{"id":10085,"date":"2011-07-13T10:34:15","date_gmt":"2011-07-13T08:34:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10085"},"modified":"2016-06-03T07:57:37","modified_gmt":"2016-06-03T05:57:37","slug":"wirtschaft-in-der-schule-der-zug-fahrt-auch-ohne-uns-gewerkschaften-sollten-sich-einmischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10085","title":{"rendered":"Wirtschaft in der Schule: Der Zug f\u00e4hrt auch ohne uns &#8211; Gewerkschaften sollten sich einmischen!"},"content":{"rendered":"<p>Eine Replik auf Wolfgang Liebs Beitrag &bdquo;<a href=\"\/?p=8373\">Gewerkschaften springen auf den falschen Zug auf: Nach der Wirtschaft wollen sich nun auch die Gewerkschaften in die Schule einmischen<\/a>&ldquo; vom 18. Februar 2011.<br>\nVon den Mitgliedern der Steuerungsgruppe der Initiative Schule und Arbeitswelt, Jeanette Klauza (DGB), Martina Schmerr (GEW), Oliver Venzke (IG BCE) Bernd Ka&szlig;ebaum (IG Metall), Gunther Steffens (ver.di) und Klaus Buchholz (IG Metall).<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Vorwort<\/strong><br>\nNach Ver&ouml;ffentlichung des Beitrags von Wolfgang Lieb, der sich sehr grunds&auml;tzlich und kritisch mit der gewerkschaftlichen Initiative Schule und Arbeitswelt auseinandergesetzt hat, sind die Mitglieder der Steuerungsgruppe auf ihn zugegangen und haben ein Treffen mit ihm verabredet. Ziel war es, mit Wolfgang Lieb &uuml;ber die Kritikpunkte zu sprechen und zu einem Austausch zu kommen. In diesem guten und konstruktiven Gespr&auml;ch konnten einige Punkte konkretisiert und differenziert werden. Dar&uuml;ber hinaus hat sich die Initiative Schule und Arbeitswelt entschlossen, ein Angebot Wolfgang Liebs anzunehmen auch &ouml;ffentlich zu seinem Beitrag Stellung zu nehmen. Wir bedanken uns bei Wolfgang Lieb f&uuml;r die Diskussion und die Ver&ouml;ffentlichung unseres Beitrags.<\/p><p>Am 18. Februar 2011 hat Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten die Aktivit&auml;ten der &bdquo;Initiative Schule und Arbeitswelt&ldquo; von DGB und Einzelgewerkschaften grundlegend in Frage gestellt. Unter dem Titel &bdquo;Gewerkschaften springen auf den falschen Zug auf: Nach der Wirtschaft wollen sich nun auch die Gewerkschaften in die Schule einmischen&ldquo; skizziert er zun&auml;chst verschiedene Versuche von Unternehmen, Wirtschaftsverb&auml;nden und wirtschaftsnahen Think-Tanks, Einfluss auf das &ouml;ffentliche Schulwesen zu nehmen. Dass die Gewerkschaften im Rahmen der &bdquo;Initiative Schule und Arbeitswelt&ldquo; nunmehr ihrerseits Angebote zur Berufsorientierung, zum &Uuml;bergang in die Ausbildung oder zur Unterrichtsgestaltung machen, h&auml;lt Wolfgang Lieb f&uuml;r keine gute Idee. Vielmehr machten sich die Gewerkschaften damit zum &bdquo;Trittbrettfahrer interessenbezogener Einflussnahme auf &ouml;ffentliche Schulen&ldquo; und w&uuml;rden das ohnehin schon weit ge&ouml;ffnete Tor klientelbezogener Einflussnahme auf die Schule noch weiter &ouml;ffnen. Mithin w&uuml;rden die gewerkschaftlichen Aktivit&auml;ten &ndash; so Wolfgang Lieb &ndash; &bdquo;f&uuml;r die Arbeitgeberseite ein Alibi liefern, sich noch intensiver auf Schule zu st&uuml;rzen&ldquo;. <\/p><p>Wir teilen Wolfgang Liebs Beschreibung der schulpolitischen Aktivit&auml;ten der Unternehmerseite und ihres geschickten Vorgehens. Die Beobachtung und Kritik der zunehmenden Einflussnahme der Wirtschaftslobby auf Schulen &ndash; sei es als Markt zuk&uuml;nftiger Kunden oder als Vermittler von Denkweisen &uuml;ber Wirtschaft und