{"id":7035,"date":"2010-10-13T13:53:50","date_gmt":"2010-10-13T11:53:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=7035"},"modified":"2010-10-13T14:55:05","modified_gmt":"2010-10-13T12:55:05","slug":"vorwort-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=7035","title":{"rendered":"Vorwort &#038; Einleitung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/das_kritische_jahrbuch_2010_2011.gif\" alt=\"NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2010\/2011\" title=\"NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2010\/2011\"><\/p><p><strong><a href=\"?page_id=6835\" style=\"background: #CC0000; color: #fff; padding: 5px; text-decoration: none;\">&raquo; Direkt bestellen &raquo;<\/a><\/strong><\/p><p>&nbsp;<\/p><h3>Vorwort<\/h3><p><strong>Warum die NachDenkSeiten wichtig sind<\/strong><br>\n<em>von Konstantin Wecker<\/em><\/p><p>Als ich im Jahre 2003 nach einem 10-t&auml;gigen Aufenthalt im Irak nach Deutschland zur&uuml;ckkam, war mir klar, dass ein Gro&szlig;teil der Medien &uuml;ber das Land und die Menschen, &uuml;ber das Embargo und die angeblichen Kriegsgr&uuml;nde nur unzul&auml;nglich berichtete. Ob bewusst oder weil man Fehlinformationen aufgesessen war, wage ich nicht zu entscheiden. Aber jedem Journalisten, der mir damals vorwarf, ich sei grenzenlos naiv oder ich w&uuml;rde aus populistischen Gr&uuml;nden im Irak mit Hunderten anderer Friedensaktivisten gegen den Krieg der Amerikaner demonstrieren, entgegnete ich, dass ich seine Arbeit machen w&uuml;rde: sich selbst ein Bild machen, anstatt Propaganda nachzuplappern.<\/p><p>&raquo;Regierungen l&uuml;gen&laquo; hat Howard Zinn einmal geschrieben, und wenn es darum geht, einen Krieg zu rechtfertigen, wird immer gelogen, und es werden immer humanit&auml;re Gr&uuml;nde vorgeschoben, wenn es ausschlie&szlig;lich ums Gesch&auml;ft geht und um die milit&auml;rische Vormachtstellung.<\/p><p>Aufgrund dieser Erfahrung haben meine Frau und ich das Internetportal &raquo;Hinter den Schlagzeilen&laquo; (hinter-den-schlagzeilen.de) gegr&uuml;ndet, das bis heute versucht, t&auml;glich Artikel und Beitr&auml;ge zu verlinken, die in den Leitmedien entweder ausgeklammert oder gut versteckt werden.<\/p><p>Nat&uuml;rlich vernetzten wir uns mehr und mehr mit &auml;hnlichen &raquo;Medien von unten&laquo; (wie das Ignazio Ramonet schon vor Jahren gefordert hatte), und so begann ich die NachDenkSeiten zu entdecken. Und war von Anfang an begeistert!<\/p><p>Wenn es in Deutschland einen Preis f&uuml;r das Medium mit der besten und kritischsten Informationsdienstleistung f&uuml;r seine Leserinnen und Leser g&auml;be, das Internetangebot www.NachDenkSeiten.de &ndash; auf dem dieses Buch basiert &ndash; w&uuml;rde den ersten Preis verdienen. Denn die NachDenkSeiten liefern f&uuml;nf Tage in der Woche verl&auml;ssliche Analysen und eine &Uuml;bersicht &uuml;ber wichtige Artikel und Sendungen in den Medien. Die Autoren stellen sich dem allgemeinen Meinungsstrom und dem Herdentrieb der Leitmedien entgegen. Die NachDenkSeiten sind zum David gegen den Goliath der herrschenden Medien geworden.<\/p><p>Die meisten Medien haben es mittlerweile geschafft, uns mit Informationen zu versorgen, die einzig und allein den Zweck verfolgen, uns abzulenken vom wirklichen politischen Geschehen.<br>\nDie NachDenkSeiten f&uuml;hren uns wieder ans Eingemachte. Die Autoren haben keine Angst davor, sich mit Journalisten anzulegen, und vor allem nicht mit gro&szlig;en Verlagskonzernen!<\/p><p>Und das ist unendlich wichtig, denn es scheint, als ob sich keine Zeitung mehr wirklich mit einer anderen &ndash; und sei sie noch so unterschiedlich &ndash; anlegen will.<\/p><p>Am Ende halten doch alle zusammen. Und deshalb braucht es eben auch die NachDenkSeiten und dieses Buch.<\/p><p>Wer sie liest, zweifelt an dem, was als selbstverst&auml;ndlich hingenommen wird. Vorurteile werden br&uuml;chig. Mit neuen Informationen best&uuml;ckt schaut man dann anders auf unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Probleme.<\/p><p>Wenn es einen Preis f&uuml;r jene Texte g&auml;be, die politisches Interesse wecken und dazu animieren, sich einzumischen, statt sich davonzumachen, die Autoren m&uuml;ssten pr&auml;miert werden. Sie ermuntern dazu, sich wieder an der &ouml;ffentlichen Debatte zu beteiligen, auch wenn bei der Lekt&uuml;re ihrer Texte die erste Reaktion Emp&ouml;rung ist.<\/p><p>Wenn es einen Preis f&uuml;r Unbestechlichkeit des Denkens g&auml;be, die Autoren dieses Buches und der NachDenkSeiten m&uuml;ssten ihn bekommen. Manchmal geht mir ihre Unabh&auml;ngigkeit und ihre Scheu, sich vereinnahmen zu lassen, schon ein bisschen zu weit. Ich neige zum Beispiel der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu. Die Autoren dieses Buches lassen sich allerdings auf diesen Traum nicht ein. Weil sie ihre Aufgabe darin sehen, ihre Leserinnen und Leser davon abzuhalten, Ideen und Konzepten hinterherzulaufen, die nicht zu Ende gedacht sind.<\/p><p>In diesem Punkt haben sie mich noch nicht ganz &uuml;berzeugt&hellip;<\/p><p>Aber das ist ja nun mal das Interessante an den NachDenkSeiten und an den Texten dieses Buches: Die Autoren erwarten nicht, dass man ihnen blind vertraut oder gar irgendeiner Ideologie folgt.<\/p><p>Sie kl&auml;ren auf, hinterfragen und recherchieren.<\/p><p>Ihr kritischen Texte ersetzen nicht die Medien, sie erg&auml;nzen sie. Sie reagieren auf Beitr&auml;ge, Meldungen und Berichte. Decken auf und: denken nach.