{"id":10096,"date":"2011-07-14T09:26:34","date_gmt":"2011-07-14T07:26:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10096"},"modified":"2014-09-09T10:36:19","modified_gmt":"2014-09-09T08:36:19","slug":"grundsatzprogramm-der-linken-viele-ideale-wenig-okonomie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10096","title":{"rendered":"Grundsatzprogramm der LINKEN: Viele Ideale, wenig \u00d6konomie"},"content":{"rendered":"<p>Ein Programm das radikal anders ist, das Ideale hochh&auml;lt, die im Wesentlichen einer Mehrheitsmeinung entsprechen und dennoch nur bei einer Minderheit Vertrauen findet. Das liegt vor allem an der Medienbarriere und an der politischen Ausgrenzung der Linkspartei. Die Gr&uuml;nde liegen aber auch im Programm selbst: Es fehlt ein Vertrauen schaffendes Bild der System-Alternative und es mangelt an einem vermittelbaren &ouml;konomischen Modell jenseits kapitalistischer Produktionsbedingungen. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wer sich ein eigenes Bild verschaffen m&ouml;chte, sollte das Programm lesen<\/strong><\/p><p>Nachdem die damaligen Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Lothar Bisky im M&auml;rz letzten Jahres einen <a href=\"http:\/\/die-linke.de\/fileadmin\/download\/programmdebatte\/100320_programmentwurf_final.pdf\">&bdquo;1. Entwurf f&uuml;r ein Programm der Partei DIE LINKE&ldquo; [PDF &ndash; 185 KB]<\/a> zur Diskussion gestellt hatten, haben nun die neuen Vorsitzenden Gesine L&ouml;tzsch und Klaus Ernst einen vom Parteivorstand mit nur zwei Gegenstimmen abgesegneten <a href=\"http:\/\/www.die-linke.de\/programm\/leitantragandenerfurterparteitag\/programmentwurf\/praeambeldafuerstehtdielinke\/\">&bdquo;Leitantrag an den Erfurter Parteitag&ldquo;<\/a> vorgestellt. Bis die Parteitagsdelegierten im Oktober dar&uuml;ber befinden, sollen noch &Auml;nderungsantr&auml;ge eingebracht werden k&ouml;nnen und am 18. Dezember sollen dann die Mitglieder der Partei in einer Urabstimmung &uuml;ber das erste Grundsatzprogramm der Partei DIE LINKE entscheiden. Es d&uuml;rfte dann wohl das erste Grundsatzprogramm einer in bundesdeutschen Parlamenten vertretenen Partei sein, &uuml;ber das in einer Urabstimmung abgestimmt w&uuml;rde. <\/p><p>Bevor Sie sich &uuml;ber die (sp&auml;rliche) Berichterstattung in den Medien Ihre Meinung &uuml;ber dieses Programm bilden, lohnte es sich das (zu) lange (und sich wiederholende) Programm einmal selbst zu &uuml;berfliegen. Die medialen Schlagzeilen wie <a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/nachrichten\/deutschland\/verstaatlichung-ist-programm--47346998.html\">&bdquo;Verstaatlichung ist Programm&ldquo;<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/die-linke-traeumt-weiter\/4382522.html\">&bdquo;Die Linke tr&auml;umt weiter&ldquo;<\/a> oder Urteile, wie die des FDP-Generalsekret&auml;rs Lindner das Programm sei eine <a href=\"http:\/\/www.google.com\/hostednews\/afp\/article\/ALeqM5gN-rD7DUY0RtPgR8gz4zjMmBBhyw?docId=CNG.d7ce60941ed0940520a35c0003982e2d.6e1\">&bdquo;Mischung aus Radikalit&auml;t, Gestrigkeit und Populismus&ldquo;<\/a> oder Meinungen, wie die des CDU-Generalsekret&auml;rs Gr&ouml;he <a href=\"http:\/\/www.cdu.de\/portal2009\/26423_33134.htm\">&bdquo;Linkspartei lehnt freiheitliche Gesellschaftsordnung ab&ldquo;<\/a>, wiederholen weitgehend nur die g&auml;ngigen Vorurteile gegen die Linkspartei. Das Programm selbst wird kaum zur Kenntnis genommen, eine differenzierte inhaltliche Kritik findet kaum statt.<\/p><p><strong>Radikal anders<\/strong><\/p><p>Unbestreitbar ist das Programm der LINKEN radikal anders als das der anderen Parteien. Aber man sollte seine Radikalit&auml;t nicht an den Programmen von FDP, CDU\/CSU, SPD oder der Gr&uuml;nen messen. Alle diese Parteien m&uuml;ssen R&uuml;cksicht auf ihre gegenw&auml;rtige oder fr&uuml;here Regierungsbeteiligungen nehmen. Sie tragen Mitverantwortung f&uuml;r bestehende und unleugbare Missst&auml;nde und sind darin gefangen. Von solchem vorausgegangenen Tun ist die LINKE (bis auf ihre Regierungsbeteiligung in Berlin oder Brandenburg) nicht belastet und kann deshalb unbefangen &bdquo;radikale&ldquo; Kritik an den Verh&auml;ltnissen &uuml;ben. Dass diese Partei sich diese &bdquo;Freiheit&ldquo; noch nehmen kann, ist wohl einer der Gr&uuml;nde, warum die anderen Parteien und der Chor der Medien deren &bdquo;Regierungsf&auml;higkeit&ldquo; bestreiten. Die SPD und die Gr&uuml;nen haben es &ndash; soweit ich sehe &ndash; bisher nicht einmal f&uuml;r n&ouml;tig befunden, sich zu diesem Programm zu &auml;u&szlig;ern. Diese beiden Oppositionsparteien scheinen das (Ver-) Schweigen inzwischen