{"id":10058,"date":"2011-07-11T16:03:40","date_gmt":"2011-07-11T14:03:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10058"},"modified":"2014-09-08T15:56:16","modified_gmt":"2014-09-08T13:56:16","slug":"wie-die-finanzkrise-zur-werbung-fur-gold-und-aktien-missbraucht-wird-auch-vom-starokonomen-max-otte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10058","title":{"rendered":"Wie die Finanzkrise zur Werbung f\u00fcr Gold und Aktien missbraucht wird &#8211; auch vom \u201eStar\u00f6konomen\u201c Max Otte"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, mit welcher Dreistigkeit und Offenheit in diesen Zeiten f&uuml;r die Anlage des Ersparten in Gold und anderen Edelmetallen geworben wird. Heute machen wir auf drei solcher Vorg&auml;nge aufmerksam. Mit den Einlassungen von Professor Max Otte in einem Interview mit Focus unter dem Titel &bdquo;Die Euro-Rettung ist Demagogie!&ldquo; lohnt es, sich ein bisschen mehr zu besch&auml;ftigen. Eines kann man schon vorweg sagen: die Produzenten und H&auml;ndler von Edelmetallen haben offensichtlich ein gut eingef&uuml;hrtes Netz von PR und Lobby einschlie&szlig;lich dazu geh&ouml;render so genannter Wissenschaftler. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Zun&auml;chst hier eine ziemlich penetrante Werbung von Lars Schall<\/strong>, der sich in einer Mail mit dem Betreff &bdquo;ein tip von der sch&ouml;nen blauen donau&ldquo; kumpelhaft gibt:<br>\n<blockquote><p>freunde, r&ouml;mer, landsleute!<br>\nwer &uuml;berlegt, ob es sich noch lohnt, beim &ldquo;nach golde dr&auml;ngt, am golde h&auml;ngt&hellip;&rdquo; einzusteigen, oder ob das zeug schon v&ouml;llig &uuml;berteuert ist, hier ein paar nunmehr ins deutsche &uuml;bersetzte argumente aus &ldquo;wien, wien, du kennst mich up, kennst mich down&rdquo;:<br>\n<a href=\"http:\/\/www.larsschall.com\/2011\/07\/09\/gold-wird-weiter-gedeihen\/\">&ldquo;Gold wird weiter gedeihen&rdquo;<\/a><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li><strong>Dann immer wieder der Kopp-Verlag mit seiner schon bekannten Werbung f&uuml;r Gold:<\/strong>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kopp-verlag.de\/Gold---Eine-feste-Burg-im-Weltreich-der-Papiergeldkoenige.htm?websale7=kopp-verlag&amp;pi=916200&amp;ci=000123\"><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110711_Reklame_fuer_Gold.jpg\" alt=\"Werbung f&uuml;r Gold\" title=\"Werbung f&uuml;r Gold\"><\/a><\/p>\n<p>Bei Kopp erschien auch eine <a href=\"http:\/\/www.kopp-verlag.de\/Zinssystem-und-Staatsbankrott.htm?websale7=kopp-verlag&amp;pi=920400&amp;ci=000041\">DVD von Prof. Senf<\/a>, dem auch einige NachDenkSeiten Leser Glauben schenken.<\/p><\/li>\n<li><strong>Nun aber zu Professor Max Otte und seinem Interview im Focus vom 8. Juli. <\/strong>\n<p>Wir wurden von einem Leser der NachDenkSeiten darauf aufmerksam gemacht; er hatte das &bdquo;sehr pointierte Interview mit Max Otte&ldquo; in den Hinweisen und Artikeln vom vergangenen Freitag &bdquo;vermisst&ldquo;. Zu Recht vermisst, wie ich nach Lekt&uuml;re dieses Interviews glaube und begr&uuml;nden m&ouml;chte.<br>\nHier die Quelle zum Artikel <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/staatsverschuldung\/tid-22852\/staroekonom-max-otte-die-euro-rettung-ist-demagogie_aid_643101.html\">&bdquo;Die Euro-Rettung ist Demagogie!&ldquo;<\/a><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Der erste Teil ist mit Ausnahme der im Titel enthaltenen und f&uuml;r mich einfach nicht verst&auml;ndlichen Behauptung, die Euro-Rettung sei Demagogie, durchaus akzeptabel und teilweise sympathisch:<\/strong>\n<ul>\n<li>dass von der Rettung der Griechen mit Milliarden vor allem die Banken, die Investmentbanken und Superreichen profitieren, die sich mit griechischen Anleihen verzockt haben,<\/li>\n<li>dass die Banken allenfalls einen symbolischen Beitrag f&uuml;r die &bdquo;Griechenland-Rettung&ldquo; leisten werden,<\/li>\n<li>dass die Angst vor dem Fl&auml;chenbrand gesch&uuml;rt wird, um zu verhindern, dass die Banken und Superreichen &bdquo;ihren Teil dazu beitragen, um das angerichtete Desaster zu beheben&ldquo;,<\/li>\n<li>dass nicht alle Banken systemrelevant sind, was bei Otte durchklingt,<\/li>\n<li>dass sich die Steuerzahler hierzulande wehren sollten usw.,<\/li>\n<\/ul>\n<p>das sind akzeptable Feststellungen und Forderungen. Sie werden in einem sehr forschen Ton vorgetragen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Diese Tonlage zusammen mit den zitierten Aussagen f&ouml;rdert dann auch die Glaubw&uuml;rdigkeit f&uuml;r Feststellungen, die h&ouml;chst fragw&uuml;rdig sind:<\/strong>\n<ul>\n<li>Die Bundesregierung sei &bdquo;eingeknickt, was die Stabilit&auml;tsfragen des Euro angeht&ldquo;<\/li>\n<li>Professor Otte bewundert das &bdquo;Erfolgsmodell Bundesbank&ldquo; und den &bdquo;grundsatztreuen ehemaligen Bundesbankpr&auml;sident Axel Weber.