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Leser Mails zu Personalwerbung der Bundeswehr mit dem Einsatz in Mali

Veröffentlicht in: Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Leserbriefe, Militäreinsätze/Kriege, PR

Am 24. Oktober 2017 hatten wir diesen Artikel „Personalwerbung der Bundeswehr mit dem Einsatz in Mali – ein typisches Beispiel für die Manipulationsmethode: B sagen und A meinen.“ veröffentlicht. Daraufhin kamen einige weiterführende Leserbriefe. Wir beginnen mit einem, der vor allem darauf hinweist, wie stark die ARD mit Dokumentationen in die Werbung für Auslandseinsätze eingestiegen ist. Dann noch ein Beitrag eines Soldaten und eines anderen Lesers der NachDenkSeiten mit mehreren einschlägigen Liedtexten. Albrecht Müller.

Zum Artikel folgende Ergänzung von Carsten Weikamp:

Die Beobachtung, dass die Personalwerbung ein „B sagen, um A zu transportieren“ ist, stimmt.

Es scheint sich um ein Lieblingsprinzip der von-der-Leyen-Berater zu handeln. Auch direkt nach der Bundestagswahl lief im Schatten der Diskussionen über die Wahlergebnisse schon ein ähnlich gestricktes Stück in der ARD unter dem Titel „Stresstest für die Bundeswehr„.

In dem Zusammenhang ist auch der damals im Anschluss gezeigte, etwas differenziertere Film „Killer-Roboter – Dürfen Maschinen töten?“ zu sehen.

Auch hier wird in erster Linie über das „Wie“ diskutiert, der Sinn kriegerischer Auseinandersetzungen, grundsätzlich oder in konkreten Fällen, wird nicht wirklich in Frage gestellt.

Interessant auch die „Programmierung“: Nicht zu einer Zeit, wo alle vor dem Fernseher sitzen und gespannt auf genau dieses Thema warten, sondern als „kleine Botschaft en passant“, während man gedanklich noch an anderen Dingen hängt.

Herzliche Grüße,
Carsten Weikamp


Sehr geehrter Herr Müller,

bezüglich ihres Artikels vom 24.10.17 möchte ich einige Anmerkungen machen, die mir als dienender Soldat doch wichtig in diesem Zusammenhang erscheinen.

Es ist zutreffend, dass die Bundeswehr diese sehr teure Kampagne unter der Rubrik Personalwerbung laufen lässt. Ob damit aber tatsächlich (auch) das Ziel verfolgt wird, den Auslandseinsatz als etwas normales darzustellen, vermag ich so nicht zu beurteilen. Zunächst wäre da der Punkt, dass die BW tatsächlich mehr Personal braucht. Die Zahl der aktiven Soldaten hat sich auch nach der ersten Werbekampagne „Rekruten“ nicht signifikant erhöht. Aus den Medien konnte ich lediglich entnehmen, dass während dieser Zeit mehr zivile Informationsanfragen über den Arbeitgeber Bundeswehr gestellt wurden. Wie viele Mehrbewerbungen und daraus resultierende Einstellungen es seitdem gab, ist meines Wissens nicht bekannt.

Damals wurde aber zu Recht die Kritik laut, dass das dort dargestellte Bild, nicht vollständig, gar irreführend sein kann. Von daher ist die Dokumentation des Malieinsatzes durchaus ein logischer Schritt. Ob die BW aber tatsächlich den Realitätsalltag in voller Gänze/Härte darstellt, bleibt abzuwarten.

Nun zur Frage, ob der Auslandseinsatz als etwas normales dargestellt werden soll. Gegenfrage – ist dies denn noch notwendig? Machen Sie doch in ihrem Umfeld mal den Test: „An wie vielen Auslandseinsätzen, unabhängig von der Personenstärke, ist die Bundeswehr Stand Oktober 2017, beteiligt? Es sind 15. Und die Information ist leicht zugänglich. Aber es wird medial nicht berichtet, geschweige denn großflächig debattiert.

Ich finde daher, dass durch diese Werbekampagne eher die Chance erhöht wird, dass die deutsche Bevölkerung sich doch an der ein oder anderen Stelle bewusst wird, dass die Bundeswehr im Auslandseinsatz ist. Dass dadurch wieder mehr diskutiert werden könnte, ob das sinnvoll oder gar legitim ist. Ist so ein Einsatz zum Beispiel vereinbar mit dem Völkerrecht? Beim Maileinsatz, zumindest dem Missionsteil, der in den Videos dargestellt wird, lautet die Antwort übrigens ja, denn, und das wird leider sehr häufig unterschlagen, es handelt sich hier um einen Einsatz der vereinten Nationen.

