www.NachDenkSeiten.de - die kritische Website

Liebe Leserinnen und Leser,
einmal im Jahr bitten wir Sie um Unterstützung für die NachDenkSeiten - so auch heute wieder.
9. Dezember 2016
  • Blog abonnieren

    Beim Erscheinen eines neuen Artikels erhalten Sie eine Benachrichtigung per E-Mail.

  • Archive

Trump und der „dritte Weltkrieg“ … schöner manipulieren mit der FAZ

Veröffentlicht in: Aktuelles, Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Manipulation des Monats, Medienkritik

Die hohe Kunst der Manipulation besteht bekanntlich darin, seine manipulative Botschaft unterzubringen, ohne dabei etwas nachweislich Falsches zu behaupten. Gemessen an dieser Definition gehört die FAZ zu den ganz Großen des Fachs. Was denken Sie, wenn Sie einen flüchtigen Blick auf diese Überschrift, samt Anreißer und Bild werfen?

Mein erster Eindruck war, dass Donald Trump nun auch außenpolitisch auf die Positionen des „Mainstream“ einschwenkt und zum kalten Krieger mutiert ist. War dies auch Ihr erster Gedanke? Dass dem nicht so ist, erkennt man erst bei sehr genauer Lektüre des Textes und eines ellenlangen Interviews auf Englisch, das als Quelle dient. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Was steht eigentlich genau im besagten Artikel der FAZ? Versprochen wird im Anreißer, dass es im Artikel um Donald Trumps außenpolitische Vorstellungen geht. Darunter scheint dann auch ein „möglicher militärischer Konflikt mit Russland“ zu fallen; ein „dritter Weltkrieg“, wie es in der Überschrift heißt. Wer dies so liest, muss natürlich zu dem Eindruck kommen, ein möglicher militärischer Konflikt mit Russland samt drittem Weltkrieg sei eine außenpolitische Vorstellung von Trump. Klar, dank unserer Massenmedien wissen wir, dass Trump nicht alle Tassen im Schrank hat. Da passt diese Vorstellung wunderbar ins Bild.

Schauen wir uns doch mal die Quelle an, auf die die FAZ sich bezieht; ein Interview, das Trump der Washington Post gegeben hat. Dieses Interview ist sehr interessant. Man muss sicherlich nicht allem zustimmen, was Trump so sagt. Aber von den Äußerungen eines „komplett Irren“ sind seine Antworten doch weit entfernt. Vergleichen Sie diese Aussagen doch bitte auch einmal mit den außenpolitischen Vorstellungen der deutschen Lieblingskandidatin Hillary Clinton. Sie werden staunen. Das von der FAZ herausgesuchte Zitat lautet im Original:

Why is it that other countries that are in the vicinity of the Ukraine not dealing with — why are we always the one that’s leading, potentially the third world war, okay, with Russia? Why are we always the ones that are doing it?

Warum kümmern sich andere Länder, die in geographischer Nähe zur Ukraine liegen, nicht mit, warum sind wir es immer, die die Welt in einen möglichen Dritten Weltkrieg mit, ok, mit Russland, führen? Warum sind es immer wieder wir, die solche Dinge tun?

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Natürlich ist Trump kein Pazifist, der militärische Konflikte generell kritisiert. Ihm geht es im Interview vielmehr darum, dass die USA sich mehr und mehr aus der internationalen Sicherheitspolitik zurückziehen sollen. Die NATO sei zwar eine „gute Sache“, so Trump, aber warum sollten die USA die Politik der NATO vollstrecken und bezahlen?

Trumps Position lässt sich also am ehesten mit dem Begriff „Isolationismus“ bezeichnen – eine Position, die im Tea-Party-Lager übrigens sehr populär ist. Darüber könnte man nun seitenweise debattieren … Trumps Linie jedoch zwischen den Zeilen als interventionistisch und aggressiv gegenüber Russland darzustellen, ist komplett manipulativ, sagt er doch das exakte Gegenteil. Dass dies bei den Transatlantikern in der Redaktion der FAZ nicht gut ankommt, ist klar. Aber zumindest dafür kann man Trump nicht in Haftung nehmen. Es gäbe wahrlich genug Punkte, die man an ihm kritisieren könnte. Seine Haltung zu Russland und zur Sicherheitspolitik gehört eher nicht dazu.

Die FAZ ist übrigens nicht alleine mit ihrer „flotten“ Überschrift. Eine kleine und sicher nicht repräsentative Auswahl …


Quelle: T-Online


Quelle: OE24

nach oben

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Online spenden
Fördermitglied werden

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: