{"id":10168,"date":"2011-07-21T08:54:19","date_gmt":"2011-07-21T06:54:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10168"},"modified":"2016-06-03T07:57:00","modified_gmt":"2016-06-03T05:57:00","slug":"plan-b-des-sachverstandigenrats-statt-prinzip-hoffnung-prinzip-zeitgewinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10168","title":{"rendered":"Plan B des Sachverst\u00e4ndigenrats \u2013 Statt Prinzip Hoffnung, Prinzip Zeitgewinn"},"content":{"rendered":"<p>Wie sehr Deutschlands die sog. &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; auf eine eindimensionale Gl&auml;ubiger-\/Schuldner-Logik fixiert sind, belegte einmal mehr ihr <a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/download\/pressemitteilungen\/FAZ_20.07.2011_Krise_der_W%C3%A4hrung.pdf%20\">Ratschlag an die Kanzlerin<\/a> [PDF &ndash; 15.3 KB] f&uuml;r den heutigen EU-Krisengipfel. Es geht ihnen nur um Schuldenmanagement und nicht um Realwirtschaft und schon gar nicht um die wirtschaftspolitische Ursache der Europa-Misere. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Recht haben die Sachverst&auml;ndigen, wenn sie beklagen, dass die Staats- und Regierungschefs bisher nur nach dem &bdquo;Prinzip Hoffnung&ldquo; verfahren sind, wonach Griechenland, Irland oder Portugal die von der Gemeinschaft erhaltenen Finanzhilfen irgendwann einmal zur&uuml;ckzuzahlen in der Lage sein w&uuml;rden. Richtig ist auch die (wenngleich zaghafte) Kritik an der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB), wonach die Schuldenkrise lediglich ein fiskalisches Problem sei. <\/p><p>Nun fordert auch der Sachverst&auml;ndigenrat einen Teilschuldenerlass f&uuml;r Griechenland, einen Schuldenschnitt auf die ausstehenden Anleihen um etwa 50%, um den Schuldenstand Griechenlands gemessen am BIP von 160 auf 106 Prozent zu senken. Dieser Schuldenerlass solle zeitlich gestaffelt und im Gegenzug nat&uuml;rlich nur gegen weitere &bdquo;Reformschritte&ldquo; Griechenlands erfolgen. <\/p><p>(Immerhin erkennen die Sachverst&auml;ndigen die Problematik eines Schuldenschnitts f&uuml;r die griechischen Banken, die ja zwei Drittel der griechischen Staatsanleihen halten. Aber mit einer Kapitalzufuhr von etwa 20 Milliarden Euro aus der Europ&auml;ischen Finanzstabilisierungsfazilit&auml;t (EFSF) w&auml;re es l&auml;ngst nicht getan.)<\/p><p>Die Ursache f&uuml;r die Schuldenkrise Griechenlands wird nach wie vor ausschlie&szlig;lich in der (unbestreitbaren, aber eben nicht allein urs&auml;chlichen) staatlichen Misswirtschaft gesehen. Dementsprechend m&uuml;sse Griechenland weiterhin eine strenge Sparpolitik im &ouml;ffentlichen und privaten Bereich aufgen&ouml;tigt werden. Die Griechen sollen also ihren G&uuml;rtel noch enger schnallen als es ohnehin schon geschieht. <\/p><p>Das bisherige Ergebnis dieser Austerit&auml;tspolitik kennen wir: nach einem Einbruch <a href=\"http:\/\/www.finanzen.net\/nachricht\/devisen\/BIP-Wachstum-Griechenland-positiv-Portugal-negativ-1126681\">kaum Wachstum<\/a>, Rekordarbeitslosigkeit (&uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.griechenland-blog.gr\/2011\/arbeitslosigkeit-in-griechenland-ueber-sechzehn-prozent\/4770\/\">16% und bei jungen Leuten sogar bei &uuml;ber 42%<\/a>). Wenn Griechenland seine Schulden wieder zur&uuml;ckzahlen k&ouml;nnen sollte, brauchte es aber einen Wachstumspfad, der &uuml;ber dem durchschnittlich zu zahlenden Zins f&uuml;r die nach wie vor erforderlichen Kredite liegen m&uuml;sste. So wie die derzeitigen &bdquo;Reform&ldquo;-Diktate angelegt sind, liegt das au&szlig;erhalb der Realit&auml;t. Insofern ist der empfohlene Schuldenschnitt gleichfalls nur wieder ein Kurieren an Symptomen und bestenfalls ein wenig gekaufte Zeit durch einen geringeren Umschuldungsbedarf. Aber die Schulden d&uuml;rften schnell wieder steigen. <\/p><p>Der sog. &bdquo;Plan B&ldquo; des Sachverst&auml;ndigenrats ist also nur die Abl&ouml;sung des bisherigen Prinzips Hoffnung durch das Prinzip Zeitgewinn.  <\/p><p>Ansonsten kennen die Sachverst&auml;ndigen f&uuml;r die Wiedererlangung der Wettbewerbsf&auml;higkeit und damit f&uuml;r die Zahlungsf&auml;higkeit nur die &bdquo;deutsche Rosskur&ldquo;: Sparen, sparen und nochmals sparen, Senkung der L&ouml;hne und der Sozialstandards und Privatisierung von Staatsverm&ouml;gen (derzeit nur) zum Schleuderpreis. Wie die griechische Konjunktur wieder ans Laufen gebracht werden k&ouml;nnte, wie die Finanz-&bdquo;M&auml;rkte&ldquo; geb&auml;ndigt werden k&ouml;nnten oder wie das viel grunds&auml;tzlichere Problem angegangen werden k&ouml;nnte, dass die Au&szlig;enhandelsdefizite der Griechen auch etwas mit den Au&szlig;enhandels&uuml;bersch&uuml;ssen vor allem auch Deutschlands zu tun haben, dazu beziehen die Sachverst&auml;ndigen keinen &bdquo;Standpunkt&ldquo;.<\/p><p>Um uns nicht st&auml;ndig zu wiederholen, verweise ich auf den Beitrag von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker &bdquo;<a href=\"\/?p=10153\">Kopflose Politik und f&uuml;hrungslose M&auml;rkte<\/a>&ldquo; von gestern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sehr Deutschlands die sog. &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; auf eine eindimensionale Gl&auml;ubiger-\/Schuldner-Logik fixiert sind, belegte einmal mehr ihr <a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/download\/pressemitteilungen\/FAZ_20.07.2011_Krise_der_W%C3%A4hrung.pdf%20\">Ratschlag an die Kanzlerin<\/a> [PDF &ndash; 15.3 KB] f&uuml;r den heutigen EU-Krisengipfel. 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