Vorwort

Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie viele Dinge anders sehen
Die www.NachDenkSeiten.de sind ein faszinierendes Projekt. Das ist nicht nur die Meinung der Herausgeber, es ist vor allem die Meinung Tausender unserer engagierten Leserinnen und Leser. Ihre freundlichen Mails an uns schließen häufig mit einem „Weiter so!”. Weiter so, mit dem Versuch, eine Gegenöffentlichkeit zum herrschenden großen Strom der „neoliberal” geprägten Meinungen aufzubauen. Das ist das Ziel der NachDenkSeiten. Das ist auch die Absicht dieses kritischen Jahrbuches.
Die Idee, eine Internetzeitung in gedruckter Buchform herauszubringen, ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Aber wir haben uns dem Wunsch unserer NachDenkSeiten-Freunde gerne gebeugt. Also haben wir die unendlich vielen Texte unserer NachDenkSeiten durchgesehen und präsentieren Ihnen hiermit eine knappe Auswahl. Wir haben vor allem solche Texte und Themen ausgewählt, die auch heute und in den nächsten Jahren aktuell und brisant sein werden. Werfen Sie einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis. Leider werden uns alle dort aufgegriffenen und nicht gelösten Probleme auch noch bis ins Wahljahr 2009 und darüber hinaus verfolgen.
Noch eine Anmerkung zum erwähnten Widerspruch. Er lässt sich leicht auflösen: „Website” gut und schön, aber ein Buch in Händen zu halten und es durchblättern zu können, ist immer noch unschlagbar, so oder so ähnlich schrieben unsere Leserinnen und Leser. Da ist einiges dran. Außerdem kann man ein gedrucktes Werk weitergeben und verschenken. Daran sind viele unserer Nutzerinnen und Nutzer und wir selbst interessiert. Wir haben ein Anliegen: Wir wollen mit diesem ehrenamtlichen Projekt NachDenkSeiten möglichst viele Menschen erreichen. Im Netz und über das Buch.
Das kritische Jahrbuch 2007 bietet einen Überblick über die öffentliche Debatte in 20 Sachbereichen. Beim Lesen dieses Buches erhalten Sie so zugleich einen Überblick über die wichtigsten Streitpunkte der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, dann sehen Sie das, was sie täglich lesen und hören, mit anderen Augen. Und Sie verstehen vieles, was Ihnen heute oft unbegreiflich vorkommt. Sie werden skeptischer und kritischer denken. Sie werden freier denken. Wir versprechen Ihnen: Uns geht es dabei nicht um eine neue Indoktrination. Uns geht es nur darum, dass sich möglichst viele unserer Mitmenschen aus der Vorherrschaft eines eindimensionalen „neoliberalen” Denkens befreien können.
Wir halten dieses Denken in seinen gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkung nicht nur für ungerecht gegenüber den Schwächeren und weniger Vermögenden, wir halten diese Ideologie, die einen Systemwechsel anstrebt, auch nicht nur für einen Verstoß gegen das Sozialstaatsprinzip unseres Grundgesetzes, nein, das herrschende neoliberale Konzept, erfüllt nicht einmal seine eigenen Versprechen, es ist nämlich nicht einmal effizient. Weil es unfähig ist zur Differenzierung. Weil es mit seiner egoistischen Grundhaltung – „jeder ist seines Glückes Schmied” – uns Menschen in unserer Vielschichtigkeit aus Eigeninteresse einerseits und der Bereitschaft zur solidarischen Zuwendung andererseits nicht in Ansätzen zu erfassen vermag. Wir sind eben nicht nur der „homo oeconomicus”, der nur an die Mehrung seines Eigennutzes denkt. Wir haben Werte und wir haben einen Verstand, der sich nicht nur auf die „invisible hand” des blinden Marktes verlassen will und braucht.