der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Programmatik der Linkspartei taktisch vorzuziehen. <\/p><p><strong>Von Streit oder gar Spaltung keine Spur<\/strong><\/p><p>In der ver&ouml;ffentlichten Meinung standen jenseits der Inhalte des Programms vor allem Spekulationen &uuml;ber eine &bdquo;Spaltung&ldquo; der Partei zwischen Ost und West oder zwischen &bdquo;Reformern&ldquo; (meist aus dem Osten) und Fundis (meist aus dem Westen) im Zentrum der Aufmerksamkeit. Nach der einm&uuml;tigen Zustimmung des Parteivorstandes der Linkspartei zu diesem Entwurf ist deswegen vielfach von einem &bdquo;Kompromiss&ldquo; zwischen den <a href=\"http:\/\/m.faz.net\/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1\/Doc~E84F81523141B40048327441BB8994E97~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml\">&bdquo;Gralsh&uuml;tern von Lafontaines Erben und den &lsquo;Reformern&rsquo;&ldquo;<\/a> die Rede. <\/p><p>Deswegen lohnt sich zun&auml;chst ein Blick auf die Unterschiede zwischen den beiden Programmentw&uuml;rfen.<br>\nJedenfalls f&uuml;r mich als Au&szlig;enstehenden sind solche &bdquo;Kompromisse&ldquo; kaum erkennbar. Sicher der Entwurf wurde an einigen (wenigen) Stellen redaktionell &uuml;berarbeitet, etwa bei der &bdquo;Energiewende&ldquo;. Er wurde bei der Finanz- und Europa-Krise aktualisiert und um einige Themen erweitert, so z.B. um differenziertere Ausf&uuml;hrungen zur Demokratisierung der Kommunen, zur Selbstverwaltung der Justiz, zur Demokratie in der digitalen Gesellschaft oder vor allem zur Geschlechtergerechtigkeit. Der bisher etwas d&uuml;rftige Bildungsteil wurde pr&auml;zisiert etwa durch ein Bekenntnis zur Gemeinschaftsschule. Die gesellschaftliche notwendige aber nicht erwerbsbezogene Arbeit wurde deutlicher hervorgehoben und selbst auf eine nachhaltige Agrarwirtschaft wurde eingegangen. (Beim bedingungslosen Grundeinkommen ist man sich einig, dass man sich nicht einig ist.) Man fordert eine &bdquo;solidarische Erwerbst&auml;tigenversicherung&ldquo; als Alterssicherung. Der Arbeitszeitverk&uuml;rzung als Instrument zu mehr Besch&auml;ftigung wurde ein h&ouml;herer Stellenwert einger&auml;umt. Statt f&uuml;r eine &bdquo;Erneuerung&ldquo; der Europ&auml;ischen Gemeinschaft wird nun f&uuml;r einen &bdquo;Neustart&ldquo; pl&auml;diert, wie &uuml;berhaupt die internationale Ausrichtung der LINKEN st&auml;rker ausgearbeitet wurde. <\/p><p>Aber gro&szlig;e inhaltliche Differenzen und Streitigkeiten, die auf eine Spaltung hinweisen k&ouml;nnten, vermag ich in den Ab&auml;nderungen gegen&uuml;ber dem 1. Entwurf nicht zu erkennen. Es sei denn, man nimmt die noch zu beschreibenden Defizite im Programm als solche.<\/p><p><strong>Reaktionen auf &ouml;ffentliche Kritik<\/strong><\/p><p>Auf die &ouml;ffentlichen Angriffe eingehend wurde vor allem wegen des <strong>Antisemitismusvorwurfs<\/strong> die Passage &uuml;ber die Haltung zu Israel erweitert und pr&auml;zisiert. W&ouml;rtlich hei&szlig;t es im &uuml;berarbeiteten Programm:<\/p><blockquote><p>Deutschland hat wegen der beispiellosen Verbrechen der Deutschen an den J&uuml;dinnen und Juden w&auml;hrend des deutschen Faschismus eine besondere Verantwortung und muss jeder Art von Antisemitismus, Rassismus, Unterdr&uuml;ckung und Krieg entgegentreten. Insbesondere diese Verantwortung verpflichtet auch uns, f&uuml;r das Existenzrecht Israels einzutreten. Zugleich stehen wir f&uuml;r eine friedliche Beilegung des Nahostkonfliktes im Rahmen einer Zwei-Staaten-L&ouml;sung und damit die v&ouml;lkerrechtliche Anerkennung eines eigenst&auml;ndigen und lebensf&auml;higen pal&auml;stinensischen Staates auf der Basis der Resolutionen der Vereinten Nationen.<\/p><\/blockquote><p>Auch die sog. <strong>&bdquo;Kommunismus&ldquo;-Debatte<\/strong> hat Spuren im neuen Entwurf hinterlassen: <\/p><blockquote><p>Ohne Demokratie kein Sozialismus. Deshalb formulierten die Mitglieder der SED\/PDS auf einem au&szlig;erordentlichen Parteitag im Herbst 1989: &ldquo;Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System&rdquo;. Dieser Bruch mit dem Stalinismus gilt f&uuml;r DIE LINKE ebenso.<\/p><\/blockquote><p>Hinzugef&uuml;gt wurde:<\/p><blockquote><p>Die Geschichte der DDR, auch die der SED, auf den Stalinismus zu verk&uuml;rzen, ist jedoch unhistorisch und unwahr.<\/p><\/blockquote><p>Vom &bdquo;Bruch mit dem Stalinismus&ldquo; war jedoch auch schon im 1. Entwurf die Rede.