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	<title>NachDenkSeiten - Die kritische Website</title>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 06:48:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen:  Sarrazin, American Eugenics Movement, der Skandal hinter Sarrazin, Einzelhandelsumsatz real um 0,8% gestiegen, mehr Zeit f&#252;r die Familie, Zeitarbeit: Union dringt auf Mindestlohn, EU sch&#252;tzt Leerverk&#228;ufer vor deutscher Willk&#252;r, keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen:  Sarrazin, American Eugenics Movement, der Skandal hinter Sarrazin, Einzelhandelsumsatz real um 0,8% gestiegen, mehr Zeit f&#252;r die Familie, Zeitarbeit: Union dringt auf Mindestlohn, EU sch&#252;tzt Leerverk&#228;ufer vor deutscher Willk&#252;r, keine schweizer Amtshilfe bei gestohlenen Bankdaten, der gro&#223;e Raubzug, Ex-AUB-Chef Schelsky muss Millionen zahlen, Exportboom und Absatzm&#228;rkte, Stuttgart 21, oberster Soldat wirft Bundeswehr Milliardenverschwendung vor, Eurofighter, das Schweigen des Guido Westerwelle, jeder zweite sieht DDR-Anschlu&#223; skeptisch, Parasit Pentagon, Die Entbehrlichen, Volker Pispers: Abendland, zu guter Letzt. (RS/WL)<br />
<span id="more-6630"></span></p>
<p>Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert:</p>
<ol>
<li><a href="#h01">Sarrazin</a></li>
<li><a href="#h02">Image-Archive on the American Eugenics Movement</a></li>
<li><a href="#h03">Bundesbank. Der Skandal hinter Sarrazin</a></li>
<li><a href="#h04">Einzelhandelsumsatz im Juli 2010 real um 0,8% gestiegen</a></li>
<li><a href="#h05">Mehr Zeit f&#252;r die Familie</a></li>
<li><a href="#h06">Zeitarbeit: Union dringt auf Mindestlohn</a></li>
<li><a href="#h07">EU sch&#252;tzt Leerverk&#228;ufer vor deutscher Willk&#252;r</a></li>
<li><a href="#h08">Keine schweizer Amtshilfe bei gestohlenen Bankdaten</a></li>
<li><a href="#h09">Der gro&#223;e Raubzug</a></li>
<li><a href="#h10">Ex-AUB-Chef Schelsky muss Millionen zahlen</a></li>
<li><a href="#h11">Exportboom und Absatzm&#228;rkte</a></li>
<li><a href="#h12">Stuttgart 21: R&#228;tselraten um &#196;nderung des Planfeststellungsbeschlusses</a></li>
<li><a href="#h13">Oberster Soldat wirft Bundeswehr Milliardenverschwendung vor</a></li>
<li><a href="#h14">Eurofighter: Geldvernichten wie im Fluge</a></li>
<li><a href="#h15">Das Schweigen des Guido Westerwelle</a></li>
<li><a href="#h16">Jeder zweite sieht DDR-Anschlu&#223; skeptisch</a></li>
<li><a href="#h17">Parasit Pentagon</a></li>
<li><a href="#h18">Filmtip: Die Entbehrlichen</a></li>
<li><a href="#h19">Das Vorletzte: Abendland – von Volker Pispers</a></li>
<li><a href="#h20">Zu guter Letzt: Organisiertes Verbrechen</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6630&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin.</a></em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Sarrazin</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Sarrazynismus: Robert Misik &#252;ber den medialen Umgang mit einem dummen Demagogen</strong><br />
Die Thesen, die Thilo Sarrazin in seinem Buch und in einer F&#252;lle von Interviews seit vergangener Woche ausbreitet, sind derart haarstr&#228;ubend d&#228;mlich, dass sich eine sachliche Auseinandersetzung eigentlich verbietet. Verleiht man seinen bizarren Einlassungen nicht erst den Anschein der Diskussionsw&#252;rdigkeit, wenn man versucht, sie zu referieren und zu widerlegen? Kein Interview, in dem er nicht insistiert, dass Intelligenz in den Genen liege, Dummheit vererbbar sei und dass eine Gesellschaft ein Problem habe, wenn die Dummen eine &#252;berdurchschnittliche Fertilit&#228;tsrate haben: All dies wird vermanscht mit Populareugenik und krausestem Simpel-Darwinismus. Und &#252;ber solchen Schrott sollen wir diskutieren?<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&#038;dig=2010%2F09%2F01%2Fa0090&#038;cHash=27012f3dbe">TAZ</a></p>
<p><em>Die FAZ zeigt sich Sarrazin&#8217;s Thesen nicht ganz abgeneigt zu sein:</em>
</li>
<li><strong>Entfremdet von der Politik</strong><br />
Von Berthold Kohler<br />
Sarrazin ist nicht mehr zu helfen &#8211; mit ihm wird jetzt endg&#252;ltig abgerechnet. Wird die Politik aber wenigstens dieses Mal die richtigen Schl&#252;sse aus der Kontroverse ziehen, die er entfachte?<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E574356B38C3F47FD9F1E15FBA4C5D76B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a>
</li>
<li><strong>Im Gespr&#228;ch: Thilo Sarrazin: „B&#246;swillige Interpretation“</strong><br />
Mit seinen &#196;u&#223;erungen zur Migrationsdebatte l&#246;st Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin heftige Kritik aus. In der F.A.Z. spricht er &#252;ber umstrittene Aussagen seines Buchs, Provokation, Reaktion &#8211; und die Gr&#252;nde, warum er nicht aus der SPD austreten will.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E56B1E17FEB9042228A9988CC60A45522~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></p>
<p><em>Die Springer-Presse gibt Sarrazin nat&#252;rlich R&#252;ckendeckung, aber nicht nur sie:</em>
</li>
<li><strong>Auftritte zu gef&#228;hrlich – Sarrazin-Lesung abgesagt</strong><br />
Die Proteste gegen Thilo Sarrazin (65, SPD) werden immer unheimlicher!<br />
Es gibt aber auch Unterst&#252;tzung f&#252;r den umstrittenen Author: Arnulf Baring, Henryk M. Broder, Peter Gauweiler.<br />
Quelle: <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/09/01/thilo-sarrazin-lesung/auftritte-zu-gefaehrlich.html">BILD-ZEITUNG</a>
</li>
<li><strong>Was darf man heute sagen, was nicht?</strong><br />
In seinem Buch setzt sich Sarrazin mit muslimischen Einwanderern auseinander. Die unbequemen Wahrheiten werden hei&#223; diskutiert.<br />
Thilo Sarrazin ist mit seinen Thesen &#252;ber muslimische Migranten, die in der Mehrzahl, salopp ausgedr&#252;ckt, fickrig, faul und fromm seien und den deutschen Staat mehr gekostet h&#228;tten, als sie ihm einbringen, an die &#214;ffentlichkeit getreten.<br />
Quelle: <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1616742/Was-darf-man-heute-sagen-was-nicht-Was-meinen-Sie.html">Hamburger Abendblatt</a>
</li>
<li><strong>Bundesbank und SPD tun sich schwer mit Sarrazin, Notenbank vertagt Entscheidung</strong><br />
Die Bundesbank tut sich schwer mit Thilo Sarrazin: Die Beratungen &#252;ber das Vorstandsmitglied dauern an. Auch in seiner Partei ist Sarrazin umstritten: Die SPD-Basis h&#228;lt &#8211; anders als die Spitze &#8211; offenbar wenig von einem Rauswurf. Wie SPD-Chef Sigmar Gabriel gegen&#252;ber dem ZDF best&#228;tigte, sind beim Parteivorstand in den vergangenen Tagen 2.000 Mails eingegangen. Rund 90 Prozent der Absender h&#228;tten sich zustimmend zu Sarrazins Thesen ge&#228;u&#223;ert, so der Parteichef.<br />
Quelle: <a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/0/0,3672,8107296,00.html">ZDF.de</a></p>
<p><em>Passend zu Sarrazins Thesen:</em>
</li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Image-Archive on the American Eugenics Movement</strong><br />
The philosopher George Santayana said, &#8220;Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.&#8221; This adage is appropriate to our current rush into the &#8220;gene age,&#8221; which has striking parallels to the eugenics movement of the early decades of the 20th century. Elements of the American eugenics movement were models for the Nazis, whose radical adaptation of eugenics culminated in the Holocaust. It is important to remind yourself that the vast majority of eugenics work has been completely discredited. In the final analysis, the eugenic description of human life reflected political and social prejudices, rather than scientific facts.<br />
Quelle: <a href="http://www.eugenicsarchive.org/eugenics/list3.pl">EugenicsArchive.org</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Bundesbank. Der Skandal hinter Sarrazin</strong><br />
Die Regierung l&#228;sst die Bundesbank zur reinen Versorgeanstalt der Politik verkommen. Die &#196;u&#223;erungen Sarrazins schaden der Zentralbank, befindet die Kanzlerin. Doch wer hat das Problem kreiert?<br />
Neben dem Pr&#228;sidenten, der im ersten Beruf Professor f&#252;r Geldpolitik ist, hat nur noch ein Vorstandsmitglied eine volkswirtschaftliche Ausbildung: ausgerechnet Sarrazin. Drei weitere Vorst&#228;nde sind Juristen, einer Betriebswirt. Dabei kommt es heute st&#228;rker denn je auf das Fachwissen einer Notenbank an, wenn sie sich Geh&#246;r verschaffen m&#246;chte. Die Vorstellungen Deutschlands auf der internationalen B&#252;hne der Hochfinanz muss man ob des mittelm&#228;&#223;igen Personals nicht ernst nehmen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/der-skandal-hinter-sarrazin/-/1472780/4604620/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung RS:</strong> Es gibt auch andere Gr&#252;nde, die Vorstellung Deutschlands auf der internationalen B&#252;hne nicht ernst zu nehmen: das fehlende Verst&#228;ndnis von volkswirtschaftlichen Zusammenh&#228;ngen, das br&#252;ningsche Beharren auf Austerit&#228;t in der Krise&#8230;</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Einzelhandelsumsatz im Juli 2010 real um 0,8% gestiegen</strong><br />
Nach vorl&#228;ufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag der Umsatz im Einzelhandel in Deutschland im Juli 2010 nominal um 2,4% und real um 0,8% h&#246;her als im Juli 2009. Beide Monate hatten jeweils 27 Verkaufstage. Im Vergleich zum Juni 2010 sank der Umsatz im Juli 2010 unter Ber&#252;cksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal um 0,1% und real um 0,3%. Das Ergebnis f&#252;r den Juli 2010 wurde aus Daten von sieben Bundesl&#228;ndern berechnet, in denen circa 76% des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel get&#228;tigt werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/09/PD10__304__45212,templateId=renderPrint.psml">Statistisches Bundesamt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Vor kurzem meldete der Gfk-Konsumklimaindex noch, die Verbraucher seien in <a href="?p=6319#h08">Sommerlaune</a></em></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Mehr Zeit f&#252;r die Familie</strong><br />
Laut Allensbach-Studie w&#252;nschen sich die B&#252;rger deutliche Verbesserungen bei Kinderbetreuung und Teilzeitarbeit. Die Zufriedenheit von Familien h&#228;ngt davon ab, ob sie gen&#252;gend Zeit miteinander verbringen k&#246;nnen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/mehr-zeit-fuer-die-familie/-/1472596/4604516/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Zeitarbeit: Union dringt auf Mindestlohn</strong><br />
Ein Mindestlohn in der Zeitarbeit wird wahrscheinlicher. Die Union erh&#246;ht den Druck auf die FDP, einer gesetzlichen Lohnuntergrenze f&#252;r die rund 750.000 Besch&#228;ftigten der Zeitarbeitsbranche zuzustimmen. In der vergangenen Legislaturperiode hatte die Union einen Zeitarbeits-Mindestlohn noch scheitern lassen.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EAA2982668BC44A189C862C65DBE796D6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung RS:</strong> Das sind ja ganz neue T&#246;ne. K&#246;nnte dieser Gesinnungswandel vielleicht damit zu tun haben, dass jetzt eine Welle von Ausl&#228;ndern vor der T&#252;r steht?</em></li>
<li><a name="h07"></a><strong>EU sch&#252;tzt Leerverk&#228;ufer vor deutscher Willk&#252;r</strong><br />
Mit einem Verbot von Wetten auf fallende Kurse br&#252;skierte Deutschland im Fr&#252;hjahr die EU-Partner. Restriktionen sollen k&#252;nftig zentral angemeldet werden m&#252;ssen.<br />
Kein Land in der EU soll in Zukunft Leerverk&#228;ufe im Alleingang verbieten, wie es Deutschland im Mai getan hatte. &#8220;Ein zersplittertes Vorgehen kann Schwierigkeiten und Kosten f&#252;r Marktteilnehmer verursachen und die Wirksamkeit solcher Ma&#223;nahmen einschr&#228;nken&#8221;, hei&#223;t es in einem Entwurf f&#252;r eine EU-Verordnung, die Binnenmarktkommissar Michel Barnier am 15. September vorlegen will.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:umgang-mit-marktturbulenzen-eu-schuetzt-leerverkaeufer-vor-deutscher-willkuer/50164153.html">FTD</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Wenn sich die Bundesregierung im Europ&#228;ischen Rat dieser Verordnung beugt, kann man k&#252;nftig jede Regulierung von Spekulationen vergessen. Denn ein gemeinsames Vorgehen auf diesem Feld wird es in Europa nie geben.</em></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Keine schweizer Amtshilfe bei gestohlenen Bankdaten</strong><br />
Wenn ein Amtshilfegesuch auf gestohlenen Bankdaten beruht, leistet die Schweiz keine Amtshilfe. So steht es in der Amtshilfeverordnung. Der Bundesrat hat diese am Mittwoch verabschiedet und auf den 1. Oktober in Kraft gesetzt.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/keine_amtshilfe_bei_gestohlenen_bankdaten_1.7411984.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> So sch&#252;tzt die Schweiz auch in Zukunft die Steuerhinterzieher und will ihren Ruf als Steueroase retten.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Der gro&#223;e Raubzug</strong><br />
Leo M&#252;ller macht Berliner Spitzenpolitiker in seinem Buch &#8220;Bankr&#228;uber&#8221; f&#252;r die Finanzkrise mitverantwortlich &#8211; fulminant.<br />
Wenn Kanzlerin Merkel und ihr fr&#252;herer Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck &#252;ber die seit nunmehr drei Jahren laufende Finanzkrise sprechen, dann sind die Schuldigen immer weit weg. Mal sollen es gierige Spekulanten in Amerika gewesen sein, mal unf&#228;hige Bankmanager in Frankfurt und M&#252;nchen oder aber die Regierung in Washington, die – unerh&#246;rt – den Wall- Street-Riesen Lehman Brothers pleitegehen lie&#223; und damit eine weltweite Kettenreaktion ausl&#246;ste. Welche Formel sie auch w&#228;hlen, in einem Punkt sind sich Deutschlands Finanzpolitiker einig: Dass acht deutsche Gro&#223;banken, davon sechs im Staatsbesitz, zum Schutz des „Systems“ mit dreistelligen Milliardenbetr&#228;gen zulasten des Steuerzahlers saniert werden m&#252;ssen, sei „nicht vorhersehbar“ gewesen, versichern alle Beteiligten. Insofern, das ist die Kernbotschaft, treffe weder die Regierenden noch die ihnen unterstehenden Aufsichtbeh&#246;rden irgendeine Schuld.<br />
Das war von Beginn an wenig glaubw&#252;rdig. Schlie&#223;lich haben die Regierungen von Gerhard Schr&#246;der und Angela Merkel mit der Deregulierung der Finanzwirtschaft die gigantischen Fehlspekulationen &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht. Doch ihr Versagen geht weit &#252;ber die Schw&#228;chung der Aufsicht hinaus. Denn schon lange vor Ausbruch der akuten Krise waren gro&#223;en Teile des deutschen Bankensystems hochgradig mit faulen Krediten belastet. Und die Finanzminister in Bund und L&#228;ndern haben gemeinsam mit den Aufsehern bei der Bundesanstalt f&#252;r Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Bundesbank die damit verbundenen Risiken noch vervielfacht und so lange verschleiert, bis es zu sp&#228;t war. Das jedenfalls ist die Kernthese des Wirtschaftsjournalisten Leo M&#252;ller, der jetzt seine jahrelangen Recherchen &#252;ber den Finanzplatz Deutschland mit einem fulminanten Buch &#252;ber die „Bankr&#228;uber“ im Amt zusammengefasst hat. Mit einer &#252;berw&#228;ltigenden F&#252;lle von Belegen f&#252;hrt M&#252;ller darin den Nachweis, dass der deutsche Anteil an der globalen Finanzkrise dem amerikanischen in nichts nachsteht – eine Lekt&#252;re, bei der selbst dem informierten Leser zuweilen der Atem stockt.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-grosse-raubzug/1803948.html">Tagesspiegel</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Was Leo M&#252;ller in seinem Buch berichtet, ist f&#252;r Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten nicht viel Neues, aber immerhin wird das Thema hier offenbar noch einmal systematisch </em>abgearbeitet.</li>
<li><a name="h10"></a><strong>Ex-AUB-Chef Schelsky muss Millionen zahlen</strong><br />
Siemens soll Millionen bekommen: Der fr&#252;here Vorsitzende der unternehmensnahen Betriebsr&#228;teorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, muss seinem ehemaligen Arbeitgeber Schadensersatz in H&#246;he von 3,2 Millionen Euro zahlen. Dies entschied das Landgericht N&#252;rnberg-F&#252;rth am Mittwoch und lehnte zugleich eine Gegenklage Schelskys ab.<br />
Hintergrund ist die spektakul&#228;re Siemens-AUB-Aff&#228;re: &#220;ber Jahre hinweg waren rund 30 Millionen Euro von Siemens an die AUB geflossen. Mit dem Geld sollte Schelsky ein Gegengewicht zur IG Metall aufbauen. Einen Teil des Geldes hatte der AUB-Chef nach Einsch&#228;tzung des Gerichts aber f&#252;r private Zwecke abgezweigt.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,715092,00.html">Spiegel Online</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Exportboom und Absatzm&#228;rkte</strong><br />
Angesichts unver&#228;ndert boomender deutscher Exporte warnen &#214;konomen erneut vor krisenhaften Zuspitzungen in der europ&#228;ischen Wirtschaft. Dem steigenden deutschen Handelsbilanzplus st&#252;nden zwingend ein steigendes Defizit sowie wachsende Schulden in anderen Staaten gegen&#252;ber, schreibt die britische Wirtschaftspresse. Dazu z&#228;hlten die USA, die sich wom&#246;glich bald mit protektionistischen Ma&#223;nahmen sch&#252;tzen m&#252;ssten, wonach mit schweren Problemen in der deutschen Exportbranche zu rechnen sei. Pariser Beobachter warnen, Frankreich drohe von der deutschen Exportmacht abgekoppelt zu werden und, gleich den Staaten S&#252;deuropas, in eine Schuldenkrise zu rutschen, wenn Berlin weiterhin den Binnenkonsum vernachl&#228;ssige. Auch deutsche Wirtschaftskreise rechnen mit ernsten Schwierigkeiten aufgrund der Einheitszinsen in der heterogenen Eurozone. Wie der &#214;konom Dr. Radu Golban im Gespr&#228;ch mit dieser Redaktion erkl&#228;rt, basieren die aktuellen Entwicklungen auf der besonderen Konstruktion des Euro, die starke &#196;hnlichkeiten mit NS-Pl&#228;nen f&#252;r eine europ&#228;ische W&#228;hrungskooperation aufweise. Sie solle der deutschen Wirtschaft Absatzm&#228;rkte und damit Exportgewinne in der europ&#228;ischen Peripherie sichern.<br />
Quelle: <a href="http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57877?PHPSESSID=ljlrvjughfoj6knoccids3tud4">German Foreign Policy</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Stuttgart 21: R&#228;tselraten um &#196;nderung des Planfeststellungsbeschlusses</strong><br />
Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche-Bahn-Tochter DB Station &#038; Service, André Zeug, hat den Gegnern des Projekts Stuttgart &#8211; Ulm eine Steilvorlage gegeben, indem er ungefragt der Erweiterung des geplanten Tiefbahnhofs von acht auf zehn Gleise eine Absage erteilte. Bei der Pressekonferenz, in der vom Bahnhofsarchitekten Christoph Ingenhoven diverse Anpassungen seines Entwurfs pr&#228;sentiert wurden, hatte Zeug erkl&#228;rt, f&#252;r weitere Optimierungen wie die im Planfeststellungsbeschluss noch thematisierte Erweiterung des Durchgangsbahnhofs von acht auf zehn Gleise sehe er keinen Anlass. Er sagte: &#8220;Das bietet sich in den n&#228;chsten 50 bis 80 Jahren nicht an und ist auch planerisch nicht m&#246;glich.&#8221;<br />
Das &#252;berraschte, denn im Planfeststellungsbeschluss f&#252;r den Tiefbahnhof (1.1.), der die Baugenehmigung f&#252;r diesen Abschnitt darstellt, ist die Erweiterung im Tunnel von acht auf zehn Gleise zwar nicht als Option, immerhin aber als &#8220;grunds&#228;tzliche M&#246;glichkeit&#8221; auf der Seite 207 erw&#228;hnt. Sie reiche aus und sei auch von der Bahn beim Er&#246;rterungstermin anhand von Planskizzen konkret vorgestellt worden.<br />
Zeugs Aussage wird von kritischen Bahnexperten so interpretiert, dass sich seit dem Planfeststellungsbeschluss gravierende &#196;nderungen ergeben h&#228;tten, die eine Planerg&#228;nzung oder ein erg&#228;nzendes Verfahren n&#246;tig machen k&#246;nnten. Dieser Vorgang w&#252;rde das Projekt verz&#246;gern.<br />
Quelle: <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2611796_0_2666_-erweiterung-um-zwei-gleise-raetselraten-um-den-verzicht.html">Stuttgarter Zeitung</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Oberster Soldat wirft Bundeswehr Milliardenverschwendung vor</strong><br />
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, &#228;u&#223;ert harte Kritik am desastr&#246;sen Beschaffungswesen der Truppe. In einem vertraulichen Bericht beklagt er unter anderem „Einflussnahme von au&#223;en und unzureichende Finanzausstattung“. Auch die Industrie bekommt ihr Fett weg. Wieker pl&#228;diert f&#252;r radikale Ma&#223;nahmen. Die Gr&#252;nen forderten, R&#252;stungsprojekte erst einmal einzufrieren.<br />
S&#228;mtliche gro&#223;en R&#252;stungsprojekte der Bundeswehr seien dar&#252;ber hinaus von drei negativen Merkmalen gekennzeichnet: „Sie fallen aus dem Kostenrahmen, sie fallen aus dem Zeitrahmen“ und sie br&#228;chten dar&#252;ber hinaus „nicht einmal das geforderte F&#228;higkeitsspektrum.“<br />
Mit anderen Worten: Die Bundeswehr und der Steuerzahler zahlen j&#228;hrlich Milliardensummen f&#252;r minderwertige R&#252;stungsg&#252;ter, die dennoch keine sachgerechte Ausr&#252;stung der deutschen Streitkr&#228;fte gew&#228;hrleisten.<br />
Quelle: <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ruestungsbeschaffung-oberster-soldat-wirft-bundeswehr-milliardenverschwendung-vor;2646814">Handelsblatt</a></p>
<p><em>Apropos Verschwendung:</em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Eurofighter: Geldvernichten wie im Fluge</strong><br />
&#214;sterreichs Familien werden n&#228;chstes Jahr auf 235 Millionen Euro verzichten m&#252;ssen. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf 111 Millionen. Die Pflegebed&#252;rftigen auf 80 Millionen. Die Sozialversicherungen auf 248 Millionen. Die Beamten &#8211; sollte ihnen eine Nulllohnrunde abgerungen werden &#8211; auf hundert Millionen.<br />
Gleichzeitig sch&#252;tzt &#214;sterreich seinen Luftraum mit 15 &#252;berteuerten Flugzeugen, von denen eines &#8211; ohne Ausstattung &#8211; 57 Millionen Euro kostet. Mit Ausstattung erh&#246;ht sich der Preis auf mehr als hundert Millionen, er bewegt sich also im Bereich dessen, was &#214;sterreich n&#228;chstes Jahr beim Unterricht einspart. Pro Jet, wohlgemerkt. Die Betriebskosten betragen heuer 50 Millionen. Kommendes Jahr 70 Millionen. Ab 2013 hundert Millionen. Gerechnet auf die Lebensdauer der Jets werden Betriebskosten von drei Mrd. Euro anfallen. Die Regierung Sch&#252;ssel, die die Jets anschaffte, gaukelte uns die H&#228;lfte dieses Betrags vor.<br />
Quelle: <a href="http://mein.salzburg.com/blog/koller/2010/08/eurofighter-geldvernichten-wie.html">Salzburger Nachrichten</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Das Schweigen des Guido Westerwelle</strong><br />
Guido Westerwelle bem&#252;ht sich in das Amt des Au&#223;enministers hineinzuwachsen. Es wird ihm nicht gelingen. Denn er verbindet mit seiner Aufgabe keine eigenst&#228;ndige Mission.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/das-schweigen-des-chef-diplomaten/-/1472602/4604414/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung RS:</strong> Er hat sich stets bem&#252;ht&#8230;</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Jeder zweite sieht DDR-Anschlu&#223; skeptisch</strong><br />
20 Jahre nach »Einigungsvertrag«: Gut jeder zweite Deutsche hat die »Wiedervereinigung« bis heute nicht akzeptiert, neun Prozent der Ostdeutschen wollen ihre DDR wiederhaben, elf Prozent der Westdeutschen w&#252;nschen sich die Mauer zur&#252;ck. Das ist das Ergebnis eines »Sozialreports«, den der Verband Volkssolidarit&#228;t gestern zum 20. Jahrestag des »Einigungsvertrages« zwischen BRD und DDR ver&#246;ffentlichte.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/09-01/059.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Parasit Pentagon</strong><br />
US-Generalstabschef Mullen bezeichnet Staatsverschuldung als gr&#246;&#223;tes Sicherheitsrisiko. Milit&#228;r verschlingt pro Jahr fast 1000 Milliarden Dollar. Dabei machte der Etat des Verteidigungsministeriums (Pentagon) etwa 650 Milliarden Dollar aus. Neben diesem regul&#228;ren Haushaltsposten des Pentagon m&#252;ssen noch die in einem Sonderhaushalt ausgef&#252;hrten Kriegskosten f&#252;r Afghanistan und Irak hinzugez&#228;hlt werden, ebenso wie die in anderen Haushalten versteckten Milit&#228;rausgaben (z.B. die f&#252;r Atomwaffen im US-Energieministerium). Das Haushaltsdefizit der Obama-Administration belief sich f&#252;r den gleichen Zeitraum auf 1500 Milliarden Dollar. Das sind etwa elf Prozent des ohnehin gro&#223;z&#252;gig berechneten US-Bruttoinlandsprodukts (BIP).<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/09-01/025.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Filmtip: Die Entbehrlichen</strong><br />
Ungef&#228;hr 1,7 Millionen Kinder gibt es in Deutschland, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind. Nun sind es aber nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern, die man nicht vergessen sollte. F&#252;r die Zust&#228;nde gibt es Ursachen. Der Neoliberalismus und seine hemmungslose Gier, sein Marktradikalismus und seine Ausgrenzungsstrategien haben zur Folge, dass darunter immer mehr Menschen leiden. Einer von ihnen ist Junge Jakob Weiss, der in solchen prek&#228;ren und verzweifelten Verh&#228;ltnissen seines Umfeldes aufw&#228;chst. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.<br />
Quelle: <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15583">Neue Rheinische Zeitung</a></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Das Vorletzte: Abendland – von Volker Pispers</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439">WDR</a></li>
<li><a name="h20"></a><strong>Zu guter Letzt: Organisiertes Verbrechen</strong><br />
<img src="upload/bilder/organised_crime.jpg" alt="Organised Crime" /><br />
Quelle: <a href="http://dudelol.com/DO-NOT-HOTLINK-IMAGES/Dad-Im-considering-a-career-in-organised-crime.jpg" rel="lightbox[6630]">dudelol</a>
</li>
</ol>
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		<title>Konsequent asozial</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 06:30:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[Vier von f&#252;nf Bundesb&#252;rgern halten das „Sparpaket“ f&#252;r sozial unausgewogen und sie haben Recht. Die &#196;rmsten der Armen und die Arbeitnehmer werden die Hauptlast der Krise bezahlen. Von einem „fairen Ausgleich“ zwischen Sozialk&#252;rzungen und Belastungen „der Wirtschaft“, &#252;ber den Kanzlerin Merkel gesprochen hat, kann keine Rede sein. Die Gewinner der Finanzspekulationen bleiben ungeschoren, die Verluste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vier von f&#252;nf Bundesb&#252;rgern halten das „Sparpaket“ f&#252;r <a href="http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/zweifel-am-sparpaket/">sozial unausgewogen</a> und sie haben Recht. Die &#196;rmsten der Armen und die Arbeitnehmer werden die Hauptlast der Krise bezahlen. Von einem „fairen Ausgleich“ zwischen Sozialk&#252;rzungen und Belastungen „der Wirtschaft“, &#252;ber den Kanzlerin Merkel gesprochen hat, kann keine Rede sein. Die Gewinner der Finanzspekulationen bleiben ungeschoren, die Verluste tragen die Arbeitslosen und die sozial Schwachen. Wolfgang Lieb<br />
<span id="more-6631"></span></p>
<p>Mit dem gestern vom Kabinett beschlossenen „Sparpaket“ hat die schwarz-gelbe Bundesregierung die Bef&#252;rchtungen noch &#252;bertroffen, die man nach der Kabinett-Klausur Anfang Juni hegen musste.</p>
<ul>
<li>Die Zuschl&#228;ge beim &#220;bergang vom Arbeitslosengeld I in Hartz IV f&#252;r Arbeitslose werden gestrichen. Bisher erhielten &#252;ber 155.000 Haushalte durchschnittlich einen Zuschlag von 110 Euro &#252;ber 2 Jahre, wenn sie zuvor &#252;ber lange Zeit erwerbst&#228;tig waren.
</li>
<li>Die monatliche Pauschale von d&#252;rftigen 40,80 Euro, die die Bundesagentur f&#252;r Arbeitslose an die Rentenversicherung bezahlte wird gestrichen. Dadurch erh&#246;hte sich bisher die Rente der Betroffenen zwar nur um den „stolzen“ Betrag von 2,09 Euro, aber damit fehlt der gesetzlichen Rentenkasse insgesamt j&#228;hrlich ein Betrag von 1,8 Milliarden, die entweder durch Rentenk&#252;rzungen oder durch Erh&#246;hung der Beitr&#228;ge ausgeglichen werden k&#246;nnten. F&#252;r die Grundsicherung, der dadurch in Armut fallenden Rentner d&#252;rfen die Kommunen gerade stehen.
</li>
<li>Der Heizungskostenzuschuss beim Wohngeld f&#252;r Geringverdiener entf&#228;llt.</li>
<li>Das Elterngeld f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger von 300 Euro im Monat wird gestrichen. Schon bei seiner Einf&#252;hrung ging das Elterngeld zu Lasten der Hartz-IV-Empf&#228;nger. Sie bekamen vorher &#252;ber zwei Jahre hinweg insgesamt 7.200 Euro und danach monatlich 300 Euro f&#252;r nur noch ein Jahr.
</li>
<li>Die Arbeitslosenversicherung soll k&#252;nftig ohne Zusch&#252;sse vom Bund auskommen. Das zwingt die Bundesagentur f&#252;r Arbeit zu weiteren drastischen Einschr&#228;nkungen. </li>
<li>Bis 2014 sollen bei Hartz-IV-Zahlungen zus&#228;tzlich 3 Milliarden „eingespart“ werden. </li>
</ul>
<p>&#220;ber ein Drittel der 11 Milliarden pro Jahr oder knapp 30 Milliarden der insgesamt geplanten &#252;ber 80 Milliarden werden von denjenigen „ausgepresst“, wo eigentlich ohnehin nichts mehr zu holen ist.</p>
<p>W&#228;hrend der Griff in die leeren Taschen feststeht, bleibt es beim „fairen“ Ausgleich durch Belastungen der „Wirtschaft“ bestenfalls bei vagen Ank&#252;ndigungen.</p>
<ul>
<li>Die „Luftverkehrssteuer“ zwischen 8 und 45 Euro zum Flugpreis, tragen ohnehin wiederum die Passagiere und zwar alle gleich, ob sie eine Pauschalreise buchen, Economy-Class oder Business- bzw. First-Class fliegen. Frachtfl&#252;ge werden gar nicht erst besteuert.
</li>
<li>Die „Brennelementesteuer“ sollte in den n&#228;chsten 4 Jahren (also zeitlich begrenzt) in H&#246;he von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr erbringen, ist mangels Energiekonzept verschoben. Ob sie &#252;berhaupt kommen wird (da vermutlich der Bundesrat zustimmen m&#252;sste) oder welchen „Preis“ die Energiemonopolisten mit der Bundesregierung f&#252;r die Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken „aushandeln“, ist v&#246;llig offen.</li>
<li>Die „Finanztransaktionssteuer“, die ab 2010 bis 2014 mit jeweils 2 Milliarden Euro (insgesamt also 6 Milliarden Euro) eingeplant ist, ist selbst nach Aussagen Sch&#228;ubles „wirklich noch nicht in trockenen T&#252;chern“.
</li>
<li>Die Kappung der Ausnahmen von der &#214;kosteuer f&#252;r stromintensive Betriebe – eigentlich m&#252;sste man genauer von einer Kappung der bisherigen Steuersubventionen in einem Volumen von 8 bis 9 Milliarden sprechen -, die zwischen 1,1 bis 1,5 Milliarden erbringen soll, ist schon jetzt verw&#228;ssert, und der Finanzminister hat noch weitere Kompromissbereitschaft angek&#252;ndigt: Man k&#246;nne „sachlich begr&#252;ndete Einw&#228;nde nicht wegschieben“. (Sachlich begr&#252;ndete Einw&#228;nde gelten nat&#252;rlich bei den Sozialk&#252;rzungen nicht.)</li>
<li>Die Bundeswehr ist die kommenden zwei Jahre von K&#252;rzungen ohnehin ausgenommen. Ob die angek&#252;ndigten 1 bis 3 Milliarden ab 2013 Einsparungen jemals erzielt werden, steht in den Sternen. Alle bisherigen „Reformvorschl&#228;ge“ zu Guttenbergs erbringen die angek&#252;ndigten Summen nicht.
</li>
</ul>
<p>W&#228;hrend also bei Arbeitslosen, Niedrigverdienern und Flugpassagieren sofort zugepackt wird,<br />
bleibt es – <a href="/?p=5826">wie vorhersehbar</a> &#8211; &#252;berall sonst bei Luftbuchungen. </p>
<p>Die Steuergeschenke f&#252;r Hoteliers, die Steuerbefreiung f&#252;r die Ver&#228;u&#223;erung von Betrieben oder Betriebsanteilen, die Abgeltungssteuer auf Kapitalertr&#228;ge (von 42 auf 25 % gesenkt) oder die Spitzensteuers&#228;tze bleiben unangetastet. An eine Wiedereinf&#252;hrung einer Verm&#246;gensteuer oder einer Anhebung der Erbschaftssteuer wenigstens auf mittleres internationales Niveau wird gar nicht erst gedacht. </p>
<p>Die Krisenverursacher und Krisengewinnler werden erst gar nicht herangezogen.<br />
&#220;ber 80 Milliarden soll das „Sparpaket“ bringen, schon bis Ende 2009 sind die staatlichen Kosten f&#252;r die St&#252;tzung der Finanzinstitute laut Bundesbank auf <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:folgen-der-finanzkrise-bankenrettung-treibt-staatsschulden/50103077.html">98 Milliarden aufgelaufen</a>. Den L&#246;wenanteil dieser Schulden bezahlen die sozial Benachteiligten. Das nenne ich konsequent asozial.</p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 07:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Ruhsert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Arbeitsmarkt im August 2010; der allm&#228;hliche R&#252;ckzug des Sozialstaats; Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter; Tariftreue und EU-Rechtsprechung; warten auf den zweiten Einschlag; Ungereimtheiten bei Hypo Alpe-Adria; Aufbruch im Autoland; Diagnose: Bedingt lebensf&#228;hig; Menschen mit Migrationshintergrund; zu den Sarrazinaten; Stuttgart 21; NRW-Kabinett beschlie&#223;t Abschaffung der Studiengeb&#252;hren; Ghadhafi rettet Europa und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Arbeitsmarkt im August 2010; der allm&#228;hliche R&#252;ckzug des Sozialstaats; Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter; Tariftreue und EU-Rechtsprechung; warten auf den zweiten Einschlag; Ungereimtheiten bei Hypo Alpe-Adria; Aufbruch im Autoland; Diagnose: Bedingt lebensf&#228;hig; Menschen mit Migrationshintergrund; zu den Sarrazinaten; Stuttgart 21; NRW-Kabinett beschlie&#223;t Abschaffung der Studiengeb&#252;hren; Ghadhafi rettet Europa und verlangt daf&#252;r Geld; Kampf gegen Taliban in «letzter Phase» (KR/WL)<br />
<span id="more-6624"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Arbeitsmarkt im August 2010</a></li>
<li><a href="#h02">Der allm&#228;hliche R&#252;ckzug des Sozialstaats</a></li>
<li><a href="#h03">Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter 2009</a></li>
<li><a href="#h04">WSI: Tariftreue &#8211; &#8220;Schock nach EuGH-Urteil &#252;berwunden&#8221;</a></li>
<li><a href="#h05">Wolfgang M&#252;nchau &#8211; Warten auf den zweiten Einschlag</a></li>
<li><a href="#h06">Hypo Alpe-Adria: Die Finanzaufsicht stie&#223; bereits 2007 auf massive Ungereimtheiten</a></li>
<li><a href="#h07">BaFin sortiert Aufsichtsr&#228;te von Banken aus</a></li>
<li><a href="#h08">Aufbruch im Autoland</a></li>
<li><a href="#h09">Medizinischer Fortschritt &#8211; Diagnose: Bedingt lebensf&#228;hig</a></li>
<li><a href="#h10">Oskar Lafontaine: &#8220;Logisch, dass die SPD Fehler korrigiert&#8221;</a></li>
<li><a href="#h11">Menschen mit Migrationshintergrund stellen fast ein F&#252;nftel der Bev&#246;lkerung</a></li>
<li><a href="#h12">Zu den Sarrazinaten</a></li>
<li><a href="#h13">Stuttgart 21</a></li>
<li><a href="#h14">NRW-Kabinett beschlie&#223;t Abschaffung der Studiengeb&#252;hren zum WS 2011/12</a></li>
<li><a href="#h15">Ghadhafi rettet Europa und verlangt daf&#252;r Geld</a></li>
<li><a href="#h16">Kampf gegen Taliban in «letzter Phase»</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6624&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Arbeitsmarkt im August 2010</strong>
<ul>
<li>5,729 Millionen &#8220;Arbeitslosengeld-Empf&#228;nger/innen&#8221; (SGB III und SGB II)</li>
<li>4,892 Millionen Arbeitslosengeld II-Empf&#228;nger/innen – 31.500 (0,6%) weniger als im August 2009</li>
<li>Im August 2010 wurden von der Statistik der BA insgesamt 3,188 Millionen Arbeitslose registriert, 283.000 bzw. 8,2% weniger als im August 2009. Von diesen 3,188 Millionen Arbeitslosen waren 1,031 Millionen (32,3%) im Rechtskreis SGB III und 2,157 Millionen (67,7%) im Rechtskreis SGB II (Hartz IV) registriert. (August 2009: 65,0%)</li>
<li>Als Arbeitsuchende waren im August 2010 insgesamt 5,638 Millionen Frauen und M&#228;nner registriert, 409.000 (6,8%) weniger als im August 2009.</li>
<li>Die von der Statistik der BA ermittelte „Unterbesch&#228;ftigung ohne Kurzarbeit“ betrug im August 2010 4,257 Millionen, 309.000 (6,8%) weniger als im August 2009.</li>
<li>Nach vorl&#228;ufigen, hochgerechneten Daten hatten 4,892 Millionen (arbeitslose und nicht arbeitslose) Frauen und M&#228;nner Anspruch auf das beitragsfinanzierte Arbeitslosengeld (SGB III) und 0,933 Millionen Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Bereinigt um die Zahl der etwa 97.000 sog. Aufstocker (gleichzeitiger Bezug von Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II) hatten im August 2010 etwa 5,729 Millionen erwerbsf&#228;hige Frauen und M&#228;nner Anspruch auf Arbeitslosengeld (SGB III) bzw. Arbeitslosengeld II, 235.000 weniger als vor einem Jahr (BA-Monatsbericht, S. 19).</li>
</ul>
<p>Quelle: <a href="upload/pdf/100901_Arbeitsmarkt_August_2010.pdf">Bremer Institut f&#252;r Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. (BIAJ) [PDF - 463 KB]</a></p>
<p><em>Dazu auch:</em></p>
<p><strong>&#214;konomen entzaubern deutsches Jobwunder</strong><br />
Nicht nur die Kurzarbeit, auch der demografische Wandel hat die Unternehmen veranlasst, Mitarbeiter zu halten. Gleichzeitig sind um die hunderttausend Personen im vergangenen Jahr aus der Erwerbslosenstatistik verschwunden, schlicht weil sie in Rente gingen. Das ist alles andere als Zauberei, sieht in der Bilanz der Bundesagentur aber gut aus. Genauso wie die Zehntausende, die aus der Statistik herausfielen, weil die Beh&#246;rde sie einfach nicht mehr mitz&#228;hlte. So wurden die von privaten Vermittlern betreuten Arbeitssuchenden fr&#252;her noch eingerechnet. Inzwischen werden sie einfach nicht mehr ausgewiesen. Ohne diese &#196;nderung und andere m&#252;sste die Zahl der Arbeitslosen heute deutlich h&#246;her sein.<br />
Das vermeintliche Arbeitsmarktwunder ist also gar keins. Demografie und Statistiktricks haben einen geh&#246;rigen Anteil an der positiven Entwicklung der Erwerbslosenzahlen. Vielleicht f&#228;llt der Jubel in Regierung und Arbeitsagentur auch deshalb so bescheiden aus. Vielleicht ist aber auch die Angst vor einem R&#252;ckschlag zu gro&#223;.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,714253,00.html">Spiegel Online</a></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Der allm&#228;hliche R&#252;ckzug des Sozialstaats</strong><br />
Auf den ersten Blick ist die Idee der &#8220;Tafel&#8221; faszinierend: Viele freiwillige Helfer verteilen &#252;bersch&#252;ssige Lebensmittel an Bed&#252;rftige. Den sozial Benachteiligten wird so geholfen, die Lebensmittel m&#252;ssen nicht entsorgt werden. Der Soziologe Dr. Stephan Lorenz von der Universit&#228;t Jena hat jedoch einen zweiten Blick auf die Idee der Tafel geworfen und kritische Befunde erhalten.<br />
&#8220;Die Frage steht im Raum, ob die Tafeln Teil der L&#246;sung oder nicht eher Symptom des Problems einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung sind&#8221;, sagt Lorenz. Beweist ihre Arbeit doch das Vorhandensein massenhafter &#220;bersch&#252;sse. Aber eben auch, dass viele Menschen sehr weitgehend von Arbeit und Konsum ausgeschlossen sind. Menschen, die in der &#220;berflussgesellschaft im t&#228;glichen &#220;berlebenskampf stehen. Zudem bestehe die Gefahr eines weitergehenden R&#252;ckzuges des Sozialstaats: &#8220;Die Tafeln &#252;bernehmen faktisch sozialstaatliche Aufgaben, ohne dass ein Rechtsanspruch auf ihre Leistungen besteht.&#8221;<br />
Eine Million Menschen nutzen in Deutschland die Angebote der Tafeln<br />
Die Idee der Tafeln kommt aus den USA. Dort entstanden die ersten Initiativen in den 1960er Jahren. …&#8221;Inzwischen gibt es bundesweit ungef&#228;hr 900 Tafeln und ungez&#228;hlte &#228;hnliche Initiativen&#8221;, sagt Lorenz… Ungef&#228;hr eine Million Menschen nutzen in Deutschland die Angebote der Tafeln regelm&#228;&#223;ig.<br />
Mit den &#196;nderungen der Arbeitsmarktpolitik im Zuge der Agenda 2010 sei die Verantwortung f&#252;r Arbeitslosigkeit verst&#228;rkt den Einzelnen selbst zugeschrieben worden, konstatiert Stephan Lorenz. &#8220;Obwohl schlicht die Stellen fehlen, wirft man Arbeitslosen jetzt eher Leistungsverweigerung oder fehlende Motivation vor&#8221;, sagt der Soziologe von der Universit&#228;t Jena. Um den Erwerbslosen Anreize zu bieten, sich wieder um eine Anstellung zu bem&#252;hen, wurden die sogenannten Ein-Euro-Jobs geschaffen. So kommt es sogar zu der kuriosen Situation, dass Ein-Euro-Jobber inzwischen vielerorts helfen, den reibungslosen Betrieb der Tafeln aufrecht zu erhalten.<br />
Gemeinsam mit zahlreichen Autoren und Jenaer Kolleginnen hat Stephan Lorenz jetzt das Buch &#8220;TafelGesellschaft. Vom neuen Umgang mit &#220;berfluss und Ausgrenzung&#8221; vorgelegt. Es vereint Aufs&#228;tze von Wissenschaftlern mit Statements aus Politik, Kirche, Gewerkschaft und sozialer Bewegung.<br />
Quelle: <a href="http://www.uni-jena.de/Mitteilungen/PM100827_Tafelbuch.html">Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter 2009</strong>
<p><a href="upload/bilder/sozialversicherungspflichtige_beschaeftigung_2009.gif" title="Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter 2009" rel="lightbox[6624]"><img src="upload/bilder/sozialversicherungspflichtige_beschaeftigung_2009_th.gif" alt="Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter 2009" title="Sozialversicherungspflichtige Besch&#228;ftigung im rentennahen Alter 2009" /></a></p>
<p><strong>Kurz gefasst:</strong> Die Vollzeitbesch&#228;ftigtenquoten im rentennahen Alter (in % der jeweiligen Bev&#246;lkerung) liegen Ende 2009 bei</p>
<ul>
<li>18,9% f&#252;r die ArbeitnehmerInnen im Alter 62 Jahre,</li>
<li>12,5% f&#252;r die ArbeitnehmerInnen im Alter 63 Jahre und</li>
<li>5,7% f&#252;r die ArbeitnehmerInnen im Alter 64 Jahre.</li>
</ul>
<p><strong>Hintergrund</strong></p>
<p>In der Auseinandersetzung um das Pro und Contra der „Rente mit 67“ (vgl. dazu <a href="http://www.sozialpolitik-aktuell.de/kontrovers---das-aktuelle-thema-rente-mit-67.html">Kontrovers – Das aktuelle Thema: Altersgrenze 67?</a>) ist es &#252;blich, nach der Erwerbsbeteiligung von &#196;lteren in Deutschland zu fragen: Gibt es einen Trend zu einer h&#246;heren Erwerbst&#228;tigenquote im Alter, und in welchem Ausma&#223; reicht diese Erwerbst&#228;tigkeit an die gegenw&#228;rtigen und zuk&#252;nftigen Altersgrenzen in der Rentenversicherung heran?<br />
Die empirischen Befunde zur Erwerbst&#228;tigkeit lassen auf den ersten Blick einen Trend steigender Alterserwerbst&#228;tigkeit erkennen. Allerdings gibt es keinen Anlass zur Euphorie. In der Altersgruppe von 60 bis 65 Jahren, die ja f&#252;r die Beurteilung der Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre entscheidend ist, waren 2008 (neuere Daten liegen noch nicht vor) nur 41,6 Prozent der M&#228;nner und gerade einmal 25,1 Prozent der Frauen erwerbst&#228;tig. Diese Durchschnittszahlen verdecken dar&#252;ber hinaus, dass in den Altersgruppen 63 und 64 Jahre die „Luft nochmals erheblich d&#252;nner wird“. M&#228;nner und Frauen mit dem Lebensalter 64 weisen nur noch eine Erwerbst&#228;tigenquote von 28 Prozent und 14,5 Prozent auf (vgl. <a href="http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV103.pdf">Abbildung [PDF - 96 KB]</a>).<br />
Es ist aber zu kurz gegriffen, die gegenw&#228;rtige Situation &#228;lterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt allein mit dem Merkmal „Erwerbst&#228;tigkeit“ beschreiben zu wollen. Denn in den skizzierten, auf den Ergebnissen des Mikrozensus beruhenden Zahlen wird nach dem sog. ILO-Konzept unter „Erwerbst&#228;tigkeit“ jede Form der Erwerbsbeteiligung verstanden. Erwerbst&#228;tige sind nach dem ILO-Konzept alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt (Lohn, Gehalt) oder als Selbstst&#228;ndige bzw. als mithelfende Familienangeh&#246;rige gearbeitet haben. Keine Rolle spielt dabei, ob es sich bei der T&#228;tigkeit um eine regelm&#228;&#223;ige oder nur um eine gelegentlich ausge&#252;bte, eher marginale T&#228;tigkeit handelt. Aus der ILO-Definition der Erwerbst&#228;tigkeit folgt also, dass auch Personen mit einer Besch&#228;ftigung im unteren und untersten Stundenspektrum und im Status einer „geringf&#252;gigen Besch&#228;ftigung“ als Erwerbst&#228;tige erfasst werden.<br />
Bei der Bewertung der Arbeitsmarktsituation kann insofern nur dann eine Erwerbst&#228;tigkeit im Alter als angemessen angesehen werden, wenn sie qualitativen Mindestma&#223;st&#228;ben entspricht. Eine Heraufsetzung der Altersgrenzen, die zu einer Besch&#228;ftigung im Alter unter schlechten, prek&#228;ren Bedingungen f&#252;hrt, erf&#252;llt diese Ma&#223;st&#228;be nicht. Von einer qualitativ hinreichenden Erwerbst&#228;tigkeit im Alter kann nur dann gesprochen werden, wenn es sich um ein sozialversicherungspflichtiges Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnis mit einem Einkommen oberhalb der Niedriglohnschwelle handelt. Nur so lassen sich weitere nennenswerte Rentenanwartschaften erwerben. Analysiert man die vorliegenden Daten aus diesem Blickwinkel, so ist un&#252;bersehbar, dass die Besch&#228;ftigungszahlen und -quoten (sozialversicherungspflichtig) im Vergleich zur Erwerbst&#228;tigkeit allgemein deutlich niedriger ausfallen: So sind in der Altersgruppe 60-65 Jahren 2009 etwa eine Millionen Personen versicherungspflichtig besch&#228;ftigt. Dies entspricht – weit entfernt von den Zielvorgaben der EU – einer Besch&#228;ftigtenquote von 24,2 Prozent.<br />
Auch hier handelt es sich wiederum nur um Durchschnittswerte f&#252;r die gesamte Altersgruppe; in den Altersgruppen 63 und 64 Jahre, die in der N&#228;he der Regelaltersgrenze liegen, st&#252;rzt die versicherungspflichtige Besch&#228;ftigung geradezu ab. Nur noch etwa 200.000 ArbeitnehmerInnen lassen sich in diesen beiden Altersgruppen z&#228;hlen, davon zu 31% Teilzeitbesch&#228;ftigte. Die Vollzeitbesch&#228;ftigtenquote sinkt auf 12,5% (63 Jahre) und 5,7% Prozent (64 Jahre).<br />
Als sozialversicherungspflichtig besch&#228;ftigt werden bei diesen Zahlen auch noch die ArbeitnehmerInnen gez&#228;hlt, die sich in der Freistellungsphase der Altersteilzeit nach dem Block-Modell befinden, also faktisch nicht mehr berufst&#228;tig sind. In der Altersgruppe 60-65 Jahre sind waren dies (Zahlen f&#252;r 2008) mehr als ein Drittel (35,9 Prozent) der versicherungspflichtig Besch&#228;ftigten.<br />
Quelle: <a href="http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV105.pdf">Sozialpolitik aktuell in Deutschland [PDF - 130 KB]</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Auf <a href="http://www.sozialpolitik-aktuell.de/">Sozialpolitik aktuell</a> finden Sie eine Vielzahl von im August neu eingestellten Studien und Daten zur Sozialpolitik.</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>WSI: Tariftreue &#8211; &#8220;Schock nach EuGH-Urteil &#252;berwunden&#8221;</strong><br />
Tariftreue-Regelungen erleben Comeback &#8211; neun Bundesl&#228;nder haben oder planen neue Gesetze.<br />
Tariftreue-Regelungen, nach denen der Staat nur Anbieter beauftragen darf, die sich an die &#246;rtlichen Tarifvertr&#228;ge halten, erleben ein Comeback. Die meisten Bundesl&#228;nder wollen die Vergabe &#246;ffentlicher Auftr&#228;ge wieder an die Einhaltung von Tarifstandards koppeln. Einige L&#228;nder legen dar&#252;ber hinaus auch vergabespezifische Mindestl&#246;hne fest. Eine aktuelle &#220;bersicht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-B&#246;ckler-Stiftung stellt die neue Entwicklung dar.<br />
 &#8221;Die meisten Bundesl&#228;nder haben den `R&#252;ffert-Schock´ &#252;berwunden&#8221;, sagt Dr. Thorsten Schulten, Tarifexperte im WSI. Im so genannten R&#252;ffert-Fall hatte der Europ&#228;ische Gerichtshof (EuGH) im April 2008 &#252;berraschend die Tariftreue-Vorschriften des damaligen nieders&#228;chsischen Vergabegesetzes als Versto&#223; gegen die europ&#228;ische Dienstleistungsfreiheit gewertet.<br />
Um ihre Gesetzesnovellen europarechtskonform zu gestalten, setzen die L&#228;nder an drei unterschiedlichen Punkten an:</p>
<ul>
<li>Mindestl&#246;hne nach dem Entsendegesetz…</li>
<li>Sonderregel Verkehrssektor…</li>
<li>Vergabespezifischer Mindestlohn…</li>
</ul>
<p>Quelle: <a href="http://www.boeckler.de/547_108707.html">WSI</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> So erfreulich dieses „Gegenbewegung“ sein mag, die Konstruktionen zeigen jedoch, wie kompliziert es ist, Arbeitnehmerrechte gegen die wirtschaftsliberalen Prinzipien der EU-Vertr&#228;ge zu verteidigen. Siehe dazu die <a href="?p=3148">Entscheidung des Europ&#228;ischen Gerichtshofes – Dienstleistungsfreiheit steht &#252;ber nationalen Arbeitnehmerrechten</a>.</em></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Wolfgang M&#252;nchau &#8211; Warten auf den zweiten Einschlag</strong><br />
Da die globalen Ungleichgewichte wieder auftreten werden, ist es v&#246;llig legitim, sich mit diesen instrumentalen Fragen zu befassen. Die Finanzm&#228;rkte sind das Bindeglied zwischen Ungleichgewichten und Krise. Und nach all dem, was wir jetzt wissen, werden sie diese Rolle wieder wahrnehmen. Die Krise des vergangenen Jahrzehnts wurde im amerikanischen Immobilienmarkt ausgel&#246;st. Die n&#228;chste Krise wird mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit anderswo stattfinden. Es ist schwer zu prognostizieren, wo genau das sein wird. In der vergangenen Woche vermutete ich, dass wir eventuell in den Rohstoffm&#228;rkten Probleme bekommen oder in den Aktienm&#228;rkten der Schwellenl&#228;nder. Aber wer wei&#223;? Anstatt die letzte Krise zu beenden, ist es jetzt wichtig, das Risiko insgesamt zu begrenzen. Dabei gibt es zwei Priorit&#228;ten.<br />
Die erste sollte sein, das Schattenbankensystem so weit wie m&#246;glich auszuhebeln und in den Bankensektor zu integrieren. Das wird nicht passieren. Gro&#223;e Teile des globalen Finanzsektors werden auch weiterhin au&#223;erhalb jeglicher Aufsicht existieren, wie etwa der gesamte Markt f&#252;r Swaps &#8211; Zinsswaps, Devisenswaps, Kreditausfallswaps und deren exotische Varianten. Die zweite Priorit&#228;t ist die Rekapitalisierung des Bankensektors. Hier geht es nicht nur um eine Erh&#246;hung der Eigenkapitalquoten. Viel wichtiger noch ist die Neudefinition von Kapital. Gerade deutsche Banken stecken voller Hybridkapital, das f&#252;r Regulierungszwecke zwar offiziell als Kernkapital zugelassen, unter &#246;konomischen Gesichtspunkten aber witzlos ist. Es geht schlie&#223;lich darum, dass Kapital auftretende Verluste absorbiert. Wer in Deutschland aber Genussscheine oder stilles Kapital besitzt, sieht dessen Funktion allerdings etwas anders. Das deutsche Bankensystem hat schlichtweg nicht genug Kapital, um externe Schocks zu verkraften. Da k&#252;nftig mehr solcher Schocks zu erwarten sind, ist eine St&#228;rkung echten risikoabsorbierenden Kapitals notwendig.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:kolumne-wolfgang-muenchau-warten-auf-den-zweiten-einschlag/50160771.html">FTD</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Der ehemalige Chefredakteur der FTD hat lange Zeit das angels&#228;chsische Modell, wie Wirtschaft, Gesellschaft und Politik aufgebaut sein sollten, auch als beispielhaft f&#252;r Deutschland angesehen. Angesichts der weltweiten Finanzkrise hat sich M&#252;nchau im Gegensatz zu vielen eindeutig vom Finanzkapitalismus angels&#228;chsischen Typs distanziert, umso bedr&#252;ckender seine Prognose: &#8220;Die Schlussfolgerung dieser Serie ist, dass es erst nach der n&#228;chsten Krise zu einer grundlegenden Umorientierung kommen wird. Das hei&#223;t aber auch, dass diese neue Krise zun&#228;chst kommen wird. Was sie so gef&#228;hrlich macht, ist unser schw&#228;chlicher Allgemeinzustand. Genauso wie es in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer grundlegenden politischen Neuordnung kam, ist es auch mit den Finanzkrisen. Die jetzige Krise war offensichtlich nicht destruktiv genug. Aus der n&#228;chsten wird man ohne Illusionen hervorgehen.&#8221;<br />
Bislang steht zu bef&#252;rchten, dass er recht beh&#228;lt, nur dass der Preis des n&#228;chsten Kollapses f&#252;r die bereits geschw&#228;chten Volkswirtschaften nicht mehr mit den Ma&#223;st&#228;ben der jetzigen Krise gemessen werden kann.</em></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Hypo Alpe-Adria: Die Finanzaufsicht stie&#223; bereits 2007 auf massive Ungereimtheiten</strong><br />
Die Justiz w&#228;hnt jetzt massive Unregelm&#228;&#223;igkeiten bei zwei Kapitalerh&#246;hungen 2004 und 2006. Die Finanzaufsicht wei&#223; davon seit Jahren – und lie&#223; die verantwortlichen Banker stets unbehelligt. Das Protokoll einer beispiellosen Schlamperei.<br />
Quelle: <a href="http://www.profil.at/articles/1034/560/276454/hypo-alpe-adria-die-finanzaufsicht-2007-ungereimtheiten">Profil</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Peinlich, peinlich, wie die bayerische Landesbank &#252;ber den Tisch gezogen wurde, wenn nicht gar noch Schlimmeres anzunehmen ist. Sowohl die &#246;sterreichische Nationalbank als auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) wussten bereits Mitte 2006, dass die Hypo Alpe-Adria Kapital in den B&#252;chern f&#252;hrte, das es schlicht nicht gab &#8211; also lange bevor die bayerische Landesbank f&#252;r 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2007 die Hypo Alpe Adria &#252;bernahm (Mehrheitseigent&#252;mer). So wird auch verst&#228;ndlich, warum sich K&#228;rnten weigerte, die Hypo Alpe Adria finanziell zu unterst&#252;tzen, obwohl das Land immer noch Anteile hielt. Stattdessen lie&#223;en Haider &#038; Co die Bayern bis Ende 2009 nach und nach weitere zwei Milliarden nach K&#228;rnten &#252;berweisen.</em></p>
<p><em>Dazu:</em></p>
<p><strong>&#8220;Das ist fahrl&#228;ssig&#8221;</strong><br />
Professor Manuel Theisen, Lehrstuhlinhaber f&#252;r Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilian-Univerit&#228;t M&#252;nchen, bewertet die Vertr&#228;ge des Kaufs der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) seitens der BayernLB als &#8220;krass abgewichen&#8221; von anderen Vertragsverhandlungen dieser Dimension. Offenbar sei der Kauf der HGAA aufgrund von politischem Druck zu Stande gekommen. Nach Auffassung von Theisen d&#252;rfte der Milliarden Euro schwere Schaden selbst bei einer Verurteilung der Verantwortlichen weiter zu Lasten der Steuerzahler gehen.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1126038/Das-ist-fahrlaessig#/beitrag/video/1126038/Das-ist-fahrlaessig">ZDF Frontal 21: „Das ist f&#228;hrl&#228;ssig“</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1126102/Stoiber-ist-groessenwahnsinnig-gewesen#/beitrag/video/1126102/Stoiber-ist-groessenwahnsinnig-gewesen">ZDF Frontal 21: „Stoiber ist gr&#246;&#223;enwahnsinnig gewesen“</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>BaFin sortiert Aufsichtsr&#228;te von Banken aus</strong><br />
Die Finanzaufsicht geht gegen inkompetente oder unzuverl&#228;ssige Aufsichtsr&#228;te von Banken vor. In insgesamt zehn F&#228;llen nutzt die Aufsichtsbeh&#246;rde ihre neuen Kompetenzen sogar dazu, Kontrolleure aus dem Amt zu entfernen. Die Kontrolle der Aufseher durch die BaFin ist ein Novum: Erst im vergangenen Sommer hatte der Bundestag das Kreditwesengesetz entsprechend versch&#228;rft &#8211; als Lehre aus der Finanzkrise. Bis dahin wurden sie &#252;berhaupt nicht &#252;berwacht. In der Krise war die Arbeit der Aufsichtsr&#228;te stark kritisiert worden. Die Kontrolleure hatten nicht verhindert, dass Banken sich in riskante Gesch&#228;fte st&#252;rzten, Milliardenverluste erlitten und vom Steuerzahler gerettet werden mussten. F&#252;r die jetzt eingeleiteten Verfahren gibt es verschiedene Gr&#252;nde: In einem Fall wirft die Beh&#246;rde dem betroffenen Aufsichtsrat vor, zu wenig vom Bankgesch&#228;ft zu verstehen. In drei F&#228;llen bem&#228;ngelt sie, dass Aufsichtsr&#228;te zu viele Kontrollmandate haben. Bei sechs Aufsichtsr&#228;ten zweifelt die BaFin an deren Zuverl&#228;ssigkeit. Dies sei etwa dann der Fall, wenn ein Aufsichtsrat zugleich Kunde der Bank ist, sein Kredit aber ausfallgef&#228;hrdet oder sogar ausgefallen ist, sagte Cr&#252;well. &#8220;Dann besteht ein Interessenkonflikt.&#8221; Seit August 2009 muss die BaFin auch die Ernennung neuer Aufsichtsr&#228;te absegnen. Diese m&#252;ssen anhand ihrer Lebensl&#228;ufe nachweisen, dass sie &#8220;Sachkunde&#8221; mitbringen. Das Kreditwesengesetz schreibt unter anderem vor, dass sie in der Lage sein m&#252;ssen, die Gesch&#228;fte der Bank zu verstehen und Risiken zu beurteilen. Beobachter gehen davon aus, dass die Eigent&#252;mer von Banken sich wegen der neuen Kompetenzen der BaFin k&#252;nftig genauer &#252;berlegen werden, wen sie in den Aufsichtsrat berufen.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:machtdemonstration-ba-fin-sortiert-aufsichtsraete-von-banken-aus/50163321.html?mode=print">FTD</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Aufbruch im Autoland</strong><br />
Elektrofahrzeuge sollen einmal den mehr als 100 Jahre alten Verbrennungsmotor ersetzen. Dem Automotive Cluster um Stuttgart stehen schwierige Zeiten bevor. Wie dramatisch sich der Umstieg vom Verbrennungs- zum Elektromotor einmal auswirken k&#246;nnte, zeigt der Blick auf das Mercedes-Stammwerk in Stuttgart-Untert&#252;rkheim, ein klassisches Aggregatewerk mit Gie&#223;erei und rund 20 000 Besch&#228;ftigten. Was sie entwickeln, an Einzelteilen herstellen und schlie&#223;lich zu Vier-, Sechs- und Achtzylindermotoren montieren &#8211; Zylinderk&#246;pfe, Kurbelgeh&#228;use, Pleuel -, dazu Getriebe und Achsteile, ist in einem Elektroauto schlicht &#252;berfl&#252;ssig. &#8220;Deshalb diskutieren wir sowohl im Betriebs- und Gesamtbetriebsrat als auch mit dem Management sehr intensiv dar&#252;ber, wie aus gr&#252;ner Technologie neue Besch&#228;ftigungsfelder entstehen k&#246;nnten&#8221;, sagt der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Nieke. beim Elektroantrieb, sagen die meisten Experten, dauere es noch viele Jahre, bis auch nur wenige Prozent der konventionellen Motoren ersetzt werden k&#246;nnten. &#8220;Wenn man 2020 den Schalter vom Verbrennungs- zum Elektromotor umlegen w&#252;rde, m&#252;sste es einem Himmelangst werden, aber das wird nicht so sein&#8221;, sagt Nieke. &#8220;Zwischen 2020 und 2040 werden sich die Besch&#228;ftigungseffekte beider Technologien irgendwie aneinander vorbeischieben.&#8221; Das klingt nach sehr viel Zeit. Aber je entfernter der Horizont, umso mehr Unbekannte gibt es im Wettrennen der Automobilkonzerne um den richtigen Alternativantrieb.<br />
Es gibt viele gute Gr&#252;nde, sich zu sorgen, aber viele Betriebsr&#228;te und Manager sprechen das nur aus, wenn sie anonym bleiben.&#8221;Bei den Automobilherstellern fragt man sich hinter vorgehaltener Hand l&#228;ngst, womit man k&#252;nftig seine Tausende von Mitarbeitern im Motorenbau besch&#228;ftigen soll&#8221;, sagt einer angesichts der Tatsache, dass die Fertigung des Elektromotors im Vergleich zum Verbrennungsmotor etwa zwei Drittel weniger arbeitsintensiv ist. Dabei ist v&#246;llig ungewiss, ob wenigstens das restliche Drittel in der Region bleibt: &#8220;Das Produktionsthema wird hier am Standort immer schwieriger. Die gro&#223;e Motorisierung in China und Indien werden wir hier nicht produzieren. Wenn wir gut sind, schaffen wir es, die Forschung und Entwicklung hier zu halten.&#8221; &#8220;Zu dem hei&#223;en Eisen, wo die Produktion sein wird, will ich lieber gar nichts sagen.&#8221; &#8220;Der Worst Case w&#228;re, dass der Elektro-Antriebsstrang nicht in der Region produziert wird, weil keine rentable Fertigung hier m&#246;glich ist. Dann sieht es ganz d&#252;ster f&#252;r die gro&#223;en Werke im Neckartal und Umgebung aus.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.boeckler.de/107_107818.html">Hans-B&#246;ckler Stiftung</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Die Annahme eines Zeitraums 2020 bis 2040, in dem wir Zeit h&#228;tten, allm&#228;hlich von Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren umzusteigen, ist reichlich optimistisch. Die Internationalen Energie Agentur (IEA) geht davon aus, dass wir 2010 t&#228;glich 85,7 Mio. Barrel Erd&#246;l verbrauchen werden, was derzeit anscheinen noch recht problemlos gef&#246;rdert werden kann, wenn man von „kleinen Unf&#228;llen“ wie im Golf von Mexiko absieht. Aber wie sieht es f&#252;r das Jahr 2020 aus? F&#252;r das Jahr 2020 wird nur eine geringe Steigerung auf ein globales F&#246;rdermaximum von 90 Mio. Barrel gesch&#228;tzt. Sollte sich allerdings der Verbrauchstrend wie bisher weiterentwickeln, kann aufgrund des steigenden Verbrauchs vor allem in den asiatischen Schwellenl&#228;ndern von einem t&#228;glichen Roh&#246;lbedarf von rund 120 Mio. Barrel im Jahre 2020 <a href="http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=31838&#038;mode=print">ausgegangen werden</a>.<br />
Das hei&#223;t aber, dass die verf&#252;gbare Zeit einer Umstellung auf Elektromobilit&#228;t, viel knapper sein wird &#8211; ganz abgesehen davon, dass diese Umstellung mit einem enormen Ressourceneinsatz verbunden sein wird, mit z.T. auch wieder knappen Ressourcen wie Lithium als Batteriegrundlage. Wir m&#252;ssen dabei von Elektrofahrzeugen einfachster Art ausgehen, jenseits von Aircondition u. &#228;. Die Regierungen dieser Welt, wie auch die Wirtschaft scheinen immer noch von einer Art Unendlichkeit der Erd&#246;lvorkommen auszugehen oder darauf zu vertrauen, dass der Markt auftretende Knappheiten schon regeln w&#252;rde.- Dann tr&#228;umt mal sch&#246;n!</em></p>
<p><em><strong>Anmerkung KR:</strong> Elektroautos der zurzeit diskutierten Art (d.h. mit Akkus an Bord) k&#246;nnen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nur in Ausnahmef&#228;llen ersetzen (siehe <a href="?p=4375#h09">„Schmutzige Innovation“</a> sowie ebendort der Beitrag von Wilhelm Hahne: „E-Mobil-Wirkungsgrad: Reden wir mal &#252;ber 12 Prozent“). Und zum Thema „Peak Oil“ ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, siehe z.B. der Abschnitt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Globales_%C3%96lf%C3%B6rdermaximum#Positionen_zu_Risiken_und_L.C3.B6sungsm.C3.B6glichkeiten">„Positionen zu Risiken und L&#246;sungsm&#246;glichkeiten“</a> im Wikipedia-Artikel „Globales &#214;lf&#246;rdermaximum“.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Medizinischer Fortschritt &#8211; Diagnose: Bedingt lebensf&#228;hig</strong><br />
Das Drama um die drei verstorbenen Fr&#252;hgeborenen in der Mainzer Universit&#228;tsklinik enth&#252;llt die Systemfehler einer von Personalnot und Sparzw&#228;ngen ausgezehrten Medizin.<br />
Im Umgang mit derart empfindlichen High-Tech-Ger&#228;ten findet die fortgeschrittene Diskounterisierung des Medizinbetriebes ihr augenf&#228;lliges Ende, ganz zu schweigen von den sekund&#228;ren Folgekosten eines unprofessionellen und unachtsamen Umgangs mit derart hoch pr&#228;zisen und extrem teuren chirurgischen Bestecken und Ger&#228;tschaften. Heute scheint nicht mehr das in vielen Jahren von der Ausbildung erworbene und lebenslang erweiterte und gepflegte &#228;rztliche Wissen und K&#246;nnen, sondern die &#246;konomische Logik zum Ma&#223; aller Dinge zu werden. Fallpauschalen, Diseasemanagement, Controlling, Benchmarking, Cost-Benefit und Cost-Utility scheinen die Wegmarken einer fortgeschrittenen &#214;konomisierung der modernen Medizin darzustellen. Moderne &#196;rzte stehen unter dem Diktat planwirtschaftlichen Vorgaben, die sie nach wirtschaftlichen Prinzipien erf&#252;llen sollen &#8211; eine irrsinnige Quadratur des Kreises, die nicht gelingen kann.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~E60954B1069DA484CB2AB469E9E22A5F9~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Oskar Lafontaine: &#8220;Logisch, dass die SPD Fehler korrigiert&#8221;</strong><br />
