{"id":100512,"date":"2023-07-09T15:00:32","date_gmt":"2023-07-09T13:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100512"},"modified":"2023-07-09T02:49:41","modified_gmt":"2023-07-09T00:49:41","slug":"chile-die-neokoloniale-seite-der-energiewende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100512","title":{"rendered":"Chile: Die neokoloniale Seite der Energiewende"},"content":{"rendered":"<p>Erneuerbare Energien boomen, doch Umweltaktivisten kritisieren neokoloniale Verh&auml;ltnisse. Der Traum vom schnellen Energiewandel k&ouml;nnte zum Albtraum werden. Wer sich gegen das teilweise skrupellose Vorgehen der &bdquo;Energiewende&ldquo;-Konzerne wehrt, bekommt umgehend Repression zu sp&uuml;ren, wie ein Beispiel aus Chile aufzeigt. Von <strong>Malte Seiwerth<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMit Wut im Bauch f&auml;hrt Cristi&aacute;n Osorio &uuml;ber die kleinen Stra&szlig;en seiner Gemeinde an der chilenischen K&uuml;ste. Er zeigt mit dem Finger in Richtung Meer, wei&szlig;e Pfosten sprie&szlig;en zwischen der Stra&szlig;e und den steilen Felsen wie Pilze aus dem Boden. &bdquo;Hier wird einer der Windparks gebaut&rdquo;, sagt er, zeigt in die andere Richtung und meint: &bdquo;Hier soll auf mehr als 80 Hektar ein Solarpark entstehen.&rdquo;<\/p><p>Was f&uuml;r viele vor dem Hintergrund des rapide voranschreitenden Klimawandels und der viel zu langsamen Zuwendung zu erneuerbaren Energien hin eine positive Nachricht w&auml;re, ist f&uuml;r den Imker Osorio eine Horrorvorstellung. Er sieht dadurch sein Dorf bedroht.<\/p><p>Chile erlebt derzeit einen Boom der erneuerbaren Energien. In nur acht Jahren, von Januar 2015 bis Januar 2023, ist der Anteil erneuerbarer, nicht konventioneller Energieerzeuger, vor allem Solar und Wind, am allgemeinen Strommix des Landes von knapp&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cne.cl\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Reporte_SectorEnerg_Marzo2015.pdf\">zehn<\/a>&nbsp;auf fast&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.cne.cl\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/RMensual_v202302.pdf\">40 Prozent<\/a>&nbsp;gestiegen. Das sind Wachstumszahlen, von denen man in der Schweiz oder Deutschland nur tr&auml;umen kann. W&auml;hrend die Politik mit einem baldigen Ende von Gas- und Kohlekraftwerken frohlockt und den Export von Energie in Form von Wasserstoff vorantreibt, f&uuml;hlen sich die Anwohner &uuml;berrumpelt. Besonders linke Umweltorganisationen wehren sich prim&auml;r gegen eine vermeintliche Energiewende, die vor allem den Konzernen und zuk&uuml;nftigen Exporteuren in Form von Profiten in die H&auml;nde spielt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230709-Chile-Bild1.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Cristian Osorio sieht durch die &bdquo;Energiewende&ldquo; die Umwelt um sein Dorf La Estrella gef&auml;hrdet. (Foto: Malte Seiwerth)<\/small><\/p><p><strong>Vom Traum zum Albtraum<\/strong><\/p><p>Osorio lebte einst in der Gro&szlig;stadt Santiago, zog sich dann aber zur&uuml;ck in sein Heimatdorf La Estrella, rund zweieinhalb Stunden von Santiago entfernt. Hier genoss er die Ruhe und arbeitete in der lokalen Gemeindeverwaltung. Er besinnt sich in die Vergangenheit und erz&auml;hlt, wie vor sieben Jahren die ersten Unternehmen Solar- und Windkraftanlagen in der Gegend zu bauen begannen. La Estrella und die Nachbargemeinde Litueche sind wie gemacht f&uuml;r die Energietr&auml;ger, es liegt auf einem Hochplateau in der N&auml;he der windigen K&uuml;ste, hat viele Sonnentage und gleich in der N&auml;he einen riesigen Staudamm, der die n&ouml;tige Infrastruktur f&uuml;r den Abtransport der Energie bereitstellt.