{"id":100119,"date":"2023-07-02T14:00:55","date_gmt":"2023-07-02T12:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100119"},"modified":"2025-07-20T19:25:32","modified_gmt":"2025-07-20T17:25:32","slug":"philippinen-von-der-kolonie-zum-willfaehrigen-brueckenkopf-washingtons-im-suedchinesischen-meer-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100119","title":{"rendered":"Philippinen: Von der Kolonie zum willf\u00e4hrigen Br\u00fcckenkopf Washingtons im S\u00fcdchinesischen Meer (Teil II)"},"content":{"rendered":"<p>Unterdr&uuml;ckung, Revolten und bewaffneter Widerstand sind eine Konstante in der philippinischen Geschichte. Das war so w&auml;hrend der ann&auml;hernd 350-j&auml;hrigen Kolonialzeit unter den Spaniern, die 1898 endete. Und das war so in dem halben Jahrhundert der sich anschlie&szlig;enden US-amerikanischen Kolonial&auml;ra. Am 4. Juli (sic!) 1946 gew&auml;hrte Washington den Inseln die Unabh&auml;ngigkeit, die sie den Filipinos zuvor jedoch gewaltsam vorenthalten hatte, als diese vor just 125 Jahren, am 12. Juni 1898, nach siegreichem Kampf gegen Spanien die erste unabh&auml;ngige Republik in Asien proklamierten. Einerlei, ob in den Philippinen heute der 12. Juni als nationaler Feiertag gilt und der 4. Juli als Gedenktag begangen wird &ndash; der Inselstaat war, ist und bleibt auch auf absehbare Zeit Washingtons engster Vasall in der Asien-Pazifik-Region. Kein Wunder, dass bereits in der Fr&uuml;hphase US-amerikanischer Herrschaft &uuml;ber den Archipel die Filipinos von Uncle Sams Gesandten paternalistisch als &bdquo;kleine braune Br&uuml;der&ldquo; tituliert wurden. Kein Wunder auch, dass der damalige wie heutige imperiale Blick fest auf China fokussiert ist, das seinerseits eigene Herrschaftsinteressen in der Region verfolgt. Ein kritischer R&uuml;ck- und Ausblick unseres S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>, dessen ersten Teil Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100114\">hier nachlesen<\/a> k&ouml;nnen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&bdquo;Klein-Japan&ldquo; in den S&uuml;dphilippinen<\/strong><\/p><p>Das gleiche Schicksal erlitt die Baumwollproduktion. Um eingestellte Baumwollimporte aus den USA und Indien zu kompensieren, war vorgesehen, in den Philippinen und anderen L&auml;ndern S&uuml;dostasiens gro&szlig; in die Baumwollproduktion einzusteigen, auf diese Weise das angloamerikanische Embargo zu unterlaufen und den gesamtjapanischen Bedarf an diesem Rohstoff zu sichern. Der gr&ouml;&szlig;ten s&uuml;dphilippinischen Insel Mindanao sollte dabei die Schl&uuml;sselrolle zufallen. Hier hatten sich bereits seit den 1920er-Jahren vermehrt japanische Staatsb&uuml;rger niedergelassen (sodass man im Volksmund bereits von einem <em>&bdquo;Japan-kuo&ldquo;, &bdquo;Klein-Japan&ldquo;<\/em>, sprach), von denen es dem Gesch&auml;ftsmann Ohta Kyozaburo sp&auml;ter gelang, die <em>Ohta Development Company<\/em> in Davao zu etablieren. Dort konzentrierte sich die Firma zun&auml;chst auf den Anbau von Abaca (Manilahanf) und weitete ihre Produktpalette (darunter auch Zitrusfr&uuml;chte) mit der Gr&uuml;ndung weiterer Unternehmen wie der <em>Mintal Plantation Company, Riverside Plantation Company <\/em>und <em>Talomo River Plantation Company<\/em> betr&auml;chtlich aus.<\/p><p>&Uuml;ber wirtschaftliche Erw&auml;gungen hinaus war Mindanao als bedeutsamer Knotenpunkt der japanischen Nachrichtendienste und Spionage interessant, befand sich dort doch auch ein Ableger des &uuml;ber ganz Ost- und S&uuml;dostasien verteilten Zweigs der <em>Kokuryu-kai<\/em>, der <em>&bdquo;Schwarzer Drachen&ldquo;<\/em>-Gesellschaft, die gemeinsam mit der <em>Genyosha<\/em> (&bdquo;<em>Dunkler Ozean&ldquo;<\/em>-Gesellschaft beziehungsweise <em>&bdquo;Schwarzer Ozean&ldquo;<\/em>-Gesellschaft) f&uuml;r die japanische Armee und Regierung Spionagedienste leisteten und aktiv in Sabotageakte &ndash; vor allem in China &ndash; verwickelt waren. Dass sich die Mindanao-Connection aus Sicht des japanischen Generalstabs regional nicht intensiver und effektiver nutzen lie&szlig;, war darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass sich die japanische Kolonie in und um Davao haupts&auml;chlich aus Residenten zusammensetzte, die urspr&uuml;nglich aus Okinawa stammten. Die galten jedoch als ungebildet, &bdquo;minderwertig&ldquo; und, da sie zwischenzeitlich Filipinos geheiratet hatten, zudem als unsichere Kantonisten &ndash; was nicht ausschloss, dass einige dieser Residenten solche Ressentiments kompensierten, indem sie sich als besonders gl&uuml;hende Verehrer ihrer Heimat den japanischen Streitkr&auml;ften andienten und an ihrer Seite k&auml;mpften.<\/p><p><strong>&bdquo;Unabh&auml;ngig&ldquo; von Tokios Gnaden<\/strong><\/p><p>Es gab auch Kr&auml;fte in der Gesellschaft, die strikt antiamerikanisch, gleichzeitig aber betont projapanisch eingestellt waren, deren F&uuml;hrer &ndash; wie beispielsweise General Artemio Ricarte und Benigno Ramos &ndash; fr&uuml;her die Amerikaner als aufst&auml;ndische Offiziere beziehungsweise als Mitglieder sozialrevolution&auml;rer Bewegungen bek&auml;mpft hatten. Um sie scharten sich projapanische paramilit&auml;rische Freiwilligenverb&auml;nde wie die &bdquo;Friedensarmee&ldquo;, <em>Makapili <\/em>(Abk&uuml;rzung f&uuml;r <em>&bdquo;Pro Philippinen&rdquo;<\/em>) und <em>Bisig-Bakal ng Tagala (Eiserner Arm der Tagalen)<\/em>. Nach dem Krieg traf die &Uuml;berlebenden und Sympathisanten dieser Organisationen der Bannfluch, und sie wurden als sozial ge&auml;chtete Kollaborateure ins Gef&auml;ngnis geworfen, w&auml;hrend Kollaborateure aus den Reihen der politischen und christlichen Elite mit Glac&eacute;handschuhen behandelt und nahezu ausnahmslos amnestiert wurden.<\/p><p>Anstelle der fr&uuml;her existierenden politischen Parteien schufen die japanischen Milit&auml;rbeh&ouml;rden Anfang Dezember 1942 die Einheitsbewegung <em>Kapisanan sa Paglilingkod sa Bagong Pilipinas<\/em> (kurz: Kalibapi), die <em>&bdquo;Gesellschaft im Dienst f&uuml;r die Neuen Philippinen&ldquo;.<\/em> Zu deren F&uuml;hrer wurde Jorge B. Vargas ernannt, der bereits zuvor von General Homma zum Vorsitzenden der Exekutivkommission bestimmt worden war. Generalmajor Mayasi Yoshide wurde erster Direktor der japanischen Milit&auml;rverwaltung. Die nationale Regierung wurde umbenannt in Zentrale Verwaltungsorganisation, die ihrerseits von einem eingesetzten Staatsrat assistiert wurde. Die alte Commonwealth-Regierung verlegte Mitte Mai 1942 offiziell ihren Sitz nach Washington. Die Kalibapi und andere neu geschaffene politische Organisationen und Strukturen unterstanden somit der direkten Kontrolle der japanischen Milit&auml;rverwaltung und wurden von dieser genutzt, um die Philippinen endg&uuml;ltig in die &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; zu entlassen.