mit der Europa nicht nur Griechenland, sondern auch sich selbst aus der Krise befreien kann: Ein Schuldenmoratorium f&#252;r Griechenland, kombiniert mit einem durchdachten Wachstums- und Investitionsprogramm f&#252;r die Europeripherie und einer Anpassung der Lohnst&#252;ckkosten im Zentrum der Eurozone zur St&#228;rkung der Binnennachfrage. Sollte Europa sich f&#252;r diesen Weg entscheiden, werden auch kommende Generationen noch in einem gemeinsamen Europa leben k&#246;nnen. Sollte sich Europa entgegen jeder rationalen Abw&#228;gung dazu entscheiden, an Griechenland ein Exempel zu statuieren, wie mit Staaten umgegangen wird, die sich der neoliberalen Doktrin verweigern, werden die Folgen f&#252;r den gesamten Kontinent zerst&#246;rerisch sein und den Traum vom gemeinsamen Europa nachhaltig besch&#228;digen. Sechs Jahrzehnte der europ&#228;ischen Ann&#228;hrung st&#252;nden pl&#246;tzlich zur Disposition. Der Kontinent w&#228;re durch politische Borniertheit pl&#246;tzlich um 100 Jahre zur&#252;ckgeworfen in die Zeit der konkurrierenden Nationalstaaten mit ihren hegemonialen Sph&#228;ren. Es steht viel auf dem Spiel, hoffen wir, dass sich die Verantwortlichen in Athen, Berlin und Br&#252;ssel ihrer historischen Verantwortung bewusst sind.</p>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/95299b1979384422be9c1eaa36ee07d3" width="1" height="1" alt="" /></p>
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		<title>10 Thesen der Kritik an Hochschulr&#228;ten</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 07:10:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Die nachfolgenden Thesen habe ich vorgetragen in einem Eingangsstatement zu einem Streitgespr&#228;ch mit dem Hochschulratsvorsitzenden der Universit&#228;t Paderborn und fr&#252;heren Vorsitzenden des Wissenschaftsrats Prof. Dr. Winfried Schulze gestern bei der Mercator Stiftung in Essen. Professor Schulze war auch Koordinator eines „Positionspapiers der Vorsitzenden deutscher Hochschulr&#228;te [PDF - 137 KB]“, zu dem ich zum damaligen Zeitpunkt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die nachfolgenden Thesen habe ich vorgetragen in einem Eingangsstatement zu einem Streitgespr&#228;ch mit dem Hochschulratsvorsitzenden der Universit&#228;t Paderborn und fr&#252;heren Vorsitzenden des Wissenschaftsrats Prof. Dr. Winfried Schulze gestern bei der Mercator Stiftung in Essen. Professor Schulze war auch Koordinator eines „<a href="http://www.che.de/downloads/Positionspapier_deutscher_Hochschulratsvorsitzender_inkl_Unterschriften_1382.pdf">Positionspapiers der Vorsitzenden deutscher Hochschulr&#228;te [PDF - 137 KB]</a>“, zu dem ich zum <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=12093">damaligen Zeitpunkt Stellung genommen habe</a>. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong>.<br />
<span id="more-13240"></span></p>
<ol>
<li><strong>Paradigmenwechsel</strong>
<p>Mit dem Hochschul-“freiheits“-Gesetz vom 31. Oktober 2006 wurde auch in NRW ein Systemwechsel von der sich selbstverwaltenden Gruppenuniversit&#228;t zur „unternehmerischen“ Hochschule vollzogen.</p>
<p>Die Hochschulen wurden statt den „Gesetzen“ des demokratisch legitimierten Gesetzgebers, den anonymen „Gesetzen“ des Wettbewerbs auf dem Wissenschaftsmarkt (Stichwort: Drittmitteleinwerbung) und des Wettbewerbs auf dem Ausbildungsmarkt (Stichwort: Studiengeb&#252;hren) unterstellt.</li>
<li><strong>Das Problem der Legitimation</strong>
<p>An Stelle des Ministeriums oder des Parlaments als demokratische legitimierte rahmensetzende Organe wurde in der „unternehmerischen“ Hochschule der Hochschulleitung ein freischwebender Aufsichtsrat als  „Fachaufsicht“ mit weitgehenden Kompetenzen vorgesetzt, dessen Mitglieder w&#228;hrend und nach ihrer gesamten f&#252;nfj&#228;hrige Amtszeit keiner irgendwie demokratisch legitimierten Instanz rechenschaftspflichtig sind. Sie k&#246;nnen weder abberufen noch abgew&#228;hlt werden. Sie k&#246;nnen f&#252;r Ihre oft tiefgreifenden und kostenintensiven Entscheidungen nicht zur Verantwortung gezogen werden. </li>
<li><strong>Das Problem  der Sachkompetenz</strong>
<p>Die Hochschulratsmitglieder m&#246;gen zwar viel Engagement und Sympathie f&#252;r „ihre“ jeweilige Hochschule haben, doch sie m&#252;ssen keinerlei fachliche oder rechtliche Kenntnisse besitzen, sie m&#252;ssen noch nicht einmal mit dem Hochschulwesen vertraut sein, sie sind ehrenamtlich t&#228;tig und m&#252;ssen sich nach den gesetzlichen Vorgaben lediglich vier Mal im Jahr treffen. In aller Regel haben Hochschulr&#228;te keinen eigenen planerischen Unterbau, der ihnen f&#252;r ihre Entscheidungen zuarbeiten k&#246;nnte.</p>
<p>Es bestehen – so das Bundesverwaltungsgericht im Hinblick auf das nieders&#228;chsische Modell einer Stiftungshochschule – „durchgreifende Zweifel“, ob diese Aufsichtsr&#228;te die ihnen vom Gesetz &#252;bertragenen Kompetenzen fachlich und sachlich ausf&#252;llen k&#246;nnen. </p>
<p>In der Praxis st&#228;rken Hochschulr&#228;te eher die Durchgriffsmacht der mit den Hochschulreformgesetzen ohnehin massiv gest&#228;rkten Hochschulleitungen gegen&#252;ber den Hochschulangeh&#246;rigen und den Gremien der Hochschule.</li>
<li><strong>Das Problem der Pluralit&#228;t</strong>
<p>Hochschulr&#228;te arbeiten in der Regel weder transparent noch sind sie repr&#228;sentativ zusammengesetzt. Vor allem unter den Hochschulratsvorsitzenden sind „F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten“ aus der Wirtschaft dominant vertreten. (In Abwandlung zur Kritik an US-Boards „white, wealthy, businessmen“ k&#246;nnte man sagen die Hochschulr&#228;te sind bei uns „old, wealthy, masculine, businessmen“)</p>
<p>In der tats&#228;chlichen Zusammensetzung zeigt sich eine „Erosion der klassischen Verb&#228;ndebeteiligung“. Wir haben es mit einer Verschiebung der „Organisationsverantwortung“ zu Lasten der klassisch-parlamentarischen Repr&#228;sentation der gesellschaftlichen Interessen und vor allem auch zu Ungunsten der Selbstverwaltung der Hochschule zu tun.</li>
<li><strong>Funktionelle Privatisierung der Hochschulen</strong>
<p>Da Wettbewerb und Konkurrenz das entscheidende Steuerungsinstrument sein sollen, steuern vor allem einzuwerbenden Mittel (Drittmittel, Studiengeb&#252;hren) &#8211;  also eine die staatliche Grundfinanzierung erg&#228;nzende Finanzierung &#8211; das nach wie vor ganz &#252;berwiegend staatlich finanzierte Unternehmen Hochschule. Mit der einer Aktiengesellschaft nachgebildeten Aufsichtsratsstruktur wurden die &#246;ffentlichen Hochschulen faktisch „funktionell privatisiert“.</li>
<li><strong>Umdeutung der Hochschulautonomie auf eine autonome Leitungsstruktur</strong>
<p>Die Umdeutung und Verengung der „Hochschul“-Autonomie auf die Institution Hochschule und ihre Verengung auf eine „autonome“ Leitungs- und Aufsichtsratsstruktur tangiert die individuellen Freiheitsgrundrechte der Hochschulangeh&#246;rigen als prim&#228;re Tr&#228;ger der Wissenschaftsfreiheit.</li>
<li><strong>Versto&#223; gegen die Wissenschaftsfreiheit nach dem GG</strong>
<p>Ich schlie&#223;e mich weitgehend einem in einer Dissertation niedergelegten <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=6979">Rechtsgutachten von Thomas Horst an</a>, wonach das NRW-Modell der Hochschulr&#228;te den Anforderungen, die nach Art. 5 Abs. 3 S. 1GG an eine wissenschaftsad&#228;quate Teilhabe der betroffenen Hochschulangeh&#246;rigen zu stellen sind, nicht gen&#252;gt. </p>
<p>Dies betrifft vor allem die in § 17 Abs. 3 S. 2 HG NRW normierte M&#246;glichkeit des Hochschulrats, die vom Senat versagte Zustimmung f&#252;r die Wahl der Hochschulleitung mit 2/3 bzw. 3/4- Mehrheit zu ersetzen.</li>
<li><strong>Versto&#223; gegen die Selbstverwaltungsgarantie nach der LV NRW</strong>
<p>Das HG NRW verst&#246;&#223;t zus&#228;tzlich gegen die Selbstverwaltungsgarantie nach Art. 16 Abs. 1 der LV NRW. Entgegen dem Gesetzeswortlaut des § 9 Abs. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 S. 1 HG NRW ist der Hochschulrat materiell kein Selbstverwaltungsorgan. Es fehlt ihm das Element der „Betroffenenteilnahme“ und es fehlt der der legitimatorische Bezug zu den Betroffenen, da insbesondere auch die Amtsbestellung des Hochschulrats nicht (allein oder wenigstens mehrheitlich) durch die K&#246;rperschaft Hochschule selbst erfolgt.</li>
<li><strong>Dienstherrneigenschaft verst&#246;&#223;t gegen funktionsgerechte Organisationsstruktur</strong>
<p>&#220;ber die verfassungsrechtliche Problematik der bestehenden Regelungen zum Hochschulrat hinaus verst&#246;&#223;t u.a. auch dessen „Dienstherreneigenschaft“  (§ 33 Abs. 2 S. 3 HG NRW) gegen den Grundsatz einer funktionsgerechten Organstruktur. Als (ehrenamtlicher) oberster Dienstbeh&#246;rde kommen dem Hochschulrat zahlreiche wesentliche Entscheidungen z.B. in Bezug auf das Beamtenverh&#228;ltnis zu – bis hin zu disziplinarrechtlichen Ma&#223;nahmen. Dass dies nicht funktionsgerecht sein kann, ist weitgehend anerkannt.</li>
<li><strong>Widerspruch zu den „professionskulturellen“ Bedingungen einer freien Wissenschaft</strong>
<p>Jenseits der rechtlichen Bewertung widerspricht die „unternehmerische“ Hochschule mit ihrer Aufsichtsratsstruktur den „professionskulturellen“ Bedingungen einer freien Wissenschaft. Sie ist wissenschaftlicher Kreativit&#228;t nicht f&#246;rderlich sondern konterkariert eher das vorgegebene Ziel wissenschaftlicher Qualit&#228;t und l&#228;uft Gefahr wissenschaftliche Innovation zu erschweren.<br />
(Das ist das Ergebnis einer <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=7183">empirischen Studie von D&#246;rre und Neis an der Friedrich-Schiller-Uni in Jena</a>. &#220;brigens der bisher einzig mir bekannte empirische fundierte Untersuchung, die die ansonsten nur behaupteten Erfolge der neuen Hochschulstruktur in Frage stellt.)</li>
</ol>
<p>Hinweis: Eine ausf&#252;hrlichere Begr&#252;ndung f&#252;r diese 10 Thesen finden Sie <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=11535">hier</a>.</p>
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		<title>Gl&#252;ck braucht einen geschichtlichen Atem</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 07:02:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[G&#246;tz Eisenberg erinnert an den engagierten Intellektuellen und Schriftsteller Lothar Baier, der am 16. Mai 70 Jahre alt geworden w&#228;re. Lothar Baier z&#228;hlte in den sp&#228;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren zu den wichtigen intellektuellen K&#246;pfen. Er war ein gefragter Literaturkritiker, die Feuilletons fast aller gro&#223;en Zeitungen standen ihm in jenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>G&#246;tz Eisenberg erinnert an den engagierten Intellektuellen und Schriftsteller Lothar Baier, der am 16. Mai 70 Jahre alt geworden w&#228;re. Lothar Baier z&#228;hlte in den sp&#228;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren zu den wichtigen intellektuellen K&#246;pfen. Er war ein gefragter Literaturkritiker, die Feuilletons fast aller gro&#223;en Zeitungen standen ihm in jenen Jahren offen. Bei Wagenbach erschienen seine Essays „Firma Frankreich, Gleichheitszeichen“ und „Die gro&#223;e Ketzerei“ und er publizierte in der Zeitschrift Merkur, in Enzensbergers Zeitschrift TransAtlantik wie in Wagenbachs Freibeuter. 1982 wurde er mit dem Jean-Amery-Preis f&#252;r Essayistik ausgezeichnet.1985 erschien im Verlag S. Fischer seine Erz&#228;hlung „Jahresfrist“, in die er seine Erfahrungen beim Restaurieren eines alten Bauernhauses in S&#252;dfrankreich einflie&#223;en lie&#223;.<br />
„Heute hinauszuschreien, dass die Utopie gescheitert ist, ist etwa so klug, wie im Sp&#228;therbst, wenn die Bl&#228;tter fallen, zu dem Schluss zu kommen, dass die Idee des Fr&#252;hlings gescheitert ist. Nieder mit dem Fr&#252;hling!“, schrieb er in dem 1993 erschienenen Band „Die verleugnete Utopie“.  Von <strong>G&#246;tz Eisenberg</strong>.<br />
<span id="more-13230"></span><br />
Einen seiner letzten Texte hat Lothar Baier unter dem Datum des 14. Januar 2003 in Form eines Briefes an den Mitte Mai 2009 in Z&#252;rich gestorbenen Psychoanalytiker Paul Parin, der f&#252;r Lothar so etwas wie ein v&#228;terlicher Freund und gelegentlicher Ratgeber gewesen ist. Er hat diesen Brief auch an einige wenige, noch verbliebene Freunde geschickt. „lieber herr parin“, lesen wir dort, „ ‚und er hat alles kleingeschrieben – stefan george tut dies auch’, hei&#223;t es in einem chanson von tucholsky. dass ich alles klein schreibe, hat mit george nichts zu tun, sondern nur mit dem kruden faktum, dass ich mit der linken tippen muss, da der rechte arm vergipst in der schlinge h&#228;ngt.“ </p>
<p>Der Brief enth&#228;lt in seinem Fortgang Lothars Version des dramatischen Scheiterns einer Liebesbeziehung, deretwegen er nach Kanada gegangen war. In dem an mich gerichteten Begleitschreiben spricht Lothar davon, dass er auch nach dem Ende dieser Beziehung in Kanada bleiben wolle. Montréal sei ein „wirksames Antidepressivum“ f&#252;r ihn und er denke nicht daran, ins „gentrifizierte Finanzdorf Frankfurt“ zur&#252;ckzukehren. </p>
<p>W&#228;hrend eines seiner zahlreichen Frankreichaufenthalte hatte er in den neunziger Jahren eine Frankokanadierin kennengelernt. Die beiden f&#252;hrten &#252;ber l&#228;ngere Zeit eine transatlantische Beziehung. Lothar begann, Lehrauftr&#228;ge an kanadischen Universit&#228;ten anzunehmen und zwischen Frankfurt und Montréal hin und her zu pendeln, bis er Anfang des neuen Jahrhunderts auf ihr Dr&#228;ngen hin seine Zelte in Frankfurt und Deutschland abbrach und vollends nach Kanada ging. Seinen 60. Geburtstag feierte er mit seiner Lebensgef&#228;hrtin und einem neuen Freundeskreis im gemeinsam erworbenen Haus in Montréal. Nachdem sein Entschluss feststand, nach Kanada zu gehen, brach er viele Br&#252;cken hinter sich ab und lie&#223;, um sich den Abschied zu erleichtern, an Deutschland und seinen Bewohnern kein gutes Haar. In dieser Zeit br&#252;skierte er manchen und stie&#223; seinen Bekannten- und Freundeskreis gelegentlich mit schroffen Bemerkungen und herber Kritik vor den Kopf. Der Abschiedsschmerz und die Angst vor dem endg&#252;ltigen Schritt in eine ungewisse Zukunft schlugen in Angriffslust um. Lothar praktizierte eine Art Beziehungspolitik der verbrannten Erde, spitzte Konflikte zu, bezog in Diskussionen extreme, schwer nachvollziehbare Positionen, grenzte sich ab. Entt&#228;uscht zeigte er sich vor allem von vielen ehemaligen Weggef&#228;hrten und Genossen, die er nun mit einem gewissen Sarkasmus als „former radicals, now upstairs moving“ bezeichnete. Einige von ihnen hatten nach langen Phasen des lebensgeschichtlichen Improvisierens und Sich-Durchschlagens als freie Schreiber den Weg in feste Anstellungen gew&#228;hlt und sich in Lothars Wahrnehmung in „Normalit&#228;tsspie&#223;er“ verwandelt – sein Abgrenzungsfuror trieb den ansonsten freundlichen, eher aggressionsgehemmten Menschen zur Entwicklung solcher Wort-Granaten. Alles, was „aus dem Rahmen ihrer ruhigen, rotgr&#252;nen oder schwarzen Beamtenexistenz f&#228;llt“,  mache sie sprachlos. Es kam ihm so vor, als seien sie f&#252;r ihn und seine Erfahrungen nicht l&#228;nger ansprechbar und als existiere der „kleine Schreiber Lothar Baier“ f&#252;r sie nicht mehr. </p>
<p>Dem oben erw&#228;hnten Brief beigef&#252;gt hatte er den Bericht einer kanadischen Tageszeitung &#252;ber ein T&#246;tungsdelikt in Vancouver: „Did video-game violence lead to real-life shooting?“, lautete die &#220;berschrift. In einem Internet-Café war ein 17-J&#228;hriger von einem Kumpel, der von ihm gerade beim Video-Schie&#223;en besiegt worden war, erschossen worden. „Den Artikel lege ich dir bei, f&#252;r deine Dokumentation“, schrieb Lothar. Von ihm habe ich auch zuerst davon geh&#246;rt, dass „going postal“, aufs Postamt gehen, in den USA ein Synonym f&#252;r Amoklaufen ist. Als man in den 80er Jahren im Zuge der Reaganomics damit begann, die Post zu privatisieren und zu „verschlanken“, kamen einige entlassene ehemalige Postangestellte bewaffnet an ihren privatisierten Arbeitsplatz zur&#252;ck und schossen dort um sich. Lothar sah einen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Deregulierung und der Zunahme solcher Firmen-Amokl&#228;ufe. Im August 1999 schrieb er aus Montréal: „Die Deregulierung schl&#228;gt hier noch viel schneller auf die Individuen durch als in Europa, wo es noch z&#228;hlebige b&#252;rgerliche Residuen gibt. Vielleicht gibt es auch schon deregulierungstypische Verbrechen, wie das Massaker eines frustrierten Daytraders unter Angestellten einer Brokerfirma in Atlanta.“ </p>
<p>Die Liebesbeziehung war angesichts der Probleme des allt&#228;glichen Zusammenlebens und ungewohnter N&#228;he-Verh&#228;ltnisse bald in eine Krise geraten und dann katastrophal gescheitert. Zum zweiten Mal in seinem Leben m&#252;sse er die Erfahrung machen, schrieb er in einem Brief, „dass mir eine Frau das Haus unter dem Arsch wegzieht“. Nach den Wirren und Verletzungen der Trennung fand er eine kleine Wohnung in einem ehemaligen Arbeiterviertel. Doch so etwas wie Gl&#252;ck stellte sich nicht mehr ein. Die Probleme, die Lothar mit der Auswanderung hinter sich zu lassen hoffte, hatten wie blinde Passagiere den Umzug mitgemacht und „verspotteten ihn f&#252;r die Vorstellung, … irgendjemandem entkommen zu k&#246;nnen“, wie er es in seiner Erz&#228;hlung Jahresfrist zwei Jahrzehnte zuvor beschrieben hatte. Ich stelle mir vor, dass es ihm nun in Kanada &#228;hnlich erging wie damals in der s&#252;dfranz&#246;sischen Einsamkeit: Vor allem in den N&#228;chten „meldete sich immer unabweisbarer der Verdacht zu Wort, dass dieser ganze Fluchtversuch vergeblich war. In den N&#228;chten holte mich etwas ein, was sich durch keine Entfernung und keine Isolation absch&#252;tteln lie&#223;. Als ich in die Ein&#246;de fuhr, glaubte ich allen Arten von Verfolgern entkommen zu sein, und wusste noch nichts von den Verfolgern, die ich unerkannt mitgeschleppt hatte und die mir desto dichter auf den Leib r&#252;ckten, je weiter ich mich von der gewohnten Welt entfernte.“ L&#228;ngst aus dem Bewusstsein entschwundene Gestalten und Peiniger suchten ihn heim und zerrten abgesunkene Gef&#252;hle aus der Erinnerung heraus. Wie durch ein Steigrohr stiegen „Gef&#252;hle der Scham und der Schuld, &#196;ngste und Erniedrigungen“ auf. „Fr&#252;here Erzieher und Ausbilder, an die ich seit vielen Jahren nicht mehr gedacht hatte, machten sich in den Tr&#228;umen breit und spielten Szenen vor, die immer von der Ohnmacht handelten, und noch jenseits des Schlafs klang das Echo ihrer Stimmen nach.“<br />
Das Antidepressivum Montréal wirkte nicht mehr. Die Depression kehrte zur&#252;ck und irgendwann schien ihm das Leben nicht mehr der M&#252;he wert. </p>
<p><strong>Da bei politisch denkenden und engagierten Menschen, die die Idee der Befreiung zu ihrer regulativen Idee gemacht haben, also bei Linken, Lebensgeschichte und Geschichte eng miteinander verflochten und aufeinander bezogen sind, h&#228;ngt ihr seelisches Gleichgewicht, ihre Identit&#228;t in besonderer Weise davon ab, wie gesellschaftliche Prozesse verlaufen. Gl&#252;ck wird es f&#252;r sie nicht nur als subjektives, individuelles geben, sondern bedarf stets einer &#246;ffentlichen, allgemeinen Dimension: Gl&#252;ck ist entweder f&#252;r (fast) alle m&#246;glich, oder f&#252;r (fast) keinen. Mit Peter Br&#252;ckners Worten: Gl&#252;ck hat seinen geschichtlichen Atem, braucht den Wind einer historischen Tendenz im R&#252;cken. Phasen, da sich die Wirklichkeit zum befreienden Gedanken dr&#228;ngt und es zu einer Verbindung der aus dem Subjekt kommenden Kr&#228;fte mit den objektiven Verh&#228;ltnissen kommt, erleben an Ver&#228;nderung interessierte Menschen als ihren Kairós, als &#246;ffentliches Gl&#252;ck. „Kairós ist die altgriechische Bezeichnung f&#252;r eine gl&#252;ckliche Situation“, formuliert Oskar Negt, „die ganz verschiedene Kr&#228;fte zu einem Energieb&#252;ndel zusammenf&#252;gt, das einer Neuerung zur Existenz verhilft.“ In Zeiten, da die Klassenk&#228;mpfe stillgestellt scheinen, m&#252;ssen Linke sich schwierigen Balanceakten unterziehen. Affirmation oder Emanzipation, Wendung der Gl&#252;ckssuche ins Private oder Widerstand – eine sich wie von selbst herstellende Balance zwischen derart gegens&#228;tzlichen Tendenzen ist schwer denkbar und sie bedarf st&#228;ndiger und m&#252;hevoller Identit&#228;tsarbeit. Es ist schwierig, in nichtrevolution&#228;ren Zeiten das lebensgeschichtliche Primat der Politik durchzuhalten. </strong></p>
<p>Lothar Baiers „Depression“ weist neben ihrer individuellen, einzelnen Entstehungsgeschichte eine gesellschaftlich-historische, allgemeine Dimension auf. Er musste mehrfach erfahren,  dass der Gang seiner Lebensgeschichte vom gegenl&#228;ufigen Trend gesellschaftlich-historischer Tendenzen ungl&#252;cklich geschnitten wurde. Dieser Schnitt &#8211; der Anti-Kairós &#8211; kann die Folgen lebensgeschichtlicher Verletzungen aus der Latenz hervortreten lassen und so zum Ausl&#246;ser psychischer Erkrankungen werden. Lothar Baier wusste um diese Zusammenh&#228;nge. In einem autobiographisch gef&#228;rbten Text, der <em>Vom Schreiben leben</em> hei&#223;t und in Heft 10/79 der Zeitschrift <em>Merkur</em> erschienen ist, blickt er auf die Jahre der 68er Revolte und ihr Ende zur&#252;ck: „ … ich sp&#252;rte damals, dass irgendetwas unwiderruflich zu Ende gegangen war, und ich f&#252;hlte mich krank. Ich f&#252;hlte mich umso mehr krank, als ich weder die Krankheit lokalisieren noch mir erkl&#228;ren konnte, woher sie kam. W&#228;re ich zu einem Arzt gegangen, h&#228;tte er wahrscheinlich etwas wie ‚Depression‘ diagnostiziert und mir Medikamente verschrieben.“ Lothar leitete seinen Zustand vom allgemeinen Zustand der Erstarrung ab, den alle um ihn herum damals registrierten. Er sah sich von Tr&#252;mmerhaufen zerbrochener Hoffnungen umgeben und empfand sich als „entlassener Hilfsarbeiter der Revolution“. Der erste Ausbruch von Lothars Depression f&#228;llt mit dem Verlust des &#246;ffentlichen Gl&#252;cks zusammen, das die Revolte der Jugendlichen und Studierenden f&#252;r viele mit sich gebracht hatte. Die Revolte war getragen von der Hoffnung, dass sich die Verh&#228;ltnisse grunds&#228;tzlich &#228;ndern lie&#223;en und zwar am besten sofort oder doch in absehbarer Zeit. Nachdem sich diese Hoffnung als Illusion entpuppt hatte, lagen vor den Akteuren die Brecht‘schen „M&#252;hen der Ebenen“ und eine „Leidensgeschichte der M&#228;&#223;igung der Anspr&#252;che“, wie Peter Br&#252;ckner es ausgedr&#252;ckt hat. Sie mussten lernen, dass Ver&#228;nderung der Gesellschaft nicht die Zeitlichkeit des Sofort besitzt, sondern langfristige Bem&#252;hungen erfordert. Und sie w&#252;rden &#252;ber diesen Bem&#252;hungen &#228;lter, wom&#246;glich alt werden und mussten ihr Leben einstweilen unter Bedingungen f&#252;hren, die sie einer scharfen Kritik unterzogen hatten und im Kern ablehnten &#8211; und nun dennoch zur Basis ihrer Lebensentw&#252;rfe und Identit&#228;tskonstruktionen nehmen mussten. Die bisherigen Orientierungsschemata stimmten nicht mehr und man musste neue finden, da man nicht ohne ein geistiges Koordinatensystem leben kann. Das bezeichnet den Kern der Krise, in die die antiautorit&#228;re Linke Anfang der 1970er Jahre geriet und von der auch Lothar erfasst wurde. </p>
<p>Der zweite Depressionsschub scheint eine Folge der Krise gewesen zu sein, in die die westeurop&#228;ische Linke, zu deren f&#252;hrenden intellektuellen K&#246;pfen Lothar Baier in den sp&#228;ten 70er und dann vor allem in den 80er Jahren z&#228;hlte, nach dem Kollaps des Ostblocks geriet. F&#252;r eine Weile konnte es den Anschein haben, als sollte die b&#252;rgerlich-kapitalistische Welt das letzte Wort haben und als habe ihr weltumspannender Triumph jedwede Alternative unter sich begraben. Der H&#246;chststand der kapitalistischen Entwicklung ging mit einem Tiefststand widerst&#228;ndiger Potenziale einher. Ich erinnere mich gut daran, dass Lothar Baier im Tod des franz&#246;sischen Sozialisten Pierre Bérégovoy am 1. Mai des Jahres 1993, also am „Kampftag der Arbeiterklasse“, ein Symbol f&#252;r diesen Zustand und ein Menetekel erblickte. Morgens hatte Bérégovoy noch auf einer gewerkschaftlichen Kundgebung gesprochen, abends erschoss er sich. </p>
<p>Lothar Baier ahnte fr&#252;h, worauf das von den Hohepriestern des <em>freien Marktes</em> verk&#252;ndete <em>Neue Zeitalter</em> hinauslaufen w&#252;rde: Ein von keinerlei Alternativen behelligter und von keiner nennenswerten Opposition eingeschr&#228;nkter Kapitalismus w&#252;rde jedwede Bei&#223;hemmung ablegen und nackt und ungeschminkt in Erscheinung treten. „Der Kapitalismus ist immer nur nett, wenn er nett sein muss. Jetzt muss er nicht“, zitierte er den Wiener Autor G&#252;nther Nenning, dessen Argumentation er wie folgt zusammenfasste: „Zu Zeiten des Kalten Krieges war der Kapitalismus viel weniger reich als jetzt, und dennoch finanzierte er, wenn auch gelegentlich maulend, den vollen Sozialstaat. Jetzt, wo er um ein Vielfaches reicher ist, sieht er sich mangels kommunistischer oder auch nur sozialdemokratischer Herausforderung zu solchen Nettigkeiten nicht mehr gezwungen, und kann deshalb den Sozialstaat in seiner bisherigen Form zum unbezahlbaren Luxus erkl&#228;ren, ohne damit mehr als rhetorischen Protest zu ernten. Auch in dieser Hinsicht geht es ihm besser denn je.“</p>
<p>Lothar Baier &#252;berwand seine Post-68er-Krise und depressive Episode und war auch in den Jahren danach ein gefragter Literaturkritiker. Die Feuilletons fast aller gro&#223;en Zeitungen standen ihm in jenen Jahren offen. Man bot ihm an, Feuilleton-Chef der Wochenzeitung DIE ZEIT zu werden, aber er lehnte ab. Bei Wagenbach erschienen seine viel beachteten und gelesenen Essays <em>Firma Frankreich, Gleichheitszeichen, Die gro&#223;e Ketzerei</em> und <em>Volk ohne Zeit</em>. Er publizierte in der Zeitschrift <em>Merkur</em>, in Enzensbergers Zeitschrift <em>TransAtlantik</em> wie in Wagenbachs <em>Freibeuter</em>. 1982 wurde er mit dem <em>Jean-Amery-Preis</em> f&#252;r Essayistik ausgezeichnet. 1985 erschien im Verlag <em>S. Fischer</em> seine Erz&#228;hlung <em>Jahresfrist</em>, in die er seine Erfahrungen beim Restaurieren eines alten Bauernhauses in S&#252;dfrankreich einflie&#223;en lie&#223;. Auch dieses Haus sollte –zumindest in den Sommermonaten &#8211; eine Frankfurter Liebesbeziehung beherbergen, die dann aber zerbrach und ihn des Hauses beraubte. Jahresfrist ist aber zugleich eine Auseinandersetzung mit dem von Lothar Baier gesch&#228;tzten franz&#246;sischen Schriftsteller Paul Nizan, dessen Roman <em>Die Verschw&#246;rung</em> er ins Deutsche &#252;bertragen hatte. Nizan war 1939 aus Protest gegen den Hitler-Stalin-Pakt aus der Kommunistischen Partei ausgetreten und in der Folge als „Verr&#228;ter“ gebrandmarkt worden. Im Mai 1940 kam er an der Front bei D&#252;nkirchen ums Leben. </p>
<p>Ab den 90er Jahren wurde die Luft d&#252;nn f&#252;r einen wie Lothar, der den nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zur Mode gewordenen Trend zum Abschw&#246;ren und zur Konversion nicht mitmachte und sich und seinen fr&#252;heren Intentionen die Treue hielt. W&#228;hrend zahlreiche ehemalige Linke sich von ihrer Vergangenheit distanzierten und sich in runderneuerte „Wachhunde“ der globalisierten kapitalistischen Ordnung und des Marktes verwandelten, wie Paul Nizan es ausgedr&#252;ckt h&#228;tte, blieb er ein „engagierter Intellektueller“ im Sinne Sartres. „Heute hinauszuschreien“, schrieb er in dem 1993 erschienenen Band Die <em>verleugnete Utopie</em>, „dass die Utopie gescheitert ist, ist etwa so klug, wie im Sp&#228;therbst, wenn die Bl&#228;tter fallen, zu dem Schluss zu kommen, dass die Idee des Fr&#252;hlings gescheitert ist. Nieder mit dem Fr&#252;hling!“ Er wurde Redakteur der in der Schweiz erscheinenden Wochenzeitung (WOZ), bis es zu unsch&#246;nen Zerw&#252;rfnissen kam und man das von ihm betreute Gesellschafts-Ressort abschaffte, und verfasste regelm&#228;&#223;ig Beitr&#228;ge f&#252;r den Freitag und den <em>Deutschlandfunk</em>. Er, der in seinen guten Jahren vom Schreiben hatte leben k&#246;nnen, hatte nun M&#252;he, finanziell &#252;ber die Runden zu kommen.</p>
<p>Wenn er depressiv sei, hat er mir einmal gesagt, empfinde er den Alltag so anstrengend, als m&#252;sse er st&#228;ndig gegen die Fahrtrichtung einer Rolltreppe anlaufen. An manchen Tagen fiel es ihm schwer, das Haus zu verlassen und sich gegen die Schwere der Welt anzustemmen. Einige Verabredungen sagte er deswegen kurzfristig ab. Zum letzten Mal gesehen habe ich  ihn im Herbst 2001. Wir hatten nachmittags Pilze gesucht und gefunden und uns w&#228;hrenddessen intensiv unterhalten. Abends bereiteten wir die Pilze zu, a&#223;en gemeinsam und redeten weiter. Gegen Mitternacht brachte ich ihn zum letzten Zug nach Frankfurt. Er rauchte auf dem Bahnsteig noch eine seiner schwarzen franz&#246;sischen Zigaretten und sagte bereits in der offenen T&#252;r stehend: „Bis bald, wir m&#252;ssen unsere Diskussion dringend fortsetzen.“ </p>
<p>Ich vermisse ihn und unsere Gespr&#228;che sehr. Wie dringend br&#228;uchten wir gerade heute einen wie ihn und seinen wachen, kritischen Verstand. </p>
<p>Vielleicht stellt mein Reden von der Depression und dem Niedergang der Linken auch nur den Versuch dar, mir das Unfassbare und Unerkl&#228;rliche von Lothars Suizid erkl&#228;rbar zu machen und den immer noch nachwirkenden Schrecken zu bannen. Letztlich werden derartige Ereignisse immer etwas R&#228;tselhaftes behalten, das sich unseren Erkl&#228;rungs- und Sinngebungsversuchen entzieht. Erst wenn die Katastrophe eingetreten ist, scheint alles einer Logik zu folgen, die auf den Selbstmord die ganze Zeit &#252;ber zusteuerte. Es h&#228;tte aber auf allen Stufen der Entwicklung auch andere M&#246;glichkeiten gegeben. Jetzt ist jeder Lernprozess dadurch versperrt, dass er zu sp&#228;t kommt. Es bleibt unser, der &#220;berlebenden, „st&#252;rmisches Bed&#252;rfnis“, wie es bei Musil hei&#223;t, „zur&#252;ckzukehren zu einem Punkt, der vor der falschen Abzweigung liegt.“ </p>
<p>Wie stark mir der Selbstmord meines Freundes nachging und wie sehr er mein ohnehin prek&#228;res inneres Gleichgewicht ersch&#252;ttert hat, merkte ich erst, als ich selbst zwei Monate sp&#228;ter <em>dem Tod von der Schippe gesprungen</em> war, wie man so sagt. Mitte September 2004 schlief ich auf dem Weg zu Freunden in Oberitalien beim Durchqueren eines Schweizer Tunnels am Steuer ein und kann von Gl&#252;ck sagen, dass ich aus dem demolierten Wagen halbwegs unverletzt aussteigen konnte. Als ich sp&#228;ter die Bilder der &#220;berwachungskameras sah, die den Unfall aufgezeichnet hatten, wurde mir nachtr&#228;glich ganz bl&#252;merant. Man konnte sehen, wie Sekunden sp&#228;ter auf beiden Spuren Autos aus dem Tunnel herausschossen und die Unfallstelle passierten. So war nur ich zu Schaden gekommen. Die beiden Schweizer Polizisten, die mich, nachdem sie ein horrendes Bu&#223;geld kassiert hatten, unter ihre Fittiche nahmen, sprachen in ihrem beh&#228;bigen <em>Schwyzerd&#252;tsch</em> ein ums andere Mal von <em>Schutzengeln</em>, die ich gehabt haben m&#252;sse. Bei dem Gl&#252;ck m&#252;ssten es schon mehrere gewesen sein.</p>
<p>Meine Freunde holten mich am Tag darauf in der Schweiz ab und nahmen mich mit in die Berge oberhalb des Gardasees. Dort hatte ich Zeit, &#252;ber Vieles nachzudenken. Es ist sehr schwer zu beschreiben, aber bei aller Vorsicht w&#252;rde ich es so ausdr&#252;cken: Von der Idee, im fahrenden Auto einzuschlafen, mich fallen zu lassen, war eine enorme Lockung ausgegangen, ein immenser Sog, dem ich mich schlie&#223;lich &#252;berlassen hatte. Ich sah es kommen und die Vorstellung, dass es kommt, war keineswegs unangenehm. Es war, als w&#252;rde pl&#246;tzlich alle Anspannung von mir abfallen und einem wohligen Gef&#252;hl der Schl&#228;frigkeit und Bewusstlosigkeit weichen. </p>
<p>Ich hatte den damals gerade erschienenen Roman von Dieter Forte im Gep&#228;ck, der Auf der anderen Seite der Welt hei&#223;t. In ihm stie&#223; ich – ein paar Wochen nach dem Unfall &#8211; auf eine Passage, in der ein jungen Mann den Antritt seiner Reise in eine Lungenheilanstalt schildert: </p>