<\/p><p>&bdquo;Zu Beginn waren wir gl&uuml;cklich&rdquo;, meint der 36-J&auml;hrige, &bdquo;wir dachten, die gr&uuml;ne Energie w&uuml;rde uns allen zugutekommen.&rdquo; Doch statt Arbeitspl&auml;tze in der Gegend zu generieren, wurden die Arbeiter von den Baukonzernen aus anderen Gemeinden hergefahren. Die Konzerne bezahlen zudem kaum Abgaben in der kleinen Gemeinde, ihre Steuersitze liegen au&szlig;erhalb, in den wohlhabenderen Gemeinden von Santiago. Gerade w&auml;hrend der Bauarbeiten bemerkten die lokalen Dorfbewohner, wie F&uuml;chse und andere Kleintiere auf der Flucht vor den Baggern, Bohrmaschinen und der Zerst&ouml;rung ihres Habitats in ihrer Ortschaft Zuflucht suchten. Osorio erz&auml;hlt: &bdquo;Die &auml;lteren Solaranlagen erhitzen sich teilweise und k&ouml;nnen dabei Br&auml;nde ausl&ouml;sen.&rdquo; Das ist umso fataler, als dass die Gegend ohnehin schon als waldbrandgef&auml;hrdet gilt.<\/p><p><strong>Ein Paradies f&uuml;r erneuerbare Energien<\/strong><\/p><p>In der Umweltrechnung der regierenden Politiker finden diese Bedenken und Probleme kaum Beachtung: Gro&szlig;e und kleine Energieunternehmen aus der ganzen Welt str&ouml;men auf den chilenischen Markt und bauen Solar- und Windkraftanlagen. Unter ihnen sind das franz&ouml;sische Energieunternehmen Engie, der deutsche Energieriese RWE, aber auch Zulieferer wie der chinesische Konzern Huawei und die deutsche Firma Siemens sind am Boom beteiligt.<\/p><p>Der chilenisch-franz&ouml;sische Politikwissenschaftler Antoine Maillet beobachtet das Ph&auml;nomen bereits seit mehreren Jahren. Er sitzt in einem Caf&eacute; in Santiago und trinkt einen Eistee, drau&szlig;en sind es &uuml;ber 30 Grad Celsius. Alles begann mit einer Strommarktreform im Jahr 2015, erz&auml;hlt Maillet: &bdquo;Das Ziel war es, den Markt weiter zu &ouml;ffnen.&rdquo; Daf&uuml;r f&uuml;hrte die Mitte-links-Regierung unter Michelle Bachelet neue Marktmechanismen ein, die daf&uuml;r sorgten, dass Unternehmen mit unregelm&auml;&szlig;igen Energiequellen wie Solar oder Wind bessere Zuliefervertr&auml;ge abschlie&szlig;en konnten. Zuvor musste ein Zulieferer eine konstante Energieversorgung &uuml;ber 24 Stunden hinweg sicherstellen.<\/p><p>&bdquo;Damals dachte allerdings niemand, dass dadurch die erneuerbaren Energien einen so starken Boom erfahren w&uuml;rden&rdquo;, meint Maillet, &bdquo;zusammen mit dem Reformpaket wurden sogar Mindestprozentwerte f&uuml;r erneuerbare Energien eingef&uuml;hrt.&rdquo; Teilweise hohe Strafen wurden angesetzt f&uuml;r Konzerne, die nicht gen&uuml;gend erneuerbare Energien in ihrem Strommix hatten. Doch diese Werte wurden schnell &uuml;bertroffen: Statt Strafen zu zahlen, bemerkten die Unternehmen, dass erneuerbare Energien viel Profit abwerfen.<\/p><p>Maillet f&uuml;hrt das auf zwei Ph&auml;nomene zur&uuml;ck: Ab 2010 sank der Preis f&uuml;r Solarpanels und Windkraftanlagen rasant. Zudem kennt der chilenische Markt kaum Regulierungen, etwa wenn es um den Schutz der Landschaft oder Abst&auml;nde zu H&auml;usern geht. Das Land wurde zu einem Eldorado f&uuml;r erneuerbare Energien.<\/p><p>Doch der Politikwissenschaftler sieht darin keinen Grund zur Freude. Er gibt zu bedenken, dass in den vergangenen Jahren der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix zwar enorm gestiegen, doch gleichzeitig auch der Bedarf an Strom so stark gewachsen ist, dass kaum fossile Energietr&auml;ger vom Netz genommen werden konnten. &bdquo;Ein wirklicher Wandel ist ohne eine Reduktion des Energiebedarfs an sich nicht m&ouml;glich&rdquo;, ist sich Maillet sicher.