{"id":101790,"date":"2023-07-30T11:45:06","date_gmt":"2023-07-30T09:45:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101790"},"modified":"2023-07-30T12:30:44","modified_gmt":"2023-07-30T10:30:44","slug":"gewaltanstieg-in-der-karibik-angetrieben-von-waffen-made-in-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101790","title":{"rendered":"Gewaltanstieg in der Karibik angetrieben von Waffen &#8220;Made in USA&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Die steigende Kriminalit&auml;ts- und Gewaltrate in der Karibik setzt sich unvermindert fort. Wiederholt haben Regierungen der Region angeprangert, dass dies auf den illegalen Waffenhandel aus den USA zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei. Laut einem aktuellen Bericht des in Genf ans&auml;ssigen Forschungsprojekts Small Arms Survey und der Agentur der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) f&uuml;r Kriminalit&auml;t und Sicherheit tr&auml;gt dieser dazu bei, dass die L&auml;nder der Karibik dreimal mehr gewaltsame Todesf&auml;lle zu beklagen haben als der weltweite Durchschnitt, obwohl sie strenge Vorschriften f&uuml;r den Besitz und die Herstellung von Waffen eingef&uuml;hrt haben. Mehrere karibische L&auml;nder wollen sich nun der Klage der mexikanischen Regierung anschlie&szlig;en, die vor diesem Hintergrund eine Klage gegen US-Waffenunternehmen eingereicht hat. Von <strong>Ivette Fern&aacute;ndez<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&ldquo;Bei mehr als der H&auml;lfte aller T&ouml;tungsdelikte kommen Schusswaffen zum Einsatz, wobei dieser Anteil in einigen L&auml;ndern 90 Prozent erreicht. W&auml;hrend der Kontrolle von Schusswaffen sowohl auf politischer als auch auf operativer Ebene gro&szlig;e Bedeutung beigemessen wird, hat sich die Forschung bisher nur wenig mit illegalen Schusswaffen und der Dynamik der illegalen Waffenm&auml;rkte in dieser Region befasst&rdquo;, hei&szlig;t es in dem Bericht.<\/p><p>Daten und Informationen aus insgesamt 22 karibischen Staaten wurden demnach erhoben. In die Studie flossen auch die Ergebnisse von Feldforschungen regionaler Partner ein, wie Befragungen von Gef&auml;ngnisinsassen, die wegen Schusswaffengebrauchs verurteilt wurden, sowie Untersuchungen in Krankenh&auml;usern zu Schussverletzungen.<\/p><p>Die hohen Raten von Waffengewalt werden laut der Studie durch Lieferungen angeheizt, die haupts&auml;chlich aus den USA &uuml;ber Reedereien, kommerzielle Fluggesellschaften und die Post erfolgen.<\/p><p>Demnach benutzten mehr als die H&auml;lfte der 29 in Gerichtsverfahren untersuchten Schmugglernetzwerke f&uuml;r ihren Waffen- und Munitionstransport Schifffahrtsunternehmen &#8210; meist mit Sitz im US-Bundesstaat Florida, fast jedes f&uuml;nfte kommerzielle Airlines mit Hilfe von korruptem Flughafenpersonal. Bei einem von zehn Netzwerken wurde die Nutzung von Postdiensten aufgedeckt.<\/p><p>Die meisten der beschlagnahmten und zur&uuml;ckverfolgten Waffen wurden von Glock, Beretta, Smith &amp; Wesson und Taurus hergestellt.<\/p><p>In dem Bericht hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Es besteht kein Zweifel daran, dass die USA eine wichtige Quelle f&uuml;r Schusswaffen in der Karibik sind und wahrscheinlich die gr&ouml;&szlig;te in einigen Staaten und Territorien&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Besonders alarmierend sei diesbez&uuml;glich die Situation in Haiti, wo bewaffnete Banden den gr&ouml;&szlig;ten Teil des Landes kontrollieren und es h&auml;ufig zu Schie&szlig;ereien kommt. Die Studie verweist auf eine Zunahme der Beschlagnahmungen von halbautomatischen und gro&szlig;kalibrigen Gewehren.<\/p><p>In Haiti lag die Zahl der Schusswaffen in den H&auml;nden von Zivilisten im vergangenen Jahr Sch&auml;tzungen zufolge bei 600.000, verglichen mit 270.000 im Jahr 2019.<\/p><p>Ein Bericht der Vereinten Nationen best&auml;tigte diese Tendenz und zeigte auf, dass Waffen, die in staatlich zugelassenen Waffengesch&auml;ften oder auf privaten Messen in den USA f&uuml;r 400 oder 500 Dollar verkauft werden, in Haiti f&uuml;r bis zu 10.000 Dollar weiterverkauft werden k&ouml;nnen.<\/p><p>&ldquo;Gewehre wie die AK47, AR15 und Galil sind am meisten gefragt, was sich in h&ouml;heren Preisen niederschl&auml;gt&rdquo;, hei&szlig;t es in dem Dokument.<\/p><p>Laut der Untersuchung werden immer ausgefeiltere Waffen, die f&uuml;r Haiti bestimmt sind, beschlagnahmt, &ldquo;darunter Scharfsch&uuml;tzengewehre, Gewehre vom Kaliber 308 und sogar Maschinengewehre mit Gurtzuf&uuml;hrung&rdquo;.