{"id":100271,"date":"2023-07-03T08:44:27","date_gmt":"2023-07-03T06:44:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100271"},"modified":"2026-01-27T11:44:04","modified_gmt":"2026-01-27T10:44:04","slug":"russische-monster-wo-ist-die-objektivitaet-geblieben-frankfurter-rundschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100271","title":{"rendered":"\u201eRussische Monster\u201c? Wo ist die Objektivit\u00e4t geblieben, Frankfurter Rundschau?"},"content":{"rendered":"<p><em>Wieder Wohnh&auml;user beschossen: &bdquo;Die russischen Monster kennen keine Grenzen&ldquo;<\/em> &ndash; diese Aussage war am Sonntag als &Uuml;berschrift auf der Internetseite der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> zu lesen. Russen &ndash; Menschen, Soldaten, dehumanisiert, entmenschlicht als &bdquo;Monster&ldquo; benannt. Wo ist bei der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> die Objektivit&auml;t geblieben? Das fragt <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> in einem NachDenkSeiten-Kommentar.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"moreLikeThis\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230703-Screenshot_473.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230703-Screenshot_473.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Ein Krieg ist furchtbar: Mord, Tod, Verst&uuml;mmelung, schwerste Verletzungen an K&ouml;rper und Seele &ndash; auf allen Seiten. Schlimmste Gr&auml;ueltaten werden schnell zur Normalit&auml;t. Wer sich mit Kriegen auseinandersetzt, wei&szlig;: Wenn erst einmal Politiker Soldaten in den Krieg schicken, sind schnell alle Grenzen von menschlichem Anstand, Moral und Zivilisation eingerissen. Das gilt f&uuml;r Kriegssituationen. Es hat aber nicht f&uuml;r den Journalismus zu gelten.<\/p><p>Jeder Journalist wei&szlig;: Die Sprache ist ein scharfes Schwert. Dieses Schwert kann bis ins Mark schneiden. Im Krieg wird die Sprache schnell zum Schwert der Propaganda. Im Krieg geh&ouml;rt die Dehumanisierung, also die Entmenschlichung des Gegners, mit zu den schlimmsten Akten der Propaganda. F&uuml;r ihren Newsticker hat die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> eine &Uuml;berschrift gew&auml;hlt, in der es hei&szlig;t: <em><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/armee-erfolge-ukraine-news-aktuell-russland-krieg-gegenoffensive-kreml-putin-moskau-kiew-zr-92371464.html\">Wieder Wohnh&auml;user beschossen: &bdquo;Die russischen Monster kennen keine Grenzen&ldquo;<\/a><\/em> (mittlerweile neue &Uuml;berschrift). Diese Aussage stammt nicht von den Journalisten selbst, die den Newsticker betreuen. Sie stammt, so ist es zu lesen, von einem &bdquo;Milit&auml;rverwaltungsleiter der Region&ldquo;, die von russischen Raketen getroffen und auf <em>Telegram<\/em> ver&ouml;ffentlicht ist.En<\/p><p>Warum ist es aus journalistischer Sicht untragbar, dieses Zitat in die &Uuml;berschrift zu heben? Ist es etwa nicht die Aufgabe von Journalisten, &bdquo;sichtbar zu machen&ldquo;, das hei&szlig;t: auch die harte Realit&auml;t des Krieges abzubilden, wie etwa die ber&uuml;hmt-furchtbaren Aufnahmen des <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article114225870\/Die-ganze-Story-um-das-Foto-vom-Napalm-Maedchen.html\">&bdquo;Napalm-M&auml;dchens&ldquo;<\/a> im Vietnam-Krieg?<\/p><p>Wenn also ein ukrainischer Milit&auml;rverwalter in Anbetracht der russischen Raketen auf Wohnh&auml;user von &bdquo;russischen Monstern&ldquo; spricht, ist es dann nicht die Aufgabe von Journalisten, genau diese Aussagen auch so wiederzugeben, und zwar in der &Uuml;berschrift?<\/p><p>Nein, ist es nicht. Das ist die Aufgabe der Propaganda. Wir wissen nichts &uuml;ber den Milit&auml;rverwalter, der diese Aussage get&auml;tigt hat. Er mag, vielleicht zu Recht, emotional sein und unter dem Schock des Erlebten vor Ort stehen. Seine Aussage mag aus seiner Sicht gerechtfertigt sein. Ein Journalismus, der den Namen verdient, der um Objektivit&auml;t ernsthaft bem&uuml;ht ist, wird ihr mit Distanz begegnen.<br>\nJeder Journalist hat in seinem Volontariat gelernt: Wenn der Vater von klein Erna, aufgrund einer &bdquo;&auml;rgerlichen Situation&ldquo;, den Schulleiter der Schule gegen&uuml;ber einem Journalisten als &bdquo;Dreckschwein&ldquo; bezeichnet, dann wird der Reporter in 99 von 100 F&auml;llen ihn damit <em>nicht<\/em> zitieren. Der Grund leuchtet ein: Oft liegen bei Konflikten die Nerven der Konfliktparteien blank. Emotionale Ausbr&uuml;che dieser Art nimmt der Journalist zur Kenntnis, l&auml;sst sie vielleicht indirekt in den Artikel einflie&szlig;en, aber im Wesentlichen konzentriert er sich auf den Gegenstand der Berichterstattung. Schlie&szlig;lich: Eine anst&auml;ndige Zeitung will kein Schmierblatt sein, das Verbalinjurien zur allgemeinen Stimmungsmache verbreitet.<\/p><p>Die Prinzipien aus diesem Beispiel gelten noch um ein Vielfaches mehr f&uuml;r die seri&ouml;se Berichterstattung zu gro&szlig;en politischen Themen wie dem Krieg in der Ukraine. Ein Journalist <em>berichtet <\/em>(!) &uuml;ber die Raketenangriffe. Er zeigt das Leid. Aber er macht sich nicht zum Reflektor einer Konfliktpartei, die ihren Gegner sprachlich entmenschlicht.<\/p><p><em>Anmerkung: Der Autor hat <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KlocknerMarcus\/status\/1675560446084935681\">auf Twitter der Frankfurter Rundschau die Frage gestellt<\/a>, ob es n&ouml;tig war, diese Aussage als &Uuml;berschrift zu verwenden. Eine Antwort ist nicht erfolgt.<\/em><\/p><p>Titelbild: SkazovD\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>Wieder Wohnh&auml;user beschossen: &bdquo;Die russischen Monster kennen keine Grenzen&ldquo;<\/em> &ndash; diese Aussage war am Sonntag als &Uuml;berschrift auf der Internetseite der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> zu lesen. Russen &ndash; Menschen, Soldaten, dehumanisiert, entmenschlicht als &bdquo;Monster&ldquo; benannt. Wo ist bei der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> die Objektivit&auml;t geblieben? 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