<\/p><p>Im Juni 1943 verk&uuml;ndete die Kalibapi, die wesentlich auf Manila beschr&auml;nkt blieb, die Gr&uuml;ndung der <em>Vorbereitungskommission f&uuml;r die Philippinische Unabh&auml;ngigkeit<\/em> mit Dr. Jos&eacute; P. Laurel als Pr&auml;sidenten. Diese Kommission erarbeitete eine neue Verfassung, die Anfang September von einer Nationalversammlung ratifiziert wurde, deren Generalversammlung am Ende desselben Monats Jos&eacute; P. Laurel zum Pr&auml;sidenten der neuen Republik der Philippinen und Benigno S. Aquino zu ihrem Sprecher k&uuml;rte. Offiziell blieb Laurel Pr&auml;sident von Japans Gnaden vom 14. Oktober 1943 bis zum 15. August 1945, als er von seinem japanischen Exil aus die japanische Besatzung f&uuml;r beendet erkl&auml;rte. Anerkannt war diese sogenannte Zweite Philippinische Republik au&szlig;er von den Achsenm&auml;chten nur noch von Spanien und dem Vatikan.<\/p><p>Laurel, Spross einer angesehenen Familie aus der s&uuml;dlich von Manila gelegenen Provinz Batangas, war von Haus aus Jurist. Nach seinem Studium an der staatlichen University of the Philippines und Yale University wurde er 1925 in den philippinischen Senat gew&auml;hlt und 1936 zum stellvertretenden Richter am Obersten Gerichtshof des Landes ernannt. Wie kein anderer politischer Clan auf den Inseln verk&ouml;rperten Laurel und seine Familie prototypisch bedingungsloses Paktieren mit den jeweils M&auml;chtigen. Unter den Spaniern waren die Laurels zu Ehren gelangt, die US-Amerikaner hofierten sie ebenso ungeniert wie die neuen japanischen Kolonialherren, um danach wiederum ihre Herzen im Takte mit dem transpazifischen Sieger schlagen zu lassen.<\/p><p>Selbst in der Nachkriegspolitik mischten die Laurels stets an prominenten Stellen mit und bet&auml;tigten sich, gewichtige St&uuml;tzpfeiler der Nationalistischen Partei, mehrfach als K&ouml;nigs- beziehungsweise Pr&auml;sidentenmacher, indem sie &ndash; wie im Falle des sp&auml;teren Despoten Ferdinand E. Marcos (1965-86) &ndash; Politiker der oppositionellen Liberalen Partei geschickt in ihr Camp bugsierten, die sodann auf deren politischer Plattform siegreich das Rennen machten. Sozusagen als Kriegsbeute lie&szlig; sich der philippinische Pr&auml;sident von Tokios Gnaden von den geschlagenen Truppen des Generals Yamashita Tomoyuki mit nach Japan bringen. Die Sieger zeigten allerdings Erbarmen. Zwar lie&szlig; der Oberkommandierende der US-Streitkr&auml;fte im Fernen Osten, General Douglas MacArthur, Laurel aufgrund seiner Kollaboration mit Japan festnehmen und zeitweilig ins Sugano-Gef&auml;ngnis in der N&auml;he von Tokio sperren. Doch trotz des Laurel zur Last gelegten Hochverrats und damit verbundener Anklagen in &uuml;ber 130 F&auml;llen wurde dem Politiker kein Haar gekr&uuml;mmt. Er musste sich vor keinem Gericht verantworten, geriet in den Genuss einer Generalamnestie, um bereits 1951 erneut in den Senat der mittlerweile auch von den USA (formal) unabh&auml;ngig gewordenen Republik der Philippinen einzuziehen.<\/p><p><strong>Leidiges R&auml;nkespiel: Kooptation &amp; Kollaboration<\/strong><\/p><p>Jos&eacute; P. Laurel verstand seine Politik nach der Flucht der Commonwealth-Regierung und General Douglas MacArthurs als aufopferungsvollen Einsatz im Dienst des Volkes, dem er gr&ouml;&szlig;eres Blutvergie&szlig;en ersparen wollte. Als Pr&auml;sident eines Vasallenregimes von Tokios Gnaden kontrollierte er aber gerade mal ein Viertel des Landes &ndash; meist die gr&ouml;&szlig;eren St&auml;dte einschlie&szlig;lich ihrer Au&szlig;enbezirke. Doch in diesem Herrschaftsbereich setzte er sich kompromisslos und vorrangig f&uuml;r die Interessen des japanischen Besatzungsregimes ein. Eine der ersten Amtshandlungen von Pr&auml;sident Laurel bestand in der Anweisung an alle Reis- und Maisproduzenten, ihre Ernten und Vorr&auml;te unverz&uuml;glich an Regierungsstellen abzuliefern, damit diese ihren Verpflichtungen nachkommen konnten, die japanischen Truppen mit Lebensmitteln zu versorgen.<\/p><p>Den zweiten Jahrestag des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor lie&szlig; Laurel durch eine Pr&auml;sidialverk&uuml;ndigung Anfang 1943 unisono mit den Kriegstrommlern in Tokio als <em>&bdquo;Tag der Befreiung des Gr&ouml;&szlig;eren Ostasien&ldquo;<\/em> feiern, an dem sich Japan anschickte, &bdquo;die orientalischen V&ouml;lker von der westlichen Herrschaft zu befreien&ldquo;. Am 7. Dezember 1943 lie&szlig; Pr&auml;sident Laurel eine Erkl&auml;rung ver&ouml;ffentlichen, in der er die &bdquo;doppelte Bedeutung&rdquo; des neuen Feiertags erl&auml;uterte. Dieser Festtag &bdquo;versetzte nicht nur dem westlichen Imperialismus im Fernen Osten den Todessto&szlig;&rdquo;, sondern &bdquo;ebnete gleichzeitig den Weg f&uuml;r die gegenw&auml;rtig hervorragende Einheit aller ostasiatischen V&ouml;lker&ldquo;. In der fast gleichzeitig &uuml;bertragenen Rundfunkansprache des japanischen Premierministers Tojo Hideki lautete die Botschaft so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Anglo-Amerikaner haben keinen anderen Wunsch als den, die anderen Rassen der Erde zu beherrschen, um in Komfort und Luxus zu leben &ndash; in starkem Kontrast zu den Aspirationen der Ostasiaten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Solche und &auml;hnliche Verlautbarungen, Stellungnahmen und Verf&uuml;gungen ver&ouml;ffentlichte das in Manila gedruckte englischsprachige Tageblatt <em>&bdquo;The Tribune&ldquo;<\/em>. Der Aufmacher des Blattes am 10. Dezember 1943 war in besonders martialischem Ton verfasst:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die harsche Tatsache, dass der Gr&ouml;&szlig;ere Ostasiatische Krieg nicht nur ein Auszehrungskrieg, sondern auch ein totaler Krieg ist, wird dadurch unterstrichen, dass der Feind gewaltige Verluste hinnehmen muss, die ihm die japanische Armee und Marine zuf&uuml;gen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Um internationale Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den unaufhaltsamen siegreichen Vormarsch der Kaiserlich Japanischen Truppen zu suggerieren, tauchten in den von der japanischen Milit&auml;rverwaltung in Manila kontrollierten Medien auch sporadisch Berichte &uuml;ber Treffen in der japanischen Hauptstadt auf, wo auf Konferenzen die unzertrennbare Freundschaft der Gr&ouml;&szlig;eren Ostasiatischen Familie zelebriert wurde. Die Leitung solcher Treffen lag in den H&auml;nden von Marineminister Admiral Shimada Shigetaro, dem Minister f&uuml;r das Gr&ouml;&szlig;ere Ostasien, Aoki Kazuo, sowie Au&szlig;enminister Shigemitsu Mamoru. Zu den stets geladenen G&auml;sten geh&ouml;rten neben Laurel die Vasallen aus China, Mandschukuo, Thailand und Birmas Ba Maw sowie Subhas Chandra Bose aus Indien.<\/p><p>So rasch es den japanischen Truppen auch gelungen war, die Philippinen milit&auml;risch zu besetzen und dort ein ihnen gef&uuml;giges Regime zu installieren, so gering blieben von Anfang an ihre Chancen, &bdquo;Hirne und Herzen&ldquo; der Bev&ouml;lkerung zu gewinnen und sich auf den Inseln dauerhaft festzusetzen. Aufgrund landesweiter Ablehnung, Proteste und bewaffneten Widerstands waren die neuen Machthaber mitsamt ihrer neuen Regierung nicht einmal in der Lage, das Hauptnahrungsmittel Reis ausreichend produzieren zu lassen, geschweige denn die Preise daf&uuml;r halbwegs stabil zu halten. Je l&auml;nger der Krieg dauerte, desto brutaler wurden die Methoden, Reis einzutreiben. Was nicht in die H&auml;nde der japanischen Armee gelangte, landete auf dem Schwarzmarkt. So angespannt und desolat war die Lage, dass das Land erst zu Beginn der 1950er-Jahre wieder den Vorkriegsstand der Reisproduktion erreichte.