Frage: Die SPD will den Einstieg in die Rente mit 67 um drei Jahre verschieben. Freuen Sie sich &#252;ber diesen Kursschwenk?<br />
Lafontaine: Das ist nur eine bescheidene Korrektur. Die SPD-Beschl&#252;sse &#228;ndern nichts daran, dass massive Altersarmut vorprogrammiert ist. Das Rentenniveau wird durch verschiedene Faktoren, die mit der Rente mit 67 gar nichts zu tun haben, in den n&#228;chsten Jahren um 33 Prozent gek&#252;rzt. Wer heute 1000 Euro im Monat verdient, hat nach 45 Arbeitsjahren einen Rentenanspruch von 400 Euro.<br />
Frage: Wie sollte die Politik denn auf die steigende Lebenserwartung reagieren?<br />
Lafontaine: Die L&#246;hne sollten wieder der Produktivit&#228;t folgen. In Deutschland war die Lohnentwicklung in den letzten Jahren um 30 Prozent schw&#228;cher als in Luxemburg. Wenn die L&#246;hne steigen, werden auch h&#246;here Renten gezahlt. Dann w&#252;rden es die Arbeitnehmer auch gut verkraften, wenn der Rentenbeitrag um ein oder zwei Prozentpunkte angehoben wird. Wer den Rentnern wirklich helfen will, muss das deutsche Lohndumping beenden.<br />
Quelle: <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-08/lafontaine-SPD-interview">Zeit Online</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Menschen mit Migrationshintergrund stellen fast ein F&#252;nftel der Bev&#246;lkerung</strong><br />
Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund betr&#228;gt in der Bundesrepublik fast ein F&#252;nftel der Bev&#246;lkerung. Dies geht aus dem als Unterrichtung durch die Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und Integration, Maria B&#246;hmer (CDU), vorgelegten ”Achten Bericht &#252;ber die Lage der Ausl&#228;nderinnen und Ausl&#228;nder in Deutschland“ (17/2400) hervor. Danach hatten von den 82,1 Millionen Einwohnern im Jahr 2008 insgesamt 15,6 Millionen Menschen einen Migrationshintergrund. Damit seien 19 Prozent der Gesamtbev&#246;lkerung seit 1950 nach Deutschland zugewandert oder Nachkommen von Zuwanderern. Mit 7,3 Millionen Menschen ist laut Bericht weniger als die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerung mit Migrationshintergrund ausl&#228;ndischer Staatsangeh&#246;rigkeit, w&#228;hrend 8,3 Millionen einen deutschen Pass haben.<br />
Am gr&#246;&#223;ten ist der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbev&#246;lkerung den Angaben zufolge in den j&#252;ngeren Altersstufen. So h&#228;tten inzwischen 34,4 Prozent der Kinder unter 5 Jahren einen Migrationshintergrund, bei den Kindern unter 10 Jahren seien es 32,7 Prozent. In der Altersgruppe bis 35 Jahre betrage der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 27,3 Prozent. Demgegen&#252;ber machte der Migrantenanteil in der Altersgruppe &#252;ber 65 Jahre nur 8,5 Prozent aus.<br />
Quelle: <a href="http://www.bundestag.de/presse/hib/2010_08/2010_281/01.html">Deutscher Bundestag</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> In dem <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/024/1702400.pdf">Bericht [PDF - 2.3 MB]</a> hei&#223;t es u.a.:</em></p>
<blockquote><p>Eine Differenzierung zwischen deutschen Staatsangeh&#246;rigen einerseits und „Ausl&#228;nderinnen und Ausl&#228;ndern“ andererseits wird der sozialen Realit&#228;t in Deutschland nicht mehr gerecht… Insbesondere die Integrations-, Bildungs- und Arbeitsmarktprobleme dieser Generationen m&#252;ssen gemeinsam mit den Migrantinnen und Migranten angegangen werden.<br />
Nach Erkenntnissen der Studie leben rund 4 Millionen Muslime in Deutschland…Etwa 45 Prozent der Muslime mit Migrationshintergrund sind Deutsche, rund 55 Prozent haben eine ausl&#228;ndische Staatsangeh&#246;rigkeit. Zwischen 2,5 und 2,7 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime sind t&#252;rkischst&#228;mmig, dies entspricht einem Anteil von rund 63 Prozent.<br />
Die Befragungsergebnisse belegen, dass von der regionalen Herkunft nicht immer auf die Religionszugeh&#246;rigkeit geschlossen werden kann. Zuwanderer aus muslimischen Herkunftsl&#228;ndern f&#252;hlen sich teilweise keiner Religionsgemeinschaft zugeh&#246;rig (z. B. 40 Prozent der Zuwanderer aus dem Iran), teilweise geh&#246;ren sie einer nicht-muslimischen Minderheit an (z. B. Christen aus dem Irak). Knapp drei Viertel der Muslime in Deutschland entstammen sunnitischen Glaubenstraditionen, 13 Prozent der Muslime ordnen sich den Aleviten zu, 7 Prozent den Schiiten.<br />
Die muslimische Bev&#246;lkerung in Deutschland ist regional sehr ungleich verteilt. 98,4 Prozent der Muslime leben in den alten Bundesl&#228;ndern und Berlin, nur 1,6 Prozent haben ihren Wohnsitz in den neuen Bundesl&#228;ndern. In Nordrhein-Westfalen wohnt rund ein Drittel aller Muslime in Deutschland.<br />
In der Untersuchung geben 36 Prozent der befragten Muslime an, „sehr stark gl&#228;ubig“ zu sein, weitere 50 Prozent halten sich selbst f&#252;r „eher gl&#228;ubig“. Insgesamt tragen 72,4 Prozent und damit die deutliche Mehrheit der muslimischen Frauen in Deutschland kein Kopftuch.<br />
Unter den sehr religi&#246;sen Musliminnen tragen mit 43,3 Prozent ebenfalls weniger als die H&#228;lfte der Frauen ein Kopftuch. Das Tragen eines Kopftuchs nimmt – entgegen der &#246;ffentlichen Wahrnehmung – in der zweiten Generation deutlich ab. Die Studie zeigt auch, dass die fehlende Teilnahmebereitschaft von Musliminnen und Muslimen am gemischtgeschlechtlichen Sportunterricht sowie an Klassenfahrten in der &#246;ffentlichen Diskussion &#252;berbewertet wird.</p></blockquote>
</li>
<li><a name="h12"></a><strong>Zu den Sarrazinaten</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Gibt es ein j&#252;disches Gen? Kann man V&#246;lker genetisch unterscheiden?</strong><br />
Ist Intelligenz erblich?<br />
Interview mit dem Biologen und Wissenschaftsjournalisten Michael Lange zu den Behauptungen Sarrazins.<br />
Quelle: <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/08/31/drw_201008311005_das_bestimmte_juedische_gen_thilo_ec88ab90.mp3">DLF [Podcast]</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers O.F.:</strong> Die Zwillingsforschung wird beispielsweise grunds&#228;tzlich in Frage gestellt von: Christoph Mai und Hendrik van den Bussche: Methodenkritik der Zwillingsforschung, in: Hendrik van den Bussche: Medizinische Wissenschaft im &#8216;Dritten Reich&#8217;, Berlin/Hamburg 1989, S. 171- 206.</em></li>
<li><strong>Sarrazins Quellen: Nichts macht die Gesellschaft d&#252;mmer als Biologismus</strong><br />
Als h&#228;tte es alle Erfahrungen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht gegeben: Im Innersten seines Buches hat Thilo Sarrazin eine vulg&#228;rdarwinistische Gesellschaftstheorie versteckt. Der Autor verschleiert die Terminologie und geht fahrl&#228;ssig mit seinen Quellen um. Von Frank Schirrmacher.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/RubB9EEEB8472F64991AD7DFD4BB9D27302/Doc~E0439B949FC414E4BA0BD30FDB27317FD~ATpl~Ekom~SKom~Arub4kom~E%7B9B4326FE-2669-456B-AC0C-F17E0C7E9105%7D~Apge~E2.html">FAZ</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h13"></a><strong>Stuttgart 21</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Bund will mehr Geld von Land und Bahn</strong><br />
Denn in Ramsauers Haus reift offenkundig die Erkenntnis, dass der Bau der 60 Kilometer langen ICE-Strecke durch die Schw&#228;bische Alb zum finanziellen Sprengsatz f&#252;r den Bundesetat werden k&#246;nnte. F&#252;r die H&#228;lfte der 60 Kilometer langen Trasse m&#252;ssen Tunnelr&#246;hren durch l&#246;chrigen Karst gebohrt werden. Experten erwarten daher &#8211; wie bei vergleichbaren Bahnprojekten &#8211; weitere Kostensteigerungen und rechnen vor, dass die Strecke unter f&#252;nf Milliarden Euro nicht zu haben sei. Behielten die Kritiker Recht, w&#252;rde der Bundesanteil an der ICE-Trasse, der sich bereits auf fast 1,8 Milliarden Euro verdoppelt hat, auf fast vier Milliarden steigen. Das wiederum w&#228;re ein Gutteil der Summe, die Ramsauer bis 2020 voraussichtlich bundesweit f&#252;r alle Schienenneubauprojekte zur Verf&#252;gung steht.<br />
Kein Wunder also, dass der Minister jetzt pr&#252;fen l&#228;sst, wie &#8220;die Finanzierung der Mehrkosten sichergestellt&#8221; werden kann.<br />
Der Bund wolle Land und Bahn in die Finanzierung der Mehrkosten &#8220;einbinden&#8221;, hei&#223;t es. Im Klartext: die Partner sollen mehr Geld zuschie&#223;en als vertraglich vereinbart.<br />
Das aber widerspr&#228;che den Finanzierungsvertr&#228;gen. Auf diese beruft sich auch Wolfgang Drexler (SPD), Projektsprecher von Stuttgart 21, wenn er das Schienenprojekt f&#252;r &#8220;unumkehrbar&#8221; erkl&#228;rt.<br />
Quelle: <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2612662_0_2404_-neubaustrecke-wendlingen-ulm-bund-will-mehr-geld-von-land-und-bahn.html?_skip=1">Stuttgarter Zeitung</a></li>
<li><strong>Reuter: Politisch Verantwortliche m&#252;ssen &#8220;sorgf&#228;ltiger auf die Menschen&#8221; zugehen</strong><br />
Ehemaliger Daimler-Vorstand fordert, Argumente f&#252;r und wider Stuttgart 21 zu pr&#252;fen.<br />
Die Mehrheit der Bev&#246;lkerung opponiere mit sehr ernsthaften Argumenten und friedlichen Mitteln gegen das Projekt 21 in Stuttgart, sagt Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG. Die Politik m&#252;sse sich der Situation stellen und gegebenenfalls eine Volksbefragung durchf&#252;hren.<br />
Quelle: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1261089/">Deutschlandfunk</a></li>
<li><strong>&#8220;Aufgrund der Brisanz der vorliegenden Resultate ist absolutes Stillschweigen erforderlich.&#8221;</strong><br />
Analyse des bisher unver&#246;ffentlichten sma-Bericht an die Nahverkehrsgesellschaft Baden-W&#252;rttemberg NVBW vom 3.6.2008 vom Fahrgastverband PRO BAHN, vom Bund f&#252;r Umwelt und Naturschutz Deutschland und vom Verkehrsclub Deutschland (VCD)<br />
Quelle: <a href="http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=534">K 21</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h14"></a><strong>NRW-Kabinett beschlie&#223;t Abschaffung der Studiengeb&#252;hren zum WS 2011/12</strong><br />
Das nordrhein-westf&#228;lische Kabinett hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, die Studiengeb&#252;hren zum Wintersemester 2011/2012 abzuschaffen. Gleichzeitig sieht der beratene Gesetzesentwurf zur Verbesserung der Chancengleichheit am Hochschulzugang vor, den Hochschulen dauerhaft das bisherige Aufkommen aus Studienbeitr&#228;gen zu garantieren, damit sie weiterhin Ma&#223;nahmen zur Qualit&#228;tsverbesserung in Lehre und Studium finanzieren k&#246;nnen.<br />
Als Ausgleich f&#252;r die Studiengeb&#252;hren sollen die Hochschulen Kompensationsmittel in H&#246;he von 249 Millionen Euro j&#228;hrlich zus&#228;tzlich zum Landeszuschuss erhalten, die zweckgebunden f&#252;r die Verbesserung der Studienqualit&#228;t eingesetzt werden sollen. Diese Mittel werden nach dem Prinzip &#8220;Geld folgt Studierenden&#8221; nach der Anzahl der Studierenden in der Regelstudienzeit auf die &#246;ffentlich-rechtlichen Hochschulen verteilt. Das Gesetz stellt sicher, dass diese Mittel nicht zu einer Erh&#246;hung der Aufnahmekapazit&#228;t f&#252;hren, sondern f&#252;r zus&#228;tzliches Personal wie zum Beispiel Lehrkr&#228;fte und Tutoren verwendet werden k&#246;nnen. Die Studierenden sollen an der Entscheidung, wof&#252;r diese Gelder eingesetzt werden, mitwirken und im Rahmen einer mindestens h&#228;lftig mit Studierenden besetzten Qualit&#228;tssicherungskommission die Qualit&#228;t ihrer Bildung umfassend einfordern k&#246;nnen. Der Gesetzesentwurf wird nun in den Landtag eingebracht.<br />
Die Vorg&#228;ngerregierung hatte zum Wintersemester 2006/2007 den NRW-Hochschulen die M&#246;glichkeit einger&#228;umt, Studiengeb&#252;hren von bis zu 500 Euro pro Semester zu erheben. Davon hatten 31 der 36 &#246;ffentlich-rechtlichen Universit&#228;ten und Fachhochschulen Gebrauch gemacht und &#252;berwiegend den H&#246;chstsatz verlangt. Im Jahr 2009 hatten die Hochschulen entsprechend ihrer Jahresabschl&#252;sse Nettoeinnahmen von 249 Millionen Euro aus Studiengeb&#252;hren.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.innovation.nrw.de/presse/presseinformationen/pressearchiv/archiv2010/pm100831.php">Ministerium f&#252;r Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.innovation.nrw.de/objekt-pool/download_dateien/presse/PK_Studiengebuehren/2010-08-30-GesetzE.pdf">Gesetzentwurf [PDF - 101 KB]</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Ghadhafi rettet Europa und verlangt daf&#252;r Geld</strong><br />
Der libysche Revolutionsf&#252;hrer Ghadhafi stellt Rechnung f&#252;r die Unterbindung des Migrantenstroms von Afrika nach Europa. Ohne seine Hilfe k&#246;nne Europa «schon morgen zu einem zweiten Afrika werden», sagte er in Rom.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/ghadhafi_afrika_europa_migration_berlusconi_1.7394262.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Eine &#220;bersicht &#252;ber die reale Einbindung Libyens und anderer Drittstaaten in das Migrations- und Sicherheitsregime der Europ&#228;ischen Union an ihren Au&#223;engrenzen bietet der Aufsatz von <a href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/.dossier/migration_artikel.id,20100611a0009">Alain Morice und Claire Rodier: Europas Mauern</a>.</em></p>
<p><em>Dazu passt:</em></p>
<p><strong>Gegen die Sanduhr</strong><br />
Vor 41 Jahren putschte sich Muammar al Gaddafi an die Macht, propagierte dann einen arabischen Sozialismus, isolierte sein Land, verschleuderte Geld. Nun reichen &#214;l und Gas nur noch 30 Jahre – und Libyen sucht den Weg zur&#252;ck in die Welt. Es baut. Alles gro&#223; und alles gleichzeitig<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/gegen-die-sanduhr/1915714.html;jsessionid=32C02249EDA8050D0759110C6E691C70">Tagesspiegel</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Vor dem Hintergrund, dass Libyens &#214;l- und Gasreserven nur noch f&#252;r 30 Jahre reichen, bekommt Gaddafis Forderung von <a href="http://www.stern.de/news2/aktuell/gaddafi-will-von-eu-fuenf-milliarden-fuer-kampf-gegen-einwanderer-1598687.html">&#8220;j&#228;hrlich mindestens f&#252;nf Milliarden Euro&#8221;</a> f&#252;r den Kampf gegen illegale Einwanderer aus Afrika einen leicht rationalen Anstrich.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Kampf gegen Taliban in «letzter Phase»</strong><br />
Demn&#228;chst wird die Zahl der ausl&#228;ndischen Soldaten in Afghanistan mit 150&#8242;000 Mann ihren H&#246;chststand erreicht haben. General Petraeus sieht die vermehrten Angriffe der Taliban als Folge des erh&#246;hten Drucks der internationalen Truppen. Nach Angaben der unabh&#228;ngigen Internet-Seite icasualties.org sind in diesem Jahr bereits 485 Angeh&#246;rige der internationalen Streitkr&#228;fte get&#246;tet worden. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 521 gewesen. Die vom amerikanischen Pr&#228;sidenten Barack Obama im Dezember angek&#252;ndigte Truppenverst&#228;rkung um 30&#8242;000 Soldaten erh&#246;he nun den Druck auf die Aufst&#228;ndischen, sagte Petraeus. «Ich habe als Zeuge im vergangenen Jahr mehrfach gesagt, dass es erst schwieriger und dann einfacher werden wird», f&#252;gte er hinzu. «Das liegt in der Natur derartiger Unterfangen.»<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/afghanistan_general_petraeus_kampf_gegen_taliban_einschaetzung_1.7402273.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Man kann die vermehrten Angriffe der Taliban auch ganz anders deuten. Trotz Truppenverst&#228;rkung gelingt es den ausl&#228;ndischen Truppen nicht, das Land zu befrieden.</em></li>
</ol>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 07:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Rezepte zur &#220;berwindung der EU-Finanzkrise; Spanien bergab; Argentinien warnt Griechenland; Serbien ist pleite; Niedriglohnbesch&#228;ftigung im Osten; Kik auf der &#220;berholspur; Schweden folgt; Besch&#228;ftigungswunder entzaubert; Gutachten zur Selbstbedienung; verdeckte Werbung; Lobbyisten in Br&#252;ssel; Maschinenbauer und Laufzeitverl&#228;ngerung; Jamaika ohne Sonnenschein; weitere Sarrazenaten; Spaltung der Union; Kriege im „nationalen Interesse“; Karzei redet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Rezepte zur &#220;berwindung der EU-Finanzkrise; Spanien bergab; Argentinien warnt Griechenland; Serbien ist pleite; Niedriglohnbesch&#228;ftigung im Osten; Kik auf der &#220;berholspur; Schweden folgt; Besch&#228;ftigungswunder entzaubert; Gutachten zur Selbstbedienung; verdeckte Werbung; Lobbyisten in Br&#252;ssel; Maschinenbauer und Laufzeitverl&#228;ngerung; Jamaika ohne Sonnenschein; weitere Sarrazenaten; Spaltung der Union; Kriege im „nationalen Interesse“; Karzei redet vom Versagen; Europa kauft Meere leer; deutsche Landnahme. (KR/WL)<br />
<span id="more-6620"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Die EU-Finanzkrise und Rezepte zu ihrer &#220;berwindung</a></li>
<li><a href="#h02">&#8220;Spanien: im desolaten wirtschaftlichen Zustand&#8221;</a></li>
<li><a href="#h03">Argentinien warnt Griechenland: &#8216;Das wird b&#246;se enden&#8217;</a></li>
<li><a href="#h04">Serbien ist pleite: Wenn es nichts mehr zu sparen gibt</a></li>
<li><a href="#h05">Niedriglohnbesch&#228;ftigung in Ostdeutschland</a></li>
<li><a href="#h06">Dichtung und Wahrheit des Besch&#228;ftigungswunders</a></li>
<li><a href="#h07">Landrat billigt Billigl&#246;hne</a></li>
<li><a href="#h08">Mit Kik auf &#220;berholspur</a></li>
<li><a href="#h09">Schweden: Schampus f&#252;r die Kloake</a></li>
<li><a href="#h10">Familienpflege-Gutachten zur Selbstbedienung</a></li>
<li><a href="#h11">Verdeckte Werbung der Pharmalobby</a></li>
<li><a href="#h12">Deutsche Vertreter politischer und wirtschaftlicher Interessen bei der Europ&#228;ischen Union</a></li>
<li><a href="#h13">Laufzeitverl&#228;ngerung f&#252;r Kernkraftwerke: Deutsche Maschinenbauer gehen auf Distanz</a></li>
<li><a href="#h14">Ein Jahr Saar-Regierung: Jamaika ohne Sonnenschein</a></li>
<li><a href="#h15">Weitere Sarrazenaten</a></li>
<li><a href="#h16">Michael Wolffsohn: Koch und Merz werden Spaltung der Union einleiten</a></li>
<li><a href="#h17">Zur Erinnerung: Deutsche Kriege f&#252;r das &#8220;nationale Interesse&#8221;?</a></li>
<li><a href="#h18">Karzai wirft internationalen Truppen Versagen vor</a></li>
<li><a href="#h19">Fischfang vor Afrikas K&#252;ste: Europa kauft die Meere leer</a></li>
<li><a href="#h20">Landnahme: in Afrika auch durch deutsche Firmen</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6620&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Die EU-Finanzkrise und Rezepte zu ihrer &#220;berwindung</strong><br />
Die Autoren des folgenden Textes beschreiben, wie es zur Krise der Staatsfinanzen im Euro-Raum kam und wie eine Schuldenrestrukturierung organisiert sein m&#252;sste, um wieder mehr Stabilit&#228;t zu gewinnen.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/die_eu-finanzkrise_und_rezepte_zu_ihrer_ueberwindung_1.7346412.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Eine Analyse, die auf den NDS eher selten anzutreffen ist. Sie ist aber anschaulich und ihre Lekt&#252;re lohnt durchaus, um sich daran zu reiben. Interessant ist ein Aspekt, auf den selten hingewiesen wird. Die europ&#228;ische Kommission wird auch als eigenn&#252;tziger Akteur begriffen, der i. S. der Theorie der positiven Regulierung vor allem ein Interesse daran hat, sich neue Regulierungskompetenzen anzueignen und damit seine eigene Macht zu erweitern. Das hei&#223;t im vorliegenden Fall, dass die EU-Kommission sowohl bei der Griechenlandhilfe als auch beim gro&#223;en Rettungsschirm neben der Probleml&#246;sung auch eine Erweiterung seiner Kompetenzen im Auge hatte. Damit wird ein nicht zu vernachl&#228;ssigendes Problem der EU angesprochen: Wie jede Beh&#246;rde, jedes Ministerium oder auch Abteilungen in Firmen hat auch die Kommission einen origin&#228;ren Drang, seine Macht zu erhalten und auszudehnen, so dass es durchaus zu Konflikten zwischen dieser Machtentfaltung und sachgem&#228;&#223;en Entscheidungen kommen kann. D.h. die EU-Kommission wird tendenziell weniger auf Probleml&#246;sungen dr&#228;ngen, an denen sie nicht beteiligt ist.</em></li>
<li><a name="h02"></a><strong>&#8220;Spanien: im desolaten wirtschaftlichen Zustand&#8221;</strong><br />
Im Zuge der beschlossenen Konsolidierung des Staatshaushalts in Spanien, als Bestandteil des 750 Milliarden Euro &#8220;Euro-Rettungspaket&#8221;, hatte sich Zapateros Regierung verpflichtet, das Staatshaushaltsdefizit von 11,2% im Jahr 2009 auf 6% in 2010 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen wurden u.a. im &#246;ffentlichen Dienst die L&#246;hne und Geh&#228;lter um durchschnittlich -5% gek&#252;rzt, die Renten wurden eingefroren, die 2&#8242;500 Euro f&#252;r Neugeborene wurden abgeschafft und den St&#228;dten und Gemeinden wurde eine wahre Schocktherapie verordnet, sie d&#252;rfen bis zum Jahr 2012 keine neuen Kredite aufnehmen! Eine weitere &#8220;konjunkturf&#246;rdernde Ma&#223;nahme&#8221; trat seit dem 1. Juli 2010 in Kraft, die Mehrwertsteuer stieg von 16% auf 18%.<br />
Eines der ersten sichtbaren Ergebnisse dieser Rosskur und seine potentiell negativen Auswirkungen auf den Konsum in Spanien, kann man bereits bewundern. Ende Juni lief zus&#228;tzlich auch die spanische Version der Abwrackpr&#228;mie (Plan 2000 E) aus. Die Autoverk&#228;ufe an Privatpersonen sanken im Juli 2010 nach Angaben der spanischen Autoherstellervereinigung ANFAC um -50% auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren!<br />
Dabei lag die Arbeitslosenquote bereits im 2. Quartal 2010 bei desastr&#246;sen 20,09%.<br />
Mit dem Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme und dem Starten der Sparprogramme kann man auch f&#252;r die industrielle Wertsch&#246;pfung finsteres prognostizieren<br />
Das an das Euro-Rettungspaket gekoppelte spanische Sparprogramm wird die spanische Wirtschaft im 2. Halbjahr strangulieren und dies wird zwangsl&#228;ufig in einer Rezession m&#252;nden! Alle bisherigen staatlichen Ma&#223;nahmen sind de facto verpufft und haben nicht zu mehr Wertsch&#246;pfung und Einkommen daraus gef&#252;hrt!<br />
Der Riss quer durch den gemeinsamen W&#228;hrungsraum in der Eurozone hat sich weiter verst&#228;rkt und wird seine R&#252;ckkopplung auch auf Deutschland entfalten!<br />
Quelle: <a href="http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/08/spanien-im-desolaten-wirtschaftliche.html">Quersch&#252;sse</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Argentinien warnt Griechenland: &#8216;Das wird b&#246;se enden&#8217;</strong><br />
Die argentinische Pr&#228;sidentin Cristina Kirchner hat Griechenland vor den Folgen drakonischer Sparma&#223;nahmen gewarnt: &#8220;Das wird b&#246;se enden&#8221;, prophezeite sie am Donnerstag in Buenos Aires. Griechenland w&#252;rden nun &#8220;die selben Rezepte aufgezwungen&#8221; wie 2001 Argentinien, betonte die peronistische Politikerin.<br />
Ende 2001 war es angesichts der &#220;berschuldung des s&#252;damerikanischen Landes, eingefrorener Konten und unpopul&#228;rer Sparma&#223;nahmen der Regierung zu einer sozialen Explosion gekommen. Kirchner und ihr Vorg&#228;nger im Amt und Ehemann, Néstor Kirchner, machen vor allem Auflagen des Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) f&#252;r die Krise von 2001 verantwortlich.<br />
Bei Unruhen starben damals mindestens 28 Menschen. Die Regierung von Pr&#228;sident Fernando de la Rua st&#252;rzte. Anschlie&#223;end wurde die Dollarbindung des Peso aufgegeben, die Bedienung der Auslandsschulden eingestellt und die Landesw&#228;hrung stark abgewertet. W&#228;hrend die neue Regierung Ratschl&#228;ge des IWF und anderer Wirtschafts- und Finanzexperten in den Wind schlug, erholte sich die Wirtschaft des Landes nach einer Phase politischer Instabilit&#228;t ab 2003 erstaunlich schnell.<br />
Quelle: <a href="http://www.ad-hoc-news.de/argentinien-warnt-griechenland-das-wird-boese-enden--/de/News/21280094">Ad Hoc News</a></p>
<p><em>(Hinweis entdeckt bei <a href="http://www.denkfaul.de/serendipity/archives/223-Was-niemand-glaubt-darf-jeder-lesen-Argentinien-warnt-Griechenland-vor-dem-Internationalen-Waehrungsfonds.html">denkfaul.de</a>)</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Serbien ist pleite: Wenn es nichts mehr zu sparen gibt</strong><br />
Der Staat ist pleite, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die Menschen m&#252;ssen sich durchschlagen. Wo sollen sie sparen, wenn es nichts zu sparen gibt?<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/wenn-es-nichts-mehr-zu-sparen-gibt/">taz</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Niedriglohnbesch&#228;ftigung in Ostdeutschland</strong><br />
Bei getrennten Niedriglohnschwellen von 9,50 € pro Stunde in Westdeutschland und 6,87 € in Ostdeutschland hatten 2008 in Westdeutschland 20,8% und in Ostdeutschland 20,1% der Besch&#228;ftigten Stundenl&#246;hne unterhalb der jeweiligen Niedriglohnschwelle (Tabelle 1). Berechnet man hingegen eine bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle, so lag diese f&#252;r 2008 bei 9,06 € pro Stunde. F&#252;r Ostdeutschland macht die Wahl der Niedriglohnschwelle einen erheblichen Unterschied. Bei einer bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle sind im Osten &#252;ber 39% der Besch&#228;ftigten von Niedrigl&#246;hnen betroffen. Absolut w&#252;rde sich ihre Zahl etwa verdoppeln (auf rund zwei Millionen Besch&#228;ftigte).<br />
Seit 2006 stagniert der Niedriglohnanteil auf hohem Niveau. Dennoch ist die Zahl der von Niedrigl&#246;hnen Betroffenen auch in den vergangenen beiden Jahren weiter gestiegen: Waren 2006 gut 6,31 Millionen Besch&#228;ftigte f&#252;r Niedrigl&#246;hne t&#228;tig, lag deren Zahl im Jahr 2008 mit 6,55 Millionen Besch&#228;ftigte um mehr als 220.000 h&#246;her. Dass sich dies nicht in einem Anstieg des Niedriglohnanteils zwischen 2006 und 2008 niedergeschlagen hat, liegt daran, dass sich die Besch&#228;ftigtenzahl in der Gesamtwirtschaft in diesen zwei Jahren erh&#246;ht hat. Seit 1998 ist ein Anstieg der Zahl der Niedriglohnbesch&#228;ftigten um fast 2,3 Millionen zu verzeichnen…<br />
Diese institutionellen Rahmenbedingungen haben sich in den 1990er Jahren deutlich gewandelt. Durch die Ausweitung von Dienstleistungst&#228;tigkeiten hat das deutsche Besch&#228;ftigungsmodell, welches vor allem auf das Produzierende Gewerbe zugeschnitten war und gute Einkommen auch im Bereich einfacher T&#228;tigkeiten garantierte, an Bedeutung verloren. Mit der Ausweitung von Dienstleistungst&#228;tigkeiten erfolgte gleichzeitig eine starke Ausweitung der Erwerbst&#228;tigkeit von Frauen, in einem Besch&#228;ftigungsmodell, welches wegen seiner Zentrierung auf den m&#228;nnlichen Alleinern&#228;hrer nicht hierauf vorbereitet war und einen Teil der Frauenbesch&#228;ftigung in schlecht bezahlte Minijobs kanalisiert. Hinzu kommen eine lang andauernde Wachstumsschw&#228;che der deutschen Wirtschaft, hohe Arbeitslosigkeit, der R&#252;ckgang der Tarifbindung und die finanziellen Lasten der Wiedervereinigung sowie der durch diese ausgel&#246;ste Reformstau und eine st&#228;rkere Kurzfristorientierung der Governance-Strukturen von Unternehmen (vgl. ausf&#252;hrlich Bosch/Weinkopf 2007).<br />
Durch diesen institutionellen Wandel zeigt sich heute ein anderes Bild vom deutschen Arbeitsmarkt als in den 1970er und 1980er Jahren. Mittlerweile erreicht Deutschland einen der h&#246;chsten Werte im europ&#228;ischen Vergleich. In Frankreich war der Niedriglohnanteil im Jahr 2005 mit 11,1% z.B. nur etwa halb so hoch wie in Deutschland; in D&#228;nemark war noch nicht einmal jede/r zehnte Besch&#228;ftigte von Niedrigl&#246;hnen betroffen (8,5%) (Mason/Salverda 2010: 37).<br />
Die durchschnittlichen L&#246;hne im Niedriglohnsektor lagen mit 7,09 € in West- bzw. 5,18 € in Ostdeutschland im Jahr 2008 weit unter den Niedriglohnschwellen (um 2,41 € bzw. 1,69 €)…<br />
Der Niedriglohnanteil unter Frauen in Ostdeutschland war im Jahr 2008 mit rund 27% niedriger als in Westdeutschland mit rund 30%. Trotz eines ann&#228;hernd gleich hohen Anteils an der Gesamtbesch&#228;ftigung stellten Frauen damit in Ostdeutschland mit rund 65% einen geringeren Anteil an allen Niedriglohnbesch&#228;ftigten als in Westdeutschland mit rund 70%.<br />
Gering Qualifizierte haben in Ostdeutschland mit knapp 24% ein viel geringeres Niedriglohnrisiko als in Westdeutschland mit &#252;ber 39%. Der Anteil gering Qualifizierter unter den Besch&#228;ftigten in Ostdeutschland ist mit knapp 6% deutlich geringer als in Westdeutschland mit gut 12%. Als Resultat aus dem geringeren Niedriglohnrisiko und dem geringeren Anteil an der Gesamtbesch&#228;ftigung machen gering Qualifizierte in Ostdeutschland mit knapp 7% einen viel geringeren Teil des Niedriglohnsektors aus als in Westdeutschland (rund 23%). Die Arbeitslosenquote gering Qualifizierter ist in Ostdeutschland erheblich h&#246;her als in Westdeutschland. Reinberg und Hummel (2007) weisen f&#252;r sie f&#252;r Ostdeutschland 2005 eine Arbeitslosenquote von 41,5% gegen&#252;ber 23,7% in Westdeutschland aus. Hieraus wird oft die Schlussfolgerung gezogen, dass gering Qualifizierte in Ostdeutschland besondere Arbeitsmarktprobleme haben und die Ausweitung von Niedriglohnjobs f&#252;r sie neue Arbeitsmarktchancen er&#246;ffnen k&#246;nne. Aufgrund unserer Auswertung sehen wir, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Die Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse von gering Qualifizierten sind in Ostdeutschland in der Einkommenshierarchie h&#246;her angesiedelt. Aufgrund des allgemein hohen Qualifikationsniveaus ist der Anteil gering Qualifizierter unter den Besch&#228;ftigten wie auch in der Bev&#246;lkerung geringer als in Westdeutschland. Nur rund 276.000 Besch&#228;ftigte in Ostdeutschland haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.<br />
Quelle: <a href="http://www.gegenblende.de/04-2010/++co++4052bda8-b1d3-11df-5a3c-001ec9b03e44">DGB Gegenblende</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Dichtung und Wahrheit des Besch&#228;ftigungswunders</strong><br />
Statistiker entdecken die »Vollbesch&#228;ftigteneinheit« als neue Grundlage f&#252;r die Erwerbslosenzahlen.<br />
Die realen Erwerbslosenzahlen sind viel h&#246;her als es die offizielle Statistik Monat f&#252;r Monat angibt. Nun hat der Staat eine neue Berechnungsmethode gefunden – sie &#228;hnelt einer, die schon in der DDR angewendet wurde.<br />
Um diese Vielzahl von Erwerbspersonentypen zu b&#252;ndeln, sei eine Neuberechnung zu »Vollzeit&#228;quivalenten« erforderlich. Die verschiedenen Erwerbst&#228;tigengruppen werden dabei nach dem Ma&#223; ihrer Beteiligung am Erwerbsprozess gewichtet.<br />
Das Bild des deutschen Besch&#228;ftigungswunders ver&#228;ndert sich schlagartig, werden die auf diese Art und Weise berechneten Erwerbst&#228;tigenzahlen genutzt. Der bisher ausgewiesene Zuwachs von 1,9 Millionen Arbeitspl&#228;tzen im Zeitraum zwischen 1999 und 2008 schrumpft nach diesen Berechnungen auf etwa ein Viertel, n&#228;mlich nur noch auf 382 000 zus&#228;tzliche Vollzeit&#228;quivalente. Betrachtet man den gespaltenen Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik, so gab es im fr&#252;heren Bundesgebiet (ohne Berlin) einen Zuwachs von 860 000 Vollzeit&#228;quivalenten, in den f&#252;nf neuen Bundesl&#228;ndern dagegen einen R&#252;ckgang von fast einer halben Million (487 000 Vollzeit&#228;quivalenten). Leider liegen aktuellere Daten f&#252;r 2009 und 2010 nicht vor. Angesichts dieser Zahlen von einem Besch&#228;ftigungswunder zu sprechen, ist pure Heuchelei.<br />
Jetzt gibt es anscheinend neben dem Gr&#252;nen Pfeil in der vereinigten Bundesrepublik auch die Vollbesch&#228;ftigteneinheit als ein weiteres Erbe der DDR.<br />
Quelle: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/178493.dichtung-und-wahrheit-des-beschaeftigungswunders.html">ND</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Landrat billigt Billigl&#246;hne</strong><br />
In der Kantine des Landratsamtes B&#246;rde wird sittenwidriges Entgelt gezahlt. Beh&#246;rdenchef Thomas Webel meint, das gehe ihn nichts an. Am Telefon wies er jede Verantwortung von sich: »Ich bin nicht zust&#228;ndig f&#252;r jeden Mieter, der bei uns im Haus ein Gewerbe aus&#252;bt. Ich habe doch keine Allzust&#228;ndigkeit.« Mit der Firma habe er rein gar nichts zu tun. »Au&#223;erdem gehe ich dort nie essen.« &#220;brigens zahle der Betrieb seine Pacht an das Amt f&#252;r Geb&#228;udewirtschaft, das als Verwalter eingesetzt wurde. K. k&#246;nne sich doch gern mit Beschwerden an jenes wenden. Dabei »verga&#223;« Webel anscheinend, dass auch dieses Amt zum Landkreis B&#246;rde geh&#246;rt und damit ihm untersteht. &#196;u&#223;ern wollte er sich dazu nicht. K. k&#246;nne den Sachverhalt auch dem Gewerbeaufsichtsamt in Magdeburg melden, schlug Webel schlie&#223;lich vor. Dort wiederum hie&#223; es jW gegen&#252;ber, man habe keine »Kompetenzen«, L&#246;hne von Mitarbeitern in Betrieben zu kontrollieren. Lediglich die Arbeitsbedingungen auf der Grundlage des Arbeitsschutzes d&#252;rfe man pr&#252;fen. F&#252;r Dumpingl&#246;hne zust&#228;ndig sei das Hauptzollamt Magdeburg. Dieses wurde bereits Anfang Juni dieses Jahres &#252;ber die Geschehnisse in Kenntnis gesetzt. Auf telefonische Nachfrage erkl&#228;rte jetzt eine Mitarbeiterin, dass dort nichts bekannt sei. »Ich kann leider keinen Eintrag finden, es muss untergegangen sein.« Nat&#252;rlich werde man den Fall jetzt verfolgen. Beim Amt f&#252;r Geb&#228;udewirtschaft verwies man aufs Hauptamt. Dort erkl&#228;rte Sachgebietsleiter Frank Baumgarten: »Wir haben nur den Pachtvertrag, der einst vor ungef&#228;hr zehn Jahren mit dem Schulamt abgeschlossen wurde, &#252;bernommen.« Damit sei man »lediglich Verbindungspartner« und stehe »in keiner Verantwortung«, so Baumgarten. »Sie erwarten doch von mir als ›kleinem Angestellten‹ etwa nicht, dass ich etwas anderes sage als der Landrat?«<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-31/034.php">Junge Welt</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Mit Kik auf &#220;berholspur</strong><br />
Handelskonzern Tengelmann f&#252;hlt sich stark. Unternehmensboss Haub: »Die Weltwirtschaftskrise hat bei uns nicht stattgefunden«. Ausbeutung in Niedriglohnl&#228;ndern, schlechte Arbeitsbedingungen f&#252;r Besch&#228;ftigte in Deutschland, mieser Ruf in der &#214;ffentlichkeit? Alles keine Probleme f&#252;r eine der gr&#246;&#223;ten Einzelhandelsgruppen im Lande. Dank guter Gesch&#228;ftszahlen f&#252;hlt sich Tengelmann in seiner Gesch&#228;ftsstrategie auf gutem Wege und demonstrierte am Donnerstag in M&#252;lheim/Ruhr St&#228;rke. W&#228;hrend andere Unternehmen in den zur&#252;ckliegenden Monaten Probleme hatten, manche ums &#220;berleben k&#228;mpfen mussten oder Insolvenz anmeldeten, hat Tengelmann in Zeiten globaler Wirtschaftsprobleme kr&#228;ftig zugelegt und -gekauft. Mit dem Einstieg bei Woolworth und der Beteiligung an Internet-Unternehmen habe das Familienunternehmen die deutlich gesunkenen Preise genutzt, um neue zukunftstr&#228;chtige Gesch&#228;ftsfelder zu erschlie&#223;en, sagte Vorstandsboss Karl-Erivan Haub. Gr&#246;&#223;ter Wachstumstr&#228;ger des von der Familie Haub dominierten Konzerns war die Billigtextilkette Kik.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-27/061.php">Junge Welt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Man vergisst oft, dass das Skandalunternehmen wie Kik zur traditionsreichen Tengelmann-Gruppe geh&#246;rt. Abgesehen davon ist der Erfolg von Kik (Kunde ist K&#246;nig) die traurige Kehrseite des Niedergangs der Massenkaufkraft.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Schweden: Schampus f&#252;r die Kloake</strong><br />
W&#228;lder, Wasser, Wohlfahrtsstaat – Schweden gilt nicht nur als Naturparadies, sondern auch als sozialdemokratisches Musterland. W&#228;hrend CDU-Kanzler Helmut Kohl in den 80er Jahren begann, den deutschen Sozialstaat zu demontieren, sprachen Marktliberale ver&#228;chtlich vom »schwedischen Sozialismus« inklusive Vollbesch&#228;ftigung und vorbildlicher Einwandererintegration. Damit ist Schluss.<br />
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Schweden genauso immer gr&#246;&#223;er wie in den anderen fr&#252;heren Sozialstaaten Europas. Die Arbeitslosenquote liegt inzwischen bei fast neun Prozent, bei den unter 25j&#228;hrigen sogar bei 23 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist also fast doppelt so gro&#223; wie in Deutschland.<br />
Quelle: <a href=" http://www.jungewelt.de/2010/08-31/018.php">Junge Welt</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Familienpflege-Gutachten zur Selbstbedienung</strong><br />
Sp&#228;testens von Ende dieses Jahres an will die Bundesregierung Arbeitnehmern erm&#246;glichen, in Familienpflegezeit zu gehen. Wer das Angebot annimmt, muss nach Vorstellungen des Bundesfamilienministeriums eine Versicherung abschlie&#223;en – f&#252;r den Fall, dass der Arbeitnehmer den Lohnvorschuss nach der Pflegezeit wegen Berufsunf&#228;higkeit oder Tod nicht zur&#252;ckzahlen kann. An diesem Konzept, von dem die Versicherungswirtschaft profitieren wird, hat auch eine Versicherung mitgeschrieben. Das hat das Ministerium dem „Hamburger Abendblatt“ best&#228;tigt.<br />
Offenkundig wurde das Engagement der N&#252;rnberger Versicherungsgruppe, nachdem Linke-Vorsitzender Klaus Ernst die Bundesregierung um eine Stellungnahme gebeten hatte. In dem Regierungsschreiben, das dem „Abendblatt“ vorliegt, hei&#223;t es, „dass im Zusammenhang mit Erstellung des Gutachtens die N&#252;rnberger Versicherungsgruppe sowie die Kreditanstalt f&#252;r Wiederaufbau Bankengruppe einbezogen wurde“.<br />
Das Familienministerium sieht in der Beteiligung der Versicherung an dem Konzept dagegen nichts Verwerfliches. Die geplante „Lohnvorschussausfallversicherung“ sei nicht in Absprache mit der Versicherungswirtschaft erarbeitet worden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Vielmehr habe man das Gutachten bei der MaschmeyerR&#252;rup AG in Auftrag gegeben und dieser Firma „keine Vorgaben hinsichtlich der Einbindung von weiteren Akteuren gemacht“.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article8891025/Gruene-werfen-der-Regierung-Klientelpolitik-vor.html">Die Welt</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Verdeckte Werbung der Pharmalobby</strong><br />
Was den Patienten in Zeitschriftenartikeln, Internetforen und oft genug sogar in Arztpraxen empfohlen wird, n&#252;tzt oftmals weniger ihnen selber als vielmehr den Bilanzen der Pharmafirmen &#8211; das zumindest legen die Recherchen der beiden ARD-Journalisten Caroline Walter und Alexander Kobylinski nahe.<br />
Quelle: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1260855/">Deutschlandradio</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Deutsche Vertreter politischer und wirtschaftlicher Interessen bei der Europ&#228;ischen Union</strong><br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100831_Hinweise_Vertreter_deutsche_FirmenpropertyDaten.pdf">Herausgegeben von der St&#228;ndigen Vertretung der BRD bei der EU, Br&#252;ssel [PDF - 315 KB]</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Schauen Sie mal rein und scrollen Sie durch. Sie werden sich die Augen reiben, wie viele Vertreter wirtschaftlicher Interessen, wie viele Verb&#228;nde, wie viele Firmen, wie viele Finanzdienstleister, wie viele Beratungsb&#252;ros und wie viele Stiftungen in Br&#252;ssel angesiedelt sind. Ich habe es aufgegeben, sie zu z&#228;hlen &#8211; ein Heer von bestbezahlten Repr&#228;sentanten, mit Mitarbeitern und teuren B&#252;ros. Es muss sich offensichtlich lohnen.<br />
Man m&#246;chte nicht wissen, wie hoch allein die Spesenbudgets sind. Man kann es sich vorstellen, wenn man durch die Gassen rund um das Berlamont in Br&#252;ssel geht. Eine so gro&#223;e Dichte feiner (und teurer) Restaurants findet man kaum irgendwo sonst. Wenn es nur die Einladungen zu Speis und Trank w&#228;ren, k&#246;nnte man ja noch dar&#252;ber hinwegsehen.</em></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Laufzeitverl&#228;ngerung f&#252;r Kernkraftwerke: Deutsche Maschinenbauer gehen auf Distanz</strong><br />
In der Diskussion um die Verl&#228;ngerung der Laufzeiten f&#252;r deutsche Kernkraftwerke bekommen die vier Betreiber Gegenwind – aus dem Lager der deutschen Wirtschaft. W&#228;hrend EnBW, E.on, RWE und Vattenfall ihre Anlagen gerne 15 Jahre l&#228;nger als geplant betreiben w&#252;rden, lehnen die deutschen Maschinenbauer eine deutliche Verl&#228;ngerung der Laufzeiten ab. Teile der deutschen Energiewirtschaft protestieren ebenfalls heftig.<br />
Die Basler Prognos AG hatte in einem Gutachten ausgerechnet, dass – gelte der vereinbarte Ausstieg – im Stromsektor bis 2020 Investitionen in H&#246;he von rund 160 Mrd. € in Anlagen f&#252;r erneuerbare-Energien erfolgen k&#246;nnten.<br />
Quelle: <a href="http://www.vdi-nachrichten.com/vdi-nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?cat=1&#038;id=49165&#038;source=rubrik">VDI-Nachrichten</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung KR:</strong> Ein Interessenkonflikt zwischen Teilen der Industrie legt offen, wie die gro&#223;en Stromerzeuger ihr Profitinteresse als gemeinwohlorientiert zu tarnen versuchen.<br />
In der <a href="http://www.energiezukunftdeutschland.de/">Kampagne f&#252;r die Laufzeitverl&#228;ngerung</a> hei&#223;t es: „Eine Politik, die darauf setzt, den Haushalt mit neuen Energiesteuern zu sanieren, blockiert notwendige Investitionen in die Zukunft. Beispiel: Die geplante Brennelementesteuer oder eine weiter steigende &#214;kosteuer d&#252;rfen in ihrer Konsequenz Zukunftsinvestitionen nicht verhindern.“<br />
Thorsten Herdan, energiepolitischer Sprecher des VDMA, stellt dem entgegen: „15 Jahre ist zu lang, weil dadurch Investitionen in andere Anlagen gef&#228;hrdet werden“. Zu lange Laufzeiten der Kernkraftwerke w&#252;rden Investitionen in neue Kohlekraftwerke und in erneuerbare Energien blockieren. Viele solcher Investitionen seien bereits in der Annahme auf den Weg gebracht, dass es beim Atomausstieg bleibe.“</em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Ein Jahr Saar-Regierung: Jamaika ohne Sonnenschein</strong><br />
Skandale plagen die erste schwarz-gelb-gr&#252;ne Koalition. Der Haushalt ist v&#246;llig &#252;berschuldet, und vom gr&#252;nen Programm wurde bisher nichts umgesetzt.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/jamaika-ohne-sonnenschein/">TAZ</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Weitere Sarrazenaten</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Sarrazin: Die Gene sind schuld</strong><br />
Ulrike Herrmann und Alke Wierth kommen bei der Lekt&#252;re von Sarrazins neuem Buch zu dem Ergebnis, dass er ein biologistisches Weltbild des Menschen entwickelt, das auch dezidiert auf die Eugenik-Debatte zu Beginn des letzten Jahrhunderts rekurriert.<br />
F&#252;r ihn ist die Unterschicht nicht sozial benachteiligt, sondern genetisch bedingt d&#252;mmer als die Oberschicht. Es handle sich um eine &#8220;negative Auslese&#8221;. &#220;berhaupt schreibt Sarrazin sehr gern &#252;ber &#8220;Selektion&#8221;. Seine Formulierungen und &#8220;Analysen&#8221; erinnern nicht nur an die Eugenik &#8211; sie sind Eugenik…<br />
Noch grotesker ist Sarrazins Interpretation der Genetik. Er stellt sich die menschliche Intelligenz wie die Farbe einer Erbse vor, die strikt nach den Mendel&#8217;schen Gesetzen vererbt wird. Zwar hat er schon geh&#246;rt, dass die Umwelt nicht zu vernachl&#228;ssigen ist. Aber ihm reicht es zu konstatieren, dass Intelligenz &#8220;zu 50 bis 80 Prozent erblich&#8221; sei, um den Deutschen zu empfehlen, an ihrer genetischen Substanz zu arbeiten, um die Massenverbl&#246;dung zu verhindern.<br />
Dieser R&#252;ckgriff auf Theoretiker des 19. und fr&#252;hen 20. Jahrhunderts zieht sich durch das gesamte Buch. Sarrazin ignoriert konsequent s&#228;mtliche modernen Erkenntnisse zur Intelligenz- und Genforschung. Denn dann h&#228;tte er zur Kenntnis nehmen m&#252;ssen, dass sich das Bild vom Gen stark gewandelt hat. Wie immer deutlicher wird, gibt es keine deterministische Verbindung zwischen den Genen und Eigenschaften wie Intelligenz. Inzwischen ist das gesamte menschliche Genom entschl&#252;sselt. Doch ein &#8220;Intelligenz-Gen&#8221; wurde nicht entdeckt.<br />
Auch beim Thema Bildung sortiert er sich die Fakten passend. F&#252;r Sarrazin steht fest, dass nicht das deutsche Schulsystem, sondern nur die mangelnde Intelligenz der muslimischen Migranten zu den schlechten Pisa-Ergebnissen f&#252;hrt. Denn mit Finnland und Korea w&#252;rden zwei L&#228;nder siegen, die zwar sehr verschiedene Schulsysteme, aber kaum Einwanderung h&#228;tten. Dazu will jedoch nicht passen, dass auch die Niederlande viele muslimische Zuwanderer haben &#8211; und auf Platz vier bei Pisa stehen.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&#038;dig=2010%2F08%2F30%2Fa0130&#038;cHash=597af159e9">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung V.B.:</strong> Welch schlimme Folgen dieses biologistische Menschenbild hatte, k&#246;nnen wir Deutsche in unserer Vergangenheit studieren. Aber ich will hier zun&#228;chst nicht in erster Linie auf die wahrhaft inhumanen M&#246;glichkeiten verweisen, die derart borniert-schreckliche Dummheit hervorbringen kann, sondern an den Klassiker erinnern, der diese Diskussion umgedreht hat &#8211; den Entwicklungsbiologen Jared Diamond. Dies ist wichtig, um diese immer wiederkehrenden schrecklichen Dummk&#246;pfe in ihrer so wahnsinnigen Selbstverliebtheit ad absurdum zu f&#252;hren. Jared Diamonds Ausgangsfrage ist ganz einfach: Warum haben nicht die Indianer Europa erobert, sondern die Europ&#228;er Amerika. Und er kommt in seiner umfassenden Recherche zu dem Schluss &#8211; er bekam in den USA daf&#252;r den Pulitzer-Preis &#8211; und belegt es sorgf&#228;ltig, dass es f&#252;r diese ganzen &#8211; so unterschiedlichen - Kulturen sehr plausible Erkl&#228;rungen gibt &#8211; aber keine gehe auf die Erbanlagen zur&#252;ck. Es sind also nicht die Gene, die diese Unterschiede &#8220;schaffen&#8221; (Jared Diamond, &#8220;Arm und reich&#8221;).<br />
Wenn es also gar nicht die Gene sein k&#246;nnen, woraus erkl&#228;rt sich dann dieser &#8220;Erfolg&#8221; von Sarrazins Schwachsinn in den Medien?<br />
Wie in der letzten Weltwirtschaftskrise hat die &#8220;Erbgesundheit&#8221; Konjunktur. Hier k&#246;nnen schlichtweg soziale Probleme in biologische umdefiniert werden.<br />
Und je mehr die Medien mitsamt der Politik es darauf anlegen, die Wirtschafts- und Finanzkrise und die daraus resultierenden sozialen Probleme aus ihrer Wahrnehmung zu verdr&#228;ngen, umso dringender bedarf es eines Erkl&#228;rungsersatzes. Dieser findet sich so sch&#246;n &#8211; wieder einmal &#8211; in der biologischen Beschaffenheit der Menschen.<br />
Ja, auch die USA hatte damals ihre Erbgesundheits-Diskussion, nur kam dann ein Roosevelt und begann die Krise mit dem &#8220;New Deal&#8221; zu l&#246;sen &#8211; und so kam es dann auch in den USA zu keinem &#8220;Erbgesundheitsgesetz&#8221;. Die beste M&#246;glichkeit also, den erwiesenen Schwachsinn von Sarrazin zu beenden, ist eine offensive politische L&#246;sung der Krise.<br />
Mal schauen, wie weit die Gewerkschaften mit diesem Ansatz in diesem Herbst vorankommen.<br />
Dann k&#246;nnte auch schnell der ganze Sarrazin wieder vergessen sein &#8211; wie in den USA damals auch die ganze biologistische Erbgesundheit.</em></p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung W.F.:</strong> Wir hatten ja im letzten Jahr wachsende Erfolge von Rot-Dunkelrot-Gr&#252;n bei Wahlen und jetzt bei Umfragen. Und wir erleben Zweifel am nackten Kapitalismus, sogar bei vormals gerade die Ausw&#252;chse als alternativlos predigenden Journalisten und Redaktionen.<br />
Damit verbunden stieg die Volkswut auf die Abzocker und Abgreifer in Wirtschaft, Banken und auch wegschauender oder kr&#228;ftig mitmischender Politik, die ja die Abzockerei erst m&#246;glich gemacht hatte.<br />
Und nun Sarrazin &#038; Co. Ist das nicht eine wunderbare Ablenkung?<br />
Endlich gibt es wieder die S&#252;ndenb&#246;cke, so wie bei den Nazis in den 30er Jahren.<br />
Wurden bislang eher deutsche Hartz-IV-Empf&#228;nger zu Schmarotzern, Faulenzern und Nichtstuern erkl&#228;rt, welche auf Kosten des hart arbeitenden deutschen Volkes sich einen Lenz machen, sind es jetzt Migranten, speziell aus muslimischen L&#228;ndern, auch wenn diese bereits seit Jahren die deutsche Staatsb&#252;rgerschaft besitzen. Udo Ulfkotte behauptet (in seinem neuen Buch „Armut ist f&#252;r alle da“), dass diese viel h&#246;here Kosten verursachen als uns die Wirtschaftskrise gekostet hat, und &#8220;Sch&#228;den in unseren Sozialsystemen verursachen&#8221; (in Milliardenh&#246;he)!<br />
Wehret den Anf&#228;ngen? Vermutlich schon zu sp&#228;t. Sollten bald wieder die ersten Brands&#228;tze in t&#252;rkische Wohnungen oder Kebap-Buden fliegen, k&#246;nnen sich die T&#228;ter dann wieder auf die Meinung der schweigenden Mehrheit berufen &#8211; und auf milde Urteile hoffen.</em></li>
<li><strong>Haben Sarrazin, Buschkowsky und Co recht?</strong>
<p><a href="http://www.weissgarnix.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/11/mikro2.jpg" title="Guck mal, wer da Kinder kriegt (Quelle: destatis, eigene Berechnungen), f&#252;r Vergr&#246;&#223;erung klicken" rel="lightbox[6620]"><img width="470" src="http://www.weissgarnix.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/11/mikro2.jpg" alt="Guck mal, wer da Kinder kriegt (Quelle: destatis, eigene Berechnungen)" title="Guck mal, wer da Kinder kriegt (Quelle: destatis, eigene Berechnungen)" /></a></p>
<p>Was sieht jetzt selbst ein Blinder beim allerersten Blick auf die Tabelle? Dass die Sozialhilfe-M&#252;tter in toto wohl kaum das existenzielle Problem dieser Republik darstellen k&#246;nnen. Mit l&#228;ppischen 8% an den Frauen insgesamt fallen sie unwesentlich st&#228;rker ins Gewicht, als die Kolleginnen in der Rubrik “Sonstige”, die sich aus Baf&#246;g, Zinseink&#252;nften und Mieteinnahmen ern&#228;hren. Sie haben zwar insbesondere in jungen Jahren mehr als doppelt so viele Kinder, wie erwerbst&#228;tige M&#252;tter, aber nach meiner bescheidenen Rechenkunst sind 20% von 50% immer noch 10% , w&#228;hrend 57% von 8% nur l&#228;ppische 4% ergeben. Soll hei&#223;en, der Anteil der erwerbst&#228;tigen M&#252;tter ist auch in den Jahrg&#228;ngen, in denen sich das Buschkowskysche Unterschichten-Ph&#228;nomen am st&#228;rksten zeigt, mehr als doppelt so hoch. Und das &#252;brigens auch bei M&#252;ttern mit 2 Kindern und mehr.<br />
Aber auf den zweiten Blick offenbart diese Tabelle noch ganz was anderes: Die Sozialhilfe-M&#252;tter verkommen erst recht zur irrelevanten Gr&#246;&#223;e, wenn man sie mal mit den klassischen “Hausfrauen und M&#252;ttern” der guten, alten B&#252;rgerfamilie vergleicht: In der Rubrik “Unterhalt durch Angeh&#246;rige” begegnet uns in Wahrheit das pralle Leben, und zwar nicht nur deshalb, weil die einen hohen Anteil an den Frauen und M&#252;ttern insgesamt stellt, sondern weil sie in Sachen “Mehrkinderfamilie” die Hartz-IV-Empf&#228;ngerinnen ebenfalls blass aussehen lassen.<br />
Mein Eindruck insgesamt ist, dass Frauen mit einer wie immer gearteten “Versorgungssicherheit” offenbar leichter und h&#228;ufiger Kinder bekommen, als solche, deren Lebenszusammenhang an einem unsicheren Arbeitsplatz h&#228;ngt.<br />
Quelle: <a href="http://www.weissgarnix.de/2009/11/04/haben-sarrazin-buschkowsky-und-co-recht/">Weissgarnix</a></li>
<li><strong>NPD-Vorsitzender: &#8220;Sarrazin macht uns salonf&#228;hig&#8221;</strong><br />
Der NPD-Vorsitzende Udo Voigt sieht Rechtsextreme durch Thilo Sarrazins Aussagen vor Verurteilungen gesch&#252;tzt. Er bot Sarrazin einen Posten an.<br />
Gegen&#252;ber dem ARD-Politikmagazin &#8220;Report Mainz&#8221; sagte der NPD-Chef: &#8220;Unsere Aussagen werden damit salonf&#228;higer und es ist dann auch immer schwerer, Volksverhetzungsverurteilungen gegen NPD-Funktion&#228;re anzustreben, wenn wir uns zur Ausl&#228;nderpolitik &#228;u&#223;ern, wenn sich etablierte Politiker auch trauen, das zu &#228;u&#223;ern.&#8221; NPD macht Sarrazin Beitrittsangebote. Der Sozialdemokrat Sarrazin liege mit seinen Aussagen zur Einwanderungspolitik ganz auf NPD-Linie. &#8220;Herr Sarrazin hat klar zum Ausdruck gebracht, dass er nicht Fremder im eigenen Land werden will und hat damit die Politik der NPD seit 40 Jahren best&#228;tigt und ich freue mich, dass er sich traut, das auszusprechen.&#8221; F&#252;r den Fall, dass Sarrazin aus der SPD ausgeschlossen werde oder austrete, macht der NPD-Vorsitzende ein Angebot: &#8220;Es w&#252;rde mich freuen, wenn er als Berater dem NPD-Parteivorstand zur Verf&#252;gung st&#252;nde oder gar als Ausl&#228;nderr&#252;ckf&#252;hrungs-Beauftragter der NPD fungiert.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/590937/index.do?direct=590886&#038;_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/590991/index.do&#038;selChannel=">Die Presse.com</a></li>
<li><strong>Sarrazin: Das Schweigen der Banker</strong><br />
Offiziell will ganz offenbar niemand gegen Sarrazins menschenverachtende Thesen Stellung beziehen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/sarrazin--das-schweigen-der-banker/-/1472602/4598450/-/index.html">FR</a></li>
<li><strong>Bertelsmann und Sarrazin bitten zur Tea-Party</strong><br />
Verbesserungen f&#252;r das Zusammenleben von Deutschen und Migranten sind in Sarrazins Buch nicht zu erkennen – wohl aber Ans&#228;tze f&#252;r eine deutschnationale »Tea-Party«: Ein Verein f&#252;r frustrierte Ordnungsfanatiker aus dem rechtskonservativen und neoliberalen Lager, jenseits von REP’s und NPD, der sich &#252;ber Nacht in eine neue Rechtspartei verwandeln k&#246;nnte. J&#246;rg Haider, Geert Wilders &#038; Sarah Paulin lassen gr&#252;&#223;en!&#8230;<br />
Wie sich Bertelsmann durch die Ver&#246;ffentlichung vergleichbaren Geistesm&#252;lls unter dem Dach seiner Verlagsgruppe Randomhouse in augenf&#228;lliger Weise zum Wiederholungst&#228;ter macht, scheint der Inhaberfamilie Mohn und ihren profitgierigen Verlagsmanagern irgendwie entgangen zu sein.<br />
Quelle: <a href="http://www.gegen-stimmen.de/?p=7807">gegen-stimmen</a></p>
<p><em>Dazu passt:</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h16"></a><strong>Michael Wolffsohn: Koch und Merz werden Spaltung der Union einleiten</strong><br />
Die Union wird sich spalten. Das Wann ist offen, nicht das Ob. Der Riss wird quer durch die CDU und CSU gehen. Entstehen wird je eine freisinnig konservativ-liberale (oder liberal-konservative) sowie eine wirtschaftsliberal-altkonservative Partei. Anders als oft behauptet hat diese Entwicklung kaum pers&#246;nliche, sondern handfeste lebensinhaltliche und lebensperspektivische Ursachen. Weder Angela Merkel noch Ursula von der Leyen haben also „Schuld“. Wer glaubt, die CDU werde „ohne Merkel“ wieder an alte 40-plus-Zeiten ankn&#252;pfen k&#246;nnen, irrt gr&#252;ndlich.<br />
Grund, nein, tiefer liegend: Ursache jener Entwicklung ist die Tatsache, dass sich in der bundesdeutschen Gesellschaft ein freisinniger, unverkrampfter, entspannter, individualistischer, alles andere als reaktion&#228;rer oder gar militaristischer Konservativismus herausgebildet hat. Ohne Ber&#252;hrungs&#228;ngste und ohne das &#252;bliche Gejammer &#252;ber das l&#228;ngst untergegangene Abendland. Es ist ein pragmatischer, freisinniger, &#252;berwiegend gro&#223;st&#228;dtischer Konservativismus.<br />
Die Liberal-Konservative Partei wird, siehe Name, vor allem wertkonservativ und wirtschaftsliberal sein und zun&#228;chst zuletzt die ins Nichtw&#228;hlerlager abgewanderten Unionsw&#228;hler anpeilen. Sie orientiert sich an der traditionellen Rolle der Frau in der Gesellschaft, der Familie, will weniger, besser: kaum staatliche Aktivit&#228;ten in der Wirtschaft und &#252;berl&#228;sst auch Gr&#252;nes eher dem Markt als der intervenierenden Steuerung.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article9250275/Koch-und-Merz-werden-Spaltung-der-Union-einleiten.html">Welt</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Zur Erinnerung: Deutsche Kriege f&#252;r das &#8220;nationale Interesse&#8221;?</strong><br />
F&#252;r die Abkehr von der Beschr&#228;nkung auf die Landesverteidigung hat die PR-Abteilung der Politik schon lange die sch&#246;ne Wendung &#8220;Transformation der Bundeswehr&#8221; in Umlauf gebracht. Auf der Tagesordnung steht jedoch nichts weniger als ein Umsturz. Ganz offen ist im aktuellen Diskurs von deutschen Milit&#228;raktivit&#228;ten zur Wahrung nationaler Rohstoff- und Energieinteressen die Rede. Im R&#252;ckblick lassen sich viele vorbereitende Voten f&#252;r diesen Verfassungsumsturz nachlesen. Die Frage ist: Werden die Sozialdemokraten mit im Boot sitzen?<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22686/1.html">Telepolis vom 17.06.2006</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Die Frage von damals ist beantwortet: Siehe das Das Wei&#223;buch der Bundeswehr IMI-Analyse vom 24.10.2006:</em></p>
<blockquote><p>&#8220;Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abh&#228;ngt, hat ein elementares Interesse an einem friedlichen Wettbewerb der Gedanken, an einem offenen Welthandelssystem und freien Transportwegen.&#8221; (S. 14) Deutschland sei &#8220;in hohem Ma&#223;e von einer gesicherten Rohstoffzufuhr und sicheren Transportwegen in globalem Ma&#223;stab abh&#228;ngig. [...] Von strategischer Bedeutung f&#252;r die Zukunft Deutschlands und Europas ist eine sichere, nachhaltige und wettbewerbsf&#228;hige Energieversorgung. […] Energiefragen werden k&#252;nftig f&#252;r die globale Sicherheit eine immer wichtigere Rolle spielen.&#8221; (17) Aus diesem Grund &#8220;muss die Sicherheit der Energieinfrastruktur gew&#228;hrleistet werden.&#8221; (18)</p></blockquote>
<p><em>Insofern brauchte DIHK-Pr&#228;sident Driftmann den Einsatz der Bundeswehr zur Verteidigung der Handelswege gar nicht mehr zu fordern. Obwohl Driftmann auch <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714436,00.html#ref=rss">Vize-Vorsitzender der Expertenkommission zur Reform der Bundeswehr ist</a>, hat er diesen Verfassungsumbruch offenbar genauso wenig mitbekommen wie die gesamte &#214;ffentlichkeit. So etwas nennt man wohl eine schleichende Verfassungsaush&#246;hlung.</em></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Karzai wirft internationalen Truppen Versagen vor</strong><br />
&#8220;Der Kampf der Nato-Soldaten hat au&#223;er zivilen Opfern nichts gebracht&#8221;:<br />
Afghanistans Pr&#228;sident Karzai hat das Vorgehen der ausl&#228;ndischen Truppen in seinem Land au&#223;ergew&#246;hnlich scharf kritisiert. Er fordert eine neue Strategie f&#252;r den Einsatz gegen die Taliban.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,714557,00.html">SPIEGEL</a></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Fischfang vor Afrikas K&#252;ste: Europa kauft die Meere leer</strong><br />
Die einen bekommen Fisch im &#220;berfluss, die anderen gehen leer aus: Weil die EU Millionen Euro an korrupte Staaten zahlt, d&#252;rfen europ&#228;ische Trawler die Fanggr&#252;nde vor der K&#252;ste Afrikas pl&#252;ndern. &#8220;Cash for Fish&#8221; hei&#223;t das fragw&#252;rdige Gesch&#228;ft &#8211; f&#252;r die Einheimischen bleibt fast nichts &#252;brig. Ein brisanter Fall. Denn Marokko verkauft regelm&#228;&#223;ig Fischereirechte an Europa und erh&#228;lt daf&#252;r j&#228;hrlich 36,1 Millionen Euro. Im Gegenzug darf die EU-Flotte vor Marokko fischen. Und wie selbstverst&#228;ndlich gehen die Europ&#228;ische Union und Marokko davon aus, dass auch die fischreichen Gew&#228;sser vor Westsahara eingeschlossen sind, obwohl der v&#246;lkerrechtlicher Status des Landes umstritten ist. Westsahara wird seit &#252;ber 35 Jahren vom Nachbarn Marokko besetzt. F&#252;r die Juristen ist klar: Das Vorgehen der EU im Nordwesten Afrikas ist illegal. Wer die nat&#252;rlichen Ressourcen eines Autonomiegebiets ausbeuten wolle, d&#252;rfe das nur zum Wohl der Bev&#246;lkerung und mit deren Einverst&#228;ndnis tun. &#8220;Es zeigt sich aber nicht, dass die finanziellen Zuwendungen zum Wohl der Bev&#246;lkerung in Westsahara verwendet werden&#8221;, hei&#223;t es in dem Gutachten.<br />
Die j&#252;ngste Expertenmeinung aus dem eigenen Haus ist ein Schlag ins Gesicht der EU. Denn das Gutachten hinterfragt nicht nur das Fischereiabkommen mit Marokko, sondern die gesamte EU-Fischereipolitik. Denn Br&#252;ssel arbeitet intensiv an einer Reform der sogenannten Gemeinsamen Fischereipolitik. Alle zehn Jahre kommen deren Regelungen auf den Pr&#252;fstand. 2012 ist es wieder so weit. Nachdem der Europ&#228;ische Rechnungshof vor einiger Zeit zu dem Schluss gekommen ist, dass die EU-Fischereipolitik ihre Ziele komplett verfehle, will die EU-Kommission nun nichts anderes als einen radikalen Neuanfang. Daf&#252;r stellte sie im Mai vergangenen Jahres eine erste Bilanz vor. Das sogenannte Gr&#252;nbuch gleicht einer Bankrotterkl&#228;rung: Exzessive Subventionierung, ineffektive Kontrollen und unzureichender politischer Wille h&#228;tten zu &#220;berkapazit&#228;ten und einer dramatischen &#220;berfischung gef&#252;hrt. In einem aktuellen Papier wird die Kommission noch deutlicher: &#8220;Wenn wir jetzt nicht handeln, wird der Teufelskreis weitergehen, der zu dieser schlechten &#246;konomischen, sozialen und &#246;kologischen Performance gef&#252;hrt hat.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,712541,00.html">SPIEGEL</a></li>
<li><a name="h20"></a><strong>Landnahme: in Afrika auch durch deutsche Firmen</strong><br />
Deutsche Unternehmen sichern sich in Afrika riesige L&#228;ndereien f&#252;r den umstrittenen Anbau von Agrospritpflanzen. Die bayerische Acazis AG (fr&#252;her: Flora Eco-Power) habe in &#196;thiopien 56.000 Hektar f&#252;r die Produktion nachwachsender Rohstoffe gepachtet, hei&#223;t es in einer am Montag ver&#246;ffentlichten Studie des internationalen Umweltverbands Friends of the Earth. Zudem habe das Unternehmen Konzessionen f&#252;r weitere 200.000 Hektar erworben. In &#196;thiopien etwa habe Flora Eco-Power im Jahr 2007 begonnen, Anbaufl&#228;chen f&#252;r &#214;lpflanzen in einem Schutzgebiet f&#252;r Elefanten zu roden. Fast das komplette Anbaugebiet liege innerhalb des Elefantenreservats und ihrer Futterpl&#228;tze. Andreas Burger, kaufm&#228;nnischer Leiter von Acazis, sagte der taz: &#8220;Wir hatten mit der Rodung angefangen, weil wir eine Genehmigung der Provinz Oromia hatten, die sich aber nicht mit der Staatsregierung abgesprochen hatte. Nachdem wir davon erfahren haben, haben wir unsere Aktion in diesem Gebiet eingestellt&#8221;. Auf ihrer Website betont die Acazis AG, dass die von ihr angebaute Castorpflanze &#8220;nicht mit den Interessen von Pflanzungen im Nahrungsmittelbereich&#8221; kollidiere. Die Pflanze sei nicht f&#252;r den menschlichen Verzehr geeignet. Sie m&#252;sse auch nicht aufw&#228;ndig bew&#228;ssert werden und entziehe der Bev&#246;lkerung daher kein Wasser. Indirekt r&#228;umt die Firma aber ein, dass auf dem Boden auch Nahrungsmittel produziert werden k&#246;nnten.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&#038;dig=2010%2F08%2F30%2Fa0077&#038;cHash=029b8e7af3">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Und wessen in Tasche ist die Pachtsumme geflossen?</em></li>
