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Statt in der Tradition der Entspannungspolitik mit Russland zusammenzuarbeiten, werden Feindbilder neu aufgebaut.

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Medien und Medienanalyse, Strategien der Meinungsmache

Zu diesem Thema bin ich von Tilo Gräser für Sputniknews interviewt worden. Hier ist der Link auf das Audio wie auch auf eine gekürzte Textfassung. Ich glaube sagen zu können, dass es in vieler Hinsicht ein interessantes Interview geworden ist. Es passt auch gut zu heute in deutschen Zeitungen wiedergegebenen Fotos. Hier eines von der Frontseite der FAZ.

Überall Feindbild-Aufbau. Das ist das Gegenteil dessen, was wir brauchen und es ist sehr gefährlich, weil das Ende der Eskalation nicht kalkulierbar ist. Albrecht Müller.

Im Interview äußere ich mich unter anderem

  • zur ausgefeilten Strategie der früheren Ostpolitik: Wandel durch Annäherung
  • zur heute sichtbaren Gefahr, gerade in Russland durch Konfrontation einen negativen Wandel auszulösen; die Manöver an der russischen und weißrussischen Westgrenze sind genauso ein Teil davon wie die Verlagerung von gepanzerten Fahrzeugen an die Westgrenze Russlands, und
  • die Ausdehnung der NATO an die russische Grenze,
  • zur Konformität der meisten einflussreichen Medien, zum Einfluss von NATO und USA auf die Medien und ihrer Mitwirkung am neuen Feindbild-Aufbau,

  • zu den großen Chancen einer Zusammenarbeit in Europa, einschließlich Russlands, das zu Europa gehört,
  • zur Rücksicht auf die Gefühle von Völkern an der Grenze zu Russland, also von Balten, Polen usw.,
  • zum Umgang mit russischen Medien bei uns, den ich für grotesk halte.

Zu dieser Frage, also zur Frage, ob man als deutscher Staatsbürger und Politiker sich von russischen Medien interviewen lassen darf, möchte ich noch ein paar Anmerkungen anschließen. Im Interview taucht schon ein Beispiel auf, wie selbstverständlich wir in der Phase der Entspannungspolitik mit Vertretern Russlands bzw. damals der Sowjetunion und mit russischen Medien umgegangen sind. Das tun wir auch mit US-amerikanischen Medien und auch mit deutschen Medien, die erkennbar NATO Interessen vertreten.

Der New York Times zum Beispiel geben viele Politiker Interviews. Sie tun das aus gutem Grund, um die Leserinnen und Leser dieser Blätter in den USA zu erreichen. Ich würde es tun, obwohl ich weiß, dass dieses Blatt bisher jeden Krieg des Westens – von Afghanistan über den Irak und Syrien bis nach Libyen – gerechtfertigt hat.

Jedenfalls sind RT deutsch oder Sputnik aus der Sicht eines friedenspolitisch interessierten und engagierten Menschen harmloser als die Hauptmedien der USA, als Washington Post und New York Times zum Beispiel. Also warum dann diese Feindseligkeit, von der auch im Interview mit Tilo Gräser die Rede ist? Meine Antwort: die veröffentlichte Meinung in Deutschland ist bei entscheidenden Fragen fremdbestimmt. Der neu aufgebaute West-Ost-Konflikt ist eine solche wesentliche Frage. Der in Syrien, im Irak und in Libyen betriebene Regime Change mit militärischen Interventionen, mit Millionen von Toten und Vertriebenen und mit der Zerstörung bedeutender Kulturen wird offensichtlich als eine solche wesentliche Frage betrachtet. Dann werden auch unter deutschen Politikern und deutschen Medienmachern die Worte Freiheit, Liberalität und Toleranz zu Fremdworten. Denn wenn man diese Tugenden ernst nähme, dann dürfte auch die Nutzung russischer Medien kein Igittigitt-Thema sein.

Das waren ein paar ergänzende Bemerkungen. Ich mache noch einmal auf Textfassung und Audiofassung des Interviews aufmerksam.

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