{"id":101346,"date":"2023-07-20T10:22:58","date_gmt":"2023-07-20T08:22:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101346"},"modified":"2023-07-20T11:16:31","modified_gmt":"2023-07-20T09:16:31","slug":"welt-am-sonntag-mit-neuen-vorwuerfen-gegen-julian-assange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101346","title":{"rendered":"Welt am Sonntag mit \u201eneuen\u201c Vorw\u00fcrfen gegen Julian Assange?"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. Juli erschien in der <em>Welt am Sonntag<\/em> ein Artikel unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus246288526\/Wikileaks-Er-legte-sich-mit-Julian-Assange-an-nun-ist-sein-Leben-ein-Alptraum.html\">&bdquo;Er legte sich mit Assange an &ndash; nun ist sein Leben ein Alptraum&ldquo;<\/a>. In diesem Artikel wird David Morales, der Chef der spanischen Sicherheitsfirma UC Global, die Julian Assange in seinem Botschaftsasyl in London &uuml;berwacht hat, als Opfer dargestellt. Das ist er wahrscheinlich auch, aber wenn man den Artikel wirklich genau liest, erscheint Morales mehr das Opfer seiner eigenen Ambitionen und Aktivit&auml;ten zu sein als das Opfer von Julian Assange. Nach l&auml;ngerem Zweifel, ob man diesen Artikel, der sowieso hinter einer Bezahlschranke in &bdquo;Quarant&auml;ne&ldquo; ist, besser ignorieren sollte, nun doch eine Analyse einiger zentraler Aussagen in besagtem Artikel, die nachfolgend von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong> zitiert werden. Zus&auml;tzlich der aktuelle Newsletter von FreeAssangeBerlin.<br>\n<!--more--><br>\nDer <em>WamS<\/em>-Artikel hat als weitere &Uuml;berschrift die folgenden S&auml;tze:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Lange dem&uuml;tigte Julian Assange die USA, ver&ouml;ffentlichte Milit&auml;rgeheimnisse auf Wikileaks. Der Auslieferung und dem Prozess in den USA will er entgehen&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Kann man ein Land &uuml;berhaupt dem&uuml;tigen oder nicht doch eher dessen B&uuml;rger und dessen politische Repr&auml;sentanten? Dass einige der Letzteren von den <a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/\">WikiLeaks-Ver&ouml;ffentlichungen<\/a> peinlich ber&uuml;hrt sind, steht au&szlig;er Zweifel und bei vielen der &bdquo;Milit&auml;rgeheimisse&ldquo; geht es um handfeste Verbrechen wie Mord, Folter, Entf&uuml;hrung und Korruption.<\/p><p>Darauf gehen die drei <em>Welt<\/em>-Journalisten mit keinem Wort ein, was ich nicht nachvollziehen kann. Es sind reale Personen, die diese Verbrechen zu verantworten haben und die nun an der Verfolgung von Julian Assange beteiligt sind. Dazu scheint man auch die willige Hilfe von UC Global und ihrem Besitzer David Morales in Anspruch genommen zu haben.<\/p><p>Andererseits waren und sind viele B&uuml;rger in den USA nicht mit diesen Aktivit&auml;ten ihrer Regierung einverstanden, sondern sch&auml;men sich daf&uuml;r. Diese Menschen sind Julian Assange dankbar f&uuml;r seine Ver&ouml;ffentlichungen. Auch Edward Snowden und Chelsea Manning sind B&uuml;rger der USA, die nicht mehr mit ansehen konnten, was in ihrem Namen geschah, und die sich deshalb an die &Ouml;ffentlichkeit wandten. In Chelsea (damals noch Bradley) Mannings Fall hatte diese sogar noch versucht, auf verschiedenen Formen des Dienstwegs ihre Vorgesetzten auf die von ihr bemerkten &bdquo;Unregelm&auml;&szlig;igkeiten&ldquo; aufmerksam zu machen.