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Titel: Bei Raffelhüschen, Sinn, Münkler und ähnlichen PR-Professoren sollte die Möglichkeit bestehen, Professorentitel und –gehalt zu entziehen

Datum: 3. Juli 2014 um 8:59 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, PR
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Es ist nicht leicht, zwischen Professoren, die ihre Forschungs- und Lehrtätigkeit gewissenhaft und unabhängig betreiben, und anderen, die vor allem für einzelne Interessen arbeiten oder sich bedingungslos einer Ideologie unterwerfen, zu unterscheiden. Aber es gibt klare Fälle. Die genannten Drei gehören dazu. Sie sind zu aller erst Lobbyisten von Einzelinteressen und verdienen dort wie zum Beispiel Raffelhüschen Geld. In solchen Fällen sollte es möglich sein, den Professorentitel und die Bezahlung zu entziehen und die Pension der geleisteten Arbeit anzupassen, also zu verringern. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Ich weiß, dass es schwierig ist, aber so wie es jetzt läuft, ist es nicht akzeptabel. Da stimmt etwas nicht im System.

Raffelhüschen – ein klarer Fall

Er war und ist in vielfältiger Weise für die Finanzwirtschaft, vor allem für die Versicherungswirtschaft, tätig und hat nach eigenem Zeugnis wesentlich daran mitgewirkt, die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente so zu verringern, dass sich Produkte der privaten Vorsorge leichter verkaufen lassen. Im Film Rentenangst wird hart belegt, dass er dies im Interesse der Versicherungswirtschaft betrieben hat. Siehe hier [PDF – 139 KB] und hier. Spätestens in Kenntnis der in diesem Film enthaltenen Einlassungen des Professors gegenüber Versicherungsvertretern einerseits und im Interview mit den beiden Machern des Films Ingo Blank und Dietrich Kraus andererseits hätte die Universität Freiburg das Dienstverhältnis beenden müssen. Unter den herrschenden Umständen kann sie es nicht. Deshalb besteht Regelungsbedarf.

Hans-Werner Sinn betreibt seit Jahren Lobbyarbeit gegen Menschen, die von ihrem Lohn leben müssen.

Um den Druck auf die Löhne anzuheizen, verbreitet er seit langem Horrormeldungen über unsere Volkswirtschaft. Das ist alleine noch kein Grund, einen Professor zu entlassen. Aber Professor Sinn hat erkennbar geschwindelt und wissenschaftlich unhaltbar falsch analysiert. In seinem Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ hat er 2003 – „belegt“ mit einer Abbildung – behauptet, Deutschland sei von den Weltmärkten verdrängt worden und die USA hätten ihre Wettbewerbsfähigkeit ausgebaut. Der Professor hatte Exporte und Importe verwechselt und musste die Abbildung austauschen. (Siehe dazu Seiten 248 bis 251 in „Machtwahn“)

Seine Behauptung, Deutschland sei eine „Basarökonomie“, war von vornherein falsch; eine Erfindung, die dazu dienen sollte, Arbeitnehmer und Gewerkschaften kirre zu machen.

Das sind nur zwei von vielen massiven Missgriffen des Professors. Seine Stärke gründet nicht in der wissenschaftlichen Tätigkeit, sondern in der Vernetzung mit wichtigen und populären Medien, vor allem mit der Bild-Zeitung.

Prof. Herfried Münkler ist ein ähnlich gelagerter Fall

Typisch für seine PR-Arbeit ist ein Interview mit Spiegel online vom 2. Juli: ‚Politologe Münkler zum Gauck-Streit – “Ach, die Stechschrittpazifisten von der Linken”‘. Hier unterstützt der Professor die Forderung des Bundespräsidenten nach mehr Auslandseinsätzen der Bundeswehr – nach „Normalität“. Wir sollten „ein Land wie jedes andere sein“, so Münkler. Er stelölt keine Frage nach dem Sinn der vielen Kriege. – Münkler liefert die notwendigen Stichworte gegen die Linken („Stechschrittpazifisten“) und argumentiert auf einem ausgesprochen dürftigen Niveau. Beispiel: „Bei Gaucks Forderung geht es um zwei Dinge. Erstens: Deutschland kann sich bei Krisen nicht mehr so stark raushalten. Die USA konzentrieren sich zunehmend auf den pazifischen Raum. Das bedeutet mehr Verantwortung für Deutschland.“ – Da ist schon die Ausgangsannahme falsch, und die Schlussfolgerung folgt einem oberflächlichen Denkschema.

Ein NachDenkSeiten-Leser ergänzt seinen Hinweis auf das Münkler-Interview mit seiner Wertung: „Anbei ein Interview mit dem Politik-Professor Herfried Münkler, das mal wieder den zutiefst opportunistischen Sozialcharakter des Bildungsbürgertums zeigt“.

Verdienen solche Opportunisten und Handlanger großer Interessen z.B. der Versicherungs- und der Rüstungswirtschaft das Privileg des Professors auf Lebenszeit? Wen schützt ein solches Privileg heute? Die wirklich guten Wissenschaftler, die unabhängigen?


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