{"id":10025,"date":"2011-07-07T11:53:05","date_gmt":"2011-07-07T09:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10025"},"modified":"2014-09-08T15:53:04","modified_gmt":"2014-09-08T13:53:04","slug":"hans-werner-sinns-unverantwortliche-panikmache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10025","title":{"rendered":"Hans-Werner Sinns unverantwortliche Panikmache"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r die BILD ist Hans-Werner Sinn &bdquo;Deutschland kl&uuml;gster Wirtschafts-Professor&ldquo;. Kritischere Beobachter, wie FTD-Kolumnist Thomas Fricke halten Sinn indes eher f&uuml;r einen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/wirtschaftswunder\/index.php?op=ViewArticle&amp;articleId=2696&amp;blogId=10\">Rumpel&ouml;konomen<\/a>&ldquo;. Hans-Werner Sinn hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Griechenland lieber heute als morgen in den Staatsbankrott schicken und die Hellenen am liebsten aus der Eurozone werfen w&uuml;rde. Doch die Sinn&acute;sche Radikall&ouml;sung fand &uuml;berraschenderweise abseits von BILD &amp; Co keinen gro&szlig;en Anklang. F&uuml;r Sinn scheint dies Grund genug zu sein, abermals nachzulegen und via BILD ein Schreckensszenario aufzubauen, das seinen Forderungen Nachdruck verleiht. Bei n&auml;herer Betrachtung erscheint Sinns Warnung vor einer &bdquo;Gef&auml;hrdung der deutschen Renten&ldquo; im Falle einer Fortf&uuml;hrung der Rettungsprogramme jedoch reichlich abstrus. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;TOP-&Ouml;KONOM SINN WARNT &ndash; Griechen-Rettung gef&auml;hrdet Renten!&ldquo;, so titelte in dieser Woche die BILD-Zeitung. Unter der rei&szlig;erischen &Uuml;berschrift bleibt der eigentliche Artikel jedoch inhaltlich mau. Sinn l&auml;sst sich in BILD lediglich mit dem Satz  &bdquo;Was nach Griechenland und Portugal flie&szlig;t, um dort den Lebensstandard aufrechtzuerhalten, geht zulasten des Lebensstandards der Deutschen&ldquo; zitieren, um dann schlie&szlig;lich ohne &Uuml;berleitung zur steilen These zu kommen, &bdquo;[dass] die deutschen Rentner zu den ersten Opfern der Rettungspakete geh&ouml;ren [werden]&ldquo;. Leider erkl&auml;ren jedoch weder Hans-Werner Sinn noch die BILD oder der verlagsinterne Zweitverwerter WELT den Lesern, wie man denn zu einem solchen Schluss kommen kann. Das ist freilich verst&auml;ndlich, da ein solcher Schluss wahrlich in die Kategorie &bdquo;Rumpel&ouml;konomie&ldquo; geh&ouml;rt.<\/p><p><strong>Die Rente ist sicher<\/strong><\/p><p>Die gesetzliche Rentenversicherung ist weder kapitalgedeckt noch steuerfinanziert, sondern ein sogenanntes Umlageverfahren. Die ausgezahlten Renten stammen nahezu komplett aus den von Arbeitnehmern und Arbeitgebern im gleichen Zeitraum eingezahlten Versicherungsbeitr&auml;gen. Der Staat zahlt lediglich einen &ndash; <a href=\"\/?p=9543\">zu geringen<\/a>  &ndash; Bundeszuschuss, der die versicherungsfremden Leistungen der Rentenversicherung ausgleichen soll. Wenn Sinn also davor warnt, dass die Griechenland-Rettung, die bei n&auml;herer Betrachtung ohnehin eher eine Rettung der Gl&auml;ubigerbanken ist, die &bdquo;Renten gef&auml;hrdet&ldquo;, so kann dies ja nur hei&szlig;en, dass die Beitragszahlungen in die Rentenversicherung durch die Garantien der Bundesregierung gef&auml;hrdet werden. Da stellt sich jedoch unweigerlich die Frage, wie sich Hans-Werner Sinn ein solches Szenario konkret vorstellt, schlie&szlig;lich prognostiziert er selbst doch <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/konjunktur-ifo-institut-schraubt-wachstumsprognose-nach-oben_aid_641388.html\">einen phantastischen Aufschwung<\/a>. <\/p><p>Es macht wohl wenig Sinn, sich ernsthaft dar&uuml;ber Gedanken zu machen, wie Hans-Werner Sinn eine Gef&auml;hrdung der Renten begr&uuml;ndet &ndash; alle m&ouml;glichen Ans&auml;tze sind absurd und selbst wenn Sinn ein &bdquo;Rumpel&ouml;konom&ldquo; sein mag, so ist er dennoch nicht dumm. Sinns BILD-Zitat ist wohl vielmehr vor dem Hintergrund zu sehen, dass er dem uninformierten Leser den &ndash; falschen &ndash; Eindruck vermitteln will, dass die Rente direkt vom Staat ausgezahlt wird. Diese gezielt gestreute Desinformation dient in diesem Falle  der Stimmungsmache f&uuml;r weitere neoliberale Sparprogramme zu <a href=\"\/wp-print.php?p=6631\">Lasten der &auml;rmsten der Armen<\/a> . Wer n&auml;mlich tats&auml;chlich glaubt, dass eine &auml;u&szlig;erst moderat steigende Staatsverschuldung wom&ouml;glich die Auszahlung der eigenen Rente gef&auml;hrden k&ouml;nnte, der glaubt vielleicht auch der allt&auml;glichen Meinungsmache aus dem Sinn-Lager.