{"id":100878,"date":"2023-07-12T12:00:55","date_gmt":"2023-07-12T10:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100878"},"modified":"2023-07-12T16:57:03","modified_gmt":"2023-07-12T14:57:03","slug":"denkfabrik-swp-praesentiert-drei-optionen-fuer-dauerhafte-sicherheit-der-ukraine-demilitarisierung-russlands-aufbau-eines-atomwaffenarsenals-oder-nato-beitritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100878","title":{"rendered":"Denkfabrik SWP pr\u00e4sentiert drei Optionen f\u00fcr \u201edauerhafte Sicherheit der Ukraine\u201c: Demilitarisierung Russlands, Aufbau eines Atomwaffenarsenals oder NATO-Beitritt"},"content":{"rendered":"<p>Die 1962 auf Initiative des Bundesnachrichtendienstes gegr&uuml;ndete Denkfabrik &bdquo;Stiftung f&uuml;r Wissenschaft und Politik&ldquo; (SWP), deren zentrale Aufgabe es ist, die Bundesregierung zu beraten, hat vor dem aktuellen NATO-Gipfel eine Analyse mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/dauerhafte-sicherheit-fuer-die-ukraine\">&bdquo;Dauerhafte Sicherheit f&uuml;r die Ukraine&ldquo;<\/a> vorgelegt. Die Autorinnen, Claudia Major und Margarete Klein, erkl&auml;ren in dem Dokument, &bdquo;drei Optionen k&ouml;nnen die Sicherheit der Ukraine maximal, verl&auml;sslich und dauerhaft gew&auml;hrleisten&ldquo;. Die dann aufgef&uuml;hrten Optionen sind ein Offenbarungseid f&uuml;r den Geisteszustand des wichtigsten regierungsnahen Thinktanks der Bundesrepublik. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3314\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-100878-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=100878-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230712_Denkfabrik_SWP_zur_Ukraine_Demilitarisierung_Russlands_Atomwaffenarsenal_oder_NATO_Beitritt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit diesem Tweet zum &bdquo;Israel-Modell&ldquo; f&uuml;r die Ukraine, welches zu Beginn dieser Woche US-Pr&auml;sident Biden ins Spiel gebracht hatte, machte Claudia Major, ihres Zeichens Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der SWP, auf ihre Analyse aufmerksam:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Israelmodell heisst: <br>&ndash; starke Streitkr&auml;fte<br>&ndash; bilaterale Vertr&auml;ge<br>&ndash; Atomwaffen.<\/p>\n<p>Reproliferation ist nicht anstrebenswert. <\/p>\n<p>Was gibt es sonst f&uuml;r Optionen f&uuml;r maximale Sicherheit f&uuml;r&#127482;&#127462;? <br>Mehr zu NATO-Beitritt, Sicherheitsgarantien vs -zusagen hier: &#128071;<a href=\"https:\/\/t.co\/VPqzJj7r4D\">https:\/\/t.co\/VPqzJj7r4D<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Claudia Major (@ClaudMajor) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ClaudMajor\/status\/1678296651478323200?ref_src=twsrc%5Etfw\">July 10, 2023<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p>Das acht Seiten umfassende Analysepapier f&auml;ngt schon im ersten Satz mit einer nicht belegten und bis heute auch nicht belegbaren Behauptung an, die da lautet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die erneute russische Invasion hat der Frage nach internationalen Sicherheitsgarantien f&uuml;r die Ukraine neue Dringlichkeit verliehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Nutzung von &bdquo;erneute russische Invasion&ldquo; impliziert, es h&auml;tte bereits vor dem 24. Februar 2022 eine solche gegeben. Doch sowohl die Bundesregierung wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages und sogar Ver&ouml;ffentlichungen der SWP selbst hatten diese Behauptung bisher immer als nicht belegbar bezeichnet. So schreibt beispielsweise der Wissenschaftliche Dienst in einem Gutachten im Dezember 2019 zum Thema <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/672712\/2a08c849f9d72846dab01a017ac40ce2\/WD-2-137-19-pdf-data.pdf\">&bdquo;Intervention in B&uuml;rgerkriegsgebieten: Zur Rolle Russlands im Ost-Ukraine-Konflikt&ldquo;<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Territorialkonflikt weist klassische Z&uuml;ge eines nicht internationalen (internen) bewaffneten Konflikts auf. &Uuml;ber Umfang, Qualit&auml;t und Ausma&szlig; der milit&auml;rischen Involvierung Russlands im Ukraine-Konflikt gibt es neben wenigen belastbaren Fakten und Analysen vor allem zahlreiche Spekulationen, zum Teil widerspr&uuml;chliche Berichte und Pressemeldungen, verschiedene Dementi, aber insgesamt kein eindeutiges Lagebild. Auch der Bundesregierung liegen nach eigenen Angaben offenbar keine belastbaren Erkenntnisse vor.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im weiteren Verlauf wird dann vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages auf ein SWP-Analysepapier von 2019 mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publications\/products\/studien\/2019S03_fhs.pdf\">&bdquo;Der Donbass-Konflikt &ndash; Widerstreitende Narrative und Interessen, schwieriger Friedensprozess&ldquo;<\/a> verwiesen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine aktuelle politikwissenschaftliche Analyse der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) thematisiert u.a. die fragile Faktenlage: &bdquo;(&hellip;) Belastbare Informationen &uuml;ber die nicht von Kiew kontrollierten Teile der ukrainisch-russischen Grenze sind rar. Die OSZE-Mission hat, ungeachtet ihres umfassenden Mandats, nur eingeschr&auml;nkten Zugang zu diesem Gebietsstreifen (&hellip;).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese faktisch nicht belegbare Einstiegsbehauptung steht dann auch sinnbildlich f&uuml;r den gesamten Charakter dieser &bdquo;Analyse&ldquo;: Spekulation und Wunschdenken statt Analyse und Fakten.<\/p><p>Im ersten Kapitel unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Ukrainische und europ&auml;ische Interessen&ldquo; werden systematisch und jeder ernsthaften Analyse hohnsprechend deutsche, europ&auml;ische und ukrainische Interessen vermengt und erkl&auml;rt, ukrainische Interessen entspr&auml;chen automatisch deutschen und EU-Interessen. Der als EU-Korrespondent in Br&uuml;ssel t&auml;tige Journalist Eric Bonse hat die Widerspr&uuml;che, Spekulationen und unzul&auml;ngliche &bdquo;Argumentation&ldquo; in diesem Kapitel der SWP-Analyse umfassend in seinem Artikel <a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/wenn-deutsche-experten-aus-sicht-der-ukraine-argumentieren\/\">&bdquo;Wenn deutsche Experten die europ&auml;ische Sicherheit &bdquo;aus Sicht der Ukraine&ldquo; definieren&ldquo;<\/a> aufgearbeitet. Wir widmen uns daher ausf&uuml;hrlich dem darauffolgenden Kapitel, welches von Medien bisher weder aufgegriffen, geschweige denn kritisch durchleuchtet wurde und mit folgender Behauptung eingeleitet wird:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Drei Optionen k&ouml;nnen die Sicherheit der Ukraine maximal, verl&auml;sslich und dauerhaft gew&auml;hrleisten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dann werden diese drei Optionen n&auml;her vorgestellt:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Die erste Option besteht in der Demilitarisierung Russlands. Dazu w&auml;re eine Reduzierung der Streitkr&auml;fte und der R&uuml;stungsindustrie auf ein Ma&szlig; n&ouml;tig, das Selbstverteidigung gestattet, aber keine Offensivoperationen. Flankiert werden m&uuml;sste dies durch eine Demilitarisierung der strategischen Kultur. Diese ver&auml;ndert sich indes nur &uuml;ber langfristige Sozialisationsprozesse oder externe Schocks. F&uuml;r Letzteres w&auml;re eine eindeutige Niederlage gegen die Ukraine notwendig. Aber selbst dann k&ouml;nnte sich die Ukraine nur bei einer gleichzeitigen Denuklearisierung des russischen Milit&auml;rpotenzials sicher f&uuml;hlen.