Gesellschaft &ndash; betrachtet die &bdquo;Initiative Schule und Arbeitswelt&ldquo; als wichtige Aufgabe. So hat sie zuletzt &ndash; gemeinsam mit der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung (HBS) &ndash; im April 2011 VertreterInnen der Gewerkschaften und WissenschaftlerInnen im Rahmen einer <a href=\"http:\/\/www.wir-gestalten-berufsbildung.de\/wir-ueber-uns\/newsletter\/ausgaben-2011\/einladung-was-unsere-kinder-zukuenftig-denken-oekonomische-bildung-in-allgemeinbildenden-schulen-vom-08-bis-09042011-in-bad-muender\/\">Arbeitstagung in Bad M&uuml;nder die Diskussion &uuml;ber die &ouml;konomische Bildung an Schulen gef&uuml;hrt<\/a>.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Neben einschl&auml;gigen Initiativen der Unternehmerseite im Schulbereich wurde hier insbesondere der massive Wirtschaftslobbyismus im Hinblick auf &ouml;konomische Lehrplaninhalte und ein eigenes Fach &bdquo;Wirtschaft&ldquo; unter die Lupe genommen. Die <a href=\"http:\/\/gew.de\/Privatisierungsreports.html\">GEW<\/a> und die <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/cps\/rde\/xbcr\/SID-E7952903-8DE5B408\/internet\/docs_ig_metall_xcms_168961_168962_2.pdf\">IG Metall [PDF &ndash; 615 KB]<\/a> haben zudem zur Information ihrer Mitglieder Brosch&uuml;ren zu diesem Thema ver&ouml;ffentlicht.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Auch der <a href=\"http:\/\/schule.dgb.de\/arbeitsfelder\/++co++8f0fefea-abc6-11e0-6642-00188b4dc422\/@@index.html\">DGB<\/a>, die anderen Gewerkschaften sowie die Hans-B&ouml;ckler-Stiftung haben &uuml;ber diese problematische Entwicklung berichtet.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Anders als Wolfgang Lieb andeutet, verbinden die Gewerkschaften mit ihren Aktivit&auml;ten keinesfalls die naive Hoffnung, die Arbeitgeberseite &uuml;berbieten oder aushebeln zu k&ouml;nnen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Dazu sind die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse in der Tat viel zu ungleich. Dennoch sind die verschiedenen Ansatzpunkte des Arbeitgeberlagers bei der Entwicklung gewerkschaftlicher Gegenstrategien zu ber&uuml;cksichtigen. Au&szlig;erdem &ndash; und das sei hier richtig gestellt &ndash; geh&ouml;rt es nicht zum Ziel der Initiative, den h&auml;ufig eindimensionalen und klientelgeleiteten Materialien und Konzepten der Arbeitgeber schlicht eine gleicherma&szlig;en ideologisch gef&auml;rbte Variante zur Seite zu stellen. Das Postulat Wolfgang Liebs, wonach &bdquo;die staatlichen Schulen [&hellip;] nicht zum Spielball von gesellschaftlichen Einzelinteressen werden [d&uuml;rfen]&ldquo;, teilen wir ohne Einschr&auml;nkung.<\/p><p>Die Motive der Gewerkschaften basieren vielmehr auf bildungspolitischen Grunds&auml;tzen und gemeinsamen Werten. Die Gewerkschaften wollen &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/Broschuere_Eine_gute_Schule_fuer_alle.html\">Eine gute Schule f&uuml;r alle<\/a>&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]. Eine nicht aussortierende Schule. Eine Schule, die Wert legt auf die Pers&ouml;nlichkeitsbildung, auf die Selbstbestimmung und die Kritik- und Handlungsf&auml;higkeit junger Menschen. Eine Schule, die an den Werten Chancengleichheit und individuelle F&ouml;rderung, Solidarit&auml;t und Respekt, Nachhaltigkeit und Demokratie ausgerichtet ist. <\/p><p>Unser Engagement orientiert sich an Ma&szlig;st&auml;ben, wie sie etwa im &bdquo;Beutelsbacher Konsens&ldquo; niedergelegt wurden: Junge Menschen d&uuml;rfen im Rahmen