<\/p><p>Diese t&ouml;dlichen Werkzeuge werden in US-Bundesstaaten mit laxen Waffengesetzen und weniger Kaufbeschr&auml;nkungen erworben und dann nach Florida gebracht, wo sie zwischen Konsumg&uuml;tern, elektronischen Ger&auml;ten, Kleidung, Tiefk&uuml;hlkost und im Schiffsk&ouml;rper von Handelsschiffen versteckt werden, so der Bericht weiter. Nach der Ankunft in Haiti werde die Ware ausgeladen und direkt an die Banden geliefert.<\/p><p>Nach Angaben der Vereinten Nationen stieg Zahl der T&ouml;tungsdelikte in dem Karibikstaat von 1.615 im Jahr 2021 auf 2.183 im Jahr 2022 und der Entf&uuml;hrungen von 664 auf 1.359 im gleichen Zeitraum.<\/p><p>Bei der 45. Tagung der Caricom Anfang Juli in Trinidad und Tobago prangerten die Staats- und Regierungschefs den zunehmenden Waffenschmuggel in der Region an. Sie forderten die USA auf, konkrete Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um die Lieferung von Waffen und Munition in die karibischen L&auml;nder einzud&auml;mmen.<\/p><p>Die USA k&ouml;nnten und sollten noch einiges mehr tun, um den Zustrom von t&ouml;dlichen Waffen zu stoppen, mahnte der Premierminister von Dominica, Roosevelt Skerrit.<\/p><p>Dies forderte zuvor auch der Premierminister der Bahamas, Phillip Davis, auf einem Caricom-Gipfel zum Thema Kriminalit&auml;t im April. Er erkl&auml;rte, dass der Prozentsatz der beschlagnahmten Waffen, die auf die USA zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen, in Haiti, der Dominikanischen Republik und Jamaika 87, 73 bzw. 67 Prozent betr&auml;gt.<\/p><p>Die Regierung von St. Vincent und den Grenadinen forderte Washington ebenfalls auf, mehr zu tun, um den leichten Zugang zu diesen Waffen und ihre problemlose Ausfuhr nach Lateinamerika und in die Karibik zu unterbinden. Sie f&uuml;hrte die hohe Mordrate in einigen L&auml;ndern der Region auf die Verbreitung von in den USA hergestellten Waffen und die Gewalt im Zusammenhang mit dem illegalen Drogenhandel zur&uuml;ck.<\/p><p>Der Premierminister von Grenada, Dickon Mitchell, erkl&auml;rte, dass der leichte Zugang zu Schusswaffen eine der gr&ouml;&szlig;ten Bedrohungen sei, denen die Region derzeit ausgesetzt sei. Die zunehmenden kriminellen Handlungen, bei denen Schusswaffen zum Einsatz kommen, h&auml;tten weitreichende und negative Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft, sagte er. &ldquo;Unsere Inseln sind st&auml;ndig von der Einfuhr kleinkalibriger Schusswaffen bedroht. Sie kommen in F&auml;ssern und in Containern&rdquo;, so Mitchell.<\/p><p>Premierminister Davis, der Anfang des Jahres mit US-Vizepr&auml;sidentin Kamala Harris zusammenkam, um &uuml;ber die Notwendigkeit einer Verringerung der Waffenlieferungen aus den USA zu sprechen, vertrat die gleiche Linie.<\/p><p>Einige karibische Politiker haben in Anbetracht dessen zugesagt, die von Mexiko gef&uuml;hrten Gerichtsverfahren gegen US-Waffenhersteller zu unterst&uuml;tzen, denen vorgeworfen wird, ihre Produkte fahrl&auml;ssig an Kriminelle zu verkaufen.<\/p><p>Die mexikanische Regierung reichte im vergangenen Oktober erneut eine <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2022\/10\/260648\/mexiko-klage-waffenhersteller-usa\">Klage gegen Waffenunternehmen<\/a> aus den USA ein. Diese richtet sich speziell gegen f&uuml;nf Firmen mit Sitz in Tucson, Arizona. Laut der Regierung haben sie in den vergangenen Jahren Waffen verkauft, die mit &ldquo;sehr schweren Verbrechen&rdquo; in Mexiko in Verbindung gebracht werden.<\/p><p>Mexiko wird zudem von den Waffenherstellern 15 Milliarden US-Dollar als Entsch&auml;digung f&uuml;r Sch&auml;den fordern, die durch &ldquo;fahrl&auml;ssige Gesch&auml;ftspraktiken&rdquo; entstanden sind, die kriminellen Gruppen den Zugang zu Waffen erm&ouml;glichen und die mexikanische Gesellschaft beeintr&auml;chtigen.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/07\/265074\/gewalt-karibik-made-usa\">zuerst auf Amerika21<\/a>. <\/em><\/p><p>Titelbild: Shutterstock \/ DenysHolovatiuk<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99069\">Stimmen aus Lateinamerika: Ver&auml;ndert die Sozialpolitik die Denkweise der Menschen?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97248\">US-Milit&auml;rbasen in Lateinamerika: Washingtons Hauptinteresse liegt in den Bodensch&auml;tzen und S&uuml;&szlig;wasserressourcen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/e4e05e973a7d424bb918980642a6c67e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die steigende Kriminalit&auml;ts- und Gewaltrate in der Karibik setzt sich unvermindert fort. 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