{"id":100869,"date":"2023-07-12T09:00:47","date_gmt":"2023-07-12T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100869"},"modified":"2023-07-12T09:43:24","modified_gmt":"2023-07-12T07:43:24","slug":"vor-80-jahren-fand-die-groesste-panzerschlacht-der-geschichte-am-kursker-bogen-statt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100869","title":{"rendered":"Vor 80 Jahren fand die gr\u00f6\u00dfte Panzerschlacht der Geschichte am Kursker Bogen statt"},"content":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Roman &bdquo;Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen&ldquo;. Von <strong>Wolfgang Bittner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Radio wird &uuml;ber das Unternehmen Zitadelle berichtet. Es ist Sommer, ein sch&ouml;ner sonniger Tag im Juli 1943, und an der Ostfront beginnt mit einem Angriff auf Kursk eine Gro&szlig;offensive der deutschen Wehrmacht. Hitler will jetzt mit einem Schlag die sowjetischen Armeen des sich &uuml;ber 200 Kilometer erstreckenden &ouml;stlichen Frontbogens vernichten. Der Volksempf&auml;nger meldet, dass 625&nbsp;000 Soldaten, darunter Truppen der Waffen-SS-Division &bdquo;Das Reich&ldquo; mit 2700 Panzern, Artillerie und 1300 Kampfflugzeugen auf die russischen Stellungen vorsto&szlig;en.<\/p><p>Aus dem &Auml;ther schallt der Tagesbefehl des Kommandeurs der 7.&nbsp;Infanterie-Division, Generalleutnant Fritz-Georg von Rappard: &bdquo;Soldaten! Die Stunde des Angriffs ist gekommen. Ich wei&szlig;, dass jeder von euch seine Pflicht bis zum Letzten erf&uuml;llen wird. Ihr werdet an die siegreichen Fahnen der Division, die in Polen, Frankreich und bis vor die Tore Moskaus den Feind vor sich hergejagt und die auch in zwei Jahren der Verteidigung auf russischer Erde allen Angriffen standgehalten hat, neuen Ruhm heften. Unsere Gefallenen schauen auf euch herab. Unser Gru&szlig; und unsere Hingabe gilt Deutschland und seinem geliebten F&uuml;hrer.&ldquo;<\/p><p>Die Gro&szlig;mutter sitzt am K&uuml;chentisch und sch&auml;lt Kartoffeln. &bdquo;Mein Gott&ldquo;, sagt sie best&uuml;rzt. &bdquo;Ist nicht der Albert von den Pissarskis in dieser SS-Division?&ldquo; Sie h&auml;lt einen Moment inne. &bdquo;Wie soll das nur weitergehen?&ldquo; Mariya, die an der Anrichte Gem&uuml;se putzt, bekreuzigt sich. Ihr Freund, der Marcin, ist in der 7.&nbsp;Infanterie-Division. Sie faltet die H&auml;nde und schickt ein Sto&szlig;gebet zum Himmel: &bdquo;Heilige Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte f&uuml;r uns S&uuml;nder jetzt und in der Stunde unseres Todes.&ldquo;<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>Am 17.&nbsp;Juli meldet das Oberkommando der Wehrmacht, dass der Kommandeur der 6.&nbsp;Panzer-Division, Generalmajor Walther von H&uuml;nersdorff, Tr&auml;ger des Deutschen Kreuzes in Gold und des Ritterkreuzes, im Verlauf der Panzerschlacht von Kursk schwer verwundet wurde und f&uuml;r F&uuml;hrer, Volk und Vaterland gefallen ist. Es war den deutschen Truppen nicht gelungen, auch nur ansatzweise die starken Befestigungen der Sowjets zu durchbrechen. Hitler gab pers&ouml;nlich den R&uuml;ckzugsbefehl; ihm blieb nichts anders &uuml;brig, wollte er nicht die gesamte bei Kursk eingesetzte Streitmacht verlieren. Im Ersten Weltkrieg hatte es noch gehei&szlig;en: &hellip; f&uuml;r Kaiser, Volk und Vaterland.<\/p><p>Auf deutscher Seite etwa 50&nbsp;000 Tote und Verletzte, 350 abgeschossene Panzer, zahlreiche zerst&ouml;rte Gesch&uuml;tze und Flugzeuge. Die Rote Armee verlor etwa 250&nbsp;000 Soldaten, 2600 Panzer, 4000 Artilleriegesch&uuml;tze, zahlreiche Flugzeuge. Die Angriffspl&auml;ne waren der sowjetischen F&uuml;hrung schon lange vor Beginn der Offensive bekannt gewesen, die Front bei Kursk zu einer gewaltigen Feldbefestigung bis zu hundert Kilometer ins Hinterland ausgebaut worden. Ein Schlag ins Wasser, ein Mordunternehmen, von vornherein chancenlos. Der vor Kursk verwundete Freund von Mariya berichtet sp&auml;ter mit zitternder Stimme von einem Inferno ohnegleichen und dass er geglaubt habe, der Weltuntergang sei gekommen.