Verschriftung bzw. schriftliche Berichte zu drei Arte-Videos zu Murdoch

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Am 17. Februar hatten wir mit diesem Beitrag (Medienzar Murdoch entschied gleich mehrmals, wer in GB regiert, außerdem gegen den Euro, für den Brexit u.a.m. – das nennt man Demokratie (Nr. 3)) auf diese Videos von Arte

hingewiesen. Ein Leser der NachDenkSeiten hat daraufhin angeregt, die 3 Filme zu verschriften bzw. über den Inhalt inklusive Zeitangaben zu berichten. Freunde der NachDenkSeiten haben diese Arbeit übernommen. Danke vielmals. Die Struktur ist verschieden ausgefallen. Das macht aber nichts. Bitte auch beachten: die Videos sind nur noch bis zum 17.3.2021 verfügbar. Albrecht Müller.

Teil I: Der Königsmacher

Über dieses Video Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (1/3) – Der Königsmacher berichtet Frank Blenz.

Menschen werden mit Füßen getreten, ihr Leben wird ruiniert und ihre Familien mit Schmutz beworfen.“

Der dokumentarische Dreiteiler „Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie“ von Arte TV lässt den Zuschauer schaudern, zweifeln und womöglich zum Schluss kommen, dass die Bürger nicht von Demokratien sprechen können, in denen sie, Menschen westlicher Nationen, vom Europäer, Australier bis zum Amerikaner, leben, „westliche Demokratien“ schlicht nur das sind, was das in der Dokumentation beschriebene Wirken des Medienkrösus, dem Australier Rupert Murdoch, erlaubt. Und es scheint, dass all das genau so für die Machteliten in Ordnung ist.

Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (1/3) – Der Königsmacher. In diesem Teil werden die geschäftliche und politische Wirkungszeit sowie Phasen des Privatlebens Rupert Murdochs von 1995 bis 2003 beleuchtet. Der Film über einen überaus charismatischen Mann wirkt wie ein Shakespearestück, wie ein Thriller. Die klassische Musik untermalt die Bilder der Dokumentation feinsinnig, dramatisch, mächtig, schöne Klänge klingen zur bedrohlichen Energie, die von Rupert Murdoch ausgeht. Die Musik unterstreicht die dunkle Seite einer Medienmacht. Und ein Wegbegleiter Murdochs schwärmt in diesem Teil der Dokumentation:

Er ist und bleibt einer der interessantesten Menschen der Welt.“

Und meint damit doch einen machthungrigen, ruhelosen, skrupellosen, ehrgeizigen Mann, der es schließlich nach der Jahrtausendwende geschafft haben wird, hunderte Zeitungen, TV- und Radiosender zu besitzen und entscheidend und undemokratisch Einfluss auf höchster Ebene in der Politik und in der Gesellschaft auszuüben. Sein größter Coup wird vor der Jahrtausendwende sein, Tony Blair auf den Posten des britischen Premiers zu hieven und einen Krieg anzuzetteln.

Das Jahr 1995. Ein gewisser Tony Blair ist nach Australien eingeladen, auf eine Insel, die der Familie Murdoch gehört. Es findet ein Familientreffen und die Management-Konferenz des Murdoch-Unternehmens statt. Es wird ersichtlich, dass die Familie dem Rupert Murdoch sehr wichtig ist, die drei Kinder Elisabeth, Lachlan und James sollten nach und nach die Geschicke seines Imperiums übernehmen.

Dass Murdoch es zu dieser immensen Unternehmensgröße brachte, liegt in dessen Kindheit begründet, erfährt der Zuschauer. Ruperts Vater hatte ein kleines Medienunternehmen. Der Sohn soll es übernehmen. Als der Vater stirbt, war aber die Nachfolge nicht geregelt. „Rupert bekam nichts, außer er erbte eine Regionalzeitung.“ Rupert Murdoch reagiert mit unbändigem Einsatz, die Zeitungen seines Vaters zurückzuerobern (was später gelang und mehr).

Europa.

Den Australier zieht es nach Großbritannien, eine große Kaufwut herrscht bei ihm. Tatsächlich wird Murdoch schnell zu einem erfolgreichen Eroberer des britischen Zeitungsmarktes, Boulevard-, seriöse Blätter. Zehn Millionen Leser. Die Premierministerin Margaret Thatcher lässt den Kauf von Zeitungen in dieser Konzentration zu, der Zuschauer erfährt, dass Murdoch Thatcher unterstützt und ihre politische Konkurrenz medial verunglimpfte (Minute 13:40).

