{"id":101880,"date":"2023-07-31T10:30:10","date_gmt":"2023-07-31T08:30:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101880"},"modified":"2023-08-01T09:17:30","modified_gmt":"2023-08-01T07:17:30","slug":"zeit-fuer-die-ausweisung-des-israelischen-botschafters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101880","title":{"rendered":"Zeit f\u00fcr die Ausweisung des israelischen Botschafters"},"content":{"rendered":"<p>Ron Prosor ist Israels aktueller Botschaft in Deutschland und seine bisherige Amtszeit ist von Ungeheuerlichkeiten und Skandalen gekennzeichnet. Seine Linie ist es, jede Kritik an der Politik des Staates Israels mit dem Vorwurf des Antisemitismus abzublocken. In der israelischen Community sorgt dies f&uuml;r scharfe Kritik, so dass es unl&auml;ngst zu einem Eklat kam &ndash; Prosor wurde aus einem Caf&eacute;, das in Berlin von einem j&uuml;dischen Israeli betrieben wird, ausgewiesen. Unser Autor <strong>Shir Hever<\/strong> findet, dass die Bundesrepublik dem Beispiel des Caf&eacute;betreiber folgen sollte.<br>\n<!--more--><br>\nAm Sonntagnachmittag, den 23. Juli, betrat der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, das <a href=\"https:\/\/cafe-dodo.eatbu.com\/?lang=de\">Caf&eacute; Dodo<\/a> in Berlin. Vielleicht hatte der Botschafter dieses Caf&eacute; ausgew&auml;hlt, weil es eine F&uuml;nf-Sterne-Bewertung auf <a href=\"https:\/\/www.tripadvisor.de\/Restaurant_Review-g187323-d16692763-Reviews-Cafe_Dodo-Berlin.html\">Trip Advisor<\/a> hat, oder vielleicht hat er geh&ouml;rt, dass es einem j&uuml;dischen Israeli, Avi Berg, geh&ouml;rt. &bdquo;Vielleicht hoffte er, Hebr&auml;isch mit dem Besitzer sprechen zu k&ouml;nnen?&ldquo;<\/p><p>Avi Berg verwies den Botschafter und seine Leibw&auml;chter sofort des Lokals. Berg erkl&auml;rte, dass der Botschafter, der alle Kritiker der israelischen Politik, zu denen auch Berg selbst geh&ouml;rt, als &bdquo;Antisemiten&ldquo; bezeichnet hat, nicht nur eine Privatperson ist, die ihre Meinung &auml;u&szlig;ert und auf einen Kaffee und ein Eis kommt. Er repr&auml;sentiert den Staat Israel und muss die Verantwortung f&uuml;r den Staat und f&uuml;r seine eigenen &Auml;u&szlig;erungen tragen.<\/p><p>Ron Prosor ist ein professioneller israelischer Diplomat, der offiziell keiner politischen Partei angeh&ouml;rt, die das rechtsextreme <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/the-full-text-of-prosors-speech\/\">politische Klima in Israel widerspiegelt<\/a>.<\/p><p>Ron Prosor war zwischen 2007 und 2011 Israels Botschafter im Vereinigten K&ouml;nigreich, wo seine Mission ein kl&auml;glicher <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/2008-01-18\/ty-article\/kaffiyeh-wearing-protesters-greet-new-israeli-u-k-ambassador\/0000017f-e868-d62c-a1ff-fc7bd0120000\">Misserfolg<\/a> war. Als er die britischen J&uuml;dinnen und Juden <a href=\"https:\/\/www.thejc.com\/news\/community\/ron-prosors-plea-to-glasgow-1.21487\">aufforderte<\/a>, den Zionismus und den Staat Israel zu unterst&uuml;tzen, reagierten sie, indem sie in gro&szlig;er Zahl <a href=\"https:\/\/forward.com\/opinion\/389482\/these-bds-supporting-british-jewish-students-are-changing-their-community\/\">die Boykott-, Divestment- und Sanctions-Bewegung gegen Israel (BDS) unterst&uuml;tzten<\/a>. Prosor wurde dann zum Botschafter Israels bei der UNO ernannt, wo er ebenfalls keine Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die israelische Apartheidpolitik gewinnen konnte, und hatte einen <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/2011-11-06\/ty-article\/israels-un-ambassador-attends-le-pen-meeting-by-mistake\/0000017f-e605-dc7e-adff-f6addcd10000\">Fototermin mit Marine Le Pen<\/a>. Das Bild sorgte in Israel f&uuml;r Verlegenheit, weil es Israels B&uuml;ndnis mit rechtsextremen Regierungen und politischen Parteien, wie Viktor Orban und Donald Trump, offenlegte, selbst wenn diese Parteien <a href=\"https:\/\/www.972mag.com\/antisemitic-far-right-israel-orban\/\">antisemitisch<\/a> sind. Prosor versuchte, sich von Marine Le Pen zu distanzieren, und behauptete, das Treffen sei ein Fehler gewesen. Im Jahr 2015 wurde Prosor durch Dany Danon als israelischer Botschafter bei der UNO ersetzt.