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Der Westen und der „Islamische Staat“ – verschiedene Schlussfolgerungen aus einem öffentlich gewordenen Pentagon-Papier

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Strategien der Meinungsmache, Terrorismus

Am 20. Mai 2015 konnten Sie bei uns lesen „Wie attraktiv ist der Westen? Was sollen junge Menschen in Deutschland und Europa gut daran finden?“. Ich hatte mich mit einem Beitrag von Frau Simon im „Zeit Magazin“ auseinandergesetzt. Dazu ist zunächst nachzutragen, dass „Die Zeit“ inzwischen einen Link auf den Artikel gesetzt hat. Wichtiger: wie andere auch hat sich die Autorin nicht mit der Frage auseinandergesetzt, wie es zum IS kam und welche Rolle der Westen dabei gespielt und welches Interesse der Westen und die Freunde am Golf am Entstehen des IS haben könnte. Dazu gab es in den letzten Tagen eine Reihe von Veröffentlichungen. In den Hinweisen der NachDenkSeiten von heute ist auf einen Artikel von Focus und von Hintergrund verlinkt worden. Diese Links bedürfen der Ergänzung. Albrecht Müller.

  1. Ein Artikel aus der „jungen Welt“ mit dem Titel „IS-Terror made in USA“. Auf diesen Artikel weise ich hin, obwohl ich nicht sicher bin, ob die geheimen Pentagon-Dokumente aus dem Jahr 2012 die Schlussfolgerung in der Überschrift des Artikels voll hergeben. Prüfen Sie selbst, hier ist
  2. Das Dokument. Vielleicht hätte die Überschrift der „jungen Welt“ lauten sollen: „IS – von den USA wohlwollend geduldet“.
    Zu beachten ist bei der leider etwas schwierigen Lektüre des Textes, dass in dem Papier, das kein Geheimpapier mehr ist, Stellen gelöscht sind. Man kann davon ausgehen, dass nicht harmlose Stellen gelöscht worden sind.
  3. Für Ihre Orientierung könnte auch von Interesse sein, was Jürgen Todenhöfer zum Vorgang schrieb. Auszug: „Liebe Freunde, laut US-Geheimdienst DIA wusste die Regierung Obama spätestens seit August 2012, dass Al Qaida (AQI, ISI, IS) und andere Extremisten den Aufstand in Syrien anführten. Dadurch sei “die Chance der Schaffung eines ‘Salafisten-Hoheits-Gebiets’ in Ost-Syrien” entstanden. Das sei genau das, was der Westen und seine Verbündeten am Golf ‘wollten’, um das syrische Regime vom schiitischen Irak und Iran abzuschneiden. “Der ISI könne dadurch zusammen mit anderen Terror-Organisationen im Irak und Syrien einen ‘islamischen Staat’ ausrufen.”
  4. Und zur Einordnung der gesamten Vorgänge ist von Interesse, was der sogenannte und tatsächliche Nahostexperte Michael Lüders dazu sagt, im konkreten Fall ein Interview mit dem Südwestfunk. Mithilfe von Lüders kann man die Vorgänge einschließlich der gravierenden Fehler des Westens im Nahen Osten besser einordnen.

Ein paar Schlussbetrachtungen zum Vorgang:

  • Die Entstehung des islamischen Staats passt in die Gesamtstrategie der USA und einiger westlicher Mitwirkender, dass Staaten und ihre Regierungen, die sich bisher nicht eingebettet haben in den Kreis der sogenannten westlichen Staatengemeinschaft und stattdessen sich eher als blockfrei betrachten, der Destabilisierung ausgesetzt werden. Das galt für Libyen, es galt für die frühere Ukraine bis zum Herbst 2013, es gilt für den Iran, es gilt möglicherweise auch für Mazedonien.
  • Am Beispiel des islamischen Staates und der Förderung bzw. wohlwollenden Duldung dieser kriminellen Organisation wird sichtbar, wie wenig im Westen die Zusammenhänge der Probleme betrachtet werden. Wir regen uns auf über die IS-Mörderbanden und die Zerstörung wichtiger Denkmäler der Menschheitsgeschichte im Nahen Osten, betrachten aber nicht den Zusammenhang zwischen unserer eigenen Politik und diesen Folgen. So wird zum Beispiel nicht gewürdigt, dass der Irakkrieg, der von den USA mutwillig vom Zaun gebrochen worden ist, zu ähnlich massiver Zerstörung von Menschen und von historischen Zeugnissen geführt hat.
  • Wir regen uns auf über das Leid der betroffenen Menschen und mit Sorge betrachten wir die Flüchtlingsströme. Aber den Konnex zwischen der Politik des Westens einerseits und den Folgen andererseits stellen wir nicht her. Ein NachDenkSeiten-Leser hat dies getan. Seinen Leserbrief an den Tagesspiegel fügen wir zum Abschluss hier an:

Nr. 71 Am besten kein Krieg
Der Tagesspiegel, 24. Mai 2015, S.16

Die Diskussion um Flüchtlinge nach Europa klammert bisher die Rolle der USA aus. Erstens: Die USA sind Hauptverantwortlicher und Akteur in vielen Kriegsländern, aus denen die Menschen kommen: Syrien, Irak, Libyen, Afghanistan. Deshalb muss die USA die Hauptlast zumindest dieser Kosten tragen. Besser noch, keine Kriege führen. Zweitens: Die USA geben jährlich 640 Milliarden Dollar für ihr Militär, die Nachrüstung, ihre Stützpunkte und ihre Kriege aus, die USA fordern auch von den europäischen NATO-Staaten höhere Militärausgaben, Russland sieht sich durch die USA-Bedrohung gezwungen, seine jährlichen Militärausgaben auf 80 Mrd. Dollar zu erhöhen. Wenn ein Prozent der Militärausgaben in der Welt in die armen Länder zur sinnvollen Schaffung von Arbeit dort fließen würde, bräuchten auch viele Menschen aus wirtschaftlichen Gründen z.B. Afrika nicht zu verlassen. Das sind doch die wesentlichen Antworten.
Dr. Volker Manhenke, Kleinmachnow

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