{"id":101,"date":"2005-03-12T16:18:15","date_gmt":"2005-03-12T15:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=101"},"modified":"2016-03-18T09:02:38","modified_gmt":"2016-03-18T08:02:38","slug":"die-okonomie-des-unschuldigen-betrugs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101","title":{"rendered":"\u201eDie \u00d6konomie des unschuldigen Betrugs\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Diesen Titel tr&auml;gt der neueste Essay von John Kenneth Galbraith, in dem er viele Beispiele f&uuml;r den &bdquo;Realit&auml;tsverlust der heutigen Wirtschaft&ldquo; abhandelt. Der 97-j&auml;hrige Galbraith, einer der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler, kommt zu dem Schluss, &bdquo;dass die wahren Verh&auml;ltnisse auf keinem anderen Gebiet durch soziale oder auf Gewohnheit beruhende Pr&auml;ferenzen sowie materielle Individual- und Gruppeninteressen derart verschleiert werden wie in der &Ouml;konomie und der Politik.&ldquo;<br>\n<!--more--><br>\nGalbraith beschreibt, wie durch die &bdquo;Umbenennung des Wirtschaftssystems&ldquo; vom &bdquo;Kapitalismus&ldquo; in &bdquo;Marktwirtschaft&ldquo;, durch &bdquo;die Komplizenschaft der &Ouml;konomen&ldquo;, durch den durch Machtinteressen gelenkten Glauben an &bdquo;Scheinwelten&ldquo; und &bdquo;Mythen&ldquo; bei vielen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien ein Realit&auml;tsverlust eingetreten ist, &bdquo;der sie zu unschuldigen Betr&uuml;gern&ldquo; macht. &bdquo;Die meisten Wegbereiter dessen, was ich hier &bdquo;unschuldigen Betrug&ldquo; nenne, haben sich nicht absichtlich zu einen Helfershelfern gemacht. Sind sich nicht bewusst, welche Kr&auml;fte ihre Anschauungen formen, welche Glaubenss&auml;tze sie unterschwellig &uuml;bernehmen.&ldquo; <\/p><p>Galbraith B&uuml;chlein handelt von der &Ouml;konomie im Allgemeinen und von der Macht der Gro&szlig;konzerne, die &bdquo;das gesellschaftliche Wertesystem entsprechend ihren Bed&uuml;rfnissen und Interessen umformen&ldquo;. Seine Beispiele beziehen sich auf amerikanische Verh&auml;ltnisse, sein Vorwurf des &bdquo;unschuldigen Betrugs&ldquo; l&auml;sst sich aber ohne weiteres auf viele Sozialdemokraten, Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten hierzulande &uuml;bertragen, die bei uns dem Agenda-Kurs und dem angebotsorientierten &ouml;konomischen Dogma blind oder ohnm&auml;chtig vertrauen &ndash; zumindest auf diejenigen unter ihnen, die keine unmittelbaren Bereicherungs- und Machtinteressen verfolgen. <\/p><p>Bezogen auf die aktuelle Steuerdiskussion k&ouml;nnten unsere &Ouml;konomen und Politiker vom Doyen der Wirtschaftswissenschaften lernen: &bdquo;So gibt es vor allem keine Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass Steuererleichterungen &hellip; einem konjunkturellen Abschwung entgegenwirken k&ouml;nnten&hellip;.Das einzige probate Mittel gegen eine konjunkturelle Abschw&auml;chung ist eine stabile Verbrauchernachfrage. Bricht diese Verbrauchernachfrage ein, ist eine Rezession unvermeidlich.&ldquo; Denn was w&auml;re der Effekt von Steuererleichterungen f&uuml;r die Wohlhabenden: &bdquo;Diejenigen, die anschlie&szlig;end mehr Geld in der Tasche haben, geben es nicht aus, und diejenigen, die gern mehr Geld ausgeben w&uuml;rden, haben es nicht.&ldquo; <\/p><p>So einfach kann man die Wirklichkeit beschreiben, wenn man sich nicht durch &bdquo;die jeweils herrschende (intellektuelle) Mode und das finanzielle Eigeninteresse&ldquo; von &ouml;konomisch M&auml;chtigen in die Irre f&uuml;hren l&auml;sst. <\/p><p>John Kenneth Galbraith, Die &Ouml;konomie des unschuldigen Betrugs, Siedler Verlag, M&uuml;nchen 2005\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Titel tr&auml;gt der neueste Essay von John Kenneth Galbraith, in dem er viele Beispiele f&uuml;r den &bdquo;Realit&auml;tsverlust der heutigen Wirtschaft&ldquo; abhandelt. 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