<\/p><p>Nachdem er es nicht geschafft hatte, Chef der Jewish Agency zu werden, wurde Prosor 2021 <a href=\"https:\/\/taz.de\/Israels-Botschafter-in-Deutschland\/!5822096\/\">zum Botschafter in Deutschland ernannt<\/a>. Diese Ernennung ist eine klare Aussage des israelischen Au&szlig;enministeriums, dass die deutsche fanatische <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/denk-ich-an-deutschland\/\">Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel<\/a> so selbstverst&auml;ndlich und verl&auml;sslich ist, dass selbst der ungeschickteste Diplomat als Botschafter ausreicht. Und in der Tat hat sich Prosor auch als israelischer Botschafter in Deutschland l&auml;cherlich gemacht.<\/p><p>Erstens durch den Skandal mit Bashir Bashir, Amos Goldberg und Charlotte Wiedemann. Im November letzten Jahres rief Ron Prosor dazu auf, in Tel-Aviv eine Veranstaltung &uuml;ber B&uuml;cher abzusagen, die sich mit der Geschichte des Holocaust und der Nakba befassen. F&uuml;r Prosor reicht es schon aus, wenn die Nakba, die pal&auml;stinensische Katastrophe von 1948, die die ethnische S&auml;uberung Pal&auml;stinas von der Mehrheit der einheimischen pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung umfasste, neben einer Veranstaltung erw&auml;hnt wird, die den Holocaust, den V&ouml;lkermord an europ&auml;ischen J&uuml;dinnen und Juden, diskutiert, um die Organisatoren der Veranstaltung des Antisemitismus zu beschuldigen. Die Veranstaltung wurde vom Goethe-Institut und die Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert, die dem israelischen Botschafter prompt gehorchten und die Veranstaltung <a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/ins\/il\/de\/ver.cfm?event_id=24278029\">absagten<\/a>. Damit ist Ron Prosor der erste israelische Botschafter, der eine Veranstaltung zum Gedenken an den Holocaust abgesagt hat.<\/p><p>Zweitens gab es seine <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/prosor-asseburg-netanjahu-demokratie-justizreform-kommentar-1.6051039?reduced=true\">Verleumdungstirade gegen Dr. Muriel Asseburg<\/a>, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Anfang Juli. Prosor st&uuml;tzte seine Verleumdungen auf das Interview, das Muriel Asseburg <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=333rt6aUVnE\">Jung &amp; Naiv<\/a> gegeben hatte und welches er entweder nicht gesehen oder nicht verstanden hatte. Seine Hetze f&uuml;hrte zu einem <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-07-13\/ty-article\/.premium\/german-ambassador-denounces-harassment-of-top-mideast-expert-by-israeli-far-right\/00000189-4ed8-d371-a389-defc4e7e0000\">Angriff auf Asseburg<\/a> in Tel-Aviv durch ein Mitglied der rechtsextremen Im-Tirzu-Bewegung, das Prosor als Rechtfertigung f&uuml;r den Angriff auf sie zitierte. Selbst der deutsche Botschafter in Israel <a href=\"https:\/\/twitter.com\/GerAmbTLV\/status\/1679381444513132544\">verurteilte die haltlosen Anschuldigungen<\/a>.