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Titel: Leser-Mails zum Bericht und Kommentar zum Duell Merkel vs. Schulz

Datum: 4. September 2017 um 16:47 Uhr
Rubrik: Leserbriefe, Strategien der Meinungsmache, Wahlen
Verantwortlich:

Es sind eine Reihe von Leser-Mails Zum Duell Merkel vs. Schulz: Wer das nicht gesehen hat, hat nichts versäumt. eingegangen. Sie könnten für die NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser interessant sein. Deshalb sind sie unten wiedergegeben. In einigen Mails wird darauf hingewiesen, dass man sehr viel mehr zu diesem Duell hätte schreiben können. Das stimmt. Es wird moniert, dass die Umstände des Zustandekommens des Duells – eine Art Erpressung – nicht erwähnt worden sind. Das kann man so sehen. Ich habe in der Tat einiges weggelassen. Vor diesem Zwang steht man immer bei der Besprechung einer über 90-minütigen Fernsehsendung. Albrecht Müller.

Es wird auch beklagt, dass ich nicht auf die nach der Sendung veröffentlichten Umfragen eingegangen bin. Das bedaure ich. In der Tat ist das Verfahren, mit einem ausgesprochen fragwürdigen Instrument Umfragen zu machen und diese dann zu veröffentlichen, ausgesprochen fragwürdig. Die Methoden sind problematisch, die Fallzahl ist meist problematisch und der damit verbundene Versuch der weiteren Prägung der Meinungsbildung auch.

Hier die Leserinnen- und Lesermails:

Sehr geehrter Herr Müller,

ich teile Ihre Meinung über das TV Duell, was keins war – 90,-Min.ohne brauchbares für die noch unentschlossenen Wähler, was die Nichtwähler Zahl sicher weiter ansteigen lässt!

Die besonders schwerwiegenden Innenpolitischen Themen, wie Rente, weitere Prekarisierungen, Sicherheit, Löhne etc. sowie die „unsäglich hochgehaltene Agenda 2010“ wurden scheinbar bewusst nicht angesprochen bzw.  erst gar nicht gefragt.

Ps. das Beispiel Portugal: Vom Sorgenkind zum Wunderkind sollte dringend plakatiert werden.

Mir schwant gar nichts Gutes

LG wowo


Zum Fernsehduell:

Liebe Nachdenkseiten, lieber Albrecht Müller,

ich teile die Kritik an dem gestrigen sogenannten „Duell“, das ja auch in vielen Äußerungen als „Duett“ bezeichnet wurde.

Den Nachdenkseiten hätte es aber gut angestanden, ein wenig darauf einzugehen, wie die Dramaturgie zustande gekommen ist: nämlich durch Erpressung durch die Kanzlerin. Dies geht aus dem Interview mit Sandra Maischberger (SZ vom Tag zuvor) deutlich hervor; ebenso aus ihrer Bemerkung zu Beginn ihres Auftritts in der Runde „Anne Will“ – Martin Schulz habe, machte sie deutlich, gar keine Chance gehabt. Das extrem enge thematische und dramaturgische Korsett, durch die Kanzlerin diktiert, macht Martin Schulz von vornherein zum zweiten Sieger. Warum wird das nicht öffentlich thematisiert?

Auch Kritik an den sofort mitgeteilten Umfrageergebnissen hätte ich mir gewünscht; wer auch nur etwas von Sozialwissenschaften versteht, konnte die Umfrageergebnisse mehr oder weniger vorhersagen. Jeder kennt Frau Merkel, unsere Wattekanzlerin. Programmfrei, meinungsarm, ideenlos: wer will denn da in einem „Duell“ punkten, in dem es auf Argumente ankommt, und das so stark vorherbestimmt war?

Womit ich nicht sagen will, dass Martin Schulz mich überzeugt hätte. Aber die thematischen Defizite hat er, so sehe ich es, eher nicht zu verantworten.

Mit besten Grüßen!
Alf Hammelrath, Münster


Zum Duell:
Betr.: nachdenkseiten.de/?p=39914

Lieber Albrecht Müller,

ich fand es noch schlimmer, als von Ihnen beschrieben.

Obwohl ich nie diese SPD wählen würde, habe ich mich für Schulz geschämt und fand seinen Auftritt unerträglich. Ich musste mich immer wieder wegdrehen, um meinen Kopf zu vergraben.

Schulz war in jeder Beziehung unterirdisch, auch sprachlich wirkte er derart unbeholfen und drohte oft den Faden zu verlieren, sprach grammatisch inkorrekt – intellektuell und rhetorisch dramatisch überfordert.

Seine Wortwahl war für jemanden in seiner Position inadäquat – z. B. „Flüchtlingswelle“.

