{"id":101659,"date":"2023-07-26T09:33:30","date_gmt":"2023-07-26T07:33:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101659"},"modified":"2023-07-26T16:54:52","modified_gmt":"2023-07-26T14:54:52","slug":"abhaengig-beraten-gemeinnuetzige-servicestelle-fuer-patienten-demnaechst-nur-noch-auf-kassenrezept","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101659","title":{"rendered":"Abh\u00e4ngig beraten. Gemeinn\u00fctzige Servicestelle f\u00fcr Patienten demn\u00e4chst nur noch auf Kassenrezept?"},"content":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Unabh&auml;ngige Patientenberatung Deutschland&ldquo; geh&ouml;rte sieben Jahre lang einem Unternehmen im Dienste von Versicherern und Pharmaindustrie mit Tuchf&uuml;hlung zu einem Private-Equity-Fonds. Darunter litten Service und Qualit&auml;t, w&auml;hrend die Firmenkasse klingelte. Das provozierte immer mehr Unmut, weshalb die Ampelregierung einen Neustart versprach &ndash; mit &bdquo;staatsferner und unabh&auml;ngiger Struktur&ldquo;. Jetzt zeichnet sich ab: Die kommende UPD-Stiftung soll praktisch vom Spitzenverband der Krankenkassen beherrscht werden. Das steht so nicht im Gesetz, hat sich aber Gesundheitsminister Lauterbach in einem Kuhhandel abpressen lassen. Das war absehbar. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2895\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-101659-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=101659-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230726_Abhaengig_beraten_Gemeinnuetzige_Servicestelle_fuer_Patienten_demnaechst_nur_noch_auf_Kassenrezept_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gab Zeiten, da hielt die &bdquo;Unabh&auml;ngige Patientenberatung Deutschland&ldquo; (UPD), was ihr Name verspricht. Sie beriet in gesetzlichem Auftrag Hilfesuchende in Gesundheitsfragen unentgeltlich und &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo;, weil sie &uuml;ber jeden Verdacht erhaben war, unter dem Einfluss von &Auml;rzte- und Klinikverb&auml;nden, Krankenkassen oder Arzneimittelherstellern zu stehen. Garantiert war dies durch die Art, wie sie organisatorisch aufgestellt war: als reines Non-Profit-Projekt in gemeinsamer Tr&auml;gerschaft des Sozialverbands VdK, der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie des Verbunds unabh&auml;ngige Patientenberatung (VuP). Diese Struktur hatte von 2006 bis 2015 Bestand und es war dies die Phase, in der die UPD mit einem Maximum an Engagement, Glaubw&uuml;rdigkeit und Verl&auml;sslichkeit die Interessen der Menschen vertrat, die bei ihr Rat suchten.<\/p><p>Die NachDenkSeiten hatten vor drei Jahren im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62285\">&bdquo;&sbquo;Heuschrecke&lsquo; am Ohr&ldquo;<\/a> nachgezeichnet, was dann passierte. Zum 1. Januar 2016 wechselte die UPD im Rahmen eines europaweiten Ausschreibungsverfahrens als vermeintlich eigenst&auml;ndige Tochter in den Besitz der Duisburger Sanvartis GmbH, die einen Gro&szlig;teil ihres Geldes mit dem Betrieb von Callcentern im Auftrag der Krankenkassen verdient. Deren Dachorganisation, der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), war nicht nur die treibende Kraft hinter dieser Quasi-Privatisierung, sondern ist seit jeher der Hauptfinanzier der UPD. Mit Unabh&auml;ngigkeit war unter diesen Bedingungen Schluss. Ein Dienstleister der Kassen &bdquo;beriet&ldquo; fortan mit den Versichertenbeitr&auml;gen Versicherte, die mitunter im Konflikt mit dem eigenen Geldgeber stehen, mit dem Sanvartis auch noch private Gesch&auml;fte macht. <\/p><p><strong>&bdquo;Heuschrecke&ldquo; &uuml;bernimmt<\/strong><\/p><p>Der Vorgang sorgte seinerzeit f&uuml;r heftige Proteste, die aber folgenlos blieben. Dagegen zeigten sich die Folgen des Komplotts schon sehr bald: Service, Qualit&auml;t