{"id":100495,"date":"2023-07-08T11:45:37","date_gmt":"2023-07-08T09:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100495"},"modified":"2023-07-12T07:35:44","modified_gmt":"2023-07-12T05:35:44","slug":"meinungsfreiheit-im-westen-ist-nur-eine-vorformatierte-und-vorkonditionierte-erzaehlung-teil-3-von-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100495","title":{"rendered":"\u201eMeinungsfreiheit im Westen ist nur eine vorformatierte und vorkonditionierte Erz\u00e4hlung&#8221; \u2013 Teil 3 von 3"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r Oleg Nesterenko hat die Sicht des Westens auf den Krieg eine &bdquo;Schlagseite&rdquo;, bedingt durch die staatliche und mediale Propaganda mit ihren negativen Auswirkungen auf die Freiheit des Denkens. Die Meinungsfreiheit im Westen ist laut Nesterenko mangels echter Gedankenfreiheit eine Illusion. Zur Dauer des Ukrainekonflikts, zu Vermittlungsbem&uuml;hungen, westlicher Meinungsfreiheit und den Konturen einer neuen Weltordnung bringen die <em>NachDenkSeiten<\/em> den <a href=\"https:\/\/eclaireur.substack.com\/p\/en-france-la-liberte-dexpression\">dritten und letzten Teil<\/a> der Interviewreihe &uuml;ber den Krieg in der Ukraine aus der Sicht eines Russen. &Uuml;bersetzung von <strong>Heiner Biewer<\/strong>. Teil eins und zwei sind im Anschluss an diesen Artikel noch einmal verlinkt.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9109\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-100495-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=100495-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230711_Meinungsfreiheit_im_Westen_ist_nur_eine_vorformatierte_und_vorkonditionierte_Erzaehlung_Teil_3_von_3_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Wer hat weshalb ein Interesse daran, diesen Krieg in die L&auml;nge zu ziehen?<\/strong><\/p><p>Die Ank&uuml;ndigungen, dass Putin den Krieg innerhalb von zwei Wochen beenden wolle, wurden ausschlie&szlig;lich von den Massenmedien und der &bdquo;atlantischen&rdquo; Propaganda im Rahmen des Informationskriegs gemacht, den sie gerade gegen&uuml;ber ihren westlichen W&auml;hlern f&uuml;hren. Es ist ein grundlegendes Werkzeug der Manipulation, anderen absurde Handlungen oder Aussagen zuzuschreiben und sie dann mit gro&szlig;em Pomp zu diskreditieren.<\/p><p><strong>Auf russischer Seite wurden solche Dummheiten niemals ge&auml;u&szlig;ert. Warum?<\/strong><\/p><p>Nehmen wir den Krieg in Tschetschenien. Dieser Krieg dauerte zwei Jahre, von 1994 bis 1996. 1999 bis 2000 wurden sieben Monate lang zus&auml;tzliche Operationen durchgef&uuml;hrt, um das Problem zu beseitigen. Der Tschetschenienkrieg wurde auf einem winzigen Gebiet und gegen Kr&auml;fte gef&uuml;hrt, die unvergleichlich kleiner und schw&auml;cher bewaffnet waren als die vor dem russischen Gegenschlag im Februar 2022 vom kollektiven Westen &uuml;ber sieben Jahre hin gest&auml;rkte ukrainische Armee. Und es gibt immer noch Witzbolde, die vom Plan eines zweiw&ouml;chigen Krieges sprechen. Nein, Russland ist nie auf die Idee gekommen, sich mit Israel im Sechstagekrieg zu verwechseln&hellip;<\/p><p>Ein paar Worte zum Krieg in Tschetschenien, der im Westen ebenfalls verkannt oder, genauer gesagt, unter den Teppich gekehrt wird. Es handelte sich um eine Anti-Terror-Operation, denn auf der Gegenseite standen islamistische Terroristen, die Ideologien vertraten, die nichts mit dem traditionellen Islam gemein haben und nicht mit ihm verwechselt werden d&uuml;rfen; Letzterer regelt das Leben in muslimischen L&auml;ndern weltweit auf v&ouml;llig vern&uuml;nftige Weise, auch in Russland, wo die muslimische Gemeinschaft sehr gro&szlig; ist. Viele wissen nicht, dass fast ein Drittel der B&uuml;rger der Russischen F&ouml;deration Muslime sind. Und das sind nicht etwa Muslime, die von anderswo herkommen, sondern Muslime, f&uuml;r die das Land Russland die historische Heimat ist.<\/p><p>Was die tschetschenischen Islamisten der Unabh&auml;ngigkeitsbewegung betrifft, die sehr stark von radikalen Bewegungen aus dem Ausland beeinflusst wurden, so begannen sie bereits 1991 mit der Gr&uuml;ndung des tschetschenischen islamischen Staates Itschkeria: mit der Einf&uuml;hrung der Scharia ab 1995, Steinigungen, &ouml;ffentlichen Enthauptungen und anderen liebenswerten Eigenschaften eines Kalifats, das diesen Namen verdient. Diese radikalen Islamisten wurden erneut direkt und offiziell von der wohlwollenden westlichen Gemeinschaft, darunter Frankreich, unterst&uuml;tzt, parallel zur Anerkennung des tschetschenischen islamischen Staates durch zwei vom Westen gesponserte ehemalige gro&szlig;e Freunde: das Afghanistan der Taliban und das Georgien von Swiad Gamsachurdia.<\/p><p>In der Tat war der &bdquo;atlantische&rdquo; Westen nicht erst seit gestern, sondern seit 1944 und vor allem in den letzten 30 Jahren bereit, den Teufel pers&ouml;nlich zu unterst&uuml;tzen, wenn er entweder russophob war oder bereit war, Russland zu bek&auml;mpfen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Mit dieser Aussage &uuml;bertreibe ich nur wenig.