<blockquote><p><em>„Er war erleichtert gewesen, als der Zug endlich abfuhr. Nicht, dass er sich nach dem Tod sehnte, das nicht, aber es war ihm in diesem Moment egal, ob er nun sterben w&#252;rde oder ob er noch einmal zur&#252;ckkehren w&#252;rde, eine Gleichg&#252;ltigkeit breitete sich in ihm aus, die mit jedem der vielen Kilometer, die ihn von seiner Heimat entfernten, st&#228;rker wurde. Er empfand seine Trennung von der Welt so deutlich, dass er den Tod als eine fast angenehme, seine Gedanken mit Befriedigung erf&#252;llende, den K&#246;rper vollst&#228;ndig entspannende Aussicht ansah. Ein verdienter Schlaf nach langer unn&#252;tzer Arbeit, die Apathie eines Sonnenuntergangs, die einen rastlosen Tag in Frieden verabschiedete, um der stillen unbeweglichen Nacht zu weichen.“</em></p></blockquote>
<p>Ich begann, &#252;ber meinen Unfall zu schreiben und landete beim Nachdenken auf langen Wanderungen und Radtouren und sp&#228;ter beim Schreiben immer wieder bei Lothar und seinem Selbstmord.</p>
<p>Albert Camus hat in „Der Mythos von Sisyphos“ geschrieben: „Ein Selbstmord kann vielerlei Ursachen haben und im Allgemeinen sind die sichtbarsten nicht eben die wirksamsten gewesen. Ein Selbstmord wird selten aus &#220;berlegung begangen (obwohl diese Hypothese nicht ausgeschlossen ist). Meist l&#246;st etwas Unkontrollierbares die Krise aus. Die Zeitungen sprechen dann oft von ‚heimlichem Kummer‘ oder von ‚unheil­barer Krankheit‘. Diese Erkl&#228;rungen haben ihre Geltung. Man m&#252;sste aber wissen, ob nicht am selben Tage ein Freund mit dem Verzweifelten in einem gleichg&#252;ltigen Ton gesprochen hat. Das ist der Schuldige. Dergleichen kann n&#228;mlich gen&#252;gen, um allen Ekel und allen latenten &#220;berdruss auszul&#246;sen.“<br />
Um Lothar stand es wom&#246;glich noch schlimmer: Er war so weit weg, dass nicht einmal ein Freund in gleichg&#252;ltigem Ton mit ihm gesprochen haben wird. Er lebte allein in der Fremde, war ein Fremder unter Fremden. Freilich hatte er Kontakte und Bekannte in Montréal, aber um zu Freunden zu werden, fehlte etwas Entscheidendes: eine geteilte Vergangenheit und gemeinsame Erfahrungen. „Innere Vorr&#228;te an Ungl&#252;ckserfahrungen“, hei&#223;t es bei Negt und Kluge, „sind dann am explosivsten, wenn ihnen menschliche Ber&#252;hrungsfl&#228;che fehlt, wenn sie in sich rotieren.“ </p>
<p>Monate vor seinem Tod hat er einer jungen Frau, die ihn auf der Stra&#223;e um ein paar Dollar angebettelt hatte, sein G&#228;stezimmer angeboten und ihr Unterschlupf gew&#228;hrt. Zu sp&#228;t merkte er, dass sie ein Junkie war. Sie bestahl ihn, machte alles zu Geld, um an den n&#228;chsten Schuss zu kommen. Verschiedentlich fragte er mich um Rat, wie er sich verhalten k&#246;nne und solle, und ich riet ihm, Therapie und Rettung dieser Frau daf&#252;r qualifiziertem Personal und Institutionen zu &#252;berlassen. Das &#252;bersteige erfahrungsgem&#228;&#223; die M&#246;glichkeiten eines einzelnen Menschen. Ich erinnerte ihn an eine Fabel von &#196;sop, deren bitterer Erfahrungsgehalt mir aus meiner Arbeit im Gef&#228;ngnis vertraut ist: Ein Wanderer findet im Winter eine Schlange, die &#8211; vor K&#228;lte erstarrt &#8211; dem Tode nahe ist. Er hebt sie auf und w&#228;rmt sie an seiner Brust. Kaum zu Bewegung erwacht, bei&#223;t die Schlange ihren Lebensretter: „Undankbare!“, ruft er sterbend. „Du wusstest, dass ich eine Schlange bin“, erwidert sie, die nun auch in der K&#228;lte zugrunde gehen wird. Lothar hatte sich aber bereits zu weit eingelassen und schreckte davor zur&#252;ck, die Polizei um Hilfe zu bitten. Der Versuch zweier Au&#223;enseiter der Gesellschaft, sich gegen die K&#228;lte zusammenzuschlie&#223;en und ihre Einsamkeiten in der Hoffnung zusammenzuwerfen, dass etwas Gemeinsames daraus entstehen k&#246;nnte, scheiterte kl&#228;glich. Er war schlie&#223;lich erleichtert, als er sie nach schier endlosem Hin und Her, gro&#223;en menschlichen Entt&#228;uschungen und finanziellen Einbu&#223;en aus der Wohnung geworfen hatte. Die schmerzlichen Erfahrungen mit der Junkie-Frau verarbeitete er zu einer Geschichte, die er Das Biest &#252;berschrieb. Es ist, soweit ich wei&#223;, der letzte abgeschlossene Text von Lothar. </p>
<p>Nachdem er eine Zahnentz&#252;ndung verschleppt hatte, war schlie&#223;lich der ganze Kiefer vereitert und es mussten ihm s&#228;mtliche Z&#228;hne gezogen werden. „Die Symbolik dieses Aktes wiegt schwerer als der reale Verlust der Z&#228;hne und die vor&#252;bergehenden Schmerzen: Man b&#252;&#223;t die F&#228;higkeit zum Zubei&#223;en ein, f&#252;hlt sich depotenziert“, schrieb er.<br />
Im Dezember 2003 reiste er noch einmal nach Deutschland, um in Hannover einen Literaturpreis entgegenzunehmen. Er freute sich &#252;ber die Anwesenheit des Jurymitglieds F.C. Delius und seiner Verlegerin Antje Kunstmann, die im Jahr 2000 sein letztes gro&#223;es Buch Keine Zeit! 18 Versuche &#252;ber die Beschleunigung herausgebracht hat. Er fand die Laudatio der Kritikerin Sibylle Kramer ganz passabel und hielt die &#252;bliche Dankesrede. In der Eingangshalle der Volkshochschule besichtigte er ein Gem&#228;lde, auf dem zwei Hannoversche Au&#223;enseiter und Verfolgte zu sehen sind: Theodor Lessing und Peter Br&#252;ckner.<br />
Im Februar 2004 erreichte ihn die Nachricht aus Deutschland, dass sich der Mann seiner Nichte an einem Apfelbaum im Garten aufgeh&#228;ngt hat.<br />
Er setzte sich ans Fenster und sah den Stra&#223;enkatzen zu, die hinter dem Haus durch den Schnee strichen. In den N&#228;chten erstanden die alten Qu&#228;lgeister auf, die er aus der Zeit in S&#252;dfrankreich noch in schmerzhafter Erinnerung hatte. Selbst das Schreiben – der Gravitationspunkt seines Lebens – bot keine Zuflucht mehr. In seinem Essay „Vom Schreiben leben“ hatte er diesen Zustand als &#228;u&#223;erste Zuspitzung der Krise und schlimmste Bef&#252;rchtung ge&#228;u&#223;ert: „Und wenn die Arbeit, die einen daran zu hindern scheint, ganz aus der Welt herauszufallen, immer schwerer wird, wenn diese letzte Verbindung zu zerrei&#223;en droht.“</p>
<p>Da war am Ende nichts Sch&#252;tzendes und Haltendes mehr.<br />
Da war keiner mehr und niemand und nichts.<br />
Eine ber&#252;hrungslose Leere. </p>
<p>Am 11. Juli 2004 fand man Lothar Baier erh&#228;ngt in seiner Wohnung in Montréal. In einem Essay &#252;ber Jean Amérys Buch „Hand an sich legen“ hatte er Jahre zuvor einen Kommentar zu einer Tagebucheintragung Cesare Paveses zitiert, der m&#246;glicherweise auch auf ihn selbst zutrifft: „Es scheint ihm, dass es bereits zu sp&#228;t ist und dass er endg&#252;ltig in einem Suizidantenleben dahind&#228;mmert; doch im Sommer des gleichen Jahres &#8230; findet er das Wollen intakt und f&#252;hrt es aus. Durch diese Tat rettet er sein Leben.“</p>
<p>„Ach, h&#228;tte ihn doch sein verdammter Stolz nicht daran gehindert, nach Deutschland und Frankfurt zur&#252;ckzukehren“, denke ich manchmal. Es war, als wolle er demonstrieren, dass die Beziehung zu einer Frau nicht dar&#252;ber zu entscheiden hat, wo er lebt und arbeitet. Den Triumph seiner reum&#252;tigen R&#252;ckkehr nach Deutschland wollte er uns allen, vor allem aber „der Ex“ – so sprach er von ihr in seinen Briefen &#8211; nicht g&#246;nnen: „Sie soll sehen, dass sie mich nicht aus diesem Land vertreiben kann! Jetzt bleibe ich erst recht!“<br />
Vielleicht h&#228;tte ein in Deutschland wieder repariertes Netz aus gekappten alten Bindungen, verst&#228;rkt durch neu eingegangene Freundschaften und solidarische Beziehungen, seinen Sturz aus der Welt aufhalten k&#246;nnen. Auf der vor seiner Auswanderung verbrannten Erde h&#228;tte schnell wieder etwas wachsen und gedeihen k&#246;nnen. Freundschaften und mit anderen geteilte Ziele im Leben sind die beste Verteidigung gegen Verzweiflung und Tod.<br />
Wir w&#252;rden dann am 16. Mai bei franz&#246;sischem Rotwein und von Lothar zubereitetem Kichererbsen-Salat gemeinsam seinen 70. Geburtstag feiern. </p>
<p>Stattdessen findet nun am Mittwoch, den 16. Mai um 20 Uhr in der Frankfurter Villa Orange, Hebelstr. 1 eine Veranstaltung des Hessischen Literaturforums unter dem Titel <em><strong>Lothar Baier zu ehren</strong></em> statt, auf der Autoren, Verleger, Journalisten an den Essayisten, Publizisten, Schriftsteller und &#220;bersetzer Lothar Baier erinnern wollen.</p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 06:47:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
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<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h11">Deutschland baut Venezuelas Opposition auf</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h12">Der Schlag des Boxers</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h13">Demokratie lernen mit Liquid Feedback?</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h14">Wilhelm Heitmeyer : Rechtsextremismus und gesellschaftliche Selbstentlastung</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h15">Schr&#246;der empfiehlt Steinbr&#252;ck als Kanzlerkandidat</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h16">Rezension; Kathrin Hartmann: &#8220;Wir m&#252;ssen leider drau&#223;en bleiben&#8221; </a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13233#h17">Rezension: Star-&#214;konom pl&#228;diert f&#252;r ein Ende der Spar-Politik</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="www.nachdenkseiten.de/?p=13233&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>BILD</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Journalismus hat seinen Preis</strong><br />
Der Henri-Nannen-Preis f&#252;r “Investigative Recherche” sollte an Journalisten der “Bild” und der “S&#252;ddeutschen Zeitung” gehen, letztere lehnten ab. Sieben sachdienliche Hinweise zum halbierten „Henri“.<br />
Quelle: <a href="http://carta.info/43693/journalismus-hat-seinen-preis/?utm_source=feedburner&#038;utm_medium=feed&#038;utm_campaign=Feed%3A+carta-standard-rss+%28Carta%29">Carta</a></li>
<li><strong>Alles halb so wild mit „Bild“?</strong><br />
Gegen die Entideologisierung: Von einem Chefredakteur, der auszog, anderen das F&#252;rchten zu nehmen. Und wie ihm dieses Unterfangen bei der Mehrheit gelang. [...]<br />
F&#252;r diese historische Umdeutung einen Preis verdient h&#228;tte Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der in seinen elf Jahren an der Spitze die Politikberichterstattung gest&#228;rkt hat, unter dessen &#196;gide die scheinheilige Werbekampagne entstand, f&#252;r die Promis ihre „ehrliche und unentgeltliche Meinung“ zu Bild aufschreiben und der in seinem 100-Tage-Intermezzo als Blogger 2009 lustiger war als seine Kritiker. All dies diente einzig dem Zweck, Bild den Schrecken zu nehmen. Ziel erreicht.<br />
Quelle: <a href="http://taz.de/ber-die-Verharmlosung-des-Springer-Blatts/!93366/">taz</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Roman Herzog will F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde reformieren</strong><br />
Altbundespr&#228;sident Roman Herzog h&#228;lt die F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde „f&#252;r nicht mehr zeitgem&#228;&#223;“. Er empfiehlt deshalb im FOCUS, das geltende Wahlrecht zu reformieren. [...]<br />
„Im Prinzip ist die F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde nicht mehr zeitgem&#228;&#223;. Eigentlich m&#252;ssten wir die H&#252;rde nach oben setzen“, sagte Herzog zu FOCUS. Angesichts immer mehr kleinerer Parteien werde der Bundeskanzler ansonsten „nicht mehr von einer gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung getragen“. Diese Entwicklung gef&#228;hrde die parlamentarische Demokratie, so Herzog, der vor seiner Zeit als Bundespr&#228;sident das Bundesverfassungsgericht leitete.<br />
Quelle: <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/der-altbundespraesident-im-focus-interview-roman-herzog-will-fuenf-prozent-huerde-reformieren_aid_751665.html">Focus</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Herzogs Begr&#252;ndung sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Der Kanzler wird also nicht mehr von der gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung getragen, weil immer mehr kleine Parteien in den Bundestag einziehen? Herzog z&#228;umt das Pferd hier von hinten auf. Weil die Volksparteien von immer weniger B&#252;rgern gew&#228;hlt werden, die sich von ihnen schlicht nicht mehr repr&#228;sentiert f&#252;hlen, bekommen die „kleinen“ Parteien immer mehr Stimmen. Diesen Parteien den Einzug in die Parlamente zu verweigern, w&#252;rde dazu f&#252;hren, dass die parlamentarische Demokratie nicht mehr von der gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung getragen w&#252;rde. Und das kann ein ehemaliger Verfassungsrichter doch nicht wirklich wollen. Oder?</em></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Robert Misik &#8211; Die gef&#228;hrliche Sekte der &#214;konomen</strong><br />
Die vergifteten falschen Ratschl&#228;ge der &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221;<br />
Jahrelang haben uns die Vertreter des akademischen &#246;konomischen Establishments mit ihren Ratschl&#228;gen versorgt. Die &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221; haben uns Deregulierung der M&#228;rkte empfohlen und &#8220;Strukturreformen&#8221;, um die Kr&#228;fte der M&#228;rkte zu entfesseln. Das Ergebnis war der Kollaps der globalen Finanzm&#228;rkte. Die &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221; haben die Effizienz freier M&#228;rkte &#8220;bewiesen&#8221;, das Ergebnis war ein steiler Anstieg der Ungleichheiten. Und dann haben uns die &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221; gesagt, nur mit Austeri&#228;tspolitik k&#246;nne die Krise bek&#228;mpft und das &#8220;Vertrauen der M&#228;rkte&#8221; wiedergewonnen werden. Das Resultat ist eine Existenzkrise der Eurozone. Wann immer man also Ratschl&#228;ge der &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221; befolgt, fliegen einem hinterher mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit die Tr&#252;mmer um die Ohren.<br />
Woher nehmen eigentlich diese &#8220;hochseri&#246;sen Experten&#8221; das Selbstbewusstsein, uns angesichts dieser katastrophalen Bilanz immer noch mit dem Gestus professoraler Aufgeblasenheit mit ihren fatalen Ratschl&#228;gen zu behelligen?<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336696728683/Videocast-von-Robert-Misik---Folge-233-Die-gefaehrliche-Sekte-der-Oekonomen">Der Standard</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>NRW-Wahl</strong>
<ol type="a">
<li><strong>CDU-Debakel: Verursacher profitieren</strong><br />
Die Wahlniederlage hat die NRW-CDU geschockt. W&#228;hrend Mitglieder und Sympathisanten immer noch um ihre Fassung ringen, sind die Parteispitzen dabei, sich aus den Tr&#252;mmern herauszuarbeiten, die ihr Wahlkampf hinterlassen hat. Dabei zeichnet sich ab: Die Verursacher des Desasters k&#246;nnten die Profiteure des Wiederaufbaus werden.<br />
Kaum hatte Spitzenkandidat R&#246;ttgen den Landesvorsitz niedergelegt und das Tr&#252;mmerfeld in NRW Richtung Berlin verlassen, machte sich die Parteispitze daran, den Neuanfang zu planen. Dass R&#246;ttgen vermied, die Verantwortung f&#252;r das Desaster der gesamten F&#252;hrungsmannschaft zuzuschieben, nahm die F&#252;hrungsspitze gerne auf. Sie f&#252;hlt sich durch R&#246;ttgens R&#252;cktritt von jeder Mitverantwortung entlastet und schiebt sie von sich weg. Niemand im F&#252;hrungsteam sah sich veranlasst, Mitschuld einzugestehen oder gar ebenfalls zur&#252;ckzutreten.<br />
Die F&#252;hrungskr&#228;fte der NRW-CDU hatten anderes zu tun. Sobald R&#246;ttgen den Weg frei gemacht hatte, starteten sie den Kampf um seine Nachfolge. Dabei zeichnet sich ein Machtkampf zwischen dem Reformer Laschet und dem Sozialpolitiker Laumann ab. Er wird von CDU-Generalsekret&#228;r Wittke unterst&#252;tzt.<br />
Quelle: <a href="http://post-von-horn.de/2012/05/14/cdu-debakel-verursacher-profitieren/">Post von Horn</a></li>
<li><strong>Analyse: Superstar Lindner rettet die FDP</strong><br />
Wiederauferstehung Teil II: Vor einer Woche gl&#228;nzte Kubicki in Kiel, jetzt hat Lindner in NRW sein Meisterst&#252;ck gemacht. Die FDP liegt ihm zu F&#252;&#223;en &#8211; wohl oder &#252;bel auch Parteichef R&#246;sler. (&#8230;) Die gef&#252;hlte Nummer eins der FDP ist jetzt aber «CL». Messias, Lichtgestalt, Wunderkind &#8211; er kann sich vor Ehrentiteln kaum retten. Christian Lindner hat geliefert. Nach Hochrechnung hat er die FDP mit etwa 8,4 Prozent in den D&#252;sseldorfer Landtag gebracht. Das w&#228;re das zweitbeste Ergebnis der Liberalen in NRW seit 1954. (&#8230;) Mit dem Erfolg bei der kleinen Bundestagswahl h&#228;lt die FDP ihre Existenzkrise vorerst f&#252;r beendet. Generalsekret&#228;r Patrick D&#246;ring ist anzusehen, wie stolz er auf den zweiten Sieg innerhalb von acht Tagen ist. «Diese Ermutigung tut jedem Liberalen gut, in ganz Deutschland», ruft er den rund 200 Parteifreunden zu, die bei Pils und Wei&#223;wein feiern. Lindners Aufholjagd war sensationell. Im M&#228;rz lag die NRW-FDP in Umfragen bei nur zwei Prozent. Lindner machte einen Power-Wahlkampf &#8211; und hat den Grundstein f&#252;r eine neue FDP gelegt.<br />
Quelle: <a href="http://www.zeit.de/news/2012-05/13/wahlen-analyse-superstar-lindner-rettet-die-fdp-13193412">ZEIT</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.K.:</strong> Die NachDenkSeiten hatten es in den vergangenen Wochen mehrmals dokumentiert: Beim von der Wochenzeitung &#8220;Die Zeit&#8221; behaupteten &#8220;Powerwahlkampf&#8221; Lindners handelte es sich viel eher um einen &#8220;Powerwahlkampf&#8221; zahlreicher Medien zu Gunsten von Lindner und Kubicki und damit zu Gunsten der FDP. In den Medien wird gerne darauf verwiesen, der &#8220;neue&#8221; Spitzenmann der NRW-FDP habe es geschafft, das Ruder zu Gunsten der dortigen FDP herumzurei&#223;en. Diese &#8220;Analyse&#8221; unterschl&#228;gt jedoch, da&#223; auch der &#8220;alte&#8221; schleswig-holsteinische FDP-Spitzenmann Kubicki aus einer vor wenigen Wochen noch beinahe ausslichtslosen Situation heraus ein Wahlergebnis von ebenfalls mehr als acht Prozent f&#252;r die dortige FDP eingefahren hatte. Entscheident f&#252;r beide Wahlergebnisse war nicht der angebliche &#8220;Powerwahlkampf&#8221; der &#8220;neuen&#8221; und &#8220;alten&#8221; Spitzenm&#228;nner Lindner und Kubicki, sondern das massive Pushen der FDP-Wahlk&#228;mpfe durch zahlreiche Medien (in NRW wurde das FDP-Ergebnis zus&#228;zlich durch den schlechten Wahlkampf des CDU-Spitzenmannes R&#246;ttgen beg&#252;nstigt).</em><br />
<em>Im &#252;brigen ist es bezeichnend f&#252;r den Kampagnenjournalismus zahlreicher Medien, wie unterschiedich diese die R&#252;cktritte von Politikern unters Volk bringen: Nachdem Oskar Lafontaine als Folge massiven poltischen Mobbings durch den neoliberalen Schr&#246;der-Fl&#252;gel in der SPD sowie durch gro&#223;e Teile unserer Medien von seinen politischen &#196;mtern zur&#252;ckgetreten war, wurde ihm von diesen Medien in penetranter Art und Weise untergeschoben, er habe &#8220;hingeschmissen&#8221; und sei daher &#8220;verantwortungslos&#8221; und &#8220;unzuverl&#228;ssig&#8221;. Diese Medienkampgangen gegen die Linkspartei und gegen Lafontaine wurden bereits im Jahre 2009 (zum damaligen Zeitpunkt lag die Linkspartei bundesweit noch bei mehr als 10 Prozent) in folgenden Beitr&#228;gen treffend nachgezeichnet:</em> </p>
<ul>
<li><em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=cdXvDs_vgwE&#038;feature=related">&#8220;Die Linke vs. Medien-Konzerne&#8221; ( Arte)</a></em></li>
<li><em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=pLhEUhyUhPQ">&#8220;Mit dem Zweiten propagiert man besser &#8211; Oskar Lafontaine im Sommerinterview&#8221;</a></em></li>
</ul>
<p><em>Sollte Oskar Lafontaine erneut f&#252;r den Bundesvorsitz der Partei DIE LINKE kandidieren, dann ist eines so sicher wie das Amen in der Kirche: Die mediale Begleitung dieser Kandidatur mittels massivem Kampagnenjournalismus gegen Lafontaine und die Partei DIE LINKE.</em><br />
<em>Ganz anders die Medienberichterstattung im Falle Lindner: Dieser &#8220;schmiss&#8221; im Dezember 2011 das Amt des FDP-Generalsekret&#228;rs von heute auf morgen hin, ohne da&#223; gegen ihn im Vorfeld von Seiten der FDP oder der Medien Kampagnen geritten wurden. Im Gegensatz zur Medienberichterstattung im Falle Lafontaine wird dieses &#8220;Hinschmei&#223;en&#8221; Lindners in den Medien jedoch keineswegs als &#8220;verantwortungslos&#8221; oder &#8220;unzuverl&#228;ssig&#8221; gebrandmarkt. Ganz im Gegenteil: Lindner wurde und wird von zahlreichen Medien als &#8220;Retter&#8221; der FDP hochstilisiert.</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h05"></a><strong>Geldw&#228;sche in der Schweiz auf Rekordwert</strong><br />
Die Zahl der F&#228;lle stieg im vergangenen Jahr um satte 40 Prozent auf 1.625 &#8211; das sind so viele wie noch nie zuvor<br />
In der Schweiz sind 2011 viel mehr F&#228;lle mutma&#223;licher Geldw&#228;scherei gemeldet worden als im Vorjahr. Die Verdachtsf&#228;lle stiegen um 40 Prozent auf 1.625. Die Gesamtsumme der davon betroffenen Verm&#246;genswerte belief sich auf 3,3 Mrd. Franken (2,75 Mrd. Euro). Das ist so viel wie noch nie. Im Vorjahr waren bei 1.159 Verdachtsmeldungen Verm&#246;genswerte im Umfang von rund 850 Mio. Franken betroffen.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336696807417/Schwarzgeld-Geldwaesche-in-der-Schweiz-auf-Rekordwert">Der Standard</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Alarm in Deutschland – oder: Wie ich versehentlich den Euro erledigte</strong><br />
In den Erz&#228;hlungen wird es vermutlich einmal hei&#223;en: zu Beginn dieser Woche, in deren Folge die Europ&#228;ische W&#228;hrungsunion &#228;hnlich wie einst die Mauer nach einer Falschmeldung zerfiel, deutete eigentlich alles auf ein paar ganz gew&#246;hnliche Krisentage. Also: Angefangen hat es so…. und das ist nicht erfunden: Vergangenen Dienstag wurde ich zu einem sehr gew&#246;hnlich klingenden Gespr&#228;ch mit der Delegation des Internationalen W&#228;hrungsfonds zur Berliner Zweigstelle der Bundesbank eingeladen. Es ging um die routinem&#228;&#223;igen Artikel-IV-Konsultationen, bei denen der IWF halt mal so hinguckt, was im Land gut und nicht so gut l&#228;uft. Da ist dann von Wachstumspotenzialen die Rede, von einer Konjunktur, die im zweiten Halbjahr an Fahrt aufnehmen solle oder von den Fortschritten, die Banken zu regulieren.<br />
Als es irgendwann keine Fragen mehr von den Kollegen gab, die ganzen sch&#246;nen H&#228;ppchen aber noch vor uns lagen, habe ich mir gedacht, dann doch noch eine Frage zu stellen – allein um zu sehen, wie die anwesenden Vertreter der Bundesbank da wohl reagieren w&#252;rden. Im Text des IWF-Teams stand ziemlich weit hinten ein bisschen unscheinbar ein Satz, der besagte, dass es, selbst wenn die EZB ihren Job voll und ganz erf&#252;llt, in n&#228;chster Zeit durchaus mal sein k&#246;nne, dass die Inflation in Deutschland ”ein bisschen h&#246;her” ausfalle als in der Euro-Zone. Was im Grunde ziemlich banale Logik und Arithmetik ist.<br />
Quelle: <a href="http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/05/14/alarm-in-deutschland-oder-wie-ich-versehentlich-den-euro-torpedierte/">FTD WirtschaftsWunder</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Fiskalpakt</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Das gro&#223;e Missverst&#228;ndnis hei&#223;t: Erst sparen, dann investieren. Umgekehrt funktioniert es: Investieren geht dem Sparen voraus</strong><br />
Wenn jetzt h&#228;ufiger Stimmen laut werden, dass der drakonische Sparkurs, der L&#228;ndern wie Griechenland, Portugal und Spanien verordnet wurde, von Investitionen begleitet werden m&#252;sse, ist das zwar ein Fortschritt, ein grundlegendes Missverst&#228;ndnis bleibt aber bestehen, und das hei&#223;t: Nur wer spart, kann auch investieren. Es verh&#228;lt sich jedoch umgekehrt: Nur wer investiert, kann auch sparen. Damit steht auch eine Erholung der Volkswirtschaften und eine &#220;berwindung der sozialen Not, die die bisherigen Sparprogramme mit sich gebracht haben, weiterhin in Frage.<br />
In der Gesamtwirtschaft dreht sich alles um Einnahmen und Ausgaben. Anders als der einzelne Haushalt gehorcht der Staatshaushalt und mit ihm die Gesamtwirtschaft komplizierteren Gesetzm&#228;&#223;igkeiten. Zwar zwingt auch die schw&#228;bische Hausfrau, wenn sie sich entschlie&#223;t, 50 Euro weniger im Monat auszugeben, zum Beispiel um ihr im Vormonat aufgrund einer &#252;berh&#246;hten Telefonrechnung ins Minus gedrehte Girokonto auszugleichen, den “Rest der Welt” entsprechend 50 Euro weniger einzunehmen. Denn die Ausgaben des einen sind immer die Einnahmen der anderen. Dennoch kann die einzelne schw&#228;bische Hausfrau, selbst wenn verm&#246;gend und mit h&#246;heren Betr&#228;gen haushaltend, die Gesamtwirtschaft schwerlich in die Knie zwingen oder diese, indem sie mehr ausgibt als einnimmt, zum Aufschwung f&#252;hren. Der Staat schon. In einer koordinierten Aktion aller Hausfrauen gel&#228;nge dies freilich auch, was aber hier nur dazu dienen soll, den Zusammenhang zu verdeutlichen.<br />
Quelle: <a href="http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/?p=3921">Wirtschaft und Gesellschaft</a></li>
<li><strong>attac: Angriff auf demokratische und soziale Errungenschaften abwehren – jetzt den Fiskalpakt stoppen!</strong><br />
Ende Mai soll der Bundestag den europ&#228;ischen Fiskalvertrag beschlie&#223;en. Dieser Vertrag ist ein Angriff auf die Demokratie! Er entmachtet die Parlamente und zwingt Staaten eine unsoziale Sparpolitik auf. Das m&#252;ssen wir verhindern – helfen Sie uns dabei!<br />
- 10 Fragen &#8211; 10 Antworten zum Fiskalvertrag<br />
Mit diesem Formular k&#246;nnen Sie die/den Bundestagsabgeordnete/n Ihres Wahlkreises &#252;ber den Fiskalvertrag informieren und dazu auffordern, ihn abzulehnen. Es kommt dabei auf jede Stimme an!<br />
Quelle: <a href="https://www.fiskalpakt-stoppen.de/aktuell/eurokrise/fiskalpakt/?no_cache=1&#038;L=2 ">attac</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h08"></a><strong>Jens Weidmanns erste Pr&#252;fung</strong><br />
[...] Nat&#252;rlich muss die Inflation in Deutschland h&#246;her sein, wenn sie im S&#252;den niedriger ist und der Durchschnitt unver&#228;ndert bleiben soll [...]<br />
Aber es gibt Kr&#228;fte in Deutschland, die selbst das schon als Zugest&#228;ndnis empfinden und von der Bundesbank erwarten, die Inflation so niedrig wie nur m&#246;glich zu halten. Das ist nat&#252;rlich volkswirtschaftlich vollkommener Unsinn, aber es gibt hierzulande ja auch durchaus einflussreiche &#214;konomen, die die Staatsschulden auf Null zur&#252;ckfahren wollen. [...]<br />
Mut hingegen erfordert es, sich gegen die konservativen Kr&#228;fte an den Universit&#228;ten und mehr noch in den Redaktionsstuben zu stellen, wenn es das eigene Mandat erfordert. Das w&#228;re echte Unabh&#228;ngigkeit.<br />
Quelle: <a href="http://blog.zeit.de/herdentrieb/2012/05/12/jens-weidmanns-erste-prufung_4792">ZEIT Herdentrieb</a></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Attac-Kinospot &#8220;Du zahlst &#8211; Steueroasen schlie&#223;en!&#8221;</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&#038;v=kOOKWPNz0j0">attac via YouTube</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>NATO hat laut NGO in Libyen 72 Zivilisten get&#246;tet</strong><br />
Human Rights Watch macht die NATO f&#252;r den Tod von mehr als 70 Zivilisten beim Milit&#228;reinsatz in Libyen im vergangenen Jahr verantwortlich. Unter den insgesamt 72 Toten seien auch 20 Frauen und 24 Kinder gewesen, erkl&#228;rte die Menschenrechtsorganisation am Montag. Sie forderte die Milit&#228;rallianz zu &#8220;sofortigen und angemessenen&#8221; Entsch&#228;digungszahlungen an die betroffenen Familien auf.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336696810741/Human-Rights-Watch-NATO-hat-laut-NGO-in-Libyen-72-Zivilisten-getoetet">Der Standard</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Deutschland baut Venezuelas Opposition auf</strong><br />
Die deutsche Bundesregierung dr&#228;ngt innerhalb der Europ&#228;ischen Union auf eine verst&#228;rkte und offenere Unterst&#252;tzung der rechtsgerichteten Opposition gegen die Regierung von Pr&#228;sident Hugo Chávez in Venezuela. Bei einem Treffen der EU-Ratsarbeitsgruppe f&#252;r Lateinamerika im April verlangten nach Informationen eines beteiligten Diplomaten vor allem die deutschen Vertreter eine Unterst&#252;tzung der Regierungsgegner. W&#228;hrend sich Portugal, Polen und Frankreich f&#252;r eine &#8220;diskrete&#8221; Zusammenarbeit ausgesprochen h&#228;tten, h&#228;tten die deutschen Gesandten die Meinung vertraten, dass eine Kooperation zwischen der EU und der Opposition in Venezuela &#8220;nicht vor der &#214;ffentlichkeit verborgen werden m&#252;sste&#8221;.<br />
Quelle: <a href="http://amerika21.de/nachrichten/2012/05/52119/deutschland-oposition-venezuel">amerika21.de</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Der Schlag des Boxers</strong><br />
Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung treibt mit Hilfe des Boxweltmeisters Vitali Klitschko den Aufbau einer Pro-EU-Partei in der Ukraine voran. Klitschko hat im April 2010, kurz nach dem Scheitern der damaligen Pro-EU-Regierung um Staatspr&#228;sident Viktor Juschtschenko und Ministerpr&#228;sidentin Julia Timoschenko, die Partei UDAR (&#8220;Schlag&#8221;) ins Leben gerufen. Diese wird von der Adenauer-Stiftung nach Kr&#228;ften unterst&#252;tzt; bei der CDU hei&#223;t es ausdr&#252;cklich, Klitschko sei von der Stiftung &#8220;beauftragt&#8221; worden, in der Ukraine eine christlich-konservative Partei &#8220;zu etablieren&#8221;. Die Beliebtheit des Boxers soll es UDAR erm&#246;glichen, bereits bei den ukrainischen Parlamentswahlen im Herbst zur drittst&#228;rksten Kraft im Land zu werden. Ein Erfolg der Organisation k&#246;nnte die Voraussetzungen f&#252;r eine dauerhafte Pro-EU-Mehrheit in der Ukraine schaffen &#8211; sollte die ebenfalls auf Berlin und Br&#252;ssel orientierte Partei &#8220;Vaterland&#8221; der zur Zeit noch inhaftierten Julia Timoschenko ihre starke Position halten. &#220;ber die Interessen Berlins in der Ukraine hat sich j&#252;ngst bei einem Treffen mit Vitali Klitschko Elmar Brok (CDU), der Vorsitzende des Ausw&#228;rtigen Ausschusses im Europaparlament, ge&#228;u&#223;ert. Man d&#252;rfe, urteilt Brok, aus &#246;konomischen wie aus geostrategischen Gr&#252;nden &#8220;diesen zentralen Staat Osteuropas&#8221; nicht an Russland verlieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58327">German Foreign Policy</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Demokratie lernen mit Liquid Feedback?</strong><br />
Liquid Feedback (oder auch Liquid Democracy) ist ein internetbasiertes Werkzeug zur demokratischen Entscheidungsfindung, das zu mehr Beteiligung f&#252;hren soll. Die Software ist Open Source und wurde von Mitgliedern der Piratenpartei entwickelt. Open Source hei&#223;t, dass jeder die Software an seine Bed&#252;rfnisse anpassen kann. So k&#246;nnte zum Beispiel ein Verein die Software so ver&#228;ndern, dass sie mit den in der Vereinssatzung festgelegten Entscheidungsprozessen vereinbar ist. Das Entscheidungsfindungssystem basiert auf einer Internetanwendung, die &#252;ber den eigenen Browser zu bedienen ist&#8230;<br />
Transparenz ist aber auch der Knackpunkt, wenn es um den offenen Zugang zum Abstimmungstool geht. Der Lobbyarbeit w&#228;re sicherlich T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet, doch ob dies heute nicht sowieso schon der Fall ist, bleibt dem B&#252;rger trotz medialer Berichterstattung meist schleierhaft. W&#228;re eine Transparenz durch das Liquid Feedback eventuell eine M&#246;glichkeit, dieser Unsicherheit Abhilfe zu schaffen und Politik nicht nur mit der lautesten und n&#228;chsten Stimme zu gestalten, sondern mit dem Willen der Masse, geb&#252;ndelt in Delegationen?<br />
Diese Kurzfristigkeit von gef&#228;llten Entscheidungen, auch sichtbar in der M&#246;glichkeit sich jederzeit f&#252;r einen anderen Repr&#228;sentanten zu entscheiden oder selber an Abstimmungen teilzunehmen, ist ebenfalls ein Kritikpunkt. Die Konsequenz daraus sehen einige Beobachter in der Instabilit&#228;t der Partei selbst oder auch, im Weiteren, in instabilen Koalitionen.<br />