und Quantit&auml;t der Beratung gingen den Bach runter, w&auml;hrend die Sanvartis-Bilanzen gediehen. Wie 2020 der Bundesrechnungshof (BRH) in einem &bdquo;nur f&uuml;r den Dienstgebrauch&ldquo; gestempelten Bericht feststellte, &bdquo;wird nach Ablauf der siebenj&auml;hrigen F&ouml;rderzeit fast ein Drittel der F&ouml;rdersumme &ndash; mehr als 20 Millionen Euro &ndash; an die Sanvartis GmbH oder andere Mitglieder der Unternehmensallianz geflossen sein&ldquo;. Tats&auml;chlich legte der BRH ein System unternehmensinterner Auftragsverschiebereien blo&szlig;, bei dem sich diverse Firment&ouml;chter mit &uuml;berteuerten Abrechnungen aus dem F&ouml;rdertopf bedienten. Die Leistungsentgelte &bdquo;k&ouml;nnten gro&szlig;z&uuml;gig bemessen sein&ldquo;, was &bdquo;Zweifel an einem optimalen Einsatz der F&ouml;rdermittel&ldquo; n&auml;hre, befanden seinerzeit die Finanzw&auml;chter und umschifften so das W&ouml;rtchen Untreue um Haaresbreite.  <\/p><p>Zweifel hatten davor schon andere gehegt, allerdings ohne damit Geh&ouml;r zu finden. Ebenso ohne echte &Ouml;ffentlichkeit, geschweige denn &ouml;ffentlichen Aufschrei, lief im Sommer 2018 ein Deal ab, der die UPD praktisch mit einem Mal in die Einflusssph&auml;re der Pharmawirtschaft bef&ouml;rderte. Der Sanvartis-Verbund wurde dabei praktisch &uuml;ber Nacht von der Careforce GmbH geschluckt, einem laut Eigendarstellung <a href=\"https:\/\/www.careforce.de\/unternehmen\/\">&bdquo;Personalberater der Healthcare Industrie&ldquo;<\/a>. Kurzum arbeitet die Firma mit Sitz in K&ouml;ln Arzneimittelproduzenten zu, damit die ihre Pillen und Salben besser unter die Leute bringen. Obendrein steht hinter der Careforce-Holding ein Private-Equity-Fonds namens <a href=\"https:\/\/www.findos.com\/\">Findos Investor<\/a>, der mit dem Geld deutscher Mittelst&auml;ndler auf Renditejagd geht. Inzwischen haben sich die Besitzverh&auml;ltnisse weiter &bdquo;verschachtelt&ldquo;. Teil des Findos-Portfolios ist heute die K&ouml;lner Medperion, ein &bdquo;f&uuml;hrender Kommunikations- und Vertriebsdienstleister f&uuml;r die pharmazeutische Industrie im deutschsprachigen Raum&ldquo;, wie es hei&szlig;t. Unter <a href=\"https:\/\/www.medperion.de\/wer-wir-sind\/\">&bdquo;unsere Teilunternehmen&ldquo;<\/a> sind auf dessen Webseite f&uuml;nf Namen aufgef&uuml;hrt und neben Careforce steht da auch: Sanvartis. Damit war die &bdquo;unabh&auml;ngige&ldquo; UPD bis vor kurzem nicht nur mit den Krankenkassen und der Pharmaindustrie verbandelt, sondern &uuml;berdies Beute einer &bdquo;Heuschrecke&ldquo;. <\/p><p><strong>Stiftung f&uuml;r die Galerie<\/strong><\/p><p>Das ging nun doch zu weit, mussten schlie&szlig;lich auch die politisch Verantwortlichen einsehen und machten ein Versprechen. Im Koalitionsvertrag der Ampelparteien liest sich das so: &bdquo;Die Unabh&auml;ngige Patientenberatung (UPD) &uuml;berf&uuml;hren wir in eine <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag\/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf\">dauerhafte, staatsferne und unabh&auml;ngige Struktur<\/a> unter Beteiligung der ma&szlig;geblichen Patientenorganisationen.&ldquo; Bereits zu Zeiten der abgew&auml;hlten Gro&szlig;en Koalition wurden vier m&ouml;gliche Nachfolgemodelle diskutiert, wovon eines vorsah, &bdquo;kommerzielle, gewinnorientierte oder nicht gemeinn&uuml;tzige Anbieter&ldquo; auszuschlie&szlig;en. Der Vorteil l&auml;ge in der &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/120106\/Patientenberatung-Gutachten-analysiert-vier-unabhaengige-Organisationsformen\">pr&auml;ventiven Immunisierung<\/a> des Beratungsangebots vor der Einflussnahme durch Anbieter gesundheitsbezogener Waren und Dienstleistungen&ldquo;, zitierte damals das <em>&Auml;rzteblatt<\/em> aus einem Rechtsgutachten im Auftrag der