Leserbriefe zu „Feindbild-Aufbau des „Spiegel“ – das wird noch schlimmer enden als beispielsweise am 1. März 1945 in Bruchsal“

Ein Artikel von:

In diesem Beitrag verknüpft Albrecht Müller zwei aktuelle Medienartikel – einen aus dem Spiegel und einen aus den Badischen Neuesten Nachrichten – mit eigenen Erinnerungen. Er weist darauf hin, dass Spiegel bei der Konfrontation gegen Russland und der zunehmenden Aufhetzung unseres Volk hilft. Danke für die interessanten Leserbriefe. Es folgt eine Auswahl. Zusammengestellt von Christian Reimann.

1. Leserbrief

Lieber Albrecht Müller, NDS Redaktion,

so sehr ich dem Inhalt ihres o.a. Artikels folge und für notwendig betrachte; seien sie versichert die Redaktion RT DE hat

dem „Spiegel“, den Spiegel mit der Antwort: Wir sagen von ganzem Herzen: Danke, Spiegel! vom 01.03.2021 vor das Gesicht gehalten.

Beste Grüße, bleiben sie aufrecht,
denn “gerade, klare Menschen sind ein schönes Ziel; Leute ohne Rückgrat haben wir schon zu viel“.
Rainer Mrochen


2. Leserbrief

Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel, Herr Müller!

Es ist unfassbar, wie das Relotius-Zentralorgan, dessen traurige Fälschungs-DNS zu entschlüsseln den Whistleblower aus der Redaktion neben einer Riesenenergie fast seinen Job gekostet hätte, mit unglaublicher Chuzpe daherkommen und sich wie der Praeceptor Germaniae über Journalisten hermachen kann, die eine andere Ansicht vertreten und begründen. Den Masochismus für eine regelmäßige Lektüre dieses Haltungsorganes bringe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr auf. “Schreiben, was ist” behauptet man an der Hamburger Erregungsspitze Nr.1 und merkt nicht, dass man Augsteins Spruch nur noch “persyphliert” .

Schöne Grüße !
Alexander G. Roklum


3. Leserbrief

Lieber Albrecht Müller,
 
der Artikel spricht mir aus dem Herzen -Danke!
 
Auch ich erlebe als Ostdeutscher diese Entwicklung die ich mir 1990 in der Euphorie der Entspannung und Vereinigung nicht hätte vorstellen können, mit großer Sorge.

Ich zähle mit meinen fast 72 Jahren, der damit aufwuchs, Städte wie Plauen und Dresden in Trümmern zu sehen, zu der Generation, die noch Erinnerungen daran hat, was Krieg bedeutet und er auch sehr schnell ganz nahe sein kann. Mein Vater nahm mich als 5 oder 6-jährigen mit auf einer Dienstfahrt mit nach Dresden und zeigte mir mit den Worten „Das war einmal der Zwinger“ einen Trümmerberg. Ähnliche Bilder sah ich im herrlich wiederhergestellten Palast in Zarskoje Selo bei St. Petersburg, was mich tief bewegte.
 
Schritt für Schritt wurden die von Willi Wimmer aufgezeigten Vorgaben der Konferenz von Bratislava 2000 umgesetzt, ja man geht weit über die Abgrenzung  hinaus uns sucht medial und politisch die Konfrontation.

Der Weckpunkt war für mich die verzerrte mediale Darstellung des Konflikts um die Ukraine und die Krim 2014. Meinen umfangreichen Artikel dazu  haben die Nachdenkseiten 2017 veröffentlicht.

Seit dem engagiere ich mich in der lokalen Friedensbewegung und auch in Friedensgruppen in der Sammlungsbewegung Aufstehen.

Es ist schwer über die geringe Teilnahme und Desinteresse  unserer jungen Leute dabei nicht enttäuscht zu sein und trotzdem immer wieder Anlauf zu nehmen! Überall nur graue Haare….
 
Ein Blick in die Schulbücher meiner Enkel zeigt mir einen Teil der Ursachen, wenn der Zusammenhang von Währungsreform und Berlinblockade nicht hergestellt wird und die DDR nur aus 53er Volksaufstand, Mauer, Schießbefehl und Stasi besteht. Und die Medien tuen das ihre für eine völlig einseitige Information und Feindbildaufbau gegenüber Russland.
 
Ein Glück, dass es die Nachdenkseiten, KenFM und andere und ja, auch RT und den Antispiegel gibt!
 
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Leonhardt


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

Ihr Artikel spricht mir aus dem Herzen. Danke! Zumal ich noch die Worte meiner Großmutter im Ohr habe über ihre damals im Februar 45 in der Dresdner Bombennacht im „sicheren“ Keller ersticke Mutter und die Schwester. Später wurden dann die Leichen auf dem Altmarkt verbrannt; und obwohl meine Großmutter und ihr Bruder sie gern im Familiengrab beerdigt hätten, haben die Verantwortlichen das abgelehnt …

Man kann über die DDR sagen, was man will, aber ich bin mit dem Satz groß geworden: Nie wieder Krieg! Und ich habe diesen Satz auch in meiner Schulzeit oft gehört. Offensichtlich gibt es aber heutzutage maßgebliche Leute, die wieder von „Heldentaten“ und Tapferkeitsmedaillen träumen.