<\/p><p>Doch derzeit geschieht genau das Gegenteil, denn Chile plant, zu einem der weltweit gr&ouml;&szlig;ten Energieexporteure zu werden. Schon bald soll der Strom aus Gemeinden wie La Estrella in Form von Wasserstoff nach Europa gelangen.<\/p><p><strong>Chile als Energielieferant f&uuml;r den globalen Norden<\/strong><\/p><p>&bdquo;Gr&uuml;ner Wasserstoff ist Chiles Zukunft&rdquo;, verk&uuml;ndete im M&auml;rz der chilenische Energieminister Diego Pardow auf seiner Europareise. Er will mehr Investoren ins Land holen und schloss Vertr&auml;ge ab, die den zuk&uuml;nftigen Transportweg frei machen sollen. &Uuml;ber Hamburg und Rotterdam soll ab 2026 Ammoniak und sp&auml;ter auch Wasserstoff als Energietr&auml;ger von Chile nach Europa gebracht werden. In einer Kolumne der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/chilenischer-energieminister-verspricht-deutschland-kann-bei-der-energieversorgung-auf-chile-zaehlen\/29011860.html\"><em>Wirtschaftswoche<\/em><\/a>&nbsp;hielt der Minister fest: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Deutschland kann bei der Energieversorgung auf Chile z&auml;hlen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Bei einer Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz im Januar 2023 war das Thema Wasserstoff einer der wichtigsten Gespr&auml;chspunkte.<\/p><p>Die chilenische Wasserstoffstrategie kommt aus der Feder des ehemaligen rechten Pr&auml;sidenten Sebasti&aacute;n Pi&ntilde;era: In einem Bericht hielt dieser im Jahr 2020 fest, chilenischer Wasserstoff sei aufgrund der geografischen Lage des Landes der weltweit G&uuml;nstigste, das Potenzial gleichzeitig enorm.<\/p><p>Seitdem wird gebaut, und das vor allem mit privaten Mitteln. Der Staat unterst&uuml;tzt die Vorhaben teilweise mit Subventionen und der Schenkung &ouml;ffentlicher L&auml;ndereien.<\/p><p>Die f&uuml;r den Boom verantwortlichen Unternehmen vereinigen sich unter der Acera, der Wirtschaftskammer f&uuml;r Erzeuger und Verteiler von erneuerbaren Energien. Dessen Direktorin Ana Lia Rojas trifft sich derweil mit Politikern aus aller Welt. Im Januar 2023 kam sie mit Bundeskanzler Olaf Scholz zusammen, just als dieser bei einem Chilebesuch &uuml;ber erneuerbare Energien sprach und ein Pilotprojekt von Porsche und Siemens f&uuml;r synthetisches Benzin, auch E-Fuel genannt, ganz im S&uuml;den des Landes lobte.<\/p><p>Im Gespr&auml;ch mit dem Autor listet Rojas gigantische Wachstumszahlen auf. Allein im Jahr 2022 wurden 155 neue Anlagen f&uuml;r erneuerbare Energien an das nationale Stromnetz angeschlossen. &bdquo;Das entspricht 3.954 Megawatt!&rdquo;, unterstreicht die Direktorin. Sofern die Anlagen durchgehend in Betrieb w&auml;ren, w&uuml;rde diese Energiemenge ausreichen, um drei St&auml;dte von der Gr&ouml;&szlig;e Z&uuml;richs &uuml;ber ein gesamtes Jahr hinweg mit Strom zu versorgen. Das seien gute Zahlen, meint Rojas, denn sie erm&ouml;glichten es Chile, umweltsch&auml;dliche Gas- und Kohlekraftwerke abzuschalten.<\/p><p>Doch auch ihr ist die Kritik am schnellen Wachstum bekannt. Angesprochen auf die Proteste von Anwohnern meint Rojas: &bdquo;Die Prinzipien der Acera sehen ein umweltfreundliches Wachstum vor.&rdquo; Doch alle menschlichen Aktivit&auml;ten h&auml;tten Auswirkungen auf die Umwelt, gibt sie zu bedenken.