<\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zum Krieg in der Ukraine. War dieser Krieg unvermeidlich?<\/strong><\/p><p>Russland konnte nicht umhin, in den Krieg einzutreten. Wenn es das nicht getan h&auml;tte, w&auml;re die Ukraine mittelfristig in die NATO eingetreten. Von den Massakern gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung im Donbass will ich gar nicht erst reden. Wer sagt, dass die ukrainischen Ultranationalisten keinen Massenmord ver&uuml;bt h&auml;tten, der tausendmal gr&ouml;&szlig;er gewesen w&auml;re als der in Odessa 2014, wenn sie die Kontrolle &uuml;ber die St&auml;dte Donezk und Lugansk &uuml;bernommen h&auml;tten, wei&szlig; nicht, wovon er redet.<\/p><p>Die totale S&auml;uberung von allem, was russisch oder prorussisch ist, war und ist immer noch Teil von Kiews Pl&auml;nen. Und wenn Sie drei Viertel der Bev&ouml;lkerung in diesen Regionen haben, die das Kiewer Regime und alles, wof&uuml;r es steht, zutiefst verabscheuen (ich wei&szlig;, wovon ich spreche), dann stellen Sie sich das Ausma&szlig; der Massaker vor, die stattgefunden h&auml;tten, wenn Russland sie ihrem Schicksal &uuml;berlassen h&auml;tte.<\/p><p>Nat&uuml;rlich sind nicht alle Ukrainer Ultranationalisten oder Neonazis, aber ihr Anteil in der Ukraine ist recht gro&szlig; und vielfach gr&ouml;&szlig;er als der der extremen Rechten in Frankreich. Au&szlig;erdem ist es ein gro&szlig;er Unterschied, ob man ein marginaler Extremist oder ein Extremist ist, der die Macht in einem Land erlangt hat.<\/p><p>Die Gefahr einer unkontrollierten Eskalation ist gro&szlig;, wenn die Ukraine in die NATO aufgenommen wird. Wenn Kiew einseitig Feindseligkeiten zur Eroberung der Krim beginnen w&uuml;rde, beispielsweise ohne die Zustimmung von Paris &ndash; und Kiew hat durchaus die Absicht, dies zu tun &ndash;, w&uuml;rde Russland der Ukraine den Krieg erkl&auml;ren. Es w&uuml;rde einem NATO-Land den Krieg erkl&auml;ren. Und im Rahmen von Artikel 5 der NATO w&auml;re Paris, sofern es nicht sofort aus der Organisation austritt, gezwungen, offen Krieg gegen Moskau zu f&uuml;hren und nicht stellvertretend, wie es das heute tut. Wenn dies geschehen w&uuml;rde, w&auml;re es nahezu unm&ouml;glich, dass Russland nicht mit einem oder mehreren gezielten Schl&auml;gen mit taktischen Nuklearwaffen vorgehen w&uuml;rde. Dies ist eindeutig in der russischen Milit&auml;rdoktrin verankert, da gibt es nichts zu interpretieren.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Und wenn es auf diesen taktischen Nuklearschlag auch nur die geringste Gegenreaktion seitens der NATO gibt, wird die Menschheit die Apokalypse erleben.<\/p><p>Ich bin sehr erstaunt, dass die sogenannten Experten, die die Fernsehstudios bev&ouml;lkern und von denen viele an einer schweren Form analytischer Kurzsichtigkeit leiden, nicht in der Lage sind, zu verstehen: Indem die Russische F&ouml;deration die Ukraine daran hindert, der NATO beizutreten, ist sie dabei, die Welt zu retten. Es wird die J&uuml;nger des Atlantizismus emp&ouml;ren, aber ich sage: Der laufende Krieg rettet die Welt.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Die Frage ist nicht, <em>ob <\/em>der Atomschlag stattfinden, sondern wer das erste Ziel sein w&uuml;rde, um damit alle anderen, die sich auf einen russischen Bluff verlassen, &bdquo;abzuk&uuml;hlen&rdquo; &ndash; der &bdquo;Bluff&rdquo;, von dem jeder in Europa noch am Tag vor Russlands Kriegseintritt gesprochen hat und aus dem offenbar immer noch niemand auf Seiten der NATO etwas gelernt hat.<\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Der geplante Blitzkrieg gegen Moskau ist zu einem Abnutzungskrieg geworden.&rdquo;<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Was den Westen betrifft, so gibt es keine Hinweise darauf, weder wirtschaftliche noch milit&auml;rische, dass die Beteiligung an diesem Krieg auf Dauer angelegt war. Urspr&uuml;nglich war geplant, Russland in die Position des Aggressors zu bringen und dann Sanktionen zu verh&auml;ngen. Damals waren fast alle atlantischen Analysten der Ansicht, dass diese Sanktionen ausreichen w&uuml;rden, um die russische Wirtschaft zusammenbrechen zu lassen und Russland die F&auml;higkeit zur Fortsetzung der Konfrontation zu nehmen.<\/p><p>Die Idee war also, Russland untragbare wirtschaftliche Bedingungen aufzuzwingen, seine Bev&ouml;lkerung gegen die Machthaber aufzuwiegeln und so Russland zum Zusammenbruch zu bringen. Was ist das Ergebnis? Die Beziehungen zwischen Russland und der Europ&auml;ischen Union, deren Industrie auch gegen&uuml;ber den USA durchaus wettbewerbsf&auml;hig war &ndash; gr&ouml;&szlig;tenteils aufgrund der billigen und durch langfristige Vertr&auml;ge gesicherten Energielieferungen Russlands &ndash;, wurden zerst&ouml;rt; und zwar auf sehr lange Sicht zerst&ouml;rt. Dies ist ein sehr gro&szlig;er Sieg f&uuml;r die USA.