{"id":100521,"date":"2023-07-09T11:45:46","date_gmt":"2023-07-09T09:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100521"},"modified":"2023-07-09T15:22:27","modified_gmt":"2023-07-09T13:22:27","slug":"wenn-die-jagd-nach-erfolg-das-leben-zur-hoelle-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100521","title":{"rendered":"Wenn die Jagd nach Erfolg das Leben zur H\u00f6lle macht"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Ich wollte ein popul&auml;res und unterhaltsames Buch schreiben, das anschaulich macht, wie sich die neoliberale Ideologie und Politik auf das Lebensgl&uuml;ck des einzelnen Menschen auswirkt. Mein Ehrgeiz dabei war, auch Menschen f&uuml;r das Thema zu intertessieren, die eigentlich keine politischen B&uuml;cher lesen. So kam ich auf das Thema &bdquo;Erfolg&ldquo; und &bdquo;Selbstoptimierung&ldquo; und den Titel <em>Wenn die Jagd nach Erfolg das Leben zur H&ouml;lle macht<\/em>, erl&auml;utert NachDenkSeiten-Autor <strong>Udo Brandes<\/strong> die Idee zu seinem neuen Buch. Wir ver&ouml;ffentlichen hier das erste Kapitel.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Kehrseite der Erfolgsgesellschaft<\/strong><\/p><p>Vor einiger Zeit erz&auml;hlte mir ein Freund von einer interessanten Erfahrung auf einer Hochzeit. Er sa&szlig; dort an einem Tisch mit lauter Selbstst&auml;ndigen, Unternehmern und Freiberuflern. Aus eigener Erfahrung wei&szlig; ich, dass man normalerweise in so einem Kreis fast immer nur gro&szlig;artige Erfolgsgeschichten erz&auml;hlt bekommt. Genau das hatte dieser Freund von mir auch erwartet. Aber dieser Abend verlief so, als ob die Gastgeber ein Wahrheitsserum in den Sekt gemischt h&auml;tten. Ein Unternehmer erz&auml;hlte, wie schwierig es f&uuml;r ihn sei, sein Unternehmen am Laufen zu halten, und dass Aufwand und Ertrag in keinem angemessenen Verh&auml;ltnis mehr zueinander st&uuml;nden. Dieses ehrliche Gest&auml;ndnis l&ouml;ste offenbar etwas aus. Auch die anderen G&auml;ste fingen an, von ihren Sorgen und Problemen zu erz&auml;hlen. Es schien so, als ob alle sich regelrecht befreit f&uuml;hlten, endlich einmal die Fassade des Erfolgs fallen lassen und ihre wirkliche Befindlichkeit zeigen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Diese kleine Geschichte ist ein vergleichsweise harmloses Beispiel f&uuml;r ein gesellschaftliches Ph&auml;nomen, das ganz und gar nicht harmlos ist. Man darf in unserer Gesellschaft vieles sein. Nur eines ist ein unverzeihlicher Makel: Misserfolg. Anders formuliert: Wenn es in unserer verweltlichten Gesellschaft noch etwas Heiliges gibt, dann ist das Erfolg. Der Soziologe Sighart Neckel beschreibt dies so:<\/p><blockquote><p>\nIn der modernen Gesellschaft hat Erfolg eine allgemeine Kulturbedeutung angenommen, als eine Art Pflicht, will man mit gesellschaftlicher Anerkennung rechnen. Kaum je ist es so allt&auml;glich geworden, sich beruflich oder privat gegenseitig Erfolgsbilanzen zu pr&auml;sentieren, um die Wertigkeit des eigenen Selbst zu betonen und den pers&ouml;nlichen Vorrang zu unterstreichen. (Neckel 2015, S. 2-3)\n<\/p><\/blockquote><p>Ich kenne dies aus eigener Erfahrung: Mit manchen Menschen kann man keine Gespr&auml;che jenseits solcher Erfolgspr&auml;sentationen f&uuml;hren. Die eigenen Erfolgsbilanzen werden von solchen Leuten wie eine katholische Monstranz bei einem religi&ouml;sen Feiertag vor sich hergetragen. Das Schlimme dabei ist: Zum einen kann man mit solchen auf Erfolg und soziale Anerkennung fixierten Menschen nur selten oder gar nicht ein echtes Gespr&auml;ch f&uuml;hren, in dem