So schlimm hätte ich mir das nicht vorzustellen vermocht. Strenggenommen erschütternd.

Man möchte sich wegbeamen oder eine Zeitmaschine besteigen.

Seine Äußerungen waren zudem außenpolitisch ein Desaster.
Als es um Sozialkosten im Rahmen der Integration von Flüchtlingen ging, hätte ich mir gewünscht, dass thematisiert wird, dass die medizinische Versorgung von den Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen geschultert wird und die Privatversicherten draußen vor sind – eine Finanzierung über Steuern sozial gerechter wäre.
nachdenkseiten.de/?p=39647#h04
nachdenkseiten.de/?p=31397

Schier unfassbar für mich, dass Schulz laut Umfragen es verstanden hat, bei Wählern zu punkten.

Dann die Journalisten:
Die einzige Frage, die mit einem Blick auf die Welt von einem linken Berg gestellt wurde, war die Frage nach der MwSt-Senkung – ansonsten wurde brav der Fragenkatalog der AFD abgearbeitet.
Dazu:
Wenn Martin Schulz im sogenannten „TV-Duell“ sagt, dass eine Senkung der MwSt von 19% auf X% (denn es ist der Normal-Steuersatz von 19% gemeint, wenn man von MwSt-Senkung spricht) keine Preissenkung bei Butter bewirken würde, hat er insofern recht, da Butter mit dem ermäßigten Steuersatz von 7% besteuert wird.

sekundengenauer Link:
youtube.com/watch?v=_VExII1m1tM#t=146m15s
heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Merkel-Schulz-Duell-Eine-Schmuseveranstaltung/Alles-in-Butter-Faktencheck/posting-30978192/show

Beste Grüße
Stefan Eichardt
29221 Celle


Zum Duell

Liebe NDS Redaktion,

im Kommentar von Albrecht Müller: Zum Duell Merkel vs. Schulz: Wer das nicht gesehen hat, hat nichts versäumt fehlt meiner Meinung nach noch ein Punkt, der mir besonders brisant erscheint.

Die Frage war (ich glaube von Herrn Köppel) wie denn nach den Konzepten von SPD und CDU eine Familie mit 2 Kindern mit 3500,- EUR/Monat Bruttoeinkommen entlastet würde – vermutlich sollte dies eine Mittelschichtsfamilie mit einigermassen normalem Einkommen darstellen.

Martin Schulz konnte mit dieser Zahl offensichtlich überhaupt nichts anfangen. Er hatte dann etwas von künftig gebührenfreien Kita-Plätzen gefaselt und dann eine Entlastung bei Kita-Gebühren (kommunal) von 200-250,- EUR genannt. Frau Merkel, die amtierende Bundeskanzlerin, konnte mit dieser Zahl ebenfalls nichts anfangen, hatte aber immerhin eine Kindergelderhöung um 25,- EUR ins Spiel gebracht.

Beiden Kandidaten war nicht klar, dass ein solches Gehalt für eine Familie netto in etwa Hartz 4 Niveau entspricht. Von den anwesenden Journalisten hätte ich erwartet, dass hier nachgehakt wird.

Beispielrechnung: 3500,- brutto entspricht in Steuerklasse 3 ca 2470,- EUR netto, Einkommensteuer knapp 300,- EUR, Sozialabgaben knapp 730,- EUR.

Miete (warm): 1000,- (+/- bitte nicht festnageln)
Strom, Telefon, GEZ, Versicherungen: 200,-
Auto: 200,-
ÖPNV Ticket: 100,-
Riester: 90,-

Fixkosten gesamt: 1590,-

D.h. es bleiben 880,- EUR pro Monat zum Leben für eine 4 köpfige Familie. Mit Kindergeld erhöht sich das nochmal um 380,- auf dann 1260,- EUR. Das sind dann 315,- pro Nase und damit noch unterhalb des Hartz 4 Regelsatzes. In manchen Fällen kann sicher entweder aufs Auto oder auf das ÖPNV Ticket verzichtet werden, das ändert aber nichts am grundsätzlichen Problem. Eine solche Familie wird auch niemals die Kinder in eine gebührenpflichtige Kita schicken, das kann sich diese Familie schlicht nicht leisten.

Exkurs 1: Sollte diese Familie in die Verlegenheit kommen und 500,- EUR pro Monat mehr an Gehalt bekommen, dann werden davon 220,- EUR oder 44% an Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Und weil auch hier auf den NDS oft vom bösen Arbeitgeber die Rede ist: der AG darf mit Sozialbeiträgen und den Umlagen U1 (Krankheit), U2 (Mutterschaft), Insolvenzgeld auch nochmal gut 110,- drauf legen. D.h. ein Brutto Aufwand von 610,- EUR beim AG entspricht beim AN einer Netto Gehaltserhöhung von 280,- EUR, andersgesagt: wir haben bei einem Gehalt, das beileibe kein Spitzengehalt ist, eine Steuer- und Abgabenquote von gut 54%. Die indirekten Steuern wie Mwst, EEG Umlage, Netzumlage, Kaffeesteuer, Benzinsteuer, etc. sind hier noch gar nicht eingerechnet. Wir haben hier in der Spitze eine Steuer- und Abgabenquote von sicherlich 80%. Genau das ist auch der Grund, warum sich in D ein Handwerker niemals die Dienstleistung eines anderen Handwerkers leisten kann.