<\/p><p>Die Autoren haben trotz aller Preisw&uuml;rdigkeit bisher au&szlig;er dem &raquo;Alternativen Medienpreis&laquo; keinen bedeutenden Preis bekommen. Das ist leicht zu erkl&auml;ren. Wer hierzulande den Meinungsmachern auf die Finger schaut, ist nicht gut gelitten. Wer Medienschelte betreibt, bekommt den geballten Widerstand der Medienmacher zu sp&uuml;ren.<\/p><p>Die Autoren der NachDenkSeiten-Texte brauchen keinen Preis. Wichtiger ist, dass sich die Leserinnen und Leser melden und sich besser informiert f&uuml;hlen, sich wieder ihre eigenen Gedanken machen und sich vor allem wieder in &ouml;ffentliche Angelegenheiten einmischen.<\/p><p>Mit den NachDenkSeiten erreichen die Autoren heute t&auml;glich &uuml;ber 50 000 verschiedene Leserinnen und Leser. Mehr als f&uuml;nfeinhalb Millionen Mal werden die Seiten im Monat aufgerufen. Unter denNutzerinnen und Nutzern sind &uuml;berdurchschnittlich viele mit hohem politischem Interesse, K&uuml;nstlerinnen und K&uuml;nstler, Betriebsr&auml;te und Freiberufler, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende, Gewerkschafter, Kirchenleute und vor allem auch viele Journalistinnen und Journalisten. Die NachDenkSeiten gelten als einer der gr&ouml;&szlig;ten politischen Blogs in Deutschland. Das ist bemerkenswert und bei einem nichtkommerziellen, ehrenamtlichen Projekt wirklich bewundernswert.<\/p><p>Es ist beeindruckend, dass sich um die NachDenkSeiten und -Jahrb&uuml;cher ein Netzwerk der Gegen&ouml;ffentlichkeit gebildet hat. Viele Nutzerinnen und Nutzer liefern t&auml;glich Argumente und Dokumente. In &uuml;ber hundert Gespr&auml;chskreisen treffen sich Menschen zum Gespr&auml;ch und zum Gedankenaustausch &uuml;ber dr&auml;ngende Fragen unserer Zeit. F&uuml;r mich ist es &ndash; wie f&uuml;r viele andere &ndash; zur t&auml;glichen Routine geworden, nach der Lekt&uuml;re der Tageszeitung einen Blick in die NachDenkSeiten zu werfen.<\/p><p>Die Autoren sind vor drei Jahren dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nachgekommen, nicht nur im Netz zu ver&ouml;ffentlichen. Sie wollen mit einer thematisch geordneten Zusammenstellung einschl&auml;giger Texte in einem Buch Menschen eine Informationsquelle bieten, die keinen Internetzugang haben; sie kommen damit zugleich dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nach, die gerne wichtige Fakten und Argumente schwarz auf wei&szlig;, also gedruckt, haben wollen.<\/p><p>Jetzt haben sich die Autoren entschlossen, das Kritische Jahrbuch nicht nur &uuml;ber die NachDenkSeiten anzubieten, sondern auch &uuml;ber den Buchhandel. Diesem Vorsto&szlig; w&uuml;nsche ich gro&szlig;en Erfolg. Und den Lesern einen Erkenntnisgewinn, der bereichert und obendrein Spa&szlig; macht.<\/p><h3>Einleitung<\/h3><p>Nach der Krise ist vor der Krise: Warum sich in der Politik nichts &auml;ndert und warum wir weiter gegen den Mainstream anschreiben<\/p><p>Die Finanzkrise hat die tiefste Rezession der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg ausgel&ouml;st. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaftsleistung um f&uuml;nf Prozent. Das reale Wirtschaftswachstum in den Industriel&auml;ndern ging nach Sch&auml;tzungen des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) um &uuml;ber drei Prozent zur&uuml;ck. Auch die langfristigen Wachstumsaussichten sind getr&uuml;bt. Wir stehen eher vor einer Deflation als vor einer Inflation.<\/p><p>Den &ouml;ffentlichen Haushalten hat die Krise einen schweren Schlag versetzt. Die Haushaltsdefizite d&uuml;rften sich lange halten und die Schuldenst&auml;nde weiter ansteigen. Nach Sch&auml;tzungen des IWF wird die Bruttostaatsverschuldung der G20-L&auml;nder vermutlich von 78 Prozent des BIP auf 118 Prozent im Jahre 2014 zunehmen. Selbst die Deutsche Bank muss eingestehen, dass die Finanzkrise <em>&raquo;der wichtigste einzelne Grund f&uuml;r den massiven Anstieg der &ouml;ffentlichen Defizite und Schuldenst&auml;nde&laquo;<\/em> ist.<\/p><p>Die Staaten haben f&uuml;r die Rettung der Banken Milliardenbetr&auml;ge in bis dato unvorstellbarer H&ouml;he zur Verf&uuml;gung gestellt. Vom Herbst 2008 bis zum Fr&uuml;hjahr 2009 wurden dem Finanzsektor Billionen US-Dollar f&uuml;r Garantien und Kapitalhilfen gegeben, um die Panik an den Finanzm&auml;rkten einzud&auml;mmen. Die zugesagten Mittel erreichten in den Industriel&auml;ndern 20 bis 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, in Gro&szlig;britannien sogar das Doppelte. Die Bundesregierung spannte in einer Nacht- und Nebelaktion einen Bankenrettungsschirm. Der Staat garantierte damit 400 Milliarden Euro f&uuml;r sogenannte Refinanzierungsinstrumente. 80 Milliarden Euro wurden f&uuml;r die Rekapitalisierung und f&uuml;r Risiko&uuml;bernahmen bereitgestellt, die durch den Erwerb von problematischen Forderungen von Finanzunternehmen n&ouml;tig wurden. Schlie&szlig;lich errichtete man noch einen &raquo;Deutschlandfonds&laquo; mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro, der Unternehmen helfen soll, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind.<\/p><p>Die 30 Milliarden Euro f&uuml;r das Konjunkturpaket I und weitere 50 Milliarden Euro f&uuml;r ein Konjunkturpaket II sind dagegen geradezu <em>&raquo;kleine Fische&laquo;<\/em> &ndash; zumal in die sogenannten Konjunkturpakete Ausgaben hineingerechnet sind, die mit Konjunkturpolitik nichts zu tun haben. Bis Ende 2009 sind zur St&uuml;tzung der Finanzinstitute 98 Milliarden Euro an Kosten angefallen, wie die Financial Times Deutschland am 19. April 2010 berichtete. Zur gleichen Zeit erkl&auml;rte die Bundesbank, dass in den Jahren 2008 und 2009 &uuml;ber die H&auml;lfte der Bruttoneuverschuldung auf Rettungsma&szlig;nahmen zugunsten von Finanzinstituten im Zusammenhang mit der Finanzkrise entfielen.<\/p><p>Wir erleben die heftigste Krise seit der Weltwirtschaftskrise der zwanziger und drei&szlig;iger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Noch nie hat es nach dem Zweiten Weltkrieg derart heftige Verwerfungen gegeben. Sie sind letztlich das bittere Resultat von &uuml;ber drei&szlig;ig Jahren neoliberaler Wirtschaftspolitik. Sp&auml;testens seit dem Scheidungsbrief an die sozialliberale Koalition, dem sogenannten Lambsdorff-Papier, haben &raquo;Reaganomics&laquo; und &raquo;Thatcherismus&laquo; auch in Deutschland ihren Siegeszug angetreten. Das Rezept ist schlicht: Der Markt kann alles besser als der Staat. Die Zutaten sind: Deregulierung und Privatisierung auf allen Feldern, Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des Staates durch einen Steuersenkungswettlauf zwischen den L&auml;ndern, Kostensenkung durch Lohndumping, wirtschaftspolitische Fixierung auf die Angebotsseite, also die Erleichterung der Investitionsbedingungen und Vernachl&auml;ssigung, ja sogar das Ignorieren, der Binnennachfrage.<\/p><p>Die Finanzwirtschaft wurde massiv gef&ouml;rdert, sie wurde zu einem der bedeutendsten Bereiche der deutschen Volkswirtschaft erkl&auml;rt. Zahllose Gesetze und Ma&szlig;nahmen zur F&ouml;rderung der Kreditwirtschaft und zur Deregulierung der Finanzm&auml;rkte wurden erlassen. 2005 erkl&auml;rte das Bundesministerium der Finanzen voller Stolz:<\/p><p><strong>&raquo;Das Ziel fest im Blick: Konsequente Schritte in eine erfolgreiche Zukunft f&uuml;r den Finanzmarkt Deutschland in Europa<\/strong><\/p><p><em>Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren wichtige Stufen erklommen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Finanzplatz Deutschland in Europa und der Welt. Entschlossene Reformen und Ver&auml;nderungen waren notwendig &ndash; f&uuml;r die Finanzwirtschaft und f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger<\/em><\/p><ul>\n<li><em>Das Investmentsparen durch die Bundesb&uuml;rger soll langfristig und nachhaltig gesteigert werden: Teilhabe aller am wirtschaftlichen Erfolg ist das Ziel.<\/em><\/li>\n<li><em>Infolge der demographischen Entwicklung muss die umlagefinanzierte erste S&auml;ule der Altersversorgung gesichert werden &ndash; deshalb geht es um die St&auml;rkung der privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge.<\/em><\/li>\n<li><em>Die gewaltigen Potenziale des deutschen Finanzmarktes m&uuml;ssen als Motor f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung der Volkswirtschaft vollst&auml;ndig ausgesch&ouml;pft werden.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Finanzdienstleistungssektor tr&auml;gt mit einer Bruttowertsch&ouml;pfung von rund 86 Milliarden Euro mit etwa 4,6 Prozent zum deutschen BIP bei.<\/em><\/li>\n<li><em>Dar&uuml;ber hinaus ist die Finanzdienstleistungsbranche mit rund 1,4 Millionen Besch&auml;ftigten einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgeber hoch qualifizierter und gut ausgebildeter Leute.<\/em><\/li>\n<li><em>Die Kreditwirtschaft ist einer der bedeutendsten Bereiche der deutschen Volkswirtschaft.<\/em><\/li>\n<li><em>Deutschland ist &ndash; gemessen an den Pr&auml;mieneinnahmen &ndash; der viertgr&ouml;&szlig;te Versicherungsmarkt der Welt und Weltmarktf&uuml;hrer im R&uuml;ckversicherungsmarkt.<\/em><\/li>\n<li><em>Deutschland ist Sitz der gr&ouml;&szlig;ten Terminb&ouml;rse der Welt (Eurex).<\/em><\/li>\n<li><em>Der Bondmarkt des Finanzstandorts Deutschland ist mit Abstand der gr&ouml;&szlig;te in Europa.&laquo;<\/em><\/li>\n<\/ul><p>Und so hie&szlig;en dann unten anderem die Gesetze im Rahmen des &raquo;Finanzmarktf&ouml;rder plans 2006&laquo; :<\/p><ul>\n<li><strong>&raquo;Investmentmodernisierungsgesetz<\/strong><br>\n<em>Durch das am 1. Januar 2004 in Kraft getretene Investmentmodernisierungsgesetz wurden neue EU-Vorschriften f&uuml;r Investmentfonds in nationales Recht umgesetzt und das deutsche Investmentrecht grundlegend modernisiert. Das Investmentgesetz war die Grundlage f&uuml;r die Einf&uuml;hrung von Hedgefonds in Deutschland und er&ouml;ffnete damit den direkten Zugang f&uuml;r deutsche Anleger zu diesem innovativen Produkt. Grundlage des Vorhabens war ein liberaler Ansatz, der zugleich einen umfassenden und effektiven Anlegerschutz f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gew&auml;hrleistet.<\/em><\/li>\n<li><strong>Finanzkonglomerate<\/strong><br>\n<em><em>Zu Beginn 2005 ist das Gesetz zur Umsetzung der Finanzkonglomeraterichtlinie in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz wurden die EU-Standards f&uuml;r die Beaufsichtigung komplexer Finanzgruppen aus Banken, Wertpapierfirmen und Versicherungen in das deutsche Finanzaufsichtsrecht umgesetzt. Damit wurden bislang noch bestehende Aufsichtsl&uuml;cken geschlossen, die Aufsichtsbefugnisse insgesamt verbessert.