schulischer Bildungsprozesse nicht durch einseitige und manipulative Darstellungen &bdquo;&uuml;berw&auml;ltigt&ldquo; werden. Vielmehr muss der Unterricht gesellschaftliche Kontroversen &bdquo;multiperspektivisch&ldquo; und ausgewogen abbilden, an der Lebenswelt der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler orientiert sein und darauf abzielen, ihre Urteilsf&auml;higkeit zu verbessern. Die Gewerkschaften vertreten &ndash; im Gegensatz zu den meisten Wirtschaftsverb&auml;nden &ndash; einen umfassenden Bildungsbegriff. Wir wollen eine <strong>sozio&ouml;konomische<\/strong> Bildung, die diesem Anspruch und den Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern gerecht wird und die Wirtschaftsorganisation und die Arbeitswelt in alle ihren Facetten beinhaltet. Die politischen und gesellschaftlichen Zusammenh&auml;nge von Arbeit und Wirtschaft ebenso einbindet wie soziale, ethische, rechtliche und &ouml;kologische Aspekte.<br>\nEs ist der Anspruch des DGB und der Gewerkschaften, dass Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler unabh&auml;ngig von rein wirtschaftlich geleiteten Interessen ihren beruflichen und privaten Lebensweg aktiv und eigenverantwortlich gestalten k&ouml;nnen.<\/p><p>Die gewerkschaftliche &bdquo;Initiative Schule und Arbeitswelt&ldquo; nahm ihren Ausgang in Folge der ersten PISA-Studie, die neben dem Leistungsproblem die erschreckende soziale Ungerechtigkeit des deutschen Schulwesens zum Thema der &ouml;ffentlichen Diskussion machte. Wo Schule zuvor zumeist als Politik-Dom&auml;ne der GEW betrachtet wurde, haben seither auch weitere DGB-Gewerkschaften die Bildungspolitik aufgewertet. Es geht ihnen um die Bildungs- und damit um die Lebens- und Erwerbschancen der Kinder ihrer Mitglieder. Deswegen wollen und m&uuml;ssen sich die Gewerkschaften einmischen.<\/p><p>Seither haben IG BCE, GEW, IG Metall, ver.di und DGB &ndash; teilweise mit Unterst&uuml;tzung der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung (HBS) &ndash; verschiedene Aktivit&auml;ten und Angebote entwickelt. Das inhaltliche Spektrum umfasst: <\/p><ul>\n<li>lokale Aktivit&auml;ten zu Schulpolitik oder &bdquo;Schule und Arbeitswelt&ldquo;,<\/li>\n<li>Angebote zur Berufs- und Arbeitsweltorientierung, <\/li>\n<li>Vermittlung von betrieblichen Kontakten oder Betriebserkundungen,<\/li>\n<li>Produktion und Verbreitung von Unterrichtsmaterialien,<\/li>\n<li>Lehrerfortbildungen,<\/li>\n<li>Aktivit&auml;ten zum Themenfeld &Ouml;konomische Bildung.<\/li>\n<\/ul><p>Viele dieser Aktivit&auml;ten w&auml;ren ohne das Engagement von ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen, die zum Teil unter &auml;u&szlig;erst schwierigen zeitlichen und materiellen Bedingungen den Kontakt zu Schulen halten oder Veranstaltungen &ndash; auch schulischer Art &ndash; bestreiten, nicht denkbar. Die Initiative Schule und Arbeitswelt will innerhalb der Gewerkschaften Aufmerksamkeit schaffen und die Motivation und das Commitment von Kolleginnen und Kollegen f&ouml;rdern bzw. erhalten. Die Argumente Wolfgang Liebs k&ouml;nnen den Kritikern innerhalb der Gewerkschaften weitere Argumente an die Hand geben oder KollegInnen aus der Initiative entmutigen. Es ist uns daher ein wichtiges Anliegen, uns mit ihnen auseinander zu setzen. <\/p><p>Einen kleinen, ja bescheidenen Teil dieses hohen Anspruchs an die Bildung unserer Kinder versucht die Initiative einzul&ouml;sen, indem sie ihre gewerkschaftliche Expertise aus der Arbeitswelt und der Interessenvertretung einbringt. Dies tut sie durch Projekte zur Berufsorientierung und Lebensplanung, durch Einblicke in die Produktionsweise aus Arbeitsnehmersicht, durch Unterrichtsmaterialien zur Mitbestimmung, durch Lehrerfortbildungen zur Wirtschafts- und Finanzkrise und dergleichen.  