{"id":101304,"date":"2023-07-19T13:00:13","date_gmt":"2023-07-19T11:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101304"},"modified":"2023-07-20T10:53:56","modified_gmt":"2023-07-20T08:53:56","slug":"versoehnen-muss-man-leben-nicht-wie-ein-bremer-einzelkaempfer-mitten-im-ural-einen-deutsch-russischen-hotspot-errichtete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101304","title":{"rendered":"\u201eVers\u00f6hnen muss man, leben nicht!\u201c \u2013 Wie ein Bremer \u201aEinzelk\u00e4mpfer\u2018 mitten im Ural einen deutsch-russischen \u201aHotspot\u2018 errichtete"},"content":{"rendered":"<p>Einzelne Menschen sind nicht machtlos. Sie k&ouml;nnen unendlich viel auf die Beine stellen, wenn sie von einem Anliegen beseelt sind. Der Bremer Stefan Semken hat Unfassbares f&uuml;r die deutsch-russischen Beziehungen getan. &ndash; Vor drei Jahren, am 19. Juli 2020, starb er &uuml;berraschend im Alter von 60 Jahren. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2227\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-101304-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=101304-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230719-Deutsch-russischer-Hotspot-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit Anfang 40 befindet sich ein Mann an einem Wendepunkt seines Lebens. Bei dem Bremer Druckvorlagenhersteller Stefan Semken wird der schon vor zwanzig Jahren diagnostizierte Morbus Bechterew virulent. Zeitgleich geht es auch noch mit seiner Branche bergab. Im Jahre 2001 schlie&szlig;t er seinen Laden &ndash; gerade noch rechtzeitig, wie er &uuml;ber ein Jahrzehnt sp&auml;ter in einem Interview erz&auml;hlen wird. Ein tiefer Einschnitt muss her.<\/p><p><strong>Sibirien statt Jakobsweg<\/strong><\/p><p>In einer Lebenssituation, in der andere vielleicht in Indien einen Ashram besuchen, in einem japanischen Zen-Kloster abtauchen oder Hunderte von Kilometern auf dem Jakobsweg pilgern w&uuml;rden, entschlie&szlig;t sich Semken im Jahre 2003 zu einem dreiw&ouml;chigen Extremurlaub in Russland. Also nicht Moskau oder St. Petersburg, sondern &ndash; was sonst? &ndash; Sibirien! Aber f&uuml;r Russland braucht man ein Visum und daf&uuml;r eine Einladung. Kein Problem, Russen sind bekanntlich clever. Im Internet verkauft jemand Einladungen in sein Land. Auch eine M&ouml;glichkeit, &sbquo;Business zu machen&lsquo;, sprich: in diesem krisengesch&uuml;ttelten Land irgendwie zu &uuml;berleben. Da die Internetseite nur auf Englisch und Franz&ouml;sisch gehalten ist, bietet Semken dem Betreiber an, sie auch ins Deutsche zu &uuml;bersetzen. Und als dieser erf&auml;hrt, dass Semken nach Sibirien will, l&auml;dt der Russe ihn zu sich nach Jekaterinburg ein. Ist ja schlie&szlig;lich schon fast in Sibirien, dem &ndash; so hei&szlig;t das n&auml;mlich w&ouml;rtlich &ndash; &sbquo;schlafenden Land&lsquo;.<\/p><p>Und dann kommt es, wie es kommen muss.<\/p><p>Semken f&uuml;hlt sich dort unter der russischen Bev&ouml;lkerung pudelwohl. Nach zehn Tagen lernt er eine Russin kennen und bleibt nicht drei Wochen, sondern gleich sechs. Anderthalb Jahre sp&auml;ter heiraten die beiden. Und da weder Stefan noch Olga ihren Freundeskreis aufgeben wollen, einigen sie sich auf einen naheliegenden Kompromiss: Das Winterhalbjahr leben sie in Bremen und die w&auml;rmere Jahresh&auml;lfte im Ural. Im Jahr 2007 kauft sich das Ehepaar ein Bauernhaus, 80 Kilometer n&ouml;rdlich von Jekaterinburg und rund 1.500 Kilometer &ouml;stlich von Moskau. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3ATcC3ldV60\">Bingi<\/a> hei&szlig;t das 3000-Seelen-Dorf im Swerdlowsker Oblast, das nun f&uuml;r die kommenden Jahre Semkens zweite Heimat sein wird.