<\/em><\/em><\/li>\n<li><strong>Verbriefungsmarkt \/Asset Backed Securities<\/strong><br>\n<em>Die Bundesregierung hat es Kreditinstituten erleichtert, Kreditforderungen zu verbriefen: Es wurden Verbriefungszweckgesellschaften, die von Kreditinstituten Kreditforderungen &uuml;bernehmen und verbriefen, gewerbesteuerrechtlich hinsichtlich der Behandlung von Dauerschulden den Banken gleichgestellt. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen sind mit dem Gesetz zur F&ouml;rderung von Kleinunternehmern und zur Verbesserung der Unternehmensfinanzierung im August 2003 r&uuml;ckwirkend zum 1. Januar 2003 in Kraft getreten.<\/em><\/li>\n<li><strong>Siebtes Gesetz zur &Auml;nderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes<\/strong><br>\n<em>Mit dem vom Bundesrat am 8. Juli 2005 verabschiedeten Gesetz wurde die Pensionsfondsrichtlinie (2003\/41\/EG) der EU in nationales Recht umgesetzt und die Versicherungswirtschaft und die Altersversorgung gest&auml;rkt: Die kapitalgedeckten Systeme betrieblicher Altersversorgung k&ouml;nnen nun am freien Kapital- und Dienstleistungsverkehr teilhaben. Der europ&auml;ische Binnenmarkt f&uuml;r Finanzdienstleistungen wird damit im Bereich der betrieblichen Altersversorgung erweitert, sicherer und lukrativer. Die Bundesregierung setzt konsequent ihre Bem&uuml;hungen fort, das Drei-S&auml;ulen-Modell der Altersvorsorge (gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge) als zukunftsweisendes System der Alterssicherung insgesamt weiter zu st&auml;rken. Im Vordergrund stand auch und besonders der Schutz der Versorgungs- und Leistungsberechtigten. Nationales Sozial-, Arbeits- und Steuerrecht wird von der Richtlinie nicht ber&uuml;hrt.<\/em><\/li>\n<li><strong>Gesetz zur &Auml;nderung des Versicherungsaufsichtsgesetzes (2004)<\/strong><br>\n<em>Mit diesem Gesetz wurde durch die Bundesregierung die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Versicherungswirtschaft und der Schutz der Versicherten entscheidend und nachhaltig verbessert: Wichtigste Punkte sind die verst&auml;rkte Aufsicht &uuml;ber R&uuml;ckversicherungsunternehmen sowie die Neuregelungen f&uuml;r Sicherungsfonds f&uuml;r die Lebensversicherung und die Krankenversicherung im Falle eines Unternehmenszusammenbruchs (k&uuml;nftiger Sicherungsfonds der Protektor AG und Medicator AG).<\/em><\/li>\n<li><strong>Europ&auml;ische Einbindung\/Aktionsplan Finanzdienstleistungen<\/strong><br>\n<em>Zwischen dem Finanzmarktf&ouml;rderplan der Bundesregierung und der Schaffung eines einheitlichen europ&auml;ischen Finanzmarktes durch den EU-Aktionsplan Finanzdienstleistungen bestehen zahlreiche Verkn&uuml;pfungen. Dies ist wenig erstaunlich, wenn man sich vergegenw&auml;rtigt, dass mehr als 80 Prozent der Kapitalmarktvorschriften ihren Ursprung in Entscheidungen des europ&auml;ischen Gesetzgebers haben.&laquo;<\/em><\/li>\n<\/ul><p>Mit der Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente und der Einf&uuml;hrung der &raquo;Riester-Rente&laquo;, mit der sogenannten &Ouml;ffentlich-Privaten-Partnerschaft (&Ouml;PP oder PPP) und der Privatisierung von Leistungen der Daseinsvorsorge wurden der Finanzwirtschaft Gesch&auml;ftsfelder f&uuml;r den Umsatz von riesigen Milliardensummen zugeschanzt.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich wurde mit den sogenannten Arbeitsmarktreformen eine Lohnsenkungsspirale von bislang unvorstellbarer Abw&auml;rtsdynamik in Gang gesetzt: mit Ein-Euro-Jobs, Niedrigl&ouml;hnen, Leih- und Teilzeitarbeit und vor allem einer seit den neunziger Jahren real stagnierenden Lohnentwicklung. Die Lohnquote, das hei&szlig;t der Anteil der L&ouml;hne am Volkseinkommen, liegt heute mit 66 Prozent auf einem historischen Tiefstand &ndash; neun Prozentpunkte unter dem Spitzenniveau von 1974. Die Einkommen aus Gewinnen und Verm&ouml;gen haben dagegen um 36 Prozent zugenommen.<\/p><p>Die gro&szlig;en Versprechen, die mit dieser Rezeptur verbunden waren, haben sich nahezu alle als leer erwiesen. Doch statt die Therapie zu &auml;ndern, wurde nur die Dosis der immergleichen Rezepte erh&ouml;ht. <strong>Die Finanzkrise ist nur der dramatischste Beweis f&uuml;r das Scheitern dieser Politik.<\/strong><\/p><p>Angesichts der katastrophalen Auswirkungen h&auml;tte man erwarten d&uuml;rfen, dass die Menschen aus Erfahrung klug werden und die f&uuml;r diesen Kurs politisch Verantwortlichen bei den Wahlen abstrafen. Das Gegenteil ist eingetreten: Bei den letzten Bundestagswahlen erhielt die marktradikalste Partei, die FDP, den h&ouml;chsten Stimmengewinn und konnte zusammen mit CDU\/CSU eine schwarzgelbe Koalition bilden. Merkel hat den Regierungswechsel aus einer gro&szlig;en Koalition geschafft, weil die Verluste der SPD durch die Gewinne von Gr&uuml;nen und der Linken nicht ausgeglichen werden konnten.<\/p><p>Am Abend der Bundestagswahl standen wir von den NachDenkSeiten vor der Alternative: fl&uuml;chten oder standhalten? Sollten wir genauso politisch resignieren, wie das offenbar ein Drittel der Wahlbev&ouml;lkerung, das gar nicht mehr zur Wahl ging, getan hatte? Sollten wir uns eingestehen, dass wir der geballten Macht der Meinungsmache, den Interessen der Finanzindustrie und der Gro&szlig;wirtschaft, diesen finanzstarken Besitzstandswahrern, mit unseren Argumenten und Fakten nichts entgegensetzen k&ouml;nnen?<\/p><p>Wir haben uns f&uuml;r das Standhalten entschieden. Das vorliegende Buch ist ein Beweis daf&uuml;r. Wir sehen in dem Wahlergebnis, dass unsere Demokratie in Not ist. Viele Umfragen, unter anderem das Eurobarometer der EU, zeigen ein erschreckendes Ergebnis: <strong>Ungef&auml;hr die H&auml;lfte der Deutschen ist mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, weniger oder gar nicht zufrieden.