{"id":101970,"date":"2023-08-02T16:50:26","date_gmt":"2023-08-02T14:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101970"},"modified":"2023-08-07T11:53:19","modified_gmt":"2023-08-07T09:53:19","slug":"die-afd-debatte-hilft-den-etablierten-parteien-hier-funktioniert-der-wipschaukeleffekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101970","title":{"rendered":"Die AfD-Debatte hilft den etablierten Parteien. Hier funktioniert der Wippschaukeleffekt"},"content":{"rendered":"<p>Zu der auch auf den NachDenkSeiten gef&uuml;hrten Debatte um die AfD sind ein paar Anmerkungen f&auml;llig. Mit der durchaus gerechtfertigten kritischen Debatte um die rechte Partei ist der Nebeneffekt verbunden, dass die etablierten Parteien in freundlichem Licht erscheinen, ohne dass &uuml;ber sie und ihren Zustand geb&uuml;hrend kritisch geredet wird. Das geht nach der in meinem Buch &bdquo;Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst&ldquo; beschriebenen Manipulationsmethode Nr. 9, dem Wippschaukeleffekt. Man kann das am Beispiel der FDP, der Gr&uuml;nen, der CDU und auch der SPD demonstrieren.&nbsp;<strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1424\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-101970-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=101970-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230803-AfD-Debatte-hilft-etablierten-Parteien-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zur FDP <\/strong><\/p><p>Was von ihr im Vergleich zur AfD zu halten ist, will ich an einer zentralen Frage sichtbar machen, an den Vorstellungen zur Organisation der Altersvorsorge. Wenn man im Netz nach den Vorstellungen der FDP zur Altersvorsorge sucht, dann findet man eine Reihe von Bekenntnissen zur sogenannten Aktienrente. Typisch f&uuml;r das erkennbar abstruse Denken des obersten Repr&auml;sentanten der FDP ist:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich m&ouml;chte, dass wir die Kapitalm&auml;rkte f&uuml;r uns arbeiten lassen. Deswegen werden wir 2023 die Aktienrente einf&uuml;hren&ldquo;, k&uuml;ndigte Lindner an.\n<\/p><\/blockquote><p>Das war im November 2022. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.fdp.de\/die-aktienrente-stabilisiert-die-altersvorsorge\">Aktienrente: Die Aktienrente stabilisiert die Altersvorsorge | FDP<\/a>) Schlimmeren Kokolores k&ouml;nnen auch Politiker der AfD nicht von sich geben.<\/p><p>Im Einzelnen hier:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Die Aktienrente stabilisiert die Altersvorsorge<\/strong><\/p>\n<p>Die 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland k&ouml;nnen in den kommenden Jahren auf eine positive Finanzlage der Rentenkasse hoffen. Mit der Aktienrente will Christian Lindner die gesetzliche Rentenversicherung auch langfristig auf stabile Beine stellen. &hellip;<\/p>\n<p>Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fdp.de\/sites\/default\/files\/2022-10\/2022-10-07%20FDP%20Argumente%20Rente.pdf\">Aktienrente<\/a>&nbsp;etabliert f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung neben der Finanzierung aus Pflichtbeitr&auml;gen und Bundeszusch&uuml;ssen eine kapitalgedeckte S&auml;ule. F&uuml;r die Umsetzung des Vorhabens will Lindner im Bundeshaushalt f&uuml;r das Jahr 2023 zun&auml;chst&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/stabilisierung-der-rente-lindner-will-fuer-die-aktienrente-zehn-milliarden-euro-im-haushalt-2023-einplanen\/28789726.html\">10 Milliarden Euro einplanen<\/a>. Ab dem Jahr 2030 werden dann