<\/p><p><strong>&bdquo;D-Ru-schba&ldquo;<\/strong><\/p><p>Und weil Semken zum Fr&uuml;hrentner nicht taugt und seine russische Ehefrau Olga ebenfalls sehr r&uuml;hrig ist, initiiert das Paar gleich ein ganzes B&uuml;ndel an deutsch-russischen Aktivit&auml;ten, vor allem in den Bereichen &bdquo;Charity&ldquo; und &bdquo;Kultur&ldquo;. Semken, das sieht man ihm schon &auml;u&szlig;erlich an, ist ein Mann der Tat, ein Macher. <a href=\"https:\/\/d-ru-schba.jimdosite.com\/\">&bdquo;D-Ru-schba&ldquo;<\/a> tauft er sinnigerweise das Projekt, das er und Olga 2004 ins Leben rufen und &bdquo;Nicht reden &ndash; handeln!&ldquo; lautet &ndash; wen wundert&lsquo;s? &ndash; das Motto. <\/p><p>&bdquo;Ich bezeichne die deutschen Lebensumst&auml;nde&ldquo;, schreibt Semken auf der Website, &bdquo;im Vergleich zum Gro&szlig;teil der Welt als paradiesisch.&ldquo; Konsequenz: &bdquo;Teilen wir doch etwas von unserem Gl&uuml;ck!&ldquo; Und so unterst&uuml;tzt &bdquo;D-Ru-schba&ldquo; zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=44mxqcHbkJc\">drei schwer erkrankte russische Kinder<\/a>. Die Semkens lassen eine deutsche Physiotherapeutin nach Bingi einfliegen, die dort zwei Tage lang russische Therapeutinnen vor Ort <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5clOHbn8pro\">im Bobath-Konzept schult<\/a>. Zwischen 2014 und 2019 organisiert &bdquo;D-Ru-schba&ldquo; gleich drei H&ouml;rger&auml;teaktionen, bei denen aus Deutschland <a href=\"https:\/\/mstrok.ru\/news\/akustiki-iz-germanii-podarili-slaboslyshashchim-tagilchanam-novye-sluhovye-apparaty\">H&ouml;rger&auml;te<\/a> in den Ural verfrachtet, dort kostenlos verteilt und von deutschen H&ouml;rger&auml;teakustikern <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CKWc7B0KUD0\">individuell angepasst<\/a> werden. 2020, im, wie Semken auf seiner Website schreibt, &bdquo;75. Friedensjahr nach dem II. Weltkrieg&ldquo;, folgt eine vierte Aktion, dieses Mal nicht nur in Russland, sondern auch in Belarus und Kirgistan. Und im September 2017 kommt auf Einladung des Projektes die Hospiz-Clownin Miriam Brenner nach Jekaterinburg, die dortige lokale K&uuml;nstler und Clowns in der Arbeit mit schwer erkrankten Kindern anleitet. Das Projekt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CKWc7B0KUD0\">SMILE<\/a> entsteht. Es folgen Nachfolgeprojekte 2018 und 2020 in Nischnij Tagil.<\/p><p><strong>Ein deutsch-russischer Hotspot im Ural<\/strong><\/p><p>Aber Charity-Aktionen sind, wie gesagt, nur das eine Bein von &bdquo;D-Ru-schba&ldquo;. Genauso wichtig sind die zahlreichen <a href=\"https:\/\/d-ru-schba.jimdosite.com\/kultur\/\">kulturellen Aktivit&auml;ten<\/a>, die die Semkens in der Grenzregion zwischen Europa und Sibirien anleiern. Da bemalen K&uuml;nstler 2013 ein achtst&ouml;ckiges Geb&auml;ude in der Stadt Magnitogorsk, da macht 2015 ein Mr. Thomas aus Italien die Stadt Nischnij Tagil im Ural etwas bunter, und dann wird 2019 in derselben Stadt ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VQvmq1UTn5k\">freies Theater<\/a> er&ouml;ffnet und 2020 auch noch ein Puppentheater gegr&uuml;ndet. Dazu l&auml;dt &bdquo;D-Ru-schba&ldquo; im Laufe der Jahre zahlreiche K&uuml;nstler aus Deutschland und dem Westen Russlands zu Konzerten in die Region Swertlowsk ein. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu betonen, dass die Semkens ihre Aktivit&auml;ten professionell dokumentieren lassen und die Filme ins Netz stellen.<\/p><p>Kurz: Mitten im Ural, rund 100 Kilometer n&ouml;rdlich von Jekaterinburg, entwickelt sich ein h&ouml;chst attraktiver Hotspot deutsch-russischer Kultur- und Charity-Aktivit&auml;ten!<\/p><p>Und damit nicht genug: Stefan und Olga bauen ihr Bauernhaus in Bingi zur Pension aus. Sie besorgen aus Ulan Ude jenseits des Baikalsees einige Jurten und fangen an, rund um ihr Haus Touristen zu <a href=\"https:\/\/go-east.de\/reisebaustein-individuell\/landurlaub-bingi-ural\">beherbergen<\/a>. 