{"id":64506,"date":"2020-09-08T09:27:54","date_gmt":"2020-09-08T07:27:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=64506"},"modified":"2020-09-08T09:27:54","modified_gmt":"2020-09-08T07:27:54","slug":"die-revolution-ist-faellig-einfuehrung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=64506","title":{"rendered":"\u00abDie Revolution ist f\u00e4llig!\u00bb \u2013 Einf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"628\" class=\"alignnone size-full wp-image-64483\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png 1000w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-300x188.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-768x482.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-780x490.png 780w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-390x245.png 390w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p><p>&laquo;Die Revolution ist f&auml;llig!&raquo;, 192 Seiten, Westend Verlag, 16 Euro<\/p><p><strong>Einf&uuml;hrung<\/strong><\/p><p>Von au&szlig;en betrachtet haben wir eine sch&ouml;ne Demokratie. Formal gesehen gibt es die Chance zum politischen Wechsel. Es finden Wahlen statt. Von au&szlig;en betrachtet werden wir gut regiert und es geht uns gut.<\/p><p>Tats&auml;chlich stimmt der sch&ouml;ne Satz unseres Grundgesetzes, alle Gewalt gehe vom Volk aus, seit Langem nicht mehr. Tats&auml;chlich gibt es hierzulande statt Fortschritt R&uuml;ckschritt. Restauration!<\/p><p>Die immer ungerechter werdende Verteilung der Einkommen und Verm&ouml;gen hat dazu gef&uuml;hrt, dass einige das Sagen haben. Die Reichen und die Starken setzen sich durch, bestimmen Wirtschaft und Gesellschaft. Weltweit, in den USA sowieso, bei uns, in Frankreich, in Gro&szlig;britannien, in Brasilien, in Indien, in Chile, in Saudi-Arabien. &Uuml;berall.<\/p><p>Die gro&szlig;en Finanzgruppen beherrschen das Wirtschaftsgeschehen und bestimmen die Regeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Weltweit.<\/p><p>Obwohl immer wieder behauptet wird, wir h&auml;tten eine Marktwirtschaft und der Wettbewerb m&uuml;sse gesch&uuml;tzt werden, haben wir es inzwischen in zentralen Bereichen mit Monopolen zu tun: mit Microsoft, mit Amazon, mit Facebook, mit marktbeherrschenden Wohnungsgesellschaften. <\/p><p>Unsere Parteien sind demokratische Institutionen? Sie sind dank Grundgesetz beauftragt, an der Willensbildung mitzuwirken. Doch wir m&uuml;ssen feststellen, dass heute kaum noch Menschen in die Parteien gehen, um dort etwas zu gestalten, um die Welt zu verbessern. Karrieristen bestimmen das Geschehen. Unsere Parteien sind durchsetzt von Lobbyisten. Unsere Parteien sind durchsetzt von Einflussagenten.<\/p><p>Und unsere Medien? Hochkonzentriert. Regionale Monopole und Oligopole. Kaputter umgedrehter &ouml;ffentlich-rechtlicher Rundfunk &ndash; mit Ausnahmen. Miserabler kommerzieller Rundfunk. Auf Anpassung ans konservative Milieu getrimmte Redaktionen.<\/p><p>Das hat Folgen f&uuml;r die Programmatik, die in dieser unserer Demokratie noch eine Chance hat: Krieg mehr als Frieden. Verneigung vor den Interessen der USA, Vasall statt Unabh&auml;ngigkeit. Die Wahrnehmung gro&szlig;er Interessen mehr als soziale Gerechtigkeit und Sozialstaatlichkeit. Privatisierung mehr als Gemeineigentum. Deregulierung mehr als gute Regeln, Laufenlassen mehr als vern&uuml;nftige Social-Technique. Die neoliberale Ideologie und Praxis beherrschen auch unser Land. Mit gelegentlichen kleinen Variationen.