{"id":101916,"date":"2023-08-01T13:30:59","date_gmt":"2023-08-01T11:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101916"},"modified":"2023-08-02T13:44:39","modified_gmt":"2023-08-02T11:44:39","slug":"vereinbarungen-gebrochen-vertrauen-verspielt-wie-sich-der-kreml-vom-westen-betrogen-fuehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101916","title":{"rendered":"Vereinbarungen gebrochen, Vertrauen verspielt &#8211; Wie sich der Kreml vom Westen betrogen f\u00fchlt"},"content":{"rendered":"<p>Von der NATO-Osterweiterung seit 1999 &uuml;ber das Protokoll von Minsk 2015 und die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen vom M&auml;rz 2022 bis zu den Getreideabkommen dieser Tage machte Moskau bittere Erfahrungen mit dem Westen, die f&uuml;hrende politische Kreise zunehmend als Verrat an Russland interpretieren. Wir wollen uns in der Folge diese Sichtweise genauer ansehen, ohne daf&uuml;r die milit&auml;rischen Antworten der russischen Seite guthei&szlig;en zu m&uuml;ssen. Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4655\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-101916-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=101916-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230801-Kreml-vom-Westen-betrogen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vielleicht hilft es zum Verst&auml;ndnis, mit einer ganz gro&szlig;en historischen Keule zu beginnen, dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom 23. August 1939. Hierzulande wird dieser nach den meistverachteten Figuren des 20. Jahrhunderts benannte Hitler-Stalin-Pakt vornehmlich in Bezug auf das Schicksal Polens diskutiert. Auch die Aufteilung in deutsche bzw. sowjetische Einflusssph&auml;ren im Baltikum, die ebenfalls im geheimen Zusatzprotokoll vermerkt war, zieht nach wie vor die Aufmerksamkeit der Historikerzunft auf sich. Der Vertragsbruch durch Berlin vom 22. Juni 1941 ist dem kollektiven russischen Ged&auml;chtnis eingepr&auml;gt, in der deutschsprachigen Erinnerung firmiert er unter &bdquo;&Uuml;berfall auf die Sowjetunion&ldquo;.<\/p><p>Das Bem&uuml;hen des Hitler-Stalin-Paktes zur Einleitung dient dazu, abseits der moralischen Einordnung des machtpolitischen Gerangels zweier Diktaturen, den historischen Moment des deutschen, also westlichen Verrates im Verh&auml;ltnis zum (russischen) Osten in Erinnerung zu rufen. Der Vertragsbruch scheint auch im aktuellen Verh&auml;ltnis zwischen der transatlantischen Allianz und der Russl&auml;ndischen F&ouml;deration eine Konstante darzustellen. Und wichtige gebrochene Versprechen gehen von Washington, Br&uuml;ssel und Berlin aus.<\/p><p>Da w&auml;re einmal die Osterweiterung des transatlantischen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses NATO. Einen schriftlichen Vertrag, dass eine solche nach dem R&uuml;ckzug der Roten Armee aus der DDR nicht stattfinden w&uuml;rde, gibt es nicht; das Versprechen auf eine neue, nicht-militarisierte Weltordnung jedoch schon. Keine geringeren als die beiden Chefdiplomaten der USA und der BRD stellten sich eine Woche vor der entscheidenden Verhandlungsrunde mit Moskau &uuml;ber den Abzug sowjetischer Soldaten am 3. Februar 1990 vor die Presse. Der deutsche Au&szlig;enminister Hans-Dietrich Genscher im Originalton: &bdquo;Wir waren uns einig (gemeint waren er selbst und der neben ihm stehende US-Au&szlig;enminister James Baker, d.A.), dass nicht die Absicht besteht, das Nato-Verteidigungsgebiet nach Osten auszudehnen. Das gilt &uuml;brigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern das gilt ganz generell.