{"id":1003,"date":"2005-12-28T16:10:25","date_gmt":"2005-12-28T14:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1003"},"modified":"2016-02-22T13:59:16","modified_gmt":"2016-02-22T12:59:16","slug":"das-handelsblatt-berichtet-uber-eine-wissenschaftliche-uberprufung-von-hartz-i-bis-iii-grose-teile-der-hartz-reformen-verfehlen-ihr-ziel-die-arbeitslosigkeit-zu-senken-einzelne-teile-wirken-sogar-kont","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1003","title":{"rendered":"Das Handelsblatt berichtet \u00fcber eine wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung von Hartz I bis III: &#8220;Gro\u00dfe Teile der Hartz-Reformen verfehlen ihr Ziel, die Arbeitslosigkeit zu senken. Einzelne Teile wirken sogar kontraproduktiv.&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Die Hartz-Arbeitsmarktreformen sind zum scheitern verurteilt, weil sie allenfalls an Symptomen kurieren aber nicht an den Ursachen der Arbeitslosigkeit ansetzen, das haben wir auf den NachDenkSeiten durch schlichtes Nachdenken von Anfang an prognostiziert. Eine interne Evaluierung von drei der vier Reformpakete durch das Wissenschaftszentrum Berlin sowie durch die Wirtschaftsforschungsinstitute DIW, RWI und ZEW im Auftrag der Bundesregierung best&auml;tigt nun einmal mehr unsere Prognose. Nur zu Erinnerung: Versprochen wurde eine Halbierung der Arbeitslosigkeit. Die wissenschaftlichen Befunde liefern ein weiteres Beispiel f&uuml;r das immer deutlicher werdende Scheitern der sog. &bdquo;Reformpolitik&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r die meisten Bausteine von Hartz I bis III, die zwischen Januar 2003 und Januar 2004 in Kraft getreten sind, konnten die Forscher keine Verbesserung der Qualit&auml;t der Arbeitsvermittlung feststellen. Dass die Reformen die Arbeitslosigkeit der Betroffenen verk&uuml;rzt h&auml;tten, sei ebenfalls nicht erkennbar. <\/p><p>Die Personalserviceagenturen (PSA) etwa verl&auml;ngerten &bdquo;im Vergleich zur Kontrollgruppe die durchschnittliche Arbeitslosigkeit um fast einen Monat, gleichzeitig liegen die monatlichen Kosten weit &uuml;ber den ansonsten entstandenen Transferleistungen&ldquo;.<\/p><p>Auch die Vermittlungsgutscheine seien &bdquo;kein geeignetes Instrument, um eine Integration in den Arbeitsmarkt zu bef&ouml;rdern&ldquo;. Der Vermittlungsgutschein erm&ouml;glicht es Arbeitslosen, die Dienstleistungen privater Arbeitsvermittler in Anspruch zu nehmen. (Zudem haben wir ja zahllose Berichte &uuml;ber &bdquo;Absahnereien&ldquo; von privaten Arbeitsvermittlungsagenturen gelesen, die doch angeblich so viel effizienter als die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit sein sollten.)<\/p><p>Die erleichterte befristete Einstellung &auml;lterer Arbeitnehmer sei &ndash; laut Studie &ndash; wirkungslos verpufft.<br>\n(Daraus l&auml;sst sich doch wohl zwanglos ableiten, dass der im Koalitionsvertrag beschlossene Abbau des K&uuml;ndigungsschutzes durch die generelle Einf&uuml;hrung einer zweij&auml;hrigen Probezeit f&uuml;r alle Neueinstellungen auch nichts bringen wird &ndash; jedenfalls nichts f&uuml;r den Arbeitsmarkt, daf&uuml;r aber eine weitere Verunsicherung der Arbeitnehmer.)<\/p><p>Die Einf&uuml;hrung der Mini-Jobs habe zwar f&uuml;r einen Boom der geringf&uuml;gigen Besch&auml;ftigung gesorgt, doch die Arbeitslosen h&auml;tten davon nicht profitiert. &bdquo;Hinsichtlich des Ziels der Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt sind (&hellip;) erhebliche Zweifel angebracht.&ldquo; Der &Uuml;bergang von Mini-Jobs in regul&auml;re Jobs sei eher die Ausnahme.<br>\n(Nach allen sonstigen bisherigen Erkenntnissen haben die die Mini-Jobs wohl eher zu einem Abbau an sozialversicherungspflichtigen Voll- oder Teilzeitarbeitspl&auml;tzen gef&uuml;hrt und damit eine Schleuse f&uuml;r Lohndumping er&ouml;ffnet und gleichzeitig die sozialen Sicherungssysteme geschw&auml;cht.)<\/p><p>Der makro&ouml;konomische Nutzen zahlreicher, meist teurer Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik, so befinden die Institute, sei &uuml;beraus zweifelhaft: Mit Blick auf die F&ouml;rderung der beruflichen Weiterbildung, Lohnsubventionen und Arbeitsbeschaffungsprogramme, so hei&szlig;t es in der mehrere tausend Seiten umfassenden Studie, seien dauerhafte Arbeitsmarkteffekte dieser Ma&szlig;nahmen nicht erkennbar.<br>\n(Dennoch d&uuml;rften die Sinns und die Straubhaars &amp; Co auch k&uuml;nftig behaupten, dass Kombi-L&ouml;hne, also die staatliche Subventionierung von Niedrigstl&ouml;hnen die L&ouml;sung aller Probleme auf dem Arbeitsmarkt seien.)<br>\nEtwas besser kommt in der Studie die Existenzgr&uuml;nder-F&ouml;rderung weg. Vor allem das &Uuml;berbr&uuml;ckungsgeld, aber auch die Ich-AG &bdquo;erweisen sich als erfolgreiche Instrumente der Arbeitsmarktpolitik&ldquo;, urteilen die Forscher. &bdquo;Insgesamt k&ouml;nnen beide Programme hinsichtlich der Vermeidung einer R&uuml;ckkehr in die Arbeitslosigkeit als erfolgreich angesehen werden.&ldquo;<br>\n(Wie viele der &bdquo;Ich-AGs&ldquo; jedoch auf dem Markt bestehen werden, wird man allerdings erst noch abwarten m&uuml;ssen. Auch da sprechen bisher schon vorliegende Befunde von hohen Mitnahme- oder Fluchteffekten vor dem Absturz ins Arbeitslosengeld II. Die &bdquo;Schwundquoten&ldquo; haben doch gerade die Gro&szlig;koalition&auml;re dazu veranlasst die F&ouml;rderung f&uuml;r die &bdquo;Ich-AGs&ldquo; bis zum 30. Juni 2006 auslaufen zu lassen.)<\/p><p>Damit wir nicht missverstanden werden: Wir empfinden keinerlei Genugtuung, dass wir mit unseren Prognosen Recht behalten haben. Im Gegenteil: Wir beklagen nur, dass den Arbeitslosen durch diese Art von &bdquo;Reformpolitik&ldquo; eben gerade nicht gef&ouml;rdert sondern ausschlie&szlig;lich gefordert werden.<\/p><p>Die Arbeitsmarktreformen liefern nur ein Beispiel unter vielen f&uuml;r das Scheitern der &bdquo;Agenda&ldquo;-Politik.<br>\nSind etwa durch die Belastung der Versicherten und der Kranken im Rahmen der &bdquo;Gesundheitsreform&ldquo;, die Beitr&auml;ge zur Krankenversicherung gesunken? Ist durch die Einf&uuml;hrung der privaten Riester-Rente, als historischer Schritt zum &Uuml;bergang in eine duale Rentenversicherung gefeiert, die gesetzliche Altersvorsorge sicherer geworden?<br>\nWo hat sich dadurch etwas verbessert, dass sich Deutschland &ndash; wie der Bundespr&auml;sident in seiner Weihnachtsansprache sagte &ndash; &bdquo;auf den Weg gemacht&ldquo; hat? Warum kommt nach all diesen negativen Erfahrungen auf diesem Weg, kaum jemand, der in unserem Land in Politik und Medien das Sagen hat, auf den Gedanken, dass wir schlicht und einfach auf dem Holzweg sind?<br>\nAber solche Zweifel befallen noch nicht einmal das DIW, das RWI oder das ZEW die jetzt in ihrer eigenen umf&auml;nglichen Evaluierung zu diesem negativen Befund &uuml;ber die Hartz-Reformen gelangt sind. Wie sollten sie auch &ndash; geh&ouml;rten sie doch zu den vielen wirtschaftswissenschaftlichen Instituten und Experten, die seit Jahren vehement gerade diesen Weg der Reformen von der Politik verlangen. Ihnen f&auml;llt zur Verteidigung oder Verschleierung ihrer Fehlurteile immer nur ein, dass man auf diesem Holzweg noch schneller voran gehen m&uuml;sse.<br>\nUm es mit Shakespeares Hamlet zu sagen: Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.<\/p><p>Quelle 1: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200013,200050,1009477\/index.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200013,200050,1009477\/index.html\">Handelsblatt<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200013,200050,1009477\/grid_id\/1149472\/artpage\/2\/SH\/0\/depot\/0\/index.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200013,200050,1009477\/grid_id\/1149472\/artpage\/2\/SH\/0\/depot\/0\/index.html\">Handelsblatt<\/a><br>\nQuelle 3: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/pw\/de\/36256.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/pw\/de\/36256.html\">FTD<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hartz-Arbeitsmarktreformen sind zum scheitern verurteilt, weil sie allenfalls an Symptomen kurieren aber nicht an den Ursachen der Arbeitslosigkeit ansetzen, das haben wir auf den NachDenkSeiten durch schlichtes Nachdenken von Anfang an prognostiziert. 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