<\/strong><\/p><p>Wohlgemerkt, die Menschen sind mit dem &raquo;Funktionieren&laquo; der Demokratie unzufrieden, die Zustimmung zu unserem Grundgesetz hat eher zugenommen.<\/p><p>73 Prozent der Arbeitslosen, 63 Prozent der Hartz-IV-Haushalte, 61 Prozent der Ostdeutschen, 60 Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 700 Euro beurteilen die demokratische Praxis in Deutschland kritisch. Das zeigt die Polis\/Sinus- Studie von 2008.<\/p><p>Deutlich mehr als die H&auml;lfte der befragten Menschen in Deutschland sagen, dass es in Deutschland ungerecht zugehe, dass die &raquo;Reformen&laquo; nicht erfolgreich seien, dass die Hartz-Reformen alles in allem nicht gut seien. Nahezu vier von f&uuml;nf Deutschen sagen, dass wir einen gesetzlichen Mindestlohn brauchten, und genauso viele halten die Rente mit 67 oder die Privatisierung der Bahn f&uuml;r falsch. Bis hin zum Afghanistankrieg lie&szlig;en sich noch viele Beispiele anf&uuml;hren, wo eine gro&szlig;e Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung die politischen Entscheidungen der Regierenden ablehnt. Meinungen und W&uuml;nsche der Mehrheit spielen am Kabinettstisch und im Parlament offenbar nur eine geringe Rolle. Der Einfluss jener, die &uuml;ber viel Geld, publizistische Macht und Beziehungen verf&uuml;gen, ist dagegen un&uuml;bersehbar gro&szlig;.<\/p><p>Der Wille des Volkes und Sacherw&auml;gungen spielen keine Rolle, wenn Interessen ins Spiel kommen. Die politischen Entscheidungen geraten mehr und mehr in den Einflussbereich spezieller Interessen und von Interessengeflechten. Der Einfluss auf politische Entscheidungen l&auml;uft auf verschiedenen Wegen, zum Beispiel mit Hilfe<\/p><ol>\n<li>von Lobbyarbeit,<\/li>\n<li>der direkten Platzierung von gewogenen Personen in politischen &Auml;mtern<\/li>\n<li>der politischen Korruption durch private Verg&uuml;nstigungen,<\/li>\n<li>von Propaganda.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Der Einfluss von au&szlig;enstehenden Interessen und Personen ist um vieles h&ouml;her und vielf&auml;ltiger, als wir uns das vorstellen.<\/strong><\/p><p>Wer Geld und publizistische Macht hat, versucht das Wahlverhalten zu beeinflussen. Das erlebten wir bei den vergangenen Wahlen wieder einmal, und zwar von der Bildzeitung bis hin zum ZDF.<\/p><p>Wer die beschriebene Macht hat, beeinflusst aber auch die innere Willensbildung der Parteien. Das gilt f&uuml;r Entscheidungen zum Programm, zur Strategie und auch f&uuml;r Entscheidungen zu Personen. Die in der Katastrophe endende Entwicklung der SPD und die Verschiebung bei den Gr&uuml;nen zugunsten ziemlich opportunistischer Realos ist nicht zu erkl&auml;ren, wenn man die Beeinflussung dieser inneren Entwicklung durch Propaganda und vermutlich auch durch Platzierung von Personen von au&szlig;en au&szlig;er Acht l&auml;sst.<\/p><p>Wer die Macht hat, beeinflusst sogar die Entscheidung f&uuml;r Koalitionen. Das konnte man an der Saar genauso wie bei der letzten B&uuml;rgerschaftswahl in Hamburg sehen. Auch damals wurde im Vorfeld schon massiv Propaganda gemacht f&uuml;r die schwarz-gr&uuml;ne Zusammenarbeit. Diese Propaganda wird von Public-Relations-Agenturen mit vorbereitet. Sie beeinflussen Medien und einzelne Personen wie Wissenschaftler und andere Multiplikatoren.<\/p><p>Wenn man solche Gedanken und Vermutungen &auml;u&szlig;ert, dann ist in der Regel der Vorwurf f&auml;llig, ein Verschw&ouml;rungstheoretiker zu sein. Dieser Vorwurf ist angesichts der Tatsachen ziemlich seltsam. Es gab zu viele F&auml;lle zum Beispiel der politischen Korruption, die man nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten hat. Man nehme etwa die vielen Politiker, die nach dem Ausscheiden aus dem Amt f&uuml;r private Interessen auf dem Feld ihrer vorherigen T&auml;tigkeit arbeiteten und arbeiten. Man nehme etwa die Beratungsvertr&auml;ge von Kohl und einer Reihe seiner politischen Freunde mit dem Medienmogul Leo Kirch &ndash; sozusagen als Dank f&uuml;r die Kommerzialisierung des Fernsehens; man nehme R&uuml;rup als ehemaligen Vorsitzenden des Sachverst&auml;ndigenrates oder den &raquo;Finanzwissenschaftler&laquo; Raffelh&uuml;schen, die beide f&uuml;r Finanzdienstleister und Versicherungen t&auml;tig sind. Viele Beispiele mehr finden Sie in diesem Buch.<\/p><p>Wenn man die Gefahren f&uuml;r die Existenz einigerma&szlig;en demokratischer Entscheidungsfindung realistisch einsch&auml;tzen will, dann muss man die finanziellen M&ouml;glichkeiten der potenziellen Steuerleute unseres politischen Geschehens und ihre gewachsenen Beeinflussungspotenziale mithilfe der PR-Wirtschaft betrachten. Wenn Finanzmittel in Milliardenh&ouml;he in den H&auml;nden von egoistischen und zynischen Personen sind, dann entsteht eine brisante Mischung. Das k&ouml;nnte die Zukunft unserer Demokratie in Frage stellen.