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Genscher wiederholte diese Aussage eine Woche sp&auml;ter in Moskau gegen&uuml;ber seinem sowjetischen Amtskollegen, Au&szlig;enminister Eduard Schewardnadse. <\/p><p>Am 12. M&auml;rz 1999, keine zwei Wochen vor dem ersten Einsatz der NATO &bdquo;out of area&ldquo; gegen Serbien, wurden Ungarn, Tschechien und Polen Mitglieder der westlichen Milit&auml;rallianz &ndash; und fanden sich flugs im Kriegseinsatz gegen Belgrad. In vier weiteren Etappen sind bis M&auml;rz 2020 elf osteurop&auml;ische Staaten (davon acht Zerfallsprodukte der fr&uuml;heren multinationalen Gebilde Sowjetunion, Tschechoslowakei und Jugoslawien) in die NATO eingetreten (worden).[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Dem weiteren Vormarsch des Milit&auml;rb&uuml;ndnisses in Richtung der Ukraine trat Russland am 24. Februar 2022 mit seinem Einmarsch entgegen. <\/p><p>Von Deutschland und Frankreich verraten f&uuml;hlte sich der Kreml dann im Sommer 2003. Eben noch war man gemeinsam mit Berlin und Paris gegen die grausam ins Werk gesetzten Allmachtsphantasien der US-amerikanischen Regierung von George W. Bush aufgetreten und hatte ihn in seinem Krieg gegen den Irak alleingelassen. Washington war seit den Ereignissen von Nine-Eleven (2001) im Anti-Terror-Rausch. F&uuml;r den Waffengang gegen Saddam Hussein, der mit einer dreisten L&uuml;ge gerechtfertigt worden war, mussten sich die USA eine seltsame &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; zusammenbasteln. Ihre wichtigsten NATO-Verb&uuml;ndeten Deutschland und Frankreich versagten die Zusammenarbeit. In Moskau interpretierte man dies als Wende von einer kriegsl&uuml;sternen transatlantischen Stimmung zu geopolitischer Vernunft. Der Kreml sollte sich t&auml;uschen. Neben der Tatsache, dass deutsche Steuerzahler indirekt Bushs Kriegsgang finanzierten, wurde bald auch klar, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst BND aktiv in die Zielauswahl f&uuml;r die Bombardierung Bagdads als Feuerleitstelle eingebunden war.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Russland blieb mit seiner Ablehnung des Irakkrieges allein. Die NATO-Reihen schlossen sich hinter dem Pentagon.<\/p><p>Den vielleicht wichtigsten Vertrauensbruch im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise stellt die Nichtumsetzung des Minsker Abkommens vom 12. Februar 2015 dar. Darin war neben einem Waffenstillstand, einem Gefangenaustausch und einer demilitarisierten Zone die F&ouml;deralisierung der Ukraine als politischer Kernpunkt aufgelistet. Mit dem Vertrag von Minsk sollte der ukrainische Staat in seiner Territorialit&auml;t (mit Ausnahme der Krim) erhalten bleiben und den sezessionistischen Regionen im Osten (Donezk und Luhansk) sollten weitgehende Autonomierechte einger&auml;umt werden. Nachdem die ukrainische F&uuml;hrung bald ihren Unwillen zur Umsetzung durchblicken hat lassen, verabs&auml;umten es auch die Signatarstaaten Deutschland und Frankreich, dem durch die UN-Resolution 2202 (2015) v&ouml;lkerrechtlich verbindlichen Vertrag zum Durchbruch zu verhelfen. Acht lange Jahre lag die Minsker Vereinbarung auf Halde, w&auml;hrend der Krieg im Donbass, den die ukrainische Armee und rechtsradikale Freiwilligenverb&auml;nde gegen die abtr&uuml;nnigen Volksrepubliken f&uuml;hrten, Tausende Tote forderte. Erst nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 redeten dann die westlichen Verhandlungsf&uuml;hrer von Minsk Klartext. Fran&ccedil;ois Hollande und Angela Merkel erkl&auml;rten wortreich, dass Minsk wohl eher daf&uuml;r abgeschlossen worden war, um Zeit f&uuml;r die Aufr&uuml;stung der Ukraine zu gewinnen als daf&uuml;r, eine friedliche L&ouml;sung des Konflikts zustande zu bringen. Der Kreml merkte erst sehr sp&auml;t, wie sehr er in Minsk und danach &uuml;ber den Tisch gezogen worden war.