die erzielten Ertr&auml;ge in die Kassen der Rentenversicherung flie&szlig;en und das Rentensystem st&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Das Ziel ist es, mit dem Kapitalstock die Renditechancen des globalen Kapitalmarkts zu nutzen. Einige europ&auml;ische L&auml;nder praktizieren dies bereits seit Jahrzehnten erfolgreich. So zeigt Schweden, dass die Aktienrente ein Erfolgsmodell ist: Der schwedische Fonds erzielte in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich 11 Prozent Rendite. Mit der Rendite aus der Aktienrente kann auch Deutschland die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung auf sichere F&uuml;&szlig;e stellen.\n<\/p><\/blockquote><p>Auch in diesem <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/-rente-altersvorsorge-aktienrente-christian-lindner-fdp-risiken-kritik-100.html\">Beitrag des <em>Deutschlandfunks<\/em><\/a> wird die verwegene Vorstellung des amtierenden Finanzministers und FDP-Vorsitzenden Lindner gut sichtbar. Ein Zitat daraus:<\/p><blockquote><p>\n<strong>Wie will Lindner die Rente k&uuml;nftig absichern?<\/strong><\/p>\n<p>Bundesfinanzminister Lindner will die Altersvorsorge &uuml;ber den Kapitalmarkt absichern. Dazu soll ein Fonds eingerichtet werden, den der Bund mit Grundkapital f&uuml;llt. Eine &ouml;ffentlich-rechtliche Stiftung soll das Geld verwalten und vor allem gewinnbringend anlegen &ndash; unter anderem in Aktien. Die Renditen w&uuml;rden der gesetzlichen Rentenversicherung zuflie&szlig;en; m&ouml;gliche Verluste w&uuml;rde der Bund ausgleichen.\n<\/p><\/blockquote><p>Verluste w&uuml;rde der Bund ausgleichen! Donnerwetter, so kann man Renten finanzieren. Es ist unseri&ouml;s von vorn bis hinten. Schlimmer kann die AfD auch nicht sein.<\/p><p><strong>Zur CDU<\/strong><\/p><p>Die CDU leistet sich einen Vorsitzenden, dessen Verbundenheit mit den gro&szlig;en US-amerikanischen Kapitalsammelstellen nicht zu leugnen ist und auch nicht zu leugnen versucht wird. Hier ist ein Bericht &uuml;ber die Rolle von Friedrich Merz als Aufsichtsratsvorsitzender des deutschen Ablegers von BlackRock: &bdquo;Was hinter dem Unternehmen steckt, in dem Friedrich Merz Aufsichtsrat ist&ldquo;. <a href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/finanzdienstleistungen\/news\/was-hinter-dem-unternehmen-steckt-in-dem-friedrich-merz-aufsichtsrat-ist\/\">Dieser Artikel<\/a> ist vom November 2018.<\/p><p>Als dieser Artikel geschrieben wurde, war schon bekannt, dass Merz CDU-Vorsitzender werden k&ouml;nnte. Der letzte Satz des Artikels enth&auml;lt, wenn auch treuherzig formuliert, eine richtige Vermutung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Selbst wenn Merz Vorsitzender der CDU werden sollte und damit bei Blackrock ausscheidet, d&uuml;rften beide Seiten in Verbindung bleiben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Wir haben also einen CDU-Vorsitzenden, der f&uuml;r eine der gr&ouml;&szlig;ten US-Kapitalsammelstellen mit Beteiligung und Einfluss weltweit und in nahezu allen deutschen DAX-Unternehmen t&auml;tig war und von dem man annehmen kann und muss, dass er auch als CDU-Vorsitzender die Interessen dieser Kreise im Blick hat. Bei einer solchen CDU ist es nicht sehr verwunderlich, dass W&auml;hler und Mitglieder mit dem Wechsel zur AfD keine Probleme haben.