{"id":19538,"date":"2013-12-04T11:45:54","date_gmt":"2013-12-04T10:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=19538"},"modified":"2025-02-20T11:17:27","modified_gmt":"2025-02-20T10:17:27","slug":"warum-dieses-buch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=19538","title":{"rendered":"Warum dieses Buch?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131015_brandt_buch.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller - Brandt Aktuell\" title=\"Albrecht M&uuml;ller - Brandt Aktuell\"><\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/amzn.to\/4b7gpMc\" style=\"background: #CC0000; color: #fff; padding: 5px; text-decoration: none;\">&raquo; Direkt bestellen &raquo;<\/a><\/strong><br>\n<br>\n<em>Hinweis: &ldquo;Brandt Aktuell&rdquo; ist ab dem 10. Dezember 2013 erh&auml;ltlich<\/em><\/p><p>Es war Rut Brandt, die den letzten Ansto&szlig; dazu gegeben hat, dieses Buch zu schreiben. Nils Johannisson, fru&#776;her einmal Artdirektor der Werbeagentur ARE, hatte sie und ihren Lebensgef&auml;hrten Niels Norlund im Juni 1998 in Norwegen besucht. Als Gastgeschenk brachte er mein Buch Willy w&auml;hlen 72 mit. Er selbst war 1972 mit mir zusammen am Wahlkampf der SPD beteiligt gewesen und hatte auch das Buch gestaltet. Am n&auml;chsten Morgen berichtete Rut Brandt, sie habe die halbe Nacht mit der Lektu&#776;re zugebracht. An den abgedruckten Dokumenten k&ouml;nne man sehen, wie sehr Willy einer regelrechten &raquo;Treibjagd&laquo; ausgesetzt gewesen sei.<\/p><p>Die Treibjagd hatten seine politischen Gegner zu verantworten: die &raquo;Offenen&laquo; der Union, aber auch die mit ihnen sympathisierenden rechtsnationalen Kr&auml;fte aus Industrie und Wirtschaft, die viel Geld in die Hand nahmen, um den amtierenden Kanzler Brandt zu diskreditieren. Was bis heute vielen an Geschichte und Gegenwart Interessierten nicht bewusst ist: Auch innerhalb der SPD wurde gegen Brandt agitiert &ndash; wesentlich verdeckter zwar, aber deshalb nicht folgenlos. Am 18. Dezember 2013 w&auml;re Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Eine Reihe weiterer Bu&#776;cher, Filme und H&ouml;rfunksendungen u&#776;ber Brandt erscheinen. Dabei wird immer wieder auch u&#776;ber das Verh&auml;ltnis von Brandt, Schmidt und Wehner spekuliert, der damaligen &raquo;Troika&laquo;. Doch die Demontage Brandts in seiner eigenen Partei und in der ver&ouml;ffentlichten Meinung wird nirgends so gewertet, wie man sie meiner Meinung nach werten mu&#776;sste: als eine von Interessen geleitete Attacke mit &ndash; vornehm ausgedru&#776;ckt &ndash; sehr fragwu&#776;rdigen Methoden.<\/p><p>Die meisten Sozialdemokraten haben das nicht bemerkt. Es liegt jenseits ihrer Vorstellungswelt, dass sich die Fu&#776;hrungsriege der Partei, also der Vorsitzende und seine Stellvertreter, nicht gegenseitig stu&#776;tzen und Erfolg wu&#776;nschen, sondern Misserfolge geradezu planen. Auch ich geh&ouml;rte zu den &raquo;naiven&laquo; Sozialdemokraten, die dachten, die Konkurrenz des Spitzenpersonals sollte Grenzen kennen.<\/p><p>Wenn sich politische Gegner au&szlig;erhalb der eigenen Partei mit Gegnern in der eigenen Partei verbu&#776;nden und dieser Verbund auch noch von einfl ussreichen Medien und Wirtschaftsinteressen gestu&#776;tzt wird, dann hat der betroffene Politiker keine Chance. Das gilt immer noch. Die Analyse der Treibjagd auf Willy Brandt ist in Variation anwendbar auf den Umgang mit anderen Personen: auf den Umgang mit Andrea Ypsilanti, Norbert Blu&#776;m, Oskar Lafontaine, sogar Kurt Beck.<\/p><p>Bis heute erfahre ich, dass Autoren und Historiker diese von mir so erlebte und empfundene Treibjagd gegen den ersten SPD-Bundeskanzler nicht als solche erkennen wollen, vielleicht auch nur nicht erkennen k&ouml;nnen. Im Gegenteil: Selbst Willy Brandt wohlgesonnene Biographen tragen die Vor- und Fehlurteile, die damals gegen ihn lanciert wurden, weiter und verstellen damit den Blick auf sein politisches Verm&auml;chtnis. Man merkt an der Geschichtsschreibung zu Willy Brandt, dass er schon lange tot ist und man ihm deshalb leichter Unrecht tun kann. Auch manche Freunde des ehemaligen SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzlers sind mu&#776;de geworden, immer wieder gegen die g&auml;ngig gewordenen Klischees und Vorurteile anzurennen: zum Beispiel den konstruierten Gegensatz zwischen dem &raquo;Tr&auml;umer&laquo; Willy Brandt und dem &raquo;Macher&laquo; Helmut Schmidt.