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Hoffnungslos! Selbst die Heute Show schaltet in den Feindmodus um und folgt damit Spiegel, ZDF-Frontal, der TAZ, der FAS, Monitor usw.

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

Wer gegen den Aufbau einer neuen feindseligen Konfrontation in Europa eintritt und deshalb andere Menschen aufzuklären versucht, musste am vergangenen Freitag beim Blick auf Oliver Welkes „Heute Show“ verzweifeln. In dieser Sendung waren die üblichen Sticheleien und Aggressionen gegen Russland und gegen Putin versammelt. Gibt’s in Deutschland noch ein Medium, das aufklärt und befriedet statt aufzuhetzen? Noch bedrückender: Auch Menschen, die man als kritisch und aufgeklärt schätzen gelernt hat, gehen der Propaganda auf den Leim. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Das beobachte ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Und von guten Freunden weiß ich, dass sie Ähnliches beobachten. Unter dem Trommelfeuer der Mehrheitsmedien und beeinflusst von den umschwenkenden Medien, die als kritisch und linksliberal gelten, schalten viele um auf den Feindmodus. Sie richten sich auf das Denken in Gut und Böse ein. In Freund und Feind. Und die Russen sind der Feind – wie zur Nazizeit und im Kalten Krieg der 1950er Jahre.

Wenn diese Tendenz einen immer größeren Anteil der eigentlich für Nachdenklichkeit prädestinierten Menschen erfasst, dann ist unsere Aufklärungsarbeit wirklich umsonst. Dennoch, da es um Frieden oder Krieg geht, muss man halt weitermachen.

Zur Heute Show

Statt eines eigenen Berichts zitiere ich einige treffende Facebook Einträge. Hier von der Seite „der Anstalt-Fanclub“:

„Ich hab mal ne Frage? Stehe ich eigentlich allein mit der Meinung da, dass die Heute Show immer mehr zum Meinungsverstärker der Mainstreammedien verkommt? Letzte Woche das Herangeschleime an Hillary Clinton und diese Woche das Russland Bashing, das auf einer stark aus dem Kontext gerissenen Berichterstattung von Frontal 21 basiert. Einfach nur noch eklig diese Sendung.“

„Dass 95% der Bürger nicht verstehen, was in Syrien, in der Ukraine und in Griechenland passiert, halte ich für keinen Zufall mehr!! und daran hat die HS gestern mitgewirkt!!“

Weitere treffende Kommentare finden Sie im Anhang.

ZU Frontal 21 am 4. Oktober 2016

Das ZDF hatte am 4. Oktober mit Frontal 21 mit einem hochmanipulativen Stück über das „geheime Netzwerk“ der Russen im Westen eine Grundlage für die Heute Show gelegt: „Putins geheimes Netzwerk. Wie Russland den Westen spaltet.

Da wurden unbekannte Personen durch wiederholte Auftritte zu Experten hochstilisiert. Immer wieder neue Netze des angeblich geheimen Netzwerkes Putins schwirrten durchs Bild. Personen und Experten mit einer anderen Sicht der Dinge verschwanden hinter der Penetranz der festgelegten Meinungsmache.

Auch zu diesem „Werk“ des ZDF sind immerhin eine Reihe von kritischen Kommentaren erschienen.

Ein Beispiel:

„Da braucht es keinen Putin, damit der Westen sich spaltet. Das macht der Westen mit seiner menschenverachtenden Politik schon ganz alleine. Wieder mal nur billigste russophobe Propaganda. Hitler und Goebbels würden vor Neid erblassen.“

Der Spiegel kommt in dieser Woche mit diesem Titelblatt:

„Der Weltmachtkampf“ lautet die Hauptschlagzeile. Im kleiner gedruckten Vorspann wird behauptet, der „Brandherd Syrien“ sei „Putins Werk“ und dann wird „Obamas Beitrag“ erwähnt – eben nur ein „Beitrag“.