auch mal &uuml;ber die wahren Befindlichkeiten gesprochen wird. Die werden fast immer hinter einer Erfolgsmaske versteckt. Zum anderen habe ich an mir selbst gemerkt, dass solche Verhaltensweisen nicht ohne Folgen f&uuml;r mein eigenes Verhalten bleiben. In solchen Gespr&auml;chen werde auch ich immer mehr zu jemandem, der sich hinter einer Erfolgsfassade versteckt &ndash; und sich nicht wirklich als der Mensch zeigt, der er ist oder als der er sich vielleicht gerne zeigen w&uuml;rde. Die Konsequenz daraus sind entfremdete Beziehungen, in denen keine wirkliche emotionale N&auml;he oder emotionales Verst&auml;ndnis m&ouml;glich sind. Und das hei&szlig;t: Man f&uuml;hlt sich nicht angenommen und gest&uuml;tzt, sondern einsam und entfremdet &ndash; denn man darf nicht so sein, wie man ist und wie man sich f&uuml;hlt. Es kann aber noch wesentlich schlimmere Folgen haben. Hier eine Beschreibung der Atmosph&auml;re an der Universit&auml;t Stanford. Sie stammt von der Stanford-Professorin Emma Sepp&auml;l&auml;. Ich habe sie ihrem Buch <em>Der Trick mit dem Gl&uuml;ck. Mehr erreichen durch weniger tun<\/em> entnommen.<\/p><p>Dazu noch ein kurzer Hinweis: Das Buch ist auf den ersten Blick eine Kritik an der in den USA besonders ausgepr&auml;gten Erfolgsbesessenheit. Tats&auml;chlich ist es aber im Grunde auch nur wieder eine Variante der Selbstoptimierung nach dem Motto &bdquo;Mach mehr Pausen und entspann dich, dann kommt auch der Erfolg&ldquo;. Vor allen Dingen ist die Perspektive der Autorin bisweilen geradezu borniert. Das Buch liest sich, als best&uuml;nde die Arbeitswelt nur aus Professoren, Konzernvorst&auml;nden und Regierungschefs. Trotzdem bringt ihre Beschreibung sehr gut das Problem zum Ausdruck:<\/p><blockquote><p>\nAls ich in Stanford mein Aufbaustudium begann, war ich schockiert von der Zahl der Selbstmorde, die sich w&auml;hrend meines ersten Jahres dort ereigneten. Wir befanden uns auf einem der &uuml;berw&auml;ltigendsten und sonnigsten Campus der Welt, fuhren palmenges&auml;umte Stra&szlig;en mit dem Fahrrad entlang zum Unterricht und waren umgeben von begnadeten Lehrern und talentierten Kommilitonen, und doch herrschten hier so viel Kummer und Elend. (&hellip;) Langsam begann ich den Hintergrund der &Auml;ngste und des vielen Kummers zu verstehen, nicht nur in Stanford, sondern im ganzen Silicon Valley und auch in all den anderen Gemeinschaften von &Uuml;berleistern, die ich bisher in Yale, Columbia und Manhattan kennengelernt hatte. Die Studenten waren ausschlie&szlig;lich auf ihre Zukunft fixiert und darauf, was sie daf&uuml;r tun mussten, weshalb sie die ganze Zeit angespannt und unruhig waren. Jeder versuchte hektisch, st&auml;ndig eine neue H&ouml;chstleistung nach der anderen zu vollbringen. Bevor sie ein Projekt beendet hatten, wanderten ihre Gedanken schon zum n&auml;chsten, das sie im Namen von Produktivit&auml;t und Erfolg in Angriff nehmen w&uuml;rden. Als Konsequenz daraus konnten sie ihren errungenen Erfolg &uuml;berhaupt nicht mehr feiern, geschweige denn ihr Leben genie&szlig;en. (Sepp&auml;l&auml;, S. 25-26)\n<\/p><\/blockquote><p>Und dann beschreibt sie die geradezu kafkaesk absurden Erlebnisse einer Studentin namens Jackie:<\/p><blockquote><p>\nJackie erz&auml;hlt, wie sie sich mit neunzehn als Junior im College f&uuml;r ein Stipendium beworben hat und dabei beschreiben musste, welchen Aufbaustudiengang nach dem Bachelor sie sp&auml;ter einmal zu besuchen gedachte, welche Kurse sie dann belegen wollte, welchen Job sie nach dem Abschluss anstrebte, ihren Zehn-Jahres-Plan, welche Weltprobleme sie w&auml;hrend ihrer Karriere zu l&ouml;sen versuchen wollte sowie deren politische Implikationen &ndash; zus&auml;tzlich zu der umfassenden Erfahrung als F&uuml;hrungskraft, die sie bis zu diesem Punkt bereits gesammelt haben sollte! (Sepp&auml;l&auml;, S. 27-28)\n<\/p><\/blockquote><p>Nun werden Sie vielleicht sagen: &bdquo;Das sind die USA. Wir sind hier Gott sei Dank noch vern&uuml;nftiger.