<\/p><p>Die Idee war auch, Russland in die Knie zu zwingen, damit es in einem k&uuml;nftigen Krieg, der unweigerlich zwischen den USA und China stattfinden wird, China nicht unterst&uuml;tzen kann, insbesondere was Energie und Nahrungsmittel angeht.<\/p><p>Das hat nicht funktioniert. Russland hat sich wirtschaftlich gesehen als viel widerstandsf&auml;higer erwiesen, was mich pers&ouml;nlich nicht &uuml;berrascht, da ich das W&auml;hrungssystem, die regulierenden Ma&szlig;nahmen der russischen Zentralbank und die Reserven, &uuml;ber die Russland verf&uuml;gt, ein wenig kenne.<\/p><p>Aus dem geplanten &bdquo;Blitzkrieg&rdquo; gegen Moskau ist ein Zerm&uuml;rbungskrieg geworden. Moskau hat die USA und den kollektiven Westen gezwungen, etwas zu tun, das nicht geplant war. All die Probleme, die wir heute in den USA und der EU im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine sehen (Waffenlieferungen, wirtschaftliche Komplikationen usw.), waren nicht geplant. Sie dachten, sie w&uuml;rden den G&uuml;rtel f&uuml;r ein paar Monate enger schnallen. Es ist anders gekommen. Und es sind die Bev&ouml;lkerungen, die die Rechnung bezahlen und noch sehr lange bezahlen werden.<\/p><p><strong>Bleibt nach dem Scheitern Israels und der T&uuml;rkei noch ein Platz f&uuml;r Vermittlung? China?<\/strong><\/p><p>Wenn man von Vermittlung &ndash; durch China oder wen auch immer &ndash; spricht, steht dahinter kein wirkliches Einflusspotenzial. Es w&auml;re nur eine Art Schutzwall zwischen zwei Parteien, zwischen Russland und der Ukraine, der nicht in der Lage ist, irgendjemanden zu beeinflussen. Selbst die Ukraine h&auml;tte bei solchen Verhandlungen nichts zu melden. Echte Friedensverhandlungen sind nur zwischen Russland und den USA m&ouml;glich. Alle anderen Parteien, die die Rolle des Vermittlers oder Teilnehmers spielen wollen, sind nur Statisten.<\/p><p>Wenn Emmanuel Macron, der die Waffen und die Munition liefert, mit denen Russen get&ouml;tet werden, sich als Vermittler ins Spiel bringt, f&auml;llt es mir schwer zu verstehen, was in seinem Kopf vor sich geht &ndash; sich vorzustellen, dass Moskau auch nur f&uuml;r einen Moment die verr&uuml;ckte Idee akzeptiert, ihm auch nur die geringste Rolle in k&uuml;nftigen Gespr&auml;chen zu gew&auml;hren.<\/p><p>Wenn man sagt, dass echte Friedensverhandlungen nur zwischen Russland und den USA m&ouml;glich sind, muss man betonen, dass die USA in der Vergangenheit, z.B. w&auml;hrend der Kubakrise, des Koreakriegs und des Vietnamkriegs, immer gewillt waren, Vereinbarungen oder einen Konsens zu finden, die Regierung in Washington in den letzten Jahren jedoch eine Art der politischen Degenerierung durchgemacht hat. Sie macht nicht einmal im Ansatz den Versuch, eine Einigung zu erreichen. Das ist eine sehr gef&auml;hrliche Tendenz. Wenn die Leute, die Joe Biden ins Amt gebracht haben und die F&auml;den ziehen, auch nach November 2024 an der Macht bleiben, sehe ich die mittelfristige Zukunft der Welt sehr schwarz.<\/p><p>Es ist also eine Frage des Willens und nicht der Vermittlung. Moskau hat den Willen, auch wenn es zu Beginn des Konflikts die Absicht hatte, das ukrainische Regime abzul&ouml;sen. Wenn man aber feststellt, dass ein gewisser Teil der Ukrainer unter dem derzeitigen Regime bleiben will, dann sollen sie eben dort bleiben&hellip; Jene Gebiete hingegen, die immer zutiefst prorussisch waren und deren Bewohner mehrheitlich nicht unter dem neuen ultranationalistischen, russophoben Regime in Kiew leben wollen und das nie wollten, werden niemals der Ukraine &uuml;berlassen werden. Ebenso wenig wird Russland die Milit&auml;roperationen beenden, ohne dass sich die Ukraine offiziell verpflichtet, niemals der NATO beizutreten, da dies aus den bereits genannten Gr&uuml;nden einen k&uuml;nftigen Atomkrieg nahezu unvermeidlich machen w&uuml;rde.<\/p><blockquote><p>\n<strong>Wahre Meinungsfreiheit gibt es nur, wenn sie auf wahrer Gedankenfreiheit beruht.<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Dieser Krieg ist auch ein Informationskrieg, was von staatlicher Seite normal ist, nicht aber f&uuml;r die Medien, deren Aufgabe es w&auml;re, die Dinge zu trennen und beide Seiten zu pr&auml;sentieren&hellip; Nun sieht man aber, dass die Informationen, wenn sie nicht falsch sind, in den Massenmedien in Frankreich sehr selektiert werden&hellip; Ist das in Russland auch so?<\/strong><\/p><p>Hier wird viel &uuml;ber die Redefreiheit gesprochen. Ich beobachte das seit 25 Jahren und kann Ihnen sagen, dass es in Frankreich keine Redefreiheit gibt. Jeder hat die M&ouml;glichkeit, wirklich alles und jedes zu sagen. Aber das ist keine wahre Redefreiheit. Wahre Meinungsfreiheit gibt es nur, wenn sie auf wahrer Gedankenfreiheit beruht.