{"id":10158,"date":"2011-07-20T17:04:56","date_gmt":"2011-07-20T15:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10158"},"modified":"2014-09-09T10:41:48","modified_gmt":"2014-09-09T08:41:48","slug":"murdoch-ist-nur-symbol-und-teil-des-problems-der-zerstorung-der-demokratischen-willensbildung-und-der-entmachtung-der-mehrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10158","title":{"rendered":"Murdoch ist nur Symbol und Teil des Problems der Zerst\u00f6rung der demokratischen Willensbildung und der Entmachtung der Mehrheit"},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser schreibt heute: &bdquo;Ich bin erstaunt, dass der britische Abh&ouml;rskandal und die Verfilzung von Murdoch mit den (seinen) Politikern in den NDS bisher noch gar nicht thematisiert wurde, zumal diese Art von Politik in Ihrem Buch &ldquo;Meinungsmache&rdquo; im erweiterten Sinn dargestellt wird. Im Grunde brauchen Sie nur ein paar S&auml;tze aus Ihrem Buch zitieren und schon ist man mittendrin im Geschehen.&ldquo; So ist es, aber manchmal wird man m&uuml;de, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man die Unvernunft und Interessenabh&auml;ngigkeit der meisten Politik nur noch verstehen kann, wenn man begriffen hat, was die Konzentration der Medien in wenigen H&auml;nden und ihre Verfilzung mit der Politik anrichten. Nicht nur in Gro&szlig;britannien, nicht nur in den USA, auch bei uns, in Frankreich und anderswo. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDer NachDenkSeiten Leser f&auml;hrt fort: <\/p><blockquote><p>&sbquo;Im Bucheinband von &ldquo;Meinungsmache&rdquo; steht: &ldquo;Im Kern wird die &ouml;ffentliche Meinungsbildung bestimmt von einer Koalition aus F&uuml;hrungseliten in Wirtschaft, Politik und Medien. Und sie wird dabei deutlich gepr&auml;gt von einer aggressiven Ideologie.&rdquo; In England kommt nun ein Teil des (ideologischen) Problems in die &ouml;ffentliche Wahrnehmung &ndash; und das Problem, also die bestimmende F&uuml;hrungselite der westlich orientierten Welt, ist ultrarechts. Murdoch ist nur ein Teil dieses Problems. &ndash;&nbsp; Frei nach Goethe: Zur Meinungsmache dr&auml;ngt, an der Meinungsmache h&auml;ngt doch alles.&rsquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Die kriminellen Machenschaften der Murdoch-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind schlimm, aber nur ein Randproblem: das eigentliche Problem ist, dass ein solcher Konzern die Politik bestimmt<\/strong><\/p><p>Schon Margret Thatcher war mit Murdoch verbandelt. Der Konzern r&uuml;hmte sich der Unterst&uuml;tzung Toni Blairs; und die enge, auch personelle Verkn&uuml;pfung mit der jetzigen konservativen F&uuml;hrung ist jetzt wieder einmal sichtbar geworden. Politik und Medien haben sich gegenseitig in der Tasche. Die Opposition ist zahnlos. Kritische Medien mit Gewicht gibt es in der monotonen, von Murdoch beherrschten Medienwelt nicht. Die Grundforderung an eine Medienordnung, n&auml;mlich plurale Meinungsbildung m&ouml;glich zu machen, ist nicht erf&uuml;llt. &ndash; Deshalb wird Murdoch auch nichts geschehen.<br>\nDie Konsequenz m&uuml;sste sein, dass nicht nur &uuml;ber die schlimmen Abh&ouml;r-Machenschaften sondern &uuml;ber die Medienmacht des einen Konzerns in Gro&szlig;britannien diskutiert wird und dass man das Problem der mangelnden Pluralit&auml;t angeht.