<\/p><p><strong>Die Gr&uuml;nen<\/strong><\/p><p>Die Gr&uuml;nen waren einmal eine Partei, mit der viele, auch ich, eine gro&szlig;e Hoffnung verbunden haben. Heute stehen sie offensichtlich unter Einfluss der USA und ihrer Dienste. Das fing vermutlich mit der engen Freundschaft zwischen Joschka Fischer und der damaligen US-Au&szlig;enministerin Albright an. Der Einfluss wird weiter beispielsweise sichtbar bei Cem &Ouml;zdemir, immerhin nach Verschwinden in der Versenkung jetzt wieder Minister im Kabinett Scholz. Er war in Schwierigkeiten, ging in die USA und kam &bdquo;gesund&ldquo; wieder. &ndash; Der US-Einfluss ist weiter sp&uuml;rbar bei einer der beiden wichtigsten Repr&auml;sentanten der Gr&uuml;nen, der Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock. Wenn man der Rolle als Au&szlig;enministerin gerecht werden will und deutsche Interessen vertreten will, dann darf man von einem gro&szlig;en Nachbarn wie den Russen nicht &ouml;ffentlich sagen, man wolle sie ruinieren. Das hat Baerbock getan, als sie Sanktionen gegen Russland ank&uuml;ndigte. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=r2Vskc9XxmY\">Siehe hier<\/a>. &ndash; <\/p><p>Auch das P&auml;rchen Marieluise Beck und Ralf F&uuml;cks ist ein Symbol und Beleg f&uuml;r die Rolle, die die Gr&uuml;nen bei uns spielen. Sie waren schon im Kontext des Maidan im Sinne der US-amerikanischen Politik t&auml;tig, sie sind es heute als Repr&auml;sentanten des Zentrums <a href=\"https:\/\/libmod.de\/\">Liberale Moderne<\/a>. <\/p><p>Diese Konstellation ist &uuml;brigens auch im weiteren Sinne interessant: Sie zeigt, dass andere L&auml;nder, im konkreten Fall die USA, mit allen m&ouml;glichen Mitteln spielen, um ihren Einfluss auf die Politik anderer auszu&uuml;ben: Sie nutzen Parteien, sie nutzen Stiftungen wie die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, f&uuml;r die Ralf F&uuml;cks in herausragender Funktion t&auml;tig war, und sie f&ouml;rdern die Etablierung von besonderen Einrichtungen, von NGOs wie dem Zentrum Liberale Moderne. <\/p><p>Hier muss man allerdings noch erg&auml;nzen, dass sie sich im konkreten Fall ihren Einfluss auch noch von den deutschen Steuerzahlern bezahlen lassen. Das Zentrum Liberale Moderne ist &uuml;ber weite Strecken Kostg&auml;nger von uns Steuerzahlern. Den Einfluss in der Ukraine haben sich die USA gerade auch &uuml;ber den Aufbau von einschl&auml;gigen NGOs &uuml;brigens selbst etwas kosten lassen: 5 Milliarden $. Diese Zahl sagt eigentlich schon alles. Sie best&auml;tigt in <strong>einem<\/strong> Fall, wie richtig die Annahme ist, dass der Gro&szlig;e Bruder &uuml;ber dem Atlantik massiven Einfluss auf andere L&auml;nder nimmt, im konkreten Fall bei uns mithilfe der Gr&uuml;nen.<\/p><p><strong>Zur SPD<\/strong><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-1056891.html\">&ldquo;Lawrow ist einer der gr&ouml;&szlig;ten Zyniker, die ich in meinem politischen Leben kennenlernen musste&rdquo;<\/a><\/p><p>Das sagte Michael Roth, der wichtigste Repr&auml;sentant der SPD in der Au&szlig;enpolitik &ndash; seit 15. Dezember 2021 Vorsitzender des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. Selbst wenn der Abgeordnete Roth mit seiner Aussage recht h&auml;tte, sagen darf er das nicht, wenn er noch dazu in seiner Funktion die M&ouml;glichkeit zum Gespr&auml;ch mit dem Repr&auml;sentanten eines anderen wichtigen Landes offenhalten will. Seine &Auml;u&szlig;erung passt &uuml;brigens gut zu den schon zitierten &Auml;u&szlig;erungen &bdquo;Russland ruinieren&ldquo; unserer Au&szlig;enministerin von den Gr&uuml;nen.<\/p><p>Das sind nur ein paar Beispiele daf&uuml;r, wie &auml;hnlich gef&auml;hrlich die etablierten Parteien f&uuml;r uns und unser Land sind.