{"id":10194,"date":"2011-07-22T16:02:16","date_gmt":"2011-07-22T14:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10194"},"modified":"2014-11-13T18:23:57","modified_gmt":"2014-11-13T17:23:57","slug":"ackermanns-groser-bluff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10194","title":{"rendered":"Ackermanns gro\u00dfer Bluff"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wir k&ouml;nnen mit der L&ouml;sung nicht unzufrieden sein, schlie&szlig;lich sitzt Josef Ackermann am Tisch&ldquo; &ndash; mit diesem Satz <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/S30638\/ackermann-auf-dem-gipfel-als-berater-der-politik-wahren-banken-ihren-einfluss-30470151.html\">zitiert die FAZ  &bdquo;Reaktionen aus Bankerkreisen&ldquo;<\/a> zu den ersten Ergebnissen des Euro-Gipfels. Ackermann selbst stapelt jedoch lieber tief und beklagt im ZDF die angeblichen 21 Prozent Abschreibungen, <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/ausland\/ackermann-hilfspakt-trifft-die-banken-hart-1708785.html\">die die Banken &bdquo;hart treffen&ldquo; w&uuml;rden<\/a>. Doch die Krokodilstr&auml;nen des Deutschbankers sind unangebracht und zynisch. Wenn man sich das <a href=\"\/upload\/pdf\/110722_iif_financing_offer_20110721.pdf\">&bdquo;freiwillige Angebot&ldquo; des Bankenverbandes IIF [PDF &ndash; 37.4 KB]<\/a>, dem Ackermann vorsteht, n&auml;her anschaut, stellt man schnell fest, dass die Banken nahezu ungeschoren bleiben. Von einer Beteiligung des privaten Sektors kann &uuml;berhaupt keine Rede sein. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Um das Angebot der Banken einordnen zu k&ouml;nnen, muss man sich zun&auml;chst vergegenw&auml;rtigen, unter welchen Konditionen die Griechenland-Anleihen, die in den Bilanzen der Institute stehen, &uuml;berhaupt ausgegeben wurden. Als Beispiel sei hier eine typische Anleihe genannt &ndash; die 2007 ausgegebene <a href=\"http:\/\/www.minfin.gr\/portal\/en\/resource\/section\/bond_10\">10j&auml;hrige Anleihe GR0124029639<\/a> mit einem Kupon von 4,3%. Banken und Versicherungen, die diese Anleihe erworben haben, erhalten vom griechischen Finanzministerium 4,3% Zinsen auf dieses Papier, das 2017 ausl&auml;uft. Vor Beginn des Euro-Gipfels wurde diese Anleihe an den M&auml;rkten f&uuml;r 46,10 Euro gehandelt. Wer die Anleihe zu diesem Zeitpunkt gekauft hat, kann demnach mit rund 20% Rendite rechnen. F&uuml;r Investoren, die das Papier schon l&auml;nger in ihren B&uuml;chern haben, &auml;ndert sich an der Rendite jedoch faktisch nichts. <\/p><p>Das Angebot des IIF sieht vier Instrumente vor, mit denen sich der private Sektor von seinen ausfallsbedrohten Griechenlandanleihen trennen kann:<\/p><ol>\n<li>Ein 1:1 Austausch in eine 30j&auml;hrige Anleihe der EFSF (Europ&auml;ische Finanzstabilisierungsfazilit&auml;t) mit AAA-Rating und einer durchschnittlichen Verzinsung von 4,5%, der sofort stattfindet.<\/li>\n<li>Ein 1:1 Austausch in eine 30j&auml;hrige Anleihe der EFSF mit AAA-Rating und einer durchschnittlichen Verzinsung von 4,5%, der nach F&auml;lligkeit der Griechenland-Anleihen stattfindet.<\/li>\n<li>Ein Austausch mit einem Abschlag von 20% vom Barwert in eine 30j&auml;hrige Anleihe der EFSF mit AAA-Rating und einer durchschnittlichen Verzinsung von 6,42%.<\/li>\n<li>Ein Austausch mit einem Abschlag von 20% vom Barwert in eine 15j&auml;hrige Anleihe der EFSF mit AAA-Rating und einer durchschnittlichen Verzinsung von 5,9%.<\/li>\n<\/ol><p>Wenn man nun die Angebote [1] und [2] anschaut, fragt man sich unwillk&uuml;rlich, worin denn nun eigentlich die Beteiligung des privaten Sektors besteht? Die Verzinsung von 4,5% entspricht der Verzinsung der griechischen Staatsanleihen und ist sogar rund einen Prozentpunkt h&ouml;her als die Verzinsung deutscher Bundesanleihen, die ebenfalls ein AAA-Rating haben, und f&uuml;r die ebenfalls der deutsche Steuerzahler haftet. Bei den Angeboten [3] und [4] findet zwar in der Tat ein Abschlag von 20% auf den Barwert statt, daf&uuml;r erh&auml;lt der Investor jedoch eine erstklassige Rendite von 5,9% bzw. 6,42%, die den Abschlag wieder wettmacht. Nat&uuml;rlich d&uuml;rfen sich die Banken selbst aussuchen, welches dieser gro&szlig;z&uuml;gigen Angebot sie bevorzugen.