Gewerkschaftliche Positionen, differenzierte Sichtweisen der Sozio&ouml;konomie sowie viele Facetten des Arbeitslebens &ndash; zum Beispiel Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Interessenvertretung &ndash; sind in Schulen unterbelichtet. Die Initiative tr&auml;gt damit nicht zuletzt dem schlichten Umstand Rechnung, dass die meisten Kinder sich sp&auml;ter einmal in der Welt der Arbeitnehmer bewegen werden und nicht im Unternehmerreich. Eine &bdquo;Arbeitnehmerbildung&ldquo; ist jedoch in den wirtschaftsnahen Konzepten kaum vorgesehen. <\/p><p>Ein schwerwiegender Einwand Wolfgang Liebs gegen die Aktivit&auml;ten der &bdquo;Initiative Schule und Arbeitswelt&ldquo; lautet, dass diese &bdquo;den Arbeitgebern eine Legitimation geben [werden], so weiter zu machen wie bisher&ldquo;. Damit &uuml;bersch&auml;tzt er jedoch die M&ouml;glichkeiten und die Reichweite unseres Tuns ganz erheblich. Was w&uuml;rde sich an dem Engagement der Unternehmer und Arbeitgeber &auml;ndern, wenn die Gewerkschaften ihre einschl&auml;gigen Aktivit&auml;ten einstellen w&uuml;rden? Nichts. Nie haben die Wirtschaftslobbyisten ihr Tun als Reaktion auf gewerkschaftliche Aktivit&auml;ten begriffen. Vielmehr beschw&ouml;ren sie seit einigen Jahren durch ein gut funktionierendes Netzwerk die Unternehmerfeindlichkeit schulischer Inhalte und erhebliche &ouml;konomische Wissensdefizite junger Menschen. Sie versuchen auf diese Weise, die Hoheit &uuml;ber die &ouml;ffentliche Diskussion zu &bdquo;&Ouml;konomischer Bildung&ldquo; zu erlangen und ihre neoliberalen Vorstellungen zu implementieren.<\/p><p>Dass manche von ihnen dabei Schulen regelrecht &uuml;bersch&uuml;tten mit einschl&auml;gigen Unterrichtsmaterialien &ndash; freilich stets zu hochaktuellen Fragen und bisweilen mit &auml;u&szlig;erst gewerkschafts- und mitbestimmungskritischen T&ouml;nen &ndash; und dass sich Lehrkr&auml;fte teilweise h&auml;nderingend an die Gewerkschaften wenden, um auch aktuelles Material aus gewerkschaftlicher oder Arbeitnehmersicht zu bekommen, d&uuml;rfte an sich schon Grund genug sein, als Gewerkschaften aktiv zu sein. <\/p><p>Statt des &bdquo;kl&auml;glichen Versuchs&ldquo; der Gewerkschaften, &bdquo;Inhalte aus der Arbeitswelt den &ouml;konomischen Ideologien der Wirtschaftsverb&auml;nde und ihrer Lobbyorganisationen entgegenzustellen&ldquo;, sollten die Gewerkschaften &ndash; so Wolfgang Lieb &ndash; zum einen darauf hinwirken, &bdquo;dass die einseitigen Einfl&uuml;sse endlich wieder tabuisiert werden&ldquo; und dass die Gestaltung schulischer Lernziele in einem demokratischen Verfahren aller gesellschaftlichen Interessengruppen erarbeitet werden, so auch etwa in Schulbuchkommissionen. Mit diesen beiden Forderungen wird sich die Initiative auseinander setzen. M&ouml;glicherweise haben die Gewerkschaften bisher die wirtschaftslobbyistische Einflussnahme auf das &ouml;ffentliche Schulwesen nicht ausreichend, &ouml;ffentlichkeits- und politikwirksam genug verurteilt. Ob es damit getan ist, ist jedoch angesichts gesellschaftlicher Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse, der Wirkungsmacht und der Pseudo-Neutralit&auml;t marktradikaler, neoliberaler Ideologien mehr als fraglich. <\/p><p>F&uuml;r Wirtschaftsvertreter stehen &ndash; das