<\/p><p>Israel ist kein Freund von Deutschland. Die Beziehung ist einseitig und die israelische Regierung geht davon aus, dass sie die deutsche Politik manipulieren kann, indem sie jeden, der <a href=\"https:\/\/senderfreiespalaestina.de\/pdfs\/deutschland-muss-rolle-in-kriegsverbrechen-beenden.pdf\">Deutschlands Komplizenschaft mit israelischen Verbrechen<\/a> infrage stellt, als Antisemiten bezeichnet. Der Zentralrat der Juden in Deutschland tr&auml;gt zu dieser einseitigen Beziehung bei, indem er <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/antisemitismusvorwurf-umstrittene-stimme-100.html\">zionistische, rechte Kr&auml;fte in Israel unterst&uuml;tzt<\/a>. Wenn der Staat Israel <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-07-25\/ty-article\/.premium\/under-guise-of-social-cohesion-israel-allows-more-towns-to-reject-unsuitable-residents\/00000189-8eaf-d430-a59b-afaf6d590000\">Apartheidgesetze<\/a> erl&auml;sst, wie z.B. das Gesetz, das es Gemeinden erlaubt, Nicht-Juden den Kauf oder die Anmietung eines Hauses in j&uuml;dischen Gebieten zu verbieten, wenn das israelische Milit&auml;r <a href=\"https:\/\/www.palestine-studies.org\/en\/node\/1653652\">ungestraft Journalisten t&ouml;tet<\/a> und die Gewalt gegen Pal&auml;stinenser eskaliert, w&auml;re es normal, dass das deutsche Au&szlig;enministerium den israelischen Botschafter ausweist oder ihn zumindest zu einer Anh&ouml;rung einl&auml;dt und Erkl&auml;rungen f&uuml;r Israels Verbrechen und f&uuml;r das Verhalten des Botschafters selbst verlangt, der eine angesehene Wissenschaftlerin auf der Grundlage von Unwahrheiten verleumdet.<\/p><p>Stattdessen zeigt der symbolische Rauswurf aus dem Restaurant Caf&eacute; Dodo, dass die deutsche Regierung zwar weiterhin den Staat Israel trotz seiner Handlungen unterst&uuml;tzt, aber nicht die W&uuml;nsche der J&uuml;dinnen und Juden in Deutschland vertritt. &Uuml;ber den Rauswurf von Prosor aus dem Restaurant Caf&eacute; Dodo <a href=\"https:\/\/www.ynet.co.il\/news\/article\/yokra13519758\">berichteten die hebr&auml;ischen israelischen Medien<\/a>.<\/p><p>Avi Berg, Inhaber des Caf&eacute; Dodo, ist Mitglied der <a href=\"https:\/\/www.juedische-stimme.de\/\">J&uuml;dischen Stimme f&uuml;r einen gerechten Frieden in Nahost e.V.<\/a> Er zog 2011 von Israel nach Berlin, nachdem er in Israel f&uuml;r verschiedene Menschenrechtsorganisationen gearbeitet und Jura studiert hatte. Berg sagte den NachDenkSeiten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;In Deutschland f&uuml;hle ich mich verpflichtet, die zionistische Propaganda und den manipulativen Druck zu bek&auml;mpfen, den Israel zusammen mit zionistischen j&uuml;dischen Organisationen in Deutschland aus&uuml;bt, indem sie behaupten, jede Kritik an Israel sei antisemitisch. Der Bundestagsbeschluss gegen BDS [von 2019] und die darauffolgenden Ereignisse in Deutschland und speziell in Berlin zeigen eine gef&auml;hrliche Verschlechterung, die jedem schadet, der kritisch gegen&uuml;ber Israel ist. Die Beeintr&auml;chtigung der Meinungsfreiheit von Pal&auml;stinensern und Antizionisten in Berlin ist auch eine Beeintr&auml;chtigung der Meinungsfreiheit in Deutschland im Allgemeinen. Das d&uuml;rfen wir nicht hinnehmen. Das ist es, was mich dazu gebracht hat, gegen den Botschafter vorzugehen. Er ist keine Privatperson, seine Handlungen in diesem Bereich verursachen einen enormen Schaden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Ron_Prosor\/status\/1674096356086915073\/photo\/1\">Ron Prosor via Twitter<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ron Prosor ist Israels aktueller Botschaft in Deutschland und seine bisherige Amtszeit ist von Ungeheuerlichkeiten und Skandalen gekennzeichnet. Seine Linie ist es, jede Kritik an der Politik des Staates Israels mit dem Vorwurf des Antisemitismus abzublocken. 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