{"id":102007,"date":"2023-08-03T12:25:23","date_gmt":"2023-08-03T10:25:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102007"},"modified":"2023-08-03T17:02:15","modified_gmt":"2023-08-03T15:02:15","slug":"tagesschau-chefredakteur-kritiker-konstruieren-skandale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102007","title":{"rendered":"\u201eTagesschau\u201c-Chefredakteur: Kritiker \u201ekonstruieren Skandale\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als Reaktion auf den Vorgang um eine als zuf&auml;llige Passantin dargestellte WDR-Mitarbeiterin teilt Marcus Bornheim, der Chefredakteur von &bdquo;ARD Aktuell&ldquo;, aus: Manche Medienkritiker seien darauf aus, Skandale zu &bdquo;konstruieren&ldquo;. Auch spricht er von einem &bdquo;Gesch&auml;ftsmodell&ldquo; von &bdquo;bestimmten Verlagen&ldquo;, dabei werde versucht, Klickzahlen hochzutreiben. Die &Auml;u&szlig;erungen Bornheims lassen tief in die &ouml;ffentlich-rechtliche Selbstwahrnehmung und Kritikf&auml;higkeit blicken. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9924\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-102007-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=102007-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230803_Tagesschau_Chefredakteur_Kritiker_konstruieren_Skandale_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Vorgang um eine in der &bdquo;Tagesschau&ldquo; als zuf&auml;llige Passantin vorgestellte Mitarbeiterin des WDR wurde inzwischen von zahlreichen Medien beschrieben, bei <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/kultur\/kino_tv\/oeffentlich-rechtliche-in-der-kritik-tagesschau-gibt-eigene-moderatorin-als-kundin-aus_id_200662859.html\">&bdquo;Focus&ldquo; wird er etwa hier geschildert<\/a>. In diesem Zusammenhang hat der Chefredakteur von &bdquo;ARD Aktuell&ldquo;, Marcus Bornheim, in einem aktuellen Interview mit dem Deutschlandfunk eine meiner Meinung nach sehr bemerkenswerte Haltung gegen&uuml;ber Kritikern des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks (&Ouml;RR) offenbart. Bornheim ist seit Oktober 2019 als Nachfolger von Kai Gniffke Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, der ARD-Gemeinschaftsredaktion f&uuml;r Tagesschau und Tagesthemen. <\/p><p><strong>Eine Verschw&ouml;rung von Medienkritikern und &bdquo;bestimmten Verlagen&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Die kritische &Uuml;berpr&uuml;fung von Produktionen des &Ouml;RR wird von Bornheim beschrieben als ein &bdquo;Scannen&ldquo;, um dann daraus nach M&ouml;glichkeit einen Skandal &bdquo;zu konstruieren&ldquo;. Diese Themen aufzugreifen, wird in die N&auml;he von &bdquo;Clickbaiting&ldquo; ger&uuml;ckt. Es sei &bdquo;ein gut funktionierendes Gesch&auml;ftsmodell&ldquo;. Indirekt deutet Bornheim eine angebliche Arbeitsteilung an zwischen Medienkritikern auf Twitter einerseits und &bdquo;bestimmten Verlagen&ldquo; andererseits &ndash; das k&ouml;nnte man glatt in die N&auml;he von Verschw&ouml;rungstheorien r&uuml;cken. Erst als der Moderator angemessen kritisch nachfragt, schwenkt Bornheim um. <\/p><p>Ich finde die in dieser &bdquo;Verteidigung&ldquo; vorgebrachten Anschuldigungen gegen Kritiker der eigenen Produktionen (und die Haltung, die durch diese Anschuldigungen ausgedr&uuml;ckt wird und was sie &uuml;ber die eigene Kritikf&auml;higkeit aussagt) mindestens ebenso problematisch wie den Vorgang um die angeblich wegen eines bedauerlichen &bdquo;Fehlers&ldquo; nur &bdquo;verwechselte&ldquo; Mitarbeiterin selber. <\/p><p>Das ganze Interview findet sich <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/ard-aktuell-chef-marcus-bornheim-ueber-fehler-bei-der-tagesschau-dlf-65996510-100.html\">in diesem Beitrag des Deutschlandfunks<\/a>, die hier besprochenen Zitate kommen ab Minute 2:48. Auf die Feststellung des Moderators, dass der Vorgang vor einigen Jahren nicht in dieser Art aufgefallen w&auml;re und das Publikum nun genauer hinsehe, folgt die Frage: &bdquo;Sie m&uuml;ssten sich &uuml;ber so viel Schwarm-Intelligenz-Korrektiv freuen, oder?&ldquo; Darauf entgegnet Bornheim: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ja, wir beobachten das nat&uuml;rlich auch mit einer sehr professionellen Brille. Es gibt ja &ndash; das wissen wir nat&uuml;rlich auch &ndash; ich sag mal eine Handvoll, vielleicht auch zwei Handvoll von Accounts, die vor allen Dingen jetzt bei &sbquo;X&lsquo; fr&uuml;her bei Twitter unterwegs waren und ganz konsequent unsere Angebote, die wir erstellen (&hellip;), scannen und immer danach suchen, um daraus nach M&ouml;glichkeit einen Skandal zu konstruieren. Und wenn dieser Skandal im Social-Media-Bereich einen entsprechenden Reflex ausl&ouml;st, wissen wir nat&uuml;rlich auch, dass es aus bestimmten Verlagen den Wunsch gibt, diese Welle mitzunehmen. Und dann setzen diese Verlage nat&uuml;rlich auf dieses Clickbaiting, setzen das Wort &bdquo;Tagesschau&ldquo; in die &Uuml;berschrift und hoffen, dass sie so eine m&ouml;glichst gro&szlig;e Reichweite haben. Das ist also ein gut funktionierendes Gesch&auml;ftsmodell. Das wissen wir, das kennen wir. Und deswegen hat das jetzt auch im Prinzip wieder diesen Fall genau so erreicht. Damit m&uuml;ssen wir ein St&uuml;ckweit umgehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Immerhin &ndash; der Moderator bringt darauf einen berechtigten Einwand: &bdquo;Aber es ist ja die Realit&auml;t. Es ist ja, ich m&ouml;chte das jetzt mal positiv formulieren, die harte Schule, durch die Sie gehen m&uuml;ssen.