<\/p><p>Dies nur als grunds&auml;tzliche Einsch&auml;tzung von Whistleblowern und den Presseorganen, die (noch) bereit sind, brisante Informationen zu ver&ouml;ffentlichen. Man kann den eigenen journalistischen Auftrag nat&uuml;rlich auch als das Verk&uuml;nden und Rechtfertigen von Regierungshandeln betrachten, sozusagen als Sprachrohr der Regierungssprecher.<\/p><p>Weiter hei&szlig;t es im <em>WamS<\/em>-Artikel:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Und so wandte sich die Regierung in Quito &ndash; genauer ihr Geheimdienst Senain &ndash; 2015 mit einem speziellen Anliegen an ihn: Morales sollte die ecuadorianische Botschaft in London wieder unter Kontrolle kriegen. Man kannte sich. &bdquo;Vorher hatten wir schon mit Senain gearbeitet&ldquo;, erz&auml;hlt Morales.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Lebte doch in der Londoner Botschaft Julian Assange, der Gr&uuml;nder von Wikileaks, der die USA st&auml;ndig blamierte, indem er ihre gestohlenen Milit&auml;rgeheimnisse ver&ouml;ffentlichte &ndash; und die ihn daf&uuml;r vor Gericht stellen wollen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn man das Ver&ouml;ffentlichen von wahren Informationen mit &bdquo;st&auml;ndig blamierte&ldquo; kommentiert, dann macht man den &Uuml;berbringer von Informationen verantwortlich anstatt deren Verursacher. Eigentlich m&uuml;sste es hei&szlig;en, &bdquo;die USA blamier(t)en sich st&auml;ndig&ldquo;, wiederum mit der Einschr&auml;nkung, ob sich ein Staat wirklich blamieren kann oder eher dessen B&uuml;rger oder Politiker.<\/p><p>Und &bdquo;Man kannte sich&ldquo;, beim Geheimdienstler und der &bdquo;Sicherheitsfirma&ldquo;.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So ist David Morales ins Getriebe der Weltpolitik geraten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auch &bdquo;geraten&ldquo; scheint hier das falsche Wort, denn Morales hat diesen lukrativen Auftrag im damals seit 5 Jahren schwelenden Fall Assange aktiv angenommen. Dass dieser Fall mit staatlichen Akteuren aus mindestens 4 L&auml;ndern (Schweden, Gro&szlig;britannien, Ecuador und USA) brisant war, musste ihm wohl bekannt sein.<\/p><p>Man w&uuml;rde ja auch nicht schreiben, dass Julian Assange ins Getriebe der Weltpolitik geraten ist, denn auch er hat seine Ver&ouml;ffentlichungen aktiv vorangetrieben. Vielleicht hat er nicht damit gerechnet, wie gnadenlos und trickreich die Verantwortlichen in den USA und Gro&szlig;britannien gegen ihn vorgehen w&uuml;rden, und wie wenig Hilfe von den Regierungen anderer westlicher L&auml;nder, inklusive seinem Heimatland Australien, kommen w&uuml;rde.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Am 17. Juli 2019 wurde Morales festgenommen, zwei Tage sa&szlig; er in Jerez ein und einen weiteren Tag in Madrid. Seitdem ist sein Reisepass ung&uuml;ltig, seine Konten sind gesperrt, seine Firma musste er liquidieren.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Aufgeben will Morales nicht. Jeden Morgen, sagt er, ziehe er seine Laufschuhe an und renne seine Runde. Wenn dieser Albtraum irgendwann vorbei sei, sagt er, werde er sich wieder erk&auml;mpfen, was er verlor &ndash; seine Firma, seine Handlungsfreiheit, seinen Ruf.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Morales hat dabei mitgeholfen, dass Julian Assange seit 1.560 Tagen im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis meistens auf wenigen Quadratmetern in Einzelhaft einsitzt, und nun nennt er seine drei Tage Haft und sein t&auml;gliches Joggen vor seiner Haust&uuml;r einen &bdquo;Albtraum&ldquo;. Ich will ihm nicht absprechen, dass er dies und seinen wirtschaftlichen Ruin so empfindet, aber dass die <em>WamS<\/em>-Journalisten dies so 1:1 &uuml;bernehmen, ohne auf Julian Assanges Lage hinzuweisen, zeugt nicht gerade von Empathie mit diesem.