<\/p><p>Wir sollten uns nicht t&auml;uschen lassen vom Wippschaukeleffekt. Die AfD ist schlimm. Die anderen sind ebenfalls so schlimm, dass man einen fundamentalen Unterschied zwischen den anerkannten Parteien CDU\/CSU, SPD, Gr&uuml;nen und FDP einerseits und der AfD andererseits nicht erkennen kann.<\/p><p>Die Kenntnis der Manipulationsmethoden hilft dabei, nicht zu Fehleinsch&auml;tzungen zu kommen. Auch deshalb kommt im Anhang der Text zur Methode Nummer 9, dem Wippschaukeleffekt. <\/p><p><strong>Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst. &ndash; <\/strong><br>\n<strong>Methode Nummer 9 der dort beschriebenen 19 Methoden der Manipulation, Seite 45-48, siehe insbesondere die gefettete Passage:<\/strong><\/p><p><strong>9. Der Wippschaukeleffekt<\/strong><\/p><p>Der Begriff Wippschaukeleffekt klingt vermutlich fremd. In den Lehrb&uuml;chern kommt er nicht vor. Es fiel mir jedoch kein passenderer Begriff f&uuml;r die Manipulationsmethode ein, die hier zu skizzieren sein wird:<\/p><p>US-Pr&auml;sident Donald Trump ist schon eine besondere Figur, er bedient sich &uuml;bler Methoden und schl&auml;gt mit ma&szlig;losen Spr&uuml;chen um sich. Aber er ist bei vielen politischen Absichten und Taten wie etwa bei der Neigung, Kriege zu f&uuml;hren, nicht schlimmer als seine Vorg&auml;nger Barack Obama und vor allem als George W. Bush oder auch Bill Clinton und auch nicht schlimmer als seine Gegenkandidatin von 2016, Hillary Clinton. Doch dank des permanent gegen Pr&auml;sident Trump erhobenen Zeigefingers wird das ohnehin vorhandene negative Bild weiter verschlimmert. Im Gegenzug erscheinen seine Vorg&auml;nger und seine Konkurrentin beim 2016er Wahlkampf als vorteilhafte tugendhafte Figuren. Die Demokraten um Obama und Clinton wirkten geradezu als glanzvoll&nbsp;&ndash; das Ergebnis des Wippschaukeleffektes.<\/p><p><strong>Ein &auml;hnlicher Effekt tritt ein, wenn immer wieder und mit Recht die AfD und einzelne Politiker dieser Partei kritisiert und als undemokratisch bezeichnet werden. In der Kontrastierung mit den Rechten erscheinen die Kritiker als links oder linksliberal, obwohl viele von ihnen das gar nicht sind<\/strong>. Einen erstaunlich schr&auml;gen Beleg f&uuml;r diesen Effekt konnte man am 1. August 2019 im Internetmedium <em>Tichys Einblick<\/em> finden. Da macht sich Gastautor Dr. Manfred Schwarz, fr&uuml;her einmal f&uuml;r die CDU und den Hamburger Senat t&auml;tig, Gedanken &uuml;ber Innenminister Horst Seehofers Reaktion auf den Tod eines sechsj&auml;hrigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof und Seehofers Z&ouml;gern mit Kritik. Der Kommentator meint: &raquo;Zu gro&szlig; ist seine Angst, vom linken medialen Mainstream unter Dauerbeschuss genommen zu werden.&laquo;<sup>19<\/sup> Da f&uuml;hrt offensichtlich der Ruck nach rechts eines Beobachters des Geschehens dazu, dass er den wahren Standort des medialen Mainstreams in Deutschland v&ouml;llig verkennt. &raquo;Linker medialer Mainstream&laquo; in Deutschland&nbsp;&ndash; das ist zum Lachen.<\/p><p>Ein Beispiel aus fr&uuml;heren Zeiten: Zwischen den beiden Spitzenpolitikern Willy Brandt und Helmut Schmidt knirschte es oft. Schmidt hielt sich f&uuml;r f&auml;higer, war konservativer als Brandt und schon deshalb bei der Mehrheit der Medien h&ouml;her angesehen als Willy Brandt. Helmut Schmidt hat dieser besonderen Vorliebe nachgeholfen, indem er seinen Parteifreund Brandt h&auml;ufig kritisierte und ihn von seiner Umgebung in Hintergrundgespr&auml;chen schlechtmachen lie&szlig;. Der Effekt war erstaunlich: Je schlechter das Ansehen Willy Brandts wurde, umso mehr stieg die Bewunderung f&uuml;r Helmut Schmidt.