damaligen Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU). Daraus wurde nichts. Stattdessen beschloss der Bundestag im vergangenen M&auml;rz, die UPD zum 1. Januar 2024 in einer Stiftung b&uuml;rgerlichen Rechts zu verstetigen. <\/p><p>Zu diesem Konzept hatte besagte Expertise noch festgehalten, es sei &bdquo;besonders daf&uuml;r geeignet, innovativen Input durch wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Partizipationsstrukturen zu gew&auml;hrleisten&ldquo;. Tats&auml;chlich fanden sich die ma&szlig;geblichen Patientenorganisationen prompt bereit, den Aufbau der neuen UPD mitzugestalten und als k&uuml;nftige Betreiber an die Erfolgsgeschichte der Gr&uuml;nderjahre anzukn&uuml;pfen. Allerdings konnten sie im Fr&uuml;hjahr nicht ahnen, dass die Verhei&szlig;ung neuer, alter Unabh&auml;ngigkeit vier Monate sp&auml;ter wieder Schall und Rauch sein wird. Wie in der Vorwoche das <em>&Auml;rzteblatt<\/em> unter Berufung auf Sitzungsunterlagen berichtete, soll n&auml;mlich die UPD in Zukunft praktisch <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/treffer?mode=s&amp;wo=1041&amp;typ=1&amp;nid=144708&amp;s=patientenberatung&amp;s=upd\">unter die Herrschaft des GKV-Spitzenverbands gestellt werden<\/a>. <\/p><p><strong>Kungeln mit Lauterbach<\/strong><\/p><p>So steht es in einem zwischen dessen Verwaltungsrat und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) klammheimlich ausgehandelten Papier mit dem Titel &bdquo;Zusammenfassung der Gespr&auml;che&ldquo;, das dem Fachorgan zugespielt wurde. Hierin werden der GKV-F&uuml;hrung umfassende Zugest&auml;ndnisse durch das Bundesministerium f&uuml;r Gesundheit (BMG) gemacht. Demnach solle diese &uuml;ber die Finanzen, den Vorstand, die Themen und Zielgruppen der Beratung, die Qualifikation der Besch&auml;ftigten sowie die wissenschaftliche Begleitung entscheiden k&ouml;nnen. Unter anderem wird dem GKV-SV die R&uuml;ckendeckung des BMG bei richtungsweisenden Fragen im k&uuml;nftigen Stiftungsrat zugesichert, insbesondere bei strittigen Haushaltsthemen. Das Ministerium werde den Spitzenverband &bdquo;bei der Geltendmachung seines Einspruches unterst&uuml;tzen, wenn er konkret darlegt und substantiiert begr&uuml;ndet, dass eine Beschlussfassung aus seiner Sicht nicht mit einer wirtschaftlichen Haushaltsf&uuml;hrung vereinbar ist&ldquo;, hei&szlig;t es dazu. Au&szlig;erdem soll die alle zwei Jahre durchzuf&uuml;hrende Evaluation der UPD-T&auml;tigkeiten nun auch den Einsatz von Finanzmitteln miteinbeziehen. Laut Gesetz sind aber nur die Zweckerf&uuml;llung der Stiftung, die Unabh&auml;ngigkeit sowie die wissenschaftliche Qualit&auml;t des Informations- und Beratungsangebotes sowie die Beratungszahlen einer Pr&uuml;fung zu unterziehen &ndash; aber nicht die Bilanzen. <\/p><p>Dabei l&auml;sst sich die Position des Spitzenverbands durchaus nachvollziehen. Denn die gesetzlichen Krankenkassen sollen erneut die Hauptlast der Finanzierung tragen. Gem&auml;&szlig; Gesetz haben sie 15 Millionen Euro j&auml;hrlich beizusteuern, w&auml;hrend sich die Private Krankenversicherung (PKV) wie bisher schon auf freiwilliger Basis mit einem Volumen von sieben Prozent beteiligen kann. &Uuml;ber diese &bdquo;L&ouml;sung&ldquo; kann man sich nur wundern. Erstens widerspricht sie abermals diametral dem Anspruch von Unabh&auml;ngigkeit und zweitens war es absehbar, dass die GKV ihre Rolle als Finanzierer an Bedingungen kn&uuml;pfen wird und sich die Regierung erpressbar macht. Genau so kam es: Mitte Juni hatte der GKV-SV <a href=\"https:\/\/www.gkv-spitzenverband.de\/gkv_spitzenverband\/presse\/pressemitteilungen_und_statements\/pressemitteilung_1625408.jsp\">per Resolution<\/a> verk&uuml;ndet, nicht an der Errichtung der UPD mitwirken zu wollen, solange man weder auf die &bdquo;inhaltliche Ausrichtung&ldquo; noch auf die &bdquo;haushalterischen Entscheidungen tats&auml;chlich Einfluss nehmen kann&ldquo;. <\/p><p><strong>Erfolgreiche Erpressung<\/strong><\/p><p>Damit drohte Lauterbach, die Zeit davonzulaufen. Der Neustart soll in einem halben Jahr erfolgen.  