Viele Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten bestätigen in Briefen und E-Mails unseren Eindruck, sie sähen nach der Lektüre unserer Website den täglichen Politik- und Medienbetrieb anders. Das freut uns. Weil wir überzeugt sind davon, dass es höchste Zeit ist, unser Land und unsere bisher einigermaßen vernünftige, weil von seiner Anlage her demokratische und soziale Gesellschaft aus den Zwängen der weltweit vorangetriebenen wirtschaftsliberalen Ideologie zu befreien.
An den Reaktionen vieler unserer Leserinnen und Leser lassen sich grob aufgeteilt zwei interessante Gruppen ausmachen: Die einen schreiben uns, sie hätten schon angefangen, an sich selbst zu zweifeln, sie hätten allmählich geglaubt, sie seien absonderliche Exoten, weil sie nicht mehr nachvollziehen können, welch ein Unsinn ständig um sie herum erzählt wird. Jetzt, nach Lektüre der NachDenkSeiten wüssten sie, dass sie nicht alleine sind. Und das sei gut so.
Die anderen schreiben uns, sie hätten schon begonnen, dem zu glauben, was täglich an immer gleichgerichteten Botschaften auf sie einströmt. Nach der Lektüre der NachDenkSeiten hätten sie gemerkt, dass vieles nicht stimmt. Sie sähen die Welt jetzt anders, mit kritischeren Augen jedenfalls. Den NachDenkSeiten sei Dank.
Wenn Sie dieses Buch oder auch nur Teile davon gelesen haben, dann werden Sie sich zum Beispiel darüber wundern,
- wie weit wir die Hoheit über unsre Schul- und Hochschulpolitik schon an den Pforten der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh abgeliefert haben,
- und wie nahe wir damit – wie mit vielem anderem – schon am Ende einer demokratischen Kultur angelangt sind.
Sie werden nach Lektüre unseres Jahrbuches deutlicher erkennen,
- dass man die zur Zeit betriebene Privatisierung von Stadtwerken, Schulen und anderen Einrichtungen der Daseinsvorsorge und auch der Deutschen Bahn nur verstehen kann, wenn man danach fragt, wer daran verdient,
- dass auch die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente nicht etwa durch den demographischen Wandel ruiniert wird, sondern weil Milliarden daran verdient werden und Politik, Medien und Wissenschaft ihre Hand zu diesem zerstörerischen Deal gereicht haben,
- dass die von manchen Managern stolz als Erfolg verkündeten extremen Kapitalrenditen nur auf dem Weg der Plünderung von übernommenen Unternehmen und von seit Generationen aufgebautem Gemeineigentum und nicht durch Wertschöpfung erreicht werden können. Sie werden mit Belegen erfahren, welche hochmögenden Manager, ehemaligen und noch aktiven Politiker und wie auch Medien beim Ausverkauf von privaten und öffentlichen Unternehmen die Hand aufhalten.
Sie werden weiter entdecken,
- dass die Forderung nach dem „schlanken Staat” oder das Ziel, die „Lohnnebenkosten zu senken”, nicht sachlichen ökonomischen Erwägungen entspringen, sondern den Zweck verfolgen, solidarische und erfolgreich funktionierende Lösungen unseres Zusammenlebens immer mehr zu ruinieren,
- und dass wir nicht zuallererst unter der Globalisierung, sondern unter der Unfähigkeit unserer Führungseliten leiden, eine handwerklich gute und undogmatische Wirtschaftspolitik zu betreiben.
Die meisten unserer Leser werden, wenn sie bereit sind, sich mit einer anderen Sicht der Dinge zu beschäftigen, die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen. Dieser „Aha,-so-ist-das-Effekt” ist wichtig für Sie und für unser Ziel, gemeinsam mit Ihnen und vielen Anderen eine Gegenöffentlichkeit zum herrschenden Meinungs-Mainstream aufzubauen. Wer nämlich einmal gemerkt hat, wie wir alle täglich an der Nase herumgeführt werden, und wer diese Irreführung durch die Mehrheitsmeinungsführer immer wieder an Hand von Fakten und rationalen Argumenten prüfen kann, der wird ziemlich schnell immun gegen ständige Manipulation und Indoktrination von oben.