<\/p><p>Der Unterschied zwischen Russland und Frankreich besteht darin, dass die &bdquo;Opfer&rdquo; in Frankreich nicht wissen, dass sie Opfer sind. Sie denken, dass sie Redefreiheit genie&szlig;en, dass sie &uuml;ber alles Bescheid wissen, da jeder ziemlich frei &uuml;ber alles spricht. Das ist jedoch v&ouml;llig falsch. Die existenzielle Gefahr f&uuml;r die Gedankenfreiheit und die daraus resultierende Redefreiheit liegt gerade in dem Glauben des Subjekts an seine Freiheit.<\/p><p>Das westliche Regierungssystem ist ein Meister darin, auf chirurgische Weise, gewisserma&szlig;en durch eine Sch&ouml;nheitsoperation, am Geist der Massen zu operieren, ohne auch nur die geringste Narbe zu hinterlassen, die diese m&uuml;hsame Arbeit der Informationskonditionierung verraten k&ouml;nnte, die tagt&auml;glich in den Gehirnen der Opfer geleistet wird. Die daraus resultierende &bdquo;freie&rdquo; Meinungs&auml;u&szlig;erung der operierten Subjekte ist nichts anderes als eine vorformatierte und vorkonditionierte Erz&auml;hlung, wobei das individuelle und kollektive Verhalten auf die Bed&uuml;rfnisse der Herrschenden ausgerichtet wird.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Man darf nicht vergessen, dass die franz&ouml;sischen Medien in hohem Ma&szlig;e vom Staatsapparat finanziert werden. Ich habe mich mit Medienmanagern pers&ouml;nlich getroffen, die mir sagten, dass sie es sich unter keinen Umst&auml;nden leisten k&ouml;nnen, alles zu sagen, was sie wollen, insbesondere in Bezug auf die Au&szlig;enpolitik der Regierung, ohne zu riskieren, dass sie die Subventionen, die sie vom Staat erhalten, verlieren. So einfach ist das.<\/p><p>Ganz zu schweigen davon, dass die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Medien, die &uuml;ber internationale Themen berichten, keine wirkliche Ahnung hat, wor&uuml;ber sie berichten, da sie keine Korrespondenten vor Ort haben. Und jene, die vor Ort sind, wissen bereits, wor&uuml;ber sie berichten werden, bevor sie &uuml;berhaupt dort sind.<\/p><p>Um ihre Seiten zu f&uuml;llen, kaufen die anderen die Informationen lediglich von Institutionen wie der Agence France Presse (AFP), einer vom Staat mit &uuml;ber 100 Millionen Euro pro Jahr &ndash; einem Drittel ihrer Einnahmen &ndash; finanzierten Organisation. AFP, die nur ein Relaiszentrum f&uuml;r die staatliche Propaganda ist. Wie hoch werden die staatlichen Zuwendungen f&uuml;r die AFP sein, wenn sie es eines Tages wagt, den Willen des Elys&eacute;e-Palastes bei au&szlig;enpolitischen Themen zu ignorieren?<\/p><blockquote><p>\n<strong>&bdquo;Die westlichen Medien leisten hervorragende Arbeit als Illusionisten. Als Liebhaber des Zirkus kann ich ihnen nur applaudieren&rdquo;.<\/strong>\n<\/p><\/blockquote><p>Ich habe meinen Sch&uuml;lern in der Vergangenheit immer wieder gesagt: Um auch nur ansatzweise einen Blick auf die Wahrheit zu erhaschen, m&uuml;ssen Sie mindestens drei &bdquo;freundliche&rdquo;, drei &bdquo;feindliche&rdquo; und drei neutrale Informationsquellen konsultieren.<\/p><p>Im Westen gibt es keine Gedankenfreiheit, da die gleichen Informationen, als Echo wiederholt, f&uuml;r die Wahrheit gehalten werden. W&auml;hrend die Unterdr&uuml;ckung in Diktaturen sich der Gewalt bedient und damit offensichtlich ist, erfolgt sie im Westen &bdquo;mit dem Skalpell&rdquo;, denn es ist wichtig, den W&auml;hlern die Illusion zu vermitteln, dass ihre Meinungsfreiheit auf der Freiheit des Denkens beruht. Die westlichen Medien leisten hervorragende Arbeit als Illusionisten. Als Liebhaber des Zirkus kann ich ihnen nur applaudieren.<\/p><p>Wenn sich in einigen Monaten oder Jahren herausstellt, dass die von den Medien verbreiteten Informationen reine L&uuml;gen waren, spielt das keine Rolle mehr: Das Projekt ist dann bereits durchgef&uuml;hrt und zu den Akten gelegt worden.<\/p><p>Da in Russland zu Zeiten der Sowjetunion ein einziges Organ dar&uuml;ber entschied, wer was sagt, sind die Russen von Natur aus misstrauisch. Sie wissen sehr genau, dass das, was sie im Fernsehen h&ouml;ren oder in den staatlich subventionierten Zeitungen lesen, nur die offizielle Version ist und immer nuanciert betrachtet werden muss. Was noch wichtiger ist: Die Russen haben eine echte Alternative in ihren Quellen. Was den Krieg in der Ukraine betrifft, so haben die Russen die v&ouml;llige Freiheit und M&ouml;glichkeit, ukrainische Nachrichten zu konsultieren, da ein relativ gro&szlig;er Teil ihrer Medien in russischer Sprache verfasst ist. Die Russen haben also Zugang zu Informationen von beiden Seiten der Barrikaden.<\/p><p>Wegen der Sprachbarriere lesen in Russland nur wenige Menschen die westliche Presse, aber die Auswahl zwischen staatlichen Medien, alternativen Medien, Oppositionsmedien und ukrainischen Medien ist sehr gro&szlig;. So hat der durchschnittliche Russe eine gr&ouml;&szlig;ere Auswahl an Informationen als der durchschnittliche Franzose. Und wenn die Russen entschiedene Positionen einnehmen, dann geschieht dies in voller Kenntnis der Sachlage.