{"id":100372,"date":"2023-07-04T09:39:24","date_gmt":"2023-07-04T07:39:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100372"},"modified":"2023-07-05T07:37:24","modified_gmt":"2023-07-05T05:37:24","slug":"der-afd-hoehenflug-ist-eine-logische-folge-einer-immer-tiefer-gespaltenen-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100372","title":{"rendered":"Der AfD-H\u00f6henflug ist eine logische Folge einer immer tiefer gespaltenen Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Glaubt man den wie stets aufgeregten Medien, m&uuml;sste Deutschland gerade eben mitten in einem Rechtsruck stehen. Davon merke ich jedoch ehrlich gesagt nichts. Was ich jedoch aus Gespr&auml;chen mit Freunden und Bekannten mitbekomme, ist eine immer st&auml;rkere Entfremdung mit dem politisch-medialen Komplex und damit der Politik der Ampelregierung. Auch wenn niemand aus meinem Umfeld die AfD und ihr Programm gut findet, so begegne ich immer h&auml;ufiger klammheimlicher Freude &uuml;ber deren Umfragen-H&ouml;henflug. Die AfD ist sicher <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=75502\">keine Alternative<\/a>, aber sie wird mittlerweile von vielen als einzige Opposition wahrgenommen. Dass in Zeiten, in denen die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung historisch hohe Werte erklimmt, die Umfragewerte dieser als einzige Opposition wahrgenommenen Partei ebenfalls Rekorde verzeichnen k&ouml;nnen, sollte nicht wirklich &uuml;berraschen. Der politisch-mediale Komplex hat so ziemlich alles getan, um die Spaltung der Gesellschaft zu vertiefen; nun darf er sich nicht dar&uuml;ber wundern, dass die Saat aufgeht. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7188\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-100372-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=100372-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230704_Der_AfD_Hoehenflug_ist_eine_logische_Folge_einer_immer_tiefer_gespaltenen_Gesellschaft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wer &bdquo;den typischen AfD-W&auml;hler&ldquo; sucht, sollte sich erst einmal frei von tradierten Klischees machen. Glaubt man den zahlreichen j&uuml;ngeren Studien <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Die-neuen-AfD-Protestwaehler-sind-anders-als-gedacht-article24220504.html\">zu diesem Thema<\/a>, hat mittlerweile der &bdquo;alte, w&uuml;tende, sozio&ouml;konomisch prek&auml;re Mann in der Plattenbausiedlung&ldquo; als AfD-Kernw&auml;hler ausgedient. Die gr&ouml;&szlig;te Zustimmung erh&auml;lt die Partei laut Forsa mittlerweile von der klassischen Mittelschicht &ndash; Arbeitern und Angestellten mittleren Alters, mit leicht &uuml;berdurchschnittlichem Einkommen, die vor allem auf dem Land leben; in den Gro&szlig;st&auml;dten schneidet die AfD bei Umfragen am schlechtesten ab. Umfragen sind Umfragen. Nicht mehr. Erst neulich <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99656\">kritisierte Albrecht M&uuml;ller vollkommen zu Recht den Missbrauch solcher Umfragen<\/a> gerade bei der AfD-Thematik. Abseits von Umfragen kann man sich dem Thema jedoch auch empirisch n&auml;hern. Die &bdquo;Heizungsdebatte&ldquo; der letzten Monate ist daf&uuml;r ein geeignetes Fallbeispiel, das aufzeigt, wie sehr sich der Riss in unserer Gesellschaft vertieft.