stellt Wolfgang Lieb richtig fest &ndash; die Tore der Bildungsverwaltung und &ndash;politik schon seit Jahren selbstverst&auml;ndlich und weit offen. Sie spazieren hindurch als unverd&auml;chtige zuk&uuml;nftige Arbeitgeber, deren Anspr&uuml;chen viele junge Schulabsolventinnen und -absolventen nicht gen&uuml;gen, oder auch als Geldgeber f&uuml;r oder Nutzer von Bildungsprogrammen. Das Etikett der weltanschaulichen Einseitigkeit haftet dabei zumeist dem anderen Sozialpartner &ndash; den Gewerkschaften &ndash; an. Dass sich nunmehr endlich <a href=\"http:\/\/www.iboeb.org\/\">auch in den Reihen von WissenschaftlerInnen &ouml;ffentlich beachteter Protest regt und die Legitimation dieser Entwicklungen einfordert<\/a>, begr&uuml;&szlig;en und unterst&uuml;tzen wir.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Auch den Hinweis Wolfgang Liebs, dass sich die Gewerkschaften bisher zu wenig in die institutionellen demokratischen Verfahren der Schulorganisation eingebracht haben, nehmen wir sehr ernst und werden wir pr&uuml;fen.  Auch wir stellen Defizite der bildungspolitischen Interessenvertretung der Gewerkschaften fest. Allerdings &uuml;bersch&auml;tzt Wolfgang Lieb wom&ouml;glich die Erfolgsaussichten auf den benannten Feldern. Abgesehen davon, dass der f&ouml;derale Flickenteppich eine gro&szlig;e H&uuml;rde darstellt, werden die &bdquo;gesellschaftlichen Interessengruppen&ldquo; selten bereits bei Erarbeitungsverfahren eingebunden, sondern allenfalls in manchen L&auml;ndern und zu manchen Themen angeh&ouml;rt. Und auch das im Gro&szlig;en und Ganzen nur bei gesetzgebenden Verfahren. In Kommissionen f&uuml;r Lehrpl&auml;ne und Bildungsstandards wird allenfalls der parteipolitische Proporz beachtet und bei Schulb&uuml;chern werden in der Regel Einzelpersonen qua ihrer fachlichen Qualifikation einbezogen, nicht jedoch gesellschaftliche Interessengruppen. Dennoch &ndash; und hier geben wir Wolfgang Liebs Kritik durchaus recht &ndash; muss der Weg institutioneller demokratischer Einflussnahme die Aktivit&auml;ten der Gewerkschaften f&uuml;r und an Schulen erg&auml;nzen oder mindestens flankieren. Ersetzen k&ouml;nnen wird sie diese &ndash; allein schon wegen der Flut &bdquo;grauer&ldquo; Unterrichtsmaterialien und aktueller Schulprojekte auf dem Tagesmarkt &ndash; unseres Erachtens nicht.  <\/p><p>Wolfgang Lieb sagt schlie&szlig;lich den gewerkschaftlichen Aktivit&auml;ten zu Schule und Arbeitswelt allein schon wegen der fehlenden &bdquo;Waffengleichheit bei den finanziellen Ressourcen&ldquo; voraus, dass sie im Sande verlaufen d&uuml;rften. Da wir &ndash; wie oben bereits erw&auml;hnt &ndash; nicht der Illusion erliegen, es in Masse und Ausstattung den Unternehmern gleichtun zu k&ouml;nnen, machen wir den Erfolg unserer Initiative indessen von einer Reihe weiterer Fragen abh&auml;ngig:<br>\nWie stark gelingt es uns, Kolleginnen und Kollegen in Betrieben, aber auch Lehrkr&auml;fte an Schulen f&uuml;r gemeinsame Projekte zu gewinnen? Wie k&ouml;nnen wir in Zukunft die Qualit&auml;t unserer Aktivit&auml;ten und Materialien sicher stellen? Wie schaffen wir es, das Thema Bildung (weiterhin und) zunehmend in der allgemeinen Gewerkschaftsagenda, aber auch in den regionalen gewerkschaftlichen Aktivit&auml;ten zu verankern?