</ol>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 06:52:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Europa droht die Deflation; Folgen der „Reformen“ in Griechenland; Industrie lehnt »Equal Pay« ab; L&#252;genbrevier im Gesundheitswesen; gegen Geheimvertr&#228;ge bei PPP; Kernreaktor f&#252;r den Tegernsee; Sarrazenaten; starke Bildungsmotivation bei T&#252;rken; Sicherungsverwahrung als Sackgasse; Urlaub bei Maschmeyers; Irak-Krieg; die Akte Kongo; Verteidigung der Handelswege; Volker Pispers: bis jetzt waren alle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Europa droht die Deflation; Folgen der „Reformen“ in Griechenland; Industrie lehnt »Equal Pay« ab; L&#252;genbrevier im Gesundheitswesen; gegen Geheimvertr&#228;ge bei PPP; Kernreaktor f&#252;r den Tegernsee; Sarrazenaten; starke Bildungsmotivation bei T&#252;rken; Sicherungsverwahrung als Sackgasse; Urlaub bei Maschmeyers; Irak-Krieg; die Akte Kongo; Verteidigung der Handelswege; Volker Pispers: bis jetzt waren alle Gesetze zustimmungsfrei; kapitalgedeckter Formtiefausgleichsfaktor. (KR/WL)<br />
<span id="more-6606"></span></p>
<p>Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert. Hier die &#220;bersicht; </p>
<ol>
<li><a href="#h01">Peter Bofinger: Europa droht die Deflation</a></li>
<li><a href="#h02">Folgen der Wirtschafts- und Finanzreformen in Griechenland f&#252;r Kleingewerbe und mittelst&#228;ndische Unternehmer</a></li>
<li><a href="#h03">Industrie lehnt »Equal Pay« ab</a></li>
<li><a href="#h04">Diagnose des Gesundheitswesens: L&#252;genbrevier</a></li>
<li><a href="#h05">Gegen Geheimvertr&#228;ge bei PPP</a></li>
<li><a href="#h06">Ein Kernreaktor f&#252;r den Tegernsee</a></li>
<li><a href="#h07">Sarrazenaten </a></li>
<li><a href="#h08">Roland Koch &#8211; Der letzte Ruchlose</a></li>
<li><a href="#h09">Bildungsmotivation bei t&#252;rkischen Familien besonders stark</a></li>
<li><a href="#h10">Sicherungsverwahrung: „Supermoderne Einrichtung als Sackgasse“</a></li>
<li><a href="#h11">Wulff &#8220;nicht gl&#252;cklich&#8221; &#252;ber Villenurlaub auf Mallorca</a></li>
<li><a href="#h12">Irak-Krieg: Am Anfang stand die L&#252;ge</a></li>
<li><a href="#h13">Die Akte Kongo</a></li>
<li><a href="#h14">DIHK-Pr&#228;sident fordert Verteidigung der Handelswege</a></li>
<li><a href="#h15">Zu guter Letzt: Volker Pispers, Bis jetzt waren alle Gesetze von Schwarz-Gelb v&#246;llig zustimmungsfrei</a></li>
<li><a href="#h16">Das Letzte: Kapitalgedeckter Formtiefausgleichsfaktor</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung: </strong>Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6606&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin.</a></em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Peter Bofinger: Europa droht die Deflation</strong><br />
Begr&#252;ndet werden solche Szenarien vor allem mit der stark steigenden Staatsverschuldung und der seit der Lehman-Krise ausgesprochen expansiven Geldpolitik der gro&#223;en Notenbanken.<br />
Doch der Blick nach Japan zeigt, dass man aus solchen Faktoren keinesfalls zwangsl&#228;ufig auf eine inflation&#228;re Entwicklung schlie&#223;en darf…<br />
Wenn also nunmehr die Staaten weltweit einen teilweise ungew&#246;hnlich drastischen Konsolidierungskurs einschlagen, ist die Gefahr hoch, dass der dadurch entstehende Unterdruck nicht in gleichem Ma&#223;e durch einen h&#246;heren Druck im privaten Sektor ausgeglichen werden kann. Das muss nicht zu einer Deflation wie in den 1930er Jahren f&#252;hren. F&#252;r die Weltwirtschaft und die<br />
Arbeitslosen w&#228;re eine deflation&#228;re Entwicklung mit schwachem Wachstum und Inflationsraten nahe null, wie man sie seit 1995 in Japan beobachten kann, schon schlimm genug.<br />
Das Problem der n&#228;chsten Jahre ist also eindeutig nicht ein zu hoher Druck im System, sondern ein zu geringer. Es w&#228;re sch&#246;n, wenn Frau Doktor Merkel das m&#246;glichst bald erkennen w&#252;rde,<br />
denn nichts ist schlimmer, als einen Patienten mit zu niedrigem Blutdruck mit blutdrucksenkenden Mitteln zu behandeln.<br />
Quelle: <a href="http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2010_08_kommentar.pdf">Mitbestimmung [PDF - 161 KB]</a>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Folgen der Wirtschafts- und Finanzreformen in Griechenland f&#252;r Kleingewerbe und mittelst&#228;ndische Unternehmer</strong><br />
Am Samstag, dem 28. August 2010, erschien in der Athener Tageszeitung &#8220;To Vima“ unter dem obigen Titel ein interessanter Artikel &#252;ber die Folgen des drastischen Sparprogramms in Griechenland. Wir bedanken uns bei NachDenkSeiten-Leser W. L. f&#252;r die &#220;bersetzung.<br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100830_hinweise_griechenland_b.pdf">To Vima [PDF - 67.8 KB]</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Industrie lehnt »Equal Pay« ab</strong><br />
Stahlunternehmer weisen Tarifforderung nach Gleichbehandlung von Leiharbeitern zur&#252;ck<br />
Vor Beginn der Tarifverhandlungen f&#252;r die Stahlkocher in Nordrhein-Westfalen geht der Schlagabtausch zwischen Gewerkschaften und Unternehmervertretern in eine neue Runde. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber verteidigte am Wochenende die Forderung nach h&#246;heren Entgelten. In einem Beitrag f&#252;r die Bild am Sonntag bekr&#228;ftigte er die Forderung nach sechs Prozent f&#252;r die Besch&#228;ftigten der Stahlindustrie, auch f&#252;r Leiharbeiter und Niedrigl&#246;hner (…)<br />
Hauptgesch&#228;ftsf&#252;hrer Bernhard Strippelmann erkl&#228;rte gegen&#252;ber AFP, der Verband halte »gar nichts« von Leiharbeiter-Regelungen in einem Fl&#228;chentarifvertrag. IG Metall und Arbeitgeberverband Stahl seien gar nicht befugt, f&#252;r Zeitarbeiter Tarifvertr&#228;ge zu machen, da diese keine Besch&#228;ftigten der Stahlindustrie seien. Die in der Branche besch&#228;ftigten Zeitarbeiter – deren Zahl ohnehin gering sei – w&#252;rden »ausnahmslos« nach Tarifvertr&#228;gen der Zeitarbeitsbranche bezahlt. An deren Aushandlung seien DGB-Gewerkschaften beteiligt gewesen, »in vielen F&#228;llen« auch die IG Metall. Sollte die Gewerkschaft diese Tarife f&#252;r unzureichend ansehen, »dann ist die Zeitarbeitsbranche der richtige Adressat«.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-30/048.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Diagnose des Gesundheitswesens: L&#252;genbrevier</strong><br />
Das Gesundheitswesen ist ein wenig aus den Schlagzeilen geraten. Aber wenn die bekannten Gesichter wieder die Bildschirme bev&#246;lkern, braucht man als Zuschauer eine Orientierungshilfe, ein L&#252;genbrevier.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/luegenbrevier/-/1472788/4593860/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Gegen Geheimvertr&#228;ge</strong><br />
Halbzeit des Volksbegehrens: »Berliner Wassertisch« k&#228;mpft f&#252;r Transparenz und preiswerte Rekommunalisierung. 172000 g&#252;ltige Unterschriften werden bis zum 27. Oktober ben&#246;tigt, damit die Berliner Bev&#246;lkerung im Rahmen eines Volksentscheids &#252;ber den Gesetzentwurf zur Offenlegung der Geheimvertr&#228;ge abstimmen kann, die im Zusammenhang mit der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe 1999 abgeschlossen wurden. Nur so k&#246;nnten die unbefristeten Vertr&#228;ge zwischen dem Land Berlin, RWE Aqua und Veolia Wasser juristisch &#252;berpr&#252;ft und angefochten werden. 53800 Unterschriften seien bisher gesammelt worden, gaben die Organisatoren vom »Berliner Wassertisch« zur Halbzeit des Volksbegehrens am gestrigen Freitag in der Verbraucherzentrale bekannt.<br />
Viele der Betroffenen wissen gar nicht, wer an ihrem Wasserverbrauch verdient. 1999 sind die Berliner Wasserbetriebe &#252;ber eine Holding AG zu 49,9 Prozent teilprivatisiert worden. Mehrheitseigner ist mit 50,1 Prozent das Land Berlin – die kaufm&#228;nnische und technische Leitung soll aber zu 100 Prozent den Konzernen zugebilligt worden sein. Im Fr&#252;hsommer 2010 mahnte der Landesrechnungshof die Werbekampagnen der teilprivatisierten Wasserbetriebe an: Von 2005 bis 2008 seien 4,4 Millionen Euro f&#252;r Imagekampagnen ausgegeben worden – und das, obwohl es keinen Mitbewerber gibt. Das zeige ja die Verhandlungsf&#228;higkeit des Berliner Senats, spotten die Kritiker. Die Kosten f&#252;r die »Happy-Ente-Kampagne« mit der gelben Badeente auf zahlreichen Plakatw&#228;nden der Berliner U-Bahn sind im Bericht des Landesrechnungshofes noch nicht einmal enthalten.Seit 2001 sind die Wasserpreise um 35 Prozent gestiegen. &#220;ber eine Milliarde Euro Gewinne sind auf Kosten der Verbraucher erwirtschaftet worden. Arbeitspl&#228;tze wurden abgebaut, Investitionen gesenkt und drei Wasserwerke geschlossen. &#220;ber die Gr&#252;nde f&#252;r diese Entwicklung k&#246;nnten die Teilprivatisierungsvertr&#228;ge Aufschlu&#223; geben, &#252;ber deren Inhalt jedoch »absolutes Stillschweigen« vereinbart worden ist– »soweit nicht aufgrund gesetzlicher Vorschriften eine Verpflichtung zur Offenlegung besteht«.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-28/048.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Ein Kernreaktor f&#252;r den Tegernsee</strong><br />
Das mit der Atomkraft und der besseren Gesellschaft ist ja so eine Sache: Selbst die Bef&#252;rworter in der zumeist konservativen Fraktion haben dazu ein Verh&#228;ltnis wie zur Ostzone. Wir brauchten die Wiedervereinigung und wir brauchen billigen Strom, aber der Osten und die Kernkraft soll bitte nicht zu uns kommen, das passt hier nicht rein. Niemand wundert sich, warum Westviertel fern der Blocks, M&#252;lldeponien und Durchgangsstrassen sind, und genauso verh&#228;lt es sich mit den AKWs. Grafenrheinfeld, Niederaichbach, Ohu bei Landshut und Gundremmingen etwa sind seit jeher die strahlenden und dampfenden Haschibopperl der Bayerischen CSU, die  bei den verbliebenen Anlagen m&#246;glichst unbegrenzten Betrieb w&#252;nscht. Keines davon liegt in jenem oberbayerischen Teil Bayerns, den man gemeinhin vor Augen hat, wenn man von den bevorzugten Wohnlagen des Landes spricht.<br />
Trotzdem w&#228;re das hier ein famoser AKW-Standort. Nehmen wir nur die eher bescheidenen Wassertemperaturen des Tegernsees, der auch im Hochsommer wegen der Zufl&#252;sse aus den Bergen empfindlich kalt sein kann: So ein AKW schafft locker 2 Grad mehr mit seinem K&#252;hlwasserverbrauch. Hier ist es erdbeben- und terrorismussicher, denn die Araber machen hier Urlaub und nicht Glaubenskrieg. Den Atomm&#252;ll k&#246;nnte man gleich nebenan am Schliersee zwischenlagern, denn in Hausham sind noch alte Stollen vom Kohleabbau vorhanden. Gerade in Rottach etwa sehe ich noch viel Platz, auf halbem Weg zwischen dem Ort und dem Klausurgeb&#228;ude der CSU in Kreuth, die damit ihre N&#228;he und den Willen zur Atomkraft eindrucksvoll unter Beweis stellen k&#246;nnte. Sollte es einen GAU und Fallout geben, liegt im Westen und S&#252;den die menschenleere W&#252;stnis der Tiroler Vorbalkans, und &#214;sterreicher standen hier noch nie unter Artenschutz.<br />
Quelle: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/08/27/ein-kernreaktor-fuer-den-tegernsee.aspx">Faz-Community</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Sarrazenaten</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Kein Kopftuchm&#228;dchen</strong><br />
Die Deutscht&#252;rkin Aylin Selcuk verklagt Thilo Sarrazin wegen Volksverhetzung. Der habe den Rassismus salonf&#228;hig gemacht, sagt die Zahnmedizinstudentin.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/panorama/kein-kopftuchmaedchen/-/1472782/4592000/-/index.html">FR</a>
</li>
<li><strong>Rechtspopulismus pur</strong><br />
Als rechtspopulistisch werden Bestrebungen bezeichnet, die den Dualismus von „Volk“ (im Sinne von „ethnos“ oder „demos“), „Bev&#246;lkerung“ oder „m&#252;ndigen B&#252;rgern“ und „Elite“, „Staatsb&#252;rokratie“ oder „politischer Klasse“ zum Dreh- und Angelpunkt machen.<br />
Sarrazins ganzes Denken kreist um Deutschland und das „eigene“ Volk. Das von Sarrazin besetzte Thema der „Islamisierung“ r&#252;cken alle Rechtsau&#223;engruppierungen seit geraumer Zeit in den Mittelpunkt ihrer Agitation und Propaganda: von der „PRO“-Bewegung &#252;ber die REPublikaner, die DVU und die NPD bis zu den Neonazi-Kameradschaften.<br />
Nur ein aufgrund seiner herausgehobenen beruflichen Stellung prominenter Demagoge wie Sarrazin ist jedoch in der Lage, b&#252;rgerlich-seri&#246;s aufzutreten und Verb&#252;ndete in etablierten Kreisen zu finden, obwohl es ihm haupts&#228;chlich um die Befriedigung seiner pers&#246;nlichen Eitelkeit durch permanente Medienpr&#228;senz gehen d&#252;rfte.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/rechtspopulismus-pur/-/1472596/4598620/-/index.html">FR</a>
</li>
<li><strong>Wilhelm Heitmeier, Soziologe Universit&#228;t Bielefeld</strong><br />
Nach Ansicht des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer bedient Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin mit der Wortwahl bei seinen umstrittenen Thesen zur Integrationspolitik „eindeutig ein rechtspopulistisches Potenzial“.<br />
Unabh&#228;ngig von der kritisierten Rhetorik sieht Heitmeyer tats&#228;chlich erhebliche Probleme bei der Integration. Da habe man sich „jahrelang selber etwas in die Tasche gelogen“. Es sei allerdings auch politisch lange verhindert worden, sich fr&#252;hzeitig um ein Integrationskonzept f&#252;r die von der Industrie ausgesuchten Migrantengruppen zu k&#252;mmern.<br />
Quelle: <a href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/interview-der-woche/-/id=659202/nid=659202/did=6633964/rps7oj/index.html">SWR</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h08"></a><strong>Roland Koch &#8211; Der letzte Ruchlose</strong><br />
Warum der Politiker Roland Koch alles andere als ein Konservativer ist. Und ich seinen Abschied am kommenden Montag deshalb nicht bedauern muss. Dass Roland Koch ein Politiker mit Prinzipien sei, war mir bis dahin noch nicht aufgefallen. Zweimal, 1999 und 2008, f&#252;hrte er Wahlkampagnen mit einem Ressentiment gegen Einwanderer. Als der Versuch beim zweiten Mal erfolglos blieb, legte er gro&#223;en Wert darauf, dass ihm dieses Ressentiment nicht selbst eigen sei. Er hatte es also nur benutzt. Eine solche Biegsamkeit allein reicht jedoch nicht aus, um von den politischen Kommentatoren des Landes als konservativ ger&#252;hmt zu werden. Es muss eine zweite Tugend hinzukommen: Ruchlosigkeit. Wer nicht bereit ist, sich notfalls auch &#252;ber die Menschenw&#252;rde anderer hinwegzusetzen und eigenen Prinzipien zuwiderzuhandeln, hat wenig Chancen auf das ehrende Etikett. Konservativ zu sein hei&#223;t hierzulande, die niederen Instinkte eines Kleinb&#252;rgertums zu bedienen. Sich bereitwillig einer F&#252;hrungsfigur unterzuordnen, wie auch immer sie hei&#223;en mag. Die eigenen Fehler zu sp&#228;t zu erkennen und den Schaden hinterher zu beklagen. Wie Roland Koch nach seinem letzten Wahlkampf.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&#038;dig=2010%2F08%2F28%2Fa0009&#038;cHash=54e0f64074">TAZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Seine Biegsamkeit bezeugt Roland Koch auch im Fall Sarrazin. Statt sich klar zu distanzieren, kommt wieder so ein &#8220;Ja, aber&#8221; heraus: „Er spricht in diesen Tagen durchaus vorhandene Probleme an, denen die Gesellschaft nicht ausweichen darf. Ihm selbst geht es aber offenbar nur noch um Verbalradikalismus und Tabubr&#252;che.“</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Bildungsmotivation bei t&#252;rkischen Familien besonders stark</strong><br />
Die Bildungssituation vieler t&#252;rkischer Kinder in Deutschland ist nach wie vor schlecht. An Haupt- und Sonderschulen sind sie &#252;berrepr&#228;sentiert, nur relativ wenige schaffen dagegen den Sprung auf das Gymnasium. Die Motivation der t&#252;rkischen Bev&#246;lkerungsgruppe ist daf&#252;r allerdings nicht verantwortlich. Das belegen Forschungsergebnisse des Soziologen Dr. J&#246;rg Dollmann vom Mannheimer Zentrum f&#252;r Europ&#228;ische Sozialforschung (MZES) der Universit&#228;t Mannheim.<br />
In seiner Doktorarbeit &#8220;T&#252;rkischst&#228;mmige Kinder am ersten Bildungs&#252;bergang. Prim&#228;re und sekund&#228;re Herkunftseffekte&#8221; zeigt Dollmann unter anderem: Bei gleichen Leistungen und vergleichbarem sozialen Hintergrund wechseln t&#252;rkischst&#228;mmige Grundschulkinder h&#228;ufiger auf anspruchsvollere Schultypen, als Kinder ohne Migrationshintergrund. Vor allem die Hauptschule wird seitens der T&#252;rkischst&#228;mmigen m&#246;glichst gemieden, sofern es die Leistungen der Kinder zulassen: So ist die Chance, auf die Realschule anstatt auf die Hauptschule zu wechseln f&#252;r T&#252;rken etwa dreimal h&#246;her als f&#252;r Grundschulabg&#228;nger ohne Migrationshintergrund.<br />
&#8220;Eine &#228;hnliche Tendenz l&#228;sst sich auch f&#252;r den Besuch des Gymnasiums im Vergleich zur Realschule feststellen&#8221;, erkl&#228;rt Dollmann. &#8220;Hier ist der Unterschied zwischen Deutschst&#228;mmigen und T&#252;rken allerdings weniger deutlich und statistisch nicht signifikant. Insgesamt aber streben die t&#252;rkischen Grundschulkinder und ihre Familien bei gleichen Voraussetzungen eher die h&#246;heren Schularten an.&#8221; Ob sich die Kinder dort auch behaupten k&#246;nnen, m&#252;sse noch in k&#252;nftigen Studien untersucht werden.<br />
Verantwortlich f&#252;r das insgesamt dennoch schlechtere Abschneiden der t&#252;rkischen Schulkinder am ersten Bildungs&#252;bergang ist nach Aussage des Soziologen insbesondere die nachteiligere Kompetenzentwicklung in den ersten Schuljahren sowie die ung&#252;nstigere soziale Situation der Kinder. Dazu z&#228;hlen beispielsweise das Bildungsniveau der Eltern und der sozio&#246;konomische Status der Familien.<br />
Quelle: <a href="http://idw-online.de/pages/de/news383310">idw</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Sicherungsverwahrung: „Supermoderne Einrichtung als Sackgasse“</strong><br />
Experten warnen vor neuen Pl&#228;nen zur Sicherungsverwahrung &#8211; die L&#228;nder k&#252;ndigen ein eigenes Konzept an. Unklar ist, ob die geplanten Regeln gegen die Menschenrechtskonvention versto&#223;en.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/-supermoderne-einrichtung-als-sackgasse-/-/1472596/4595312/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Wulff &#8220;nicht gl&#252;cklich&#8221; &#252;ber Villenurlaub auf Mallorca</strong><br />
Bundespr&#228;sident Christian Wulff zeigt sich zerknirscht &#252;ber seinen Urlaub in der f&#252;rstlichen Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca. Nach Informationen des SPIEGEL reagierte er nun auf die Irritationen und lie&#223; eine Referatsleiterin einen Brief schreiben, aus dem ein wenig Reue spricht.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714372,00.html">Spiegel Online</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Irak-Krieg: Am Anfang stand die L&#252;ge</strong><br />
&#8220;USA beenden Kriegseinsatz im Irak&#8221;, springt die Titelseite der SZ dem Betrachter ins Auge. Im Bildtext findet die frohe Botschaft noch ihre Erg&#228;nzung: „Im Irak verbleiben nun noch etwa 50.000 US-Soldaten, die jedoch vor allem die irakische Armee ausbilden und beraten, nicht mehr selbst k&#228;mpfen sollen.“ Diese Aussagen sind es wert, &#252;berpr&#252;ft zu werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15556">NRHZ</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Die Akte Kongo</strong><br />
Die bisher umfangreichste Untersuchung von Kriegsverbrechen in der Demokratischen Republik Kongo ist vorab lanciert worden und hat eine diplomatische Krise ausgel&#246;st. Der 515-seitige Entwurf des noch unver&#246;ffentlichten Abschlussberichts einer UN-Untersuchungskommission &#252;ber &#8220;die schwersten Verletzungen der Menschenrechte und des humanit&#228;ren V&#246;lkerrechts auf dem Staatsgebiet der Demokratischen Republik Kongo zwischen M&#228;rz 1993 und Juni 2003&#8243;, der auch der taz vorliegt, listet detailliert 617 &#8220;Vorf&#228;lle&#8221; auf, von der Entf&#252;hrung von Einzelpersonen bis zu Massakern an hunderten Zivilisten.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=au&#038;dig=2010%2F08%2F28%2Fa0159&#038;cHash=f632cfd28f">TAZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Sicherlich ist es zu begr&#252;&#223;en, dass es Untersuchungen zu Kriegsverbrechen im Kongo gibt, aber das eigentliche Kriegsverbrechen ist der Krieg selbst. Das International Rescue Committee kommt in seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass der Kongokrieg zwischen August 1998 und April 2007 bereits 5,4 Mio. <a href="http://www.theirc.org/sites/default/files/migrated/resources/2007/2006-7_congomortalitysurvey.pdf">Todesopfer forderte [PDF - 1.1 KB]</a>.</em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>DIHK-Pr&#228;sident fordert Verteidigung der Handelswege</strong><br />
&#196;hnliche Aussagen hatten bereits Ex-Bundespr&#228;sident K&#246;hler in Bedr&#228;ngnis gebracht: DIHK-Pr&#228;sident Driftmann hat den Einsatz der Bundeswehr zur Verteidigung der Handelswege gefordert. Zu den neuen Aufgaben der Armee geh&#246;re auch die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen, sagte er.<br />
Driftmann ist auch Vize-Vorsitzender der Expertenkommission zur Reform der Bundeswehr und forderte, diese m&#252;sse sich &#8220;dringend den neuen Anforderungen stellen&#8221;. F&#252;r Deutschland als Exportland &#8220;w&#228;re es eine Katastrophe, wenn die Handelswege, insbesondere nach S&#252;dostasien, dauerhaft eingeschr&#228;nkt oder bedroht w&#228;ren&#8221;, erkl&#228;rte Driftmann. &#8220;Die d&#252;rfen wir nicht Piraten &#252;berlassen.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714436,00.html#ref=rss">Spiegel Online</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Zu guter Letzt: Volker Pispers, bis jetzt waren alle Gesetze von Schwarz-Gelb v&#246;llig zustimmungsfrei</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439">WDR 2</a></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Das Letzte: Kapitalgedeckter Formtiefausgleichsfaktor</strong><br />
Die Versicherungsbranche hat ein neues Bet&#228;tigungsfeld entdeckt.<br />
Es geht dabei um die sogenannte Lohnvorschussausfallversicherung. Schon das Wort allein verr&#228;t viel &#252;ber die Monstrosit&#228;t der Aff&#228;re. Und weil auf so was kein aufrechter Bundesbeamter kommen kann, holte Schr&#246;der zur Entwicklung des Konzepts den Rat der N&#252;rnberger Versicherung und der MaschmeyerR&#252;rup AG ein. Woran sich jahrelang in Berlin niemand st&#246;rte, setzt die Ministerin nun unter Rechtfertigungsdruck.<br />
Die Lohnvorschussausfallversicherung ist Teil ihres Konzepts zur Pflegezeit.<br />
Zwar versteht man leicht, dass hier Sicherheit f&#252;r die Unternehmen geschaffen werden soll. Warum das aber gleich zum Zuverdienst f&#252;r die Versicherungswirtschaft werden muss, ist nicht so einleuchtend. Au&#223;er nat&#252;rlich, man arbeitet f&#252;r eine Versicherung oder hat &#8211; wie Carsten Maschmeyer &#8211; den Finanzvertrieb AWD gegr&#252;ndet. Dem Maschmeyer konnte sein Duzfreund Gerhard Schr&#246;der damals im Jahr 2000 kein sch&#246;neres Geschenk machen als die Riester-Rente.<br />
Seit diesem Verkaufsschlager aber wartet die Branche auf den n&#228;chsten gro&#223;en Hit aus Berlin.<br />
Dabei w&#228;re das Potenzial unendlich, wenn man versuchen w&#252;rde, alle Unw&#228;gbarkeiten der stets heiklen Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu versilbern. Die Lasten von Krankheitstagen k&#246;nnten etwa durch eine Lohnfortzahlungsmehrbelastungsabsicherung ged&#228;mpft werden.<br />
Im Angebot w&#228;re dann auch der k&#252;ndigungsfristbedingte Doppelbesetzungsausgleich, wenn eine Personalabteilung mal wieder eine fristgerechte K&#252;ndigung verschl&#228;ft. Oder ein kapitalgedeckter Formtiefausgleichsfaktor, um endlich des Problems Herr zu werden, dass jeder mal einen schlechten Tag hat. Oder ein Gewerkschaftsbeitrittsablasshandel. Wie alle anderen Instrumente: selbstverst&#228;ndlich arbeitnehmerfinanziert.<br />
Sp&#228;testens nach diesem Ma&#223;nahmenkatalog l&#228;ge allerdings eine Assekuranz f&#252;r das politische F&#252;hrungspersonal nahe: die Lobbyismusverdachtabwehrversicherung. Die w&#252;rde das Gehalt fortzahlen, wenn ein Minister aus Lobbygr&#252;nden vor Ende der Legislaturperiode zur&#252;cktritt. Ganz unb&#252;rokratisch, versteht sich.<br />
Quelle: <a href="http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/0,2828,711596,00.html">manager-magazin</a></li>
</ol>
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		<title>Biederm&#228;nner und ein Brandstifter</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 06:50:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das kritische Tagebuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn ich die &#246;ffentliche „Debatte“ um den Brandstifter Sarrazin betrachte, dr&#228;ngt sich mir das gleichnamige Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch auf. Obwohl immer erkennbarer wird, dass Sarrazin ganz offen mit den gerade in Deutschland brandgef&#228;hrlichen Syndromen, n&#228;mlich der Rassenhygiene und einer negativen Eugenik z&#252;ndelt, reagieren die Biederm&#228;nner mit Gutgl&#228;ubigkeit, Feigheit oder &#252;berwiegend gar mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,714417,00.html">&#246;ffentliche „Debatte“</a> um den Brandstifter Sarrazin betrachte, dr&#228;ngt sich mir das gleichnamige Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch auf. Obwohl immer erkennbarer wird, dass Sarrazin ganz offen mit den gerade in Deutschland brandgef&#228;hrlichen Syndromen, n&#228;mlich der Rassenhygiene und einer negativen <a href="http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-gene-sind-schuld/">Eugenik</a> z&#252;ndelt, reagieren die Biederm&#228;nner mit Gutgl&#228;ubigkeit, Feigheit oder &#252;berwiegend gar mit aktiver Unterst&#252;tzung. Manche helfen Sarrazin &#8211; wie in Max Frischs Parabel &#8211; sogar noch dessen Z&#252;ndschnur zu vermessen. Wolfgang Lieb<br />
<span id="more-6608"></span><br />
Den einen gilt Sarrazin als „Klartext-Politiker“ (<a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/23/thilo-sarrazin/deutschland-immer-aermer-und-duemmer.html">Bild</a>) und sie unterst&#252;tzen dessen biologistisch begr&#252;ndete Abwertung von T&#252;rken und Arabern ganz offen. Geradezu als Beleg f&#252;r die Richtigkeit solcher rassistischen Thesen wird verk&#252;ndet, das fast 90 Prozent der Bild-Leser der Meinung sind: „Ja, Sarrazin legt die Finger in unsere Wunde! Er hat Recht!“. </p>
<p>„Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden”, sagte Sarrazin der <a href="http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article9265318/Kritik-an-Sarrazin-wegen-Aeusserungen-ueber-Juden.html">„Welt am Sonntag”</a> und entlarvt damit die <a href="http://www.zeit.de/2010/35/Sarrazin">kulturelle Verbr&#228;mung</a> seiner Diffamierung von Nichtdeutschen als plumpen Rassismus. Dass Gene <a href="http://hpd.de/node/10022">„kein Schicksal“ sind</a> oder dass Anh&#228;nger des islamischen Glaubens noch nicht einmal einer „Rasse“ zugeordnet werden k&#246;nnen, sei hier nur am Rande erw&#228;hnt.</p>
<p>Der ansonsten &#252;berall nur Antisemitismus witternde und sein <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-6649/boerne-preis-2007_aid_64226.html">„islamophober“</a> Bruder im Geiste, Henryk M. Broder, nennt die Kritik an Sarrazin in der Bild am Sonntag den ersten „Fall einer Hexenjagd in Deutschland seit Mitte des 17. Jahrhunderts“ und denunziert sie als „Hysterie“.</p>
<p>Das Lob der Rechtsextremisten ist Sarrazin ohnehin sicher. (Auf die zahlreichen Links verzichte ich.) Sie bedauern nur, dass wenn NPD, DVU oder die „Junge Freiheit“ das Gleiche wie Sarrazin sagen, nicht soviel Echo kommt. Im braunen Milieu wird daraus gleich eine Kampagne zur Abschaffung des Strafrechtsparagrafen gegen „Volksverhetzung“ und die Rechtsausleger der CDU sehen eine Chance die Denkblockaden aufgrund der <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/die-politische-rechte-steht-fuer-buergerlichkeit/1902294.html">Nazi-Vergangenheit aufzubrechen</a>. </p>
<p>In den „gepflegteren Milieus“ reagiert man „teetassenhaft“: „Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedr&#252;ckt h&#228;tte, h&#228;tte ich ihm in weiten Teilen zustimmen k&#246;nnen“, zitiert der das Buch herausgebende Verlag <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/intelligenz-ist-zu-50-bis-80-prozent-angeboren/1912078.html">Helmut Schmidt</a>. „Da wird wieder einmal in typischer Art und Weise auf den &#220;berbringer der schlechten Nachricht eingepr&#252;gelt“, sagte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel der rechtslastigen „Jungen Freiheit“. Zu Guttenberg wird in der BamS zitiert, Sarrazin habe die Grenze der Provokation &#252;berschritten und seine &#196;u&#223;erungen seien „unpassend“. Dass die Behauptungen zum gro&#223;en Teil wissenschaftlich unhaltbar, bestenfalls Halbwahrheiten und demagogisch zugespitzt sind, sagt er nicht.  </p>
<p>Wieder Andere, wie etwa der Prediger mit dem in <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/peter-hahne/">„freudiger Erregung eingerasteten Kasperlegesicht“</a>, Peter Hahne, wiegeln ab. Man brauche „Tabubrecher zum Wachr&#252;tteln“ (<a href="http://www.bild.de/BILD/news/standards/bams-hahne/2010/08/29/gedanken-am-sonntag.html">BamS</a>). Ja sogar die Rolle des furchtlosen Aufkl&#228;rers wird ihm von manchen zuerkannt. Sarrazin hat es geschafft, selbst die Kanzlerin zu einer Erkl&#228;rung zu zwingen: Seine Thesen k&#246;nnten „f&#252;r viele Menschen in diesem Land verletzend“ sein.</p>
<p>Aber in der Sache wird nur ganz selten widersprochen und dass er Zahlen (wie etwa die Ablehnung des Staates durch T&#252;rken und Araber) aus der Luft greift oder nur solche Statistiken nutzt, die in sein Feindbild passen, wird kaum irgendwo erw&#228;hnt – klare Gegenpositionierungen muss man mit der Lupe suchen.</p>
<p>In den meisten der zahllosen Interviews bet&#228;tigen sich die Interviewer als <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1259519/">Stichwortgeber</a>, damit Sarrazin in endlosen Wiederholungen seine kruden Thesen vom Aussterben der Deutschen, von „F&#228;ulnisprozessen“, von der genetisch bestimmten „kulturellen“ Grunddisposition der islamischen Einwanderer zu Gewalt, Terrorismus, Bildungs- und Sprachresistenz und von der <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/27/thilo-sarrazin/es-waechst-eine-arbeitslose-unterklasse-heran.html">„weitgehend funktions- und arbeitslosen Unterklasse“</a> verbreiten kann. Die meisten Interviewer sind unf&#228;hig zur Gegenwehr in der Sache.</p>
<p>Niemand fragt ihn danach, was ihn von den Untergangspredigern des deutschen Volkes und den Rassenfanatikern w&#228;hrend Deutschlands schrecklichster Epoche unterscheidet. Der neunmalkluge Frank Schirrmacher verschiebt in der FAZ deshalb lieber auf die „Intelligenzdebatten, die vor fast genau hundert Jahren in den Vereinigten Staaten stattfand“ und tut damit den Vorwurf des Rassismus ab. </p>
<p>Man kann und muss die Probleme bei der Integration der &#252;berwiegend ins Land geholten <a href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/interview-der-woche/-/id=6633966/property=download/nid=659202/1eksan4/swr2-interview-der-woche-20100828.pdf">Ausl&#228;nder benennen [PDF -148 KB]</a>. Die meisten Muslime, die angeworben wurden, sind nicht arm, weil sie dumm sind, sondern weil sie ihre Arbeitspl&#228;tze verloren haben und weil ihre <a href="http://idw-online.de/pages/de/news383310">Kinder als Arme schlechte Bildungschancen haben</a>. Man m&#252;sste also zumindest auch danach fragen, was die 94 Prozent der Deutschen gegen&#252;ber den 6 Prozent der Migranten mit t&#252;rkischer Abstammung <a href="http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E8844167DB87E45D68639E4C19F5358E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">getan haben</a>, um die von Sarrazin selektiv zitierten Statistiken und Teilwirklichkeiten zu &#228;ndern. Nicht seine Kritiker verweigern eine Diskussion &#252;ber die Realit&#228;ten, sondern er selbst und seine offenen oder latenten Unterst&#252;tzer verweigern eine Analyse einer lange geleugneten Einwanderung und einer fehlenden Integrationspolitik.</p>
<p>So erm&#246;glicht man es Sarrazin &#8211; wie in Max Frischs Parabel – in „die beste und sicherste Tarnung“ zu schl&#252;pfen, n&#228;mlich als den Verk&#252;nder der „blanken und nackten Wahrheit“. Und die Biederm&#228;nner scheinen wie in Frischs Nachspiel auch nach der historischen Katastrophe nichts dazu gelernt zu haben. </p>
<p>Wie unterschiedlich ist doch die „Diskussionskultur“, wenn es in Deutschland gegen solche geht, die die sozialen Missst&#228;nde, die Ursachen von Armut oder die Bildungsmisere anprangern.<br />
Man vergleiche zum Beispiel nur einmal die Tonlage, die Abwertung oder die Polemik in der &#246;ffentlichen Auseinandersetzung mit der Linkspartei oder speziell mit Oskar Lafontaine. Da werden alle Register gezogen, um jemand nieder zu schreiben. Im Gegensatz dazu wirft Sarrazin keiner &#8211; wie das <a href="?p=3496">bei Lafontaine die Regel ist</a> – „Besserwisserei“, „Scharfmacherei“, <a href="?p=5660#h15">„r&#252;cksichtslosen Sozialdemagogie“</a>, „ideologische Verblendung“, „rechthaberischen Populismus“, „Ahnungslosigkeit“ oder (in seiner Rolle als Finanzsenator) Mitverantwortung f&#252;r Zust&#228;nde vor, f&#252;r die er jetzt pauschal einer Minderheit die Schuld zuschiebt. Niemand fragt ihn danach, warum er sich in Berlin „aus der Verantwortung geschlichen“ und bei der Bundesbank seine Sch&#228;fchen ins Trockene gebracht hat. </p>
<p>W&#228;hrend bei der Linkspartei, selbst wenn ihre (westlichen) Repr&#228;sentanten sich seit der Gr&#252;ndung der Bundesrepublik sich als gestandene Demokraten erwiesen haben, st&#228;ndig der Verdacht der N&#228;he zur SED-Diktatur ge&#228;u&#223;ert wird, werden bei Sarrazin die Argumentationsmuster, die eine enge Geistesverwandtschaft zur <a href="?p=6584#h19">Nazi-Ideologie geradezu aufdr&#228;ngen</a>, geleugnet oder verharmlost.</p>
<p>Als Oskar Lafontaine einmal das Wort <a href="?p=625">„Fremdarbeiter“</a> im Zusammenhang von Lohndumping durch ausl&#228;ndische Arbeitnehmer benutzte, da wurde versucht, ihn in die rechtsradikale Ecke zu stellen. Wenn Sarrazin halbe Wahrheiten und damit ganze L&#252;gen &#252;ber die &#220;berfremdung Deutschlands durch integrationsunwillige Einwanderer aus islamisch gepr&#228;gten L&#228;ndern verk&#252;ndet und das Ende der deutschen Kultur an die Wand malt, dann gilt das als „Klartext“ oder schlimmstenfalls als „Provokation“ oder „Tabubruch“. Der Feind steht eben im heutigen Deutschland eben immer links.</p>
<p>Dass in Deutschland selbst das lesende B&#252;rgertum Sarrazin begeistert hinterher rennt und schon vor der offiziellen Vorstellung die dritte Auflage seiner Kampfschrift in Druck ist und 70.000 Exemplare an die <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/29/thilo-sarrazin-schlacht/die-sarrazin-schlacht.html">Buchhandlungen ausgeliefert sind</a>, m&#252;sste ein Alarmsignal sein. Aber Deutschlands Biederm&#228;nner spielen wieder einmal die Arglosen, die dem Brandstifter die Z&#252;ndh&#246;lzer reichen. </p>
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		<title>Hinweise des Tages (2)</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 15:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter anderem zu folgenden Themen: Atomdebatte; Peak Oil-Studie der Bundeswehr; Kosten des Daimler-Wunders; Nahrung und Spekulanten; Mittelschicht schrumpft; Verteilung des Wohlstands; zw&#246;lf Millionen von Armut bedroht; Arbeitslosenstudie; Ausschlachter; Arbeitnehmerdatenschutz; Regierung f&#252;r sch&#246;neres Strafen; Haiders Erbschaft; angeborene Intelligenz; Roma als S&#252;ndenb&#246;cke; Videos NachDenkSeiten; H&#252;ther darf immer; Internet-Angebot muss schrumpfen; US-Hochschulen; DLF und Bertelsmann; Gaddafi; Aufstand in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter anderem zu folgenden Themen: Atomdebatte; Peak Oil-Studie der Bundeswehr; Kosten des Daimler-Wunders; Nahrung und Spekulanten; Mittelschicht schrumpft; Verteilung des Wohlstands; zw&#246;lf Millionen von Armut bedroht; Arbeitslosenstudie; Ausschlachter; Arbeitnehmerdatenschutz; Regierung f&#252;r sch&#246;neres Strafen; Haiders Erbschaft; angeborene Intelligenz; Roma als S&#252;ndenb&#246;cke; Videos NachDenkSeiten; H&#252;ther darf immer; Internet-Angebot muss schrumpfen; US-Hochschulen; DLF und Bertelsmann; Gaddafi; Aufstand in Kalifornien; bis zu 50.000 S-21-Gegner erwartet. (WL)<br />
<span id="more-6602"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Atomdebatte</a></li>
<li><a href="#h02">Peak Oil-Studie der Bundeswehr und ihre Bedeutung f&#252;r Kommunen</a></li>
<li><a href="#h03">Die Kosten des Daimler-Wunders</a></li>
<li><a href="#h04">Flammen, Fluten, D&#252;rren und Spekulanten</a></li>
<li><a href="#h05">Ulrike Herrmann: Mittelschicht geschrumpft</a></li>
<li><a href="#h06">Wie der Wohlstand verteilt ist, bleibt ein Geheimnis</a></li>
<li><a href="#h07">Zw&#246;lf Millionen von Armut bedroht</a></li>
<li><a href="#h08">Studie zu Arbeitslosen: Nur wenige Hartz-IV-Empf&#228;nger faulenzen</a></li>
<li><a href="#h09">Die Ausschlachter</a></li>
<li><a href="#h10">Arbeitnehmerdatenschutz: R&#252;ckfall statt Fortschritt</a></li>
<li><a href="#h11">Ein fauler Kompromiss</a></li>
<li><a href="#h12">Haiders Fatale Erbschaft</a></li>
<li><a href="#h13">&#8220;Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren&#8221;</a></li>
<li><a href="#h14">Vertreibung der Roma: Wohlfeile S&#252;ndenb&#246;cke</a></li>
<li><a href="#h15">Video und Tonaufzeichnungen von Albrecht M&#252;ller und Wolfgang Lieb auf YouTube</a></li>
<li><a href="#h16">Darf IW-Direktor Michael H&#252;ther im ZDF f&#252;r die Rente mit 67 werben?</a></li>
<li><a href="#h17">Neue Regeln f&#252;rs Internetangebot von ARD und ZDF : Das gro&#223;e Schrumpfen</a></li>
<li><a href="#h18">US-Hochschulen: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten</a></li>
<li><a href="#h19">DLF und Bertelsmann</a></li>
<li><a href="#h20">Falsche Antwort am Golf von Aden</a></li>
<li><a href="#h21">Ines Z&#246;ttl &#8211; K&#252;ss die Hand, Herr Oberst</a></li>
<li><a href="#h22">Aufstand im Reich des Terminators</a></li>
<li><a href="#h23">Bis zu 50.000 S-21-Gegner erwartet</a></li>
</ol>
<p><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6602&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Atomdebatte</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Regierungsgutachter steht Stromkonzernen nahe</strong><br />
In wenigen Tagen will die Regierung ihr Energiekonzept vorlegen und &#252;ber l&#228;ngere Atomlaufzeiten entscheiden. Doch ein von Schwarz-Gelb bestellter Gutachter ger&#228;t in die Kritik. Konkret geht es um Professor Marc Oliver Bettz&#252;ge, den Leiter des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universit&#228;t zu K&#246;ln (EWI). Das EWI hat &#8211; zusammen mit dem Schweizer Prognos-Institut und der Gesellschaft f&#252;r Wirtschaftliche Strukturforschung (gws) &#8211; von der Regierung den Auftrag erhalten, die Zukunft der deutschen Energieversorgung zu untersuchen. Das Gutachten ist das zentrale Papier, auf dessen Basis die Bundesregierung ihr lange angek&#252;ndigtes Energiekonzept entwickeln m&#246;chte. Die Analyse wurde vom Wirtschafts- und vom Umweltministerium in Auftrag gegeben und soll demn&#228;chst ver&#246;ffentlicht werden. Sie soll unter anderem die Vor- und Nachteile l&#228;ngerer Atomlaufzeiten beleuchten &#8211; und so der Regierung eine Entscheidungsgrundlage bieten. Das hei&#223;t: Es geht nicht um irgendein Gutachten, sondern um die Zukunft der deutschen Energiewirtschaft.<br />
Bettz&#252;ge ist neben seiner Leitungsfunktion am EWI auch Inhaber einer Stiftungsprofessur an der Uni K&#246;ln. Laut EWI ist Professor Bettz&#252;ge &#8220;ordentlicher Landesbeamter&#8221;, sein Gehalt beziehe er von der Universit&#228;t K&#246;ln. Allerdings holt diese sich das Geld &#252;ber Drittmittel herein. Eine Sprecherin der Uni K&#246;ln best&#228;tigte, dass die Stiftungsprofessur &#8220;nicht aus dem Haushalt der Universit&#228;t, sondern von der deutschen Energiewirtschaft&#8221; finanziert werde. Wer die einzelnen Finanziers von Bettz&#252;ges Stiftungsprofessur sind, listet der Stifterverband detailliert auf. Darunter finden sich: die E.on AG, die RWE AG, der Kohlekonzern RAG, sowie Vattenfall Europe Mining &#038; Generation, eine Tochter des vierten gro&#223;en Energiekonzerns in Deutschland.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,714013,00.html">Spiegel Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Jetzt kommen nat&#252;rlich all diese sch&#246;nen Argumente, dass die Konzerne keinen direkten Einfluss auf das EWI genommen haben. Das mag sogar stimmen. Die Crux ist allerdings, dass genauso wie bei Regelungen zu  Finanzmarktordnung die beratenden Kanzleien eben auch hier EWI oder Prognos gleichzeitig f&#252;r die Privatwirtschaft t&#228;tig sind. Und es ist reichlich naiv anzunehmen, dass man sich diese Kundschaft nicht gewogen halten will. Hinzukommt, dass die Gutachter nur allzu gut wissen, dass Schwarz/ Gelb die Laufzeiten der Atomkraftwerke verl&#228;ngern m&#246;chte. Also wie kann man sich Politik und Wirtschaft gewogen halten?<br />
Der Staat vef&#252;gt in dieser Frage durchaus &#252;ber eigene Kompetenzen, wie z.B. das Umweltbundesamt. Selbst der R&#252;ckgriff auf Institute wie z.B. das DIW b&#246;ten die Gew&#228;hr einer gr&#246;&#223;eren Unabh&#228;ngigkeit.</em></li>
<li><strong>Die wichtigsten Fakten zur Atomindustrie</strong>
<p><img width="470" src="http://www.spiegel.de/images/image-101803-galleryV9-ebil.jpg" alt="Grafik, Quelle: SPIEGEL Online, Die wichtigsten Fakten zur Atomindustrie" title="Die wichtigsten Fakten zur Atomindustrie" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-56250-2.html">Spiegel Online</a></li>
<li><strong>Demokratischer Rechtsstaat oder Atomstaat</strong><br />
Im Konflikt um die Laufzeitverl&#228;ngerung geht es nicht allein um die Energiefrage.<br />
Eine Aufruf.<br />
Quelle: <a href="http://www.solidarische-moderne.de/de/topic/50.aufruf.html">Institut Solidarische Moderne</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h02"></a><strong>Peak Oil-Studie der Bundeswehr und ihre Bedeutung f&#252;r Kommunen</strong><br />
Das Papier und die darin gemachten Aussagen haben zwar einen milit&#228;rischen Blickwinkel als Schwerpunkt, sind aufgrund der langfristigen und strategischen Sichtweise f&#252;r nichtmilit&#228;rische Institutionen und Akteure besonders interessant. Auf Seite 7 der Peak-Oil-Studie finden sich die S&#228;tze &#8220;95% aller industriell gefertigten Produkte h&#228;ngen heute von der Verf&#252;gbarkeit von Erd&#246;l ab&#8221; sowie &#8220;Eine starke Verteuerung des Erd&#246;ls stellt ein systemisches Risiko dar&#8221;. Dieses &#8220;systemische Risiko&#8221; wird begr&#252;ndet durch die &#8220;vielseitige Verwendbarkeit [von Erd&#246;l] als Energietr&#228;ger und als chemischer Grundstoff&#8221;. Nach Ansicht der Autoren &#8220;wird so gut wie jedes gesellschaftliche Subsystem von einer Knappheit betroffen sein&#8221;. Die Studie betont die Komplexit&#228;t von Peak Oil, die sich insbesondere auf den Verkehrssektor auswirkt: &#8220;Die starke Verteuerung und teilweise massive Einschr&#228;nkung des motorisierten Individualverkehrs hat unmittelbare Wirkung auf die Funktionsmechanismen und Lebensgewohnheiten moderner industrialisierter Gesellschaften. Wenngleich kurzfristige Engp&#228;sse &#252;ber regulatorische oder freiwillige Ma&#223;nahmen gemildert werden k&#246;nnten („Mobilit&#228;tsgutscheine“, „autofreier Sonntag“ etc.), begrenzen insbesondere die Siedlungsstrukturen in den entwickelten L&#228;ndern (Leben in der Vorstadt, Arbeiten in der Innenstadt; suburbane Strukturen) eine beschleunigte Transformation im Individualverkehr. Alle damit zusammenh&#228;ngenden Wirtschaftssektoren w&#252;rden im Falle starker Einschr&#228;nkungen in einen Abschwung geraten – von der Automobilindustrie &#252;ber das Baugewerbe bis hin zum Tourismus. Die „Mobilit&#228;tskrise“ w&#252;rde zu einer neuen Auspr&#228;gung der Wirtschaftskrise.&#8221; F&#252;r die Mobilit&#228;ts-Infrastruktur auf lokaler und regionaler Ebene sind insbesondere die Kommunen zust&#228;ndig. Vorbeugendes Handeln w&#252;rde bedeuten, Peak Oil bereits heute bei stadtplanerischen Vorg&#228;ngen zu ber&#252;cksichtigen und Siedlungsstrukturen so auszurichten, da&#223; sie m&#246;glichst ohne &#246;lgetriebene Fahrzeuge zurechtkommen. Dieser Blickwinkel mag angesichts der Stadtplanungen der &#8220;autogerechten Stadt&#8221; der 1960er und 1970er Jahre befremdlich wirken, allerdings ist nicht zu erwarten, dass die PKW-Dichte von heute in der noch verf&#252;gbaren Zeit auf Elektromobilit&#228;t umgestellt werden kann4. Das wissen auch die Autoren der Studie, die darauf verweisen, da&#223; die Umstellung auf Elektrizit&#228;t als Nutzenergie ebenfalls mit enormem Rohstoffeinsatz verbunden ist und diese Rohstoffe (beispielsweise Lithium als Batteriegrundlage) ebenfalls von Peaks bedroht sind. Kommunen sollten ihre verkehrsplanerischen Schwerpunkte angesichts von Peak Oil deshalb auf Fu&#223;l&#228;ufigkeit und energiearme Verkehrsmittel setzen.<br />
Noch ernstere Auswirkungen kann laut der Bundeswehr-Studie die Verteuerung des G&#252;terverkehrs haben: &#8220;Die internationale Arbeitsteilung in ihrer heutigen Auspr&#228;gung globaler Prozess- und G&#252;terketten von Waren aller Art wurde ma&#223;geblich durch technische Fortschritte im Frachtverkehr (Containerschiffe, Lastkraftwagen, K&#252;hlsysteme) erm&#246;glicht, der im Kern auf fossilen Treibstoffen basiert. Im Unterschied zum Individualverkehr ist eine Elektrifizierung des G&#252;terverkehrs mit den heute &#252;blichen Verkehrsmitteln und in ausreichendem Umfang technisch noch nicht m&#246;glich. Daher bleibt insbesondere auf regionaler und lokaler Ebene fossile Mobilit&#228;t eine Grundvoraussetzung von Wirtschaftskreisl&#228;ufen. Eine Einschr&#228;nkung dieser Mobilit&#228;t hat unmittelbare Auswirkungen auf den Handel und das Preisgef&#252;ge.&#8221; Diese Aussage hinterfragt indirekt die Exportorientierung der deutschen Wirtschaft. Peak Oil ist deshalb eine besondere Bedrohung f&#252;r Kommunen und Regionen, die sich stark vom Export abh&#228;ngig gemacht haben.<br />
Quelle: <a href="http://peak-oil.com/peak-oil-studie-bundeswehr.php#">Peak-Oil.com</a><br />
Quelle: <a href="http://peak-oil.com/download/Peak%20Oil.%20Sicherheitspolitische%20Implikationen%20knapper%20Ressourcen%2011082010.pdf">Teilstudie [PDF - 1.9 MB]</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Der entscheidende Satz betrifft die Vorbereitung auf die drastische Verknappungen der Ressourcenbasis der deutschen Volkswirtschaft: &#8220;Der mit diesen verbundene Paradigmenwechsel – weniger Effizienz, mehr Robustheit – widerspricht &#246;konomischer Logik und kann deswegen nur in begrenztem Umfang Marktkr&#228;ften &#252;berlassen werden.&#8221;</em></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Die Kosten des Daimler-Wunders</strong><br />
«Aus der Krise direkt in den H&#246;henrausch», lautet die Diagnose der «S&#252;ddeutschen Zeitung» f&#252;r die deutsche Autoindustrie und besonders f&#252;r die grossen Hersteller Audi, BMW und Daimler. Von Fabrikschliessungen ist keine Rede mehr, sondern von &#220;berstunden und Sonderschichten. Kapazit&#228;ts- und Arbeitsplatzabbau fanden und finden aber trotzdem statt. Gr&#246;sstenteils allerdings nicht in Deutschland, sondern beispielsweise in den USA und Kanada. Gleichzeitig werden in China, Indien und Osteuropa gewaltige Produktionsst&#228;tten aufgebaut. «Die beste Zeit des Autos kommt noch», sagt Dieter Zetsche. Was da im Hirn eines Konzernchefs zu Endorphin&#252;berflutung f&#252;hrt, ist ein Horrorszenario f&#252;r das Weltklima, denn die meisten dieser Autos fahren weiterhin mit Verbrennungsmotoren.<br />
Doch der Preis, den die Belegschaften bezahlen, ist hoch. Sie zahlen ihn nicht nur mit sinkenden Realeinkommen, auch deutliche Verschlechterungen am Arbeitsplatz sind die Folge. Betriebsr&#228;te und Gewerkschaften haben viele rechtliche Instrumente aus der Hand gegeben, die den Einfluss der UnternehmerInnen auf die Arbeitszeiten beschr&#228;nken. Die «atmende Fabrik» setzt sich durch. Bisher durfte der Konzern in allen Werken zusammen nicht mehr als 2500 LeiharbeiterInnen beziehungsweise vier Prozent je Werk besch&#228;ftigen. Jetzt l&#228;sst der Gesamtbetriebsrat auch acht Prozent zu, die Obergrenze ist gestrichen. Exzessiv Gebrauch von dieser M&#246;glichkeit machen auch Firmen, die auf dem Werksgel&#228;nde im Auftrag von Daimler t&#228;tig sind, vom Reinigungsunternehmen bis zu Logistikdiensleistern. Diese LeiharbeiterInnen k&#246;nnen nicht einmal die rund sieben Euro Zuschlag auf ihren Hungerlohn beanspruchen, der mit den direkt bei Daimler besch&#228;ftigten Leiharbeitskr&#228;ften vereinbart ist. So sind sie meistens auf zus&#228;tzliche Staatshilfe durch Hartz IV angewiesen, dem 2005 eingef&#252;hrten Arbeitslosengeld auf Sozialhilfeniveau. Jetzt, im H&#246;henrausch des Aufschwungs, werden in den letzten Jahren gestrichene Arbeitspl&#228;tze nur mit ungesch&#252;tzt Besch&#228;ftigten besetzt, die schnell und kosteng&#252;nstig wieder in die Arbeitslosigkeit entsorgt werden k&#246;nnen. Berthold Huber, Vorsitzender der IG Metall, sagt, man habe das wichtigste Ziel, «keine Entlassungen», im gemeinsamen Krisenmanagement mit Regierung und Unternehmern erreicht. Das mag f&#252;r einen Grossteil der Stammbelegschaften gelten, die wachsende Anzahl der LeiharbeiterInnen ignoriert jedoch die Gewerkschaft; sie ist jetzt schon wieder so gross wie 2008.<br />
Quelle: <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr34/wirtschaft/19665.html">Die Wochenzeitung</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Traurig genug, dass es den Gewerkschaften nicht gelingt, Mechanismen zu installieren, um auch an kurzfristigen Aufschw&#252;ngen zu partizipieren. Weitaus schlimmer ist, dass sie den gesamtwirtschaftlichen Aspekt der Leiharbeit ignorieren, deren Ausweitung sie selbst ja wieder unter Druck setzt. Da ist dann auch nicht zu erwarten, dass das mittelfristige  Ende des Erd&#246;lzeitalters und das Ende von Verbrennungsmotoren antizipiert wird. (Siehe Peak Oil-Studie der Bundeswehr)</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Flammen, Fluten, D&#252;rren und Spekulanten</strong><br />
Der Weizenpreis an der Chicagoer B&#246;rse ist zuletzt so stark gestiegen wie in den letzten 60 Jahren nicht mehr. Allein seit Ende Juni um 52 Prozent. Mais wurde um 16 Prozent teurer. Auch andere Rohstoffe wie Milch, Kaffee, Rohzucker und Kakao sind teurer geworden. Die Zocker trieben die ohnehin hohen Preise f&#252;r Lebensmittel zus&#228;tzlich nach oben. Schon vor der Krise 2005 und 2006 waren Spekulationen f&#252;r den seinerzeit ebenfalls dramatischen Anstieg der Preise f&#252;r Agrarrohstoffe verantwortlich. Rasche Preisanstiege verursachen in weiten Teilen der armen Regionen Hungersn&#246;te und politische Unruhen.<br />
Knappe Rohstoffe gepaart mit Naturkatastrophen rufen Zocker auf den Plan.<br />
So wuchs das im Rohstoffbereich angelegte Verm&#246;gen nach Angaben der Bank Barclays Capital allein im Juli 2010 um 8 Mrd. auf 300 Mrd. US-$.<br />
Spekulationen sind an sich schlimm genug, aber mit den Lebensmitteln ethisch und moralisch unertr&#228;glich. Schon heute leiden eine Milliarde Menschen weltweit Hunger!<br />
Die Politik ist gefordert, die Spekulationen mit Rohstoff- und Lebensmittel-Termingesch&#228;ften endlich zu verbieten.<br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100827_Flammen_Fluten.pdf">DGB Klartext [PDF - 90 KB]</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Ulrike Herrmann: Mittelschicht geschrumpft</strong><br />
Aktuelle Zahlen des Deutschen Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung zeigen: 2008 geh&#246;rten etwa 4,6 Millionen Menschen weniger zur Mitte als noch vor zehn Jahren.<br />
W&#228;hrend der Finanzkrise ist die Mittelschicht weiter geschrumpft: Ihr geh&#246;rten 2008 nur noch 58,7 Prozent der Bev&#246;lkerung an. Zehn Jahre zuvor waren es noch 64,3 Prozent. Dies zeigen neueste Zahlen des Deutschen Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung (DIW), das regelm&#228;&#223;ig 12.000 Haushalte befragt.<br />
Zur Mittelschicht z&#228;hlt das Institut, wer &#252;ber 70 bis 150 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verf&#252;gt. 2008 waren dies f&#252;r Singles 1.070 bis 2.350 Euro netto im Monat, bei einem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern 2.250 bis 4.935 Euro.<br />
Viele der einstigen Mittelschichtler sind abgestiegen, denn die Zahl der einkommensschwachen Haushalte steigt deutlich. 2008 geh&#246;rten schon 22,5 Prozent aller Haushalte dazu. Zehn Jahre zuvor waren es erst 17,7 Prozent.<br />
Der Grund: Die Reall&#246;hne sind weiter gesunken. Wie das DIW berechnet hat, verdienten vollzeitbesch&#228;ftigte Arbeitnehmer zwar 2009 im Durchschnitt 2.922 Euro monatlich &#8211; und damit 118 Euro mehr als 2006. Doch diese nominale Gehaltsteigerung von vier Prozent hat die Inflation von etwa sechs Prozent nicht ausgeglichen.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2010/08/26/a0071">taz</a></p>
<p><em>Dazu auch:</em></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Wie der Wohlstand verteilt ist, bleibt ein Geheimnis</strong><br />
So geh&#246;rt es zu den deutschen Statistikwundern, dass zwar erfasst ist, dass es 2007 exakt 69 Theaterorchester gab &#8211; doch sehr unklar ist, &#252;ber wie viel Verm&#246;gen und Einkommen die reichen Bundesb&#252;rger verf&#252;gen.<br />
Diese statistischen L&#252;cken sind kein Zufall. Die deutschen Eliten wissen genau, dass eine Verteilungsdiskussion nur aufkommen kann, wenn bekannt ist, wie der Wohlstand verteilt ist. Also bleibt dies ein Geheimnis.<br />
In Deutschland gibt es einen Armuts- und Reichtumsbericht, der 226 eng beschriebene Seiten umfasst. Doch nur zehn Seiten davon widmen sich den Reichen, der Rest besch&#228;ftigt sich mit den Armen. Die Unterschichten sind statistisch bestens erfasst, w&#228;hrend man &#252;ber die Verm&#246;genseliten kaum etwas wei&#223;. Das ist politisch gewollt.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/ein-land-guckt-weg/">taz</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Zw&#246;lf Millionen von Armut bedroht</strong><br />
W&#252;rde der Staat nicht mit Sozialleistungen eingreifen, w&#228;re fast jeder vierte in Deutschland &#8220;armutsgef&#228;hrdet&#8221;.<br />
Rund zw&#246;lf Millionen Menschen in Deutschland (knapp 15 Prozent) waren 2009 von Armut bedroht, beinahe jeder siebte Bundesb&#252;rger. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes f&#252;r Statistik, die heute ver&#246;ffentlicht werden. W&#252;rde der Staat nicht mit Sozialleistungen eingreifen, w&#228;re fast jeder vierte &#8220;armutsgef&#228;hrdet&#8221; &#8230;<br />
 Freilich arbeiten die Statistiker mit einer rechnerisch exakten Defintion der Armutsgef&#228;hrdung: die Europ&#228;ische Union definiert Menschen als armutsgef&#228;hrdet, &#8220;die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Bev&#246;lkerung auskommen m&#252;ssen&#8221;. In genauen Zahlen hei&#223;t das f&#252;r Deutschland im Jahr 2009 im Bundesdurchschnitt: weniger als 801 Euro f&#252;r einen Ein-Personen-Haushalt und weniger als 1 683 Euro f&#252;r einen Vier-Personen-Haushalt mit Kindern unter 14 Jahren.<br />
Doch sind die Durchschnittswerte des mittleren Einkommens f&#252;r einzelne Regionen in Deutschland sehr unterschiedlich. In Mecklenburg-Vorpommern wird der Schwellenwert f&#252;r Armut bei einer vierk&#246;pfigen Familie mit 1 422 Euro angegeben und in Baden-W&#252;rttemberg mit 1 830. Die regionalen Unterschiede spiegeln sich auch in der Zahl der Armutsgef&#228;hrdeten. So ist in Mecklenburg-Vorpommern beinahe jeder F&#252;nfte von Armut bedroht (23 Prozent), in Baden-W&#252;rttemberg nur ungef&#228;hr jeder neunte (11 Prozent). Das gilt auch f&#252;r das andere reiche Bundesland im S&#252;den, Bayern.<br />
Insgesamt best&#228;tigen die neuen Zahlen des Bundesamtes f&#252;r Statistik den altbekannten, deutlichen Ost-West-Unterschied: &#8220;Hatten in den neuen L&#228;ndern (einschlie&#223;lich Berlin) knapp 20% der Bev&#246;lkerung ein erh&#246;htes Armutsrisiko, waren im fr&#252;heren Bundesgebiet (ohne Berlin) 13% der Menschen armutsgef&#228;hrdet.&#8221;<br />
Quelle 1: <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/148276">Telepolis</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/08/PD10__300__221,templateId=renderPrint.psml">Statistisches Bundesamt</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Studie zu Arbeitslosen: Nur wenige Hartz-IV-Empf&#228;nger faulenzen</strong><br />
Als motiviert und arbeitswillig sch&#228;tzen sich die meisten Hartz-IV-Empf&#228;nger ein. Eine Studie zeigt: Die Arbeitslosen k&#252;mmern sich um ihre Kinder, pflegen Angeh&#246;rige oder bilden sich fort. Wer auf Jobsuche ist, hat allerdings wenig Chancen. Auch eine h&#228;rtere Gangart w&#252;rde daran nichts &#228;ndern. Die Aufstocker sind die gr&#246;&#223;te Gruppe unter den Hartz-IV-Empf&#228;ngern: Der Studie zufolge hat fast ein Drittel, 29,3 Prozent, der Befragten einen Job und erh&#228;lt erg&#228;nzende Unterst&#252;tzung. &#196;hnlich viele, n&#228;mlich 28,8 Prozent k&#252;mmern sich um Kinder, die j&#252;nger sind als sieben Jahre. Das sind vor allem Frauen.<br />
Zugleich gebe es aber auch rund 350.000 Menschen, die sich der Verpflichtung entziehen einen Job zu suchen. Denn sie m&#252;ssen sich weder um Kinder oder um die Pflege von Verwandten k&#252;mmern noch bildeten sich selbst weiter. &#8220;Diese Gruppe besteht zu gro&#223;en Teilen aus &#228;lteren Hilfebed&#252;rftigen und beschreibt sich als gesundheitlich stark eingeschr&#228;nkt&#8221;, hei&#223;t es dazu in der Zusammenfassung der Studie. Die Analyse deute darauf hin, dass es &#8220;sich dabei mehrheitlich um Entmutigte handelt und um Personen, bei denen die Arbeitsf&#228;higkeit hergestellt oder gekl&#228;rt werden muss.&#8221;<br />
Quelle 1: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713921,00.html">Spiegel Online</a><br />
Quelle 2: <a href="http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb1510.pdf">IAB-Studie [PDF - 436 KB]</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung unseres Lesers G.K.:</strong> Die h&#228;ufig von den Empf&#228;ngern von Hartz IV-Leistungen erzwungenen Zugest&#228;ndnisse bzgl. Lohn und Arbeitsbedingungen sind politisch gewollt und zeigen den Zynismus, mit welchem h&#228;ufig die Niedriglohnpolitik der vergangenen Jahre gerechtfertigt wird. So z.B. Heike Helfer, Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums: “Die Lohnfindung in Deutschland ist nicht Sache der Politik, sondern der Sozialpartner.”  Die &#8220;Agenda 2010&#8243;-Politik hat die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und Gewerkschaften systematisch untergraben.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Die Ausschlachter</strong><br />
Wie man Unternehmen filetiert, den B&#246;rsenwert k&#252;nstlich hochtreibt und mit Gewinn aussteigt. Arques versteht sich darauf, die Rentabilit&#228;t von Unternehmen zu erh&#246;hen. F&#252;r 700 Druckereimitarbeiter aber bedeutet das Gesch&#228;ftsprofil dieses Investors das Ende ihres Berufslebens.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&#038;dig=2010%2F08%2F25%2Fa0054&#038;cHash=7ca4871d31">taz</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Arbeitnehmerdatenschutz: R&#252;ckfall statt Fortschritt</strong><br />
»Trotz dieser Verbesserungen ist der Gesetzentwurf insgesamt eher eine Verschlechterung f&#252;r den Arbeitnehmerdatenschutz«, erkl&#228;rte Wolfgang D&#228;ubler, Professor f&#252;r Arbeitsrecht an der Uni Bremen, auf jW-Nachfrage. Der im Koalitionsvertrag formulierte Anspruch, den Datenschutz f&#252;r Besch&#228;ftigte zu verbessern, werde damit nicht eingel&#246;st. So sei zum Beispiel die Frage nach einer Schwangerschaft bei Einstellungsgespr&#228;chen nicht ausgeschlossen – ein R&#252;ckfall hinter die Rechtsprechung des Europ&#228;ischen Gerichtshofs. Auch die M&#246;glichkeiten zur Telefon&#252;berwachung beispielsweise in Call-Centern, die jederzeit als »Stichproben« oder »anla&#223;bezogen« eingesetzt werden kann, bleibe hinter Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts zur&#252;ck, kritisierte der Wissenschaftler.<br />
Ein automatischer Abgleich von Besch&#228;ftigtendaten, eine Art »Rasterfahndung« im Betrieb, w&#228;re dem Entwurf zufolge ebenfalls legal. Die systematische Durchsuchung von E-Mails, telefonischer Verbindungsdaten und anderem mu&#223; zwar in anonymisierter bzw. pseudonymisierter Form geschehen; ergibt sich daraus aber ein konkreter Verdacht, d&#252;rfen die Ergebnisse einzelnen Personen zugeordnet werden. »Damit w&#228;re ein Vorgehen wie bei der Bahn – wo 173000 Datens&#228;tze von Mitarbeitern miteinander abgeglichen wurden – m&#246;glich, wenn sie zun&#228;chst verschl&#252;sselt werden«, erl&#228;uterte D&#228;ubler.<br />
Der Arbeitsrechtler kritisiert, da&#223; viele der geplanten Regelungen Schlupfl&#246;cher enthalten, die einen Eingriff in Pers&#246;nlichkeitsrechte erm&#246;glichen w&#252;rden.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-26/010.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Ein fauler Kompromiss</strong><br />
&#8220;Psychisch gest&#246;rte Gewaltt&#228;ter&#8221; sollen nicht aus der Sicherungsverwahrung entlassen werden, obwohl sie nach einem Urteil aus Stra&#223;burg einen Anspruch darauf haben. Stattdessen will man sie in einem neuartigen Therapieknast unterbringen. Darauf haben sich Innenminister de Maizière und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger jetzt geeinigt.Damit werden in viele Richtungen falsche Hoffnungen erweckt. Wer soll denn von dem neuen Gesetz &#252;berhaupt erfasst werden? Straft&#228;ter, die psychisch krank sind, waren schon bisher in besonderen Einrichtungen untergebracht und eben nicht in der Sicherungsverwahrung. Umgekehrt ist nicht jeder, den ein Gutachter f&#252;r gef&#228;hrlich h&#228;lt, psychisch gest&#246;rt. Die Psychiatrisierung von unliebsamen Personen kennt man sonst eher aus Diktaturen. Peinlich, dass das nun die versprochene &#8220;gerichtsfeste L&#246;sung&#8221; sein soll. Vor allem de Maizière hat gestern falsche Versprechungen gemacht. Statt die Panikberichterstattung der Bild-Zeitung zu gei&#223;eln, gaukelt er Scheinl&#246;sungen vor.<br />
Statt falsche Versprechungen zu machen, sollte offen gesagt werden, dass die meisten der zur Entlassung anstehenden Sicherungsverwahrten aus rechtlichen Gr&#252;nden wirklich in Freiheit kommen werden, dass sie aber lange nicht so gef&#228;hrlich sind, wie viele glauben. Es handelt sich vor allem um restgef&#228;hrliche alte M&#228;nner. Sie brauchen mehr Sozialarbeit als Kontrolle &#8211; und nicht zuletzt Schutz vor der Bild-Zeitung, die sonst jede Resozialisierung verhindern wird.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F27%2Fa0041&#038;cHash=26bc8bcebb">taz</a></p>