&ldquo;<\/li>\n<li>&bdquo;Die zweite Option liegt darin, dass die Ukraine ihr Abschreckungspotenzial durch eine unilaterale Nuklearisierung st&auml;rkt, das hei&szlig;t entweder ein Atomwaffenarsenal aufbaut oder mittels einer Ank&uuml;ndigung Druck erzeugt. Sollte die Ukraine diesen Weg w&auml;hlen, w&uuml;rde sie sich dem israelischen Modell ann&auml;hern, das auf starken Streitkr&auml;ften, Atomwaffen und bilateralen Abkommen beruht (&hellip;).<\/li>\n<li>&bdquo;Als dritte Option die Einbindung der Ukraine in bi- oder multilaterale Systeme kollektiver Verteidigung. (&hellip;) Die abschreckende Wirkung gegen&uuml;ber Moskau (lie&szlig;e sich) am effektivsten durch eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine erzielen.&ldquo;<\/li>\n<\/ul><p>Diese hinter diesen Darlegungen stehende analytische Bankrotterkl&auml;rung muss man sich noch einmal vor Augen f&uuml;hren. Die Denkfabrik, welche als zentrale Aufgabe hat, die Bundesregierung zu beraten, und <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/die-swp\/ueber-uns\">von sich selbst behauptet<\/a>, sie unterscheide sich von anderen Thinktanks durch ihre &bdquo;Wissenschaftlichkeit, die wir konsequent multiperspektivisch betreiben&ldquo;, behauptet allen Ernstes, es g&auml;be lediglich diese drei genannten Optionen, die die Sicherheit der Ukraine sicherstellen w&uuml;rden.<\/p><p>Dabei werden alle drei Optionen ausschlie&szlig;lich &bdquo;aus Sicht der Ukraine&hellip;&ldquo; formuliert und diese ignorieren nicht nur komplett die artikulierten Sicherheitsinteressen der zweiten Partei in diesem Konflikt, sondern sind auch noch so formuliert, dass scheinbar das h&ouml;chstm&ouml;gliche Provokationspotenzial gegen&uuml;ber Russland ausgespielt werden soll, egal ob dies &bdquo;Demilitarisierung&ldquo;, &bdquo;Renuklearisierung&ldquo; oder &bdquo;NATO-Beitritt&ldquo; betrifft.<\/p><p>Die SWP-Autorinnen argumentieren dann, dass die Option des NATO-Beitritts die empfehlenswerteste und am einfachsten umzusetzende sei. &bdquo;Demilitarisierung&ldquo; wird als &bdquo;zurzeit (!) unrealistisch&ldquo; in der Priorisierung erst mal zur&uuml;ckgestellt, nur um dann auf Seite 7 wieder als aktuell umzusetzende Strategie propagiert zu werden. Ebenso die &bdquo;Renuklearisierung&ldquo;, die &bdquo;nicht w&uuml;nschenswert&ldquo; sei, da sie &bdquo;die europ&auml;ische Sicherheitsordnung und das globale Nichtverbreitungsregime schwer belasten w&uuml;rde&ldquo;. Doch selbst diese Einschr&auml;nkung wird wieder relativiert, indem auf derselben Seite erkl&auml;rt wird, dass ohne NATO-Beitritt dies sehr wohl eine Option w&auml;re:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sollten die Alliierten ihr diese Perspektive nicht aufzeigen, k&ouml;nnte sie (die Ukraine) &uuml;ber andere Wege versuchen, ihre Sicherheit zu gew&auml;hrleisten, beispielsweise eine Renuklearisierung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die SWP bedient sich hier eines alten rhetorischen Taschenspielertricks: Man bringt drei Vorschl&auml;ge ein, von denen zwei so absurd anmuten, dass dann der dritte als das einzig &bdquo;vern&uuml;nftige&ldquo; und &bdquo;alternativlose&ldquo; Vorgehen erscheint.<\/p><p>Das Kapitel wird mantraartig abgeschlossen mit einer Variation der Eingangsbehauptung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Alle Optionen au&szlig;erhalb dieser drei bieten einen geringeren Schutz (&hellip;).&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Man fragt sich, was so ein Vorgehen mit &bdquo;multiperspektivischer&ldquo;, auf &bdquo;Wissenschaftlichkeit&ldquo; beruhender und vor allem zu &bdquo;mehr Sicherheit&ldquo; f&uuml;hrender Politikberatung zu tun haben soll. Dieselbe Frage stellt sich auch in Bezug auf die diplomatischen Initiativen zur L&ouml;sung des Konflikts, die bisher von China, der Afrikanischen Union, der T&uuml;rkei sowie lateinamerikanischen L&auml;ndern wie Mexiko und Brasilien ausgingen und die mit keiner Silbe in dem SWP-Papier Erw&auml;hnung finden.