<\/p><p>Misserfolg und Erfolg unserer Aktivit&auml;ten liegen eng beieinander. F&uuml;r den nachhaltigen Erfolg ist notwendig, dass diese gemeinsame schulpolitische Arbeit auf eine breitere Basis gestellt wird und sich mehr GewerkschafterInnen engagieren. Dies kann nur gelingen, wenn sie von den Verantwortlichen, von den gewerkschaftlichen Gremien und Gliederungen unterst&uuml;tzt werden. Daran zu arbeiten, betrachten wir als eine Zukunftsaufgabe. <\/p><p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Ich bin den Kolleginnen und Kollegen dankbar f&uuml;r diese Replik. Sehr gefreut habe ich mich auch &uuml;ber die angenehme und konstruktive Diskussion am 29. April in Frankfurt a.M. Was kann man sich mehr w&uuml;nschen, als wenn auf einen kritischen Beitrag auf den NachDenkSeiten ein konstruktiver Dialog stattfindet?<\/em> <\/p><p><em>Ich habe mich davon &uuml;berzeugen lassen, dass aus der Lehrerschaft ein Bedarf f&uuml;r Materialien zur &ouml;konomischen Bildung vorhanden ist und von vielen Lehrerinnen und Lehrern auch von den Gewerkschaften ein entsprechendes Engagement erwartet wird. Vor allem aber, dass man diesen Bedarf nicht nur durch die Unternehmerseite oder durch wirtschaftliche Interessengruppen abdecken lassen sollte.<\/em> <\/p><p><em>Nach diesem Gespr&auml;ch will ich gerne eingestehen, dass meine damals gew&auml;hlte &Uuml;berschrift &bdquo;Die Gewerkschaften springen auf den falschen Zug auf&ldquo; die Realit&auml;t nicht (mehr) trifft: Der Zug ist (leider) l&auml;ngst abgefahren, ja noch mehr, er l&auml;sst sich auch nicht mehr aufhalten. Eine Skandalisierung der einseitigen, interessenbezogenen Einflussnahme von Unternehmer(verb&auml;nden) auf die &ouml;konomische Bildung, geht (leider) inzwischen auch an der politischen Praxis nahezu aller Schulbeh&ouml;rden vorbei.<br>\nDie Kultusministerien haben f&uuml;r solche Einflussnamen auf die Inhalte &ouml;konomischer Schulbildung T&uuml;r und Tor ge&ouml;ffnet und es besteht kaum Aussicht hier wieder einen Riegel vorzuschieben. Und es belegt nur die Dominanz des vorherrschenden &ouml;konomischen Denkens, dass die oft unverhohlen einer Unternehmerlogik folgenden Lehrmaterialien von den Kultusbeh&ouml;rden als neutral oder gar &bdquo;wissenschaftlich&ldquo; betrachtet werden, w&auml;hrend die &bdquo;multiperspektivischen&ldquo; Sichtweise in den gewerkschaftlichen Unterrichtshandreichungen h&auml;ufig als ideologisch gef&auml;rbt abgetan wird. Das ist geradezu paradox.<\/em> <\/p><p><em>Das Einfallstor sind die f&uuml;r den &ouml;konomischen Unterricht besonders geeigneten &bdquo;Unterrichtsmaterialien&ldquo;. Diese k&ouml;nnen (auch um &ndash; didaktisch sinnvoll &ndash; aktuelle Diskussionen im Unterricht aufgreifen zu k&ouml;nnen) durch (meist veraltete) Lehrb&uuml;cher offenbar nicht ersetzt werden.<\/em><br>\n<em>Im &Uuml;brigen halte ich es durchaus f&uuml;r sinnvoll, wenn auch die Gewerkschaften sich bei der Vermittlung von Betriebspraktika oder mit Rat und Tag bei der Berufsorientierung einschalten.<\/em><\/p><p><em>Bei meinem Gespr&auml;ch mit den Kolleginnen und Kollegen in Frankfurt wurde ich mit Material der gewerkschaftlichen Initiative Schule und Arbeitswelt &uuml;berh&auml;uft. Ich habe mir die Materialien gr&uuml;ndlich angesehen und kann nur best&auml;tigen, dass die Inhalte den in dieser Replik beschriebenen p&auml;dagogischen Zielen und Werten verpflichtet sind.<\/em><br>\n<em>Umso mehr sollten die (meist) einseitig interessenbezogenen (ideologisch gef&auml;rbten) Einflussnahmen der Unternehmensseite in der Kritik von Lehrerinnen und Lehrern, aber vor allem auch der Schulbeh&ouml;rden stehen. Der &bdquo;Beutelsbacher Kompromiss&ldquo;, wonach Sch&uuml;ler nicht &bdquo;&uuml;berw&auml;ltigt&ldquo; (also indoktriniert) werden d&uuml;rfen, wird bei vielen Unterrichtsmaterialien aus der Wirtschaft mehr als gesprengt.