<\/p><p>Die Wirkung wurde dabei noch dadurch verst&auml;rkt, dass Menschen dazu neigen, sich nicht entscheiden zu wollen. Im konkreten Fall konnten sie den Sozialdemokraten Brandt und auch die SPD ablehnen und gleichzeitig den Sozialdemokraten Helmut Schmidt gut finden. Das f&uuml;hrte am Ende zumindest im b&uuml;rgerlichen Lager der Schmidt-Bewunderer zu der Aussage, Helmut Schmidt sei prima, aber er sei in der falschen Partei.<\/p><p>Sachliche Gr&uuml;nde f&uuml;r diesen Wippschaukeleffekt gab es nicht, eher umgekehrt. Aber die Methode funktionierte.<\/p><p>Noch ein Beispiel: In den letzten Jahren begannen die etablierten Medien und ihre Vertreter die heranwachsenden Medien im Internet kritisch bis herablassend zu be&auml;ugen. Diese Kritik und die damit eintretende negative Etikettierung wirkt ebenfalls nach dem Schaukelprinzip. Die etablierten Medien erscheinen als das Wahre; sie erscheinen zugleich immer mehr als eine Einheit. Das Boulevardblatt <em>Bild<\/em>-Zeitung auf der einen Seite und zum Beispiel die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> und <em>Die Zeit<\/em> auf der anderen Seite wirken als einvernehmliche Gruppierung der wahren Medien. Das ist schon seltsam, vor allem dann, wenn man sich an die fr&uuml;heren gro&szlig;en Unterschiede und an die gegenseitige Kritik erinnert.<\/p><p>Es gibt bei uns im Westen unter kritischen Mitb&uuml;rgern seit langem schon eine skeptische Debatte und kritische Analyse dessen, was allgemein Demokratie genannt wird. Demokratie gab es fast nie, habe ich einmal mit Blick auf die massive finanzielle Unterst&uuml;tzung des CDU-Kanzlers Konrad Adenauer und seiner Nachfolger, vor allem Helmut Kohl und etwas stiller Angela Merkel, durch die Wirtschaft formuliert. Die konservativen Parteien CDU, CSU und FDP hatten die Unterst&uuml;tzung des reichen Teils unserer Gesellschaft. Sie hatten immer sehr viel mehr Mittel, um ihre Wahlk&auml;mpfe zu finanzieren. Gleiche Wettbewerbsbedingungen und damit wirklich demokratische Verh&auml;ltnisse gab es nie.<\/p><p>Auch in anderen L&auml;ndern ist das nicht anders, zum Teil schlimmer: In den USA m&uuml;ssen Pr&auml;sidentschaftskandidatinnen und -kandidaten Hunderte von Millionen Dollar heranschaffen, um kandidieren zu k&ouml;nnen. Diese Art von Kandidatenauswahl kann man nicht demokratisch nennen.<\/p><p>In Frankreich taucht ein Pr&auml;sidentschaftskandidat wie Emmanuel Macron aus dem Nichts auf. Offenbar ausgesucht und gesteuert.<\/p><p>Das Gro&szlig;e Geld spielt in allen solchen sogenannten Demokratien eine gro&szlig;e Rolle. Eigentlich m&uuml;sste man zugestehen, dass die Verh&auml;ltnisse nicht demokratisch sind. Da hilft der Wippschaukeleffekt aus der Patsche: Im Vergleich zu den sogenannten Autokraten, im Vergleich zum t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten Erdo&#287;an beispielsweise, erscheinen die bei uns handelnden Personen als Demokraten und unser System als demokratisch. Die Wippschaukel sorgt daf&uuml;r, dass wir dann als Demokraten und ohnehin als die Guten gelten.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102124\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Ljupco Smokovski \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu der auch auf den NachDenkSeiten gef&uuml;hrten Debatte um die AfD sind ein paar Anmerkungen f&auml;llig. 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