<\/p><p>Ein weiterer Vertrauensbruch von westlicher Seite erfolgte dann wenige Wochen nach dem russischen Einmarsch, wobei hier freilich festzuhalten ist, dass die Invasion der russischen Armee nicht nur v&ouml;lkerrechtswidrig war, sondern ihrerseits auch einen Bruch des Budapester Memorandums von 1994 darstellte, womit Moskau im Gegenzug f&uuml;r den ukrainischen Nuklearwaffenverzicht die territoriale Integrit&auml;t des Landes garantiert hatte.<\/p><p>Ab 10. M&auml;rz 2022, nur zweieinhalb Wochen, nachdem der Versuch, die Regierung von Wolodymyr Selenskiy zu st&uuml;rzen, gescheitert war, begannen ernsthafte Verhandlungen um Frieden im t&uuml;rkischen Antalya. Schon zuvor hatten russisch-ukrainische Gespr&auml;che auch im belarussischen Gomel sowie intensive Bem&uuml;hungen um einen Waffenstillstand unter Vermittlung des israelischen Premierministers Naftali Bennett stattgefunden. Das t&uuml;rkische Antalya sah &ndash; patroniert von Pr&auml;sident Recep Tayyip Erdogan &ndash; hochrangige Delegationen aus Russland und der Ukraine unter der F&uuml;hrung der beiden Au&szlig;enminister Sergej Lawrow und Dmytro Kuleba. Bis zum 29. M&auml;rz lag dann das sogenannte &bdquo;Istanbuler Kommuniqu&eacute;&ldquo; vor, wie es im Dolmabah&ccedil;e-Palast formuliert worden war. Dies war ein mit russischen und ukrainischen Unterh&auml;ndlern abgestimmter Entwurf f&uuml;r einen Waffenstillstand, der in der Folge auf h&ouml;chster pr&auml;sidialer Ebene h&auml;tte unterzeichnet werden k&ouml;nnen. Die Ukraine stimmte darin einer Neutralit&auml;tserkl&auml;rung sowie einem Verzicht auf die NATO-Mitgliedschaft zu und garantierte, keine ausl&auml;ndischen Truppen auf ihrem Staatsgebiet stationieren zu lassen. Russland h&auml;tte laut dem Kommuniqu&eacute; seine Truppen auf die Linie vom 23. Februar, also dem Tag vor dem Einmarsch, zur&uuml;ckgezogen. Und, was besonders hoffnungsfroh stimmte, &uuml;ber den Status der Krim sollte in den kommenden 15 Jahren entschieden werden; mit anderen Worten: die Lage w&auml;re f&uuml;r damalige Verh&auml;ltnisse maximal entsch&auml;rft worden. <\/p><p>Als Geste des guten Willens zog Moskau seine Truppen an diesem 29. M&auml;rz 2022 aus der Gegend um die ukrainische Hauptstadt ab. Diese waren vom belarussischen Staatsgebiet am 24. Februar in Richtung Kiew marschiert, um eine geplante Ausschaltung der ukrainischen F&uuml;hrung durch Spezialeinheiten der russischen Armee abzusichern. &Uuml;ber den Kiewer Werksflughafen Hostomel wollten damals russische Fallschirmj&auml;ger ins Zentrum der Stadt vordringen, um Selenskiy und seine Milit&auml;rs zu neutralisieren. Das Unterfangen scheiterte am Widerstand der ukrainischen Streitkr&auml;fte. Eine 70 km lange, in der Gegend um Tschernobyl auf ukrainisches Gebiet eingedrungene russische Milit&auml;rkolonne steckte nun n&ouml;rdlich von Kiew fest. Ihren R&uuml;ckzug am 29. M&auml;rz 2022 argumentierte der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin damit, Vertrauen f&uuml;r den in Istanbul ausverhandelten Waffenstillstandsentwurf aufzubauen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Damit, so