Und mit der Aufgabe der Errichtung der Stiftung hat er qua Gesetz wen betraut? Genau: Den GKV-Spitzenverband! Der soll die entsprechende Satzung ausarbeiten und mit dem BMG abstimmen. Warum nur? Na klar: Wer bezahlt, bestimmt die Musik. Allerdings stehen im <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/060\/2006014.pdf\">Gesetz<\/a> Dinge, die dem Zahlmeister nicht passen, zum Beispiel, dass auch privat Versicherte sowie Unversicherte auf die UPD z&auml;hlen k&ouml;nnen. Jetzt hat der Verband mit dem BMG-Chef ausgekungelt, &bdquo;der Schwerpunkt der Informations- und Beratungst&auml;tigkeit der k&uuml;nftigen Stiftung UPD bezieht sich dabei in erster Linie auf die gesetzlich Versicherten&ldquo;. Zudem soll in der k&uuml;nftigen Satzung stehen, dass die Beratungen schwerpunktm&auml;&szlig;ig auf den Leistungskatalog des F&uuml;nften Sozialgesetzbuches (SGB V) abheben, das die Regelungen zur Gesetzlichen Krankenversicherung zusammenfasst. Damit w&uuml;rden laut <em>&Auml;rzteblatt<\/em> Fragen zur Pflege als Teil des SGB XI sowie zu einigen Bereichen der Rehabilitation unter den Tisch fallen, ebenso w&auml;ren allgemeine Gesundheitsthemen &ndash; wie etwa zur Pandemie &ndash; nicht l&auml;nger Teil des UPD-Angebots. Dabei wurden Themen rund um Pflegeleistungen bislang am zweith&auml;ufigsten nachgefragt.<\/p><p>Es h&auml;tte alles auch ganz anders kommen k&ouml;nnen. In den Anh&ouml;rungen im Gesetzgebungsverfahren hatten mehrere Fachleute empfohlen, die UPD aus Steuermitteln zu finanzieren. Selbst der GKV-SV hatte dazu geraten, in einer aktuellen Stellungnahme nennt er dies <a href=\"https:\/\/www.gkv-spitzenverband.de\/gkv_spitzenverband\/presse\/pressemitteilungen_und_statements\/pressemitteilung_1642944.jsp\">&bdquo;nach wie vor die beste L&ouml;sung&ldquo;<\/a>. Die Mauschelrunde mit Lauterbach wird darin mit &bdquo;konstruktiven Gespr&auml;chen&ldquo; verbr&auml;mt. &bdquo;Hierbei konnten offene Fragen gekl&auml;rt und zu den wesentlichen Kritikpunkten eine &uuml;bereinstimmende Sichtweise gefunden werden.&ldquo; Im Ergebnis best&uuml;nde nun ein &bdquo;gemeinsames Grundverst&auml;ndnis zur Umsetzung des vom Deutschen Bundestag beschlossenen Gesetzes&ldquo;. Will hei&szlig;en: Der Wortlaut des Gesetzes ist praktisch hinf&auml;llig. So deutlich sagt dies sogar der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze (SPD), der dereinst den Vorsitz des Stiftungsrates einnehmen soll. &bdquo;Es ist schon erstaunlich, wie vehement und mit welchem gro&szlig;en Selbstverst&auml;ndnis gegen einen klaren gesetzlichen Auftrag opponiert wird&ldquo;, bemerkte er im Interview mit dem <em>&Auml;rzteblatt<\/em>. &bdquo;Ich h&auml;tte mir da ein wenig mehr Gesetzestreue gew&uuml;nscht.&ldquo; <\/p><p><strong>Murren in der Koalition<\/strong><\/p><p>Die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Kathrin Vogler, hat Sorge, dass in der Sommerpause &bdquo;Fakten geschaffen werden, die kaum mehr korrigiert werden k&ouml;nnen&ldquo;. Am Freitag verlangte sie deshalb, kurzfristig &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/presse\/pressemitteilungen\/detail\/linke-fordert-sondersitzung-des-gesundheitsausschusses-zur-unabhaengigen-patientenberatung\/\">eine Sondersitzung des Gesundheitsausschusses<\/a>&ldquo; anzuberaumen. Auch aus Reihen der Ampelkoalition ergingen erste Signale, dass die Absprachen so nicht umgesetzt werden d&uuml;rfen. Der CDU-Gesundheitspolitiker Hubert H&uuml;ppe formulierte treffend: Konsequenterweise solle der Minister die UPD in &bdquo;GKV-Patientenberatung Deutschland&ldquo; umbenennen.