<\/p><p><strong>Der Siegeszug eines Robert Murdoch ist eng verkn&uuml;pft mit der Entmachtung der Mehrheit eines Volkes, mit der Entmachtung vor allem der Arbeitnehmerschaft<\/strong><\/p><p>Die Freie Journalistin Brigitte Baetz macht in einem <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kommentar\/1508254\/drucken\/\">Kommentar f&uuml;r den Deutschlandfunk<\/a> darauf aufmerksam, dass der Aufbau der Macht Murdochs in Gro&szlig;britannien eng mit seinem Kampf gegen Gewerkschaften verbunden ist. Ich zitiere:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Dabei w&auml;re Rupert Murdoch zumindest im Vereinigten K&ouml;nigreich nicht der, der er ist, h&auml;tte er nicht von Anfang an die Unterst&uuml;tzung der Politik gehabt, die er gleichzeitig wie kein zweiter beeinflusste. Seit dem Kauf der &ldquo;News of the World&rdquo;, mit der der geb&uuml;rtige Australier 1969 sein britisches Protektorat begr&uuml;ndete, sah er sich als K&ouml;nigsmacher. Er hatte den Segen seiner konservativen Schwester im Geiste Margaret Thatcher, als er vor genau 25 Jahren der britischen Druckergewerkschaft das Genick brach. Thatcher selbst hatte Murdoch die Genehmigung verschafft, &ldquo;Times&rdquo; und &ldquo;Sunday Times&rdquo; zu kaufen.<\/p>\n<p>Damals ging die Polizei mit H&auml;rte gegen die streikenden Drucker vor und Murdoch lie&szlig; kostenlose Ausgaben seiner Bl&auml;tter an die Polizisten verteilen. Manchem Gewerkschafts-Veteranen scheint es heute, als habe damals die unselige Zusammenarbeit von Teilen der Ordnungsmacht mit Murdoch-Zeitungen begonnen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Die Herrschaft solcher Medienherrscher ist eng mit der Durchsetzung der neoliberalen Ideologie verbunden. Nach ihrer Vorstellung von Demokratie bestimmt die verm&ouml;gende Oberschicht mit der Hilfe von Meinungsmache, wo es lang geht.. Dazu geh&ouml;rt als wichtiges Medium und Transportmittel die Zerst&ouml;rung des Einflusses der Arbeitnehmerorganisationen.<br>\nBei <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/rupert-murdoch-der-australische-patient_aid_647536.html\">Focus Online<\/a> fand ich zur ideologischen Ausrichtung von Murdoch eine gute Zusammenfassung:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Murdoch ist konservativ bis in die Knochen und macht auch keinen Hehl daraus. Er bewundert Margaret Thatcher und Ronald Reagan, findet Gewerkschaften &uuml;berfl&uuml;ssig und Steuern nur in geringer H&ouml;he in Ordnung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Da k&ouml;nnte man doch eigentlich annehmen, dass die Gewerkschaften wenigstens jetzt ein Wort zu diesem Vorgang zu sagen haben. Ich fand nichts.<\/p><p><strong>Murdochs gibt es &uuml;ber all<\/strong><\/p><p>Mit der Konzentration der Debatte auf den Vorgang in Gro&szlig;britannien im allgemeinen und der Konzentration auf die kriminellen Abh&ouml;rpraktiken w&auml;chst die Gefahr, dass verdeckt wird, dass wir hierzulande wie auch in Frankreich, in vielen osteurop&auml;ischen L&auml;ndern, fast &uuml;berall, &auml;hnliche Probleme haben: die Medien sind hoch konzentriert, national und regional gibt es kaum noch Wettbewerb, Printmedien und elektronische Medien sind oft in einer Hand, Arbeitgebermentalit&auml;t bestimmt die Linie der Medien. Das Problem in den USA wird immerhin ein bisschen diskutiert. Das h&auml;ngt aber damit zusammen, dass dort Murdoch zu einer bestimmenden Person geworden ist. Die rechte Bewegung w&auml;re ohne sein Fox-Imperium nicht so stark, wie sie ist.