&ldquo; Darauf antwortet Bornheim: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Absolut! Nein, das ist ja auch&hellip; Wenn wir Fehler machen, ist das &uuml;berhaupt gar kein Problem, dass wir zu diesen Fehlern stehen. Transparenz erh&ouml;ht unsere Glaubw&uuml;rdigkeit. Und Glaubw&uuml;rdigkeit ist das Beste, was wir anbieten k&ouml;nnen. Ich bin ein absoluter Verfechter von dieser Korrekturenseite, ich bin ein absoluter Verfechter davon, dass wir zu unseren Fehlern dann eben auch stehen und es auch erkl&auml;ren. So wie wir das jetzt auch gemacht haben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Nur ein &bdquo;saubl&ouml;der Fehler&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Zuvor hatte bereits der Chefredakteur Aktuelles beim WDR, Stefan Brandenburg, den Vorgang als &bdquo;saubl&ouml;den Fehler&ldquo; bezeichnet, <a href=\"https:\/\/www.bunte.de\/entertainment\/wdr-chefredakteur-stefan-brandenburg-saubloeder-fehler-penny-beitrag-sorgt-fuer-kritik.html\">wie Medien berichten<\/a>. Ob die Schilderungen Brandenburgs jedoch glaubw&uuml;rdig erscheinen und ob die Bezeichnung &bdquo;Fehler&ldquo; bei dem Vorgang wirklich angemessen ist, k&ouml;nnen unsere Leser beurteilen. Brandenburg schrieb:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Kollegin ist zuf&auml;llig nach ihrer Fr&uuml;hschicht in der Umfrage angesprochen worden. Sie hat dem Reporter, der sie nicht kannte, sinngem&auml;&szlig; gesagt: &lsquo;Ich komme gerade vom WDR-Radio.&rsquo; Wegen Nebenger&auml;uschen im Supermarkt habe der Reporter die Aussage missverstanden als &lsquo;ich habe es im WDR-Radio mitgekriegt&rsquo;.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Tweet des Nutzers ArgoNerd des nun &bdquo;X&ldquo; genannten Kurznachrichtendienstes hatte die Sache vor einigen Tagen bekannt gemacht, der Beitrag <a href=\"https:\/\/twitter.com\/argonerd\/status\/1686221531888971776\">findet sich hier<\/a>. ArgoNerd hat auch auf die aktuellen &Auml;u&szlig;erungen Bornheims hingewiesen, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/argonerd\/status\/1686945281273933825\">in diesem Tweet<\/a>. Auf die im &bdquo;Tagesschau&ldquo;-Beitrag thematisierte Penny-Aktion ist bereits Jens Berger <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101933\">in diesem Artikel<\/a> eingegangen.<\/p><p>Zum Abschluss eine allgemeine Anmerkung: Der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk sollte meiner Meinung nach nicht abgeschafft werden! Dass das Prinzip eines &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks verteidigt werden sollte, dass aber diese Verteidigung wegen der massiven inhaltlichen Verfehlungen der &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender selten so schwer war wie heute, haben wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68150\">hier beschrieben<\/a>. Eine rein private Medienlandschaft w&auml;re nicht besser: Einige der nun &bdquo;Skandal&ldquo; rufenden Journalisten von gro&szlig;en privaten Medien sind (je nach Thema) mutma&szlig;lich ebenfalls in Meinungsmache verstrickt. <\/p><p>Titelbild: Sharaf Maksumov \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Reaktion auf den Vorgang um eine als zuf&auml;llige Passantin dargestellte WDR-Mitarbeiterin teilt Marcus Bornheim, der Chefredakteur von &bdquo;ARD Aktuell&ldquo;, aus: Manche Medienkritiker seien darauf aus, Skandale zu &bdquo;konstruieren&ldquo;. Auch spricht er von einem &bdquo;Gesch&auml;ftsmodell&ldquo; von &bdquo;bestimmten Verlagen&ldquo;, dabei werde versucht, Klickzahlen hochzutreiben. Die &Auml;u&szlig;erungen Bornheims lassen tief in die &ouml;ffentlich-rechtliche Selbstwahrnehmung und Kritikf&auml;higkeit blicken.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102007\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":60698,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,183],"tags":[2619],"class_list":["post-102007","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienkritik","tag-ard-aktuell"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/shutterstock_1107065741.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=102007"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102022,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/102007\/revisions\/102022"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/60698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=102007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=102007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=102007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}