<\/p><p>Die Passage im 1. Entwurf, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts um die von Rosa Luxemburg formulierte Alternative zwischen &bdquo;Sozialismus und Barbarei&ldquo; gehe, wurde etwas &bdquo;demokratischer&ldquo; formuliert:<\/p><blockquote><p>Wir sind davon &uuml;berzeugt, dass den vielfachen Krisenszenarien nur durch eine &Uuml;berwindung des kapitalistischen Ausbeutungssystems, eine Ver&auml;nderung der Produktions- und Lebensweise, die &Uuml;berwindung des Geschlechtergegensatzes, die Demokratisierung aller Lebensbereiche und eine Ver&auml;nderung des Verh&auml;ltnisses von Mensch und Natur entgegengewirkt werden kann. Der Kapitalismus kann &uuml;berwunden werden, wenn es gelingt, Mehrheiten zu gewinnen f&uuml;r einen Aufbruch zu einer anderen Art zu arbeiten und zu leben.<\/p><\/blockquote><p>Die Abgrenzung zum <em>&bdquo;Sozialismusversuch&ldquo;<\/em> in der DDR wurde noch einmal erweitert. Dahinter standen <em>&bdquo;staatliche Willk&uuml;r und eingeschr&auml;nkte Freiheiten, wie der Aufbau eines staatlichen &Uuml;berwachungsapparates gegen die eigene Bev&ouml;lkerung&ldquo;<\/em>, hei&szlig;t es nun. <\/p><p>(Jedenfalls f&uuml;r die westdeutschen Medien und f&uuml;r die Politiker aus den alten L&auml;ndern d&uuml;rften solche Abgrenzungen dem Vorwurf, man sei eben doch nur der Spross der fr&uuml;heren SED, nicht abhelfen. Formulierungen in dem Programm, die erkennbar dem Ziel dienen, dem Verlust der Biografie der ehemaligen DDR-B&uuml;rger gerecht zu werden, d&uuml;rften nach wie vor als nostalgische Sch&ouml;nf&auml;rberei des fr&uuml;heren Regimes denunziert werden.) <\/p><p><strong>&bdquo;Haltlinien&ldquo; f&uuml;r eine Regierungsbeteiligung<\/strong><\/p><p>Besondere Aufmerksamkeit fanden in den Medien die Aussagen &uuml;ber die Bereitschaft der LINKEN zu einer Regierungsbeteiligung, also die &bdquo;Haltelinien&ldquo; daf&uuml;r, wie das Klaus Ernst nannte. Deshalb sollen hier die vergleichbaren Passagen dokumentiert werden. <\/p><p>Im 1. Entwurf der Programmkommission hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>DIE LINKE strebt nur dann eine Regierungsbeteiligung an, wenn wir hierdurch eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen erreichen k&ouml;nnen. Sie wird sich an keiner Regierung beteiligen, die Privatisierungen vornimmt, Sozial- oder Arbeitsplatzabbau betreibt.<br>\nDar&uuml;ber hinaus wird sich DIE LINKE auf Bundesebene nicht an einer Regierung beteiligen, die Kriege f&uuml;hrt und Kampfeins&auml;tze der Bundeswehr im Ausland zul&auml;sst, die Aufr&uuml;stung und Militarisierung vorantreibt. Notwendige Bedingungen sind weiterhin die Durchsetzung des<br>\ngesetzlichen Mindestlohns und der Kampf gegen Lohndumping und untertarifliche Bezahlung. DIE LINKE verlangt eine Politik, die soziale und kulturelle Bildungsprivilegien &uuml;berwindet und die Lage der &auml;rmeren Bev&ouml;lkerungsgruppen verbessert. Sie setzt sich f&uuml;r den Ausbau<br>\ndemokratischer Rechte ein und wehrt sich gegen den &Uuml;berwachungsstaat und weitere Beschneidungen der B&uuml;rgerrechte.<\/p><\/blockquote><p>Im jetzt vom Parteivorstand verabschiedeten Entwurf lautet die entsprechende Passage:<\/p><blockquote><p>Regierungsbeteiligungen der LINKEN sind nur sinnvoll, wenn sie eine Abkehr vom neoliberalen Politikmodell durchsetzen sowie einen sozial-&ouml;kologischen Richtungswechsel einleiten.<br>\nAn einer Regierung, die Kriege f&uuml;hrt und Kampfeins&auml;tze der Bundeswehr im Ausland zul&auml;sst, die Aufr&uuml;stung und Militarisierung vorantreibt, die Privatisierungen der Daseinsvorsorge oder Sozialabbau betreibt, deren Politik die Aufgabenerf&uuml;llung des &Ouml;ffentlichen Dienstes verschlechtert, werden wir uns nicht beteiligen. Im Zentrum eines Politikwechsels stehen f&uuml;r uns auf der Bundesebene der Ausbau der finanziellen Spielr&auml;ume der &Ouml;ffentlichen Hand und die St&auml;rkung des Sozialstaates. Besonders wichtig ist f&uuml;r uns ein gest&auml;rkter und handlungsf&auml;higer &Ouml;ffentlicher Dienst, die Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns, der Kampf gegen Lohndumping und untertarifliche Bezahlung sowie die &Uuml;berwindung des Hartz IV-Systems. DIE LINKE verlangt eine Politik, die soziale und kulturelle Bildungsprivilegien &uuml;berwindet und die Lage der &auml;rmeren Bev&ouml;lkerungsgruppen verbessert. Sie setzt sich f&uuml;r den Ausbau der demokratischen Rechte ein, wehrt sich gegen den &Uuml;berwachungsstaat und weitere Beschneidungen der B&uuml;rgerrechte.<\/p><\/blockquote><p>Da mag man nun viel semantische Auslegungskunst anwenden, um den &bdquo;Kompromiss&ldquo; zwischen den verschiedenen Fl&uuml;gel innerhalb der LINKEN herauszudestillieren. Ist es ein so gro&szlig;er Unterschied, ob man schreibt &bdquo;eine Regierungsbeteiligung strebt man nur dann an&ldquo; oder ob man formuliert &bdquo;Regierungsbeteiligungen sind nur sinnvoll&ldquo;? Sicher, &bdquo;besonders wichtig&ldquo; ist weniger eindeutig als &bdquo;notwendige Bedingung&ldquo;, aber f&uuml;r eine Regierungsbeteiligung auf L&auml;nderebene spielen die meisten &bdquo;Haltelinien&ldquo; ohnehin kaum eine Rolle, denn dort wird weder &uuml;ber Kriegseins&auml;tze noch &uuml;ber den gesetzlichen Mindestlohn entschieden.