{"id":100448,"date":"2023-07-05T16:10:12","date_gmt":"2023-07-05T14:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100448"},"modified":"2023-07-05T18:44:28","modified_gmt":"2023-07-05T16:44:28","slug":"gespraech-mit-dem-palaestinenser-george-rashmawi-zum-aktuellen-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100448","title":{"rendered":"Gespr\u00e4ch mit dem Pal\u00e4stinenser George Rashmawi zum aktuellen Konflikt"},"content":{"rendered":"<p>Am 13.4.2023 hatten wir ein erstes Videogespr&auml;ch mit George Rashmawi ver&ouml;ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96323\">Siehe hier<\/a>. Jetzt ist der Konflikt zwischen Israelis und Pal&auml;stinensern wieder einmal so schrecklich und t&ouml;dlich geworden, dass wir <a href=\"https:\/\/youtu.be\/FZnuNzX0NeU\">ein neues Gespr&auml;ch<\/a> f&uuml;hrten. Eine der Kernaussagen: &bdquo;Wir als Pal&auml;stinenser sind f&uuml;r einen demokratischen Staat in Pal&auml;stina. Wir bef&uuml;rworten einen Staat, in dem alle gleichberechtigt zusammenleben k&ouml;nnen. So eine politische L&ouml;sung wird bestimmt auch von liberalen und demokratischen Kr&auml;ften in Israel bevorzugt. Leider m&ouml;chte die jetzige rassistische Regierung jede politische L&ouml;sung verhindern.&ldquo; Die Pal&auml;stinenser st&uuml;nden mit dem R&uuml;cken zur Wand, das Zahlenverh&auml;ltnis der zum Beispiel in der Westbank Lebenden habe sich verschoben. Dort leben inzwischen 700.000 israelische Siedler. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Anhang ein Beitrag von Arn Strohmeyer zu &auml;hnlichen Vorg&auml;ngen vom April 2002.<\/p><p>Hier sind Informationen zum Gespr&auml;chspartner George Rashmawi:<\/p><p>Er kam Mitte 1974 nach Deutschland, studierte an der Uni K&ouml;ln Medizin. In dieser Zeit war er aktiv im Asta sowie bei der Gr&uuml;ndung des Pal&auml;stinensischen Studenten Vereins in Deutschland. George Rashmawi war 1996 auch Mitglied des Zentralrates der General Union der Pal&auml;stinensischen Studenten weltweit.<\/p><p>Nach Abschluss seines Studiums lehnte die Besatzungsmacht Israel seine R&uuml;ckkehr nach Pal&auml;stina ab. Er hat dann zusammen mit zwei Bekannten eine medizinische Firma gegr&uuml;ndet. Dort ist er immer noch t&auml;tig.<\/p><p>Er ist Mitglied des Sprecherkreises der Koordinationsgruppe des Netzwerkes Pal&auml;stina-Israel (KOPI). Sie treten f&uuml;r einen gerechten Frieden im Nahen Osten zwischen Pal&auml;stina und Israel ein. Das Netzwerk hat 35 Gruppen.<\/p><p>George Rashmawi ist zurzeit auch Vorsitzender der Pal&auml;st. Gemeinden, Institionen und Aktivit&auml;ten in Europa. &ndash; Er ist Mitglied des Vorstandes der Pal&auml;st. Gemeinde Deutschland e.V., die in 25 St&auml;dten ihre Gruppen hat. Und er ist Mitglied des Nationalkongresses der PLO.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" frameborder=\"0\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/FZnuNzX0NeU\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p>Bei der Vorbereitung des Gespr&auml;chs stie&szlig; ich auf einen Artikel, der die m&ouml;rderische Dramatik der Auseinandersetzungen schonungslos zeigt:<\/p><p><strong>Ein neues Massaker in Jenin?<\/strong><br>\n<strong>Schon einmal hat Israels Armee das &bdquo;Terroristennest&ldquo; im Westjordanland plattgemacht<\/strong><br>\n<strong>Arn Strohmeyer<\/strong><\/p><p>Die Nachrichten, die uns aus Jenin erreichen, lassen Furchtbares ahnen. Die israelische Armee ist wieder einmal dabei, dieses &bdquo;Terroristennest&ldquo; zu s&auml;ubern &ndash; mit allen Mitteln, die die &bdquo;moralischste Armee der Welt&ldquo; einsetzen kann: Luftwaffe, Raketen, Panzer, Scharfsch&uuml;tzen und vor allem die riesigen Caterpillars D-9. Das sind f&uuml;r die Israelis die richtigen Waffen, um gegen ein Fl&uuml;chtlingslager mit 17 000 Einwohnern vorzugehen, in denen sich &ndash; wen wundert es angesichts der brutalen Besatzung? &ndash; auch pal&auml;stinensische Widerstandsk&auml;mpfer aufhalten. <\/p><p>Das geh&ouml;rt zu der Trag&ouml;die der Zionisten. Sie haben mit ihrer Politik der Gewalt daf&uuml;r gesorgt, dass Millionen Pal&auml;stinenser noch immer in Fl&uuml;chtlingslagern hausen m&uuml;ssen, ob im Westjordanland, im Gazastreifen oder in den arabischen Nachbarstaaten. Nat&uuml;rlich rufen solche unmenschlichen Zust&auml;nde Widerstand hervor. Das ist in den Augen der Besatzer dann aber &bdquo;Terrorismus&ldquo;, und der muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, wenn es sein muss auch zum zigsten Mal. Die Geschichte dreht sich aber im Kreis: Die Besatzungsgewalt produziert immer neue &bdquo;Terroristen&ldquo;, und so kann die Trag&ouml;die kein Ende nehmen&hellip;<\/p><p>Der