<\/p><p>Die klassische Gr&uuml;nen-W&auml;hlerschaft wird die gesamte Debatte gar nicht verstehen k&ouml;nnen; man lebt entweder als Besserverdiener im hochpreisigen modernen Energiesparhaus auf dem Land oder als Mieter in einem der angesagten Viertel der Metropolen. Im ersteren Fall hat man selbst keine finanzielle Mehrbelastung durch die &bdquo;Heizungswende&ldquo; zu bef&uuml;rchten, im letzteren Fall sind die Kosten eher abstrakt und stehen in keinem Verh&auml;ltnis zu den f&uuml;r diese Klientel tats&auml;chlich existenzbedrohenden Kaltmieten. Das sieht in den kleineren und mittleren St&auml;dten und den D&ouml;rfern jedoch diametral anders aus. Ich lebe ja selbst auf dem Land und f&uuml;r mich pers&ouml;nlich sind die horrenden Kaltmieten in den Metropolen eher ein PaL &ndash; ein Problem anderer Leute. Daf&uuml;r sind die im Raum stehenden Mehrkosten f&uuml;r Energie und die bald anfallende W&auml;rmepumpe in der Tat eine existenzielle Frage. Hier geht es um Lebensentw&uuml;rfe und f&uuml;r einen Normalverdiener bringen monatliche Zusatzkosten im vierstelligen Bereich den derzeitigen Lebensentwurf geh&ouml;rig durcheinander. Das ist, liebe Berliner, M&uuml;nchner und Hamburger, so, als w&uuml;rde Eure Kaltmiete von einem Jahr aufs n&auml;chste im vierstelligen Bereich steigen. <\/p><p>Hierbei geht es nur am Rand um das Thema Klimaschutz. In meinem Umfeld gibt es fast niemanden, der das Thema nicht ernst nehmen w&uuml;rde und auch selbst gerne Emissionen einsparen w&uuml;rde. Aber &ndash; und das ist ein gro&szlig;es &bdquo;Aber&ldquo; &ndash; dadurch darf selbstverst&auml;ndlich nicht die eigene Existenz, der eigene Lebensentwurf, bedroht werden. Der subjektive Eindruck vieler ist vielmehr: Hier wird f&uuml;r einen &uuml;berschaubaren Effekt in der Klimabilanz ein maximaler Preis eingefordert, den viele gar nicht zahlen k&ouml;nnen und fast alle nicht zahlen wollen. Doch dieser subjektive Eindruck findet sich in der politischen und gesellschaftlichen Debatte nicht wieder. Man f&uuml;hlt sich alleingelassen, politisch nicht wahr- und schon gar nicht ernstgenommen, nicht repr&auml;sentiert. So geht es fast allen Menschen aus meinem Umfeld. Und wenn man den Umfragen dann doch einmal Glauben schenken darf, sind diese empirischen Beobachtungen keine Einzelf&auml;lle, sondern die Mehrheit. Laut <a href=\"https:\/\/www.infratest-dimap.de\/fileadmin\/user_upload\/DT2306_Report.pdf\">ARD-Deutschlandtrend<\/a> haben zwei Drittel der Befragten die Sorge, dass sie die &bdquo;Heizungswende&ldquo; finanziell &uuml;berfordern wird. Zwei Dritteln der Bev&ouml;lkerung eine existenzielle Angst einzufl&ouml;&szlig;en &ndash; das ist genau die Hybris der &bdquo;Berliner Blase&ldquo;, die aus der ohnehin schon vorhandenen Entfremdung einen tiefen Riss macht, der durch unsere Gesellschaft geht. Da wundert es nicht, dass mittlerweile 79 Prozent der Befragten mit der Bundesregierung nicht zufrieden sind. Das ist &uuml;brigens ein historischer Wert. Noch nie war die Unzufriedenheit mit der amtierenden Bundesregierung so gro&szlig;.<\/p><p>Nun muss man nur Eins und Eins zusammenz&auml;hlen. Eine historisch hohe Unzufriedenheit mit der Regierung und drei Oppositionsparteien, von denen mit der CDU und der Linkspartei zwei sich bei vielen Themen, die den Menschen unter den N&auml;geln brennen, kaum von der Ampelkoalition unterscheiden. Was bleibt, ist die AfD und gerade bei der Heizungsfrage ist diese Partei ja in der Tat eine Art &bdquo;Fundamentalopposition&ldquo; zur Regierungspolitik. Dass die AfD eine im Kern reaktion&auml;re und neoliberale Partei ist, die f&uuml;r progressiv denkende