<\/p><p>Wie kommt Herr Ackermann nun aber auf die 21% Abschreibung, die der private Sektor angeblich vornehmen muss? Ganz einfach: Die Angebote [1] und [2] werden als sogenannte Nullkuponanleihe ausgegeben. Die Bank kassiert somit s&auml;mtliche Zinsen am Ende der Laufzeit &ndash; also in 30 Jahren. Diese Rendite bildet sich im Kurs der Anleihe ab. Wenn die Deutsche Bank auf Angebot [1] eingeht, gibt sie dem EFSF ihre Griechenland-Anleihe und erh&auml;lt daf&uuml;r eine Nullkuponanleihe, die im Jahr 2041 (also in 30 Jahren) den Nennwert der Griechenland-Anleihe auszahlt. Da der Barwert einer Nullkuponanleihe nat&uuml;rlich abgezinst wird, entspricht er zu Beginn der Laufzeit bei 4,5% Verzinsung rund 25% des Nennwertes. Was bedeutet dies f&uuml;r die Beteiligten?<\/p><p>Der EFSF gewinnt 30 Jahre Zeit. Erst in 30 Jahren wird der volle Nennwert f&uuml;r die Banken f&auml;llig. Die Banken k&ouml;nnen wiederum den Barwert (also 25% des Nennwertes) bilanzieren und kommen somit nicht nur zu steuersparenden Abschreibungen, sondern auch zu einem erstklassig verzinsten Papier, das sie ihrerseits als Mindestreserve bei der EZB hinterlegen k&ouml;nnen. F&uuml;rwahr kein schlechtes Gesch&auml;ft. <\/p><p>Auch die Angebote [3] und [4] sind keinesfalls als Beteiligung des Privatsektors zu werten. Die Banken m&uuml;ssen lediglich 20% des Barwertes abschreiben, kassieren daf&uuml;r aber erstklassige Zinsen, die weit &uuml;ber den bisherigen Zinsversprechen Griechenlands liegen. Die eingangs genannte Anleihe GR0124029639 hat heute einen Barwert von 75,86 Euro. Wenn eine Bank diese Anleihe mit 20% Abschlag in eine EFSF-Anleihe umtauschen w&uuml;rde, h&auml;tte diese Anleihe dank der gro&szlig;z&uuml;gigen Verzinsung von 6,42% im Jahr 2017 einen Barwert von 88,15 Euro. Bei sehr gro&szlig;z&uuml;giger Deutung erg&auml;be sich somit ein Abschlag von 11,85%, der jedoch dadurch ausgeglichen wird, dass diese Anleihe noch bis zum Jahr 2041 mit stolzen 6,42% bedient wird. <\/p><p>Wie kommt Herr Ackermann dann aber auf 21 Prozent Abschreibung? Ganz einfach, er setzt die Verzinsung der Griechenland-Anleihen mit 9% an. Das mag konservativ erscheinen, wenn man die aktuellen Marktpreise f&uuml;r diese Anleihen betrachtet. Die Marktpreise haben aber bereits eine Umschuldung eingepreist. F&uuml;r Banken, die dem Druck der M&auml;rkte widerstanden haben und die Anleihen trotz steigenden Ausfallrisikos gehalten haben, ergibt sich anstatt einer Abschreibung ein sattes Plus. Wenn man die Verzinsung jedoch regul&auml;r mit 4,5% ansetzen w&uuml;rde, k&auml;me man freilich nie auf Ackermanns 21 Prozent, sondern auf einen wesentlich geringeren Wert.<\/p><p>Ackermanns Deal ist ein Hauptgewinn f&uuml;r die Banken. Griechenland-Anleihen wurden in der letzten Woche an den M&auml;rkten mit einem Abschlag von rund 40% gehandelt. Der Sachverst&auml;ndigenrat der Bundesregierung forderte sogar <a href=\"http:\/\/m.faz.net\/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF\/Doc~E35EBE46CE220462B8C1A918592B5AB4C~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml\">einen Abschlag von 50 Prozent<\/a> bei der Beteiligung des Privatsektors. Im Vergleich zu diesen Zahlen w&auml;ren selbst Ackermanns 21 Prozent ein Geschenk an die Banken. Der jetzige Deal, der weit unterhalb dieser 21 Prozent liegt, ist keine Beteiligung des Privatsektors, sondern ein Bailout erster G&uuml;te. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu erw&auml;hnen, dass die Zeche einmal mehr der Steuerzahler zahlen muss. Im Jahre 2041, wenn die EFSF-Anleihen auslaufen, werden die Verantwortlichen jedoch bereits im Ruhestand sein. Die Rechnung f&uuml;r die &bdquo;Beteiligung des Privatsektors&ldquo; wird die n&auml;chste Generation zu tragen haben.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d430a923a8e445a784c9e8b11faad300\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wir k&ouml;nnen mit der L&ouml;sung nicht unzufrieden sein, schlie&szlig;lich sitzt Josef Ackermann am Tisch&ldquo; &ndash; mit diesem Satz <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/artikel\/S30638\/ackermann-auf-dem-gipfel-als-berater-der-politik-wahren-banken-ihren-einfluss-30470151.html\">zitiert die FAZ &bdquo;Reaktionen aus Bankerkreisen&ldquo;<\/a> zu den ersten Ergebnissen des Euro-Gipfels. 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