neue Sturm auf Jenin ruft schlimme Erinnerungen wach. Im April 2002 hat die israelische Armee das Fl&uuml;chtlingslager schon einmal angegriffen, um es &bdquo;auszuradieren&ldquo;. Das wurde mit Gr&uuml;ndlichkeit besorgt. Erst erledigte das Milit&auml;r seine Aufgabe, dann kamen die riesigen Bulldozer und besorgten den Rest. Das sah dann so aus, dass die Caterpillars die H&auml;user einfach niederm&auml;hten, wie Augenzeugen berichteten. <\/p><p>Die israelische Linguistin und Publizistin Tanya Reinhart (Universit&auml;t Tel Aviv) hat nach Aussagen von Soldaten geschildert, was dort geschah: &bdquo;Dabei steht mit Sicherheit fest, dass die israelischen Streitkr&auml;fte in Jenin schlicht und einfach die Tatsache ignorierten, dass sich in den Gebieten, die sie Tag und Nacht mit Raketen aus Cobra-Hubschraubern attackierten und mit Bulldozern platt walzten, um den Weg f&uuml;r die einrollenden Panzer freizumachen, eine unbekannte Zahl von Zivilisten befand. Niemand kam ins Lager, um diese Menschen einzeln zu exekutieren; sie wurden zermalmt und unter ihren zerbombten und einplanierten H&auml;usern begraben. Andere starben in den Gassen an ihren Verletzungen oder schrien unter den Ruinen tagelang um Hilfe, bis ihre Stimmen schlie&szlig;lich erstarben.&ldquo; Man hat den Leuten also nicht die M&ouml;glichkeit gegeben, ihre H&auml;user zu verlassen. <\/p><p>Alarmiert von den Augenzeugenberichten beschloss der UNO-Sicherheitsrat einstimmig die Entsendung einer Untersuchungskommission. Man konnte sich aber mit den Israelis nicht &uuml;ber die Bedingungen der Untersuchung einigen und so wurde sie fallengelassen. Da es keine formelle Untersuchung gab, blieb die grausame Geschichte von Jenin 2002 unerz&auml;hlt. Tatsache ist aber, &bdquo;dass eine unbekannte Anzahl von Menschen lebendigen Leibes in ihren H&auml;usern einplaniert wurde, w&auml;hrend die D-9 das Zentrum des Fl&uuml;chtlingslagers in Jenin dem Erdboden gleichmachten&ldquo;, schreibt Tanya Reinhart. <\/p><p>Der israelische Journalist Tsadok Yehezkeli von der Zeitung Yediot Aharonot machte ein Interview mit einem der Bulldozer-Fahrer. Dieser Mann erz&auml;hlte, dass er 75 Stunden lang ohne Pause auf der riesigen Planierraupe gesessen habe und ein Haus nach dem anderen niedergewalzt habe. W&ouml;rtlich sagte er: &bdquo;Drei Tage lang schlug ich ununterbrochen alles in St&uuml;cke. Das ganze Gebiet. Jedes Haus, aus dem sie feuerten, wurde plattgemacht. Um es niederzuwalzen, riss ich gleich noch ein paar andere mit ein. Die Leute wurden &uuml;ber Lautsprecher gewarnt, das Haus zu verlassen, aber ich gab keinem eine Chance. Ich wartete nicht lange. Ich schlug nicht mal gegen das Haus und wartete, dass sie dann rauskamen. Ich rammte einfach mit voller Kraft gegen das Haus, um es so schnell wie m&ouml;glich zum Einsturz zu bringen. Ich wollte weiter zu den anderen H&auml;usern. Ich wollte so viele wie m&ouml;glich schaffen. (&hellip;) Mir waren die Pal&auml;stinenser schei&szlig;egal, aber ich habe nicht einfach so ohne Grund alles kaputtgemacht. Das geschah auf Befehl. (&hellip;) Wenn mir irgendetwas leidtut, dann nur, dass wir nicht das ganze Lager abgerissen haben.&ldquo; (Das Interview wurde am 31. Mai 2002 in der Wochenendbeilage von Yediot Aharonot ver&ouml;ffentlicht.)<\/p><p>Jenin war w&auml;hrend dieser Milit&auml;raktion nat&uuml;rlich f&uuml;r die Medien gesperrt. Die israelische Armee sch&auml;tzte, dass es ungef&auml;hr 200 Tote gegeben habe. Genaue Zahlen gibt es aber nicht: Denn die Leichen wurden sehr schnell in Spezial-K&uuml;hllastwagen zu &bdquo;Terroristenfriedh&ouml;fen&ldquo; im Jordantal gebracht und dort begraben. Die Israelis hatten Angst, dass die Pal&auml;stinenser die Toten zu Propagandazwecken benutzen k&ouml;nnten.<\/p><p>Wiederholen sich die furchtbaren Ereignisse vom April 2002 gegenw&auml;rtig in Jenin? <\/p><p><strong>Quelle. Tanya Reinhart: &bdquo;Operation Dornenfeld&ldquo;. Der Israel-Pal&auml;stina-Konflikt: Gerechter Frieden oder endloser Krieg? Bremen 2002<\/strong><\/p><p><em><strong>P.S. A.M.:<\/strong> Hier noch die Darstellung der Arbeit eines <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NWUJ5ioP-a0\">Caterpillar IDF D9<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 13.4.2023 hatten wir ein erstes Videogespr&auml;ch mit George Rashmawi ver&ouml;ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96323\">Siehe hier<\/a>. Jetzt ist der Konflikt zwischen Israelis und Pal&auml;stinensern wieder einmal so schrecklich und t&ouml;dlich geworden, dass wir <a href=\"https:\/\/youtu.be\/FZnuNzX0NeU\">ein neues Gespr&auml;ch<\/a> f&uuml;hrten. 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