Quelle: <a href="http://www.gegenblende.de/15-2012/++co++c86a112e-9db7-11e1-49bd-52540066f352">Gegenblende</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Wilhelm Heitmeyer : Rechtsextremismus und gesellschaftliche Selbstentlastung</strong><br />
Die &#246;ffentliche Debatte und die Auseinandersetzung in den politischen Institutionen hat sich anl&#228;sslich der Aufdeckung der Morde durch den &#8220;Nationalsozialistischen Untergrund&#8221; ( NSU ) der sogenannten Zwickauer Zelle aufschlussreich entwickelt. Es sollte daher auch die Frage aufgeworfen werden, ob es sich um einen selbstt&#228;uschenden Duktus handelt, der statt auf Selbstaufkl&#228;rung eher auf gesellschaftliche Selbstentlastung hinausl&#228;uft. Diese w&#228;re etwa gegeben, wenn im &#246;ffentlichen und politischen Diskurs eine Abtrennung von der verbrecherischen Terrorzelle von einer ansonsten als &#8220;intakt&#8221; dargestellten Gesellschaft betrieben w&#252;rde.<br />
Quelle: <a href="http://www.bpb.de/apuz/133380/rechtsextremismus-und-gesellschaftliche-selbstentlastung">Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ)</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Schr&#246;der empfiehlt Steinbr&#252;ck als Kanzlerkandidat</strong><br />
Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schr&#246;der (SPD) hat in der parteiinternen Debatte um den k&#252;nftigen SPD-Kanzlerkandidaten den fr&#252;heren Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck unterst&#252;tzt. „Mich w&#252;rde es freuen, wenn Peer Steinbr&#252;ck Kanzlerkandidat der SPD w&#252;rde“, wird Schr&#246;der in der Biografie „Peer Steinbr&#252;ck“ zitiert, aus der die „Welt am Sonntag“ Ausz&#252;ge vorab ver&#246;ffentlichen will. „Er hat alle Aussicht auf Erfolg“, sagt Schr&#246;der darin dem Blatt zufolge.<br />
Schr&#246;der lobt Steinbr&#252;ck in dem Buch als unabh&#228;ngigen Geist, der authentisch bleiben wolle. „Daher habe ich hohen Respekt f&#252;r ihn.“ In der Finanzkrise sei Steinbr&#252;ck w&#228;hrend der gro&#223;en Koalition „die eigentlich f&#252;hrende Figur“ gewesen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich klug stets vor und neben Steinbr&#252;ck gestellt…<br />
Schr&#246;der w&#252;rdigte, dass sich Steinbr&#252;ck stets zur Reform-Agenda 2010 bekannt habe.<br />
Die Steinbr&#252;ck-Biographie des Welt-Korrespondenten Daniel Friedrich Sturm soll am kommenden Dienstag in Berlin vorgestellt werden. Bei der SPD sind neben Steinbr&#252;ck auch SPD-Chef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als m&#246;gliche Kanzlerkandidaten f&#252;r die Bundestagswahl 2013 im Gespr&#228;ch. Steinbr&#252;ck, der dem rechten SPD-Fl&#252;gel zugerechnet wird, wird immer wieder von Parteilinken vorgeworfen, sich von politischen Positionen der SPD abzugrenzen, beispielsweise bei der Rente mit 67.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/bundeskanzler-schroeder-empfiehlt-steinbrueck-als-kanzlerkandidat,1472596,15222724.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Damit alle wissen was der SPD und uns bl&#252;ht, wenn Steinbr&#252;ck Kanzlerkandidat werden sollte.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Rezension; Kathrin Hartmann: &#8220;Wir m&#252;ssen leider drau&#223;en bleiben&#8221; &#8211; Von der Politik &#252;ber den Tisch gezogen</strong><br />
Die Politik der letzten zwanzig Jahre hat Spuren hinterlassen. Kathrin Hartmann hat sich auf Spurensuche begeben. Was sie entdeckt hat, ist in gro&#223;en Teilen Verw&#252;stung. In ihrem Buch „Wir m&#252;ssen leider drau&#223;en bleiben – Die neue Armut in der Konsumgesellschaft“leuchtet Hartmann in die Ecken der Gesellschaft, die Politik und Medien h&#228;ufig im Dunkeln lassen oder in ein falsches Licht r&#252;cken. Die Autorin fordert ein Ende der politischen „Schamlosigkeiten“.<br />
Hartmann hat eine „Liste der Schamlosigkeiten“ verfasst, zusammenfassend argumentiert sie: „Fast alle politischen Entscheidungen der vergangenen 20 Jahre sind zugunsten der Wirtschaftselite gefallen. Angefangen vom Abbau des Sozialstaates &#252;ber die Senkung der Lohnnebenkosten f&#252;r Arbeitgeber bis hin zu gro&#223;z&#252;gigen Steuersenkungen – von der Rettung der Banken auf Kosten der Allgemeinheit einmal ganz zu schweigen.“<br />
Quelle: <a href="http://www.vorwaerts.de/Kultur/Buchtipp/72190/rezension_hartmann.html">Vorw&#228;rts</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Rezension: Star-&#214;konom pl&#228;diert f&#252;r ein Ende der Spar-Politik</strong><br />
Paul Krugman: &#8220;Vergesst die Krise! Warum wir jetzt Geld ausgeben m&#252;ssen&#8221;, Campus Verlag<br />
Der &#214;konom und Nobelpreistr&#228;ger Paul Krugmann ist vor allem durch seine harte Kritik an der Wirtschaftspolitik George W. Bushs bekannt geworden. In seinem neuen Buch fordert der streitbare Wissenschaftler von den Regierungen, die Sparprogramme zu entsorgen &#8211; und endlich wieder Geld auszugeben.<br />
Quelle: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1757232/">Deutschlandfunk</a></li>
</ol>
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		<title>Wahlen in Griechenland: Klientelsystem am Ende &#8211; Koalition der radikalen Linken der Wahlgewinner</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 13:58:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Ergebnis der griechischen Parlamentswahlen vom 6. Mai kommt einem politischen Erdrutsch gleich. Vergleichbares hat es in der Parteienlandschaft eines europ&#228;ischen Staats nach 1945 nicht gegeben. Denn handelt es nicht lediglich um den „Erdrutschsieg“ einer bestimmten Partei. Abgerutscht ist vielmehr ein seit 60 Jahren (mehr oder weniger) funktionierendes politisches System, das auf der Konkurrenz und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ergebnis der griechischen Parlamentswahlen vom 6. Mai kommt einem politischen Erdrutsch gleich. Vergleichbares hat es in der Parteienlandschaft eines europ&#228;ischen Staats nach 1945 nicht gegeben. Denn handelt es nicht lediglich um den „Erdrutschsieg“ einer bestimmten Partei. Abgerutscht ist vielmehr ein seit 60 Jahren (mehr oder weniger) funktionierendes politisches System, das auf der Konkurrenz und dem Wechsel zwei gro&#223;er „Lager“ basierte, die seit 1981 durch die rechte Nea Dimokratia (ND)und die linke Pasok repr&#228;sentiert wurden. Von <strong>Niels Kadritzke</strong><br />
<span id="more-13227"></span><br />
Ein Erdrutsch planiert die alten Strukturen, baut aber nichts Neues auf. In Griechenland haben „die W&#228;hler“ (die es als bewusst entscheidendes Kollektiv nat&#252;rlich nie gibt) begonnen, die morschen Strukturen der alten Parteien abzurei&#223;en. Doch eine dominierende neue Kraft hat sich nach ihrer Strafaktion gegen die beiden alten Systemparteien (noch) nicht herausgebildet. Vor allem ist noch keine neue Gesamtstruktur, keine integrierende Willensrichtung der Gesamtgesellschaft sichtbar. </p>
<p>Klar ist nur, dass das traditionelle Klientelsystem als Wurzelgrund des alten Parteinsystems am Ende ist. Und zwar aus schlichtem Geldmangel: Wenn ein Staat bankrott ist, hat er nichts mehr zu verteilen und ganze W&#228;hlergruppen sehen keinen Grund mehr, ihre alte Partei zu unterst&#252;tzen. Das muss man im Kopf behalten, wenn man die dramatischen Wahlresultate f&#252;r die ND und die Pasok verstehen will. An dieser Stelle brauche ich auf diesen zentralen Aspekt nicht n&#228;her einzugehen; mehr dazu habe ich in der neusten Ausgabe der Le Monde diplomatique geschrieben (nachzulesen auf den <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13215">NachDenkSeiten vom letzten Freitag</a>). Hier will ich zun&#228;chst einen genaueren Blick auf die neue Parteienlandschaft werfen.</p>
<p>Was der Erdrutsch vom 6. Mai hinterlassen hat, ist zun&#228;chst eine zerkl&#252;ftete W&#228;hlerlandschaft, mit mehr Parteien als zuvor, von denen es sieben (statt zuvor f&#252;nf) ins Parlament geschafft haben. Dabei haben nicht nur die schon bestehenden, aber bislang marginalisierten Parteien gewonnen, sondern auch neu gegr&#252;ndete Abspaltungen von der Mitte, also auf Kosten der Mitterechtspartei Nea Dimokratia und der Mittelinkspartei Pasok. Dieser „Systemblock“, das Zentrum des alten Systems, ist nachgerade erodiert: Beide Parteien zusammen kamen am 6. Mai nur noch auf 32 Prozent der W&#228;hlerstimmen. Zum Vergleich: Bei den Wahlen vom Oktober 2009 waren es noch 77,4, 2007 noch 79,9, in den beiden Wahlen davor (2004 und 2000) jeweils rund 86 Prozent. </p>
<p>Die weitaus gr&#246;&#223;eren Verluste musste dabei die Pasok hinnehmen. Sie st&#252;rzte von knapp 44 Prozent (2009) auf 13, 2 ab, konnte also nur noch 30 Prozent ihres W&#228;hlerbestands halten. Die ND erzielte 18,8 Prozent, was immerhin noch 56 Prozent ihres W&#228;hlerbestands von 2009 (33,5 Prozent) entspricht. Dass die Pasok st&#228;rker gerupft wurde, erkl&#228;rt sich einesteils daraus, dass nach dem Wahlsieg von 2009 die Fallh&#246;he einfach gr&#246;&#223;er war. Wichtiger ist jedoch, dass der Wahlsieg von 2009 f&#252;r die Pasok sich auch in anderer Hinsicht als vergiftetes Geschenk erwiesen hat: Sie stand vor einem desastr&#246;sen Zustand der &#246;ffentlichen Finanzen, die ihren Wahlslogan „Geld ist da“ nachtr&#228;glich zur Farce machte – an das sie im Wahlkampf 2012 h&#246;hnisch erinnert wurde. In der Folge war die Regierung Papandreou – und danach die Regierung Papadimos unter Beteiligung der Pasok &#8211; daf&#252;r verantwortlich, den Griechen die bittere Medizin der Sparpolitik zu verabreichen. Deshalb bekam sie die Verbitterung ihres Wahlanhangs am st&#228;rksten zu sp&#252;ren. </p>
<p>Weit st&#228;rker jedenfalls als die ND, die f&#252;r das gigantische Loch, das sich ausgerechnet zu Beginn der Finanzkrise in der griechischen Staatskasse vorfand, eine viel gr&#246;&#223;ere Verantwortung tr&#228;gt als die Pasok-Regierungen davor. Ich zitiere dazu ausnahmsweise aus meinem (oben erw&#228;hnten) Le Monde diplomatique-Artikel: Es war die ND- Regierung von Kostas Karamanlis, die „das j&#228;hrliche Staatsdefizit von 2004 bis 2009 von 3,5 auf 15,4 Prozent (gemessen am BIP) in die H&#246;he getrieben und allein im Wahljahr 2009 das Haushaltsloch um weitere 10 Milliarden Euro vergr&#246;&#223;ert hat. Zum Beispiel durch Ausgaben f&#252;r 40 000 neue Stellen f&#252;r die eigene Klientel und durch die Anweisung an die Finanz&#228;mter, die betuchten Steuerpflichtigen unbehelligt zu lassen. &#220;ber diesen Skandal im Skandal h&#246;rte man von der konservativ-patriotischen ND im Wahlkampf 2012 kein Wort der Selbstkritik.“ </p>
<p>Obwohl die Verluste der ND prozentual geringer waren als die der Pasok, hat das Wahlresultat der konservativen Partei und ihrem Vorsitzenden Antonis Samaras den gr&#246;&#223;eren Schock versetzt. Der neue Pasok-Chef Venizelos und seine Umgebung waren auf das Desaster vorbereitet, noch im M&#228;rz hatte die Partei bei Umfragen deutlich unter 10 Prozent gelegen, was sie vor allem der Unbeliebtheit von Papandreou verdankte. Man hatte zwar auf einen Stimmenanteil von &#252;ber 15 Prozent gehofft, aber die erzielten 13 Prozent lagen innerhalb des Rahmens, wenn auch am unteren Rand der realistischen Bef&#252;rchtungen. Anders bei der ND, die noch in der Endphase des Wahlkampfs das Ziel beschwor, die absolute Mehrheit im Parlament zu erringen, wozu mindestens 37-38 Prozent der W&#228;hlerstimmen erforderlich gewesen w&#228;ren. Das best-case-Szenario der Parteif&#252;hrung ging (nach einem Bericht in Ta Nea vom 4. Mai) von weit &#252;ber 30 Prozent aus; als anst&#228;ndiges Ergebnis h&#228;tte man &#252;ber 25 Prozent gewertet, unter 25 Prozent dagegen als Entt&#228;uschung. Das tats&#228;chliche Resultat von unter 20 Prozent kam f&#252;r die ND-F&#252;hrung also weit unerwarteter als die 13,2 Prozent f&#252;r die Pasok.</p>
<p>Der Optimismus der ND ist etwas r&#228;tselhaft, wenn man sich die letzten ver&#246;ffentlichten Umfragen von den Wahlen vom 6. Mai ansieht (die ich  in meinem <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13066">Vorwahlbeitrag vom 2. Mai zitiert habe</a>). Nimmt man den Durchschnitt der sechs Umfragen (von verschiedenen Instituten), die vor dem 20.April gemacht wurden, kommt man f&#252;r die ND auf 20,1, f&#252;r die Pasok auf 15,7 Prozent. Da zu diesem Zeitpunkt der Anteil der unentschiedenen W&#228;hler noch bei 25 Prozent lag, haben die ND-Wahlanalytiker offenbar damit gerechnet, dass ein Gro&#223;teil der zaudernden W&#228;hler am Ende doch die konservative Systempartei w&#228;hlt. Wie das Wahlresultat zeigt, hat die ND die Abdrift ihrer Stammw&#228;hler nach rechts stark untersch&#228;tzt. Das f&#252;hrt uns zu der Frage, zu welchen Parteien die W&#228;hler der beiden Systemparteien abgewandert sind.</p>
<p>Im Fall der ND ist das leicht zu beantworten. Hauptauffangbecken unzufriedener ND-Anh&#228;nger war die erst im M&#228;rz gegr&#252;ndete Partei der „Unabh&#228;ngigen Hellenen“ (AE wie „Anexartiti Hellines“). Da diese Gruppierung in der neuen Parteienlandschaft eine Schl&#252;sselposition einnimmt, sei sie etwas ausf&#252;hrlicher dargestellt. Kopf und Gr&#252;nder der AE ist der ehemalige ND-Abgeordnete Panos Kammenos, der sich schon seit einigen Jahren bei vielen (meist patriotischen, aber auch sozialen) Themen innerhalb der ND-Fraktion als Dissident profiliert hat. Als er im November 2011 gegen die Regierung Papadimos stimmte, die von der ND mitgetragen wurde, provozierte er damit den Ausschluss aus der Fraktion. Als er dann am 13. Februar 2012 auch gegen das zweite „Rettungspaket“ der Troika (das sog. Memorandum 2) stimmte, wurde er auch aus der Partei ausgeschlossen. Daraufhin gr&#252;ndete Kammenos (mit einem Teil der 20 ND-Parlamentarier, die ebenfalls gegen das Memo 2 gestimmt hatten), die Partei der Unabh&#228;ngigen Hellenen. Mit ihrem Slogan „Wir sind Viele, wir sind unabh&#228;ngig, wir sind Griechen“ ist das populistische Profil dieser rechten „Bewegungspartei“ klar ausgedr&#252;ckt. Entsprechend patriotisch artikuliert sie ihre Opposition gegen die Sparprogramme, die sie vor allem als Diktat „der Deutschen“ und als Instrument einer neuen „Besatzungsmacht“ darstellt. </p>
<p>Extrem nationalistisch artikuliert sich Kammenos in au&#223;enpolitischen Fragen (mit feindlichen bis aggressiven T&#246;nen gegen&#252;ber der T&#252;rkei und dem n&#246;rdlichen Nachbarn, der Republik Mazedonien) und vor allem zum Thema der illegalen Immigration, bei dem er rabiat fremdenfeindliche bis rassistische T&#246;ne anschl&#228;gt. Was die Finanz- und Wirtschaftspolitik betrifft, so haben die Unabh&#228;ngigen Hellenen ein ausgepr&#228;gt neoliberales Programm, das auf drastische Steuersenkungen setzt (mit einem Spitzensatz f&#252;r Gro&#223;verdiener, der mit 25 Prozent noch niedriger liegt als von der ND gefordert). </p>
<p>Dieses patriotisch-fremdenfeindlich-neoliberale Programm der Kammenos-Partei konnte alle alten ND-W&#228;hler ansprechen, die Samaras und seine Partei f&#252;r ihre Unterst&#252;tzung der Regierung Papadimos und ihre Zustimmung zum zweiten Sparprogramm abstrafen wollten. Mit ihren Parolen gegen die „Memorandums-Politik“ hat sich die AE auf einen Schlag als fl&#228;chendeckende Rechtspartei jenseits der ND etabliert: In ganz Griechenland konnte sie etwa ein Drittel des konservativen W&#228;hlerpotentials absch&#246;pfen, und dabei sogar eine Kette von „Hochburgen“ aufbauen: In den meisten Wahlbezirken des Nordens entlang der griechischen Grenze (zu Albanien, Mazedonien, Bulgarien und der T&#252;rkei) lag die Partei um 2-5 Prozent &#252;ber ihrem nationalen Durchschnitt, was sie vor allem ihrer Parolen gegen die „Migrantenflut“ verdankt. </p>
<p>Eine weitaus geringere Rolle f&#252;r die Erkl&#228;rung der ND-Verluste spielt die Abwanderung zu der Neonazi-Partei Chysi Avghi, die ihren Wahlerfolg v.a. ehemaligen W&#228;hlern der rechtsradikalen Laos verdankt. Ganz allgemein aber schw&#228;cht die Herausbildung eines differenzierten rechten Milieus jenseits der Nea Dimokratia (mit den populistischen Parteien AE und Laos und den Faschisten) die Aussichten der konservativen Stammpartei, die gewohnte Dominanz auf der griechischen Rechten in den n&#228;chsten Wahlen zur&#252;ck zu gewinnen.</p>
<p>Die ehemaligen Pasok-W&#228;hler, die ihre alte politische Heimat verlassen haben, sind &#252;berwiegend zu einer Partei gewandert, die sich schon immer als die linke Konkurrenz zur „linken Volkspartei“ Pasok angeboten hat. Dagegen konnten die Gruppierungen von Pasok-Dissidenten – anders als die Kammenos-Truppe – von der Auszehrung ihrer alten Partei kaum profitieren (die Partei von Luka Katseli, der fr&#252;heren Wirtschaftsministerin unter Papandreou, erreichte nicht einmal ein Prozent). Die gro&#223;e Masse der entt&#228;uschten Pasok-W&#228;hler blieb entweder zu Hause oder ging mit fliegenden Fahnen zur Syriza &#252;ber. Diese „Koalition der radikalen Linken“ ist der eigentliche Wahlgewinner. Deshalb lohnt es sich, ihre Erfolge – und ihr politisches Profil – n&#228;her zu betrachten. </p>
<p>Die letzten Umfragen vor den Wahlen hatten der Syriza ein Resultat zwischen 8 und 11 Prozent (Durchschnitt: 9,3 Prozent) der abgegebenen Stimmen prophezeit. Damit lagen sie – anders als bei den Prognosen f&#252;r ND und Pasok &#8211; voll daneben. Die Linkssozialisten erreichten mit 16,8 Prozent ein Resultat, mit dem sie selbst nicht gerechnet hatten und das sie, entgegen der Prognosen, zur zweitst&#228;rksten Partei hinter der ND und vor der Pasok machte. Gegen&#252;ber ihren 4,6 Prozent bei den Wahlen von 2009 hat die Syriza damit um mehr als das Dreifache zugelegt.</p>
<p>Noch bemerkenswerter als der „Sieg &#252;ber die Pasok“ ist die Dominanz der Syriza in den st&#228;dtischen Ballungsgebieten. Sie wurde nicht nur st&#228;rkste Partei in Athen, Pir&#228;us, Attika, Zentrum von Thessaloniki, sie &#252;berholte die beiden Systemparteien auch in St&#228;dten wie Patras, Chania (Kreta) und Xanthi (Thrazien), oder auf Inseln wie Kerkyra (Korfu) und Kefallonia wie auch auf den Kykladen. Zwar blieb die ND in den meisten Provinzen noch st&#228;rkste Partei, doch auch auf dem flachen Lande zog die Syriza fast &#252;berall (bis auf Kreta) an der Pasok vorbei. </p>
<p>Der enorme W&#228;hlerzuwachs der Syriza speist sich vor allem aus zwei Quellen. Zum einen konnte sie frustrierte Pasok-W&#228;hler gewinnen, die mit der Stimme f&#252;r die „Anti-Memorandums“-Partei ihre alte Partei f&#252;r deren Sparpolitik und „Kollaboration“ mit der Troika bestrafen wollten. Zum anderen konnte sie ehemalige KKE-W&#228;hler &#252;berzeugen, die mit ihrer eigenen Parteif&#252;hrung – und deren steriler Anti-Euro-Propaganda – nicht einverstanden sind und den Syriza-Vorsitzenden Alexis Tsipras als eine Figur sehen, die &#252;berzeugender und erfolgreicher f&#252;r ein B&#252;ndnis der linken Memorandums-Kr&#228;fte eintritt. </p>
<p>Wie viele W&#228;hler die Syriza der KKE abspenstig machen konnte, ist schwer zu ermessen. Tsipras selbst h&#228;lt sich parteiintern zugute, dass er vor allem viele junge Linksw&#228;hler und sogar jugendliche Parteikommunisten f&#252;r die Koalition der Linkssozialisten gewinnen konnte. Aus seiner Sicht hat sich damit ausgezahlt, dass er im Wahlkampf beharrlich auf ein „linkes B&#252;ndnis“ mit der KKE (und der linkssozialdemokratischen DIMAR) dr&#228;ngte, das von der kommunistischen Parteif&#252;hrung ebenso beharrlich abgelehnt wurde. </p>
<p>Quantitativ wichtiger als die ehemaligen KKE-W&#228;hler, waren f&#252;r den Erfolg der Syriza gleichwohl die entt&#228;uschten Pasok-Anh&#228;nger, die nicht aus dem proletarischen Milieu stammen (wie die traditionellen KKE-Anh&#228;nger) sondern eher aus der vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschicht. In vielen Wahlanalysen griechischer Medien wurde deshalb hervorgehoben, dass die Syriza es geschafft hat, die Bewegung der „Emp&#246;rten“ zu beerben, die im letzten Fr&#252;hjahr in den griechischen Gro&#223;st&#228;dten auf die Stra&#223;e gegangen war, sich aber innerhalb weniger Wochen wieder verlaufen hatte. Diese Emp&#246;rten sind damit aber keineswegs verschwunden, wie das Wahlergebnis gezeigt hat. Ein unerwartet gro&#223;er Teil ihrer Stimmen gingen an die Syriza (ein kleinerer Teil an den Rechtspopulisten Kammenos und an die linkssozialdemokratische DIMAR).</p>
<p>Diese W&#228;hlerbewegungen erkl&#228;ren noch nicht die Differenz zwischen den Prognosen f&#252;r die Syriza und ihrem tats&#228;chlichen Erfolg vom 6. Mai. Die Wahlforscher werden hier noch einiges zutage f&#246;rdern. Als sicher kann aber jetzt schon gelten, dass Tsipras und seine Partei in den letzten zwei Wochen vor dem Urnengang mindestens zwei effektive „Wahlhelfer“ gewonnen haben. Der eine hei&#223;t Francois Hollande. Der Sieg des Sozialisten im ersten Wahlgang um das franz&#246;sische Pr&#228;sidentenamt verlieh der Kampagne der Syriza einen fast physisch sp&#252;rbaren „zweiten Atem“. Die Kritik von Hollande an dem auf Sparen reduzierten Krisenkonzept made in Berlin und die Aussicht auf ein Ende der &#196;ra Merkozy waren seit dem 23. April ein hei&#223; diskutiertes Thema, das den griechischen Wahlkampf unmittelbar beeinflusst hat – und besonders diejenigen W&#228;hler, die noch zwischen der Pasok und der Syriza schwankten. Denn auf einmal klang die zentrale Forderung von Tsipras, die „Memorandum-Politik“ einseitig aufzuk&#252;ndigen, nicht mehr v&#246;llig utopisch. Unter ver&#228;nderten realpolitischen Bedingungen, die sich in Frankreich abzeichneten, schien es immerhin m&#246;glich, das „barbarische“ (so Tsipras) und kontraproduktive Sparprogramm der Troika neu zu verhandeln. </p>
<p>Der Faktor Hollande d&#252;rfte der Syriza in der letzten Wahlkampfphase zwei bis drei Prozent gebracht haben. Ein zweiter Wahlhelfer hat wohl nicht ganz so viel, aber immer noch erheblich zum Wahlerfolg der Linkssozialisten beigetragen. Er hei&#223;t Wolfgang Sch&#228;uble, dessen &#196;u&#223;erungen vom 4. Mai in den griechischen Medien breit dokumentiert und kommentiert wurden. Zwei Tage vor den Wahlen erkl&#228;rte Sch&#228;uble in K&#246;ln an die Adresse der Griechen, wenn sie „bei der Wahl am Sonntag eine Mehrheit w&#228;hlen sollten, die nicht zu den Vereinbarungen steht, werde Griechenland die Folgen zu tragen haben“. Er warnte dabei explizit vor der Wahl von „radikalen Parteien“, die die griechischen Verpflichtungen nicht akzeptieren wollten (zitiert nach <a href="http://206.132.6.112/article/worldNews/idDEBEE84308220120504">Reuters-Meldung</a>)</p>
<p>Die &#196;u&#223;erung Sch&#228;ubles ging weit &#252;ber eine Kommentierung der griechischen Situation aus deutscher Sicht hinaus, die zwei Tage vor den Wahlen ohnehin ein Tabu sein m&#252;sste. In dieser unverh&#252;llten Form konnte sie von den griechischen W&#228;hlern nur als illegitime Einmischung eines ausl&#228;ndischen Politikers empfunden werden. Als solche erlangte sie breite Publizit&#228;t in den Fernseh-Nachrichten. Bei vielen Sendern wurde sie am Samstag vor den Wahlen (an dem sich kein griechischer Politiker mehr &#246;ffentlich &#228;u&#223;ern darf) zum ersten Thema und zum Gegenstand bei&#223;ender Kritik. </p>
<p>Konnten, sollten, mussten Sch&#228;uble und seine Berater diesen Effekt nicht bedenken? Man muss kein Schelm sein, um bei dieser Frage auf b&#246;se Gedanken zu kommen. Ein intelligenter Stratege wie der deutsche Finanzminister wei&#223; zweifellos zu kalkulieren, was er wann zu den griechischen W&#228;hlern sagen muss, um deren Emp&#246;rung &#252;ber „die Deutschen“ und „das Diktat der Troika“ weiter anzuheizen. Da sich Sch&#228;uble gerade in den letzten Wochen als gr&#246;&#223;ter Zweifler an der griechischen „Euro-W&#252;rdigkeit“ profiliert hat, dr&#228;ngt sich der Eindruck auf, dass er ganz bewusst eine W&#228;hlerstimmung verst&#228;rken wollte, die nach seinem Kalk&#252;l den Austritt Griechenlands aus der Eurozone wahrscheinlicher macht. </p>
<p>Wie kann die Syriza das W&#228;hlervotum umsetzen, dass sie zum Schl&#252;sselfaktor bei der Bildung einer griechischen Regierung gemacht hat? An dieser Stelle ist an das Dilemma zu erinnern, vor dem nicht nur der Wahlsieger Syriza steht, sondern die gesamte politische Klasse und vor allem die griechische Gesellschaft (siehe dazu meinen <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=12355">Beitrag vom 27. Februar</a>).</p>
<p>Das Sparprogramm ist zu hart und hat die griechische Wirtschaft vollends abgew&#252;rgt. Dieses kontraproduktive Programm muss revidiert im Sinne von: gemildert und/oder gestreckt werden und ist unbedingt durch ein Wachstumsprogramm zu erg&#228;nzen (Stichwort: Marshallplan). Allerdings braucht man f&#252;r eine Revision des Memorandums-Politik mittels Verhandlungen bereitwillige Verhandlungspartner auf Seiten der Troika und v.a. der EU. Diese Partner sind derzeit noch nicht sichtbar bzw. nicht stark genug. Andererseits droht bei einseitiger Aufk&#252;ndigung des Memorandums durch Griechenland der Ausfall der zugesagten Kreditlinien aus dem ESFS-Fonds, damit aber in letzter Konsequenz (oder sogar noch diesen Sommer) ein unkontrollierter Staatsbankrott und das zwangsl&#228;ufige Ausscheiden aus der Eurozone.</p>
<p>Dieses unaufl&#246;sbar scheinende Dilemma ist auch in der &#246;ffentlichen Meinung des Landes abgebildet. </p>
<ul>
<li>Einerseits haben die Wahlen  gezeigt, dass mindestens 70 Prozent der W&#228;hler gegen die Sparpolitik gestimmt haben (wobei unterstellt ist, dass ein Teil der 35 Prozent Nichtw&#228;hler das Memorandum ebenfalls missbilligen);</li>
<li>Andererseits zeigt die erste Meinungsumfrage nach den Wahlen (dokumentiert in To Vima vom 13. Mai), dass 78 Prozent der Griechen eine Regierung will, die „alles tut, um im Euro zu bleiben“. Nach dieser Umfrage sind nur 13 Prozent f&#252;r eine R&#252;ckkehr zur Drachme, das sind weniger als je zuvor.</li>
</ul>
<p>Wenn es also &#252;berhaupt einen „griechischen Gesamtw&#228;hlerwillen“ gibt, so w&#252;nscht der eine Regierung, die unbedingt am Euro festh&#228;lt, zugleich aber das Memorandum abschafft. Eine solche Regierung wird es nicht geben. Sie ist weder nach dem Wahlresultat m&#246;glich, noch entspricht sie der aktuellen Realit&#228;t jenseits von Griechenland (was nat&#252;rlich noch gravierender ist). </p>
<p>Der  Kommentator Nick Malkoutzis hat das Dilemma, das die Wahlen best&#228;tigt und aufgezeigt haben, plastisch beschrieben (Kathimerini vom 9. Mai): </p>
<blockquote><p>“Griechenland versucht einen Multiple-Choice-Test zu bestehen, bei dem die Antworten in allen K&#228;stchen falsch sind.“ Das Ergebnis der Wahlen sei derart fragmentiert, dass kein W&#228;hler damit gl&#252;cklich sein kann: „Wie immer er die Zahlen addiert, er bekommt nie das Ergebnis, das er sich gew&#252;nscht hat.“</p></blockquote>
<p>Konkret: Da es eine parlamentarische Mehrheit weder f&#252;r eine linke Koalition der Memorandums-Gegner und Euro-Freunde (Syriza, DIMAR) noch f&#252;r eine Koalition der euro-freundlichen Memorandums-Parteien gibt (ND, Pasok), wird es eine Mehrheitsregierung nur geben, wenn eine oder beide euro-freundlichen Anti-Memorandum-Parteien sich auf einen „historischen Kompromiss“ mit den im Wahlkampf besiegten Gegnern ND und Pasok einlassen. </p>
<p>Danach sieht es am heutigen Tag nicht aus. Zwar hat die DIMAR in den Verhandlungen mit Pr&#228;sident Papoulias eine gewisse Flexibilit&#228;t angedeutet. Aber sie will sich dem Vorwurf eines „Verrats“ ihrer W&#228;hler nicht aussetzen, wenn nicht auch die Syriza mitmacht. Die aber scheint nicht bereit, eine Regierung der „nationalen Rettung“ zu erm&#246;glichen, die ihr Vorsitzender Tsipras bereits mit der Begr&#252;ndung abgelehnt, eine solche Regierung sei keine „Koalition“, sondern eine Aufforderung zur „Komplizenschaft“. Als Hauptgrund f&#252;r die Haltung der Syriza nennen die Athener Medien heute die Entschlossenheit der Parteif&#252;hrung, Neuwahlen anzustreben, in der sie zur st&#228;rksten Partei werden k&#246;nnte. </p>
<p>Eine endg&#252;ltige Entscheidung &#252;ber Neuwahlen ist aber noch nicht gefallen. Sie wird nach einem letzten Gespr&#228;ch erwartet, zu dem Staatspr&#228;sident Papoulias die vier Parteien seiner Wunschkoalition (ND, Pasok, DIMAR, Syriza) eingeladen hat. Deshalb werde ich meine Analyse erst morgen fortsetzen und abrunden k&#246;nnen.</p>
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		<title>Im Westen nicht viel Neues</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 07:12:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wahlen, Koalitionen & Parteien]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen ist nicht &#252;berraschend, gemessen an den Umfragen vor der Wahl &#252;berrascht nur der Absturz der CDU. Die Wahl in NRW war vor allem eine Pers&#246;nlichkeitswahl, Inhalte der Politik spielten im Wahlkampf eher eine nachgeordnete Rolle. Das erkl&#228;rt am ehesten den Anstieg der SPD mit einem Plus von 4,7% auf &#252;ber 39 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen ist nicht &#252;berraschend, gemessen an den <a href="http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/nrw.htm">Umfragen vor der Wahl</a> &#252;berrascht nur der Absturz der CDU. Die Wahl in NRW war vor allem eine Pers&#246;nlichkeitswahl, Inhalte der Politik spielten im Wahlkampf eher eine nachgeordnete Rolle. Das erkl&#228;rt am ehesten den Anstieg der SPD mit einem Plus von 4,7%  auf &#252;ber 39 Prozent der Stimmenanteile und das historisch schlechteste Ergebnis f&#252;r die CDU mit einem Minus von 8,3% auf 26,2 Prozent. Das macht auch den Wiedereinzug der FDP mit einem leichten Plus von 1,9%   auf 8,6% plausibel. Die Partei DIE LINKE konnte mit einem Verlust von 3,1 Prozentpunkten und nur noch 3,1% – zumal ihr Spitzenkandidat Wolfgang Zimmermann schwer erkrankt ist – mit Katharina Schwabedissen, obwohl sie im Wahlkampf sympathisch her&#252;ber kam, da nichts entgegensetzen. Und die Piratenpartei zehrte mit 7,8% zum vierten Mal in einer Landtagswahl hintereinander, von der Unzufriedenheit mit den anderen Parteien (88% der Befragten sind dieser Meinung). Von <strong>Wolfgang Lieb</strong><br />
<span id="more-13222"></span><br />
Hannelore Kraft lag in den Popularit&#228;tswerten (59%) haushoch vor Norbert R&#246;ttgen (29%). 75% meinten, Kraft mache ihre Sache gut, sie galt mit weitem Abstand als glaubw&#252;rdiger, b&#252;rgern&#228;her und sympathischer und ihr trauten die Menschen mehr  zu als ihrem Herausforderer. Kraft lag in der Bewertung vor ihrer Partei und R&#246;ttgen noch unter seiner CDU. Kraft hat sich in ihrem Wahlkampf an die schon beim ehemaligen und langj&#228;hrigen Ministerpr&#228;sidenten Johannes Rau erfolgreiche Strategie, den „Menschen in den Mittelpunkt“ zu stellen, angelehnt und sich als eine volksnahe „K&#252;mmererin“ pr&#228;sentiert.<br />
Die bisherige Situation einer Minderheitenregierung hat der NRW-SPD in der letzten Zeit Fl&#252;gelk&#228;mpfe erspart, so dass die Partei den Eindruck der Geschlossenheit bieten konnte.</p>
<p>Am deutlichsten war der Unterschied im Ansehen von Person und Partei bei der FDP, Linder erreichte positive Werte, w&#228;hrend die FDP deutlich im Minus lag. Lindner hat neben einer geradezu <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13188">kampagnenartigen medialen Werbung </a>dar&#252;ber hinaus im schwarz-gelben Lager vom schlechten Image des CDU Kandidaten profitiert. R&#246;ttgen galt beim harten (energie- und industriefreundlichen) Kern seiner Partei mit seiner Umweltpolitik (trotz all seiner Zaghaftigkeit) als ein unsicherer Kantonist, angeblich wanderten 13% ehemaliger CDU-W&#228;hler zur FDP ab. Die NRW-CDU unterl&#228;ge jedoch einer Selbstt&#228;uschung, wenn sie ihr schlechtes Abschneiden ausschlie&#223;lich auf R&#246;ttgen als S&#252;ndenbock abschieben w&#252;rde. Der Landesverband hat sich von der Wahlniederlage von J&#252;rgen R&#252;ttgers vor zwei Jahren – wo sie ja auch schon um &#252;ber 10 Prozentpunkte abgest&#252;rzt war &#8211; noch l&#228;ngst nicht erholt und ist in sich nach wie vor v&#246;llig zerstritten. </p>
<p>Obwohl stellvertretende Ministerpr&#228;sidentin und bei denjenigen, bei denen sie bekannt war durchaus popul&#228;r, konnte die bodenst&#228;ndige Sylvia L&#246;hrmann die Gr&#252;nen nicht weiter nach oben ziehen. Das lag einerseits an der gr&#246;&#223;eren Strahlkraft von Hannelore Kraft in der Minderheitenregierung und andererseits daran, dass die Gr&#252;nen vor allem bei den j&#252;ngeren W&#228;hlern wohl Stimmen an die Piratenpartei abgeben musste. Man muss allerdings ber&#252;cksichtigen, dass die Gr&#252;nen bei der letzten Wahl ein ausgesprochen gutes Ergebnis erzielt hatten, so dass es durchaus ein Erfolg ist, dass sie dieses Niveau halten konnten. </p>