Rupert ist ein sehr sanftmütiger Mann.“

Das sagt Ehefrau Anna, 29 Jahre mit Murdoch verheiratet, 1996. Und der Sanftmütige bringt sich und seine politischen Interessen in Position, um für die kommende Wahl einen Premier zu finden. Tony Blairs Name fällt erneut. Der Mann der Labour Party. John Major von der Partei der Torys hingegen fällt bei Murdoch in Ungnade. Ein Jahr später, 1997, und John Major sagt bei einer parlamentarischen Anhörung über Aussagen zu Murdoch zum Thema „Austritt aus der EU“:

Er (Murdoch) sagte, ich will, dass Sie Ihre Politik ändern, sonst kann ich Sie nicht unterstützen.“

Major will nicht. Was folgt? Das große Boulevardblatt „The Sun“ unterstützt Blair. Murdochs Order lautet, Blair und Labour zu 200 Prozent zu unterstützen (Minute 21 und folgende).

Das Zitat fällt:

Wer eine Boulevard-Zeitung besitzt, hat die Macht, Millionen von Wählern Geheimnisse oder Details über das Sexualleben der Politiker zu enthüllen – auf der Titelseite.“ (Minute 22:10).

Und ein ehemaliger Murdoch-Mitarbeiter berichtet über die Gangart (ab Minute 22:40): Graham Johnson, Reporter von News of the World, sagt über die Praktiken gegen die Politiker der Tory-Partei und gegen Gegner der bevorzugten Labour Party:

Sie waren Freiwild. Wir sollten uns Tory-Abgeordnete vorknöpfen, ich habe zwei von ihnen erledigt. Die News of the World war wie eine SS-Division, sie stand auf Abruf bereit und wurde in den Einsatz geschickt. Die Befehle wurden gnadenlos bis zum bitteren Ende ausgeführt.“

Dieser Aussage folgt ein Filmschnitt hin zu einem Dialog: Murdoch tritt bei einer TV-Show auf. Der Moderator sagt:

Menschen werden mit Füßen getreten, ihr Leben wird ruiniert und ihre Familien mit Schmutz beworfen.“

Murdoch kommt zu Wort:

Das kommt bei der SUN nur ab und an vor …. Dort werden die großen Nachrichten brillant beleuchtet.… Wir leben in einer Demokratie.“

1997. Die Wahlen in Großbritannien. Torries vs. Labor. Europa ist ein großes Thema und Tony Blair wird von Murdoch gebeten, in „Ich-Form über Europa zu schreiben. Er ringt ihm die Verpflichtung ab, ein Referendum über die Einführung des Euro zu fordern.

Im Rückblick sagt Nigel Farage, Vorsitzender der Brexit-Partei (ab Minute 26:48) in einem Interview, wie stark Murdochs Einfluss wirkt bis ins Heute:

Den Preis, den Tony Blair für die Unterstützung gezahlt hat, bestand in dem Versprechen, den Euro nicht ohne Referendum einzuführen. Hätte Murdoch das damals nicht getan, wären wir 1999 der Eurozone beigetreten. Und ich bezweifle, dass es dann zum Brexit gekommen wäre.“

Blair gewinnt die Wahl.

2002. Murdoch und Blair sind eng verbunden. Jederzeit kann der Medienzar zu Blair kommen, privat, dienstlich. Es kommt zum Irak-Krieg mit Beteiligung Großbritanniens.

Und Murdochs Rolle dabei? Zitat:

Murdoch Presse verbreitete eine Lüge nach der anderen über die wahren Gründe für den Irak-Krieg.“

Es zeigt sich, Murdoch wird der größte und wichtigste Kriegstreiber. Murdoch ist ein Falke. Murdoch ist mehr mit Blair im Gespräch als dessen Minister. 160 Zeitungen auf der ganzen Welt unterstützen den Krieg im Irak.

Schließlich ziehen erste Wolken über Murdochs Imperium auf. Eine Führungskraft Murdochs, Rebekah Wade, muss bei einer parlamentarischen Anhörung routinemäßig aussagen. Sie antwortet auf eine Frage zum Thema Bestechung:

„Wir bezahlten früher Polizisten für Informationen.“

Das Dumme nur ist, Polizeibestechung ist illegal. Der Zuschauer erfährt, dass das Geständnis über Bestechungsgelder keine Folgen haben wird. Damals denkt die Boulevardpresse, über dem Gesetz zu stehen. (Minute 46:30).