<\/p><p>Wom&ouml;glich steht wegen des Eklats das ganze Vorhaben auf der Kippe. Mittlerweile haben sieben Verb&auml;nde &ndash; darunter der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) &ndash; in einer gemeinsamen Erkl&auml;rung &bdquo;einhellig&ldquo; erkl&auml;rt, sich nicht an einer UPD zu beteiligen, &bdquo;die so vollst&auml;ndig unter der Regie des GKV-SV steht, wie es derzeit aussieht&ldquo;. Ausgerechnet der Teil der Selbstverwaltung, der seit mehr als 15 Jahren am h&auml;ufigsten Anlass zur Kritik der Patienten biete, &bdquo;soll nun <a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/pressemitteilungen\/lauterbach-verspielt-die-unabhaengige-patientenberatung-deutschland-upd\">das absolute Sagen<\/a> haben&ldquo;. Und weiter: F&uuml;r eine &bdquo;wirklich unabh&auml;ngige L&ouml;sung im Sinne der Ratsuchenden&ldquo; brauche es politisch Mut, wohingegen die GKV offensichtlich &bdquo;Teil des Problems&ldquo; sei.<\/p><p><strong>Bayer, &uuml;bernehmen Sie!<\/strong><\/p><p>Apropos Probleme. Laut <em>&Auml;rzteblatt<\/em> k&ouml;nnte die k&uuml;nftige Stiftung, so es sie denn geben wird, &bdquo;auf nichts aufbauen&ldquo;. Die alte UPD befindet sich momentan in vollst&auml;ndiger Abwicklung. &bdquo;Alle Vertr&auml;ge &ndash; wie etwa Mietvertr&auml;ge oder Telefonanbieter &ndash; sind gek&uuml;ndigt&ldquo;, im September st&uuml;nde die Entlassung s&auml;mtlicher Besch&auml;ftigter an. F&uuml;r die Nachfolgeorganisation hie&szlig;e das: &bdquo;Konzept aufsetzen, R&auml;ume finden, Mietvertr&auml;ge abschlie&szlig;en, neue Mitarbeiter rekrutieren und einstellen.&ldquo; Bei f&uuml;nf Monaten Vorlauf gibt es damit noch allerhand zu tun. Oder man l&auml;sst es ganz bleiben, dann h&auml;tte sich gleich die ganze UPD erledigt, nicht nur die Sache mit der Unabh&auml;ngigkeit. Es sei denn, der Laden wird auf die Schnelle verjubelt. Zum Beispiel an Bayer oder die BASF. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. <\/p><p>Titelbild: FabrikaSimf\/shutterstock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/43cc29abfe62426a890125c9fa06e66a\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Unabh&auml;ngige Patientenberatung Deutschland&ldquo; geh&ouml;rte sieben Jahre lang einem Unternehmen im Dienste von Versicherern und Pharmaindustrie mit Tuchf&uuml;hlung zu einem Private-Equity-Fonds. Darunter litten Service und Qualit&auml;t, w&auml;hrend die Firmenkasse klingelte. Das provozierte immer mehr Unmut, weshalb die Ampelregierung einen Neustart versprach &ndash; mit &bdquo;staatsferner und unabh&auml;ngiger Struktur&ldquo;. Jetzt zeichnet sich ab: Die kommende UPD-Stiftung soll<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101659\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":101660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,149,160,143,150],"tags":[1324,768,562,438,1455,847],"class_list":["post-101659","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-gesundheitspolitik","category-markt-und-staat","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","category-verbraucherschutz","tag-foerdermittel","tag-gkv","tag-lauterbach-karl","tag-pharmaindustrie","tag-private-equity","tag-rechnungshof"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Shutterstock_405691723.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=101659"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101698,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/101659\/revisions\/101698"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/101660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=101659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=101659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=101659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}