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass ich generell solche Werbekampagnen sehr problematisch finde. Es fehlt den meist sehr jungen Bewerbern doch häufig ein gewisser Weitblick, um absehen zu können, was es bedeutet, als Soldat seinen Land zu dienen. Und das nicht nur für ein Jahr, sondern für sehr viele Jahre. Es fehlt dem ein oder anderen auch ein gewisses Maß an politischer Bildung – aber dies ist nur mein persönlicher Eindruck und definitiv nicht als repräsentative Aussage zu werten. Ich erachte es aber für gut, wenn durch die mediale Fokussierung die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Problematik „Auslandseinsatz“ gelenkt wird. Im Idealfall diskutieren ein paar mehr Menschen darüber, vielleicht einmal so viele, dass auch Politiker mehr öffentliche Debatten darüber führen und ihre Entscheidungen öffentlich darlegen und rechtfertigen müssen.

Es wäre aus meiner Perspektive zumindest wünschenswert.

Mit freundlichen Grüßen, M.F.


Schönen guten Abend Herr Müller,

mit Ihrem interessanten Beitrag „Personalwerbung der Bundeswehr mit dem Einsatz in Mali – ein typisches Beispiel für die Manipulationsmethode: B sagen und A meinen“ von heute sprechen Sie einen sehr interessanten Punkt an. Ähnliches habe ich auch schon vermutet, konnte es aber nicht so gut verdeutlichen wie Sie in diesem kurzen Beitrag getan haben.

Ich denke, dass dort mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollten. Personalrekrutierung wird schon auch eine Rolle gespielt haben, aber natürlich ist es schlussendlich nicht nur Personalmarketing, sondern auch Werbung generell für die Bundeswehr und ganz sicher auch für die zunehmenden Auslandseinsätze in diversen „Friedensmissionen“.

Und in der Tat, in dem da eine Vertrautheit durch dieses Filmprojekt erzeugt wird, soll auch die Hemmschwelle für die Akzeptanz von Auslandseinsätzen und zusätzlichen Rüstungsausgaben gesenkt werden.

Vielen Dank auch für das Zitieren des großartigen Gedichts von Tucholsky. Als musikbegeisterter Mensch kann ich auch einige musikalische Stücke beitragen (nur eine kleine Auswahl), die dem „anzuwerbenden Personal“ ebenfalls empfohlen werden können… 

Reinhard Mey – Nein, meine Söhne geb ich nicht

Ich denk‘, ich schreib‘ euch besser schon beizeiten
Und sag‘ euch heute schon endgültig ab.
Ihr braucht nicht lange Listen auszubreiten,
Um zu sehen, daß ich auch zwei Söhne hab‘.
Ich lieb‘ die beiden, das will ich euch sagen,
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht,
Und die, die werden keine Waffen tragen,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich habe sie die Achtung vor dem Leben,
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert,
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und wo immer es ging, lieben gelehrt.
Nun werdet ihr sie nicht mit Haß verderben,
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind‘s wert, dafür zu töten und zu sterben,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ganz sicher nicht für euch hat ihre Mutter
Sie unter Schmerzen auf die Welt gebracht.
Nicht für euch und nicht als Kanonenfutter.
Nicht für euch hab‘ ich manche Fiebernacht
Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden,
Und kühlt‘ ein kleines glühendes Gesicht,
Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Sie werden nicht in Reih‘ und Glied marschieren
Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt,
Auf einem gottverlass‘nen Feld erfrieren,
Während ihr euch in weiche Kissen setzt.
Die Kinder schützen vor allen Gefahren
Ist doch meine verdammte Vaterpflicht,
Und das heißt auch, sie vor euch zu bewahren!
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Ich werde sie den Ungehorsam lehren,
Den Widerstand und die Unbeugsamkeit,
Gegen jeden Befehl aufzubegehren
Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit.
Ich werd‘ sie lehr‘n, den eig‘nen Weg zu gehen,
Vor keinem Popanz, keinem Weltgericht,
Vor keinem als sich selber g‘radzustehen,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

Und eher werde ich mit ihnen fliehen,
Als daß ihr sie zu euren Knechten macht,
Eher mit ihnen in die Fremde ziehen,
In Armut und wie Diebe in der Nacht.
Wir haben nur dies eine kurze Leben,
Ich schwör‘s und sag‘s euch g‘rade ins Gesicht,
Sie werden es für euren Wahn nicht geben,
Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht!