Das Finale des ersten Teils lässt dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Nötigung, Mobbing, Erpressung, Betrug, Täuschung, illegale Nachrichtenbeschaffung, Privatdetektive“,

zählt Graham Johnson, Reporter News of the World, „Werkzeuge“ der journalistischen Arbeit der Murdoch-Presse auf und schließt mit der Aussage, dass Medien die Politiker in der Hand haben.

Teil II: Die Allianz der Rebellen

Über dieses Video Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (2/3) – Die Allianz der Rebellen berichtet Hans Bleibinhaus.

Es geht spannend zu wie in einem Mafia-Film. Der Pate lässt ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz schalten und walten, um seine Medienherrschaft und politische Macht im Vereinigten Königreich zu zementieren und darüber hinaus in den USA, in Europa und Asien zu erweitern (Minute 21:50).

Es geht nicht nur – und eher sogar weniger – ums Geld, das mit immer mehr Zeitungen und größeren Auflagen angehäuft wird, es geht um die politische Macht im Land (Minute 4:15 bis 7:00).

Das Kraftfutter für steigende Auflagen- und Leserzahlen sind Enthüllungsgeschichten über Prominente aller Sparten: Show, Sport, Politik, aber auch von Nicht-Prominenten, wenn sich ihre Story zu einer Sensation aufbauschen lässt (Minute 8:22). Sie sind der Schlüssel zum Erreichen des eigentlichen Ziels Murdochs: Ein immer größerer und am Ende beherrschender Einfluss auf die öffentliche Meinung.

Um an die Geschichten für seine Blätter zu kommen, ist jedes Mittel recht. Am Beispiel der „News of the World“ wird aufgezählt: Telefonabhören (Minute 8:00), Eindringen in private Häuser und Feiern, heimliche Foto- und Filmaufnahmen (Minute 12:20 und 15:50), Ausspionieren von Bank- und Kreditkartendaten (Minute 14:15), Bestechung und Anstiftung zum Meineid (Minute 43:20).

Doch das Treiben Murdochs ruft Gegner auf den Plan. Einer der wichtigsten ist der Journalist Nick Davies vom The Guardian, der Whistleblower, ehemalige Redakteure von News of the World (also Täter) und Opfer der rufmörderischen Enthüllungsgeschichten zusammenführt (Minuten 7:50; 10:15; 15:30; 16:30; 18:20). Es gelingt, die kriminellen Methoden der Informationsbeschaffung in mehreren Prozessen offenzulegen (Minuten 12:20 und 31:20). Noch mehr Verfahren werden durch außergerichtliche Vergleiche – die Rede ist von millionenfachen Abstandszahlungen – beigelegt (Minute 32:50).

Doch das öffentliche Bekanntwerden der kriminellen Machenschaften bleibt für den Konzern folgenlos. Weder Staatsanwalt noch Polizei sehen sich veranlasst, Ermittlungen aufzunehmen (Minute 19:40). Lediglich zwei Reporter von News of the World und vom Sunday Mirror werden 2001 als Einzeltäter wegen illegalen Telefonabhörens verurteilt. Auch als The Guardian mit einer Titelseite auf die konzernweiten Verbrechen aufmerksam macht (Minute 17:30) und Murdoch sich weigert, dazu öffentlich Stellung zu nehmen (Minute 19:10), bleibt die Polizei tatenlos.

Im Gegenteil: Murdoch fühlt sich 2010 mächtig genug, um von der Labour-Regierung Brown zu verlangen, beim Ausgreifen auf TV-Medien politisch unterstützt zu werden (Minute 22:15). Als Brown nicht wie gewünscht reagiert, sondern im Gegenteil einen Vertrauten in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den Abhör-Affären gegen Murdoch aussagen lässt, wird Brown durch die Geschäftsführerin des Zeitungskonzerns NewsCorp die Nachricht überbracht, dass ihm von nun an jede Unterstützung versagt wird (Minute 27:50).