<p>Dass in diesem Wahlkampf nicht die Themen gez&#252;ndet haben, erkl&#228;rt wohl auch die nochmals um einen Prozentpunkt auf 58,3% gesunkene Wahlbeteiligung – und das obwohl in der letzten Wahlkampfwoche die Stimmung mit permanenten Meldungen &#252;ber ein Kopf-an-Kopf-Rennen angeheizt worden ist. Angesichts dieser geringen Wahlbeteiligung sollte eigentlich der Jubel der Wahlgewinner deutlich ged&#228;mpfter ausfallen. </p>
<p>R&#246;ttgen und Lindner haben nahezu ausschlie&#223;lich auf das Schuldenthema gesetzt. Da sich aber beide eher blamierten, wenn sie danach gefragt wurden, an welcher Stelle sie denn konkret sparen w&#252;rde, blieben sie bei diesem Thema ziemlich unglaubw&#252;rdig. Wenn man &#252;berhaupt ein politisches Signal aus dem Wahlergebnis ziehen m&#246;chte, dann das, dass die Menschen eine eindimensionale Sparpolitik nicht f&#252;r zukunftstr&#228;chtig betrachten. Kraft konnte dabei mit ihrer „vorbeugenden Politik“, die auch auf Investitionen in die Zukunft setzt, also vor allem staatliche Mittel in Kinder und in Bildung und in die Unterst&#252;tzung der Kommunen lenken will, sogar eher punkten. </p>
<p>Mitentscheidend f&#252;r die Gewinne der SPD war sicherlich auch, dass sich Hannelore Kraft, anders als der saarl&#228;ndische SPD-Chef Maas im Saarland, deutlich gegen eine Gro&#223;e Koalition mit der CDU ausgesprochen hatte. </p>
<p>Die SPD kann zwar in der „Herzkammer der Sozialdemokratie“ bei weitem noch nicht, an die Erfolge der 80er und 90er Jahre ankn&#252;pfen, dazu haben zu viele Protestw&#228;hler ihren Denkzettel gegen die etablierten Parteien bei den Piraten abgeliefert, doch immerhin hat Rot-Gr&#252;n bewiesen, dass das selbsternannte b&#252;rgerliche Lager zu schlagen ist. Trotz des vor kurzer Zeit kaum noch f&#252;r denkbar gehaltenen Wiedereinzugs der FDP in den D&#252;sseldorfer Landtag und trotz ihrer leichter Zugewinne, hat Schwarz-Gelb zusammen zum elften Mal hintereinander Stimmeneinbu&#223;en hinnehmen m&#252;ssen und die CDU hat bis auf die Gro&#223;en Koalitionen im Saarland und in Th&#252;ringen nacheinander s&#228;mtliche Regierungschefs verloren. Bei einem weitaus geringeren Stimmenverlust f&#252;r die SPD in NRW hat Gerhard Schr&#246;der im Jahr 2005 die Nerven verloren und Neuwahlen erzwungen. Auf ein solches Hazardspiel wird sich Angela Merkel sicherlich nicht einlassen. Aber, obwohl die FDP in ihrem &#220;berlebenskampf die letzten Kr&#228;fte zur Eigenprofilierung mobilisiert, obwohl ihr die CSU mit einer Absage an eine Koalitionsrunde die Pistole an die Brust setzt und obwohl ihrer Sparpolitik inzwischen in ganz Europa eine Abfuhr erteilt wird, kann sich Merkel nach wie vor hoher Zustimmungswerte erfreuen und die CDU steht im Bund immer noch besser da, als in den L&#228;ndern. Nach gegenw&#228;rtiger Lage ist jedoch Schwarz-Gelb auch bundesweit eine Regierungsmehrheit im Berliner Reichstag abhandengekommen und im Bundesrat ist eine Mehrheit ohnehin weg. Um Angela Merkel wird es in der CDU immer einsamer. Nach der Wahlklatsche (sogar in seinem eigenen Wahlkreis) und nach der Ank&#252;ndigung des R&#252;cktritts vom Landesvorsitz von Norbert R&#246;ttgen ist nun auch noch mit „Muttis Kl&#252;gsten“ ein weiterer „Kronprinz“ abgest&#252;rzt. Merkel sieht sich wohl sogar einer Diskussion ausgesetzt, ob R&#246;ttgen als Umweltminister zu halten sein wird. </p>
<p>Es geh&#246;rt zu den &#252;blichen Ritualen, dass Sigmar Gabriel und Andrea Nahles aus dem Ergebnis in NRW Honig f&#252;r eine rot-gr&#252;ne Mehrheit im Jahre 2013 zu saugen versuchten.<br />
Dabei sollte die Bundes-SPD aber keiner Selbstt&#228;uschung unterliegen. Sie ist in allen bundesweiten Umfragen nicht im Aufwind und liegt deutlich unter 30 Prozent. Hannelore Kraft hat es bis auf die Debatte um das Betreuungsgeld klugerweise v&#246;llig vermieden bundespolitische Themen anzusprechen. Damit konnte sie sich das Image verschaffen, dass sie an die Wurzeln der Sozialdemokratie zur&#252;ckkehren wolle, 84% meinen das. Gleichzeitig sind allerdings 60% der Meinung, dass die SPD sozialdemokratische Prinzipien aufgegeben habe und 52% meinen, dass man gar nicht wisse, welche Politik die Partei im Bund vertrete. Und Andrea Nahles best&#228;tigte gestern Abend in der sog. Generalsekret&#228;rsrunde diesen Wackelkurs der Bundes-SPD beim Fiskalpakt. Allein „Geschlossenheit“, wie sie Gabriel forderte, wird der Bundes-SPD kein Profil geben k&#246;nnen, mit dem sie erfolgreich gegen Merkel antreten und gegen den Verdacht ank&#228;mpfen k&#246;nnte, dass es der SPD nur um die Beteiligung in einer Gro&#223;en Koalition als Juniorpartner gehe.  </p>
<p>Ob die FDP auch im Bund wieder auf die Beine kommen wird, ist eine offene Frage. Lindners Abschneiden mit einem der besten Ergebnisse, das die FDP jemals in NRW erzielt hat, wird schon jetzt als sein gr&#246;&#223;ter Triumph gehandelt. Es zeigt, was Propaganda bewirken kann. Wer Ohren hatte zu h&#246;ren, der konnte jedoch sehr gut erkennen, dass Lindner gestern Abend vor allen Mikrofonen immer nur von einen gro&#223;en Ergebnis f&#252;r die „FDP in NRW“ oder von der „NRW-FDP“ sprach. Er vertritt eben „seine“ FDP. Er habe den „Vertrauensverlust“ f&#252;r die FDP gesp&#252;rt bzw. die FDP m&#252;sse wieder „ankn&#252;pfen“ an ihre guten Traditionen. Da konnten die R&#246;slers, die Br&#252;derles oder die D&#246;rings in Berlin noch so sehr einen gro&#223;artigen Abend f&#252;r die FDP insgesamt verk&#252;nden, Lindner und der Schleswig-Holsteiner Wolfgang Kubicki legen die Axt an ihre F&#252;hrungsspitze in Berlin – und es ist nicht unwahrscheinlich, dass Lindner in einem Jahr nicht noch einmal als Zugpferd eingesetzt werden wird. Schon am Wahlabend tischte er noch einmal die L&#252;ge auf, dass die FDP die Neuwahl in NRW aus „Prinzipienfestigkeit“ und als „Ausdruck von Tugend und Charakter“ herbeigef&#252;hrt habe. Er konnte also schon wieder seine Show abziehen. Ob Lindner, sollte er an Einfluss in der FDP gewinnen, an der Treue zur CDU festh&#228;lt oder ob er sich f&#252;r eine Ampel bereith&#228;lt, ist angesichts seines Opportunismus eine offene Frage. Andererseits wei&#223; er, dass er von den sog. „Selbst&#228;ndigen“ mit 18% die meiste Zustimmung erfahren hat. Er wird also die Rolle der FDP als Klientelpartei nicht aufgeben k&#246;nnen. </p>
<p>Auch f&#252;r die weitere Zukunft der Linkspartei vor allem im Westen bedeutet das erneute Scheitern an der F&#252;nf-Prozent-Grenze eine herbe Niederlage. In einem inhaltlich weitgehend unpolitischen und auf die Personen zugespitzten Wahlkampf konnte sie mit ihren sozialen Themen kein Geh&#246;r finden. Ihre Hilfestellungen f&#252;r die Minderheitenregierungen gingen unter. Das Protestpotential unter den W&#228;hlerinnen und W&#228;hlern landete weitgehend bei der Piratenpartei. Nach dem Wagnis einer Minderheitenregierung konnten selbst CDU und FDP nicht mehr das Schreckbild einer rot-rot-gr&#252;nen Regierung an die Wand malen und damit die Linkspartei im Gespr&#228;ch halten. Die SPD und die Gr&#252;nen haben die Linke einfach nur ignoriert. In der &#246;ffentlichen (medialen) Debatte war von der Linkspartei keine Rede mehr. Immer mehr Menschen, denen es schlecht geht, gehen wohl &#252;berhaupt nicht mehr w&#228;hlen (siehe die schlechte Wahlbeteiligung). Sahra Wagenknecht, die in D&#252;sseldorf ihren Wahlkreis hat, und Caren Ley, die Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrerin ihrer Partei, haben einmal mehr die Streitereien um die F&#252;hrung f&#252;r das schlechte Abschneiden mit verantwortlich gemacht.<br />
Will die Partei zumindest im Westen wieder Fu&#223; fassen, sollte sie mindestens die F&#252;hrungsdebatte und die Fl&#252;gelk&#228;mpfe beenden, wenn sie ihre Rolle als Bezugspol f&#252;r eine alternative linke Politik behalten m&#246;chte. Erst dann wird DIE LINKE wieder eine Anlaufstelle f&#252;r ein durchaus vorhandenes W&#228;hlerpotential und erst dann wird sie auch wieder Protestw&#228;hler binden, die in der Piratenpartei Zuflucht gesucht haben. </p>
<p>Der Wunschtraum der Piraten, n&#228;mlich dass es erneut zu einer Minderheitenregierung k&#228;me, bei der sie dann Z&#252;nglein an der Waage spielen h&#228;tten k&#246;nnen, ist nicht in Erf&#252;llung gegangen. Sie m&#252;ssen nun nach Worten ihres Spitzenkandidaten Joachim Paul rasch lernen und man wird dann sehen k&#246;nnen, was sie lernen. </p>
<p>Die wirklichen Probleme f&#252;r eine erneute rot-gr&#252;ne Regierung werden sich nun, da SPD und Gr&#252;ne eine klare Mehrheit haben erst richtig stellen. Konnten Kraft und L&#246;hrmann bislang viele wichtige Entscheidungen mit dem Verweis auf fehlende parlamentarische Mehrheiten vor sich her schieben, m&#252;ssen sie nun Farbe bekennen. Und da gibt es zwischen diesen Regierungsparteien etwa in der Energie- und Wirtschaftspolitik viel Konfliktpotential. </p>
<p><em>(Anmerkung: Die Umfrageergebnisse und die Statistiken habe ich tagesschau.de und heute.de entnommen.)</em></p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 07:01:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (KR/JB) Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert: Wahlen in NRW Bankenschwindel: Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (KR/JB)<br />
<span id="more-13217"></span><br />
Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h01">Wahlen in NRW</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h02">Bankenschwindel: Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h03">Milliardenverlust bei JPMorgan Chase: &#8220;Menschliches Versagen in unreguliertem System&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h04">Die Kosten des Sparens</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h05">Paul Krugman: Jetzt nicht kleckern &#8230;</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h06">SPD-Linke dringt auf h&#228;rteren Kurs im Streit um Fiskalpakt</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h07">Das K&#246;lner Spiel ist aus</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h08">Rentenbeitr&#228;ge sollen st&#228;rker sinken als gedacht</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h09">Merkel wirbt f&#252;r Rente mit 67</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h10">Nachtrag zu den Hinweisen des Tages 2 vom 11.05.2012</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h11">Wir versprechen, nicht zu lange zu l&#246;ffeln</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h12">Ethikrat: Helfen Gentests im Kampf gegen Volkskrankheiten?</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h13">Pentagon kippt anti-muslimische Lehrstunde</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h14">Entwicklung der politisch motivierten Kriminalit&#228;t im Jahr 2011</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h15">Guter Journalismus in schlechtem Umfeld</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217#h16">Handbuch der Euro-Rettung</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13217&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Wahlen in NRW</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Norbert R&#246;ttgen, Kanzlerkandidat in spe a. D.</strong><br />
Rot-Gr&#252;n gl&#228;nzt wieder und die CDU verliert ihren Glanz: Bundespolitisch ist der Absturz der Christdemokraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen noch bedeutsamer als der rot-gr&#252;ne Sieg. Wieder hat sich ein m&#246;glicher Nachfolger Merkels selbst aus dem Weg ger&#228;umt. Doch R&#246;ttgens Niederlage in D&#252;sseldorf ist auch f&#252;r die Kanzlerin gef&#228;hrlich.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/landtagswahl-in-nrw-norbert-roettgen-kanzlerkandidat-in-spe-ad-1.1356502">S&#252;ddeutsche Zeitung</a></li>
<li><strong>Lafontaine will an die Spitze der Linkspartei zur&#252;ck</strong><br />
Ex-Parteichef Oskar Lafontaine hat das wochenlange R&#228;tselraten um seine Person beendet und sich bereit erkl&#228;rt, wieder an die Spitze der Linkspartei zu r&#252;cken. Dies erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus Parteikreisen. Allerdings will Lafontaine offenbar nicht in jedem Fall zur Wahl antreten, sondern kn&#252;pft seine Bereitschaft an Bedingungen. Welche, ist noch nicht bekannt.<br />
Quelle: <a href="http://tagesschau.de/inland/lafontaine340.html">Tagesschau.de</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Bankenschwindel: Wie aus der Finanz- eine Schuldenkrise gemacht wurde</strong><br />
Es ist der wohl gr&#246;&#223;te PR-Coup der Geschichte: Die Banken haben sich aus der Schusslinie genommen, indem sie aus der Finanz- eine Staatsschuldenkrise machten. Die Politik zieht daraus die falschen Schl&#252;sse. Jetzt aber wird die Kritik an Merkels Spardiktat immer lauter.<br />
Quelle: <a href="http://www.cicero.de//kapital/Finanzkrise-staatschuldenkrise-merkels-kostspieliger-irrtum/49258">Cicero</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Milliardenverlust bei JPMorgan Chase: &#8220;Menschliches Versagen in unreguliertem System&#8221;</strong><br />
Schock an den Finanzm&#228;rkten: JPMorgan – die gr&#246;&#223;te Bank der USA – hat binnen weniger Wochen zwei Milliarden Dollar verzockt. M&#246;glicherweise ein Fall von Hybris, meint der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Hellmeyer, gegen&#252;ber tagesschau.de &#8211; auf jeden Fall aber ein Systemversagen.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/usbank102.html">Tagesschau</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung KR:</strong> Interessant ist auch dieser Abschnitt:</em></p>
<blockquote><p>„Es gibt aber auch Banken, die die volkswirtschaftlichen Funktionen unserer Branche vorleben. Diese Institute haben in der Krise antizyklisch ihre Kreditportfolien erh&#246;ht und damit der Stabilisierung der Wirtschaft gedient. Dazu geh&#246;ren Finanzinstitute, deren Kreditvergabe mehr als 40 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Sparkassen und Volksbanken waren in Deutschland Musterknaben.<br />
Genau diese Institute sollen &#252;brigens jetzt durch Basel III in ihrer klassischen Kreditvergabe, die gar nicht Ausgangspunkt der Krise war, eingeschr&#228;nkt werden. Biesweilen frage ich mich, was die Regulierer bezwecken oder ob sie willf&#228;hrig Lobbyisten folgen. Soll noch mehr deutscher Mittelstand an den Finanzmarkt gedr&#228;ngt werden mit der Folge der St&#228;rkung der Investmentbanken und erh&#246;hter systemischer Risiken?“</p></blockquote>
</li>
<li><a name="h04"></a><strong>Die Kosten des Sparens</strong><br />
Frau Merkel kam nicht nach Cerea: Im Zentrum der italienischen M&#246;belproduktion sieht man, wie Sparsamkeit in der Globalisierung eine ganze Region ruiniert. &#8230;<br />
Zu gerne w&#252;rde man die Politiker fragen, was denn diese Region, gebaut auf Reis und M&#246;beln, tun soll, um wieder zu wachsen. Man w&#252;rde gerne wissen, wie diese Medizin hier wirken soll, und was all die Polsterer und Schreiner, die Vorhangn&#228;her und Schnitzer denn sonst machen sollen. Es leben rund 100.000 Menschen in dieser Region, es ist eine Kernregion Europas, die in jedem Business Plan der Krisenbew&#228;ltigung auf der Habenseite steht, weil es dort noch so viele Mittelst&#228;ndler gibt, auf die man meint bauen zu k&#246;nnen. Wer die Probleme von Cerea l&#246;sen kann, sollte es auch in Europa k&#246;nnen. Nur sieht es hier nicht so aus, als w&#228;re jemand dazu in der Lage. Cerea l&#228;sst die Rolll&#228;den runter, und macht sie nicht mehr auf.<br />
Quelle: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2012/05/13/die-kosten-des-sparens.aspx">FAZ-Blog St&#252;tzen der Gesellschaft</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung KR:</strong> Die Fotos machen die Krise, die so viele Deutsche nicht wahrhaben wollen, anschaulich. Den gleichen Eindruck hatte ich &#252;brigens Ende April von der Umgebung des Gardasees gehabt: Offensichtlich bis vor kurzem einige Prosperit&#228;t, heute jedoch viel Leerstand und geschlossene Betriebe.</em></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Paul Krugman: Jetzt nicht kleckern &#8230;</strong><br />
&#8230; sondern klotzen. Der Aufschwung, nicht der Abschwung, ist der richtige Zeitpunkt f&#252;r Sparma&#223;nahmen. Regierungen Europas, gebt das Geld aus und rettet den Euro!  Als allererstes muss Europa den Panikattacken Einhalt gebieten. Die Eurozone muss die ausreichende Liquidit&#228;t der Eurostaaten gew&#228;hrleisten und sicherstellen, dass diesen das Geld nicht ausgeht, nur weil der Markt in Panik verf&#228;llt. Es w&#228;re eine Garantie, wie sie Staaten abgeben, die Geld in ihrer eigenen W&#228;hrung aufnehmen. Die einfachste L&#246;sung best&#252;nde darin, dass die Europ&#228;ische Zentralbank Staatsanleihen der Eurostaaten aufkaufen w&#252;rde. Zweitens ben&#246;tigen die Staaten mit unhaltbaren Au&#223;enhandelsdefiziten einen gangbaren Weg, um wieder wettbewerbsf&#228;hig zu werden. Kurzfristig m&#252;ssen L&#228;nder mit einem gro&#223;en Au&#223;enhandels&#252;berschuss eine starke Nachfrage nach G&#252;tern aus dem europ&#228;ischen Ausland entwickeln. Au&#223;erdem brauchen diese L&#228;nder mittelfristig eine moderate Inflation von drei bis vier Prozent, um L&#228;ndern mit einem gro&#223;en Au&#223;enhandelsdefizit keine kostspielige Deflation aufzub&#252;rden. Es ist also eine expansive Geldpolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank n&#246;tig sowie ein Konjunkturprogramm f&#252;r Deutschland und einige kleinere L&#228;nder.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article106294752/Jetzt-nicht-kleckern.html">Welt Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Bemerkenswert ist, dass neben Paul Krugman z.B. auch ein bekennender Neoliberaler wie James Bradford DeLong von den europ&#228;ischen Kernl&#228;ndern eine expansive Fiskalpolitik <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=12845">fordert</a>. Unter den heutigen Bedingungen k&#246;nne man davon &#8220;langfristig&#8221; davon ausgehen, dass die Lockerung der Fiskalpolitik &#8220;h&#246;chstwahrscheinlich nicht nur die zus&#228;tzlichen Schulden zahlen, die man f&#252;r diese Ausgabenerh&#246;hung braucht, sondern bei ausgeglichenem Haushalt noch zus&#228;tzliche k&#252;nftige Steuersenkungen erm&#246;glichen.” Seltsam, dass z.T. dieselben Politiker, die zus&#228;tzliche Finanzierung des Kurzarbeitergeldes &#252;ber den Bundeshaushalt als segensreich bewerteten, dies bei einer Lockerung der Fiskalpolitik zum Segen Europas nicht sehen k&#246;nnen/wollen. Aber beim Thema Schuldenmachen kommt es wohl bei vielen zu einem automatischen mit einer Denkblokade einhergehenden Abwehrreflex, sehr sch&#246;n bei Henning Krumrey (WirtschaftsWoche) im letzten Presseclub zu beobachten. Bezeichnend und traurig ist, dass selbst Paul Krugman sich gen&#246;tigt f&#252;hlt, darauf hinzuweisen: &#8220;Wenn Sie demn&#228;chst in Texten von Joseph Stiglitz, Christina Romer oder mir lesen, dass Sparma&#223;nahmen eine Wirtschaftskrise weiter verschlimmern, w&#228;hrend eine vor&#252;bergehende Anhebung der Staatsausgaben die Konjunktur beleben, dann hoffe ich vor allem, dass Sie dies nicht nur f&#252;r eine subjektive Meinung halten. Wie Christina Romer unl&#228;ngst in einem Vortrag zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Haushaltspolitik ausf&#252;hrte: &#8220;Es gibt mehr Beweise denn je, dass die Haushaltspolitik eine entscheidende Rolle spielt und dass Konjunkturprogramme zur Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen beitragen, w&#228;hrend Sparma&#223;nahmen das Wachstum zumindest kurzfristig beeintr&#228;chtigen. Aber diese Beweise scheinen noch nicht zu den Gesetzgebern vorgedrungen zu sein.&#8221; Die IWF-Studie, welche Krugman im Auszug seines Buches &#8220;Vergesst die Krise! Warum wir jetzt Geld ausgeben m&#252;ssen&#8221; erw&#228;hnt, hei&#223;t &#8220;Expansionary Austerity: New International Evidence&#8221; und in ihr wird mit dem Mythos von Gesundsparen gr&#252;ndlich aufger&#228;umt. Jaime Guajardo, Daniel Leigh und Andrea Pescatori kommen zu dem Ergebnis, <a href="http://www.imf.org/external/pubs/ft/wp/2011/wp11158.pdf">&#8220;that a 1 percent of GDP fiscal consolidation reduces real private consumption by 0.75 percent within two years, while real GDP declines by 0.62 percent.&#8221; [PDF - 1.2 MB]</a><br />
Nat&#252;rlich liegt auch bei Krugman der Teufel im Detail: Wie bringt man L&#228;nder mit einem gro&#223;en Au&#223;enhandels&#252;berschuss dazu, eine starke Nachfrage nach G&#252;tern aus dem &#8220;europ&#228;ischen&#8221; Ausland entwickeln, d.h. u.a. Importe aus Ostasien gleichzeitig zu unterbinden? Oder anders herum gefragt, wie soll z.B. Griechenland seine Exportquote von 11,5 Prozent im Warenhandel (wichtigste Ausfuhrg&#252;ter sind Textilien, Erd&#246;lprodukte, Tabak, Oliven&#246;l, Obst, Zement, Tomatenprodukte und Aluminium) aus dem Stand heraus BIP-wirksam erh&#246;hen, z.B. auf den Wert von Portugal (25,9 Prozent)?</em></li>
<li><a name="h06"></a><strong>SPD-Linke dringt auf h&#228;rteren Kurs im Streit um Fiskalpakt</strong><br />
Der linke Parteifl&#252;gel der SPD fordert die Neuverhandlung des Fiskalpakts. Auf einem Parteikonvent Mitte Juni soll &#252;ber die Einzelheiten diskutiert werden &#8211; der SPD-Linken gehen die Verhandlungsergebnisse nicht weit genug. [...]<br />
Ohne einen &#8220;signifikanten Wachstumsimpuls auf breiter Front&#8221; werde es keine Stabilisierung der Lage geben, hei&#223;t es in dem Papier der SPD-Linken. Notwendig seien daher daher &#8220;verbindliche&#8221; Beschl&#252;sse f&#252;r europaweite Programme f&#252;r nachhaltiges Wachstum, zur St&#228;rkung der Binnennachfrage und eine Besch&#228;ftigungsgarantie f&#252;r junge Menschen. Zur Finanzierung der Wachstumsprogramme schlagen die Jusos erg&#228;nzend zu der Finanztransaktionssteuer, gegen die es Widerstand in zahlreichen EU-Staaten gibt, eine europaweite Mindestbesteuerung von Unternehmen sowie hoher Verm&#246;gen vor. Die Wachstumsbeschl&#252;sse m&#252;ssten eine &#8220;vergleichbare Rechtsqualit&#228;t&#8221; haben wie der Fiskalpakt, fordern sie.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:euro-krise-spd-linke-dringt-auf-haerteren-kurs-im-streit-um-fiskalpakt/70036438.html#utm_source=rss2&#038;utm_medium=rss_feed&#038;utm_campaign=/politik">FTD</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> So l&#246;blich die Ideen der SPD-Linken sind &#8211; w&#252;rde man die Analyse ernst meinen, m&#252;sste man den FIskalpakt in G&#228;nze ablehnen.</em></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Das K&#246;lner Spiel ist aus</strong><br />
Wie ein Investmentk&#252;nstler, ein Banker und Stadtoffizielle die Metropole arm machten.<br />
Quelle: <a href="http://www.zeit.de/2012/20/Koeln-Kapitalanlage">ZEIT online</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Rentenbeitr&#228;ge sollen st&#228;rker sinken als gedacht</strong><br />
Wenn es bei den guten Vorzeichen bleibt, k&#246;nnen sich Besch&#228;ftigte und Unternehmen im n&#228;chsten Jahr auf eine deutliche Senkung des Rentenbeitragssatzes freuen. Es w&#228;re der niedrigste Stand seit mehr als zehn Jahren.<br />
Quelle: <a href="http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/senkung-auf-19-prozent-zeichnet-sich-ab-sensationelle-prognose-fuer-rentenbeitraege-_aid_751452.html">FOCUS</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers J.A.:</strong> Total verr&#252;ckte Politik, die auch noch das ganze Geschw&#228;tz von der &#8220;demographischen Katastrophe&#8221; v&#246;llig ad absurdum f&#252;hrt. Die Renten m&#252;ssen nicht nur nicht gek&#252;rzt, sondern sie k&#246;nnten sogar leicht z. B. durch eine Erh&#246;hung des Beitragssatzes auf 21% um ganze 7% (!) erh&#246;ht werden, was die Altersarmut sp&#252;rbar reduziert, dennoch den Durchschnittsarbeitnehmer gerade mal 15-20 Euro im Monat &#8220;kosten&#8221; w&#252;rde, bei ebenfalls 7% h&#246;heren Rentenanspr&#252;chen bzw. Verzicht auf die Rentenk&#252;rzung durch die &#8220;Rente erst ab 67&#8243;.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Merkel wirbt f&#252;r Rente mit 67</strong><br />
Kanzlerin: Unternehmen m&#252;ssen auch &#252;ber 55-J&#228;hrigen eine Perspektive geben.<br />
Quelle: <a href="http://www.ihre-vorsorge.de/magazin/nachrichten/rente/news-single/article/merkel-wirbt-fuer-rente-mit-67.html">Ihre Vorsorge</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung MB:</strong> Es lohnt sich, die Reden der Politprominenz beim <a href="http://www.deutscher-seniorentag.de/">Deutschen Seniorentag</a> durchzulesen. Die Rafinesse, mit der das erh&#246;hte Renteneintrittsalter beworben wird, ist schon beeindruckende Meinungsmanipulation. So spricht der Bundespr&#228;sident viel von Freiheit und ein bischen von Chancen und f&#252;r unsozial Arbeitsbedingungen bleibt ein halber Nebensatz &#252;brig.</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.deutscher-seniorentag.de/fileadmin/user_upload/redaktion/PDFs/pressetexte/Gauck/Rede_des_Bundespraesidenten_DST_2012.pdf">Er&#246;ffnungsrede von Bundespr&#228;sident Joachim Gauck [PDF - 80 KB]</a></li>
<li><a href="http://www.deutscher-seniorentag.de/fileadmin/user_upload/redaktion/PDFs/pressetexte/Rede_Bundesministerin_Dr._Schroeder_10._DST.pdf">Rede von Bundesministerin Kristina Schr&#246;der [PDF - 140 KB]</a></li>
<li><a href="http://www.deutscher-seniorentag.de/fileadmin/user_upload/redaktion/PDFs/pressetexte/Rede_Bundeskanzlerin_Angela_Merkel__beim_10.Deutschen_Seniorentag_am_4.5.2012.pdf">Rede von Bundeskanzlerin Merkel [PDF - 105 KB]</a></li>
</ul>
</li>
<li><a name="h10"></a><strong>Nachtrag zu den Hinweisen des Tages 2 vom 11.05.2012, Nr. 8:</strong><br />
<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h08">„Bayerns Finanzminister S&#246;der will die Erbschaftssteuer halbieren“</a><br />
Leser F.L. schreibt uns dazu:</p>
<blockquote><p>&#8220;S&#246;der sollte mal die Bayerische Verfassung lesen. Dort steht n&#228;mlich, man lese und staune, in Artikel 123 Absatz (3):</p>
<p>Die Erbschaftssteuer dient auch dem Zwecke, die Ansammlung von Riesenverm&#246;gen in den H&#228;nden einzelner zu verhindern. Sie ist nach dem Verwandtschaftsverh&#228;ltnis zu staffeln.<br />
Sieh an, sieh an, waren sozialpolitisch ziemlich bewandert diese M&#252;tter und V&#228;ter der Bayerischen Verfassung. Es scheint so, als h&#228;tten die damals ganz gut gewusst, auf was es ankommt, um eine gerechte Gesellschaft zu gew&#228;hrleisten, und versucht, dies in der Verfassung auch zum Ausdruck zu bringen. Man findet weitere interessante Pasagen. Hier zum Beispiel:</p>
<p><strong>Artikel 156 Kartell- und Konzernverbot</strong></p>
<p>Der Zusammenschluss von Unternehmungen zum Zwecke der Zusammenballung wirtschaftlicher Macht und der Monopolbildung ist unzul&#228;ssig. Insbesondere sind Kartelle, Konzerne und Preisabreden verboten, welche die Ausbeutung der breiten Massen der Bev&#246;lkerung oder die Vernichtung selbst&#228;ndiger mittelst&#228;ndischer Existenzen bezwecken.</p>
<p>Wow, die nehmen sogar Worte wie Ausbeutung und Vernichtung in den Mund. Das ist schon eine recht klare Sprache.<br />
Und dann ganz aktuell:</p>
<p><strong>Artikel 157 Kapitalbildung, Geld- und Kreditwesen</strong></p>
<ol>
<li>Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft.</li>
<li>Das Geld- und Kreditwesen dient der Werteschaffung und der Befriedigung der Bed&#252;rfnisse aller Bewohner.</li>
</ol>
<p>Ich k&#246;nnte fortfahren mit der Aufz&#228;hlung sozial &#228;hnlich weitsichtiger Paragraphen, die Bayerische Verfassung hat noch mehr davon. Vielleicht sollte S&#246;der sich diese Verfassung des Landes, in dem er Finanzminister ist, mal durchlesen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass er sich dadurch von seiner Linie, sich den Eigent&#252;mern gro&#223;er Verm&#246;gen anzudienen, abbringen lassen w&#252;rde.<br />
Dagegen versucht er die B&#252;rger mit einem Vernebelungsbegriff wie &#8220;Doppelsteuer&#8221; zu verf&#252;hren. Der Begriff ist in diesem Zusammenhang v&#246;llig nichtssagend, da wir bei genauerem Hinsehen zu dem Ergebnis kommen, dass letztendlich jede Steuer eine Doppelsteuer ist, oder gar eine dreifach, f&#252;nffach, hundertfach-Steuer. Immer wieder wechselt Verm&#246;gen die H&#228;nde, und immer wieder f&#228;llt Steuer an. Auch Geld, und zwar das gleiche Geld, wird immer von neuem ausgegeben. Und immer fallen Steuern an. Man m&#252;sste dann immer von Mehrfachbesteuerung sprechen. Was f&#252;r ein Unsinn. Man sieht daran, dass S&#246;der wahrscheinlich nichts von Wirtschaft versteht, aber viel von Machtpolitik. Aber noch wahrscheinlicher ist, dass er schon versteht, was er da tut, aber seine neoliberale Agende eiskalt durchzieht.&#8221;<br />
Quelle <a href="http://www.bayern.landtag.de/cps/rde/xbcr/landtag/dateien/Bayerische_Verfassung_Lesezeichen_BF.pdf">Bayerische Verfassung [PDF - 450 KB]</a></p></blockquote>
</li>
<li><a name="h11"></a><strong>Wir versprechen, nicht zu lange zu l&#246;ffeln</strong><br />
Die Alten h&#228;tten den Jungen zu versprechen, sie &#8220;nicht in die Armut zu sto&#223;en&#8221;. Sagt einer, der selbst auf die Rente des umlagenfinanzierten Systems nicht angewiesen ist &#8211; sagt einer, der f&#252;r weltfremde Einw&#252;rfe und zynische Zwischenrufe bekannt ist. Roman Herzog n&#228;mlich. Ex-Bundespr&#228;sident und -Verfassungsrichter. Klingt edel, klingt galant, wie er da als alte Stimme der Alten den G&#246;nner, die weise Ma&#223;haltung gegen&#252;ber den Jungen spielt. Er hat leicht Reden &#8230;<br />
Quelle: <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/05/wir-versprechen-nicht-zu-lange-zu.html">ad sinistram</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Ethikrat: Helfen Gentests im Kampf gegen Volkskrankheiten?</strong><br />
Bei der Beantwortung dieser Frage waren sich die sieben Experten aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten sowie aus dem Bereich der Bioinformatik im Grundsatz einig. Trotz rasant anwachsender Informationen &#252;ber die Beteiligung vieler Genvarianten an Krankheitsrisiken sei der medizinische Nutzen dieser Erkenntnisse bislang fraglich. Der Hauptgrund f&#252;r diese Zweifel sei der Umstand, dass die meisten beteiligten Genvarianten in der Regel nur einen jeweils sehr geringen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben, das Gesamtrisiko, an einem Leiden zu erkranken, von vielen Varianten gleichzeitig beeinflusst wird und die Varianten sich zudem gegenseitig beeinflussen.<br />
Quelle: <a href="http://idw-online.de:80/de/news476287">Informationsdienst Wissenschaft e. V.</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Volker Bahl:</strong> Ich hatte ja einmal dazu &#8211; zusammen mit einem fachlichen Spezialisten (Biologen) in den WSI-Mitteilungen 12 / 1989 die &#8220;fundierte&#8221; Ansicht vertreten: Nein, denn es besteht nur die &#8220;Gefahr&#8221;, dass die &#246;konomischen Interessen dominieren und Leute mit eventuellen genetischen &#8220;Gef&#228;hrdungen&#8221; einfach aussortiert werden, um das Risiko f&#252;r die Arbeitgeber zu minimieren. Ja, im Gegenteil muss erwartet werden, dass dann eben Arbeitsschutzmassnahmen abgebaut werden &#8211; zugespitzt ausgedr&#252;ckt , es wird der &#8220;genetisch-resistente&#8221; Arbeitnehmer herausgesucht &#8211; um den Arbeitsschutz so f&#252;r die Unternehmer &#252;berfl&#252;ssig zu machen (Aushebelung des ganzen Arbeitsschutzes): Diese &#8220;Gef&#228;hrdungsanalyse&#8221; mit einer falschen Priorit&#228;tensetzung als Folge der Genomanalyse sprach f&#252;r uns daf&#252;r, sich nicht nur von den &#8220;genetischen Analysen&#8221; nichts f&#252;r eine Vorsorge-Medizin im allgemeinen zu erwarten, sondern die Genom-Analyse gerade im Arbeitsleben &#8211; bis auf ganz wenige Krankheiten bezogen auf ganz spezifische Berufe &#8211; im allgemeinen zu verbieten. Genomanalysen sollten ganz allein in der Eigenverantwortung des einzelnen Menschen stehen. Und damit dann Arbeitgeber nicht doch Druck aus&#252;ben konnten ( = Diese Stelle bekommen sie nur, wenn sie uns die Genomanalyse vorlegen &#8211; alle anderen haben es schon &#8220;gemacht&#8221; ), sollte die Verwendung von Genomanalysen im Arbeitsleben zum Schutz des Individuums auch noch generell untersagt werden. (Nat&#252;rlich auch gegen&#252;ber Versicherungen etc.) ( Volker Bahl / Michael Raabe , &#8220;Genomanalyse &#8211; ein fortschrittliches Instrument der Vorsorgemedizin ?&#8221; &#8211; in den &#8220;WSI-Mitteilungen&#8221; Heft 12 / Dezember aus dem Jahre 1989 , S. 751 ff.)<br />
