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3. Dezember 2016
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Greenpeace deckt Skeptiker auf, die auf Bestellung Zweifel an der Klimaforschung säen

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Klimawandel, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache

Unter dieser Überschrift berichtete der Guardian am vergangenen Dienstag von einer erfolgreichen Lockvogel-Aktion. Greenpeace war, getarnt als Berater von Firmen, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen, an Universitätsprofessoren herangetreten, die als Skeptiker in Sachen Klimawandel gelten, und hatte bei diesen erfolgreich bezahlte Studien in Auftrag gegeben, die in der Öffentlichkeit Zweifel an der Bedrohung durch den Klimawandel säen sollten. Die Wissenschaftler hatten die Aufträge nicht nur bereitwillig angenommen, sondern auf Nachfrage auch Wege aufgezeigt, deren Finanzierung zu verschleiern. Carsten Weikamp hat den Artikel für uns übersetzt und zusammengefasst.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Brisant ist die Veröffentlichung vor allem vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen des Pariser Klimagipfels und der seit einem Monat laufenden New Yorker Ermittlungen gegen ExxonMobile und Peabody Energy, die der Irreführung von Öffentlichkeit und Investoren hinsichtlich der Gefahren des Klimawandels beschuldigt werden.

Greenpeace hatte verdeckt insgesamt sieben renommierte Akademiker angefragt, von denen zwei auf die Angebote eingegangen seien.

In dem einen Fall hatte man sich als Berater eines Öl- und Gaslieferanten aus Nahost ausgegeben und den Physiker William Happer, Inhaber des Cyrus Fogg Brackett Lehrstuhls der Princeton Universität, beauftragt, einen Report anzufertigen, der im Gegensatz zur allgemeinen Lehrmeinung den Nutzen steigender Kohlenstoffemissionen und insbesondere „die negativen Aspekte des in Paris zu verhandelnden Klimaabkommens herausstellen“ sollte. Happer, einer der bekanntesten Klimaskeptiker und unter anderem früher energiepolitischer Berater des damaligen amerikanischen Präsidenten George H. W. Bush, nahm die Anfrage gerne an und bestätigte: „Die Pariser Klimakonferenz basiert auf der Voraussetzung, dass CO2 an sich ein Schadstoff ist. Das ist völlig falsch. Mehr CO2 würde der Welt nutzen.“ Er ließ sich dem von Greenpeace veröffentlichten Mailverkehr zufolge gar zu der Aussage hinreißen, die „Zurückschlagung des Klimaextremismus“ sei „eine Herzensangelegenheit“ für ihn; es gelte, die „hehren Ideale der Wissenschaft“ zu verteidigen, die so sehr unter dem ungerechtfertigten „Klimawandel-Kult“ litten. Zugleich räumte er aber ein, dass eine unter Wissenschaftlern übliche Expertenbegutachtung („Peer-Review“) der von ihm zu erstellenden Studie wohl ungünstig ausfallen würde, und schlug deshalb stattdessen eine reduzierte Überprüfung durch handverlesene Zweitgutachter vor, um das Ergebnis, das „vermutlich auch der Auftraggeber möchte“, nicht zu gefährden. Zur Rede gestellt, bestritt Happer die Sachlage nicht, war aber auch nicht bereit, weitergehende Fragen zu beantworten.

Im anderen Fall hatte sich Greenpeace getarnt als Wirtschaftsberater eines indonesischen Energieunternehmens an Frank Clemente, einen emeritierten Soziologieprofessor der Pennsylvania State University, mit der Bitte gewandt, einen Bericht zu verfassen, um Studien über die schädlichen Auswirkungen von Kohlekraftwerken, unter anderem viele vorzeitige Todesfälle, entgegenzutreten und dabei vor allem den Nutzen der Kohlekraft deutlich herauszustellen. Clemente hatte das Thema sofort als „in meinem Kompetenzbereich“ angenommen und, vom Guardian zur Rede gestellt, geantwortet, an „jede einzelne Aussage“ seiner Arbeit zu glauben, gar „stolz“ auf seine Forschungsergebnisse zur Sauberkeit der Kohlekraft zu sein. Er schreibe als „unabhängiger Wissenschaftler“, das verstehe man in den USA als „akademische Freiheit“. Gleichzeitig gab er zu, dass seine Forschungen und Studien nicht nur von Universitäten und Behörden, sondern auch von „vielen Industrien, die die menschliche Qualität des Lebens verbessern“ unterstützt worden seien. So ist wenig verwunderlich, dass z. B. Peabody Energy ihn regelmäßig zitiert, wenn es darum geht, in Entwicklungsländern für die Nutzung von Kohlekraft als geeignetem Mittel zur „Beseitigung der globalen Armut“ zu werben.