Woher diese Geschichtsvergessenheit kommt? – Vielleicht, weil der Kapitalismus wieder mal in einer Krise ist? Denn Krisen löst man nicht erst seit dem 11. 9. 2001 gern in Kriegen. Einen äußeren Feind aufbauen, lenkt zuverlässig von den inneren Spannungen ab.

Das Problem ist nur: Der nächste Krieg hier in Europa wird wahrscheinlich den 2. Weltkrieg wie ein Sandkastengeplänkel aussehen lassen. Könnte sein, dass es hinterher nicht einmal mehr jemand gibt, der drüber schreiben kann …

Auf unserer Internetseite: lieder-defensive.de gibt es auf der Startseite unten Zitate und Sprüche, die nach einiger Zeit auch wechseln. Einer davon lautet: „Krieg braucht Kapital – Kapital braucht Krieg!“ Ich weiß nicht, wer ihn geprägt hat, aber er passt zu Marx’ Erkenntnis: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. 10 Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“

Herr Müller, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft für ihren unermüdlichen journalistischen Einsatz für Frieden und Verständigung! Um unserer Kinder und Enkel Willen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Rainer Baumgärtel


5. Leserbrief

Mein Name ist Carmen Hübner.

Auch ich finde es erschreckend, wie leichtfertig die Menschen heute wieder mit dem Frieden umgehen. Ich wurde 1975 geboren, also dreißig Jahre nach Kriegsende. Auch meine Eltern haben den Krieg nicht bewusst erlebt, denn sie wurden in den letzten beiden Kriegsjahren geboren. Aber trotzdem waren die Folgen allgegenwärtig, und zwar in Form eines unausgesprochenen Tabus. Meine Großeltern sprachen über ihre Kindheit und die verlorene Heimat Schlesien, aber nie über die Zeit des Nationalsozialismus. Und wie das bei Tabus so ist, spürte ich instinktiv, dass ich nicht fragen darf.

Als erwachsene Frau stieß ich auf die Bücher der Journalistin Sabine Bohde, die zu den Folgen des Krieges bei der Kinder- und Enkelgeneration forschte. Auch ich fühlte mich angesprochen, hatte ich doch als Kind immer Angst vor Bombardements oder den Feueralarmsirenen. Erst dadurch wurde mir bewusst, dass das übertragene Ängste sind. Ich erinnere mich auch, dass vor allem die älteren Männer meiner Familie viel tranken. Um ihre Erinnerungen zu verdrängen? Das nehme ich an.

Allein das reicht für mich aus, um zu wissen, wie verheerend sich Kriege auswirken. Es mag natürlich sein, dass die jüngeren Menschen, die der Kriegsurenkelgeneration angehören, diese kollektiven Traumata nicht spüren, wie ich es tue. Aber auch meine Vorstellungen wurden durch eine Reihe von Medien geprägt, die auch den Jüngeren zur Verfügung stehen. Damit meine ich Antikriegsfilme wie Full Metal Jacket oder Der Soldat James Ryan. Auch Romane wie Die Zwillinge von Tessa de Loo oder Klassiker wie Krieg und Frieden haben mich geprägt. Außerdem finden sich jede Menge Dokumentationen bei YouTube oder den verschiedenen Mediatheken, die sich mit den verschiedensten Kriegen, ihren Gräueln und den Folgen für Soldaten und die Zivilbevölkerung beschäftigen.

Da frage ich mich auch, wie ignorant man diesem Thema gegenüber sein kann. Oder wächst da eine neue »Schlafwandler«-Generation heran? Eine Generation, für die die Möglichkeit eines Krieges in Europa so abstrakt ist, dass sie darüber vergisst, wie zerbrechlich Frieden sein kann? Leider hat die Geschichte oft genug bewiesen, dass es in Zeiten gegenseitiger Provokationen irgendwann nur noch eines Funkens bedarf. Und ehe man sich versieht, ist der Krieg da und niemand weiß so genau, wie es eigentlich dazu kam.


6. Leserbrief

Lieber Herr Müller,
Liebes Nachdenkseiten-Team,

wenn es nach Mausfeld (Das Schweigen der Lämmer) noch einer Erklärung des sonderbaren Gleichklangs aller etablierten Medien bedurfte, so findet man diese in der hervorragenden Übersicht von Swiss Policy Research: swprs.org/die-propaganda-matrix.

Danke für Ihre tolle Arbeit!
Stefan Meyer


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Müller,

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel “Feindbild-Aufbau des „Spiegel“ – das wird noch schlimmer enden als beispielsweise am 1. März 1945 in Bruchsal“ gelesen und finde Ihren Einsatz für Völkerverständigung sehr bemerkenswert.

