{"id":101717,"date":"2023-07-27T11:26:48","date_gmt":"2023-07-27T09:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101717"},"modified":"2023-08-02T16:09:19","modified_gmt":"2023-08-02T14:09:19","slug":"deutschland-ist-schlusslicht-bei-iwf-konjunkturprognose-und-robert-habeck-sieht-den-wald-vor-lauter-baeumen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101717","title":{"rendered":"Deutschland ist Schlusslicht bei IWF-Konjunkturprognose und Robert Habeck sieht den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Das wird Russland ruinieren&ldquo; &ndash; mit diesem <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/ukraine-krieg-baerbock-ueber-sanktionen-das-wird-russland-ruinieren-RZDYS2DEPRK5OST7ZGGRZ6UN4I.html\">denkw&uuml;rdigen Satz<\/a> l&auml;utete Au&szlig;enministerin Baerbock im Februar letzten Jahres das erste Sanktionspaket der EU gegen Russland ein. Heute, eineinhalb Jahre sp&auml;ter, zeigen die <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/Blogs\/Articles\/2023\/07\/25\/global-economy-on-track-but-not-yet-out-of-the-woods\">aktuellen Prognosen des IWF<\/a>, das nicht etwa Russland, sondern Deutschland der eigentliche &ouml;konomische Verlierer der eigenen Sanktionen ist. F&uuml;r Leser der NachDenkSeiten kommt diese Nachricht nicht gerade &uuml;berraschend. Wirtschaftsminister Habeck redet sich indes die Zahlen sch&ouml;n und hat dabei noch nicht einmal im Ansatz verstanden, warum die deutsche Volkswirtschaft schw&auml;chelt. Nun zeigt sich, dass unsere Entscheider vom neoliberalen Zeitgeist derart vernebelt sind, dass keine Besserung in Sicht ist. Ein Kommentar von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7915\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-101717-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=101717-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230727_Deutschland_ist_Schlusslicht_bei_IWF_Konjunkturprognose_und_Robert_Habeck_sieht_den_Wald_vor_lauter_Baeumen_nicht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Deutschlands Volkswirtschaft schrumpft. F&uuml;r das laufende Jahr prognostiziert der IWF Deutschland ein negatives Wachstum &ndash; was f&uuml;r ein sch&ouml;nes Wort &ndash; von 0,3 Prozent. Damit korrigierte der IWF seine ohnehin schon negative Prognose f&uuml;r Deutschland noch einmal um 0,2 Prozentpunkte nach unten. Deutschland ist damit die einzige entwickelte Volkswirtschaft, der vom IWF &uuml;berhaupt ein R&uuml;ckgang der Wirtschaftsleistung vorhergesagt wird. Sogar das kriselnde Gro&szlig;britannien steht mit immerhin 0,4 Prozent Wachstum besser da.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230727-Schlusslicht-01.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230727-Schlusslicht-01.jpeg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Quelle: WELT<\/p><p>Ein Schlag ins Gesicht der deutschen Regierung wird vor allem die IWF-Prognose f&uuml;r Russland sein. Hier korrigierte der IWF seine Prognose um ganze 0,8 Prozentpunkte nach oben und sagt nun ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus. Das ist durchaus bemerkenswert, da die meisten &Ouml;konomen die auch im letzten Jahr vergleichsweise robuste russische Wirtschaftsentwicklung monokausal mit den hohen Weltmarktpreisen f&uuml;r Rohstoffe erkl&auml;rt haben. 2023 haben die Preise jedoch deutlich nachgegeben und die westlichen Staaten hofften nun, dass ihre Sanktionen doch noch zeitverz&ouml;gert Wirkung zeigen. Dem ist nicht so, wie der IWF nun schwarz auf wei&szlig; feststellt. Zeitverz&ouml;gert wirken die Sanktionen jedoch auf Deutschland. <\/p><p>Warum ausgerechnet Deutschland von den Entwicklungen am h&auml;rtesten betroffen ist, ist nun Gegenstand hitziger Debatten. Wirtschaftsminister Habeck, dessen Ministerium im Fr&uuml;hjahr noch von 0,4 Prozent Wachstum ausgegangen ist, <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/habeck-wasserstoffstrategie-100.html\">sieht keinen Grund<\/a> f&uuml;r eine &bdquo;German Angst&ldquo; und zeigt dabei, dass er die Gr&uuml;nde f&uuml;r die deutsche Rezession nicht einmal im Ansatz verstanden hat. Zwar nennt er die steigenden Energiepreise &ndash; was auch nicht gerade besonders originell ist &ndash; als Grund, bezieht dies jedoch einseitig auf die Industrie und deren Exporte. Selbstverst&auml;ndlich haben die gestiegenen Energiepreise eine negative Auswirkung auf diesen Sektor. F&uuml;r die konjunkturelle Gesamtentwicklung ist der Exportsektor jedoch nur ein &ndash; vergleichsweise kleiner &ndash; Teil.