<br>\nAngesichts der aktuellen politischen Haltungen der Parteien im Bundestag, wird von den &uuml;brigen Parteien eine Koalition mit der LINKEN ohnehin zur&uuml;ckgewiesen und bek&auml;mpft und sie ist gemessen an der konkreten Politik von SPD und Gr&uuml;nen etwa im Hinblick auf Milit&auml;reins&auml;tze oder Hartz IV inhaltlich auch nicht denkbar.<br>\nAuf L&auml;nderebene h&auml;ngt eine Regierungsbeteiligung der LINKEN ausschlie&szlig;lich von der Bereitschaft der anderen Parteien ab, eine m&ouml;gliche Regierungskoalition einzugehen &ndash; wie sich in Th&uuml;ringen, Sachsen-Anhalt oder Nordrhein-Westfalen erwiesen hat.<\/p><p><strong>Ein Programm, das in wesentlichen Punkten der Mehrheitsmeinung entspricht<\/strong><\/p><p>Die Passage mit den sog. &bdquo;Haltelinien&ldquo; ist aber noch aus einem ganz anderen Grund hoch interessant. Sie ist sozusagen das Kondensat dessen, was man &ndash; jedenfalls aktuell &ndash; als politisches Minimalprogramm der LINKEN betrachten kann. An den dort abgesteckten &bdquo;Haltelinien&ldquo; mag man messen, was man f&uuml;r richtig oder f&uuml;r falsch h&auml;lt.<br>\nMan pr&uuml;fe sich einmal selbst: Tatsache ist jedenfalls, dass sicherlich eine Mehrheit der Bev&ouml;lkerung eine Abkehr vom neoliberalen Politikmodell oder eine sozial-&ouml;kologische Wende will. Kriegseins&auml;tze werden gleichfalls &uuml;berwiegend abgelehnt, der gr&ouml;&szlig;te Teil der Deutschen w&uuml;nscht einen Ausbau des Sozialstaats und f&uuml;r Mindestl&ouml;hne sind ohnehin die meisten. <\/p><p><strong>Nur eine Minderheit hat Vertrauen<\/strong><\/p><p>F&uuml;hrt man sich das vor Augen, dann ist es erstaunlich, dass die LINKE so wenig W&auml;hlerstimmen auf sich ziehen kann. Ich sehe daf&uuml;r im Wesentlichen zwei Gr&uuml;nde:<\/p><p><strong>Erstens<\/strong>, die Kritik der LINKEN an den herrschenden Missst&auml;nden und deren Vorschl&auml;ge dringen &uuml;berhaupt nicht zu den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern durch.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> (und aus Erstens mitbegr&uuml;ndet), den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern fehlt das Vertrauen, dass die Utopien dieser Partei realistisch und umsetzbar sind. Dies ist gepaart mit einem Misstrauen, dass die Forderungen nach einer besseren Welt, die in dem Programm entwickelt werden, angesichts der gegenw&auml;rtigen politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse von einer so kleinen Partei durchgesetzt werden k&ouml;nnten. Vor allem fehlt es an einem f&uuml;r die Menschen begreifbaren und vermittelbaren &ouml;konomischen Modell als glaubw&uuml;rdige Alternative zum Kapitalismus.<\/p><p><strong>Die Medienbarriere blockiert nicht nur die Partei, sondern die gesamte Linke<\/strong><\/p><p>Der erste Grund, dass die Programmatik nicht durchdringt, liegt au&szlig;erhalb der Partei.<br>\nWir haben auf den NachDenkSeiten mit zahllosen Beispielen und Beitr&auml;gen belegt, wie die LINKE nicht nur von den anderen Parteien sondern vor allem auch von den Medien geradezu verteufelt wird. Fast jeder inhaltliche Ansto&szlig; dieser Partei, wird &uuml;berlagert von Nebenkriegsschaupl&auml;tzen. Da muss der alte &bdquo;Porsche&ldquo; des Parteivorsitzenden genauso herhalten, wie der <a href=\"?p=9849\">&bdquo;Antisemitismusstreit&ldquo;<\/a>. Und die LINKE kann sich noch so sehr zum Grundgesetz bekennen und sich von der DDR abgrenzen, immer wird sie mit dem kollektiven Reflex des Antikommunismus bek&auml;mpft werden. Und was das &auml;u&szlig;ere Erscheinungsbild anbetrifft, liefert die Partei auch selbst gen&uuml;gend Aufh&auml;nger und Stichwortgeber, die die Kritik an ihr speisen.<\/p><p>W&auml;re diese mediale Barriere oder auch die politische Ausgrenzung nur ein Problem f&uuml;r diese Partei, dann k&ouml;nnte man dar&uuml;ber vielleicht noch bedauernd hinweg sehen. Aber  die Partei der LINKEN dient geradezu als Totschlagsinstrument gegen alle Gedanken und gegen alle politischen Kr&auml;fte, die den weitgehenden politischen Konsens unter den ehemaligen und derzeitigen Regierungsparteien sprengen wollen oder die die aufgebauten politischen Tabus brechen m&ouml;chten. Insofern ist die Frage des Umgangs mit der Linkspartei &ndash; ob man das will oder nicht &ndash; von zentraler Bedeutung jedenfalls f&uuml;r alle diejenigen, die eine kritische oder ablehnende Haltung einnehmen gegen&uuml;ber dem politischen Kurs, den die Bundesregierungen nun schon seit der &bdquo;geistig moralischen Wende&ldquo; Kohls, &uuml;ber die Schr&ouml;dersche Agenda-Politik bis hin zu Merkels Durchsetzung der deutschen &bdquo;Schock-Therapien&ldquo; auf europ&auml;ischer Ebene eingeschlagen haben.  <\/p><p><strong>Die Linke legt sich mit dem Kapitalismus an, aber nicht mit der Medienmacht<\/strong><\/p><p>Leider hat die Partei DIE LINKE die Rolle, in die sie da gedr&auml;ngt wird, viel zu wenig erkannt. Auf die Frage, warum seine Partei, die doch die Interessen der Mehrheit in den Mittelpunkt stelle, nicht von der Mehrheit gew&auml;hlt werde, meinte Klaus Ernst: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/weitere-meldungen\/die-linke-neues-parteiprogramm-visioniert-demokratischen-sozialismus_aid_644836.html\">&bdquo;Das ist ein Problem. Die Linke braucht noch ein bisschen.&ldquo;<\/a> Obwohl sie seit ihrer Gr&uuml;ndung durch die deutschen Medien eigentlich leidvoll erfahren haben m&uuml;sste, dass sie als Buhmann gegen eine Umkehr der herrschenden Politik oder gegen deren Wandel herhalten muss, ist ihr dieses grundlegende Problem in ihrem Programm nur ein paar banale Zeilen wert: <\/p><blockquote><p>Die Massenmedien befinden sich &uuml;berwiegend im Besitz weniger Konzerne und Finanzinvestoren. Sie bestimmen mit, was wir lernen und wissen, wor&uuml;ber wir reden und was wir meinen sollten.<\/p><\/blockquote><p>Aber was folgt daraus? Neben eine paar warnenden Worten, dass <em>&bdquo;Medienmacht und Medienmanipulation&hellip;eine Gefahr f&uuml;r die Demokratie&ldquo;<\/em> sind, ist das schon alles, was der Partei dazu einf&auml;llt. Sie fl&uuml;chtet sich in &bdquo;Redaktionsstatute&ldquo;, in die Verbesserung der &bdquo;Medienkompetenz&ldquo; und setzt ihre Hoffnung auf eine St&auml;rkung der demokratischen &bdquo;Gegen&ouml;ffentlichkeit&ldquo; durch das Internet.<\/p><p>Man kann ja verstehen, dass die LINKE vor dieser Auseinandersetzung mit der Medienmacht Angst hat, k&auml;me sie doch mit dieser Medienschelte vom Regen in die Traufe. Aber so lange es keine politische Kraft in Deutschland gibt, die diese Medienbarriere gegen einen Kurswechsel in der deutschen Politik durchbricht, wird es wohl kaum zu einer politischen Kurs&auml;nderung kommen. Weder bei der SPD noch bei den Gr&uuml;nen sind daf&uuml;r Ans&auml;tze erkennbar und bei CDU\/CSU und FDP schon gar nicht. Allein eine aktive B&uuml;ndnispolitik mit der gewerkschaftlichen Basis oder mit B&uuml;rgerbewegungen wird f&uuml;r den Aufbau einer politisch wirksamen demokratischen &bdquo;Gegen&ouml;ffentlichkeit&ldquo; nicht ausreichen, auch nicht mit Hilfe des Internets.<\/p><p><strong>Liefert die LINKE Gr&uuml;nde f&uuml;r Ihre Verteufelung?<\/strong><\/p><p>Wer sich den neuen Entwurf f&uuml;r ein Grundsatzprogramm etwas genauer anschaut, wird sich immer wieder fragen, was eigentlich die wirklichen Gr&uuml;nde f&uuml;r die politische Ausgrenzung dieser Partei sind. Kann man eine Partei verteufeln, <\/p><ul>\n<li>die sich zu <em>&bdquo;Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Internationalismus und Solidarit&auml;t&ldquo;<\/em> als ihre grundlegenden Werte bekennt,<\/li>\n<li>die <em>&bdquo;Individuelle Freiheit und Entfaltung der Pers&ouml;nlichkeit f&uuml;r jede und jeden durch sozial gleiche Teilhabe an den Bedingungen eines selbstbestimmten Lebens und Solidarit&auml;t&ldquo;<\/em> als ihre erste Leitidee benennt,<\/li>\n<li>die <em>&bdquo;Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung&ldquo;<\/em> als unverzichtbar erkl&auml;rt?<\/li>\n<\/ul><p>Kann sie in die N&auml;he der Verfassungsfeindlichkeit ger&uuml;ckt werden, wenn sie in ihrem Programm das Grundgesetz zitiert?<\/p><blockquote><p>Wir wollen die Grundrechte und Anspr&uuml;che verwirklichen, die das Grundgesetz formuliert: Menschenw&uuml;rde, freie Entfaltung der Pers&ouml;nlichkeit, Gleichberechtigung aller Menschen, freie Wahl von Beruf und Arbeitsplatz, Unverletzlichkeit der Wohnung, Meinungs-, Bekenntnis- und Vereinigungsfreiheit, Brief- und Telekommunikationsgeheimnis, Asylrecht f&uuml;r politisch Verfolgte. Eigentum verpflichtet und soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Grund und Boden, Natursch&auml;tze und Produktionsmittel k&ouml;nnen zum Zwecke der Vergesellschaftung in Gemeineigentum &uuml;berf&uuml;hrt werden. Die Bundesrepublik Deutschland soll ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat sein. Er hat die Aufgabe, die nat&uuml;rlichen Lebensgrundlagen zu sch&uuml;tzen. Alle Staatsgewalt soll vom Volke ausgehen und in Wahlen und Abstimmungen ausge&uuml;bt werden. Vorbereitung oder F&uuml;hrung eines Angriffskrieges sind unter Strafe zu stellen.