&rdquo; Es mag hier in Europa und insbesondere Deutschland vielleicht tats&auml;chlich noch nicht so schlimm sein. Aber wenn, ist dies nur ein gradueller Unterschied. Dazu mal einige Beispiele: In einer Radiosendung des <em>Deutschlandfunks<\/em> berichtete ein Hamburger Kinder- und Jugendpsychiater (die genaue Quelle konnte ich leider nicht mehr finden; ich berichte aus dem Ged&auml;chtnis) von einem Therapiegespr&auml;ch mit einem neunj&auml;hrigen Jungen. Dieser habe zu ihm Folgendes gesagt:<\/p><blockquote><p>\nWenn ich nicht den &Uuml;bergang von der Grundschule zum Gymnasium schaffe, dann ist mein Leben gelaufen.\n<\/p><\/blockquote><p>Mit anderen Worten: Schon Kinder in der Grundschule haben verinnerlicht, dass sie unbedingt erfolgreich sein m&uuml;ssen. Sie erleben in einem doppelten Sinne in der Schule einen &bdquo;Klassenkampf&rdquo;: zum einen den Konkurrenzkampf um gute Noten in ihrer Schulklasse und zum anderen den gesellschaftlichen Konkurrenzkampf, in dem die Weichen f&uuml;r ihre zuk&uuml;nftigen Lebensm&ouml;glichkeiten gestellt werden.<\/p><p>Was f&uuml;r dramatische Folgen so ein gesellschaftliches Klima haben kann, l&auml;sst sich immer dann beobachten, wenn ausgerechnet die &uuml;berdurchschnittlich Erfolgreichen ihre Erfolgsfassade nicht mehr aufrechterhalten k&ouml;nnen. Dann wird &ouml;ffentlich sichtbar, wie viel seelisches Leid und Elend sich hinter den schillernden Erfolgsfassaden verbergen k&ouml;nnen.<\/p><p>Beispiele daf&uuml;r sind die spektakul&auml;ren Selbstmorde des Fu&szlig;ballprofis Robert Enke und des Unternehmers und Multimilliard&auml;rs Adolf Merkle. Beide machten ihrem Leben ein Ende, indem sie sich vor einen Zug warfen. Der eine, weil er sich den extremen Leistungsanforderungen im Profifu&szlig;ball nicht mehr gewachsen f&uuml;hlte und dies offenbar eine Depression bei ihm ausl&ouml;ste. Der andere, weil er sich an der B&ouml;rse verzockt hatte und sein milliardenschweres Unternehmensimperium zu gro&szlig;en Teilen den Banken &uuml;berlassen musste &ndash; und dieser Machtverlust f&uuml;r ihn offenbar eine unertr&auml;gliche Schande war. Und das, obwohl er trotz der riesigen Verluste immer noch Multimillion&auml;r war und auf einem finanziellen Niveau h&auml;tte weiterleben k&ouml;nnen, von dem Otto Normalb&uuml;rger nicht mal tr&auml;umen k&ouml;nnen. (D&ouml;rries 2010; Deckstein 2010)<\/p><p>Ein drittes Beispiel ist der traurige Fall eines ehrgeizigen 21-j&auml;hrigen deutschen Praktikanten bei der Merril-Lynch-Bank in Gro&szlig;britannien. Er bekam mehrere Tage hintereinander so gut wie keinen Schlaf, weil er fast ununterbrochen nur arbeitete. Als er unter der Dusche stand, bekam er einen epileptischen Anfall, an dem er verstarb. Es spricht einiges daf&uuml;r, dass dieser Anfall durch den enormen Stress ausgel&ouml;st wurde. Mit anderen Worten: dass der junge Mann sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode gearbeitet hat. (Lokshin 2013)<\/p><p>Dieser junge Mann studierte an einer Privathochschule f&uuml;r Management und wollte Investmentbanker werden. Er hatte nach einem Bericht von <em>NDR Info<\/em> in seinem Blog geschrieben:<\/p><blockquote><p>\nIch