Diese Beobachtung signalisiert eine große Chance: Beim Aufbau einer Gegenöffentlichkeit erreichen wir mit wenigen Nachdenk-Impulsen den gleichen Effekt wie die großen Matadore der neoliberalen Indoktrination. Wichtig ist es, die Interessengebundenheit und damit die angeblich „objektiv notwendigen” oder „alternativlosen” (so Gerhard Schröder) Rezepte der vorherrschenden Ideologie in Frage zu stellen. Daran arbeiten wir mit den NachDenkSeiten seit nunmehr vier Jahren. Wir haben einen Schwerpunkt bei der Analyse von Methoden der Meinungsbeeinflussung und Manipulationen gesetzt. Weil es wichtig ist, die Glaubwürdigkeit der herrschenden Lehre und ihrer Protagonisten zu erschüttern.
Daran arbeiten wir durchaus mit Erfolg. Keineswegs allein, sondern zusammen mit anderen Blogs, mit politisch Aktiven und mit Unterstützung von sehr vielen Mitmenschen, denen es wie uns nicht egal ist, was wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen.
Es geht uns bei der Herausgabe dieses kritischen Jahrbuchs auch darum, die NachDenkSeiten bei Menschen bekannt zu machen, denen das Internet bisher noch fremd ist. Vielleicht können wir Sie ermuntern, die Website künftig auch elektronisch aufzurufen.
Damit Sie einen gewissen Eindruck von der Internetseite bekommen, stellen wir am Ende des Buches den Aufbau unseres kritischen Internetportals vor. Dort finden Sie auch Informationen zum „Warum” der NachDenkSeiten, zum Förderverein und zur Finanzierung dieses nichtkommerziellen, gemeinnützigen Projektes, zu den einzelnen Rubriken und zu jenen Menschen, denen das Projekt sein Blühen verdankt.
Die NachDenkSeiten werden von einem als gemeinnützig anerkannten Verein unterstützt – von der „Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung e.V.” (IQM). Wenn Sie unsere ehrenamtliche Arbeit fördern wollen, sind Sie herzlich eingeladen, dies mit Spenden oder einer Fördermitgliedschaft zu tun. Es mangelt nicht an guten Ideen dafür, den Aufbau einer Gegenöffentlichkeit voranzutreiben. Es mangelt leider an Mitteln. Da der Förderverein als gemeinnützig anerkannt ist, können Sie Ihre Spende steuerlich geltend machen.
Abschließend noch ein paar technische Hinweise: Wir haben im vorliegenden Buch ausgewählte Texte der Druckfassung der NachDenkSeiten übernommen. Um das Buch noch lesbar zu halten, haben wir die vielen Links als Quellen nicht zitiert. An den Passagen, die unterstrichen sind, finden Sie, wenn Sie den entsprechenden Beitrag im Netz aufsuchen, entsprechende Links zu den Quellen.
Dazu haben wir am Ende jedes Beitrags die Adresse angegeben, auf der Sie diesen Beitrag im Internet finden.
Die Beiträge aus dem Netz sind in der Regel original übernommen. Wir haben aber auch manche Beiträge kürzen müssen und da und dort stilistisch überarbeitet. Bei manchen Beiträgen sind nur die Überschrift und eine Inhaltsangabe des Beitrags in diesem Buch abgedruckt. Wenn Sie mehr interessiert, dann können Sie sich über die angegebene Internetadresse den vollständigen Beitrag im Netz aufrufen.
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre, jedenfalls Anstöße zum Nachdenken und zum Gespräch mit anderen. Wenn Ihnen das Buch und unser Projekt gefällt, dann sagen Sie es weiter.
Wolfgang Lieb
Albrecht Müller
Download: Vorwort als PDF [92 KB]
Spendenkonto der gemeinnützigen „Initiative zur Verbesserung der Qualität politischer Meinungsbildung e.V.” (IQM):
Kontoinhaber: IQM e.V. NachDenkSeiten BZA
Kontonummer: 1214705
BLZ: 548 913 00
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