Exkurs 2: inzwischen besteht ja ein Rechtsanspruch auf einen Kita Platz. Eigentlich lobenswert, aber: die Kommunen können verklagt werden, wenn diesem Anspruch nicht genüge getan werden kann. Dieser Rechtsanspruch wird ganz sicher nur für Kinder von Juristen oder gar Politikern durchgesetzt, evtl. noch von sehr gut verdienenden Eltern mit guter Rechtsschutzversicherung, ganz sicher aber nicht von unserer Beispielfamilie. Unsere Beispielfamilie wird aber durch dadurch erforderliche höhere kommunale Gebühren und Abgaben belastet (Grundsteuer, Müllgebühren, Abwasser, etc.). Dies nur als Beispiel für die durch immer weiter ausufernde staatliche Leistungen notwendigen Steuer- und Abgabenerhöhungen, die ganz sicher in der nächsten Legislatirperiode auch im Bund auf uns zukommen werden. Astrid Lindgren hatte glaube ich mal bei ihrem Finanzamt Einspruch gegen einen Steuerbescheid eingelegt: es könne doch nicht sein, dass 102% an Steuern abgezogen werden.

Wieder zum Thema: Die Brisanz seiner Frage war diesem Journalisten vermutlich überhaupt nicht klar, evtl. wurde er ja auch vom Knopf im Ohr zurückgepfiffen. Aber dass weder Schulz noch Merkel überhaupt verstanden haben, worum es eigentlich geht, zeigt nur wie weit sich die Politik inzwischen von der arbeitenden Bevölkerung entfernt hat.

Dass Martin Schulz dann auch noch angekündigt hatte, dass es mit der SPD niemals eine Senkung der Mehrwertsteuer geben könne, weil der Einzelhandel das ja nicht als Preissenkung weitergeben würde, ist dann auch vollends egal. Wir erinnern uns 2005: Mwst Erhöhung CDU 2%, SPD 1%, wir treffen uns als grosse Koalition in der Mitte und machen 3% daraus.

Als absolute Krönung ist dann heute in der StZ zu lesen, dass Frau Merkel zur Entlastung von Familien eben diese Erhöhung der Kindergeldes um 25,- EUR zur Debatte stellt, und bei Schulz die von seiner Partei angekündigten Steuersenkungen (sic!) für eine vierköpfige Famile zwischen 200 und 250 Euro mehr im Monat bedeuten würden. D.h. der Journalist Christoph Ziedler kennt nicht einmal den Unterschied zwischen Lohnsteuer
und kommunalen Gebühren, der SPD Kanzlerkandidat Schulz ist ahnungslos, und die amtierende Bundeskanzlerin kann bestenfalls als zynisch bezeichnet werden.

Mit traurigen und ratlosen Grüßen,
Michael Hase


An: [email protected]
Betreff: Rede-Duell mit der Kanzlerin 

Sehr geehrter Herr Schulz,

ich gratuliere zu Ihrer gestrigen Performance im Duell mit der Kanzlerin. Denn Sie haben sich und ihre Partei als der ideale Koalitionspartner präsentiert, und damit Ihr wichtigstes Anliegen glänzend erfüllt! Besonders indem Sie der Kanzlerin unwidersprochen durchgehen liessen, dass die Ursache der Flüchtlingsströme bei Ländern wie Türkei und sogar dem zuvor erfolgreich zerrütteten Libyen liegen würden, während inzwischen sogar klein Moritz weiss, dass die völkerrechtswidrigen Überfälle durch England, Frankreich und den dafür besonders bekannten USA die einzige Ursache dafür sowohl in Libyen als auch in Syrien sind!
Jetzt müssen Sie allerdings noch für ein möglichst gutes Wahlergebnis der AfD sorgen, denn nur dann bleiben FDP und GRÜNE so klein, dass sie als Koalitionspartner für Frau Merkel nicht brauchbar sind.

Viel Glück wünscht Ihnen
Rolf Schmid(83)


Zum Duell:

Hallo Herr Müller,
Glückwunsch, „Die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD“ ist der Spruch des Jahres und sollte von jedem Kabarettisten aufgenommen werden.

Freundliche Grüße
Eberhard Reis


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