<p><em>Siehe dazu auch noch:</em></p>
<p><strong>Regierung f&#252;r sch&#246;neres Strafen</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&#038;dig=2010%2F08%2F27%2Fa0043&#038;cHash=7ea1d9dfbb">taz</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Haiders Fatale Erbschaft</strong><br />
Noch immer verehren ihn viele wie einen Heiligen. Aber was jetzt &#252;ber J&#246;rg Haider bekannt wird, bringt selbst manchen Getreuen ins Wanken: geheime Konten, Geldw&#228;sche, R&#252;stungsgesch&#228;fte, Millionenspenden von Saddam Hussein. Fast t&#228;glich kommen neue Details ans Tageslicht.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/fatale-erbschaft/1911232.html?view=print">Tagesspiegel</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>&#8220;Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren&#8221;</strong><br />
In den gepflegteren Milieus reagiert man auf dieses Buch, wie man schon auf die Interviews reagiert hatte: Irgendwie hat er ja recht, wenn er nur nicht so provozierend formulieren w&#252;rde.<br />
In diese Richtung wirbt der Verlag, wenn er Helmut Schmidt mit der Bemerkung zitiert: „Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedr&#252;ckt h&#228;tte, h&#228;tte ich ihm in weiten Teilen zustimmen k&#246;nnen.“<br />
Diese teetassenhafte Besorgnis um Sarrazins Tischfeinheit zeigt, dass der Mann schmutzige Gedanken in den Mund nimmt, die viele Leute mit sauberen H&#228;nden im Kopf haben, wenn es um die in- und ausl&#228;ndischen Unterschichten geht. Selbstverst&#228;ndlich hat Sarrazin nichts gegen den t&#252;rkischen Arzt oder den arabischen Diplomaten. Wie ja einst auch der gehobene Antisemit stets ein paar bessere Juden zu seinen Freunden z&#228;hlte, um die Unterschichtsjidden im Stetl umso inbr&#252;nstiger verachten zu k&#246;nnen. Sarrazin und seinen heimlichen Anh&#228;ngern in der Mittelschicht macht der deutsche und islamische Plebs so zu schaffen, dass sie f&#252;rchten, Deutschland schaffe sich ab.<br />
Sarrazins Argumentationsweg l&#228;sst sich mit f&#252;nf Schritten abk&#252;rzen:<br />
Erstens: „Intelligenz ist zu 50 bis 80 Prozent angeboren.“<br />
Zweitens: Die Hochbegabung konzentriert sich in der Oberschicht, die Mittelschicht bringt gut Begabte hervor, in der Unterschicht ist &#252;berdurchschnittliche Intelligenz selten, in der von staatlichen Transferleistungen lebenden Unterschicht schon normale Intelligenz die Ausnahme. Drittens: Die Fruchtbarkeit in der Ober- und Mittelschicht ist zu gering, diejenige in der deutschen wie ausl&#228;ndischen Unterschicht zu gro&#223;. Je niedriger der Intelligenzquotient, desto h&#246;her die Fertilit&#228;tsrate.<br />
Viertens: Dies f&#252;hrt zum Sinken der gesellschaftlichen Gesamtintelligenz und zum Steigen der staatlichen Transferkosten.<br />
F&#252;nftens: Zur Korrektur dieser Entwicklung m&#252;ssen die dummen Leute aus der Unterschicht am Kinderkriegen gehindert und die klugen Leute aus der Mittel- und Oberschicht zum Kinderkriegen animiert werden.<br />
Des Weiteren ist die Zuwanderung dummer T&#252;rken, Araber und Afrikaner zu unterbinden und durch eine gesteuerte Migration gebildeter Menschen aus intelligenteren L&#228;ndern zu ersetzen…<br />
Das Problematische der sarrazininschen Ideen besteht nicht in den Einzeldiagnosen, sondern in der biologistischen Logik, mit der er Bruchst&#252;cke der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu einer pseudonaturwissenschaftlichen Weltanschauung f&#252;gt. Aber gerade diese Dimension bleibt in der sich selbst befriedigenden &#246;ffentlichen Emp&#246;rung besch&#228;mend unbeachtet. Vielleicht auch, weil der so &#252;bereifrig den B&#246;sewicht spielende Sarrazin mit seinem biologistischen Gesellschaftsbild, seinem Erbintelligenzlertum und seiner Gen-Rhetorik vielen Menschen der akademischen Mitte mehr aus der Seele spricht, als ihr Mund zugeben w&#252;rde.<br />
Und weil das kalte Interesse des Geldbeutels meistens &#252;ber die W&#228;rme des Herzens siegt, f&#228;nde sicher manche Akademikerfamilie an dem Vorschlag Geschmack, den Sarrazin am Ende seines mit der Peitsche geschriebenen Buches als Zuckerbrot reicht: Das Kindergeld f&#252;r alle wird gestrichen und durch eine akademische Fortpflanzungspr&#228;mie ersetzt: Frauen mit Hochschulabschluss bekommen f&#252;r jedes Kind, das sie vor Abschluss des drei&#223;igsten Lebensjahres zur Welt bringen, die sch&#246;ne Summe von 50 000 Euro. Sarrazin hat nichts gegen Staatsknete, er will sie nur nicht politisch, sondern biologisch korrekt verteilen.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/intelligenz-ist-zu-50-bis-80-prozent-angeboren/1912078.html">Tagesspiegel</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Wie die Medienkampagnen vor allem in Bild und Spiegel Fr&#252;chte tragen und auf welches Interesse Sarrazins „biologistische Logik“ st&#246;&#223;t und wie viele Leute mit „Tischfeinheit“ sich davon angesprochen f&#252;hlen zeigt sich darin, dass Sarrazins Machwerk bei Amazon mit weitem Abstand den <a href="http://www.amazon.de/Deutschland-schafft-sich-unser-setzen/dp/3421044309/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1282847274&#038;sr=8-1">Verkaufsrang Nr. 1 einnimmt</a>.<br />
Auch hier sehe ich Parallelen zum Ende der Weimarer Zeit und dem Aufstieg der NSDAP: Die Deutschnationalen und mit ihnen weite Teile des konservativen B&#252;rgertums und des Adels mochten &#252;ber die «plebejischen» Nationalsozialisten die Nase r&#252;mpfen. Inhaltlich herrschte bis weit in die b&#252;rgerliche Mitte hinein gro&#223;e &#220;bereinstimmung mit ihnen.<br />
Es ist ein Indiz daf&#252;r, dass der Wertekonsens des Grundgesetzes „Die W&#252;rde des Menschen ist unantastbar“ zu br&#246;ckeln beginnt. Die Ablenkung von den sozialen und politisch verursachten Problemen und die Lenkung des Unmuts auf ethnische Minderheiten mit biologistischen und rassistischen Unwerturteilen scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen.<br />
Siehe dazu: „Deutschland schafft sich ab“ erz&#228;hlt die Untergangsgeschichte einer Nation. F&#252;r diesen Untergang sollen mit den Muslimen nun sechs Prozent der Bev&#246;lkerung die Verantwortung &#252;bernehmen. Es fragt sich, was die anderen 94 Prozent in den letzten Jahrzehnten f&#252;r die Zukunft ihres Landes getan haben. Sarrazins Buch ist ein Entlastungsversuch einer desorientierten Elite. Kein Zweifel, <a href="http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E8844167DB87E45D68639E4C19F5358E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">dass es ein Erfolg wird</a>.</em></p>
<p><em>Siehe auch: <a href="http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/08/tabubrechende-idiotie.html">Tabubrechende Idiotie</a><br />
Siehe auch noch: <a href="http://www.dasdossier.de/magazin/kultur/kulturkritik/der-elitaere-kleinbuerger">Der elit&#228;re Kleinb&#252;rger</a></em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Vertreibung der Roma: Wohlfeile S&#252;ndenb&#246;cke</strong><br />
Wieder einmal m&#252;ssen die Roma als S&#252;ndenb&#246;cke herhalten, um von anderen Problemen abzulenken. Zur Geschichte einer Verfolgung. Zwecks Ablenkung von den desastr&#246;sen Folgen des Abzockerkapitalismus rufen Sicherheitspolitiker vieler L&#228;nder eine neu-alte Gefahr aus: die Roma. Bedr&#228;ngt durch die Aff&#228;re seiner G&#246;nnerin Liliane Bettencourt, die Millionen steuerfrei in der Schweiz versteckte, startete der franz&#246;sische Pr&#228;sident, Tr&#228;ger des auch unter ungarischen Roma weitverbreiteten Namens Sarkozy, eine Kampagne zur Roma-Vertreibung. Das Muster ist uralt. Seit Jahrhunderten wird in Zentral- und Westeuropa versucht, diese ZuwanderInnen erst gar nicht einzulassen oder sofort wieder loszuwerden. Roma, Sinti, Gitanos und die Angeh&#246;rigen all der anderen St&#228;mme, ob fahrend oder sesshaft, unterlagen einer jahrhundertelangen Verfolgung und dienten unter dem Begriff «Zigeuner» sowohl als Objekte romantischer Projektionen als auch als solche des Neids auf die angebliche Freiheit ihres unsicheren Lebens. Die obrigkeitliche Hetzjagd auf diese Menschen gipfelte in der «Endl&#246;sung» des «Zigeunerproblems», der Ermordung von 500 000 Roma durch die Nazis.<br />
Quelle: <a href="http://www.woz.ch/artikel/2010/nr34/international/19682.html">Die Wochenzeitung</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Video und Tonaufzeichnungen von Albrecht M&#252;ller und Wolfgang Lieb auf YouTube</strong><br />
Wenn Sie daran interessiert sind, <a href="http://www.google.de/search?q=YouTube+M%C3%BCller+Lieb+nachdenkseiten&#038;hl=de&#038;client=firefoxa&#038;hs=Yne&#038;rls=org.mozilla:de:official&#038;tbs=vid:1&#038;prmd=v&#038;ei=QLp3TMP7CJDQjAff_6HCBg&#038;start=0&#038;sa=N">hier ist die Quelle</a>.</li>
<li><a name="h16"></a><strong>Darf IW-Direktor Michael H&#252;ther im ZDF f&#252;r die Rente mit 67 werben?</strong><br />
Sahra Wagenknecht, Abgeordnete der LINKEN, versucht einleuchtend zu erkl&#228;ren, dass wir keine Arbeitspl&#228;tze schaffen, wenn wie aus einem Arbeitsplatz drei Minijobs machen. Aber halt: Da ist ja noch der Diskussionspartner, ein Herr Professor Doktor, ein Herr H&#252;ther, Direktor des Institutes der deutschen Wirtschaft K&#246;ln. Aha. Bisher dachte ich immer, dass ein Professor ein gebildeter Mensch w&#228;re. Aber weit gefehlt! Immer wenn Sahra Wagenknecht etwas erkl&#228;ren will, kr&#228;ht er sofort drauflos. Was war das? Sahra Wagenknecht will reden: Der Herr Professor poltert los, wei&#223; sofort, dass alles Unsinn ist, was er selbst nicht denkt. Sahra Wagenknecht h&#228;lt sich zur&#252;ck; setzt neu an: Der Professor kr&#228;ht wieder los. Sahra Wagenknecht bleibt ruhig, versucht erneut, auf seine Worte einzugehen: Der Doktor der Weisheit posaunt sofort auf sie ein. L&#228;sst sie keinen Satz zuende sagen, wei&#223; sofort alles immer besser. So einfach ist das, wenn man ein Professor f&#252;r irgendetwas ist.<br />
Ein Schauspiel der ganz besonderen Art. Im ZDF? Unter Peter Hahne? Pl&#246;tzlich interessiert mich das. Peter Hahne lacht breit. Wie so oft. Professor H&#252;ther unterbricht Frau Wagenknech, Peter Hahne lacht, H&#252;ther bleibt dabei: Er l&#228;sst Sahra Wagenknecht nicht ausreden. Und wenn, reflektiert er das Gesagte nicht und l&#228;sst keine halbe Sekunde Zeit bis zum n&#228;chsten Loskr&#228;hen. Ich warte auf den Wendepunkt, auf Peter Hahnes Eingreifen. Aber vergeblich. Hahne lacht immer nur, um nicht zu sagen: er verb&#252;ndet sich mit dem “Professor f&#252;r Kapitalismus“. (&#8230;) Peter Hahne tut nichts dagegen. Er lacht. Und hilft dem Herrn Professor gern aus jeder Lage. Sahra Wagenknecht kommt auf den Punkt? Hahne sagt: Stopp, wir wollen einen Film einf&#252;gen! So einfach ist das, wenn man Angst hat vor der Logik!<br />
In welchem Film befinde ich mich? Das Theater h&#246;rt nicht auf, und ich wundere mich, dass Sahra Wagenknecht so ruhig bleibt. Aber sie wei&#223;, dass sie es sein muss. Die ZDF-Zuschauer w&#252;rden ihr nicht zugestehen, was Prof. H&#252;ther sich erdreistet. Oder man k&#246;nnte ansonsten vielleicht sp&#228;ter die Aufnahmen zurechtschneiden, um sie l&#228;cherlich zu machen. Bei den Kapitalismus-Lobbyisten hingegen schneidet sp&#228;ter keiner die Originalaufnahmen zu falschen Zusammenh&#228;ngen zurecht.<br />
Quelle: <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15569">Neue Rheinische Zeitung</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Neue Regeln f&#252;rs Internetangebot von ARD und ZDF : Das gro&#223;e Schrumpfen</strong><br />
Nach den neuen Regeln m&#252;ssen die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF bis zu 70 Prozent ihrer Online-Inhalte l&#246;schen.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/neue-regeln-fuers-internet-von-ard-und-zdf-auch-ackermann-fliegt-aus-dem-netz-1.992783">SZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Siehe dazu <a href="?p=3288">Beschr&#228;nkung der Onlineangebote der Rundfunkanstalten: Zensur durch den Markt</a>.</em></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten</strong><br />
Hochschulen in den USA zwischen Elite und Titelm&#252;hlen<br />
Das Bildungswesen in den USA kann nur verstehen, wer die Verm&#246;gensverteilung im Lande bedenkt. In den letzten drei&#223;ig Jahren hat sich das private Volksverm&#246;gen auf eine immer kleinere Gruppe der Bev&#246;lkerung konzentriert. In Zahlen: Die oberen zehn Prozent der Bev&#246;lkerung verf&#252;gen &#252;ber 71 Prozent des privaten Volksverm&#246;gens. Diese Kluft zwischen den sozio&#246;konomischen Gruppen spiegelt sich im Bildungssystem des Landes. Was hier geschehen ist (und sich vermutlich weiter fortsetzen wird), l&#228;sst sich folgenderma&#223;en zusammenfassen: Die Spitzenuniversit&#228;ten (‚universities at the top’) haben sich so weit von den Universit&#228;ten des unteren levels (‚universities at the bottom’) entfernt, dass man von einem ‚Universit&#228;tswesen’ als einheitlicher sozialer Institution nicht l&#228;nger sprechen kann. Die Spitzenuniversit&#228;ten vertreten andere Werte als die unteren, sie haben einen anderen Bildungsauftrag, anderes Lehrpersonal und eine andere Finanzierung; die Universit&#228;ten im Mittelfeld sind zwischen diesen Extremen hin- und hergerissen. Auf diese Unterschiede und ihre Implikationen m&#246;chte ich n&#228;her eingehen.<br />
Quelle: <a href="http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=5493">Forschung &#038; Lehre</a></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Soziale Selektion oder gleiche Chance f&#252;r alle &#8211; wie gerecht ist unsere Praxis des Hochschulzugangs?</strong><br />
Live-Diskussion im Deutschlandfunk in Zusammenarbeit mit dem &#8220;manager magazin&#8221; aus der Bertelsmann Repr&#228;sentanz in Berlin am 24. September 2010.<br />
Es diskutieren:<br />
Dr. J&#246;rg Dr&#228;ger, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des gemeinn&#252;tzigen Centrums f&#252;r Hochschulentwicklung<br />
Prof. J&#252;rgen Hesselbach, Pr&#228;sident der TU-Braunschweig<br />
Prof. Dr. Dieter Lenzen, Pr&#228;sident der Universit&#228;t Hamburg<br />
Thomas Sattelberger, Personalvorstand Deutsche Telekom AG<br />
Die Gespr&#228;chsleitung haben Michael Kr&#246;her (manager magazin) und Christian Floto (Deutschlandfunk)<br />
Quelle: <a href="http://www.che-concept.de/cms/?getObject=250&#038;getLang=de&#038;strAction=programm&#038;PK_Veranstaltungen=283">CHE</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Der Deutschlandfunk in den F&#228;ngen der <a href="?cat=27">Krake Bertelsmann</a>.</em></li>
<li><a name="h20"></a><strong>Falsche Antwort am Golf von Aden</strong><br />
Die Lobbyarbeit, die jetzt von interessierter Seite in den USA betrieben wird, um finanzielle und milit&#228;rische Mittel in undurchsichtige und schwer kontrollierbare Covert Operations am Golf von Aden umzuschichten, ist keine Antwort auf die politischen Probleme, die dahinterstecken. Somalia ist schon lange ein zerfallener Staat, Jemen ist von diesem Zustand nicht allzu weit entfernt. In beiden L&#228;ndern gibt es rechtsfreie R&#228;ume, die sich Akteure des internationalen Terrorismus zunutze machen k&#246;nnen. Tolerierung durch die lokale Bev&#246;lkerung finden sie deswegen, weil der Westen immer wieder die falsche Karte gespielt hat. Man f&#246;rdert lieber Dauerkrieg, als eine Macht&#252;bernahme durch Fundamentalisten hinzunehmen, man st&#252;tzt korrupte Zentralstaatsvertreter gegen lokale Selbstbestimmung, man dr&#252;ckt bei regionalen Alliierten wie &#196;thiopien und Saudi-Arabien beide Augen zu, ohne zu &#252;berlegen, dass dies der Gegenseite Sympathien zufliegen l&#228;sst. Sicherheitspolitik sollte eigentlich Stabilit&#228;t als oberstes Ziel haben, aber in Somalia wie im Jemen war das Ergebnis bisher immer das Gegenteil<br />
Quelle 1: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F26%2Fa0033&#038;cHash=6c0155c097">taz</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F26%2Fa0032&#038;cHash=bb22cd4ca4">taz</a></li>
<li><a name="h21"></a><strong>Ines Z&#246;ttl &#8211; K&#252;ss die Hand, Herr Oberst</strong><br />
Libyens Machthaber Gaddafi hat sich seit seiner &#8220;L&#228;uterung&#8221; nicht ver&#228;ndert. Daf&#252;r verbiegt sich der Rest der Welt umso mehr. Gaddafi muss dazu nicht einmal den lupenreinen Demokraten geben. Unangefochten h&#228;lt er sich in der Freedom-House-Hitliste der 20 unfreiesten L&#228;nder der Welt. Doch Augen zu und rein ins Zukunftsgesch&#228;ft lautet die Devise der Franzosen, Deutschen oder Amerikaner. Der Handkuss von Silvio Berlusconi f&#252;r den Oberst beim Gipfel der Arabischen Liga brachte die Haltung des Westens auf den Punkt: geb&#252;ckt.<br />
1996 bekam Gaddafi, der sich seit 41 Jahren an der Macht h&#228;lt, das Unbedenklichkeitsiegel: Die USA strichen ihn von der Terrorliste, nachdem er dem Staatsterrorismus entsagte. Was seitdem geschah: Im Juli 2007 l&#228;sst Libyen f&#252;nf bulgarische Krankenschwestern und einen Arzt frei, die acht Jahre lang im Gef&#228;ngnis schmorten, weil sie Kinder vors&#228;tzlich mit Aids infiziert haben sollen. Ein absurder Vorwurf. Den Verzicht auf die Vollstreckung des Todesurteils kriegt Europa nicht umsonst: In Interviews bekundet Gaddafis Sohn Saif al-Islam Genugtuung, dass er und sein Vater einen guten Preis beim Menschenhandel erzielt h&#228;tten: einen R&#252;stungsdeal mit Frankreich, der das unausgesprochene Waffenembargo der EU beendete. Die Zusage zum Bau eines Atomkraftwerks gab es obendrauf. Zugleich deutet al-Islam an, dass der Lockerbie-Attent&#228;ter Abdel Basset al-Megrahi aus Gro&#223;britannien freikommen k&#246;nnte. Ein Jahr sp&#228;ter, im Juli 2008, wird ein anderer der sieben S&#246;hne Gaddafis in Genf festgenommen, weil er und seine Frau Hausangestellte misshandelt haben sollen. Das Foto gelangt in die Zeitung. Eine solche Schmach bleibt nicht unges&#252;hnt: Kurzerhand werden zwei Schweizer Gesch&#228;ftsleute wegen angeblicher Visavergehen festgesetzt &#8211; und die Schweizer Nomenklatura begibt sich auf einen Spie&#223;rutenlauf, um ihre Staatsb&#252;rger freizubekommen. Gaddafi fordert, legt nach und erpresst &#8211; und w&#252;rzt das Ganze, indem er zum Dschihad gegen die Schweiz aufruft &#8211; zu einem &#8220;ungl&#252;cklichen Zeitpunkt&#8221;, wie ein Sprecher der EU-Au&#223;enbeauftragte Catherine Ashton findet. Ihre Zur&#252;ckhaltung gibt die EU erst auf, als die Schweizer sich erdreisten, gegen 188 Libyer Einreiseverbote nach dem Schengen-Abkommen zu verh&#228;ngen. Unmissverst&#228;ndlich machen die Kollegen klar, dass sie nicht in die Sache verwickelt werden m&#246;chten. Und so zerrt Gaddafi die Schweiz fast zwei Jahre lang am Ring durch die Manege &#8211; mit zwei Geiseln in der Hand. Artig hat die Schweizer Regierung 1,5 Mio. Franken f&#252;r Tripolis bereitgelegt, falls die Schuldigen f&#252;r die Weitergabe der Fotos an die Presse nicht gefunden &#8211; und in die W&#252;ste geschickt? &#8211; werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/international/:kolumne-ines-zoettl-kuess-die-hand-herr-oberst/50150135.html">FTD</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Ein Artikel, der auf den Punkt bringt, wie korrupt und marode, ohne R&#252;ckgrat die westlichen Demokratien sind. M&#246;ge das chinesische Imperium &#252;ber uns kommen, die westlichen &#8220;Koofmichs&#8221; fallen nur noch damit auf, dass sie Wasser predigen und Wein trinken.</em></li>
<li><a name="h22"></a><strong>Aufstand im Reich des Terminators</strong><br />
Viele Bundesstaaten in den USA sind fast pleite. Besonders dramatisch ist die Situation in Kalifornien: Gouverneur Schwarzenegger steckt in der Falle. Er muss radikal sparen &#8211; und macht sich unbeliebt. Der bev&#246;lkerungsreichste US-Bundesstaat, der mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1840 Mrd. Dollar (2008) als achtgr&#246;&#223;te Volkswirtschaft der Welt betrachtet werden kann, leidet wie viele andere US-Bundesstaaten unter der Wirtschaftskrise, der geplatzten Immobilienblase und sinkenden Steuereinnahmen. Der sogenannte Golden State steht auch in diesem Jahr vor einem Loch, das fast 20 Mrd. Dollar gro&#223; ist. Um es zu stopfen, versucht Schwarzenegger die Ausgaben um 12,4 Mrd. Dollar zu k&#252;rzen.<br />
Betroffen sind vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Bildung. Kaum ein B&#252;rger und kein Amt kommt dabei ungeschoren davon. Drei Freitage im Monat sollen Beamte ohne Bezahlung zu Hause bleiben, bis das seit 1. Juli f&#228;llige Budget steht und der Finanzchef des Staates genug Geld hat, um die Rechnungen zu bezahlen. Erh&#246;hte Schulgelder, weniger Kursangebote und vollere H&#246;rs&#228;le geh&#246;ren zur neuen Sparrealit&#228;t an Kaliforniens Hochschulen. Niemand bleibt von den K&#252;rzungen verschont, selbst die Professoren nicht. An der California State University wurde auch ihnen im abgelaufenen Schuljahr Zwangsurlaub verordnet. Nicht viel besser sieht es an den Schulen aus. Im M&#228;rz wurden etwa 26.000 Lehrer entlassen.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/international/:alltag-in-der-schuldenkrise-aufstand-im-reich-des-terminators/50161994.html">FTD</a></li>
<li><a name="h23"></a><strong>Bis zu 50.000 S-21-Gegner erwartet</strong><br />
Nach dem Baggerbiss am Nordfl&#252;gel des Stuttgarter Hauptbahnhofs erwarten die Stuttgart-21-Gegner am Freitag bis zu 50 000 Demonstranten. „Die Leute sind erz&#252;rnt dar&#252;ber, dass das Projekt nun mit allen Mitteln vorangetrieben werden soll“, sagte einer der Organisatoren. Nach einer Kundgebung vor dem Bahnhof sei ein Marsch zum Landtag geplant, um den entlang der Bannmeile eine Menschenkette gebildet werden soll. Das Motto lautet: „Sie brechen ab &#8211; wir brechen auf &#8211; Weg mit Stuttgart 21“.<br />
Am Donnerstag waren die Abrissarbeiten bis zum Nachmittag blockiert, weil tags zuvor sieben Demonstranten das Dach des Nordfl&#252;gels besetzt hatten. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei f&#252;hrte die Aktivisten am Nachmittag schlie&#223;lich ab und der Bagger kam einige Stunden zum Einsatz. Ger&#252;chte, dass die R&#252;ckwand des Geb&#228;udes auf die dahinter liegenden Gleise zu fallen drohe und deshalb f&#252;r diesen Freitag ein Baustopp verh&#228;ngt worden sei, best&#228;tigte Projekt- Sprecher Wolfgang Drexler nicht. M&#246;glicherweise werde der Bagger nicht eingesetzt, weil der Schutt weggebracht und die Entkernung fortgesetzt werden m&#252;ssten. Dies geschehe aber nach dem Plan der Bauherrin Bahn.<br />
Quelle: <a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.grossdemo-bis-zu-50-000-s-21-gegner-erwartet.a19a0276-8f0c-4102-bfc6-fa74e100453a.html">Stuttgarter Nachrichten</a></li>
</ol>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 06:44:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Ruhsert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen: Das Umverteilen von unten nach oben geht weiter, Deutschlands Fokussierung auf Export&#252;bersch&#252;sse schadet ganz Europa, Wie die Finanzlobby die Politik bestimmt Griechenland darf sich nicht kaputt sparen, &#214;konomen fordern h&#246;here Steuern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen: Das Umverteilen von unten nach oben geht weiter, Deutschlands Fokussierung auf Export&#252;bersch&#252;sse schadet ganz Europa, Wie die Finanzlobby die Politik bestimmt Griechenland darf sich nicht kaputt sparen, &#214;konomen fordern h&#246;here Steuern f&#252;r Reiche, Karlsruhe schr&#228;nkt eigene Kompetenzen ein, Energie-Institut: Trotz Konzern-Millionen unabh&#228;ngig, Nur wenige Hartz-IV-Empf&#228;nger faulenzen, Hundertmal Plasberg: Hart aber leer, Volksinitiative zur Todesstrafe in der Schweiz: Abgr&#252;nde der Demokratie. (KR)<br />
<span id="more-6598"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Politik hat nichts gelernt &#8211; das Umverteilen von unten nach oben geht weiter</a></li>
<li><a href="#h02">IMK-Studie: Deutschlands Fokussierung auf Export&#252;bersch&#252;sse schadet ganz Europa</a></li>
<li><a href="#h03">Finanzkrise: Alles weiter wie bisher</a></li>
<li><a href="#h04">Die Macht der Banken – wie die Finanzlobby die Politik bestimmt</a></li>
<li><a href="#h05">Griechenland darf sich nicht kaputt sparen</a></li>
<li><a href="#h06">&#214;konomen fordern h&#246;here Steuern f&#252;r Reiche</a></li>
<li><a href="#h07">Wie der Wohlstand verteilt ist, bleibt ein Geheimnis: Ein Land guckt weg</a></li>
<li><a href="#h08">Die Ungleichheit nimmt zu</a></li>
<li><a href="#h09">Stellenabbau In den Jobcentern geht die Angst um</a></li>
<li><a href="#h10">Widerstand bei NRW-Gr&#252;nen: Koalition streitet &#252;ber fr&#252;heren Ladenschluss</a></li>
<li><a href="#h11">Beschluss des Bundesverfassungsgerichts: Karlsruhe schr&#228;nkt eigene Kompetenzen ein</a></li>
<li><a href="#h12">Vertriebene Roma: &#8220;Wo uns die Leute auch nicht m&#246;gen&#8221;</a></li>
<li><a href="#h13">Energie-Institut: Trotz Konzern-Millionen unabh&#228;ngig</a></li>
<li><a href="#h14">Studie zu Arbeitslosen: Nur wenige Hartz-IV-Empf&#228;nger faulenzen</a></li>
<li><a href="#h15">EU will Datenbank zur Bek&#228;mpfung der &#8220;Radikalisierung&#8221; einrichten</a></li>
<li><a href="#h16">Rambos von der Arbeitsagentur</a></li>
<li><a href="#h17">Hundertmal Plasberg: Hart aber leer</a></li>
<li><a href="#h18">Volksinitiative zur Todesstrafe in der Schweiz: Abgr&#252;nde der Demokratie</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6598&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Politik hat nichts gelernt &#8211; das Umverteilen von unten nach oben geht weiter</strong><br />
Die Finanzmarktkrise ist keineswegs &#252;berstanden – sie verlagert sich nur. Sie ist inzwischen zu einer Finanzierungskrise der &#246;ffentlichen Haushalte geworden. Statt nun aber die Kosten der ebenso sinnvollen wie notwendigen Rettungsma&#223;nahmen durch die Profiteure der vorangegangenen Entwicklung – Banken, Spekulanten, Verm&#246;gende – tragen zu lassen, sollen sie nun auf die sozial Schw&#228;cheren abgew&#228;lzt werden.<br />
Die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise wird damit zu einer weiteren Entsolidarisierung der Gesellschaft missbraucht; die Umverteilung von unten nach oben wird jetzt sogar noch unter versch&#228;rften Bedingungen beschleunigt fortgesetzt. Dies ist der Kern des 80 Milliarden Euro schweren sogenannten „Spar“pakets der Bundesregierung.<br />
Damit wird an neoliberale Politikmuster aus der Vorkrisenzeit angekn&#252;pft.<br />
Der Haushaltsentwurf f&#252;r das Jahr 2011 setzt diesen erneuten Richtungswechsel in der Finanzpolitik um.<br />
Quelle: <a href="http://www2.alternative-wirtschaftspolitik.de/uploads/sondermemorandum_august_2010.pdf">ARBEITSGRUPPE ALTERNATIVE WIRTSCHAFTSPOLITIK [PDF - 593 KB]</a></li>
<li><a name="h02"></a><strong>IMK-Studie: Deutschlands Fokussierung auf Export&#252;bersch&#252;sse schadet ganz Europa</strong><br />
Deutschland profitiert aufgrund seiner hohen preislichen Wettbewerbsf&#228;higkeit derzeit wie kein anderes Land von der Erholung der Weltwirtschaft. Damit scheint die deutsche Wirtschaft trotz massiver realwirtschaftlicher Folgen der Finanzkrise aktuell gut dazustehen. Eine erneute Fokussierung auf den Export als Wachstumstreiber w&#252;rde sich f&#252;r Deutschland allerdings auf Dauer gesamtwirtschaftlich nicht auszahlen und negative Folgen f&#252;r den Euroraum haben. Dies zeigt das Institut f&#252;r Makro&#246;konomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-B&#246;ckler-Stiftung in einer aktuellen Studie. (&#8230;)<br />
Angesichts seiner Gr&#246;&#223;e und der H&#246;he der Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse w&#228;re vor allem Deutschland in der Pflicht, seine &#220;bersch&#252;sse abzubauen &#8211; und w&#252;rde selbst davon profitieren. Zum einen w&#252;rde n&#228;mlich bei st&#228;rkerer Binnenorientierung das deutsche Wachstum h&#246;her ausfallen. Zum anderen ist zu bedenken: &#8220;Deutschland als Gl&#228;ubigernation kann nicht wollen, dass seine Schuldner in R&#252;ckzahlungsschwierigkeiten geraten.&#8221; Die Defizitl&#228;nder sind schlie&#223;lich nicht nur Schuldner, sondern auch wichtige Handelspartner, deren stabile Wirtschaftsentwicklung notwendig ist, um den deutschen Export aufrecht zu erhalten.<br />
Quelle: <a href="http://www.boeckler.de/320_108691.html">B&#246;ckler-Stiftung</a></p>
<p><em><strong>Anmerkungen unseres Leser G.K.:</strong> Selbst der Internationale W&#228;hrungsfonds (IWF) zeigte k&#252;rzlich in einer Studie, dass ein ausgewogeneres Verh&#228;ltnis von Binnen- und Exportwirtschaft ein erfolgversprechendes &#246;konomisches Entwicklungsmodell ist. Siehe hierzu den Telepolis-Beitrag <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/147478">“&#220;berschussl&#228;nder wie Deutschland profitieren vom Abbau der Ungleichgewichte”</a>.<br />
In zahlreichen Staaten w&#228;chst die Kritik an der wachsenden Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft (so in Frankreich, den USA und in Luxemburg). Siehe den NachDenkSeiten-Beitrag <a href="?p=6480#h03">&#8220;Juncker wirft Deutschland &#8216;Sozialdumping&#8217; vor&#8221;</a>.</em></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Finanzkrise: Alles weiter wie bisher</strong><br />
Die Verantwortlichen der j&#252;ngsten Finanzkrise sind bisher kaum belangt worden. Spekulationen aller Art sind nach wie vor gang und g&#228;be. Banken versprechen immer noch sagenhafte Renditen, die keinen realen Wertsteigerungen entsprechen, schreibt Heiner Flassbeck in einem Gastbeitrag.<br />
Der &#214;konom der Vereinten Nationen leitet beim Europ&#228;ischen Forum Alpbach 2010 ein Seminar zu dem Thema.<br />
Quelle: <a href="http://science.orf.at/stories/1656890/">ORF</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Die Macht der Banken – wie die Finanzlobby die Politik bestimmt</strong><br />
Trotz der schweren Finanzkrise funktioniert die Arbeit der Bankenlobby weiterhin reibungslos. Ihr Ziel ist es, eine Regulierung der Finanzm&#228;rkte zu verhindern. Wie KONTRASTE zeigt, sitzen Politik und Lobby sogar regelm&#228;&#223;ig an einem Tisch.<br />
Quelle: <a href="http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_26_08/die_macht_der_banken.html">RBB</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Griechenland darf sich nicht kaputt sparen</strong><br />
Das harte Sparprogramm st&#252;rzt Griechenland in eine Rezession. Steuererh&#246;hungen schaden Konsum und Produktion – ein falscher Weg aus der Krise. Von Dennis J. Snower.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article9193247/Griechenland-darf-sich-nicht-kaputt-sparen.html">WELT</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung KR:</strong> Solche S&#228;tze in der WELT sind erstaunlich (auch wenn Snowers restlichem Beitrag nicht in allen Punkten zuzustimmen ist): „Wenn die Schulden zu hoch sind, dann muss eine Familie weniger ausgeben und mehr sparen. Wenn jedoch ein Staat in einer Rezession weniger ausgibt und mehr Steuern einfordert, dann f&#228;llt das gesamte Einkommen und der Konsum im Land. Weil weniger ausgegeben wird, produziert man weniger, die Besch&#228;ftigung f&#228;llt und die Arbeitslosigkeit steigt. Das f&#252;hrt zu noch weniger Einkommen und Konsum. Somit ger&#228;t das Land in einen wirtschaftlichen Teufelskreis, in dem es immer schwieriger wird, die Staatsschulden herunterzufahren.“<br />
Daraufhin spucken WELT-Leser in der Kommentarrubrik Gift und Galle.</em></li>
<li><a name="h06"></a><strong>&#214;konomen fordern h&#246;here Steuern f&#252;r Reiche</strong><br />
Wirtschaftsexperten fordern, dass der Staat Reiche mehr zur Kasse bittet. Von den Steuersenkungen in der Vergangenheit h&#228;tten vor allem Verm&#246;gende profitiert.<br />
Finanzkrise, Konjunkturprogramme und Bankenrettung haben den deutschen Staat tief in die roten Zahlen gedr&#252;ckt. Um die Schulden abzubauen, will die Bundesregierung in den kommenden Jahren Milliarden sparen. Dieser Sparzwang sei jedoch selbstverschuldet, kritisiert die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe) in ihrem neuen Sondergutachten.<br />
Das Sparpaket der Bundesregierung setzt vor allem an der Senkung der Ausgaben an. „Dabei hat der Bundeshaushalt ein Einnahmen-, kein Ausgabenproblem“, so die &#214;konomen. In der aktuellen Debatte werde &#252;bersehen, dass in den letzten zehn Jahren radikale Steuersenkungen durchgesetzt worden seien. „Die Steuerreformen seit 1998 haben dem Staat Steuerausf&#228;lle im Zeitraum 2000 bis 2010 von insgesamt rund 335 Milliarden Euro beschert.“ Im Durchschnitte fehlten somit &#252;ber 30 Milliarden Euro pro Jahr. In den n&#228;chsten Jahren w&#252;rden es sogar deutlich &#252;ber 50 Milliarden Euro sein.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/hoehere-steuern-fuer-reiche/-/1472780/4590902/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Wie der Wohlstand verteilt ist, bleibt ein Geheimnis: Ein Land guckt weg</strong><br />
Die Unterschichten sind statistisch bestens erfasst, w&#228;hrend man &#252;ber die Verm&#246;genseliten kaum etwas wei&#223;. Das ist politisch gewollt.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/ein-land-guckt-weg/">TAZ</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Die Ungleichheit nimmt zu</strong><br />
Aktuelle Zahlen des Deutschen Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung zeigen: Die Mittelschicht schrumpft weiter. Und auch vom Aufschwung wird diese Tendenz nicht gestoppt.<br />
Quelle: <a href="http://taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/die-ungleichheit-nimmt-zu/">TAZ</a></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Stellenabbau: In den Jobcentern geht die Angst um</strong><br />
Eigentlich soll die Bundesagentur f&#252;r Arbeit Menschen in Lohn und Brot bringen. Doch nun streicht die Beh&#246;rde selbst massiv Stellen. Die Personalr&#228;te in den Jobcentern sind alarmiert.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jobcenter-unzumutbar-und-unmenschlich-1.992376">SZ</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Widerstand bei NRW-Gr&#252;nen: Koalition streitet &#252;ber fr&#252;heren Ladenschluss</strong><br />
In der rot-gr&#252;nen Koalition gibt es den ersten Dissens &#252;ber die k&#252;nftige Regierungspolitik. Es geht um die Korrekturen beim Ladenschlussgesetz, die NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider eingefordert hat.<br />
Der SPD-Politiker hatte in unserer Redaktion angek&#252;ndigt, er k&#246;nne sich eine &#8220;Beschr&#228;nkung der &#214;ffnungszeiten bis 22 Uhr durchaus vorstellen&#8221;. Es sei &#8220;statistisch nicht erwiesen&#8221;, dass dadurch Jobs verloren gingen.&#8221;Jeder Kunde kann seinen Euro nur einmal ausgeben&#8221;, sagte Schneider.<br />
In NRW sind derzeit Laden&#246;ffnungszeiten bis 24 Uhr erlaubt. Bei den Gr&#252;nen regt sich jetzt Widerstand gegen eine Beschr&#228;nkung der Einkaufsm&#246;glichkeit bis Mitternacht. &#8220;Die Arbeitszeiten der Menschen sind flexibler geworden und haben sich in den sp&#228;ten Abend verschoben&#8221;, gibt Arndt Klocke, Landtagsabgeordneter der Gr&#252;nen, zu bedenken.<br />
Quelle: <a href="http://www.rp-online.de/landtagswahl/nachrichten/Koalition-streitet-ueber-frueheren-Ladenschluss_aid_898580.html">RP Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung des NDS-Lesers J.A.:</strong> Die Gr&#252;nen haben ganz offensichtlich nicht das Wohl der Niedrig- und Minil&#246;hner im Einzelhandel im Auge und positionieren sich mit ihrer wirtschaftsliberalen Haltung weit rechts von der CSU, die den Ladenschluss in Bayern immerhin bei 20 Uhr belassen hat. Dass die Gr&#252;nen immer noch zum &#8220;linken Lager&#8221; gez&#228;hlt werden (auch nach Schwarz/Gr&#252;n in Hamburg, mit einem erzkonservativen Regierenden B&#252;rgermeister), ist v&#246;llig unverst&#228;ndlich.</em></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Beschluss des Bundesverfassungsgerichts: Karlsruhe schr&#228;nkt eigene Kompetenzen ein</strong><br />
Das Bundesverfassungsgericht hat den Vorrang des Europ&#228;ischen Gerichtshofs (EuGH) gegen&#252;ber deutschen Gesetzen unterstrichen. Die Verfassungsrichter m&#252;ssten Kompetenz&#252;berschreitungen von EU-Organen „europarechtsfreundlich“ pr&#252;fen, hei&#223;t es in dem Beschluss.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EE5D9566C986E4B358F249BDBEB60B229~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung des NDS-Lesers J.A.:</strong> Die schleichende Selbstentmachtung des BVerfG und des Bundestages, die (nicht erst) mit dem Lissabon-Vertrag begonnen hat. Eigentlich verfassungswidrig, oder nicht? Auch wenn man dem f&#252;r Arbeitnehmer erfreulichen EuGH-Urteil inhaltlich zustimmt, ist die Sichtweise des BVerfG gegen&#252;ber dem v&#246;llig undemokratischen EuGH und dem &#8211; nach eigenem Urteil des BVerfG – undemokratischen EU-Parlament verheerend.</em></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Vertriebene Roma: &#8220;Wo uns die Leute auch nicht m&#246;gen&#8221;</strong><br />
Im Morgengrauen kam die Polizei und vertrieb sie und ihre vier Kinder aus ihrer H&#252;tte nahe Paris. Seither wartet Codruta Novacovici in einer Turnhalle auf ihre Abschiebung. Sie geh&#246;rt zu den Roma, gegen die Frankreichs Staatspr&#228;sident Sarkozy Stimmung macht.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/-wo-uns-die-leute-auch-nicht-moegen-/-/1472596/4590224/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Energie-Institut: Trotz Konzern-Millionen unabh&#228;ngig</strong><br />
Das renommierte K&#246;lner EWI-Institut, das der Bundesregierung in K&#252;rze ein Gutachten zur Energieversorgung vorlegt, erh&#228;lt von den Stromkonzernen RWE und E.on Millionensummen.<br />
Eine Sprecherin des Energiewissenschaftlichen Instituts best&#228;tigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der «S&#252;ddeutschen Zeitung», dem zufolge RWE, E.on und das Land NRW &#252;ber f&#252;nf Jahre je vier Millionen Euro geben. Es handle sich um eine «zweck-ungebundene Grundsatzf&#246;rderung», die den Konzernen «&#252;berhaupt keine» Einflussnahme auf Arbeit und Ergebnis des Instituts erm&#246;gliche. Das der Universit&#228;t K&#246;ln angegliederte EWI sei unabh&#228;ngig.<br />
Brisant ist, dass in dem Gutachten f&#252;r die Bundesregierung &#8211; es geht um verschiedene Szenarien zur Zukunft der Energieversorgung &#8211; auch die derzeit heftig umstrittene Laufzeitverl&#228;ngerung von Atommeilern vorkommt. EWI-Sprecherin Barbara Minderjahn sagte der Nachrichtenagentur dpa, in den gemeinsam von EWI, Prognos und dem Wirtschaftsforschungsunternehmen GWS erarbeiteten «Energieszenarien» werde bewertet, wie sich eine Laufzeitverl&#228;ngerung volkswirtschaftlich auswirkt. E.on und RWE betreiben Atomkraftwerke. Das EWI sieht nach eigenen Angaben dennoch keinen Konflikt.<br />
Minderjahn sagte, die Bundesregierung wisse seit langem von den F&#246;rdermitteln der Konzerne, die in der Wissenschaft g&#228;ngig seien. Die Arbeit des K&#246;lner Instituts belege seine Unabh&#228;ngigkeit, so etwa eine Studie zur negativen Entwicklung der Strompreise. Im siebenk&#246;pfigen EWI-Verwaltungsbeirat sitze zwar je ein Vertreter von RWE, Eon und Nordrhein-Westfalen. Die Mehrheit habe aber die Wissenschaftsseite.<br />
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte in dem Zeitungsbericht: «Da haben sich die Atomkonzerne ihre Lizenz zur Laufzeitverl&#228;ngerung selbst ausgestellt.»<br />
Quelle: <a href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1031523">S&#252;ddeutsche</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Studie zu Arbeitslosen: Nur wenige Hartz-IV-Empf&#228;nger faulenzen</strong><br />
Als motiviert und arbeitswillig sch&#228;tzen sich die meisten Hartz-IV-Empf&#228;nger ein. Eine Studie zeigt: Die Arbeitslosen k&#252;mmern sich um ihre Kinder, pflegen Angeh&#246;rige oder bilden sich fort. Wer auf<br />
Jobsuche ist, hat allerdings wenig Chancen. Auch eine h&#228;rtere Gangart w&#252;rde daran nichts &#228;ndern.<br />
Mehr als die H&#228;lfte der f&#252;nf Millionen Hartz-IV-Empf&#228;nger zwischen 15 und 64 Jahren fangen mit ihrer Zeit etwas an. Das zeigte eine repr&#228;sentative Studie des Instituts f&#252;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713921,00.html">SPIEGEL</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung J.A.:</strong> Das passt aber nicht zur aktuellen Politik, die auch der SPIEGEL mitforciert hat.</em></li>
<li><a name="h15"></a><strong>EU will Datenbank zur Bek&#228;mpfung der &#8220;Radikalisierung&#8221; einrichten</strong><br />
Die EU plant nach dem Vorschlag der spanischen EU-Ratspr&#228;sidentschaft, die &#220;berwachung vermeintlich Verd&#228;chtiger auszudehnen. Geplant ist die die Einf&#252;hrung &#8220;eines standardisierten, multidimensionalen semistrukturierten Instruments zur Erfassung von Daten und Informationen &#252;ber die Radikalisierungsprozesse in der EU&#8221;. Das klingt ziemlich kompliziert und l&#228;uft unter der Rubrik Enfopol 99 (Enforcement Police), womit zun&#228;chst die europaweite Telekommunikations&#252;berwachung eingef&#252;hrt wurde, im Zeichen der Terrorbek&#228;mpfung wurde die polizeiliche Zusammenarbeit ausgebaut.<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/148267">Telepolis</a></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Rambos von der Arbeitsagentur</strong><br />
Drei Monate lie&#223;en sich die Ermittler Zeit, bis sie sich am Dienstag zur Hausdurchsuchung bei der S&#246;ldnerfirma Asgaard entschlossen. Sie rekrutiert Ex-Bundeswehr-Soldaten f&#252;r den somalischen B&#252;rgerkrieg. Man geht hierzulande auff&#228;llig zur&#252;ckhaltend mit der Branche um.<br />
Quelle: <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/178295.rambos-von-der-arbeitsagentur.html">ND</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Hundertmal Plasberg: Hart aber leer</strong><br />
Eigentlich sollte es in der Jubil&#228;umsshow von Frank Plasberg ja um Atomenergie gehen. Stattdessen zeigte er eindrucksvoll, wie sein Talkkonzept funktioniert: Pointen statt Ergebnisse, Fragen, bei denen die Antwort schon vorher klar ist &#8211; und blo&#223; keine inhaltlichen Diskussionen.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,713833,00.html">SPIEGEL</a></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Volksinitiative zur Todesstrafe in der Schweiz: Abgr&#252;nde der Demokratie</strong><br />
Dass der Ruf um Aufmerksamkeit einer kleinen Gruppe dazu f&#252;hrt, dass in einem Land mitten in Europa ein grundlegendes Menschenrecht zur Disposition steht, zeigt, dass das sehr volksnahe politische System der Schweiz Schw&#228;chen hat. Wenn die Mehrheit von einer Sache zu &#252;berzeugen ist, dann sind Minderheiten und die Schwachen der Gesellschaft kaum gesch&#252;tzt.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/volksinitiative-zur-todesstrafe-in-der-schweiz-abgruende-der-demokratie-1.992246">SZ</a></li>
</ol>
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		<item>
		<title>Ist die Bertelsmann Stiftung gemeinn&#252;tzig?</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 07:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krake Bertelsmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Buch von Thomas Schuler „Bertelsmann Republik Deutschland, Eine Stiftung macht Politik“ hat die Diskussion wieder entfacht, ob die Bertelsmann Stiftung „gemeinn&#252;tzig“ ist und damit auch das Privileg der Steuerbeg&#252;nstigung in Anspruch nehmen kann. Selbst der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Gunter Thielen f&#252;hlte sich bem&#252;&#223;igt, sich zu verteidigen.
Kann es Sinn des Stiftungsgedankens sein, dass nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das neue Buch von Thomas Schuler <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1255253/">„Bertelsmann Republik Deutschland, Eine Stiftung macht Politik“</a> hat die Diskussion wieder entfacht, ob die Bertelsmann Stiftung „gemeinn&#252;tzig“ ist und damit auch das Privileg der Steuerbeg&#252;nstigung in Anspruch nehmen kann. Selbst der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Gunter Thielen f&#252;hlte sich bem&#252;&#223;igt, <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/politischer-einfluss-illusorisch/">sich zu verteidigen</a>.<br />
Kann es Sinn des Stiftungsgedankens sein, dass nicht der Stifter der Allgemeinheit eine „Reformwerkstatt“ finanziert, sondern umgekehrt, die Allgemeinheit die Bertelsmann Stiftung subventioniert, die sich selbst zur „Reformwerkstatt“ erkl&#228;rt und nach der Mission des Stifters die Politik, Gesetze und die &#246;ffentliche Meinung beeinflusst und pr&#228;gt? Wolfgang Lieb<br />
<span id="more-6589"></span><br />
<strong>Meinungs- und Gestaltungsmacht</strong></p>
<p>Bertelsmann hat nicht nur Meinungsmacht sondern auch Gestaltungsmacht, die weit &#252;ber den Einfluss von Verb&#228;nden, Kirchen oder sogar Parteien hinausgeht.</p>
<p>Die Bertelsmann AG ist einer der weltgr&#246;&#223;ten Informations- und Diensleistungskonzern.<br />
Der Bertelsmann AG geh&#246;ren u.a.:</p>
<ul>
<li>Random House, laut eigenen Angaben, die weltweit f&#252;hrende Verlagsgruppe mit 120 Einzelverlagen: DVA, Heyne, K&#246;sel, Luchterhand Literaturverlag; Goldmann, K&#246;sel, Siedler u.v.a.m.</li>
<li>die RTL Group: 32 Stationen europaweit. 200 Millionen Zuschauer t&#228;glich. In Deutschland: RTL Television, Super RTL, Vox oder N-TV.</li>
<li>Ihr geh&#246;ren 74,9 Prozent des gr&#246;&#223;ten europ&#228;ischen Verlagshauses Gruner + Jahr. (Stern, Capital, FTD, manager-magazin und eine Vielzahl von Publikumszeitschriften Brigitte, Gala etc.) G+J hat wiederum eine Sperrminorit&#228;t von &#252;ber 25 Prozent im Spiegel Verlag.</li>
<li>100 Prozent  der Bertelsmann-Tochter Arvato AG, weltweit einer der gr&#246;&#223;ten Kommunikationsdienstleister u.a IT-Management, Customer Relationship Management bzw. Distribution. S&#228;mtliche Servicemodule f&#252;r das Management von Kunden- bzw. B&#252;rgerbeziehungen. Der Einstieg in &#246;ffentliche Verwaltungen ist eines der Unternehmensziele.</li>
</ul>
<p><strong>Parteipolitisch neutral, aber mit gesellschaftspolitischer Mission</strong></p>
<p>Die Bertelsmann Stiftung ist insofern parteipolitisch neutral, als sie sich (mit Erfolg) an alle etablierten Parteien wendet und wenn Bertelsmann ruft auch alle Parteien kommen. Sie ist aber keineswegs gesellschaftspolitisch neutral, sondern der Mission ihres Stifters verpflichtet.</p>
<p>Diese Mission ist f&#252;r jedermann nachlesbar:</p>
<ul>
<li>Eine &#252;ber den Wettbewerb hergestellte Effizienz als Steuerungsinstrument an Stelle von Mitbestimmung und demokratischer Gestaltung. Kurz: der Markt kann alles besser als der Staat. Zivilgesellschaftliches Engagement ist besser als steuerfinanzierte Daseinsvorsorge.</li>
<li>Sozialstaat gilt als &#252;berdehnt oder gar &#252;berholt. (Liz Mohn: „Der anonyme Wohlfahrtsstaat hat ausgedient, an seine Stelle tritt der soziale Staat, der vom b&#252;rgerschaftlichen Engagement und vom solidarischen Verhalten aller lebt. Dass m&#246;glichst viele verantwortungsvoll ihr K&#246;nnen in den Dienst der Gemeinschaft stellen, das macht diesen Staat auf Dauer lebensf&#228;hig“ (Financial Times Deutschland vom 5. 12. 2006, Gastkommentar)</li>
<li>Und immer geht es deshalb auch um ein Zur&#252;ckdr&#228;ngen des Staates, eine Verringerung der Staatsquote und – als Mittel dazu – um die Senkung der Steuerlast.<br />
„Es ist ein Segen, dass uns das Geld ausgeht. Anders kriegen wir das notwendige Umdenken nicht in Gang“, sagte Reinhard Mohn schon 1996 in einem <a href="?p=380">Stern-Interview</a>.</li>
</ul>
<p><strong>Der Fiskus f&#246;rdert die Aktivit&#228;ten der Stiftung</strong></p>
<p>Man liegt gewiss nicht falsch mit der Vermutung, dass Reinhard Mohn dadurch, dass er drei Viertel der Anteile an der Bertelsmann AG „gestiftet“ hat, hohe Summen an Erbschafts- und/oder Schenkungssteuer „gespart“ hat. Zudem sind die j&#228;hrlichen Dividendezahlungen des Konzerns an die „gemeinn&#252;tzige“ Bertelsmann Stiftung steuerbeg&#252;nstigt und die Vermutung d&#252;rfte nicht unbegr&#252;ndet sein, dass ein Gutteil des Etats der Stiftung &#252;ber Steuerminderungen finanziert wird. Der Fiskus f&#246;rdert also die Aktivit&#228;ten der Stiftung kr&#228;ftig mit.</p>
<p>Bei der Bertelsmann Stiftung handelt es sich nach vielen soziologischen Ansichten und Untersuchungen um eine Institution die vergleichbar ist mit einer ausgelagerten steuerbefreiten und sogar steuerbeg&#252;nstigten Marktforschungs-, Marketing- und Vertriebsabteilung der Bertelsmann AG und Ihrer Tochterunternehmen, <a href="http://glocalist.com/news/kategorie/kommentare/titel/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung/">insbesondere der Arvato AG</a>.</p>
<p><strong>Personelle Verflechtung zwischen Stiftung und Konzern</strong></p>
<p>Wenn der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen sagt, die Stiftung arbeite unabh&#228;ngig von den Interessen der Bertelsmann AG, so ist das vielleicht formal korrekt, allerdings ziemlich lebensfremd. Denn neben seiner Funktion als Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann Stiftung ist er gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der Bertelsmann AG. Auch die Gattin des Stiftungsgr&#252;nders Reinhard Mohn und nach dessen Tod Oberhaupt der Eigent&#252;merfamilie, Liz Mohn, ist stellvertretende Vorsitzende des Vorstand und des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung und gleichzeitig – so testamentarisch verf&#252;gt &#8211; im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG. Dar&#252;ber hinaus ist Liz Mohn Vorsitzende der Gesellschaftsversammlung und Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH.<br />
Auch Dr. Brigitte Mohn, die Tochter von Liz Mohn, die erst als Jugendliche erfuhr, dass Reinhard Mohn ihr leiblicher Vater ist, ist Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung und gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Bertelsmann AG und Gesellschafterin der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH.</p>
<p>Es ist lebensfremd, dass eine Stiftung, die mehr als drei Viertel der Kapitalanteile der AG h&#228;lt und dabei gleichzeitig personell so eng verflochten ist, keinen Einfluss auf die AG aus&#252;ben w&#252;rde. Nach dem Tod des Firmenpatriarchen titelte selbst die FAZ: <a href="http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E8353056443F8497F9E4DFF588E759278~ATpl~Ecommon~Scontent.html">„Alle Macht f&#252;r Liz Mohn“</a>.</p>
<p>Der verstorbene Firmenpatriarch Reinhard Mohn sah in seiner Stiftung einen „Garanten der Unternehmenskontinuit&#228;t des Hauses Bertelsmann“.</p>
<p><strong>Reform des Stiftungsrechts à la Bertelsmann</strong></p>
<p>Wenn Gunter Thielen weiter sagt, dass schon deshalb kein Versto&#223; gegen die Gemeinn&#252;tzigkeit vorliegen k&#246;nne, weil die Stiftung regelm&#228;&#223;ig von den Steuerbeh&#246;rden und der Stiftungsaufsicht &#252;berpr&#252;ft w&#252;rde, so ist das nur die halbe Wahrheit. </p>
<p>Zur ganzen Wahrheit geh&#246;rt, dass die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit dem Maecenata Institut bereits 1999 eine Expertenkommission ins Leben gerufen hat, die nach Pr&#252;fsteinen f&#252;r ein zuk&#252;nftiges Stiftungs- und Gemeinn&#252;tzigkeitsrecht suchte. Deren Arbeit wird dokumentiert in der Loseblattsammlung mit Erg&#228;nzungslieferungen: “Expertenkommission zur Reform des Stiftungs- und Gemeinn&#252;tzigkeitsrechts”, Herausgeber: Bertelsmann Stiftung, Maecenata Institut f&#252;r <a href="http://www.glocalist.com/news/kategorie/kommentare/titel/kommentar-zur-gemeinnuetzigkeit-der-bertelsmann-stiftung/">Dritter-Sektor-Forschung</a>.</p>
<p>Das Stiftungsrecht in NRW wurde 2005, als Peer Steinbr&#252;ck noch Ministerpr&#228;sident in NRW war, auch nach den Vorstellungen dieser Expertenkommission reformiert bzw. „entb&#252;rokratisiert“ wie man neudeutsch sagt.</p>
<p>Nach § 7 soll die Stiftungsaufsichtsbeh&#246;rde von einer eigenen Pr&#252;fung absehen, wenn eine Stiftung von einem Wirtschaftspr&#252;fer auf die satzungsgem&#228;&#223;e Verwendung der Stiftungsmittel &#252;berpr&#252;ft wird.</p>
<p>Dass die Bertelsmann Stiftung die B&#252;cher ordentlich f&#252;hrt, soll nicht bestritten werden, nur, wie soll ein Wirtschaftspr&#252;fer die „Gemeinn&#252;tzigkeit“ im Sinne des Steuerrechts testieren k&#246;nnen?</p>
<p>Die Unterlagen &#252;ber die Anerkennung und Beaufsichtigung der Stiftung unterliegen nach dem NRW-Stiftungsgesetz nicht dem allgemeinen Informationszugang nach dem Informationsfreiheitsgesetz NRW. Die &#214;ffentlichkeit hat also keinen Zugang.</p>
<p>Nebenbei bemerkt:<br />
In den USA d&#252;rfen steuerbeg&#252;nstigte Stiftungen nicht mehr als 20 Prozent eines Unternehmens halten, um m&#246;glichen Interessenkonflikten vorzubeugen. Au&#223;erdem m&#252;ssen sie ihre f&#252;r ihre Ausgaben akribisch &#246;ffentlich Rechnung ablegen.</p>
<p><strong>&#220;berall gilt Wettbewerb, nur f&#252;r die Stiftung nicht</strong></p>
<p>Der Bertelsmann Stiftung wurden bei ihrer Gr&#252;ndung 1977 76,9 Prozent der Anteile der Bertelsmann AG &#252;bertragen. Seit ihrer Gr&#252;ndung hat sie bisher rund 666 Millionen Euro in &#252;ber 700 Projekte investiert und insgesamt rund 728 Millionen Euro f&#252;r »gemeinn&#252;tzige Arbeit« zur Verf&#252;gung gestellt. Im Gesch&#228;ftsjahr 2007 hat sie aus Ertr&#228;gen der Bertelsmann AG 72 Millionen Euro erhalten, aufgrund von Kooperationen und Ertr&#228;gen aus der Verm&#246;gensverwaltung verf&#252;gte die Bertelsmann Stiftung &#252;ber ein Volumen von knapp 84 Millionen Euro. Allein f&#252;r die Bildungsaktivit&#228;ten standen 2006 knapp elfeinhalb Millionen Euro zur Verf&#252;gung.<br />
Mit &#252;ber 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bis zu 100 Projekte betreuen, hat sie sich seit den 1990er Jahren zu einem f&#252;hrenden deutschen Think-tank entwickelt.</p>
<p>Das geradezu paradoxe am Verhalten der Bertelsmann Stiftung ist, dass sie zwar &#252;berall nach Wettbewerb ruft, diesen Wettbewerb aber bei sich selbst konsequent verhindert. Das, nicht nur indem sie „ausschlie&#223;lich operativ“ arbeitet, d.h. nur ihre von ihr selbst initiierten Projekte f&#246;rdert und keine Projektantr&#228;ge von au&#223;erhalb zul&#228;sst, also wissenschaftlichen Pluralismus satzungsm&#228;&#223;ig ausschlie&#223;t, sondern indem sie dar&#252;ber hinaus sich vor keinem Parlament und keinem Rechnungshof, ja nicht einmal vor einem Aufsichtsrat, der wenigstens unterschiedliche Interessen von Kapitalanlegern vertreten k&#246;nnte, f&#252;r den Einsatz ihrer Gelder und die damit verfolgten Ziele rechtfertigen muss.</p>
<p>Die Netzwerkarbeit und Projektentwicklung der Bertelsmann Stiftung ist so angelegt, dass sich die Akteure gar nicht mehr mit Gegenmeinungen und Kritik auseinandersetzen, dass sie Kritik in einer Haltung der Selbstgewissheit an sich abprallen lassen und so auftreten, als h&#228;tten sie die Richtigkeit und Wahrheit ihrer Konzepte von vorneherein und zweifelsfrei erkannt. Dieses Ausmerzen von fachlichen Gegenstimmen, demokratischer Willensbildung und umfassender B&#252;rgeraufkl&#228;rung, das ist das Gef&#228;hrliche und der undemokratische Kern, dieser zugestandenerma&#223;en perfekten Netzwerkarbeit. Nicht dass man die Argumente Andersdenkender &#252;bernehmen m&#252;sste, aber Kritik wahrzunehmen und sich damit auseinander zusetzen ist etwas anderes, als sie totzuschweigen bzw. &#252;ber seinen Einfluss &#252;ber die Medien einfach mundtot zu machen.<br />
Das Spektrum der &#214;ffentlichen Meinung und der Politik wurde so nicht etwa erweitert, sondern im Gegenteil verengt und in einer Weise kanalisiert, wie es offen ausgewiesene Interessengruppen – wie z.B. Industrieverb&#228;nde oder PR-Organisationen, wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – kaum zu erreichen verm&#246;gen.</p>
<p>Es ist das Recht eines jeden Unternehmers, der meint, etwas zur Ver&#228;nderung der Gesellschaft Doch wer &#246;ffentliche Aufgaben erf&#252;llt, Gesetze ver&#228;ndern will, die in Gestaltungsrechte und Lebenschancen von Millionen B&#252;rgern eingreift, der muss sich der &#246;ffentlichen Auseinandersetzung stellen und sein gesellschaftspolitisches Konzept offen vertreten, wie das auch Parteien tun und tun m&#252;ssen. Die &#214;ffentlichkeit muss den Einfluss nachvollziehen k&#246;nnen und dar&#252;ber abstimmen k&#246;nnen. </p>
<p>&#220;ber Kanzlerin Merkel kann man abstimmen, &#252;ber Bertelsmann nicht. Das Stiftungsverm&#246;gen und die Mission des Stifters sind immer da und k&#246;nnen die &#246;ffentliche Meinung st&#228;rker beeinflussen (Meinungsmacht &#252;ber die Medien), als alle Parteien oder Verb&#228;nde zusammen.</p>
<p><strong>Unter dem Etikett des „zivilgesellschaftlichen Engagements“</strong></p>
<p>Der verstorbene Firmenpatriarch Reinhard Mohn begr&#252;ndete seine Stiftungsaktivit&#228;ten pathetisch mit der „Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums“ nach Artikel 14 des Grundgesetzes.<br />
Die Stiftung lobt ihre „L&#246;sungsangebote“ als „zivilgesellschaftliches Engagement“. </p>
<p>Unter dem Zwang der leeren &#246;ffentlichen Kassen greift der Staat die „gemeinn&#252;tzigen“ Dienstleistungen der Bertelsmann Stiftung nur allzu gerne auf.<br />
Ja noch mehr, er zieht sich vielfach schon aus seiner Verantwortung immer mehr zur&#252;ck und &#252;berl&#228;sst wichtige gesellschaftliche Bereiche wie etwa die Bildung oder die Hochschule gleich ganz den Selbsthilfekr&#228;ften dieses b&#252;rgerschaftlichen Engagements.<br />
Aus dieser „zivilgesellschaftlichen“ Staats- und Gesellschaftsvorstellung speist sich z.B. die Idee von der „selbst&#228;ndigen Schule“ oder der „Entlassung“ der Hochschule aus der staatlichen Verantwortung und ihre Steuerung &#252;ber den Wettbewerb als <a href="?p=5228">„unternehmerische Hochschule“</a>.</p>
<p>Das „zivilgesellschaftliche Engagement“ oder der „Dienst an der Gemeinschaft“ sind allerdings eher „Trojanische Pferde“, mit denen demokratisch legitimierte parlamentarische und politische Macht zugunsten einer Herrschaft des gro&#223;en Geldes zur&#252;ckgedr&#228;ngt, wenn nicht sogar schon au&#223;er Kraft gesetzt wird.</p>
<p>Die Rollenverteilung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen bei ihrem „Dienst an der Gemeinschaft“ ergibt sich n&#228;mlich ziemlich naturw&#252;chsig daraus, was eben der Einzelne mit seinem b&#252;rgerschaftlichen Engagement zu leisten vermag.<br />
Diejenigen, die nicht so viel Geld und Verm&#246;gen haben, machen Sozialarbeit, also Altenpflege oder &#220;bungsleiter im Sportverein, die Verm&#246;genden vergeben Forschungsauftr&#228;ge oder Stiftungslehrst&#252;hle oder sie stiften gleich ganze Denkfabriken und pr&#228;gen damit den Gang der Wissenschaft oder den gesellschaftlichen Diskurs und bestimmen so die gesellschaftliche und die politische Weiterentwicklung.<br />
Die letztgenannte „zivilgesellschaftliche“ Macht st&#252;tzt sich ausschlie&#223;lich auf Reichtum und Verm&#246;gen. Darauf, dass eben zum Beispiel der Bertelsmann-Konzern und seine Stiftung mehr Geld hat als jede andere private und staatliche Institution, Expertisen und Gutachten erstellen zu lassen, Kongresse zu veranstalten, Studien zu machen, um die Mission ihres Stifters zu verbreiten.</p>
<p><strong>Gemeinn&#252;tzigkeit als Herrschaft der Besitzenden</strong></p>
<p>Diese Art von „Zivilgesellschaft“ bef&#246;rdert nicht nur die zunehmende materielle Ungleichheit zwischen Arm und Reich, sondern dieser Weg schlie&#223;t – anders als das im Modell des Mehrheitsprinzips in der Demokratie vorgesehen ist – vor allem die gro&#223;e Mehrheit der weniger wohlhabenden Bev&#246;lkerung mehr und mehr von der politischen Teilhabe und von der Gestaltung ihrer gesellschaftlichen Zukunft aus.</p>
<p>Die Timokratie – eine Herrschaft der Besitzenden – droht die Demokratie abzul&#246;sen.<br />
Und dieser schleichende Systemwechsel vom demokratischen Wohlfahrtsstaat zur Herrschaft des gro&#223;en Geldes, wird sogar noch mit dem Pathos von „Gemeinn&#252;tzigkeit“ vorangetrieben und vom Staat steuerlich privilegiert.</p>
<p>Hatte im Feudalismus der Adel seine von Geburt und Stand erworbenen Privilegien, so genie&#223;en im modernen Feudalismus, oder dem „Meudalismus“ wie er oft schon genannt wird, die gro&#223;en Verm&#246;gen die Privilegien des Fiskus – auf Kosten der allgemeinen Steuerzahler.</p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6584</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6584#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 07:09:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen:  Konzerne machen Kasse, Wachstum kommt aus dem Ausland, &#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221;, Stiglitz Says European Economy at Risk of Double-Dip Recession, USA verfallen in Angststarre, Diskrete Hypo-Gesch&#228;fte und volle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Service der NachDenkSeiten soll Ihnen einen schnellen &#220;berblick &#252;ber interessante aktuelle Artikel und Sendungen verschiedener Medien verschaffen. Heute u. a. zu folgenden Themen:  Konzerne machen Kasse, Wachstum kommt aus dem Ausland, &#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221;, Stiglitz Says European Economy at Risk of Double-Dip Recession, USA verfallen in Angststarre, Diskrete Hypo-Gesch&#228;fte und volle Geldkoffer, Liechtensteiner F&#252;rstenbank schafft die Trendwende, &#8220;Dark Pools&#8221; &#8211; die dunkle Seite der Macht, Lehman-Opfer unterliegt gegen Credit Suisse, Blendwerk, Rente, Datenschutz am Arbeitsplatz, US-Regierung misstraut gewinnorientierten Colleges, FDP-Krise, Sch&#246;pfer von Stuttgart 21 fordert sofortigen Stopp, Neuer Personalausweis, Verdummung oder Propaganda?, Migration, Thilo Sarrazin, zu guter Letzt. Hier die &#220;bersicht; Sie k&#246;nnen mit einem Klick aufrufen, was Sie interessiert. (RS/WL)<br />
<span id="more-6584"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Robert von Heusinger: Konzerne machen Kasse</a></li>
<li><a href="#h02">Robert von Heusinger: Wachstum kommt aus dem Ausland</a></li>
<li><a href="#h03">&#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221;</a></li>
<li><a href="#h04">Stiglitz Says European Economy at Risk of Double-Dip Recession</a></li>
<li><a href="#h05">USA verfallen in Angststarre</a></li>
<li><a href="#h06">Diskrete Hypo-Gesch&#228;fte und volle Geldkoffer</a></li>
<li><a href="#h07">Liechtensteiner F&#252;rstenbank schafft die Trendwende</a></li>
<li><a href="#h08">&#8220;Dark Pools&#8221; &#8211; die dunkle Seite der Macht</a></li>
<li><a href="#h09">Lehman-Opfer unterliegt gegen Credit Suisse</a></li>
<li><a href="#h10">Anna Sleegers: Blendwerk</a></li>
<li><a href="#h11">Rente</a></li>
<li><a href="#h12">Datenschutz am Arbeitsplatz</a></li>
<li><a href="#h13">US-Regierung misstraut gewinnorientierten Colleges</a></li>
<li><a href="#h14">FDP-Krise: Westerwelle in der Kritik</a></li>
<li><a href="#h15">&#8220;Gefahr f&#252;r Leib und Leben&#8221;: Sch&#246;pfer von Stuttgart 21 fordert sofortigen Stopp</a></li>
<li><a href="#h16">Neuer Personalausweis: L&#252;cke im Chip</a></li>
<li><a href="#h17">M&#228;rchenstunde, Verdummung oder Propaganda?</a></li>
