Über’n großen Teich kommen die Trends zu uns, die wir Deutschen mögen

Über’n großen Teich kommen die Trends zu uns, die wir Deutschen mögen

Über’n großen Teich kommen die Trends zu uns, die wir Deutschen mögen

Ein Artikel von Frank Blenz

Ach, was sind wir froh, wenn wir langweiligen, etwas steifen Deutschen ganz cool und lässig ein bisschen was vom American way of life abbekommen. Die Amis zeigen uns stets, was „in“ ist. Gut so. Gerade aktuell haben wir wieder ein wenig von dieser erfrischenden, inspirierenden Freiheitsluft schnuppern können, am Fernsehen mit der Hand auf dem Herzen beim Mitsingen oder Mitsummen der Nationalhymne: Das Superbowl-American-Football-Finale war für die Coolsten unter uns Grund genug, die Nacht zum Tag zu machen. Die richtigen Fans zeigten sich nicht nur über Aufstellungen und Taktik des krassen Männersports gut informiert, auch das passende Drum und Dran wurde unseren amerikanischen Freunden nachempfunden. Nun hat wieder ein neuer Trend es zu uns Deutschen geschafft: ein Snack Stadium („Stadion aus Speisen“) bauen. Ein satirischer Einwurf von Frank Blenz.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

So eine Super-Bowl-Party fetzt schon. Für uns Deutsche umso mehr, weil wir ja unter erschwerten Bedingungen an den Start gehen: Wir schauen mitten in der Nacht die Übertragung des Spiels der Spiele an. So wurden wir, die deutschen Sportfreunde, auch diesmal für eine Nacht fast schon zu Amerikanern, sie, unsere Freunde und Trendsetter und Wegbereiter und Begleiter, die sich um uns bekanntermaßen sehr kümmern, sagen, wo es lang geht, was „in“ ist, und wir ihnen deshalb zu Dank gern verpflichtet sind.

Was tun wir nicht alles für unseren Dream? Diesmal ging die Show sogar von Sonntag auf Montag über die Bühne. Vom Wochenende wieder in den Alltag rein. So freuten sich dann manche von uns auch ob der Möglichkeit, Montag einen Karenztag einzulegen. Andere nahmen sich halt einen Tag regulären Urlaub, weitere machten frei und die ganz harten, wenn auch unausgeschlafenen Fans gingen frisch geduscht auf Arbeit, um unter Kollegen das wie immer einmalige, atemberaubende, epochale Spiel, vor allem aber die gigantische Show für die ganze Familie auszuwerten. Ich muss zugeben, unter uns, ich kenne kein Spiel mit so vielen Pausen, Unterbrechungen, Werbeeinblendungen, Kulturhalbzeiten usw., aber egal, man sagt mir immer, Football ist ultimativ und geil und voll im Trend und die Show gehört dazu. Ja. Okay. Ich merke schon, wenn ich mir Mühe gebe, kann ich mich begeistern. Cool. Da war schon einiges dabei.

Diesmal fühlte sich das Dabeisein für mich noch etwas amerikanischer an: Und zwar, weil ich den Bau eines Snack Stadiums versuchte. Was, Sie wissen nicht, was das ist? Das ist ein neuer Partytrend, der es tatsächlich nach Deutschland geschafft hat. Wobei, amerikanische Trends schaffen es leicht zu uns, man muss nur „Made in USA“ draufschreiben, man kann das ruhigen Gewissens tun, weil die Amis schon wissen, was gut ist. Also, auch diese neue amerikanische Idee ist so einfach wie genial, denn so eine Superbowl-American-Football-Finale-Nacht ist lang, sie macht hungrig und durstig und die Party ist dann erst vollends gelungen, wenn es viel zu futtern gibt. Die Präsentation der Speisen a la Snack Stadium ist ein feiner Partytrend: Speisen werden so aufgebaut, dass sie wie ein Stadion aussehen. Man nehme kleine Behältnisse, Schachteln, Büchsen und so weiter und forme daraus eine kleine Arena. Oder man schneide Kartons zu, auf dass das Ganze wie eine mehrstöckige Arena wirkt, Traversen mit Essen. Schön. Der Spaß allein, ich sage Ihnen, ist es wert, so vor der Couch oder nahe dem Fernsehgerät ein Snack Stadium zu errichten. Die Vorbereitungen, diese eifrige Bastelei und der große Einkauf nehmen schon mal genau so viel Zeit in Anspruch wie die der Stars bei deren Vorbereitungen auf das Finale. Das Spektakel daheim kann auch ganz schön ins Geld gehen. Ich fühlte mich jedenfalls fast wie ein Ami, der mit seinem Auto vorher easy going auf den Supermarktparkplatz fuhr und die ganzen Leckereien shoppte: Chips, Beer, Popcorn, Muffins, Nachos, Cola, Peanuts. Man findet in deutschen Märkten solche Waren aus Übersee reichlich. Kleiner Tipp: Wer es ein wenig aufwändiger mag, kann ja auch Salads zubereiten und Sticks aus Vegetables schnippeln. Dazu Dips von Cheese bis Tomatos, sweet oder hot. Und ja, das ging ins Geld. Aber es ist ja nur einmal im Jahr Superbowl. Wie es nur ein Mal im Jahr Halloween gibt.