Greenpeace folgert, dass mit der Aktion nachgewiesen sei, wie die fossile-Brennstoff-Industrie ohne Wissen der Öffentlichkeit bezahlte Meinungen über den Klimawandel in die internationale Debatte einbringen und die Öffentlichkeit damit womöglich derart in die Irre führen könne, dass die Beschlussfassung der Anstrengungen massiv erschwert würde, welche erforderlich seien, um die gefährliche Erderwärmung zu verhindern.

Darüber hinaus zeigten die Erkenntnisse außerdem, wie bezahlte Informationen in die öffentliche Diskussion eingeschleust werden könnten, ohne dass die dahinterstehende Finanzierung offengelegt würde:

Beide Wissenschaftler hatten ungeniert Preise von 8.000 bzw. 15.000 US$ für ihre Arbeiten verlangt, Meinungskommentare in Zeitungen wären ab ca. 6.000 US$ zu haben gewesen. Auf Bitte der vermeintlichen Auftraggeber hatten die Wissenschaftler auch Wege genannt, wie die Finanzierung verschleiert werden könne. Happer, der Wert auf die Feststellung legt, jede persönliche Vergütung für seine Arbeit abgelehnt zu haben, riet, das Geld als Spende an die CO2 Coalition zu überweisen, eine Lobbygruppierung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, „Meinungs- und Politikmacher sowie die Öffentlichkeit aufzuklären über den wichtigen Beitrag von CO2 für unser Leben und die Wirtschaft“. Die CO2 Coalition wiederum hält für solche Zwecke eigens einen heimlichtuerischen Finanzierungskanal mit dem Namen „Donors Trust“ bereit.

Bedenklich stimmt, dass es nach US-Recht nicht untersagt ist, auf diese Weise die Finanzierung nicht öffentlich zu machen. Darauf weist auch Clemente explizit hin: „Es gibt in den USA keine Pflicht, die Quellen der Finanzierung offenzulegen. Meine Forschung und Schriften sind von Regierungsbehörden, Handelskammern, der Universität und privaten Firmen unterstützt worden und alles ist unter meinem Namen veröffentlicht in der Rubrik ‚unabhängiger Wissenschaftler‘ – und das bin ich ja.“

Lt. Naomi Oreskes, einer Wissenschaftshistorikerin der Harvard-Universität und Autorin von „Merchants of Doubt“ (dt.: „Die Machiavellis der Wissenschaft“), stehe das Geld für die Wissenschaftler ohnehin nicht im Vordergrund: „Ich war immer der Meinung, dass es für diese Gruppe von Menschen, Physiker der Ära des Kalten Kriegs, nicht um Geld geht. Das ist ideologisch motiviert“. Happer sei „genau der Typ Leute, von denen wir in ‚Merchants of Doubt‘ geschrieben haben“. Er „recycle“ seine längst entkräfteten Behauptungen nun schon seit 20 Jahren.

John Sauven, der Geschäftsführer von Greenpeace UK, fasst zusammen: „Wie viele wissenschaftliche Berichte, die in der Öffentlichkeit den Zweifel am Klimawandel geschürt haben, sind über die Jahre wohl von Öl-, Kohle- und Gasfirmen bezahlt worden? Diese Untersuchung zeigt, wie es funktioniert. Jetzt müssen wir herausfinden, wann und wo sie es getan haben.“

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