{"id":1000,"date":"2005-12-26T16:00:25","date_gmt":"2005-12-26T14:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1000"},"modified":"2016-02-23T09:29:28","modified_gmt":"2016-02-23T08:29:28","slug":"die-primitivitat-der-offentlichen-debatte-ist-offenbar-noch-steigerungsfahig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1000","title":{"rendered":"Die Primitivit\u00e4t der \u00f6ffentlichen Debatte ist offenbar noch steigerungsf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"<p>Herausragender Beleg f&uuml;r diese Entwicklung ist die Weihnachtansprache des Bundespr&auml;sidenten. Am Weihnachtsfeiertag kam uns auch ein <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/index.asp?ran=on&amp;url=http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/24.12.2005\/2254626.asp#art\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/index.asp?ran=on&amp;url=http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/24.12.2005\/2254626.asp#art\">Beitrag von Gert G. Wagner<\/a> zu Familie, Elterngeld und Erziehung auf den Tisch. Wer sich daf&uuml;r interessiert, auf welchem d&uuml;rftigen Niveau sich die &ouml;ffentliche Debatte zu wichtigen Themen vollzieht, sollte sowohl die Weihnachtsansprache des Bundespr&auml;sidenten als auch diesen Beitrag lesen. Ausz&uuml;ge:<br>\n<!--more--><br>\nEs geht hier nicht um die Person von Gerd G. Wagner. Es geht um den Einfluss dieses Denkens. Wagner ist Forschungsdirektor am Deutschen Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung und Professor an der TU Berlin, er ist immerhin Vorsitzender der Sozialkammer der Evangelischen Kirche, Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und t&auml;tig in vielen Gremien und Kommissionen mit Einfluss auf die Familienpolitik.<\/p><p>Ich zitiere einige Passagen und kommentiere kurz in kursiv:<\/p><p>&ldquo;Familienpolitik sollte k&uuml;nftig noch mehr als in den letzten Jahrzehnten gestaltend in Lebensentw&uuml;rfe und Lebensl&auml;ufe eingreifen. Das Leitbild von der freien Gesellschaft, in der jeder am besten wei&szlig;, was f&uuml;r ihn und seine Kinder richtig ist, ist pass&eacute;.&ldquo; <\/p><p><em>AM: So falsch ist die Beobachtung, dass Gesellschaft und Staat sich um die Entwicklung von Kindern k&uuml;mmern sollten, nicht. Auch die erg&auml;nzende &Auml;u&szlig;erung von Wagner, die Politik habe viele Kinder und Jugendliche mit ihren Problemen alleine gelassen, ist richtig. Wie der Autor aber auf die Idee kommt, das hinter diesem Nichtstun steckende Leitbild sei pass&eacute;, verstehe ich nicht. Immerhin hatte Bundeskanzlerin Merkel gerade als Motto verk&uuml;ndet: &bdquo;Freiheit wagen&ldquo;. Und die damit verbundene Ideologie bestimmt unsere gesellschaftspolitische Diskussion.<\/em><\/p><p>&bdquo;Mit dem geplanten und umstrittenen Elterngeld will die Bundesregierung in die Lebensl&auml;ufe der Eltern aktiv eingreifen. Der Transfer wird &ndash; scheinbar unsozial &ndash; f&uuml;r Gutverdienende h&ouml;her sein als f&uuml;r Eltern mit niedrigem Einkommen, damit sich wieder mehr gut ausgebildete junge Leute f&uuml;r Kinder entscheiden. Vom so langfristig ausgel&ouml;sten Wirtschaftswachstum werden dann auch weniger gut Verdienende profitieren.&ldquo;<\/p><p><em>AM: Dass das Elterngeld f&uuml;r gut Verdienende h&ouml;her sein soll als f&uuml;r Eltern mit niedrigem Einkommen wird als &bdquo;scheinbar unsozial&ldquo; gekennzeichnet. Scheinbar. Beachtlich! Noch beachtlicher ist die Behauptung, wenn gutausgebildete junge Leute mehr Kinder bek&auml;men, dann w&uuml;rde das langfristig ein besonderes Wirtschaftswachstum ausl&ouml;sen. Wie denn das? Steckt dahinter die Theorie, dass die Kinder von Besserverdienenden intelligenter und wachstumstr&auml;chtiger seien? Und davon w&uuml;rden dann auch die weniger gut Verdienenden profitieren? Insgesamt abenteuerlich!! <\/em><\/p><p>&bdquo;Die Abwesenheit der V&auml;ter in der Erziehung ist &uuml;brigens ein neues Ph&auml;nomen der Industriegesellschaft. Jahrtausendelang lebten und arbeiteten Familien eng zusammen, die V&auml;ter k&uuml;mmerten sich auch um die Kinder. In der Bibel wird das oft an Vater-Sohn-Konflikten deutlich.&ldquo;<\/p><p><em>AM: Dass der Autor bis zum Jahr 2005 gebraucht hat, um zu merken, dass V&auml;ter in der Industriegesellschaft h&auml;ufig als Betreuer der Kinder ausfallen, kann man nur als bemerkenswert bezeichnen. Ich nehme an, dass man dies auch schon 1905 wusste.<\/em><\/p><p>Nicht durch Gesetze, aber durch Handeln vor Ort muss sich der Staat mehr um Kinder k&uuml;mmern, deren Eltern ihnen nicht die beste Erziehung zukommen lassen. Ich prognostiziere, dass Kinder&auml;rzte st&auml;rker mit den Kommunen zusammenarbeiten werden, und dass durch ein fl&auml;chendeckendes Vorschulangebot viel fr&uuml;her als bislang Bildungsdefizite ausgeglichen werden. Schuld an den Defiziten sind im &Uuml;brigen nicht nur die Eltern selbst, sondern die modernen Familienstrukturen mit weniger Geschwistern und Verwandten als fr&uuml;her. &Uuml;berspitzt gesagt: Betreuerinnen und Lehrer werden mehr und mehr Rollen einnehmen, die fr&uuml;her Gro&szlig;m&uuml;tter und Onkel spielten.<\/p><p><em>AM: Hier ist manches wieder richtig beobachtet. Allerdings heute erst festzustellen, dass Schuld an den Defiziten die modernen Familienstrukturen mit weniger Geschwistern und Verwandten seien, ist wiederum erstaunlich. Dazu ist zum einen anzumerken, dass die Kleinfamilien nun wirklich nicht ganz neu sind. Au&szlig;erdem d&uuml;rfte es andere und viel gewichtigere Ursachen f&uuml;r die Bildungsdefizite geben als das Fehlen der Geschwister, Onkel und Gro&szlig;m&uuml;tter. Vom Fernsehen und Multimedia spricht der Autor sonderbarer Weise nicht. Wenn man schon Schuldige festmachen will, muss man sich auf jeden Fall mit dem Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen besch&auml;ftigen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herausragender Beleg f&uuml;r diese Entwicklung ist die Weihnachtansprache des Bundespr&auml;sidenten. Am Weihnachtsfeiertag kam uns auch ein <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/index.asp?ran=on&amp;url=http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/24.12.2005\/2254626.asp#art\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/index.asp?ran=on&amp;url=http:\/\/archiv.tagesspiegel.de\/archiv\/24.12.2005\/2254626.asp#art\">Beitrag von Gert G. Wagner<\/a> zu Familie, Elterngeld und Erziehung auf den Tisch. 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