<\/p><p><strong>Weil es angeblich in Russland keine Gehirnw&auml;sche gibt?<\/strong><\/p><p>Ganz zu schweigen von der in Frankreich institutionalisierten Gehirnw&auml;sche: Die einzige Information, die von den Massenmedien weitergegeben wird, ist die vom &bdquo;macronistischen&rdquo; Lager aufgezwungene. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus der Ukraine. Als ich von den Fl&uuml;chtlingen aus der Ostukraine sprach, die &uuml;ber 45 Jahre alt und gr&ouml;&szlig;tenteils prorussisch sind, muss man sagen, dass es bei den unter 30-J&auml;hrigen ganz anders aussieht.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Seit der Aufl&ouml;sung der Sowjetunion findet eine gigantische institutionalisierte Gehirnw&auml;sche durch den ukrainischen Staat statt. Und diese Gehirnw&auml;sche hat sich ab 2014 exponentiell beschleunigt. In der ukrainischen Schule sind alle Lehrb&uuml;cher nicht nur patriotisch, sondern ultranationalistisch. Wie Romain Gary treffend sagte: &bdquo;Patriotismus ist die Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist der Hass auf die anderen.&rdquo;<\/p><p>Wenn Sie ein Lehrbuch &uuml;ber die ukrainische Geschichte zur Hand nehmen, werden Ihnen die Haare zu Berge stehen, denn Sie werden dort zum Beispiel finden, dass die Legionen der Waffen-SS Helden sind und dass die Franzosen eigentlich von den Ukrainern abstammen. Dass die Franzosen in der Antike Gallier hie&szlig;en, weil sie aus der Region im Westen der Ukraine stammten, die Galizien hei&szlig;t. Das ist nicht die Wahnvorstellung eines aus der Psychiatrie entflohenen Geisteskranken, sondern der Auszug aus einem offiziellen Lehrbuch &uuml;ber die Geschichte der Ukraine, das vom ukrainischen Bildungsministerium gedruckt wurde. Das ist die ukrainische Nationalbildung, insbesondere seit 2014.<\/p><p>Ich gebe Ihnen auch das Beispiel einer Fl&uuml;chtlingsfamilie aus Odessa, die Mutter, unter 50, ist eine Freundin von mir. W&auml;hrend sie und ihr Mann, der in der Ukraine gestrandet ist, grunds&auml;tzlich prorussisch eingestellt sind und das kriminelle Regime in Kiew hassen, sind ihre beiden Kinder im Alter von 18 und 23 Jahren russophob und Bewunderer der ukrainischen ultranationalistischen Bewegungen. Und sie leben im selben Zimmer. Obwohl sie innerhalb ihrer Familie ein gutes Verh&auml;ltnis zueinander haben, stehen die Kinder dennoch in v&ouml;lliger politischer Opposition zu ihren Eltern. Die Eltern sagen mir, dass sie nichts dagegen tun k&ouml;nnen: Die ukro-nationalistische Schule hat die Gehirne ihrer Kinder w&auml;hrend ihrer zehnj&auml;hrigen Schulzeit von morgens bis abends gewaschen. Das ist zu einer unheilbaren Krankheit geworden.<\/p><p><strong>Stehen wir vor einer Neugestaltung der Weltordnung, die bislang von den USA dominiert wurde? Entstehen neue Gleichgewichte?<\/strong><\/p><p>Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs liefen die Versuche, gr&ouml;&szlig;ere Konflikte zu l&ouml;sen, immer &uuml;ber die Vereinten Nationen, &uuml;ber den Sicherheitsrat. Bisher hat das eher funktioniert. Aber heute gibt es eine sehr weit gehende neue Anordnung auf dem internationalen politischen Schachbrett, und die internationalen Institutionen, die einst lebensf&auml;hig und zuverl&auml;ssig waren, sind es nicht mehr.<\/p><p>Es ist unwahrscheinlich, dass diese Institutionen in den kommenden Jahren ein entscheidendes Mitspracherecht haben werden.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Was die Neubildung von Bl&ouml;cken angeht, so sehe ich das eher relativ. Der westliche Block wird der westliche Block bleiben. Niemand wird ihm beitreten, und ich sehe zumindest mittelfristig nicht, dass jemand ihn verlassen wird. Die nicht-westlichen L&auml;nder, die heute vom kollektiven Westen aufgefordert werden, feindliche Positionen gegen Russland und auch gegen China einzunehmen, verstehen sehr wohl, dass sie nicht Teil des westlichen Lagers sind und nur als Werkzeuge dienen.<\/p><p>Als der pakistanische Pr&auml;sident zu Beginn des Konflikts erheblichem Druck ausgesetzt war, antwortete er mehr als deutlich: &bdquo;Wir sind nicht Eure Sklaven!&rdquo; Er sagte laut, was andere nur denken.<\/p><p>Die nicht-westlichen L&auml;nder, die hinter dem amerikanischen Projekt stehen, tun dies nur unter Druck, denn dahinter stehen immer Interessen. Dazu geh&ouml;ren die Kredite der vom Westen kontrollierten internationalen Finanzinstitutionen. Viele Entwicklungsl&auml;nder k&ouml;nnen sich den Luxus nicht leisten, gegen den Willen der Westm&auml;chte zu handeln.<\/p><p>Seit Februar 2022, als die wichtigsten Akteure auf der internationalen politischen B&uuml;hne ihre Masken l&uuml;fteten, beschleunigt sich der Prozess der Neugestaltung der Weltordnung. Dieser Prozess ist nicht neu. Aber es gibt eine deutliche Beschleunigung, weniger kultureller oder religi&ouml;ser, sondern eher ideologischer Art, der westlichen Welt gegen&uuml;ber der nicht-westlichen Welt.