{"id":10165,"date":"2011-07-21T08:47:59","date_gmt":"2011-07-21T06:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10165"},"modified":"2014-09-09T10:42:41","modified_gmt":"2014-09-09T08:42:41","slug":"wo-bleibt-die-steuererhohungsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10165","title":{"rendered":"Wo bleibt die Steuererh\u00f6hungsdebatte?"},"content":{"rendered":"<p>Die Forderung nach einem schlankeren Staat zieht sich wie ein roter Faden durch die politische Diskussion der letzten Jahre. Warum eigentlich? Wenn man einen Blick auf die Einnahmen und Ausgaben des &ouml;ffentlichen Sektors wirft, stellt man fest, dass der schlanke Staat schon l&auml;ngst Realit&auml;t ist. Sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben des &ouml;ffentlichen Sektors befinden sich seit dem Beginn der &Auml;ra Kohl im Sinkflug. Wenn der Staat seinen Schuldenberg abbauen will, m&uuml;sste er lediglich seine Einnahmen wieder auf das Niveau der Kohl-Jahre bringen. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Wenn man die aktuelle finanzpolitische Debatte verfolgt, f&uuml;hlt man sich so, als sei man im falschen Film. Die Regierungskoalition streitet sich dar&uuml;ber, ob man &bdquo;den Steuerzahler&ldquo; zum Wahljahr 2013 mit sieben Milliarden Euro entlasten sollte oder ob es nicht doch ein bisschen mehr sein darf. Gleichzeitig steigt die Staatsschuldenquote konstant und die ersten Abschreibungen aus den Bankenrettungsprogrammen der letzten Jahre <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/deutschland\/0,2828,775425,00.html\">schlagen ebenfalls gnadenlos zu Buche<\/a>. Ende letzten Jahres <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2011\/02\/PD11__069__713.psml\">betrug<\/a> der Schuldenstand der &ouml;ffentlichen Haushalte rund 2.000 Milliarden Euro. Das ist zweifelsohne sehr viel Geld &ndash; ein Damoklesschwert stellt diese Verschuldung jedoch nicht dar, auch wenn verschiedene Interessengruppen die Bev&ouml;lkerung genau dies glauben machen wollen. Bund, L&auml;nder und Gemeinden k&ouml;nnen immerhin j&auml;hrliche Einnahmen in H&ouml;he von rund 540 Milliarden Euro verzeichnen. Die Gesamtverschuldung entspricht also rund vier &bdquo;Jahreseinkommen&ldquo; &ndash; die meisten H&auml;uslebauer sind h&ouml;her verschuldet. Da die Einnahmen der &ouml;ffentlichen Hand sicher sind und die Bonit&auml;t eines soliden Staates dazu f&uuml;hrt, dass die Kreditzinsen denkbar niedrig sind, gibt es eigentlich keinen vern&uuml;nftigen Grund, angesichts der deutschen Staatsverschuldung in Panik zu verfallen. <\/p><p><a href=\"\/upload\/bilder\/Einnahmenausgaben_large.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/Einnahmenausgaben.jpg\" alt=\"Einnahmen - Ausnahmen\"><\/a><\/p><p>2010 nahmen Bund, L&auml;nder und Gemeinden insgesamt 538 Milliarden Euro ein. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von rund 2.500 Milliarden Euro betrug die Einnahmenquote im letzten Jahr demnach 21,5%. Im gleichen Jahr gaben diese K&ouml;rperschaften 615 Milliarden Euro aus &ndash; diese Ausgaben standen immer noch unter dem Einfluss der Finanz- und Wirtschaftskrise und nahmen mit 24,6% des Bruttoinlandsprodukts einen vergleichsweise hohen Wert ein. Wer in diesen Zahlen allerdings ein Ausgabenproblem sieht, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen. Noch in der &Auml;ra Kohl lag die Einnahmenquote mehr als f&uuml;nf Prozentpunkte &uuml;ber den heutigen Werten. Erst die stetigen Steuersenkungen der letzten Dekaden haben die Einnahmen der &ouml;ffentlichen Haushalte implodieren lassen. H&auml;tten die &ouml;ffentlichen Haushalte heute eine &auml;hnlich hohe Einnahmenquote wie zu Kohls Zeiten, h&auml;tten sie selbst in den Krisenjahren 2009 und 2010 stattliche Einnahmen&uuml;bersch&uuml;sse erzielt. <\/p><p>Wie s&auml;he das Bild aus, wenn die Politik auf die stetigen Steuersenkungen verzichtet h&auml;tte? F&uuml;r eine zuverl&auml;ssige Aussage br&auml;uchte man freilich komplexe Rechenmodelle, da die H&ouml;he der Steuern nat&uuml;rlich auch einen Einfluss auf andere volkswirtschaftliche Gr&ouml;&szlig;en hat. Ein grobes Rechenmodell liefert jedoch bereits erstaunliche Zahlen. Wenn wir einmal unterstellen, dass die Einnahmenquote in den letzten zehn Jahren konstant bei einem &bdquo;Kohl-Wert&ldquo; von 25% gelegen h&auml;tte, w&auml;ren die Einnahmen der &ouml;ffentlichen Haushalte um sagenhafte 871 Milliarden Euro h&ouml;her ausgefallen. In den Jahren 2000 bis 2010 nahmen Bund, L&auml;nder und Gemeinden 510 Milliarden Euro neue Schulden auf. Mit einer Einnahmenquote von 25% h&auml;tten sie im gleichen Zeitraum bei den tats&auml;chlichen Ausgaben Schulden im Wert von 360 Milliarden Euro abbauen k&ouml;nnen. Die &ouml;ffentlichen Haushalte w&auml;ren dann heute nicht mit 2.000 Milliarden Euro, sondern nur mit 1.129 Milliarden Euro verschuldet. Die Staatsschuldenquote w&uuml;rde nicht bei 80%, sondern bei 45,1% liegen. Von einem Schuldenproblem k&ouml;nnte dann keine Rede mehr sein, der Staat h&auml;tte sogar ausreichend Man&ouml;vriermasse, um ad&auml;quat auf kommende Krisen vorbereitet zu sein. <\/p><p>Auf dieses Szenario, mit einem durchaus komfortablen Ergebnis, hat die Politik jedoch mit Vorsatz verzichtet. Anstatt solide Finanzpolitik zu betreiben, hat man die Steuern kontinuierlich gesenkt und damit die Einnahmebasis der &ouml;ffentlichen Haushalte nachhaltig gesch&auml;digt. Anstatt die Volkswirtschaft durch weitere Sparprogramme zu ruinieren, sollte die Politik sich auf die Grundz&uuml;ge solider Buchhaltung besinnen und die Einnahmen steigern. Steuersenkungsdebatten sind in diesem Zusammenhang nicht nur kontraproduktiv, sie muten geradezu grotesk an. Warum f&uuml;hren wir keine Steuererh&ouml;hungsdebatte?<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/268f018ca7b246f89dca0cbc073fdfb5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Forderung nach einem schlankeren Staat zieht sich wie ein roter Faden durch die politische Diskussion der letzten Jahre. Warum eigentlich? Wenn man einen Blick auf die Einnahmen und Ausgaben des &ouml;ffentlichen Sektors wirft, stellt man fest, dass der schlanke Staat schon l&auml;ngst Realit&auml;t ist. 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