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Leser-Mails zum gestrigen Beitrag über die neue Debatte zur Rente und die Rolle unserer Fernsehanstalten

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Leserbriefe, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Medienkritik, Rente

ARD, ZDF etc. versagen in der neu aufgebrochenen Rentendebatte erneut – mit Polemik gegen die Gesetzliche Rente, mit dem Rückgriff auf den unseriösen Raffelhüschen als Sachverständigen usw. hatte ich geschrieben. Es kamen eine Reihe von E-Mails an. Die darin enthaltenen Hinweise führen zu manchen heiteren Einlassungen, zum Beispiel zu einschlägigen Auftritten von Volker Pispers; aber nicht nur, auch zu weiteren Informationen. Willy Wimmer stellt in seiner Mail den Vorgang in einen größeren Rahmen. Albrecht Müller

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

  1. Willy Wimmer

    Lieber Herr Müller,

    Sie schreiben verdienstvoll gegen die Nebelkerzen bei der Rentendebatte an. Bald wird es keinen mehr geben, der sich mit den Erbsünden in unserer gesellschaftspolitischen Entwicklung auskennt oder darüber schreiben will.

    Die Eckpunkte sind präzise zu beschreiben und ich erinnere mich gut an die Lage in den neunziger Jahren: das deutsche Konzept der „Sozialen Marktwirtschaft“ mußte beseitigt werden, weil es dem amerikanischen Modell des „shareholder value“ im Wege stand. Das „Siegermodell“ mußte seinen weltweiten Zug antreten.

    Bei uns wurde schon ab Mitte der neunziger Jahre gezielt Norbert Blüm abgemeiert. Nach der Schröder-Regierungsübernahme hat man zugelassen, daß Oskar Lafontaine zum Schießscheiben-Onkel der britisch-amerikanischen Kampfpresse werden konnte. In Deutschland gab es keine Verteidigungslinie mehr für die „Soziale Marktwirtschaft“.

    Schröder machte die Agenda 2010 und Merkel die „marktgerechte Demokratie“. Seither werden wir gesellschaftspolitisch ausgeplündert und Sie können sich mal mit den Folgen der Privatisierungen beschäftigen.

    Ich bin nicht der Ansicht, daß man einfach dort weitermachen könnte, wo uns shareholder value seinerzeit erwischt hatte. Auch die soziale Marktwirtschaft hätte sich den Herausforderungen stellen müssen. Konzepte gab es aber nicht und waren nicht gewollt, bis hin in die Gewerkschaften und Kirchen.

    Der einzige, der derzeit – und durchaus mehrheitsfähig in seinem Land – konzeptionell für europäische Staaten denkt, ist der Brite Corbyn. Die gesetzliche Rente wird geschreddert und anderes auch.

    Beste Grüße
    Ihr Willy Wimmer

  2. G.G.: Claus Kleber präsentiert den Oberlobbyisten

    Herr Müller,

    halten Sie sich fest oder schnallen sich an, bevor Sie auf den link klicken! 

    Kleber rechtfertigt sich: 

    Anmerkung Albrecht Müller:

    Claus Kleber rechtfertigt die Auswahl des Interviewpartners Raffelhüschen damit, dass dessen Tätigkeit für Versicherungsunternehmen durchaus bekannt gewesen sei, dies aber seine Glaubwürdigkeit nicht berühre.

    Herr Kleber hat etwas Wichtiges nicht wahrgenommen oder will es nicht wahrnehmen: dass nämlich Professor Raffelhüschen systematisch an der Schwächung der Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente gearbeitet hat und dass er sich dessen sogar gerühmt hat. Das ist in dem von der ARD 2008 ausgestrahlten Film „Rentenangst“ eindeutig belegt. Dietrich Krauss hat in dem Twitter-Beitrag (siehe oben) darauf hingewiesen.

    Die Privatversicherer brauchten und brauchen als Verkaufsargument die Schwäche der Gesetzlichen Rente. Deshalb wurde die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente von 53 % in Richtung 40 % abgesenkt, und genau dessen rühmt sich Raffelhüschen in der erwähnten Dokumentation. Das wusste Claus Kleber nicht oder er verdrängt es, weil es nicht in das Konzept passte.

    In der folgenden Leser-Mail wird auf ähnliche Vorgänge in der Schweiz aufmerksam gemacht. Auch dort spielt Professor Raffelhüschen eine unrühmliche Rolle.

  3. Dieter Gabriel

    betrifft: Re: ARD, ZDF etc. versagen in der neu aufgebrochenen Rentendebatte erneut

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    sehr interessanter Beitrag, vor allem interessant die Äusserungen von Konrad Adenauer und Norbert Blüm.

    Interessant ist auch der Beitrag im Bundestag von Dr. Gysi.

    Unterhaltsam wird das erklärt von Volker Pispers und hier.

    Zum Vergleich:

    In Holland

    Betriebliche Altersversorgung

    Mit der betrieblichen Altersversorgung können erwerbstätige Arbeitnehmer zusammen mit der Grundrente eine Versorgung von insgesamt 70 Prozent des zuletzt bezogenen Verdienstes aufbauen, wenn sie 60 Jahre alt sind. Bei der betrieblichen Altersversorgung hat der Staat in den vergangenen Jahren regulierend eingegriffen. So kam der Staat mit den Tarifparteien überein, die Arbeitnehmer auch über 60 Jahren im Arbeitsprozess zu halten. Sie können dann eine Rente von 100 Prozent des letzten Verdienstes aufbauen. Durch die Vorruhestandsregelung (VUT) hören viele Niederländer jedoch mit 60 Jahren auf zu arbeiten.“

    Focus

    Was Professor Miegel nicht sagte !
    1850 musste ein Bauer 2 Leute ernähren.
    1950 musste er schon 16 Leute ernähren.
    Aktuell muss ein Bauer etwa 40 Personen ernähren, also sind wir in Kürze sowieso verhungert !

    Grüße
    Dieter Gabriel

    Nachtrag von Dieter Gabriel zu einer auffallend ähnlichen Debatte in der Schweiz:

    (…)

    „Nacheinander veröffentlichten seit Februar Bankiervereinigung, Swisscanto (Zürcher Kantonalbank), Credit Suisse und jüngst die UBS ihre interessenorientierten «Studien» zu den Altersrenten.
    Ihr Tenor schürt generelle Verunsicherung: «Ihre Rente ist nicht mehr sicher». «Die Jungen zahlen zu viel – die Alten leben auf Kosten der jungen Generation.» Sie verfolgen damit eine Verunsicherungsstrategie im eigenen Interesse.
    Die jüngste Studie hat die UBS verbreitet. Erstellt haben sie der deutsche Professor Bernd Raffelhüschen, (…)“

    Quelle

    Grüsse
    Dieter Gabriel

    P.S.: Notwendige Korrektur

    „kurzerklärt – Wie sicher ist die Rente?“ wurde nicht am 24.6.2017 gesendet, sondern im November 2016. Das war aber schon erkennbar, wenn man die Sendung aufgerufen hat. Auch deshalb ist die falsche Datierung vielleicht verzeihlich.

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