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es ist eine Geschichte aus der Schattenwelt der Geheimdienste, in der viele Wahrheiten existieren &ndash; je nach Interessenlage.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Morales ist aktiv in diese Welt eingetaucht und &bdquo;man kannte sich&ldquo;, wie oben schon zitiert.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Morales&rsquo; erster Eindruck von der Botschaft: &bdquo;Totales Chaos.&ldquo; Assange habe darin schalten und walten k&ouml;nnen, wie es ihm beliebte. Aus dem roten Backsteinbau im noblen Stadtteil Knightsbridge lenkte er sein globales Netzwerk, seine vielen Besucher seien unkontrolliert ein und aus gegangen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist der Eindruck von Morales, den die <em>WamS<\/em> hier &uuml;bernimmt. Der damalige ecuadorianische Vizekonsul Fidel Narvaez hat mir gegen&uuml;ber ganz anders von seinem Gast Assange gesprochen, und er h&auml;lt bis heute gro&szlig;e St&uuml;cke auf ihn.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ecuadors linker Pr&auml;sident Rafael Correa schm&uuml;ckte sich mit dem prominenten Gast. Er gew&auml;hrte ihm nicht nur Asyl in der Botschaft, er schenkte ihm auch die ecuadorianische Staatsb&uuml;rgerschaft.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Vielleicht wollte Correa eher ein Zeichen setzen, indem er Assange vor der Gro&szlig;macht USA sch&uuml;tzte, die sich mehr oder weniger seit ihrer Gr&uuml;ndung in die Geschicke Lateinamerikas eingemischt hat.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sein Rat sei damals gewesen: &bdquo;Out!&ldquo; Raus mit Assange.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Interessant, wie einfach Morales den verzwickten Fall Assange glaubt(e) l&ouml;sen zu k&ouml;nnen, auch wieder ohne R&uuml;cksichtnahme auf Assange und sein Botschaftsasyl.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Mai 2017 wurde Len&iacute;n Moreno Pr&auml;sident von Ecuador. Er wollte die Beziehungen zu den USA und zu Spanien verbessern und Assange loswerden, der in London auch katalanische Separatisten empfing, was in Madrid gar nicht gut ankam. Moreno entzog ihm 2019 Pass und Asyl. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article191738013\/Julian-Assange-festgenommen-Wikileaks-Gruender-drohen-fuenf-Jahre-Haft.html\">Woraufhin die britische Polizei die Botschaft am 11. April 2019 betrat und Assange verhaftete<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article239411317.ece\">Sogleich stellten die USA einen Auslieferungsantrag<\/a>. Es folgte ein jahrelanges juristisch-politisches Ringen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Autoren stellen es als normal dar, dass ein Pr&auml;sident eines demokratischen Staates einem seiner B&uuml;rger einfach so Pass (Staatsangeh&ouml;rigkeit) und Asyl entziehen kann.<\/p><p>Auch dass die USA binnen Stunden die Auslieferung Assanges beantragten, nachdem dies jahrelang von den Beh&ouml;rdenvertretern der USA verneint wurde und die diesbez&uuml;glichen Vermutungen Assanges von den Medien als Wichtigtuerei abgetan wurden, wird von den <em>WamS<\/em>-Autoren nicht thematisiert.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das scheint nun beendet. Jetzt, da die britische Justiz Assanges Berufung gegen seine Ausweisung final abgewiesen hat, kann es jederzeit geschehen, dass der Mann, der Amerika so lange vorgef&uuml;hrt hat, vor amerikanischen Richtern steht. Assange erwartet eine Anklage nach dem US-Spionagegesetz, das Haftstrafen bis zu 175 Jahre vorsieht.