<\/p><p>Russland hat den Vertretern der nicht-westlichen Welt eine echte Alternative angeboten, und diese Alternative basiert nicht auf dem Beitritt zu einem neuen Block, sondern auf bilateralen und multilateralen Beziehungen und dem Prinzip der Nichteinmischung. Wenn westliche Experten Lust haben, mir zu widersprechen, fordere ich sie zun&auml;chst auf, ihren Mund zu schlie&szlig;en und ihre Ohren zu &ouml;ffnen &ndash; was ihnen oft schwerf&auml;llt &ndash; und aufmerksam den Reaktionen der nicht-westlichen Welt zuzuh&ouml;ren &ndash; zuh&ouml;ren, auch wenn sie traditionell die Bewohner dessen, was sie ver&auml;chtlich als &bdquo;Dritte Welt&rdquo; bezeichnen, f&uuml;r d&uuml;mmer als sich selbst halten. Auf diese Weise werden sie viel &uuml;ber das Thema lernen.<\/p><p><strong>Ist Russlands Engagement im Sudan Teil dieser Strategie zur Konsolidierung des nicht-westlichen Lagers?<\/strong><\/p><p>Der Sudan ist ein Thema f&uuml;r sich. Dort plant Russland einen neuen russischen Marinest&uuml;tzpunkt, der erste au&szlig;erhalb Russlands seit dem Ende der Sowjetunion.<\/p><p>Die Verhandlungen zwischen Moskau und Khartum laufen nicht erst seit gestern. 2017 hatte der ehemalige sudanesische Pr&auml;sident Omar el-Bechir Russland um Schutz vor den USA und zudem um eine milit&auml;rische Partnerschaft gebeten, die auch die Einrichtung eines Marinest&uuml;tzpunkts vorsah.<\/p><p>Es wird viel &uuml;ber die Kriegstreiberei des Kremls gesprochen, dem &bdquo;B&ouml;sen&rdquo; im Gegensatz zu den &bdquo;Guten&rdquo;. Ich m&ouml;chte die von der atlantischen Propaganda Indoktrinierten ein wenig mit Fakten konfrontieren, auch wenn ich sehr skeptisch bin, was das Ergebnis angeht, denn ich muss gestehen, dass die Gehirnw&auml;sche durch die westlichen Massenmedien sehr effektiv ist.<\/p><p>Vor dem Ausbruch der aktiven Phase der US-amerikanischen Feindseligkeiten gegen Russland, die seit &uuml;ber zehn Jahren andauert, verfolgte Moskau eine mehr als pazifistische Politik. 2002 schloss Russland seine Milit&auml;rbasis auf Kuba und seinen Marinest&uuml;tzpunkt in Vietnam. Auch die russischen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte in Georgien wurden geschlossen. Die Milit&auml;rpr&auml;senz im Kosovo und in Aserbaidschan wurde beendet. Bis zum Ausbruch der Feindseligkeiten des Westens gegen Syrien war die russische Pr&auml;senz auf dem syrischen Marinest&uuml;tzpunkt Tartus, der seit den 1970er Jahren besteht, wirklich nur symbolisch.<\/p><p>Der 1990 in Paris unterzeichnete Vertrag &uuml;ber konventionelle Streitkr&auml;fte in Europa (KSE) wurde von Russland trotz der schweren Verst&ouml;&szlig;e durch die NATO eingehalten. Und erst 2007, als es nicht mehr m&ouml;glich war, die illegalen Machenschaften der NATO zu ignorieren, fror Russland seine Teilnahme ein, ohne den Vertrag jedoch zu verlassen. Eine seltsame Strategie f&uuml;r jemanden, der nur davon tr&auml;umt, andere zu &uuml;berfallen.<\/p><p>Hervorzuheben ist, dass es nicht ein beliebiges Russland war, das all diese milit&auml;rische Pr&auml;senz au&szlig;erhalb seiner Grenzen abgebaut hat, sondern Sie wissen schon wer? Das Russland des gro&szlig;en b&ouml;sen Putin h&ouml;chstpers&ouml;nlich.<\/p><p>Die sogenannten Experten des &bdquo;atlantischen&rdquo; Lagers k&ouml;nnen ihrem naiven und leichtgl&auml;ubigen Publikum so viel Unsinn erz&auml;hlen, wie sie wollen, die Fakten sind st&ouml;rrisch. Putin war gegen&uuml;ber dem Westen sehr offen und mehr als freundlich, bis zu dem Zeitpunkt, als er begriff, dass der US-dominierte Westen gegen&uuml;ber Russland keine andere Absicht hat, als es so weit wie m&ouml;glich zu schw&auml;chen.<\/p><p>Putin &uuml;berdachte seine Haltung erst, als er feststellte, dass der Westen trotz seiner eigenen jahrelangen Bem&uuml;hungen, gute Beziehungen aufzubauen, immer aggressiver wurde.<\/p><p>Der Marinest&uuml;tzpunkt in Vietnam wurde wiederer&ouml;ffnet. Der marode Marinest&uuml;tzpunkt in Syrien wurde mit Investitionen von &uuml;ber 500 Millionen US-Dollar erweitert, verst&auml;rkt und modernisiert. Erst k&uuml;rzlich, am 10. Mai, verlie&szlig; Russland das KSE, dessen Mitgliedschaft es seit 2007 eingefroren hatte. Diesmal verl&auml;sst es das KSE endg&uuml;ltig, da es keinen Zweifel mehr &uuml;ber die seit 20 Jahren andauernde Verletzung des KSE durch die NATO geben kann.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich wurde das Projekt f&uuml;r den neuen St&uuml;tzpunkt der russischen Seestreitkr&auml;fte in Khartum im Sudan ins Leben gerufen.<\/p><p><strong>Ist der der Marinest&uuml;tzpunkt im Sudan &auml;hnlich Sewastopol von strategischer Bedeutung?