<\/p><p>&bdquo;Da die Beratung von Bundestag und Bundesregierung im Zentrum steht, behandeln wir Probleme und Fragestellungen, die f&uuml;r diese Akteure relevant sind oder sein sollten. Ziel ist es, Expertise aus der SWP in Urteilsbildung und Entscheidungsprozesse der Akteure einzuspeisen&ldquo;, hei&szlig;t es in der Selbstdarstellung der Denkfabrik. Zumindest diese Analyse und Politikempfehlung der SWP scheitert an diesem Eigenanspruch spektakul&auml;r. Denn im vorliegenden Fall handelt es sich mitnichten um einen Beitrag, der bem&uuml;ht ist, unvoreingenommen mittels eines dialektischen und multiperspektivischen Ansatzes einen Beitrag zur umfassenden Urteilsbildung von politischen Entscheidungstr&auml;gern zu leisten, sondern um den recht plumpen Versuch der Meinungsmache.<\/p><p>Apropos Meinungsmache: Wirklich wird die Katze (und wohl Intention des Ganzen) aber erst ganz am Schluss aus dem propagandistischen Sack gelassen. In der die &bdquo;Analyse&ldquo; abschlie&szlig;enden Handlungsempfehlung an die Adressaten in Bundesregierung und Bundestag hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die dauerhafte St&auml;rkung der Ukraine muss deshalb zwingend mit einer St&auml;rkung der eigenen Resilienz einhergehen. Dazu geh&ouml;rt zum Beispiel, Sinn, Zweck und Ziele eines ukrainischen NATO-Beitritts den eigenen Bev&ouml;lkerungen proaktiv zu vermitteln, gleichzeitig Desinformation zu bek&auml;mpfen und vorzugehen gegen Einrichtungen, die sich <strong>als zivil-gesellschaftliche ausgeben<\/strong>, aber de facto (!) vom russischen Staat kontrolliert sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Acht Seiten Spekulation und Meinungsmache kulminieren in der Aufforderung, gegen zivilgesellschaftliche Gruppierungen vorzugehen, wenn diese nicht dem von der SWP propagierten Meinungsbild entsprechen. Mit &bdquo;de facto&ldquo; wurde wohl in diesem Zusammenhang bewusst eine so butterweiche Formulierung gew&auml;hlt, dass man sich lieber gar nicht vorstellen will, gegen was f&uuml;r eine Breite an Gruppen, Organisation und Medien da gewisse Forschungsleiter* in der SWP &bdquo;vorgehen&ldquo; wollen. Denn dem Vorwurf, vom &bdquo;Kreml kontrolliert&ldquo; zu sein, muss sich in diesem Land derzeit so ziemlich jeder &bdquo;de facto&ldquo; aussetzen, der sich auch nur f&uuml;r das Primat der Diplomatie gegen&uuml;ber dem eines milit&auml;rischen Sieges ausspricht. Der in der SWP-Handlungsempfehlung propagierte &bdquo;de facto&ldquo;- statt &bdquo;de jure&ldquo;-Ansatz w&uuml;rde in seiner Umsetzung willk&uuml;rlichen Ma&szlig;nahmen T&uuml;r und Tor &ouml;ffnen. In gewisser Weise erinnert diese Empfehlung an die von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) im Dezember 2022 vorgeschlagene <a href=\"https:\/\/www.dpolg-bundespolizei.de\/aktuelles\/news\/nicht-mit-uns-frau-ministerin-finger-weg-von-rechtsstaatlichen-prinzipien\/\">Umkehr der Beweislast<\/a>. Vielleicht war das ja auch damals schon Produkt einer SWP-Beratung?<\/p><p>Zum Abschluss noch eine vielsagende Gegen&uuml;berstellung der Gr&uuml;ndungsgeschichte der SWP. Bei der Denkfabrik selbst hei&szlig;t es dazu lapidar:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die SWP wurde auf private Initiative im Jahre 1962 als rechtsf&auml;hige Stiftung b&uuml;rgerlichen Rechts in M&uuml;nchen gegr&uuml;ndet.