<\/p><p><strong>Der Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung ist ein Dokument f&uuml;r eine an diesen Interessen ausgerichtete Politik<\/strong><\/p><p>Dort hei&szlig;t es unter der &Uuml;berschrift <em>&raquo;Mehr Netto vom Brutto&laquo;<\/em>:<\/p><p><em>&rsaquo;Wir werden erstens die Motivation und Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer und Arbeitgeber in unserem Land schnell und deutlich st&auml;rken, indem wir sofort damit beginnen, die Steuern zu senken, b&uuml;rokratische Hemmnisse abzubauen und mehr Anreize zu schaffen, damit sich regul&auml;re, sozialversicherungspflichtige Arbeit in allen Bereichen lohnt. &lsaquo;<\/em> ( S.1 )<\/p><p>Steuern senken und b&uuml;rokratische Hemmnisse abbauen, das sind die Tarnworte f&uuml;r die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung des Staates durch finanzielles <em>&raquo;Aushungern&laquo;<\/em> und Deregulierung. <em>&raquo;Anreize schaffen, damit sich regul&auml;re, sozialversicherungspflichtige Arbeit lohnt&laquo;<\/em>, das hei&szlig;t &uuml;bersetzt: Senkung der gesamten unternehmerischen Lohnkosten und damit vor allem des Arbeitgeberanteils bei den sogenannten Lohnnebenkosten und Steuerentlastung f&uuml;r Unternehmen. Dies alles in der Hoffnung, dass die Unternehmer wieder mehr investierten und dadurch Arbeitspl&auml;tze schafften.<\/p><p>Es geht also um die Fortsetzung des &raquo;Steuersenkungswahns&laquo; der Vergangenheit, wo ohne R&uuml;cksicht auf die gesamtwirtschaftliche Situation &ndash; geleitet vom Anreizgedanken &ndash; die Steuers&auml;tze f&uuml;r Unternehmen und verm&ouml;gende Haushalte massiv gesenkt wurden. Dabei zeigte sich allerdings, dass durch die <em>&raquo;Jahrhundertsteuerreformen&laquo;<\/em> die Investitionen weder stabiler noch dynamischer wurden als zuvor. Es wurden dadurch &ndash; au&szlig;er in den vom Export angesto&szlig;enen Aufschwungphasen &ndash; auch keine zus&auml;tzlichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitspl&auml;tze geschaffen. Alle diese &raquo; Reformen &laquo; sind verpufft, weil die Tatsache ignoriert wurde, dass Unternehmen in schlechten Zeiten eben nicht nur mehr Anreize brauchten, sondern schlicht mehr Nachfrage nach ihren Produkten.<\/p><p>Das Ergebnis einer solchen Anreiz-Wirtschaftspolitik war im &Uuml;brigen nicht etwa mehr Innovation, sondern im Gegenteil Stillstand beim Wachstum und bei den L&ouml;hnen und &ndash; wie sich gleichfalls gezeigt hat &ndash; eine allenfalls von der Nachfrage von drau&szlig;en, also vom Export angeregte Konjunktur.<\/p><p>Entgegen der st&auml;ndig wiederholten Behauptung der schwarz-gelben Koalition&auml;re, Steuersenkungen schafften Wachstum und Besch&auml;ftigung, gibt es f&uuml;r diese These weder theoretisch noch empirisch eindeutige Hinweise. Selbst das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rechnet bestenfalls mit einer Selbstfinanzierung der Steuersenkungen von etwa einem Drittel. Allenfalls kann mit Unternehmenssteuersenkungen die Position von exportorientierten Firmen im internationalen Wettbewerb verbessert werden. Das aber auch nur kurzfristig, denn damit w&uuml;rde nur eine erneute Runde im Steuersenkungswettlauf zwischen den L&auml;ndern ausgel&ouml;st.<\/p><p>Der erste Grundsatz hei&szlig;t also, dass Deutschland weiter versuchen soll, &uuml;ber den Export zu Wachstum zu kommen und damit auf Kosten anderer zu leben. Und das in einer Zeit, wo weltweit die Nachfrage sinkt und kaum ein &Ouml;konom seine Hoffnung auf Wachstum aus dem Export setzt.<\/p><p>Aber die &ouml;konomische Wirklichkeit scheint bei den Koalitionsverhandlungen ohnehin ausgeblendet worden zu sein. Dort lautete offenbar die Devise &raquo;Weiter so&laquo;, egal welche Fehler in der Vergangenheit gemacht worden sind, wir erh&ouml;hen die Dosis der alten Rezepte und setzen weiter auf Export:<\/p><p><em>&raquo;Wir wollen eine Steuerpolitik, die f&uuml;r die Unternehmen in Deutschland Rahmenbedingungen schafft, die ihr auch in Zeiten der Globalisierung ihre starke Stellung erm&ouml;glicht.&laquo;<\/em><\/p><p>Oder:<\/p><p><em>&raquo;Steuerpolitik ist auch Standortpolitik. Aus diesem Grund wollen wir das Unternehmenssteuerrecht weiter modernisieren und international wettbewerbsf&auml;hig gestalten.&laquo;<\/em> (S. 5)<\/p><p>Diese Politik des Niederkonkurrierens anderer Volkswirtschaften hat inzwischen die n&auml;chste Krise, die Euro-Krise, ausgel&ouml;st. Mit einem 750-Milliarden-Euro-Gesamtpaket, an dem sich Deutschland mit 148 Milliarden beteiligt, muss nun die Finanzstabilit&auml;t des Euroraumes gesichert werden.<\/p><p><strong>Eine Krise nach der anderen belegt das Scheitern dieses Kurses<\/strong><\/p><p>Doch diese Koalition verk&uuml;ndet nach jedem Scheitern einen &raquo; Neustart &laquo;. Diese Koalition erinnert an den Witz von dem Irren, der mit dem Kopf gegen die Wand rennt und sich dar&uuml;ber freut, wenn der Schmerz nachl&auml;sst.<\/p><p>Bei der Bundespr&auml;sidentenwahl am 30. Juni 2010 waren neun Monate, fast schon ein parlamentarisches Jahr vergangen. Nach dem Eindruck mancher Beobachter war bei dieser fast gescheiterten Wulff-Wahl sichtbar geworden, dass der Regierung Angela Merkel und ihrer Koalition der Start nicht richtig gelungen war. Typisch f&uuml;r diese Erkl&auml;rungsmuster ist ein Beitrag bei Spiegel Online vom 1. Juli 2010:<\/p><p><em>&raquo;<strong>Der n&auml;chste Neustart kommt bestimmt<\/strong><br>\nWieder einmal hei&szlig;t es: Alles auf null. Nach neun Monaten in der Regierung will Schwarz-Gelb endlich mal loslegen mit dem Regieren.<\/em><\/p><p><em>An gutem Willen herrscht kein Mangel.<\/em><\/p><p><em>Es komme jetzt darauf an, &rsaquo;dass die Regierung ihre Arbeit macht&lsaquo;, sagt Kanzlerin Angela Merkel.<\/em><\/p><p><em>Die Koalition m&uuml;sse sich weniger mit sich selbst besch&auml;ftigen, sondern mit &rsaquo;der L&ouml;sung der Probleme&lsaquo;, sagt FDP-Chef Guido Westerwelle.