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Befreien aus den Fängen der USA! Geht das überhaupt? Überleben wir das?

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Aufrüstung, Terrorismus

Am 28.10.2014 hatte ich in diesem Beitrag – Einige interessante Dokumente zum Kolonie-Status Deutschlands und Europas – von „Kolonie“ gesprochen.


(Die Rheinpfalz, Aufmacher vom 11.4.2017)

Das löste bei einem Leser, der sich später als antideutscher Agitator im Netz zu erkennen gab, Kopfschütteln aus. Auch den früheren Mitherausgeber der NachDenkSeiten Dr. Lieb störte die freimütige Kritik am Umgang der USA mit uns und dem Rest der Welt. Es geht hier um ein zentrales politisches Problem. Eigentlich müsste die Frage nach der Abhängigkeit von den USA neben der Agenda 2010 und ihren Folgen das Hauptthema für unsere Entscheidung bei der kommenden Bundestagswahl sein. Und wir müssen freimütig, sachlich und offen darüber diskutieren. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Verantwortlichen in den USA haben in den letzten Tagen wieder einmal Klarheit über ihre Rolle in der Welt und über unsere Rolle geschaffen. Das zeigt beispielsweise die Schlagzeile des Aufmachers in der „Rheinpfalz“: „USA pochen auf Rolle als Ordnungsmacht“. Durch Trumps Wahl hat sich da nichts geändert, jedenfalls nicht zum Positiven. Der Präsident und seine Regierung pochen auf die Rolle des Weltpolizisten und sie maßen sich an, militärisch zu intervenieren, wo und wie sie wollen. Wir sollen dabei mitwirken, sollen Militär und Soldaten stellen, und mehr rüsten als bisher. Die USA und die NATO wollen unser Land als Nachschubbasis, als Ausgangsbasis für Drohnenangriffe und anderer militärischer Angriffe nutzen. Übrigens: in der letzten Nacht war über meinem Wohnort wie schon beim Golfkrieg 1990 unentwegt das dumpfe Brummen schwerer Militärflugzeuge zu hören. Über uns hinweg geht es von Ramstein und anderen Militärbasen aus in den Nahen Osten.

Im Ernstfall werden wir in Europa, und insbesondere Deutschland, zum Gefechtsfeld militärischer Auseinandersetzungen mit Russland. Wir haben die Rolle des Vasallen. Wichtige Politikerinnen und Politiker, Journalistinnen und Journalisten haben sich auf dieses Rollenspiel eingestellt.

Im Gespräch mit Willy Wimmer haben wir über diese bedrohliche Situation gesprochen. Wir waren uns einig, dass wir uns aus dieser Art von Partnerschaft mit den USA lösen müssen. Ein Leser der NachDenkSeiten hat nach Betrachtung des Videos eine kritische Mail geschickt, die ich wegen ihrer einschlägigen Kritik zitieren möchte:

„… mit großem Interesse habe ich Ihr Interview mit Willy Wimmer gesehen. 

Ich frage mich jedoch, woher Sie die Hoffnung nehmen, dass uns die USA ziehen lassen. 

Schon im kalten Krieg war es ausgemachte Sache zwischen den USA und der SU, dass Mitteleuropa und insbesondere die BRD das Schlachtfeld des dritten Weltkriegs wäre. 

Sollte Russland seine Meinung geändert haben, ich weiß es nicht, die Amerikaner bestimmt nicht.

Jedweder Versuch die „Liebesbeziehung“ zu den USA ernsthaft zu hinterfragen oder gar abzustellen, würde rasch zu syrischen Verhältnissen führen. 

Ähnlich wie die vergangene DDR werden wir noch an der Seite des Imperators stehen, auch wenn alle Anderen schon weg sind. …“

Auch ich habe keine große Hoffnung, dass uns die USA freiwillig „ziehen lassen“. Zwei wichtige Fragen sollten wir jedoch stellen und öffentlich debattieren:

  1. Akzeptieren wir auch für die Zukunft, dass die USA die Rolle des Weltpolizisten spielen und wir uns in dieses Rollenspiel einfügen?
  2. Wenn wir das nicht wollen, haben wir dann die rechtliche und die faktische Möglichkeit zum Ausstieg?

Es ist ohne Frage legitim und aus der Sicht mancher Zeitgenossen attraktiv und vernünftig, sich für die Rolle des untergeordneten Verbündeten zu entscheiden. Offenbar sehen das viele amtierende Politikerinnen und Politiker in Deutschland so und die den sogenannten Atlantikern zuzurechnenden Wissenschaftler und Journalistinnen und Journalisten sowieso. In der letzten Sendung von Anne Will wurde demonstriert und belegt, dass diese Position von Teilen unserer Medien, Wissenschaft und Politik vertreten wird, genau müsste man sagen: gelebt wird.

Was diese Leute nicht bedenken: die Rolle des Weltpolizisten stößt bei anderen Völkern auf Widerstand. Der Widerstand macht sich in den USA und verstärkt bei den Verbündeten in Europa als Terrorismus bemerkbar. Dass dies so ist, wird unter den Teppich gekehrt. Terroristische Anschläge werden als Zeichen religiöser Verblendung oder anderer ähnlicher krimineller Hintergründe dargestellt. Diese verzerrende Darstellung ändert aber nichts an den Fakten: Die Kriege des Westens, die imperialen Machenschaften der USA, Großbritanniens und anderer Länder des Westens produzieren sogenannte Terroristen.

Es wird auch nicht bedacht, dass wir wirtschaftlich unter der Politik des Weltpolizisten zu leiden haben. Zum Beispiel, wenn eine beabsichtigte und schon faktisch begonnene Zusammenarbeit wie mit Russland infrage gestellt wird und Sanktionen erlassen werden, und wir diesen folgen bzw. sie zu unserer eigenen Sache machen.

Der von den USA heute erhobene Anspruch kollidiert mit dem Geist der Vereinten Nationen. Das sollte eigentlich eine Vereinigung von gleichberechtigten Nationen sein. Diese Grundidee wird vom Postulat der USA wie auch von ihrer faktischen Politik beiseitegeschoben, geopfert, mit Füßen getreten.

Der Anspruch der USA, die einzige Ordnungsmacht zu sein, also zum Beispiel darüber zu entscheiden, wer in anderen Ländern regiert und welche Art von Politik diese Länder betreiben, führt zwangsläufig zum Konflikt mit anderen Ländern, die sich als Großmächte fühlen oder dieses anstreben, jedenfalls nicht akzeptieren, dass die USA die Rolle der Ordnungsmacht auch in ihrem Bereich spielen wollen. Hier schwelt ein Konflikt, der im Ernstfall für uns in Europa tödlich enden kann.

Aus diesen vielerlei Gründen haben wir ein großes Interesse daran, uns aus der Vormundschaft der USA zu lösen und deren Anspruch, die einzige Ordnungsmacht zu sein, infrage zu stellen oder jedenfalls zu unterlaufen.

Wie dies praktisch geschehen kann und welche sachlichen und rechtlichen Barrieren bestehen, würden wir auf den NachDenkSeiten gerne erläutern und diskutieren. Dazu brauchen wir fachlichen Rat von Experten aus diesem Bereich. Wir nehmen auch gerne von NachDenkSeiten-Leserinnen und -Lesern Hinweise auf gut begründete Expertisen oder sachverständige Autoren entgegen.

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