{"id":1017,"date":"2006-01-11T17:38:33","date_gmt":"2006-01-11T15:38:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1017"},"modified":"2016-02-21T10:33:26","modified_gmt":"2016-02-21T09:33:26","slug":"nachtrag-zu-economist-alterung-kein-problem-siehe-101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1017","title":{"rendered":"Nachtrag zu Economist: Alterung kein Problem \u2013 siehe 10.1."},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Nutzer hat freundlicherweise den Economist-Beitrag &uuml;bersetzt. Danke und hier ist die &Uuml;bersetzung.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>The Economist: Unvorstellbar &ndash; Schrumpfende L&auml;nder<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend der zweiten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts beherrschte der Fehlschluss einer gro&szlig;en Bev&ouml;lkerungsexplosion den demographischen Diskurs. Robert McNamara, in den Siebzigern Pr&auml;sident der Weltbank, verglich damals die Bedrohung durch einen nicht beherrschbaren Bev&ouml;lkerungsdruck mit der Gefahr eines Atomkriegs. Inzwischen ist dieses Menetekel verschwunden, und die Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts &auml;ngstigen sich vor dem genauen Gegenteil: dem Beginn des demographischen Niedergangs.<\/p><p>Mit der Tatsache einer Bev&ouml;lkerungsabnahme in Russland und Osteuropa sind wir mittlerweile vertraut, obwohl wir vielleicht deren Ma&szlig;stab nicht immer pr&auml;sent haben: Von der Bev&ouml;lkerung Russlands wird im Zeitraum von 2005 bis 2050 eine Abnahme um 22% erwartet, im Fall der Ukraine geht man von 43% aus. Allm&auml;hlich setzt sich diese Tendenz auch in der &ldquo;reichen Welt&rdquo; fort: Japan (weitere Informationen hier) hat mit dem Schrumpfungsprozess begonnen und andere, wie Italien und Deutschland, werden demn&auml;chst folgen. Sogar die Population Chinas wird gem&auml;&szlig; einer UN-Studie in den fr&uuml;hen 2030er Jahren beginnen abzunehmen. Der UN zufolge werden um 2050 insgesamt 50 Staaten kleinere Bev&ouml;lkerungen haben als heutzutage.<\/p><p>Der eigentliche Grund der Bef&uuml;rchtungen ist der Glaube, ein Bev&ouml;lkerungsr&uuml;ckgang ginge Hand in Hand mit einem Niedergang der Wirtschaftskraft. Schlie&szlig;lich k&ouml;nnte er das Ergebnis einer &ouml;konomischen Schw&auml;chung sein: Allgemeiner Pessimismus k&ouml;nnte einen negativen Einfluss auf die Geburtenrate haben &ndash; und einen positiven auf die Zahlen der Suizide und Alkoholkranken.<\/p><p>Haupts&auml;chlich h&auml;ngt die Bev&ouml;lkerungsabnahme jedoch von der geringeren Fruchtbarkeit ab, die ihrerseits die Folge wachsender Prosperit&auml;t ist. In Japan, zum Beispiel, fiel die Geburtenrate Mitte der siebziger Jahre unter die zur Erhaltung der Bev&ouml;lkerungskonstanz notwendige Kinderzahl von 2,1 je Frau, mit einer besonders starken Abnahme in den letzten 15 Jahren. Wenn aber wirtschaftlicher Niedergang nicht allgemein als Grund der demographischen Schrumpfung herhalten kann, ist er doch bestimmt dessen Folge? &ndash; Grob gesprochen, ja. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verringert sich durch eine kleiner werdende Bev&ouml;lkerung. Einige &Ouml;konomien k&ouml;nnten sogar absolut mitschrumpfen. Als Ergebnis ist eine Abnahme der &ouml;konomischen Bedeutung zu erwarten.<\/p><p>Deshalb tendieren Regierungen dazu, die Bev&ouml;lkerungsschrumpfung sehr negativ zu bewerten: Die absolute Gr&ouml;&szlig;e des BIP beeinflusst den Status als Gro&szlig;macht. Je gr&ouml;&szlig;er die Wirtschaft, desto gr&ouml;&szlig;er das Milit&auml;rbudget, desto h&ouml;her die eigene Wichtigkeit im Rahmen der Geopolitik. Die g&auml;ngige j&auml;hrliche Absch&auml;tzung des BIP wurde erstmals in den 40er Jahren in den USA als Teil der Ma&szlig;nahmen zur Kriegf&uuml;hrung eingef&uuml;hrt. Niemand sollte darauf besonderen Wert legen. Das wirtschaftliche Wohlergehen h&auml;ngt nur vom BIP pro Kopf ab. Die Gretchenfrage ist darum, welchen Effekt die Abnahme der Population auf das BIP-Wachstum pro Kopf hat. Dabei ist die schlechte Nachricht, dass es sich zun&auml;chst verlangsamen k&ouml;nnte, da die Bev&ouml;lkerung im erwerbsf&auml;higen Alter noch schneller abnimmt als die Gesamtbev&ouml;lkerung. Allerdings tritt diese Folge nicht zwingend ein. Die Zunahme der Produktivit&auml;t k&ouml;nnte das Wachstum des Pro-Kopf-BIP aufrechterhalten: In dem Ma&szlig;e, in welchem die Nachfrage nach Arbeitskraft w&auml;chst &ndash; und mit ihr der Druck, ihre Effizienz durch die Einf&uuml;hrung neuer Technologien zu steigern -, kann die Produktivit&auml;t schneller wachsen. Als weitere Abhilfe kann notfalls das Rentenalter erh&ouml;ht werden, um die Abnahme der Zahl der Arbeitskr&auml;fte aufzufangen.<\/p><p>Die Leute m&ouml;gen es, sich Sorgen zu machen &ndash; es k&ouml;nnte sein, dass dies ein Symptom alternder Gesellschaften ist -, trotzdem ist das &auml;ngstliche Getue um die Bev&ouml;lkerungsabnahme fehl am Platz. Die neuen demographischen Daten, nach denen die Gesellschaften &auml;lter werden und schrumpfen, sind ein Grund zum Feiern! Einst war die Menschheit gefangen in der Falle hoher Fruchtbarkeit und hoher Sterblichkeit. Heute ist sie entkommen und genie&szlig;t die Freiheit niedriger Fruchtbarkeit bei niedriger Sterblichkeit. Die Entscheidung der Frauen &uuml;ber die Anzahl ihrer Kinder ist ein unbedingtes Plus, so wie die Tatsache, dass die durchschnittlichen Bewohner reicher L&auml;nder im Vergleich zu 1960 ein zehn Jahre l&auml;ngeres Leben genie&szlig;en d&uuml;rfen. Politiker m&ouml;gen die abnehmende Bedeutung ihrer Volkswirtschaften f&uuml;rchten; die von ihnen Regierten sollten jedoch die neuen demographischen Daten als das Heraufziehen eines Goldenen Zeitalters begr&uuml;&szlig;en!\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Nutzer hat freundlicherweise den Economist-Beitrag &uuml;bersetzt. 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