bin sehr wettbewerbsorientiert, denn meine Familie erwartet nur das Beste von mir. (Wesel 2013)\n<\/p><\/blockquote><p>Der <em>Spiegel<\/em> stie&szlig; bei seinen Recherchen zu dem Fall auf ein Motivationsschreiben des jungen Mannes. Dort hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\nIch glaube, dass ich als Mensch mehr Erfolg haben werde, wenn ich mich auf ein einziges Ziel konzentriere. Konkret gesprochen: Mein prim&auml;res Interesse besteht darin, mich selbst kontinuierlich zu verbessern und nach Exzellenz zu streben. (Spiegel Online 2013)\n<\/p><\/blockquote><p>Ich denke, man tut keinem der drei Genannten Unrecht, wenn man ihnen unterstellt, dass sie sich mit dem gesellschaftlichen Ideal des Erfolgreichen, des leistungsstarken Helden, f&uuml;r den es keine Probleme, sondern nur Herausforderungen gibt, in zwanghafter Weise identifizierten &ndash; dass sie also im Grunde genommen innerlich unfreie Menschen waren und ihr Erfolgsstreben zwanghaft. Sie konnten ihren Ehrgeiz nicht mehr an einen sinnvollen inhaltlichen Wert binden, der sie dazu bef&auml;higt h&auml;tte zu sagen &bdquo;Jetzt ist Schluss. Mehr geht nicht&rdquo; oder &bdquo;Ich darf auch Fehler machen und Schw&auml;chen haben&rdquo;.<\/p><p>Wenn man von solchen extremen F&auml;llen liest, ist man schnell dazu geneigt, sich davon innerlich zu distanzieren und zu glauben, dass einem selbst dies nat&uuml;rlich nicht passieren k&ouml;nne. Aber ich behaupte: Trotzdem kann es nur allzu leicht passieren, dass wir uns zu einem Leben verf&uuml;hren lassen, das uns eigentlich nicht entspricht. Deshalb hier einmal drei weitere Beispiele. Es sind von mir verfremdete Analogien zu F&auml;llen, die mir bekannt sind. Wahrscheinlich werden Sie schon mal &auml;hnlich gelagerte F&auml;lle erlebt haben.<\/p><p>Ein begabter junger Mann, der gl&uuml;cklich ist, wenn er handwerklich arbeitet (am liebsten mit Holz), entschlie&szlig;t sich nach dem Abitur, Medizin zu studieren, um sein exzellentes Abitur nicht zu verschenken. Er bekommt genau in der Stadt einen Studienplatz, die er sich gew&uuml;nscht hatte. Trotzdem kommt keine Freude in ihm auf. Er kann sich nur schwer aufraffen, eine Wohnung zu suchen. Mit Beginn des Studiums leidet er unter k&ouml;rperlichen Beschwerden, die der konsultierte Arzt als &bdquo;psychosomatisch&rdquo; einstuft.<\/p><p>Ein Ehepaar hat ein gro&szlig;es Haus gekauft und sich bis zum Anschlag verschuldet. Wegen des hohen Abtrags f&uuml;r den Hauskredit k&ouml;nnen sie keinen Urlaub mehr machen und m&uuml;ssen sich auch sonst sehr einschr&auml;nken. Wenn ein wichtiges Haushaltsger&auml;t wie die Waschmaschine kaputt geht, ist dies schon ein finanzielles Problem. Eigentlich hatten die beiden sich in ihrer kleinen Mietwohnung sehr wohl gef&uuml;hlt und es sehr genossen, auszugehen und sch&ouml;ne Reisen zu machen. Aber der gesamte Freundeskreis wohnte in eigenen H&auml;usern. Da wollten sie nicht nachstehen.<\/p><p>Ein Journalist, der ber&uuml;hmt ist f&uuml;r seine spannenden Reportagen mit geradezu literarischen Qualit&auml;ten, wird zum Ressortleiter bef&ouml;rdert. Die Bef&ouml;rderung ist mit einer erheblichen Gehaltserh&ouml;hung verbunden und der Aussicht, in drei Jahren den Chefredakteur, der dann in Rente geht, zu beerben. Auf der neuen Position ist er haupts&auml;chlich mit der Organisation des Redaktionsbetriebes besch&auml;ftigt und muss h&auml;ufig an Konferenzen teilnehmen. Das, was ihm so viel Freude macht an seinem Beruf, &bdquo;da drau&szlig;en&rdquo;, wie er es nennt, interessante Menschen kennenzulernen, &uuml;ber interessante Themen und Ereignisse zu schreiben und ausgiebig an seinen Texten zu feilen, f&auml;llt v&ouml;llig weg. Aber seine prestigeorientierte Frau erwartete von ihm, dieses Angebot anzunehmen. Ihr ist es wichtig, dass ihr Ehemann eine prestigetr&auml;chtige Position erreicht. Aber so gro&szlig;e M&uuml;he ihr Mann sich dann auch gibt: Er kommt morgens kaum noch aus dem Bett und f&auml;ngt an zu trinken.