auch der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski, seien erste &bdquo;Schritte zur Deeskalation&ldquo; der Lage gesetzt. <\/p><p>Schon drei Wochen zuvor, am 4. M&auml;rz 2022, hatte der damalige israelische Premierminister Naftali Bennett eine pers&ouml;nliche Friedensinitiative gestartet. Nach einem Treffen mit Putin telefonierte er mit Selenskiy. &bdquo;Ich war nur der Mediator&ldquo;, gab er ein Jahr sp&auml;ter in einem aufschlussreichen Interview[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] zu Protokoll. Bennetts Ausf&uuml;hrungen geben einen klaren Hinweis darauf, dass der Westen, insbesondere die USA, zu diesem fr&uuml;hen Zeitpunkt keinen Waffenstillstand wollten. &bdquo;Es mag eine legitime Entscheidung des Westens gewesen sein, weiter Putin zu bek&auml;mpfen&ldquo;, zeigt der israelische Staatschef Verst&auml;ndnis f&uuml;r den gr&ouml;&szlig;ten Geldgeber seines Landes. Worauf der Interviewer verst&ouml;rt nachfragt: &bdquo;Putin zu bek&auml;mpfen? Ich denke, Putin bek&auml;mpft die Ukraine?&ldquo; Bennett l&auml;sst sich nicht aus dem Konzept bringen: &bdquo;Ich meine damit den aggressiven (westlichen, d.A.) Zugang und ich kann nicht einsch&auml;tzen, ob dieser falsch ist. Aber alles, was ich (in meiner Shuttle-Diplomatie zwischen Moskau und Kiew, d.A.) getan habe, war bis ins Detail abgestimmt, auch mit den USA, Frankreich und Deutschland&ldquo;, und h&auml;tte einen Waffenstillstand nach sich ziehen k&ouml;nnen. Darauf der Interviewer: &bdquo;Also haben diese die Initiative blockiert?&ldquo; &bdquo;Grunds&auml;tzlich ja&ldquo;, antwortet Bennett spontan. &bdquo;Sie blockierten&ldquo;, und setzt nachdenklich hinzu: &bdquo;Ich denke, das war falsch&ldquo;. <\/p><p>Blockaden gegen Bem&uuml;hungen f&uuml;r einen Waffenstillstand gab es freilich auch in Russland und in der Ukraine. Ramsan Kadyrew, Premier der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien, war nur eine von mehreren prominenten Stimmen, die Waffenstillstandsgespr&auml;che und insbesondere den R&uuml;ckzug der russischen Truppen aus dem Norden Kiews heftig kritisierten. Und auf der ukrainischen Seite musste sogar einer der Unterh&auml;ndler der eigenen Verhandlungsgruppe &uuml;ber die Klinge springen. Denis Kireev wurde nach der R&uuml;ckkehr aus Gomel, wo er mit russischen Vertretern ein m&ouml;gliches Schweigen der Waffen besprach, am 5. M&auml;rz 2022 auf offener Stra&szlig;e von einer Einsatzgruppe des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU w&auml;hrend seiner Festnahme erschossen. Kireev war f&uuml;r den Milit&auml;rgeheimdienst GUR t&auml;tig.<\/p><p>Die milit&auml;rische Geste Moskaus, seine im Norden Kiews stationierten Truppen am 29. M&auml;rz zur&uuml;ckzuziehen, verhallte ohne Gegenleistung. Der Kreml f&uuml;hlte sich einmal mehr d&uuml;piert. Am 1. April erreichten dann erste Meldungen eines Massakers im ukrainischen Ort Butscha die &Ouml;ffentlichkeit. Obwohl die Urheberschaft bis heute nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt werden konnte, bedeutete dies das Ende aller Verhandlungen; am 9. April taucht der britische Premier Boris Johnson in Kiew auf, nachdem er Pr&auml;sident Selenskiy bereits im Vorfeld seines Besuches eindr&uuml;cklich davor gewarnt hatte, Putin gegen&uuml;ber irgendwelche Zugest&auml;ndnisse zu machen.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Die Aussicht auf einen Waffenstillstand r&uuml;ckte in weite Ferne.