<\/p><p>Rojas meint aber: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Menge an Fl&auml;che, die wir brauchen, um allein in Chile die Energie aus Kohle zu ersetzen, ist monumental.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Daf&uuml;r seien 300.000 Hektar Land n&ouml;tig, mehr als das Vierfache der bisher verwendeten Fl&auml;che. Um das Problem zu l&ouml;sen, br&auml;uchte es einen gesellschaftlichen Konsens, wo Projekte f&uuml;r erneuerbare Energien gebaut werden sollen und wo nicht. Und genau diese Reglementierung vonseiten des Staates fehlt bislang g&auml;nzlich.<\/p><p>Im April 2023 begann die derzeitige Regierung, erste Treffen mit lokalen Gemeinschaften zu organisieren, um eine &bdquo;gemeinsame Energiestrategie zu entwickeln&rdquo;, wie es offiziell hei&szlig;t.<\/p><p><strong>Erst handeln, dann fragen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Erst jetzt, nachdem schon hunderte Projekte am Laufen sind, soll die Bev&ouml;lkerung eingebunden und Standards entwickelt werden&rdquo;, kritisiert Luc&iacute;o Cuenca, eine Koryph&auml;e des chilenischen Umweltschutzes, dieses Vorgehen. Cuenca sitzt im B&uuml;ro der Umweltorganisation Olca, Lateinamerikanisches Observatorium f&uuml;r Umweltkonflikte, in Santiago.<\/p><p>Seit Jahren h&auml;tten sie beobachten k&ouml;nnen, wie das chilenische Stromnetz und die erneuerbaren Energien ausgebaut wurden, sagt Cuenca. &bdquo;Weit &uuml;ber die eigentlichen Bed&uuml;rfnisse hinaus&ldquo;, f&uuml;gt er an. &bdquo;Das Ziel war stets der Export von Energie, zuerst per Leitung in die Nachbarl&auml;nder und nun nach Europa.&rdquo;<\/p><p>Der langj&auml;hrige Aktivist sieht ein Grundproblem in der chilenischen Wirtschaft: &bdquo;Seit Jahrzehnten wurde die Natur f&uuml;r den Export von Rohmaterialien ausgebeutet. Dies hat dazu gef&uuml;hrt, dass die lokalen &Ouml;kosysteme extrem gest&ouml;rt sind.&rdquo; Auf Ortschaften wie La Estrella, die bereits heute unter einer Industrie leiden, kommen nun weitere Projekte zu.<\/p><p>Und das sei erst der Anfang: F&uuml;r den Export von Wasserstoff ist derzeit der Bau neuer Hafenanlagen, Produktionsst&auml;tten und Wasserentsalzungsanlagen &uuml;ber das ganze Land hinweg geplant. <\/p><p>Umweltsch&uuml;tzer Cuenca res&uuml;miert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die &ouml;kologischen Folgen davon werden kaum beachtet. Wir bezahlen f&uuml;r den Energiewandel des globalen Nordens.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Man w&uuml;rde nicht &uuml;ber weniger Energieverbrauch reden, sondern mit aller Kraft versuchen, den Wohlstand des Globalen Nordens aufrechtzuerhalten. Als Beweis nennt er den Pilotversuch f&uuml;r &bdquo;gr&uuml;nen&rdquo; Treibstoff von Siemens und Porsche. &bdquo;Der Treibstoff soll die Rennwagen von Porsche antreiben&rdquo;, sagt Cuenca, stoppt und macht einen Gesichtsausdruck, der die Ironie der Geschichte aufzeigen soll.<\/p><p><strong>Der Ruf ist zerst&ouml;rt<\/strong><\/p><p>Osorio f&auml;hrt mit seinem kleinen Suzuki zu seinem Haus, unweit davon stehen die Bienenst&ouml;cke. Er erz&auml;hlt: &bdquo;Ich kenne die Gegend gut und wei&szlig; daher, welche Bl&uuml;ten meine Bienen ansteuern.&rdquo; Es seien vor allem wild wachsende Pflanzen, denn in der Gegend gibt es kaum Ackerbau.<\/p><p>Osorio hat Angst um seine Bienen. In unmittelbarer N&auml;he seines Hauses soll eine neue Hochspannungsleitung gebaut werden. Mit wissenschaftlichen Studien der chilenischen Universidad de Talca belegt Osorio, dass die magnetische Spannung der Leitungen zu Desorientierung und Tod der Bienen f&uuml;hren kann. In La Estrella w&uuml;rde sich die Industrie ausbreiten, ohne auf die lokale Bev&ouml;lkerung achtzugeben, sagt&nbsp;er.