2014 haben sie schon j&auml;hrlich um die hundert G&auml;ste, die meisten aus dem westlichen Ausland.<\/p><p>Und die Semkens setzen sich f&uuml;r den Umweltschutz ein. In Bingi gibt es Goldminen, die mit Cyanid erschlossen werden sollen. Den Reibach machen gro&szlig;e Unternehmen aus Moskau, die Erde in Bingi dagegen bleibt auf ewig verseucht. Stefan Semken dazu in einem <a href=\"https:\/\/taz.de\/Pendeln-Deutschland---Russland\/!5025342\/\">Interview<\/a> Ende 2014:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich hab den Dorfjungs gezeigt, wie man Protest organisiert. Und das wird vom Staat ohne Weiteres geduldet. <\/em><em>Ich habe auch ein paar Artikel dar&uuml;ber im Internet ver&ouml;ffentlicht, woraufhin uns die Minengesellschaft wegen Beleidigung vor Gericht gebracht hat. Die Verhandlung haben wir gewonnen. Ich habe das Gef&uuml;hl, dass Russland viel mehr Rechtsstaat ist, als wir uns das in Deutschland vorstellen. Allerdings steckt bei den &auml;lteren Leuten noch viel vom alten Sowjet-Denken in den K&ouml;pfen. Ich setze gro&szlig;e Hoffnungen auf die neue Generation. Die wollen einen anderen Takt &ndash; die Mehrheit jedenfalls.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kooperation ist attraktiver als Konfrontation!<\/strong><\/p><p>Doch die meisten Aktivit&auml;ten von Stefan und Olga sind im allerbesten Sinne &sbquo;unpolitisch&lsquo;. Will sagen: Sie sind nat&uuml;rlich hochpolitisch, weil sie in einer Zeit erneuter Spannungen durch Kennenlernen, Freundschaften, gemeinsame Projekte, kurz: durch die subversive Kraft der &ndash; sprechen wir das Wort ruhig aus! &ndash; Liebe die Konstruktion neuer Feindbilder unterlaufen. Semken und seine Frau vermitteln Russen und Deutschen gleicherma&szlig;en, dass Kooperation attraktiver ist als Konfrontation. Und damit rennen sie offene T&uuml;ren ein. Schlie&szlig;lich macht es ja auch den meisten Menschen aller L&auml;nder mehr Spa&szlig;, neugierig aufeinander zu werden, sich zu beschnuppern, zusammen etwas auf die Beine zu stellen, sich anzufreunden, vielleicht gar zu heiraten &ndash; als sich gegenseitig totzuschie&szlig;en und nebenbei auch noch einen verw&uuml;steten Planeten zu hinterlassen!<\/p><p>Und so bleibt nat&uuml;rlich auch die Auseinandersetzung mit einem &ndash; <em>dem einen<\/em> &ndash; Thema nicht aus: dem deutschen Vernichtungskrieg in der Sowjetunion, der fast 27 Millionen Sowjetb&uuml;rger das Leben kostete. Semken rekonstruiert die Kriegsroute seines Gro&szlig;vaters, der als Wehrmachtssoldat in Witebsk fiel. Und dann deutet der Bremer den hanseatischen Wahlspruch &bdquo;Seefahren muss man, leben nicht!&ldquo; f&uuml;r sich folgenderma&szlig;en um: &bdquo;Vers&ouml;hnen muss man, leben nicht!&ldquo; 2015 hat er in der Uralregion so viel Vertrauen erworben, dass er &ndash; nach einer Pr&uuml;fung durch den FSB &ndash; am 9. Mai als einziger Deutscher &ouml;ffentlich und landesweit auf gleich zwei Paraden zu den <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=r2BDkyZWTmw\">russischen B&uuml;rgern und Veteranen<\/a> sprechen darf.<\/p><p>Und f&uuml;r den 9. Mai 2020, den 75. Jahrestag des Kriegsendes, des mit so gewaltigen Opfern bezahlten Sieges &uuml;ber Hitlerdeutschland l&auml;sst sich Stefan Semken eine ganz besondere Aktion einfallen: Er organisiert zusammen mit Freunden eine gro&szlig;e Motorradfahrt zu sage und schreibe 45 St&auml;dten in Belarus, Russland und Kirgistan, wo, angelehnt an die russische Trauerkultur, an den Denkm&auml;lern f&uuml;r die Opfer des Gro&szlig;en Vaterl&auml;ndischen Krieges Kr&auml;nze niedergelegt werden sollen. Die Kr&auml;nze sollen mit Schleifen verziert sein, &bdquo;auf denen&ldquo; &ndash; so hei&szlig;t es in seinem Aufruf an m&ouml;gliche Sponsoren &ndash; &bdquo;sich Personen, St&auml;dte, Vereine oder Firmen der T&auml;terfolgegeneration zum Frieden bekennen. Durch uns soll Ihnen die einmalige M&ouml;glichkeit gegeben werden, zum 9. Mai 2020 in 45 St&auml;dten Russlands und Wei&szlig;russlands der ans&auml;ssigen Bev&ouml;lkerung vor Ort Ihre Anteilnahme auszudr&uuml;cken.