<\/p><p>Als General Douglas MacArthur sein fr&uuml;heres Versprechen &bdquo;Ich werde zur&uuml;ckkehren&ldquo; wahrmachte und nach gro&szlig;en japanischen Verlusten im Pazifik sowie im &ouml;stlichen Teil der Philippinen am 20. Oktober 1944 in Begleitung von Sergio Osme&ntilde;a, dem Nachfolger des im August 1944 im US-Exil verstorbenen Pr&auml;sidenten Manuel Quezon, nahe der Stadt Tacloban auf der Insel Leyte an Land ging, betrat er ein weitgehend verw&uuml;stetes Land. Bereits wenige Tage sp&auml;ter &uuml;bertrug MacArthur die zivile Kontrolle der wieder von den USAFFE kontrollierten Gebiete dem Commonwealth-Pr&auml;sidenten. Das Dilemma: Noch regierte in Manila ein Pr&auml;sident mit Tokios Segen, w&auml;hrend der US-Proteg&eacute; Osme&ntilde;a selbst nach Einsch&auml;tzung von Experten des U.S. Army War College in Pennsylvania als schwacher, ineffektiver Politiker galt, dem es im Gegensatz zu seinem Vorg&auml;nger &uuml;berdies an Charisma mangelte.<\/p><p><strong>Zerst&ouml;rung Manilas &ndash; Entwaffnung der Guerilla<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Von allen Kriegshauptst&auml;dten erlitt nur Warschau h&ouml;here Sch&auml;den als Manila.&ldquo; <\/em>General Dwight D. Eisenhower, zit. nach: Robert A. Smith (1958):<em> Philippine Freedom 1946-1958. <\/em>New York: Columbia University Press, S. 115\n<\/p><\/blockquote><p>Um die Jahreswende 1944\/45 r&uuml;ckte der Krieg immer n&auml;her an die Hauptstadt. Es dauerte den gesamten Februar 1945, bis nach &auml;u&szlig;erst verlustreichen Stra&szlig;enschlachten, in denen buchst&auml;blich um jede H&auml;userzeile gek&auml;mpft wurde, die Entscheidungsschlacht in der N&auml;he des alten spanischen Stadtzentrums Intramuros ausgefochten wurde. Was sp&auml;ter als &bdquo;Befreiung&ldquo; Manilas gepriesen wurde, war ein Gemetzel, in dessen Verlauf binnen weniger Tage etwa 100.000 Zivilisten ihr Leben verloren. Als Japan ein halbes Jahr sp&auml;ter zur Kapitulation gezwungen wurde, betrug die Zahl der w&auml;hrend des Krieges get&ouml;teten Filipinos &uuml;ber eine Million, die meisten davon in der erbitterten Endphase des Krieges. Au&szlig;erdem kamen in dieser Zeit &uuml;ber 60.000 US-Amerikaner und sch&auml;tzungsweise 300.000 Japaner ums Leben.<\/p><p>W&auml;hrend des Krieges, so belegten es sp&auml;tere Untersuchungen, waren nicht weniger als 260.000 Filipinos in unterschiedlichen Guerillaorganisationen aktiv, w&auml;hrend sich ein noch gr&ouml;&szlig;erer Teil der Bev&ouml;lkerung heimlich im antijapanischen Untergrund engagiert hatte. Das erkl&auml;rte, warum die japanischen Truppen effektiv nie mehr als 12 der damals 48 Provinzen des Landes zu kontrollieren vermochten. Die mit Abstand gr&ouml;&szlig;te und bedeutendste Guerillaorganisation war die Hukbalahap unter der milit&auml;rischen F&uuml;hrung von Luis Taruc. Etwa 30.000 Huk-K&auml;mpfer kontrollierten auf dem H&ouml;hepunkt der Kampfhandlungen den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Insel Luzon. H&auml;tten sich die Huks landesweit verankern k&ouml;nnen, w&auml;re das sowohl f&uuml;r die Japaner w&auml;hrend des Krieges als auch f&uuml;r die US-Amerikaner nach dem Krieg ein gravierendes &bdquo;Sicherheitsproblem&ldquo; gewesen. Bei Kriegsende gingen alle diese Guerillaorganisationen, erst recht die sozialistisch orientierte Hukbalahap, davon aus, zumindest als formidable Kraft im Widerstand gegen die japanischen Besatzer gew&uuml;rdigt, wenn nicht gar entsch&auml;digt zu werden. Mit gutem Grund konnten sie auf die Versprechen hochrangiger US-Politiker und Milit&auml;rs verweisen, die ihnen sogar eine Gleichbehandlung mit den GIs in Aussicht gestellt hatten.<\/p><p>Umso gr&ouml;&szlig;er war das Erstaunen, dass einer der ersten Befehle des USAFFE-Chefs MacArthur nach der verlustreichen Einnahme Manilas und noch vor der Kapitulation Japans an die Adresse der Huks gerichtet war, ihre Waffen unverz&uuml;glich zu strecken und sie den USAFFE-Einheiten beziehungsweise US-Kommandeuren zu &uuml;bergeben. Nur vereinzelt und selektiv erhielten Huk-K&auml;mpfer eine Anerkennung und Entsch&auml;digung f&uuml;r ihre Dienste und die Chance, sich in die regul&auml;ren philippinischen Streitkr&auml;fte zu integrieren. USAFFE-Veteranen hingegen wurden Jobs in der philippinischen Milit&auml;rpolizei angeboten, ausgerechnet jenem Segment der philippinischen Sicherheitskr&auml;fte, das von den Japanern zur Kontrolle des Hinterlandes eingesetzt worden war. Im Volksmund, erst recht in den von den Huks kontrollierten Gebieten, hie&szlig;en die USAFFE denn auch &bdquo;Tulisaffe&ldquo; &ndash; &bdquo;tulisan&ldquo; in Filipino\/Tagalog hei&szlig;t &bdquo;Dieb&ldquo;, &bdquo;R&auml;uber&ldquo;.<\/p><p>Weigerten sich Huk-K&auml;mpfer, ihre Waffen an zugewiesenen &Uuml;bergabestellen oder Checkpoints abzugeben, wurden sie als &bdquo;gesetzlos&ldquo; und &bdquo;Banditen&ldquo; gebrandmarkt und entsprechend behandelt. In der n&ouml;rdlich von Manila gelegenen Provinz Pampanga umzingelten US-Soldaten Stellungen der Huks und entwaffneten sie gewaltsam. Letztere ergaben sich nur, weil man ihnen mit standrechtlicher Erschie&szlig;ung gedroht hatte. Die Milit&auml;rpolizei erhielt Order, hochrangige Huk-Kader als &bdquo;Aufst&auml;ndische&ldquo; zu entwaffnen und festzunehmen. Kurzzeitig wurde selbst Luis Taruc gefangen genommen und inhaftiert. Doch Massenproteste und die Bef&uuml;rchtung der US-Streitkr&auml;fte, die Sicherheitslage k&ouml;nnte sich in Zentralluzon dramatisch verschlechtern, f&uuml;hrten zu seiner alsbaldigen Freilassung.<\/p><p>Ein anderes Problem stellten die von den Huks w&auml;hrend des Krieges geschaffenen &ndash; und vor allem funktionsf&auml;higen &ndash; Gegenstrukturen in Politik und Verwaltung dar. Die <em>Vereinten Barrio Verteidigungskorps (Barrio United Defense Corps; BUDC) <\/em>waren effektiv und volksnah, doch aus Sicht der Commonwealth-Regierung und der USA auf einmal illegal. Die von Letzteren eingesetzten Alternativen waren zwar legal, doch erwiesen sich diese Leute in der Regel als g&auml;nzlich unerfahren, korrupt und auf Eigenvorteile bedacht. Ein Dauerkonflikt zwischen den alt-neuen Machthabern und der Guerilla war programmiert. Folgerichtig benannte sich die Hukbalahap Ende der 1940er-Jahre in <em>Volksbefreiungsarmee (Hukbong Mapagpalaya ng Bayan; kurz: HMB)<\/em> um, die fortan die Regierung und US-Streitkr&auml;fte auf den Inseln bek&auml;mpfte.