Die Fragestellung des Ethikrates allein l&#228;sst schon bef&#252;rchten, dass er einer solchen stark eingeschr&#228;nkten Genomanalyse nur im Interesse des einzelnen Menschen zusammen mit der Verantwortung &#8220;seines Hausarztes&#8221;, zu dem er Vertrauen haben kann, wohl eher nicht zu folgen gedenkt.</em></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Pentagon kippt anti-muslimische Lehrstunde</strong><br />
Ein Ausbilder der US-Streitkr&#228;fte macht Ernst: In Planspielen und Simulationen ist von &#8220;totalem Krieg&#8221; gegen Muslime und deren &#8220;Ausrottung&#8221; die Rede. Nach einer Beschwerde eines Studenten setzt das US-Verteidigungsministerium dem Programm ein Ende. (&#8230;) Zwar r&#228;umte der Offizier in dem Planspiel vom vergangenen Sommer selbst ein, dass solche &#220;berlegungen &#8220;in den Augen vieler, sowohl innerhalb der USA als auch au&#223;erhalb, nicht &#8216;politisch korrekt&#8217;&#8221; seien. Dennoch f&#252;hrt er M&#246;glichkeiten an, wonach etwa &#8220;Saudi-Arabien mit einer Hungersnot gedroht&#8221; und die heiligen St&#228;dte Mekka und Medina zerst&#246;rt werden k&#246;nnten.<br />
Ausdr&#252;cklich werden die Bombardierung Dresdens sowie die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki als Modell erw&#228;hnt. Die Genfer Konvention sei angesichts des Vorgehens islamistischer Terroristen nicht mehr relevant. &#8220;Dies w&#252;rde erneut die Option er&#246;ffnen, den Krieg auf zivile Bev&#246;lkerung zu richten, wo immer dies notwendig ist&#8221;, hei&#223;t es.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/us-verteidigungsministerium-pentagon-kippt-anti-muslimische-lehrstunde,1472596,15227670.html">Frankfurter Rundschau</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.K.:</strong> Der in der &#220;berschrift dieses FR-Beitrages gew&#228;hlte Terminus &#8220;anti-muslimische Lehrstunde&#8221; ist eine grobe Verharmlosung, denn der US-Oberstleutnant &#8220;lehrte&#8221; am Joint Forces Staff College in Norfolk (Virgina) nicht weniger als den potenziellen Massenmord an einer ca. 1,5 Milliarden Menschen umfassenden Religionsgemeinschaft. Der US-Oberstleutnant bezieht in seine Massenmordphantasien ganz offiziell auch Zivilisten &#8211; d.h. sogar Frauen, Kinder und alte Menschen &#8211; mit ein. Dieser Massenmordwahn wird zwar vom US-Generalstabschef Dempsey verurteilt, doch die von ihm gew&#228;hlten Worte stellen angesichts der Massenmordphantasien des in den US-Streitkr&#228;ften lehrenden Oberstleutnants eine grobe Verharmlosung dar: &#8220;vollkommen verwerflich&#8221;, &#8220;akademisch unverantwortlich&#8221;, &#8220;Ausw&#252;chse&#8221;. Auch ist es mehr als erstaunlich, da&#223; sich lediglich ein einziger Student &#252;ber diese &#8220;Planspiele&#8221; beschwert hatte. Fanden die &#252;brigen Studenten diese Massenmordphantasien ihres Lehrers in Ordnung? Auch w&#228;re von Interesse, &#252;ber welchen Zeitraum hinweg dieser Oberstleutnant seine menschenverachtenden &#8220;Lehrstunden&#8221; abhalten konnte: einen Tag, mehrere Tage oder gar Wochen?<br />
In unseren Medien und von unseren Politikern wird sehr h&#228;ufig suggeriert, “der Westen” sei im Gegensatz zur islamischen Welt “zivilisiert”, “rational” und “aufgekl&#228;rt”. Die muslimische Staaten und die dort lebenden muslimischen Menschen seien hingegen “primitiv”, “irrational” und “r&#252;ckst&#228;ndig”. Auch der aktuelle Vorfall macht deutlich: Dieses Schwarz-Weiss-Schema unterschl&#228;gt, da&#223; der Heiligenschein, den zahlreiche Politiker und Medien “dem Westen” aufsetzen m&#246;chten, zahlreiche dunkle Flecken und Kratzer aufweist. Die zumeist einseitige Parteinahme der westlichen Staaten zu Gunsten der Politik der israelischen Regierung und zu Lasten der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung in den von Israel besetzten Gebieten ist hier nur eines von zahlreichen Beispielen. Siehe hierzu die in den Leser-Anmmerkungen zu dem Beitrag <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=7081#h11">&#8220;Von Horst Seehofer bis Samuel Huntington&#8221;</a> genannten Beispiele.</em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Entwicklung der politisch motivierten Kriminalit&#228;t im Jahr 2011</strong><br />
F&#252;r das Jahr 2011 wurden in Deutschland insgesamt 30.216 politisch motivierte Straftaten gemeldet. Dies bedeutet bundesweit einen Anstieg gegen&#252;ber dem Jahr 2010 (27.180) um rd. 11,2 %; bezogen auf die politisch motivierten Gewalttaten ist mit insgesamt 3.108 Delikten im Vergleich zum Vorjahr (2.636) eine Zunahme um rd. 17,9 % zu verzeichnen. Damit ist seit Einf&#252;hrung des derzeit geltenden Definitions- und Erfassungssystems im Jahre 2001 der bislang h&#246;chste Wert bei den politisch motivierten Gewalttaten erreicht worden. Zwei Todesopfer sind zu beklagen: Am 2. M&#228;rz 2011 ver&#252;bte ein Einzelt&#228;ter einen Schusswaffenanschlag auf US-Soldaten in einem Milit&#228;rbus auf dem Gel&#228;nde des Flughafens Frankfurt/Main bei dem zwei US-Soldaten get&#246;tet und zwei weitere schwer verletzt wurden.<br />
Quelle: <a href="http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2012/05/pmk.html;jsessionid=D4B183EA9787443571749B50550B0FE9.2_cid295">BMI</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Die &#252;blichen Verd&#228;chtigen (Medien und Politiker) betonen nat&#252;rlich, dass die  Zahl der Gewalttaten im linksextremen Spektrum um 31,4 Prozent gestiegen sei gegen&#252;ber dem moderaten Anstieg der rechtsextrem motivierten Gewalttaten um 2,7 Prozent. Dabei haben die fremdenfeindlichen Gewalttaten um mehr als 22 Prozent zugenommen. Weiterhin verweist der Innenminister selbst auf die der rechtsextremen Kriminalit&#228;t &#8220;innewohnenden Brutalit&#228;t&#8221;, die sich an einer &#8220;deutlich h&#246;heren Quote an Verletzten beim Vergleich Zahl der Verletzten zu der Anzahl der Gewalttaten&#8221; zeige. Sicherlich l&#228;sst sich &#252;ber Statistiken und deren Kriterien trefflich streiten, aber dass das Bundesinnenministerium von 60 Todesopfern rechter Gewalt seit dem Jahr 1990 spricht, ist ein Skandal. Nicht nur antirassistische Initiativen kommen auf eine deutlich h&#246;here Zahl, sondern auch Journalisten der Zeit und des Tagesspiegels kommen nach intensiven Recherchen auf derzeit 148 Todesopfern. Anetta Kahane, Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin der Amadeu Antonio Stiftung, hat die Z&#228;hlweise der Beh&#246;rden als &#8220;unw&#252;rdig&#8221; bezeichnet und wie folgt <a href="http://www.tagesschau.de/inland/interviewkahane100.html">beschrieben</a>: &#8220;Die [Beh&#246;rden] gehen n&#228;mlich davon aus, dass selbst wenn ein Neonazi einen rassistischen Mord begeht &#8211; sagen wir einen Schwarzen umbringt &#8211; und nicht dabei ertappt wird, wie er sagt, &#8216;Heil Hitler&#8217; oder so etwas, dass es dann vielleicht auch eine andere Ursache geben k&#246;nnte. Vielleicht hatte der T&#228;ter ja auch einen pers&#246;nlichen Konflikt mit dem Opfer.&#8221;</em></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Guter Journalismus in schlechtem Umfeld</strong><br />
Bei der W&#252;rdigung der beiden &#8220;Bild&#8221;-Journalisten mit dem Henri-Nannen-Preis h&#228;tte auch das Umfeld ihrer investigativen Leistung bedacht werden m&#252;ssen: Die &#8220;Bild&#8221;-Zeitung selbst betreibe n&#228;mlich keinen Journalismus, der diesen Namen verdient, meint Brigitte Baetz.<br />
Nun ist es also doch wahr geworden, was niemand wirklich f&#252;r m&#246;glich halten wollte: Ausgerechnet die &#8220;Bild&#8221;, das zynische Kampagnenblatt aus dem Hause Springer, f&#252;r das den Namen Zeitung zu gebrauchen man sich sch&#228;men sollte, erhielt eine der renommiertesten Journalistenauszeichnungen dieses Landes, den Henri-Nannen-Preis.<br />
Quelle: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1755740/">Deutschlandfunk</a></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Handbuch der Euro-Rettung</strong><br />
Schluss mit der Depression! In seinem neuen Buch „Vergesst die Krise!“ liest der Wirtschaftsnobelpreistr&#228;ger Paul Krugman den politischen Eliten die Leviten.<br />
Tag um Tag tr&#228;gt er in seinem Blog in der „New York Times“ seine Argumente vor, Woche f&#252;r Woche erkl&#228;rt er in seiner Kolumne, warum die Krisenl&#246;sungsstrategien der amerikanischen Regierung, vor allem aber der europ&#228;ischen Eliten ins Desaster f&#252;hren m&#252;ssen: Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreistr&#228;ger des Jahres 2008. Verallgemeinertes Sparen mitten in einer Wirtschaftskrise f&#252;hrt nur weiter ins Loch einer langandauernden Depression, ist mit millionenfachen menschlichem Leid verbunden, und wird auch noch an dem selbstgesteckten Ziel, n&#228;mlich der Haushaltskonsolidierung scheitern, weil die Schrumpfung der Wirtschaftsleistung Steuerausf&#228;lle nach sich zieht, so dass die Schulden noch dr&#252;ckender werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/literatur/paul-krugman-handbuch-der-euro-rettung,1472266,15224432.html">Frankfurter Rundschau</a></li>
</ol>
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		<title>Griechische Stimmen</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 16:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>

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		<description><![CDATA[Plakate waren Mangelware, die Wahlbrosch&#252;ren d&#252;nner, die Plastikf&#228;hnchen lascher, und bei den wenigen Kundgebungen klangen die Lautsprecher weniger laut als fr&#252;her. Die Krise hat auch die Kriegskassen der Parteien angefressen. Doch das Auff&#228;lligste an diesem Wahlkampf war etwas anderes: Es fehlten die lokalen B&#252;ros der Parteikandidaten. Von Niels Kadritzke Fr&#252;her hat jeder aussichtsreiche Bewerber f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Plakate waren Mangelware, die Wahlbrosch&#252;ren d&#252;nner, die Plastikf&#228;hnchen lascher, und bei den wenigen Kundgebungen klangen die Lautsprecher weniger laut als fr&#252;her. Die Krise hat auch die Kriegskassen der Parteien angefressen. Doch das Auff&#228;lligste an diesem Wahlkampf war etwas anderes: Es fehlten die lokalen B&#252;ros der Parteikandidaten. Von <strong>Niels Kadritzke</strong><br />
<span id="more-13215"></span><br />
Fr&#252;her hat jeder aussichtsreiche Bewerber f&#252;r das griechische Parlament (Vouli genannt) auf Wochen hinaus einen Laden gemietet, beflaggt mit Parteifahnen, voll mit Stapeln von Wahlbrosch&#252;ren. Diesmal sparten sich die Kandidaten die Miete, die sie vom Privatkonto finanzieren mussten. Zum einen aus Angst vor den Glaserrechnungen, denn die B&#252;ros h&#228;tten die Wutb&#252;rger angezogen wie der Honigtopf die Bienen. Zum anderen weil so ein Ort nutzlos geworden ist. Im Kandidatenladen konnte der W&#228;hler seinen k&#252;nftigen Abgeordneten aufsuchen und die Gegenleistung f&#252;r seine Stimme aushandeln: einen Auftrag f&#252;r seinen Kleinbetrieb, eine Stelle f&#252;r den Sohn beim staatlichen Stromversorger, eine Empfehlung f&#252;r die Tochter an den parteinahen Universit&#228;tsprofessor. Das spielte sich keineswegs im Geheimen ab. Jeder konnte sehen, wer mit wem ins Gesch&#228;ft kam oder kommen wollte.</p>
<p>Den gesamten Artikel k&#246;nnen Sie auf den Seiten der <a href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/05/11.mondeText.artikel,a0053.idx,15">Le Monde diplomatique lesen</a>.</p>
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		<title>Hinweise des Tages II</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 13:55:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (JB) Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert: Blockupy Fiskalpakt Demokratie &#8211; aber nicht gegen das griechische Volk Fehlspekulationen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (JB)<br />
<span id="more-13211"></span><br />
Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h01">Blockupy</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h02">Fiskalpakt</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h03">Demokratie &#8211; aber nicht gegen das griechische Volk</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h04">Fehlspekulationen bei JP Morgan &#8211; Fesselt die Banken!</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h05">How income inequality contributed to the Great Recession</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h06">Paul Krugman: Der Amnesie-Wahlkampf</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h07">Euro-Einf&#252;hrung: Kohl-Regierung wischte Bedenken &#252;ber Italien beiseite</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h08">Bayerns Finanzminister S&#246;der will die Erbschaftssteuer halbieren</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h09">Das bisschen Inflation k&#246;nnen wir uns leisten</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h10">Thomas Fricke &#8211; Griechischer Euro-Neustart</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h11">Arbeitslosigkeit bleibt auf Rekordhoch</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h12">Gewerkschaft attackiert Berliner Bio-Superm&#228;rkte</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h13">EU im Notstandsmodus</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h14">Wilhelm Heitmeyer: Rechtsextremismus und gesellschaftliche Selbstentlastung</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211#h15">Wahlkampf gegen Bertelsmann &#038; Co.</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13211&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Blockupy</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Kurzer Prozess</strong><br />
Nachdem in Frankfurt am Main am 31. M&#228;rz 2012 Tausende Menschen gegen den Kapitalismus demonstrierten, wird nun mit weiteren Protesten versucht, kurzen Prozess zu machen.<br />
Die Hilflosigkeit der Herrschenden dr&#252;ckt sich in dem aus, was diese nun am besten beherrschen. Die autorit&#228;re Verbotskeule wird herausgeholt, um friedliche Proteste in der Frankfurter Innenstadt in der Zeit vom 16.- 19. Mai [redaktionelle Anmerkung: siehe Blockupy] einfach zu verbieten.<br />
Wie so oft wird hier mit einfachen Rezepten versucht, einen aufkeimenden Protest im Keim zu ersticken. W&#228;re ja auch noch sch&#246;ner … Sommer, Sonne Shoppingtime… und dann so etwas Ekliges wie diesen wunderbaren Kapitalismus zu kritisieren.<br />
Quelle: <a href="http://kwassl.net/2012/05/08/kurzer-prozess/">Frankfurter Gemeine Zeitung</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Die Blockupy-Aktiontage finden vom 16. bis 19. Mai statt. Das <a href="http://blockupy-frankfurt.org/de/actiondays/programm">Programm</a> liest sich recht interessant. Vielleicht hat der eine oder andere Leser ja Lust, den Protest zu unterst&#252;tzen.</em></li>
<li><strong>Sahra Wagenknecht und Ulrich Wilken</strong><br />
Auf die Zerst&#246;rung des Sozialstaats folgt die Zerst&#246;rung der Demokratie<br />
Erst diese Woche hat das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am Main den Occupy-Aktivisten mitgeteilt, dass das Camp vor der Europ&#228;ischen Zentralbank bis zum 23. Maierlaubt sei. Heute wurde das Camp f&#252;r den Zeitraum vom 16. bis 20. Mai verboten. Dazu erkl&#228;ren Sahra Wagenknecht, stellvertretende Parteivorsitzende der Partei DIE LINKE, und Ulrich Wilken, Landesvorsitzender der Partei DIE LINKE. Hessen:<br />
&#220;ber viele Monate haben die Occupy-Camper friedlich vor der Europ&#228;ischen Zentralbank ihren Protest mit kreativen Aktionen zum Ausdruck gebracht. Mehrfach haben sie gemeinsam mit B&#252;ndnispartnern friedliche Gro&#223;demonstrationen organisiert. Nun wird ihr nachweislich friedlicher Protest kriminalisiert.<br />
Die Entscheidung des schwarz-gr&#252;nen Magistrats ist vollkommen unverst&#228;ndlich. Da von dem Occupy-Camp nachweislich keine Gefahr ausgeht, bleibt nur die Schlussfolgerung, dass das Verbot politisch motiviert ist. Mit allen Mitteln soll der Protest gegen die europ&#228;ische Sparpolitik, die ganzen Generationen die Perspektive nimmt, am Sitz der Europ&#228;ischen Zentralbank verhindert werden. Auf die Zerst&#246;rung des Sozialstaats folgt die Zerst&#246;rung der Demokratie.<br />
Wie fordern die Ordnungspolitikerinnen und -politiker der schwarz-gr&#252;nen Stadtregierung auf, den mentalen Sch&#252;tzengraben zu verlassen. Das Blockupy-B&#252;ndnis hat mehrfach Kooperation und weitere Gespr&#228;che angeboten. Wir fordern den schwarz-gr&#252;nen Magistrat auf, dieses Angebot endlich anzunehmen. Es hilft nicht, den Protest gegen soziale Ungerechtigkeit zu bek&#228;mpfen, die sozialeUngerechtigkeit muss bek&#228;mpft werden. Der Protest dagegen ist nicht nur legitim, sondern dringend n&#246;tig.<br />
Quelle: <a href="http://www.die-linke.de/nc/presse/presseerklaerungen/detail/artikel/auf-die-zerstoerung-des-sozialstaats-folgt-die-zerstoerung-der-demokratie/">Die Linke</a></li>
<li><strong>Kommentar von Harald Thomé</strong><br />
Wie ja gewiss jeder schon mitbekommen hat, macht die Stadt Frankfurt durch ihr Ordnungsamt hervorragende Werbung f&#252;r die Blockupy-Protesttage vom 16. – 19. Mai in Frankfurt. Mit den Blockupy-Protesten plant ein breites B&#252;ndnis von Organisationen und Personen, ein un&#252;bersehbares Zeichen internationaler Solidarit&#228;t gegen die autorit&#228;re Krisenpolitik und f&#252;r die Demokratisierung aller Lebensbereiche zu setzen.</p>
<p>So sollen am 17. Mai zentrale Pl&#228;tze der Stadt besetzt werden, um Raum f&#252;r Diskussion und inhaltlichen Austausch zu schaffen. Am 18. Mai soll der Gesch&#228;ftsbetrieb der EZB und weiterer Banken und Konzerne in Frankfurt blockiert werden, um die tiefe Emp&#246;rung &#252;ber Krisenbearbeitung von Troika und der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Am Samstag, 19. Mai, folgt eine gro&#223;e europ&#228;ische Demonstration. Der Protest richtet sich gegen die europaweite Verarmungspolitik der Troika aus der Europ&#228;ischen Zentralbank, der EU-Kommission und den Internationalen W&#228;hrungsfonds IWF.</p>
<p>W&#228;hrend der Aktionstage wird es ein vielf&#228;ltiges Programm aus Konzerten, Workshops, Diskussionsrunden, Asambleas und vielen weiteren kreativen Aktionen geben.<br />
Die 17 Veranstaltungen sind alle ordnungsgem&#228;&#223; angemeldete, die Stadtverwaltung hat nun alle verboten, heute noch erging eine Verbotsverf&#252;gung gegen eine Mahnwache von Ordensleuten f&#252;r den Frieden und gegen eine Tanz-Demo &#8220;Rave against the Troika&#8221;.</p>
<p>Die Stadt Frankfurt will in der Finanzmetropole offensichtlich Friedhofsruhe, die Rechte der B&#228;nker und Reichen sind wichtiger als die Rechte der Armen und Entrechteten. Ein solches totales Demonstrationsverbot ist in der Geschichte der BRD einzigartig. Dieses Verbot stellt eine Verletzung des verfassungsrechtlich garantierten Demonstrationsrechts dar. Damit sollen die Proteste gegen eine Krisenpolitik, die tief in das Leben von Millionen von Menschen in Europa eingreift, komplett verhindert werden.<br />
Es ist entscheidend, in einem ersten Schritt den Protest gegen das Demonstrationsverbot zu entwickeln, dazu k&#246;nnt ihr <a href="http://notroika.linksnavigator.de/petition/protest-gegen-das-verbot-von-blockupy-frankfurt">hier eine Protestresolution online unterschreiben</a>.</p>
<p>Einen aktuellen Infoticker dazu <a href="http://notroika.linksnavigator.de/neues">gibt es hier</a>.</p>
<p>Dann m&#246;chte ich pers&#246;nlich zur Teilnahme an den Protesten aufrufen. Es ist einfach n&#246;tig, den Reichen und M&#228;chtigen die Stirn zu bieten, im „Herzen der Bestie“ gegen die europaweite Verarmungspolitik zu protestieren und klarzumachen, hier und jetzt ist Schluss! Hinzu kommt, dass nunmehr auch f&#252;r das Demonstrationsrecht gestritten werden muss. Zudem ist davon auszugehen, das die Verbotsverf&#252;gungen gerichtlich keinen Bestand haben werden.</p>
<p>Alle Demokratinnen und Demokraten k&#246;nnen &#252;ber dieses rechtswidrige und undemokratische Vorgehen nur aufs &#196;u&#223;erste entsetzt sein und eine sofortige R&#252;cknahme dieses Totalverbots fordern. Was auf dem Tahrir-Platz in Kairo, an der Puerta del Sol in Madrid oder im Central Park von New York m&#246;glich war, muss auch in Frankfurt am Main m&#246;glich sein!<br />
Heute kam die Meldung rein, dass Musiker und K&#252;nstler wie Konstantin Wecker und andere dazu aufrufen: „Kommt massenhaft – wir lassen uns weder Konzerte, noch das Demonstrieren verbieten!“,  dem ist nichts hinzuzuf&#252;gen und daher auch mein Aufruf: auf nach Frankfurt!<br />
<a href="http://www.blockupy-frankfurt.org/">Mehr dazu</a>.<br />
Quelle: <a href="http://www.harald-thome.de/">Harald Thomé</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Fiskalpakt</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Sahra Wagenknecht: Europa braucht Gegenwehr, Europa braucht eine andere Wirtschafts- und Finanzordnung</strong><br />
Die Wachstumsrhetorik ist genauso verlogen wie vorher die Sparrhetorik. &#8220;Es wurde und wird ja in Europa &#252;berhaupt nicht gespart. Sondern es werden unter dem Vorwand der Schuldenbremse der Bev&#246;lkerung in Europa brachiale K&#252;rzungsprogramme diktiert, aber gleichzeitig werden unver&#228;ndert Milliarden daf&#252;r verpulvert, um Banken, Hedgefonds und Spekulanten von ihrer Verantwortung und ihren Verlusten freizukaufen&#8221;, antwortet Sahra Wagenknecht auf die Regierungserkl&#228;rung von Au&#223;enminister Westerwelle zu Wegen aus der Krise Europas.<br />
Quelle: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=YfNJOLlImgQ">Linksfraktion via YouTube</a></li>
<li><strong>Der Fiskalpakt ruiniert Europa</strong><br />
Die Sparpolitik trifft die Opfer der Krise die deutschen Weisungen beschädigen die Demokratie<br />
Europa kocht deutsch Von Athen bis Paris sollen die Staatsfinanzen nach dem Rezept der schwäbischen Hausfrau zu bereitet werden. Schluss mit Kaviar und Sekt Auf den Tisch kommt zukünftig nur noch was die Haushaltskasse hergibt Leben auf Pump war einmal Jetzt soll die deutsche Stabilitätskultur die europäischen Schuldenkönige das sparsame Haushalten lehren. Merkels Fiskalpakt sei Dank.<br />
Europas neue Schuldenregeln legen den Kassenwarten Daumenschrauben an. Künftig dürfen sie nicht mehr ausgeben als sie einnehmen. In die Sprache der Ökonomen übersetzt muss das strukturelle Haushaltsdefizit unter 0,5 Prozent des Sozialproduktes bleibe. Staaten deren Schuldenquote über 60 Prozent liegt, müssen jährlich fünf Prozent ihrer übermä&#223;igen Verschuldung abbauen Die Europäische Kommission, der Rat und Europas Gerichtshof sollen darüber wachen dass die Regeln auch eingehalten werden. Verstö&#223;e wer den teuer. Dieser europäische Fiskalpakt ist ökonomisch unsinnig sozial verantwor tungslos und beschädigt die Demokratie.<br />
Quelle: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120511_sz_11_5_2012.pdf">S&#252;ddeutsche Zeitung [PDF - 188 KB]</a></li>
<li><strong>Tarnen und t&#228;uschen</strong><br />
Mit einer Strategie der T&#228;uschung will Berlin die Forderungen des designierten franz&#246;sischen Staatspr&#228;sidenten François Hollande nach einem Ende der blanken deutschen Spardiktate abwehren. Neben Hollande fordern inzwischen die Regierungschefs diverser weiterer Euro-Staaten, die EU m&#252;sse zu kreditfinanzierten Wachstumsprogrammen zur&#252;ckkehren, um den Totalzusammenbruch mehrerer Volkswirtschaften, wie er sich in Griechenland mittlerweile exemplarisch abzeichnet, abzuwenden. Berlin ist nach dem Bruch der niederl&#228;ndischen Koalition weitgehend isoliert &#8211; und verlegt sich neben Ank&#252;ndigungen, die Eurozone keinen Zentimeter vom bisherigen Austerit&#228;tskurs abweichen zu lassen, auf Methoden zur Irref&#252;hrung der rebellierenden Bev&#246;lkerungen. Die Regierung halte ein &#8220;Placebo f&#252;r die Euro-Partner&#8221; bereit, erl&#228;utert die Presse: Die Kanzlerin werde wohl Teile des Vokabulars von François Hollande &#252;bernehmen, wolle es aber mit eigenen Inhalten f&#252;llen. So spreche sie von &#8220;Wachstumsf&#246;rderung&#8221;, verstehe darunter aber die Durchsetzung von &#8220;Strukturreformen&#8221;, wie es auch die Spardiktate vors&#228;hen. Neue Ausgaben seien nicht geplant. Auf diese Weise lasse sich die franz&#246;sische Wachstums-Offensive verbal einfangen, ohne ihr inhaltlich auch nur einen kleinen Schritt nachzugeben.<br />
Quelle: <a href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58326">German Foreign Policy</a></li>
<li><strong>Westerwelle legt Sechs-Punkte-Plan f&#252;r mehr Wachstum in Europa vor</strong><br />
[...] Sein Gegrummel war auch zu h&#246;ren, als der Au&#223;enminister das strikte Nein zu Nachverhandlungen &#252;ber den europ&#228;ischen Fiskalpakt noch einmal betonte: &#8220;Der Fiskalpakt ist beschlossen &#8211; und er gilt. Vereinbarungen zwischen Staaten werden durch neue Wahlen nicht ung&#252;ltig.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/regierungserklaerung-des-aussenministers-westerwelle-legt-sechs-punkte-plan-fuer-mehr-wachstum-in-europa-vor-1.1354563">S&#252;ddeutsche Zeitung</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Westerwelles Sicht der Dinge ist schlicht antidemokratisch. In einer Diktatur mag die Unterschrift des Staatschefs ausreichen, um ein Gesetz zu verabschieden. In den europ&#228;ischen Demokratien ist dazu immer noch wenigstens die Zustimmung des Parlaments notwendig. Das versteht man unter Gewaltenteilung. Die Exekutive, die Merkel und Westerwelle vertreten, darf keine Gesetze verabschieden. Dies ist die Aufgabe der Legislative. Vielleicht sollte Guido Westerwelle noch einmal die Schulbank dr&#252;cken. So etwas lernt man eigentlich bereits dort.</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h03"></a><strong>Demokratie &#8211; aber nicht gegen das griechische Volk</strong><br />
Man kann das griechische Chaos als Zeichen f&#252;r einen eskalierenden Kampf zwischen Demokratie und Kapitalismus verstehen. Und dieser Kampf gilt ganz Europa.Das ist schon eine dumme Sache, wenn die Leute nicht so w&#228;hlen wie sie sollen. Wie zuletzt die Griechen. So gehe es ja nun gar nicht, hei&#223;t es jetzt, die Griechen und ihre Politiker seien einfach zu d&#228;mlich oder zu uneinsichtig oder zu frech, um sich zu den Bedingungen unserer besonderen Freunde, der M&#228;rkte, retten zu lassen.<br />
Also ziehen wir die &#246;konomischen Daumenschrauben noch ein wenig an und lassen sie w&#228;hlen, bis es passt; oder wir schmei&#223;en sie vielleicht besser gleich raus aus unserem sch&#246;nen Euro-Club. Das ist die vorherrschende Sicht in Berlin und Br&#252;ssel.<br />
Man kann es aber auch ganz anders sehen. Man kann das sich in Griechenland entwickelnde Chaos auch als ein erstes richtig erkennbares Zeichen f&#252;r den eskalierenden Kampf zwischen Demokratie und, jawohl, Kapitalismus verstehen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/meinung/griechenland-leitartikel-demokratie---aber-nicht-gegen-das-griechische-volk,1472602,15217224.html">Frankfurter Rundschau</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Fehlspekulationen bei JP Morgan &#8211; Fesselt die Banken!</strong><br />
Jetzt hat auch JP Morgan Chase seinen Zockerskandal: Die Sauberm&#228;nner von der Wall Street haben binnen k&#252;rzester Zeit Milliarden in den Sand gesetzt. Ein besseres Argument f&#252;r knallharte Regulierung h&#228;tten Jamie Dimon und seine Kapitalmarktjongleure nicht liefern k&#246;nnen.<br />
Dass die Banken seit Jahren und auch noch in Zukunft zu Niedrigstzinsen Notenbankgeld erhalten, um am Leben zu bleiben, wird in diesem Zusammenhang stets geflissentlich geschwiegen. Ebenso, dass davon Inflationsgefahren ausgehen &#8211; f&#252;r die Allgemeinheit. Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen Derivatgesch&#228;fte in Billionenh&#246;he oder die Nahrungsmittelspekulation haben, ist bis heute trotz wortreicher Erkl&#228;rungsversuche der Branche unklar. Wie auch: Die Weltwirtschaft ist jahrzehntelang ohne sie ausgekommen und trotzdem gewachsen.<br />
Flankiert von einer tausendk&#246;pfigen Armada gutbezahlter Lobbyisten, die in den USA insbesondere in der Republikanischen Partei Geh&#246;r findet, wird seit Monaten heftig antichambriert, um Teile der US-Finanzmarktreform zur&#252;ckzudrehen.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:fehlspekulationen-bei-jp-morgan-fesselt-die-banken/70035412.html">FTD</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>How income inequality contributed to the Great Recession</strong><br />
Higher inequality, combined with easy credit, can pressure the lower and middle class to keep up with consumers at the top<br />
The idea that the Great Recession of 2008 may have been caused not just by careless banking but also social inequality is currently all the rage among macroeconomists.<br />
Much of the impetus for the current debate stems from the widely discussed 2010 book Fault Lines, written by Raghuram Rajan, a former chief economist of the International Monetary Fund. Rajan argues that many lower- and middle-class consumers in the United States have reacted to the stagnation of their real incomes since the early 1980s by reducing saving and increasing debt. This has temporarily kept private consumption and thus aggregate demand and employment high, but also contributed to the creation of the credit bubble which eventually burst.<br />
Quelle: <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2012/may/09/income-inequality-great-recession">The Guardian</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Paul Krugman: Der Amnesie-Wahlkampf</strong><br />
F&#252;r wie dumm h&#228;lt Mitt Romney die W&#228;hler eigentlich? Wenn sie seine Wahlkampf-Kampagne von Anfang an verfolgt haben, haben sie sich das wahrscheinlich sch&#246;n &#246;fter gefragt. Doch seit letzter Woche, als Romney versuchte eine geschlossene Gipskartonfabrik in Ohio zum Symbol der wirtschaftspolitischen Fehler von Amtsinhaber Barack Obama zu machen, stellt sich diese Frage mit einer neuen Dringlichkeit. Ja, sie ist ein Symbol, aber nicht so wie Romney sich das dachte. Als erstes wiesen zahlreiche Reporter auf einen Punkt hin, den Romney einfach unterschlagen hatte: George W. Bush war Pr&#228;sident, als das Werk geschlossen wurde und nicht Barack Obama. Erwartet Romney von den Amerikanern, dass sie Obama auch f&#252;r die Fehler seines Vorg&#228;ngers verantwortlich machen? Ja, das tut er. Romney spricht st&#228;ndig &#252;ber die unter Obama gestiegene Arbeitslosigkeit. Doch diese Entwicklung ereignete sich vor allem in den ersten Monaten des Jahres 2009 und damit bevor auch nur eine von Obamas Reformen wirken konnte. Romneys Rede im US-Bundesstaat Ohio illustriert daher perfekt, wie sehr Romneys Wahlkampf auf die Amnesie Amerikas setzt, auf die Hoffnung, dass sich die W&#228;hler nicht daran erinnern, dass Obama das Ruder &#252;bernahm, als die Wirtschaft schon im freien Fall war.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-der-amnesie-wahlkampf,1472602,15053084.html">Frankfurter Rundschau</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Euro-Einf&#252;hrung: Kohl-Regierung wischte Bedenken &#252;ber Italien beiseite</strong><br />