Wir haben schon mehrmals darauf hingewiesen, dass das eine eindeutige Geschichtsfälschung ist, und dass hier die von den NachDenkSeiten schon mehrmals skizzierte Manipulationsmethode angewandt wird, die Geschichte erst ab dem Zeitpunkt zu erzählen, der einem gerade in den Kram der Propaganda passt. (Siehe dazu hier am 15. Dezember 2015 Eine interessante Methode der Manipulation (6): Verkürzung der Geschichten und bei vielen anderen Gelegenheiten – zu suchen mit „verkürzt“ in der Suchfunktion der NachDenkSeiten)

Zur besseren Information zum Ablauf der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien verweise ich auf folgende Beiträge in den NachDenkSeiten:

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit der Hauptbotschaft: Putins Russland ist expansiv

Die FAS durfte am Wochenende nicht fehlen. Auf Seite drei seitenfüllend ein Beitrag von Markus Wehner mit dem Titel „Aleppo ist nur eine Etappe auf Putins Weg“. Und der Unterzeile: „Moskau kehrt mit Macht in den Nahen Osten zurück. Kann Amerika dabei nur noch zuschauen?“

Auf den Beitrag weise ich hin, weil darin ein Teil der Strategie der westlichen Propagandisten zum Wiederaufbau des Feindbildes enthalten ist: Russland UND Putin wird unterstellt, sie wollten expandieren. „Moskau kehrt in den Nahen Osten zurück“, so wird behauptet. Im Text findet sich kein ernsthafter Beleg für diese Behauptung. Die Qualität der Behauptungen wird an folgendem Satz sichtbar: „Die Beziehungen zu Israel hat der Kreml deutlich verbessert, auf Kosten der Vereinigten Staaten.“

Wenn man die Realität der engen Verflechtung zwischen Israel und den USA kennt, dann kann man angesichts der Behauptungen der FAS nur noch feststellen, dass beim Aufbau des neuen Feindbildes Russland/Putin offenbar jedes Mittel recht ist.

Für die zu Anfang diagnostizierte Verschiebung des Denkens von ehedem kritischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hin zum Aufbau des Feindbildes dürften die FAZ/FAS und andere einschlägige konservative Medien nicht so verantwortlich sein wie jene Medien und Personen, die als kritisch, linksliberal oder gar links gelten. Das gilt für die Frankfurter Rundschau, für die TAZ und auch für Monitor. Über die Entwicklung dort hatte ich schon Anfang September und im August Einschlägiges geschrieben. Siehe hier:

Monitor und Monitorchef Restle

9. September 2016: Sind der Westen und Russland in gleicher Weise schuld an der neuen Konfrontation und an einem möglichen Krieg in Europa? Ein Nachtrag zu Restle von Monitor.

Bezeichnend für die ziemlich hoffnungslose Entwicklung ist auch die mangelnde Resonanz der neuen Friedensbewegung und die Aggression gegen sie.

In Berlin waren am vergangenen Samstag maximal 10.000 Menschen zusammengekommen. Das ist beachtlich, aber im Vergleich zur Friedensbewegung in den achtziger Jahren eben ausgesprochen mangelhaft. Das soll bitte nicht als Kritik an den Veranstaltern verstanden werden. Die mangelnde Bereitschaft ist schließlich auch mit der Ablehnung dieser Bewegung durch unsere Hauptmedien und vor allem auch durch die ehedem linksliberalen Medien begründet. Es passt ins Bild, dass über die Demonstration in Berlin vom 8. Oktober in den deutschen Medien kaum berichtet wurde. Außerdem: Die Diffamierung mit dem Hinweis auf angebliche Querfronten funktioniert. Und über die Demonstration wurde kaum berichtet. Die Feindschaften sind hier auch im Inneren zu spüren, also zwischen Medienschaffenden und den Menschen, die auf eine solche Demonstration gehen.

Der Aufbau des neuen Feindbildes Putin/Russland gründet auf alten, von den Nazis und davor schon gepflegten und teilweise rassistischen Vorurteilen

Es ist ja partout nicht selbstverständlich, dass ein Volk gegen ein anderes in Stellung gebracht wird. Im konkreten Fall funktioniert das bei uns auch deshalb, weil es schon zur Nazizeit und davor eine Aggression gegen die Slawen, jedenfalls gegen Russland gab. Die Nazis haben diese Vorurteile genutzt. Die Union aus CDU und CSU haben die gleichen Vorurteile nach 1945 weiterbenutzt und jetzt wird offenbar nach einer Phase der Befriedung neu darauf zurückgegriffen. Anders ist schwer zu erklären, warum die Verdächtigungen, Feindseligkeiten und Sticheleien ein so vergleichsweise breites Echo finden und vor allem auch bei gut ausgebildeten und wohl situierten Bundesbürgern Anklang finden.

Die gesellschaftlichen und politischen Gegenkräfte sind verschwunden.