<li><a href="#h18">Migration</a></li>
<li><a href="#h19">Thilo Sarrazin</a></li>
<li><a href="#h20">Zu guter Letzt: Thilo Sarrazin tr&#228;gt zur Verdummung Deutschlands bei</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6584&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Robert von Heusinger: Konzerne machen Kasse</strong><br />
Nicht alle profitieren gleicherma&#223;en vom Boom: W&#228;hrend die Gewinne der Unternehmen explodieren und Verm&#246;genseinkommen stark wachsen, bleiben die L&#246;hne zur&#252;ck.<br />
Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Verm&#246;genseinkommen zusammensetzt, hat gegen&#252;ber dem Vorjahresquartal um 8,3 Prozent zugenommen, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab. W&#228;hrend das Arbeitnehmerentgelt aber lediglich um 2,5 Prozent angestiegen sei, h&#228;tten die Unternehmens- und Verm&#246;genseinkommen einen „sehr deutlichen Zuwachs“ von 21,9 Prozent verzeichnet.<br />
Eine solche Ungleichbehandlung zu Beginn eines Aufschwunges ist nichts Ungew&#246;hnliches und eigentlich auch nicht problematisch, da der Aufschwung die L&#246;hne anziehen l&#228;sst und in den Folgeperioden wieder f&#252;r einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit sorgt. Das Problem in Deutschland ist aber, dass das im vergangenen Aufschwung nicht geklappt hat, weshalb die Gewinnquote sich von ihrem langj&#228;hrigen Mittelwert bei rund 30 Prozent gemessen am Volkseinkommen gel&#246;st und immer neue Rekorde erklommen hat.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/konzerne-machen-kasse/-/1472780/4585980/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Robert von Heusinger: Wachstum kommt aus dem Ausland</strong><br />
Auweia, im ersten Halbjahr hat Deutschland das Defizitkriterium der W&#228;hrungsunion verletzt: Auf 3,5 Prozent gemessen am Brutto-Inlandsprodukt (BIP) belief sich das Loch in den &#246;ffentlichen Haushalten. Dabei sind doch nur drei Prozent erlaubt.<br />
Deutschland hat sich in der Krise zum Mustersch&#252;ler gemausert. Das Defizit Frankreichs wird dieses Jahr bei knapp acht Prozent liegen, das der Amis und Engl&#228;nder &#252;ber zehn Prozent! Sollte Deutschland deshalb mit erhobenen Zeigefinger den Partnern zeigen, wo es langgehen m&#252;sste auf dem Weg der Tugend?<br />
Auch hier wieder: Weit gefehlt. Wo kommt das Wachstum hierzulande vor allem her? Aus dem Ausland. Im ersten Halbjahr bel&#228;uft sich die L&#252;cke zwischen der heimischen Nachfrage und der Wirtschaftsleistung, also der Leistungsbilanz&#252;berschuss, auf schlappe f&#252;nf Prozent gemessen am BIP. Die deutschen Daten sind deshalb so gut, weil andere L&#228;nder viel weniger tugendhaft sind.<br />
Deshalb ist jetzt die Zeit, den Partnern etwas zur&#252;ck zu geben.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/wachstum-kommt-aus-dem-ausland/-/1472780/4585984/-/index.html">FR</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/deutschland-waechst-zulasten-des-auslands/-/1472780/4585890/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>&#8220;Knapp daneben ist auch vorbei!&#8221;</strong><br />
Der ifo Gesch&#228;ftsklimaindex ist im August 2010 erneut gestiegen. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht die deutsche Wirtschaft in einem &#8220;konstanten Sommerhoch&#8221;. Wieder k&#246;nnen sich die Spalten der Medien mit triefendem Positivismus f&#252;llen. Der Ifo-Gesch&#228;ftsklimaindex kletterte leicht auf 106,7 Punkte, nach 106,2 Punkten im Vormonat. Dies war der dritte Anstieg in Folge und der Index erreicht den h&#246;chsten Stand seit Juni 2007.<br />
Allerdings handelt es sich beim ifo-Gesch&#228;ftsklimaindex nur um einen Stimmungsindikator, der in der aktuellen Situation wohl auch ein wenig die Inkompetenz der Befragten in Richtung Entwicklung der Weltkonjunktur dokumentiert &#8230;<br />
Im Zweifel spiegelt der Ifo-Index also auch das Wunschdenken der F&#252;hrungskr&#228;fte bzw. Unternehmenslenker ab und nicht die harten Fakten aus dem Auftragseingang!<br />
Die Interpretation, was unter Gesch&#228;ftslage und Gesch&#228;ftsentwicklung zu verstehen ist, wird dabei bewusst den Befragungsteilnehmern &#252;berlassen.<br />
Quelle: <a href="http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/08/knapp-daneben-ist-auch-vorbei.html">Quersch&#252;sse</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Stiglitz Says European Economy at Risk of Double-Dip Recession</strong><br />
Euro-area governments stepped up efforts to cut their deficits to below the European Union limit of 3 percent of gross domestic product after the Greek crisis earlier this year eroded investor confidence in the 16-member currency union. While the economy expanded at the fastest pace in four years in the second quarter, the recovery is showing signs of weakening.<br />
“Because so many in Europe are focusing on the 3 percent artificial number, which has no reality and is just looking at one side of a balance sheet, Europe is at risk of going into a double-dip,” Stiglitz said.<br />
“The problem is that we aren’t getting out of this current crisis very quickly,” he said. “What we’re doing is setting ourselves for a longer-term Japanese-style malaise of weak growth for an extended period of time. It’s very disturbing that people are talking about a new normal” with unemployment as high as 10 percent “which would be devastating.”<br />
Quelle: <a href="http://www.bloomberg.com/news/2010-08-24/stiglitz-says-government-cuts-set-to-push-europe-into-double-dip-recession.html">Bloomberg</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>USA verfallen in Angststarre</strong><br />
Bittere Nachrichten von der Konjunktur sch&#252;ren in den USA die Angst vor einer neuen Rezession: Daten vom H&#228;usermarkt und der Industrie sind deprimierend. Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, w&#252;rde dies die gesamte Weltwirtschaft mitrei&#223;en.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:neue-horrornachrichten-usa-verfallen-in-angststarre/50161257.html">FTD</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Diskrete Hypo-Gesch&#228;fte und volle Geldkoffer</strong><br />
Ein Insider packte aus und enth&#252;llte via TV angebliche Gesch&#228;fte fr&#252;herer Hypo-Vorst&#228;nde.<br />
Bei dem Ex-Mitarbeiter des Instituts, der sich Freitagabend via Fernsehen gemeldet und fr&#252;here Vorst&#228;nde belastet hat, handelt es sich um den ehemaligen Treasury-Leiter der Bank, Christian Rauscher.<br />
In der ZiB 2 hatte Rauscher unter anderem von &#8220;diskreten Gesch&#228;ften&#8221; mit Geldkoffern berichtet. Gelder aus Kroatien seien mit Learjets nach Klagenfurt geflogen und von dort weiter nach Liechtenstein transferiert worden. Drehscheibe sei das Schloss Freyenthurn nahe dem W&#246;rther See gewesen, das die Hypo im Zusammenhang mit der Firmenpleite von General Partners &#8220;geerbt&#8221; hatte und in dem heute ein Nachtklub (Babylon) untergebracht ist.<br />
Das Schloss wurde den Angaben Rauschers zufolge als diskrete Filiale benutzt: &#8220;Da hat es im Schloss einen Beratungsschalter gegeben und einen Tresor, bei dem Gelder ausgezahlt worden sind.&#8221; Die Kunden seien diskret aus Italien und Kroatien angereist.<br />
F&#252;r die Gelder aus Kroatien Richtung Liechtenstein sei &#8220;Abflug in Klagenfurt&#8221; gewesen, &#8220;ohne gro&#223;e Kontrollen konnte man da mitnehmen, was man wollte. Da war immer ein Vorstand mit dabei und ein Geldkoffer.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1282273333838/Diskrete-Hypo-Geschaefte-und-volle-Geldkoffer">derStandard.at</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Liechtensteiner F&#252;rstenbank schafft die Trendwende</strong><br />
Die Liechtensteiner F&#252;rstenbank hat im ersten Semester 2010 die Trendwende geschafft: Erstmals seit zwei Jahren verzeichnete die LGT Group einen Neugeldzufluss. Er betr&#228;gt netto 1,1 Mrd. Franken. Der Konzerngewinn stieg um 6,4 Prozent auf 99,6 Mio. Franken.<br />
(sda) Noch in der Vorjahresperiode waren bei der LGT Group wegen der Steueraff&#228;re und der Finanzmarktkrise 1,6 Mrd. Franken an Kundengeldern abgeflossen. Die Verm&#246;gensverwalterin rechnet mit einer Fortsetzung des neuen Trends: «Wir erwarten, dass die positiven Zufl&#252;sse auch in der zweiten Jahresh&#228;lfte anhalten werden», wird Bankenchef Prinz Max von und zu Liechtenstein in der Mitteilung des Instituts zitiert.<br />
Die Kundenverm&#246;gen reduzierten sich allerdings trotz Neugeldzuflusses um 2,2 Mrd. auf 86,8 Mrd. Franken. Der R&#252;ckgang sei markt- und w&#228;hrungsbedingt, so die LGT Group.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/liechtensteiner_fuerstenbank_schafft_die_trendwende_1.7326553.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Die Gelder in die Steuroase flie&#223;en also wieder.</em></li>
<li><a name="h08"></a><strong>&#8220;Dark Pools&#8221; &#8211; die dunkle Seite der Macht</strong><br />
Was sich in den USA bereits Anfang der 1990er-Jahre durchsetzte (mittlerweile aber von der US-B&#246;rsenaufsicht SEC kritisch beobachtet wird) und in Europa auf fruchtbaren Boden fiel, findet nun auch vermehrt seinen Weg nach Asien. Gemeint sind so genannte &#8220;Dark Pools&#8221; und alternative Handelsplattformen (MTFs), Geheim-Plattformen f&#252;r den B&#246;rsenhandel. Dabei werden Wertpapier-Transaktionen an traditionellen B&#246;rsen vorbei vollautomatisch und quasi im Dunkeln abgewickelt.<br />
Turquoise (mehrheitlich im Besitz der London Stock Exchange) ist weltweit die gr&#246;&#223;te, gefolgt von der ebenfalls in London ans&#228;ssigen Chi-X. Letztere wird aktuell von einem mysteri&#246;sen &#220;bernahme-Interessenten umworben. J&#252;ngst gab die Deutsche Bank bekannt, einen &#8220;Dark Pool&#8221; in Hongkong zu starten. Singapur und Japan stehen bereits auf der Wunschliste.<br />
&#8220;&#8216;Dark Pools&#8217; gew&#228;hrleisten dem Marktteilnehmer nicht nur vollst&#228;ndige Anonymit&#228;t &#8211; ein weiterer Vorteil liegt darin, dass keine Preisbewegungen verursacht werden.&#8221; Eine Order wird erst dann ausgef&#252;hrt, sobald ein K&#228;ufer die gleiche Zahl an Aktien zum gleichen Preis durch eine anonyme Kauforder sucht &#8230;<br />
Im Unterschied zu geregelten M&#228;rkten erf&#252;llen &#8220;Dark Pools&#8221; kaum bis keine Transparenz-Anforderungen.<br />
Quelle: <a href="http://derstandard.at/1282273489334/Anonymes-Handeln-Dark-Pools---die-dunkle-Seite-der-Macht">derStandard.at</a></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Lehman-Opfer unterliegt gegen Credit Suisse</strong><br />
Das Berner Handelsgericht hat am Mittwoch ihr Urteil im Prozess des Lehman-Gesch&#228;digten Hugo Rey gegen die Credit Suisse verk&#252;ndet – es ist zu Gunsten der Grossbank ausgefallen. Das Gericht folgte auf der ganzen Linie der Argumentation der Verteidigung und wies Reys Klage ab. Die CS habe keinen Vertragsbruch begangen und auch ihre Aufkl&#228;rungspflicht nicht verletzt.<br />
In der Schweiz sei der Kunde und nicht die Bank beweispflichtig. Weil es sich bei den Gespr&#228;chen mit dem Anlageberater um Einzelgespr&#228;che handelte – bei denen auch keine Aufzeichnungspflicht bestand – habe Rey auch nicht beweisen k&#246;nnen, dass seine Behauptungen richtig gewesen seien. So stand bei der Frage, ob Lehman als holl&#228;ndische Bank bezeichnet wurde oder nicht, letztlich Aussage gegen Aussage. Ebenso sei es Rey nicht gelungen, das Gericht davon zu &#252;berzeugen, dass er nicht gen&#252;gend &#252;ber das Emittentenrisiko aufgekl&#228;rt worden war. Das Gericht hat das Urteil letztlich auf der Grundlage der vorhandenen Akten f&#228;llen m&#252;ssen.<br />
Das Gericht hielt fest, dass es sich um einen Anlageberatungsvertrag gehandelt haben, bei dem der Bankangestellte Empfehlungen abgegeben habe – am Ende habe Rey entschieden. In einer solchen Situation gebe es «halt auch eine gewisse Verantwortung des Anlegers».<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/lehman-opfer_unterliegt_gegen_credit_suisse_1.7327305.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Wie soll ein Kunde jemals beweisen k&#246;nnen, dass er belogen oder gar betrogen worden ist? Es steht doch in fast allen F&#228;llen Aussage gegen Aussage.</em></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Anna Sleegers: Blendwerk</strong><br />
Unt&#228;tigkeit kann man dem deutschen Finanzministerium nicht vorwerfen. Allerdings sollte es aufh&#246;ren, halbe Sachen zu machen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/blendwerk/-/1472780/4583028/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Rente</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Schluss mit Solidarit&#228;t beim Pensions-Sicherungs-Verein</strong><br />
Eigentlich hat der Pensions-Sicherungs-Verein eine friedvolle Aufgabe: Er sch&#252;tzt die Betriebsrenten nach der Firmenpleite. Doch in der Krise sind die Beitr&#228;ge explodiert. Nun erlebt der Verein eine Welle des Aufstands &#8211; das ganze System ist in Gefahr.<br />
Der PSV sch&#252;tzt die Anspr&#252;che auf betriebliche Altersversorgung, die Besch&#228;ftigte und Rentner an Unternehmen haben. Viele L&#228;nder beneiden die Deutschen um diese Einrichtung. Und lange Jahre arbeitete der PSV ger&#228;uschlos und zuverl&#228;ssig im Hintergrund. Wenn ein Unternehmen pleiteging, war der PSV zur Stelle.<br />
Das Krisenjahr 2009 aber hat dem Verein zugesetzt &#8211; und manchen Riss zu einem Graben werden lassen. Es steht etwas auf dem Spiel, das den Kern des Vereins ber&#252;hrt: die Solidarit&#228;t. Vielen der rund 73.000 Firmen, die Zwangsmitglieder in dem Verein sind, ist die Mitgliedschaft inzwischen zu teuer geworden.<br />
Hintergrund sind die explosionsartig gestiegenen Beitr&#228;ge: 2009 nahm die Belastung f&#252;r die Unternehmen drastisch zu. Mehr als 4 Mrd. Euro mussten sie aufbringen. Das liegt an der Konstruktion des Vereins. Gehen viele Mitgliedsfirmen pleite, schie&#223;t der Beitragssatz zwangsl&#228;ufig in die H&#246;he.<br />
Deshalb reagieren die Mitglieder zunehmend gereizt auf die Kosten. Rund 200 Firmen haben bislang Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt, darunter die Bavaria Film in M&#252;nchen. Unz&#228;hlige werden es noch tun, sie haben bis November Zeit.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/versicherungen/:agenda-schluss-mit-solidaritaet-beim-pensions-sicherungs-verein/50160356.html">FTD</a></li>
<li><strong>Bev&#246;lkerung und sozialversicherungspflichtig Besch&#228;ftigte im Alter von 60 Jahren bis zur gesetzlichen Altersgrenze (1999 bis 2031) und die „50-Prozent-Quote“ (SPD)</strong><br />
Das Bremer Institut f&#252;r Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V.(BIAJ) hat ausgerechnet, wie sich die Bev&#246;lkerung im Alter von 60 bis zur sich bis 2030 erh&#246;henden gesetzlichen Altersgrenze entwickeln d&#252;rfte. In der unten stehenden Grafik wird dargestellt, wie die im „SPD-Kompromiss“ vorgeschlagene 50-Prozent-Quote der sozialversicherungspflichtig Besch&#228;ftigten sich darstellen w&#252;rde, wenn die Altersgrenze bei 65 beibehalten w&#252;rde, und wie viele zus&#228;tzliche Besch&#228;ftigte es bed&#252;rfte, wenn die Altersgrenze gleitend bis 2029 auf 67 Jahre angehoben w&#252;rde. </p>
<p><a href="upload/bilder/100826_Rente_mit_67.gif" title="Link zur Grafik: Rente mit 67" rel="lightbox[6584]"><img width="470" src="upload/bilder/100826_Rente_mit_67_th.gif" alt="Grafik zum Thema: Rente mit 67" title="Rente mit 67: Bev&#246;lkerung und sozialversicherungspflichtig Besch&#228;ftigte im Alter von 60 Jahren bis zur gesetzlichen Altersgrenze und die '50-Prozent-Quote' (SPD: 19.08.2010) Bundesrepublik Deutschland" /></a></p>
<p>Quelle: <a href="upload/pdf/100826_Rente_mit_67.pdf">Bremer Institut f&#252;r Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V.(BIAJ) [PDF - 127 KB]</a></li>
<li><strong>Sahra Wagenknecht zu Gast bei &#8220;Peter Hahne&#8221;: Arbeiten bis zum Umfallen? Der Streit um die Rente</strong><br />
Videomitschnitt der Sendung vom 22.08.2010<br />
Sahra Wagenknecht, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linksfraktion und Stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE und Prof. Dr. Michael H&#252;ther, Pr&#228;sident des Instituts der deutschen Wirtschaft im Streitgespr&#228;ch bei Peter Hahne.<br />
Quelle: <a href="http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/779.sahra-wagenknecht-zu-gast-bei-peter-hahne-der-streit-um-die-rente.html">ZDF</a></li>
<li><strong>Generationenvertrag : Die Rentenl&#252;ge</strong><br />
Dass man sp&#228;ter in Ruhestand gehen soll, wird mit zweifelhaften Zahlen begr&#252;ndet.<br />
Quelle: <a href="http://www.zeit.de/2010/34/Standpunkt-Rente">Zeit</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Volker Bahl:</strong> Interessant, dies in der &#8220;Zeit&#8221; zu lesen!</em></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h12"></a><strong>Datenschutz am Arbeitsplatz</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Entwurf eines Gesetzes zur Regelung des Besch&#228;ftigungsdatenschutzes</strong><br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100826_Beschaeftigtendatenschutz_E_11082010.pdf">Bundesministerium des Innern [PDF - 999 KB]</a></p>
<p><em>Zur Kritik daran, siehe:</em></li>
<li><strong>Humanistische Union</strong><br />
Die B&#252;rgerrechtsorganisation Humanistische Union hatte in der letzten Woche gefordert, dem Entwurf des Gesetzes nicht zuzustimmen. Jutta Roitsch-Wittkowsky vom Vorstand der Humanistischen Union verwies dabei auf das im Gesetzentwurf genannte Ziel, &#8220;den Arbeitgebern verl&#228;ssliche Grundlagen f&#252;r die Durchsetzung von Compliance-Anforderungen und den Kampf gegen Korruption an die Hand zu geben&#8221;. Damit w&#252;rde den Arbeitgebern weiterhin ein &#8220;wohlgef&#252;llter Instrumentenkasten&#8221; zur Verf&#252;gung gestellt, um Besch&#228;ftigtendaten zu erheben, zu verarbeiten und zu nutzen, so Roitsch-Wittkowsky. Bei der Einstellung seien dem Arbeitgeber praktisch alle Daten zur Verf&#252;gung zu stellen, die er verlangt: auch zur ethnischen Herkunft, zur sexuellen Identit&#228;t und zu den Verm&#246;gensverh&#228;ltnissen, &#8220;wenn diese Daten wegen der Art der auszu&#252;benden T&#228;tigkeit oder der Bedingungen ihrer Aus&#252;bung wesentliche und entscheidende berufliche Anforderungen oder Hindernisse darstellen&#8221;, so der Entwurf.<br />
Das sei eine Blankovollmacht f&#252;r die Arbeitgeber, sagte Roitsch-Wittkowsky. An der seit zwanzig Jahren gef&#252;hrten Diskussion &#252;ber einen wirksamen Datenschutz f&#252;r Arbeitnehmer und &#252;ber B&#252;rgerrechte in Unternehmen und Betriebe gehe der Gesetzentwurf der Bundesinnenministers vorbei.<br />
Quelle: <a href="http://www.golem.de/1008/77401.html">golem.de</a></li>
<li><strong>DGB</strong><br />
Hauptkritikpunkt der Gewerkschaften ist, dass von dem urspr&#252;nglichen Ansatz, den Schutz von Besch&#228;ftigten vor Bespitzelung und &#220;berwachung zu verbessern, nichts mehr erkennbar ist. „Wir verstehen die Vorschl&#228;ge vielmehr so, dass mit den Neuregelungen dem Arbeitgeber ein Instrumentarium an die Hand gegeben werden soll, mit dem er Bespitzelungen und &#220;berwachungen rechtfertigen kann. Wir halten dies f&#252;r falsch.“, betonte Michael Sommer.<br />
Mit einem solchen Gesetz w&#252;rde die Position der Besch&#228;ftigten nicht verbessert, sondern erheblich verschlechtert werden. „Aus unserer Sicht ist damit kein politischer Mehrwert verbunden, sondern das reale Schutzniveau wird teilweise sogar unterschritten. Auch bestehen erhebliche Bedenken, dass ein solches Gesetz den Grunds&#228;tzen, die das Bundesverfassungsgericht zum Datenschutz auch im Arbeitsverh&#228;ltnis aufgestellt hat, gerecht wird“, sagte der DGB-Vorsitzende.<br />
Quelle: <a href="http://www.dgb.de/presse/++co++814bf3dc-7a11-11df-6571-00188b4dc422/@@index.html?start_date%3D2010-02-01%26end_date%3D2011-02-28%26search_text%3DDatenschutz">DGB</a></p>
<p><em>Siehe auch die</em> <a href="http://www.labournet.de/diskussion/grundrechte/komm/beschdatgesetz.html">Zusammenstellung der Diskussion bei LabourNet.de</a>.</li>
</ol>
</li>
<li><a name="h13"></a><strong>US-Regierung misstraut gewinnorientierten Colleges</strong><br />
Gewinnorientierte Colleges z&#228;hlen in den USA schon 1,8 Mio. Studierende. Besonders Minderheiten und Berufst&#228;tige nutzen deren Angebote. Die Regierung kritisiert, dass sich Studierende dabei finanziell oft &#252;bernehmen. Eine strengere Regulierung ist in Vorbereitung &#8230;<br />
K&#252;rzlich hat der oberste Rechnungshof der USA eine Studie vorgestellt. 4 von 15 getesteten Institutionen waren laut Untersuchung bereit, Unterlagen zu f&#228;lschen, damit die Studenten an staatliche Subventionen kamen.<br />
Dazu kommt der Vorwurf, die gewinnorientierten Unis w&#252;rden oft viel mehr Geld f&#252;r &#228;hnliche Kurse verlangen als &#246;ffentliche Colleges. Als Extremfall wird vom Rechnungshof ein Massage-Diplom angef&#252;hrt, das an einem For-Profit-College 14 000 $ kostet, w&#228;hrend es beim &#246;ffentlichen Pendant in der N&#228;he f&#252;r 520 $ zu haben sei.<br />
85% der Einnahmen der «Career-Colleges», wie sie sich selbst nennen, stammen aus der Lehre, bei &#246;ffentlichen Colleges betr&#228;gt dieser Anteil nur 17%.<br />
Laut Zahlen von 2007 kamen 11% der Abg&#228;nger von Career-Colleges, zwei Jahre nachdem sie mit R&#252;ckzahlungen begonnen hatten, ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nach. In &#246;ffentlichen Colleges waren es 5,9% und bei privaten, nicht gewinnorientierten nur 3,7%.<br />
F&#252;r Ausf&#228;lle haften zu einem guten Teil die Steuerzahler.<br />
Im Gespr&#228;ch ist derzeit eine Vorschrift, gem&#228;ss der Studenten h&#246;chstens 8% des Einstiegslohns f&#252;r den Schuldendienst aufwenden d&#252;rfen. Zudem m&#252;ssen mindestens 45% der Abg&#228;nger eines College in der Lage sein, auch den Grundbetrag der Schuld abzutragen. Werden beide Bedingungen deutlich verfehlt, verliert eine Institution den Zugang zu Stipendien.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/us-regierung_misstraut_gewinnorientierten_colleges_1.7320082.html">NZZ</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>FDP-Krise: Westerwelle in der Kritik</strong><br />
Der innerparteiliche Druck auf FDP-Chef Guido Westerwelle wegen des seit Monaten anhaltenden Stimmungstiefs nimmt zu. Die Saar-FDP fordert Westerwelles R&#252;ckzug vom Parteivorsitz.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/westerwelle-in-der-kritik/-/1472596/4587106/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>&#8220;Gefahr f&#252;r Leib und Leben&#8221;: Sch&#246;pfer von Stuttgart 21 fordert sofortigen Stopp</strong><br />
Er war einer der V&#228;ter von Stuttgart 21, doch nun fordert er den sofortigen Stopp des umstrittenen Bahn-Projektes: Architekt Frei Otto warnt eindringlich vor den Gefahren f&#252;r &#8220;Leib und Leben&#8221;. Eine Untersuchung best&#228;rkt ihn.<br />
Quelle: <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/gefahr-fuer-leib-und-leben-schoepfer-von-stuttgart-21-fordert-sofortigen-stopp-1596547.html">Stern.de</a></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Neuer Personalausweis: L&#252;cke im Chip</strong><br />
Er wird nur teurer, aber sicherer keineswegs: &#220;belt&#228;ter k&#246;nnen die Geheimnummer abfangen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/luecke-im-chip/-/1472596/4586124/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>M&#228;rchenstunde, Verdummung oder Propaganda?</strong><br />
Bundesregierung (ver)erkl&#228;rt Kindern und Jugendlichen den milit&#228;rischen Einsatz in Afghanistan.<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33186/1.html">Telepolis</a></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Migration</strong><br />
Gallup&#8217;s Potential Net Migration Index finds Singapore, New Zealand, Saudi Arabia, Canada, Switzerland, Australia, and Kuwait atop the list of countries that could see the highest net adult population growth from international migration. If all adults worldwide who desire to migrate permanently to other countries actually moved where they wanted today, each country would see their adult populations double or even triple.<br />
Quelle: <a href="http://www.gallup.com/poll/142364/Migration-Triple-Populations-Wealthy-Nations.aspx?utm_source=alert&#038;utm_medium=email&#038;utm_campaign=syndication&#038;utm_content=morelink&#038;utm_term=USA%20-%20World#1">Gallup.com</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Gallup hat eine Rangliste des Potenzials f&#252;r die Netto-Migration (also eine Zu- und Auswanderungsbilanz) aufgestellt, wenn weltweit alle Erwachsenen, die auszuwandern w&#252;nschten, in ein Land ihrer Wahl ziehen k&#246;nnten. Danach scheint Deutschland f&#252;r Auswanderer nicht besonders attraktiv zu sein und hinter Malaysia, Portugal oder dem Libanon zu liegen.<br />
Eigentlich nicht verwunderlich, wenn man die gegenw&#228;rtige Debatte &#252;ber Ausl&#228;nder in Deutschland verfolgt.</em></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Thilo Sarrazin</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Geistesverwandtschaft, oder wie sich die Argumentationsmuster gleichen: &#8220;Die Deutschen aber schaffen sich allm&#228;hlich ab“</strong><br />
Eine Nettoreproduktionsrate (T&#246;chter pro Frau, d. Red.) von 0,7 oder weniger, wie wir sie seit 40 Jahren haben, bedeutet ja nichts anderes, als dass die Generation der Enkel jeweils halb so gro&#223; ist wie die der Gro&#223;v&#228;ter. Die Geburtenzahl sank in Deutschland von &#252;ber 1,3 Millionen j&#228;hrlich in der ersten H&#228;lfte der Sechzigerjahre auf 650 000 im Jahr 2009 ab.<br />
Geht das so weiter – und warum sollte sich etwas &#228;ndern an diesem Trend, der schon &#252;ber vier Jahrzehnte anh&#228;lt –, dann wird in 90 Jahren die Zahl der Geburten in Deutschland bei rund 200 000 bis 250 000 liegen. H&#246;chstens die H&#228;lfte davon werden Nachfahren der 1965 in Deutschland lebenden Bev&#246;lkerung sein &#8230;<br />
Die sozialen Belastungen einer ungesteuerten Migration waren stets tabu, und schon gar nicht durfte man dar&#252;ber reden, dass Menschen unterschiedlich sind – n&#228;mlich intellektuell mehr oder weniger begabt, fauler oder flei&#223;iger, mehr oder weniger moralisch gefestigt – und dass noch so viel Bildung und Chancengleichheit daran nichts &#228;ndert. [...] So wurde viel zu lange &#252;bersehen, dass die Alterung und Schrumpfung der deutschen Bev&#246;lkerung einhergeht mit qualitativen Ver&#228;nderungen in deren Zusammensetzung. &#220;ber die schiere Abnahme der Bev&#246;lkerung hinaus gef&#228;hrdet vor allem die kontinuierliche Zunahme der weniger Stabilen, weniger Intelligenten und weniger T&#252;chtigen die Zukunft Deutschlands.&#8221;<br />
Thilo Sarrazin in der Bild-Zeitung<br />
Quelle: <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/23/thilo-sarrazin/deutschland-immer-aermer-und-duemmer.html">Bild</a></p>
<blockquote><p>&#8220;W&#228;hrend wir um die Jahrhundertwende noch etwa 2 Millionen Geburten im Jahre hatten, sind es heute nur noch rund 975 000.</p>
<p>Von etwa 36 Lebendgeborenen auf Tausend um das Jahr 1900 ist diese Zahl auf etwa 15 im Jahre 1932 abgesunken. Die Zahl der Kinder nimmt also in bedrohlichem Ma&#223;e ab, das Zweikindersystem der Nachkriegszeit ist &#252;berholt, das deutsche Volk ist zum Ein-, ja zum Keinkindsystem &#252;bergegangen. [...] Nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamts ist das deutsche Volk bei seiner heutigen Geburtenziffer nicht mehr imstande, sich aus eigener Kraft zu erhalten, sondern bei 15 Geburten auf Tausend der Bev&#246;lkerung fehlten uns schon etwa 30% an Geb&#228;rleistungen der deutschen Frauen, um den Volksbestand in der Zukunft zu sichern. Weder Berlin noch die anderen deutschen Gro&#223;st&#228;dte, noch selbst die Mittel- und Kleinst&#228;dte sind bei der heutigen Geburtenziffer in der Lage, ihren Bev&#246;lkerungsstand zu erhalten. Nur die l&#228;ndlichen Gemeinden haben noch einen geringen Geburten&#252;berschu&#223;, der aber nicht mehr ausreicht, um den Verlust in den deutschen St&#228;dten zu ersetzen. Wir stehen damit vor einer grunds&#228;tzlichen Wende der Zeit. Unser Volk geht unweigerlich einer starken &#220;beralterung und Ergreisung entgegen.</p>
<p>Doch, es ist ja nicht nur die Zahl, die zu Bedenken Anla&#223; gibt, sondern in gleichem Ma&#223;e die G&#252;te und Beschaffenheit unserer deutschen Bev&#246;lkerung. Da wir bisher noch keine erbbiologische Bestandsaufnahme haben, sind wir auf Sch&#228;tzungen angewiesen. </p>
<p>W&#228;hrend man die F&#228;lle von schweren k&#246;rperlichen oder geistigen Erbleiden mit 500 000 etwa annehmen kann, sind die Zahlen der leichteren F&#228;lle erheblich h&#246;her. Es gibt Autoren, die bereits 20% der deutschen Bev&#246;lkerung als erbbiologisch gesch&#228;digt ansehen, von denen dann also Nachwuchs nicht mehr erw&#252;nscht sei. Es kommt hinzu, da&#223; grade oft schwachsinnige und minderwertige Personen eine &#252;berdurchnittlich gro&#223;e Fortpflanzung aufweisen. W&#228;hrend die gesunde deutsche Familie heute nicht mehr 2 Kinder im Durchschnitt dem Volk zur Verf&#252;gung stellt, findet man grade bei Schwachsinnigen und Minderwertigen, so bedauerlich das auch klingen mag, durchschnittlich die doppelte, oft sogar die dreifache Zahl. </p>
<p>Das bedeutet aber, da&#223; die begabtere wertvolle Schicht von Generationen nahezu abnimmt und in wenigen Generationen nahezu vollkommen ausgestorben sein wird, damit aber auch Leistung und deutsche Kultur…<br />
Bei der &#252;beraus starken Belastung unseres Volkes mit Steuern, Sozialabgaben und Zinsen d&#252;rfen wir uns der Erkenntnis nicht verschlie&#223;en, da&#223; der Staat an einen Umbau der gesamten Gesetzgebung und eine Verminderung der Lasten f&#252;r Minderwertige und Asoziale heranzugehen haben wird. Wie sehr die Ausgaben f&#252;r Minderwertige, Asoziale, Kranke, Schwachsinnige, Geisteskranke, Kr&#252;ppel und Verbrecher heute das Ma&#223; dessen &#252;berschreiten, was wir unserer schwer um ihre Existenz ringenden Bev&#246;lkerung zumuten d&#252;rften, ersehen wir aus den Kosten, die heute vom Reich, von den L&#228;ndern und den Kommunen zu ihrer Versorgung aufgebracht werden m&#252;ssen. Daf&#252;r nur einige Beispiele: es kostet der Geisteskranke etwa 4 RM. den Tag, der Verbrecher 3,50 RM., der Kr&#252;ppel und Taubstumme 5-6 RM. den Tag, w&#228;hrend der ungelernte Arbeiter nur etwa 2,50 RM., der Angestellte 3,60 RM., der untere Beamte etwa 4 RM. den Tag zur Verf&#252;gung haben. Das sind Folgen einer &#252;bertriebenen F&#252;rsorge f&#252;r das Einzelindividuum, die den Arbeitswillen der Gesunden ert&#246;ten und das Volk zu Rentenempf&#228;ngern erziehen mu&#223;. Andererseits belasten sie die wertvollen Familien derart, da&#223; Abtreibung und Geburtenverh&#252;tung die Folge davon sind. Was wir bisher ausgebaut haben, ist also eine &#252;bertriebene Personenhygiene und F&#252;rsorge f&#252;r das Einzelindividuum, ohne R&#252;cksicht auf die Erkenntnisse der Vererbungslehre, der Lebensauslese und der Rassenhygiene. Diese Art moderner &#8216;Humanit&#228;t&#8217; und sozialer F&#252;rsorge f&#252;r das kranke, schwache und minderwertige Individuum mu&#223; sich f&#252;r das Volk im gro&#223;en gesehen als gr&#246;&#223;te Grausamkeit auswirken und schlie&#223;lich zu seinem Untergang f&#252;hren. <strong>Die Deutschen h&#228;tten sich damit quasi abgeschafft.</strong>&#8220;</p></blockquote>
<p>Quelle: Der Reichsminister des Innern, Dr. Wilhelm Frick in seiner Ansprache auf der ersten Sitzung des Sachverst&#228;ndigenbeirates f&#252;r Bev&#246;lkerungs- und Rassenpolitik am 28. Juni 1933 in Berlin (Reichsausschuss f&#252;r Volksgesundheitsdienst) 1933. </p>
<p><em>Das Zitat hat mir unser Leser O.F. zur Verf&#252;gung gestellt.</em></li>
<li><strong>Sarrazin: &#8220;Unqualifizierte Migration&#8221; kann so nicht weitergehen</strong><br />
Bundesbank-Vorstandsmitglied fordert Integrationsdruck auf muslimische Migranten<br />
Der fr&#252;here Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sieht Integration als &#8220;Bringschuld&#8221; von Migranten. Man m&#252;sse Zuwanderern zwar &#8220;alle Chancen geben, sich zu integrieren, wir m&#252;ssen diese Chancen aber auch mit einem kr&#228;ftigen Aufforderungscharakter verbinden&#8221;, sagt Sarrazin.<br />
Quelle: <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1255423/">Dradio</a></li>
<li><strong>Buch von Thilo Sarrazin &#8220;Diffamierend und verletzend&#8221;</strong><br />
Kaum sind erste Ausz&#252;ge aus Thilo Sarrazins Buch auf dem Markt, sieht sich sogar die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung in der Pflicht, den Thesen zu widersprechen. Auch der SPD-Chef schaltet sich ein.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesbanker-in-der-kritik-sarrazins-polemik-ist-diffamierend-und-verletzend-1.991941">S&#252;ddeutsche Zeitung</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h20"></a><strong>Zu guter Letzt: Thilo Sarrazin tr&#228;gt zur Verdummung Deutschlands bei</strong>
<p><img src="upload/bilder/100826_thilo_sarrazin.jpg" alt="Bild: Thilo Sarrazin" title="Thilo Sarrazin" /></li>
</ol>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 07:11:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Wirtschaftsleistung im 2. Quartal; Staatsdefizit im ersten Halbjahr; Steuerparadies; Atomstreit; kleine Abgabe f&#252;r n&#228;chste Krise; mehr Wettbewerb beim Trinkwasser; Stuttgart 21; f&#252;r Marzipanschweine ins Gef&#228;ngnis; Nachzahlung bei sittenwidrigen L&#246;hnen nur per Gericht; Fremdunternehmen bei der Post; Desaster auf dem US-Immobilienmarkt weitet sich aus; Arbeitsmarktkonzept der SPD; Persilschein f&#252;r Blackwater; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Wirtschaftsleistung im 2. Quartal; Staatsdefizit im ersten Halbjahr; Steuerparadies; Atomstreit; kleine Abgabe f&#252;r n&#228;chste Krise; mehr Wettbewerb beim Trinkwasser; Stuttgart 21; f&#252;r Marzipanschweine ins Gef&#228;ngnis; Nachzahlung bei sittenwidrigen L&#246;hnen nur per Gericht; Fremdunternehmen bei der Post; Desaster auf dem US-Immobilienmarkt weitet sich aus; Arbeitsmarktkonzept der SPD; Persilschein f&#252;r Blackwater; kein Geld f&#252;r Bildung; Master wird zum Nadel&#246;hr; Salzburger Trialog; Friedrich Naumann; Frankfurter Rundschau wird weiter ausgelutscht; NPD lobt Sarrazin. (WL)<br />
<span id="more-6577"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Ausf&#252;hrliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2010</a></li>
<li><a href="#h02">Staatsdefizit im ersten Halbjahr 2010 bei 42,8 Milliarden Euro</a></li>
<li><a href="#h03">Steuerparadies Deutschland</a></li>
<li><a href="#h04">Atomstreit</a></li>
<li><a href="#h05">Kleine Abgabe f&#252;r n&#228;chste Krise</a></li>
<li><a href="#h06">Monopolkommission fordert mehr Wettbewerb in der Trinkwasserversorgung</a></li>
<li><a href="#h07">Stuttgart 21</a></li>
<li><a href="#h08">F&#252;r Marzipanschweine f&#252;nf Monate ins Gef&#228;ngnis</a></li>
<li><a href="#h09">Nachzahlung bei sittenwidrigen L&#246;hnen</a></li>
<li><a href="#h10">Fremdunternehmen sollen Pakete ausliefern</a></li>
<li><a href="#h11">Arbeitnehmerdatenschutz: Ein typisch schwarz-gelber Kompromiss</a></li>
<li><a href="#h12">Desaster auf dem US-Immobilienmarkt weitet sich aus</a></li>
<li><a href="#h13">Das Arbeitsmarktkonzept der SPD</a></li>
<li><a href="#h14">Persilschein f&#252;r „Blackwater“</a></li>
<li><a href="#h15">Kein Geld f&#252;r Bildung</a></li>
<li><a href="#h16">Der Master wird zum Nadel&#246;hr</a></li>
<li><a href="#h17">USA: Wettlauf der Besten</a></li>
<li><a href="#h18">Salzburger Trilog: &#8220;Bereit sein f&#252;r n&#228;chste Krise&#8221;</a></li>
<li><a href="#h19">Die Freiheit Friedrich Naumanns</a></li>
<li><a href="#h20">Frankfurter Rundschau: Mehr als ausgelutscht</a></li>
<li><a href="#h21">Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik erh&#228;lt den Award of Change</a></li>
<li><a href="#h22">&#8220;Thilo Sarrazin schreibt regelrechtes NPD-Buch&#8221;</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6577&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Ausf&#252;hrliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2010</strong><br />
Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 13. August 2010 mitgeteilt hat, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im zweiten Vierteljahr 2010 nach vorl&#228;ufigen Berechnungen um 2,2% h&#246;her als im ersten Vierteljahr.<br />
Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich (preis-, saison- und kalenderbereinigt) sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Die Investitionen und der Au&#223;enhandel hatten dabei den gr&#246;&#223;ten Anteil am Aufschwung. Sowohl in Ausr&#252;stungen (+ 4,4%) als auch in Bauten (+ 5,2%) wurde deutlich mehr investiert als im Vorquartal. Dabei muss allerdings ber&#252;cksichtigt werden, dass sich insbesondere die Ausr&#252;stungsinvestitionen nach den zum Teil zweistelligen R&#252;ckg&#228;ngen w&#228;hrend der Wirtschaftskrise 2008/2009 auf einem immer noch relativ niedrigen Niveau bewegen. Beim Anstieg der Bauinvestitionen handelt es sich zudem zum Teil um Nachholeffekte nach dem vergleichsweise strengen Winter.<br />
Die Exporte von Waren und Dienstleistungen (+ 8,2%) stiegen zum Vorquartal st&#228;rker als die Importe (+ 7,0%), sodass der Export&#252;berschuss (Au&#223;enbeitrag) einen Wachstumsbeitrag von 0,8 Prozentpunkten am BIP hatte. Auch vom inl&#228;ndischen Konsum gibt es Positives zu berichten: Die privaten Konsumausgaben waren um 0,6% h&#246;her als in den ersten drei Monaten des Jahres. Der Staat erh&#246;hte seine Konsumausgaben ebenfalls leicht um 0,4%.<br />
Quelle: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/08/PD10__293__811,templateId=renderPrint.psml">Statistisches Bundesamt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Im Vorjahresvergleich trugen in erster Linie Investitionen von Staat und Unternehmen und die Nachfrage aus dem Ausland zum Wirtschaftswachstum bei. Die privaten Konsumausgaben sanken preisbereinigt um 0,7%.</em></p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung G.K.:</strong> Das Ausblenden der schwachen Entwicklung des privaten Verbrauchs im Vergleich zum Vorjahr durch die allermeisten Medien passt in die g&#228;ngige sch&#246;nf&#228;rberische Berichterstattung zu der seit Jahren anhaltenden schwachen Entwicklung des privaten Verbrauchs in Deutschland. Siehe den NachDenkSeiten-Beitrag <a href="?p=5332#h09">&#8220;Konsumklima hellt sich auf&#8221;</a>.</em></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Staatsdefizit im ersten Halbjahr 2010 bei 42,8 Milliarden Euro</strong><br />
Das Finanzierungsdefizit des Staates betrug im ersten Halbjahr 2010 nach vorl&#228;ufigen Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 42,8 Milliarden Euro. Damit war das Defizit im ersten Halbjahr 2010 mehr als doppelt so hoch wie im ersten Halbjahr 2009 (18,7 Milliarden Euro). Mit einer gewissen zeitlichen Verz&#246;gerung schlagen sich nun die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise und der in diesem Zusammenhang aufgelegten staatlichen Ma&#223;nahmen zur St&#252;tzung der Konjunktur und der Finanzm&#228;rkte deutlich in den Haushalten von Bund, L&#228;ndern, Gemeinden und Sozialversicherung nieder. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen (1 211,7 Milliarden Euro) errechnet sich f&#252;r das erste Halbjahr 2010 aus dem Finanzierungssaldo eine Defizitquote von – 3,5%.<br />
Am 19. Juli 2010 hat das Statistische Amt der Europ&#228;ischen Gemeinschaften (Eurostat) eine Entscheidung zur sektoralen Zuordnung der „Ersten Abwicklungsanstalt“ (Badbank) in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen getroffen. Aufgabe der „Ersten Abwicklungsanstalt“ ist es, von der WestLB Risikopositionen und nichtstrategienotwendige Gesch&#228;ftsbereiche zu &#252;bernehmen und diese abzuwickeln. Nach der Eurostat-Entscheidung ist die „Erste Abwicklungsanstalt“ dem Sektor Staat zuzuordnen. Die damit verbundenen Auswirkungen sind bereits in die Ergebnisse f&#252;r das erste Halbjahr 2010 eingeflossen. Der Finanzierungssaldo des Staates hat sich dadurch um rund 900 Millionen Euro verschlechtert.<br />
Quelle: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/08/PD10__294__813,templateId=renderPrint.psml">Statistisches Bundesamt</a></p>
<p><em>Dazu passt:</em></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Steuerparadies Deutschland</strong><br />
Der Staat kassiert zu viel &#8211; das glauben die meisten Deutschen. Dabei zahlen viele selbst kaum Steuern. Nur ein kleiner Teil der Bev&#246;lkerung sorgt f&#252;r den Gro&#223;teil der Einnahmen.<br />
Es gibt kaum ein Land in der entwickelten Welt, in dem das Aufkommen von Steuern, die sich auf Besitz beziehen, so gering ist wie in Deutschland. In den Anfangsjahren der Bundesrepublik gab es dagegen noch eine Verm&#246;gensabgabe, die f&#252;r bis zu neun Prozent aller j&#228;hrlichen Steuereinnahmen sorgte. Heute liegt das Aufkommen der Verm&#246;gensteuer gerade noch bei l&#228;ppischen sieben Millionen Euro pro Jahr. Und dabei handelt es sich vor allem um Nachzahlungen aus den neunziger Jahren. Denn seit 1997 wird diese Steuer nicht mehr erhoben.<br />
Eine Langfristanalyse, wie sich die Finanzierung des Staates in den vergangenen 60 Jahren ver&#228;ndert hat, zeigt ebenfalls, dass sich Kapitalgesellschaften &#8211; also die in der Regel finanzkr&#228;ftigen gr&#246;&#223;eren Unternehmen und Konzerne &#8211; immer weniger an der Finanzierung der gesellschaftlichen Aufgaben beteiligen.</p>
<p><img width="475" src="http://www.spiegel.de/images/image-121012-galleryV9-ugjp.jpg" alt="Grafik, Quelle: SPIEGEL Online, Aufkommen verm&#246;gensbezogener Steuern" title="Aufkommen verm&#246;gensbezogener Steuern" /></p>
<p><img width="475" src="http://www.spiegel.de/images/image-123605-galleryV9-wrru.jpg" alt="Grafik, Quelle: SPIEGEL Online, Anteil einzelner Steuerarten am gesamten Steueraufkommen" title="Anteil einzelner Steuerarten am gesamten Steueraufkommen" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711328,00.html">Spiegel Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Interessant sind die Tabellen und Grafiken. Man beachte den Anstieg der Lohn- und Mehrwertsteuer im Vergleich zu anderen Steuerarten. Zun&#228;chst wird allerdings die alte M&#228;r transportiert, dass die Reichen den L&#246;wenanteil an Steuern bezahlen. Leider wird auch hier nicht ausreichend dargestellt, wie das Verh&#228;ltnis von Steuerbelastung zu den Einkommen und den Verm&#246;gen aussieht. Siehe dazu nochmals <a href="?p=6433">&#8220;Der Reiche als der ausgebeutete Gutmensch und der Arme als Schmarotzer&#8221;</a>.<br />
Der Autor h&#228;tte vielleicht auch mal ins eigene Spiegel-Archiv schauen k&#246;nnen: <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-645805,00.html">Und Konzerne wie Superreiche zahlen weiterhin zu wenig Steuern, oft v&#246;llig legal, denn die Schlupfl&#246;cher sind riesig</a>.</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Atomstreit:</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Die Schlacht um die Strom-Milliarden</strong><br />
Die Atomindustrie sagt: Erneuerbare Energien sind zu teuer. Dabei ist Atomstrom nur so billig, weil er mit 164,7 Milliarden Euro subventioniert wurde.<br />
Wird in Deutschland &#252;ber Energie diskutiert, gibt es ein festes Ritual: Kurz bevor der Bundestag oder die Regierung vor wegweisenden Entscheidungen steht, bringen die Interessenverb&#228;nde ihre Institute in Stellung. Das Rheinisch-Westf&#228;lische Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung (RWI) ist regelm&#228;&#223;ig mit Horrorzahlen &#252;ber die F&#246;rderung regenerativer Energien dabei.<br />
Bereits beschlossenes Ziel der Bundesregierung aber ist es, bis 2020 in Deutschland 30 Prozent des Stroms durch regenerativen Strom zu erzeugen. Laut einer Studie des Bundesumweltministeriums werden es wahrscheinlich 40 Prozent werden, bis 2030 dann sogar 66 Prozent. Kosten daf&#252;r in den n&#228;chsten beiden Dekaden: 142 bis 182 Milliarden Euro auf dem Preisstand von 2010. Die Zahl entsteht je nachdem, wie sich die Differenz der Kosten zwischen fossiler und regenerativ erzeugter Energie entwickelt: Je teurer Kohle oder Erd&#246;l wird, desto eher rechnen sich die momentan noch teureren Wind- oder Solarkraftwerke. Von 2000 bis 2009 flossen zudem knapp 49 Milliarden Euro in die F&#246;rderung der erneuerbaren Energien. Sie ist keine staatliche Subvention, sondern wird von den Stromkunden getragen. Mit rund 2 Cent pro Kilowattstunde macht das derzeit circa zehn Prozent der Stromrechnung aus.<br />
Atomkraft ist derzeit deshalb billiger, weil die Kraftwerke alt sind: L&#228;ngst haben die Konzerne die anf&#228;nglich sehr hohen Investitionen erwirtschaftet. Nun verrechnen sie die laufenden Betriebskosten mit dem erzeugten Strom und fertig ist die M&#228;r vom billigen Atomstrom. Das Forum f&#252;r &#214;kologisch-Soziale (F&#214;S) Marktwirtschaft hat im Auftrag von Greenpeace errechnet, was Atomkraft in Deutschland wirklich kostet: Von 1950 bis 2008 gab es, mit Preisstand von 2008, allein 61 Milliarden Euro direkte Hilfen vom Staat, unter anderem f&#252;r die Forschung, die Suche nach einem Endlager, Castor-Transporte oder auch die Folgekosten von Tschernobyl. Durch Steuerverg&#252;nstigungen kommen weitere 64,8 Milliarden Euro hinzu. Weil man Deutschland unter den vier gro&#223;en Stromkonzernen aufteilte, kamen durch fehlenden Wettbewerb weitere 33 Milliarden dazu, errechnete das Institut. Mit weiteren Faktoren macht das 164,7 Milliarden Euro.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2010/08/24/a0084">taz</a></li>
<li><strong>Das letzte Aufgebot der Atom-Dinosaurier</strong><br />
Auff&#228;llig an der Debatte ist, dass sie mal wieder mit wenig Fakten und daf&#252;r viel Drohkulisse gef&#252;hrt wird. Nat&#252;rlich ist mal wieder die Wettbewerbsf&#228;higkeit der deutschen Wirtschaft in Gefahr, wenn die Bundesregierung nicht die Forderungen der Energiekonzerne erf&#252;llt. Komisch nur, dass trotz &#214;kosteuer und garantierter Einspeisetarife f&#252;r die Erneuerbaren die hiesige Wirtschaft gerade allen Nachbarn und Konkurrenten in der westlichen Hemisph&#228;re davonl&#228;uft.<br />
Ein wesentlicher Aspekt der Diskussion &#252;ber die zuk&#252;nftige Versorgung mit elektrischer Energie ist, wie die nicht regelbare und unregelm&#228;&#223;ig anfallende Wind- und Sonnenenergie so ins Netz integriert werden kann, dass zu jeder Zeit Angebot und Nachfrage ausbalanciert werden. Daf&#252;r sind zum Beispiel die Speichertechniken notwendig, die in dem &#8220;Appell&#8221; auch erw&#228;hnt werden, aber f&#252;r deren Entwicklung die Energiekonzerne in den letzten zwei Jahrzehnten herzlich wenig unternommen haben, einmal vom Pumpspeicherwerk Goldisthal abgesehen. Mit dem hat Vattenfall allerdings nur eine alte DDR-Planung umgesetzt.<br />
Eine andere Frage ist der Umbau der Struktur der Stromversorgung. Bisher wird die sogenannte Grundlast, also jener Teil des Strombedarfs, der immer anf&#228;llt, vor allem von den Kohle- und Atomkraftwerken gedeckt. Insbesondere letztere sind technisch auf den Dauerbetrieb ausgelegt. Aber auch Kohlekraftwerke sind vergleichsweise tr&#228;ge und vor allem &#246;konomisch nur dann sinnvoll, wenn sie mindestens 6.000, besser 7.000 von 8.760 Stunden im Jahr laufen.<br />
Das Problem: Schon jetzt kann in Zeiten mit optimalen Windverh&#228;ltnissen soviel Strom aus Windanlagen anfallen, dass f&#252;r einen Tel des Stroms aus den Grundlastkraftwerken kein Bedarf mehr ist. Dann kann es passieren, wie zuletzt w&#228;hrend der Weihnachtstage 2009 (siehe Negative Strompreise), dass an der Leipziger Stromb&#246;rse die Leistung zu einem &#8220;negativen Preis&#8221; angeboten wird. Mit anderen Worten, die Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerke m&#252;ssen betteln, dass m&#246;glichst viel Strom verbraucht wird, weil sie ihre schwerf&#228;lligen Anlagen nicht schnell genug runterregeln k&#246;nnen.<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33178/1.html">Telepolis</a></li>
<li><strong>Intranetaufruf an E.on Mitarbeiter, den „Energiepolitischen Appell“ zu unterzeichnen</strong><br />
<strong>1. Aufruf:</strong><br />
Wir suchen Mitstreiter! Unterst&#252;tzen Sie „Mut und Realismus f&#252;r Deutschlands Energiezukunft“<br />
Am Wochenende werden Sie in verschiedenen deutschen Tageszeitungen einen  Appell zur Energiezukunft f&#252;r Deutschland finden. Darin wird an die politisch Verantwortlichen appelliert, f&#252;r ein ausgewogenes  energiepolitisches Gesamtkonzept zu sorgen. Die Entscheidung dar&#252;ber soll im Herbst fallen. Deshalb erfolgt der Appell gerade jetzt.<br />
Vor diesem Hintergrund haben sich dem Aufruf an die Politik neben den CEOs von E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall zahlreiche Pers&#246;nlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft angeschlossen. F&#252;r die Anzeige ist der Verein „Energiezukunft f&#252;r Deutschland e.V. (in Gr&#252;ndung)“ verantwortlich. Er wurde auf Initiative der vier gro&#223;en Energieversorger in Deutschland im August 2010 gegr&#252;ndet. Gr&#252;ndungsmitglieder sind Mitarbeiter dieser vier Unternehmen. Ziel des Vereins ist es, die gesellschaftliche Diskussion zum Thema Energiezukunft in Deutschland anzusto&#223;en – und der Startschuss dazu f&#228;llt jetzt. </p>
<p>Im Folgenden haben wir die Kernbotschaften zusammengefasst<br />
Energiepolitischer Appell….</p>
<p>Machen Sie mit!Die Zukunft der Energieversorgung ist ein Thema, das f&#252;r jeden von uns von essenzieller Bedeutung ist. F&#252;r E.ON als Unternehmen, f&#252;r jeden von Ihnen als E.ON-Mitarbeiter und auch als Privatperson. Es geht um die Sicherung der Lebensgrundlagen von Morgen und die Zukunftsf&#228;higkeit des Standortes Deutschland.<br />
Deshalb: Machen Sie mit und unterst&#252;tzen Sie die Initiative. Unter www.energiezukunft-fuer-deutschland.info k&#246;nnen Sie sich registrieren und so zeigen, dass Sie dahinter stehen. Und noch eine Bitte: Sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten &#252;ber diese Initiative, gewinnen Sie m&#246;glichst viele Mitstreiter und nutzen Sie gern auch die „Seite teilen“-Funktion auf der Internet-Seite mit der Sie die Seite per E-Mail, Twitter oder Facebook weiterleiten k&#246;nnen. Au&#223;erdem k&#246;nnen Sie mit Kolleginnen und Kollegen in unserem Blog (Link in der rechten Spalte) &#252;ber die Initiative diskutieren.<br />
Herzlichen Dank f&#252;r Ihre Unterst&#252;tzung!</p>
<p><strong>2. Aufruf:</strong><br />
Konzernbetriebsrat unterst&#252;tzt Energiezukunft f&#252;r Deutschland<br />
Mit dem &#8220;Energiepolitischen Appell&#8221; startete am vergangenen Wochenende eine Initiative, die mit ganzseitigen Anzeigen in gro&#223;en deutschen Tageszeitungen und Magazinen an die politisch Verantwortlichen f&#252;r ein ausgewogenes energiepolitisches Konzept appelliert. Neben Johannes Teyssen wird diese Initiative von weiteren namhaften Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getragen.<br />
Der E.ON-Konzernbetriebsrat unterst&#252;tzt diese Initiative ausdr&#252;cklich und ruft alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des E.ON-Konzerns ebenfalls dazu auf, ihre Stimme abzugeben. Hans Pr&#252;fer, Konzernbetriebsratsvorsitzender: „Auch f&#252;r unsere Kolleginnen und Kollegen ist es von essentieller Bedeutung, dass die politisch Verantwortlichen in diesem Herbst ein Energiekonzept verabschieden, das realistisch umsetzbar ist und verl&#228;ssliche Rahmenbedingungen f&#252;r unser Unternehmen und alle bei uns Besch&#228;ftigten schafft. Schon jetzt haben mehr als 2.000 Bef&#252;rworter zugestimmt – machen auch Sie mit.“<br />
Den Appell k&#246;nnen Sie im Internet unterst&#252;tzen. Gehen Sie auf die Website und stimmen Sie zu: <a href="http://www.energiezukunft-fuer-deutschland.info">www.energiezukunft-fuer-deutschland.info</a>. Rufen Sie auch Freunde und Verwandte zum Mitmachen auf!</li>
<li><strong>Greenpeace verklagt Br&#252;derle im Atomstreit</strong><br />
Schwere Vorw&#252;rfe gegen den Wirtschaftsminister: Die Umweltorganisation Greenpeace h&#228;lt Rainer Br&#252;derle (FDP) vor, Daten zur Bedeutung von Atomstrom zur&#252;ckzuhalten. Dabei geht es um einen Bericht &#252;ber die Versorgungssicherheit in der Energiewirtschaft. Das Ministerium von Br&#252;derle ist aufgrund einer EU-Vorgabe verpflichtet, diesen alle zwei Jahre vorzulegen.<br />
Dies h&#228;tte der FDP-Mann nun laut Greenpeace bis zum 31. Juli tun m&#252;ssen, was nicht geschehen ist. Die Organisation wirft Br&#252;derle einen Rechtsbruch vor &#8211; &#8220;um zu vertuschen, dass wir die Atomkraft in Deutschland nicht mehr brauchen&#8221;, sagte der Greenpeace-Energieexperte Tobias M&#252;nchmeyer. Man habe deshalb Klage beim Berliner Verwaltungsgericht eingereicht und wolle das Ministerium zur Ver&#246;ffentlichung verpflichten.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,713392,00.html">Spiegel Online</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h05"></a><strong>Kleine Abgabe f&#252;r n&#228;chste Krise</strong><br />
Mit einer niedrigen Abgabe sollen die Banken einen Versicherungsfonds ansparen, um sich f&#252;r die eventuell n&#228;chste Finanzkrise zu wappnen. So steht es im Gesetzentwurf, den die Bundesregierung am kommenden Mittwoch beschlie&#223;en will. Aus einer Modellrechnung geht hervor, dass mehrere tausend in Deutschland ans&#228;ssige Institute in einem guten Jahr etwa 1,3 Milliarden Euro in den Restrukturierungsfonds einzahlen m&#252;ssten. Unter anderem die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Gro&#223;britannien betrachten die Bankenabgabe als eine Antwort auf die Finanzkrise der vergangenen Jahre. In den kommenden zehn Jahren w&#252;rden die deutschen Institute mit diesem Verfahren rund 10 Milliarden Euro ansparen. Das w&#228;re viel zu wenig, um gegen eine neue, gro&#223;e Krise gewappnet zu sein. &#8220;Der Staat bleibt weiterhin erpressbar&#8221;, kommentierte der gr&#252;ne Finanzexperte Gerhard Schick, &#8220;die Steuerzahler werden noch auf Jahre hinaus die Kosten eventueller Bankenkrisen tragen m&#252;ssen.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&#038;dig=2010%2F08%2F24%2Fa0077&#038;cHash=8d69c5ca3e">taz</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Monopolkommission fordert mehr Wettbewerb in der Trinkwasserversorgung</strong><br />
Die Empfehlungen bevorzugen gr&#246;&#223;ere Anbieter und machen den Kommunen den Handlungsspielraum streitig.<br />
&#8220;Im Ergebnis muss die faktische Ungleichbehandlung von &#246;ffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Wasserversorgern im Bundesgebiet abgestellt, Gr&#246;&#223;envorteile ausgenutzt und die Degression unspezifischer Gemeinkosten bestm&#246;glich umgesetzt werden.&#8221;<br />
Eine Aufforderung zu Fusionen und quasi eine Einladung an gr&#246;&#223;ere Anbieter, den kommunalen Markt zu besetzen. Dies h&#228;tte eine steigende Monopolisierung der Trinkwasserversorgung zur Folge.<br />
Doch man geht noch einen Schritt weiter. Die Kommission empfiehlt, dem Bund und den L&#228;ndern, die &#8220;deutschen Trinkwasserversorger einer einheitlichen und an der effizienten Bereitstellung von Trinkwasser orientierten sektorspezifischen Regulierung zu unterstellen&#8221;. Diese Forderung macht deutlich, dass sich die Kommission hier nicht nur f&#252;r gr&#246;&#223;ere Einheiten in der Wasserversorgung zum Nachteil kleiner, meist kommunaler Anbieter ausspricht, sondern auch die Eigenst&#228;ndigkeit der Kommunen in diesem Bereich aushebeln k&#246;nnte. Die kommunale Selbstverwaltung w&#252;rde damit einen weiteren Teil ihrer Aufgaben und in der Konsequenz einen Teil ihrer Existenzberechtigung verlieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/148249">Telepolis</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung:</strong> Siehe dazu: Genug privatisiert: Die Berliner SPD will im November die Rekommunalisierung der gro&#223;en Versorgungskonzerne beschlie&#223;en. Wasser und Strom sollen dann <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/berliner-spd-will-versorger-zurueckkaufen/1898910.html">wieder in &#246;ffentlicher Hand liegen</a>.</em></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Stuttgart 21</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Wie die Bahn Milliarden in den Sand setzt</strong><br />
Der Streit &#252;ber das umstrittene Bahnvorhaben Stuttgart 21 geht in eine neue Runde. Der Architekt hat heute einen &#252;berarbeiteten Entwurf seiner Umbaupl&#228;ne vorgestellt. Das d&#252;rfte Kritiker des Projekts wohl kaum bes&#228;nftigen. Winfried Hermann, Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses h&#228;lt den Bahnhofsbau generell f&#252;r falsch – nicht nur aus Kostengr&#252;nden, wie er schreibt.<br />
Quelle: <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/bahnhofsprojekt-stuttgart-21-wie-die-bahn-milliarden-in-den-sand-setzt;2640672">Handelsblatt</a></li>
<li><strong>Boris Palmer: „Stuttgart 21 ist umkehrbar“ </strong><br />
Das Stuttgart 21, das die Parlamente beschlossen haben, ist dem realen Bauprojekt so &#228;hnlich wie ein ICE einer Dampflok. Die Entscheidung beruht auf einer falschen Faktenbasis. Die Verantwortlichen haben wichtige Informationen zur&#252;ckgehalten. So wurde zum Beispiel die Streckenkapazit&#228;t f&#252;r den Zugverkehr bewusst falsch dargestellt. Die Mitsprachem&#246;glichkeit der Bev&#246;lkerung hat der Stuttgarter Oberb&#252;rgermeister Wolfgang Schuster (CDU) absichtlich vereitelt, indem er Vertr&#228;ge unterzeichnet hat, die unser B&#252;rgerbegehren nicht angreifen darf…<br />
Im Moment ist eine Prognose schwierig. Stuttgart 21 ist aber noch umkehrbar, wenn wir mit den Verantwortlichen zu Gespr&#228;chen zusammenkommen k&#246;nnen. Die Bef&#252;rworter sind im Moment nerv&#246;s. Sie haben gedacht, die Proteste h&#246;ren auf, wenn die Bagger rollen. Jetzt werden sie im Gegenteil noch viel st&#228;rker. Wenn die Proteste friedlich bleiben und noch zahlreicher werden, m&#252;ssen sich die Verantwortlichen mit den Gegnern an einen Tisch setzen.<br />
Quelle: <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/boris-palmer-stuttgart-21-ist-umkehrbar_aid_544547.html">Focus</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h08"></a><strong>F&#252;r Marzipanschweine f&#252;nf Monate ins Gef&#228;ngnis</strong><br />
Eine alleinerziehende Mutter soll f&#252;nf Monate ins Gef&#228;ngnis, weil sie zehn Marzipanschweine nicht bezahlte. So urteilte das Amtsgericht D&#252;sseldorf. Die Hartz-IV-Empf&#228;ngerin war zuvor schon beim Diebstahl von Lebensmitteln erwischt worden.<br />
Quelle: <a href="http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/Fuer-Marzipanschweine-fuenf-Monate-ins-Gefaengnis-id3600243.html">Der Westen</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> So einfach ist das mit der Strafjustiz: Vors&#228;tzliche Wegnahme einer fremden beweglichen Sache und dann noch im Wiederholungsfall, dann gibt es eben Gef&#228;ngnis. Der absichtliche Betrug von Millionen Menschen mit „toxischen“ Schrottpapieren um Milliarden Dollar ist eben ein Systemrisiko, das strafrechtlich nicht erfasst werden kann. Im Gegenteil: Die Betr&#252;ger klagen sogar noch auf ihre millionenschwere Abfindungen.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Nachzahlung bei sittenwidrigen L&#246;hnen</strong><br />
„Allein die Arbeitsgerichte treffen die Feststellung, ob ein Lohn zu niedrig und somit sittenwidrig im Sinne der gesetzlichen Regelungen ist.“ Und das bedeutet: Die Rentenversicherung wird erst dann t&#228;tig, wenn jemand wie Ursula Grunwald seinen Arbeitgeber erfolgreich wegen sittenwidriger L&#246;hne verklagt hat. Und auch dann nur in diesem Einzelfall. So ein Urteil haben bei KiK keine zehn Mitarbeiter erstritten, sagt die Gewerkschaft. F&#252;r Tausende, die bei KiK vielleicht ebenfalls sittenwidrig bezahlt werden, verzichtet die Deutsche Rentenversicherung offenbar auf das Eintreiben von Sozialversicherungsbeitr&#228;gen.<br />
Bundesweit, so sch&#228;tzt der Experte Prof. Stefan Sell von der Fachhochschule Koblenz, werden mindestens 1,15 Millionen Arbeitnehmer sittenwidrig bezahlt. Das sind 1,9 Milliarden Euro nicht gezahlte Sozialversicherungsbeitr&#228;ge pro Jahr. „Zwei Milliarden Euro“, so Professor Sell, „die den Sozialkassen fehlen, bedeuten ja nicht nur, dass die verbleibenden Beitragszahler oder die Steuerzahler &#252;ber die Steuerzusch&#252;sse das ausgleichen m&#252;ssen. Sondern die betroffenen Arbeitnehmer, die ja eh schon sehr niedrige, extrem niedrige L&#246;hne haben, haben ja auch dann keine Anspr&#252;che gegen&#252;ber der Sozialversicherung. Das fehlt denen sp&#228;ter in der Rentenversicherung.“ Sch&#228;den, die die zust&#228;ndige Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen bestreitet. Schriftlich l&#228;sst sie mitteilen: „Eine Regelungsl&#252;cke besteht nicht.“ Und: „Unabh&#228;ngig von (&#8230;) der m&#246;glichen Sittenwidrigkeit des Lohns sichert der Staat (&#8230;) sehr wohl die Leistung und Abf&#252;hrung von Sozialversicherungsbeitr&#228;gen.“ Klingt gut. Fakt ist aber: Sozialbeitr&#228;ge f&#252;r jene KiK-Mitarbeiter, die genau so schlecht bezahlt wurden wie Ursula Grunwald, treibt die Rentenversicherung nach eigener Auskunft nicht ein. Dabei k&#246;nnte etwas getan werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,hczwhml33jv7yf4a~cm.asp">Das Erste plusminus</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Fremdunternehmen sollen Pakete ausliefern</strong><br />
Die Post will sparen: Der Konzern pr&#252;ft nach F.A.Z.-Informationen die Paketzustellung an preiswertere Unternehmen auszulagern. Damit k&#246;nnten bis zu 140 Millionen Euro im Jahr gespart werden &#8211; und bis zu 8000 Arbeitspl&#228;tze wegfallen.<br />
Der gro&#223;e Lohnkostenabstand zu den Konkurrenten sei der wichtigste Wettbewerbsnachteil.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E7A729F3F24D84D59AA704D11D7E63A2B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Das ist dann das Ergebnis, dass der Mindestlohn f&#252;r Postdienstleister wieder gekippt wurde, weil die privaten Unternehmen dagegen geklagt haben und die Bundesregierung sich weigert, einen gesetzlichen Mindestlohn einzuf&#252;hren.<br />
Im &#220;brigen hat die Post durchaus noch Gewinne, sie sind nur offenbar nicht hoch genug.</em></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Arbeitnehmerdatenschutz: Ein typisch schwarz-gelber Kompromiss</strong><br />
Lidl, Telekom, Bahn, KiK: Was sich deutsche Firmen bei der Bespitzelung ihrer Mitarbeiter erlaubt haben, musste Folgen haben. Deshalb ist es auch gut, dass die schwarz-gelbe Regierung nun ein Gesetz vorlegt, das den Umgang mit den Daten der Arbeitnehmer regelt. Am Mittwoch soll es im Kabinett verabschiedet werden. Dabei sind einige sinnvolle Regeln auf den Weg gebracht worden. Andere klingen gut, k&#246;nnten aber paradoxerweise nicht zu weniger, sondern sogar zu mehr &#220;berwachung der Besch&#228;ftigten f&#252;hren. Denn die H&#252;rden vor einer offenen Video&#252;berwachung am Arbeitsplatz in dem Gesetzentwurf sind niedrig gehalten. Datensch&#252;tzer rechnen denn auch damit, dass diese in Zukunft eher ausgeweitet wird. Dass die Kameras gekennzeichnet sein m&#252;ssen, ist kein Trost. Wer eine Kamera &#252;ber seinem Arbeitsplatz h&#228;ngen hat, der wird beobachtet, ob offen oder heimlich, ist nachrangig. Der neue Gesetzentwurf ist nicht schlecht, sch&#252;tzt aber im Zweifel die Arbeitgeber<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F24%2Fa0037&#038;cHash=b42fbd9d3f">taz</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Desaster auf dem US-Immobilienmarkt weitet sich nach Auslaufen der staatlichen Ma&#223;nahmen aus</strong><br />