<\/p><p>Eine viel gr&ouml;&szlig;ere konjunkturelle Auswirkung d&uuml;rfte die gebremste Binnennachfrage haben. Durch die h&ouml;heren Energiepreise und die allgemeinen Preissteigerungen haben die Menschen hierzulande deutlich weniger Geld in der Tasche und k&ouml;nnen daher weniger ausgeben. Die Ausgaben der Privathaushalte sind auf der anderen Seite die Einnahmen der Unternehmen. Dieser Zusammenhang ist eigentlich doch nicht so schwer zu verstehen. Schaut man sich nun die Unternehmensseite an, gibt es dort einen doppelten Schock. Auf der einen Seite haben sich (Energie, Vorprodukte usw.) die Kosten erh&ouml;ht und auf der anderen Seite sind die Einnahmen (wegbrechende Binnennachfrage, R&uuml;ckgang der Exporte) zur&uuml;ckgegangen. Die negative Gesch&auml;ftsentwicklung l&auml;sst freilich auch die Investitionen zur&uuml;ckgehen. Dies ist in Kombination der eigentliche Grund f&uuml;r die schlechte konjunkturelle Entwicklung. Die zu erkennen, ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft und gerade von einem Wirtschaftsminister sollte man schon erwarten, dass er die Zusammenh&auml;nge kennt.<\/p><p>Doch Robert Habecks wirtschaftswissenschaftliche Expertise ist nun einmal &uuml;berschaubar. Man muss davon ausgehen, dass er auch nur das nachplappert, was ihm seine Mitarbeiter und Berater einfl&uuml;stern. Und in Deutschland hat man ja &bdquo;gelernt&ldquo;, dass Wirtschaft gleich Export ist und allein schon der Begriff &bdquo;Binnennachfrage&ldquo; ist ohnehin verp&ouml;nt. Man denkt nur noch angebotstheoretisch, die nachfragetheoretische Sicht ist seit dem Siegeszug des Neoliberalismus nicht mehr gefragt. Diese neoliberale Indoktrination ist nun schon so weit fortgeschritten, dass man den Wald vor lauter B&auml;umen nicht mehr sieht. <\/p><p>Doch nur wer das Problem erkennt, ist auch f&auml;hig, L&ouml;sungen zu finden. Die L&ouml;sung f&uuml;r das konjunkturelle Problem der deutschen Volkswirtschaft liegt dabei auf der Hand. Wenn das schrumpfende verf&uuml;gbare Einkommen in Kombination mit steigenden Preisen die Ursache ist, ist ein steigendes verf&uuml;gbares Einkommen in Kombination mit sinkenden Preisen die L&ouml;sung. Die EZB k&ouml;nnte die Zinsen senken, die Bundesregierung daf&uuml;r sorgen, dass die Energiekosten wieder sinken. Doch was wird gemacht? Das genaue Gegenteil. Die EZB erh&ouml;ht die Zinsen bei jeder ihrer Sitzungen, EU und Bundesregierung wollen &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98229\">Ausweitung des Emissionshandels auf die Bereiche Geb&auml;ude und Verkehr<\/a> die Energiekosten abermals in die H&ouml;he treiben. Auf dass die n&auml;chste IWF-Prognose Deutschland abermals die Rote Laterne verleiht. <\/p><p><em>Leserbreife zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101959\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Screencap Tagesschau <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e42c8db1ab014689b738e58c4d97975b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Das wird Russland ruinieren&ldquo; &ndash; mit diesem <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/ukraine-krieg-baerbock-ueber-sanktionen-das-wird-russland-ruinieren-RZDYS2DEPRK5OST7ZGGRZ6UN4I.html\">denkw&uuml;rdigen Satz<\/a> l&auml;utete Au&szlig;enministerin Baerbock im Februar letzten Jahres das erste Sanktionspaket der EU gegen Russland ein. 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