&ldquo; Der Aufruf endet herzzerrei&szlig;end: &bdquo;Wir w&uuml;rden uns freuen, wenn Sie unsere Idee unterst&uuml;tzen. Im Gegenzug garantieren wir, da&szlig; die Tour professionell, <strong>unpolitisch<\/strong> und in Demut durchgef&uuml;hrt wird.&ldquo;<\/p><p><strong>Ein Parforcetrip: 21 St&auml;dte in 15 Tagen<\/strong><\/p><p>Corona macht dieser Aktion einen Strich durch die Rechnung. Aber Semken l&auml;sst sich auch von dem Virus nicht unterkriegen. Ende Mai schafft er es auf abenteuerlichen Wegen von Bremen mit seinem Wagen ins coronaisolierte Russland, wo er in seinem Haus im zweitheimatlichen Ural erst einmal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oxPaSUF0rCI\">eine vierzehnt&auml;gige Quarant&auml;ne<\/a> absolvieren muss.<\/p><p>Und weil nun niemand mehr aus Deutschland raus und nach Russland rein kann, startet Semken seine Aktion eben auf eigene Faust. Am 18. Juni bricht er in seinem VW-Kleinbus von Bingi aus auf. Es ist ein <a href=\"https:\/\/d-ru-schba.de\/\">Parforcetrip<\/a>, der ihn innerhalb eines halben Monats in einem Riesenbogen in nicht weniger als 21 St&auml;dte &ndash; haupts&auml;chlich im Westen &ndash; Russlands bringen wird. Jekaterinburg, Ufa, Samara, Saratow, Wolgograd, Woronesch, Kursk, Tula, Wladimir, Susdal, Nischnij Nowgorod, Kasan und Perm stehen unter anderem auf dem Programm. &Uuml;berall legt Semken Kr&auml;nze nieder, &uuml;berall berichten die lokalen Medien &uuml;ber diese ungew&ouml;hnliche Aktion. Semken selbst beschreibt auf seiner <a href=\"https:\/\/d-ru-schba.de\/\">Website<\/a> ausf&uuml;hrlich jede besuchte Stadt und postet Fotos von seinen Kranzniederlegungen. Rund 5.000 Kilometer legt er in 15 Tagen alleine zur&uuml;ck. Am 3. Juli ist er wieder zu Hause in Bingi.<\/p><p><strong>Ein Anruf im Januar 2020 und eine Entdeckung ein halbes Jahr danach<\/strong><\/p><p>Pers&ouml;nlich habe ich Stefan Semken leider nicht kennengelernt. Aber wir hatten seit Anfang des Jahres 2020 ganz sporadischen Kontakt. Am 25. Januar, einem Samstagvormittag, rief er mich von Bremen aus an. Ich wei&szlig; nicht mehr, wie er auf mich aufmerksam geworden war. Er erz&auml;hlte mir von seiner geplanten Friedensfahrt zum 9. Mai, und ich war sofort begeistert. Keine Frage, dass ich auch ein Sponsoring f&uuml;r diese Tour &uuml;bernahm.<\/p><p>Mitte Mai erhielt ich dann eine Mail von ihm mit einer Einladung, in Jekaterinburg regelm&auml;&szlig;ig journalistische Workshops durchzuf&uuml;hren &ndash; eine Einladung, die ich sehr gerne annahm. Umgekehrt schickte ich ihm immer wieder Links zu meinen Ver&ouml;ffentlichungen, die sich ja fast alle um die deutsch-russischen Beziehungen drehen.<\/p><p>So auch zuletzt am 24. Juli 2020 via Facebook-Messenger. Wenige Minuten sp&auml;ter sah ich, dass die Nachricht ge&ouml;ffnet worden war. Einen Tag danach geriet ich morgens aus Zufall &ndash; wohin ich mich normalerweise fast nie verirre &ndash; auf die Startseite von Facebook, dort, wo man sehen kann, was alle FB-Freunde gerade gepostet haben. Und traute meinen Augen nicht! Ein Foto von einer &ndash; wie ich erst sehr langsam verstand &ndash; Trauerfeier im Jekateriner Krematorium. In der Mitte befand sich das trauerumflorte Portr&auml;t von Stefan Semken.