Die Verk&#228;ufe bestehender H&#228;user (Existing Home Sales) brachen im Juli 2010, nach Angaben der National Association of Realtors (NAR), um satte -27,2% zum Vormonat auf saisonbereinigte und auf das Jahr hochgerechnete 3,83 Millionen Einheiten ein, nach 5,26 Millionen im Vormonat.<br />
Die klassische Geldpolitik versagt seit Beginn der Immobilienkrise, denn trotz historisch niedrigen Hypothekenzinsen liegt der Markt am Boden.<br />
Der Immobilienmarkt in den USA, wie auch die miese Qualit&#228;t der &#8220;Erholung&#8221; am US-Arbeitsmarkt waren schon seit Monaten klare Warnzeichen f&#252;r den sich abzeichnenden Abschwung in den USA. Die USA waren jedoch, mit ihrer ungebremsten Importnachfrage nach Waren und G&#252;tern, seit Jahresanfang der Motor beim weltweiten Konsum.<br />
Quelle: <a href="http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/08/existing-home-sales-mit-272-zum.html">Quersch&#252;sse</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Die Angst vor einem weiteren Wirtschaftseinbruch geht um, aber wir feiern unseren „Aufschwung“.</em></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Das Arbeitsmarktkonzept der SPD</strong><br />
Seit Mitte M&#228;rz 2010 gibt es den SPD-Pr&#228;sidiumsbeschlu&#223; „Fairness auf dem Arbeitsmarkt.<br />
Begrenzung der Leiharbeit &#8211; Mehr Mitbestimmung &#8211; Mindestl&#246;hne &#8211; Sozialer Arbeitsmarkt“.<br />
Damit setze sich die SPD auch selbstkritisch mit Fehlentwicklungen aus den Arbeitsmarktreformen der rot-gr&#252;nen Bundesregierung auseinander – beispielsweise bei der Leiharbeit oder bei der Verm&#246;gensanrechnung von Arbeitslosengeld II-Empf&#228;ngern. Die vorgelegten Thesen sollen nun in der Partei, aber auch mit Gewerkschaften, Unternehmen sowie Sozialverb&#228;nden diskutiert und als arbeitsmarktpolitisches Konzept auf dem SPD-Parteitag im September 2010 endg&#252;ltig beschlossen werden.<br />
Weshalb ist so ein Konzept eigentlich jetzt notwendig?<br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100825_Arbeitsmarkt_und_SPD.pdf">GEW Osnabr&#252;ck Paukos [PDF - 74 KB]</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Persilschein f&#252;r „Blackwater“</strong><br />
Es ist ein Deal unter Gesch&#228;ftsfreunden, den das US-Au&#223;enministerium von Hillary Clinton da mit der einst unter dem Namen „Blackwater“ ber&#252;chtigt gewordenen Sicherheitsfirma Xe geschlossen hat. 42 Millionen Dollar Strafgeld muss Xe zahlen, weil das Unternehmen in den Jahren 2003 bis 2009 wiederholt gegen US-Ausfuhrgesetze verstie&#223;. Im Gegenzug wird es bei 288 gelisteten Vorw&#252;rfen keine strafrechtlichen Ermittlungen geben.<br />
Das wiederum ist die Voraussetzung daf&#252;r, dass Xe weiter mit der US-Regierung im Gesch&#228;ft bleibt. Erst im Juni hatte das Au&#223;enministerium die einstigen „Blackwater“-S&#246;ldner angeheuert, um f&#252;r die Sicherheit in seinen afghanischen Regionalb&#252;ros zu sorgen. Vertragsumfang laut US-Medien: 120 Millionen Dollar. Auch der Geheimdienst CIA l&#228;sst seinen Au&#223;enposten in Kabul weiter von Xe bewachen. 100 Millionen Dollar soll der soeben verl&#228;ngerte Vertrag Xe einbringen.<br />
Auftr&#228;ge wie diese hatten „Blackwater“ einst zur gr&#246;&#223;ten Privatarmee der Welt gemacht.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/persilschein-fuer--blackwater-/-/1472596/4585634/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Kein Geld f&#252;r Bildung</strong><br />
Das von Annette Schavan (CDU) vorgeschlagene „Zukunftskonto Bildung“ liegt auf Eis. Im Haushalt sind keine Mittel vorgesehen.<br />
Noch 2009 hatte sich Schavan f&#252;r das auch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag verankerte Bildungssparmodell stark gemacht. Danach sollte f&#252;r jedes Neugeborene ein „Zukunftskonto“ eingerichtet werden: Wie beim Bausparen wollte der Staat private Bildungsinvestitionen mit 150 Euro honorieren. Bei derzeit rund 665.000 Neugeborenen im Jahr w&#228;re damit ein &#246;ffentlicher Beitrag von knapp 100 Millionen Euro zusammengekommen.<br />
In der Antwort des BMBF, die der Frankfurter Rundschau vorliegt, verweist das Ministerium darauf, dass das „Zukunftskonto“ die &#246;ffentliche Hand langfristig binden w&#252;rde und vor dessen Einf&#252;hrung daher erst „umfangreiche inhaltliche, rechtliche und administrative Fragen zu kl&#228;ren“ seien. Daher seien im Regierungsentwurf f&#252;r den Haushalt 2011 auch keine Mittel vorgesehen. Auch in den kommenden Jahren sei keine „haushaltswirksame Pr&#228;mienauszahlung“ zu erwarten.<br />
„Damit werden f&#252;r eines der wenigen klar umrissenen Vorhaben im Koalitionsvertrag nicht die erforderlichen Mittel bereitgestellt“, so Hagemann zur FR.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wissenschaft/kein-geld-fuer-bildung/-/1472788/4583070/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Um dieses Konzept der Privatisierung der Bildungskosten ist es allerdings nicht besonders schade: Beim sog. „Zukunftskonto“ sollte &#8211; wie beim Modell der Riester-Rente -nun nicht mehr nur f&#252;r das Alter sondern schon f&#252;r die Bildung von Kindern privat Kapital auf einem sog. „Zukunftskonto“ gebildet werden. Damit man h&#228;tte nur ein weiteres lukratives Gesch&#228;ftsfeld f&#252;r die Finanzwirtschaft er&#246;ffnet. Und genauso wie bei der Riester-Rente h&#228;tten sich vor allem die besser Verdienenden an diesem staatlich gef&#246;rderten Bildungssparen beteiligen k&#246;nnen. Statt den bildungspolitisch Benachteiligten w&#228;re die staatliche F&#246;rderung, der Versicherungswirtschaft und den Einkommensgruppen zu gute, die schon heute bildungspolitisch privilegiert sind.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Der Master wird zum Nadel&#246;hr</strong><br />
Zum Wintersemester wollen das erste Mal tausende Bachelor-Absolventen in ein Masterstudium wechseln. Nun zeigt sich: die Pl&#228;tze reichen nicht.<br />
Mehr als 1.700 (BWL)-Bewerbungen auf 215 Masterpl&#228;tze hatte die Universit&#228;t erhalten. Weil als alleiniges Auswahlkriterium die Bachelor-Abschlussnote diente, gingen fast zwei Drittel der K&#246;lner Absolventen leer aus. F&#252;r vier der f&#252;nf BWL-Spezialisierungsf&#228;cher reichte selbst ein Abschluss von 1,9 nicht aus.<br />
Dabei ist die Universit&#228;t in K&#246;ln nicht das erste Beispiel daf&#252;r, dass der &#220;bergang von Bachelor zu Master zum Nadel&#246;hr werden kann. So protestierten Studenten der Universit&#228;t Potsdam im Sommer 2008, als f&#252;r die Masterstudieng&#228;nge in Biowissenschaften, BWL und Informatik eine Zulassungsbeschr&#228;nkung eingef&#252;hrt wurde. Hochschulvertreter und Studierende der Rheinisch-Westf&#228;lischen Technische Hochschule Aachen drehten den Spie&#223; um: Sie erkl&#228;rten den Master als Regelabschluss kurzerhand zum &#8220;Markenzeichen der RWTH&#8221;.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/bildung/artikel/1/der-master-wird-zum-nadeloehr/">taz</a></p>
<p><em>Siehe dazu auch:</em></p>
<p><strong>Endstation Bachelor</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&#038;dig=2010%2F08%2F24%2Fa0095&#038;cHash=56b32d82a8">taz</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>USA: Wettlauf der Besten</strong><br />
Beim &#8220;Race to The Top&#8221; bekommen k&#252;nftig nur noch Lehrer mit guten Sch&#252;lern mehr Geld vom Staat. Heute zeigt sich, wer gewinnt. Leistung: &#8220;ungen&#252;gend&#8221; &#8211; diese Note wurde 241 Lehrern aus der US-Hauptstadt Washington zum Verh&#228;ngnis. Weil ihre Sch&#252;ler in Vergleichstests zu schlecht abgeschnitten hatten, griff die Chefin der Schulbeh&#246;rde durch. Michelle Rhee feuerte die P&#228;dagogen der &#246;ffentlichen Schulen, die Sch&#252;lern ihrer Meinung nach nicht das gegeben haben, was ihnen zusteht: ordentliche Bildung. Was jahrzehntelang nicht gelang, schafft Pr&#228;sident Barack Obama mit einem Trick: &#8220;Race to the Top&#8221;, hei&#223;t er. Seit Jahren belegen US-Sch&#252;ler in internationalen Mathe-Vergleichstests die letzten R&#228;nge. Studien der Universit&#228;ten Boston und Chicago ergaben, dass etwa ein Drittel aller Sch&#252;ler die Highschool ohne Abschluss verl&#228;sst. Dies zu &#228;ndern war eines von Obamas Wahlversprechen. Staaten, die bereit sind, ihr Schulsystem durch Reformen voranzubringen, werden mit kr&#228;ftigen Finanzspritzen belohnt. Viele Regierungen haben f&#252;r den Fall einer K&#252;ndigungswelle schon mal vorsorglich Pakte mit den Gewerkschaften geschlossen. Die Schlechten m&#252;ssen gehen, die Besten bekommen mehr.<br />
&#8220;Doch wie findet man die Besten, wenn Lehrer durch das Programm derart eingesch&#252;chtert werden, dass sie vor Angst gel&#228;hmt sind?&#8221;, fragt die Leiterin einer Grundschule in Washington. Wie viele ihrer Kollegen stand sie grunds&#228;tzlich hinter dem Obama-Rennen. &#8220;Doch was wir jetzt um uns herum erleben, macht einfach Angst. Man kann doch die Lehrer nicht daf&#252;r verantwortlich machen, wenn ihre Sch&#252;ler in einem sozialen Umfeld aufwachsen, das Lernen einfach unm&#246;glich macht.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&#038;dig=2010%2F08%2F24%2Fa0086&#038;cHash=fffd90715d">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Da sollten doch einfach die Lehrer, die rausfallen, durch die P&#228;dagogen ersetzt werden, die Spitzenergebnisse erzielen. Solch eine Ma&#223;nahme w&#252;rde schnell zeigen, was &#8220;Race to The Top&#8221; taugt. Letztlich betoniert das US- Programm nur die bestehende Klassenstruktur des Bildungssystems. Die Reichenviertel werden absahnen und die gro&#223;e Mehrheit der Schulen in den Innenst&#228;dten oder selbst auf dem Land wird eingehen. Wenn es stimmt, dass auch Privatschulen gef&#246;rdert werden, ist das Ganze eine Katastrophe f&#252;r die &#246;ffentlichen Schulen.</em></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Salzburger Trilog: &#8220;Bereit sein f&#252;r n&#228;chste Krise&#8221;</strong><br />
Kann es auch Wohlstand ohne Wirtschaftswachstum geben – oder ist das nur eine Schim&#228;re gr&#252;ner Tr&#228;umer? Ist das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Indikator, um den Gl&#252;cks- und Fortschrittspegel einer Gesellschaft zu messen? Oder muss das BIP durch andere Faktoren wie soziale oder &#246;kologische Nachhaltigkeit erg&#228;nzt werden? Diese Fragen diskutierte am Wochenende beim Salzburger Trilog auf Einladung der Bertelsmann-Stiftung eine hochkar&#228;tige Runde.<br />
Pascal Lamy, Chef der Welthandelsorganisation WTO, sa&#223; ebenso am Tisch wie OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, Rewe-Vorstand Werner Wutscher, Zukunftsforscher Jerome Glenn oder der chinesische Gro&#223;investor Victor Chu. Dazu hatte Kogastgeber Au&#223;enminister Michael Spindelegger seine Kollegen aus der Ukraine (Grischtschenko), Bulgarien (Mladenow), Aserbaidschan (Mammadjarow), Georgien (Vaschadze) sowie den griechischen Vize-Au&#223;enminister Droutsas nach Salzburg gelotst. Das ist Teil seiner Schwarzmeer-Offensive, die er zu Sommerbeginn mit der Er&#246;ffnung einer neuen Botschaft in Baku gestartet hat und vorantreiben will.<br />
Quelle: <a href="http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/589267/index.do">Die Presse.com</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Der Salzburger Trilog findet auf Einladung der Bertelsmann Stiftung und des &#246;sterreichischen Au&#223;enministeriums statt. Die Veranstaltung ist eines der Beispiele f&#252;r viele, wie sich die Bertelsmann Stiftung quasi auf Augenh&#246;he mit h&#246;chsten staatliche Beh&#246;rden verbandelt und zeigt wie eng das personelle Netzwerk in Kreise der Wirtschaft und der Politik (weltweit) geflochten ist.</em></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Die Freiheit Friedrich Naumanns</strong><br />
Er gilt nicht wenigen als einer der wichtigsten Vordenker der bundesrepublikanischen Staatsidee: Friedrich Naumann. Die 1958 gegr&#252;ndete und nach ihm benannte FDP-nahe Stiftung tr&#228;gt seit 2007 den Zusatz „f&#252;r die Freiheit“. Doch wer war der Mann, der einen nationalen Sozialismus f&#252;r das deutsche Staatsleben einforderte, lange bevor der Nationalsozialismus Adolf Hitlers die geschichtliche B&#252;hne betrat?<br />
Quelle: <a href="http://iley.de/index.php?pageID=20000000&#038;article=00001595">iley Blog</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> So differenziert dacht und auf so unterschiedliche Wurzeln bezog sich einer der Vordenker der heutigen FDP, auf dessen Namen diese Partei sich noch heute mit ihrer Partei-Stiftung bezieht. Wie flach und uninspiriert erscheint doch dagegen ein Guido Westerwelle.</em></li>
<li><a name="h20"></a><strong>Frankfurter Rundschau: Mehr als ausgelutscht</strong><br />
Die Stimmung in der ohnehin schon ausgelutschten Redaktion ist mies. Zumal der Verdacht, hier machten sich erste Folgen der im April gestarteten &#8220;Redaktionsgemeinschaft&#8221; bemerkbar, nicht von der Hand zu weisen ist: Die FR geh&#246;rt wie die Berliner Zeitung zum K&#246;lner Medienhaus DuMont-Schauberg, die aus RedakteurInnen beider Bl&#228;tter best&#252;ckte &#8220;ReGe&#8221; liefert seit dem Fr&#252;hjahr einen Gro&#223;teil der &#252;berregionalen Berichterstattung beider Bl&#228;tter.<br />
Das es langfristig den &#252;berregionalen Restredaktionen in Berlin wie Frankfurt an den Kragen gehen wird, ist ein offenes Geheimnis. &#8220;Personalabbau, den es quer durch die Republik in fast allen Redaktionen noch geben wird&#8221; prognostizierte auch schon Berliner-Zeitung-Chefredakteur Uwe Vork&#246;tter. Die Eigenst&#228;ndigkeit der Bl&#228;tter stehe aber nicht auf dem Spiel: Die FR werde keinesfalls zum reinen Regionalblatt heruntergestuft, versicherte die FR-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung laut Teilnehmern in den j&#252;ngsten Gespr&#228;chen. Trotzdem hat Frankfurt gegen&#252;ber Berlin schlechtere Karten: Dort schreibt man bessere Zahlen.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=fl&#038;dig=2010%2F08%2F24%2Fa0109&#038;cHash=4b235f65b4">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Als Leser zweier DuMont-Bl&#228;tter, der auf den lokalen Stadt-Anzeiger (wegen der Veranstaltungs-Anzeigen) nicht verzichten kann, ist f&#252;r mich das Abonnement der FR eine private Subvention an die Redaktion. Der Zusatznutzen wird immer geringer. Das ist dann das Ergebnis der konzerninternen Synergien.</em></li>
<li><a name="h21"></a><strong>Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik erh&#228;lt den Award of Change</strong><br />
Im Rahmen einer &#246;ffentlichen Veranstaltung im M&#252;nchener Rathaus erh&#228;lt die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik den Award of Change.<br />
Der Preis, der in den vergangenen Jahren auch an attac und Business Crime Control gegangen ist, wird seit 2005 j&#228;hrlich verliehen.<br />
Quelle: <a href=" http://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/show/3884992.html">Arbeitsgruppe alternative Wirtschaftspolitik</a></li>
<li><a name="h22"></a><strong>&#8220;Thilo Sarrazin schreibt regelrechtes NPD-Buch&#8221;</strong><br />
Der NPD-Landtagsabgeordnete J&#252;rgen Gansel erkl&#228;rte dazu heute:<br />
&#8220;Zwar geh&#246;rt Thilo Sarrazin mit seinen Ausf&#228;llen gegen deutsche Hartz-IV-Bezieher und seiner Gleichg&#252;ltigkeit gegen&#252;ber der Not sozial ausgegrenzter Landsleute definitiv nicht in die soziale Heimatpartei NPD. Seine ausl&#228;nderpolitischen Aussagen atmen dagegen durch und durch den Geist nationaldemokratischer &#220;berfremdungskritik &#8230;&#8221;<br />
Quelle: NPD-Fraktion im S&#228;chsischen Landtag <em>(den Link ersparen wir uns, wir haben kein Interesse, dass dieses Portal verbreitet wird)</em></li>
</ol>
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		<title>Sarrazin: „Deutschland wird immer &#228;rmer und d&#252;mmer!“</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 07:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[Kein Wunder, wenn Leute wie Sarrazin Deutschland systematisch zu verdummen versuchen, m&#252;sste man hinzuf&#252;gen. „Deutschland schafft sich ab“ so hei&#223;t das Buch des ehemaligen Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbank-Vorstands und nach wie vor SPD-Mitglieds. Und ein ehemals renommierter Verlag wie die Deutsche Verlagsanstalt, der nun zum Bertelsmann-Verlagsimperium Random House geh&#246;rt, druckt auch noch ein solches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kein Wunder, wenn Leute wie Sarrazin Deutschland systematisch zu verdummen versuchen, m&#252;sste man hinzuf&#252;gen. „Deutschland schafft sich ab“ so hei&#223;t das Buch des ehemaligen Berliner Finanzsenators und heutigen Bundesbank-Vorstands und nach wie vor SPD-Mitglieds. Und ein ehemals renommierter Verlag wie die Deutsche Verlagsanstalt, der nun zum Bertelsmann-Verlagsimperium Random House geh&#246;rt, druckt auch noch ein solches Machwerk. Der Verlag findet es aus Werbezwecken auch passend, dem Blatt, das die niedrigsten Instinkte der Deutschen zu wecken versucht, die Vorabdruckrechte zu geben.  Seit gestern wird einem Millionenpublikum mit dicken Balken&#252;berschriften Sarrazins <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/23/thilo-sarrazin/deutschland-immer-aermer-und-duemmer.html">sozialdarwinistische Infamie eingeimpft</a>. Knapp 90 Prozent der &#252;ber 36.000, die sich an einer elektronischen Abstimmung  beteiligt haben, sind der Meinung: „Ja, Sarrazin legt die Finger in unsere Wunde! Und er hat Recht!“ So dumm sind jedenfalls die sich an der BILD-Umfrage beteiligenden Deutschen schon jetzt. Wolfgang Lieb<br />
<span id="more-6572"></span></p>
<p><strong>Demagogie der Rechtspopulisten</strong></p>
<p>Nach der bew&#228;hrten demagogischen Methode seiner rechtspopulistischen Gesinnungsgenossen, etwa des Niederl&#228;nders Geert Willders, des franz&#246;sischen Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pan oder einige der italienischen Neofaschisten, spielt sich Thilo Sarrazin als der Verk&#252;nder schonungsloser Wahrheiten auf, der Alle, die nicht seinen plumpen Parolen folgen, als <em>„Kleingeister“</em> beschimpft (und damit diese Beschimpfung unverf&#228;nglich wirkt, st&#252;tzt sich Sarrazin auf ein Zitat von Ferdinand Lassalle, einem der Gr&#252;nder der Sozialdemokratie). </p>
<p>Um das Gef&#252;hl der &#220;berlegenheit bei seinen deutschen Lesern zu wecken, appelliert Sarrazin an den Stolz der Deutschen; an den <em>„Stolz auf den Flei&#223; und die T&#252;chtigkeit seiner B&#252;rger“</em> in den <em>„wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch sehr erfolgreichen Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg“</em>. Die Jahrzehnte dieses Erfolgs h&#228;tten aber <em>„die Sehsch&#228;rfe der Deutschen getr&#252;bt f&#252;r die…F&#228;ulnisprozesse im Innern der Gesellschaft“</em>. Selbstzufriedenheit und „F&#228;ulnis“, Motive, die man schon in Hitlers &#252;blem Machwerk „Mein Kampf“ nachlesen konnte: „W&#228;hrend aus k&#252;nstlich gehegten Friedenszust&#228;nden &#246;fter als einmal die F&#228;ulnis zum Himmel emporstank“, hei&#223;t es dort.</p>
<p><em>„Die Deutschen aber schaffen sich allm&#228;hlich ab“</em>, schreibt Sarrazin und redet dann &#252;ber die <em>„Nettoreproktionsrate“</em> von <em>„0,7 oder weniger, wie wir sie seit 40 Jahren haben“</em>. Das bedeute ja nichts anderes, „als dass die Generation der Enkel jeweils halb so gro&#223; ist wie die der Gro&#223;v&#228;ter“. Wenn die Geburtenzahl weiter so sinke, dann werde die Zahl der Geburten in Deutschland „<em>in 90 Jahren</em> (!)“ bei rund 200.000 bis 250.000 liegen. Und, damit die Angst noch auf den richtigen Feind projiziert wird, f&#252;gt Sarrazin hinzu: <em>„H&#246;chstens die H&#228;lfte davon werden Nachfahren der 1965</em> (!) <em>in Deutschland lebenden Bev&#246;lkerung sein“</em> – also zu der Zeit als unser Land noch reinrassig deutsch war. </p>
<p><strong>Katastrophen-Rechnungen</strong></p>
<p>Seit Thomas Robert Malthus (1766 – 1834) die Bev&#246;lkerungslehre begr&#252;ndet hat, wurden die demografischen Entwicklungen oft in d&#252;stersten Farben gemalt. Mal war es die Bev&#246;lkerungsexplosion die Angst machen sollte, dann wieder an der Wende zum 20. Jahrhundert die Angst vor der „Entv&#246;lkerung“. W&#228;re es nach den Berechnungen der zu allermeist reaktion&#228;ren Bev&#246;lkerungswissenschaftler gegangen, m&#252;ssten wir entweder angesichts der von ihnen berechneten &#220;berbev&#246;lkerung l&#228;ngst verhungert oder aber mangels Fruchtbarkeit l&#228;ngst ausgestorben sein – Motto: nach dem Mensch kommt der Wolf – das Spiel mit menschlichen Ur&#228;ngsten.</p>
<p>Unzweifelhaft gibt es in Deutschland seit dem Baby-Boom der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine niedrige Geburtenrate. Aber wenn man auf die derzeitige Geburtenraten in Europa schaut, dann schafft sich nicht nur Deutschland ab, sondern laut Eurostat w&#252;rden sich dann in Europa  10 andere L&#228;nder weit vorher abgeschafft haben, weil sie derzeit <a href="/?p=246">niedrigere Geburtenraten haben</a> als wir. </p>
<p>Aber was hat eine solche Katastrophen-Rechnung, in 90 Jahren (!) h&#228;tten sich <em>„die Deutschen…quasi abgeschafft“</em> f&#252;r einen Sinn. Rechnen wir doch einmal genauso schlicht wie Sarrazin dagegen und legen seine „knallharte Analyse“ (Bild) zugrunde: Seit der ersten H&#228;lfte der sechziger Jahre sank in Deutschland die Geburtenzahl von &#252;ber 1,3 Millionen auf 650.000 im Jahr 2009. W&#228;re die Geburtenfreudigkeit ungebrochen geblieben, dann h&#228;tten wir &#8211; vorsichtig gerechnet &#8211; mehr als 40 Jahre eine halbe Million Kinder mehr, also 20 Millionen mehr Menschen. Man stelle sich das einmal vor, bei derzeit schon &#252;ber 3 Millionen statistisch erfassten Arbeitslosen und einer „stillen Reserve“ von 6 bis 7 Millionen Menschen. Man stelle sich vor wie noch viel schlimmer als heutzutage das mit den Kinderbetreuungs- oder Ausbildungspl&#228;tzen oder mit dem numerus clausus an den Hochschulen auss&#228;he. Welche Katastrophe w&#228;re das f&#252;r die zwischenzeitlich mehr geborenen Kinder.</p>
<p>Sie werden mir vielleicht vorhalten, meine Rechnung sei bl&#246;dsinnig. Da haben Sie v&#246;llig Recht. Sie ist so bl&#246;dsinnig, wie die Rechnung von Herrn Sarrazin. Nur ist sie sogar realistischer, als Sarrazins Vorhersage, was in 90 Jahren der Fall sein wird.</p>
<p>Hat nicht die Zur&#252;ckhaltung vieler Familien, Kinder in diese Welt zu setzen, auch etwas mit der Kinderfeindlichkeit unserer Gesellschaft, mit fehlenden Kindergartenpl&#228;tzen, zu gro&#223;en Schulklassen, zu wenig Ausbildungs- und Studienpl&#228;tzen, der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der Unsicherheit einen Arbeitsplatz zu bekommen, mit dem man eine Familie auch ern&#228;hren kann? </p>
<p>Warum ist eigentlich die <a href="/wp-print.php?p=48">Geburtenziffer in der ehemaligen DDR</a> von 1,5 im Jahr 1990 auf 0,77 bis 1994 abgesackt und warum liegt sie nach wie vor in den neuen L&#228;ndern hinter Westdeutschland?</p>
<p><strong>Nach Sarrazin h&#228;tte sich Frankreich schon halb abgeschafft und die USA w&#228;ren verschwunden</strong></p>
<p>Und noch etwas: Mit dem ausschlie&#223;lichen schielen auf die Geburtenziffer, wird von der viel entscheidenderen Frage abgelenkt: Was w&#228;re so schrecklich f&#252;r unser Land, wenn die Bev&#246;lkerung abn&#228;hme. Deutschland ist ein sehr dicht besiedeltes Land, 231 Menschen leben pro Quadratkilometer. Im Nachbarland Frankreich sind es weniger als die H&#228;lfte, n&#228;mlich 105 Einwohner pro Quadratkilometer. Ist deshalb die „Grand Nation“ schon halb abgeschafft? An die  Weltmacht USA mag man gar nicht erst denken, sie m&#252;sste nach Sarrazins Berechnungen mit 32 Einwohner pro Quadratkilometer quasi schon verschwunden sein. </p>
<p><strong>Beschimpfung der Kritiker</strong></p>
<p>Sarrazin bedient sich eines weiteren rhetorischen Tricks aller Demagogen: Er macht seine m&#246;glichen Kritiker madig, er wirft ihnen vor, sie stellten Denktabus auf oder sie scheuten die Wahrheit, weil sie Gefangene der politischen (gemeint ist: der demokratischen) Korrektheit.</p>
<p>So macht der die Generation der Achtundsechziger madig, weil sie angeblich erst bereit gewesen seien „vern&#252;nftig“ &#252;ber die demografische Entwicklung zu diskutieren, als sie <em>„Angst um ihre Rente bekommen hat“</em>. </p>
<p>Sarrazin ist schlicht ignorant oder er setzt auf das schlechte Ged&#228;chtnis seiner Leser. Seit Jahren wird mit Modellrechnungen &#252;ber die Bev&#246;lkerungsentwicklung <a href="/?p=1854">Panik gemacht</a>. Gab es nicht den Bestseller des FAZ-Herausgebers „Das Methusalem-Komplott“, wurde nicht im Fernsehen &#252;ber den „Aufstand der Alten“ eine furchterregende „Doku-Fiktion“ ausgestrahlt. Hat nicht schon vor 10 Jahren der Spiegel ein Heft mit dem Titel „Raum ohne Volk“ herausgegeben. Schon in den 70er Jahren gab es im Bundeskanzleramt unter Helmut Schmidt ein Referat, das sich mit der demografischen Entwicklung befasste, weil schon damals mit den gleichen Parolen wie heute mit der Bev&#246;lkerungspolitik politische (meist „braune“) S&#252;ppchen gekocht wurden. Welche Katastrophenszenarien malen uns denn die Miegels, die Raffelh&#252;schens oder die <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EEA0D32B029564CA78671FAF1D7E7EC4B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Birgs</a> seit langer Zeit an die Wand, um die Privatisierung der Rente oder die Rente mit 67 zu propagieren? Auf paradoxe Weise hat Sarrazin Recht, eine „vern&#252;nftige“ Diskussion war das nie. Sie wurde immer politisch missbraucht. Man denke nur an die aktuelle Diskussion &#252;ber die Rente mit 67.</p>
<p><strong>Neonazistische Argumentationsmuster</strong></p>
<p>Geradezu die Tonart der Neonazis schl&#228;gt Sarrazin mit dem Satz an: <em>„Manche m&#246;gen dieses Schicksal</em> (dass sich die Deutschen quasi abgeschafft h&#228;tten, WL) <em>als gerechte Strafe empfinden f&#252;r ein Volk, in dem einst SS-M&#228;nner gezeugt wurden – nur so l&#228;sst sich die zuweilen durchscheinende klammheimliche Freude &#252;ber die deutsche Bev&#246;lkerungsentwicklung erkl&#228;ren.“</em> Das ist ein typisches Argumentationsmuster der Rechtsradikalen, die in Deutschland ein falsches Schuldbewusstsein gegen&#252;ber dem NS-Regime unterstellen und damit nicht nur den Nationalsozialismus verkl&#228;ren sondern diejenigen, die sich der Verantwortung gegen&#252;ber der unheilvollen Geschichte stellen, als Feinde der Deutschen bzw. des deutschen Volkes verunglimpfen. Die Bild-Zeitung streicht diesen Satz Sarrazins bezeichnenderweise auch noch dick heraus.</p>
<p><strong>Rassenhygienische und sozialeugenische Konnotationen</strong></p>
<p>Ganz typisch f&#252;r die Demagogie Sarrazins ist die (mehr oder weniger geschickte) Vermischung von Demografie und Migration. <em>„Die sozialen Belastungen einer ungesteuerten Migration waren stets tabu“</em>, schreibt er, um dann gleich Satz anzuschlie&#223;en, dass eben die Menschen <em>„intellektuell mehr oder weniger begabt, faul oder flei&#223;iger, mehr oder weniger moralisch gefestigt sind“</em>. Das ist juristisch als Volksverhetzung nicht angreifbar formuliert, aber der Leser wird unter der Hand auf das Feindbild Ausl&#228;nder gelenkt. So geschickt und subkutan spritzen auch die Funktion&#228;re der Neo-Nazi-Parteien ihr Gift in die Gehirne ihrer Anh&#228;nger, wenn sie Hass s&#228;en wollen. </p>
<p>Neben die rassenhygienischen Ankl&#228;nge, die von Sarrazin dabei angesto&#223;en werden, treten noch die sozialeugenischen. So spielt Sarazzin auf die l&#228;ngst &#252;berholte M&#228;r an, dass <em>„die intelligenteren Frauen weniger oder gar keine Kinder zur Welt bringen“</em> und wir deshalb <em>„als <strong>Volk</strong> (?) an durchschnittlicher Intelligenz verlieren“</em>. </p>
<p>Mit dieser penetranten, aber <a href="/wp-print.php?p=299">frei erfundenen Behauptung</a> Akademikerinnen seien mit 40 oder gar 43 Prozent weit &#252;berdurchschnittlich kinderlos, wurde schon das „Elterngeld“ begr&#252;ndet. Dabei liegt die <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/auch-akademikerinnen-kriegen-kinder/?src=TE&#038;cHash=9cf1bd14bc">Kinderlosigkeit von Akademikerinnen</a> nur knapp &#252;ber dem Durchschnitt aller Frauen, n&#228;mlich etwa <a href="/?p=2580">bei 25 Prozent</a>. Bei Abiturientinnen und Hochschulabsolventinnen liegt die Geburtenrate seit einigen Jahren <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,544100,00.html">sogar h&#246;her als im Durchschnitt</a>.</p>
<p>Auch die Legende, dass Migrantinnen mehr Kinder bek&#228;men als die deutsche Frau, ist ja inzwischen zerst&#246;rt. Frauen der zweiten Migrantengeneration haben sich dem Geburtenverhalten ihrer deutschen <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article8924001/Migranten-bekommen-nicht-mehr-Kinder-als-Deutsche.html">Geschlechtsgenossinnen nahezu angepasst</a>.</p>
<p>Auch die besondere Absch&#228;tzigkeit Sarrazins gegen&#252;ber dem Bildungsehrgeiz t&#252;rkischer Migranten ist ein dummes Vorurteil:  Bei gleicher Leistung und sozialer Herkunft wechseln t&#252;rkische Kinder sogar h&#228;ufiger auf Realschule oder <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article8924001/Migranten-bekommen-nicht-mehr-Kinder-als-Deutsche.html">Gymnasium als deutsche</a>.</p>
<p>Die Justiziare der Deutschen Verlagsanstalt werden es verhindert haben, dass Sarrazin nicht wie in fr&#252;heren spontanen &#196;u&#223;erungen ausdr&#252;cklich die „kleinen Kopftuchm&#228;dchen“ oder die weniger gebildeten Zuwanderer „aus der T&#252;rkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika“ nennt. Aber der geneigte Leser kann sich denken, wer gemeint ist: die Unterschicht und die Zuwanderer, vor allem aus der T&#252;rkei. So wenn Sarrazin etwa schreibt: „<em>So wurde viel zu lange &#252;bersehen, dass die Alterung und Schrumpfung der deutschen Bev&#246;lkerung einhergeht mit qualitativen Ver&#228;nderungen in deren Zusammensetzung. &#220;ber die schiere Abnahme der Bev&#246;lkerung hinaus gef&#228;hrdet vor allem die kontinuierliche Zunahme der weniger Stabilen, weniger Intelligenten und weniger T&#252;chtigen die Zukunft Deutschlands.</em>“</p>
<p>Der gestrige Auszug aus dem Buch Sarrazins schlie&#223;t mit dem Satz:<br />
<em>„Ich glaube, dass wir ohne einen gesunden Selbstbehauptungswillen <strong>als Nation</strong> (!) unsere gesellschaftlichen Probleme nicht l&#246;sen werden.“</em></p>
<p><strong>Alles schon einmal dagewesen</strong></p>
<p>„Denn sowie erst einmal die Zeugung als solche eingeschr&#228;nkt und die Zahl der Geburten vermindert wird, tritt an Stelle des nat&#252;rlichen Kampfes um das Dasein, der nur den Allerst&#228;rksten und Ges&#252;ndesten am Leben l&#228;sst, die  selbstverst&#228;ndliche Sucht, auch das Schw&#228;chlichste, ja Krankhafteste um jeden Preis zu „retten&#8221;, womit der Keim zu  einer Nachkommenschaft gelegt wird, die immer j&#228;mmerlicher werden muss, je l&#228;nger diese Verh&#246;hnung der Natur  und ihres Willens anh&#228;lt.<br />
Das Ende aber wird sein, dass einem solchen Volke eines  Tages das Dasein auf dieser Welt genommen werden wird…“. </p>
<p>Nein, das letzte Zitat war nicht von Sarazzin, sondern von Hitler. Aber wo liegt der Unterschied?</p>
<p>Sarrazin ist nicht nur selbst dumm und will mit seinem Buch die Deutschen auf sein Niveau von Dummheit ziehen, was noch viel schlimmer ist: Er ist gef&#228;hrlich gerade f&#252;r die Deutschen. Und die Bild-Zeitung tr&#228;gt zur Verbreitung dieser Gefahr bei.</p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6567</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 06:45:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Guttenbergs Pl&#228;ne &#8211; Mehr Revolution als Reform; Atomlobbyismus; Industrie rebelliert gegen Ratingangenturen; Kik k&#252;ndigt Mindestlohn an; hinter dem Hochglanzprojekt „B&#252;rgerarbeit“; jetzt fehlt das Bollwerk gegen links; die Fast-alles-ist-m&#246;glich-Partei; „Unrechtsstaat“; Studienkredite; Video-Verbot am Arbeitsplatz; Debatte um Wikilieaks; Jagd auf Al Qaida verliert an Bedeutung; Bertelsmannrepublik Deutschland.(KR/WL)


Guttenbergs Pl&#228;ne &#8211; Mehr Revolution [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Guttenbergs Pl&#228;ne &#8211; Mehr Revolution als Reform; Atomlobbyismus; Industrie rebelliert gegen Ratingangenturen; Kik k&#252;ndigt Mindestlohn an; hinter dem Hochglanzprojekt „B&#252;rgerarbeit“; jetzt fehlt das Bollwerk gegen links; die Fast-alles-ist-m&#246;glich-Partei; „Unrechtsstaat“; Studienkredite; Video-Verbot am Arbeitsplatz; Debatte um Wikilieaks; Jagd auf Al Qaida verliert an Bedeutung; Bertelsmannrepublik Deutschland.(KR/WL)<br />
<span id="more-6567"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Guttenbergs Pl&#228;ne &#8211; Mehr Revolution als Reform</a></li>
<li><a href="#h02">Atomlobbyismus</a></li>
<li><a href="#h03">Industrie rebelliert gegen Ratingangenturen</a></li>
<li><a href="#h04">Kik k&#252;ndigt Mindestlohn an</a></li>
<li><a href="#h05">Hinter dem Hochglanzprojekt „B&#252;rgerarbeit“</a></li>
<li><a href="#h06">Der Markt f&#252;r Gewerbeimmobilien wackelt</a></li>
<li><a href="#h07">Der US-Wirtschaft fehlt Innovationskraft</a></li>
<li><a href="#h08">Jetzt fehlt das Bollwerk gegen links</a></li>
<li><a href="#h09">Die Fast-alles-ist-m&#246;glich-Partei</a></li>
<li><a href="#h10">Lothar de Maizière: &#8220;DDR war kein Unrechtsstaat&#8221;</a></li>
<li><a href="#h11">Studienkredite: Wie ein Student sich arm studierte</a></li>
<li><a href="#h12">T&#252;rkische Eltern: Im Zweifel f&#252;r die h&#246;here Schule</a></li>
<li><a href="#h13">Video-Verbot am Arbeitsplatz</a></li>
<li><a href="#h14">Debatte um Wikileaks: M&#228;rchenstunde mit Julian Assange</a></li>
<li><a href="#h15">Jagd auf Al Qaida verliert an Bedeutung</a></li>
<li><a href="#h16">Rezension: Thomas Schuler: &#8220;Bertelsmannrepublik Deutschland&#8221;</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="/?p=6567&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin.</a></em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Guttenbergs Pl&#228;ne &#8211; Mehr Revolution als Reform</strong><br />
Die Bundeswehr steht vor einer Zeitenwende. Es geht nicht um eine Reform, sondern in Wirklichkeit um eine Revolution, die der Verteidigungsminister plant.<br />
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will aus der Heimatverteidigungs- eine Interventionsarmee machen. Die Diskussion um die Wehrpflicht ist da nur eine Diskussion um Symbole, eine, die von Nostalgikern gef&#252;hrt wird, die sich offenbar in die Zeit der &#220;bersichtlichkeit des Kalten Krieges zur&#252;cksehnen. Bislang haben sich die Parteien beharrlich geweigert, anzuerkennen, dass sich die Welt ver&#228;ndert hat und endlich dar&#252;ber nachzudenken, wie die Bundeswehr der Zukunft aussehen soll, f&#252;r welche Art von Eins&#228;tzen sie ausger&#252;stet und ausgebildet sein muss?<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehrreform120.html">Tagesschau</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Bundespr&#228;siden K&#246;hler ist noch zur&#252;ckgetreten, als ihm vorgehalten wurde, er habe die Bundeswehr als Interventionsarmee bezeichnet. Inzwischen ist das ganz selbstverst&#228;ndlich.<br />
<strong>F&#252;r alle „Nostalgiker“ zur Erinnerung: Artikel 115a Grundgesetz</strong><br />
(1) Die Feststellung, dass das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht (Verteidigungsfall), trifft der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates. Die Feststellung erfolgt auf Antrag der Bundesregierung und bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen, mindestens der Mehrheit der Mitglieder des Bundestages.</em></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Atomlobbyismus</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Frau Merkels n&#252;tzliche Feinde</strong><br />
B&#246;se, b&#246;se, dieser Angriff der Atomlobby. Aber Vorsicht! Angela Merkel sollten wir nicht allzu sehr bedauern. Sie k&#246;nnte von der Anzeigenkampagne der Atomkraft-Fans profitieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/frau-merkels-nuetzliche-feinde/-/1472602/4581510/-/index.html">FR-Blog Hebel bloggt</a></li>
<li><strong>Heribert Prantl: Frau Merkel, bitte zum Diktat!</strong><br />
Wer trifft die politischen Entscheidungen in Wirklichkeit? Weil sie der Brennelementesteuer entgehen wollen, versuchen die Chefs der Atomwirtschaft, die Bundesregierung umzublasen. Dem Wind geben sogar einstige Atomgegner nach.<br />
Offenbar will Merkel den Eindruck vermeiden, dass sie gedr&#228;ngt werden kann. Wer ohnehin schon bereit ist, das zu tun, was der andere will, kann nicht mehr dazu gen&#246;tigt werden.<br />
Die Brennelemente-Steuer ist Bestandteil des Anfang Juni verk&#252;ndeten Sparpakets &#8211; und darin einer der ganz wenigen Posten, bei denen auf Wirtschaft und Gutverdiener zugriffen wird. Ansonsten spart das Sparpaket bei den Ausgaben f&#252;r die kleinen Leute. Nun f&#228;llt wom&#246;glich die Steuer weg &#8211; und wird durch ausgehandelte Zahlungen ersetzt. Das ist der Traum jedes Steuerzahlers: Auf seinen Protest hin tritt der Staat mit ihm in Verhandlungen ein und fragt, wie viel man bitte freiwillig zahlen m&#246;chte.<br />
Quelle: <a href="http://sueddeutsche.de/politik/atom-debatte-frau-merkel-bitte-zum-diktat-1.991143">SZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Dass Clement und Schily, die ja sonst gleich mit dem Vorwurf des Wortbruchs wie etwa bei der Diskussion &#252;ber die Rente mit 67 oder damals bei Ypsilanti bei der Hand sind, mit ihrer Unterschrift selbst einen Wortbruch begangen haben, wird leider nicht thematisiert. Hat Clement als Wirtschaftsminister nicht etwa damals den Atomausstieg mitgetragen?</em></li>
<li><strong>Die Atomlobby und ihr begrenzter Freundeskreis</strong><br />
Die Atomlobby versucht, den Druck auf die Bundesregierung weiter zu erh&#246;hen. Am Samstag erschien in zahlreichen Zeitungen gro&#223;e Anzeigen mit einem “Energiepolitischen Appell”. Man kann das als starke Drohung sehen &#8211; oder auch als Zeichen der Schw&#228;che. Den die Unterst&#252;tzer au&#223;erhalb der Energiekonzerne und der energieintensiven Unternehmen (wie Chemie, Stahl oder Bahn) bleiben begrenzt.<br />
Eine extra Erw&#228;hnung ist vielleicht noch die Unterschrift von Josef Ackermann von der Deutschen Bank wert, die auch von den Medien hoch geh&#228;ngt wurde. Dabei ist die Deutsche Bank stark im Atomsektor engagiert. Laut einer Studie von urgewald, Greenpeace International und Banktrack geh&#246;rt sie international zu den Top Ten der Banken, die die Atomindustrie finanzieren.<br />
Quelle: <a href="http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2010/08/die-atomlobby-und-ihr-begrenzter-freundeskreis/ ">LobbyControl</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h03"></a><strong>Industrie rebelliert gegen Ratingagenturen</strong><br />
Deutsche Unternehmen haben genug von der Macht der internationalen Ratingagenturen. Immer mehr Firmen verzichten bei neuen Anleihen auf die Bewertung der Bonit&#228;tsfirmen. Gerade Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad bekennen offen, dass sie das lange Zeit obligatorische Bonit&#228;tssiegel nicht brauchen. So hei&#223;t es etwa bei Otto, der eigene Ruf sei &#8220;wertvoller als das Rating von Agenturen, deren Ruf w&#228;hrend der Finanzkrise gelitten hat&#8221;. Kritiker der Entwicklung warnen jedoch davor, dass ungesunde Unternehmen den Trend nutzen k&#246;nnten, um Anleihen loszuwerden, die bei den Ratingagenturen glatt durchfallen w&#252;rden. Das wichtigste Motiv beim Verzicht auf die Bewertung ist hingegen das finanzielle. Die Arbeit der beiden f&#252;r D&#252;rr t&#228;tigen Agenturen S&#038;P und Moody&#8217;s schl&#228;gt nach Unternehmensangaben mit etwa 100.000 Euro j&#228;hrlich zu Buche. &#8220;Geld, das wir sparen k&#246;nnen&#8221;, sagt der Sprecher. Dar&#252;ber hinaus f&#252;hlt sich D&#252;rr von den Agenturen ungerecht beurteilt. Eine derzeit laufende Unternehmensanleihe wird von S&#038;P mit &#8220;Single-B&#8221; bewertet, bei Moody&#8217;s hat sie das Rating &#8220;B2&#8243;. Beides entspricht dem Niveau eines Junk-Bonds. D&#252;rr h&#228;lt diese Einsch&#228;tzung f&#252;r &#252;berholt. Der Auftragseingang bei dem Autozulieferer zeigt nach der Krise wieder steil nach oben.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:anleihen-ohne-bonitaetsbewewertung-industrie-rebelliert-gegen-ratingangenturen/50160380.html">FTD</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Kik k&#252;ndigt Mindestlohn an</strong><br />
Der Textildiscounter Kik ist wegen Dumpingl&#246;hnen und Aussp&#228;h-Aff&#228;ren immer wieder angegriffen worden – jetzt will er einmal ein positives Signal setzen: Von Oktober an erhalte jeder Kik-Besch&#228;ftigte mindestens 7,50 Euro pro Stunde, teilte das Unternehmen mit. Kik zahle bislang besonders niedrige L&#246;hne, hei&#223;t es bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Im vorigen Jahr wurde der Discounter vom Landesarbeitsgericht Hamm verurteilt, weil er Mini-Jobberinnen sittenwidrige Einkommen von 5,20 Euro pro Stunde gezahlt hatte. Solche geringen Eink&#252;nfte sind laut Verdi unter Aushilfen keine Seltenheit. F&#252;r Negativ-Schlagzeilen sorgte Kik auch, weil die Kette &#252;ber Jahre die Finanzlage von Besch&#228;ftigten ausgesp&#228;ht haben soll. Dem Unternehmen zufolge wurde dies inzwischen eingestellt. Dass Kik mit seinen europaweit rund 18000 Arbeitnehmern jetzt einen Mindestlohn ank&#252;ndige, habe mit dem &#246;ffentlichen Druck zu tun, sagte Verdi-Einzelhandelsexpertin Lieselotte Hinz der FR. F&#252;r alle Besch&#228;ftigten, die bisher unter Niedrigstl&#246;hnen leiden, sei dies eine gute Nachricht, erg&#228;nzte eine Gewerkschaftssprecherin. Allerdings k&#246;nne niemand garantieren, dass der Discounter neuem Personal in zwei Monaten nicht wieder weniger Geld zahle. Deswegen sei eine „verbindliche tarifliche Regelung“ n&#246;tig.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/kik-kuendigt-mindestlohn-an/-/1472780/4582456/-/view/printVersion/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Da k&#246;nnte Ver.di ruhig auch einmal in grenz&#252;berschreitender Solidarit&#228;t ein Wort &#252;ber die Arbeitsbedingungen von Kik in seiner asiatischen Textilproduktion verlieren.</em></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Hinter dem Hochglanzprojekt „B&#252;rgerarbeit“</strong><br />
Das ist also das moderne Antlitz der B&#252;rgerarbeit! Arbeitslose, die man bundesweit vermitteln will, die man aus ihrem sozialen Umfeld rausrei&#223;en w&#252;rde, weg von ihrer Familie, von Freunden, von der Heimat. Sanktionsandrohungen schon im Vorfeld, bevor man &#252;berhaupt in der B&#252;rgerarbeit steckt. Die Furcht vor Repressalien wird zum beh&#246;rdlichen Mittel, zum Verwaltungsakt geradezu.<br />
Quelle: <a href="http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/08/hinter-dem-hochglanzprojekt.html">Ad sinistram</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Der Markt f&#252;r Gewerbeimmobilien wackelt</strong><br />
K&#228;ufer von Gewerbeimmobilien m&#252;ssen Kredite in Billionenh&#246;he umschulden. Scheitern sie, droht die n&#228;chste Finanzkrise.<br />
Sie haben es krachen lassen: 2570 Mrd. Dollar, umgerechnet 2000 Mrd. Euro, haben Europas Banken Immobilieninvestoren f&#252;r den Kauf von B&#252;ros oder Einkaufszentren geliehen &#8211; eine Summe, so gro&#223; wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP).<br />
Doch was dank stetig steigender Immobilienpreise lange als bombensicheres Investment galt, wird jetzt zum Bumerang &#8211; f&#252;r alle: Gewerblich genutzte Geb&#228;ude haben weltweit dramatisch an Wert verloren. Die Banken f&#252;rchten um die R&#252;ckzahlung der Kredite, Immobilienfirmen wie die deutsche IVG oder US-Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs, deren Immobilient&#246;chter gerade auch in Deutschland im Boom auf Beutezug gegangen waren, hoffen auf die Verl&#228;ngerung der Darlehen.<br />
Ob sie mit einem blauen Auge davonkommen, ist h&#246;chst ungewiss.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/finanzen/immobilien/:die-neuen-crashrisiken-der-markt-fuer-gewerbeimmobilien-wackelt/50160183.html  ">FTD</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Der US-Wirtschaft fehlt Innovationskraft</strong><br />
Der &#214;konomie-Nobelpreistr&#228;ger Edmund Phelps erkl&#228;rt dem amerikanischen Pr&#228;sidenten Barack Obama, wie er die Weltkonjunkturlokomotive in Fahrt bringt:<br />
Wir sind nicht nur in einer Wachstumsdelle. Wir stecken in einem strukturellen Schlamassel, den kein Milliardenpaket l&#246;sen kann. Der US-Wirtschaft fehlt, was sie stets stark gemacht hat: Innovationskraft. Neuerungen ziehen Investitionen nach sich. Investitionen m&#252;nden in Jobs. Hier hakt es. Manager denken zu kurzfristig. Vielversprechende Forschungsprojekte werden auf Eis gelegt, nur weil sie das n&#228;chste Quartalsergebnis belasten k&#246;nnten. In der Pharmabranche etwa ersetzen Computer die Forscher – mit schlechteren Ergebnissen. Viele Investoren, die fr&#252;her Geld in neue Unternehmen steckten und so Arbeitspl&#228;tze geschaffen haben, z&#246;gern. &#8230; Eine vollst&#228;ndige Erholung wird es nicht geben, f&#252;rchte ich. Zwar wird die Arbeitslosigkeit wieder sinken. Wir werden vielleicht 7,5 Prozent erreichen. Aber selbst das wird drei bis vier Jahre dauern. &#8230;  Wir werden mit einer insgesamt h&#246;heren Arbeitslosigkeit in die n&#228;chste Krise gehen.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/wirtschaft/-der-us-wirtschaft-fehlt-innovationskraft-/-/1472780/4582738/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Jetzt fehlt das Bollwerk gegen links </strong><br />
Es ist gut, dass der SPD-Fraktionschef die Politik zur&#252;ckstellt, um seiner Frau mit einer Nieren-Spende zu helfen. Doch die Partei ger&#228;t damit aus dem Gleichgewicht: Steinmeier wird als Bollwerk gegen den Linksschwenk fehlen.<br />
Steinmeier hat jenen in der Partei Paroli geboten, die – wie Parteivize Klaus Wowereit – die Rente mit 67 am liebsten abgeschafft h&#228;tten. Die jetzt gefundene L&#246;sung ist zwar im Sinne der Sache nicht gut, weil sie darauf zielt, eine generationengerechte Politik weiter in die Zukunft zu verschieben. Sie ist aber das kleinere &#220;bel gegen&#252;ber den vorhandenen Maximalforderungen&#8230;<br />
Er ist der Garant daf&#252;r, dass die SPD nicht der Versuchung erliegt, im Werben um die zur Linken abgewanderten W&#228;hler das staatspolitisch Notwendige aus dem Blick zu verlieren.<br />
Wenn Steinmeier schlie&#223;lich nach seiner Rekonvaleszenz und der erhofften Genesung seiner Frau wieder auf die politische B&#252;hne zur&#252;ckkehrt, ist zu w&#252;nschen, dass er seine in den vergangenen Monaten innerhalb der SPD gefestigte Machtstellung wieder einnehmen kann. Denn die SPD braucht ihn dringend als ersten Repr&#228;sentanten eines Kurses der Mitte. Nachdem er als Kanzlerkandidat eine schwere Niederlage hinnehmen musste und der Griff nach dem Fraktionsvorsitz eher aus Verzweiflung erfolgte, hat Steinmeier sich geschickt als Gegenpol zum Parteivorsitzenden etabliert, ohne offene Rivalit&#228;t aufkommen zu lassen.<br />
Quelle: <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/steinmeiers-auszeit-jetzt-fehlt-das-bollwerk-gegen-links_aid_544239.html ">Focus</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> So kann man auch aus einer menschlich hoch respektablen Entscheidung ein Politikum machen. In der Sache hat Focus in seiner Einsch&#228;tzung der Rolle Steinmeiers allerdings absolut Recht. Steinmeier ist das Bollwerk gegen einen Kurswechsel der SPD.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Die Fast-alles-ist-m&#246;glich-Partei</strong><br />
Wie biegsam sind die Gr&#252;nen geworden, wenn es um die Macht geht? Allen Bedenken zum Trotz haben sie sich jetzt in Hamburg f&#252;r ein Weiter-so mit der CDU entschieden &#8211; f&#252;r die Gegner der Beweis: Die einst rebellische Partei ist zum Club der Jasager verkommen.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,713155,00.html">Spiegel Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Wie schrieb doch KONKRET schon so treffend: „Die Hamburger Gr&#252;nen werden alles mitmachen, solange sie nur ihre Dienstwagen behalten k&#246;nnen“.<br />
Siehe auch: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33170/1.html">Gelogen ist es nur bei SPD und Linkspartei</a></em></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Lothar de Maizière: &#8220;DDR war kein Unrechtsstaat&#8221;</strong><br />
Der Streit zwischen &#8220;ewig Gestrigen&#8221; und erbitterten DDR-Kritikern gipfelt in der Grundsatzfrage: War die DDR ein Unrechtsstaat? F&#252;r den letzten ostdeutschen Ministerpr&#228;sident Lothar de Maizière liegt die Antwort in der Mitte.<br />
De Maizière sagte MDR INFO, in diesem Sinne sei das Wort &#8220;Unrechtsstaat&#8221; ein Totschlag-Argument, das die Realit&#228;t nicht treffe. &#8220;Ich halte diese Vokabel f&#252;r ungl&#252;cklich&#8221;. Anl&#228;sslich des 20. Jahrestags des Volkskammer-Beschlusses zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik sagte de Maizière, er behaupte nicht, dass die DDR ein Rechtsstaat gewesen w&#228;re, sie sei aber auch kein Unrechtsstaat gewesen.<br />
De Maizière sagte weiter, wenn die DDR ein &#8220;Unrechtsstaat&#8221; gewesen w&#228;re, h&#228;tte im Einigungsvertrag unter Artikel 18 nicht vereinbart werden k&#246;nnen, dass Urteile aus DDR-Zeiten weiter vollstreckt werden k&#246;nnen.<br />
Quelle: <a href="http://www.mdr.de/nachrichten/7594485.html">MDR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Was machen nun CDU und SPD nur  mit ihrer Kampagne, in der sie das Abschw&#246;ren vom  „Unrechtsstaat“ der damaligen DDR zur Nagelprobe f&#252;r die demokratische Verl&#228;sslichkeit gemacht haben? Es geht eben nicht um das Abarbeiten an Begriffen, sondern um eine historische Aufarbeitung der Herrschaft des SED-Regimes.</em></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Studienkredite: Wie ein Student sich arm studierte</strong><br />
F&#252;r Thorsten S. wurde sein Studiendarlehen zum Alptraum. Er nahm zu viel Geld auf, lebte zu sorglos und dann scheiterte er an der Uni. Jetzt hat er einen Billig-Job, 20.000 Euro Schulden und wenig Hoffnung. Ein Lehrbeispiel &#252;ber die Risiken eines Studentenlebens auf Pump.</p>
<p><img src="upload/bilder/240810_herkunftsgruppen_fachschule_uni.png" alt="Studienkredite: Herkunftsgruppen" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,712997,00.html">Spiegel Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Die einen starten nach einem Studium mit einer Hypothek, die anderen ohne.<br />
Das ist der entscheidende Unterschied, wenn man die ach so sozialvertr&#228;glichen Studienkredite in Anspruch nehmen muss.</em></li>
<li><a name="h12"></a><strong>T&#252;rkische Eltern: Im Zweifel f&#252;r die h&#246;here Schule</strong><br />
T&#252;rkischst&#228;mmige Kinder machen seltener Abitur &#8211; weil ihre Eltern Bildung weniger sch&#228;tzen? Eine Studie r&#228;umt nun mit diesem Vorurteil auf, ihr Ergebnis: Bei gleicher Leistung und sozialer Herkunft wechseln t&#252;rkische Kinder sogar h&#228;ufiger auf Realschule oder Gymnasium als deutsche.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,713229,00.html">SPIEGEL</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Video-Verbot am Arbeitsplatz</strong><br />
Die Koalition will heimliche Aufnahmen von Besch&#228;ftigten an ihrem Arbeitsplatz verbieten.<br />
Die Regelung solle am Mittwoch dieser Woche im Bundeskabinett verabschiedet werden und sieht nach Angaben aus Regierungskreisen vor, dass Besch&#228;ftigte am Arbeitsplatz &#8211; wie in einem aufsehenerregenden Fall bei der Handelskette Lidl geschehen &#8211; nun nicht mehr heimlich durch Videokameras &#252;berwacht werden. Allerdings sollen die Arbeitgeber auch weiter im Kampf etwa gegen Korruption Mitarbeiter kontrollieren d&#252;rfen.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/gesetz-zum-datenschutz-video-verbot-am-arbeitsplatz-1.991160 ">SZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung:</strong> Siehe die Kritik des DGB<br />
Quelle: <a href=" http://www.dgb.de/presse/++co++814bf3dc-7a11-11df-6571-00188b4dc422/@@index.html?start_date%3D2010-02-01%26end_date%3D2011-02-28%26search_text%3DDatenschutz">DGB</a></em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Debatte um Wikileaks: M&#228;rchenstunde mit Julian Assange</strong><br />
Wikileaks-Gr&#252;nder Julian Assange: ein Mann, viele Meinungen. Unser Amerikakorrespondent Christoph von Marschall stellt &#252;berraschende Unterschiede zwischen der Berichterstattung in den USA und in Deutschland sowie zwischen Print und Online fest. Die meisten US-Zeitungen schlagen einen distanzierten, aber nicht unfreundlichen Ton an. Viele deutsche Zeitungen lassen ihre Sympathie mit Assange und ihr Misstrauen gegen&#252;ber US-Milit&#228;r und Geheimdiensten durchklingen. Die meisten deutschen Online-Medien betreiben bewusst oder unbewusst die Stilisierung Assanges zu einem Robin Hood des Internets. Wer sich vornehmlich aus deutschen Online-Medien informiert, wird den Eindruck gewinnen, Assange sei ein Mensch mit hohen Idealen, der sich im Dienst der Wahrheit mutig mit der m&#228;chtigen US-Milit&#228;rmacht anlegt und nun verfolgt werde. US-Zeitungen hinterfragen seine Behauptungen. In der Summe ergibt sich das Bild eines Mannes, der mit Aufschneidereien, Halbwahrheiten und Manipulationen arbeitet. Deutsche Zeitungen berichten Wikileaks-freundlicher als amerikanische, &#252;bernehmen seine Darstellungen aber nicht so unkritisch wie viele deutsche Online-Medien.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/maerchenstunde-mit-julian-assange/1909774.html">Tagesspiegel</a> </p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Der Amerikakorrespondent des Tagesspiegels, Christoph von Marschall, sollte sich selbst einmal fragen, ob er nicht Opfer seiner N&#228;he zu den US-Medien ist. Zun&#228;chst einmal, Julian Assange ist nicht Gr&#252;nder, sondern Mitbegr&#252;nder von Wikileaks. Laut Wikipedia  wurde WikiLeaks 2006 nach eigenen Angaben von chinesischen Dissidenten, Journalisten, Mathematikern und Technikern von Startup-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und S&#252;dafrika gegr&#252;ndet. Selbst wenn Assange eine treibende Kraft hinter WikiLeaks sein sollte, bringt die Behauptung seiner &#8220;Aufschneidereien, Halbwahrheiten und Manipulationen&#8221; rein gar nichts, solange in den von WikiLeaks ver&#246;ffentlichten Dokumenten keine Manipulationen nachzuweisen sind. Und man kann sicherlich darauf wetten, dass die Geheimdienste l&#228;ngst versucht haben, Fakes bei WikiLeaks unterzubringen. Bislang hat noch keine offizielle Stelle, sei es beim  Feldj&#228;gerbericht zu Kundus, den Afghanistanpapieren oder den Planungsdokumenten zur Loveparade 2010,  WikiLeaks der F&#228;lschung bzw. der Ver&#246;ffentlichung von F&#228;lschungen &#252;berf&#252;hrt. Ob Assange sympathisch ist, interessiert einen Dreck. Ob er von Geltungsdrang geleitet ist, interessiert genauso wenig. Da d&#252;rfte ihn unsere Politkaste locker &#252;bertreffen. Ob die Anklage wegen sexueller N&#246;tigung zu Recht besteht, sollen die Gerichte entscheiden. Dar&#252;ber berichtet wird hierzulande durchaus, im Gegensatz zur Behauptung von Marschall. Dass dieser eher der Meinungsmache gewisser Kreise in den USA aufsitzt, zeigt sich u.a. darin, dass er der uralten Ausrede von der Gef&#228;hrdung amerikanischer Soldaten aufsitzt. Der Witz ist doch der, dass die Zusammenarbeit mit Spiegel Online, der New York Times und The Guardian u.a. solch einen Schaden verhindern sollte. Auch das Widerk&#228;uen der US-Regierungs-These, dass die Afghanistanpapiere nichts Neues br&#228;chten, ist l&#228;ngst widerlegt. Oder wusste irgendwer bis auf Armee und Geheimdienste, dass Todeslisten in Afghanistan mit Raketenwerfern, best&#252;ckt mit Streumunition, abgearbeitet werden. Ob diese Papiere die Brisanz der „Pentagon-Papiere“ haben, geschenkt. Die Quantit&#228;t dieser Unterlagen ist schon l&#228;ngst in eine neue Qualit&#228;t umgeschlagen. Und was die Differenz zur US-Presse betrifft: Wer sich an die patriotische Stimmungs- und Meinungsmache vor dem Irakkrieg erinnert, f&#252;hlte die McCarthy-&#196;ra nicht weit. US-Kriege und US-Presse, das ist wahrlich ein Kapitel f&#252;r sich. -  Christoph von Marschall wollte die Legende vom neuen Robin Hood widerlegen, dabei ist ihm sein Artikel selbst zur M&#228;rchenstunde geraten. Schlichte Gem&#252;ter wie ich fragen sich, bei wem er sich damit lieb Kind machen wollte.</em></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Jagd auf Al Qaida verliert an Bedeutung </strong><br />
Das Terrornetzwerk Al Qaida spielt f&#252;r die USA im Afghanistankrieg einem Zeitungsbericht zufolge nur noch eine Nebenrolle. Die Organisation tauche in Dokumenten des US-Milit&#228;rs &#252;ber den Krieg kaum auf und werde dann auch meistens nur am Rande erw&#228;hnt, berichtete die „Washington Post“ am Montag. Das habe eine Auswertung von rund 76 000 teils geheimen Papieren aus dem Pentagon ergeben, die vor einigen Wochen von der Enth&#252;llungsplattform Wikileaks im Internet ver&#246;ffentlicht worden waren. Die Dokumente aus den Jahren 2004 bis 2009 zeigten deutlich, dass die USA ihren Fokus ganz auf den Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban gelegt h&#228;tten. Selbst der Al-Qaida-Chef Osama bin Laden, dessen Gefangennahme die Milit&#228;rs immer wieder als ein Kriegsziel nennen, komme in den Unterlagen kaum vor, schreibt die Zeitung weiter. Das gelte auch f&#252;r andere hochrangige Al-Qaida-Mitglieder.<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/jagd-auf-al-qaida-verliert-an-bedeutung-pentagon-dokumente-legen-fokus-auf-taliban/1909792.html">Tagesspiegel</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> F&#252;r kritische Geister nichts Neues, h&#246;chsten f&#252;r die Bundesregierung. Hat sie doch bisher unsere Sicherheit am Hindukusch gegen Al Qaida verteidigt.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Rezension: Thomas Schuler: &#8220;Bertelsmannrepublik Deutschland&#8221;</strong><br />
Ob zum Thema Gesundheitspolitik, Sozialreformen oder demografischer Wandel &#8211; die Bertelsmann-Stiftung bringt sich gerne in die Debatte ein. Ihr Wissen ist gefragt &#8211; auch in der Politik. So sehr, dass die Frage im Raum steht, ob die Arbeit der Stiftung wirklich so selbstlos ist, wie das gerne darstellt wird.<br />
Wenn ich aufrechne, was an zwei Milliarden Erbschaftssteuer ungef&#228;hr erspart worden ist, und man rechnet die 800 Millionen dagegen, die die Stiftung seit 1977 ausgegeben hat, dann merkt man, dass die &#214;ffentlichkeit der Familie Mohn dieses Privatinstitut finanziert. Und daf&#252;r, dass ein Teil gemeinn&#252;tzig ist, aber auch ein Teil fragw&#252;rdig ist, finde ich das bemerkenswert und problematisch, dass also dieser Familie und diesem Unternehmen hier ein Zugang f&#252;r Lobbyismus zur Politik finanziert wird.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.anti-bertelsmann.de/2010/Schuler-Besprechung.html">anti-bertelsmann</a></p>
<p><em><strong>Zus&#228;tzliche Bemerkung:</strong></em><br />
<em>&#8220;Nicht Mohn finanziert der Allgemeinheit eine Reformwerkstatt. Vielmehr finanziert die Allgemeinheit den Mohns ein Institut, mit dem diese Gesetze nach ihren eigenen W&#252;nschen und Interessen beeinflussen k&#246;nnen. So gesehen, stellt die Bertelsmann Stiftung eine Pervertierung des eigentlichen Stiftergedankens dar.&#8221;</em><br />
<em>Quelle: <a href="http://www.ndrinfo.de/kultur/buch-tipp/thomasschuler100.html">NDR</a></em></li>
</ol>
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		<item>
		<title>Tarifeinheit und Tarifautonomie</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 07:38:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gibt es eine weitere H&#228;ngepartie: Den gemeinsamen Vorsto&#223; von BDA und DGB  zur gesetzlichen Regelung der Tarifeinheit. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit seinem Urteil zur Aufhebung der Tarifeinheit am 23. Juni 2010 erheblichen Wirbel verursacht. Danach  wurde  mit dem  bisher geltenden Grundsatz gebrochen: Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gibt es eine weitere H&#228;ngepartie: Den gemeinsamen Vorsto&#223; von BDA und DGB  zur gesetzlichen Regelung der Tarifeinheit. Das <a href="http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&#038;Art=en&#038;sid=68dc16add027244057bf3399747423fb&#038;nr=14436&#038;linked=bes">Bundesarbeitsgericht (BAG) hat mit seinem Urteil zur Aufhebung der Tarifeinheit am 23. Juni 2010</a> erheblichen Wirbel verursacht. Danach  wurde  mit dem  bisher geltenden Grundsatz gebrochen: Ein Betrieb- eine Gewerkschaft. Damit ist das bisherige Prinzip nicht mehr g&#252;ltig, dass in einem Betrieb f&#252;r vergleichbare Arbeitsverh&#228;ltnisse nur einheitliche Tarifvertr&#228;ge  angewendet werden.<br />
Politik und Gesetzgeber ist anzuraten, den konkurrierenden Spartengewerkschaften nicht die Luft abzudrehen. Ohne die M&#246;glichkeit zu Tarifvertr&#228;gen mit den erforderlichen Arbeitskampfma&#223;nahmen w&#228;ren die im Grundgesetz verankerte Vereinigungsfreiheit und Tarifautonomie als Eckpfeiler unseres Sozialstaates und unserer Demokratie nicht durchzusetzen. Von Ursula Engelen-Kefer<br />
<span id="more-6564"></span><br />
Geklagt hatte ein <strong>Krankenhausarzt</strong> gegen seinen Arbeitgeber auf Durchsetzung der besseren Urlaubsregelungen nach den Vereinbarungen mit dem Marburger Bund, w&#228;hrend das kommunale Krankenhaus lediglich die weniger g&#252;nstigen Urlaubsbedingungen aus dem Verdi-Vertrag gew&#228;hren wollte. In der Entscheidung des BAG vom 23.6. 2010 wurde dem Arzt Recht gegeben.</p>
<p><strong>DGB</strong> und <strong>BDA</strong> haben nach Kenntnis der mutma&#223;lichen Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes in einem gemeinsamen Appell vorgeschlagen, den Grundsatz der Tarifeinheit  gesetzlich zu regeln. Dabei weisen sie darauf hin, dass die Tarifeinheit eine unverzichtbare S&#228;ule der <strong>Tarifautonomie</strong> darstelle. „Sie verhindert eine Zersplitterung des Tarifvertragssystems, eine Spaltung der Belegschaften und eine Vervielfachung kollektiver Konflikte.“</p>
<p><strong>Politik und Gesetzgeber ist anzuraten, den konkurrierenden Spartengewerkschaften nicht die Luft abzudrehen. Ohne die M&#246;glichkeit zu Tarifvertr&#228;gen mit den erforderlichen Arbeitskampfma&#223;nahmen w&#228;ren die im Grundgesetz verankerte Vereinigungsfreiheit und Tarifautonomie als Eckpfeiler unseres Sozialstaates und unserer Demokratie nicht durchzusetzen.</strong></p>
<p><strong>Tarifeinheit  und Spartengewerkschaften</strong></p>