<\/p><\/blockquote><p>Die Zur&uuml;ckweisung kann auch nicht daran liegen, dass sich die LINKE zu einem <strong>&bdquo;demokratischen Sozialismus&ldquo;<\/strong> bekennt. Das tut die SPD doch in ihrem g&uuml;ltigen Hamburger Programm doch auch. <\/p><p>Auf Unverst&auml;ndnis, ja sogar auf massive Abwehr st&ouml;&szlig;t immer wieder der h&auml;ufig auftauchende Begriff von einem <strong>&bdquo;Systemwechsel&ldquo;<\/strong>. Bedeuteten aber die sog. &bdquo;Strukturreformen&ldquo;, also etwa die Teil-Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme, die Entstaatlichung und Privatisierung von Leistungen der Daseinsvorsorge oder die Deregulierung vom Arbeits- bis zu den Finanzm&auml;rkten der letzten Jahre nicht auch einen Systemwechsel? Sprechen nicht die sog. &bdquo;Reformer&ldquo; wie etwa die Arbeitgeberverb&auml;nde, die Raffelh&uuml;schens oder Straubhaars nicht selbst st&auml;ndig von einem Systemwechsel, der notwendig sei? Bedeuteten etwa die Reaganomics, der Thatcherismus oder die Umwandlung der &bdquo;Deutschland AG&ldquo; zum Prinzip des Shareholder Value keinen Systemwechsel? <\/p><p>&Auml;ngste bis ins Gewerkschaftslager hinein l&ouml;st auch die Forderung nach der Zulassung von <strong>&bdquo;politischen Streiks&ldquo;<\/strong> oder sogar die M&ouml;glichkeit zum &bdquo;Generalstreik&ldquo; aus. Man mag das vor allem durch die deutsche Rechtsprechung eingeschr&auml;nkte Streikrecht hierzulande als eine gefestigte Tradition verteidigen, aber in durchaus demokratischen Staaten wie Frankreich oder Italien ist der Streik organisationsunabh&auml;ngig als individuelles Recht von der Verfassung garantiert und anerkannter Ausdruck der politischen Willens&auml;u&szlig;erung auch gegen Parlament und Regierung.<\/p><p>Als besonders abwegig wird die Forderung nach einer <strong>&bdquo;Aufl&ouml;sung der NATO&ldquo;<\/strong> kritisiert, ohne allerdings auf die durchaus diskutable und auch in fr&uuml;heren Zeiten schon diskutierte Alternative  in diesem Programm, n&auml;mlich einer Ersetzung des westlichen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses &bdquo;durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands&ldquo; auch nur zu erw&auml;hnen. <\/p><p>Fast alle Kritiker der Linkspartei st&uuml;rzen sich auf den Begriff <strong>&bdquo;Verstaatlichung&ldquo;<\/strong>. Was wird dazu im Programm gesagt:<\/p><blockquote><p>Die Daseinsvorsorge, die gesellschaftliche Infrastruktur, die Finanzinstitutionen und die Energiewirtschaft geh&ouml;ren in &ouml;ffentliche Hand und m&uuml;ssen demokratisch kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Die Grundversorgung der Menschen mit lebensnotwendigen Leistungen wie Energie, Wasser und Mobilit&auml;t, aber auch Wohnen, die soziale Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Kultur darf nicht kapitalistischem Profitstreben &uuml;berlassen werden. Sie muss &ouml;ffentlich organisiert und garantiert werden.<\/p>\n<p>Die Bahn und Unternehmen des &ouml;ffentlichen Nah- und Fernverkehrs d&uuml;rfen sich nicht allein an der Rendite orientieren.<\/p>\n<p>DIE LINKE tritt f&uuml;r ein Bankensystem aus drei S&auml;ulen ein: Sparkassen, Genossenschaftsbanken und staatliche Gro&szlig;banken. Ein funktionierender Finanzsektor ist ein &ouml;ffentliches Gut, seine Bereitstellung daher eine &ouml;ffentliche Aufgabe.<\/p><\/blockquote><p>Waren aber Gas, Wasser und Strom, sozialer Wohnungsbau, Krankenh&auml;user, Schulen oder Bahn vor nicht allzu langer Zeit nicht fast ausschlie&szlig;lich in &Ouml;ffentlicher Hand? Ist etwa die Versorgung in privater Hand besser oder billiger geworden? Wandeln nicht viele Kommunen Leistungen der Daseinsvorsorge inzwischen wieder in &ouml;ffentliches (nicht profitorientiertes) Eigentum um? Sind Sparkassen oder Genossenschaftsbanken etwa Ausgeburten des staatlichen Molochs? Hat nicht selbst die Bundesregierung die HRE &bdquo;verstaatlicht&ldquo; und die Commerzbank &bdquo;teilverstaatlicht&ldquo;? Darf so etwas nur dann geschehen, wenn der Steuerzahler f&uuml;r die Schulden der Banken haften soll?