<\/p><p>Damit meint er nicht nur die Energieunternehmen. La Estrella ist eigentlich f&uuml;r seine Schweineindustrie bekannt. Der bei&szlig;ende Geruch dieser Industrie h&auml;ngt wie ein dicker Teppich &uuml;ber dem Dorf. Es ist ein Problem, gegen das sich Osorio und seine Mitstreiter seit Jahren wehren. Mehr als eine halbe Million Schweine werden in der Gemeinde in St&auml;llen gehalten, erz&auml;hlt eine Fernsehreportage aus dem Jahr&nbsp;2019.<\/p><p>So unterschiedlich sie auf den ersten Blick auch zu sein scheinen, Dorfbewohner Osorio sieht Zusammenh&auml;nge zwischen Energieindustrie und Schweinezucht. &bdquo;Die Betreiber binden die lokale Bev&ouml;lkerung nicht ein, bezahlen kaum Steuern in der Gemeinde und besch&auml;ftigen mehrheitlich Arbeiter von au&szlig;erhalb. Sie nutzen die g&uuml;nstige Lage einer verarmten Gemeinde in relativer N&auml;he zur Gro&szlig;stadt Santiago schlichtweg aus.&rdquo;<\/p><p>Leidtragende sind D&ouml;rfer wie das von Osorio. Er meint, es w&auml;re toll, die Entwicklung in Einklang mit den Bed&uuml;rfnissen der Bev&ouml;lkerung zu bringen. Es g&auml;be gen&uuml;gend andere Orte, wo erneuerbare Energieerzeuger aufgestellt werden k&ouml;nnten: &bdquo;Warum in der N&auml;he von H&auml;usern?&rdquo;, fragt er sich.<\/p><p>Dialog scheint jedoch kaum m&ouml;glich, denn wer sich wie Osorio gegen das Vorgehen der Konzerne wehrt, bekomme Repression zu sp&uuml;ren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben uns mit anderen Personen aus der Gemeinde zusammengeschlossen. Kurz nachdem wir aktiv wurden, entlie&szlig; die Gemeindeverwaltung mich und eine weitere Mitstreiterin.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Seitdem bekommt er keine Arbeit mehr, der damalige B&uuml;rgermeister, sagt Osorio, habe sich pers&ouml;nlich darum gek&uuml;mmert, seinen Ruf zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>Die Repression scheint zu wirken, die Kritik dagegen findet kaum Anklang: Im Februar 2023 k&uuml;rte die Regierung La Estrella zum Zentrum der erneuerbaren Energien in Chile. Allein in der Gemeinde befinden sich sechs Projekte in unmittelbarer Planung oder bereits im&nbsp;Bau.<\/p><p>Dieser Artikel erschien zuerst in Deutschland auf <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/264388\/gegen-windmuehlen\"><em>Amerika21<\/em><\/a> und in der Schweiz im Onlinemagazin <a href=\"https:\/\/daslamm.ch\/gegen-windmuehlen\/\"><em>Das Lamm.<\/em><\/a><\/p><p>Titelbild: Abgesperrte Solar-Anlagen ersetzen St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck die Landschaft Quelle: Malte Seiwerth<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96947\">Stimmen aus Lateinamerika: Der Kampf der Mapuche gegen die Privatisierung der Quellen des R&iacute;o Chubut<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96941\">Stimmen aus Lateinamerika: Die &bdquo;Geapolitik&rdquo; des guten Lebens als Gegenmodell zur westlichen &bdquo;Geopolitik&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98797\">Die Umdeutung der Energiewende<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/99589d1c94194c558c9e1702d75cc07a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erneuerbare Energien boomen, doch Umweltaktivisten kritisieren neokoloniale Verh&auml;ltnisse. 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