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In diesem Absatz gibt es zwei nicht ganz korrekte Behauptungen: Julian Assanges Berufung ist noch nicht &bdquo;final abgewiesen&ldquo;, denn es steht ihm noch eine 30-min&uuml;tige m&uuml;ndliche Anh&ouml;rung vor zwei Richtern offen. Dies ist von Assanges Verteidigung beantragt und es liegt an den zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden, den Termin anzuberaumen. Dies kann in 5 Tagen sein, oder aber in Monaten. Die bisherige Zerm&uuml;rbungstaktik l&auml;sst Letzteres vermuten.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2023\/07\/how-the-establishment-works-part-2\/\">Hier<\/a> findet sich eine Vorhersage von Craig Murray, wie es im Fall Assange weitergeht.<\/p><p>Es ist nicht das US-Spionagegesetz, welches &bdquo;Haftstrafen bis zu 175 Jahre (sic) vorsieht&ldquo;, sondern es handelt sich um 17 Anklagepunkte nach dem US-Spionagegesetz mit bis zu je 10 Jahren H&ouml;chststrafe plus ein Anklagepunkt des Computereinbruchs (nicht nach dem Spionagegesetz von 1917) mit 5 Jahren H&ouml;chststrafe. Dadurch die absurde H&ouml;chststrafe von 175 Jahren in diesem speziellen Fall. <a href=\"https:\/\/www.justice.gov\/opa\/pr\/wikileaks-founder-julian-assange-charged-18-count-superseding-indictment\">Diese Anklage<\/a> gibt es seit mehr als vier Jahren und sie wird in vielen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52020\">Abhandlungen<\/a> zitiert.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Noch etwas hatte Morales im Auftrag Ecuadors tun sollen &ndash; die &ouml;ffentlichen R&auml;ume der Botschaft mit Kameras &uuml;berwachen. Das tat er auch. Die Botschaft m&uuml;sse man sich wie eine gro&szlig;e Wohnung vorstellen, sagt Morales. Assange habe ein privates Zimmer mit Bett gehabt und eines f&uuml;r Sitzungen. Sein Privatraum, so Morales, wurde nicht von Kameras &uuml;berwacht. Aber mit den Kameras ger&auml;t der Auftrag aus dem Lot.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Hier wird es etwas unklar, denn erst ist von zwei Zimmern die Rede, dann von nicht &uuml;berwachtem &bdquo;Privatraum&ldquo;. Sind mit diesem Ausdruck beide Zimmer gemeint oder sieht Morales oder die <em>Wams<\/em>-Autoren es als legitim an, das Sitzungszimmer, wo sich Assange auch mit seinen Anw&auml;lten und &Auml;rzten traf, zu &uuml;berwachen? Im Verlauf des Artikels wird dann auch nicht klar, was mit &bdquo;aus dem Lot geraten&ldquo; wirklich gemeint ist. Es existieren detaillierte Aufnahmen von Julian Assange und seinen Besuchern. Morales streitet im Artikel nicht ab, daf&uuml;r verantwortlich zu sein, sondern dass die CIA auch die Daten erhielt. Vielleicht stellt sich im Laufe des Verfahrens gegen ihn doch noch heraus, was wirklich geschah.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es beginnt schon damit, dass Morales in Spanien strafrechtlich verfolgt wird. Warum eigentlich? Warum nicht &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; in England oder Ecuador? In Spanien hat er doch nichts getan. Seine angebliche Bespitzelung von Assange fand in der Botschaft in London statt, also auf souver&auml;nem ecuadorianischem Boden. Tats&auml;chlich hat die britische Justiz von Anfang an die Kompetenz der spanischen Justiz in diesem Fall infrage gestellt.