 

Phil Ochs – One More Parade

Hup,two,three,four,marching down the street
Rolling of the drums and the trampin‘ of the feet
General salutes and mothers wave and weep
Here comes the big parade
Don’t be afraid, Price is paid
One more parade
 
So young, so strong, so ready for the war
So willing to go and die upon a foreign shore
All march together everybody looks the same
So there’s no one you can blame
Don’t be ashamed, Light the flame
One more parade
 
Listen for the sound and listen for the noise
Listen for the thunder of the marching boys
A few years ago their guns were only toys
Here comes the big parade
Don’t be afraid, Price is paid
One more parade
 
So young, so strong, so ready for the war
So willing to go and die upon a foreign shore
All march together, everybody looks the same
So there’s no one you can blame
Don’t be ashamed, light the flame
One more parade
 
Medals on their coats and guns in their hands
Trained to kill as they’re trained to stand
10,000 ears need only one command
Here comes the big parade
Don’t be afraid, Price is paid
One more parade
 
So young, so strong, so ready for the war
So willing to go and die upon a foreign shore
All march together, everybody looks the same
So there’s no one you can blame
Don’t be ashamed, Light the flame
One more parade
 
Cold hard stares on faces so proud
Kisses from the girls and cheers from the crowd
And the widows from the last war cry into their shrouds
Here comes the big parade
Don’t be afraid, price is paid
Don’t be ashamed, war’s a game
World in flames
So start the parade

 
Rise Against – Hero of War

He said „Son, have you seen the world?
Well, what would you say if I said that you could?
Just carry this gun and you’ll even get paid.“
I said „That sounds pretty good.“
Black leather boots, Spit-shined so bright
They cut off my hair but it looked alright
We marched and we sang, We all became friends
As we learned how to fight
A hero of war, Yeah that’s what I’ll be
And when I come home They’ll be damn proud of me
I’ll carry this flag To the grave if I must
‚Cause it’s a flag that I love And a flag that I trust

I kicked in the door, I yelled my commands
The children, they cried, But I got my man
We took him away, A bag over his face
From his family and his friends
They took off his clothes, They pissed in his hands
I told them to stop, But then I joined in
We beat him with guns And batons not just once
But again and again
A hero of war, Yeah that’s what I’ll be
And when I come home, They’ll be damn proud of me
I’ll carry this flag, To the grave if I must
‚Cause it’s a flag that I love, And a flag that I trust
 
She walked through bullets and haze
I asked her to stop, I begged her to stay
But she pressed on, So I lifted my gun, And I fired away
And the shells jumped through the smoke, And into the sand
That the blood now had soaked
She collapsed with a flag in her hand – A flag white as snow
A hero of war, Is that what they see
Just medals and scars So damn proud of me
And I brought home that flag Now it gathers dust
But it’s a flag that I love It’s the only flag I trust
He said, „Son, have you seen the world?
Well what would you say, if I said that you could?“

 
Anti-Flag – Die For Your Government

you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
(all together)
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
there’s a golf war vet.,
dying a slow, cold death,
and the government says, „we don’t know, the source of his sickness“
but you can’t believe what they say,
because your government is lying,
they’ve done it before,
and don’t you know, they’ll do it again,
a secret test, government built virus,
„Subject Test Group: Gulf Battle Field Troups“
 
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.

first world war veterans slaughtered, by General Eisenhower
you give em‘ your life,
they give you, a stab in the back
adiation, agent orange, tested on u.s. soles,
ginnie pigs, for westurn corporations
i never have, i never will,
pledge alligence to the flag
You’re getting used, you’ll end up dead
 
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
i don’t need you to tell me what to do!
and i don’t need you to tell me what to say… FUCK YOU!
i don’t need you to tell me what to say!
and i don’t need you to tell me what to think,
what to think, what to think, what to think,
what to think think think think
die, gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.
you gotta die, gotta die, gotta die for your government,
die for your country, that’s shit.

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