<\/p><p>Das war in der Bundesrepublik Deutschland einmal anders. Ganz am Anfang, kurz nach 1945, und nach einer restaurativen Phase im Kalten Krieg der 1950er-Jahre gab es in den 60ern und 70ern einen wirklichen Schwung aufw&auml;rts. Dann folgte der Siegeszug der neoliberalen Bewegung. Und abw&auml;rts ging&rsquo;s rund um das Jahr 1980. Diesen Niedergang, diesen Bruch, hat der franz&ouml;sische &Ouml;konom Thomas Piketty am Beispiel der Verm&ouml;gens- und Einkommensverteilung beschrieben. Ich habe diesen Umschwung als Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt zwischen 1973 und 1982 praktisch miterlebt. Die Beobachtungen und Analysen anderer wie auch meine eigenen Erfahrungen werden in den folgenden Text eingehen. Ich blicke inzwischen auf 70 Jahre politischen Engagements und auf lange Jahre praktischer politischer Arbeit zur&uuml;ck. Mein politisches Engagement begann 1950 mit dem Widerstand gegen die Wiederbewaffnung und 1952 in der Auseinandersetzung mit meinem damaligen Mathematiklehrer, der von Nazi-Deutschland und von Panzerschlachten schw&auml;rmte. Sp&auml;ter folgte die praktische Erfahrung als Redenschreiber des Bundeswirtschaftsministers Professor Dr. Karl Schiller, als Wahlkampfmanager Willy Brandts, als Planungschef im Bundeskanzleramt bei Brandt und Helmut Schmidt, als Bundestagsabgeordneter und Herausgeber der NachDenkSeiten.<\/p><p>In vielen Feldern der Politik und des Zusammenlebens konnten wir ein Auf und sp&auml;ter leider auch ein Ab beobachten. Die Abw&auml;rtsbewegung kann man ziemlich genau bestimmen: Im Umfeld des Jahres 1980 wurden progressive Ans&auml;tze, humane, soziale Ans&auml;tze des menschlichen Zusammenlebens gestoppt. Das geschah nahezu &uuml;berall. Zeitversetzter R&uuml;ckschritt, Restauration. In der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik gab&rsquo;s damals noch Fortschritte. Das kippte kurz nach dem H&ouml;hepunkt im Jahr 1990. Mit diesem neuen Buch komme ich auf den fr&uuml;her formulierten Gedanken zur&uuml;ck: Wir waren schon einmal weiter.<\/p><p>Jetzt ist in allen Feldern Restauration angesagt. Was das hei&szlig;t, werde ich an einigen Beispielen beschreiben. Und weil ich pers&ouml;nlich als Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt die Z&auml;sur erlebte, ohne sie damals zwischen 1973 und 1982 gleich richtig einordnen zu k&ouml;nnen, kann ich die Beobachtung der grundlegenden Ver&auml;nderungen auch mit pers&ouml;nlichen Erfahrungen und Erlebnissen bereichern.<\/p><p>Restauration ist angesagt, R&uuml;ckschritte gibt es zuhauf. Wie auf demokratische Weise dieser Trend gestoppt und umgekehrt werden soll, erschlie&szlig;t sich nicht einfach so.<\/p><p>Die Revolution ist &uuml;berf&auml;llig. Aber wie soll das gehen? Sie ist verboten. Das Grundgesetz sieht so etwas nicht vor. In der Praxis werden gegebenenfalls eher die K&ouml;pfe der Revolution&auml;re als die der Reaktion&auml;re rollen. Das deutet sich in der H&auml;rte der Auseinandersetzung der etablierten Politik und Medien mit den kritischen Medien im Internet an. Wer den Kopf hebt, wird niedergemacht, diffamiert und schnell als Verschw&ouml;rungstheoretiker oder Antisemit stigmatisiert. Die Konterrevolution hat Fantasie.<\/p><p>Gibt es einen Ausweg? Ja, die Verm&ouml;gen neu verteilen. Aber genau dies wird mit gewaltt&auml;tigem Widerstand beantwortet werden. Was bleibt dann noch? Die notwendigen gro&szlig;en Ver&auml;nderungen vorbereiten. Durchdenken. Durchkneten. Formulieren. Vorarbeiten f&uuml;r eine Neue Gesellschaft. Ansonsten: &Uuml;berleben. Unter Freundinnen und Freunden. Sich mehr als bisher zusammentun. <\/p><p>Das ist keine gro&szlig;artige Perspektive. Dennoch besser als nichts.<\/p><p>Die Rezensentinnen und Rezensenten meines Buches werden vermutlich zumindest zwei Einw&auml;nde erheben: <\/p><p>Erstens werden sie mir vorwerfen, das Buch sei nostalgisch. Fr&uuml;her sei alles besser gewesen, sei der Grundton. Mit diesem Vorwurf muss ich leben. Wenn die neoliberale Ideologie die praktische Politik bestimmt, dann kann ich nichts daf&uuml;r. Wenn ich darauf hinweisen muss, dass Sozialstaatlichkeit und Solidarit&auml;t f&uuml;r die Menschen besser sind als Egoismus und Ellenbogen, kann ich nichts daf&uuml;r. Wenn milit&auml;rische Interventionen zum Alltag werden, dann kann ich nichts daf&uuml;r. Wenn man darauf hinweisen muss, dass die Entspannungspolitik, der Abbau der Konfrontation in Europa und die Idee der gemeinsamen Sicherheit auch mit Russland angenehmer, zukunftsweisender und sch&ouml;ner waren, dann kann ich nichts daf&uuml;r. Dass Nostalgie heute angesagt ist, liegt nicht