<\/p><p>Hinter dieser Diskussion um Murdoch k&ouml;nnen sich die deutschen Medienkonzerne und ihre Verbandelung mit der Politik gl&auml;nzend verstecken. Das Synonym f&uuml;r Murdoch in Deutschland hei&szlig;t Bertelsmann, Springer und Co. und wie sehr sie alle mit der Politik verkn&uuml;pft sind, konnte man an der Berichterstattung und Kommentierung des Todes von Leo Kirch studieren. (Siehe dazu auch den Beitrag Wolfgang Liebs <a href=\"?p=10107\">zum Tode von Leo Kirch<\/a>)<br>\n&Auml;u&szlig;erst selten wurde thematisiert, dass schon bei der Kommerzialisierung des Fernsehens und H&ouml;rfunks in Deutschland die damals politisch Verantwortlichen um Helmut Kohl und Schwarz-Schilling eng mit Kirch und Bertelsmann zusammengearbeitet haben und sehr viel sp&auml;ter von Kirch entlohnt worden sind: mit Betr&auml;gen von vier mal 800.000 DM bis viermal 300.000 DM &ndash; je nach Bedeutung. Das ist nur ein Beispiel. Auch der Durchbruch der von Kohl und Lambsdorff begonnenen Reformpolitik, der Agendapolitik Schr&ouml;ders und der Politik der milit&auml;rischen Intervention ist ohne das Zusammenspiel konzentrierter und zusammenarbeitender Medien mit der Politik nicht vorstellbar. <\/p><p>Wenn Sie mehr zur Problematik der Lage der Medien lesen wollen, dann bl&auml;ttern Sie in den NachDenkSeiten, insbesondere in der Rubrik Medienanalyse, und\/oder lesen Sie Kapitel 21 &bdquo;Das Verschwinden der Medien als kritische Instanz&ldquo; in <a href=\"?page_id=4080\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a>. <\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p><strong>Lord Voldemort der politischen Klasse<br>\nRolle Rupert Murdochs im britischen Abh&ouml;rskandal<\/strong><br>\nVon Brigitte Baetz, freie Journalistin<\/p><p><strong>Er hatte schon immer einen Ruf als harter Hund, doch dass er nicht nur im Wortsinn &uuml;ber Leichen gehen w&uuml;rde, das hatten auch seine &auml;rgsten Feinde nicht f&uuml;r m&ouml;glich gehalten.<\/strong><br>\nSeitdem bekannt geworden ist, dass Reporter von &ldquo;News of the World&rdquo; sich an den Handyverbindungen von Mord- und Anschlagsopfern zu schaffen gemacht haben, gilt Rupert Murdoch als fleischgewordener Gottseibeiuns, als eine Art Lord Voldemort der britischen politischen Klasse, zu der ja nicht nur die Politiker, sondern auch ihre eigentlichen Wachhunde, die Journalisten geh&ouml;ren. Es ist eine der Besonderheiten dieses Skandals, dass in Gro&szlig;britannien nun eine Stimmung zu herrschen scheint als st&uuml;nde ein Diktator kurz vor dem Sturz.<br>\n(&hellip;)<\/p><p><strong>Der Fisch stinkt vom Kopf her<\/strong><br>\nMurdoch nun auch in USA unten durch<br>\nVon Brigitte Baetz, freie Journalistin<\/p><p>Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass die britische News-of-World-Aff&auml;re auch die Gesch&auml;fte des Rupert Murdoch in seiner Wahlheimat USA beeinflussen w&uuml;rde. Und trotzdem &uuml;berrascht die Heftigkeit, mit der nun auch jenseits des Gro&szlig;en Teiches &uuml;ber den letzten der gro&szlig;en Medienzaren diskutiert wird.<br>\n(&hellip;)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kommentar\/1505707\/\">dradio.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser schreibt heute: &bdquo;Ich bin erstaunt, dass der britische Abh&ouml;rskandal und die Verfilzung von Murdoch mit den (seinen) Politikern in den NDS bisher noch gar nicht thematisiert wurde, zumal diese Art von Politik in Ihrem Buch &ldquo;Meinungsmache&rdquo; im erweiterten Sinn dargestellt wird. 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