Neuer Favorit ist David Cameron von den Tories, der die Wahl gewinnt und 2010 Premierminister wird. Der Einfachheit halber wird der vormalige Chefredakteur der News of the World und Hauptverantwortliche für illegale Informationsbeschaffung zum Kommunikationsdirektor und Pressesprecher Camerons (Minute 28:25). Die Unterstützung zum 100-prozentigen Erwerb des TV-Senders B Skyp B wird zugesagt (Minute 28:40).

Im weiteren Verlauf des Kampfes der Rebellen gelingt es, die New York Times zu einem Bericht über Murdoch und seine Machenschaften zu veranlassen. Er schlägt international hohe Wellen und die britischen Strafverfolgungsbehörden werden schließlich doch tätig. Als Hauptverdächtiger stellt sich im Verlauf der Ermittlungen der von Murdoch zu Cameron gewechselte Kommunikationsdirektor des Premierministers heraus. Er muss zurücktreten (Minute 30:15).

Die britische Öffentlichkeit bekommt davon kaum etwas mitgeteilt. Das ändert sich erst, als die News of the World nach dem Verschwinden eines jungen Mädchens und während der Fahndung nach den Entführern dessen Telefon abhört, ohne die Polizei zu informieren. Am Ende ist das Mädchen tot und die Empörung der Öffentlichkeit nicht mehr zu bremsen (Minute 33:30).

Murdoch gibt sich zutiefst getroffen, stellt das Erscheinen der News of the World ein, entlässt zweihundert Mitarbeiter (Minute 36:10) und bittet die Eltern des ermordeten Mädchens um Verzeihung (Minute 38:00). Zusammen mit seinem Sohn James muss er sich 2011 einer parlamentarischen Kommission stellen, schiebt alles auf seine Mitarbeiter und ersetzt James Murdoch durch dessen Bruder Lachlan Minute 40:40).

Der Konzern ist damit gerettet, aber noch gibt es 2012 einen erneuten Untersuchungsausschuss über die Verbindung Murdochs zu hochrangigen Politikern. Nicht weniger als vier ehemalige Premierminister (Major, Blair, Cameron, Brown) erscheinen und sagen unter Eid aus (Minute 46:20).

Das Ergebnis: Alle Zeitungen sollen Aufsichtsräte einrichten, die über die Einhaltung ethischer Normen zu wachen haben. Außerdem soll es eine weitere Untersuchung über das Verhältnis von Presse und Polizei geben (Minute 49:00).

Nichts davon geschah.

Teil III: Das Comeback

Über dieses Video Der Aufstieg der Murdoch-Dynastie (3/3) – Das Comeback

berichtet Hermann Zoller.

Murdoch zeigt seinem Sohn in Schottland die Ursprünge der Familie Murdoch.

Er plant sein Comeback; es wird die Politik auf der ganzen Welt verändern.

Trump stellt seinen besten Freund vor: Rupert Murdoch (2:30)

Zuvor befindet sich Murdoch auf seinem Tiefpunkt. Es geht um die die Machtverteilung im Murdoch-Clan.

09:00: Tony Blair im Familienverbund Murdoch.

11:45: Nigel Farage findet die Unterstützung Murdochs.

14:00: Sohn steuert Fox News: Sender beeinflusst US-Politik.

16:00: Ivanka Trump sucht die Unterstützung von Murdoch, weil dieser so mächtig ist; weil Murdoch ein weltweites Imperium beherrscht.

21:20 Fox baut Trump systematisch auf.

25:00 Murdoch ist ein EU-Gegner. In Farage findet er seinen politischen Handlanger und schafft in GB mit Hilfe seiner Zeitungen das politische Klima für den Brexit.

29:00 Ohne Murdoch hätte es keinen Brexit gegeben.

30:00 Trump + Murdoch treffen sich in Schottland: Begründung einer Arbeitsgemeinschaft.

31:30 Murdoch stand vor der Wahl Trump oder Clinton; er setzt klar auf Trump.

33:00 Ohne Fox News wäre Trump nie Präsident geworden.

35:00 Murdoch verkauft einen großen Teil seines Konzerns;

den wichtigsten behält er: die Zeitungen und Fox-News;

sie ziehen den Klimawandel noch immer in Zweifel.

45:00 Murdoch-Interview zum Klimawandel

Murdoch steuert die USA und Europa mit seinem Medien-Einfluss jeweils in politische Katastrophen; er beschädigt die Demokratie.

Murdoch ist die eine Seite, die andere: wichtige Politiker haben sein Treiben geduldet, sogar gefördert.