<\/p>\n<p>Im Jahr 2019, kurz nach Morales&rsquo; Verhaftung, bat der damals mit dem Fall befasste Richter der Audiencia National die britischen Beh&ouml;rden, Assange als Zeugen zu befragen. Die britische Zentralbeh&ouml;rde UKCA, zust&auml;ndig f&uuml;r das spanische Ersuchen, lehnte dies ab und stellte infrage, dass Spanien f&uuml;r eine Angelegenheit zust&auml;ndig ist, die in die Verantwortung der Regierungen Ecuadors und des Vereinigten K&ouml;nigreichs falle.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wenn man sich die ganze Gemengelage anschaut, muss man wohl froh sein, dass sich &uuml;berhaupt Strafverfolgungsbeh&ouml;rden mit diesem Fall befassen. Wenn britische Beh&ouml;rden meinen, dass dieser Fall in &bdquo;die Verantwortung der Regierungen Ecuadors und des Vereinigten K&ouml;nigreichs falle&ldquo;, fragt man sich, warum niemand in Ecuador oder im Vereinigten K&ouml;nigreich ermittelt. Au&szlig;erdem scheint es sonderbar, dass &bdquo;Regierungen&ldquo; daf&uuml;r zust&auml;ndig sein sollen und nicht Justizbeh&ouml;rden. Das hie&szlig;e, dass britische Beh&ouml;rden sehr wohl wissen, dass es im Fall Assange um Politik geht.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So ein Star-Richter war einst auch Baltasar Garz&oacute;n. Er war 2012 wegen Rechtsbeugung aus der Audiencia Nacional ausgeschlossen und durch einen anderen Star-Richter ersetzt worden &ndash; seinen guten Freund Santiago Pedraz, der heute f&uuml;r den Fall Morales zust&auml;ndig ist. Und Garz&oacute;n wiederum ist heute der seit Jahren wichtigste Anwalt von Assange.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Pedraz ist ein regelm&auml;&szlig;iger Gast in der Boulevardpresse, wo seine Aff&auml;ren und privaten Trennungen f&uuml;r Schlagzeilen sorgen. Der Berufsverband der Richter und Staatsanw&auml;lte hat ihm in der Vergangenheit vorgeworfen, sich in seinem Handeln &uuml;bernommen zu haben. Es war f&uuml;r die Juristen keine &Uuml;berraschung, dass er im vorigen Sommer im Rahmen der Morales-Ermittlungen ank&uuml;ndigte, den fr&uuml;heren US-Au&szlig;enminister und CIA-Direktor Mike Pompeo vernehmen zu wollen &ndash; ein Show-Akt ganz im Stil eines Star-Richters.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mike Pompeo hat WikiLeaks im Jahr 2017 einen &bdquo;feindlichen nicht-staatlichen Geheimdienst&ldquo; genannt und es gibt Anzeichen daf&uuml;r, dass die CIA die Entf&uuml;hrung oder gar Ermordung von Julian Assange plante. Ist es da nicht normal, dass die Ermittler versuchen, Pompeo dazu zu befragen? Oder meinen die Autoren, dass US-amerikanische Ex-Beh&ouml;rdenvertreter &uuml;ber dem Gesetz stehen?<\/p><p>In meinen Augen stellen die Ermittlungen gegen Morales in Spanien so etwas wie ein Gegengewicht im Fall Assange dar. Von den britischen Beh&ouml;rden erwarte ich in dieser Richtung kaum Aufkl&auml;rung. Tausende von Dokumenten, die im Zusammenhang mit Assange und den schwedischen Ermittlungen gegen ihn stehen, wurden schon vernichtet. Dies geht aus Anfragen der Journalistin Stefania Maurizi an die britischen Beh&ouml;rden hervor.<\/p><p>In diesem <a href=\"https:\/\/declassifieduk.org\/cps-has-destroyed-all-records-of-keir-starmers-four-trips-to-washington\/\">k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlichten Artikel<\/a> wird berichtet, dass die britische Beh&ouml;rde (Crown Prosecution Service, CPS), die f&uuml;r das schwedische Auslieferungsersuchen zust&auml;ndig war, Unterlagen &uuml;ber vier Reisen ihres damaligen Vorsitzenden nach Washington vernichtet hat. Aus Unterlagen, die in den USA noch existieren, geht hervor, dass sich der heutige Labour-Vorsitzende Keir Starmer damals mit dem US-Generalstaatsanwalt Eric Holder und einer gro&szlig;en Anzahl von britischen und US-amerikanischen Beamten, die f&uuml;r die nationale Sicherheit zust&auml;ndig waren, traf. Man fragt sich, warum Unterlagen, die mit dem noch laufenden Assange-Verfahren in Zusammenhang stehen, vernichtet werden.