<\/p><p><strong>Politisches Comeback der Eliten<\/strong><\/p><p>Urspr&uuml;nglich hatte die US-Milit&auml;rf&uuml;hrung auf den Inseln gedacht, die Huks w&uuml;rden nach dem Krieg ihre Waffen niederlegen und bereitwillig ins zivile Leben zur&uuml;ckkehren. Ihre eigenen Aktionen f&uuml;hrten indes dazu, dass die Hukbalahap und die Kommunistische Partei (PKP) kriminalisiert, faktisch verboten und in den Untergrund gedr&auml;ngt wurden. Selbst die sechs gew&auml;hlten Abgeordneten der im Sommer 1945 gegr&uuml;ndeten <em>Demokratischen Allianz<\/em>, eines Volksfrontb&uuml;ndnisses, dem unter anderen militante Bauernorganisationen und Gewerkschaften angeh&ouml;rten, wurden daran gehindert, ein Jahr sp&auml;ter ihre Sitze im Kongress einzunehmen. Nat&uuml;rlich f&uuml;hrte das zu gro&szlig;er Verbitterung unter jenen, die die Speerspitze des antijapanischen Widerstands gebildet hatten. In diese Verbitterung mischte sich Wut dar&uuml;ber, dass die Wohlhabenden und Mitglieder der herrschenden Elite glimpflich behandelt, gar hofiert wurden, obgleich sie sich entweder durch Schwarzmarktgesch&auml;fte schamlos bereichert hatten oder tief in Kollaboration und Korruption verstrickt waren. Diesen gesellschaftlichen Kr&auml;ften wurde schlichtweg die Integrit&auml;t und moralische Autorit&auml;t abgesprochen, sich in der Nachkriegsordnung als legitime F&uuml;hrer darzustellen.<\/p><p>Doch die US-Politik st&uuml;tzte sich auf eben diese alte Elite, um mit ihr nicht nur die alte Commonwealth-Regierung wiederherzustellen, sondern das Land auch in eine Unabh&auml;ngigkeit zu f&uuml;hren, die die grundlegenden politischen, wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Machtpr&auml;rogativen Washingtons wahrte. Um das aber durchsetzen zu k&ouml;nnen, st&uuml;tzte sich der <em>&bdquo;Amerikanische C&auml;sar&ldquo;<\/em> MacArthur, wie William Manchester den General im Titel seiner 1978 erschienenen MacArthur-Biografie nannte, auf vormals lokale projapanische Elemente aus Politik und dem Polizeiapparat, auf eingeflogene &bdquo;Counterinsurgency&ldquo;-Strategen, also Experten im Bereich der Aufstandsbek&auml;mpfung und psychologischen Kriegf&uuml;hrung, und schlie&szlig;lich auf ein US-amerikanisch-philippinisches Gesetzeswerk, das alledem einen demokratischen Anstrich verleihen sollte. Das Einbinden selbst projapanischer Pers&ouml;nlichkeiten in die Gestaltung der Nachkriegsordnung hatte aus der Sicht Washingtons den Vorteil, dass diese Politiker jederzeit erpressbar, zumindest aber manipulierbar waren. Das erkl&auml;rt beispielsweise die politische Karriere von Manuel Roxas, des letzten Commonwealth-Pr&auml;sidenten und ersten Pr&auml;sidenten der am 4. Juli 1946 unabh&auml;ngig geworden Republik der Philippinen. (Bezeichnend f&uuml;r den neokolonialen Status des Landes war, dass ausgerechnet dessen Unabh&auml;ngigkeitstag mit dem US-amerikanischen zusammenfiel. Erst in den 1960er-Jahren &uuml;berwand Manila diese Peinlichkeit, indem der damalige Pr&auml;sident Diosdado Macapagal fortan den 12. Juni als Nationalfeiertag dekretierte &ndash; jenes Datum, an dem Emilio Aguinaldo 1898 die Unabh&auml;ngigkeit der Inseln von Spanien ausgerufen hatte.)<\/p><p>Manuel Roxas, vor dem Krieg Politiker und Ex-Brigadegeneral in der Armee, war w&auml;hrend der japanischen Okkupation ein hochrangiges Mitglied des Marionettenregimes. Ihm oblag unter anderem die sensible Aufgabe, die japanischen Truppen mit Reisvorr&auml;ten zu versorgen. Nach dem Krieg wurde Roxas zun&auml;chst zusammen mit weiteren etwa 5.000 Kollaborateuren von US-Milit&auml;rs gefangen genommen, um aber schon bald auf Anweisung von Pr&auml;sident Osme&ntilde;a und General MacArthur wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt zu werden. Roxas war so etwas wie der Darling MacArthurs, der ihn f&uuml;r f&auml;higer als Osme&ntilde;a hielt und das politische Combeack des Z&ouml;glings in der Nationalistischen Partei aktiv f&ouml;rderte. Damit war Roxas unmittelbar zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten Osme&ntilde;as geworden, den er schlie&szlig;lich in der ersten Nachkriegswahl ausbootete. Eine solche Karriere gelang neben Roxas knapp 50 weiteren Mitgliedern des japanischen Besatzungsregimes; sie wurden Kongressabgeordnete.<\/p><p>Die &bdquo;Befriedung&ldquo; der Huks mit milit&auml;rischen Mitteln wurde begleitet von einer gezielten politischen Kooptation vormals projapanischer Kr&auml;fte in die Nachkriegsregierung. Das wiederum schuf die Grundlage, um nun auch wirtschaftlich und milit&auml;rstrategisch die &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; der Philippinen vorzubereiten und deren enge Bindung an die USA aufrechtzuerhalten. Ein schwerwiegendes Problem bestand darin, die v&ouml;llig zerr&uuml;ttete Wirtschaft wieder anzukurbeln und Arbeitspl&auml;tze zu schaffen. Da dazu die Binnenressourcen nicht ausreichten, war die Regierung in Manila auf Gedeih und Verderb auf US-amerikanische Hilfslieferungen angewiesen. Im Januar 1946 hatte Paul V. McNutt, der US-Hochkommissar f&uuml;r die Philippinen, einen Situationsbericht verfasst und an Pr&auml;sident Truman gesandt, der die dr&auml;ngenden Fragen wie folgt auf den Punkt brachte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Lage ist kritisch, augenblicklich scheint es f&uuml;r die philippinische Bev&ouml;lkerung kaum m&ouml;glich zu sein, angesichts der vom grausamsten und verheerendsten Krieg aller Zeiten geschaffenen Verw&uuml;stung und Demoralisierung, da das Land au&szlig;erdem zutiefst gespalten ist in Loyalisten, Feindkollaborateure und mehrere gut bewaffnete Gruppen, die immensen wirtschaftlichen Rehabilitationsma&szlig;nahmen mit den Anforderungen der politischen Unabh&auml;ngigkeit in Einklang zu bringen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Politisch verraten &ndash; wirtschaftlich verkauft<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich, [Name], schw&ouml;re feierlich, den Vereinigten Staaten von Amerika vollauf Vertrauen zu schenken und ihnen Gefolgschaft zu leisten (&hellip;), dass ich ihnen ehrenwert und treu gegen alle ihre Feinde dienen werde (&hellip;) die Befehle (&hellip;) des Pr&auml;sidenten der Vereinigten Staaten und der mir &uuml;bergebenen Offiziere befolge (&hellip;) und mich gem&auml;&szlig; den Richtlinien und Konventionen des Kriegsrechts verhalte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Solche und &auml;hnliche Treueide hatten &uuml;ber eine Viertelmillion Filipinos vor und nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor geleistet und damit ihr Schicksal an das der US-amerikanischen Streitkr&auml;fte gekoppelt. Im Gegenzug f&uuml;r diese Loyalit&auml;t, zu der US-Pr&auml;sident Roosevelt die Filipinos nachdr&uuml;cklich aufgefordert hatte, stellte die Regierung in Washington den philippinischen Soldaten nach Kriegsende dieselbe Behandlung wie die ihrer amerikanischen Waffengef&auml;hrten in Aussicht. Das sollte sowohl Entsch&auml;digungen als auch eine angemessene Krankenversicherung und Rente betreffen. Diesen Gleichheitsgrundsatz hatte noch im Oktober 1945 General Omar Bradley, damals Chef der <em>Veterans Administration<\/em>, bekr&auml;ftigt und allen Betroffenen versichert.