Dazu eine persönliche Erfahrung: Als ich mich zusammen mit anderen als Schüler und Student in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts für den Versuch engagierte, mit der Sowjetunion und dem Ostblock auszuloten, ob Deutschland nicht besser ohne militärische Aufrüstung und Blockbindung auskommt, ähnlich wie Österreich, da konnten wir uns auf den späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann berufen. Und auf Erhard Eppler und auf den Theologen Gollwitzer und auf den Juristen Dieter Posser und viele weitere imposante Persönlichkeiten.

Und als wir dann in den sechziger Jahren nach dem Mauerbau dafür warben, mit einer offensiven Entspannungs- und Vertragspolitik die Konfrontation zwischen West und Ost abzubauen, da fanden wir Rückhalt in der SPD und in der FDP, in der Evangelischen und in der Katholischen Kirche.

Und als dann gegen die Nachrüstung protestiert werden musste, war die neue Grüne Partei ein wichtiger Motor des Protestes.

In Auseinandersetzung mit der Jungen Union und dem RCDS, dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten, waren wir nie alleine. Selbst einige profilierte Medien waren auf unserer Seite: Der Stern, Der Spiegel, Panorama, Monitor. Und viele Wissenschaftler, Professoren, Schauspieler, Fernsehstars.

Wo sind sie heute? Zusammengeschrumpft auf unsere großartigen Kabarettisten. Diese gibt es glücklicherweise noch. Aber ziemlich einsam.

Da ist es kein Wunder, dass das kritische Bürgertum und selbst die gewerkschaftlichen Multiplikatoren zerbröseln. Hoffnungslos!

Anhang:
Facebook Kommentare – Auszüge aus der Facebook Seite „die Anstalt-Fanclub“ (Die Kommentare zur Heute Show sind kurz nach der Sendung am 7. Oktober oder 8. Oktober geschrieben worden):

„Ich liebe die heuteshow, aber seit einiger Zeit habe ich auch das Gefühl, dass es nicht mehr so ist, wie es mal war. Und dieses Rußland Bashing ist mir ganz besonders aufgefallen, so wie mir die Sendung die anstelle von frontal 21 kam auch nicht gefallen hat.“

„Ich finde es bizarr, wenn Herr Welke Russland Propaganda vorwirft (macht der Westen etwa keine?), und auch Lügen, und dann selber lügt, indem er behauptet, „Putin will die Ostukraine“. NEIN, Herr Welke, will er nicht. Sämtliche Statements Moskau (erst neulich wieder) zielen darauf ab, daß der Donbass Bestandteil der Ukraine bleiben soll.“

„Ich schliesse mich dem Post an, die heute show hat stark nachgelassen und extra3 war auch mal besser. haben sich alle auf polemik verlegt und vergessen dass sie differenzieren müssen.
sehr einseitig, sehr durchschaubar, aber wahrscheinlich direktive von oben.
ist eh verwunderlich dass die jungs von der anstalt bis dato so kritisch sein durften.
und vom pispers hat auch keiner mehr was gehört…“

„Meine Vermutung bestätigt sich, dass die HeuteShow ähnlich wie die Pseudosatire mit Dieter Nuhr, lediglich dazu dient, die Aussagen der echten politischen Satire (Anstalt) zu entschärfen und der breiten, schenkelklopfenden Masse den Eindruck zu vermitteln, sie schauten sich etwas kontroverses, kritisches, investigatives und mutiges an. Aber als amüsanter Einstieg in den Samstagmorgen via Tablet im Bettchen um 7 Uhr ist das Format gut geeignet“

„Ich habe die anderen Kommentare nicht angeschaut, ich schaue die show von gestern gerade und finde den Russlandteil auch widerlich. Die Nato hat diesen Krieg begonnen und hat mit der Unterstützung der „gemäßigten“ Rebellen der Öffentlichkeit über Jahre etwas vorgemacht (vgl. zum Beispiel Todenhöfer-Videos). Und natürlich ist es von beiden Strellvertreterseiten auch ein Krieg an der „Heimatfront“ vgl. 500 Millionen vom Pentagon für gefakte IS-Videos. Aber dass sich Oliver Welke damit so gemein macht, finde ich schlimm. Hätte er ein Gespür für Bildungsauftrag und aufrichtigen Journalismus, würde das unterm Strich neutraler wirken – eher so wie bei John Oliver etwa, der eben auch inhaltlich viel mehr aufklärt. Auch das stupide Verarschen der Pegidaidioten geht mir zunehmend auf die Nerven – der Show fehlt es einfach an richtiger Auseinandersetzung bzw. inhaltlichem Input für den Zuschauer.“

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