<\/p><p>An einer Stelle des <em>WamS<\/em>-Artikels taucht die Behauptung auf, Assanges Verteidiger h&auml;tten einer Festplatte von Morales Daten hinzugef&uuml;gt, unter anderem mit dem Dateinamen CIA. Morales bestreitet nat&uuml;rlich, Julian Assange f&uuml;r die CIA ausspioniert zu haben. Das alles ist schwer zu beweisen, in der einen wie der anderen Richtung, und hier stimme ich mit den <em>WamS<\/em>-Autoren &uuml;berein.<\/p><p>Das Leben von Morales als &bdquo;Albtraum&ldquo; zu bezeichnen, nachdem man mit ihm an seinem K&uuml;chentisch gesessen hat, ohne auf das Opfer seiner &Uuml;berwachung, das im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis in einer Art <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97372\">schwarzem Loch<\/a> gefangen ist, hinzuweisen, ist sonderbar. Man kann Julian Assange dort nicht interviewen, die Presse hat keinen Zugang zu ihm. Vertretern von <em>Reporter ohne Grenzen<\/em> wurde in letzter Minute der schon gew&auml;hrte Zugang verwehrt. Dies alles findet in der <em>WamS<\/em> keine Erw&auml;hnung.<\/p><p>Dann schreiben die <em>WamS<\/em>-Reporter auch noch ausf&uuml;hrlich &uuml;ber die Besucher bei Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft und es wird &uuml;ber die N&auml;he von einem bestimmten Journalisten zu Assange spekuliert.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Interessant sind die Besuchsgr&uuml;nde, die die Liste verzeichnet. Da sind die politischen Zusammenk&uuml;nfte, genannt &bdquo;reuniones sociales&ldquo;. Oder Assange gab Interviews. Oder es kamen seine Anw&auml;lte, sein Therapeut, sein Physiotherapeut, sein Masseur oder &uuml;ber Weihnachten sein Vater. Der h&auml;ufigste Besuchsgrund lautet &bdquo;meeting&ldquo;.<\/p>\n<p>Es ist die interessanteste Kategorie &ndash; die der Freunde und Kampfgef&auml;hrten. So ein Meeting fand etwa am 17. M&auml;rz 2016 statt. Assanges Gast war der Mann, der Morales heute in New York verklagt, weil er glaubt, im Rahmen der CIA-Aktion ebenfalls ausspioniert worden zu sein &ndash; John Goetz, ein deutscher Journalist mit amerikanischem Pass, t&auml;tig f&uuml;r den NDR.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Von John Goetz kam dann eine Unterlassungsklage gegen die <em>WamS<\/em> und diese musste einige Behauptungen zur&uuml;cknehmen. <a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/86077\/eine-nacht-bei-julian-assange-wams-muss-behauptung-ueber-ndr-reporter-zuruecknehmen\/\">Dieser Artikel<\/a> bietet einen guten &Uuml;berblick &uuml;ber diesen Vorgang.<\/p><p>Ich selbst fordere die Freiheit meines Kollegen Julian Assange. F&uuml;r ihn als Person und f&uuml;r die Pressefreiheit, also die Freiheit meines Berufsstandes, die &Ouml;ffentlichkeit auch &uuml;ber Dinge zu informieren, die peinlich f&uuml;r die Herrschenden sind, seien sie Politiker, Richter, Milliard&auml;re, Pressemagnaten, Kirchenobere usw.<\/p><p>Leider sieht man nicht nur am Fall Assange, dass wir uns in Richtung Totalitarismus bewegen und wir in einigen Bereichen schon dort angekommen sind.<\/p><p>Craig Murray hat dies <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2023\/05\/the-twilight-of-freedom\/\">in diesem Artikel<\/a> eindr&uuml;cklich dargelegt.