Menschen keine echte Alternative sein kann, versteht sich von selbst. Laut Infratest dimap gibt aber ohnehin nur ein Drittel derer, die in den Umfragen der AfD ihre &bdquo;Stimme geben&ldquo;, an, der AfD n&auml;her als anderen Parteien zu stehen und von ihr &uuml;berzeugt zu sein. Zwei Drittel der &bdquo;AfD-Umfragew&auml;hlern&ldquo; sind demnach klassische Protestw&auml;hler; also Menschen, die mit den anderen Parteien unzufrieden sind und ihnen oft auch einen Denkzettel verpassen wollen, der AfD selbst aber ebenfalls kritisch gegen&uuml;berstehen. <\/p><p>Ist das wirklich so verwunderlich? Ich meine, nein. Auch Umfragehochs k&ouml;nnen ein Korrektiv sein. So wurde die SPD weiland in ihren neoliberalen Sturm- und Drangzeiten erst durch die immer besseren Umfrageergebnisse der Linkspartei &bdquo;domestiziert&ldquo;. Die Linkspartei musste nicht in die Regierung kommen, um als Korrektiv zu wirken; so k&ouml;nnte es sich k&uuml;nftig mit der AfD auch verhalten. Parteien sind auf W&auml;hlerstimmen angewiesen, Politiker wollen Mandate gewinnen &ndash; beides geht nicht, wenn man immer nur den Empfehlungen der Meinungsmacher in den Medien hinterherhechelt und dabei die W&auml;hlerschaft permanent vor den Kopf st&ouml;&szlig;t. Und 79 Prozent Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit sind ein massiver Sto&szlig; vor den Kopf. <\/p><p>Gerade in sich als &bdquo;links&ldquo; verortenden Kreisen scheint ja das &bdquo;Bek&auml;mpfen der AfD&ldquo; nicht nur der kleinste gemeinsame Nenner, sondern sogar ein identit&auml;tsstiftendes Merkmal zu sein. Doch wie &bdquo;bek&auml;mpft&ldquo; man die AfD? Die bisherige Strategie, jeder inhaltlichen Positionierung der AfD durch die &Uuml;bernahme der exakten Gegenposition zu begegnen, ist f&uuml;r jeden erkennbar gescheitert und hat die AfD nicht etwa kleiner, sondern gr&ouml;&szlig;er gemacht. Wer die AfD zur&uuml;ckdr&auml;ngen will, kommt nicht drumherum, sich selbst auch einmal kritisch zu hinterfragen und in besonders spaltenden Debatten die eigene Position zu &uuml;berdenken. Wenn trotz medialen Meinungsbombardements die Mehrheit keine existenziell bedrohlichen Kosten f&uuml;r die Heizungswende aufbringen will und den deutschen Kurs bei der Ukrainekrieg-Frage kritisch sieht, k&ouml;nnte man ja auch einmal dar&uuml;ber nachdenken, in diesen Punkten ernsthaft auf die Mehrheit zuzugehen. Das nennt sich &uuml;brigens Demokratie. Die Parteien haben also die freie Wahl. Entweder sie bleiben bei ihrem Kurs, kriegen von den Medien Beifall, aber vertiefen den Riss, der durch die Gesellschaft geht. In diesem Fall stehen der AfD gute Zeiten bevor. Oder aber sie hinterfragen ihren Kurs und verfolgen endlich einmal eine vereinende Politik. Dann kriegen sie zwar schlechte Presse, aber sie kitten den Riss und entziehen der AfD damit ihr Protestw&auml;hlerpotential. Noch gibt es diese Wahl. <\/p><p>Titelbild: ScenaStudio\/shutterstock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/051be84f82274020b7284cb00a11c7d6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Glaubt man den wie stets aufgeregten Medien, m&uuml;sste Deutschland gerade eben mitten in einem Rechtsruck stehen. Davon merke ich jedoch ehrlich gesagt nichts. Was ich jedoch aus Gespr&auml;chen mit Freunden und Bekannten mitbekomme, ist eine immer st&auml;rkere Entfremdung mit dem politisch-medialen Komplex und damit der Politik der Ampelregierung. 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