<\/p><p>Doch bereits im Februar 1946 war im US-Kongress ein Gesetz, der <em>Rescission Act (Aufhebungsvertrag)<\/em>, verabschiedet und von Pr&auml;sident Truman unterzeichnet worden, das genau das Gegenteil beinhaltete. Darin hie&szlig; es nunmehr, dass der von Filipinos geleistete (Kriegs-)Dienst <em>&bdquo;nicht als einer betrachtet wird, der (&hellip;) im Milit&auml;r oder den nationalen Streitkr&auml;ften der Vereinigten Staaten oder irgendeiner anderen deren Einheiten&ldquo;<\/em> erbracht worden sei. Demnach best&uuml;nde auch kein Anspruch auf eine Behandlung nach US-amerikanischem Recht, mithin auch nicht die M&ouml;glichkeit, in den Genuss etwaiger Sonderbehandlungen oder Verg&uuml;tungen zu kommen. Das war, abgesehen von gezahlten Entsch&auml;digungen f&uuml;r Tote und Kriegsverwundete, ein Affront gegen die philippinischen Kriegsveteranen, die die Hauptlast w&auml;hrend des Krieges trugen und im Kampf gegen einen &uuml;berm&auml;chtigen Feind ausharrten, nachdem das US-Oberkommando l&auml;ngst das philippinische Commonwealth verlassen und Quartier in Australien bezogen hatte.<\/p><p><em><strong>Exkurs<\/strong><\/em><strong> &ndash; Mit 103 Jahren die erste Rente<\/strong><\/p><p>&bdquo;<em>Eine Begegnung mit Tatang Juan, dem &auml;ltesten lebenden Zweite-Weltkriegs-Veteranen im Lande&rdquo; <\/em>betitelte Jeoffrey B. Maitem seine Geschichte aus Cotabato City, die das unabh&auml;ngige s&uuml;dphilippinische <em>Mindanao News and Information Cooperative Center<\/em> am 28. Mai 2003 in seinem <em>MindaNews<\/em>-Dienst ver&ouml;ffentlichte. F&uuml;r Tatang Juan, V&auml;terchen Juan, wie seine zahlreichen Verwandten und Freunde ihn liebevoll nennen <em>(Tatang ist eigentlich die Anrede in Filipino\/Tagalog f&uuml;r &bdquo;&auml;lterer Mann\/Herr&rdquo; &ndash; Anm.: RW)<\/em><em>,<\/em> eine besondere Gelegenheit, sein bewegtes Leben auch Menschen au&szlig;erhalb seiner Gro&szlig;familie zu schildern:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich war gefesselt, fast h&auml;tten mich unsere Feinde zu Tode gefoltert. Nicht im Traum dachte ich daran, dieser H&ouml;lle jemals noch zu entkommen&ldquo;,<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>erz&auml;hlt Juan Ugay Balanag, der landesweit &auml;lteste dokumentierte Veteran des Zweiten Weltkriegs. Der Kriegsheld, der Bauer wurde, feierte am 25. Mai 2003 seinen 105. Geburtstag. In seiner kr&auml;chzenden Heimatsprache Ilocano sagt Tatang Juan:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Im Krieg musstest du unbedingt was tun oder sterben &ndash; do or die. Entweder hast du gek&auml;mpft oder dich ergeben. Ich riskierte mein Leben und entschloss mich, f&uuml;r mein Land zu k&auml;mpfen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Tatang Juan war einer von Hunderttausenden Filipinos, die w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs zur Waffe griffen und gegen die Japaner k&auml;mpften. Er diente seit dem 31. Mai 1941 im Rang eines Feldwebels der 2. Dienstkompanie unter dem Kommando der <em>United States Armed Forces in the Far East (USAFFE)<\/em>. Eines Nachmittags im Juni 1941, erinnert er sich, wurden er und andere Guerilleros, darunter zwei Verwandte, von japanischen Soldaten aufgegriffen, verhaftet und anschlie&szlig;end zum Dorfplatz von Aringay in der Provinz La Union verfrachtet. Dort, auf der Plaza, sollten sie &ouml;ffentlich hingerichtet werden. Doch auf dem Weg dorthin gelang nur ihm die Flucht. Es grenzte an ein Wunder, dass Tatang Juan unbemerkt fliehen konnte. So schnell er konnte, rannte er los, bis er an einen Fluss kam. Hier ruhte er sich aus. Am n&auml;chsten Tag entdeckte er die Leichen seiner beiden Verwandten. 1944, nachdem die Japaner bereits in den Philippinen besiegt waren, verschlug es Tatang Juan in die Provinz Pangasinan (im Norden Manilas), wo er in einer Fabrik arbeitete, die Eisbarren herstellte.<\/p><p>F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter entschlossen sich Tatang Juan und seine Familie, auf die s&uuml;dliche Insel Mindanao zu ziehen, wo er in Kabacan in der Provinz Nord-Cotabato ein neues Leben als Bauer begann. Er geh&ouml;rte zu jenen Migranten aus dem n&ouml;rdlichen Luzon, denen ein gutes Leben versprochen wurde, sollten sie sich aufmachen ins &bdquo;Land der Verhei&szlig;ung&ldquo;, wie Mindanao damals auch genannt wurde.<\/p><p>Nach &uuml;ber 60 Jahren erkannte schlie&szlig;lich die philippinische Regierung den aufopferungsvollen Einsatz Tatang Juans f&uuml;r sein Vaterland an. Das <em>B&uuml;ro f&uuml;r die Angelegenheiten der philippinischen Kriegsveteranen (PVAO) <\/em>unter seinem neuen Chef, Armeeoberst Wilfredo Pabalan, arrangierte f&uuml;r Tatang Juan eine Heldenparty, um dessen 105. Geburtstag angemessen zu feiern. Erst 2001 hatte der Jubilar seine erste Rentenzahlung erhalten &ndash; monatlich 4.500 Peso (umgerechnet zirka 65 Euro).<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir sind &uuml;beraus gl&uuml;cklich, dass unser Tatang endlich als Kriegsheld anerkannt ist. F&uuml;r uns alle ist das eine Ehre&ldquo;, <\/em>sagte Alejandra, seine &auml;lteste Tochter:<br>\n&bdquo;<em>Es ist an der Zeit, dass Helden wie Tatang angemessen geehrt werden, so lange sie noch leben und den Nachgeborenen als Vorbild dienen k&ouml;nnen&ldquo;, <\/em>erkl&auml;rte Pabalan.\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend der Feierlichkeiten versprach er, dass fortan die monatlichen Pensionszahlungen an die Kriegsveteranen z&uuml;giger erfolgen, nachdem zwischen seiner Beh&ouml;rde und der Philippinischen Landbank eine entsprechende Vereinbarung getroffen wurde. Allein im s&uuml;dlichen Teil von Zentral-Mindanao leben etwa 2.000 dokumentierte Kriegsveteranen. <em>(Diese und andere &Uuml;bersetzungen im Text aus dem amerikanischen Englisch &amp; redaktionelle Bearbeitung: Rainer Werning)<\/em><\/p><p><strong>Feilschen um Reparationszahlungen<\/strong><\/p><p>Nicht nur die Kriegsveteranen wurden qua <em>Rescission Act<\/em> betrogen und zu B&uuml;rgern zweiter Klasse degradiert. Gleiches geschah auch auf der Makroebene. Denn das ebenfalls von US-Pr&auml;sident Roosevelt im August 1943 abgegebene Versprechen, die Philippinen in den Genuss einer vollen Entsch&auml;digung der angerichteten Kriegssch&auml;den kommen zu lassen, ward nicht eingehalten. Stattdessen erhitzte die Gem&uuml;ter in Washington und Manila ein langwieriges politisch-diplomatisches Gerangel um die H&ouml;he der zu leistenden Kriegsreparationen und die Art und Weise, in welchem Zeitraum und wie sie auszuzahlen waren. Zwei US-Amerikaner spielten hier eine Schl&uuml;sselrolle &ndash; Senator Tydings und der aus Missouri stammende Kongressabgeordnete C. Jasper Bell.<\/p><p>Tydings, Koautor des <em>Tydings-McDuffie Act<\/em>, der 1934 den Philippinen binnen eines Jahrzehnts die Unabh&auml;ngigkeit in Aussicht gestellt hatte, setzte sich im Herbst 1945 im US-amerikanischen Senat f&uuml;r eine Nothilfelieferung in H&ouml;he von urspr&uuml;nglich 620 Millionen US-Dollar ein, die jedoch unverz&uuml;glich um 100 Millionen Dollar abgesenkt wurde. Dar&uuml;ber hinaus hatte Tydings die Zahlung solcher Leistungen von der Erf&uuml;llung bestimmter Auflagen seitens Manilas abh&auml;ngig gemacht. Dazu z&auml;hlten die Einrichtung einer Beh&ouml;rde zur Feststellung der Kriegssch&auml;den, die <em>U.S.