<\/p><p>Ja, die staatlichen Landesbanken agierten auf den Finanzm&auml;rkten nicht anders als die privaten Gesch&auml;ftsbanken und man muss sich in der Tat fragen, was es hilft, wenn deregulierungsw&uuml;tige Politiker in den Aufsichts- und Verwaltungsr&auml;ten von &ouml;ffentlichen Banken sitzen. Dieses Problem hat auch die LINKE erkannt und macht deutlich:<\/p><blockquote><p>Allein die Form des Eigentums, ob &ouml;ffentlich oder privat, entscheidet nicht &uuml;ber die soziale und &ouml;kologische Qualit&auml;t der Entwicklung. Auch Unternehmen im Eigentum von Bund, L&auml;ndern oder Kommunen bed&uuml;rfen der Kontrolle. Sie m&uuml;ssen sozialen und &ouml;kologischen Vorgaben unterliegen und dem Gemeinwohl gesetzlich verpflichtet werden. Den Belegschaften m&uuml;ssen starke Mitbestimmungsrechte als Korrektiv zu den Entscheidungen des Managements garantiert werden. Die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sollen wirksame M&ouml;glichkeiten der Partizipation an der Entwicklung der kommunalen Dienstleistungen erhalten.<\/p><\/blockquote><p>Man kann dar&uuml;ber streiten, ob die einzelnen Forderungen der LINKEN richtig und sinnvoll sind, aber es gibt kaum sachliche Gr&uuml;nde, warum dar&uuml;ber nicht gestritten werden sollte und warum solche Diskussionsanst&ouml;&szlig;e auf v&ouml;llige Ignoranz, ja noch mehr, auf niedermachende Abwehr treffen.<\/p><p><strong>Radikale Koketterie<\/strong><\/p><p>Das liegt teilweise allerdings auch an den allzu pauschalen und mit Radikalit&auml;t kokettierenden Formulierungen im Programmentwurf. Da hei&szlig;t es z.B.: <\/p><blockquote><p>Wir wollen <strong>alle<\/strong> gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse &uuml;berwinden, in denen Menschen ausgebeutet, entrechtet und entm&uuml;ndigt werden und in denen ihre sozialen und nat&uuml;rlichen Lebensgrundlagen zerst&ouml;rt werden.<\/p><\/blockquote><p>Bei solchen S&auml;tzen schwingen Allmachtsphantasien mit und das klingt nach einer totalen Umw&auml;lzung <strong>aller<\/strong> Verh&auml;ltnisse. Manche werden sogar eine revolution&auml;re Umw&auml;lzung assoziieren, die keinen Raum mehr l&auml;sst f&uuml;r evolution&auml;re Prozesse und f&uuml;r notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzungen an vielen Stellen und auf vielen Feldern. An vielen Stellen muss man den Eindruck gewinnen, als gefalle man sich in der Rolle des sprichw&ouml;rtlichen &bdquo;B&uuml;rger&ldquo;-schrecks.<br>\nSolche revolution&auml;r anmutenden Formulierungen passen aber &uuml;berhaupt nicht mit den gleichfalls im Programm formulierten radikaldemokratischen Anspr&uuml;chen zusammen, denen die Partei in der politischen Auseinandersetzung folgen will: <\/p><blockquote><p>Wir wollen die gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse ver&auml;ndern und ringen um eine andere Politik.<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>Gemeinsam mit B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern in Deutschland, in Europa und weltweit, mit Gewerkschaften und Bewegungen suchen wir nach alternativen L&ouml;sungen und gesellschaftlichen Alternativen.<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>Die Verwirklichung &hellip; ist ein l&auml;ngerer emanzipatorischer Prozess<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>Der Kapitalismus kann &uuml;berwunden werden, wenn es gelingt, Mehrheiten zu gewinnen f&uuml;r einen Aufbruch zu einer anderen Art zu arbeiten und zu leben.<\/p><\/blockquote><p>Oder:<\/p><blockquote><p>DIE LINKE &bdquo;ist immer so stark, wie sie in der Gesellschaft verankert ist und gesellschaftliche Unterst&uuml;tzung erf&auml;hrt&ldquo;.<\/p><\/blockquote><p>Ist es nicht legitim, dass sich eine Partei zum Ziel gesetzt hat gesellschaftliche Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse zu ver&auml;ndern oder Mehrheiten f&uuml;r die von ihr angestrebten politischen Ver&auml;nderungen zu gewinnen? Tun das nicht alle anderen demokratischen Parteien auch?<\/p><p><strong>Ein Vertrauen schaffendes Bild der &bdquo;Alternative&ldquo; fehlt<\/strong><\/p><p>Beim zweiten Grund, warum der LINKEN nur wenig Vertrauen und viel Misstrauen entgegen gebracht wird, kann ich weitgehend auf meine <a href=\"?p=4874\">Kritik am 1. Entwurf vor einem Jahr verweisen<\/a>.<\/p><p>Nicht dass es zu kritisieren w&auml;re, dass eine Partei in ihrem Grundsatzprogramm etwa in der Pr&auml;ambel oder bei der Ableitung aus ihren historischen und weltanschaulichen Wurzeln auf pathetische Formulierungen zur&uuml;ckgreift, aber die Kluft zwischen der Vision aus dem Kommunistischen Manifest von Karl Marx von einer Gesellschaft als <em>&bdquo;eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung f&uuml;r die freie Entwicklung eines jeden&ldquo;<\/em> und den f&uuml;nf im Programm beschriebenen LINKEN Reformprojekten ist doch zu gro&szlig;, um das Pathos nicht hohl wirken zu lassen. <\/p><p>Vielen dieser Reformprojekte mag man durchaus zustimmen und oft sind sie durchaus anschlussf&auml;hig an gewerkschaftliche, sozialdemokratische oder gar Gr&uuml;ne Projekte &ndash; so etwa das Projekt <em>&bdquo;gute Arbeit&ldquo;<\/em>, ein <em>&bdquo;sozial-&ouml;kologischer Umbau&ldquo;<\/em>, ein <em>&bdquo;Leben in sozialer Sicherheit&ldquo;<\/em>, eine <em>&bdquo;solidarische B&uuml;rgerversicherung&ldquo;<\/em> oder <em>&bdquo;gute, geb&uuml;hrenfreie und f&uuml;r alle zug&auml;ngliche Bildung von der Krippe &uuml;ber Ausbildung und Studium bis zur Weiterbildung&ldquo;<\/em> oder die <em>&bdquo;&Uuml;berwindung jeglicher Form von Diskriminierung&ldquo;<\/em>. Doch diese Projekte werden aus einer ziemlich undifferenzierten Kapitalismuskritik abgeleitet, die Radikalit&auml;t vorspiegelt ohne jedoch analytische &Uuml;berzeugungskraft entfalten zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Da wird pauschal von &bdquo;den Interessen des Kapitals&ldquo;, vom &bdquo;Diktat eines <strong>allm&auml;chtigen<\/strong> globalen Kapitalismus&ldquo;, vom &bdquo;kapitalistischen Ausbeutungssystem&ldquo;, von einer &bdquo;von Klassenschranken befreiten Gesellschaft&ldquo; geredet, gerade so als g&auml;be es nur &bdquo;den einen&ldquo; Kapitalismus, so als g&auml;be es nicht ganz unterschiedliche Auspr&auml;gungen von Skandinavien bis ins Angels&auml;chsische. Diesem Verbalradikalismus wird ziemlich unvermittelt ein &bdquo;alternatives  Wirtschafts- und Gesellschaftssystem&ldquo; gegen&uuml;ber gestellt, in dem sich alle Probleme auf wunderbare Weise von selbst l&ouml;sen (sollen). <\/p><p>Wer einen &bdquo;Systemwechsel&ldquo; will, sollte wenigstens skizzieren k&ouml;nnen, wie das g&auml;nzlich andere, alternative System funktioniert, wie die einzelnen Elemente so miteinander wechselwirken k&ouml;nnten, dass sie eine sinn- und zweckstiftende Einheit bilden. Die Einzelelemente sollten eben ein neues System bilden, das wenigstens in seinen Strukturen nachvollziehbar und rational fassbar ist. Sonst bleibt gegen&uuml;ber der alternativen Zukunftsvision der Verdacht einer leeren Versprechung &ndash; einer W&uuml;nsch Dir was Vorstellung. <\/p><p><strong>Das Fehlen eines &ouml;konomischen Modells<\/strong><\/p><p>Das grundlegende Manko dieses Grundsatzprogramms sehe ich im Fehlen einer &uuml;berzeugenden alternativen &ouml;konomischen Theorie oder einem alternativen Wirtschaftsmodell. Das Verf&uuml;hrerische und propagandistisch so Wirkungsvolle an den unterschiedlichsten Ideologien der kapitalistischen Marktwirtschaft ist doch, dass sie sich (auf vordergr&uuml;ndig) plausible Annahmen und auf Funktionsmodelle st&uuml;tzen k&ouml;nnen, die kommunizier- und nachvollziehbar sind. Im Programm findet aber nicht einmal eine kritische Auseinandersetzung mit den althergebrachten Theorien statt, aus der sich wenigstens die Konturen eines neuen Funktionsmodells erkennen lie&szlig;en. Es wird vielmehr eine Vielzahl von moralisch durchaus hochstehenden Forderungen an das Wirtschaften gerichtet, wie sich diese Forderungen aber zusammenf&uuml;gen lassen und wie die &Ouml;konomie dann funktionieren soll, bleibt eine offene Frage. Die &bdquo;Alternative jenseits der kapitalistischen Produktions- und Lebensbedingungen&ldquo; wird zwar gefordert, aber nicht ausgef&uuml;llt. Schwebt der LINKEN ein gemischtwirtschaftliches Modell vor, ist es eher ein syndikalistisches Modell oder denkt sie an Konzepte der Wirtschaftsdemokratie oder eine Art R&auml;te-Modell. Da liefern auch sp&auml;rliche Marx-Zitate kein klareres Bild. Es m&uuml;sste doch wenigstens einen &ouml;konomischen Theoretiker geben, an dem man sich orientieren k&ouml;nnte. Oder scheut man sich Karl Marx zu nennen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Programm das radikal anders ist, das Ideale hochh&auml;lt, die im Wesentlichen einer Mehrheitsmeinung entsprechen und dennoch nur bei einer Minderheit Vertrauen findet. Das liegt vor allem an der Medienbarriere und an der politischen Ausgrenzung der Linkspartei. Die Gr&uuml;nde liegen aber auch im Programm selbst: Es fehlt ein Vertrauen schaffendes Bild der System-Alternative und es<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10096\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,195,145],"tags":[1152,317,359,1158,291],"class_list":["post-10096","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-die-linke","category-sozialstaat","tag-basisdemokratie","tag-mindestlohn","tag-parteistroemungen","tag-regierungsfaehigkeit","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10096"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10096\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23176,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10096\/revisions\/23176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}