<\/em> <\/p><p><em>Es ist leider so, dass das Engagement der gewerkschaftlichen Kolleginnen und Kollegen auf dem Feld der Schule eher eine &bdquo;Selbstausbeutung&ldquo; darstellt, weil die Gewerkschaftsorganisationen daf&uuml;r viel zu wenig Ressourcen zur Verf&uuml;gung stellen (k&ouml;nnen). Von einer &bdquo;Waffengleichheit&ldquo; ist man, angesichts der Summen und der Mengen, die von der Wirtschaft daf&uuml;r eingesetzt werden, weit entfernt. Allerdings sehe ich ein, dass von gewerkschaftlicher Seite trotz dieses Ungleichgewichts die &bdquo;Waffen&ldquo; auch nicht gleich niedergelegt werden d&uuml;rfen.<\/em> <\/p><p>Es w&auml;re sch&ouml;n, wenn der begonnene Diskurs in den Gewerkschaften auf fruchtbaren Boden treffen w&uuml;rde und die gesellschaftspolitische Bedeutung der Bildung noch st&auml;rker in den Vordergrund gewerkschaftlichen Engagements ger&uuml;ckt werden k&ouml;nnte. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] &bdquo;Was unsere Kinder zuk&uuml;nftig denken &ndash; &Ouml;konomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen&ldquo;. Arbeitstagung der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung und der gewerkschaftlichen Initiative Schule und Arbeitswelt am 8.\/9. April 2011 in Bad M&uuml;nder <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Siehe: IG Metall (Hg.): Wirtschaft in der Schule. Die Auseinandersetzung um &ouml;konomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen. Dezember 2010. Online unter: <a href=\"http:\/\/www.igmetall.de\/\">www.igmetall.de<\/a> (&uuml;ber Suchfunktion &bdquo;Wirtschaft in der Schule&ldquo;) sowie: GEW-Privatisierungsreporte 1-13, online unter: www.gew.de\/Privatisierungsreports.html<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"http:\/\/schule.dgb.de\/arbeitsfelder\">Schule DGB &ndash; Arbeitsfelder<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Alleine der Arbeitskreis Schule und Wirtschaft hat &uuml;ber 400 regionale Netzwerke<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Siehe den gleichnamigen Beschluss des DGB-Bundeskongresses von 2006<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Siehe die &bdquo;Initiative f&uuml;r eine bessere &ouml;konomische Bildung&ldquo; (ib&ouml;b) um Reinhold Hedtke et. al. (<a href=\"http:\/\/www.iboeb.org\">www.iboeb.org<\/a>)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Replik auf Wolfgang Liebs Beitrag &bdquo;<a href=\"\/?p=8373\">Gewerkschaften springen auf den falschen Zug auf: Nach der Wirtschaft wollen sich nun auch die Gewerkschaften in die Schule einmischen<\/a>&ldquo; vom 18. Februar 2011.<br \/> Von den Mitgliedern der Steuerungsgruppe der Initiative Schule und Arbeitswelt, Jeanette Klauza (DGB), Martina Schmerr (GEW), Oliver Venzke (IG BCE) Bernd Ka&szlig;ebaum (IG Metall),<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10085\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,109,129],"tags":[377,409,517,508],"class_list":["post-10085","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-gewerkschaften","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-bildung-als-ware","tag-bildungschancen","tag-dgb","tag-wirtschaft-in-der-schule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10085"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23175,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10085\/revisions\/23175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}