<\/p><p>Stefan Semken war am 19. Juli in der Intensivstation eines Jekateriner Krankenhauses verstorben. Wie ich nach einigen Recherchen im Netz erfuhr, war bei ihm acht Tage zuvor Darmkrebs diagnostiziert worden.<\/p><p>Der Schock sa&szlig; tief. Mehrere Tage lang musste ich mit den Tr&auml;nen k&auml;mpfen. Vor allem, nachdem ich &ndash; shame on me!! &ndash; bei dieser Gelegenheit erstmals im Netz die zahlreichen Aktivit&auml;ten Semkens genauer studiert hatte und mir bewusst geworden war, welch ein Juwel damit von uns gegangen ist!<\/p><p><strong>Wenn sich die Liebe zwischen zwei Menschen zur Liebe zwischen den V&ouml;lkern weitet&hellip;<\/strong><\/p><p>Stefan Semken ist nun seit drei Jahren tot. Er starb zwei Wochen nach seiner 5.000-Kilometer-Tour, auf der er so eindringlich um Vers&ouml;hnung und Freundschaft zwischen Russen und Deutschen geworben hatte. Die Anteilnahme in Russland war gro&szlig;. Die <a href=\"https:\/\/mstrok.ru\/news\/umer-uralskiy-nemec-shtefan-zemken\">lokalen Medien<\/a> berichteten noch am selben Tage und ausf&uuml;hrlich &uuml;ber ihren, wie sie ihn liebevoll nennen, <a href=\"https:\/\/www.e1.ru\/text\/relations\/2020\/07\/21\/69376177\/\">&bdquo;Uraldeutschen&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Menschen wie er gehen immer zu fr&uuml;h. Aber dass dies schon mit 60 Jahren geschehen musste und ausgerechnet in dieser Zeit erneuter geopolitischer Spannungen, wo nichts wichtiger ist, als wenigstens noch die direkten menschlichen Kontakte zwischen Russen und Deutschen zu halten, nein: auszubauen &ndash; das ist bitter!<\/p><p>Der Deutsche Stefan Semken und seine russische Frau Olga haben exemplarisch gezeigt, was einzelne Menschen auf die Beine stellen k&ouml;nnen, wenn sie ihre pers&ouml;nliche Liebe zueinander zur Liebe zwischen beiden V&ouml;lkern weiten. Wir brauchen so viele dieser Menschen! Jetzt in dieser neuen Eiszeit, wo nicht nur wieder aufger&uuml;stet, sondern ein blutiger Krieg mitten in Europa gef&uuml;hrt wird, wo alte Feindbilder reaktiviert und &uuml;ber 75 Jahre nach Hiroshima Atomwaffen wieder salonf&auml;hig werden. (Und manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, dass es vielleicht doch gut ist, dass er die heutige schreckliche Zeit nicht mehr erleben musste!)<\/p><p>Ich bedauere es unendlich, Stefan Semken nicht pers&ouml;nlich kennengelernt zu haben. Nun liegt es an uns, gute Erben zu sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einzelne Menschen sind nicht machtlos. Sie k&ouml;nnen unendlich viel auf die Beine stellen, wenn sie von einem Anliegen beseelt sind. Der Bremer Stefan Semken hat Unfassbares f&uuml;r die deutsch-russischen Beziehungen getan. &ndash; Vor drei Jahren, am 19. Juli 2020, starb er &uuml;berraschend im Alter von 60 Jahren. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101304\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":101306,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,917,20],"tags":[1406,2104,259,966],"class_list":["post-101304","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-kultur-und-kulturpolitik","category-landerberichte","tag-charity","tag-kriegsopfer","tag-russland","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_20200724_101058.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101304","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=101304"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101304\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101352,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101304\/revisions\/101352"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/101306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=101304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=101304"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=101304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}