<\/p><p>(&hellip;)<\/p><p>In Gleiwitz ist der Krieg noch weit weg, aber er r&uuml;ckt immer n&auml;her. Mit der Vernichtung der 6.&nbsp;Armee in Stalingrad beginnt der Vormarsch der Roten Armee auf die Grenzen des Deutschen Reichs. Aber der Volksempf&auml;nger k&uuml;ndet nach wie vor von der Einsatzbereitschaft und dem Mut des deutschen Soldaten und von den Erfolgen der Wehrmacht. Fliegerass Hans-Ulrich Rudel schoss mit seiner Ju&nbsp;87&nbsp;G, die mit zwei 3,7-Zentimeter-Panzerabwehrkanonen ausger&uuml;stet war, an einem Tag zehn russische Panzer vom Typ T-34 ab und erh&auml;lt h&ouml;chste Auszeichnungen: Frontflugspange in Gold mit Brillanten, Deutsches Kreuz in Gold, Eisernes Kreuz&nbsp;2. und 1.&nbsp;Klasse, Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.<\/p><p>Marcin, der Freund von Mariya, sitzt in der K&uuml;che am Tisch und isst einen Teller der guten Gulaschsuppe, den ihm die Gro&szlig;mutter hingestellt hat. Der junge Mann, stoppelhaarig, hager und mit einem alten Gesicht, macht einen depressiven Eindruck. Mit achtzehn hatte er sich freiwillig gemeldet, war zur Infanterie gekommen. Die Mutter, Polin aus Tschenstochau, und der Vater, ein Gleiwitzer Bergmann, waren strikt dagegen gewesen, aber Marcin w&auml;re sowieso eingezogen worden. Besser als die Plackerei als Hilfsarbeiter im Stra&szlig;enbau, hatte er gedacht, mal rauskommen aus dem Dreck, was Neues sehen, Abenteuer erleben. Und was hat er erlebt? Den nackten Horror, sagt er. Und wo war er gelandet? Im Dreck, sagt er. Die unbesiegbare deutsche Armee ist im russischen Dreck steckengeblieben, sagt er, wie schon Napoleon. Er ist nicht ungebildet.<\/p><p>&bdquo;Pst, nicht so laut&ldquo;, bremst ihn Mariya. Sie schaut die Gro&szlig;mutter an, zu der sie Vertrauen hat. Die Gro&szlig;mutter nickt Marcin zu, sie versteht ihn. Die Schlacht bei Kursk hat er mit einem Streifschuss am Kopf &uuml;berstanden, inzwischen sind die Haare nachgewachsen und es ist kaum noch etwas davon zu sehen. &bdquo;Noch mal dem Tod von der Schippe gesprungen&ldquo;, sagt er und tut so, als sei nicht viel passiert. Er wurde zum Obergefreiten bef&ouml;rdert und hat f&uuml;r seinen Einsatz an der Front die Nahkampfspange und das Verwundetenabzeichen erhalten. Das bekommt man nicht umsonst, vor allem nicht die Nahkampfspange.<\/p><p>Als ihn die Gro&szlig;mutter nach Einzelheiten fragt, bricht es aus ihm heraus: &bdquo;Tausende Tote, es ist zum Verzweifeln, es ist entsetzlich. Fast alle meine Kameraden sind gefallen, und die jungen, die hinzukommen &ndash; es sind fast noch Kinder &ndash;, sterben oft schon in der ersten Woche. Die Russen greifen st&auml;ndig an, wir ziehen uns immer weiter zur&uuml;ck. Jetzt kommt der Winter und wir haben nicht einmal geeignete Klamotten.&ldquo; Er fl&uuml;stert: &bdquo;Ihr k&ouml;nnt euch das nicht vorstellen, am liebsten w&uuml;rde ich weglaufen.&ldquo; Aber in drei Tagen muss er zur&uuml;ck an die Front, um in diesem Krieg, der ihn seine physische und psychische Gesundheit kostet und den er f&uuml;r verloren h&auml;lt, weiterzuk&auml;mpfen.<\/p><p>&bdquo;Hoffentlich desertiert der Marcin nicht&ldquo;, sagt der Gro&szlig;vater beim Abendessen. &bdquo;Wer desertiert, wird hingerichtet.&ldquo; (&hellip;)<\/p><p>(Aus: Wolfgang Bittner, &bdquo;Die Heimat, &bdquo;der Krieg und der Goldene Westen&ldquo;, Roman, Verlag zeitgeist 2019)<\/p><p>Titelbild: Blick auf die Schneekoppe, h&ouml;chste Erhebung des Riesengebirges, fr&uuml;her Schlesien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus dem Roman &bdquo;Die Heimat, der Krieg und der Goldene Westen&ldquo;. 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