<\/p><p><strong>Wem geh&ouml;ren die Schrottpapiere?<\/strong><\/p><p>Dabei ist die grunds&auml;tzliche Frage, wer im Falle einer Umschuldung eigentlich die Zeche zahlen muss, durchaus begr&uuml;ndet. Nachdem die Politik alles in ihrer Macht stehende getan hat, um privaten Gl&auml;ubigern deren <a href=\"\/?p=9483\">&bdquo;Schrottpapiere&ldquo; abzukaufen<\/a>, hat mittlerweile in der Tat der &ouml;ffentliche Sektor die Rolle als gr&ouml;&szlig;ter Gl&auml;ubiger Griechenlands eingenommen. Selbst im Falle einer Umschuldung ist jedoch die Gleichung, nach der die Staathaushalte der Eurozone direkt in Haftung genommen werden k&ouml;nnen, zu kurz gedacht. Hauptgl&auml;ubiger Griechenlands sind der IWF und die EZB. Letztere h&auml;lt zusammen mit den europ&auml;ischen Notenbanken nach <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/0\/8f0c3192-863d-11e0-9e2c-00144feabdc0.html#axzz1NSxXt98t\">Angaben der Financial Times<\/a> fast die H&auml;lfte aller auf dem Markt befindlichen Griechenland-Anleihen. Da die Notenbanken der Eurozone diese Papiere gr&ouml;&szlig;tenteils zu niedrigen Marktpreisen erworben haben, w&uuml;rde eine moderate Umschuldung wom&ouml;glich sogar von den Zentralbanken durch deren Reserven abzufedern sein.<\/p><p>Selbst wenn die EZB oder die Bundesbank durch die Rettungspakete langfristig Verluste ausweisen sollten, so m&uuml;sste daf&uuml;r <a href=\"http:\/\/blog.handelsblatt.com\/rechtsboard\/2010\/12\/16\/erhohung-des-kapitals-der-ezb\/\">nicht zwingend der Steuerzahler haften<\/a>. Es gibt zwischen der EZB, der Bundesbank und der Bundesrepublik weder eine Anstaltslast noch eine Gew&auml;hrtr&auml;gerhaftung, die festlegen w&uuml;rde, dass der Steuerzahler f&uuml;r Verluste der Zentralbank in Rechenschaft zu ziehen ist. Das Finanzministerium m&uuml;sste sich jedoch darauf einstellen, dass es f&uuml;r einige Jahre auf die Gewinne der Bundesbank, die stets in den aktuellen Haushalt einflie&szlig;en, verzichten m&uuml;sste. <\/p><p><strong>Nicht gestellte Fragen<\/strong><\/p><p>Ein reales Ausfallrisiko f&uuml;r den Staat besteht jedoch bei den Garantien f&uuml;r die bilateralen Kredite, die im ersten &bdquo;Rettungspaket&ldquo; &uuml;ber die KfW vergeben wurden. Hierbei geht es <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,693884,00.html\">immerhin um<\/a> 22,4 Milliarden Euro, f&uuml;r die Deutschland b&uuml;rgt. Bei einem Haircut von 40% m&uuml;sste der Bund somit Ausf&auml;lle in H&ouml;he von fast neun Milliarden Euro ausgleichen. Es ist absolut notwendig, die Bundesregierung daf&uuml;r zu kritisieren, dass sie diese Kosten dem Steuerzahler ohne eine erkennbare Notlage aufb&uuml;rdet. Es ist auch notwendig, dass wir uns Gedanken dar&uuml;ber machen, ob wir weiterhin mit der Staatsfinanzierung den <a href=\"\/?p=9857\">Finanzsektor subventionieren<\/a>. All diese Punkte kritisiert Hans-Werner Sinn jedoch wohlweislich nicht. Stattdessen betreibt er unverantwortliche Panikmache, wenn er suggeriert, dass die &bdquo;Rettungsprogramme&ldquo; die Rente gef&auml;hrden k&ouml;nnten. Ver&auml;ngstigte und verunsicherte Leser der BILD sind dabei f&uuml;r &bdquo;Deutschlands kl&uuml;gsten Wirtschafts-Professor&ldquo; offenbar nicht mehr als die Kollateralsch&auml;den seiner<br>\nMeinungsmache. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b2d876fe69154f50b62174f403b4c11c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r die BILD ist Hans-Werner Sinn &bdquo;Deutschland kl&uuml;gster Wirtschafts-Professor&ldquo;. 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