-Philippine War Damage Corporation<\/em>, sowie die Festschreibung von Gleichheitsklauseln, wonach Amerikaner in den Philippinen dieselben Rechte wie Filipinos in den USA genie&szlig;en sollten. Derma&szlig;en schleppend und uneffektiv arbeitete diese Beh&ouml;rde, dass erste Zahlungen erst Ende 1946 an Manila flossen und individuelle Anspr&uuml;che von philippinischer Seite nicht vor April 1947 ber&uuml;cksichtigt wurden. Als die War Damage Corporation 1950 ihren Betrieb einstellte, hatte sie lediglich 388 Millionen US-Dollar an &uuml;ber eine Million private Antragsteller ausgezahlt. Urspr&uuml;nglich war mit mindestens 1,25 Milliarden Dollar an Reparationszahlungen gerechnet worden. In den Genuss dieser Zahlungen kamen ohnehin nur diejenigen, die die N&auml;he zum Machtzentrum genossen oder dank Schmiergelder &uuml;berhaupt erst ins Auswahlverfahren kamen.<\/p><p>Das nach dem US-Kongressabgeordneten Bell benannte <em>Philippinische Handelsgesetz<\/em> oder der <em>Bell Act<\/em> aus dem Jahre 1946 hatte nicht nur die Empfehlungen von Senator Tydings &uuml;bernommen. Dieses Gesetz ging noch weit dar&uuml;ber hinaus. Es akzeptierte die &bdquo;parity rights&ldquo;, also die Gleichheitsklauseln f&uuml;r Amerikaner in den Philippinen, garantierte &uuml;ber einen Zeitraum von acht Jahren den Freihandel mit den USA und band den philippinischen Peso an den Dollar mit der zus&auml;tzlichen Auflage, den Wechselkurs nur mit Zustimmung Washingtons &auml;ndern zu k&ouml;nnen. Au&szlig;erdem wurde die Verl&auml;ngerung des zollfreien Handels bei bestimmten Produkten f&uuml;r weitere 28 Jahre festgelegt. Die wirtschaftliche Hegemonie der USA &uuml;ber die politisch &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; gewordene Neokolonie Philippinen blieb bestehen &ndash; vor allem wegen der Erpressbarkeit der Regierung in Manila, insbesondere ihres Chefs und einstigen Reiseintreibers unter den Japanern, Pr&auml;sident Manuel Roxas. In seine Amtszeit fiel denn auch die Entscheidung, den USA den Unterhalt und Ausbau milit&auml;rischer St&uuml;tzpunkte zu gestatten und ihnen daf&uuml;r ausreichend Land auf der Basis eines 99 Jahre w&auml;hrenden Pachtvertrags zur Verf&uuml;gung zu stellen. Unterzeichnet wurde dieser <em>Vertrag zur Regelung der allgemeinen Beziehungen <\/em>offiziell am 14. M&auml;rz 1947.<\/p><p>Als in den Philippinen zehn Monate nach der Kapitulation Japans das Sternenbanner eingeholt wurde und sich das Land f&uuml;r die endg&uuml;ltige Unabh&auml;ngigkeit am 4. Juli 1946 r&uuml;stete, sa&szlig;en alte Politiker in neuen S&auml;tteln und gaben Gro&szlig;grundbesitzer und wohlhabende Gesch&auml;ftsleute wieder den Ton in Verwaltung, Wirtschaft und Politik an &ndash; ermutigt und tatkr&auml;ftig unterst&uuml;tzt durch eine US-Nachkriegspolitik, die nahtlos an die Vorkriegs- und Kriegspolitik ankn&uuml;pfte.<\/p><p><strong>Bewegungen in der Starrheit<\/strong><\/p><p>Seit der Unabh&auml;ngigkeit der Philippinen vor 77 Jahren gibt es auff&auml;llige Konstanten in der Innenpolitik des Landes:<\/p><ul>\n<li>Kampf gegen kommunistische und muslimische Widerstandsgruppen<\/li>\n<li>mehrere Anl&auml;ufe zur Implementierung einer Land-\/Agrarreform<\/li>\n<li>Landflucht und interne Kolonisierung<\/li>\n<li>grassierende Gewalt und Armut<\/li>\n<li>Korruption und Bestechung<\/li>\n<li>ein von hoher Elastizit&auml;t gepr&auml;gtes Justizsystem, das drakonisch gegen alles (vermeintlich) Linke sowie gegen Marginalisierte und Arme vorgeht, den M&auml;chtigen im Lande aber &ndash; bis auf sehr seltene Ausnahmen &ndash; eine &bdquo;Kultur der Straffreiheit&ldquo; bescherte und garantiert<\/li>\n<li>anhaltend desolate Menschenrechtssituation (s. <em>Bulatlat<\/em> &amp; <em>Karapatan<\/em> unter Links)<\/li>\n<li>Bem&uuml;hungen um Waffenstillstands- beziehungsweise Friedensverhandlungen mit muslimischen und kommunistischen Rebellengruppen<\/li>\n<li>interne Machtk&auml;mpfe zwischen widerstreitenden politischen Dynastien, dominanten Familienclans und milit&auml;rischen Bl&ouml;cken sowie<\/li>\n<li>vielf&auml;ltiges Engagement seitens einer ebenso breit gef&auml;cherten wie vitalen au&szlig;erparlamentarischen Opposition und Zivilgesellschaft<\/li>\n<\/ul><p>Allein im ersten Jahrzehnt ihrer Unabh&auml;ngigkeit waren s&auml;mtliche Regierungen der jungen Republik damit befasst, den &bdquo;inneren Aufruhr&ldquo; niederzuschlagen, der seinerzeit haupts&auml;chlich von der in Zentral-Luzon entstandenen und dort operierenden Huk-Bewegung ausging. Kein Wunder; Zentral-Luzon, traditionell die Reiskammer des Landes, bildete stets den N&auml;hrboden f&uuml;r Protest und Widerstand, zumal hier die l&auml;ndliche Bev&ouml;lkerung (Kleinbauern und P&auml;chter) durch extrem hohe Pachtraten geschr&ouml;pft wurde.<\/p><p>Mit einer Politik von Zuckerbrot und Peitsche gelang es Mitte der 1950er-Jahre Pr&auml;sident Ramon Magsaysay, die aufst&auml;ndischen Huks im Rahmen sogenannter <em>Counterinsurgency-(Aufstandsbek&auml;mpfungs<\/em>-)Ma&szlig;nahmen milit&auml;risch zu besiegen. Unter seiner &Auml;gide fanden gleichzeitig gr&ouml;&szlig;ere Umsiedlungsprogramme statt, wobei Huk-Kombattanten im Falle ihrer Kapitulation der Besitz von ein bis zwei Hektar regierungseigenen Bodens auf der s&uuml;dlichen Insel Mindanao in Aussicht gestellt wurde. Mindanao galt zu der Zeit als &bdquo;Land der Verhei&szlig;ung&rdquo;, und die Insel erlebte nach den 1930er-Jahren den zweiten gr&ouml;&szlig;eren Schub zugewanderter (christlicher) Siedler aus Luzon und der zentralen Visaya-Inselgruppe.<\/p><p>Eigentlicher Architekt und faktisch Oberaufseher der Politik Magsaysays war freilich mit Edward G. Lansdale ein schillernder US-amerikanischer Offizier, zu dessen Spezialgebiet zeit seines Lebens das Entwerfen und Verfeinern von <em>Counterinsurgency<\/em>-Strategien geh&ouml;rte. Lansdale bildete ein wichtiges Scharnier zwischen der <em>Vereinten US-Milit&auml;rberatungsgruppe (JUSMAG)<\/em>, der US-Botschaft in Manila und dem Pentagon. Um &bdquo;Hirne und Herzen&ldquo; von Aufst&auml;ndischen wie den Huks zu gewinnen, setzte Lansdale zuv&ouml;rderst auf psychologische Kriegf&uuml;hrung der besonderen Art. Dazu z&auml;hlte vor allem der R&uuml;ckgriff auf Elemente volkst&uuml;mlicher Glaubensvorstellungen, Aberglauben und die allgegenw&auml;rtige Furcht der einfachen Landbev&ouml;lkerung vor Vampiren und &auml;hnlichen Ungeheuern. In der Retrospektive ein buchst&auml;blich schlagendes Beispiel f&uuml;r eine &ndash; aus Sicht der Herrschenden in Manila und Washington &ndash; erfolgreiche <em>Counterinsurgency<\/em>.