<\/strong><\/p><p>Man darf nicht vergessen, dass das Rote Meer vom Westen kontrolliert wird. Es gibt die USA, Frankreich, das Vereinigte K&ouml;nigreich, Deutschland und Italien. Japan und China haben seit 2017 einen milit&auml;rischen Marinest&uuml;tzpunkt in Dschibuti. Die westliche Pr&auml;senz ist angesichts der dortigen Handels- und Milit&auml;rstr&ouml;me logisch, im Hinblick auf die Sicherung der Zone des Roten Meeres, des Golfs von Aden und die Kontrolle des Zugangs zum Indischen Ozean.<\/p><p>Die wirtschaftlichen Interessen Russlands in der Region sind gro&szlig;. Die Russen vergessen auch nicht, dass die Amerikaner ebenfalls einen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt in Diego Garcia im Indischen Ozean haben. Das strategische Interesse an ihrer Milit&auml;rpr&auml;senz im Sudan ist also vollkommen legitim.<\/p><p>Das Projekt im Sudan ist Teil der neuen Milit&auml;rdoktrin, die seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine die weltweite russische Marinepr&auml;senz ausweitet.<\/p><p>Wie ich bereits sagte, stammen die ersten russisch-sudanesischen Vereinbarungen aus dem Jahr 2017. Danach bestand die Gefahr, dass sie mit dem Sturz von Omar al-Baschir im Jahr 2019 mit der wohlwollenden Unterst&uuml;tzung unserer amerikanischen Freunde aufgehoben werden w&uuml;rden. Seitdem wurde eine neue Regierung ernannt, und trotz des sehr starken Drucks der USA wurde das russisch-sudanesische Abkommen erneut best&auml;tigt. Diese &Uuml;bergangsregierung wurde ihrerseits wieder gest&uuml;rzt. Dies &auml;nderte jedoch nicht viel. Das Abkommen wurde nicht nur nicht annulliert, sondern nach einer Neuverhandlung endg&uuml;ltig best&auml;tigt und offiziell gemacht.<\/p><p>Im Sudan hat Russland immer den Grundsatz verfolgt, einerseits positive und konstruktive Beziehungen zu allen wichtigen Akteuren der sudanesischen Politik aufzubauen &ndash; und nicht nur zur Person des Staatsoberhaupts &ndash; und sich andererseits nicht in die Innenpolitik des Landes einzumischen. Heute haben wir zwei Hauptakteure der sudanesischen Politik, die sich gegen&uuml;berstehen: General Fattah al-Burhan und General Hamdan Dogolo. Doch trotz all dessen, was vor Ort geschieht, sehe ich den geplanten russischen Marinest&uuml;tzpunkt nicht in gro&szlig;er Gefahr. Denn es ist zu vorteilhaft f&uuml;r den Sudan, egal wer morgen das Sagen im Land haben wird.<\/p><p>Ein solches Vorhaben k&ouml;nnte nur durch einen besseren und ernsthaften Gegenvorschlag r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden. Die Amerikaner haben Khartum jedoch au&szlig;er ihren traditionellen Drohungen, das Land f&uuml;r seine Partnerschaft mit den Russen zu bestrafen, noch nie etwas angeboten.<\/p><p>Nach internationalem Recht muss ein Abkommen in jedem Fall ratifiziert werden, um in Kraft treten zu k&ouml;nnen. Zwar wurde das Abkommen &uuml;ber den Marinest&uuml;tzpunkt nach jahrelangen Verhandlungen im Januar 2023 offiziell best&auml;tigt, doch kann die Ratifizierung erst erfolgen, wenn eine zivile Regierung und ein gesetzgebendes Organ eingesetzt sind, was kurzfristig nicht zu erwarten ist. Dennoch ist das Projekt nach den mir vorliegenden Informationen keineswegs hinf&auml;llig und wird das Licht der Welt erblicken, sobald sich die politische Lage im Sudan stabilisiert hat.<\/p><p><em>Oleg Nesterenko ist Direktor des &bdquo;Europ&auml;ischen Industrie- und Handelszentrums&rdquo; in Paris (<\/em><a href=\"http:\/\/c-cie.eu\/\"><em>CICE<\/em><\/a><em>, Centre de Commerce &amp; d&rsquo;Industrie Europ&eacute;en), das 2002 u.a. mit der Unterst&uuml;tzung der Industrie- und Handelskammer der Russischen F&ouml;deration in Frankreich und der &bdquo;Ecole Sup&eacute;rieure de Gestion et de Commerce International de Paris&rdquo;gegr&uuml;ndet wurde. Das CICE unterst&uuml;tzt franz&ouml;sische Unternehmen, die auf den M&auml;rkten Russlands und der Gemeinschaft Unabh&auml;ngiger Staaten (GUS) Fu&szlig; fassen wollen. Nesterenko war zuvor gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Direktor eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts im &auml;u&szlig;ersten Westen der Ukraine, einer nicht gerade russophilen Region, und hat in Frankreich mehr als zehn Jahre an einer Wirtschaftsschule unterrichtet.<\/em><\/p><p><em>Anmerkung der Redaktion: Die Anmerkungen in Form von Fu&szlig;noten stammen vom &Uuml;bersetzer.<\/em><\/p><p>Titelbild: Shutterstock \/ nito<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100476\">&bdquo;Ohne den Putsch von 2014 w&uuml;rde die Ukraine in Frieden leben&ldquo; &ndash; Teil 1 von 3<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100483\">&bdquo;Der Krieg in der Ukraine ist ein Krieg um den Dollar&ldquo; &ndash; Teil 2 von 3<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88618\">Dokumenten-Leak: Wie die Bundesregierung an einer &bdquo;Narrativ-Gleichschaltung&ldquo; zum Ukraine-Krieg arbeitet &ndash; Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88771\">Dokumenten-Leak: Wie die Bundesregierung an einer &bdquo;Narrativ-Gleichschaltung&ldquo; zum Ukraine-Krieg arbeitet &ndash; Teil 2<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100370\">Auf geht&rsquo;s! Tschaikowsky, Tolstoi und Co. ausmerzen!