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23. November 2017
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Die Rede „Quo vadis Europa – gute Nachbarschaft mit Russland oder Konfrontation und Kriegsgefahr?“

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Aufbau Gegenöffentlichkeit, Friedenspolitik, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen

Meine Heidelberger Rede vom 9. November gibt es jetzt als Video und Vortragsdownload (ohne Diskussion). Veranstalter war das Heidelberger Friedensbündnis. Es kamen überraschend viele interessierte Menschen. Und es gab eine heftige Diskussion. Bitte leiten Sie den Link weiter, wenn Sie die Rede für aufklärend halten. Hier noch ein kurzer Überblick über den Inhalt. Albrecht Müller.


(Alternativ finden Sie das Video auch auf YouTube oder auch als Audio-Podcast)

Zu Beginn der Rede ging ich kurz auf die Präsidentenwahl in den USA und auf das manchmal seltsame Echo bei uns ein. Weil es direkt zum Thema der Rede gehört, gebe ich hier wieder, was der Berliner Tagesspiegel am 9. November um die Mittagszeit veröffentlicht hatte:

„Putin gratuliert Trump: Hoffen auf bessere Beziehungen“ lautete die Überschrift und dann ging es weiter:

„Während Rechtspopulisten aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland Donald Trumps Sieg feiern, sprechen andere deutsche Politiker von einem „Albtraum“.“

Dann kam eine Abbildung, ein Graffiti, das Putin und Trump bei einem innigen Kuss zeigte.

Bildunterzeile im Berliner Tagesspiegel:

„Putin und Trump beim innigen Kuss. Das Graffiti des litauischen Künstlers Mindaugas Bonanu in Vilnius.“

Das ist ja nicht nur geschmacklos. Es ist auch ein herrlicher Beleg dafür, wie verhetzt viele Medien sind. Ohne Freund-Feind-Schema kommen sie nicht aus. Und deshalb nähren sie jetzt Versionen über das Verhältnis des neuen Präsidenten der USA zum Präsidenten Russlands, deren Wahrheitsgehalt und Haltbarkeit ausgesprochen schwach und unsicher ist.

Es wäre schön, wenn sich die beiden Präsidenten wirklich gut verstünden. Daran glaube ich aber nicht. Mehr will ich, weil ich nicht spekulieren will, jetzt zur US -Präsidenten-Wahl nicht sagen. Ich wende mich unserem Thema zu …

Soviel zur Einführung in Heidelberg. Ich zeichnete dann in kurzen Strichen die Entwicklung vom „Nie wieder Krieg“ über den Kalten Krieg bis zum Mauerbau. Und dann den Beginn und die Umsetzung der sogenannten Entspannungspolitik, der Friedenspolitik Willy Brandts und seiner Kolleginnen und Kollegen.

Das Ende der Blockkonfrontation war die Krönung dieser langfristig angelegten sicherheitspolitischen Strategie. 1989 waren wir beseelt und erfüllt von der Vorstellung, jetzt sei Abrüstung möglich, jetzt sei die Konfrontation zu Ende und wir könnten in Europa in Frieden leben. Dass Russland zu diesem Europa gehört, war selbstverständlich.

Aber wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht – die Wirtsleute waren der amerikanische Präsident Clinton, die Ideologen der Konfrontation, die Rüstungswirtschaft und die Verfechter einer neuen imperialen Strategie der USA und der NATO.

Wir, die Freunde einer dauerhaften Verständigung zwischen West und Ost waren viel zu gutgläubig und wir sind auf ganzer Linie betrogen worden.

Ich skizzierte dann zwei von mehreren Gründen dafür, dass die Kriegsgefahr wahrlich nicht von der Hand zu weisen ist.

Und dann wandte ich mich der Frage zu: Wohin soll Europa, wohin sollen wir in dieser Situation gehen.

Was wäre der Weg, den Deutschland mit Europa im Verhältnis zu den USA und zu Russland gehen könnte und müsste – den eines Vasallen oder unabhängig von den USA und eigenständig? Der Austritt aus der NATO oder ihre Auflösung wäre dann, wie 1989 angedacht und beschlossen, konsequent.

Eines ist klar, wer diesen Weg des Friedens und der Verständigung formulieren will, weisen will und beschreiben will, wird sich auf die herrschenden Kräfte und die Medien nicht verlassen können. Es bedarf dazu der Mobilisierung von hunderttausenden von Menschen – wie von Corbyn und Sanders immerhin schon einmal geschafft, und wie von Willy Brandt im Jahre 1972 zur Durchsetzung der Entspannungspolitik ausprobiert. Mit Erfolg. Das lässt ein bisschen hoffen.

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