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Bei Wikipedia klingt das mit &bdquo;auf private Initiative&hellip;&ldquo; etwas anders und wird mit Verweis auf das wissenschaftliche Standardwerk von Albrecht Zunker zur Geschichte der &bdquo;Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Entwicklungsgeschichte einer Institution politikbezogener Forschung&ldquo; so <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stiftung_Wissenschaft_und_Politik#cite_note-5\">beschrieben<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<strong>Die Gr&uuml;ndung der SWP geht auf eine Initiative des Bundesnachrichtendienstes (BND) zur&uuml;ck<\/strong>. Klaus Ritter war w&auml;hrend der NS-Diktatur Mitglied des milit&auml;rischen Nachrichtendienstes Fremde Heere Ost und nach dem Krieg Gr&uuml;ndungsmitglied der Organisation Gehlen, aus der der BND hervorging. Ritter war 1959 zu einer Studienreise durch die USA abgestellt und lernte dort die Arbeit von Think Tanks kennen. Au&szlig;erdem wurde er von US-Au&szlig;enpolitikern wie Henry Kissinger darauf angesprochen, dass es in Deutschland keine inoffiziellen Stellen g&auml;be, bei denen man &bdquo;Gespr&auml;chspartner im voroffiziellen Raum [finden k&ouml;nne] &ndash; also in jenem Vorfeld offizieller Politik, in dem internationale politische Probleme nicht nur frei er&ouml;rtert, sondern oft im Austausch von Positionen und Sichtweisen vorformuliert, mit Begriffen belegt und so auch in ihrem Kerngehalt abgegrenzt werden&ldquo;. Ritter glaubte, dass eine solche Einrichtung nur au&szlig;erhalb der ministerialen Hierarchie funktionieren k&ouml;nne, sodass er <strong>in enger Abstimmung mit dem Bundesnachrichtendienst<\/strong> die &bdquo;Arbeitsgemeinschaft Wissenschaft und Politik&ldquo; (AWP) ins Leben rief, in der er Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbrachte.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ebenso bezeichnend ist auch ein Blick auf die Pr&auml;sidenten des Stiftungsrates der SWP seit 1964 bis heute, ausschlie&szlig;lich Milit&auml;rs und Industriebosse:<\/p><ol>\n<li>1964 bis 1978: General a. D. Hans Speidel<\/li>\n<li>1979 bis September 2000: Hans Lutz Merkle, Vorsitzender der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der Robert Bosch GmbH<\/li>\n<li>2000 bis 2007: Ulrich Hartmann, Aufsichtsratsvorsitzender der E.ON AG<\/li>\n<li>Dezember 2007 bis Mitte 2017: Hans-Peter Keitel, Vizepr&auml;sident des BDI und Mitglied des Aufsichtsrats der Hochtief AG<\/li>\n<li>Juni 2017 bis heute: Nikolaus von Bomhard, Vorsitzender des Aufsichtsrats der M&uuml;nchener R&uuml;ckversicherungs-AG<\/li>\n<\/ol><p>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/dauerhafte-sicherheit-fuer-die-ukraine\">Screenshot<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99971\">Trotz Warnung von Sicherheitsexperten: Pistorius verst&ouml;&szlig;t mit dauerhafter Stationierung einer Kampfbrigade in Litauen gegen NATO-Russland-Grundakte<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=43931\">Als Steuerzahler zahlen Sie mit an der Finanzierung von Vorfeldorganisationen der USA in Deutschland. Konkret: Stiftung Wissenschaft und Politik.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88618\">Dokumenten-Leak: Wie die Bundesregierung an einer &bdquo;Narrativ-Gleichschaltung&ldquo; zum Ukraine-Krieg arbeitet &ndash; Teil 1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91770\">Studie der Otto-Brenner-Stiftung zu Berichterstattung deutscher &bdquo;Leitmedien&ldquo; &uuml;ber Ukraine-Krieg: Tendenzi&ouml;s, einseitig und oft &bdquo;sehr einheitlich&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/578b274582ff4cbdae27f39129170ace\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1962 auf Initiative des Bundesnachrichtendienstes gegr&uuml;ndete Denkfabrik &bdquo;Stiftung f&uuml;r Wissenschaft und Politik&ldquo; (SWP), deren zentrale Aufgabe es ist, die Bundesregierung zu beraten, hat vor dem aktuellen NATO-Gipfel eine Analyse mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/dauerhafte-sicherheit-fuer-die-ukraine\">&bdquo;Dauerhafte Sicherheit f&uuml;r die Ukraine&ldquo;<\/a> vorgelegt. 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