<p>Bereits heute gibt es verschiedene F&#228;lle, wo innerhalb eines Betriebes f&#252;r einzelne  Berufs- und T&#228;tigkeits-Sparten auch unterschiedliche Tarifvertr&#228;ge gelten, z.B.: </p>
<ul>
<li>f&#252;r Piloten bei der Lufthansa die Tarifregelungen der <strong>Vereinigung Cockpit</strong>, w&#228;hrend der gr&#246;&#223;te Teil des &#252;brigen Personals  einschlie&#223;lich eines erheblich geringeren Anteils der Piloten in den Tarifbereich von <strong>ver.di</strong> f&#228;llt;</li>
<li>die Lokf&#252;hrer bei der Deutschen Bahn, die vorwiegend in der <strong>Gewerkschaft der Lokf&#252;hrer</strong> mit eigenen Tarifvertr&#228;gen organisiert sind, w&#228;hrend f&#252;r die meisten &#252;brigen Besch&#228;ftigten die Tarifvertr&#228;ge der Gewerkschaft <strong>Transnet</strong> gelten.</li>
<li>Ein weiteres Beispiel ist der <strong>Marburger Bund</strong>, der f&#252;r den gr&#246;&#223;ten Teil der organisierten Krankenhaus&#228;rzte Tarifvertr&#228;ge aushandelt, w&#228;hrend ein gro&#223;er Teil der sonstigen Mitarbeiter in den Kliniken unter den Tarifvertr&#228;ge von ver.di geregelt sind.</li>
</ul>
<p>In diesen F&#228;llen verhandeln die Arbeitgeber mit unterschiedlichen Gewerkschaften auch unterschiedliche Tarifbedingungen aus. F&#252;r die Arbeitnehmer gilt jeweils nur ein Tarifvertrag. Hier gibt es jedoch in den meisten F&#228;llen wenig  unmittelbare <strong>Konkurrenz</strong> und <strong>&#220;berschneidung</strong>, da es sich in der Gewichtung der  Gewerkschaftsvertretung  und ihrer jeweiligen Tarifvertr&#228;ge um unterschiedliche Berufs- bzw. T&#228;tigkeitsbereiche handelt. </p>
<p>Allerdings haben die jeweils erheblich h&#246;heren Tarifforderungen der kleinen Spartengewerkschaften <strong>erheblichen</strong> Druck auf die gr&#246;&#223;eren  DGB Gewerkschaften – ver.di und Transnet &#8211; ausge&#252;bt. Dies erschwert den DGB-Gewerkschaften bei ihren Tarifforderungen, die von ihnen f&#252;r verantwort- und durchsetzbar gehaltenen Anspr&#252;che auf Lohn- und Gehaltssteigerungen sowie Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu begr&#252;nden und durchzuhalten. Erschwert wird ihnen vor allem auch der <strong>Ausgleich</strong> bei den Tarifforderungen zwischen den unterschiedlichen Berufsbereichen.</p>
<p>Ein pr&#228;gnantes Beispiel waren die vergleichsweise hohen Lohnforderungen der <strong>Vereinigung Cockpit</strong> f&#252;r die Lufthansa Piloten oder des <strong>Marburger Bundes</strong> f&#252;r die &#196;rzte in den kommunalen Krankenh&#228;usern gegen&#252;ber den vergleichsweise niedrigen L&#246;hnen und moderaten Lohnsteigerungen f&#252;r  das &#252;brige Personal der Lufthansa oder die Pflegeberufe in den Krankenh&#228;usern. Nicht zuletzt d&#252;rfte auch der &#246;ffentliche Druck auf die rigorosen Arbeitsk&#228;mpfe zur Durchsetzung der hohen Tarifforderungen der kleinen Spartengewerkschaften dazu beigetragen haben, dass von den urspr&#252;nglichen Forderungen bei den endg&#252;ltigen Abschl&#252;ssen erhebliche Abstriche hingenommen wurden</p>
<p>Gerade bei  so gro&#223;en Gewerkschaften &#8211; wie <strong>ver.di</strong> als Zusammenschluss von f&#252;nf ehemals eigenst&#228;ndigen Gewerkschaften und 13 Fachbereichen &#8211; sind derartige Aktionen  kleinerer Spartengewerkschaften, f&#252;r bessere Tarifbedingungen zu k&#228;mpfen, nicht „per se“ zu verdammen. Der Grundsatz <strong>„Konkurrenz belebt das Gesch&#228;ft“</strong> sollte auch hierbei nicht v&#246;llig verdr&#228;ngt werden. Allerdings muss dabei die <strong>Fairness</strong> f&#252;r alle Besch&#228;ftigten aufrecht erhalten bleiben. Dies war z.B. bei den urspr&#252;nglichen Forderungen des Marburger Bundes f&#252;r die Krankenhaus&#228;rzte nicht der Fall, auch wenn die dringende Notwendigkeit zur Verbesserung der Gehaltsstrukturen und Arbeitszeitregelungen keinesfalls vernachl&#228;ssigt werden d&#252;rfen. Aber dies gilt mindestens so sehr auch f&#252;r das &#252;brige Krankenhauspersonal. Je h&#246;her der Anteil ist, der von den knappen kommunalen Krankenhausbudgets f&#252;r die &#196;rzte ausgegeben wird, desto geringer ist der Anteil f&#252;r die &#252;brigen Besch&#228;ftigten in den Krankenh&#228;usern. </p>
<p>Wie diese Beispiele zeigen, gab es bisher eine eng begrenzte unmittelbare Tarifkonkurrenz f&#252;r einzelne Betriebe bzw. T&#228;tigkeitsbereiche &#8211; zumeist im Organisationsbereich von ver.di.  Nach der bisherigen Rechtsprechung des BAG galt  jeweils der speziellere Tarifvertrag. Dies ist der Tarifvertrag, der dem Betrieb r&#228;umlich, fachlich und pers&#246;nlich am n&#228;chsten steht sowie den Erfordernissen und Eigenarten des Betriebs und der darin t&#228;tigen Arbeitnehmer am besten Rechnung tr&#228;gt.</p>
<p><strong>BAG durchbricht Tarifeinheit</strong></p>
<p>Dies gilt nicht mehr nach dem Urteil des BAG vom 23.6.2010. Danach kann ein Arbeitgeber unterschiedliche Tarifvertr&#228;ge auch f&#252;r vergleichbare T&#228;tigkeiten aushandeln und anwenden. Umgekehrt gilt jedoch f&#252;r den Arbeitnehmer nur ein Tarifvertrag  seiner Gewerkschaft.</p>
<p>Die <strong>Arbeitgeber</strong> schreien nun „Zeter und Mordio“, da dies zu einer Konkurrenz der tariff&#252;hrenden Gewerkschaften f&#252;hren w&#252;rde mit mehr Streiks und h&#246;heren L&#246;hnen.<br />
Auch der <strong>DGB</strong> f&#252;rchtet zu Recht, dass in Zukunft weitere konkurrierende Gewerkschaften entstehen k&#246;nnten, die es erschweren, in der Tarifpolitik zwischen einzelnen Berufs- und Arbeitnehmergruppen auszugleichen und diese an Einsch&#228;tzung der gesamtwirtschaftlichen Leistungsf&#228;higkeit auszurichten. Dies war in den Nachkriegsjahrzehnten grunds&#228;tzliche Leitlinie f&#252;r die gewerkschaftliche Tarifpolitik, was &#252;ber lange Jahre f&#252;r die Arbeitnehmer in der Bundesrepublik mit im Vergleich zu anderen L&#228;ndern erheblich weniger Streiktagen  durchaus Erfolge bei der Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen gebracht hat. Allerdings hat sich dies in den letzten Jahren des <strong>neoliberalen Mainstreams</strong> und der wachsenden  Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Betriebs- Personalr&#228;ten und Gewerkschaften erheblich ver&#228;ndert.</p>
<p><strong>Tarifpolitik der Gewerkschaften ausgeh&#246;hlt</strong></p>
<p>Bereits seit den 1990er Jahren ist &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum die Lohnentwicklung nicht mehr mit der Produktivit&#228;t (plus Inflationsausgleich) gewachsen. Entsprechend ist die <strong>Lohnquote</strong> &#8211; der Anteil der L&#246;hne am Volkseinkommen – drastisch gesunken.  Angestiegen sind dementsprechend die anteiligen Unternehmensgewinne und Ertr&#228;ge aus Verm&#246;gen. Die Folge ist eine zunehmende <strong>Spaltung der Gesellschaft</strong> in den wachsenden Anteil der Menschen in Niedriglohnbereichen. Einen ma&#223;geblichen Einfluss haben die <strong>Gesetze</strong> zur <strong>Flexibilisierung</strong> der Arbeitsbedingungen – insbesondere die &#214;ffnung der Schleusen f&#252;r die Ausbreitung der Leiharbeit, der befristeten Besch&#228;ftigung, der geringf&#252;gigen Teilzeitarbeit sowie der erheblichen Verschlechterung der Zumutbarkeit der von Arbeitslosen anzunehmenden T&#228;tigkeiten. Dadurch wurde die Zweiteilung des Arbeitsmarktes zwischen den durch Tarifvertr&#228;ge, sowie Arbeits- und Sozialrecht gesch&#252;tzten Arbeitnehmern und den prek&#228;r Besch&#228;ftigten immer gr&#246;&#223;er. Dies hat auch die M&#246;glichkeiten f&#252;r Gewerkschaften erschwert, in ihren Tarifverhandlungen bessere L&#246;hne und Arbeitsbedingungen durchzusetzen.</p>
<p><strong>DGB: Tarifliche und gesetzliche Mindestl&#246;hne</strong></p>
<p>Die Gewerkschaften haben daher ihre langj&#228;hrigen Widerst&#228;nde gegen gesetzliche <strong>Mindestl&#246;hne</strong> aufgegeben &#8211; allerdings mit unterschiedlicher Zielrichtung und in unterschiedlichem Ausma&#223; &#8211; je nach der Situation in ihren jeweiligen Organisationsbereichen. Als erste Gewerkschaft hat die <strong>IG BAU</strong> die Durchsetzung eines tariflichen Mindestlohnes im Bereich der Bauwirtschaft und der Geb&#228;udereinigung durchgesetzt. Inzwischen gibt es weitere tarifliche Mindestl&#246;hne, die in einem erleichterten Verfahren f&#252;r die gesamte Branche f&#252;r allgemeinverbindlich erkl&#228;rt wurden, f&#252;r insgesamt 3 Mio. Arbeitnehmer: Wachpersonal, Gro&#223;w&#228;schereien, Weiterbildung, Pflegeberufe. Zus&#228;tzlich fordern die Gewerkschaften die Einf&#252;hrung eines einheitlichen <strong>gesetzlichen Mindestlohnes</strong> von 8.50 Euro die Stunde, der nicht unterschritten werden darf.</p>
<p>Den engen Zusammenhang zwischen ihren Bem&#252;hungen, Lohnuntergrenzen durchzusetzen und die <strong>„Pervertierung“</strong> des Prinzips von Tarifautonomie und Tarifeinheit durch die Bundesregierung m&#252;ssen die DGB Gewerkschaften seit mehr als drei Jahren am Beispiel der <strong>Leiharbeit</strong> erfahren. Bereits Mitte 2006 haben die DGB Gewerkschaften einen Mindestlohn mit zwei gro&#223;en Leiharbeitsverb&#228;nden ausgehandelt, um die <strong>Schmutzkonkurrenz</strong> der Hungerl&#246;hne in der Leiharbeit zu unterbinden. Daraufhin haben die christlichen Gewerkschaften mit einem kleineren Leiharbeitsverband ebenfalls Tarifvertr&#228;ge ausgehandelt &#8211; aber erheblich niedrigere als der DGB. Stundenl&#246;hne unter 7 und sogar 6 Euro in der Stunde sind in der betrieblichen Realit&#228;t keine Seltenheit. Daran &#228;ndert auch nichts, dass jetzt die christlichen Gewerkschaften jetzt unter massivem &#246;ffentlichem Druck bessere Tarifvertr&#228;ge ausgehandelt haben. In der Leiharbeit ist demnach <strong>Armut bei Arbeit</strong> erheblich st&#228;rker ausgepr&#228;gt als in der Wirtschaft insgesamt. Die Bundesregierung weigert sich seit Jahren standhaft den DGB-Tarifvertrag f&#252;r die Leiharbeit f&#252;r allgemeinverbindlich zu erkl&#228;ren und verweist dabei auf die <strong>Tarifkonkurrenz</strong> zu dem Vertrag der <strong>christlichen Gewerkschaften</strong>. Hier hat die Tarifkonkurrenz, die von einzelnen Arbeitgebern zu ihren Zwecken genutzt wird, dazu beigetragen, dass Lohndumping im Arbeitskr&#228;fteverleih T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet wurde.</p>
<p>Ein anderes – nicht weniger trauriges Beispiel &#8211; ist das Schicksal der tariflichen Mindestl&#246;hne bei den <strong>Briefdienstleistern</strong>. Hier hatten die <strong>Post</strong> und <strong>ver.di</strong> sich auf einen tariflichen Mindestlohn von 9,80 Euro geeinigt, um der Dumping Konkurrenz aus Deutschland und unseren europ&#228;ischen Nachbarl&#228;ndern &#8211; insbesondere den Niederlanden &#8211; zu begegnen. Die privaten Briefdienstleister gr&#252;ndeten daraufhin einen eigenen Arbeitgeberverband, gleichzeitig wurde eine neue Gewerkschaft aus der Taufe gehoben. Beide aus dem Boden gestampften Verb&#228;nde einigten sich auf einen erheblich niedrigeren Mindestlohn f&#252;r Briefdienstleistungen. Der neue gegr&#252;ndete Arbeitgeberverband mit seinem Chef <strong>Florian Gerster</strong>, vormals Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur f&#252;r Arbeit und Sozialminister von Rheinland-Pfalz, erhob <strong>Klage</strong> gegen den h&#246;heren Mindestlohn von ver.di und bekam Recht. Damit wurde der h&#246;here von der Bundesregierung f&#252;r allgemeinverbindlich erkl&#228;rte Mindestlohn von <strong>ver.di</strong> au&#223;er Kraft gesetzt. Jetzt  m&#252;ssen neue Mindestl&#246;hne vereinbart werden, die nat&#252;rlich schlechter ausfallen werden. Auch dazu kann Tarifkonkurrenz f&#252;hren.</p>
<p><strong>Vorrang repr&#228;sentativer  Tarifvertr&#228;ge</strong></p>
<p>Hingegen weist der <strong>Justitiar der IG Metall, Thomas Klebe</strong>, daraufhin, dass die Aufhebung des Grundsatzes der Tarifeinheit durch die Entscheidung des BAG f&#252;r die IG Metall kein Schaden w&#228;re. Unter dem bisher geltenden Prinzip der Tarifeinheit in einem Betrieb gehen <strong>Haustarifvertr&#228;ge</strong> in einzelnen Unternehmen den Fl&#228;chentarifvertr&#228;gen der IG Metall vor. Das f&#252;hrte zu der Situation, dass niedrigere Haustarifvertr&#228;ge der  christlichen Gewerkschaften zur Anwendung kommen und die erheblich besseren Fl&#228;chentarifvertr&#228;ge der IG Metall f&#252;r die gesamte Branche <strong>verdr&#228;ngen</strong>. Hierzu schreibt Kleber: “Den IG Metall- Mitgliedern werden alle Rechte aus dem Tarifvertrag genommen, selbst wenn zum Beispiel bei einer Belegschaft von 1000 den Christlichen Gewerkschaften nur 3 angeh&#246;ren.“</p>
<p>Wenn jetzt die <strong>Arbeitgeber</strong> die Aufgabe dieses Grundsatzes der Tarifeinheit durch das BAG so heftig kritisieren, ist zu fragen, warum sie bislang &#252;berhaupt diese Schmutzkonkurrenz in ihren Betrieben zugelassen haben. Warum sind sie nicht rechtzeitig  gegen derartige Verbandsgr&#252;ndungen zu Zwecken des Lohndumpings  vorgegangen?  Oder, warum setzen sie sich z.B. nicht daf&#252;r ein, dass in den Betrieben, die f&#252;r die Arbeitnehmer g&#252;nstigeren Tarifvertr&#228;ge der DGB-Gewerkschaften f&#252;r die <strong>Leiharbeit</strong> angewendet werden? Leider ist das Engagement der Arbeitgeberseite auch zu vermissen, bei der Bundesregierung die <strong>Allgemeinverbindlichkeit</strong> der DGB-Mindestl&#246;hne f&#252;r die Leiharbeit durchzusetzen.   </p>
<p>Nicht von der Hand zu weisen ist der Eindruck einer gewissen <strong>Doppelmoral</strong>: N&#228;mlich aktive Beteiligung  bei oder zumindest Zulassung der Neugr&#252;ndung von Arbeitgeberverb&#228;nden und Verhandlung mit konkurrierenden Gewerkschaften &#252;ber Dumping-Bedingungen einerseits und das gro&#223;e „Jammern“, wenn dann der Schuss nach hinten los geht und die Tarifkonkurrenz neu gegr&#252;ndeter Gewerkschaften zu mehr Druck, mehr Streiks und besseren L&#246;hnen und Arbeitsbedingungen f&#252;hren k&#246;nnte. </p>
<p>Allerdings k&#246;nnen auch die Arbeitnehmer und Gewerkschaften nicht an einer Atomisierung der Gewerkschaftslandschaft und st&#228;ndigen Arbeitsk&#228;mpfen einzelner Berufsgruppen in den Betrieben interessiert sein. Deshalb muss auch die vom BAG jetzt neu geschaffene Tarifkonkurrenz in <strong>verantwortbare</strong> Bahnen gef&#252;hrt werden. </p>
<p>Dazu brauchte nur der  Grundsatz der <strong>Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)</strong> in seinen grundlegenden Arbeitsnormen zur Vereinigungs- und Tarifvertragsfreiheit genutzt werden, der im &#220;brigen auch in unserem Grundgesetz verankert ist.  Danach hat bei konkurrierenden Gewerkschaften immer der Tarifvertrag derjenigen Gewerkschaft Vorrang, die am meisten <strong>repr&#228;sentativ</strong> f&#252;r den jeweiligen Berufsbereich ist, mithin die meisten Mitglieder hat. Daf&#252;r gibt es in jahrzehntelanger nationaler und internationaler Rechtsprechung bis ins letzte Detail und an der Praxis orientierte Leitlinien, die den rechten Weg zur Feststellung der Repr&#228;sentativit&#228;t weisen. Verhindert werden muss und kann damit sowohl eine Chaotisierung der Arbeitsbeziehungen und Arbeitskonflikte, wie auch  Lohn- und Sozialdumping &#8211; ohne den Grundsatz der Vereinigungsfreiheit in Frage zu stellen. Wenn dies nicht durch freiwillige Verst&#228;ndigung der konkurrierenden Gewerkschaften m&#246;glich ist, k&#246;nnte der Gesetzgeber hierzu die Weichen stellen.</p>
<p>Allen Beteiligten ist jedoch dringend zu raten, die H&#228;nde von einer &#196;nderung des <strong>Grundgesetzes</strong> zu lassen. Die Freiheit der Bildung von Vereinigungen und damit nat&#252;rlich auch von Arbeitgeberverb&#228;nden und Gewerkschaften sowie die <strong>Tarifautonomie</strong> &#8211; mithin der freien Aushandlung von Tarifbedingungen durch die jeweiligen Verb&#228;nde frei von jeglicher Einflussnahme insbesondere des Staates &#8211;  (Artikel 9 und 3 unseres Grundgesetzes) sind wesentliche Eckpfeiler jeglicher <strong>Demokratie</strong>. Wir haben allen Grund, nicht daran zu r&#252;tteln. </p>
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		<title>G&#228;ngelung der Armen</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 07:25:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere interessante Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ursula von der Leyens Plan, h&#246;here Sozialleistungen f&#252;r Kinder im Hartz-IV-Bezug nicht auszuzahlen, sondern ihnen Gutscheine, einen „Bildungspass“ bzw. eine Chipkarte auszuh&#228;ndigen, findet &#252;ber die parteipolitischen Lagergrenzen hinweg zahlreiche Anh&#228;nger/innen. Einer der Hauptgr&#252;nde hierf&#252;r d&#252;rfte das in der Gesellschaft weit verbreitete Vorurteil sein, eine vom Bundesverfassungsgericht am 9. Februar 2010 angemahnte Erh&#246;hung des Regelsatzes komme [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ursula von der Leyens Plan, h&#246;here Sozialleistungen f&#252;r Kinder im Hartz-IV-Bezug nicht auszuzahlen, sondern ihnen Gutscheine, einen „Bildungspass“ bzw. eine Chipkarte auszuh&#228;ndigen, findet &#252;ber die parteipolitischen Lagergrenzen hinweg zahlreiche Anh&#228;nger/innen. Einer der Hauptgr&#252;nde hierf&#252;r d&#252;rfte das in der Gesellschaft weit verbreitete Vorurteil sein, eine vom Bundesverfassungsgericht am 9. Februar 2010 angemahnte Erh&#246;hung des Regelsatzes komme bei vielen Kindern aus sog. Hartz-IV-Familien gar nicht an, weil die Eltern das Geld eher zur Befriedigung ihrer eigenen Konsumbed&#252;rfnisse ausgeben w&#252;rden. Zwar mag es tats&#228;chlich den einen oder anderen Vater geben, der sich eher den beinahe schon sprichw&#246;rtlichen Flachbildschirm kaufen w&#252;rde, als das zus&#228;tzliche Geld seinen Kindern zugute kommen zu lassen. Mit den seltenen Ausnahmen „vergn&#252;gungss&#252;chtiger“ Familienv&#228;ter zu begr&#252;nden, dass keine Erh&#246;hung der Regels&#228;tze stattfinden soll, womit alle &#252;brigen Eltern und Kinder v&#246;llig schuldlos benachteiligt w&#252;rden, w&#228;re aber mehr als perfide. Dass auch Unternehmen staatliche Subventionen zweckentfremden, zeigt der j&#252;ngste Missbrauchsskandal beim Kurzarbeitergeld, hat bisher freilich bezeichnenderweise nie die Forderung nach sich gezogen, ihnen keine Subventionen mehr zu gew&#228;hren oder blo&#223; noch Gutscheine auszuh&#228;ndigen. Von Christoph Butterwegge<br />
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Zweifellos m&#252;sste st&#228;rker als bisher in unsere soziale Infrastruktur allgemein und besonders die Betreuungsinfrastruktur f&#252;r Kinder investiert werden, die vor allem gegen&#252;ber den skandinavischen L&#228;ndern einen gro&#223;en Nachholbedarf aufweist. In den dortigen Gemeinschaftsschulen, die alle Kinder bis zur 9. oder 10. Klasse zusammen unterrichten, existieren nicht blo&#223; mehr Lehrer/innen, sondern auch mehr Sozialarbeiter/innen und Psycholog(inn)en. So kommen Aufwendungen f&#252;r die Hilfe und die Betreuung auch bei den sozial benachteiligten Kindern an. Und gerade f&#252;r die ist es ja besonders wichtig, dass sie in Ganztagsschulen ein warmes Mittagessen, F&#246;rderunterricht und kulturelle Angebote erhalten. Dazu bedarf es jedoch keiner Gutscheine oder Chipkarten, sondern blo&#223; des ernsthaften politischen Willens, das mehrgliedrige deutsche Bildungssystem im Sinne der Kinder aus sozial benachteiligten Familien grundlegend zu reformieren.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus brauchen die sozial benachteiligten und bed&#252;rftigen Familien allerdings auch mehr finanzielle Mittel zu ihrer freien Verf&#252;gung, denn was man bei uns zum Leben ben&#246;tigt, bekommt man fast nur gegen Bares. Unter den Bedingungen einer modernen Konsumgesellschaft garantiert das Geld die Freiheit des Wirtschaftsb&#252;rgers, die dem Sozialstaatsb&#252;rger nicht vorenthalten bleiben darf. Die geplante Ausgabe eines „Bildungspasses“ bzw. von „Teilhabe- und Bildungsgutscheinen“ etwa f&#252;r musischen oder Nachhilfeunterricht w&#228;re keine L&#246;sung des Problems, weil sie einer G&#228;ngelung der Hartz-IV-Bezieher/innen durch jene Politiker/innen gleichk&#228;me, die sonst immer „Wahlfreiheit“ f&#252;r die B&#252;rger/innen fordern, sowie letztlich eine weitere Diskriminierung von Armen darstellen w&#252;rde. Denn wenn diese einen Gutschein im Sportverein oder im Theater einl&#246;sen wollten, m&#252;ssten sie sich als Transferleistungsempf&#228;nger/in „outen“. Nur wenn alle Kinder an der Museumskasse oder in der Musikschule mit der gleichen Chipkarte zahlen w&#252;rden, w&#228;re die Gefahr der Diskriminierung bzw. Stigmatisierung gebannt. Abgesehen von den enormen Kosten f&#252;r ein solches umfassendes Gutscheinsystem in elektronischer Form, an das s&#228;mtliche Dienstleister mit entsprechenden teuren Leseger&#228;ten angeschlossen sein m&#252;ssten, damit es universell wirken k&#246;nnte, entfiele dann aber dessen Notwendigkeit. Denn man k&#246;nnte genauso gut alle gew&#252;nschten Leistungen beitragsfrei zur Verf&#252;gung stellen und die Eltern mit gen&#252;gend hohem Einkommen durch eine angemessene Besteuerung an den Kosten daf&#252;r beteiligen.</p>
<p>Chipkarten mit von Kind zu Kind unterschiedlichem Guthaben f&#252;r je spezifische, von „Familienlotsen“ festgelegte Aktivit&#228;ten w&#252;rden, wenn die Jobcenter sie in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden aufl&#252;den, Hartz-IV-Bezieher/innen bzw. deren Nachwuchs nicht blo&#223; diskriminieren, weil als solche bei jedem Theater- oder Schwimmbadbesuch kenntlich machen, sondern die Betroffenen auch dirigieren und disziplinieren – wenn das nicht sogar der heimliche Kardinalzweck des besagten Gutscheinsystems f&#252;r seine Hauptprotagonist(inn)en ist! Warum soll eine alleinerziehende Mutter im Hartz-IV-Bezug, die am 20. des Monats kein warmes Essen mehr auf den Tisch bringt, weil das Geld f&#252;r den Supermarkteinkauf nicht reicht oder ihr aufgrund unbezahlter Rechnungen der Strom bzw. das Gas abgestellt wurde, das ihren Kindern zugedachte Geld eigentlich nicht f&#252;r Nahrungsmittel oder f&#252;r die Begleichung ihrer Schulden bei den Stadtwerken, sondern f&#252;r Museumsbesuche oder die Musikschule ausgeben? Wenigstens diese Entscheidung selbst treffen zu k&#246;nnen, macht doch ihre Menschenw&#252;rde aus und ist der Inbegriff von Eigenverantwortung!</p>
<p>Ursula von der Leyen beruft sich bei ihrem &#246;ffentlichkeitswirksamen Engagement f&#252;r die Ausgabe von Chipkarten auf Schweden, wo allerdings nur einzelne Kommunen derartiges praktizieren. W&#228;hrend man dort Bargeld jedoch kaum noch kennt und selbst Bagatellrechnungen per Kreditkarte begleicht, hat es diese in Deutschland erheblich schwerer, sich durchzusetzen. Mit der W&#252;rde des Menschen, die unsere Verfassung in Art. 1 GG zum obersten Wert erkl&#228;rt, ist ein Gutscheinsystem genauso wenig vereinbar wie der Zwang, betteln zu gehen. Statt der sonst viel beschworenen „Eigenverantwortung“ wird f&#252;r Hartz-IV-Bezieher/innen offenbar Unm&#252;ndigkeit zum erkl&#228;rten Ziel. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht in seinem o.g. Urteil zu Hartz IV vor allem Methodenkritik ge&#228;u&#223;ert hat, statt im Sinne der Kl&#228;ger/innen diese sozialpolitische Dauerbaustelle substanziell in Frage zu stellen, d&#252;rfte weder eine Konstanthaltung oder gar K&#252;rzung der Regels&#228;tze f&#252;r Erwachsene noch eine Erh&#246;hung der Kinderregels&#228;tze &#252;ber den Zugriff auf (vor)bestimmte Sach- oder Dienstleistungen mit dem Postulat eines „menschenw&#252;rdigen Existenzminimums“ vereinbar sein, das die Karlsruher Richter aufgestellt haben.  </p>
<p><em>Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&#228;t zu K&#246;ln. Zuletzt sind seine B&#252;cher „Krise und Zukunft des Sozialstaates“ sowie „Armut in einem reichen Land. Wie das Problem verharmlost und verdr&#228;ngt wird“ erschienen.</em></p>
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		<title>Hinweise des Tages</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 07:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute unter anderem zu folgenden Themen: Die AKW-Putschisten; Stadtwerke gegen Atomlobby; Aktion&#228;re wider Wissen; Insolvenzbordell London; kein Arbeitslosengeld f&#252;r Schwangere; nochmals: Urlaubsverzicht; Lobbynachrichten; Kommentar zu Steinbr&#252;cks Nebeneink&#252;nften; Jean Ziegler &#252;ber Lakaien; &#196;rztehonorar vorstrecken; Lautenschl&#228;ger geht durch die Dreht&#252;r; Wirtschaftssenator r&#228;umt „Falschangaben“ ein; Duisburg verbietet Ver&#246;ffentlichung von Dokumenten; Elektronikleid; Roma-Verfolgung; Tschechen wollen nicht in die griechische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute unter anderem zu folgenden Themen: Die AKW-Putschisten; Stadtwerke gegen Atomlobby; Aktion&#228;re wider Wissen; Insolvenzbordell London; kein Arbeitslosengeld f&#252;r Schwangere; nochmals: Urlaubsverzicht; Lobbynachrichten; Kommentar zu Steinbr&#252;cks Nebeneink&#252;nften; Jean Ziegler &#252;ber Lakaien; &#196;rztehonorar vorstrecken; Lautenschl&#228;ger geht durch die Dreht&#252;r; Wirtschaftssenator r&#228;umt „Falschangaben“ ein; Duisburg verbietet Ver&#246;ffentlichung von Dokumenten; Elektronikleid; Roma-Verfolgung; Tschechen wollen nicht in die griechische Falle geraten; Humboldts Bildung heute. (WL)<br />
<span id="more-6558"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">AKW-Streit: Die Putschisten</a></li>
<li><a href="#h02">Stadtwerke-Verband: „Dreckschleudern abschalten“</a></li>
<li><a href="#h03">Deutsche sind Aktion&#228;re wider Wissen</a></li>
<li><a href="#h04">Schuldner fl&#252;chten ins &#8220;Insolvenzbordell&#8221; London</a></li>
<li><a href="#h05">Arbeitslosengeld f&#252;r Schwangere gestrichen</a></li>
<li><a href="#h06">Nochmals: Angestellte sollen auf Urlaub verzichten</a></li>
<li><a href="#h07">Lobbynachrichten aus dem Sommerloch</a></li>
<li><a href="#h08">Kommentar zum Fall Steinbr&#252;ck</a></li>
<li><a href="#h09">Jean Ziegler: „Viele sind Lakaien“</a></li>
<li><a href="#h10">Patienten sollen Honorar f&#252;r Arztbesuch vorstrecken</a></li>
<li><a href="#h11">Kanzleramt war involviert in Sawicki-Entmachtung</a></li>
<li><a href="#h12">Lautenschl&#228;ger zieht&#8217;s in die Wirtschaft</a></li>
<li><a href="#h13">Designierter Wirtschaftssenator r&#228;umt Falschangaben ein</a></li>
<li><a href="#h14">Duisburg l&#228;sst Dokumenten-Ver&#246;ffentlichung verbieten</a></li>
<li><a href="#h15">Jeder, der ein Apple iPhone besitzt, sollte sich sch&#228;men</a></li>
<li><a href="#h16">Schuften f&#252;r den Elektronikspa&#223; anderer</a></li>
<li><a href="#h17">Das Roma-Problem liegt in Osteuropa</a></li>
<li><a href="#h18">Tschechien: Wollen nicht in griechische Falle geraten</a></li>
<li><a href="#h19">Humboldts Bildung heute</a></li>
<li><a href="#h20">Was sind &#8220;h&#246;here Interessen&#8221;?</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6558&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>AKW-Streit: Die Putschisten</strong><br />
Eine so unverhohlene Erpressung durch Leute, die sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise gerade Milliarden von der Regierung und den Steuerzahlern &#252;berweisen lie&#223;en, sprengt alles Dagewesene. Wir erinnern uns an die vergangene Woche: Da drohten die Chefs der Energiekonzerne via Bildzeitung der Kanzlerin mit dem Abschalten der Atomkraftwerke, wenn die Regierung nicht 15 Jahre Laufzeitverl&#228;ngerung genehmigt. Schon damals ernteten sie Spott und Hohn. Dann macht sie doch dicht, eure Schrottreaktoren, schallte es durch die Republik. Und jetzt? Jetzt rennen die Energie-Chefs mit demselben Kopf gegen dieselbe Wand. Nur mit Verst&#228;rkung. Leute, die sich zur Elite aus Wirtschaft und Politik z&#228;hlen, springen den Konzernchefs bei. In einer fulminanten Anzeigenkampagne wollen sie der Regierung offenbar zeigen, wo der Hammer h&#228;ngt. Vom Sozialdemokraten Schily &#252;ber den Fu&#223;ballmanager Bierhoff bis zum Bahnchef Grube zeichnen sie den Protest.<br />
Diese Leute, die glauben, eine Kanzlerin so unter Druck setzen zu k&#246;nnen, sind sozial dumm und missachten alle Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens. Vor allem Regel Nummer eins: Bringe den anderen nie in eine ausweglose Situation, aus der er ohne Gesichtsverlust nicht mehr herauskommt. Eine Kanzlerin, das m&#252;ssten sich die Herren, und es sind ausschlie&#223;lich Herren, vielleicht noch mal klarmachen, ist vom Volk gew&#228;hlt und ihm verantwortlich. W&#252;rden sie dies zur Kenntnis nehmen, w&#228;re es, wenn schon nicht aus Einsicht, dann aus Zweckm&#228;&#223;igkeit geboten, sie so agieren zu lassen, dass ihre Entscheidung &#246;ffentliche Akzeptanz finden kann. Bewegt sich Merkel aber jetzt nur einen Schritt in ihre Richtung, wird sie den Vorwurf der Erpressbarkeit nicht mehr los.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/akw-streit--die-putschisten/-/1472602/4576362/-/index.html">FR</a></p>
<p><em>Siehe die Anzeige:</em></p>
<p>Quelle: <a href="http://www.energiezukunft-fuer-deutschland.info/">Energiezukunft Deutschland</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Der Andrang an Bef&#252;rwortern h&#228;lt sich offenbar in Grenzen. Bis gestern Mitternacht hatten 494 Leute zugestimmt.</em></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Stadtwerke-Verband: „Dreckschleudern abschalten“</strong><br />
Hans-Joachim Reck, Chef des Stadtwerke-Verbandes, &#252;bt scharfe Kritik an der Atomlobby. Die vier Atomkonzerne h&#228;tten es geschafft, innerhalb k&#252;rzester Zeit alle gegen sich aufzubringen, betont Reck im Interview.<br />
RECK: Ich halte eine solche, einseitig an den wirtschaftlichen Interessen orientierte Aktion nicht f&#252;r hilfreich. Bei den anstehenden energiepolitischen Entscheidungen m&#252;ssen alle Ziele, wie Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Preisw&#252;rdigkeit der Energie Ber&#252;cksichtigung finden. Ich f&#252;rchte, diese Aktion wird den Akteuren mehr schaden als nutzen.<br />
Was bedeutete eine Laufzeitverl&#228;ngerung f&#252;r die Stadtwerke?<br />
RECK: Laufzeiten sollten nur verl&#228;ngert werden, wenn es zu einem Marktausgleich bei der Stromproduktion zugunsten der Stadtwerke als dem energiepolitischen Mittelstand kommt. Get&#228;tigte Investitionen in dezentrale Produktionsstrukturen d&#252;rfen nicht gef&#228;hrdet werden; Neuinvestitionen m&#252;ssen rentabel bleiben.<br />
Womit sollen die Stadtwerke fehlende Kapazit&#228;ten ausgleichen?<br />
RECK: Die St&#228;rken der kommunalen Betriebe liegen eindeutig bei Anlagen mit Kraft-W&#228;rme-Kopplung, die mit Erdgas, Kohle und Biokraftstoffen als Brennstoff arbeiten und Strom und W&#228;rme zugleich erzeugen. Das bringt den extrem hohen Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent.<br />
Quelle: <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1281431639429.shtml">K&#246;lner Stadt-Anzeiger</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Deutsche sind Aktion&#228;re wider Wissen</strong><br />
Die meisten B&#252;rger besitzen Aktien. Dem Gro&#223;teil von ihnen d&#252;rfte dies gar nicht klar sein. Viele Anleger sind &#252;ber Fonds, Versicherungen oder &#252;ber bestimmte Formen der betrieblichen Altersvorsorge am Aktienmarkt beteiligt. Vor allem bei der Altersvorsorge l&#228;uft vieles im Verborgenen ab.<br />
Nach einer Studie von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesministeriums f&#252;r Arbeit und Soziales mit aktuellsten Angaben per Ende 2007 haben knapp zwei Drittel der sozialversichungspflichtigen Besch&#228;ftigten in Deutschland einen Anspruch auf eine betriebliche oder &#246;ffentliche Zusatzrente. Von diesen 17,5 Millionen Arbeitnehmern d&#252;rften die meisten indirekt Aktion&#228;re sein, sch&#228;tzen Berater. Denn viele Arbeitnehmer wandeln Teile ihres Gehaltes in Beitr&#228;ge f&#252;r die betriebliche Altersvorsorge um…<br />
Insgesamt 1,3 Billionen Euro haben die rund 50 Millionen Deutschen bei Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionskassen angelegt. Laut B&#246;rsenaufsicht Bafin entfallen 15,4 Mrd. Euro oder 1,2 Prozent davon auf b&#246;rsennotierte Aktien…<br />
Auch zu den indirekten Aktion&#228;ren z&#228;hlen die knapp 14 Millionen Inhaber einer staatlich gef&#246;rderten Riester-Rente f&#252;r die private Altersvorsorge, von denen wiederum rund 10 Millionen in eine Lebensversicherung und 2,7 Millionen in einen Fonds sparen.<br />
Relativ gering ist die Zahl der Aktienfondssparer und reinen Aktion&#228;re in Deutschland mit insgesamt nur noch 8,6 Millionen. Lediglich 3,9 Millionen davon halten direkt Aktien im Depot.<br />
Quelle: <a href="http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/geldanlage-deutsche-sind-aktionaere-wider-wissen;2637288">Handelsblatt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Man h&#228;tte auch die &#220;berschrift w&#228;hlen k&#246;nnen: Deutsche sind Aktion&#228;re wider Willen. Denn gefragt werden sie nat&#252;rlich nicht. Interessant ist auch , dass f&#252;r lediglich 3,9 Millionen Menschen die direkt Aktien halten, t&#228;glich eine umfangreiche B&#246;rsenberichterstattung in allen Medien stattfindet.</em></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Schuldner fl&#252;chten ins &#8220;Insolvenzbordell&#8221; London</strong><br />
Kriselnde Unternehmen verlegen zunehmend ihren Sitz in die britische Metropole, um von den dortigen Insolvenzregeln zu profitieren. Anleihegl&#228;ubiger gucken in die R&#246;hre. Erstens kann ein Unternehmen bestimmte Teile nach Gro&#223;britannien verschieben, um vom dortigen Recht zu profitieren. Zweitens ist ein besonderes Verfahren seit der Finanzkrise umstritten. In einem sogenannten &#8220;Pre-Pack&#8221; kann ein Unternehmen schnell von hochrangigen Geldgebern an einen neuen Eigent&#252;mer verkauft werden. Das kann ohne die Zustimmung nachrangiger Gl&#228;ubiger, Vermieter oder Lieferanten geschehen &#8211; oft wird mit dem Verfahren sogar die Absicht verfolgt, diese Geldgeber auszubooten.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:guenstige-regeln-schuldner-fluechten-ins-insolvenzbordell-london/50159538.html">FTD</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>Arbeitslosengeld f&#252;r Schwangere gestrichen</strong><br />
„Ich bin schwanger – nicht krank“, sagt Isabel Kirner aus Haffkrug (Kreis Ostholstein). Die Pharmareferentin (Gehalt: 1800 Euro netto) ist seit Februar ohne Job, bekam Arbeitslosengeld. Stichtag f&#252;r die Geburt ihres Kindes ist der 6. Oktober. „Mitte Juli musste ich zweimal wegen drohender Fr&#252;hgeburten ins Krankenhaus und bekam vom Arzt ein Besch&#228;ftigungsverbot, um das Leben meines Kindes nicht aufs Spiel zu setzen“, sagt die 28-J&#228;hrige. Der finanziell gravierenden Folgen war sich die junge Frau nicht bewusst. „Ich stand mit beiden Beinen fest im Leben. Jetzt hat mir die Arbeitsagentur den Boden unter den F&#252;&#223;en weggerissen.“<br />
Mit sofortiger Wirkung stornierte die Agentur f&#252;r Arbeit die Zahlungen, was weitere Konsequenzen hat. „Ich habe keinen Anspruch mehr auf Mutterschutz, Kranken- und Elterngeld, muss mich &#252;ber meinen Mann krankenversichern – rundum ein Ausfall von 10 000 Euro“, sagt Kirner und betont: „Jede alleinstehende Frau findet sich doch ganz schnell in einer Sozialwohnung wieder.“<br />
F&#252;r die Beh&#246;rden ist die Lage eindeutig. „Uns sind aufgrund von Dienstanweisungen der Bundesagentur die H&#228;nde gebunden, so dass wir bei Besch&#228;ftigungsverboten keine Zahlungen vornehmen k&#246;nnen“, sagt Olga Nommensen von der Arbeitsagentur L&#252;beck. „Ein Anspruch auf ALG I besteht bei einem Besch&#228;ftigungsverbot wegen Schwangerschaft nur, wenn die Schwangere trotzdem f&#252;r den Arbeitsmarkt verf&#252;gbar ist – also nicht jegliche Besch&#228;ftigungen, sondern nur bestimmte T&#228;tigkeiten untersagt worden sind“, erkl&#228;rt Monika Borso, Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin der Arbeitsgemeinschaft (Arge) L&#252;beck.<br />
Quelle: <a href="http://www.ln-online.de/artikel/2838310/Arbeitslosengeld_f%FCr_Schwangere_gestrichen.htm">L&#252;becker Nachrichten</a></li>
<li><a name="h06"></a><strong>Nochmals: <a href="?p=6553#h01">Forderung der Arbeitgeber: Angestellte sollen auf Urlaub verzichten</a></strong>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Nicht nur wir, sondern sehr viele Medien haben bei dieser Meldung pauschal von „Arbeitgebern“ gesprochen. Interessant ist, dass keiner der gro&#223;en Arbeitgeberverb&#228;nde sich dazu ge&#228;u&#223;ert hat. Es waren der „Bundesverband mittelst&#228;ndische Wirtschaft“ (BVMW) mit seinem Pr&#228;sidenten Mario Ohoven und der „Unternehmerverband mittelst&#228;ndische Wirtschaft“ (UMW). Selbst das arbeitgebernahe <a href="http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/bayern-nachrichten-deutschland-ID1282290323216.xml">Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte diesen Vorschlag</a> und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&#228;nde (BDA) war f&#252;r eine Stellungnahme zun&#228;chst <a href="http://www.ad-hoc-news.de/wirbel-um-pl-doyer-f-r-k-rzeren-jahresurlaub--/de/News/21558082">nicht zu erreichen</a>. „Unternehmerverband mittelst&#228;ndische Wirtschaft“ (UMW) mit Sitz in Koblenz scheint eher ein kommerzielles Beratungsunternehmen zu sein:</em></p>
<blockquote><p>„Wir unterst&#252;tzen Sie </p>
<ul>
<li>beim Kn&#252;pfen und Pflegen von Gesch&#228;ftskontakten im In- und Ausland</li>
<li>bei Verhandlungen mit Kreditinstituten und Banken</li>
<li>im Informationsmanagement</li>
<li>bei Kontakten zu lokalen und &#252;berregionalen Beh&#246;rden“</li>
</ul>
</blockquote>
<p><em>So die <a href="http://web2.cylex.de/firma-home/unternehmerverband-mittelstaendische-wirtschaft-e-v--1145796.html">Eigenwerbung des UMW</a>.</em></p>
<p><em>Ad-Hoc-New berichten, dass im Handbuch des &#246;ffentlichen Lebens, dem Oeckl, zur Mitgliederzahl dieses „Verbandes“ <a href="http://www.ad-hoc-news.de/wirbel-um-pl-doyer-f-r-k-rzeren-jahresurlaub--/de/News/21558082">keine Angaben gemacht w&#252;rden</a>.<br />
Mit der Forderung nach Urlaubsverzicht scheint die Verbandschefin Frerichs eher eine Marketingstrategie f&#252;r ihren obskuren Verband zu verfolgen. Erst vor Wochen hatte sie Aufsehen zu erregen versucht, als sie eine Deopflicht f&#252;r Arbeitnehmer forderte.<br />
&#196;hnliche Motive d&#252;rften auch den „Bundesverband mittelst&#228;ndische Wirtschaft“ (BVMW) leiten.</em></p>
<p><em>Auch der der „Bundesverband mittelst&#228;ndische Wirtschaft“ (BVMW) mit seinem schillernden Pr&#228;sidenten Mario Ohoven ist eher eine PR-Organisation als ein Arbeitgeberverband. Nicht nur dass Ohoven in den letzten Jahren zahlreiche Prozesse am Hals hatte, er nutzte seinen 1998 erlangten BVMW-Vorsitz, um Kontakte zu potentiellen Anleger f&#252;r seine eigenen Fondsgesch&#228;fte zu kn&#252;pfen, schrieb das Handelsblatt unter der &#220;berschrift <a href="http://www.handelsblatt.com/finanzen/fondsnachrichten/mario-ohoven-glamour-prominente-charity-und-jetzt-auch-ein-urteil;2622540">„Glamour, Prominente, Charity“</a>. Seine Ehefrau und gesch&#228;ftst&#252;chtige „Charity-Lady Nummer eins“, meinte ihren Mann mit dem Satz „er k&#246;nnte sogar Eskimos Eisschr&#228;nke verkaufen“ loben zu m&#252;ssen.</em></p>
<p><em>Der Vorschlag den Urlaub um 14 Tage zu k&#252;rzen, war also wohl eher ein Reklame-Gag um diesen selbst ernannten Vertreter des Mittelstands passend in das Sommerloch Publicity zu verschaffen. Ein „Rezept f&#252;r Ber&#252;hmtheit“ nannte das zu Recht der <a href="http://www.ksta.de/html/artikel/1281431639948.shtml">K&#246;lner Stadtanzeiger</a>. Es ist jedoch bezeichnend, dass dieser Vorschlag von den Medien Schlagzeilen machen konnte und  „den“ Arbeitgebern zugetraut wurde. Auch wir von den NachDenkSeiten sind auf dies PR-Kampagne zu Lasten von Arbeitnehmern eingestiegen und haben vers&#228;umt hinter die Kulissen zu schauen.</em></p>
<p><em>Zur Klarstellung:<br />
Der Stern zitiert dankenswerterweise aus einer Mercer-Studie die Anzahl der Urlaubstage in unterschiedlichen L&#228;ndern (Stand: 2009):</em></p>
<ul>
<li><em>Finnland: 30 Tage</em></li>
<li><em>Brasilien: 30 Tage</em></li>
<li><em>Frankreich: 30 Tage</em></li>
<li><em>Gro&#223;britannien: 28 Tage</em></li>
<li><em>Schweden: 25 Tage</em></li>
<li><em>Deutschland: 24 Tage</em></li>
<li><em>Malta: 24 Tage</em></li>
<li><em>USA: 15 Tage</em></li>
<li><em>Kanada: 10 Tage</em></li>
<li><em>China: 10 Tage.</em></li>
</ul>
</li>
<li><a name="h07"></a><strong>Lobbynachrichten aus dem Sommerloch</strong><br />
Ganz Deutschland ist in der Sommerpause &#8211; ganz Deutschland? Nein. Eifrige Lobbyisten gehen flei&#223;ig ihrer Arbeit nach. Aber gl&#252;cklicherweise gibt es auch einige kritische Berichte. Und Regierungsmitglieder m&#252;ssen feststellen, dass fragw&#252;rdige Vorgehensweisen auch in der Sommerpause nicht immer unentdeckt bleiben.<br />
Quelle: <a href="http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2010/08/lobbynachrichten-aus-dem-sommerloch/">LobbyControl</a></li>
<li><a name="h08"></a><strong>Kommentar zum Fall Steinbr&#252;ck</strong><br />
Man mag es – wie Heribert Prantl – ziemlich unfair finden, einen Abgeordneten an seinen Taten im Bundestag zu messen. Doch woran sollte man ihn dann messen? An dem, was er in seiner Freizeit vor Managern oder Investmentbankern in launigen Reden erz&#228;hlt, wie Prantl empfiehlt? Das w&#228;re etwas d&#252;rftig bei jemandem, den wir B&#252;rger jeden Monat mit 7.668 Euro ausstatten und wo es ganz sicher keine Anma&#223;ung ist, daf&#252;r eine entsprechende Gegenleistung zu erwarten. Doch worin besteht Steinbr&#252;cks Gegenleistung? In einem Politikerbuch, das endlich mal nicht aus “zusammengepappten Redemanuskripten besteht”, wie Prantl freudig vermerkt? Heribert Prantl weist darauf hin, dass Steinbr&#252;cks zahlreiche Einladungen zu Gastvortr&#228;gen ein Indiz daf&#252;r sind, dass er etwas zu sagen hat. Es ist wahrlich kein Fortschritt f&#252;r den Parlamentarismus, wenn ein gew&#228;hlter Volksvertreter das, was er zu sagen hat, ausschlie&#223;lich bei Finanzsymposien oder auf Trend- und Eventmessen vortr&#228;gt.<br />
Quelle: <a href="http://blog.abgeordnetenwatch.de/2010/08/19/an-den-taten-sollt-ihr-sie-messen-eine-replik-auf-heribert-prantls-kommentar-zum-fall-steinbruck/">Abgeordnetenwatch-Blog</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung RS:</strong> Schon wieder regen sich die Deutschen auf, dass jemand Geld bekommt, ohne zu arbeiten &#8211; diesmal ist dieser jemand ein Abgeordneter, der sage und schreibe 7.668 Euro im Monat bekommt, aber nur selten zur Arbeit erscheint. Darum dreht sich diese Replik und die Leserkommentare dazu.<br />
Nat&#252;rlich ist es nicht in Ordnung, wenn ein Abgeordneter sich von der Arbeit fernh&#228;lt. Aber f&#252;r lauter Aufregung &#252;ber die kleine Maus in der Ecke redet keiner &#252;ber den gro&#223;en Elefanten mitten im Raum.<br />
Nicht das bezahlte Nichtstun ist das Emp&#246;rende, sondern das, was Herr Steinbr&#252;ck f&#252;r wen stattdessen tut, und wie er zu dieser gutbezahlten T&#228;tigkeit f&#252;r diesen Kundenkries gekommen sein k&#246;nnte. Also wie kommt es dazu, dass Herr Steinbr&#252;ck ausgerechnet in jenem Kreise jetzt das gro&#223;e Geld verdient, dem als Finanzminister beg&#252;nstigt und gef&#246;rdert hat, n&#228;mlich die Finanzindustrie. Dass er neben seiner T&#228;tigkeit als hochbezahlter Redner f&#252;r diese Industrie auch noch einen Abgeordneten-Mandat hat, wo er Einfluss auf die Politik nehmen kann, die seine Kundschaft betrifft, ist &#228;u&#223;erst anr&#252;chig. Auch wenn man Herrn Steinbr&#252;ck keine Korruption unterstellt, hat das ein Geschm&#228;ckle.<br />
Aber die Deutschen regen sich dar&#252;ber auf, dass er Geld bekommen hat, aber seine Arbeit nicht tut.<br />
Der Elefant sitzt im Raum und schaut zu, wie die Leute eine kleine Maus jagen.</em></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Jean Ziegler: „Viele sind Lakaien“</strong><br />
Was l&#228;uft falsch in der Welt?<br />
Die Goldberge steigen im Westen und die Leichenberge im S&#252;den. Alle f&#252;nf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, 47000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und mehr als eine Milliarde Menschen, fast ein Sechstel der Menschheit, ist permanent schwerst unterern&#228;hrt. Das Finanzkapital hat sich autonomisiert. Auf den Finanzpl&#228;tzen der Welt zirkulieren t&#228;glich gem&#228;&#223; Weltbankstatistik ca. 1000 Milliarden Dollar, die ihre monet&#228;re oder juristische Identit&#228;t wechseln. Davon sind nur 13 Prozent wertsch&#246;pfendes Kapital, z.B. eine Investition oder Bezahlung f&#252;r eine Warenlieferung. 87 Prozent sind reines Spekulationskapital. Die Oligarchen dieses Spekulationskapitals, vollst&#228;ndig losgel&#246;st von irgendeiner Realwirtschaft, beherrschen die Welt. Die haben eine Macht, wie sie in der Geschichte der Menschheit nie ein K&#246;nig, Kaiser oder Papst gehabt hat. Nach Weltbankstatistik haben die 500 gr&#246;&#223;ten transkontinentalen Privatkonzerne 2009 52 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert. Diese Konzerne funktionieren ausschlie&#223;lich nach dem Prinzip der Profitmaximierung, was auch normal ist.<br />
Weshalb waren die Regierungen nicht in der Lage, aus der Finanzkrise zu lernen?<br />
Weil viele von ihnen Lakaien sind. Es gibt keinen Grund, weshalb Regierungen Bonizahlungen nicht verbieten, Maximall&#246;hne nicht fixieren sollten, au&#223;er das freiwillige Lakaienverhalten, diese Interiorisation von der Abh&#228;ngigkeit vom Gro&#223;kapital. Deshalb k&#246;nnen viele staatliche Beh&#246;rden nicht normativ t&#228;tig werden. Die Finanzoligarchen haben es fertiggebracht, einen rechtsfreien Raum f&#252;r sich zu schaffen und ihren Willen den Regierungen aufzuzwingen. Pers&#246;nlich bin ich f&#252;r die Enteignung der Gro&#223;banken. Das ist keine bolschewistische Forderung: In Frankreich hat Charles de Gaulle – ein stockkatholischer, erzkonservativer Berufsmilit&#228;r – 1945 die Gro&#223;banken enteignet, um die staatliche Kontrolle &#252;ber das Kreditwesen zu sichern. In Deutschland ist das neoliberale Gift ja sogar bis in die SPD-Regierung gegangen. Mit Peter Hartz hat zum ersten Mal ein Konzernmensch die Gesetze einer sozialistischen Regierung gemacht. Und sp&#228;ter stellte sich heraus, dass er sogar nach Konzernnormen ein Halunke war…<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-21/004.php">junge Welt</a></li>
<li><a name="h10"></a><strong>Patienten sollen Honorar f&#252;r Arztbesuch vorstrecken</strong><br />
Nach dem Willen der FDP sollen Patienten Arztkosten vorstrecken, um ein h&#246;heres Kostenbewusstsein zu entwickeln.<br />
Es sei sinnvoll, wenn Patienten per Rechnung erf&#252;hren, was einzelne Behandlungen kosteten, sagte Gesundheitsminister Philipp R&#246;sler (FDP) schon im Januar. „Wenn sie die Kosten kontrollieren, ist dies besser als die Kontrolle durch Gesetze und Verordnungen“, so R&#246;sler.<br />
Quelle: <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article9140636/Patienten-sollen-Honorar-fuer-Arztbesuch-vorstrecken.html">Welt Online</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Und wer die Kosten f&#252;r eine Behandlung nicht vorstrecken kann, der bleibt halt auf der Strecke. Im &#220;brigen d&#252;rfen sich dann die Patienten mir ihren Krankenkassen herumschlagen, welche &#228;rztlichen Leistungen sie &#252;berhaupt und in welchem Umfang sie r&#252;ckerstattet bekommen.<br />
Jeder Reformvorschlag von Gesundheitsminister R&#246;sler belastet die Patienten und die Beitragszahler.</em></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Kanzleramt war involviert in Sawicki-Entmachtung</strong><br />
In seiner j&#252;ngsten Ausgabe berichtet das Nachrichtenmagazin &#8220;Der Spiegel&#8221;, das Bundeskanzleramt habe sich bereits im Sommer 2009 in die Personalie eingeschaltet. Damals wurde die Republik noch von der gro&#223;en Koalition aus CDU und SPD regiert.<br />
Die damalige Leiterin des Referats 312 Gesundheitspolitik soll sich dem Bericht zufolge direkt an das damals noch von Ulla Schmidt (SPD) gef&#252;hrte Bundesgesundheitsministerium gewandt haben. Laut &#8220;Spiegel&#8221; habe sie dabei durchblicken lassen, &#8220;dass das Kanzleramt es nicht dulden werde, dass der Vertrag von Sawicki als Leiter des IQWiG vorzeitig verl&#228;ngert werde.&#8221;<br />
Der &#8220;Spiegel&#8221; beruft sich auf ein noch nicht ver&#246;ffentlichtes Buch der ARD-Fernsehjournalistin Ursel Sieber. In &#8220;Gesunder Zweifel&#8221;, das am 4. September erscheinen soll, soll Sieber dem Bericht zufolge &#8220;Sawickis Kampf gegen den Lobbyeinfluss&#8221; beschreiben.<br />
Quelle: <a href="http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/615891/kanzleramt-iqwig-personalie-involviert.html?sh=2&#038;h=-1782969704">&#196;rzte Zeitung</a></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Lautenschl&#228;ger zieht&#8217;s in die Wirtschaft</strong><br />
Hessens Umweltministerin Silke Lautenschl&#228;ger verabschiedet sich in zwei Wochen aus dem Kabinett. Konkrete Pl&#228;ne f&#252;r die Zeit danach hat die Christdemokratin noch nicht &#8211; allein ein Job in der Wirtschaft soll es sein.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/rhein-main/spezials/roland-koch-tritt-ab/lautenschlaeger-zieht-s-in-die-wirtschaft/-/4396688/4571606/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung WL:</strong> Wieder einmal dreht sich die Dreht&#252;r zwischen Politik und Wirtschaft. Sie wolle zeigen, dass ein Wechsel f&#252;r beide Seiten befruchtend sei, meint Lautschl&#228;ger. Man k&#246;nnte es auch so sehen, dass sich Politiker &#252;ber Partei und politischem Netzwerk nur noch die T&#252;ren zu Geld und hohen Positionen &#246;ffnen, die ihnen ohne vorheriges Amt verschlossen geblieben w&#228;ren. Das Entscheidende aber ist, dass sie in solche Positionen nie gelangen w&#252;rden, wenn sie in ihren politischen &#196;mtern nicht entsprechende „Vorleistungen“ erbracht h&#228;tten.</em></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Designierter Wirtschaftssenator r&#228;umt Falschangaben ein</strong><br />
Am Mittwoch soll Ian Karan zum Wirtschaftssenator Hamburgs gew&#228;hlt werden. Z&#252;ndstoff liefert der parteilose Politiker seinen Gegnern schon jetzt, denn mit der Wahrheit nimmt es dieser nicht immer so genau.<br />
Ian Karan (parteilos) hat &#252;ber Teile seiner Biografie nicht die Wahrheit gesagt. So hat Karan in der Vergangenheit wiederholt bekr&#228;ftigt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihn pers&#246;nlich aufgefordert, deutscher Staatsb&#252;rger zu werden. „Das ist falsch. Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert“, sagte Karan der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ laut Vorabbericht.<br />
„Ich habe in der Vergangenheit zu viel mit den Medien kokettiert“, sagte Karan.<br />
Auch Karans Unterst&#252;tzung f&#252;r den Rechtspopulisten und fr&#252;heren Hamburger Innensenator Ronald Schill war gr&#246;&#223;er als bisher bekannt.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/ian-karan-designierter-wirtschaftssenator-raeumt-falschangaben-ein_aid_543800.html">Focus</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/wirtschaftssenator104.html">NDR</a></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Duisburg l&#228;sst Dokumenten-Ver&#246;ffentlichung verbieten</strong><br />
Mit einer einstweiligen Verf&#252;gung hat die Stadt Duisburg die Ver&#246;ffentlichung von Dokumenten zur Loveparade-Katastrophe im Internet verbieten lassen. Es liege eine Verletzung des Urheberrechts vor. Der Deutsche Journalisten-Verband &#252;bt Kritik.<br />
Dem Duisburger Newsportal xtranews.de wird in der Verf&#252;gung verboten, die Verwaltungsunterlagen weiterhin im Netz zum Herunterladen bereitzustellen. Seitenbetreiber Thomas Rodenb&#252;cher will Widerspruch gegen die Verf&#252;gung einlegen.<br />
Bei den 43 Schrifts&#228;tzen handelt es sich um die Anlagen zu einem 32-seitigen Zwischenbericht der Stadt zu den Zust&#228;ndigkeiten der Kommune bei der Technoparade. Unter den Papieren sind etwa Besprechungsprotokolle, Konzepte und Lagepl&#228;ne. Dieser Bericht, der von einer D&#252;sseldorfer Kanzlei erstellt wurde, war Anfang August dem Innenausschuss des nordrhein-westf&#228;lischen Landtags, der Staatsanwaltschaft Duisburg sowie den Ratsmitgliedern mitsamt vertraulichen Anlagen zur Verf&#252;gung gestellt worden. Die Stadt hatte den Bericht ohne Anlagen auch auf ihrer Internetseite ver&#246;ffentlicht.<br />
Die Anlagen enthielten ungeschw&#228;rzte, personenbezogene Daten, begr&#252;ndete ein Stadtsprecher das Verbot. Mehrere andere Portale haben unterdessen die Daten kopiert und sie abermals im Internet zur Verf&#252;gung gestellt. Die Stadt will dagegen keine weiteren juristischen Schritte unternehmen, sagte ein Stadtsprecher. Die unkontrollierbare Verbreitung der Dokumente sei faktisch nicht mehr zu unterbinden, hie&#223; es.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/RubCCB49507459C498F8E6FA9E990486D14/Doc~E75E0E970E4094F4CA28776D6D46EA8DF~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></p>
<p><em>Dazu:</em></p>
<p><strong>Wenn die Zensur reichlich alt aussieht</strong><br />
Fr&#252;her war es leichter, unliebsame Informationen zu unterdr&#252;cken. Denn so manche einstmals bew&#228;hrte Kontrollstrategie erweist sich in der Welt der digitalen Medien als stumpfe Waffe. Und nicht selten ist es erst der Zensurversuch, der das &#246;ffentliche Interesse erzeugt…<br />
Potentiell interessante Informationen aus dem Internet zu entfernen, wird genau dann unm&#246;glich, wenn sie Aufmerksamkeit erregen. Die Wogen noch gl&#228;tten zu wollen, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Auch wenn das Netz zum gro&#223;en Teil aus Katzenbildchen und sonstigen Belanglosigkeiten zu bestehen scheint: Sobald das allgemeine Interesse eine gewisse Schwelle &#252;berschreitet, was heute innerhalb von Minuten passieren kann, funktionieren die Informationskontrollreflexe aus dem vorigen Jahrtausend nicht mehr. Nicht nur die Verantwortlichen f&#252;r die Duisburg-Katastrophe werden sich diesen neuen Realit&#228;ten stellen m&#252;ssen.<br />
Quelle: <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~EA39CDE00F28C441D9EFC8161E7ED2F6B~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a></li>
<li><a name="h15"></a><strong>Jeder, der ein Apple iPhone besitzt, sollte sich sch&#228;men</strong><br />
„Die Deutschen k&#246;nnen damit leben. Amerika ist nicht mehr der Nabel der Welt“ US-&#214;konom Michael C. Burda &#252;ber die Schw&#228;che der Vereinigten Staaten und die Folgen f&#252;r Deutschland:<br />
 &#8221;Amerika kommt wieder, sobald die Exzesse verarbeitet sind. Das sage ich nicht, weil ich US-B&#252;rger bin. Die Kombination aus politischer und wirtschaftlicher Freiheit ist ein einzigartiges Erfolgsrezept. Die weltwirtschaftliche Dynamik der letzten 200 Jahre kam aus Amerika, warum sollte das ausgerechnet jetzt vorbei sein? In China wird sich vieles &#228;ndern. Heute werden die Arbeiter ausgebeutet wie im Fr&#252;hkapitalismus, jeder, der ein Apple iPhone besitzt, sollte sich sch&#228;men. Irgendwann werden dort Gewerkschaften entstehen, eine andere Partei wird an die Macht kommen, es wird Instabilit&#228;t geben.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/jeder-der-ein-apple-iphone-besitzt-sollte-sich-schaemen/1908824.html?view=print">Tagesspiegel</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Nat&#252;rlich klingt das ganz nett, wenn ein anerkannter Wirtschaftwissenschaftler zur Boykott von Waren aufruft, die unter einem ausbeuterischen Regime produziert werden, allerdings hat ein moderner Staat, der sich hinter diese ausbeuterischen Verh&#228;ltnisse stellt, heute ganz andere und viel effizientere Methoden, Repressionen auszu&#252;ben. So scheinen die B&#252;rger der USA wie auch der Bundesrepublik gar nicht zu merken, dass ihre Gesellschaften im Geist des Fr&#252;hkapitalismus transformiert werden.</em></li>
<li><a name="h16"></a><strong>Schuften f&#252;r den Elektronikspa&#223; anderer</strong><br />
Ohne das Mischerz Coltan klingelt kein Handy, fiepst keine Spielekonsole und f&#228;hrt kaum noch ein Auto. Aber die F&#246;rderbedingungen im Ostkongo sind katastrophal. Und wie bei &#8220;Blut-Diamanten&#8221; gilt auch beim &#8220;Blut-Coltan&#8221;: Vor allem Kriegstreiber verdienen.<br />
Das alles ist ein bl&#252;hendes Gesch&#228;ft &#8211; bei dem die Arbeiter in den Minen die Verlierer sind. Die M&#228;nner und Kinder schuften wie Sklaven, sagt der Kongolese Charles Chalondakwa: &#8220;Sie buddeln praktisch nackt, es gibt keine Schutzkleidung, keine Helme, keine Handschuhe und als einziges Werkzeug Hammer und Mei&#223;el. Oft st&#252;rzen Minen ein und begraben Arbeiter unter der Erde. &#220;berhaupt ist Atmen ein Problem: In den winzigen Stollen gibt es kaum Luft. Die Zust&#228;nde sind unvorstellbar.&#8221;<br />
Chalondakwa arbeitet f&#252;r die Vereinten Nationen, die den Osten des Landes befrieden wollen. Seit Jahrzehnten herrscht hier B&#252;rgerkrieg. Nicht zuletzt der Handel mit Tantal h&#228;lt den Konflikt am Laufen: &#8220;Wer an den Verk&#228;ufen verdient, ist doch klar&#8221;, sagt er: &#8220;Es sind die Kriegstreiber, die Kommandeure der Rebellengruppen und Politiker. Von den Erl&#246;sen werden Waffen gekauft. Diese Leute machen wirklich viel Profit.&#8221;<br />
Quelle: <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/coltan102.html">Tagesschau</a></li>
<li><a name="h17"></a><strong>Das Roma-Problem liegt in Osteuropa</strong><br />
Doch der Westen setzt seine Werte aufs Spiel, wenn er zu Frankreichs Vorgehen gegen die Roma schweigt, meint Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma:<br />
&#8220;Wir k&#246;nnen dieses Problem nicht in Westeuropa allein l&#246;sen. Aber wir l&#246;sen es auch nicht, indem wir die Leute in Gefahr und Elend zur&#252;ckschicken. Diese Menschen fliehen vor dem Rassismus und der Arbeitslosigkeit, die bei Roma in Osteuropa mancherorts &#252;ber 90 Prozent liegt. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs standen 85 Prozent von ihnen in Lohn und Brot. Jetzt sind sie herausgefallen aus dem Arbeitsmarkt &#8211; und manche suchen eben im Ausland ihr Gl&#252;ck. &#8230; Die EU hat Beitrittsverhandlungen mit diesen L&#228;ndern gef&#252;hrt. Dabei ging es auch um europ&#228;ische Werte wie den wirksamen Schutz von Minderheiten. &#8230; Den Abschiebungen in Frankreich ging eine h&#228;ssliche Debatte voraus, in der ohne Scheu all die Klischees und Stereotype aufgerufen wurden, die wir aus unserer 600-j&#228;hrigen Geschichte kennen. Man stelle sich vor, irgendwo in Westeuropa w&#252;rden Politiker mit solchen T&#246;nen gegen die j&#252;dische Minderheit hetzen: dieses Land w&#228;re zu Recht isoliert!<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&#038;dig=2010%2F08%2F21%2Fa0129&#038;cHash=d79cc9cdc0">taz</a></li>
<li><a name="h18"></a><strong>Tschechien: Wollen nicht in griechische Falle geraten</strong><br />
Tschechien m&#252;sse die &#8220;Notbremse&#8221; bei den Staatsausgaben ziehen, sagt der konservative Premier Petr Necas. &#8220;Entweder ziehen wir die Notbremse und beenden die Verschlimmerung der negativen Tendenzen, vor allem die Verschuldung des Staates, oder wir werden zu jenen L&#228;ndern z&#228;hlen, von denen man wei&#223;, dass sie nicht imstande sind, ihre Probleme allein zu l&#246;sen, und unter dem Diktat der internationalen Finanzinstitutionen stehen&#8221;, betonte der Regierungschef. &#8220;Wir wollen nicht in die gleiche Falle wie Griechenland geraten&#8221;, warnte er weiters. Als eine der Priorit&#228;ten bezeichnete er die schrittweise Senkung des Budgetdefizits bis 2016, wenn ein ausgeglichenes Budget erreicht werden soll. Necas stellte die K&#252;rzung vieler sozialer Leistungen, die Erh&#246;hung von Patientenbeitr&#228;gen im Gesundheitssystem sowie die Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren f&#252;r staatliche Universit&#228;ten und Hochschulen in Aussicht. Au&#223;erdem plant die Koalition eine grundlegende Reform des Pensionssystems.<br />
Quelle: <a href="http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/586721/index.do?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do">die Presse.com</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Wer z&#228;hlt die L&#228;nder, z&#228;hlt die Namen: Sparprogramme allerorten. Da wird sich der Exporteuropameister Deutschland aber freuen, dass sich alle an ihm ausrichten, der die Schw&#228;chung der Massenkaufkraft als probates Mittel &#246;ffentlichen Sparens entdeckt hat.</em></li>
<li><a name="h19"></a><strong>Humboldts Bildung heute</strong><br />
Festansprache im Berlin-Reinickendorfer Humboldt-Zyklus aus Anlass des Berliner Humboldt-Jahres 2010 von Hinrich L&#252;hmann<br />
Neugier, Fakten, die Bereitschaft, sich &#252;berraschen zu lassen, Staunenk&#246;nnen, Verallgemeinerung des besonderen Vorgefundenen, Strukturensuche, Einsicht in die Vorl&#228;ufigkeit des Wissens, Anerkennung der Vernetztheit der Welt, vernetzte Forschung, Weltb&#252;rgertum und Toleranz.<br />
Ich bekenne gerne: Diese „gelebte Bildung“ der Humboldt–Br&#252;der ist mein Bildungsziel; ich habe noch nichts Besseres gefunden. Und sie ist das, wozu auch die Schulbildung beitragen muss.<br />
Quelle: <a href="upload/pdf/100822_Humboldts_Bildung_heute_Luehmann.pdf">Hinrich L&#252;hmann [PDF - 258 KB]</a></li>
<li><a name="h20"></a><strong>Was sind &#8220;h&#246;here Interessen&#8221;?</strong>
<p><a href="upload/bilder/100823_Nachdenkseiten-in-Stuttgart.jpg" title="Klicken f&#252;r Vergr&#246;&#223;erung" rel="lightbox[6558]"><img src="upload/bilder/100823_Nachdenkseiten-in-Stuttgart_th.jpg" alt="Foto: NachDenkSeiten in Stuttgart" title="Was sind h&#246;here Interessen" /></a></li>
</ol>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Hinweise des Tages (2)</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6553</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6553#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 14:31:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hinweise des Tages]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nachdenkseiten.de/?p=6553</guid>
		<description><![CDATA[Unter anderem zu folgenden Themen: Urlaubsverzicht; Gratulation Herr Hundt; das richtige Loch stopfen; prek&#228;re Jobs gef&#228;hrden Sozialsystem;China; Stuttgart 21; Atomlobby macht mobil; indische Call Center verlagern in die USA; Abzug aus dem Irak; Oberst Klein rehabilitiert; unter den Augen der Bundeswehr; Politik der harten Hand in Zentralamerika; Spanien; Sarkozy; Kolumbien. (WL)


Forderung der Arbeitgeber: Angestellte sollen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter anderem zu folgenden Themen: Urlaubsverzicht; Gratulation Herr Hundt; das richtige Loch stopfen; prek&#228;re Jobs gef&#228;hrden Sozialsystem;China; Stuttgart 21; Atomlobby macht mobil; indische Call Center verlagern in die USA; Abzug aus dem Irak; Oberst Klein rehabilitiert; unter den Augen der Bundeswehr; Politik der harten Hand in Zentralamerika; Spanien; Sarkozy; Kolumbien. (WL)<br />
<span id="more-6553"></span></p>
<ol>
<li><a href="#h01">Forderung der Arbeitgeber: Angestellte sollen auf Urlaub verzichten</a></li>
<li><a href="#h02">Lucas Zeise &#8211; Gratulation, Herr Hundt!</a></li>
<li><a href="#h03">Robert Skidelsky: Das richtige Loch stopfen</a></li>
<li><a href="#h04">Prek&#228;re Jobs gef&#228;hrden Sozialsystem</a></li>
<li><a href="#h05">China</a></li>
<li><a href="#h06">Stuttgart 21: Tricksen und t&#228;uschen</a></li>