<\/em><\/p><p><em>CDU-Generalsekret&auml;r Hermann Gr&ouml;he fordert: &rsaquo;Das Mannschaftsspiel muss besser werden.&lsaquo;<\/em><\/p><p><em>CDU-Vize Annette Schavan sagt: &rsaquo;Es ist jetzt Zeit f&uuml;r &uuml;berzeugende Politik. &lsaquo;<\/em><\/p><p><em>CSU-Chef Seehofer w&uuml;nscht sich, dass jetzt &rsaquo;F&uuml;hrung gezeigt&lsaquo; werde.<\/em><\/p><p><em>FDP-Generalsekret&auml;r Christian Lindner sagt: &rsaquo;Ab heute sollten wir in der Koalition nach vorne Politik machen.&lsaquo; [&hellip;]<\/em><\/p><p><em>Die qu&auml;lende Bundespr&auml;sidentenwahl hat Merkel auf schmerzhafte Weise vor Augen gef&uuml;hrt, wie es um die Gefolgschaft ihrer eigenen Leute bestellt ist. Nicht nur der entt&auml;uschten Koalition&auml;re aus FDP und CSU, sondern auch aus den eigenen Reihen. [&hellip;]<\/em><\/p><p><em>Die Entt&auml;uschten wieder einzusammeln, ist keine leichte Aufgabe f&uuml;r eine Vorsitzende, die inzwischen fast allein an der Spitze der Partei steht. Die CDU ist eine Partei im Umbruch, die bisher so m&auml;chtigen Merkel-Stellvertreter Roland Koch, J&uuml;rgen R&uuml;ttgers und Christian Wulff geben ihre &Auml;mter auf. Bis zum Parteitag im November muss sie eine neue F&uuml;hrungsmannschaft finden, die auch ihre Gegner befriedet.<\/em><\/p><p><em>Regieren allerdings, das steht fest, muss Merkel sofort. Gelegenheit dazu gibt es genug, die Akten der aufgeschobenen Projekte stapeln sich auf dem Schreibtisch der Kanzlerin. [&hellip;]&laquo;<\/em><\/p><p>Die angebotenen Erkl&auml;rungsmuster f&uuml;r die Schwierigkeiten von Angela Merkel zur Koalition sind ungen&uuml;gend. Es mangelt nicht daran, dass Merkel nicht regieren will. Es mangelt nicht daran, dass sie keine F&uuml;hrungsqualit&auml;t hat. Es mangelt auch nicht daran, dass das Mannschaftsspiel besser werden m&uuml;sse oder die Koalition nach vorne gef&uuml;hrt werden m&uuml;sse. Als h&auml;tten es die Koalitionsparteien vers&auml;umt, sich mit ihren inneren Problemen zu besch&auml;ftigen!<\/p><p><strong>Es mangelt vor allem an Sachverstand: Es gibt weder ein &uuml;berzeugendes wirtschafts- und finanzpolitisches Konzept noch eine Alternative zur neoliberalen Doktrin vom Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Staates.<\/strong><\/p><p>Fatal ist zudem, dass es keine Opposition im wirklichen Sinne des Wortes gibt. Vor allem die immer noch zahlenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;te Gegenkraft, die SPD, f&auml;llt weitgehend aus. Nat&uuml;rlich &ndash; die schwarz-gelbe Koalition f&uuml;hrt ja nur das fort, was Rot-Gr&uuml;n in ihrer Politik schon angelegt hat. Das gilt f&uuml;r die Agenda 2010, f&uuml;r Afghanistan, f&uuml;r die Privatisierung der Bahn, f&uuml;r die Politik der einseitigen Steuersenkung f&uuml;r Unternehmen und Besserverdienende, f&uuml;r die F&ouml;rderung spekulativer T&auml;tigkeit auf den Finanzm&auml;rkten, f&uuml;r die Einf&uuml;hrung der Privatvorsorge, und so weiter. Was soll die SPD zum Beispiel zur staatlichen Verpflichtung zur Privatvorsorge in der Pflegeversicherung sagen, wenn M&uuml;ntefering dies f&uuml;r die Riesterrente mehrmals gefordert hat?<\/p><p>Nirgendwo kann die SPD richtig zuschlagen. Entsprechend fallen die &Auml;u&szlig;erungen zum Beispiel des Fraktionsvorsitzenden Steinmeier aus. Er sprach zu Beginn von einem <em>&raquo;grandiosen Fehlstart&laquo;<\/em>. Union und FDP seien <em>&raquo;auf das Regieren offenkundig schlecht vorbereitet&laquo;<\/em>, sagte er der Bild am Sonntag. <em>&raquo;Schwarz-Gelb hat keinen Kurs und keinen Plan f&uuml;r die Zukunft unseres Landes. Der Koalitionsvertrag schafft in den meisten Feldern mehr Durcheinander als Klarheit.&laquo;<\/em> Das sind formale Einw&auml;nde eines durch fr&uuml;here Festlegungen gel&auml;hmten Oppositionsf&uuml;hrers.<\/p><p>Die fatale Kontinuit&auml;t unserer Politik zeigt sich auch in den Personalentscheidungen: J&ouml;rg Asmussen beispielsweise bleibt auch unter Sch&auml;uble im Amt &ndash; obwohl er formal der SPD angeh&ouml;rt. Zur Erinnerung: Asmussen ist jener Staatssekret&auml;r und fr&uuml;here Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, der der Finanzindustrie schon auf vielf&auml;ltige Weise Vorteile zu Lasten von uns Steuerzahlern verschafft hat.<\/p><p>Asmussen hat auch bisher schon zur Freude der Finanzindustrie mit der CDU\/CSU zusammenarbeitet. In seiner Zeit unter Eichel wurde die Steuerbefreiung der Gewinne bei Verm&ouml;genstransaktionen zugunsten der sogenannten Heuschrecken beschlossen. Er hat unter Eichel und Steinbr&uuml;ck den Finanzplatz Deutschland durch &Ouml;ffnung f&uuml;r spekulative Gesch&auml;fte f&ouml;rdern wollen und gef&ouml;rdert. Wir haben dar&uuml;ber in den NachDenkSeiten ausf&uuml;hrlich berichtet.<\/p><p>Asmussen hat in Zusammenarbeit mit Merkels Vertrautem f&uuml;r Finanzen, Weidmann, den 480-Milliarden-Euro-Rettungsschirm f&uuml;r die Banken und Versicherungen vorbereitet und sitzt in den weitgehend unkontrollierten Gremien zur Verteilung unseres Geldes. Er ist wesentlich daf&uuml;r verantwortlich, dass wir die private Bank IKB mit circa acht Milliarden Euro &ouml;ffentlichen Geldes gerettet haben. Er war ma&szlig;geblich beteiligt an der Rettung der Hypo Real Estate mit bisher &uuml;ber 100 Milliarden Euro zugesicherten Garantien, wovon ein gro&szlig;er Teil an Banken, Versicherungen und Fonds flie&szlig;t, die sich bei der HRE verzockt haben.