Bei der Euro-Einf&#252;hrung haben Politiker die Warnungen vor Risiken ignoriert. Nach SPIEGEL-Informationen wusste die Regierung des damaligen Kanzlers Kohl &#252;ber Gefahren eines Beitritts Italiens zur W&#228;hrungszone Bescheid. Am Ende z&#228;hlten aber vor allem politische Erw&#228;gungen. Noch im Januar 1998 wies der au&#223;enpolitische Berater von Kanzler Kohl, Joachim Bitterlich, in einem Vermerk darauf hin, dass die Defizitreduzierung Italiens vor allem auf au&#223;ergew&#246;hnliche Effekte wie die Sondersteuer f&#252;r Europa und im internationalen Vergleich &#252;berproportional gesunkene Marktzinsen zur&#252;ckzuf&#252;hren sei. Ebenfalls im Januar 1998 hielt der Staatssekret&#228;r im Bundesfinanzministerium, J&#252;rgen Stark, anl&#228;sslich eines Treffens mit einer italienischen Regierungsdelegation fest, die &#8220;Dauerhaftigkeit solider &#246;ffentlicher Finanzen&#8221; sei &#8220;noch nicht gew&#228;hrleistet&#8221;.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/spiegel-kohl-kannte-risiken-des-beitritts-von-italien-zum-euro-a-831590.html">Spiegel Omline</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Mein Gott, jetzt wissen wir also, dass auch die Regierung wusste, was einer breiten &#214;ffentlichkeit durch die Medienberichterstattung bekannt war: Italien arbeitete mit Buchungstricks. Genauso, wie sp&#228;ter die kreative Buchf&#252;hrung der Griechen bekannt war. Vor der politischen Kurskorrektur sprach sogar Finanzminister Waigel noch im Herbst 1995 im Bundestag davon, dass Italien und Belgien den Maastricht-Kriterien eventuell nicht standhalten k&#246;nnten. Auch im Gutachten der Bundesbank stand zu lesen, dass Belgien und Italien der Gang in einen gemeinsamen W&#228;hrungsraum zu fr&#252;h komme. Der damalige Bundesbankchef Hans Tietmeyer f&#252;hrte aus:</em> </p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wenn ein Land oder gro&#223;e Teile der Union nicht in der Lage sind, im Wettbewerb mitzugehen, dann in der Tat kann die W&#228;hrungsunion f&#252;r sie ein abschn&#252;rendes Korsett werden &#8211; abschn&#252;rend in der Weise, dass man die Geldpolitik als nationale Politik nicht mehr verf&#252;gbar hat und Wechselkurs&#228;nderungen nicht mehr vornehmen kann; man ist auf Gedeih und Verderb in diese W&#228;hrungsunion eingebunden. Dessen m&#252;ssen sich alle L&#228;nder bewusst sein.&#8221; &#8211; Auch wenn das f&#252;r die damalige Regierung kaum relevant war, auch der intelligenteste politische Kopf dieser Zeitenwende bet&#228;tigte sich bereits 1991 als einsamer Rufer in der W&#252;ste: Oskar Lafontaine richtete sich gegen die Maastricht-W&#228;hrungsunion, „in der eine einheitliche Zentralbank die Geldpolitik steuert, w&#228;hrend in den einzelnen Nationalstaaten eine unterschiedliche Tarif, Sozial und Fiskalpolitik gemacht wird.&#8221; W&#252;rde man den eingeschlagenen Weg weitergehen, f&#252;hre das zu einer Instabilit&#228;t der W&#228;hrung und gewaltigen Transferleistungen in die schw&#228;cheren europ&#228;ischen Mitgliedstaaten. &#8211; Tja, h&#228;tte man sich damals mehr Zeit gelassen und mehr Sorgfalt verwendet, kann man klagen, aber wir heute sind gezwungen mit dieser W&#228;hrungsunion zu leben. Der Weg in einen S&#252;d- und einen Nordeuro z.B. ist mit soviel Ungewissheiten gepflastert, dass einem bange wird. Obschon auch jetzt ein Auseinanderbrechen der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion zu bef&#252;rchten ist.</em></p></blockquote>
</li>
<li><a name="h08"></a><strong>Bayerns Finanzminister S&#246;der will die Erbschaftssteuer halbieren</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.netzticker.com/politik/bayerns-finanzminister-soder-will-die-erbschaftssteuer-halbieren/123592">dts</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.K.:</strong> Die Forderung des bayrischen Finanzministers S&#246;der (CSU) nach einer Halbierung der Erbschaftsteuer ist an Dreistigkeit kaum noch zu &#252;berbieten. In den vergangenen 15 Jahren wurde die Erbschaftsteuer in Deutschland bereits mehrmals abgesenkt. S&#246;der m&#246;chte nun einen ruin&#246;sen Wettbewerb unter den Bundesl&#228;ndern anheizen, der in der Konsequenz dazu f&#252;hren w&#252;rde, die Erbschaftsteuer in Deutschland gegen null tendieren zu lassen. Die Einnahmebasis der L&#228;nder w&#252;rde weiter geschw&#228;cht, Nutznie&#223;er w&#228;ren einzig und allein die Erben gro&#223;er Verm&#246;gen (die allermeisten Erbberechtigten sind wegen hoher Freibetr&#228;ge von der Erbschaftsteuer ohnehin nicht betroffen).</em><br />
<em>Der Blick in die OECD-Statistik zu den Einnahmen der OECD-Staaten aus der Erbschafts- und Verm&#246;genssteuer in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zeigt, da&#223; Deutschland bei diesen Steuern im OECD-Vergleich bereits heute die zweitniedrigsten Steuereinnahmen zu verzeichnen hat. Die deutschen Verm&#246;gensbesitzer und die deutschen Erben gro&#223;er Verm&#246;gen (insbesondere Firmenverm&#246;gen) werden im internationalen Vergleich bereits heute extrem stark geschont.</em> </p>
<p><em>S&#246;ders &#8220;Argument&#8221;, bei der Erbschaftsteuer handele es sich um eine &#8220;Doppelsteuer&#8221;, ist an Verlogenheit kaum noch zu &#252;berbieten. Denn auch bei den die Niedrig- und Durchschnittsverdiener &#252;berproportionl belastenden Verbrauchsteuern (Mehrwertsteuer, Mineral&#246;lsteuer etc.) handelt es sich um eine &#8220;Doppelsteuer&#8221;, die aus bereits versteuerten L&#246;hnen und Geh&#228;ltern zu entrichten ist. Wir werden wohl bis zum Sanktnimmerleinstag auf die Forderung S&#246;ders warten m&#252;ssen, wegen der &#8220;Doppelsteuer&#8221; die von Schwarz-Rot vorgenommene Mehrwertsteuererh&#246;hung von 16 auf 19 Prozent wieder r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.</em> </p>
<p><em>Auf der politischen Tagesordnung m&#252;&#223;te statt einer weiteren Absenkung eine Erh&#246;hung der Erbschaftsteuer stehen. W&#252;rden die Konservativen und Neoliberalen bei der Steuerpolitik ihre eigene Ideologie auch nur halbwegs ernst nehmen, dann m&#252;&#223;ten gerade sie f&#252;r eine st&#228;rkere Besteuerung gro&#223;er Erbschaften eintreten. Denn die neoliberale Parole &#8220;Leistung mu&#223; sich wieder lohnen&#8221; wird durch die weitgehende Steuerbefreiung  bei der Vererbung von aus Sicht der Erbberechtigten &#8220;leistungslosem&#8221; Verm&#246;gen geradezu ad absurdum gef&#252;hrt. Der von Konservativen und Neoliberalen geleistete Widerstand gegen eine h&#246;here Besteuerung gro&#223;er Erbschaften und erst recht S&#246;ders Forderung nach einer Halbierung der Erbschaftsteuer zeigt, da&#223; es diesen in Wirklichkeit nur um eine egoistische Reichtumsmehrung zu Gunsten der verm&#246;genden &#8220;Eliten&#8221; geht.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Das bisschen Inflation k&#246;nnen wir uns leisten</strong><br />
Ist es jetzt so weit? Werden die schlimmsten Bef&#252;rchtungen der Deutschen wahr, dass die Euro-Krise und die lockere Geldpolitik der Notenbanken die Inflation hochtreiben, dass die Ersparnisse aufgefressen, Altersrenten wertlos und Preise immer unbezahlbarer werden?<br />
Unter der totalen Verm&#246;gensapokalypse machen es Inflationswarner in Deutschland nicht. Es stimmt zwar, dass die Bundesbank &#8211; f&#252;r viele aus D-Mark-Zeiten der glaubw&#252;rdigste H&#252;ter der Preisstabilit&#228;t &#8211; mit einer h&#246;heren Inflation in Deutschland rechnet. Das ist aber noch kein Grund zur Panik.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:euro-krise-das-bisschen-inflation-koennen-wir-uns-leisten/70034511.html#utm_source=rss2&#038;utm_medium=rss_feed&#038;utm_campaign=/meinungshungrige">FTD</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Thomas Fricke &#8211; Griechischer Euro-Neustart</strong><br />
Dass Reformen irgendwann an Belastungsgrenzen sto&#223;en, hat Angela Merkel selbst erlebt. Es w&#228;re gut, f&#252;r Griechenland daraus keine ganz anderen Schl&#252;sse zu ziehen als f&#252;r uns.<br />
Es ist Fr&#252;hjahr. Die Wirtschaft kriselt seit drei Jahren schon, die Arbeitslosigkeit hat neue Rekorde erreicht. Nach zwei Jahren K&#252;rzungen und Abgaben herrscht Reformm&#252;digkeit. Das Volk murrt. Die &#214;konomen reden von unver&#228;ndert schlechten Aussichten. Und als die Regierung verzweifelt vorgezogene Wahlen ausruft, kriegt sie die Quittung: das schlechteste Wahlergebnis der Nachkriegszeit. Ein Parteidesaster.<br />
Griechenland 2012? Ja. Oder Deutschland. 2005. Kleine Erinnerung. Da lag die Arbeitslosigkeit zwei Jahre nach Lancieren der Agenda 2010 bei f&#252;nf Millionen. Depressionsstimmung. Was auch Angela Merkel zu sp&#252;ren kriegt, als sie im Sp&#228;tsommer mit ambitioniertem Leipziger Reformprogramm zur Wahl antritt – und am Ende fast schlimmer abst&#252;rzt als Gerhard Schr&#246;der.</p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/120511_reformstopp.jpeg" alt="" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/05/11/die-kolumne-griechischer-euro-neustart/">FTD Wirtschaftswunder</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Arbeitslosigkeit bleibt auf Rekordhoch</strong><br />
Die EU-Kommission hat ihre d&#252;stere Wirtschaftsprognose f&#252;r das laufende Jahr best&#228;tigt. In ihrer am Freitag von Wirtschaftskommissar Olli Rehn in Br&#252;ssel pr&#228;sentierten Fr&#252;hjahrsprognose geht die EU-Kommission wie bereits im Februar von einer &#8220;milden Rezession&#8221; f&#252;r die EU-Wirtschaft aus. In der zweiten Jahresh&#228;lfte werde langsam der Aufschwung einsetzen und sich 2013 fortsetzen, sagte Rehn. Die Arbeitslosenrate in Eurozone wird laut der Prognose heuer und im n&#228;chsten Jahr mit 11,0 Prozent einen neuen Rekord erreichen.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336696558075/Eurozone-in-Rezession-Arbeitslosigkeit-bleibt-auf-Rekordhoch">Der Standard</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Gewerkschaft attackiert Berliner Bio-Superm&#228;rkte</strong><br />
Wer im Biosupermarkt einkauft, glaubt f&#252;r sich und die Umwelt Gutes zu tun. Doch Verdi kritisiert geringe Stundenl&#246;hne und hohe Belastungen. [...]<br />
Nach Einsch&#228;tzung der Gewerkschaft Verdi gibt es in den meisten &#214;koketten weder Betriebsr&#228;te noch Tarifvertr&#228;ge. Selbst in den M&#228;rkten von Rewe, Kaufland, Aldi oder Lidl w&#252;rden nach Tarif bessere Stundenl&#246;hne gezahlt. [...]<br />
Als Beispiel f&#252;hrt die Gewerkschaft die Berliner Supermarktkette Bio Company auf. „Dort bekommt eine Aushilfe, die nur befristet besch&#228;ftigt ist, brutto 7,50 Euro pro Stunde“, berichtet Verdi-Einzelhandelsexpertin Janet Dumann. Der Stundenlohn f&#252;r fest Angestellte liege bei um die 9 Euro. Im Vergleich dazu: Nach Tarif werde einer gelernten Kassiererin ein Bruttostundenlohn von 13,50 Euro gezahlt, eine ungelernte Kraft bekomme gut 9 Euro im ersten Berufsjahr.<br />
Doch nicht nur das Geld sei das Problem. Klagen gebe es auch dar&#252;ber, dass oft weder Arbeits- noch Ruhezeiten eingehalten werden<br />
Quelle: <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article106233232/Gewerkschaft-attackiert-Berliner-Bio-Supermaerkte.html">Morgenpost</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Der &#214;ko-Schickeria vom Prenzlauer Berg waren die Arbeitsbedingungen der emsigen Bienen, die ihnen ihr politisch korrektes Leben erm&#246;glichen, doch eigentlich schon immer komplett egal. F&#252;r Leser, die das Thema interessiert, sei hier noch einmal w&#228;rmstens der nun schon f&#252;nf Jahre alte Artikel <a href="http://www.zeit.de/2007/46/D18-PrenzlauerBerg-46">„Bionade-Biedermeier“ aus der ZEIT</a> empfohlen &#8211; bis heute hat sich an den beschriebenen Umst&#228;nden nichts ge&#228;ndert.</em></li>
<li><a name="h13"></a><strong>EU im Notstandsmodus</strong><br />
Der ehemalige Verfassungsrichter Ernst Wolfgang B&#246;ckenf&#246;rde pr&#228;gte j&#252;ngst das treffende Wort: „Die europ&#228;ische Not kennt kein Gebot“. Und das ist kein trivialer Spruch. Gemeint ist, dass die Union bzw. die Regierungen ihrer Mitgliedstaaten im Angesicht der Krise offenbar bereit sind, sich freih&#228;ndig &#252;ber alle Grenzen hinwegzusetzen, die sich aus dem Prim&#228;rrecht der Union oder dem nationalen Verfassungsrecht einschlie&#223;lich der Grundrechte ergeben k&#246;nnten. Es herrscht in der Tat eine ausgesprochene Notstandsmentalit&#228;t. Regierungen und Organe der Union agieren im Rahmen einer ungeschriebenen Notstandsverfassung. Dies muss, auch wenn nat&#252;rlich jedem die Bew&#228;ltigung der europ&#228;ischen Finanzkrise in der Sache sehr am Herzen liegt, aus rechtsstaatlichem und demokratischem Blickwinkel zutiefst beunruhigen. Deutlich wird dies etwa im Falle des Fiskalpaktes, der bis Ende Mai im Bundestag mit Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden soll.<br />
Quelle: <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/mai/eu-im-notstandsmodus?print">Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Wilhelm Heitmeyer: Rechtsextremismus und gesellschaftliche Selbstentlastung</strong><br />
Die &#246;ffentliche Debatte und die Auseinandersetzung in den politischen Institutionen hat sich anl&#228;sslich der Aufdeckung der Morde durch den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) der sogenannten Zwickauer Zelle aufschlussreich entwickelt. Es sollte daher auch die Frage aufgeworfen werden, ob es sich um einen selbstt&#228;uschenden Duktus handelt, der statt auf Selbstaufkl&#228;rung eher auf gesellschaftliche Selbstentlastung hinausl&#228;uft. Diese w&#228;re etwa gegeben, wenn im &#246;ffentlichen und politischen Diskurs eine Abtrennung der verbrecherischen Terrorzelle von einer ansonsten als „intakt“ dargestellten Gesellschaft betrieben w&#252;rde.<br />
Quelle: <a href="http://www.das-parlament.de/2012/18-19/Beilage/005.html">Aus Politik und Zeitgeschichte</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Die NachDenkSeiten haben heute Morgen auf den Artikel von John Goetz, Hans Leyendecker, Nicolas Richterund Tanjev Schultz hingewiesen: &#8220;<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h13">Anatomie eines Staatsversagens: Warum es der Polizei nie gelang, die Terroristen zu finden</a>&#8220;.</em></p>
<p><em>Leider ist er kostenpflichtig. Es ist einfach ersch&#252;tternd zu lesen,  wie die Spezialermittler der Landeskriminal&#228;mter und des BKA die Morde der Neonazi-Zelle &#252;ber ein Jahrzehnt der kriminellen Unterwelt zuordneten. Fast gespenstisch mutet ein Treffen der Familie der deutschen Profiler bzw. der Ermittler der Abteilung &#8216;Operative Fallanalyse&#8217; (OFA)  im April 2007 an. Die Crème de la Crème der deutschen Ermittler kommt einfach nicht dazu, den naheliegenden Schluss  zu ziehen: Die bisherige Analyse hat uns nicht weitergebracht, lasst uns nach einem neuen Muster suchen. &#8211; Allerdings tappen Politik und Medien wie auch die &#214;ffentlichkeit in eine neue Falle. So wichtig der Untersuchungsausschuss im Bundestag oder interne Analysen der Landeskriminal&#228;mter und des BKA wie auch der Medien sind, die das Versagen der Ermittlungen zum Thema haben, sie f&#252;hren am eigentlichen Thema vorbei: Wie entsteht &#8220;Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in der Bev&#246;lkerung&#8221; und wie gehen wir damit um? Wilhelm Heitmeyer, der mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zu diesem Thema forscht, verweist auf die vielfach geh&#246;rte Meinung: &#8220;W&#228;ren nur die Kontrollen effizienter gewesen, h&#228;tten die dramatischen Probleme vermieden werden k&#246;nnen.&#8221; Er spricht von der dabei von der Dominanz des Kontrollparadigmas in den Diskussionen und der &#8220;Vernachl&#228;ssigung des gesellschaftlichen Entstehungs- und Radikalisierungsparadigmas&#8221; und verweist auf die Attraktivit&#228;t des Kontrollparadigmas auch f&#252;r das interessierte und informierte Publikum. &#8220;In den Diskussionen wird meist rasch auf die „fassbaren“ und benennbaren rechtsextremistischen Gruppen umgelenkt, es wird dann der verst&#228;rkte Einsatz von Polizei und Verfassungsschutz gefordert, w&#228;hrend eine Debatte &#252;ber die empirischen Ergebnisse von Bev&#246;lkerungsmentalit&#228;ten als Legitimations- und Resonanzboden meist verweigert wird.&#8221; Im Kontrollparadigma wird von dem &#8220;Kontinuum der Radikalisierung durch soziale Beeinflussungsprozesse mit politischem Inhalt wie vor allem der Ideologie der Ungleichwertigkeit&#8221; abgelenkt. Die NDS haben heute Morgen, wie leider viel zu oft, auf die verh&#228;ngnisvolle Rolle <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h13">gewisser Medien verweisen m&#252;ssen</a>.</em></p>
<p><em>Es wird viel vom Verbot der NPD geredet, aber dieses Verbot ist nicht die Antwort auf grundlegenden Ur-sachen, denen sich auch die NDS zu widmen versuchen: Die &#8220;rapide Verst&#228;rkung der sozialen Spaltung in dieser Gesellschaft, wie sie der j&#252;ngste OECD-Bericht und andere Ver&#246;ffentlichungen offenbaren &#8230; Dabei ist v&#246;llig unstrittig, dass massive Ungleichheit Gesellschaften zersetzen kann. Kernnormen wie Gerechtigkeit, Solidarit&#228;t und Fairness werden in unserer Untersuchung von gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung nicht mehr als realisierbar angesehen. Das hat Folgen, denn die sozialstrukturelle Desintegration unterer sozialer Lagen h&#228;ngt mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zusammen. Spiegelt man dies auf soziale Spaltung, so h&#228;tte die Politik dieser Entwicklung massiv entgegenzusteuern. Tut sie das nicht, ist sie am Entstehungs- und Radikalisierungsparadigma beteiligt.&#8221; Der Aufsatz von Heitmeyer stammt aus dem Themenheft &#8220;Rechtsextremismus&#8221; der Beilage der Zeitschrift das Parlament &#8220;<a href="http://www.das-parlament.de/2012/18-19/index.html">Aus Politik und Zeitgeschichte</a>&#8220;.</em></p>
<p><em>Auch im April ist ein Heft zur <a href="http://www.das-parlament.de/2012/16-17/index.html">Ideologie der Ungleichwertigkeit erschienen</a>.</em></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Wahlkampf gegen Bertelsmann &#038; Co.</strong><br />
Vor einem Monat beschlossen die Piraten in NRW auf ihrem ad hoc einberufenen Programmparteitag u.a. der fragw&#252;rdigen Bertelsmann-Stiftung den Kampf anzusagen und das NRW-Stiftungsrecht einer dringenden Revision zu unterziehen. Entlobbysierung der Politik ist eine Kernforderung der Piraten. Es war klar, dass die politisch einflussreiche Bertelsmann-Stiftung reagieren w&#252;rde, insbesondere gegen eine Partei, die auch das bestehende Urheberrecht auf den Pr&#252;fstand stellt. [...]<br />
Doch nun ist es – wem auch immer – gelungen, 1500 Urheber zusammen zu trommeln, deren Echo den Eindruck erweckt, als wollten die Piraten das Urheberrecht abschaffen, was nun einmal schlichtweg Rufmord ist. In der Liste der K&#252;nstler, die sich f&#252;r die Kampagne hergegeben haben, finden sich auch die Namen von solchen, denen man ein h&#246;heres Ma&#223; an Intelligenz und Charakter zugetraut h&#228;tte. Schade eigentlich.<br />
Quelle: <a href="http://www.kanzleikompa.de/2012/05/11/wahlkampf-gegen-bertelsmann-co/">Markus Kompa</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Markus Kompa wei&#223;t zurecht auf den Kampagnencharakter der „Urheberrechtsdiskussion“ hin. Leider geht dabei jedoch unter, dass die Piraten das Urheberrecht zwar nicht „abschaffen wollen“, ihre konkreten Vorschl&#228;ge jedoch ebenfalls h&#246;chst fragw&#252;rdig sind.</em></li>
</ol>
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		</item>
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		<title>Irrungen, Wirrungen, Verm&#246;gensabgabe</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 09:43:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denkfehler Wirtschaftsdebatte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Vorstellung, die Verm&#246;genden wesentlich st&#228;rker als bisher zur Finanzierung der Folgekosten der Finanzkrise heranzuziehen, ist – vollkommen zu Recht – popul&#228;r. Neben einer einmaligen Verm&#246;gensabgabe geh&#246;rt auch eine Verm&#246;genssteuer zu den Instrumenten, mit denen man die Staatsfinanzierung auf solidere Beine stellen k&#246;nnte. Nicht nur bei den Detailfragen ist hier jedoch Vorsicht geboten. Eine Fokussierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Vorstellung, die Verm&#246;genden wesentlich st&#228;rker als bisher zur Finanzierung der Folgekosten der Finanzkrise heranzuziehen, ist – vollkommen zu Recht – popul&#228;r. Neben einer einmaligen Verm&#246;gensabgabe geh&#246;rt auch eine Verm&#246;genssteuer zu den Instrumenten, mit denen man die Staatsfinanzierung auf solidere Beine stellen k&#246;nnte. Nicht nur bei den Detailfragen ist hier jedoch Vorsicht geboten. Eine Fokussierung auf die Geldverm&#246;gen, wie sie beispielsweise in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden vom Publizisten Harald Schumann <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/schuldenkrise-die-eurozone-braucht-eine-vermoegensabgabe/6581954.html">vorgenommen wird</a> ist nicht sinnvoll und auch nicht umsetzbar, verst&#246;&#223;t sie doch gegen das Grundgesetz. Die Diskussion rund um die Besteuerung von Verm&#246;gen k&#246;nnte wesentlich konstruktiver verlaufen, wenn man popul&#228;re Denkfehler vermeidet. Von <strong>Jens Berger</strong>.<br />
<span id="more-13207"></span><br />
Harald Schumanns Vorschlag zur L&#246;sung der Eurokrise mag auf den ersten Blick sehr verlockend sein. In seinem Artikel „<a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/schuldenkrise-die-eurozone-braucht-eine-vermoegensabgabe/6581954.html">Die Eurozone braucht eine Verm&#246;gensabgabe</a>“ schreibt der Tagesspiegel-Autor folgendes:</p>
<blockquote><p><em>Wie kann die &#220;berschuldung zur&#252;ckgef&#252;hrt werden, ohne die Wirtschaft zu ruinieren? Die Antwort ist naheliegend, aber noch immer ein politisches Tabu. Wo es „zu viele“ Schulden gibt, da gibt es zwangsl&#228;ufig auch „zu viel“ Verm&#246;gen. Denn das eine ist immer der Spiegel des anderen. Wenn also Schulden getilgt werden sollen, ohne dass damit die Nachfrage auf breiter Front einbricht, dann kann dies nur &#252;ber eine Abgabe auf die Geldverm&#246;gen geschehen, die in hohem Ma&#223;e bei einem kleinen Teil der Bev&#246;lkerung konzentriert sind. [...] Allein drei Millionen von 500 Millionen Europ&#228;ern verf&#252;gen &#252;ber mehr als eine Million Dollar liquide Geldanlagen. Zusammen besitzen sie gut zehn Billionen, mehr als doppelt so viel wie die Schulden der f&#252;nf Krisenstaaten zusammen.. W&#252;rde man diese Verm&#246;gen, die zu mindestens vier F&#252;nfteln B&#252;rgern aus der Euro-Zone geh&#246;ren und ohnehin nur Nachfrage nach Finanzanlagen erzeugen, mit einer zweiprozentigen j&#228;hrlichen Abgabe belegen, lie&#223;e sich damit der von Deutschlands Wirtschaftsweisen vorgeschlagene gemeinsame Schuldentilgungsfonds der Euro-Zone planbar und auf lange Frist abtragen.</em></p></blockquote>
<p>Gut gebr&#252;llt L&#246;we! Leider fehlt diesem Vorschlag jedoch die Substanz. Um Schumanns Denkfehler zu erkennen, sollte man sich zun&#228;chst vor Augen halten, was Geldverm&#246;gen eigentlich sind. Die „zehn Billionen Dollar“ der europ&#228;ischen Million&#228;re sind beispielsweise kein Geldverm&#246;gen[<a href="#foot_1" name="note_1">*</a>], da die Summe den Immobilienbesitz beinhaltet.<br />
Das Geldverm&#246;gen ist nur ein Teil des Gesamtverm&#246;gens. Beispielsweise tauchen weder das geerbte, noch das selbst finanzierte und abbezahlte Haus im Geldverm&#246;gen auf. Auch andere G&#252;ter, die einen, mal mehr, mal weniger klar definierten Tauschwert haben, tauchen im Geldverm&#246;gen nicht auf; weder Unternehmensanteile noch Goldbarren, Edelsteine, Gem&#228;lde oder M&#252;nzsammlungen. So kann es durchaus sein, dass einige der wohlhabendsten B&#252;rger dieses Landes &#252;berhaupt kein nennenswertes Geldverm&#246;gen haben, das f&#252;r eine Abgabe oder eine Steuer herangezogen werden k&#246;nnte.</p>
<p>Wenn Harald Schumann eine Verm&#246;gensabgabe auf das Geldverm&#246;gen erheben will, konzentriert er sich dabei nur auf einen Teil der Verm&#246;genswerte. Wer Anleihen besitzt, muss Schumanns Abgabe zahlen, wer stattdessen beispielsweise Mietsh&#228;user besitzt, kommt ungeschoren davon. Wer Teilhaber einer Aktiengesellschaft ist, muss zahlen, wer Teilhaber einer GmbH oder KG ist, bleibt au&#223;en vor. Damit greift Schumann – wahrscheinlich ohne es zu wissen – die &#252;berwunden geglaubte Aufteilung in „schaffendes“ und „raffendes“ Kapital auf. Eine solche Aufteilung ist jedoch heutzutage nicht zweckdienlich, vor allem dann nicht, wenn es um die Besteuerung von Verm&#246;gen geht.</p>
<p>Wer einen Verm&#246;gensberater hat, der seinen Titel nicht in einem Schnelllehrgang bei Maschmeyers AWD hinterhergeworfen bekommen hat, kann die angedachte Verm&#246;gensabgabe auf Geldverm&#246;gen spielend leicht umgehen. Man gr&#252;nde einfach zusammen mit seiner Frau oder einem beliebigen Strohmann eine KG, die das eigene Geldverm&#246;gen verwaltet und schon z&#228;hlt das eigene Verm&#246;gen nicht mehr zum abgabepflichtigen Geldverm&#246;gen. Wem das zu banal sein sollte, der findet in Luxemburg, Liechtenstein, Singapur oder der Schweiz ganz sicher ohne Probleme vorgefertigte L&#246;sungen, mit denen er sein Geldverm&#246;gen in andere Verm&#246;gensformen umwandeln kann.</p>
<p>Eine Verm&#246;gensabgabe, die nur die Geldverm&#246;gen als Besteuerungsbasis vorsieht, ist somit vor allem eines – ungerecht. Es ist nicht logisch zu verstehen, warum man eine Verm&#246;gensform besteuern sollte, w&#228;hrend man andere Verm&#246;gensformen au&#223;en vor l&#228;sst. Aus diesem Grund w&#252;rde eine solche Abgabe auch sofort vom Bundesverfassungsgericht kassiert. 1995 erkl&#228;rten die Verfassungsrichter die alte Form der deutschen Verm&#246;genssteuer f&#252;r <a href="http://lexetius.com/2001/8/224">verfassungswidrig</a>, da sie Immobilienverm&#246;gen bei der Besteuerung besser stellte als andere Verm&#246;gensformen. Schumanns Verm&#246;gensabgabe stellt Immobilien-, Grund- und Firmenanteilsverm&#246;gen nicht nur besser, sondern schlie&#223;t diese Verm&#246;gensformen sogar komplett von der Erhebung aus. Es lohnt sich nicht, &#252;ber eine Form der Verm&#246;gensabgabe zu diskutieren, die derart offensichtlich mit dem Grundgesetz kollidiert.</p>
<p>Sowohl eine einmalige Verm&#246;gensabgabe als auch eine dauerhafte Verm&#246;genssteuer sind sehr sinnvolle Instrumente, um die Staatsfinanzen auf eine solidere und vor allem gerechtere Basis zu heben. Dann muss die Berechnungsgrundlage jedoch ebenfalls solide und gerecht sein und vor allem alle Verm&#246;gensformen beinhalten. Im Zivilrecht gibt es beispielsweise den „Offenbarungseid“[<a href="#foot_2" name="note_2">**</a>], der selbstverst&#228;ndlich nicht nur die Geldverm&#246;gen erfasst. Die Basis einer Verm&#246;gensabgabe/-steuer sollte sich daher am „Offenbarungseid“ orientieren. Nat&#252;rlich gibt es auch bei der Umsetzung Detailfragen, die diskutiert werden m&#252;ssen. Wie ist beispielsweise eine Privatperson zu besteuern, deren gesamtes Verm&#246;gen ein selbstgef&#252;hrter Betrieb ist, der zur Zeit der Abgabenbemessung keine &#220;bersch&#252;sse erwirtschaftet hat? Es kann nicht im Sinne der Allgemeinheit sein, wenn die Verm&#246;gensbesteuerung zu einem kontraproduktiven Zwangsverkauf von Verm&#246;genswerten f&#252;hrt. Man sollte jedoch das Fell nicht verteilen, bevor der B&#228;r erlegt ist. Zun&#228;chst einmal sollte es darum gehen, den politischen Willen f&#252;r eine solide und gerechte Besteuerung von Verm&#246;gen zu schaffen. </p>
<p>Geistige Schnellsch&#252;sse wie eine Geldverm&#246;gensabgabe sind da jedoch kontraproduktiv, diskreditieren sie doch das wichtige politische Ziel einer Verm&#246;gensbesteuerung ohne Not. Vielleicht will Schumann eigentlich auch etwas ganz anderes. Die Argumentationsf&#252;hrung f&#252;r seine Geldverm&#246;gensabgabe klingt eher so, als pl&#228;diere er f&#252;r einen teilweisen Schuldenerlass f&#252;r die Eurostaaten. Wenn er dies meint, sollte er es jedoch auch genau so schreiben. Alles andere dient nicht der Aufkl&#228;rung, sondern nur der weiteren Verwirrung.</p>
<div class="hr_wrap">
<hr /></div>
<div class="footnote">
<p>[<a href="#note_1" name="foot_1">«*</a>] Schumanns Quelle ist der World Wealth <a href="http://www.de.capgemini.com/insights/publikationen/world-wealth-report-2011/">Report von Cap Gemini</a>, dessen Methodik sich nicht an der volkswirtschaftlichen Definition von Verm&#246;genswerten orientiert, sondern Verm&#246;gensberatern einen &#220;berblick &#252;ber besonders verm&#246;gende Kunden verschaffen soll. Aus der Methodik wird ferner nicht klar, ob es sich bei den Angaben um Brutto- oder Nettoverm&#246;gen handelt, ob die Schulden also abgezogen worden oder nicht.</p>
<p>[<a href="#note_2" name="foot_2">«**</a>] juristischer Ausdruck: „Eidesstattliche Versicherung der Vollst&#228;ndigkeit und Richtigkeit der im Verm&#246;gensverzeichnis gemachten Angaben“</p>
</div>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/9185dfd4a6de41528514474da9094b7b" width="1" height="1" alt=""></p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 06:35:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (MB/JB) Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert: 60.000 Euro von Bertelsmann und andere Beispiele: Das verdienen Europaabgeordnete nebenher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier finden Sie einen &#220;berblick &#252;ber interessante Beitr&#228;ge aus anderen Medien und Ver&#246;ffentlichungen. Wenn Sie auf “Mehr” klicken, &#246;ffnet sich das Angebot und Sie k&#246;nnen sich aussuchen, was Sie lesen wollen. (MB/JB)<br />
<span id="more-13201"></span><br />
Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h01">60.000 Euro von Bertelsmann und andere Beispiele: Das verdienen Europaabgeordnete nebenher</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h02">Wahlen in NRW</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h03">Wie Schwarzgeld-S&#252;nder mit Schweizer Konten davon kommen</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h04">Nachrichtenagenturen mahnen Blogger ab</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h05">Griechenland</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h06">Sparpolitik</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h07">Rentenpolitik in Deutschland: Volkswirtschaftlich unsinnig, sozialpolitisch verheerend</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h08">Gro&#223;britannien &#8211; Hunderttausende streiken gegen Pensionsreform</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h09">Allianz zockt mit Weizen</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h10">Leiharbeit im Kindergarten</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h11">&#220;ber den Wert der Arbeitnehmer und ihre „Anschlussverwendung“</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h12">Weniger Hartz IV wegen Eink&#252;nften aus Freiwilligem Sozialen Jahr</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h13">Auch eine massive Rasterfahndung trug nicht zur Aufkl&#228;rung der NSU-Morde bei</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h14">Wer hat&#8217;s enth&#252;llt?</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h15">Die Ausreden der Arbeitsverweigerer</a></li>
<li><a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201#h16">K&#246;nnen Sie von Ihrem Weingut leben? oder: ein offener Brief an G&#252;nther Jauch.</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13201&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>60.000 Euro von Bertelsmann und andere Beispiele: Das verdienen Europaabgeordnete nebenher</strong><br />
[...] Einer der Gro&#223;verdiener ist der nordrhein-westf&#228;lische Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne. Als Partner der international t&#228;tigen Gro&#223;kanzlei TaylorWessing kommt er auf monatliche Eink&#252;nfte der Stufe 4, also auf mindestens 10.000 Euro. Lehne ist als Vorsitzender des EU-Rechtsausschusses einer der einflussreichsten Europaabgeordneten, f&#252;r die Organisation Lobbycontrol geh&#246;rt er zu den “schlimmsten Lobbyisten” in Br&#252;ssel. Wie problematisch die Doppelfunktion Volksvertreter/Anwalt ist, zeigen Recherchen von abgeordnetenwatch.de: W&#228;hrend Lehnes Kanzlei 2010 einen Gro&#223;deal f&#252;r den Platten-Multi Sony Music einf&#228;delte, hatte der Abgeordnete Klaus-Heiner Lehne wenig sp&#228;ter im Europaparlament &#252;ber eine bessere “Durchsetzung von Urheberrechten” mitzuentscheiden. [...]<br />
Auch der Europaabgeordnete Elmar Brok aus Nordrhein-Westfalen geh&#246;rt zu den Volksvertretern mit einem gut bezahlten Nebenjob. Unbekannt war bislang die H&#246;he seines Beratergehalts bei der Bertelsmann AG, Europas gr&#246;&#223;tem Medienkonzern. Jetzt kommt heraus: Als “Senior Vice President Media Development” kassierte Brok zuletzt ein Gehalt der Stufe 3, also 60.000 bis 120.000 Euro j&#228;hrlich.<br />