<\/p><p>Um sozialpolitischem Unmut den N&auml;hrboden zu entziehen, haben seitdem s&auml;mtliche nachfolgenden Pr&auml;sidenten Bodenreformen in Aussicht gestellt. Doch bis heute gelang es nicht, eine genuine Land-\/Agrarreform zu verwirklichen. Entsprechende Gesetze wurden zwar feierlich verabschiedet, doch nicht umgesetzt. Schlupfl&ouml;cher und Ausnahmeregelungen waren daf&uuml;r ebenso verantwortlich wie der letztlich erfolgreiche Widerstand grundbesitzender Politiker, die bis heute im Repr&auml;sentantenhaus sowie im Senat tonangebend sind. Dies bildet bis dato den N&auml;hrboden f&uuml;r die in der Tradition der Hukbalahap agierende <em>Neue Volksarmee (NPA)<\/em>, die als Guerillaorganisation der neu formierten <em>Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP)<\/em> seit der Jahreswende 1968\/69 den mittlerweile l&auml;ngsten Konflikt dieser Art in S&uuml;dost- und Ostasien f&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Plus &ccedil;a change, plus c&rsquo;est la m&ecirc;me chose<\/strong><\/p><p>Trefflicher als mit dem ins Deutsche &uuml;bertragenen Diktum <em>&bdquo;So viel sich auch &auml;ndert, es bleibt alles beim Alten&ldquo; <\/em>l&auml;sst sich der Kern philippinischer Au&szlig;enpolitik seit dem 4. Juli 1946 nicht charakterisieren. Vor allem bis Mitte der 1950er-Jahre, als Milit&auml;rverb&auml;nde beider Staaten alles daransetzten, die Hukbalahap zu zerschlagen, mussten au&szlig;enstehende Beobachter den Eindruck gewinnen, dass die philippinische Innenpolitik just dort endete, wo die US-Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik begann. Nicht nur war Manila durch bilaterale Vertr&auml;ge und Abkommen mit Washington milit&auml;risch und strategisch eng an die USA gebunden. Diese Verbundenheit f&uuml;hrte auch dazu, dass ein Jahr nach dem verheerenden Koreakrieg, am 8. September 1954, in Manila die <em>SEATO <\/em>&ndash; auch bekannt unter dem Namen <em>Manila-Pakt<\/em> &ndash; als s&uuml;dostasiatisches Pendant zur NATO aus der Taufe gehoben wurde. Es war die Hochzeit des Kalten Krieges, wo es aus Sicht der westlichen F&uuml;hrungsmacht darum ging, um die Sowjetunion und die am 1. Oktober 1949 von Mao Tse-tung proklamierte Volksrepublik China einen antikommunistischen, milit&auml;rischen Cordon sanitaire zu legen.<\/p><p>Die enge Zusammenarbeit zwischen Manila und Washington in (au&szlig;en-)politischen und milit&auml;rischen Belangen w&auml;hrte bis zu Beginn der 1990er-Jahre. Mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und anderer vormals realsozialistischer Staaten sowie der R&auml;umung der einst von Moskau kontrollierten Milit&auml;rbasis in <em>Cam Ranh Bay<\/em> (Vietnam) entfiel aus Sicht Washingtons die Notwendigkeit, in den Philippinen fortgesetzt milit&auml;rische St&uuml;tzpunkte zu unterhalten. Nachdem der philippinische Senat im Jahre 1991 mehrheitlich f&uuml;r die Schlie&szlig;ung der US-Milit&auml;rbasen im Lande votiert hatte, regelt seit 1999 das <em>Visiting Forces Agreement (VFA)<\/em> das bilaterale Verh&auml;ltnis zwischen Manila und Washington in milit&auml;rischen Belangen. Erg&auml;nzt und vertieft wird das VFA durch das ebenfalls umstrittene <em>Enhanced Defense Cooperation Agreement (Erweiterte Abkommen &uuml;ber Verteidigungszusammenarbeit &ndash; EDCA)<\/em>, das am 28. April 2014 vom philippinischen Verteidigungsminister Voltaire Gazmin und dem US-Botschafter in Manila, Philip Goldberg, anl&auml;sslich des Staatsbesuchs von Pr&auml;sident Barack Obama unterzeichnet wurde.<\/p><p>Sp&auml;testens seit dem zweiten Staatsbesuch von Pr&auml;sident Ferdinand &bdquo;Bongbong&ldquo; Marcos Junior in den USA (30. April bis 4. Mai), der 36 Jahre nach dem Sturz seines Vaters im Sommer 2022 siegreich in Manilas Pr&auml;sidentenpalast Malaca&ntilde;ang einzog, stehen US-Truppen landesweit auf Rotationsbasis mindestens neun Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte der Philippinischen Streitkr&auml;fte (AFP) zur Verf&uuml;gung. In diesen Einrichtungen genie&szlig;en die GIs nicht nur extraterritoriale Immunit&auml;t; die Basen liegen unweit der S&uuml;dspitze Taiwans und sind gleichzeitig eine strategisch &uuml;beraus bedeutsame Heimst&auml;tte der in dieser Region insgesamt &uuml;ber 110.000 stationierten US-Soldaten, die von Guam aus &uuml;ber Japan, Okinawa und S&uuml;dkorea inklusive eines Kontingents in Taiwan die Volksrepublik China einkreisen.<\/p><p>Mit Blick auf die Philippinen spricht Sonny Africa, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des in Manila ans&auml;ssigen Thinktanks und Forschungsinstituts <em>IBON Foundation, <\/em>denn auch unumwunden von einem neokolonialen Status seines Landes vis-&agrave;-vis Washington:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die Regierung Marcos Jr. hat in au&szlig;enpolitischen Kreisen, die durch die US-amerikafeindlichen &Auml;u&szlig;erungen des fr&uuml;heren Pr&auml;sidenten Duterte (2016-22 * ihm schwebte kurzzeitig eine Achse Manila-Beijing-Moskau vor Augen &ndash; Anm.: RW) und seine an China orientierte Rhetorik verunsichert waren, zeitweilig f&uuml;r Aufregung gesorgt. Es ist nicht nur die tr&ouml;stliche R&uuml;ckkehr zum Vertrauten, sondern auch der Reiz, wieder einmal von der Macht anerkannt und gelobt zu werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch die USA waren in ihrer Au&szlig;enpolitik schon immer mehr opportunistisch als prinzipienfest. 1975, drei Jahre nach der Proklamation des Kriegsrechts, besuchte der damalige US-Pr&auml;sident Ford die Philippinen, um der Marcos-Diktatur seine Unterst&uuml;tzung zu versichern. 1982, nach einem Jahrzehnt brutaler Menschenrechtsverletzungen und kolossaler Diebst&auml;hle, empfing der damalige US-Pr&auml;sident Reagan Marcos Senior und lobte ihn f&uuml;r &sbquo;gro&szlig;e Fortschritte&lsquo; bei den b&uuml;rgerlichen Freiheiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Aus diesem Grund wird die derzeitige Regierung Marcos Jr. trotz ihres zutiefst korrupten, dynastischen und die Menschrechte verletzenden Charakters die Unterst&uuml;tzung der USA genie&szlig;en. Zumindest so lange, wie die USA bekommen, was sie wollen, und die Philippinen nichts verlangen, was die USA nicht geben wollen &ndash; wie echte Freiheit und Entwicklung oder Souver&auml;nit&auml;t und Unabh&auml;ngigkeit.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Dana Creative Studio\/shutterstock.com<\/p><p><em>Dokumente, Links &amp; weiterf&uuml;hrende Literatur<\/em><\/p><ol>\n<li><em>Africa, Sonny: BBM&rsquo;s US trip: It&rsquo;s all about US &ndash; IBON Foundation *<\/em> <a href=\"https:\/\/www.ibon.org\/bbms-us-trip-its-all-about-us\/\">ibon.org\/bbms-us-trip-its-all-about-us\/<\/a> [BBM steht f&uuml;r &bdquo;Bongbong&ldquo; Marcos, so der Spitzname des Pr&auml;sidenten &ndash; <em>Anm.: RW<\/em>]<\/li>\n<li>Azama, Rodney S. (1985): <em>The Huks and the New People&rsquo;s Army: Comparing Two Post-war Filipino Insurgencies.