&ldquo;<\/li>\n<li>Die EZB entferne sich immer mehr vom &bdquo;Erfolgsmodell Bundesbank&ldquo; und damit steige die Gefahr einer Inflation.<\/li>\n<li>Der Euro werde scheitern, weil man v&ouml;llig unterschiedliche nationale Interessen nicht ohne weiteres unter eine gemeinsame W&auml;hrung zwingen k&ouml;nne.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesen Aussagen kann man, wenn man sachlich an die Schwierigkeiten der europ&auml;ischen Entwicklung und der Eurozone herangeht, nicht folgen. Otte sieht die Schw&auml;chen des Stabilit&auml;tspaktes offensichtlich nicht, er hat nicht verstanden, welche Bedeutung die Koordination der Wirtschafts-, Besch&auml;ftigungs- und Lohnpolitik gehabt h&auml;tte, wenn sie von den deutschen Erfindern und Verfechtern des Stabilit&auml;tspaktes nicht ausgeklammert und bek&auml;mpft worden w&auml;re. Er verkennt, dass es durchaus Mechanismen der Anpassung in einer W&auml;hrungsunion auch dann gibt, wenn die einzelnen V&ouml;lker verschiedene Lebensweise haben und diese weiter pflegen wollen. Wie es in Zeiten der Rezession und der Unterbesch&auml;ftigung  zur inflation&auml;ren Entwicklung kommen soll, erkl&auml;rt der Professor nicht. Usw.<\/p><\/li>\n<li><strong>Im dritten Teil des Interviews wird dann klar, zu welchem Zweck die Angst vor Inflation gesch&uuml;rt und die Stabilit&auml;tspolitik der Bundesbank gefeiert wird: Professor Otte bet&auml;tigt sich als Anlageberater und empfiehlt Gold und Aktien.<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li>Um Aktien auf dem jetzigen Niveau glaubhaft empfehlen zu k&ouml;nnen, muss man den Eindruck vermitteln, dass es nicht wie ab M&auml;rz 2000 und wie Ende 2008 zu einem erneuten Absturz der Aktienkurse kommen k&ouml;nne. Das versucht Otte. Er empfiehlt den Einstieg bei Aktien.<br>\nUm zu sehen, was der Professor hier empfiehlt, sollten Sie sich die Entwicklung der DAX-Aktienkurse auf dieser Abbildung anschauen. \n<p><strong>Entwicklung der DAX-30-Werte zwischen 1960 und 2010<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/dax_entwicklung_1960-2010.gif\" alt=\"Entwicklung der DAX-30-Werte zwischen 1960 und 2010\" title=\"Entwicklung der DAX-30-Werte zwischen 1960 und 2010\"><\/p>\n<p>Sie reicht bis 2010. Am Tag des Erscheinens des Interviews mit Prof. Otte lag der Dax-Wert bei 7402. Angesichts der extremen spekulativen Entwicklung der Aktienkurse mit zwei-maliger Vervierfachung der Kurse und dem fast gleich dimensionierten Absturz ist die Vermittlung von Zuversicht, es k&ouml;nne so weitergehen, ausgesprochen leichtfertig.<\/p><\/li>\n<li>Auf die Frage nach einem <strong>f&uuml;hlbaren Goldanteil im Depot<\/strong> antwortet Otte es komme drauf an, was das Ziel des Anlegers sei. W&ouml;rtlich:<br>\n<blockquote><p>&bdquo;Wenn Sie sagen, ich will zun&auml;chst mein Verm&ouml;gen sichern und weniger auf Rendite schauen, dann bin ich weiter f&uuml;r Gold und andere Edelmetalle. Auch bei 1500 $ je Feinunze ist Gold noch nicht zu teuer.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und weiter: <\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Ich pers&ouml;nlich bin bei Rohstoffen schnell wieder bei Gold. Denn Gold ist ja auch ein Rohstoff. Es ist als Absicherung, als Krisenw&auml;hrung wirklich interessant, vor allem, wenn das Weltwirtschaftssystem einmal wackelt.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist so weit weg von der ansonsten von Professor Otte in Anspruch genommenen volkswirtschaftlichen Betrachtung. Dass die Produktion von Gold und die Anlage von Verm&ouml;gen in Gold absolut unwirtschaftlich ist, dass es Ressourcenvergeudung ist, ist nicht im Blickwinkel des Professors.<\/p><\/li>\n<li><strong>Auch zur Verm&ouml;gensanlage in Rohstoffen &auml;u&szlig;ert Otte sich positiv.<\/strong> Dass die Anlage und Spekulation in Rohstoffen eine h&ouml;chst Menschen verachtende Komponente hat, kommt bei ihm nicht vor, nat&uuml;rlich nicht vor.\n<p>Die Perspektive des Anlageberaters dominiert. Sie bestimmt letztlich auch die wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Vorstellungen des so genannten Star&ouml;konomen Max Otte. Das ist zumindest nach der Lekt&uuml;re dieses Interviews der vorherrschende Eindruck.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, mit welcher Dreistigkeit und Offenheit in diesen Zeiten f&uuml;r die Anlage des Ersparten in Gold und anderen Edelmetallen geworben wird. 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