am Autor. <\/p><p>Zweitens wird darauf hingewiesen werden, dass es uns doch gut gehe und dass wir gut regiert w&uuml;rden. Offensichtlich ist unser Volk aber zweigeteilt. Da ist zum einen wohl eine Mehrheit, die die Lage und die Politik gut findet. Dieser Eindruck wird aktuell zus&auml;tzlich gespeist von der Bewunderung und dem Vertrauen in die Bew&auml;ltigung der Corona-Pandemie. Zum anderen gibt es den Kreis jener vielen Menschen, denen es wirklich schlecht geht wie den Alten, die ihre Rente mit Putzen und mit dem Sammeln von Flaschen aufbessern m&uuml;ssen. Au&szlig;erdem gibt es jene kritischen Beobachter, die wissen, dass es stinkt, egal wo man hinschaut. Die die katastrophal schlechte Verteilung von Einkommen, Verm&ouml;gen und Chancen sehen, die die Restauration, die R&uuml;ckschritte bemerken, die die Kriege und das Kriegsleid noch wahrnehmen und bemerkt haben, dass der 1990 erreichte Frieden in Europa mutwillig zerst&ouml;rt wird und neuerdings wieder Milit&auml;r die Politik ersetzt. Dass die Einsicht in diese wahren Verh&auml;ltnisse einer Minderheit vorbehalten ist, ist nicht die Schuld dieser Minderheit. <\/p><p>Es gibt viele, die sich auf der Sonnenseite w&auml;hnen, obwohl ihr Einkommen und ihr Verm&ouml;gen, verglichen mit dem der Reichen und immer reicher werdenden Personen, sehr klein ist und obwohl manche von ihnen sp&auml;ter vor Altersarmut stehen werden, ihre Kinder und Enkel in unsicheren Arbeitsverh&auml;ltnissen stecken und mehr soziale Sicherheit br&auml;uchten. Diese Fehleinsch&auml;tzung hat viel mit Propaganda zu tun. Diese wird immer geschickter gemacht und f&uuml;hrt dazu, dass sich Mehrheiten auch dann um die Regierenden und Bestimmenden scharen, wenn es sachlich daf&uuml;r keine Gr&uuml;nde gibt.<\/p><p>Auch diese Menschen m&ouml;chte ich mit diesem Buch erreichen. Es soll helfen, die Augen zu &ouml;ffnen. Ihnen will ich zeigen, dass der Einzug der neoliberalen Ideologie und Praxis keine Erfolgsgeschichte, sondern schon jetzt und auf Dauer gef&auml;hrlich ist.<\/p><p>Das Buch und der Autor werden, wie es heute &uuml;blich ist, vermutlich der Stigmatisierung mit dem Etikett Verschw&ouml;rungstheorie ausgesetzt werden. F&uuml;r diesen billigen Versuch der Abwertung gibt es eine Reihe von Ansatzpunkten in meinem Text. Darauf will ich ausdr&uuml;cklich hinweisen. Es gibt zum Beispiel eine Verschw&ouml;rung der Superwohlhabenden gegen den Rest. Das wird beschrieben. Es gibt Unterwanderung bei Parteien und Medien. Es gibt zum Beispiel eine m&ouml;rderische Abh&auml;ngigkeit vieler V&ouml;lker vom Imperium USA. Dar&uuml;ber nicht zu schreiben und die Befreiung aus den F&auml;ngen dieser imperialen Nation nicht zu fordern, w&auml;re str&auml;flich nachl&auml;ssig. Es gibt den Anspruch und die Aktionen zum Regime Change &ndash; merkt denn niemand, dass dies mit Demokratie nichts zu tun hat? Es gibt die Fortsetzung der Politik mit milit&auml;rischen Interventionen und mit kriminellen Akten. Dies nicht zu sehen, ist schlicht dumm. Aber alles zu sehen, l&auml;dt dazu ein, etikettiert zu werden, eben als Verschw&ouml;rungstheoretiker abgetan und niedergemacht zu werden. Wer solche Gegenkampagnen glauben und akzeptieren will, tut gut daran, gar nicht erst mit dem Lesen dieses Buches zu beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"628\" class=\"alignnone size-full wp-image-64483\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung.png 1000w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-300x188.png 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-768x482.png 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-780x490.png 780w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/200907-Buchvorstellung-390x245.png 390w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&laquo;Die Revolution ist f&auml;llig!&raquo;, 192 Seiten, Westend Verlag, 16 Euro<\/p>\n<p><strong>Einf&uuml;hrung<\/strong><\/p>\n<p>Von au&szlig;en betrachtet haben wir eine sch&ouml;ne Demokratie. 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