<\/em> Quantico, VA: Marine Corps Command and College, April<\/li>\n<li><em>Beaucar Vlahos, Kelly *<\/em> <a href=\"https:\/\/responsiblestatecraft.org\/2023\/06\/08\/sen-rand-paul-my-colleagues-are-beating-the-drums-for-war-with-china\/\">responsiblestatecraft.org\/2023\/06\/08\/sen-rand-paul-my-colleagues-are-beating-the-drums-for-war-with-china\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bulatlat.com\/2023\/06\/17\/probe-massacre-of-peasant-family-in-negros-rights-group\/\">bulatlat.com\/2023\/06\/17\/probe-massacre-of-peasant-family-in-negros-rights-group\/<\/a><\/li>\n<li><em>Center for People Empowerment in Governance (CenPEG) \/ Policy Paper &ndash; May 2023 * <\/em><a href=\"https:\/\/www.cenpeg.org\/2023\/06-2023\/Marcos_State_Visit_to_US_Firms_up_Overall_Ties_Administration_Ruling_Coalition_Faces_Discord.html\">cenpeg.org\/&hellip;Coalition_Faces_Discord.html<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Enhanced_Defense_Cooperation_Agreement\">en.wikipedia.org\/wiki\/Enhanced_Defense_Cooperation_Agreement<\/a><\/li>\n<li><em>Foreign Relations of the United States, 1951, Asia and the Pacific, Volume VI, Part 2 &ndash; Office of the Historian *<\/em> <a href=\"https:\/\/history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1951v06p2\/d58\">history.state.gov\/historicaldocuments\/frus1951v06p2\/d58<\/a><\/li>\n<li><em>JUSMAG Archives &ndash; U.S. Embassy in the Philippines *<\/em> <a href=\"https:\/\/ph.usembassy.gov\/tag\/jusmag\/\">ph.usembassy.gov\/tag\/jusmag\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/ph.usembassy.gov\/joint-u-s-military-assistance-group\/\">ph.usembassy.gov\/joint-u-s-military-assistance-group\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/defenseph.net\/drp\/index.php?topic=277.0\">http:\/\/defenseph.net\/drp\/index.php?topic=277.0<\/a><\/li>\n<li>Justiniano, Medardo (Major, Armed Forces of the Philippines, AFP) (1961): <em>&bdquo;<\/em>Combat Intelligence&rdquo; in: <em>Counter-Guerrilla Operations in the Philippines 1946-53.<\/em> Ft. Bragg, NC: U.S. Army Special Forces Center and School. 15 June<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.karapatan.org\/media_release\/chr-congress-urged-to-conduct-urgent-independent-probe-on-massacre-of-peasant-family-in-negros\/\">karapatan.org\/media_release\/chr-congress-urged-to-conduct-urgent-independent-probe-on-massacre-of-peasant-family-in-negros\/<\/a><\/li>\n<li>Klare, Michael T.:<em> Kurswechsel in der Taiwanfrage? *<\/em> <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!5878389\">monde-diplomatique.de\/artikel\/!5878389<\/a><\/li>\n<li>Klare, Michael T.:<em> Is a Chinese Invasion of Taiwan Imminent? &ndash; CounterPunch.org *<\/em> <a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2023\/03\/16\/is-a-chinese-invasion-of-taiwan-imminent\/\">counterpunch.org\/2023\/03\/16\/is-a-chinese-invasion-of-taiwan-imminent\/<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.encyclopedia.com\/humanities\/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps\/lansdale-edward-geary\">encyclopedia.com\/humanities\/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps\/lansdale-edward-geary<\/a><\/li>\n<li>Lansdale, Edward Geary, Major General USAF (Ret.) (1972): <em>In the Midst of Wars: An American&rsquo;s Mission to Southeast Asia<\/em>. New York<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/journal-of-asian-studies\/article\/abs\/in-the-midst-of-wars-an-americans-mission-to-southeast-asia-by-edward-geary-lansdale-major-general-usaf-ret-new-york-harper-and-row-1972-386-pp-index-maps\/14DA0E92E19039EDAAFD176B0280DFC5\">cambridge.org\/core\/journals\/journal-of-asian-studies\/article\/abs\/in-the-midst-of-wars-an-americans-mission-to-southeast-asia-by-edward-geary-lansdale-major-general-usaf-ret-new-york-harper-and-row-1972-386-pp-index-maps\/14DA0E92E19039EDAAFD176B0280DFC5<\/a><\/li>\n<li>MacGrain, Donald (1956): <em>Anti-Dissident Operations in Philippines.<\/em> Carlisle Barracks, PA: U.S. Army War College. 26 March<\/li>\n<li><em>Marcos, Jr.&rsquo;s pivot to the U.S. deepens *<\/em> <a href=\"https:\/\/www.cenpeg.org\/2023\/05-2023\/Marcos_Jrs_pivot_to_the_US_deepens.html\">cenpeg.org\/2023\/05-2023\/Marcos_Jrs_pivot_to_the_US_deepens.html<\/a><\/li>\n<li>McClintock, Michael (1992): <em>Instruments of Statecraft: U.S. Guerilla Warfare, Counter-Insurgency, Counter-Terrorism, 1940-1990<\/em>. New York<\/li>\n<li>Steele, William B. (1967): <em>Internal Defense in the Philippines: 1946-1954<\/em>. Carlisle Barracks, PA: U.S. Army War College<\/li>\n<li>Simbulan, Roland G. (1985): <em>The Bases of Our Insecurity: A Study of the US Military Bases in the Philippines. <\/em>Manila (2nd Edition)<\/li>\n<li>Swarbrick, Reginald J. (1983): <em>The Evolution of Communist Insurgency in the Philippines<\/em>. Quantico, VA: Marine Corps Command and Staff College. 7 June<\/li>\n<li><em>The Hukbalahap Insurrection: Ramon Magsaysay, Edward Lansdale, and the JUSMAG * <\/em><a href=\"https:\/\/history.army.mil\/books\/coldwar\/huk\/ch5.htm\">history.army.mil\/books\/coldwar\/huk\/ch5.htm<\/a><\/li>\n<li>Valeriano, Napoleon (Colonel, AFP) (1961): <em>&bdquo;<\/em>Military Operations&rdquo; in:<em> Counter-Guerrilla Operations in the Philippines 1946-53.<\/em> Ft. Bragg, NC: U.S. Army Special Forces Center and School. 15 June<\/li>\n<li><em>Van Buren, Peter *<\/em> <a href=\"https:\/\/www.theamericanconservative.com\/a-war-like-no-other\/\">theamericanconservative.com\/a-war-like-no-other\/<\/a><\/li>\n<li><em>Walt, Stephen M.: Is America Addicted to War? &ndash; Foreign Policy *<\/em> <a href=\"https:\/\/foreignpolicy.com\/2011\/04\/04\/is-america-addicted-to-war\/\">foreignpolicy.com\/2011\/04\/04\/is-america-addicted-to-war\/<\/a><\/li>\n<li><em>Wang, <\/em><a href=\"https:\/\/archive.is\/o\/31Lmj\/https:\/www.scmp.com\/author\/orange-wang\"><em>Orange<\/em><\/a><em>: China-US rivalry &lsquo;biggest worry&rsquo; in Singapore, South Korea, Philippines | South China Morning Post * <\/em><a href=\"https:\/\/archive.is\/31Lmj\">archive.is\/31Lmj<\/a><\/li>\n<li>Werning, Rainer &amp; J&ouml;rg Schwieger (Hrsg.) (2019): <em>Handbuch Philippinen &ndash; Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur. <\/em>Berlin (6. Auflage)<\/li>\n<li><em>What the Marcos Dictatorship Really Did to the Economy &ndash; IBON Foundation *<\/em> <a href=\"https:\/\/www.ibon.org\/ml50-econ-study\/\">ibon.org\/ml50-econ-study\/<\/a><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterdr&uuml;ckung, Revolten und bewaffneter Widerstand sind eine Konstante in der philippinischen Geschichte. Das war so w&auml;hrend der ann&auml;hernd 350-j&auml;hrigen Kolonialzeit unter den Spaniern, die 1898 endete. Und das war so in dem halben Jahrhundert der sich anschlie&szlig;enden US-amerikanischen Kolonial&auml;ra. Am 4. Juli (sic!) 1946 gew&auml;hrte Washington den Inseln die Unabh&auml;ngigkeit, die sie den Filipinos zuvor<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100119\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":100121,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,171],"tags":[1426,1497,1792,2395,3228,2069,2250,1971,1366,1556],"class_list":["post-100119","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-hegemonie","tag-japan","tag-kolonialismus","tag-kriegsveteranen","tag-marcos-jr-ferdinand","tag-militaerstuetzpunkte","tag-nachkriegszeit","tag-philippinen","tag-reparationen","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Shutterstock_2177537795.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=100119"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100119\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":136267,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100119\/revisions\/136267"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/100121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=100119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=100119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=100119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}