Quelle: <a href="http://blog.abgeordnetenwatch.de/2012/05/10/60-000-euro-von-bertelsmann-und-andere-beispiele-das-verdienen-die-europaabgeordneten-nebenher/">Abgeordnetenwatch</a></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Wahlen in NRW</strong>
<ol type="a">
<li><strong>R&#246;ttgens peinliche Wahlkampfpatzer</strong><br />
Norbert R&#246;ttgen patzt im Wahlkampf. Erst unterschreibt er eine Zweite-Klasse-Bahnfahrkarte nach Berlin &#8211; am Wahlsonntag. Dann kommt er in einem TV-Interview ins Straucheln.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/nrw-wahl/nrw-wahl-roettgens-peinliche-wahlkampfpatzer,11941226,15209882,view,printVersion.html">Frankfurter Rundschau</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Volker Bahl:</strong> Oh, dabei hatte gerade die Kanzlerin Merkel im letzten NRW-Wahlkampf sogar f&#252;r Europa eine Lawine losgetreten (Jens Berger beschreibt das sch&#246;n in seinem Buch „Stresstest Deutschland“ &#8211; Wie gut sind wir wirklich ? http://westendverlag.de/westend/buch.php?p=65 „Statt sich kompromisslos hinter Griechenland zu stellen, spielte damals die dominante Leitkuh der Europaherde ganz offen mit dem Bankrott der Helenen. Wir schrieben den April 2010, in Nordrhein-Westfalen standen wichtige Landtagswahlen vor der T&#252;r, und Angela Merkel wollte ihrem Parteifreund J&#252;rgen R&#252;ttgers durch eine offene Ablehnung der Solidarit&#228;t mit Griechenland ein paar Prozentpunkte schenken“ &#8211; und begann die Spekulanten damit erst so richtig auf die Staatsschulden der Eurol&#228;nder im S&#252;den zu hetzen. So schreibt Jens Berger weiter : „H&#228;tte Merkel im April 2010 klipp und klar gesagt, dass Deutschland und die Eurozone &#252;ber die EZB die R&#252;ckzahlung der griechischen Anleihen ohne Wenn und Aber garantieren , w&#228;re die Eurokrise &#8211; in dieser jetzigen Form &#8211; damals im Keim erstickt worden.“ Und damit jubelte die Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schulden f&#252;r Europa &#8211; zugunsten der Spekulanten &#8211; erst so richtig hoch, denn wie Jens Berger weiter schreibt : „Statt der 90 Milliarden um die es im April 2010 ging, geht es heute um 4000 Milliarden Euro &#8211; so gro&#223; m&#252;sste nach den Berechnungen des Centre for European Policy Studies ein auch weiterhin wirkungsvoller Rettungsschirm sein.“ ( Jens Berger a.a.o. S.208 ) Der Wahlk&#228;mpfer R&#246;ttgen hat somit wohl etwas sehr Richtiges gesagt &#8211; nur anders als er es im ersten Anschein meint. Und dass er das noch auf diese Art &#252;berhaupt glauben kann, h&#228;ngt an der weiterhin noch weitgehend vorhandenen „Finanzmarktgl&#228;ubigkeit“ nicht nur unserer Kanzlerin , die uns in diese Desaster in Europa gef&#252;hrt hatte , sondern auch an den Medien, die das jubelnd begleitet.</em> </p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung MB:</strong> Der Wahlkampfpatzer „Bedauerlicherweise entscheidet der W&#228;hler“ ist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KHjraVrTmro">hier zu bestaunen</a>.</em></li>
<li><strong>R&#246;ttgen abgeschlagen hinter Kraft</strong><br />
NRW-Ministerpr&#228;sidentin Hannelore Kraft geht mit g&#252;nstigen Umfragewerten in die Landtagswahl am Sonntag. Zusammen kommen SPD und Gr&#252;ne in der aktuellen Yougov-Erhebung f&#252;r den „K&#246;lner Stadt-Anzeiger“ auf 49 Prozent.<br />
Quelle: <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1336568550150.shtml">K&#246;lner Stadtanzeiger</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers K.-H. A.:</strong> Mit dieser „eigenen“ Umfrage des K&#246;lner StadtAnzeigers (mit SAT1-NRW) wird die halbe Titelseite gef&#252;llt. Auf Seite 6 der Printausgabe findet man winzig klein (6x4cm) eine andere Umfrage (von „Stern-RTL W&#228;hlertrend“) : „FDP stagniert bei 4%“ Diese Umfrage hatte wohl nicht das gew&#252;nschte Ergebnis und wurde weit nach hinten verbannt.</em></p>
<p><strong>dazu: die Kampagne geht weiter</strong></p>
<p><img src="http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/120511_4bild.jpg" alt="" /></p>
<p>Quelle: BILD</li>
</ol>
</li>
<li><a name="h03"></a><strong>Wie Schwarzgeld-S&#252;nder mit Schweizer Konten davon kommen</strong><br />
Eigentlich soll ihr Verm&#246;gen ab 2013 mit bis zu 41 Prozent besteuert werden und dieses Geld an den deutschen Fiskus zur&#252;ckflie&#223;en. Doch bis dieses geplante Steuerabkommen mit der Schweiz in Kraft tritt, k&#246;nnen Betr&#252;ger ihr Konto dort aufl&#246;sen oder woanders neu er&#246;ffnen.<br />
Steuerfl&#252;chtlinge werden nerv&#246;s [...]<br />
Dabei ist das Angebot der Bundesregierung an die Steuerfl&#252;chtigen &#228;u&#223;erst gro&#223;z&#252;gig. Wer Geld in der Schweiz versteckt hat, kann es nachtr&#228;glich legalisieren &#8211; zum Angebotspreis, anonym und straffrei. 19 bis 34 Prozent Nachsteuer sah das Abkommen zun&#228;chst vor. Auf Druck der Opposition wurden die S&#228;tze auf 21 bis 41 Prozent erh&#246;ht. [...]<br />
Das Steuerabkommen werde Steuerhinterziehung in der Schweiz auch k&#252;nftig keinesfalls verhindern. Vor allem nicht von sehr Verm&#246;gende und sehr Wohlhabenden, weil es f&#252;r sie ein Leichtes sei, ihr Verm&#246;gen &#252;ber Stiftungen wie zum Beispiel Liechtensteiner Stiftungen so zu strukturieren, dass sie auch weiterhin nicht der Besteuerung unterliegen.<br />
Im Grunde reiche es daf&#252;r aus, das pers&#246;nliche Konto noch &#8211; bis zum Stichtag 01. Januar 2013 – in ein Firmen- oder Stiftungs-Konto umzuwandeln, so dass es keine erkennbare Verbindung mehr zum eigentlichen Besitzer des Geldes gibt.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,afdthcb9k4cdqbtz~cm.aspR">ARD PlusMinus (Text)</a><br />
Quelle 2: <a href="http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/10464332_finanzkrise-geldgeschenke-an-die-banken">ARD-Mediathek (Video)</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Der Beitrag von Plusminus ist sehr empfehlenswert, geht er doch in anschaulicher Art und Weise auf Details ein, die in den meisten Berichten zum Thema gerne verschwiegen werden.</em></p>
<p><strong>Zum Thema:</strong> <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=12942">Ein Steuerabkommen mit Sollbruchstellen</a>.</li>
<li><a name="h04"></a><strong>Nachrichtenagenturen mahnen Blogger ab</strong><br />
[...] Es geht um angebliche Urheberrechtsverletzungen auf seiner Website. Mittlerweile hat Gall schon drei solcher Abmahnungen bekommen, alle von der Rechtsanwaltskanzlei ksp: ein Mal im Auftrag der Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) und zwei Mal im Auftrag der dapd Nachrichtenagentur. Der Text in  allen drei Schreiben ist nahezu identisch.  Es geht um &#8220;Schadensersatz&#8221; von insgesamt mehrere Tausend Euro. Bezahlt hat Gall diese Forderungen nicht. Trotzdem haben sie ihn schon Hunderte Euro gekostet &#8211; f&#252;r seinen Anwalt, den er auch bezahlen muss, wenn er im Recht ist. [...]<br />
Ausgerechnet Nachrichtenagenturen sind Vorreiter auf dieser Abmahnwelle. Ebenfalls davon betroffen: die Nachdenkseiten aus K&#246;ln, genauso wie &#8220;duckhome&#8221; aus Berlin oder der Grimme-Preis-gekr&#246;nte Blog des Sportjournalisten Jens Weinreich.<br />
Quelle: <a href="http://www.ndr.de/ratgeber/netzwelt/abmahnungen103.html">NDR</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Griechenland</strong>
<ol type="a">
<li><strong>F&#252;r Walden Bello schuldet Griechenland den Banken herzlich wenig</strong><br />
Banken h&#228;tten den Griechen &#8220;Kredite nachgeschmissen&#8221;. Die Schulden erinnern den Globalisierungskritiker Bello ein wenig an jene von Diktatoren<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336563119994/Globalisierungskritik-Fuer-Walden-Bello-schuldet-Griechenland-den-Banken-herzlich-wenig">Der Standard</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Gut gebr&#252;llt L&#246;we! Die Schulden bei den Banken spielen mittlerweile jedoch nur eine untergeordnete Rolle, da sie entweder abgeschrieben oder von den „Rettern“ (EU, IWF, EZB) &#252;bernommen wurden. Nun geht es um die Schulden bei den „Rettern“. F&#252;r Griechenland ist das ein gro&#223;es Problem, da man mit den Banken wenigsten verhandeln kann, w&#228;hrend die „Retter“ in dieser Hinsicht absolut kompromisslos sind.</em></li>
<li><strong>Union feuert Warnschuss nach Athen</strong><br />
[...] Der Rettungsfonds EFSF feuerte bereits einen Warnschuss ab: Von der seit l&#228;ngerem zugesagten Kredit-Tranche im Volumen von 5,2 Milliarden Euro wird zun&#228;chst einmal eine Milliarde einbehalten. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Donnerstag, man gehe davon aus, dass &#8220;die verbleibende eine Milliarde Euro, welche der EFSF nicht ausgezahlt hat, zur gegebenen Zeit &#252;berwiesen wird&#8221;.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336563055627/Milliarde-einbehalten-Union-feuert-Warnschuss-nach-Athen">Der Standard</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h06"></a><strong>Sparpolitik</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Europa geht nur anders: Investitionen, Jobs und Wohlstand statt Arbeitslosigkeit und Armut</strong><br />
Die Krise im Euroraum bedroht mittlerweile Wirtschaft und Arbeitspl&#228;tze in ganz Europa. Versch&#228;rft wurde sie durch falsche Diagnosen und untaugliche politische Mittel. Nicht die Staatsschulden sind das Problem; es ist die Finanzierung &#252;ber den Finanzmarkt, die nicht mehr funktioniert. Sparen allein hilft nicht. Doch es gibt einen Ausweg.<br />
Quelle: <a href="http://www.dgb.de/themen/++co++56c1a79e-952e-11e1-6c52-00188b4dc422">DGB</a></li>
<li><strong>Merkel lehnt „Wachstum auf Pump“ ab</strong><br />
Bundeskanzlerin Merkel h&#228;lt an ihrem Kurs zum Schuldenabbau fest. Auf dem bevorstehenden G8- und Nato-Gipfel kommende Woche will Merkel klar machen, dass die &#220;berwindung der Schuldenkrise „nicht &#252;ber Nacht“ erfolgen kann.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/schuldenkrise/regierungserklaerung-der-kanzlerin-merkel-lehnt--wachstum-auf-pump--ab,1471908,15213512,view,printVersion.html">Frankfurter Rundschau</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.K.:</strong> Merkel startet erneut den verbalen Versuch, Europa und die dort lebenden Menschen mit neoliberalen „Strukturreformen“ zu &#252;berziehen: Reallohnsenkungen, Absenkung der Mindestl&#246;hne, Einschnitte in die Sozialetats, Abbau des K&#252;ndigungsschutzes, „Liberalisierung“ und „Flexibilisierung“ der Arbeit, Rentenk&#252;rzungen etc.. W&#252;rden diese neoliberalen „Strukturreformen“ europaweit umgesetzt, dann d&#252;rfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis Merkel und Co. von den deutschen Arbeitnehmern wegen der „mutigen Strukturreformen bei unseren europ&#228;ischen Nachbarn“ erneut „finanzielle Opfer zur Sicherung unseres Wirtschaftsstandortes“ abverlangen werden. Indem Kanzlerin Merkel ganz bewu&#223;t die Einnahmenseite des deutschen Staatshaushaltes und der europ&#228;ischen Staatshaushalte ausblendet, streut sie den Menschen einmal mehr Sand in die Augen. Diese Taktik verf&#228;ngt bisher nur deshalb weitgehend, weil Merkel sich auf einen &#252;berm&#228;chtigen rechtskonservativ-neoliberalen Mediensektor st&#252;tzen kann. Merkel verschweigt, da&#223; zur Finanzierung von Wachstumsprogrammen (z.B. Infrastrukturinvestitionen) jene Kreise steuerlich herangezogen werden k&#246;nnten, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Profiteure von massiven Steuerenkungen gewesen sind: Die Spitzenverdiener und die Eigent&#252;mer gro&#223;er Verm&#246;gen. Eine Neuausrichtung der Steuerpolitik in Europa und dar&#252;ber hinaus in den &#252;brigen Staaten der OECD w&#228;re zudem ein zukunftsweisendes „linkes Projekt“. Diese Neuausrichtung w&#252;rde den Menschen in Deutschland und den &#252;brigen europ&#228;ischen und au&#223;ereurop&#228;ischen Industriestaaten das Vertrauen zur&#252;ckgeben, da&#223; die Negativfolgen aus den weltweiten finanzkapitalistischen Exzessen und aus den &#246;konomischen Sch&#228;den der Eurokrise nicht immer und stets &#252;berwiegend auf den Schultern der Gering- und Durchschnittsverdiener abgeladen werden. Eine m&#246;glichst OECD-weite Harmonisierung der Steuerpolitik w&#252;rde auch einer m&#246;glichen „Steuerflucht“ (eine der neoliberalen Lieblingsausreden f&#252;r eine h&#246;here steuerliche Belastung der „starken Schultern“) weitestgehend einen Riegel vorschieben.</em> </p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung MB:</strong> Und was war z.B. <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=3767">mit der Abwrackpr&#228;mie</a>? War Frau Dr. Merkel nicht Bundeskanzlerin, als die durch- und umgesetzt wurde?</em></li>
<li><strong>Wachstum f&#246;rdern – aber à la Hollandaise!</strong><br />
Frankreichs neuer Pr&#228;sident hei&#223;t François Hollande. Er wurde auch deshalb gew&#228;hlt, weil er den radikalen staatlichen Sparkurs ablehnt und stattdessen auf mehr Wirtschaftswachstum in Europa setzt. Und eines bewirkt Hollandes Wahlerfolg bereits: Von EU-Ratspr&#228;sident Herman van Rompuy &#252;ber Wirtschaftsminister R&#246;sler bis hin zu Angela Merkel rufen auf einmal alle nach Wachstum. Sie haben Angst, dass Frankreich den unsozialen Sparkurs in der EU nicht l&#228;nger mittragen wird. Deshalb kommen sie Hollande scheinbar entgegen. Aber der Schein tr&#252;gt. Tats&#228;chlich haben die Pl&#228;ne von R&#246;sler und Merkel mit der F&#246;rderung von Wachstum und Wohlfahrt nichts zu tun. Sie setzen vor allem auf „Strukturreformen“. Das hei&#223;t: Der Sozialstaat soll abgebaut werden, L&#246;hne sollen sinken, Arbeitsm&#228;rkte liberalisiert und staatliche Leistungen privatisiert werden. Wenn sich das private Kapital nur richtig austoben kann, so die Theorie, werde es schon f&#252;r Arbeitspl&#228;tze und Wirtschaftswachstum sorgen. Ein Irrglaube! Tats&#228;chlich steigen so vielleicht kurzfristig die Gewinne. Aber eben nicht durch Wachstum, sondern durch Umverteilung zu Lasten der Besch&#228;ftigten, der RentnerInnen und Arbeitslosen. Einfach die Bedingungen f&#252;r Arbeitgeber zu verbessern ist eine veraltete, marktgl&#228;ubige Strategie. Und sie ist sogar kontraproduktiv. Schlie&#223;lich werden in Griechenland, Spanien &#038; Co. bereits massiv „Strukturreformen“ durchgef&#252;hrt. Tarifvertr&#228;ge werden ausgehebelt und Infrastruktur privatisiert. Die Folge: Die Einkommen sinken und mit ihnen die Binnennachfrage. Die Wirtschaft bricht in allen Krisenstaaten ein. Strukturreformen bringen statt Wachstum nur Armut und Elend! Auch Deutschland kann kein Vorbild sein. Die „Reformen“ am hiesigen Arbeitsmarkt haben zur Ausbreitung von Leiharbeit und Niedriglohn-Jobs gef&#252;hrt. Entsprechend stagnierten das Lohnniveau und der private Konsum. Auch die Investitionen blieben seit Einf&#252;hrung des Euros deutlich hinter denen in Frankreich zur&#252;ck, wo die Strukturreformen weit weniger radikal waren. Deutschland konnte durch seine Exporte zwar noch BIPWachstum generieren, blieb aber auch dabei hinter Frankreich zur&#252;ck (siehe Grafik). Arbeitspl&#228;tze entstehen nicht durch Strukturreformen. Unternehmen weiten die Produktion nur aus, wenn ihre Produkte und Dienstleistungen nachgefragt werden. Die privaten Haushalte sorgen derzeit nicht f&#252;r genug Nachfrage – auch weil Einkommen und Verm&#246;gen sich bei denen konzentrieren, deren Bed&#252;rfnisse ges&#228;ttigt sind. Deshalb m&#252;ssen die Staaten ran. Sie m&#252;ssen daf&#252;r sorgen, dass die enormen Geldverm&#246;gen produktiv eingesetzt werden: Investitionen in zukunftsf&#228;hige Industrien und Dienstleistungen, in Bildung und &#246;kologische Modernisierung schaffen direkt Auftr&#228;ge an Unternehmen. Arbeitspl&#228;tze und neue Einkommen entstehen. Das st&#228;rkt auch die private Nachfrage wieder. Gleichzeitig wird die Entwicklung in S&#252;deuropa gef&#246;rdert. Der erste Schritt in Richtung Wachstum ist ein Stopp des Spar- und K&#252;rzungswahns. Frankreichs neuer Pr&#228;sident wei&#223; das. Deshalb will er mit dem Fiskalpakt brechen. Europa sollte auf Hollande h&#246;ren.<br />
Quelle: <a href="http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/17_2012_klartext_wachstum_frdern-aber_la_hollandaise.pdf">DGB [PDF - 135 KB]</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h07"></a><strong>Rentenpolitik in Deutschland: Volkswirtschaftlich unsinnig, sozialpolitisch verheerend</strong><br />
Jahrzehntelang baute die Alterssicherung in der Bundesrepublik auf dem Solidarprinzip auf: Diejenigen, die arbeiteten, finanzierten im so genannten „Umlageverfahren“ die Rente f&#252;r diejenigen, die – im Regelfall altersbedingt – nicht mehr arbeiteten. Seit etwa f&#252;nfzehn Jahren ist dieses System drastischen Verschlechterungen unterworfen, die das Solidarprinzip grunds&#228;tzlich in Frage zu stellen drohen. Dieser Artikel wirft einen Blick auf diese Entwicklungen. Der Text ist dabei in drei Teile gegliedert. Der erste Teil untersucht zun&#228;chst die Diskussionen um vermeintlich negative Folgen der zunehmenden Alterung – Stichwort Demographie. Die k&#252;rzeren Teile zwei und drei untersuchen schlie&#223;lich wesentliche politische Reaktionen auf diese Alterung: Es sind dies die Einf&#252;hrung einer auf dem so genannten „Kapitaldeckungsverfahren“ beruhenden S&#228;ule der Alterssicherung (Stichworte „Riester-Rente“, „R&#252;rup-Rente“) sowie die Verl&#228;ngerung der Lebensarbeitszeit (Stichwort „Rente mit 67“).<br />
Quelle: <a href="http://www.annotazioni.de/post/197">annotazioni</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Gro&#223;britannien &#8211; Hunderttausende streiken gegen Pensionsreform</strong><br />
Aus Protest gegen die geplante Pensionsreform sind in Gro&#223;britannien am Donnerstag hunderttausende Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen Dienstes in einen Streik getreten. Die Mitarbeiter von Schulen, Krankenh&#228;usern und anderen Beh&#246;rden verliehen mit dem 24-st&#252;ndigen Ausstand ihrem Unmut &#252;ber die Pensionspl&#228;ne der konservativen Regierung Ausdruck. Diese will das Pensionsalter im &#246;ffentlichen Dienst von 60 auf 67 Jahre anheben und Versicherungsbeitr&#228;ge erh&#246;hen. Die Gewerkschaften kritisieren, dass ihre Mitglieder damit f&#252;r weniger Geld mehr arbeiten m&#252;ssten. Sie hofften auf 400.000 Teilnehmer an dem Streik.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1336563102717/Grossbritannien-Hunderttausende-streiken-gegen-Pensionsreform">Der Standard</a></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Allianz zockt mit Weizen</strong><br />
Weil der Versicherungsriese Allianz mit seinem Investmentgesch&#228;ft Milliarden in Fonds f&#252;r Agrarrohstoffe angelegt, steht das Unternehmen in der Kritik. Die Hilfsorganisation Oxfam und kritische Aktion&#228;re machen den Versicherungskonzern f&#252;r Hunger verantwortlich.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/allianz-allianz-zockt-mit-weizen,1472780,15210296,view,printVersion.html">Frankfurter Rundschau</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Leiharbeit im Kindergarten</strong><br />
Alleinerziehend, arbeitslos, aufgeschmissen? Rund 260.000 Frauen und M&#228;nner in Deutschland haben kaum Chancen auf einen Job, weil sie ohne Partner ihre Kinder erziehen. Ein Berliner Projekt will das jetzt &#228;ndern &#8211; mit einer ungew&#246;hnlichen Methode.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/alleinerziehende-machen-erzieherausbildung-als-leiharbeiter-a-831997.html">Spiegel</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>&#220;ber den Wert der Arbeitnehmer und ihre „Anschlussverwendung“</strong><br />
11.000 Entlassungen bei Schlecker, 2500 geplante Entlassungen bei der Lufthansa, 1380 geplante Entlassungen bei Neckermann und 670 geplante Entlassungen bei Iveco-Nutzfahrzeugbau in Ulm. General Motors will die Produktion seines Hauptmodells Astra aus Deutschland abziehen. Dadurch drohen in R&#252;sselsheim, Bochum und Eisenach auch tausende Arbeitspl&#228;tze verloren zu gehen. Alle diese Entlassungen oder drohende Entlassungen von, zum Teil, langj&#228;hrigen Mitarbeitern werden nicht etwa den angeblich zu hohen Lohnkosten in Deutschland geschuldet, oder der Inkompetenz der Arbeitnehmer, oder deren Faulheit. Diese Entlassungen beruhen alle, einzig und allein auf Fehlentscheidungen des Management. Sogenannte F&#252;hrungskr&#228;fte, die unf&#228;hig waren und sind, auf die Ver&#228;nderung der M&#228;rkte zu reagieren.<br />
Quelle: <a href="http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de/2012/05/uber-den-wert-der-arbeitnehmer-und-ihre.html">Spiegelkabinett</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Weniger Hartz IV wegen Eink&#252;nften aus Freiwilligem Sozialen Jahr</strong><br />
Absolvieren Kinder von Hartz-IV-Beziehern ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), mindert das gezahlte Taschen- und Verpflegungsgeld die Hartz-IV-Leistungen. Dabei werden die FSJ-Eink&#252;nfte voll auf das Arbeitslosengeld II angerechnet, entschied das Sozialgericht Reutlingen in einem jetzt ver&#246;ffentlichten Urteil vom 23. April 2012 (Az.: S 12 AS 2086/11). Auch den Erwerbst&#228;tigenfreibetrag k&#246;nnen FSJler im Hartz-IV-Bezug danach nicht geltend machen.<br />
Im entschiedenen Rechtsstreit hatten eine Mutter und ihr Sohn h&#246;here Hartz-IV-Leistungen gefordert. Der Sohn hatte von April 2011 bis M&#228;rz 2012 beim „Internationalen Bund“ ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. F&#252;r seinen Dienst an der Allgemeinheit erhielt er ein Taschengeld, einen Verpflegungszuschuss sowie Wohngeld in H&#246;he von insgesamt 355 Euro monatlich.<br />
Quelle: <a href="http://www.juraforum.de/recht-gesetz/weniger-hartz-iv-wegen-einkuenften-aus-freiwilligem-sozialen-jahr-398250">JuraForum</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Auch eine massive Rasterfahndung trug nicht zur Aufkl&#228;rung der NSU-Morde bei</strong><br />
Die S&#252;ddeutsche Zeitung berichtete unter dem Titel “Neben der Spur” in ihrer Ausgabe vom 5./6. Mai 2012, S. 8 f &#252;ber die “Anatomie eines Staatsversagens” bei der Aufkl&#228;rung der Morde des sog. “Nationalsozialistischen Untergrunds” und st&#252;tzt sich dabei u.a. auf interne Unterlagen der Sonderkommission “Bosporus”, die der Zeitung vorliegen sollen.<br />
In dem Artikel hei&#223;t es auch, die Ermittler h&#228;tten 32 Millionen (!) Handy-, Bank- und Autovermietungsdaten erhoben. Zus&#228;tzlich seien 900 000 Haftdaten, 300 000 Hoteldaten und 100 000 Verkehrsdaten eingeholt worden. Ein Umstand, der aus b&#252;rgerrechtlicher Sicht einerseits erschreckend ist, andererseits aber zeigt, dass die Bedeutung technischer Ma&#223;nahmen h&#228;ufig &#252;bersch&#228;tzt wird. Das Scheitern der Ermittlungen der SOKO “Bosporus” – allein die Bezeichnung zeigt die falsche Weichenstellung bereits auf – war auf M&#228;ngel bei der klassischen Polizeiarbeit und auf eine unzureichende Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Landes- und Bundesbeh&#246;rden zur&#252;ckzuf&#252;hren.<br />
Quelle: <a href="http://www.internet-law.de/2012/05/auch-eine-massive-rasterfahndung-trug-nicht-zur-aufklarung-der-nsu-morde-bei.html">Internet-Law</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Wer hat&#8217;s enth&#252;llt?</strong><br />
Im Zusammenhang mit der Aff&#228;re um den ehemaligen Bundespr&#228;sidenten Christian Wulff ist ein erbitterter Streit zwischen dem in die Aff&#228;re verstrickten Film-Finanzier David Groenewold und der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung ausgebrochen. Die Zeitung musste dabei zuletzt empfindliche Niederlagen vor Gericht hinnehmen. Der Streit rankt sich darum, ob sich &#8220;Bild&#8221; zu Unrecht r&#252;hmt, wichtige Details der Aff&#228;re enth&#252;llt zu haben. [...]<br />
Das Landgericht Berlin best&#228;tigte nun in wesentlichen Punkten die Darstellung Groenewolds (hier und hier finden Sie die Urteile als PDF-Dokumente zum Nachlesen): Mit der &#220;berschrift &#8220;wird dem Leser suggeriert, dass die &#8216;Bild&#8217;-Zeitung eine weitere, bis dahin unbekannt gebliebene oder geheim gehaltene finanzielle Unterst&#252;tzung des ehemaligen Bundespr&#228;sidenten (…) an den Tag gebracht habe (n&#228;mlich die Bezahlung f&#252;r einen Hotelaufenthalt auf Sylt), die den aufgekommenen Korruptionsverdacht weiter erh&#228;rtet. (…) Tats&#228;chlich hatte der Antragsteller [David Groenewold, Anm. der Redaktion] bereits mit E-Mail vom 24. Januar 2012 dem NDR Rede und Antwort gestanden, der &#252;ber den gemeinsamen Sylt-Urlaub am 24. Januar 2012 berichtete.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/menschen_und_schlagzeilen/wulff1351.html">NDR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung JB:</strong> Peinlich, peinlich &#8211; vor allem f&#252;r die Jury des Henri-Nannen-Preises, die ausgerechnet <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13144">die BILD f&#252;r diese „Enth&#252;llung“ nominiert hat</a>.</em></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Die Ausreden der Arbeitsverweigerer</strong><br />
Viele Arbeitslose suchen h&#228;nderingend einen Job und finden keinen. Doch es gibt auch Hartz-IV-Empf&#228;nger, die sich mit den unglaublichsten Ausreden um Arbeit dr&#252;cken.<br />
Quelle: <a href="http://www.express.de/koeln/hartz-iv-empfaenger-die-ausreden-der-arbeitsverweigerer,2856,15211520.html">Express</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers D.W.:</strong> Die Propaganda aus dem Hause DuMont geht weiter. Nachdem man in einem kurzen Nebensatz betont, dass ja die meisten einen Job suchen w&#252;rden, folgt in epischer Breite ein l&#228;ngerer Text mit skurrilen “Ausreden”, die das Klischee vom faulen, arbeitsscheuen Arbeitslosen verfestigen.</em></p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung MB:</strong> Was f&#252;r eine journalistische Meisterleistung. Wir wollen gar nicht bestreiten, dass es solche F&#228;lle gibt. Und wer gezielt danach sucht, um eine Skandalstory daraus zu machen, wird sie auch finden. Dass damit Hunterttausende von ehrlichen Arbeitslosen und Erwerbslosen diffamiert werden, wird gerne in Kauf genommen. Das Neven-DuMont-Blatt ist hier nicht besser als die BILD.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>K&#246;nnen Sie von Ihrem Weingut leben? oder: ein offener Brief an G&#252;nther Jauch.</strong><br />
Am letzten Sonntag nahmen Sie Johannes Ponader, den politischen Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Piratenpartei, arg in die Mangel. Geschehen und gesehen in der Sendung, die so hei&#223;t, wie Sie hei&#223;en. Aufdringlich stellten Sie ihm die Frage, ob er von Hartz IV lebe &#8211; Ponader ist Theaterschaffender und lebt von Auftr&#228;gen, die ihm der Kulturbetrieb zuschustert. Wenn die nicht ausreichen, stockt er sein Sal&#228;r mittels Arbeitslosengeld II auf. Seine T&#228;tigkeit bei den Piraten ist (noch) ehrenamtlich. Ponader wich auch gar nicht aus, antwortete beharrlich, er w&#252;rde von seiner Kunst leben und auch von Sozialleistungen. Das reichte Ihnen nicht, Sie bohrten penetrant nach: Leben Sie von Hartz IV? [...]<br />
Mit Lindner von der FDP, der ebenso zugegen war, redeten Sie ganz anders. Was Sie bei Ponader so brennend interessierte, n&#228;mlich wie der seinen Lebensunterhalt bestreitet, das k&#252;mmerte Sie bei Lindner nicht. Es war Ihnen egal, dass Lindner mindestens 18.500 Euro im letzten Jahr an Nebent&#228;tigkeiten zu seinen Mandatsbez&#252;gen aufzuweisen hatte. Wahrlich ein kleines Licht in seinen Kreisen &#8211; aber f&#252;r 18.500 Euro k&#246;nnen bed&#252;rftige K&#252;nstler, wie eben jener Ponader, jahrelang aufgestockt werden. Linders T&#228;tigkeiten in K&#246;rperschaften und Anstalten, in Vereinen, Verb&#228;nden und Stiftungen, sind da noch gar nicht mitgez&#228;hlt. Und dass Lindner mit Kollegen bereits einen F&#246;rderkredit in H&#246;he von 1,2 Millionen Euro verbraten hat, davon wollten Sie auch nichts wissen. Der Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau ging das Geld verloren &#8211; und damit jenen &#246;ffentlichen Kassen, die Lindner heute vor den Schmarotzern sch&#252;tzen m&#246;chte. Und dass Sie mit Lindner &#252;ber Kubicki sprachen, nicht aber &#252;ber dessen &#8220;Nebent&#228;tigkeiten&#8221;, beispielweise die Beratung der liechtensteinischen Regierung, um die Steuerflucht deutscher Million&#228;re weiterhin krisenfest zu gestalten, macht auch stutzig. Der gl&#228;nzende Wahlsieger Kubicki, der mit seiner Partei nur ein Minus von knapp sieben Prozent gemacht hatte, sollte keinen Kratzer bekommen, um Lindner als n&#228;chsten Wahlsieger nicht zu gef&#228;hrden.<br />
Quelle: <a href="http://ad-sinistram.blogspot.de/2012/05/konnen-sie-von-ihrem-weingut-leben.html">ad sinistram</a></li>
</ol>
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		<title>Unter der Decke der neoliberalen Einheitspartei g&#228;rt es</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 13:53:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[So wird von einer Veranstaltung am 9. Mai an der Uni M&#252;nster berichtet, bei der Heiner Flassbeck in seinen bekannten Positionen sowohl von einem Vertreter der Deutschen Bank als auch von dem fr&#252;heren s&#228;chsischen Ministerp&#228;sidenten Georg Milbradt (CDU) unterst&#252;tzt wurde und bei der, zum offensichtlichen Entsetzen der Moderatorin von der FAZ (Heike G&#246;bel) auch Hans [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So wird von einer Veranstaltung am 9. Mai an der Uni M&#252;nster berichtet, bei der Heiner Flassbeck in seinen bekannten Positionen sowohl von einem Vertreter der Deutschen Bank als auch von dem fr&#252;heren s&#228;chsischen Ministerp&#228;sidenten Georg Milbradt (CDU) unterst&#252;tzt wurde und bei der, zum offensichtlichen Entsetzen der Moderatorin von der FAZ (Heike G&#246;bel) auch Hans Tietmeyer zugestehen musste, dass die Anpassung der Wettbewerbsf&#228;higkeit nicht nur einseitig von Seiten der Defizitl&#228;nder erfolgen kann. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.<br />
<span id="more-13198"></span><br />
Wir stehen vor dem Kollaps der Eurozone und damit auch vor einem Kollaps Europas. Wenn das geschehen ist, wenn Millionen Menschen wie jetzt schon in Griechenland, in Spanien und in Portugal dann auch in anderen L&#228;ndern vor dem wirtschaftlichen Aus und oft zugleich vor dem Ende jeglicher menschlichen Perspektive stehen, dann wird man hoffentlich die Frage stellen, wer dieses Ungl&#252;ck, in das wir sehenden Auges gelaufen sind, zu verantworten hat&#8230;</p>
<p>Wenn man dann zu einer ehrlichen Antwort f&#228;hig w&#228;re, dann m&#252;sste man feststellen: Es ist der gleiche Fehler wie bei der gro&#223;en Weltwirtschaftskrise 1929 gemacht worden. Es wurde sozusagen in die Krise hinein zu sparen versucht und damit logischerweise ohne Erfolg. Das konnte man dank der &#246;konomischen Theorie wissen, wenn man gewillt war, in volkswirtschaftlichen Zusammenh&#228;ngen und nicht nur betriebswirtschaftlich zu denken. Und man konnte es aus der Geschichte der Weltwirtschaftskrise wie auch dank aktueller Erfahrung wissen. Das Experiment l&#228;uft schlie&#223;lich schon seit zwei Jahren in Griechenland – erfolglos und damit f&#252;r Menschen ohne ideologische Binde vor den Augen erkennbar gescheitert.<br />
Aber die Ignoranz und die Gleichschaltung der herrschenden Meinung in Wissenschaft und Medien, in Politik und Wirtschaft war und ist so gro&#223;, dass weder die Erfahrung noch die leicht zu verstehende Theorie die notwendige Wirkung entfalten konnte.</p>
<p>Vielleicht aber bleibt uns diese Analyse des Ungl&#252;cks erspart, weil wir dieses noch abzuwenden verm&#246;gen. Die bisher gleichgeschaltete herrschende Meinung bekommt n&#228;mlich Risse. Unter der Decke g&#228;rt es. Blubbernde Blasen treten zum Vorschein: Die Bundesbank nehme h&#246;here Inflation in Kauf, k&#246;nnen wir <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/inflation-bundesbank-erlaubt-hoehere-teuerung-loehne-sollen-steigen-a-832358-druck.html">jetzt lesen</a>. Das wird zwar noch in der Sprache der herrschenden Ideologie vermittelt. Es wird nicht neutral formuliert, die Bundesbank nehme eine h&#246;here Preissteigerungsrate in Kauf. Nein, es hei&#223;t, die „Inflation“ bei uns k&#246;nne k&#252;nftig &#252;ber dem Durchschnitt der Europ&#228;ischen Wirtschafts- und W&#228;hrungsunion liegen. Ein Anstieg von 2 % auf 2,5 oder 2,6 % wird „Inflation“ genannt. Diese Borniertheit st&#246;rt uns jetzt nicht. Denn es bewegt sich etwas. Die Meldung geht auf eine &#196;u&#223;erung des Chefvolkswirts der deutschen Bundesbank zur&#252;ck. Man kann das als eine Korrektur der bisherigen Linie betrachten.<br />
Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die Anpassungsleistung innerhalb des Euroraums nicht nur von den s&#252;deurop&#228;ischen V&#246;lkern geleistet werden muss, sondern auch von uns. Die Preise und L&#246;hne m&#252;ssen bei uns etwas mehr als im europ&#228;ischen Durchschnitt steigen, damit sich die Volkswirtschaften der Eurozone wenigstens auf mittlere Sicht wieder ann&#228;hern. Ohne Ann&#228;herung der Entwicklung der Lohnst&#252;ckkosten, ohne Ann&#228;herung der Wettbewerbsf&#228;higkeit wird n&#228;mlich der gemeinsame W&#228;hrungsraum nicht zu halten sein. Die Bundesbank gibt mit der &#196;u&#223;erung des Chefvolkswirts erstmals zu, dass Deutschland Verantwortung f&#252;r ein neues Gleichgewicht im Euro-Raum hat.<br />
In die gleiche Richtung zielt die erstaunliche Ermunterung von Bundesfinanzminister Sch&#228;uble, h&#246;here L&#246;hne zu vereinbaren, und die eingangs zitierte &#252;berraschende &#220;bereinstimmung mit Heiner Flassbeck.</p>
<p>Dass es unter der Decke g&#228;rt, dass die Einheitsfront der Ignoranten aufbricht, hat wohl etwas damit zu tun, dass jetzt auch die Beobachter der Europ&#228;ischen Zentralbank und der Bundesbank, der Berliner Bundesregierung und auch einige der meinungsf&#252;hrenden Wirtschaftsjournalisten zu merken beginnen, dass sie mit ihrer bisherigen ideologisch bestimmten Linie eine Katastrophe herbeif&#252;hren. Sie sind mit ihrem Latein am Ende.<br />
Wahrscheinlich hat es sich inzwischen auch bis zu ihnen herumgesprochen, dass viele und wichtige Banken in s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern eigentlich bankrott sind. (Siehe dazu auch <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/deutschland-sieht-den-balken-im-eigenen-auge-nicht--58656717.html">Heiner Flassbeck</a>) Die Konten in Griechenland d&#252;rften sowieso ger&#228;umt sein. Es wird in anderen L&#228;ndern damit weitergehen, wenn nicht Entscheidendes geschieht. Und wenn sich bisher einige in Deutschland dar&#252;ber freuen, dass das zustr&#246;mende Geld hierzulande die Zinsen dr&#252;ckt, dann k&#246;nnten diese doch immerhin merken, dass es au&#223;er ihnen selbst in ihren Kreisen noch einige Umsichtigere gibt: Solche, die noch zu erfassen verm&#246;gen, welch eine Katastrophe der Zusammenbruch zuerst in Griechenland und dann in Spanien und immer weiter bis Italien und vielleicht bis Frankreich und dann auch hierzulande darstellen w&#252;rde.</p>
<p>Die Verantwortungslosigkeit neoliberal gepr&#228;gter Kreise ist vermutlich beachtlich und es gibt sicher die Uneinsichtigen. Aber es sieht so aus, dass einige aus diesen Zirkeln die „Hosen gestrichen voll haben“ und in Panik geraten. Darauf kann man nur hoffen. Damit man nicht hinterher die Scherben zusammen kehren muss und sich nicht hinterher dar&#252;ber her machen muss, das absehbare europ&#228;ische Ungl&#252;ck zu analysieren.</p>
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		<title>Verkehrte Welt: Die einzige Partei mit einer vern&#252;nftigen Haltung zur Finanz- und Wirtschaftskrise wird gemobbt &#8211; Die Linke.</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=13195</link>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 08:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linkspartei]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen, Koalitionen & Parteien]]></category>

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		<description><![CDATA[Die politische Entscheidungsfindung ist bei der entscheidenden Frage, was zur &#220;berwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise zu tun ist, gepr&#228;gt von Inkompetenz: Alle sollen sparen, auch wenn dieses in einer wirtschaftlich kritischen Situation als prozyklisches Sparen die Krise versch&#228;rft. Das hat am 7. Mai bei einer Expertenbefragung des Haushaltsausschuss zum Rettungsschirm ESM und zum Fiskalpakt auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die politische Entscheidungsfindung ist bei der entscheidenden Frage, was zur &#220;berwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise zu tun ist, gepr&#228;gt von Inkompetenz: Alle sollen sparen, auch wenn dieses in einer wirtschaftlich kritischen Situation als prozyklisches Sparen die Krise versch&#228;rft. Das hat am 7. Mai bei einer Expertenbefragung des Haushaltsausschuss zum Rettungsschirm ESM und zum Fiskalpakt auch das Mitglied des Sachverst&#228;ndigenrates Peter Bofinger einmal mehr best&#228;tigt. (Schriftliche Stellungnahme <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a08/anhoerungen/Fiskalpakt_und_ESM/Stellungnahmen/Prof__Dr__Peter_Bofinger.pdf">siehe hier [PDF - 400 KB]</a>) Prof. Bofinger sprach davon, mit ihrer bisherigen Strategie, die Krise &#252;ber prozyklisch wirkende Sparprogramme zu l&#246;sen, habe die Bundesregierung „v&#246;lligen Schiffbruch erlitten“. „Nicht zuletzt die dadurch entstandenen teilweise extrem hohen Arbeitslosenraten von jungen Menschen stellen eine gro&#223;e Gefahr f&#252;r die politische Stabilit&#228;t und zugleich f&#252;r die Zustimmung der B&#252;rger zur Europ&#228;ischen Union dar“. <strong>Albrecht M&#252;ller</strong>.<br />
<span id="more-13195"></span><br />
Das alles konnte man vorher wissen. So hat zum Beispiel Gregor Gysi am 29.03.2012 zu „ESM und Fiskalvertrag“ eine <a href="http://www.linksfraktion.de/reden/esm-fiskalvertrag-merkel-schaeuble-unterschreiben-grundgesetzwidrige-vertraege/">aufr&#252;ttelnde Rede im Deutschen Bundestag</a> gehalten .</p>
<p>Ich erw&#228;hne diese Rede, weil sie sachlich und bemerkenswert war und dennoch kein bemerkenswertes Echo erzielt hat. Die richtigen Argumente der Linken werden totgeschwiegen, weil sie nicht in das neoliberale Schema passen, das in Deutschland offensichtlich inzwischen zum nahezu fl&#228;chendeckenden Glaubensbekenntnis in Politik und Medienwelt geworden ist. Die Mehrheit der konkurrierenden Parteien und Medien reagiert inzwischen aggressiv und undemokratisch auf die Linke. </p>
<p><strong>Die Aggressionen der Etablierten und der Medien erkl&#228;ren!</strong></p>
<p>Der sp&#252;rbare Hass ist gerade beim Thema Finanzkrise zu erkl&#228;ren. Die neoliberal gepr&#228;gten Parteien und Medien haben sich verrannt. Die Linke wie auch einige Wissenschaftler und einige wenige Publizisten wie wir von den NachDenkSeiten halten ihnen den Spiegel hin. Sie erkennen darin die Versager und ihre Lautsprecher. Zur Erkl&#228;rung geh&#246;rt auch die Einsicht, dass hinter der neoliberalen Linie viel gro&#223;es Geld der Finanzwirtschaft steckt und dieses in gro&#223;er Menge &#252;ber PR Agenturen auch zu den Medien und ihren Machern flie&#223;t. Auch daran will man nicht gern erinnert werden.</p>
<p>Wenn die Linke das darauf gr&#252;ndende Trommelfeuer &#252;berstehen will, dann muss sie ihren Sympathisanten erkl&#228;ren, was hier abl&#228;uft. Die Medienbarriere existiert, also muss man sie auch thematisieren. Andernfalls verstehen die Sympathisanten nicht, warum eine sachlich gute Position nicht gew&#252;rdigt wird. In abgewandelter Form gilt diese Empfehlung &#252;brigens auch f&#252;r SPD und Gr&#252;ne. Diese bilden sich bisher doch nur noch ein, dass sie von den Medien fair behandelt werden. </p>
<p><strong>Weil die Vorstellungen der Linkspartei zur &#220;berwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise die einzig Vern&#252;nftigen sind, darf sie sich den etablierten Parteien nicht anpassen.</strong></p>
<p>Sie muss darauf setzen, dass sich zumindest innerhalb der SPD und der Gr&#252;nen die &#246;konomische Vernunft doch noch durchsetzt. Beim linken Fl&#252;gel der SPD bewegt sich schon etwas. Andere, auch eher konservative Sozialdemokraten beginnen zu merken, dass sie auf unbestimmte Zeit allenfalls nur noch Juniorpartner der CDU/CSU sein werden und nie mehr den Bundeskanzler stellen, wenn sie nicht endlich ein klares Profil entwickeln. </p>
<p>Sich in der Wirtschafts- und Finanzpolitik gegen die Union zu profilieren und d.h. konkret auch Nein zu sagen zum Fiskalpakt, ist der SPD sozusagen in den Scho&#223; gelegt. Was n&#228;mlich heute geboten w&#228;re, n&#228;mlich eine antizyklische Politik und aktive Besch&#228;ftigungspolitik zu betreiben, das hat die SPD 1967, also vor 45 Jahren, in Deutschland eingef&#252;hrt. Sie wird auf diesen Pfad der Vernunft nur zur&#252;ckkommen, wenn die Linkspartei nicht wankt. Ohne diese Drohung wird sich bei der SPD nichts bewegen. Das muss man leider angesichts des Herumeierns der SPD-F&#252;hrung in Sachen Fiskalpakt und Besch&#228;ftigungspolitik feststellen.</p>
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		<title>Die Zukunft des Fiskalpakts liegt in den H&#228;nden der SPD</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 07:31:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jens Berger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Schulden]]></category>

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		<description><![CDATA[Angela Merkels Traum von einer Austerit&#228;tspolitik mit Ewigkeitsgarantie hat durch den Wahlerfolg François Hollandes erste Risse bekommen. Zwar lie&#223;e sich der Fiskalpakt, wenn es hart auf hart kommen sollte, auch ohne die Franzosen umsetzen. Der Widerstand Hollandes hat bereits die Kritiker in anderen L&#228;ndern aufhorchen lassen. Egal, ob es der deutschen Kanzlerin gef&#228;llt oder nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angela Merkels Traum von einer Austerit&#228;tspolitik mit Ewigkeitsgarantie hat durch den Wahlerfolg François Hollandes erste Risse bekommen. Zwar lie&#223;e sich der Fiskalpakt, wenn es hart auf hart kommen sollte, auch ohne die Franzosen umsetzen. Der Widerstand Hollandes hat bereits die Kritiker in anderen L&#228;ndern aufhorchen lassen. Egal, ob es der deutschen Kanzlerin gef&#228;llt oder nicht – ohne eine Erweiterung des Fiskalpakts durch Wachstumsprogramme wird ihr Traum zerplatzen wie eine Seifenblase. Eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen spielt dabei die SPD. Nun wird sich zeigen, ob sie eine echte, inhaltliche Opposition betreiben oder doch nur der ewige Juniorpartner an Muttis Rockzipfel sein will. Von <strong>Jens Berger</strong><br />
<span id="more-13191"></span><br />
„Das geht einfach nicht!“ &#8211; Dieser Satz, der jedem bockigen Kind alle Ehre machen w&#252;rde, ist Angela Merkels offizielles Statement zur Frage, ob der Fiskalpakt verhandelbar ist. „Der Fiskalpakt“, so Merkel, „steht nicht zur Disposition“. Dies ist zweifelsohne eine waghalsige Aussage, wenn man bedenkt, dass Frau Merkel noch nicht einmal in Deutschland &#252;ber eine ausreichende Mehrheit zur Verabschiedung des Fiskalpakts verf&#252;gt. Da das Vertragswerk tief in das deutsche Grundgesetz eingreift, ist sowohl im Bundestag wie auch im Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Als ratifiziert gilt der Vertrag erst dann, wenn ihn auch der Bundespr&#228;sident unterzeichnet. Der, so wollen es die politischen Spielregeln, wird jedoch noch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten m&#252;ssen. Sowohl die Linkspartei als auch ein B&#252;ndnis rund um die ehemalige Justizministerin D&#228;ubler-Gmelin haben bereits angek&#252;ndigt, Karlsruhe anrufen zu wollen, wenn Bundestag und Bundesrat den Fiskalpakt absegnen. Sollten Bundestag, Bundesrat oder das Bundesverfassungsgericht das Vertragswerk ablehnen, kann Deutschland den Pakt nicht ratifizieren [<a href="#foot_1" name="note_1">*</a>]. Ob Angela Merkel dann immer noch jedwede &#196;nderung kategorisch ausschlie&#223;t?</p>
<p>Der Fiskalpakt ist erst dann g&#252;ltig, wenn ihn mindestens zw&#246;lf Eurostaaten nach den jeweils bestehenden demokratischen Abstimmungsverfahren ratifiziert haben. Insofern ist Merkels Argument, der Vertrag k&#246;nne nicht nachverhandelt werden, weil ihn drei Staaten (Griechenland, Portugal und Slowenien) bereits ratifiziert haben, fadenscheinig. Wenn sich keine zw&#246;lf Eurostaaten finden, die dem Vertragswerk  zustimmen, tritt es ohnehin nicht in Kraft und die bereits verabschiedeten Ratifikationen sind null und nichtig. Es sollte auch kein allzu gro&#223;es Problem sein, wenn die Staaten, die bereits ratifiziert haben, noch einmal &#252;ber ein neues, &#252;berarbeitetes Vertragswerk abstimmen lie&#223;en. So etwas kommt in den besten Familien vor und ist kein Grund zur Aufregung. Es ist dennoch eher unwahrscheinlich, dass der Fiskalpakt im Kern neu verhandelt werden wird. Wesentlich wahrscheinlicher ist es, dass er durch weitere Vertr&#228;ge erg&#228;nzt werden wird, die nicht das Sparen, sondern Wachstumsimpulse behandeln. Dies ist es auch, was sowohl Hollande, als auch die deutsche SPD zwischen den Zeilen fordern. Von einer generellen Ablehnung des Fiskalpakts ist auch vom franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten nichts (mehr) zu h&#246;ren.</p>
<p>François Hollande hat jedoch ein weiteres Problem. Im Juni finden in Frankreich die f&#252;r ihn ungemein wichtigen Parlamentswahlen statt. Nur wenn die Sozialisten auch die Mehrheit in der Assemblée Nationale bekommen, kann er seine Politik &#252;berhaupt  in Angriff nehmen. Sollte er jedoch bereits bei der Umsetzung seines Wahlversprechens, den Fiskalpakt nachzuverhandeln, patzen, droht den Sozialisten eine Wahlniederlage und er w&#228;re zu einer „Kohabitation“ mit den Konservativen gezwungen. F&#252;r Hollande muss bei den Verhandlungen zum Fiskalpakt demnach zumindest ein Punktsieg herausspringen, den die Sozialisten im Wahlkampf verwerten k&#246;nnen. Einem Formelkompromiss nach gusto der deutschen Kanzlerin kann Hollande eigentlich nicht zustimmen. </p>
<p>Was w&#252;rde passieren, wenn Frankreich den Fiskalpakt nicht unterzeichnet? Formal w&#252;rde das Vertragswerk auch ohne Frankreich in Kraft treten, wenn es zw&#246;lf Eurostaaten ratifizieren. Sowohl die Pflicht zur Umsetzung der Schuldenbremse als auch die implementierten Sanktionsmechanismen w&#252;rden dann nur f&#252;r die Signatarstaaten, aber nicht f&#252;r Frankreich gelten. Frankreich w&#228;re dann in der gleichen Situation wie Gro&#223;britannien. Frankreich h&#228;tte dann auch – zumindest pro forma – keinen Anspruch auf die Mittel des „Eurorettungsfonds“ ESM. Nun geh&#246;rt Frankreich aber auch nicht zu den potentiellen Kandidaten f&#252;r Rettungsgelder und im worst case w&#228;re es zudem sehr unwahrscheinlich, dass Deutschland Frankreich ans Messer der Spekulanten liefern w&#252;rde. Auch wenn ein solches Szenario in der Tat denkbar w&#228;re, ist es dennoch unwahrscheinlich. </p>
<p>Deutschland und Frankreich sind – trotz der vielzitierten Achse Berlin-Paris – befreundete Konkurrenten. Ein offener Bruch  w&#228;re weder im deutschen noch im franz&#246;sischen Interesse. Deutschland wird nach den Wahlen in Frankreich sein Maximalziel, Europa seinen fiskalischen Regeln zu unterwerfen, nicht mehr erreichen k&#246;nnen. Ohne Zugest&#228;ndnisse an Paris wird Angela Merkel k&#252;nftig keine Europapolitik mehr betreiben k&#246;nnen. Wie weit die Zugest&#228;ndnisse beim Fiskalpakt gehen k&#246;nnen, wird aller Voraussicht noch am 23. Mai auf dem EU-Sondergipfel in Br&#252;ssel entschieden. Welche Verhandlungsoptionen Merkel und Hollande haben, liegt jedoch vor allem in den H&#228;nden der deutschen SPD.</p>
<p>Angela Merkel wird nicht nach Br&#252;ssel fahren, ohne zuvor mit der SPD – und wohl auch mit den Gr&#252;nen – einen informellen Kompromiss ausgehandelt zu haben. Eine Kanzlerin, die zuhause noch nicht einmal &#252;ber die Mehrheiten verf&#252;gt, den Fiskalpakt selbst zu ratifizieren, kann auf europ&#228;ischer Ebene unm&#246;glich eine harte Linie gegen&#252;ber ihren Verhandlungspartnern fahren. Nun liegt es also an der SPD, der Kanzlerin den Verhandlungsspielraum vorzugeben. Sollte die SPD den R&#252;ckenwind aus Paris sp&#252;ren und rund ein Jahr vor den Bundestagswahlen endlich erkennen, dass sie eine Oppositionspartei ist, kann sie Angela Merkel am Nasenring durch die politische Manege f&#252;hren. Entsprechende Forderungen kommen bereits vom <a href="http://www.forum-dl21.de/meldung.php?meldung=351&#038;page=">linken Fl&#252;gel der Partei</a>. Da Merkel beim europ&#228;ischen Showdown mit Hollande auf eine eigene Mehrheit in Deutschland angewiesen ist, wird sie Kompromisse eingehen m&#252;ssen. Sollte die SPD gar erkennen, dass der Fiskalpakt an sich eine politische und volkswirtschaftliche Torheit ist, k&#246;nnte sie Merkel sogar allein im Regen stehen lassen. Welche &#220;berzeugungskraft h&#228;tte die „Sparkanzlerin“ in Br&#252;ssel, wenn allgemein bekannt ist, dass Deutschland den Fiskalpakt selbst nicht verabschieden kann, da Merkel daheim keine ausreichende Mehrheit hat? </p>
<p>Wenn die SPD bis zum 23. Mai &#246;ffentlich signalisiert, dass sie den Fiskalpakt, so wie er bislang angelegt ist, nicht mittragen wird und ihn auch dann nicht mittr&#228;gt, wenn Merkel erg&#228;nzende Wachstumsprogramme verspricht, w&#228;re dies der Tod des Fiskalpakts. Ein Vertragswerk f&#252;r die Eurozone, das die beiden Kernstaaten Deutschland und Frankreich nicht ratifzieren, wird auch die anderen Unterzeichnerstaaten davon abhalten, dies zu tun. Auch die merkel-treuen Medien haben diese Gefahr schon erkannt &#8211; anders ist das &#252;berbordende Hyperventilieren nicht zu erkl&#228;ren. WELT-Autorin Dorothea Siems arbeitet beispielsweise schon an ihrer eigenen Dolchsto&#223;-Legende und wirft der SPD bereits jetzt <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106274202/Hollande-Ruck-der-SPD-grenzt-an-Vaterlandsverrat.html">„Vaterlandsverrat“</a> vor.</p>
<p>Frau Siems kann sich jedoch getrost wieder beruhigen. Es ist leider wenig wahrscheinlich, dass in der SPD gesamtwirtschaftliche Vernunft einkehrt und eine  Abkehr vom neoliberalen angebotsorientierten Wirtschaftsdogma stattfindet . Die SPD hat bereits der Schuldenbremse zugestimmt und ihre Kritik am Fiskalpakt war bis dato auch eher handzahm und dem Wahlkampf geschuldet. Sogar in theoretischen Schriften <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=11593">r&#252;hmt sich</a> das Spitzenpersonal der SPD lieber, eine bessere – und h&#228;rtere – Sparpolitik als die Regierungskoalition betreiben zu wollen. Sollte in den n&#228;chsten Wochen keine 180°-Wende in den K&#246;pfen der Parteigranden stattfinden, ist auch in puncto Fiskalpakt Hopfen und Malz verloren. Dann bleibt nur noch die Frage, wie gro&#223; das „Z&#252;ckerli“ denn ausfallen wird, mit dem sich Angela Merkel die Linientreue der Genossen erkauft. Der Begriff „Wachstumspakt“ ist sehr dehnbar. Auch die Agenda-Politik der SPD wurde mit dem Argument verkauft, das Wachstum anzukurbeln und die Wirtschaftsliberalen  verstehen unter Wachstumspolitik – siehe etwa das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz – ohnehin nur Abbau des Sozialstaats, Arbeitsmarktliberalisierung und Privatisierung Durch eine Zustimmung zum Fiskalpakt w&#252;rde die SPD jedoch ihren Genossen in Frankreich in den R&#252;cken fallen und Angela Merkel auf europ&#228;ischer Ebene st&#228;rken. Dies w&#228;re die Eingangst&#252;r zur Juniorpartnerschaft in eine Gro&#223;e Koalition im n&#228;chsten Jahr. Was will die SPD? Sie muss sich jetzt entscheiden.</p>
<div class="hr_wrap">
<hr /></div>
<div class="footnote">
<p>[<a href="#note_1" name="foot_1">«*</a>] Bevor ein Vertrag v&#246;lkerrechtlich in Kraft treten kann, muss er durch den Souver&#228;n ratifiziert (von lateinisch ratus ‚g&#252;ltig&#8217;, facere ‚machen&#8217;) werden. Art. 59 Grundgesetz regelt, dass dies in Deutschland durch ein Zustimmungsgesetz gehandhabt wird, das wie jedes andere Gesetz auch die jeweiligen Gesetzgebungsorgane (Bundestag, wenn n&#246;tig Bundesrat und Bundespr&#228;sident) durchlaufen muss.</p>
</div>
<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/93739f754206439b92260518d9453218" width="1" height="1" alt="" /></p>
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		<title>„Die total verr&#252;ckte Lindner-Show“</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 07:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Strategien der Meinungsmache]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen, Koalitionen & Parteien]]></category>

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		<description><![CDATA[Der pl&#246;tzliche Aufschwung der Piraten wird vielfach damit erkl&#228;rt, dass diese neue Partei eine Projektionsfl&#228;che f&#252;r viele Politikverdrossene biete, die mit den Strukturen und Inhalten der etablierten Parteien unzufrieden sind. Daneben geht v&#246;llig unter, dass es einen viel gr&#246;&#223;eren „Scheinriesen“ gibt, n&#228;mlich Christian Lindner. Wie in dem Kinderbuch Jim Knopf ist es so, dass je [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der pl&#246;tzliche Aufschwung der Piraten wird vielfach damit erkl&#228;rt, dass diese neue Partei eine Projektionsfl&#228;che f&#252;r viele Politikverdrossene biete, die mit den Strukturen und Inhalten der etablierten Parteien unzufrieden sind. Daneben geht v&#246;llig unter, dass es einen viel gr&#246;&#223;eren „Scheinriesen“ gibt, n&#228;mlich Christian Lindner. Wie in dem Kinderbuch Jim Knopf ist es so, dass je n&#228;her man ihm kommt, der Riese umso kleiner wird. W&#228;hrend der Piratenpartei wenigstens die Rolle eines Hoffnungstr&#228;gers zukommt, ist Christian Lindner ausschlie&#223;lich das Produkt eine Medienhypes und  ein praktisches Beispiel daf&#252;r, wie eine kleine gesellschaftliche Interessengruppe mit gro&#223;em Geld demokratische Wahlentscheidungen kaufen kann. Von <strong>Wolfgang Lieb</strong><br />
<span id="more-13188"></span><br />
Dazu muss man sich nur die Schlagzeilen der letzten Tage vor Augen f&#252;hren: <a href="http://www.n-tv.de/politik/Die-total-verrueckte-Lindner-Show-article6217681.html">„Die total verr&#252;ckte Lindner-Show“</a>, <a href="http://nachrichten.rp-online.de/politik/nrw-fdp-umjubelt-christian-lindner-1.2821460">„NRW-FDP umjubelt Christian Lindner“</a>, <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article106261384/Der-FDP-Uebervater-setzt-ganz-auf-Christian-Lindner.html">„Genscher: Lindner steht f&#252;r ´neue, moderne, weltoffene FDP`“</a>, <a href="http://www.express.de/politik-wirtschaft/in-nrw-fdp-macht-wahl-wieder-spannend,2184,15196148.html">„FDP macht Wahl wieder spannend“</a>, <a href="http://www.wz-newsline.de/home/politik/nrw/rennen-in-nrw-noch-offen-alle-augen-auf-erstarkte-fdp-gerichtet-1.980380">„Alle Augen auf erstarkte FDP gerichtet“</a>, <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827124,00.html">„Lindner, Lindner und sonst nichts“</a>. So oder so &#228;hnlich lauten die Schlagzeilen schon seit Wochen. Es ist wie bei einer Werbekampagne f&#252;r ein neu eingef&#252;hrtes Produkt oder um einen Popstar zu lancieren, an Lindner kommt niemand mehr vorbei. </p>
<p>Nach Lindners Nominierung am 15. M&#228;rz dieses Jahres erhielt er innerhalb von vier Tagen 250 Medienanfragen, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/parteitag-der-fdp-in-nrw-liberale-feiern-darling-lindner-1823115.html">verk&#252;ndete der FDP-Landessprecher voller Stolz</a>. In wenigen Wochen schoss Lindners Partei in den Umfragen von aussichtslosen zwei Prozent auf f&#252;nf oder gar sechs Prozent empor. „Lindner ist ein versierter Redner, der in schweren Zeiten locker Legenden aus der Luft zaubern kann“, <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fdp-in-nordrhein-westfalen-aus-der-luft-gegriffen-11743311.html">schreibt die FAZ</a> in einem der wenigen kritischen Beitr&#228;ge &#252;ber das Ph&#228;nomen Lindner und auch Heribert Prantl wahrt in der S&#252;ddeutschen als Einzelstimme wenigstens kritische Distanz, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kubicki-lindner-co-die-fdp-scheintot-und-aufgeblasen-1.1350410">wenn er von der „aufblasbaren Attrappe“ spricht</a>. </p>
<p>Ansonsten werden in den Medien ganz &#252;berwiegend kritiklos die von den Werbeagenturen ausgetesteten Legenden nachgeplappert. So wenn Lindner mit der glatten L&#252;ge „Neue Wahlen statt neue Schulden“ hausieren geht und die Weigerung der FDP-Landtagsfraktion, den von der rot-gr&#252;nen Minderheitsregierung vorgelegten Haushalt passieren zu lassen, als Ausweis finanzpolitischer Standhaftigkeit ausgibt. „Unsere Landtagsfraktion hat den R&#252;cken gerade gemacht und diesen Schuldenhaushalt nicht unterschrieben. Daf&#252;r bin ich dankbar. Nur mit diesem Glaubw&#252;rdigkeitsvorsprung ist es mir jetzt m&#246;glich, in diese Wahlauseinandersetzung mit Aussicht auf Erfolg einzugreifen“ behauptet Lindner.  Dabei wei&#223; doch jeder einigerma&#223;en Eingeweihte, dass sich die FDP nur „verzockt“ hatte, es waren ja nach der gescheiterten zweiten Lesung dieses Haushalts schon Gespr&#228;che der Regierung mit der FDP geplant, um <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=12541">den Haushalts schlie&#223;lich doch noch mit ihrer Hilfe durchzubringen</a>. </p>
<p>&#8220;Der Staat darf nicht schneller wachsen als die Wirtschaft&#8221;, wiederholt der angeblich so faktensichere Lindner in allen Interviews und niemand h&#228;lt ihm entgegen, dass die Staatsquote in Deutschland verglichen mit anderen L&#228;ndern ausgesprochen gering ist und dass die Ausgaben des Staates gemessen am Bruttoinlandsprodukt <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_4316/DE/BMF__Startseite/Service/Downloads/Abt__I/Entwicklung__der__Staatsquote__24022012,templateId=raw,property=publicationFile.pdf">in den letzten zehn Jahren st&#228;ndig gesunken ist [PDF - 20 KB]</a>.</p>
<p>Lindner l&#228;sst sich zur Schau stellen, als verk&#246;rpere er eine „neue, moderne, weltoffene FDP“. Ein neues Grundsatzprogramm hat er aber nicht zustande gebracht. Andere als die alten wirtschaftsliberalen und konservativen Positionen (z.B. sein neben der Sache liegende Kampf f&#252;rs Gymnasium) sind bei ihm nicht zu erkennen.  Abgeordnetenwatch.de hat sein Abstimmungsverhalten im Deutschen Bundestag aufgelistet. Daraus ergibt sich, dass Lindner st&#228;ndig mit seiner „alten“, in der W&#228;hlergunst abgesackten FDP <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/christian_lindner-575-37779.html">gestimmt hat</a>. Aber was schert Lindner schon sein Geschw&#228;tz von gestern. Weil er merkte, dass die von der FDP schon 2007 beschlossene und auch von seiner Partei vorangetriebene Senkung des Mehrwertsteuersatzes f&#252;r die Hotelbranchedoch nicht so gut ankam, machte er den Salto r&#252;ckw&#228;rts und redete davon, dass dies korrigiert werden m&#252;sse, weil der „ordnungspolitische Kompass der Koalition(!)“ (immer sind es nat&#252;rlich die anderen) hier <a href="http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828,703446,00.html">nicht richtig funktioniert habe</a>. Als die „M&#246;venpick“- oder Hoteliersteuer beschlossen wurde, <a href="http://www.liberale.de/Umsatzsteuerdebatte/4339c8017i1p7/index.html">verk&#252;ndete Lindner</a> „die Erleichterung f&#252;r Hotels und Gastronomie dienten der Unterst&#252;tzung des Mittelstandes“. </p>
<p>Kaum einer unserer ach so kritischen Journalisten kommt auf die Idee, dem angeblich so tapferen K&#228;mpfer gegen die Staatsverschuldung den Spiegel seiner privaten Biografie vorzuhalten. Da w&#252;rde einem n&#228;mlich ein Prediger gegen die Staatsverschuldung entgegenblicken, der es durchaus verstanden hat, dem verschuldeten Staat seine privaten Schulden aufzupacken. Ein von Lindner mit einem Parteikumpanen gegr&#252;ndetes „Science Fiction“-Unternehmen kassierte (&#252;ber einen Fonds) 1,4 Millionen von der staatlichen F&#246;rderbank kfw und meldete nach wenigen Monaten Insolvenz an. Die Staatsknete war futsch. Doch daran will Lindner nicht gern erinnert werden und fl&#252;chtet sich in die Ausrede, <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/christian-lindner-avatar-11741206.html">dass er rechtzeitig aus der Firma ausgestiegen ist</a>. „Der Wahlslogan &#8220;Solide Finanzen statt teure Versprechen&#8221; k&#246;nnte daher durchaus autobiografische Z&#252;ge tragen. Und die W&#228;hler wie die FDP-Mitglieder k&#246;nnen nur hoffen, dass Lindner die nordrhein-westf&#228;lische FDP nicht nach demselben Trial-und-Error-Prinzip f&#252;hrt wie seinerzeit sein Unternehmen“, <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/parteitag-der-fdp-in-nrw-liberale-feiern-darling-lindner-1823115.html">unkt der stern</a>. Man vergleiche dagegen einmal die Jagdlust der Medien gegen&#252;ber dem zur&#252;ckgetretenen Bundespr&#228;sidenten Wulff – dort ging es noch nicht einmal um einen Kredit aus Steuergeldern sondern nur um die Modalit&#228;ten eines privaten Darlehens.</p>
<p>Wie parteiisch die Medien Christian Lindner hoffieren, l&#228;sst sich mit einem anderen Vergleich ziemlich anschaulich belegen. Selbst nach 22 Jahren ist in nahezu s&#228;mtlichen Interviews oder in zahllosen Presseartikeln &#252;ber Oskar Lafontaine – zuletzt noch im Wahlkampf im Saarland &#8211; dessen angebliche „Flucht“ aus dem Parteiamt geradezu gebetsm&#252;hlenartig ein Hauptvorwurf. Dass Lindner erst vor ein paar Monaten aus heiterem Himmel und ohne schl&#252;ssige Begr&#252;ndung den Posten des Generalsekret&#228;rs der FDP geschmissen hat, ist offenbar keiner Nachfrage wert. </p>
<p>Selbst wenn zwei aus dem Regierungslager das Gleiche sagen, h&#246;rt sich das Medienecho v&#246;llig unterschiedlich an. W&#228;hrend &#252;ber den CDU Herausforderer Norbert R&#246;ttgen Hohn und Spott ausgesch&#252;ttet wird, weil er die NRW-Wahl zu einer Abstimmung &#252;ber den Kurs der schwarz-gelben Bundesregierung erkl&#228;rt hat, kann Lindner Lob ernten, wenn er sagt <a href="http://www.welt.de/newsticker/news3/article106273004/Roettgen-deutet-NRW-Wahl-zur-Abstimmung-ueber-Merkels-Europapolitik-um.html">„von Nordrhein-Westfalen muss ein Signal ausgehen, dass Deutschland weiter f&#252;r einen Stabilit&#228;tskurs in Europa steht“</a>. Nat&#252;rlich ist es angesichts der schwachen Umfragewerte ein Eigentor, wenn R&#246;ttgen in NRW Merkels-Sparkurs <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nrw-wahlkampf-fdp-minister-niebel-attackiert-cdu-kollegen-roettgen-a-832219.html">zur Abstimmung stellen will</a>, aber wenn Lindner das gleichfalls tut, dann wird das als Auftrieb f&#252;r die FDP bewertet.  </p>
<p>Lindners gesamte politische Leistung ist die eines Partei-Karrieristen. Mit 16 Jahren in die FDP eingetreten, mit 19 in den Landesvorstand dieser Partei, mit 21 in den NRW-Landtag gew&#228;hlt, mit 25 zum Generalsekret&#228;r seiner Partei in NRW bestimmt, mit 30 von seiner Partei &#252;ber die Landesliste in den Bundestag gehievt und von Westerwelle zum Generalsekret&#228;r der Bundes-FDP auserkoren, mit 33 Jahren dann R&#252;cktritt von diesem Amt. Ein paar Monate sp&#228;ter wurde er wieder zum Spitzenkandidat der NRW-FDP ausgerufen. Au&#223;er seinem Rednertalent und seiner medialen Dauerpr&#228;senz ist kaum etwas an politischer Substanz die mit seiner Person verbunden werden k&#246;nnte. K&#246;nnen Sie sich an irgendeinen politischen Akzent erinnern, der Spuren hinterlassen h&#228;tte. In seiner Amtszeit als Generalsekret&#228;r sackte die FDP zur Splitterpartei ab.</p>
<p>Aber daran erinnert in den Medien kaum jemand. Im Gegenteil, nur wenige Monate nachdem Lindner die Br&#252;cke des sinkenden Parteischiffes verlassen hatte, wird er erneut zum gro&#223;en Hoffnungstr&#228;ger f&#252;r seine Partei stilisiert. Das kann wohl kaum an seinen politischen Verdiensten liegen, sondern wohl ausschlie&#223;lich daran, dass es unter den Verlegern und Chefredakteuren und vor allem auch unter dem wohlhabenden Mittelstand starke Kr&#228;fte gibt, die – wie man an dem teuren NRW-Wahlkampf mit bezahlten Postwurfsendungen und einem unglaublichen Werbeaufwand erkennen kann – ihr Netzwerk und ihr Geld einsetzen, um die FDP als ihren Handlanger auf der politischen B&#252;hne zu halten.</p>
<p>Die Auferstehung der FDP zuletzt in Schleswig-Holstein und vermutlich am Sonntag in NRW ist ein praktisches Beispiel daf&#252;r, wie eine kleine gesellschaftliche Interessengruppe mit gro&#223;em Geld demokratische Wahlentscheidungen kaufen kann. </p>
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