<\/p><p>Das ist schade, denn aus der Kanzlerschaft Brandts lie&szlig;e sich fu&#776;r uns Heutige viel lernen. Sie fi el zusammen mit politischem Aufbruch und Protest, und zugleich mit einer gro&szlig;en Zufriedenheit mit dem politischen Leben, und im &Uuml;brigen auch mit den wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven fu&#776;r Menschen, die bis dahin nicht auf der Sonnenseite lebten. Sehr viele Menschen interessierten sich fu&#776;r das politische Geschehen und beteiligten sich. Es war eine Zeit der Ver&auml;nderungen und der Reformen im guten Sinne des Wortes &ndash; zu Gunsten der Mehrheit der Menschen.<\/p><p>Willy Brandt war ein Glu&#776;cksfall fu&#776;r unser Land und fu&#776;r seinen Politikbetrieb.<\/p><p>Sein Umgang mit den Menschen, seine Toleranz und Liberalit&auml;t, sein Engagement fu&#776;r Vers&ouml;hnung und Frieden im Innern und nach au&szlig;en k&ouml;nnten wichtige Markierungen des Weges sein, den wir heute sinnvollerweise gehen k&ouml;nnten und sollten.<\/p><p>Schon ein paar wenige seiner Slogans sagen viel aus: &raquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein.&laquo; &raquo;Mehr Demokratie wagen.&laquo; &raquo;Wer morgen sicher leben will, muss heute fu&#776;r Reformen k&auml;mpfen.&laquo;<\/p><p>Aber auch von Brandts strategischen F&auml;higkeiten und seiner praktischen Politik k&ouml;nnten wir viel lernen, wenn wir wollten.<\/p><p>Zum Beispiel k&ouml;nnten wir lernen, dass auf Egoismus und Spaltung und rigoroser Wahrnehmung der Interessen der Oberschicht eine gute und friedliche Gesellschaft nicht aufgebaut werden kann. Solidarit&auml;t ist ungemein wichtig. Willy Brandt wusste das und warb dafu&#776;r, diesen Grundwert ernst zu nehmen. Er wusste auch, dass man Menschen diese Solidarit&auml;t zumuten kann. Wirtschaft nahm er ernst. Aber er erkannte, dass wirtschaftliche Kompetenz und Wohlstand nicht das Einzige sind, auf das Menschen Wert legen.<\/p><p>Zum Beispiel k&ouml;nnten wir lernen, dass man in der Politik strategisch denken muss. Die Entspannungspolitik gru&#776;ndete auf einem langfristig angelegten Politikentwurf. Wo ist das heute? Strategisch denken und planen k&ouml;nnen heute offenbar nur noch die neoliberalen Ideologen.<\/p><p>Selbst eingefl eischte Brandt-Gegner haben in den sechziger und siebziger Jahren gespu&#776;rt, welch ein grandioser Vorteil und eine Ehre es fu&#776;r einen Deutschen war, von einem Politiker repr&auml;sentiert zu werden, der quasi u&#776;berall respektiert und sogar gemocht wurde. Und wie sieht das heute aus? Bei Angela Merkel?<\/p><p>Mir war verg&ouml;nnt, einige Zeit eng mit ihm zusammen und fu&#776;r ihn zu arbeiten. Ich war schon aus professionellen Gru&#776;nden gezwungen zu beobachten, mit welchen Methoden und welchen Parolen gegen ihn gearbeitet wurde. Ich musste damals aus beruflichen Gru&#776;nden &ndash; ich war zun&auml;chst verantwortlich fu&#776;r die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und den Wahlkampf Willy Brandts und dann Leiter der Planungsabteilung im Kanzleramt &ndash; die Vorwu&#776;rfe analysieren und widerlegen, mit denen er immer wieder konfrontiert war.<\/p><p>&Uuml;ber Willy Brandt und seine Arbeit werden viele M&auml;rchen erz&auml;hlt: Er sei ein Tr&auml;umer gewesen und kein Macher. Intensive Schreibtischarbeit habe er vermieden. Die Tr&auml;ger und Macher der u&#776;blen Nachrede kannten keine Schamgrenze. Er sei psychisch labil gewesen, depressiv, ja vielleicht sogar Alkoholiker. Er sei allein ein &raquo;Au&szlig;en&laquo;-Kanzler gewesen und habe von Wirtschaft und von Innenpolitik wenig verstanden. Die Liste lie&szlig;e sich fortsetzen.<\/p><p>Natu&#776;rlich war Brandt auch Projektionsfl&auml;che fu&#776;r Hoffnungen, die er vielleicht nicht bedienen konnte. Aber auch diesen Status muss man sich erst einmal erwerben.<\/p><p><strong>Bibliographie<\/strong><br>\nAlbrecht M&uuml;ller<br>\n&bdquo;Brandt aktuell. Treibjagd auf einen Hoffnungstr&auml;ger&ldquo;<br>\n160 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, 12,99 Euro, Westend Verlag, 10. Dezember 2013<\/p><p><strong>Download:<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131204_warum_dieses_buch.pdf\">Warum dieses Buch? [PDF &ndash; 82 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131015_brandt_buch.jpg\" alt=\"Albrecht M&uuml;ller - Brandt Aktuell\" title=\"Albrecht M&uuml;ller - Brandt Aktuell\"\/><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/amzn.to\/4b7gpMc\" style=\"background: #CC0000; color: #fff; padding: 5px; text-decoration: none;\">&raquo; Direkt bestellen &raquo;<\/a><\/strong><\/p>\n<p> <em>Hinweis: &ldquo;Brandt Aktuell&rdquo; ist ab dem 10. Dezember 2013 erh&auml;ltlich<\/em><\/p>\n<p>Es war Rut Brandt, die den letzten Ansto&szlig; dazu gegeben hat, dieses Buch zu schreiben. 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