<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/61596ff92c7d40508ff7768e264919f9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Michael L&uuml;ders beschreibt im zweiten Kapitel seines Buches &bdquo;Wer den Wind s&auml;t. Was westliche Politik im Orient anrichtet&rdquo; (C.H.Beck) die Rolle der USA in Afghanistan, die mit der Unterst&uuml;tzung der Mudschahedin der Sowjetunion ihr Vietnam bereiten wollten (O-Ton Zbigniew Brzezinski) und zum Geburtshelfer von Al-Qaida wurden.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Nesterenko bezieht sich hier vermutlich darauf, dass Russlands Atomdoktrin einen atomaren Erstschlag nur dann erlaubt, wenn das &bdquo;&Uuml;berleben Russlands bedroht ist&rdquo;. Ich denke, hier gibt es durchaus Interpretationsspielraum.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Einige (auch westliche) Analysten bef&uuml;rchten hingegen, dass im Falle einer milit&auml;rischen Niederlage der NATO in einem konventionellen Krieg das Lager von Victoria&bdquo;Fuck-the-EU&rdquo;-Nuland einen atomaren Erstschlag des Westens herbeif&uuml;hren wird.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Vgl. hierzu Rainer Mausfeld, &bdquo;<a href=\"https:\/\/free21.org\/warum-schweigen-die-laemmer\/\">Warum schweigen die L&auml;mmer<\/a>&rdquo; (<em>&bdquo;Wenn man durch sie [die Massennedien] den B&uuml;rgern das Gef&uuml;hl der Informiertheit gibt und wenn sie dann beim Fr&uuml;hst&uuml;ck die S&uuml;ddeutsche Zeitung gelesen haben, nachmittags noch einmal in Spiegel Online geschaut haben und sich abends die Tagesschau angesehen haben, sind sie von ihrem Gef&uuml;hl der Informiertheit so &uuml;berw&auml;ltigt, dass sie die Krankheit, an der sie leiden, nicht einmal mehr erkennen k&ouml;nnen.&rdquo;<\/em>) sowie die zahlreichen Beitr&auml;ge von Albrecht M&uuml;ller auf den <em>NachDenkSeiten<\/em> zu den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=methoden-der-manipulation\">Methoden der Manipulation<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=11\">Strategien der Meinungsmache<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Siehe <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100476\">den ersten Teil<\/a> des Interviews<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Die von Brasilien getragene Initiative f&uuml;r einen Frieden <em>&ldquo;die den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen umgeht, k&ouml;nnte laut Pr&auml;sident Lula letztendlich zur Schaffung einer &sbquo;politischen G20&lsquo; f&uuml;hren, die sich mit verschiedenen internationalen Themen (&hellip;) befasst. Seiner Meinung nach sollte dieser Prozess neue Beratungsformate hervorbringen, die f&uuml;r die L&auml;nder des S&uuml;dens g&uuml;nstiger sind&rdquo;<\/em> schreibt die franz&ouml;sische <em>Le Monde diplomatique<\/em> im Mai (die <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/archiv-text\">deutsche &Uuml;bersetzung<\/a> wird ab Mitte August frei zug&auml;nglich sein).<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r Oleg Nesterenko hat die Sicht des Westens auf den Krieg eine &bdquo;Schlagseite&rdquo;, bedingt durch die staatliche und mediale Propaganda mit ihren negativen Auswirkungen auf die Freiheit des Denkens. Die Meinungsfreiheit im Westen ist laut Nesterenko mangels echter Gedankenfreiheit eine Illusion. Zur Dauer des Ukrainekonflikts, zu Vermittlungsbem&uuml;hungen, westlicher Meinungsfreiheit und den Konturen einer neuen Weltordnung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100495\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":100500,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,209,20,171,11],"tags":[1519,1865,466,955,915,259,2541,3132,260,1556],"class_list":["post-100495","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-interviews","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-atomwaffen","tag-meinungsfreiheit","tag-nato","tag-neonazismus","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-sudan","tag-tschetschenien","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/shutterstock_410829106.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100495","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=100495"}],"version-history":[{"count":44,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100495\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100860,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100495\/revisions\/100860"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/100500"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=100495"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=100495"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=100495"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}