<\/p><p>Zu schlechter Letzt f&uuml;hlte sich Russland auch noch beim Getreideabkommen hintergangen. Das im Juli 2022 unter der Schirmherrschaft des t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten und der UNO ausverhandelte Abkommen ist am 17. Juli 2023 nach dreimaliger Verl&auml;ngerung von Moskau beendet worden. Als Grund daf&uuml;r gab der Kreml an, dass auch nach einem Jahr der ausverhandelte beidseitige Nutzen f&uuml;r die russische Seite nicht gegeben sei. Zwar darf auch Russland als einer der weltgr&ouml;&szlig;ten Exporteure von Getreide seine Fracht auf den Weltmarkt bringen, aber die daf&uuml;r n&ouml;tigen Finanz- und Versicherungsdienstleister bleiben durch die US- und EU-Sanktionen blockiert. Der Forderung, zumindest die russische Agrarbank Rosselchoss dem SWIFT-System wieder anzuschlie&szlig;en, damit internationale Geldtransfers ungehindert stattfinden k&ouml;nnen, wurde von westlicher Seite nicht nachgegeben. Auch darf aufgrund der Sanktionen keiner der gro&szlig;en international t&auml;tigen Versicherer eine Fracht mit russischen G&uuml;tern versichern. Das (vorl&auml;ufige?) Ende des Getreideabkommens wurzelt also, wie so vieles, in der verlorengegangenen Vertragssicherheit und in den vielen gebrochenen Vereinbarungen, die den Ukraine-Konflikt begleiten.<\/p><p>Titelbild: Freelography\/shutterstock.com<\/p><p><em>Von Hannes Hofbauer ist zum Thema erschienen: &bdquo;Feindbild Russland. Geschichte einer D&auml;monisierung&ldquo; (Promedia Verlag, Wien)<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Hans-Dietrich Genscher auf der Pressekonferenz in Washington am 3. Februar 1990, siehe: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=o8rarwFKjw8\">youtube.com\/watch?v=o8rarwFKjw8<\/a> (27.7.2023)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] In zeitlicher Reihenfolge: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rum&auml;nien, Slowakei, Slowenien (2004); Albanien, Kroaten (2009); Montenegro (2017); Nordmazedonien (2020).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/deutschland-und-der-irak-krieg-jein-zum-krieg-1.893903\">sueddeutsche.de\/politik\/deutschland-und-der-irak-krieg-jein-zum-krieg-1.893903<\/a> (27.7.2023)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/konflikte-krieg-gegen-die-ukraine-so-ist-die-lage-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220329-99-709870\">sueddeutsche.de\/politik\/konflikte-krieg-gegen-die-ukraine-so-ist-die-lage-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220329-99-709870<\/a> (28.7.2023)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/nato-laender-haben-waffenstillstand-in-der-ukraine-vereitelt\/\">infosperber.ch\/politik\/welt\/nato-laender-haben-waffenstillstand-in-der-ukraine-vereitelt\/<\/a>; ab Minute 2:59:30 (27.7.2023)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/061\/2006106.pdf\">dserver.bundestag.de\/btd\/20\/061\/2006106.pdf<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2022\/apr\/28\/liz-truss-ukraine-war-russia-conservative-power\">theguardian.com\/commentisfree\/2022\/apr\/28\/liz-truss-ukraine-war-russia-conservative-power<\/a> (27.7.2023)<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der NATO-Osterweiterung seit 1999 &uuml;ber das Protokoll von Minsk 2015 und die ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen vom M&auml;rz 2022 bis zu den Getreideabkommen dieser Tage machte Moskau bittere Erfahrungen mit dem Westen, die f&uuml;hrende politische Kreise zunehmend als Verrat an Russland interpretieren. 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