<\/p><p>Ich denke, an den genannten Beispielen wird deutlich, dass man durch gesellschaftlich erzeugten Erfolgsdruck dazu verleitet werden kann, Lebensziele zu verfolgen, die zwar gesellschaftlich hoch im Kurs stehen, die aber nicht wirklich den eigenen Bed&uuml;rfnissen entsprechen. Wir sind dann in der Gefahr, eine Rolle ausf&uuml;llen zu m&uuml;ssen, die uns nicht liegt und in der wir das, was wir innerlich sind, nicht leben k&ouml;nnen. Dies wird dann nicht selten ein freudloses und ungl&uuml;ckliches Leben &ndash; und im schlimmsten Fall eine Depression.<\/p><p>Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass der Otto Normalb&uuml;rger sich nicht einfach f&uuml;r ein anderes Leben entscheiden kann, weil er &auml;u&szlig;eren Zw&auml;ngen und Notwendigkeiten unterliegt. Anders ausgedr&uuml;ckt: Wir alle haben zwar die Freiheit, darauf zu verzichten, unbedingt Bundeskanzler werden zu m&uuml;ssen oder den Nobelpreis zu gewinnen. Aber auch als Otto Normalb&uuml;rger brauchen wir einen gewissen Grad an Erfolg, und das in einem doppelten Sinne. Zum einen m&uuml;ssen wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Und wer ein einigerma&szlig;en materiell gut abgesichertes Leben f&uuml;hren und nicht st&auml;ndig in Angst vor der n&auml;chsten Rechnung leben will, der muss am Arbeitsmarkt erfolgreich sein. Nur so ist ein wirtschaftlich abgesichertes Leben m&ouml;glich. Und dies gilt auch noch in einem anderen Sinne: Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen soziale Anerkennung f&uuml;r unser Wohlbefinden. Auch deshalb brauchen wir Erfolg. Denn Erfolg ist in unserer Gesellschaft eine zentrale Quelle f&uuml;r soziale Anerkennung. Dies wird einem sofort klar, wenn man sich die Situation von Arbeitslosen vor Augen f&uuml;hrt. Sie werden auf vielf&auml;ltige Weise von der Gesellschaft erniedrigt und m&uuml;ssen unterhalb der Schwelle gesellschaftlicher Achtung leben. Zur Zeit der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung unter Gerhard Schr&ouml;der (1998-2005) wurden arbeitslose Menschen sogar in einer regierungsamtlichen Brosch&uuml;re mit Parasiten und Schmarotzern verglichen. Es ist also keine L&ouml;sung, einfach nur zu sagen: Mir ist Erfolg egal. Wir alle k&ouml;nnen es uns lebenspraktisch wie emotional nicht leisten, v&ouml;llig auf Erfolg zu verzichten. Aber wie kann man diesen Konflikt aufl&ouml;sen und verhindern, dass der Erfolgsdruck einem das Leben zur H&ouml;lle macht? Was also tun? Genau diese Frage ist das Thema dieses Buches.<\/p><p><strong>Quellenangaben zu diesem Kapitel<\/strong><\/p><ul>\n<li>Deckstein, D.: Tragischer Tod Adolf Merckles: Am Ende war die Ohnmacht, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/tragischer-tod-adolf-merckles-am-ende-war-die-ohnmacht-1.384500-0#seite-2\">Link<\/a><\/li>\n<li>D&ouml;rries, Bernd: Nach Pleite mit VW-Aktien: Adolf Merckle begeht Selbstmord, 17. Mai 2010, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/nach-pleite-mit-vw-aktien-adolf-merckle-begeht-selbstmord-1.383538\">Link<\/a><\/li>\n<li>Han, Byung-Chul: Warum heute keine Revolution m&ouml;glich ist, 3. September 2014. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256\">Link<\/a><\/li>\n<li>Lokshin, Pavel: Sie sagten Moritz eine gro&szlig;e Zukunft voraus, 21. August 2013. <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article119249789\/Sie-sagten-Moritz-eine-grosse-Zukunft-voraus.html\">Link<\/a><\/li>\n<li>Neckel, Sighard: Scheitern am Scheitern. Die Erfolgsgesellschaft und die Erfolglosigkeit, 31. Mai 2015, <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/scheitern-am-scheitern-1.18551874\">Link<\/a><\/li>\n<li><em>Spiegel Online<\/em>, 22. November 2013: Junger Banker, Londoner Gericht untersucht Tod von Moritz Erhardt, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/karriere\/ausland\/londoner-gericht-untersucht-tod-von-moritz-erhardt-a-935151.html\">Link<\/a><\/li>\n<li>Sepp&auml;l&auml;, Emma: Der Trick mit dem Gl&uuml;ck: Mehr erreichen durch weniger tun, Knaur Balance, 2016<\/li>\n<li>Wesel, Barbara: Arbeiten bis zum Umfallen, Bericht auf <em>NDR Info<\/em> am 21. August 2013, <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/banker112.html\">Link<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Inhaltsangabe<\/strong><\/p><ul>\n<li>Zur Einstimmung<\/li>\n<li>Die Kehrseite der Erfolgsgesellschaft<\/li>\n<li>Wie unser Weltbild unser Selbstwertgef&uuml;hl bestimmt<\/li>\n<li>Warum ist uns Erfolg so wichtig?<\/li>\n<li>Ehrgeiz und Charakter<\/li>\n<li>Wie stehen Sie zu Strebern?<\/li>\n<li>Ehrgeiz &ndash; Tugend oder Charakterdefizit?<\/li>\n<li>Die Entkoppelung von Leistung und Erfolg<\/li>\n<li>Al Pacino, die Mafia und das Gl&uuml;ck<\/li>\n<li>Warum Sie Erfolgsratgeber nur mit gr&ouml;&szlig;ter Vorsicht genie&szlig;en sollten<\/li>\n<li>Was soziale Ungleichheit mit der Seele macht<\/li>\n<li>Wie Sie sich das Leben leichter machen<\/li>\n<li>Erfolg und Lebensgl&uuml;ck<\/li>\n<li>Abschlie&szlig;ende Gedanken<\/li>\n<\/ul><p><em>Udo Brandes: Wenn die Jagd nach Erfolg das Leben zur H&ouml;lle macht. 2023, erh&auml;ltlich &uuml;ber Amazon, 112 Seiten, 8,99 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Ich wollte ein popul&auml;res und unterhaltsames Buch schreiben, das anschaulich macht, wie sich die neoliberale Ideologie und Politik auf das Lebensgl&uuml;ck des einzelnen Menschen auswirkt. 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So kam ich auf das Thema &bdquo;Erfolg&ldquo; und &bdquo;Selbstoptimierung&ldquo; und den Titel <em>Wenn<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100521\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":100522,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[205,161,157],"tags":[2269,866,2254,2373,1771,1365],"class_list":["post-100521","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-wertedebatte","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-konformitaetsdruck","tag-konkurrenzdenken","tag-lebensqualitaet","tag-leistungsdruck","tag-selbststaendige","tag-suizid"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Buch-Kopie.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100521","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=100521"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100521\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100769,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/100521\/revisions\/100769"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/100522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=100521"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=100521"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=100521"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}