Sie schreiben in dem Artikel, dass die Weisung von ganz oben, nämlich von Bertelsmann gekommen ist, den Artikel über RT Deutsch im Spiegel zu schreiben. Sie schreiben, dass der Spiegel weitgehend Bertelsmann gehört. Dies ist nicht der Fall. Der Spiegel gehört zu 50% der Kommanditgesellschaft Beteiligungsgesellschaft für Spiegel Mitarbeiter, 25,25 % zu Gruner und Jahr (da steckt Bertelsmann dahinter), zu 23,75% der Erbengemeinschaft Augstein und zu 1% der Rudolf Augstein GmbH.

Auf Betreiben des Spiegel Gründers Rudolf Augstein erwarb die Mitarbeiter KG die Hälfte der Anteile, eben um journalistisch unabhängig zu bleiben! Man kann nicht auf der einen Seite kritisieren, dass die Leitmedien nicht unabhängig sind und auf Weisung handeln, auf der anderen Seite dies aber bei RT Deutsch gutheißen. Für unabhängigen Journalismus einzutreten heißt jeglichen Einfluß, sei es von Politikern oder von Unternehmen jeder Seite, zu kritisieren.

Freundliche Grüße
S.P.

Anmerkung Albrecht Müller: Danke vielmals für diese berechtigte Korrektur. Aber der Anteil von Bertelsmann reicht für einen gravierenden Einfluss, den ich vor allem in der Personalpolitik und in der total auf die Atlantiker und die USA ausgerichteten Linie sehe.


8. Leserbrief

Lieber Albrecht Müller,

als mittlerwile 81-Jähriger unterstütze ich ganz und gar Ihren Artikel. (Durch Pforzheim bin ich im Herbst 45 bei Glatteis zum Bahnhof getappt, irgendeine Bahnbrücke im Nagoldtal war gesprengt oder zerbommt.)

Ich ergänze, dass der Spiegel auch in früheren Zeiten nicht so recherchefreudig war, wie Sie es darstellen, und gerne Feindbilder aufbaute. Ich hab die Jahrgänge 1960 bis 64. Anlässlich 9/11 hatte ich darin geschmökert, um nochmal zu sehen, war damals Terrorist war. Ich fand vieles weitere, z.B. dass Lumumba und viele andere aus Afrika “Neger” waren. Die Berichte zur DDR standen in der Rubrik “Ostzone”. Ich kann jetzt aus der Erinnerung nur auf diese 2 Aspekte verweisen. Makaber im Nachgang war ein Artikel zum geplanten WTC, 1964; vom Architekten als das “erste Bauwerk des 21. Jahrhunderts” gepriesen – und ein Foto vom ungebauten WTC – als Holzmodell.

Das was im Artikel “Wenn westlicher Qualitätsjournalismus …” (Jens Berger) aufgezeigt wird, dürfte für die BRD gleichermaßen gelten.

Zunächst eine Anekdote: In den späten 1950ern hörte ich im Radio verschiedentlich Bundestagsdebatten. Da kam einmal der Vorwurf, die Regierung habe einen Reptilienfonds, was sie zurück wies. Die Debatte erschien mir komisch, weshalb dieses Wort in meinem Kopf hängen blieb.

Später lernte ich, dass es in der Bismarck-Zeit Journalisten gab, die Oppositionelle fertig machten, “zerrissen”. Für diese Journalisten wurde der Begriff “Reptil” geprägt. Und irgendwann bestätigte sich die Vermutung, dass Bismarck einen geheimen Fonds zur Finanzierung dieser “Reptilien” hatte, den Reptilienfonds.

Später fand ich in einem Zeitungsbericht, dass Gehlen oder Wessel – ich weiß nicht mehr wer – in seinen Memoiren angab, dass etwa 200 Journalisten in der BRD auf der Payroll des Dienstes standen, darunter auch ein sehr bekannter Chefredakteur. Seitdem beobachte ich sehr, inwieweit Kommentare und Berichte aus der Ferne ganz im Duktus der offiziellen Regierungspolitik sind. Interessanterweise verschwand der ein oder andere Name, wenn die Sache zB. Zerstörung Jugoslawiens ganz im Sinne von Genscher, Kinkel, BND, Siemens ua. erledigt war. Bei vielen Kommentaren hab ich den Eindruck, dass sie auf Handreichungen des BND fußen, bzw. dass sie ganz im Sinne solcher Handreichungen verfasst werden, so nach dem Motto: Es wird schon etwas hängen bleiben – an Schlechtem.

Viele Grüße
Wolf Göhring

Anmerkung Albrecht Müller: Lieber Wolf Göhring,

Das sind wichtige zusätzliche, zum Teil widersprechende Informationen. Es stimmt, dass ich das Bild vom Spiegel insgesamt zu positiv gezeichnet habe. Es ist halt geprägt von meiner unmittelbaren Erfahrung zwischen 1968 1974 und den von mir auch mit Namen genannten Journalisten des Spiegel in der Bonner Redaktion und Guenther Gauß als Chefredakteur in Hamburg. Dieses Bild, und da haben Sie recht, ist aber nicht repräsentativ für den Spiegel insgesamt. Und ihr Hinweis auf den Reptilienfond ist in der Tat treffend.

Herzliche Grüße
Albrecht Müller


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