Ich saß also dann kurz nach Mitternacht überaus beeindruckt vor dem TV, freute mich über mein Snack Stadium mit kleinen US-Fähnchen (selbst gebastelt) und Flutlicht (kleine LEDs), spürte diese magische Energie aus Spiel und Business, aus Präsentation und Stolz, die den Spirit von American way of life ausmacht. Ich verputzte ein paar Chips, schlürfte an der Coke und staunte, weil es vor dem Spiel den spektakulären Programmpunkt „Flyover“ gab, der die Zuschauer im Stadion wie auch mich daheim am Bildschirm begeisterte. Da düsten tatsächlich Jets der US-Airforce knapp und laut und fetzig über die Arena, richtige F-35 und andere Wunderwerke der militärischen Technik, währenddessen die amerikanische Nationalhymne erklang. Wow. Ich stand kurz auf, Nachschub aus dem Food-Stadium holend.

Zum Spiel selbst sei gesagt: Die Kansas City Chiefs triumphierten über die Philadelphia Eagles. Ich zog am frühen Morgen müde und glücklich den Hut vor der sportlichen wie auch der geschäftlichen Leistung: Ja, ganz schön fleißig sind sie, unsere Amis, kam mir in den Sinn. Die haben um ihren Super-Bowl eine überaus umtriebige und ertragreiche Geschäftigkeit aufgebaut, die der Sportfreund gern nutzt, erkannte ich an: Shirts, Flaggen, Musik, Speisen, Getränke, den passenden TV, vielleicht noch extra vor dem Finale auf Raten angezahlt. Und diese Geschichte mit den Snack Stadium, einfach supereasy.

In der ausverkauften Superbowl-Arena knallten zum Finale schon mal perfekt durchtrainierte Footballer der besten Liga der Welt zusammen. Nur gut, dass die Helme aufhaben, dachte ich. Als wissbegieriger Zuschauer wollte ich mehr über den Sport und die Vereine, über die Stars des gigantischen Ereignisses wissen. Der wichtigste Auftritt im richtigen Stadium kam von Sängerin Rihanna, die ist schwanger, erfuhr ich, und auch, dass enorm viel Geld verdient wird. Ich las ebenso, dass das Gesundheitsrisiko in dieser Mannschaftssportart ziemlich groß sei, trotz Helmschutz und Schulterschutz und dem Schutz anderer Körperteile und trotz strenger Spielregeln und Abläufe und dem Beisein von Ärzteteams. Ich stutzte kurz beim Lesen: Es sei keine Seltenheit, dass American-Footballer nach Ende der Laufbahn bleibende Schäden davontragen würden und dafür entschädigt werden (sollten). Allein geschähe das durch die Chefs der Footballliga nicht ganz so schnell, wie die Spieler auf dem Platz Richtung Touch Down flitzten. Ach was, immer diese kritischen Gedanken, sagte ich mir, sicher Einzelfälle. Den American Dream lasse ich mir nicht versauen durch solche Querschläge hinein in die nächtliche Show. Den Montag nutzte ich zu einer deutschen Presseschau. Und ich kann nur bestätigen, was zusammenfassend geschrieben stand.

Das NFL-Finale hält, was es verspricht. Nach einem spektakulären Duell mit vielen Höhepunkten jubeln die Kansas City Chiefs mit Star-Quarterback Patrick Mahomes. Den stoppt selbst eine Blessur nicht.

Solche Kerle gibt es halt nur in Übersee. Und coole Trends, die zu uns rüber schwappen. Cool!

Titelbild: Phoenixns/shutterstock.com

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