<\/p><p>Und hier in diesem l&auml;ngeren Text unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.craigmurray.org.uk\/archives\/2023\/06\/assange-an-unholy-masquerade-of-tyranny-disguised-as-justice\/\">&bdquo;Tyrannei als Rechtsprechung getarnt&ldquo;<\/a> beschreibt er das Thema am Beispiel Julian Assange.<\/p><p>Der <em>WamS<\/em>-Beitrag endet mit den folgenden Abs&auml;tzen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als David Morales, der oft sarkastisch und fast belustigt &uuml;ber seinen Fall spricht, von der letzten Begegnung beider M&auml;nner erz&auml;hlt, wird er ernst: &bdquo;Assange wurde sehr grob gegen&uuml;ber meinen Mitarbeitern. Er furzte vor ihnen, er benahm sich sehr unversch&auml;mt.&ldquo; Er habe ihm gesagt, er solle sich nicht so benehmen. &bdquo;Ich war sehr w&uuml;tend.&ldquo;<\/p>\n<p>Und dann fiel dieser Satz: &bdquo;F&uuml;r mich bist du niemand, der mich interessiert. Wenn ich jetzt die T&uuml;r &ouml;ffne und dich rausschubse, warten da drau&szlig;en britische Polizisten auf dich.&ldquo; Assange habe sich daraufhin umgedreht und sei wortlos verschwunden. &bdquo;Das war meine letzte Begegnung mit ihm. Und mein letzter Besuch in der Botschaft.&ldquo;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ich finde es verwunderlich, dass sich Morales mit diesen S&auml;tzen br&uuml;stet und dass die <em>WamS<\/em>-Autoren dies unkommentiert stehenlassen. Julian Assange stand schon damals mit dem R&uuml;cken zur Wand. Es gibt ihm nahestehende Menschen, die ich pers&ouml;nlich kenne, die gro&szlig;e St&uuml;cke auf ihn halten. Dass er Menschen, die ihn &uuml;berwachten und bedr&auml;ngten, nicht so freundlich behandelte, ist vielleicht unklug, aber auch menschlich und gut nachvollziehbar.<\/p><p>Dass Morales damit gedroht hat, Assange den britischen Beh&ouml;rden, die ihn nun seit &uuml;ber vier Jahren schikanieren, in die Arme zu schubsen, ist wahrlich kein Ruhmesblatt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. Juli erschien in der <em>Welt am Sonntag<\/em> ein Artikel unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/plus246288526\/Wikileaks-Er-legte-sich-mit-Julian-Assange-an-nun-ist-sein-Leben-ein-Alptraum.html\">&bdquo;Er legte sich mit Assange an &ndash; nun ist sein Leben ein Alptraum&ldquo;<\/a>. In diesem Artikel wird David Morales, der Chef der spanischen Sicherheitsfirma UC Global, die Julian Assange in seinem Botschaftsasyl in London &uuml;berwacht hat, als Opfer dargestellt. Das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101346\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":101347,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,123,183],"tags":[681,1171,2057,2163,469,1471,304,1554,1415,1556,328,665],"class_list":["post-101346","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-assange-julian","tag-asyl","tag-ecuador","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-investigativer-journalismus","tag-kriegsverbrechen","tag-orwell-2-0","tag-pressefreiheit","tag-usa","tag-welt","tag-wikileaks-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/230720_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=101346"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101350,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101346\/revisions\/101350"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/101347"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=101346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=101346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=101346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}