<li><a href="#h07">Atomlobby macht mobil</a></li>
<li><a href="#h08">Indische Call Center wollen Jobs in USA schaffen</a></li>
<li><a href="#h09">Abzug aus dem Irak</a></li>
<li><a href="#h10">Oberst Klein trotz L&#252;ge rehabilitiert</a></li>
<li><a href="#h11">Unter den Augen der Bundeswehr</a></li>
<li><a href="#h12">Politik der harten Hand. Ungleiche Sicherheit und sichere Ungleichheit in Zentralamerika</a></li>
<li><a href="#h13">Spaniens Regionen vom Markt abgeschnitten</a></li>
<li><a href="#h14">Sarkozy</a></li>
<li><a href="#h15">Kolumbien</a></li>
</ol>
<p><em><strong>Vorbemerkung:</strong> Wir kommentieren, wenn wir das f&#252;r n&#246;tig halten. Selbstverst&#228;ndlich bedeutet die Aufnahme in unsere &#220;bersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Wenn Sie diese &#220;bersicht f&#252;r hilfreich halten, <a href="?p=6553&#038;email=1">dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese M&#246;glichkeit der schnellen Information hin</a>.</em></p>
<ol>
<li><a name="h01"></a><strong>Forderung der Arbeitgeber: Angestellte sollen auf Urlaub verzichten</strong><br />
Der Aufschwung kommt, man muss ihn nur f&#246;rdern. Deshalb sollen die Deutschen auf Urlaub verzichten, fordern Arbeitgeberverb&#228;nde. Vier Wochen seien v&#246;llig ausreichend.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/karriere/forderung-der-arbeitgeber-angestellte-sollen-auf-urlaub-verzichten-1.990450">SZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Kaum wollen die Gewerkschaften wieder an den Gewinnen der Firmen partizipieren, kommt die Arbeitgeberseite auf die vollkommen verdrehte Idee die Arbeitszeit zu verl&#228;ngern. Nachdem die Forderungen der Arbeitgeber nach &#8220;ma&#223;vollen&#8221; Lohnabschl&#252;ssen angesichts der langen Lohnzur&#252;ckhaltung seit 1995 sowohl im Inland wie auch im Ausland nicht mehr so recht nachvollziehbar ist, kommt die Forderung nach Arbeitszeitverl&#228;ngerung, diesmal wegen des Aufschwungs. Wie w&#228;re es mit Neueinstellungen! Arbeitslosigkeit und Unterbesch&#228;ftigung sind im Juli erneut gestiegen. Wir sollten doch nicht vergessen, dass die im Juli gemeldete Unterbesch&#228;ftigung (ohne Kurzarbeit) von 4.303.000 immer noch <a href="http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Monatsbericht-Arbeits-Ausbildungsmarkt-Deutschland/Monatsberichte/Generische-Publikationen/Monatsbericht-201007.pdf">skandal&#246;s hoch ist [PDF - 2.5 MB]</a>.<br />
Der Hinweis von Arbeitgebern auf den Urlaubsweltmeister Deutschland f&#252;hrt vollkommen in die Irre. Bei der der tats&#228;chlich geleisteten w&#246;chentlichen Arbeitszeit liegt Deutschland mit 40,8 Stunden weit &#252;ber dem EU-Durchschnitt. L&#228;nger arbeiteten in den EU-15 nur die &#214;sterreicher, auf die gesamte EU bezogen liegen nur noch 6 osteurop&#228;ische Volkswirtschaften mit deutlich <a href="http://www.eurofound.europa.eu/eiro/studies/tn0705019s/index.htm">geringerer Produktivit&#228;t vor uns</a>. </em></p>
<p><em><strong>Erg&#228;nzende Anmerkung J.A.:</strong> Das w&#228;ren etwa 2 Stunden pro Woche oder 4,5% unbezahlte Mehrarbeit.</em></li>
<li><a name="h02"></a><strong>Lucas Zeise &#8211; Gratulation, Herr Hundt!</strong><br />
Die Strategie der deutschen Industrie ist anscheinend voll aufgegangen. Die Arbeitgeber haben die Gewerkschaften, vor allem die gez&#228;hmte IG Metall, in ihre Strategie eingebunden. Von der Gewerkschaft, den willigen Betriebsr&#228;ten und den Belegschaften haben sie Lohnverzicht in vielerlei Form erhalten und von der Regierung die Subvention zum Kurzarbeitergeld. So konnten es sich die Unternehmen locker leisten, nur die Leiharbeiter aus den Betrieben zu entfernen, die Stammbelegschaft aber zu halten, bis die Auftr&#228;ge wieder anzogen. Das steckt hinter dem deutschen Wunder am Arbeitsmarkt. Ausgerechnet in der tiefsten Konjunkturkrise stieg die &#8211; amtlich gemessene &#8211; Arbeitslosigkeit erstaunlich m&#228;&#223;ig.<br />
War dies schon ein Wunder des alten rheinischen Kapitalismus, so folgte nun ein weiteres, das den eigentlichen Nutzen des Jobwunders aufzeigt. Eine erkleckliche Zahl deutscher Unternehmen konnte ihre Marktposition in aller Welt dadurch ausbauen: Als die Nachfrage nach pr&#228;zisen Maschinen, funktionierenden Anlagen und prestigebeladenen Autos aus dem tiefen Loch wieder anzog, konnten sie das Begehrte schnell wieder produzieren und liefern &#8211; zu akzeptablen Preisen. So wiesen die Unternehmen in den Fr&#252;hjahrsberichten wunderbarerweise h&#246;here Gewinne aus als 2008 vor der Krise. Wie profitabel die deutsche Industrie ist, hatte sich bereits 2009 gezeigt, als viele Firmen trotz einer Kapazit&#228;tsauslastung unter 60 Prozent immer noch Gewinn machten.<br />
Man kann den Herren Dieter Hundt, Martin Kannegiesser und Hans-Peter Keitel  &#8211; den Pr&#228;sidenten der Arbeitgeberverb&#228;nde BDA, Gesamtmetall und BDI &#8211; also zun&#228;chst gratulieren. Ihre Strategie ist aufgegangen.<br />
Quelle: <a href="http://www.ftd.de/politik/europa/:kolumne-lucas-zeise-gratulation-herr-hundt/50157539.html">FTD</a></li>
<li><a name="h03"></a><strong>Robert Skidelsky: Das richtige Loch stopfen</strong><br />
Das Problem ist, dass die Regierungen in der gegenw&#228;rtigen Krise intellektuell &#252;berfordert sind, weil ihre Wirtschaftstheorie im Argen liegt. Aufgrund der Ereignisse und unter Einsatz ihres Hausverstands entschlossen sie sich in den Jahren 2009-2010 zu Defizitfinanzierung, aber sie haben sich nicht von der Theorie verabschiedet, dass Depressionen nicht auftreten k&#246;nnen und Defizite deshalb immer sch&#228;dlich sind (au&#223;er im Krieg!). Nun wetteifern sie also untereinander, wer schneller ist, die Rettungsleinen zu durchtrennen, die sie selbst ausgeworfen haben. Die politischen Entscheidungstr&#228;ger m&#252;ssen ihren Keynes noch einmal durchnehmen, ihn ausf&#252;hrlich erkl&#228;ren und seine Lehren anwenden anstatt pseudo-rationale Argumente f&#252;r die Verl&#228;ngerung der Rezession zu erfinden.<br />
Quelle: <a href="http://www.project-syndicate.org/commentary/skidelsky32/German">www.project-syndicate.org</a></li>
<li><a name="h04"></a><strong>Prek&#228;re Jobs gef&#228;hrden Sozialsystem</strong><br />
Die IG Metall hat in der Debatte &#252;ber die Rente ab 67 an die Politik appelliert, die prek&#228;re Besch&#228;ftigung in den Blick zu nehmen. Die wachsende Zahl prek&#228;rer Jobs f&#252;hre dazu, dass viele Menschen nur noch Armutsrenten erhielten, sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, FR-online.de. Die Finanzierung des gesamten Sozialsystems werde gef&#228;hrdet, wenn immer mehr Menschen gebrochene Erwerbsbiografien und unsichere, schlecht bezahlte Jobs h&#228;tten. Denn dadurch flie&#223;t weniger Geld in die Sozialkassen. Deswegen m&#252;sse man alles tun, damit gerade junge Menschen regul&#228;re Arbeit finden. Es sei „zynisch“, die Rente mit 67 nur mit der h&#246;heren Lebenserwartung zu begr&#252;nden. Man m&#252;sse auch fragen, ob die Menschen tats&#228;chlich zwei Jahre l&#228;nger arbeiten k&#246;nnten. Manche Besch&#228;ftigte k&#246;nnten dies, f&#252;r einen Gro&#223;teil der Arbeitnehmer sei dies jedoch nicht m&#246;glich. Deswegen sei es zwar zu begr&#252;&#223;en, dass die SPD-Spitze ihre Position zur Rente mit 67 deutlich ge&#228;ndert habe. Ihr Vorschlag greife aber zu kurz. Das „starre System Rente mit 67“ sei falsch.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/-prekaere-jobs-gefaehrden-sozialsystem-/-/1472596/4574050/-/view/printVersion/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h05"></a><strong>China</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Deutschland ist nicht China</strong><br />
Doch h&#228;ufte Deutschland nicht in dem Ma&#223;e Devisenreserven an wie China. Im Gegenteil, Deutschlands Devisenreserven nahmen zwischen 2000 und 2008 sogar ab. W&#228;hrend China ein gro&#223;er Netto-Empf&#228;nger von ausl&#228;ndischen Direktinvestitionen (foreign direct investment, FDI) ist, ist Deutschland ein gro&#223;er Netto-Exporteur von FDI. Chinas Netto-FDI-Zufluss belief sich im Jahr 2008 auf insgesamt 94 Milliarden US-Dollar, verglichen mit Deutschlands Netto-FDI-Abfluss in H&#246;he von 110 Milliarden Dollar.<br />
Tats&#228;chlich sind ausl&#228;ndische Nettodirektinvestitionen f&#252;r etwa ein Drittel der deutschen Kapitalverkehrsbilanz verantwortlich. &#220;ber die H&#228;lfte dieser Investitionen bleiben innerhalb der EU-L&#228;nder, weitere 30 % gehen in die USA. Laut Bundesbank finanzieren deutsche Direktinvestitionen fast sechs Millionen Arbeitspl&#228;tze im Ausland, und in dieser Zahl sind nicht die zus&#228;tzlichen Arbeitspl&#228;tze enthalten, die sich aus der gesteigerten Wirtschaftsaktivit&#228;t in einer Region ergeben.<br />
Deutschlands &#220;berschuss ist somit weniger sch&#228;dlich als Chinas, da er f&#252;r Investitionen genutzt wird, die Produktivit&#228;tsgewinne, Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen f&#246;rdern – zudem beinhalten die Investitionen h&#228;ufig Technologietransfers, die zur Entwicklung von Humankapital beitragen.<br />
Quelle: <a href="http://www.project-syndicate.org/commentary/mees7/German">Project Syndicate</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Eine nicht falsche Differenzierung.</em></li>
<p><strong>Schlechte L&#246;hne, lange Arbeitszeiten</strong><br />
Das kirchlich orientierte S&#252;dwind-Institut hat die Arbeitsbedingungen f&#252;r chinesische ArbeiterInnen untersucht, die in China im Auftrag deutscher Unternehmen produzieren. F&#252;r zwei Zulieferer, die in der Provinz Fujian f&#252;r Adidas Sportschuhe herstellen, beschreiben die Rechercheure beispielsweise zu niedrige L&#246;hne und zu lange Arbeitszeiten. Vergleichbare Vorw&#252;rfe erhebt S&#252;dwind in der am Donnerstag vorgestellten Studie auch gegen&#252;ber der Discountkette Aldi und dem Handelskonzern Metro.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wu&#038;dig=2010%2F08%2F20%2Fa0078&#038;cHash=69a2b5c08c">taz</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.suedwind-institut.de/downloads/2010-08-19_SW-Studie_Chinageschaefte-von-Metro-Aldi-und-Adidas.pdf.pdf">S&#252;dwind Institut [PDF - 1.5 MB]</a></p>
<li><strong>Arbeitsbedingungen in China &#8211; 130 &#220;berstunden, unbezahlt &#8211; Monat f&#252;r Monat</strong><br />
Aldi, Adidas und Metro am Pranger : Menschenrechtler kritisieren die katastrophalen Arbeitsbedingungen in China. Selbst Ethikprogramme taugen kaum, um die Missst&#228;nde zu beseitigen.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsbedingungen-in-china-ueberstunden-unbezahlt-monat-fuer-monat-1.990320">SZ</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h06"></a><strong>Stuttgart 21: Tricksen und t&#228;uschen</strong><br />
Die Proteste gegen das Bahnprojekt in Stuttgart schwellen an, doch die Bagger werden nicht aufzuhalten sein. Obwohl Gutachten belegen: Der Umbau ist &#252;berfl&#252;ssig.<br />
Doch inzwischen ist unstrittig: Als Bundes- und Landtag, Stadt Stuttgart und Bahn-Aufsichtsr&#228;te S21 einst abnickten, waren ihnen viele Risiken nicht bekannt. Das Projekt wurde gnadenlos sch&#246;ngerechnet, kritische Stimmen und unliebsame Fakten rigoros unterdr&#252;ckt. Zum Beispiel der Bedarf: Ohne S21 drohe Stuttgart der Verkehrskollaps, die Stadt verliere den Anschluss ans europ&#228;ische Hochgeschwindigkeitsnetz, hei&#223;t es bis heute.<br />
In Wirklichkeit ist Stuttgart einer der leistungsf&#228;higsten deutschen Bahnknoten. Engp&#228;sse sind bis 2025 kaum zu bef&#252;rchten. Das belegt unter anderem eine bisher verschwiegene Studie der Gutachter K+P f&#252;r die IHK Stuttgart. Das Netz am Neckar kann demnach das erhoffte Wachstum im Schienenverkehr ohne S 21 locker verkraften. Andernorts, etwa im Rheintal, drohen dagegen schlimme Engp&#228;sse im G&#252;terverkehr. Genau dort aber fehlt wegen S 21 k&#252;nftig das Geld f&#252;r den Ausbau.<br />
Auch ein neues Gutachten der Beratungsfirma KCW f&#252;r das Umweltbundesamt (UBA) sieht keinen Bedarf f&#252;r das Megaprojekt. Autor Michael Holzhey: „S&#228;mtliche Analysen und Prognosen der DB AG decken sich mit der Einsch&#228;tzung, wonach die tats&#228;chlichen Engp&#228;sse des deutschen Netzes nicht im Stuttgarter Bahnknoten liegen.“ Und das bedeutet: Die Steuermilliarden w&#228;ren besser anderswo angelegt.<br />
Auch &#252;ber die wahren Kosten werden B&#252;rger und Parlament get&#228;uscht. Als S21 beschlossen wurde, sollte das Projekt drei Milliarden Euro kosten, plus zwei Milliarden Euro f&#252;r die dazugeh&#246;rige ICE-Neubaustrecke nach Ulm. Bahnchef Grube lie&#223; nachrechnen – nun liegen die Gesamtkosten offiziell schon bei sieben Milliarden. Immer noch viel zu niedrig, meinen Experten.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/tricksen-und-taeuschen/-/1472596/4573076/-/index.html">FR</a></li>
<li><a name="h07"></a><strong>Atomlobby macht mobil</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Wirtschaftsbosse wollen Merkel auf Kurs bringen</strong><br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712782,00.html">Spiegel Online</a></li>
<li><strong>„Energiepolitischer Appell&#8221; Ausdruck dreister Arroganz der Macht</strong><br />
Mit einem Aufruf, sich im Herbst massenhaft an den geplanten Anti-Atomprotesten zu beteiligen, hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac auf den so genannten &#8220;energiepolitischen Appell&#8221; reagiert, mit dem 40 Top-Manager die Bundesregierung zum Verzicht auf neue Energiesteuern und zum Weiterbetrieb von Atomkraftwerken dr&#228;ngen.<br />
&#8220;Erst die Erpressungsversuche der vier Energieriesen, jetzt diese Anzeige: Beides zeigt erneut &#252;berdeutlich, wie Unternehmen und Konzerne Druck auf die Politik aus&#252;ben, um demokratische Entscheidungen zu unterlaufen und ihre Profitinteressen gegen das Wohl der Allgemeinheit durchzusetzen&#8221;, sagte Detlev von Larcher vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis von Attac. &#8220;Dass sie dabei vorgeben, im Interesse der Allgemeinheit zu handeln, ist Ausdruck einer besonders dreisten Arroganz der Macht.&#8221;<br />
In dem heute bekannt gewordenen &#8220;Appell&#8221; hei&#223;t es laut Medienberichten w&#246;rtlich: &#8220;Ein vorzeitiger Ausstieg w&#252;rde Kapital in Milliardenh&#246;he vernichten &#8211; zulasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land.&#8221; Dagegen erinnert Attac daran, dass der j&#252;ngste Fall einer Kapitalvernichtung in Milliardenh&#246;he &#8211; der Crash an den Finanzm&#228;rkten &#8211; die verheerende Folge von zu wenig Regulierung und demokratischer Kontrolle der Wirtschaft gewesen sei, nicht von zu viel.<br />
Die Auseinandersetzung um den Atomausstieg mache denn auch ebenso wie die Finanzkrise die Notwendigkeit einer Entmachtung gro&#223;er Konzerne beziehungsweise Banken deutlich. &#8220;Mit der Atomkraft ist es wie mit der Finanzkrise: Die Gewinne machen wenige, das Risiko tragen alle. Ein Wirtschafts- und Energiesystem zum Wohle aller Menschen ist mit diesen Konzernen und Banken nicht zu machen&#8221;, sagte Jutta Sundermann, ebenfalls Mitglied im Attac-Koordinierungskreis.<br />
Quelle: <a href="http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?pfach=1&#038;n_firmanr_=109361&#038;sektor=pm&#038;detail=1&#038;r=421669&#038;sid=&#038;aktion=jour_pm&#038;quelle=0">attac</a></li>
<li><strong>Noch mehr Propaganda, noch weniger Hirn</strong><br />
Die Energieriesen haben ihre Kumpels mit den gro&#223;en Aktienpaketen und die von der INSM (Clement, Bierhoff und andere Sympathen) an den Start gebracht, um der Kampagne pro Kernkraft den rechten erpresserischen Druck zu verleihen. SpOn berichtet vorab (und auf andere Weise finanziert) von der anstehenden Medienoffensive. Was ihnen dazu einf&#228;llt, ist das halbgare Lob an die Kanzleuse, die sich den R&#252;cken frei halten will, um fr&#246;hlich kungeln zu k&#246;nnen:<br />
“Kanzlerin Merkel will durch eine kluge Konstruktion der Atomwende auf jeden Fall verhindern, dass am Ende der Bundesrat &#252;ber den Kompromiss abstimmen muss“.<br />
“Klug” ist das also, wenn so wenig politischer Einflu&#223; wie m&#246;glich dem unverhohlenen Einflu&#223; des Gro&#223;kapitals entgegensteht. Das &#252;bernimmt jetzt ganz offen die politischen Entscheidungen, und die Pinscher aus der Brandstwiete finden das gut.<br />
Quelle: <a href="http://feynsinn.org/?p=4384">Feynsinn</a></li>
<li><strong>L&#228;ngere Laufzeiten f&#252;r AKW: L&#228;nder m&#252;ssen zustimmen</strong><br />
- also der Bundesrat, wie Gutachten best&#228;tigen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/-laender-muessen-zustimmen-/-/1472596/4572884/-/index.html">FR</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h08"></a><strong>Indische Call Center wollen Jobs in USA schaffen</strong><br />
Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die L&#246;hne sinken: In den USA hat das nun erstaunliche Konsequenzen. Laut &#8220;Financial Times&#8221; lohnt es sich f&#252;r indische Call-Center-Betreiber, Arbeitspl&#228;tze in die Vereinigten Staaten zu verlagern &#8211; denn die Geh&#228;lter sind inzwischen &#228;hnlich niedrig wie in ihrer Heimat.<br />
Quelle: <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,712876,00.html">Spiegel Online</a></li>
<li><a name="h09"></a><strong>Abzug aus dem Irak</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Der Preis des Krieges</strong><br />
Sieben Jahre und f&#252;nf Monate nach der Invasion ist die &#8220;Operation Iraqi Freedom&#8221; offiziell beendet. Den vorl&#228;ufigen Schlusspunkt markierten die Soldaten des 4. Stryker Brigade combat team, die am Donnerstag den Irak in Richtung Kuwait verlie&#223;en. Zur&#252;ck bleiben 50.000 Soldatinnen und Soldaten, die nicht mehr k&#228;mpfen, sondern ausbilden sollen. Daf&#252;r wird sich die Zahl der derzeit etwa 11.600 privater Sicherheitsagenten stark vergr&#246;&#223;ern. Ende August soll im Irak das n&#228;chste Kapitel von US-Engagement beginnen. Der Titel: &#8220;Operation New Dawn&#8221; (Operation neue Morgend&#228;mmerung). Und in den USA wird diskutiert, ob sich der Krieg gelohnt hat.<br />
Quelle 1: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&#038;dig=2010%2F08%2F20%2Fa0090&#038;cHash=0379472606">taz</a><br />
Quelle 2: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F20%2Fa0037&#038;cHash=8efba9db09">taz</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, fasst die Diskussion in den USA <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1252083/">wie folgt zusammen</a>:</em></p>
<blockquote><p>&#8220;Die Anh&#228;nger der Demokraten, insbesondere von Pr&#228;sident Obama werden sagen, der Krieg war es nicht wert, wir waren von Anfang an dagegen, und sie werden nat&#252;rlich die materiellen Kosten, also was die Kriegskasse hat aussch&#252;tten m&#252;ssen, auff&#252;hren, die 4500 amerikanischen Kriegstoten, aber vielleicht auch die zwei Millionen irakischen Vertriebenen und mehrere Hunderttausend wahrscheinlich irakische Ziviltote. Die Anh&#228;nger der Republikaner werden sagen, Pr&#228;sident Bush hat das damals richtig gemacht, er hat ein unfreundliches, ein b&#246;sartiges, ein tendenziell terroristisches Regime sich vorgenommen, er hat amerikanische Macht gezeigt. Und dann gibt es sozusagen die Realisten, die nicht unbedingt der einen oder anderen Partei angeh&#246;ren, die eher auf die geopolitischen Verh&#228;ltnisse schauen werden und sagen, das schlimmste Ergebnis aus amerikanischer Sicherheitsperspektive ist, dass der Krieg die Verh&#228;ltnisse im Mittleren Osten so durcheinandergebracht hat, dass heute der Iran, was ja nicht gerade ein befreundeter Staat ist, der st&#228;rkste lokale Staat in der Region ist, der jetzt auch noch st&#228;rker werden wird, wenn die Amerikaner aus Irak abgezogen sind.&#8221;</p></blockquote>
</li>
<li><strong>Desastr&#246;se Bilanz im Irak</strong><br />
Trotz vieler Opfer ( bis zu 800 000 irakische Zivilisten / 4 419 US-Soldaten ) und hoher Kosten ( Stiglitz beziffert die Kosten auf bis zu drei Billionen f&#252;r die US-Wirtschaft ) ist der Irak weder befriedet noch stabilisiert.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&#038;dig=2010%2F08%2F20%2Fa0037&#038;cHash=8efba9db09">taz</a></li>
<li><strong>Abzug der US-Kampfgruppen &#8211; Der irakische Nachlass</strong><br />
Amerika f&#252;hrte den Krieg im Irak, weil es ihn f&#252;hren konnte. Doch wie man es auch dreht und wendet : Die Invasion war falsch, ungerecht und sch&#228;dlich.<br />
Quelle: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/abzug-der-us-truppen-der-irakische-nachlass-1.990329">SZ</a></li>
<li><strong>Irak &#8211; Abzug aus Ruinen</strong><br />
Die USA verlassen ein desolates land. Im Irak funktionieren weder Milit&#228;r noch Polizei. Strom ist Gl&#252;cksache. Politik sowieso.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/irak---abzug-aus-ruinen/-/1472602/4572722/-/index.html">FR</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h10"></a><strong>Oberst Klein trotz L&#252;ge rehabilitiert</strong><br />
Auch die Bundeswehr will jetzt nicht mehr gegen den Offizier vorgehen, der den verheerenden Luftangriff im nordafghanischen Kundus vor knapp einem Jahr angeordnet hat. Vorermittlungen h&#228;tten keine Anhaltspunkte f&#252;r ein Dienstvergehen ergeben, erkl&#228;rte gestern das Verteidigungsministerium in Berlin. Es werde daher kein Disziplinarverfahren gegen Obert Georg Klein geben. Zuvor hatte schon die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Oberst Klein eingestellt. Er und sein Flugleitoffizier h&#228;tten weder gegen die Vorschriften des V&#246;lkerstrafgesetzbuches noch gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches versto&#223;en, hie&#223; es im April zur Begr&#252;ndung. Der f&#228;llige Bescheid ist bei den Anw&#228;lten der Opfer des Bombardements aber bis heute nicht eingegangen. Das Verfahren ist damit weiter anh&#228;ngig. Bei dem Luftangriff in der Nacht zum 4. September 2009 waren weit mehr als hundert Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten, umgekommen. „Verschiedene Untersuchungen von deutschen und Nato-Stellen haben &#252;bereinstimmend ergeben, dass Oberst Klein die US-Piloten angelogen hat, um sie zum Abwurf der Bomben zu bewegen“, sagte der Berliner Anwalt Wolfgang Kaleck, der f&#252;r die Menschenrechtsorganisation ECCHR gemeinsam mit zwei Bremer Anw&#228;lten die Familien der Opfer vertritt, der Berliner Zeitung. „Wenn die Bundeswehr jetzt feststellt, Klein habe gegen keine Richtlinien versto&#223;en, ist das ein schlechter Scherz.“<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/bundeswehr-sieht-kein-dienstvergehen/-/1472596/4572220/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Oberst Klein mag ja nicht gegen das V&#246;lkerstrafgesetzbuch versto&#223;en haben, aber man erwartet eigentlich, dass eine Armee den Versto&#223; eines Obersten gegen Befehle und Dienstanweisungen ahndet, der z.B. nach Ansicht von NATO- Ermittlern gegeben war.</em></li>
<li><a name="h11"></a><strong>Unter den Augen der Bundeswehr</strong><br />
Kundus? Ist nicht genau dort die Bundeswehr mit starken Kr&#228;ften stationiert, um in Afghanistan die Demokratie zu f&#246;rdern und dabei zu helfen, die Taliban kleinzuhalten? Ausgerechnet dort haben die islamistischen Gotteskrieger zwei junge Menschen &#246;ffentlich auf einem Basar wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt. Praktisch unter den Augen deutscher Soldaten. Die Bundeswehr hat in den umk&#228;mpften Gebieten gerade einmal da Einfluss, wo ihre Soldaten sind. Sind sie weg, tauchen die islamistischen Terroristen wieder auf. Und die Taliban sind sich ihrer Sache mittlerweile so sicher, dass sie glauben, spektakul&#228;re Zeichen setzen zu k&#246;nnen. Wie barbarisch die auch sein m&#246;gen.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/unter-den-augen-der-bundeswehr/-/1472602/4569414/-/index.html">FR</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> In diesem Artikel, wie auch von anderen Zeitungen, wird ignoriert, dass es zur Steinigung von Ehebrechern in etlichen L&#228;ndern keineswegs der Taliban bedarf. Die herrschenden gesellschaftlichen Einstellungen lassen eine solche barbarische Rechtsprechung zu.  Das islamische Recht der Scharia sieht die Pr&#252;gelstrafe f&#252;r Sex zwischen Unverheirateten vor. Au&#223;ereheliche Aff&#228;ren werden mit dem Tod durch Steinigung bestraft. Die Scharia sieht die Steinigung zwingend nur f&#252;r Ehebruch vor, und zwar f&#252;r verheiratete M&#228;nner ebenso wie f&#252;r verheiratete Frauen. F&#252;r eine Reihe anderer Delikte schreibt das islamische Recht die Todesstrafe ebenfalls zwingend vor, sie stellt aber die Art der Hinrichtung in das Ermessen des Richters. Amnesty berichtete 2009, dass im Iran seit 1979 mehr als 4000 Homosexuelle get&#246;tet wurden, meistens durch Steinigung. Wie Amnesty berichtet, wurde die Steinigung zwei Tage nach der Forderung des h&#246;chsten islamischen Gremiums des Landes, dem Rat der Ulama, nach einer strikteren Anwendung der in der Scharia vorgesehenen K&#246;rperstrafen vollzogen. Damit soll die afghanische Regierung den Taliban entgegen kommen, um <a href="http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/afghan-couple-stoned-death-taleban-2010-08-16">den Krieg zu beenden</a>. Einen &#220;berblick zum Thema verschafft eine <a href="http://www.igfm.de/Steinigung-ein-UEberblick.917.0.html">Website der Internationalen Gesellschaft f&#252;r Menschenrechte</a>.</em></li>
<li><a name="h12"></a><strong>Politik der harten Hand. Ungleiche Sicherheit und sichere Ungleichheit in Zentralamerika</strong><br />
Gewalt und Kriminalit&#228;t etwa durch Jugendbanden treten als dr&#228;ngende Probleme f&#252;r die Gesellschaften der zentralamerikanischen L&#228;nder immer mehr in den Vordergrund. Doch die dominanten repressiven Strategien tragen nicht zu ihrer Eind&#228;mmung bei. Statt an den Ursachen zu r&#252;tteln, setzen die Eliten weiter auf sozialen Ausschluss benachteiligter Gruppen. Das Beispiel Zentralamerikas zeigt einmal mehr, dass die Politiken der ‘harten Hand’ und die Get Tough-Strategien keineswegs zur Verringerung von Kriminalit&#228;t undGewalt f&#252;hren. Dar&#252;ber hinaus gedeihen die kriminellen Netzwerke in den Gef&#228;ngnissen weiter. Ohne Aussicht auf Rehabilitation, bleibt den Inhaftierten keine M&#246;glichkeit, als sich in der Hierarchie der Gangs weiter nach oben zu arbeiten. Notwendig w&#228;re jedoch eine Repolitisierung und damit Entsicherheitlichung sozialer Konflikte. Sicherheit – hier verstanden als die Abwesenheit von personaler und struktureller Gewalt – kann nicht durch Politiken der Versicherheitlichung f&#252;r alle Sektoren der Gesellschaft erreicht werden.<br />
Quelle: <a href="http://www.iz3w.org/iz3w/Ausgaben/320/LP_s26.pdf">Iz3w [PDF - 208 KB]</a></li>
<li><a name="h13"></a><strong>Spaniens Regionen vom Markt abgeschnitten</strong><br />
Die spanischen Regionen haben grosse Schwierigkeiten, an den internationalen Anleihem&#228;rkten Geld aufzunehmen. Alle zehn von der Agentur Fitch beobachteten Regionen stehen auf der Liste f&#252;r eine m&#246;gliche Herabstufung. Nun allerdings ger&#228;t Ministerpr&#228;sident Zapatero durch die Refinanzierungsprobleme der Regionen erneut unter Druck: Die autonomen Landesregierungen sind hoch verschuldet, kontrollieren aber gleichzeitig doppelt so viele Staatsausgaben wie die Zentralregierung in Madrid und besch&#228;ftigen mehr als die H&#228;lfte aller Staatsangestellten. Im Zuge der Rezession sind die Schulden der autonomen Landesregierungen enorm in die H&#246;he geschnellt. Sie betrugen zu Zeiten des Immobilienbooms 5,5% des Bruttoinlandprodukts (BIP), im ersten Quartal dieses Jahres stiegen sie auf 9% des BIP an. Inzwischen haben die Regionen grosse Schwierigkeiten, sich auf dem Kapitalmarkt zu refinanzieren. Das gilt vor allem f&#252;r Katalonien, das ein F&#252;nftel des spanischen Bruttoinlandproduktes ausmacht. Seit M&#228;rz ist die Region von Emissionen an den internationalen Anleihem&#228;rkten abgeschnitten.<br />
Quelle: <a href="http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/spaniens_regionen_vom_markt_abgeschnitten_1.7260511.html">NZZ</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Etwas paradox wirkt angesichts dieser Situation die Forderung vieler Katalanen nach mehr Autonomie bis hin zur Sezession. Letztlich wird auch das stolze Katalonien vom Zentralstaat gest&#252;tzt werden m&#252;ssen. &#220;berhaupt mutet bei so mancher neuen Staatsgr&#252;ndung etwas seltsam an, dass die Frage nach der &#246;konomischen &#220;berlebensf&#228;higkeit kaum gestellt wird &#8211; siehe z.B. der Kosovo.</em></li>
<li><a name="h14"></a><strong>Sarkozy</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Widerliche Symbolpolitik</strong><br />
Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy steht das Wasser bis zum Halse. Die Franzosen sind mit seiner Politik unzufrieden &#8211; in einem gef&#228;hrlichen Ma&#223;e. Nur noch bei gut 30 Prozent liegt die Zustimmung der W&#228;hler. Politische oder wirtschaftliche Erfolge haben Pr&#228;sident und Regierung nicht vorzuweisen. Stattdessen haben sie sich selbst diskreditiert durch die Bettencourt-Aff&#228;re, illegale Parteienfinanzierung und verdeckte Geld&#252;bergaben. Viele Franzosen beschleicht das Gef&#252;hl, de facto einem System der Korruption und der G&#252;nstlingswirtschaft anheimgefallen zu sein. Selbst auf seinem ureigenen Terrain von Sicherheit und Ordnung kann der ehemalige Innenminister, der als &#8220;K&#228;rcher der Nation&#8221; ins Pr&#228;sidentenamt gehievt wurde, keine sp&#252;rbaren Ergebnisse vorzeigen. Die Kriminalstatistik desavouiert seinen &#8220;nationalen Krieg gegen die Kriminalit&#228;t&#8221; als wirkungslos.<br />
In offensichtlicher Unf&#228;higkeit, den gesellschaftlichen Problemen politisch beizukommen, greift die Regierung zu symbolischen Ma&#223;nahmen, die entschiedenes Handeln pr&#228;sentieren sollen. &#8220;Raus mit den kriminellen, bettelnden und arbeitsscheuen Elementen&#8221; &#8211; ist der Subtext der Massenabschiebungen der Roma nach Rum&#228;nien und Bulgarien. Solche Politik, die gezielt eine bestimmte Volksgruppe aufs Korn nimmt, erinnert fatal an die Grauen des Rassismus. Wie schon mit den verbalen Breitseiten gegen eingewanderte Muslime sucht die Politik S&#252;ndenb&#246;cke aus, an denen der Volkszorn sein M&#252;tchen k&#252;hlen kann.<br />
Quelle: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&#038;dig=2010%2F08%2F20%2Fa0097&#038;cHash=8a14827e89">taz</a></li>
<li><strong>Sarkozy ganz unten</strong><br />
Wie tief muss ein Staatschef gesunken sein, um die Abschiebung von Angeh&#246;rigen einer einzelnen Volksgruppe zur Chefsache zu erkl&#228;ren? Antwort: So tief wie Nicolas Sarkozy.<br />
Quelle: <a href="http://www.fr-online.de/politik/meinung/sarkozy-ganz-unten/-/1472602/4572584/-/index.html">FR</a></li>
</ol>
</li>
<li><a name="h15"></a><strong>Kolumbien</strong>
<ol type="a">
<li><strong>Richter stoppen Milit&#228;rs</strong><br />
Schwere Schlappe f&#252;r die kolumbianische Regierung: Das Verfassungsgericht in Bogotá hat am Dienstag abend (Ortszeit) ein im vergangenen Jahr unterzeichnetes Abkommen &#252;ber die Einrichtung von sieben US-Milit&#228;rbasen in Kolumbien als verfassungswidrig verworfen. Die Vereinbarung m&#252;sse als internationales Abkommen betrachtet und deshalb vom Parlament ratifiziert werden, urteilten die Richter. Au&#223;erdem beinhalte der Vertrag »neue Verpflichtungen f&#252;r den kolumbianischen Staat«, erkl&#228;rte Gerichtspr&#228;sident Mauricio González. So werde durch das Dokument ausl&#228;ndischen Staatsangeh&#246;rigen das Tragen und Benutzen von Waffen auf kolumbianischem Staatsgebiet gestattet. Er betonte jedoch, da&#223; es nicht die Aufgabe des Gerichts gewesen sei, &#252;ber die Inhalte des Abkommens zu befinden.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-19/019.php">junge Welt</a></li>
<li><strong>Eine Atempause</strong><br />
Ohne eine Beendigung des seit Jahrzehnten andauernden B&#252;rgerkrieges in Kolumbien ist dauerhafte Stabilit&#228;t in der Region unm&#246;glich. Der Konflikt zieht immer wieder die Nachbarl&#228;nder in seine Gewalt, wie Ecuador und Venezuela, aber auch Brasilien, Peru und Panama immer wieder sp&#252;ren mu&#223;ten. Die Hoffnung der in Bogotá Herrschenden aber, den Konflikt milit&#228;risch zu l&#246;sen, wird nicht aufgehen. Die Wurzeln dieses Krieges sind politischer und sozialer Natur, deshalb kann es auch nur eine politische und soziale L&#246;sung geben. Die liberale Senatorin Piedad Córdoba und andere einflu&#223;reiche Pers&#246;nlichkeiten Kolumbiens pl&#228;dieren f&#252;r einen humanit&#228;ren Gefangenenaustausch als ersten Schritt zu einer L&#246;sung auf dem Verhandlungsweg. Weitere Milit&#228;rbasen werden hingegen den Krieg weiter versch&#228;rfen, und sie lassen die Gefahr eines &#220;bergreifens des Konflikts auf die Nachbarl&#228;nder wachsen. Das Urteil der Verfassungsrichter in Bogotá bedeutet deshalb eine Atempause. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Santos hat nun ein Jahr Zeit, sich zu entscheiden, ob er weiter den Kriegspfad seines Vorg&#228;ngers Uribe einschlagen will oder die Chance zum Umlenken wahrnimmt.<br />
Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/08-19/002.php">junge Welt</a></p>
<p><em><strong>Anmerkung Orlando Pascheit:</strong> Immerhin, es d&#252;rfte so Manchem im weltweiten Publikum nicht klar gewesen sein, dass das Verfassungsgericht in Kolumbien funktioniert.</em></li>
</ol>
</li>
</ol>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie man Legenden strickt &#8211; mithilfe noch glaubw&#252;rdiger Personen, zum Beispiel Heribert Prantls von der SZ</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6549</link>
		<comments>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6549#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 13:47:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Albrecht Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Strategien der Meinungsmache]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.nachdenkseiten.de/?p=6549</guid>
		<description><![CDATA[Zurzeit wird an der Legende des ehemaligen Bundesfinanzminister Steinbr&#252;ck gestrickt. Er habe uns gut durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise gesteuert und sich um unser Land verdient gemacht, behauptet der Innenpolitikchef der S&#252;ddeutschen Zeitung. Siehe Hinweis von heute. Dabei wird unterschlagen, 1. dass Steinbr&#252;ck wesentlich daran beteiligt war, unser Land in die Krise hinein zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zurzeit wird an der Legende des ehemaligen Bundesfinanzminister Steinbr&#252;ck gestrickt. Er habe uns gut durch die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise gesteuert und sich um unser Land verdient gemacht, behauptet der Innenpolitikchef der S&#252;ddeutschen Zeitung. Siehe <a href="?p=6536#h09">Hinweis von heute</a>. Dabei wird unterschlagen, 1. dass Steinbr&#252;ck wesentlich daran beteiligt war, unser Land in die Krise hinein zu man&#246;vrieren, 2. dass wir ihm pers&#246;nlich die hohen Kosten der Bankenrettung verdanken und es wird 3. dabei noch transportiert, unser Land sei gut durch die Krise gekommen. Albrecht M&#252;ller<br />
<span id="more-6549"></span><br />
Zum Ersten: Steinbr&#252;ck wie auch sein Vorg&#228;nger Eichel und beider Abteilungsleiter und Staatssekret&#228;r J&#246;rg Asmussen waren wesentlich daran beteiligt, den Finanzplatz Deutschland, wie sie das nannten, f&#252;r Spekulanten zu &#246;ffnen. Eichel hat die Steuerbefreiung f&#252;r die Heuschrecken eingef&#252;hrt, Steinbr&#252;ck hat daf&#252;r gesorgt, dass dies nicht korrigiert wird, sie haben Hedgefonds zugelassen und Wohnungen der Spekulation ausgesetzt (REITS), sie haben ansonsten dereguliert und die spekulativen „Investoren“ f&#246;rmlich eingeladen. Immer im Blick auf die Vorbilder London und NewYork. Siehe dazu auch <a href="?p=6401">hier</a> und <a href="?p=3122">hier</a> und <a href="?p=5241">hier</a> und <a href="?p=4175">hier</a> und <a href="?p=3471">hier</a>.</p>
<p>Zum Zweiten: Steinbr&#252;ck ist neben Angela Merkel der Hauptverantwortliche daf&#252;r, dass die deutsche Bundesregierung jede Bank gerettet hat und daf&#252;r einen Bankenrettungsschirm von 480 Milliarden aufgespannt hat &#8211; ohne ernsthaft zu pr&#252;fen, ob es nicht besser w&#228;re, Banken insolvent gehen zu lassen, wie das anderer L&#228;nder gemacht haben. Steinbr&#252;ck ist verantwortlich f&#252;r die mindestens 8.000.000.000 €, die die Bundesregierung &#252;ber die KfW in die private Bank IKB gesteckt hat. Siehe zum Beispiel <a href="?p=2982">hier</a>. Steinbr&#252;ck, Asmussen und Angela Merkel sind die Hauptverantwortlichen daf&#252;r, dass die Bundesregierung f&#252;r eine einzige Bank einen Rettungsschirm von &#252;ber 100 Milliarden aufgespannt hat, f&#252;r die M&#252;nchner HRE . Davon sind &#252;ber 80 Milliarden im September 2009 schon geflossen gewesen. Siehe <a href="?p=3743">hier</a> und <a href="?p=4210">hier</a>.<br />
Schon einmal ist an einer Legende gestrickt worden. Siehe hier: <a href="?p=3504">„Mit dieser Bundesregierung wird der Bock zum G&#228;rtner – Fortsetzung Steinbr&#252;ck und Co.&#8221;</a> vom 10. Oktober 2008 und davor hier am 7. Oktober 2008 <a href="?p=3496">„Wie Steinbr&#252;ck hoch- und Lafontaine niedergeschrieben wird – zwei Musterbeispiele f&#252;r gelungene PR“</a> und ein Nachtrag <a href="?p=3499">hier</a>. Damals haben sich f&#252;hrende Chefredakteure schon einmal f&#252;r Steinbr&#252;ck in Kombination mit Angela Merkel einspannen lassen. Sie haben allesamt die Milliarden, die die Bundesregierung unter Mitwirkung von Steinbr&#252;ck f&#252;r die Banken zur Verf&#252;gung gestellt hat, abgesegnet. Offensichtlich wirkt die damalige Kumpanei bis heute nach.</p>
<p>Zum Dritten haben wir schon vielfach darauf hingewiesen, dass von einer &#220;berwindung der Krise keine Rede sein kann. Das gilt f&#252;r die Exportwirtschaft. Sie profitiert von der Schieflage der &#246;konomischen Entwicklung unseres Landes. Es gilt nicht f&#252;r die Binnenwirtschaft und keinesfalls f&#252;r die Arbeitnehmerschaft. Deren Einkommen stagnieren, teilweise sinken sie massiv. Auch bei Heribert Prantl dominiert die Interessenlage der Oberschicht die Beurteilung des wirtschaftlichen Geschehens.</p>
<p>Ihn als Zeugen f&#252;r den neoliberalen Steinbr&#252;ck einzuspannen ist ausgesprochen geschickt. Das entspricht der Methode, dass Botschaften dann besonders glaubw&#252;rdig werden, wenn sie aus verschiedenen Ecken kommen. (Siehe <a href="?page_id=4138#l03">hier, Ziffer 3</a>) Die Botschaft, Steinbr&#252;ck habe sich um unser Land verdient gemacht, ist glaubw&#252;rdiger, wenn sie nicht nur von rechtskonservativer Seite und der Wirtschaft sondern auch von einem als linksliberal geltenden Journalisten bezeugt wird.</p>
<p>Diese Rolle spielt Heribert Prantl &#252;brigens des &#214;fteren. Wir haben davon berichtet wie er sich zum Zeugen f&#252;r die angebliche Sozialdemokratisierung Angela Merkels und der Union hat einspannen lassen. Siehe hier <a href="?p=4283">„Von wegen Sozialdemokratisierung der Union (Teil I)“</a>.<br />
Dort haben wir geschrieben „Der Ausbau des sozialen Images geht nach der Wahl weiter. &#8211; Wir haben schon auf drei markante Einlassungen dieser Art hingewiesen, zum Beispiel hier: <a href="?p=4257">„Die CDU hat seit 2005 ihre Wirtschafts- und Sozialpolitik erfolgreich sozialdemokratisiert.“</a> So der Kommentator und wichtiger Meinungsf&#252;hrer <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/769/490149/text/print.html">Heribert Prantl in der S&#252;ddeutschen Zeitung vom 7.10.2009</a>.<br />
&#220;ber den letzten Link wird man allerdings nicht mehr f&#252;ndig. Das tut uns leid. Es liegt nicht an uns.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong></p>
<p>Die Wirkung der Manipulationsmethode, eine Botschaft von verschiedenen Ecken auszusenden &#8211; im konkreten Fall sowohl von der angepassten neoliberalen Wirtschaftspresse wie auch vom angesehenen und als linksliberal geltenden Heribert Prantl &#8211; k&#246;nnen wir dann schnurstracks nachlesen: Im Blog abgeordenetenwatch.de ist schon am 19. August 2010 nachzulesen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ja, Heribert Prantl hat recht. Peer Steinbr&#252;ck hat erfolgreich daran mitgewirkt, Deutschland durch die Krise zu man&#246;vrieren. Er war ein angesehener Finanzminister, dem viele einen Verdienst an unserem Land attestieren.&#8221;</p></blockquote>
<p>Bis hinein in Kreise, die sich f&#252;r kritisch halten, wirkt eine so clever angelegte Kampagne.</p>
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		<title>Finanztest: Staatlich verordnete Verkaufsunterst&#252;tzung f&#252;r die Riester-Rente</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6546</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 12:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rente, Privatvorsorge, etc.]]></category>
		<category><![CDATA[Riester-Rürup-Täuschung]]></category>

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		<description><![CDATA[In der September-Ausgabe 2010 kommt ein frischgebackener Riester-Rentner zu Wort, der als Gewinnrente sage und schreibe 0,38 Euro mehr, also 0,6 % mehr als die Garantierente erh&#228;lt. Folgerichtig urteilt Finanztest: „Von mickriger Rente kann Finanztest-Leser … ein Lied singen &#8230; &#220;ber eine derart geringe &#220;berschussbeteiligung kann (man) nur noch lachen“. Leider wird den meisten Riester-Rentnern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der <a href="http://www.testberichte.de/volltextsuche/finanztest-226188-1.html">September-Ausgabe 2010</a> kommt ein frischgebackener Riester-Rentner zu Wort, der als Gewinnrente sage und schreibe 0,38 Euro mehr, also 0,6 % mehr als die Garantierente erh&#228;lt. Folgerichtig urteilt Finanztest: „Von mickriger Rente kann Finanztest-Leser … ein Lied singen &#8230; &#220;ber eine derart geringe &#220;berschussbeteiligung kann (man) nur noch lachen“. Leider wird den meisten Riester-Rentnern das Lachen vergehen, wenn sich ihre heutige Gutgl&#228;ubigkeit r&#228;cht. Von Edmund Hagmann<br />
<span id="more-6546"></span><br />
Dauerthema bei Finanztest ist die Riester-Rente. Klar, dass Finanztest die Vorgaben der letzten Bundesregierungen umsetzen muss, da die Zeitschrift am Tropf einer Staatssubvention in Millionenh&#246;he h&#228;ngt. So verwundert es auch nicht, dass zwar einige (aber nicht alle) negativen realen Situationen peu à peu angesprochen werden, an der Empfehlung f&#252;r die Riester-Rente aber nicht ger&#252;ttelt wird. </p>
<p>Aufgrund der nicht wegzuleugnenden Fakten versucht es Finanztest mittlerweile auf die smarte Art. W&#228;hrend man 2007 noch in die Vollen ging und sich nicht sch&#228;mte, von einer j&#228;hrlichen Rendite von <a href="?p=2777">bis zu 9 % auszugehen</a>, spielen in der neuesten Ausgabe Gewinne aus der Geldanlage &#252;berhaupt keine Rolle mehr. Diese Vorsicht hat handfeste Gr&#252;nde. Nunmehr behauptet Finanztest, dass auch ohne Verzinsung des Kapitals eine Rendite auf den eingezahlten Eigenbeitrag vorliegt. Dabei genieren sich die Macher von Finanztest nicht, unattraktive Nachsteuer-Renditen von 0,6 % bis 1,5 % als passabel darzustellen (Finanztest-Titel: &#8220;Zum Plus geht es per Zulage&#8221;). </p>
<p>Zu allem &#220;bel stecken mindestens drei Fehler in diesen Finanztest-Angaben &#8211; und aus dem ertr&#228;umten &#8220;Plus&#8221; wird ganz schnell ein reales sattes &#8220;Minus&#8221;:</p>
<ol>
<li>Bei Riester-Rentenversicherungen ist eine Mindestverzinsung von z. Zt. 2,25 % in den obigen Renditen ber&#252;cksichtigt. Wird diese Mindestverzinsung (wie in der Branche laut angedacht) weiter reduziert, leiden darunter auch die obigen Renditen. Die Finanztest-Aussage &#8220;Schon ohne Verzinsung des Kapitals &#8230; sind Renditen auf den eingezahlten Eigenbeitrag drin&#8221; kann sich somit nicht auf obige Renditen beziehen.</li>
<li>In den von Finanztest errechneten Renditen ist die Inflation noch nicht ber&#252;cksichtigt. Bei einer (realistischen) j&#228;hrlichen Inflationsrate von 2 % sind alle von Finanztest vorgestellten Riester-Renditen negativ, d.h. man spart in den Finanztest-Beispielen mehr als man sp&#228;ter trotz staatlicher Zulagen und Steuervorteilen real kaufen kann. Sieht so (lohnendes) Sparen aus?</li>
<li>Die von Finanztest angegebenen Renditen werden nur erf&#252;llt, wenn man das Durchschnittsalter erreicht. Stirbt man zum Beispiel f&#252;nf oder zehn Jahre nach Rentenbeginn und hat (wie die meisten) nur eine 5-j&#228;hrige Rentengarantiezeit vereinbart, wird die Riester-Rente eine &#228;u&#223;erst negative Geldanlage, trotz staatlicher Bezuschussung. Der &#252;berlebende Ehegatte wird mit der Riester-Rente eine unangenehme Erfahrung machen, anders formuliert: er oder sie wird gar keine Erfahrung mit dieser Rente machen.</li>
</ol>
<p>Liebe Regierungsmitglieder und liebe Finanztestler: Lassen Sie es gut sein mit der Riester-Rente. Lassen sie die unn&#252;tzen Lockrufe mit der staatlichen F&#246;rderquote f&#252;r das Riestern, denn diese Subventionen m&#252;ssen die Riester-Sparer sowieso entweder &#252;ber ihre Steuern bezahlen (linke Tasche, rechte Tasche) oder die Staatsverschuldung wird dadurch erh&#246;ht.<br />
(Zudem wird der „Altersvorsorgeanteil“ sozusagen vorab und fiktiv von den Bruttol&#246;hnen und Geh&#228;ltern abgezogen. Um diesen Anteil wird die Lohnh&#246;he geschm&#228;lert, an die die Beitr&#228;ge f&#252;r die gesetzliche Rente ankn&#252;pfen. Vereinfacht gesagt, der Riesterfaktor mindert die Anpassung der Renten an die Lohnsteigerungen. WL)<br />
Das will doch niemand. </p>
<p>Die meisten Riester-Rente werden mit ihr eine negative Erfahrung machen und der Staat sowieso. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein (f&#252;r 90 % aller Riester-Sparer) &#196;rgernis ohne Ende.</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Von der Leyen spielt die Bildungskarte aus – oder die Kapitulationserkl&#228;rung der Bildungspolitik</title>
		<link>http://www.nachdenkseiten.de/?p=6542</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 07:15:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Lieb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Lassen wir uns nichts vormachen, hinter dem mit viel &#246;ffentlichem Wirbel angek&#252;ndigten „Bildungspaket f&#252;r Kinder und Jugendliche“ stehen folgende Pr&#228;missen:

das (Vor-)Urteil, dass die Hartz IV beziehende Eltern das Sozialgeld, das sie f&#252;r ihre Kinder bekommen, (um es mit den besch&#246;nigenden Worten der Sozialministerin zu sagen) nicht „zielgenau“ f&#252;r „mehr Bildung“, f&#252;r „mehr soziale Integration“, f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lassen wir uns nichts vormachen, hinter dem mit viel &#246;ffentlichem Wirbel angek&#252;ndigten „Bildungspaket f&#252;r Kinder und Jugendliche“ stehen folgende Pr&#228;missen:</p>
<ul>
<li>das (Vor-)Urteil, dass die Hartz IV beziehende Eltern das Sozialgeld, das sie f&#252;r ihre Kinder bekommen, (um es mit den besch&#246;nigenden Worten der Sozialministerin zu sagen) nicht „zielgenau“ f&#252;r „mehr Bildung“, f&#252;r „mehr soziale Integration“, f&#252;r „mehr positive Pers&#246;nlichkeitsentwicklung“ und f&#252;r „mehr Lebenschancen“ ihrer Schul- und Kitakinder einsetzen,</li>
<li>dass die Regels&#228;tze zur Sicherung des Existenzminimums minderj&#228;hriger Kinder nicht entsprechend des kinder- und alterspezifischen Bedarfs deutlich erh&#246;ht werden sollen,</li>
<li>dass gleichzeitig das „Lohnabstandsgebot“ gegen&#252;ber niedrig verdienenden Vollzeiterwerbst&#228;tigen eingehalten wird,</li>
<li>und schlie&#223;lich, dass die staatlichen Investitionen in auch Benachteiligte f&#246;rdernde Kitas und Schulen und damit die Steuern nicht erh&#246;ht werden m&#252;ssen.</li>
</ul>
<p>Aus diesen politisch selbst aufgestellten „Fallen“ will nun die Sozialministerin organisatorisch mit dem „Bildungspaket“ und technisch mit der „Bildungskarte“ entkommen. Eine Kapitulationserkl&#228;rung der Bildungspolitik und ein schleichender Leitbildwechsel vom Sozial- in den Almosenstaat. Wolfgang Lieb<br />
<span id="more-6542"></span><br />
<strong>Das „Bildungspaket“ und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts &#252;ber das Sozialgeld f&#252;r Kinder</strong></p>
<p>Erf&#252;llt das „Bildungspaket“ die <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20100209_1bvl000109.html">verfassungsrichterlichen Vorgaben</a> f&#252;r eine „vertretbare Methode zur Bestimmung des Existenzminimums eines Kindes“ (Rdnr. 190) bzw. f&#252;r die „notwendigen Aufwendungen zur Erf&#252;llung schulischer Pflichten“ (Rdnr. 192)?</p>
<p>Klipp und klar gesagt: Nein.</p>
<p>In dem vom Bundesministerium f&#252;r Arbeit und Soziales pr&#228;sentierten <a href="http://www.bmas.de/portal/47406/property=pdf/2010__08__18__praesentation__bildungspaket.pdf">„Gesamtkonzept“ [PDF - 2.3 MB]</a> wird selbst darauf hingewiesen, dass das Bundesverfassungsgericht verlangt,</p>
<ul>
<li>dass es „keine Sch&#228;tzungen ins Blaue“ hinein geben darf,</li>
<li>dass die „Teilhabebedarfe von Kindern zwingend abzudecken“ sind,</li>
<li>dass die „Leistungen f&#252;r Kinder…eigenst&#228;ndig ermittelt werden“ m&#252;ssen und ein „Anpassungsmechanismus gew&#228;hlt werden (muss), der den realen Bedarf ber&#252;cksichtigt.</li>
</ul>
<p>Keine dieser Forderungen ist mit dem „Bildungspaket“ erf&#252;llt: Die Sch&#228;tzungen was f&#252;r „mehr Bildung“ (etc.) aufgewandt werden m&#252;sste, gehen immer noch „ins Blaue“. Es bleibt (jedenfalls bisher) beim „Basisgeld“. Jedenfalls ist nicht erkennbar, dass von dem als verfassungswidrig erkl&#228;rten <em>„Abschlag gegen&#252;ber der Regelleistung f&#252;r einen Alleinstehenden“</em> abgewichen wird.<br />
Es fehlt f&#252;r diese <em>„freih&#228;ndige Setzung“</em> nach wie vor eine <em>„empirische und methodische Fundierung“</em>. Es fehlt eine Ermittlung der Kosten f&#252;r den <em>„Erwerb der notwendigen Schulmaterialien, wie Schulb&#252;cher, Schulhefte oder Taschenrechner“</em>. Es fehlt eine <em>„realit&#228;tsgerechte“</em> Erhebung des <em>„altersspezifischen Bedarfs“</em>. Wo sind die Leistungen f&#252;r Kinder eigenst&#228;ndig ermittelt und wo ist der Anpassungsmechanismus an den realen Bedarf?</p>
<p>Mit dem „Bildungspaket“ (allein) werden somit die Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts nicht erf&#252;llt. (So wohl auch der der <a href="http://www.presseecho.de/politik/NA3731663523.htm">Parit&#228;tische Wohlfahrtsverband</a>)</p>
<p><strong>K&#246;nnte man die Idee einer „Bildungskarte“, unabh&#228;ngig davon, ob damit die Auflagen des Bundesverfassungsgerichts erf&#252;llt werden, f&#252;r gut halten?</strong></p>
<p>Ohne Zweifel w&#228;re es gut, wenn Kinder von Hartz IV-Familien nicht aus finanziellen Gr&#252;nden vom gemeinsamen Mittagessen an Kitas und Schulen ausgeschlossen w&#252;rden, wenn sie Nachhilfe bezahlt bek&#228;men, wenn Kosten f&#252;r Schul- und Lernmaterialien &#252;bernommen w&#252;rden oder wenn ihre Teilnahme an Sport-, Kultur- oder Ferienangeboten unterst&#252;tzt w&#252;rde.<br />
Deswegen unterst&#252;tzen wohl laut einer Umfrage auch die meisten Deutschen die Idee der Bildungsgutscheine.</p>
<p>Ich will hier gar nicht so sehr auf den diskriminierenden Aspekt einer „Bildungskarte“ abstellen, etwa dadurch, dass ein Hartz IV-Kind bei der Essensausgabe oder in der Schulbuchhandlung vor allen anderen als Hilfsbed&#252;rftig stigmatisiert w&#252;rde. Diese &#246;ffentliche Herabsetzung k&#246;nnte man in vielen F&#228;llen dadurch umgehen, dass man allen anderen Kindern auch eine Geldkarte anbieten k&#246;nnte, auf die etwa der Betrag des Kindergeldes geladen w&#252;rde. Das w&#252;rde zwar einen Aufschrei geben, aber damit w&#228;re zumindest gew&#228;hrleistet, dass auch in anderen Familien das Kindergeld „zielgenau“ bei den Kindern ank&#228;me. Denn machen wir uns nichts vor auch in besser gestellten Familien flie&#223;t das Kindergeld in die allgemeine Haushaltskasse und wird z.B. zur Finanzierung eines Autos oder zur Abzahlung der Hypothek herangezogen – jedenfalls kommt es bei den Kindern h&#228;ufig auch nicht an. </p>
<p><strong>Wenn schon, dann „Bildungskarte“ f&#252;r alle</strong></p>
<p>Die Einbeziehung aller Kinder, statt ausschlie&#223;lich der 1,8 Millionen Kinder aus Hartz-IV-Haushalten, h&#228;tte sogar den Vorteil, dass an mehr Einrichtungen mit den entsprechenden Angeboten die notwendigen Leseger&#228;te vorgehalten w&#252;rden. Dazu m&#252;ssten dann allerdings die Kommunen, als Tr&#228;ger von Schulen und Kitas und kulturellen Angeboten, die Vereine oder die Kinder- und Jugendbetreuungsorganisationen gewonnen werden.</p>
<p>F&#252;r die 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren, die in Familien von Hartz IV-Empf&#228;ngern leben rentierte sich der ganze Aufwand mit Chipkarte und Leseger&#228;ten gewiss nicht. Nach derzeitigen Angaben will der Finanzminister zur Erf&#252;llung der Auflagen des Bundesverfassungsgerichts 480 Millionen Euro pro Jahr zur Verf&#252;gung stellen, das w&#228;ren pro Kind  rund 280 Euro j&#228;hrlich oder etwas &#252;ber 23 Euro pro Monat. </p>
<p>Ich will an dieser Stelle davon absehen, dass mit dieser Vorgabe von einer vom Bundesverfassungsgericht geforderten <em>„schl&#252;ssigen Ermittlung des regelleistungsrelevanten Verbrauchs“</em> (Rdnr. 176) keine Rede sein kann.  </p>
<p>Aber f&#252;r den vorgesehenen Betrag lohnte sich der gesamte technische Aufwand (mit Kartenaufladesystemen und Leseger&#228;ten und zus&#228;tzlichem Abrechnungsaufwand) gewiss nicht. Und wenn die Bildungskarte dennoch eingef&#252;hrt w&#252;rde, so w&#252;rde sich der Aufwand nur f&#252;r wenige Einrichtungen (etwa Schulbuchhandlungen) lohnen.  Und billiger bzw. effizienter w&#252;rde dieses Verfahren damit noch lange nicht.  Das zeigte sich z.B. bei dem <a href="https://www.berlinonline.de/berlinerzeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0212/berlin/0080/index.html">gescheiterten Versuch in Berlin</a>, bei dem Asylbewerber statt Bargeld Chipkarten zum Einkaufen ausgeh&#228;ndigt wurden, und wo sich herausstellte, dass die Kosten f&#252;r den Vertrag mit der Chipkartenfirma Sodexo erheblich h&#246;her lagen, als wenn man den Betroffenen das Geld in die Hand gegeben h&#228;tte. </p>
<p>Hinzu k&#228;me: K&#246;nnten Chipkarten nur an wenigen Stellen eingel&#246;st werden, so w&#228;re die soziale Stigmatisierung eine Doppelte: der Bildungskarteninhaber w&#228;re nicht nur als bed&#252;rftig ausgewiesen, sondern auch noch dadurch, dass er die Bildungskarte nur an ganz bestimmten Stellen einl&#246;sen k&#246;nnte. Individuelle Nachhilfe &#8211; etwa durch &#228;ltere Sch&#252;ler &#8211; w&#228;re (mangels Abrechnungsm&#246;glichkeit) ohnehin ausgeschlossen, bestenfalls w&#252;rden gr&#246;&#223;ere kommerzielle Nachhilfeanbieter davon profitieren. </p>
<p><strong>Chipkarte hat sich noch nirgends bew&#228;hrt</strong></p>
<p>In der Praxis hat sich ein solches Chipkartenmodell offenbar noch nirgendwo bew&#228;hrt. Das von der Bildungsministerin ins Gespr&#228;ch gebrachte <a href="http://www.fr-online.de/politik/wo-ist-von-der-leyens-coole-karte-/-/1472596/4538156/-/index.html">schwedische Beispiel gibt es wohl gar nicht</a>. Im Bundesarbeitsministerium verweist man auf die sog. <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-08/gutscheine-hartz-IV-stuttgart">Familiencard in Stuttgart</a> als Vorbild.<br />
Die gibt es dort seit dem Jahr 2000, aber sie steht keineswegs nur den Kindern von Hartz IV-Familien, sondern Haushalten mit einem Bruttoeinkommen von bis zu 60.000 Euro zu. Insgesamt profitieren von dieser Familiencard 63 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren, so dass jedenfalls das Risiko einer Stigmatisierung weitgehend vermieden wird.<br />
Andererseits hat man festgestellt, dass die 60 Euro (!) im Jahr vor allem f&#252;r den Besuch von Schwimmb&#228;dern aufgebraucht werden, w&#228;hrend etwa Musikschulen (mit 0,25 Prozent) oder Sportvereine (mit 8,4 Prozent) nur <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33144/1.html">ganz wenig genutzt werden</a>. Davon profitierten also vor allem die kommunalen B&#228;der und vielleicht noch der Zoo, „zielgenaue“ Bildungsf&#246;rderung m&#252;sste jedenfalls anders aussehen.</p>
<p><strong>Es ginge doch alles viel einfacher</strong></p>
<p>W&#228;re es da nicht viel einfacher, effizienter und zielgenauer, wenn man in den Kitas und in Ganztagsschulen ein warmes Mittagessen anb&#246;te (und, wenn es denn sein muss, pauschal bei den Eltern abrechnete, die es sich leisten k&#246;nnten)? W&#228;re es nicht viel treffgenauer, wenn an den Schulen (nachhelfender) F&#246;rderunterricht in den relevanten F&#228;chern f&#252;r schw&#228;chere Sch&#252;ler eingerichtet w&#252;rde (und, wenn es sein muss, die Lehrer Nachhilfeunterricht bei wem auch immer empfehlen, dessen Kosten Hartz-Familien beim Jobcenter abrechnen k&#246;nnten). K&#246;nnte man nicht f&#252;r Sportvereine „Anreize“ schaffen, solchen Kindern einen „Sportgutschein“ ausstellen, den sie bei den Vereinen einl&#246;sen k&#246;nnten. (Bei den privaten Arbeitsvermittlern geht das doch auch.)<br />
Allen Fachleuten vor Ort fielen noch viele M&#246;glichkeiten ein, wie man die Probleme praktisch angehen k&#246;nnte.<br />
Wo bleibt eigentlich in der christlich-liberalen Koalition das urliberale Denken, dass die individuellen Familien noch am besten Wissen, wie sie ihr Geld zielgenau einsetzen k&#246;nnen?<br />
Aber nein, stattdessen muss ein B&#252;rokratiemonster ins Leben gerufen werden, das &#228;hnlich wie bei Hartz endlose Debatten ausl&#246;st und unendliche politische und administrative Energien bindet, die nur davon ablenken, das grundlegende Problem anzugehen, n&#228;mlich Strukturen zu schaffen, die Armut m&#246;glichst vermeiden.</p>
<p><strong>Kann Sozialpolitik das Versagen der Bildungspolitik ausgleichen?</strong></p>
<p>Bemerkenswert ist die Ank&#252;ndigung von Frau von der Leyen, dass bed&#252;rftige Kinder und Jugendliche <a href="http://www.bmas.de/portal/47404/2010__08__18__neugestaltung__grundsicherung.html">„ab dem 1. Januar 2011 einen Rechtsanspruch auf individuelle Bildungsf&#246;rderung“</a> h&#228;tten. Im Umkehrschluss muss man fragen, gibt es diesen Rechtsanspruch auf individuelle Bildungsf&#246;rderung und zwar <strong>f&#252;r alle</strong> Kinder und Jugendlichen bisher eigentlich nicht? Ist es nicht  gerade die Aufgabe der Schulen Bildung auch und gerade individuell zu f&#246;rdern?<br />
Soll also k&#252;nftig die F&#246;rderung von Kindern „die nicht mitkommen“ (von der Leyen) generell &#252;ber private Nachhilfe abgedeckt werden?  Wird nun angesichts des Kooperationsverbotes im Bereich der Bildung zwischen Bund und L&#228;ndern, eine Bundeszust&#228;ndigkeit zur F&#246;rderung der Schulbildung statt &#252;ber das Bundesbildungsministerium durch das Sozialministerium durch die Hintert&#252;r eingef&#252;hrt? </p>
<p>Wenn die gro&#223;spurige Ank&#252;ndigung der Sozialministerin auf individuelle Bildungsf&#246;rderung ernst genommen w&#252;rde, warum werden dann nicht auf dem direkten Weg mehr Ganztagsschulen (mit Schulessen) eingef&#252;hrt? Ist die dramatische Zunahme von Nachhilfeunterricht nicht ein ernsthaftes Warnzeichen daf&#252;r, dass in den Schulen Einiges falsch l&#228;uft? Warum gibt es nicht mehr F&#246;rderunterricht f&#252;r Leistungsschwache (und Leistungsstarke) oder Hausaufgabenbetreuung? Warum gibt es nicht mehr Musik- und Sport oder gar Freizeitangebote an den Schulen durchaus in Kooperation mit Musikschulen, Sportvereinen oder anderen Jugendfreizeiteinrichtungen? Warum wird nicht die Stellenausstattung von Schulen – wie in der Schweiz – an sozialen Indizes orientiert? </p>
<p>Mit solchen „bildungspolitischen“ Ma&#223;nahmen w&#228;re <strong>allen</strong> Kindern und Jugendlichen geholfen, statt &#252;ber die „Sozialpolitik“ allgemeine Bildungsdefizite f&#252;r eine gesetzlich erfasste Gruppe von Transferempf&#228;ngern notd&#252;rftig und &#252;ber komplizierte Umwege – von denen niemand wei&#223;, ob sie begehbar sind oder begangen werden – zu kompensieren. </p>
<p><strong>Bildungspolitische Kapitulationserkl&#228;rung</strong></p>
<p>Hinter dem „Bildungspaket f&#252;r Kinder und Jugendliche“ verbirgt sich letztlich eine bildungspolitische Kapitulationserkl&#228;rung: N&#228;mlich das Eingest&#228;ndnis, dass diese Regierung den Rechtsanspruch auf individuelle Bildungsf&#246;rderung gegen&#252;ber den allgemeinen staatlichen Bildungseinrichtungen nicht mehr erf&#252;llt sieht und auf absehbare Zeit auch nicht erf&#252;llbar betrachtet. Statt &#252;ber allgemeine Steuereinnahmen das Bildungswesen von den Kitas bis zu den Hochschulen auf einen internationalen Standard zu bringen, versucht man nun soziale Byp&#228;sse zu legen, um den Patienten am Leben zu halten. Und das wird dann noch als <a href="http://www.bmas.de/portal/47370/2010__08__16__spiegel.html">„effizient eingesetztes Steuergeld“</a> verkauft. </p>
<p><strong>V&#246;llige &#220;berforderung der Jobcenter</strong></p>
<p>Von der Leyen hat wohl selbst erkannt, dass die „Bildungschipkarte“ allein nicht zum Erfolg f&#252;hren kann. Deshalb hat sie nun eine v&#246;llig neue Bildungsf&#246;rderungseinrichtung, jenseits der klassischen Bildungsinstitutionen erfunden: die Jobcenter.<br />
Einen <a href="http://www.bmas.de/portal/47406/property=pdf/2010__08__18__praesentation__bildungspaket.pdf">„Kulturwechsel“ [PDF - 2.3 MB]</a> im Jobcenter m&#252;sse es geben, sie sollen als neue Aufgabe, „die gezielte F&#246;rderung hilfsbed&#252;rftiger Kinder in den Bereichen Bildung und Teilhabe“ bekommen. So einfach, par ordre de mufti! </p>
<p>Es lohnt sich die schicke <a href="http://www.bmas.de/portal/47406/property=pdf/2010__08__18__praesentation__bildungspaket.pdf">Pr&#228;sentation des Bundessozialministeriums [PDF - 2.3 MB]</a> einmal anzusehen. Man erkennt sofort, da waren Beratungs-Profis am Werk. (Man m&#246;chte zu gerne wissen, ob es nicht McKinsey war.)  Wie einstmals bei der Pr&#228;sentation der Hartz-Reformen wird da &#252;ber „Funktions- und Servicestellen“, &#252;ber „B&#252;ndnisse vor Ort“, &#252;ber „Vernetzung“, &#252;ber „Basispakete“ und „Akteure“ fabuliert und schlie&#223;lich kommt zum „Fallmanager“ im Jobcenter nun noch der „Familienlotse“. So stellen sich die Betriebswirte in den Politikberaterfirmen Bildungsf&#246;rderung vor. </p>
<p>Haben die Hartz IV-Empf&#228;nger bisher nur mit ihren „Fallmanagern“ ihre bitteren Erfahrungen sammeln m&#252;ssen und sitzen noch immer ohne Job da (sonst m&#252;ssten sie sich ja nicht beim Jobcenter regelm&#228;&#223;ig einfinden), jetzt m&#252;ssen sie auch noch vom „Familienlotsen“ ihre Kinder steuern lassen. Der Sachbearbeiter der im Jobcenter mit dieser Lotsenfunktion betraut wird, muss ein wirklicher Tausendsassa sein: Er ist „Informationsdrehscheibe“, „Experte f&#252;r kinderspezifische Bildungsangebote vor Ort“, „Netzwerker zu den kommunalen Vereinen“ und dazu noch „Berater in Kinder-Belangen f&#252;r die anderen Mitarbeiter“ im Jobcenter. Ein Anforderungskatalog, dem nicht einmal der beste Leiter eines Jobcenters gewachsen w&#228;re. </p>
<p>Die lustigen Bildchen in der Pr&#228;sentation verharmlosen, welche zus&#228;tzliche B&#252;rokratie da aufgebaut werden soll. Wenn man sich