<\/p><p>Die Entscheidung von Frau Merkel ist in ihrem Sinne und im Sinne der Finanzindustrie. Damit ist garantiert, dass nichts unternommen wird, um das Casino zu schlie&szlig;en. Und es ist garantiert, dass Interna unter der Decke bleiben. Daran haben sowohl Merkel als auch Asmussen und die daran beteiligten SPD-Prominenten wie Steinbr&uuml;ck, Steinmeier und M&uuml;ntefering ein gro&szlig;es Interesse.<\/p><p><strong>Damit diese Verbindungen aufgedeckt werden, braucht es weiter eine Gegen&ouml;ffentlichkeit<\/strong><\/p><p>Einige Leser der NachDenkSeiten haben uns darauf hingewiesen, dass die Aufkl&auml;rungsarbeit, die wir mit unserem Blog betreiben, trotz der politischen &raquo;Gro&szlig;wetterlage&laquo; und des Mainstream in Politik, Medien und Wissenschaft, erfolgreicher sei als wir oft selbst glauben. Unter anderem schrieb ein Leser aus Siegen:<\/p><p><em>&raquo;Eines meiner Lieblingszitate lautet: &rsaquo;Man kann ein solcher Verlierer sein, dass man nicht bemerkt, wann man gewonnen hat.&lsaquo; &rsaquo;Steter Tropfen h&ouml;hlt den Stein&lsaquo; bleibt aber auch wahr.&laquo;<\/em><\/p><p>Ein anderer NachDenkSeiten-Leser wies auf die Kommentare zu einzelnen Artikeln in Zeitungen und deren Onlineauftritten hin :<\/p><p><em>&raquo;In der aktuellen ZEIT gab es wieder mal ein unversch&auml;mtes Interview, dieses Mal mit Herrn Ernst. [&hellip;] Aber wenn Sie sich die Kommentare anschauen, merken fast alle, woher der Wind pfeift, und das k&ouml;nnen Sie m. E. zum allergr&ouml;&szlig;ten Teil sich selber und Ihren Mitstreitern auf den NachDenkSeiten zuschreiben! Ihr Ansatz, Strukturen sichtbar zu machen, ist einfach genial. [&hellip; ]<\/em><\/p><p><em>Ihr F.-J. K.&laquo;<\/em><\/p><p>Die Strukturen der Meinungsmache sichtbar zu machen, das war in der Tat der Grundgedanke bei der Gr&uuml;ndung der NachDenkSeiten. Wir h&auml;tten diese Arbeit aber bisher und k&ouml;nnten sie auch k&uuml;nftig ohne die vielen interessanten Hinweise unserer Leserinnen und Leser nicht leisten. Ihnen und insbesondere den t&auml;glich mitarbeitenden Helferinnen und Helfern gilt deshalb Lob und Anerkennung in gleicher Weise. Und auch sie sind damit die Adressaten der folgenden Mail:<\/p><p><em>&raquo;Ich finde es schon erstaunlich, wie weit der Lobbyismus um sich greift und wie er auch noch von gewissen Parteien gef&ouml;rdert wird! Und mit diesem Hinweis m&ouml;chte ich Ihnen allen ganz herzlich f&uuml;r Ihre Seiten danken. Ganz klasse Arbeit! Und ich stelle fest, immer mehr Menschen in meinem Bekanntenkreis kennen Ihre Seiten inzwischen und lesen diese regelm&auml;&szlig;ig. Ein gro&szlig;es Lob, Sie leisten wertvolle Arbeit.&laquo;<\/em><\/p><p>Das Internet bietet f&uuml;r unsere Art von Gegen&ouml;ffentlichkeit ein gutes Feld. Doch um eine Mehrheit in Politik und Gesellschaft zu erreichen, ist unsere Arbeit noch zu schwach. Aber angesichts des Verlustes an aufkl&auml;renden und aufkl&auml;rerischen Beitr&auml;gen in der &ouml;ffentlichen Debatte und angesichts des sich verbreitenden Kampagnenjournalismus ist sie weiterhin wichtig. Die NachDenkSeiten sind inzwischen zu einem der wichtigsten politischen Blogs geworden. Mit &uuml;ber sechs Millionen Page Impressions im Monat erreichen sie auch viele sogenannte Multiplikatoren, das hei&szlig;t Journalisten und andere meinungsbildende Kreise. Das macht Hoffnung.<\/p><p><em>Ihr Albrecht M&uuml;ller und Wolfgang Lieb<\/em><\/p><p><strong>Bibliographie<\/strong><\/p><p>Albrecht M&uuml;ller, Wolfgang Lieb<br>\nNachdenken &uuml;ber Deutschland Das kritische Jahrbuch 2010\/2011<br>\nErschienen: September 2010<br>\n272 Seiten<br>\nKlappenbroschur<br>\n&euro; 14,95 [D], &euro; 15,40 [A], sFr 23,50<br>\nISBN: 9783938060568<\/p><p><strong>Download:<\/strong> <a href=\"upload\/pdf\/kjb_2010_2011_inhaltsverzeichnis_und_leseprobe.pdf\">Inhaltsverzeichnis &amp; Leseprobe [PDF &ndash; 258 KB]<\/a><br>\n<strong>Download:<\/strong> <a href=\"upload\/pdf\/Vorwort_Einleitung_Das_kritische_Jahrbuch_2010_2011.pdf\">Vorwort &amp; Einleitung [PDF &ndash; 303 KB]<\/a><br>\n<strong>Bestellung:<\/strong> <a href=\"?page_id=6835\">Zu den Bestellformularen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/das_kritische_jahrbuch_2010_2011.gif\" alt=\"NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2010\/2011\" title=\"NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2010\/2011\"\/><\/p>\n<p><strong><a href=\"?page_id=6835\" style=\"background: #CC0000; color: #fff; padding: 5px; text-decoration: none;\">&raquo; Direkt bestellen &raquo;<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Vorwort<\/h3>\n<p><strong>Warum die NachDenkSeiten wichtig sind<\/strong><br \/> <em>von Konstantin Wecker<\/em><\/p>\n<p>Als ich im Jahre 2003 nach einem 10-t&auml;gigen Aufenthalt im Irak nach Deutschland zur&uuml;ckkam, war mir klar, dass ein Gro&szlig;teil der Medien &uuml;ber das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=7035\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"class_list":["post-7035","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7035","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7035"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7035\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7041,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/7035\/revisions\/7041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7035"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}